Autorin Jenny Schon über die schwierige Integration nach der Vertreibung (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 18 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 6. Mai 2022
VOLKSBOTE
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� Sudetendeutsches Museum
Eine Prise Sand erzählt Geschichte(n) Erstmals beteiligt sich das Sudetendeutsche Museum in München am Internationalen Tag des Museums und zeigt am Sonntag, 15. Mai, eine Sand-ArtPerformance.
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Zum Internationalen Tag des Museums zeigt die italienische Künstlerin Nadia Ischia im Sudetendeutschen Museum eine Sand-Art-Performance.
� Karl Schwarzenberg
„Dankbar, daß es gelungen ist“ In der Podiumsdiskussion (siehe rechts) hat sich Karl Schwarzenberg auch zu den deutschtschechischen Beziehungen geäußert. Diese seien mittlerweile „hervorragend“.
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r habe als Kind noch die Zeit des Hasses erlebt, heute sei diese dunkle Phase vorbei, so Schwarzenberg: „Der Haß ist nurmehr in der alten Generation zu finden, die die Okkupation noch mitgemacht und eventuell Verwandte verloren hat. Aber die Jugend betrachtet die Deutschen als selbstverständliche Nachbarn und Freunde.“ Auf beiden Seiten sei sowohl in der Politik als auch innerhalb der Gesellschaft viel geleistet worden, so Schwarzenberg: „Wenn ich bedenke, wie viele Sudetendeutsche zum Beispiel die Kirchen in ihrem ursprünglichen Heimatdorf restauriert haben. Aber es gab auch Tschechen, wie der jetzt verstorbene Petr Uhl, der sein Leben der Versöhnung gewidmet hat. Es ist sehr, sehr viel passiert. Und seien wir dankbar, daß dies gelungen ist.“ UM/TF
ie italienische Künstlerin Nadia Ischia präsentiert mit den vergänglichen Bildern aus Sand die Geschichte von Sepp und Jiří. Begleitet wird die Performance von Schauspieler Joe Henselewski, der von den beiden Jungen, einem Deutschen und einem Tschechen, erzählt, die in einer vergangenen Zeit leben. Die Freunde gehen durch dick und dünn und verstehen sich fabelhaft, obwohl sie zu Hause unterschiedliche Sprachen sprechen – bis die Idylle zerbricht.
Neben der Live-Performance zeigt die Künstlerin in einem Workshop, wie die Kunstform Sand-Art entsteht. Die 45minütigen Vorstellungen finden am Sonntag, 15. Mai, drei Mal statt, und zwar um 11.00 Uhr, um 14.00 Uhr und um 17.00 Uhr. Der SandArt-Workshop für Kinder und Familien dauert von 15.00 bis 16.30 Uhr. Der Eintritt zur Aufführung und zum Workshop ist frei. Aus Anlaß des MuseumsTages beträgt der Eintritt zur Dauerausstellung für Erwachsene 1 Euro. Kinder bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Das Sudetendeutsche Museum in der Hochstraße ist an diesem Tag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
� Der ehemalige tschechische Außenminister hält Putins Angriffskrieg für einen „einsamen Führerentschluß“
Karl Schwarzenberg: „Wir müssen zu 100 Prozent hinter der Ukraine stehen“ „Den kühlen Überlegungen nach kann Putin diesen Krieg nicht richtig gewinnen. Und es ist mir völlig unverständlich, warum er sich dazu entschlossen hat“, hat Karl Schwarzenberg, der legendäre Außenminister und Wegbegleiter von Václav Havel, die Strategie des russischen Präsidenten zerlegt.
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eim Tschechisch-Deutschen Salon in der Tschechischen Botschaft in Berlin hatte sich Schwarzenberg den Fragen von Tomáš Sacher, dem ehemaligen Direktor des Tschechischen Zentrums in Berlin, gestellt und Tacheles geredet. Schwarzenberg gehört zu den wenigen hochrangigen Politikern in Europa, die Putin noch nie vertraut haben. Der russische Präsident hatten Schwarzenberg deshalb bereits 2015 auf eine schwarze Liste gesetzt und ein Einreiseverbot für Rußland ausgesprochen – mit weiteren 88 Putin-Kritikern. Zu den wenigen Deutschen, die auf Putins Liste stehen, gehört auch Bernd
Posselt als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und ehemaliger Europaabgeordneter der CSU mit besten Verbindungen zu Demokraten in Mittel- und Osteuropa. Er habe, so Schwarzenberg auf der Podiumsveranstaltung in Berlin, Putin eigentlich für „einen hochintelligenten Mann“ gehalten. „Ich habe gedacht, daß Putin rational überlegt und vielleicht ein Erpressungsszenario aufbauten, aber daß er einen Krieg vom Zaune bricht, das habe ich nicht geglaubt“, gibt Schwarzenberg unumwunden zu und mutmaßt, daß auch Putins direktes Umfeld vom Angriffsbefehl überrascht wurde: „Das war ein einsamer Führerentschluß.“ Der Westen habe auf den russischen Angriffskrieg „relativ gut und entschlossen reagiert“, lobte Schwarzenberg. Insbesondere die gemeinsame Solidaritätsreise der Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien sei gut und richtig gewesen. Auch für Deutschlands Zögern, mit schweren Waffen die
So wie Putin die angebliche Unterdrückung der Russen in der Ukraine darstelle, habe Hitler seinerzeit von der Bedrohung und Unterdrückung der Deutschen in der Tschechoslowakei gesprochen. Schwarzenberg: „Es waren keiTomáš Sacher im Gespräch mit Karl Schwarzenberg. ne idealen Zustände, aber es Ukraine zu unterstützen, zeigt gab gleichwohl keine UnterdrücSchwarzenberg Verständnis. Die kung. Geschichte wiederholt „Zeitenwende“ des Bundeskanz- sich nicht, aber sie kommt in ähnlers Olaf Scholz sei ein gravieren- lichen Situationen wieder.“ der Einschnitt in der deutschen Schwarzenberg warnte desPolitik. „Vor allem die Sozialde- halb den Westen davor, sich wie mokratie war seit Willy Brandt damals vor der Verantwortung vom Mythos geprägt, Deutsch- wegzuducken und einen Apland sei die große Friedens- peasement-Kurs einzuschlagen: macht, die Rußland mit dem Rest „Ich glaube, wir müssen zu hunder Welt versöhnt“, analysier- dert Prozent hinter der Ukraite Schwarzenberg und zog Ver- ne stehen.“ Man dürfte als Eugleiche mit der Entwicklung im ropa oder USA auch nicht aus eiVorfeld des Zweiten Weltkriegs. genem Interesse „die Ukraine zu
Kompromissen drängen, nur weil wir den Frieden wollen“. Dies bedeute, daß der Westen bereits jetzt deutlich machen müsse, daß man Gebiete, die die Russen erobert oder in ihrer Lesart „befreit“ haben, nie anerkennen werde. „Vergessen wir nicht, daß die Vereinigten Staaten nie, auch nicht in Zeiten des Bündnisses mit der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, die Okkupation der baltischen Staaten durch die Sowjetunion anerkannt haben“, erklärte Schwarzenberg und forderte: „Wir müssen an dem Rechtsstandpunkt festhalten, daß wir durch Gewalt erzwungene Sektionen von Gebieten nie akzeptieren werden. Daß dieser Standpunkt in der augenblicklichen Lage keinen Erfolg hat, ist klar, aber auf Dauer ist es sinnvoll. Aber vor allem müssen wir jetzt die Ukraine mit Waffen unterstützen. Und wenn der Krieg zu Ende ist, müssen wir den wirtschaftlichen Aufbau unterstützen und einen Marshall-Plan für die Ukraine umsetzen.“ Ulrich Miksch/Torsten Fricke
� SL-Landesobmann Steffen Hörtler in sudetendeutscher Mission unterwegs
Grüß Gott in Prag und München Endlich wieder persönliche Treffen statt Videokonferenzen: Steffen Hörtler, Landesobmann der SL in Bayern, hat die entspannte Coronalage genutzt, um in Prag und München den neuen Gesprächspartnern Grüß Gott zu sagen. Der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne (dritter von links), mit Thomas Konhäuser und Reinfried Vogler von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen sowie Steffen Hörtler, Landesobmann der SL in Bayern.
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n Prag wurde Hörtler gemeinsam mit Reinfried Vogler, Vorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und
Präsident a.D. der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung, von Deutschlands Botschafter in Prag, Andreas Künne, empfangen. Hörtler: „Ich freue mich sehr, daß unser Botschafter zugesagt hat, zum Sudetendeutschen Tag nach Hof zu kommen und dort auch zu sprechen. Wir hatten einen sehr guten Austausch und werden auch in Zukunft
eng zusammenarbeiten, um die deutsch-tschechische Versöhnung weiter voranzubringen.“ Herzlich war auch Hörtlers Antrittsbesuch bei Dr. Ivana Červenková, die seit 1. April tschechische Generalkonsulin in München ist. Die Diplomatin und Völkerrechtsexpertin war bereits in Bonn, Bern und Wien im Einsatz und spricht neben Englisch und Französisch auch perfekt Deutsch.
Münchens neue Generalkonsulin Dr. Ivana Červenková mit SL-Landesobmann Steffen Hörtler.
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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ayerns Staatsminister für Gesundheit und Pflege, MdL Klaus Holetschek (CSU), hat bei seinem Besuch in der tschechischen Hauptstadt ein sehr umfangreiches Programm absolviert. Zu seinen Terminen gehörte auch ein Treffen mit dem Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton. Holetschek, der selbst sudetendeutsche Wurzeln hat, zeigte im Gespräch reges Interesse an der Verständigungsarbeit dieser Institution, die die Chance nutzt, direkt vor Ort ihre Erfahrungen im sudetendeutschtschechischen Dialog an die Vertreter der deutschen Politik, die
in Tschechien unterwegs sind, weiterzugeben. Die Corona-Pandemie hatte in den vergangenen Jahren dazu geführt, daß mancher grenzüberschreitende Dialog nicht auf die gewohnte Weise stattfinden konnte. In den vergangenen Monaten hat sich die Lage entschärft, und Barton konnte inzwischen zahlreiche Besucher der Tschechischen Republik in Prag treffen. Das Gespräch mit Minister Holetschek, der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz ist, drehte sich um das stets wiederkehrende Thema von Flucht und Vertreibung, das durch den Krieg Rußlands gegen die Ukraine aktueller
PRAGER SPITZEN Uran-Reserve reicht für mehrere Jahre
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denn je ist. An diesem Gespräch beteiligt war als Vertreter der tschechischen Organisation Sdružení Ackermann-Gemeinde auch Monsignore
Adolf Pintíř, der den Minister ebenfalls über seine Erfahrungen im sudetendeutsch-tschechischen Dialog informierte.
Heimatministerin Nancy Faeser stellte sich bei den Vertriebenen vor
Spannender BdV-Empfang: Quo vadis, Bundesregierung? Nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause hat der Bund der Vertriebenen wieder Vertreter der Bundespolitik zum traditionellen Jahresempfang in die Katholische Akademie in BerlinMitte eingeladen.
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or dem Regierungswechsel hatte Angela Merkel als Bundeskanzlerin regelmäßig die Festansprache gehalten, zuletzt 2019. Jetzt dominierte auf dem Jahresempfang die Frage, wie sich die rot-gelb-grüne Bundesregierung im Umgang mit dem BdV aufstellt, zumal nur ein paar Tage vor dem Termin Bundesheimatministerin Nancy Faeser Gastgeber Bernd Fabritius kurzfristig als Beauftragten der Bundesregierung abgelöst hatte (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) und jetzt auf dem Jahresempfang die Festrede hielt. BdV-Präsident Bernd Fabritius nutzte seine Begrüßung dann auch, um die Ministerin, die neue Beauftragte Natalie Pawlik und die anderen Politiker auf drei wesentliche aktuelle Anliegen des BdV hinzuweisen. Erstens auf die Benachteiligung von Aussiedlern und Spätaussiedlern im Rentenrecht, zweitens auf die Benachteiligung der deutschen Minderheit in Polen, den das polnische Bildungsministerium den muttersprachlichen Unterricht von drei auf nur noch eine Stunde pro Woche gekürzt hatte, und drittens auf die schwierige Lage der deutschen Minderheit in der Ukraine und in Rußland. Im Angesicht „der menschenverachtenden Invasion Rußlands in der Ukraine“ würden die 400 000 Angehörigen der deutschen Minderheit in Rußland wieder drangsaliert und ausgegrenzt. Sie würden, so Fabritius, häufig zu Solidaritätsbekundungen mit der „Militärischen Sonderoperation“ aufgefordert und
man werfe ihnen vor, Deutschland sei ein „unfreundliches Land“ und unterstütze Sanktionen. Bundesheimatministerin Nancy Faeser stellte sich in ihrer Rede als Innenexpertin von Hessen in früheren Jahren vor, in denen sie parteiübergreifend mit der Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf, dem ehemaligen hessischen Justizminister, dem Königsberger Christean Wagner und dem Su-
detendeutschen Siegbert Ortmann, die alle anwesend waren, gut zusammengearbeitet habe. Faeser lobte die Arbeit von Bernd Fabritius als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten in höchsten Tönen und begrüßte am Ende ihrer Rede gleichzeitig die von ihr am 14. April neubenannte Beauftragte und Rußlanddeutsche Natalie Pawlik. Die 29jährige SPD-Politikerin ist als Sechsjährige mit ihren Eltern von Sibirien nach nach
BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius sprach aktuelle Anliegen der Vertriebenen an, wie die Benachteiligung im Rentenrecht, den Deutschunterricht in Polen und die aktuelle Lage der Deutschen in Rußland. Foto: Miksch
MdB Rita Hagl-Kehl (Sudetendeutscher Rat), Bundesheimatministerin Nancy Faeser, SL-Landesobmann Steffen Hörtler und Reinfried Vogler (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen) Foto: BdV/Bildkraft
Hessen spätausgesiedelt und in Bad Nauheim aufgewachsen. In ihrer Rede versprach Faeser, daß Flucht und Vertreibung auch für die jetzige politische Führung von Relevanz bleiben: „Wenn eine neue Bundesregierung ihre Arbeit aufnimmt, wird in fast allen Politikbereichen genau hingeschaut und die berechtigte Frage gestellt: Was ändert sich, und was wird weitergeführt? Für die Vertriebenen- und Aussiedlerpolitik kann ich Ihnen versichern, sie hat ihren festen und selbstverständlichen Platz in der Abteilung Heimat, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Demokratie, also in der gesellschaftspolitischen Abteilung meines Hauses. Und sie bildet auch einen besonderen Schwerpunkt in unserer Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Außerdem kündigte die Ministerin weitere Maßnahmen an, die die Bundesregierung plane, und gab damit direkt Antwort auf die durch Fabritius vorgebrachten Mißstände. Faeser sicherte unter anderem den Härtefallfonds im Bereich der Grundsicherung für jüdische Zuwanderer und Spätaussiedler und in der Rentenüberleitung zu. Und sie kündigte ihre Unterstützung für die deutsche Minderheit in Polen an: „Die geplante Kürzung des Deutschunterrichts als Minderheitensprache in polnischen Schulen ist so nicht zu akzeptieren.“ Man werde, so Faeser, auf diplomatischem Wege versuchen, Einfluß zu nehmen. Unter den Gästen: Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums, und MdEP a.D. Milan Horáček, Mitglied des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. Ulrich Miksch
Bund der Vertriebenen zeichnet renommierten Rußland-Experten aus
Ehrenplakette für Dr. Alfred Eisfeld
Auf dem Jahresempfang hat der Bund der Vertriebenen den Historiker Dr. Alfred Eisfeld mit der Ehrenplakette des Verbandes ausgezeichnet.
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er in der Sowjetunion, in Uwa, geborene, in Bonn und München studierte, schließlich 1983 in München promovierte Historiker ist noch immer im Göttinger Arbeitskreis tätig und gilt als Experte für die Geschichte und Kultur der Deutschen im Russischen Reich, der Sowjetunion und der GUS, für russische und sowjetische Nationalitätenpolitik sowie für deutsch-russische und deutsch-ukrainische Beziehungen. Eisfeld war seit
und 2013 auch Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland. In seiner Dankesrede schilderte er seine Arbeit im Göttinger Arbeitskreis, der die GeschichMinisterin Nancy Faeser und BdV-Präsident Dr. Bernd te der 2,5 MilFabritius ehren Dr. Alfred Eisfeld. Foto: BdV/Bildkraft lionen Rußlanddeutschen, die 2010 wissenschaftlicher Berater seit den 1950er Jahren, vor allem der Stiftung Flucht, Vertreibung, aber nach 1987 nach DeutschVersöhnung und zwischen 2009 land gekommen sind, themati-
siert und grenzüberschreitend in die Herkunftsländer Rußland, Kasachstan, wo fast die Hälfte aller Rußlanddeutschen lebten, Aserbaidschan, Ukraine und Kirgistan und deren Geschichtsschreibung hineinwirkte. Der Historiker nutzte aber auch die Gelegenheit, um vor den anwesenden Politikern auf Mißstände hinzuweisen. So gerate ein Publikationsprojekt über kasachische Archivalien der Rußlanddeutschen mehr als zehn Jahre nicht zur Ausführung, weil es in keinen Fördertopf passe, obwohl doch die Förderung der kulturellen Identität im Bundesvertriebenengesetz festgeschrieben sei. UM
ie Tschechische Republik verfügt aktuell über Gasreserven für zwei Monate, Ölreserven für drei Monate und Kernbrennstoffreserven für zwei bis drei Jahre, hat Premierminister Petr Fiala (ODS) den Abgeordneten berichtet. Man werde, so Fiala, alle Maßnahmen ergreifen, um die Gasspeicher vor dem nächsten Winter auf mindestens 80 Prozent zu füllen. Anders als Polen und Bulgarien, die als direkte Kunden der russischen Gazprom kein Gas mehr erhalten, sei die Versorgung für Tschechien weiterhin gesichert, da man über Kurzzeit- und Spotmärkte in Westeuropa einkaufe.
Wieder mehr Flüge von und nach Prag
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tärker als erwartet ist das Verkehrsaufgekommen am Prager Flughafen nach der Pandemie wieder gestiegen. Im ersten Quartal wurden rund 1,4 Millionen Passagiere abgefertigt. Das sind deutlich mehr als im vergangenen Corona-Krisenjahr, aber nur etwa 40 Prozent der Vorpandemiezeit. Laut aktuellen Schätzungen wird der Prager Flughafen trotz der Aussetzung der Flüge in die Ukraine und nach Rußland im Gesamtjahr 2022 bis zu 9,6 Millionen Fluggäste abfertigen, meint Jiří Pos, der Vorstandsvorsitzende des Prager Flughafens. Vor der Pandemie hatte der Flughafen jährlich 17,8 Millionen Passagiere. Im vergangenen Jahr waren es nur 4,4 Millionen.
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Verdienst ist oft zu gering
in angemessener Mindestlohn beträgt in Tschechien derzeit 33 909 Kronen brutto, was umgerechnet 1 380 Euro entspricht. In Prag liegt der Wert wegen höherer Lebenshaltungskosten bei 39 974 Kronen (1 630 Euro), hat ein Expertenteam errechnet und dabei Kosten für Lebensmittel, Wohnen, Kleidung, Verkehrsmittel, Gesundheit, Bildung, Kommunikation und kleinere Rücklagen berücksichtigt. Im vergangenen Jahr haben demnach 41 Prozent der rund 3,6 Millionen Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft unter dem angemessenen Mindestlohn verdient, und im öffentlichen Sektor waren es immerhin noch 17 Prozent der Beschäftigten.
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Filmfestival in Prag eröffnet
it dem Film „Nosoroh“ (Nashorn) des ukrainischen Regisseurs Oleh Senzow ist am Donnerstagabend im Prager Kino Slovanský dům das 29. Internationale Filmfestival Febiofest eröffnet worden. Senzow wird in diesem Jahr mit dem KristiánPreis ausgezeichnet. Bis zum 4. Mai werden über 90 zeitgenössische Filme in Prag gezeigt.
Gute Chancen für Prags Diplomatie
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ach dem Ausschluß Rußlands aus dem UN-Menschenrechtsrat entscheidet die Vollversammlung am 10. Mai, welches Land aus Mittel- oder Osteuropa in das Gremium nachrückt. Einziger Bewerber ist bislang die Tschechische Republik.
Kostenlose Pakete in die Ukraine
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uch die Tschechische Post unterstützt die Ukraine. Seit 1. März können Pakete mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm kostenlos in das von Rußland überfallende Land verschickt werden. Am Freitag wurde die Marke von 10 000 Paketsendungen überschritten, hat das Unternehmen gemeldet.
Russen-Denkmal wird entfernt
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rei Meter hoch, 1981 aufgestellt – und bald Geschichte. Der Stadtrat der böhmischen Stadt Jermer hat wegen des russischen Völkermords an der Ukraine entschieden, das überlebensgroße Denkmal eines Rotarmisten im Zentrum zu entfernen.
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Coronalage entspannt sich
m Sonntag wurden in Tschechien 396 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert – ein Drittel weniger als in der Vorwoche. In den Krankenhäusern sank die Zahl der Patienten auf 560 Patienten – den niedrigsten Wert seit Mitte Oktober vergangenen Jahres. Und für den Monat April wurden 83 343 Neuinfektionen bestätigt – die niedrigste Zahl von Neuinfizierten während eines Monats seit Oktober 2021. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell nur noch bei 93 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner.
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Nach der Vertreibung hatte die 1942 im böhmischen Trautenau geborene Jenny Schon eine schwierige Kindheit im Rheinland. Doch die junge Frau kämpfte sich durch, zog in den Westteil von Berlin, holte das Abitur nach und stieg zur erfolgreichen Autorin und Herausgeberin auf. 2021 wurde sie zum Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Künste ernannt. Im Herbst will Jenny Schon nach München kommen, um – pandemiebedingt mit Verspätung – ihre Antrittsvorlesung zu halten. Im Sudetendeutschen Gespräch spricht Jenny Schon offen über die Vergewaltigung ihrer Mutter während der Vertreibung, die schwierige Nachkriegszeit im Westen und die mißlungene Integration, die ihre Familie entzweit hat.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Autorin Jenny Schon über ihre schwierige Kindheit und eine mißlungene Integration, die ihre Familie entzweit hat
„In Berlin weiß man wenig über die Sudetendeutschen“
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rau Schon: Sie wurden im Juli 1945 mit Ihrer Mutter aus Trautenau im Riesengebirge vertrieben. Sie waren damals drei Jahre alt. An was können Sie sich erinnern beziehungsweise was hat Ihnen Ihre Mutter über die Vertreibung erzählt? Jenny Schon: Ich erinnere mich erst an die Zeit, nachdem wir im November 1945 in Brühl bei Köln angekommen waren. Mir als Kind hat meine Mutter nichts von der Vertreibung erzählt, außer harmlose Details aus unserem Heimatort Trautenau. Wer wo gewohnt hat, wo meine Mutter zur Schule gegangen ist und so weiter. Über 1945 und die Vertreibung haben wir erst gesprochen, nachdem ich 1992, also nach der Samtenen Revolution, in Tschechien gewesen war, um mehr über das Schicksal meiner Familie zu erfahren. Da erzählte meine Mutter mir auch, daß sie damals kurz vor der sächsischen Grenze von einem Tschechen vergewaltigt worden ist. Und daß ich dabei war. Wo war Ihr Vater zu dieser Zeit? Schon: Mein Vater war Soldat bei der Luftwaffe und beim Bodenpersonal in Königgrätz eingesetzt. Er kam uns bis Anfang 1945 jedes Wochenende in Trautenau besuchen. Auf der Flucht vor den Russen wurde seine Einheit bei Pilsen in amerikanische Gefangenschaft genommen. Mein Vater hat später erzählt, daß er und
Inwieweit prägte Sie die Vertreibung aus Ihrer Heimat beruflich? Schon: Beruflich überhaupt nicht. Ich würde es auch nicht Heimat nennen, sondern Geburtsheimat. Ich durfte nicht auf die Höhere Schule, also machte ich ab 14 eine Lehre. Weil ich gut rechnen konnte, verschaffte mir die Berufsberaterin eine Ausbildungsstelle bei einem Steuerberater in Brühl. Nach der Lehre ging ich nach Köln in eine Buchhandlung und machte Buchführung, aber ich wollte Buchhändlerin werden, weil ich begonnen hatte, Liebesromane zu schreiben und die Worte lieber hatte als die Zahlen. Wie zog es Sie nach Berlin? Schon: Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 war ich Teil einer Jugendgruppe, die nach Berlin gefahren ist. Dort wurde ich als junge Berufstätige angeworben und lebe seitdem in Berlin, weil ich hier meine Träume verwirklichen konnte. Ich wurde Buchhändlerin, eröffnete eine eigene Buchhandlung, machte Abi, studierte und arbeitete an der Uni. Seit 1995 bin ich freie Autorin, seit 1998 selbständige Stadtführerin. Ich lernte mehrere Berufe, immer auf der Suche nach was Neuem. Ob das mit Vertreibung zu tun hat, bezweifle
� Zur Person: Jenny Schon
Geboren am 16. Dezember 1942 in Trautenau. Lehre als Steuerfachgehilfin. 1961 Umzug nach Berlin, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. � Ab 1969/70 Studium der Sinologie und Publizistik. � 1972 Einladungsreise in die Volksrepublik China. � 1988 bis 1993 Aufbaustudium in den Fächern Philosophie und Kunstgeschichte. � 1988 bis 1991 Lehraufträge an der Freien Universität Berlin zum Thema „Chinesische Philosophie“. � Seit 1998 selbständige Stadtführerin in Berlin. � Gründungs-Mitglied des Vereins Kunst.Raum.Steglitz e.V. Berlin, Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland, Künstlergilde e.V. Esslingen, in der GEDOK e.V. Berlin, Künstlerkolonie e.V. Berlin und Stifter Verein e.V. München. � Zahlreiche Literaturpreise für Lyrik, Romane sowie Beiträge in Anthologien. � 2021 Berufung in Anerkennung der großen künstlerischen Leistungen als ordentliches Mitglied in die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste. � �
Jenny Schon als Stadtführerin in ihrer Wahlheimat Berlin. gewaltigung Angst, alleine zu reisen. Alle näheren Verwandten kannten in Deutschland nur die eine Adresse, die von meinen Großeltern väterlicherseits in Brühl bei Köln, weshalb im Laufe der Jahre alle Vertriebenen der näheren Familie dort aufkreuzten. Hatten Sie und Ihre Familie kurz nach dem Kriegsende ausreichend zu essen? Schon: Natürlich nicht. Wenn wir nicht einen Gemüsegarten
Ihre Eltern Anni und Oskar heirateten am 12. Oktober 1942 in Tratenau. seine Kameraden in den Kellern der Pilsener Brauerei, die zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert wurde, eingesperrt waren. Und daß er dort zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen hat, der ihm Schokolade geschenkt hat. Für mich als Kind bedeutete das, daß Schwarze eben schwarz sind, weil sie Schokolade essen und verschenken. Das N-Wort, mit denen Schwarze damals üblicherweise bezeichnet wurden, war deshalb für mich auch kein Schimpfwort, sondern stand für Menschen, die Schokolade verschenken. In welcher Stadt hatte Ihre Vertreibung ein Ende? Schon: Wir lebten von Juli bis November bei Zinnwald an der sächsischen Grenze, dann holte der Bruder meiner Mutter uns von dort. Meine Mutter durfte dort nicht bleiben. Sie hatte eine Ausweisung in den britischen Sektor, weil ihr Mann Rheinländer war. Der Bruder war Kriegsversehrter, und meine Mutter hatte nach dem Trauma der Ver-
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angelegt und Tiere gehalten hätten, hätten wir noch mehr hungern müssen. Erst ab Mitte der 1950er Jahre ging es uns besser. Die ersten zehn Jahre nach dem Krieg waren sehr, sehr schwer. Wie haben Sie und Ihre Familie sich in Ihrer neuen Heimat eingelebt? Wie wurden Sie aufgenommen? Schon: Mein Vater war als Rheinländer Einheimischer. Er hatte Familie und Freunde dort. Meine Mutter war dagegen eine Pimmock, also ein Flüchtling, und nicht erwünscht. Das habe sogar ich als kleines Kind mitbekommen. Ich habe gespürt, unter welchem Anpassungsdruck sie litt und wie sie versuchte, alles so zu machen wie die Einheimischen, nur um nicht als Fremde aufzufallen. Meine Mutter kochte für meinen Vater sogar rheinisch, aber für mich und sich selbst böhmisch. Es gab also viel Mehlspeisen bei uns, zum Beispiel Pflaumenknödel. Als ich neun war, kam 1951 mein Bruder auf die Welt. Als Mutter ei-
nes Rheinländers war sie damit endlich anerkannt, aber ich war von Stund an nur noch geduldet. Ich durfte nicht auf die höhere Schule, obwohl ich als Arbeiterkind von den Lehrern diese seltene Empfehlung erhalten hatte, weil das Geld kostete. Und man sagte mir immer wieder, daß ich als Mädchen sowieso nichts wert sei. Bevor mein Bruder geboren wurde, versuchte ich eine Art Ersatzsohn zu sein. Ich hämmerte mit meinem Vater, machte mit
Jenny auf dem Arm ihres Vaters. ihm den Schweinestall sauber, besorgte Futter, grub mit ihm auf dem Feld und schleppte Kohlen. Nachdem ich die Schulzeit beendet hatte, begann ich 1957 eine Lehre. Mit 18 Jahren verließ ich das Elternhaus und zog in den Westteil Berlins um. Ich war aus-
Fotos: privat gelernt, hatte gute Stellen und konnte mich alleine ernähren. Bevor meine Mutter 2015 im Alter von 93 Jahren verstarb, hat sie mal gesagt, sie habe alles gut gemacht. Sie sei anerkannt und eine richtige Rheinländerin geworden. Für sie war ihr Leben eine absolute Erfolgsgeschichte in Immigration. Für mich ist die doppelte Zurückweisung als Mädchen und Flüchtling das Trauma meines Lebens, nicht die Vertreibung. Spürten Sie, als Sie dann in die Schule kamen, eine Ausgrenzung als Flüchtlingskind ? Schon: In der Schule nicht. Es war eine evangelische Schule im katholischen Rheinland. Seit Ende der Kaiserzeit gingen hier nur Kinder von Zugezogenen hin. Außerdem kamen noch bis in die späten 1950er Jahre immer wieder Kinder von Aussiedlern, die neu eingetroffen waren. Anders beim Spielen auf der Straße und in den Trümmergrundstücken. Da wurde ich diskriminiert, aber eher weil ich evangelisch und rothaarig war. Ihre Familie ist an der Vertreibung zerbrochen. Schon: Seit dem Tod meiner Mutter habe ich mit meinem Bruder keinen Kontakt mehr. Wir waren auch davor nicht sehr eng gewesen, eher wie sehr entfernte Verwandte. Mein Bruder hat sich einmal beklagt, er sei wegen unserer Mutter noch vie-
� Werke von Jenny Schon (Auswahl) n Der Graben. Roman. verlag am park/edition ost, Berlin 2005. n Die Sammlerin. Roman. trafo, Berlin 2009. n Mit Joachim Süß: PostelbergKindeskinder – Träume und Trauma. Erzählungen und Gedichte. Odertor-Verlag, Bad Schussenried 2011. n Finger zeig. Geschichten zum 25. Jahr der Maueröffnung. Geest-Verlag, 2014. n 1967 Wespenzeit. Roman. Dahlemer Verlagsanstalt, Berlin 2015.
n halbstark. Roman. GeestVerlag, Vechta 2017. n Der Duft der Bücher. Roman. Dittrich Verlag, 2019. n Flüchtige. Erzählungen zu 30 Jahre Mauerfall und Samtene Revolution. GeestVerlag, Vechta 2019. n Hier stehe ich ... Ich kann nicht anders. Geschichten von Widerstand. Essays und Erzählungen. Geest-Verlag, Vechta 2021. n Das Seidenbrokatsofa. Roman der 70er Jahre. Dittrich Verlag, Weilerswist 2021.
le Jahre nach dem Krieg bis in die 1960er Jahre als „Pimmock“ beschimpft worden. Er hat ihr das sein Leben lang nicht verziehen. Nach ihrem Tod hat er meine Mutter dann ohne mein Wissen und ohne Trauerfeier weit weg von Brühl beerdigen lassen. Ich selbst habe unter dieser Pimmock-Bezeichnung nicht gelitten. Vielleicht lag es daran, daß ich nur Freundinnen hatte, deren Familien auch vertrieben waren. Als mein Bruder zur Schule kam, waren die Konfessionsschulen bereits aufgehoben. Er war deshalb nur mit Einheimischen zusammen und verließ die Schule ohne Abschluß. Haben Sie später das Thema Vertreibung mit Ihren Eltern aufgearbeitet? Schon: Mit meinem Vater nicht, obwohl er damals in Trautenau glücklich war. Es gibt ein paar Fotos, wo er mich sogar auf dem Arm trägt. Er hatte einen Vertriebenenausweis, machte darüber aber nur Witze und kassierte den Lastenausgleich. Bei den sonntäglichen Besuchen von Freunden und Verwandten sprachen die Männer nur über den Krieg. Da hörte ich dann weg. Mit meiner Mutter konnte ich über unsere Vertreibungsgeschichte erst in den 1990er Jahren sprechen. Dabei erfuhr ich auch, daß wir immer noch Verwandte in Tschechien haben, die ich dann auch besuchte. Wann waren Sie das erste Mal in Ihrer alten Heimat? Was fühlten Sie dabei? Schon: Ich war bereits 1975 einmal zu Besuch, aber nicht um die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern um auf die Schneekoppe zu fahren. Von Politik wurde damals kein Sterbenswörtchen geredet.
ich, sondern eher mit einem aufgeweckten Geist. Wann haben Sie gespürt, daß die Vertreibung bei Ihnen doch ein Trauma ausgelöst hat? Schon: Das Problem der Vertreibung und seine Spätfolgen erlebte ich erst in den 1990er Jahren, als ich viel in Tschechien unterwegs war und dort sogar hinziehen wollte. Da bekam ich fast eine Psychose vor Angst und wurde als PTBS-Kranke verfrührentet. Dieses ist mitunter Thema in meiner Literatur. Und alle meine Bücher enthalten in irgendeiner Form das Thema Böhmen. Trotz Ihres schwierigen Starts haben Sie auch akademisch viel erreicht. Sie sind 2016 mit dem Andreas-Gryphius-Preis ausgezeichnet und 2021 in die Sudetendeutsche Akademie der Künste gewählt worden. Wann werden Sie Ihre Antrittslesung halten? Schon: Antrittsvorlesung ist zu hoch gegriffen, es ist eher eine Vorstellung. Wegen Corona sind viele Pläne durcheinandergebracht worden. Ich plane jetzt, daß ich im Oktober nach München komme. Wie ist Ihr aktuelles Leben in Berlin? Schon: Ich habe gute Kontakte zu in Berlin lebenden Tschechen. Und in der Sudetendeutschen Landesgruppe bin ich Protokollantin. Ansonsten ist das Thema Sudetendeutsche in Berlin extrem unterrepräsentiert – was in Bayern, wo viele Sudetendeutsche leben, oft nicht verstanden wird. Schon Theodor Fontane hatte sich gewundert, daß man in Böhmen Deutsch sprach. Und auch heute weiß man in Berlin wenig über die Sudetendeutschen. Nicola Fricke
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TERMINE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Veranstaltungsreihe im Vorfeld des Sudetendeutschen Tags
Deutsch-Tschechische Freundschaftstage in Hof
ie Gastgeberstadt Hof nimmt das traditionelle Treffen der Sudetendeutschen zum Anlaß, um im Vorfeld grenzüberschreitend zu den Deutsch-Tschechischen Freundschaftstagen einzuladen. Das Programm: Freitag, 6. Mai, 19.00 Uhr: „Geheimnisvolle Orte, verborgene Schätze – Auf Entdekkungsreise im Ascher Land“. Buchvorstellung mit der Autorin Beate Franck. In ihrem neuen Buch „Geheimnisvolle Orte, verborgene Schätze“ nimmt die Autorin die Leser mit auf eine Entdeckungsreise in diesen besonderen Landstrich rund um Asch/Aš und Rossbach/Hranice im Grenzgebiet zu Bayern und Sachsen. Die Veranstaltung wird zweisprachig angeboten. Stadtbücherei, Wörthstraße 18, Hof. Samstag, 7. Mai, 18.00 Uhr: „Alois Nebel“. Animationsfilm von Tomáš Luňák, basierend auf dem Comicband „Alois Nebel“
von Jaroslav Rudiš. Es ist das Ende des Sommers im Jahr 1989. Alois Nebel arbeitet als Fahrdienstleiter eines kleinen Bahnhofs im Sudetenland, einer verlassenen Gemeinde mitten in den Bergen. Er ist ein Eigenbrötler. Nach einem längeren Sanatoriumsaufenthalt kommt er zurück ins Leben, aber die Welt hat sich verändert. Die Berliner Mauer und das kommunistische Regime in Tschechien sind gefallen. Alois weiß nicht, was er tun soll. Beim Prager Hauptbahnhof trifft er die Liebe seines Lebens: Květa, die Toilettendame. Tschechisch mit deutschen Untertiteln. Central-Kino, Altstadt 8, Hof. Sonntag, 8. Mai, 11.00 Uhr: Konzert mit der Jazz Big Gang aus der Partnerstadt Eger. Die Jazz Big Gang aus Hofs Partnerstadt Eger/Cheb ist eine ausgezeichnete zwanzigköpfige JazzBigband. Unter der Leitung von Radim Vojir interpretieren sie sowohl modernen als auch traditionellen Jazz in beeindruckender Weise. Ihr Repertoire umfaßt weiterhin Swing, Funk, Latin und Jazzrock. Musikpavillon Theresienstein, Stadtpark, Hof. Sonntag, 8. Mai, 14.00 Uhr: Zweisprachige Führung in der Abteilung „Flüchtlinge und Ver-
Bis Freitag, 30. September:
Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr,
„Dialog überwindet Grenzen“ lautet das Motto des 72. Sudetendeutschen Tages, der über Pfingsten von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni in Hof und der Euregio Ergensis stattfindet (ausführliches Programm siehe Ausgabe 16 + 17).
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Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Freitag, 6. bis Sonntag, 29. Mai: Deutsch-Tschechische Freundschaftstage in Hof (Programm siehe oben). Samstag, 7. Mai, SL-Bezirksgruppe Oberfranken, SLKreisgruppe Bayreuth und Lichtenfeld, SL-Ortsgruppe Bayreuth und Pegnitz: Frühlingsfahrt mit Sudetendeutscher Maiandacht in die alte Heimat nach Netschetin mit Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen. Abfahrt 8.00 Uhr in Pegnitz am Wiesweiher, 8.30 Uhr am Bahnhof in Bayreuth, weitere Haltestellen nach Bedarf. Fahrtkosten: 15 Euro plus 10 Euro für das Essen. Anmeldung bei Margaretha Michel,Telefon (0 92 41) 36 54 und eMail mail@familiemichel.net Samstag, 7., bis Sonntag, 8. Mai, Heimatkreis Hohenelbe/ Riesengebirge: 60. Bundestreffen in Marktoberdorf. Anmeldung und weitere Informationen per eMail BaumgartlGerhard@tonline.de oder telefonisch unter (0 83 42) 4 05 28.
SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Roth: 70-Jahr-Feier. Festvortrag Landesobmann Steffen Hörtler, Ehrungen, musikalische Umrahmung, böhmischer Nachmittag. Festzelt am Vogelbeerbaum, Otto-Schrimpff-Straße 17, Roth. Mittwoch, 11. Mai, 18.00 Uhr: SL-Kreisgruppe Weiden/ Neustadt an der Waldnaab und Heimatkreis Tachau: „Die Vertreibung aus dem Kreis Tachau“ und „Die Eingliederung der Vertriebenen in Weiden nach 1945“. Vorträge von Dr. WolfDieter Hamperl und Dr. Sebastian Schott. Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, Weiden. Anschließend Führung durch das Tachauer Heimatmuseum. Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr: Lesung Marek Toman „Lob des Opportunismus“ im Rahmnen der Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation Zuzana Jürgens , Adalbert Stifter Verein. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München.
Historische Blaupause: Wie Stalin Finnland unterwerfen wollte Dienstag, 10. Mai, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Eine historische Blaupause vor 83 Jahren: Wie Stalin Finnland unterwerfen wollte.“ Gespräch mit dem Historiker Dr. Victor Krieger. Aktuelle politische und militärische Auseinandersetzungen in und um die Ukraine werfen viele Fragen auf, nicht zuletzt solche: Nach welchen historischen Vorbildern läßt sich das Agieren der russischen Führung erklären? Wer ist der geistige Pate dabei, wer dient Wladimir Putin als Vorbild und nachahmenswertes Beispiel: Hitler oder etwa Stalin, die nationalsozialistische (faschistische) oder stalinistische Ideologie und Praxis? Der sowjet-finnische Krieg, der sogenannte Winterkrieg vom 30. November 1939 bis 13. März 1940, weist viele Parallelitäten zu dem heutigen Vorgehen Rußlands auf. Anhand von Auswertungen der zeitgenössischen sowjetischen Regierungserklärungen und Berichten, die in der Prawda und anderen zentralen Presseorganen veröffentlicht wurden, versucht der Referent, diese Fragen zu beantworten. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Am Musikpavillon Theresienstein im Stadtpark von Hof finden mehrere Konzerte statt. triebene in Hof“ mit Peter Heidler. Aus Grünlas (Kreis Elbogen) stammend, fand Peter Heidler ab 1946 eine neue Heimat in Hof. Seine Erinnerungen an das Lager Hof-Nord hat er 2020 veröffentlicht. Freier Eintritt an diesem Tag im Museum Bayerisches Vogtland. Geöffnet 13.00
bis 18.00 Uhr. Museum Bayerisches Vogtland, Sigmundsgraben 6, Hof. Sonntag, 8. Mai, 16.00 Uhr: Zweisprachige Führung durch das Reinhart-Cabinett und die aktuelle Ausstellung „Zeichenwege“ mit Arbeiten von Dominik Lommer. Johann Christian Rein-
VERANSTALTUNGSKALENDER Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr: „Oberschlesische Aussiedler in NRW. Zwischen lokaler Integration und regionaler Zugehörigkeit“. Vortrag von Dr. Marius Otto. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 12. Mai, 19.00 Uhr, Vernissage: „Zwei Häuser eines Herrn – Kirchen und Synagogen in der Slowakei“. Die Ausstellung mit Fotos von Monika und Ľubo Stacho läuft bis 26. Juni. Evangelische Kirchengemeinde Am Humboldthain, Gustav-Meyer-Allee 2, Berlin. Freitag, 13. bis Sonntag, 15. Mai: 50. Bundestreffen der Egerland-Jugend und 70 Jahre Egerland-Jugend. Marktredwitz und Elbogen. Programmauszug: Samstag, 15.00 Uhr: Offenes Tanzen und Singen auf dem Marktplatz in Elbogen; 19.00 Uhr: Volkstumsabend „Egerländer Notenbüchl“ im Kulturzentrum Dvorana. Sonntag, 10.00 Uhr: Heilige Messe in der HerzJesu-Kirche in Marktredwitz, anschließend offenes Tanzen und Singen am Egerlandbrunnen. Sonntag, 15. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe MünchenWest-Pasing-Aubing: Treffen der Ortsgruppe. Bürgersaal, Friedrichshafener Straße 17, München. Sonntag, 15. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Bochum: 70-Jahr-Feier mit dem Sudetendeutschen Singkreis Bochum. Anmeldung bei Leo Köhler per eMail leo.koehler@googlemail. com oder telefonisch unter (02 34) 68 09 15. Ostdeutsche Heimatstube, Neustraße 5, Bochum. Montag, 16. Mai, 17.00 Uhr, Ackermann-Gemeinde: Nepomukgottesdienst. Asamkirche, Sendlinger Straße, München. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Heimatgruppe Kuhländchen-München: „Integration der Vertriebenen in Nord-Baden 1946 – Andenken an Pfarrer Heinrich Magnani und Architekt Egon Eiermann“. Vortrag von Prof. Dr. Ulf Broßmann, Haus des Deutschen Ostens, Raum 113, Lilienberg 5, München. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von
Christoph Lippert (Herzogenaurach). Sportgaststätte des FSV Bruck, Tennenloher Straße 68, Erlangen. Sonntag, 22. bis Montag, 23. Mai, Ackermann-Gemeinde: Kulturfahrt nach Südwestmähren mit Stationen in Trebitsch, Teltsch, Znaim, Stift Neureich und Schloß Jarmeritz. Anmeldung und nähere Informationen unter eMail muenchen@ ackermann-gemeinde.de Montag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Das deutsch-russische Jahrhundert“. Autorengespräch mit Prof. Dr. Stefan Creuzberger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 26. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe RothSchwabach: Maiandacht am Vertriebenen-Gedenkstein Vogelherd. Im Vogelherd, Schwabach. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 27. Mai, bis Montag, 6. Juni: Begegnungs- und Kulturfahrt im alten und neuen Österreich. Standorte in Pilsen, Brünn, Wien und Kremsmünster. Informationen und Anmeldung bei Rüdiger Goldmann, telefonisch unter (02 11) 7 00 51 50. Samstag, 28. Mai, 9.30 Uhr, BdV-Kreisverband LimburgWeilburg: Kreisverbandstag. Hotel Zur Krone, Obertorstraße 1, Löhnberg. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 28. Mai, 19.00 Uhr: Konzert „Verflechtungen. Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der böhmischen Kunstmusik“ mit dem Klavierduo Jost Costa und dem Musikwissenschaftler Joachim Kremer. Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Kulturreferat für die böhmischen Länder. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die
Foto: Stadt Hof
hart wurde 1761 in Hof geboren und zählt zu den „Deutschrömern“, die in der Goethezeit in der italienischen Hauptstadt lebten und arbeiteten. Museum Bayerisches Vogtland, Reinhart-Cabinett, Sigmundsgraben 6, Hof. Freitag, 12. Mai, 19.30 Uhr: Alena Mornštajnová – Eine 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Dienstag, 31. Mai, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: 100 Jahre PaneuropaBewegung mit Bernd Posselt und Martin Posselt im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Viktoria Großmann (Süddeutsche Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (siehe Ausgabe 16 + 17). Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger.
tschechische Bestsellerautorin und ihre Romane. Einführung von Sabine Dittrich. Im aktuellen Buch „Es geschah im November“ läßt sich die Protagonistin Marie von den Ereignissen in Prag und im Ostblock mitreißen und demonstriert für den Wandel. Sie wird verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Tochter Magdalena kommt in ein Umerziehungsheim. Eines Tages treffen Mutter und Tochter wieder aufeinander, nur ist es für beide ganz und gar nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Stadtbücherei, Wörthstraße 18, Hof. Samstag, 21. Mai, 14.00 Uhr: Deutsch-Tschechische Kirchenführung durch St. Lorenz, St. Michaelis, Hospitalkirche. Startpunkt: Kirche St. Lorenz, Lorenzstraße 49, Hof. Sonntag, 29. Mai, 11.00 Uhr: Konzert mit „Good Time Cheb“ aus der Partnerstadt Eger/Cheb. Das Grundrepertoire bezieht sich stark auf Blues, hinzu kommt Musik von Bonnie Raitt, Alannah Myles, Eric Clapton, Debbie Davis, Tracy Chapmann und Barry Mc Cabe sowie von tschechischen Interpreten wie Eva Olmerová. Musikpavillon Theresienstein, Stadtpark, Hof. Samstag,
18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Kursaal, Königsplatz 1, Stuttgart-Bad Cannstatt. Dienstag, 21. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: „Adel heute“ – Podiumsdiskusion im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brükken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Stephan Löwenstein (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, SL Österreich: Sudetendeutsche Ferienwoche in Seeboden am Millstätter See. Anmeldung: Tourismusbüro Seeboden, Telefon (00 43 47 62) 8 12 55 12, eMail lisa.noisternig@ ktn.gde.at
Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger
Baltikum analog Dienstag, 10. Mai, 18.00 Uhr, Eröffnung der Flur-Ausstellung: „Baltikum analog – unterwegs mit dem Fotografen Karl-Heinz Rothenberger“, die bis Freitag, 28. Oktober 2022 im Haus des Deutschen Osten gezeigt wird. Durch die Wahl zu Kulturhauptstädten Europas rückten die Hauptstädte der baltischen Staaten in das öffentliche Interesse. Das Baltikum wurde 2009 vertreten durch Litauens Hauptstadt Vilnius, 2011 durch Estlands Hauptstadt Tallinn und 2014 durch Lettlands Hauptstadt Riga. Der baltische Reigen setzt sich 2022 mit Kaunas (Litauen) und 2024 mit Tartu (Estland) fort. Nicht nur die Hauptstädte, sondern auch
Land und Leute ließen KarlHeinz Rothenberger im Sommer 2019 in ein Campingmobil steigen. Seine Aufnahmen belegen die Wahrhaftigkeit in der Fotografie, die nachträgliche Manipulation des einmal festgehaltenen Augenblicks wird abgelehnt. Prof. Dr. Karl-Heinz Rothenberger wurde 1945 in Landshut geboren und studierte Medizin in München und Zürich. Parallel dazu widmete er sich schon früh der Fotografie. So beteiligte er sich bereits 1967 mit zwei Arbeiten an einer Ausstellung des Deutschen Jugendfotowettbewerbs. Inzwischen hat er sich ganz auf die Schwarz-Weiß-Fotografie in analoger Kleinbildtechnik fokussiert.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
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� Der Vater der Genetik wurde vor 200 Jahren in Heinzendorf im Kuhländchen geboren, Teil 2
Gregor Johann Mendel: Als er helfen konnte, half er anderen Vor 200 Jahren, am 20. Juli 1822, wurde Gregor Johann Mendel in Heinzendorf im Kuhländchen geboren. Der Vater der Genetik blieb seinem Geburtsort zeitlebens verbunden. Im abschließenden zweiten Teil geht es um Mendels Herausforderung, studieren zu können. Von Dr. Bernhard Josko
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ur Zeit Mendels galt eine allgemeine Schulpflicht für Kinder von sechs bis zwölf Jahren, und für weiterführende Schulen mußte man dann in größere Städte gehen, was wiederum mit Kosten für Unterkunft und Verpflegung verbunden war. Nach der Volksschule in Heinzendorf ging Johann zunächst für ein Jahr (1833/34) nach Leipnik – etwa 24 Kilometer südwestlich von Heinzendorf – und besuchte dort die dritte Klasse der Piaristenschule. Im Dezember 1834 wurde er für das Gymnasium in Troppau angenommen, welches er im Sommer 1840 mit besten Noten abschloß. Anschließend ging er nach Olmütz und studierte dort von 1840 bis 1843 an der Philosophischen Lehranstalt. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage sah er sich nicht in der Lage, sein Studium hier fortzusetzen. Auf Empfehlung seines Lehrers Friedrich Franz wurde er 1843 in das AugustinerKloster St. Thomas in Altbrünn aufgenommen. Hierdurch übernahm das Kloster die Kosten seines weiteren Studiums. In Brünn widmete er sich von 1845 bis 1848 dem Studium der Theologie an der Bischöflichen Theologischen Lehranstalt, aber 1845/46 zusätzlich auch der Ökonomie, Obstbaumzucht und Weinbau an der Philosophischen Lehranstalt. Obwohl der Vater Anton Mendel Besitzer eines stattlichen Bauernhofes war, war es nicht einfach die Schulbildung und das Studium seines Sohnes zu finanzieren. So hatte er bei der Übernahme des Hofes nicht nur die Kaufsumme von 600 Gulden aufzubringen, sondern auch die Verpflichtung die Hochzeit seiner Geschwister – Johann, Julianna und Anna – auszurichten und die Aussteuer für sie bereitzustellen. Die Hochzeiten fanden gemäß den Angaben in den Trauungsbüchern in den Jahren 1816 bis 1818 statt. Im Grundbuch finden wir einen Vermerk datiert 13. Januar 1824, daß die Schulden aus dem Kauf des Bauerngrundes abgegolten seien. Weiterhin hatte der Vater nach der Übernahme des Hofes das hölzerne Wohnhaus abgerissen und durch ein massives Haus ersetzt. Dies hatte etliche Kosten verursacht, so daß er nicht viele Reserven hatte, um den Schulbesuch seines Sohnes zu finanzieren. Die Situation verschlimmerte sich, als er beim Holzfällen im Winter 1838, von einem Baum getroffen, schwere Verletzungen erlitt. Hierdurch fing er an zu kränkeln und war nicht mehr in der Lage, die Arbeit auf dem Hof zu leisten, so daß er auch die finanzielle Hilfe für den Schulbesuch seines Sohnes in Troppau nicht aufbringen konnte. Johann hat infolgedessen als Privatlehrer für seinen Lebensunterhalt ge-
Enthüllung der Gedenktafel für Gregor Johann Mendeln am Spritzenhäuschen der Feuerwehr in Heinzendorf am 20. Juli 1902. Foto: Conrad Gerlich, Odrau. Entnommen „Österreichs Illustrierte Zeitung“, 1902, Heft 44; ANNO/Österreichische Nationalbibliothek sorgt, mußte aber zeitweise auch sein Studium unterbrechen. Damit er sein Studium fortsetzen konnte, hat dann Johanns jüngere Schwester Theresia auch auf einen Teil ihres Erbes zugunsten ihres Bruders verzichtet. Den Hof hat der Vater 1841 an seinen Schwiegersohn Alois Sturm, der im August dieses Jahres Johanns ältere Schwester Veronika heiratete, übertragen. Gregor Johann Mendel hat nie vergessen, welche Förderung und Unterstützung er in Heinzendorf erfahren hatte und welche Entbehrungen seine
als Abt seinen Neffen Alois Sturm mit Rosina Münster – ebenfalls in der Groß Petersdorfer Kirche – getraut. Die anderen Neffen hätte er sicher auch noch getraut, aber deren Vermählungen fanden erst nach seinem Tod statt. Als Gregor Mendel schließlich selbst Mittel zur Verfügung hatte, holte er die Söhne seiner Schwester Theresia nach Brünn und ermöglichte ihnen ein Studium. Der älteste, Johann Schindler studierte Mathematik und war zuletzt Assistent an der technischen Hochschule Brünn. Leider verstarb er schon mit 26
Wichtige Frauen im Leben von Johann Mendel: Mutter Rosina und Schwester Theresia. Familie für seine Studien aufgebracht hatte, und war sein Leben lang mit der Familie und seinem Heimatort Heinzendorf eng verbunden. Er besuchte seinen Heimatort des Öfteren und brachte auch hin und wieder Pflanzen mit. Johann Mendel war es dann auch, der die Trauung seiner Schwester Theresia mit Leopold Schindler in der Groß Petersdorfer Kirche am 12. Oktober 1852 vollzogen hat. Es war eine Doppelhochzeit, bei der gleichzeitig die Schwester des Bräutigams, Rosina Schindler mit Anton Jünger aus Klein Petersdorf getraut wurde. Jahre später, am 23. September 1873, hat Gregor Mendel dann
Jahren an Lungentuberkulose. Die beiden anderen, Alois Schindler und Ferdinand Schindler, studierten Medizin. Alois wurde Landarzt in Zuckmantel, und Ferdinand war zunächst Gemeindearzt in Botenwald, später dann praktischer Arzt in Troppau. Über seine Neffen hatte Gregor Mendel regen Austausch mit seiner Heimat, und so war er stets über das Leben und die Ereignisse in Heinzendorf informiert. Auch seine Eltern, die ihn studieren ließen und dafür viele Entbehrungen auf sich nahmen, lagen ihm sehr am Herzen. Er war voller Liebe zu seiner Mutter und sorgte sich sehr um sie. In einem Brief
noch kurz vor ihrem Tode schrieb er an seinen Schwager: „Wenn ich auch nicht das Vierte Gebot kennen gelernt hätte, so würde ich mich doch immer im Herzen verpflichtet fühlen, ihr die Last der alten Tage zu erleichtern, soviel es in meinen Kräften steht, denn sie ist immer eine gute Mutter gewesen.“ Aufgrund von Kriegshandlungen 1866 waren in Mendels Heimat zeitweise Soldaten einquartiert, die Region blieb aber von Zerstörungen verschont. In einem Brief an seinen Schwager zeigte er sich erleichtert und schriebt hierzu: „Ich war anfangs über das Schicksal Eurer Gegend beunruhigt, hörte jedoch zu Ende Juli von einem Neutitscheiner, … daß das Kuhländchen die Kriegsleiden weniger empfunden habe, als die meisten Theile von Mähren und Schlesien.“ Nach mehreren verheerenden Bränden in Heinzendorf – allein im Oktober 1868 fielen bei einem Brand zwölf Häuser den Flammen zum Opfer – , war es Gregor Johann Mendel, der die Gründung einer Feuerwehr anregte. Er stiftete mehrere tausend Kronen zur Anschaffung einer ersten Feuerspritze und zur Errichtung eines Spritzenhauses. So kam es dann im Jahr 1882 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Heinzendorf. Dieses war die erste Feuerwehr im Pfarrbezirk; Groß Petersdorf folgte im Jahr 1893 und Klein Petersdorf erst im Jahr 1897. Die Heinzendorfer Bauern waren sehr stolz auf den Sohn ihres Dorfes und ernannten Gregor Mendel zum Ehrenbürger als auch zum Ehrenmitglied der Feuerwehr. Bei der 20-JahrFeier der Feuerwehr im Juli des Jahres 1902 – ein großes Fest des Dorfes mit vielen Besuchern aus nah und fern – wurde eine Gedenkplakette am Spritzenhäuschen angebracht. Es war eine Ehrensache für die Heinzendorfer, eine Feuerwehr-Delegation zum Begräbnis des Abtes nach Brünn zu schicken, der am 6. Januar 1884 verstarb. Mendel wurde 61 Jahre alt.
� Zwei Töchter von Anton und Rosina Mendel verstarben im Kindesalter
Das traurige Schicksal der Familie Mendel Anton Mendel, der Vater von Johann Mendel, hatte am 6. Oktober 1818 in der Pfarrkirche von Groß Petersdorf Rosina Schwirtlich geheiratet.
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eide waren aus dem Ort Heinzendorf. Dies war eine Doppelhochzeit, da gleichzeitig Johann Mendel, jüngerer Bruder von Anton Mendel, die ältere Schwester Juditha der Rosina Schwirtlich ehelichte. Jedoch war diese Ehe seines Bruders nur von kurzer Dauer, da dessen Frau Judith im September 1820 an den Folgen einer Schwangerschaft starb. Er war anschließend noch zweimal verheiratet. Als erstes Kind der Eheleute Anton und Rosina Mendel kam die Tochter Veronika am 12. Mai 1820 auf die Welt. Etwa zwei Jahre später erfolgte die Geburt
des Sohnes Johann am 20. Juli 1822. Als drittes Kind wurde am 16. März 1825 wieder eine Tochter geboren. Rosina starb noch im Kleinkindalter im November 1828 am Scharlachfieber. Ein halbes Jahr nach dem Tod dieses Mädchen wurde Theresia am 1. Mai 1829 geboren. Schließlich wurde am 7. September 1831 ein weiteres Mädchen geboren, welches ebenfalls den Namen Rosina erhielt. Leider verstarb Rosina bereits nach fünf Wochen. Mangels Antibiotika und Impfmöglichkeiten starben Kinder, insbesondere im Kleinkindalter an Keuchhusten, Masern und anderen Kinderkrankheiten. Die Kindersterblichkeit war daher Anfang des 19. Jahrhunderts noch sehr hoch. Hiervon blieb auch die Familie Mendel nicht verschont.
� Mut tut gut
Begegnung mit dem Unendlichen Es ist mehr als 50 Jahre her, daß in Frankreich ein Buch mit dem bemerkenswerten Titel erschien: „Dieu existe, je l‘ai rencontré“. Bald wurde das Buch auch in andere Sprachen übersetzt. Auf Deutsch heißt es: „Gott existiert. Ich bin ihm begegnet.“ Autor des Buches war ein berühmter Journalist und Essayist, André Frossard (1915–1995). Sein Buch erweckte in der Zeit seines Erscheinens auch deswegen viel Aufmerksamkeit, weil es eine Publikation gegen den Strom der damaligen gesellschaftlichen Entwicklung war. Im laizistischen Frankreich, aber auch in anderen Ländern Westeuropas, hatte das Jahr 1968 den Beginn einer weitreichenden linksliberalen Protestbewegung eingeläutet, in welcher religiöse Traditionen bewußt ausgeklammert wurden. Wenn in dieser Zeit eine bekannte Persönlichkeit für die Existenz Gottes das Wort ergriff, dann mußte dies Aufsehen erregen. Ausschlaggebend für das Buch war ein Erlebnis, welches der Autor im Jahre 1935, also im Alter von 20 Jahren, hatte. Er war als Kind kommunistischer Eltern groß geworden. Sein Vater hatte zu den führenden Köpfen der Kommunistischen Partei Frankreichs gehört. Damit war ein Aufwachsen ohne den Einfluß von Religion vorprogrammiert. Frossard selbst erzählt, daß in seiner Familie Gott nicht einmal eine Frage wert war. Gibt es ihn, gibt es ihn nicht? Das interessierte seine Eltern überhaupt nicht. Um so bemerkenswerter war dann eben das Erlebnis von 1935. Der Student war eines Tages in Paris unterwegs und wollte sich an der Rue d‘Ulm, also der Ulmer Straße in der französischen Hauptstadt, mit einem Freund treffen. Dieser verspätete sich. Frossard mußte warten und betrat mehr zufällig als absichtlich eine Kapelle am Straßenrand. Dort war gerade das Allerheiligste Altarsakrament ausgesetzt, die Hostie in der Monstranz. Was danach passierte, schildert er so: Zuerst vernahm er die Worte „spirituelles Leben“. Er fühlte sich wie von einer Lawine von hinten getroffen. Es war eine Himmelserfahrung. Noch Jahrzehnte später fand Frossard für diese Erfahrung nur stammelnde Worte. Er spricht von einem schweigendem Wetterleuchten, von unendlicher Durchsichtigkeit und einer fast unerträglichen Leuchtkraft. Zugleich wurde ihm eine bisher ungeahnte Einsicht zuteil: „Es gibt eine Ordnung im Universum und an ihrer Spitze durch den Schleier eines strahlenden Nebels hindurch die Offenbarkeit Gottes, eine Offenbarkeit, die gegenwärtig ist.“ Etwa fünf Minuten dauerte diese Erfahrung. Als der junge Mann danach wieder auf die Straße trat und sich mit seinem Freund traf, sagte er diesem, daß er von nun an wohl Katholik sei. So viel über das Buch „Gott existiert. Ich bin ihm begegnet“. Mir persönlich ist es in den zurückliegenden Wochen in meinen österlichen Gedankengängen eingefallen. Gelesen habe ich es schon vor Jahren. Der Titel und die Geschichte helfen mir, mich an eigene Erfahrungen mit Gott zu erinnern und für neue Erfahrungen offen zu sein. Sie müssen nicht immer so spektakulär wie bei Frossard sein. Doch die Begegnung mit dem Unendlichen möchte ich nicht missen. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Das neue Objekt mit der Nummer 100 in der Ausstellung „100 x Frankfurt“ im Historischen Museum Frankfurt ist eine Haushaltsschürze zur Aufbewahrung von Wäscheklammern. Das Stück aus grobem Wollstoff wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus ehemaliger Häftlingsbekleidung geschneidert und in einer Frankfurter Familie sorgsam aufbewahrt und bis zuletzt verwendet.
I
m Reisegepäck eines der rund 100 000 Heimatvertriebenen, die nach 1945 aus Mittel- und Osteuropa nach Frankfurt am Main gekommen waren, befanden sich auch Altkleiderstücke aus Häftlingsbekleidung und Uniformen. Der Deutschstämmige, 1946 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, wurde aus seiner Heimatstadt Brünn in der Tschechoslowakischen Republik vertrieben und machte sich auf den Weg nach Westen. Das Reisegepäck sollte gemäß der Potsdamer Erklärung der Siegermächte 50 Kilogramm wiegen. Mangels Besitz war es mit Kleidungsstücken wie Uniformresten und Häftlingskleidung gefüllt worden. Angekommen in Frankfurt-Höchst, verwendeten die Vertriebenen bei ihrem Neubeginn alles, was noch brauchbar war. So wurde aus der Häftlings-
� Ausstellung „100 x Frankfurt“ im Historischen Museum Frankfurt
Exponat von Vertriebenen kleidung eine Haushaltsschürze. Bis heute hält sie die Familien erinnerung an Vertreibung und Neubeginn wach. Damit möchte der Enkel Andreas Eichstaedt (Ý siehe unten), der das Objekt 2018 in ein Projekt des Stadtlabors im Historischen Museum zur Migrationsgeschichte („SammlungsCheck Migration partizipativ
oder ein reguläres Abo (Bezug per Postzustellung)
Galerie 100 x Frankfurt im Historischen Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main, Telefon (0 69) 21 23 55 99, eMail info@historisches-museum .frankfurt.de, Internet www. historisches-museum.frankfurt.de Dienstag, Donnerstag und Freitag 10.00–18.00 Uhr, Mittwoch 10.00–21.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00–19.00 Uhr.
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war die Bevölkerung von Brünn, der zweitgrößten Stadt der Tschechoslowakischen Republik, überwiegend deutschsprachig: Um 1900 waren es 63 Prozent, 1930 – nach Eingemeindung tschechischsprachiger Vororte – noch gut 20 Prozent. Stand bis in die 1970er Jahre das Schicksal der geflüchteten und vertriebenen Deutschen im Zentrum
deutscher Erinnerungskultur, so sind es seit den 1980er Jahren die NS-Verbrechen und ihre Opfer. Bis heute ist die Erinnerung an Flucht und Vertreibung bei manchem Nichtvertriebenen umstritten, sie wird nicht zuletzt im Familiengedächtnis tradiert. Erst seit 2021 gibt es ein öffentliches Museum darüber, nämlich das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin. Die Vitrine mit dem 100. Objekt der Galerie „100 x Frankfurt“ in der Dauerausstellung „Frankfurt einst?“ wird immer wieder neu bestückt und verweist auf die aktuelle StadtlaborAusstellung, jetzt auf: „Mit dem Stadtlabor auf Spurensuche im Heute. Frankfurt und der NS“. Dort, in Ebene 3 des neuen Ausstellungshauses, stehen Perspektiven der Erinnerung an NS-Unrecht in der heutigen Stadtgesellschaft im Fokus.
� Eine Schürze und ihre Geschichte
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sammeln“) einbrachte, der Gruppe von deutschen Heimatvertrieben eine Stimme geben. Handelt es sich doch um die weitaus größte Gruppe von „Fremden“, die in der Nachkriegszeit in Deutschland und in Frankfurt zugewandert sind. Lange vor der gewaltsamen Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren durch Nazi-Deutschland im März 1939
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gruppe verhaftet und kam in das Sammellager Brünn-Malmeritz zur Abschiebung. Zuvor war untersucht worden, ob er sich während der deutschen Besatzung etwas zu Schulden habe kommen lassen. Es lag nichts gegen ihn vor. Am 13. November 1946 teilte der Bruder aus Aussig seiner Schwester nach FrankfurtHöchst, wo sie inzwischen bei Verwandten wohnte, mit: „Heute eine freudige Nachricht! Raimund lebt!“ Er hatte sich aus dem Brünner Lager gemeldet und um die Adresse seiner Frau, etwas Geld und einen Anzug gebeten, was er auch bekam. Aufgrund von Artikel XIII. der Potsdamer Erklärung der drei alliierten Großmächte vom 2. August 1945 sollte der Abschub nun in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen. Dies bedeutete, daß nach tschechischer
festgestellt, daß er frei von Ungeziefer und Infektionskrankheiten sei und am 4. Dezember auf Tuberkulose untersucht. Weiterhin wurde eine Herzmuskelschädigung diagnostiziert. Am 6. Dezember genehmigte ihm der Flüchtlingskommisein Großvater Raimund sar des Stadt- und Landkreises Reidl, geboren 1893 in Ulm „zwecks Wiederherstellung Brünn (damals Markgrafschaft der Familiengemeinschaft“ die Mähren, Österreich-Ungarn), „Weiterreise nach Frankfurt am war Architekt und Baumeister. Main, um sich daselbst zu seiSeit 1930 war er Dozent an der ner Familie zu begeben“. „Die Technischen Hochschule in seidiesbezügliche Zuzugsgenehminer Heimatstadt, die 1918 bis gung ist durch das Wohnungs1938 zum Gebiet der Tschechoamt der Stadt Frankfurt am Main slowakischen Republik (ČSR), mit Bescheinigung vom 11. Okdanach zum Protektorat Böhmen tober 46 – Nr. R 1159 – erteilt und Mähren gehörte. Als 50jähworden.“ Und: „Es wird gebeten, riger wurde er 1943 zum Kriegsdem Genannten erforderlichendienst einberufen und nach vierfalls jede Unterstützung zukomwöchiger Ausbildung in Dresden men zu lassen.“ Auf der Rück– er hatte allerdings schon am seite der Genehmigung: „Herr Ersten Weltkrieg auf österreichDr. Reidl stand bis einschließlich ungarischer Seite teilgenommen 6. Dezember 1946 bei uns in Ge– an die Ostfront abmeinschaftsverpflegung. kommandiert. Im März Er erhielt Marschverpfle1945 geriet er in russische gung für den 7. DezemGefangenschaft. Von ber 1946.“ Mißhandlungen und UnSo kam mein Großvaterernährung herzkrank ter in Frankfurt-Höchst geworden, verlor er auch an und zog zu der Vernoch sämtliche Zähne. wandtschaft seiner Frau, Wegen seiner schlechdie seit Juni 1945 dort in ten Gesundheit wurde er der Kasinostraße 16 mit im August 1946 aus der einer Tochter lebte. DeKriegsgefangenschaft in ren abenteuerliche Flucht seine Heimatstadt Brünn, hatte einen knappen Monach Kriegsende wienat gedauert. Die andeder ČSR, entlassen. Sei- Museumsdirektor Jan Gerchow, das Exponat Schür- re Tochter – meine MutBild: Petra Wel ter – zog zu ihrem Mann, ne Frau – meine Groß- ze und Dr. Andreas Eichstaedt. mutter – und die beider damals im oberbayden Töchter waren bereits am Auffassung jeder 30, nach ame- erischen Bad Aibling lebte. 14. April 1945 aus Brünn nach rikanischer Meinung jedoch jeDer Doppeladler des Tschakos Aussig zum Bruder meiner Groß- der mindestens 50 Kilogramm blieb als Devotionalie in unsemutter geflohen. Er war mit ei- Gepäck – Hausrat und Beklei- rer Familie übrig. Aus dem Häftner Tschechin verheiratet, was dung – mitnehmen müsse, denn lingsanzug schneiderte man eine ihn später, wenn auch nur vor- in der amerikanischen Besat- kleine Schürze, die bis vor kurläufig, vor dem Abschub schütz- zungszone fehle es auch an al- zem beim Wäscheaufhängen zur te. Da meine Mutter meinen Va- lem. Wenn den Abzuschieben- Aufbewahrung der Wäscheklamter, einen Reichsdeutschen, 1944 den Kleidung fehlen sollte, ver- mern diente. Seit dem 2. März in Brünn geheiratet hatte, wurde pflichtete sich die tschechische ist sie im Historischen Museum auch sie automatisch Alt-Reichs- Seite, die mangelnden Teile be- Frankfurt ausgestellt und gibt deutsche und mußte Aussig so- reitzustellen. der nach 1945 größten Gruppe fort nach der russischen BesetDa mein Großvater nichts von Zuwanderern dort endlich zung verlassen. Ihre Mutter und mehr besaß, wurde ihm ein Koffer eine Stimme. ihre Schwester begleiteten sie ab mit Unterwäsche von ProstituierDem vorausgegangen war ein 23. Mai 1945 auf der Flucht Rich- ten, mit einem alten österreichi- Antrag der damaligen Frankfurtung Westen. schen Militärtschako oder einem ter UdV-Vorsitzenden Gudrun Dies alles wußte mein Großva- Häftlingsanzug gepackt, um das Osterburg auf dem CDU-Kreister nicht. Er kam nachts in Brünn nötige Gewicht zu erreichen. Mit parteitag 2017, auch die Gean und wollte seine Familie nicht diesem Koffer kam der 53jährige schichte der deutschen Heimatstören. Also nahm er sich für ei- am 29. November 1946 mit einem vertriebenen im gerade im Aufne Nacht ein Zimmer im Grand Flüchtlingstransport in Furth im bau befindlichen Historischen Hotel direkt am Brünner Haupt- Wald im amerikanischen Sek- Museum zu dokumentieren. Der bahnhof. Dort wurde er als An- tor an. Im Durchgangslager Ulm- Antrag wurde angenommen und gehöriger der deutschen Volks- Kienlesberg wurde er entlaust, fünf Jahre später umgesetzt. Eine Schürze erzählt im Historischen Museum Frankfurt die Geschichte deutscher Heimatvertriebener, erstmals wieder seit der Neueröffnung 2017. Und Andreas Eichstaedt erzählt die Geschichte der Schürze.
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PERSONALIEN � Verdienter Landsmann
Herbert Müller † Am 14. April starb Herbert Müller, langjähriger Stellvertretender Obmann der SL-Kreisgruppe und Stellvertretender Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Augsburger Land sowie Obmann der bayerisch-schwäbischen SL-Ortsgruppe Gersthofen mit Wurzeln im Elbetal, nach langer schwerer Krankheit kurz vor seinem 80. Geburtstag in Gersthofen.
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m 26. April wurde er auf dem Friedhof in Gersthofen zu Grabe getragen. Die Trauerrede hielt im Auftrag des erkrankten Kreis obmannes Kurt Aue Bezirksvorstandsmitglied Leo Schön, den mit Herbert Müller eine 60jährige Freundschaft verband. Herbert Müller, der in Wiklitz im damaligen Kreis Aussig am 11. Juni 1942 zur Welt kam, war schon als Jugendlicher bei den Heimatverbänden aktiv und seit drei Jahrzehnten als Ortsobmann in Gersthofen und als Stellvertretender Kreisobmann im Augsburger Land in Amt und Würden. Er trat mehrmals als Zeitzeuge der Vertreibung vor Studenten in der Universität Augsburg und bei einigen Ausstellungen des BdV-Kreisverbandes im Augsburger Landratsamt auf. Leo Schön sagte in der Riesengebirgsmundart: „Bezohl der Goot fer olles wos du gemacht host on Ei Goots Noma.“ Neben Hunderten Trauergästen gaben auch Ehrenkreisobmann Lothar Silbernagel und die Stellvertretende Obfrau der SL-Ortsgruppe Königsbrunn, Christa Eichler, das letzte Geleit. Auch zahlreiche Vereine, denen Herbert Müller angehört hatte, begleiteten ihn mit ihren Fahnen auf seinem letzten Weg. Musikalisch wurde Herbert Müller von der Herbertshofener Musikkapelle verabschiedet. te
KORREKTUREN
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um Artikel „Ein Bildhauer aus dem Kuhländchen“ zum 120. Geburtstag des Künstlers Ernst Kubiena von Hans-Karl Fischer (Ý SdZ 17/2022). Versehentlich schrieb Fischer am Anfang des Artikels Josef Barwig anstatt Franz Barwig. Die Redaktion
KURZ NOTIERT n Brünn. Die Verkehrsbetriebe schenken Charkiw, Brünns ukrainischer Partnerstadt, zwei Straßenbahnen und sechs Oberleitungsbusse für die Erneuerung der von Russen beschädigten Stadt. In den nächsten Tagen sollen die Fahrzeuge nach Kiew und von dort nach Charkiw transportiert werden. Darüber informierte die Brünner Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková. Nach Brünn kam auch der Vertreter der Selbstverwaltung von Charkiw, Oleksij Palant. Er erklärte, russische Bomber hätten 70 Prozent der Nahverkehrsmittel der Stadt vernichtet und könnten nicht mehr repariert werden. Initiator der Hilfe ist der Besitzer der Gesellschaft Gepard Express, Albert Fikáček, der seit Februar Hilfsgüter in die Ukraine liefert und mit seinen Zügen Flüchtlinge befördert.
Die Archivare Otto Chmelík und Jan Němec aus Tetschen. Im Sudetendeutschen Haus in München wurde „Kulturelle Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“ eröffnet. Bei der Vernissage der neuen Ausstellung des Adalbert-Stifter-Vereins (ASV) gab es Grußworte vom tschechischen Botschafter Tomáš Kafka per Videobotschaft, vom ASVVorsitzenden Peter Becher und von Zdeněk Hazdra vom Institut für das Studium totalitärer Regime (ÚSTR) in Prag. Die Festrede hielt der Politiker und Unternehmer Jaroslav Lobkowicz, Oberhaupt des Hauses Lobkowicz. Zur Eröffnung lief auch der neue Kurzfilm „Adel im Exil“.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Peter Prinz Lobkowicz mit Ehefrau Helena.
Leopold Graf Deym und Dr. Alain Graf Belcredi.
� Vernissage der neuen Ausstellung des Adalbert-Stifter-Vereins über den Adel in Böhmen
Adelige Brückenbauer
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m Laufe des 20. Jahrhunderts verlor der Adel in den böhmischen Ländern seine zentrale Rolle in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Adelige, die als Deutsche galten, enteignet und vertrieben. Von denjenigen, die sich als Tschechen betrachteten, flohen viele nach dem kommunistischen Umsturz 1948 aus dem Land. Wenn Adelige aus Böhmen und Mähren Brücken über politische, nationale und gesellschaftliche Grenzen hinweg schlugen, hätten ihnen drei Dinge geholfen, so ASV-Vorsitzender Peter Becher in seinem Grußwort: „Die zumeist christliche Fundierung ihres Denkens und Handelns, ferner ein Selbstverständnis, das jede nationalistische und chauvi-
Redner Jaroslav Lobkowicz. Rechts: Anna Knechtel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Adalbert-Stifter-Vereins (ASV), Dr. Raimund Paleczek, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sudetendeutschen Museums, Pavel Bednář vom Tschechischen Generalkonsulat in München, Dr. Zdeněk Hazdra, Leiter des Instituts zum Studium totalitärer Regime (ÚStR), Blanka Mouralová vom ÚStR, ASV-Vorsitzender Dr. Peter Becher und Karin Schneider-Becher, dahinter Dr. Erich Prinz Lobkowicz und Johannes Prinz Lobkowicz. Bilder: Ondřej Petržílka (4), Katerina Lepic (5) nistische Zuspitzung verhinderte, sowie ihre europäische Orientierung, die sie zu Wegbereitern der europäischen Einigung machte“. Dank ihrer familiären Verbindungen und der Zugehörigkeit zu europäischen und christlichen Netzwerken und geleitet von einem ererbten Verantwortungsgefühl trugen auch sie schließlich zur politischen
Wende im Jahr 1989 bei. Wie ihre Landsleute mußten sie im Exil aus dem Nichts neue Existenzen aufbauen. Trotzdem halfen auch sie materiell und finanziell, auf offiziellen und heimlichen Wegen, gründeten Hilfswerke und informierten in den Medien über das Geschehen diesseits und jenseits der Grenzen. Sie hielten das Bewußtsein für die gemeinsa-
Ludwig Burggraf zu Dohna-Schlobitten informiert sich über den Professor Nikolaus Lobkowicz (1931–2019).
Erinnerungen an Johanna Freiin von Herzogenberg (1921–2012) …
men kulturellen Wurzeln wach, obwohl ihr engagierter Einsatz oft abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit stattfand. In Erinnerung an Johanna von Herzogenberg, die ehemalige langjährige Geschäftsführerin des Adalbert-Stifter-Vereins, die 2021 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, soll die Wahrnehmung für diesen Abschnitt der gemein-
samen Vergangenheit geschärft werden. Die Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945” befaßt sich mit der Verbundenheit und dem Engagement von Menschen über Grenzen hinweg. Das Ausstellungskonzept, hinter dem Zdeněk Hazdra, ASVGeschäftsführerin Zuzana Jür-
gens und Anna Knechtel stehen, nimmt diese Themen auf: Verbindende, direkt auf die Wände aufgebrachte Farbflächen in sanften, lichten Blau-, Grün- und Rottönen, von den Wänden abgesetzte Ausstellungstafeln, die sich berühren oder überschneiden, ein typografisches Spiel der Zitate und ein lebendiges Layout der Ausstellungstafeln. Hörstationen und Videoprojektionen bilden den audiovisuellen Rahmen. Bei der Vorbereitung wurden auch Zeitzeugeninterviews aufgenommen. Daraus entstand der Film „Adel im Exil“ von Jan Blažek in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Prager Verein Post Bellum. Er wurde bei der Vernissage erstmals gezeigt und ist in der Ausstellung zu sehen. So trifft voll zu, was Zdeněk Hazdra über die Ausstellung sagte: „Ich glaube, daß sie interessante Einblicke in die Lebensgeschichten einiger wirklich außerordentlicher Persönlichkeiten vermittelt und hoffe, daß sich die Besucher durch das wertemäßige und ideelle Vermächtnis angesprochen fühlen werden!“ sh Bis Sonntag, 26. Juni: „Kulturelle Brücken in Europa nach 1945. Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945” in München-Au, Hochstraße 8, Sudetendeutsches Haus, Alfred-Kubin-Galerie. Montag bis Mittwoch und Freitag 10.00–18.00, Donnerstag 10.00– 21.00 Uhr. Umfangreiches Begleitprogramm.
SL-Kulturpreisträger und Schauspieler Friedrich von Thun (links) mit Sohn Max.
… Karl von Schwarzenberg und seine Frau Therese …
… und Richard Moritz von Belcredi (1926–2015).
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KULTUR
Die diesjährige Vortragsreihe von Stefan Samerski unter dem Motto „Böhmen macht Weltgeschichte: Unbekanntes und Unbekannte“ findet nun wieder live im Sudetendeutschen Haus in München statt. In der ersten Folge referierte der Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit über Albrecht Wenzel von Wallenstein. Der Historiker berichtete viel Neues über den Feldherren und Strategen. Die Reihe wird wieder veranstaltet vom SL-Bundesverband, der Sudetendeutschen Heimatpflege, der AckermannGemeinde in der Erzdiözese München und Freising sowie der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste und gefördert von der Sudetendeutsche Stiftung.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
� Neue Vortragsreihe: Böhmen macht Weltgeschichte – Teil 1: Der unbekannte Wallenstein
Finanztricks und Baupläne
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lbrecht von Wallenstein war ein militärisches Genie und als Kriegsheld bekannt“, sagte Stefan Samerski. „Dennoch soll es heute um andere Fähigkeiten und Gaben Wallensteins gehen“, so der Professor für Kirchengeschichte bei seinem Vortrag im Adalbert-Stifter-Saal. Über Wallenstein und das Geschlecht der Waldsteins hatte Samerski schon bei mehreren Vorträgen in München gesprochen, darunter einmal sogar im Bayerischen Landtag (Ý SdZ 17/2017). Dennoch konnte er Neues und Unbekanntes über den böhmischen Feldherren berichten. Dazu sprach Samerski erst über die Biographie Wallensteins – eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein–, der am 24. September 1583 in Hermanitz am Oberlauf der Elbe geboren wurde. „Der Kriegsheld kam also im Böhmischen Paradies zur Welt.“ Er entstammte dem alten böhmischen Herrengeschlecht von Waldstein und wurde mit elf Jahren Vollwaise. Sein testamentarischer Vormund Heinrich SlavaIm Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München stellte die siebenbürgischesiebenbürgische Autorin Ioana Pârvulescu ihr Buch „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ (2021) erstmals in Deutschland vor.
Professor Dr. Stefan Samerski bei seinem Vortrag. SL-Bundeskulturreferent Professor Dr. Ulf Broßmann (rechts) bedankt sich. ta von Chlum und Koschumberg, ein Schwager seiner Mutter, nahm Albrecht zu sich auf Schloß Koschumberg. Neu war sicher vielen Zuhörern, daß Wallenstein protestantisch geboren, getauft und erzogen worden sei, wie Samerski erzählte. Wie in vornehmen Kreisen üblich, sei der junge Waldstein 1602 auf „Grand Tour“ nach Frankreich, Wien und Italien gegangen. Er habe Italienisch gelernt und in Padua und Bologna studiert, unter anderem Botanik und Medizin. „Damals konvertierte Wallenstein, wohl auch von Jesuiten beeinflußt.“ Samerski berichtete auch von den diversen Horoskopen Wallensteins, da dieser sich schon
kurz nach seiner Rückkehr aus Italien sein erstes Horoskop erstellen ließ, so vom Astrologen Senno und vom Hofastronom und -mathematiker Johannes Kepler in Prag. Wie in Keplers Horoskop beschrieben, habe es 1633 die Heirat mit einer reichen Erbin gegeben.
Geprägt von „Grand Tour“ Nach dem Beginn seiner militärischen Karriere, dem Prager Fenstersturz 1618, der Schlacht am Weißen Berg und dem Sieg der Katholiken habe Wallenstein sein Geld in seinen neuen Ländereien verwendet. Er hatte von Kaiser Ferdinand II. die Grundherrschaften Friedland und Rei-
chenberg als Pfand erhalten. „Wallenstein verfolgte für ein arrondiertes Gebiet eine Art ,Masterplan‘ und kaufte auch Gitschin als zukünftige Hauptstadt.“ Dazu habe auch die raffinierte Finanzpolitik gehört, die Wallenstein gemeinsam mit dem Fürsten Karl I. von Liechtenstein praktiziert habe. Die beiden hätten das Münzrecht gepachtet und mit dem Prager Bankier Hans de Witte die Münzverschlechterung unternommen, was zu einer galoppierenden Inflation geführt habe. In dieser „Kipper- und Wipperzeit“ hätten sie die Silbermenge pro Münze immer weiter gesenkt und gleichzeitig die Nominalwerte erhöht. Der Name leite sich von der Praktik der betrü-
Bilder: Susanne Habel
gerischen Münzentwertung ab, nämlich dem Wippen der Waagbalken beim Auswiegen der Münzen auf einer Schnellwaage und dem anschließenden Kippen (niederdeutsch für Aussortieren) der schwereren Stücke, aus denen dann unter Zugabe von Kupfer, Zinn oder Blei geringerwertige neue Münzen hergestellt worden seien. Aufgrund dieser „verlängerten Gulden“ sei alles ständig teurer geworden. „1632 verkündete Kaiser Ferdinand II. den Staatsbankrott“, schilderte Samerski die Folgen, die auch eine Währungsreform nötig gemacht hätten. Wallenstein hatte jedoch Geld genug, um die Grundherrschaft Friedland zu kaufen, wo er sich
� Buchvorstellung in München
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ine zierliche Frau betrat den Saal. Ioana Pârvulescu kam direkt aus Bukarest zu ihrer Lesung, die im Rahmen des Begleitprogramms der HDO-Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt. Zwei Städte in Siebenbürgen, fotografiert von Jürgen van Buer“ stattfand. Drei Tage zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ mit einer großen Besprechung ihres Romans die Zuhörerschaft auf die Autorin und ihr Thema eingestimmt und schrieb: „Von Seite zu Seite empfindet man mehr Vergnügen beim Lesen dieses Buches, wachsen einem die Menschen, von denen es erzählt, enger ans Herz. Man möchte mit ihnen wohnen in diesem großen, alten Haus im siebenbürgischen Kronstadt/Braşov ‚wo die Hunde in drei Sprachen bellen‘.“ In Rumänien lag der Roman, der 2016 im Humanitas-Verlag in Bukarest erschien, im Februar 2022 unter den meistverkauften Titeln dieses Verlages auf Platz zwei.
Geboren in Kronstadt An der Universität der rumänischen Hauptstadt ist Ioana Pârvulescu Professorin für neue Literatur. Geboren wurde sie jedoch 1960 in Kronstadt – rumänisch Braşov, ungarisch Brassó. Wenn man ganz genau sein will, hieß die Stadt damals Orașul Stalin oder Stalin-Stadt. Und in dieser Stadt spielt auch ihr Roman. Im Original heißt er „Inocenții“ („Die Unschuldigen“) – ihr erstes Werk, das 2021 in deutscher Übersetzung erschien. Der freischaffende Autor und Moderator Josef Balazs (Nürn-
Meisterwerk der europäischen Prosa berg), der auch die Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“ kuratierte, begleitete Ioana Pârvulescu durch die Lesung. Ausgewählte Passagen trug die Autorin aus dem rumänischen Original vor. Bei der Lesung aus der deutschen Übersetzung gab sie das Wort immer wieder an Gertrud Balazs weiter. „Schriftstellerinnen, die in den Feuilletons der ‚Neuen Zürcher Zeitung‘ oder der ‚Frankfurter Allgemeinen‘ ausgiebig besprochen werden, haben es geschafft“, so Josef Balazs in seinem einleitenden „Nachdenken über Ioana P.“. Dies gelte auch für sie. Die „Süddeutsche“ sei neben „FAZ“ und „NZZ“ nur eine der großen deutschsprachigen Tageszeitungen, die den Roman mit einer ausführlichen Rezension gewürdigt habe. Schon der Roman „Das Leben beginnt freitags“ („Viaţa începe vineri“, 2009) machte die Autorin weit über die Grenzen Rumäniens hinaus bekannt. Er liegt inzwischen in über zehn Sprachen vor, darunter in einer englischen und einer französischen Übersetzung. Bereits mehrfach wurde sie ausgezeichnet, zuletzt 2018 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union für ihre Novelle „Die Stimme“ („O voce“). Ioana Pârvulescu kommt aus der großen Tradition der europäischen Prosa. Ihr Sprachgefühl schulte die Autorin an ihren bedeutendsten Vertretern – an Rainer Maria Rilke, Antoine de Saint-Exupéry oder Milan Kundera, von denen sie Werke ins Rumänische übersetzte. Eine Erklärung, wie sie zu ihrem Roman „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ gekommen sei, so Pârvulescu auf eine
Josef Balazs und Iona Pârvulescu. entsprechende Frage des Moderators, finde der Leser im Buch selbst, genauer gesagt in ihrer Biographie. Mit 21 oder 22 Jahren habe sie schon einmal den Versuch unternommen, einen Roman zu schreiben, der dem selben Thema gegolten habe. Das Werk mit dem Titel „Der venezianische Spiegel“ sehe sie heute eher kritisch. Als junger Mensch könne man keinen guten Roman schreiben, es sei denn man sei Thomas Mann. Fast zehn Jahre brauchte sie, bis sie das Thema wiederentdeckte. Die Krankheit ihrer Mutter habe ihre private Welt ins Wanken gebracht. Pârvulescu suchte nach Halt. Sie fand ihn in den „Brüdern Karamasow“ von Fjodor Dostojewski. Ein Satz von Aljoscha Karamasow sei bei ihr hängen geblieben: „Wenn man ins Leben so viele Erinnerun-
Bild: HDO gen mit sich nehmen kann, ist der Mensch für sein ganzes Leben gerettet.“ Plötzlich sei ihr bewußtgeworden: Auch sie besitze solche Erinnerungen, die sie in ihre Kindheit zurückführten. Diese waren für Pârvulescu psychische Rettung und Ausgangspunkt für ihren Roman. Den einzigen unter ihren Romanen, der in Kronstadt geschrieben wurde. Der Roman vermittelt hervorragend recherchierte Details zur Geschichte Kronstadts, zeichnet sich durch präzise Beschreibungen der Szenerien und Menschentypen der Stadt aus. „Dichtung und Wahrheit: Welche Rolle spielen sie in ihrem Werk?“, fragte Josef Balazs. Der Roman verbinde Authentizität und Fiktion, so die Autorin. Er sei ein Roman über ihre Kindheit. Aus dieser Kindheit stamme auch das Mehrfamilienhaus, in dem die vier
Kinder wohnten, aus deren Perspektive das Geschehen geschildert werde. Es sei sowohl Schauplatz der Handlung als auch ihr Hauptakteur. Manche Ereignisse, die darin vorkämen, hätten sich so oder ähnlich zugetragen. Nichtsdestotrotz sei die darin erzählte Geschichte Dichtung. Dabei sei die Semantik des rumänischen Originaltitels – „Inocenții“, die „Unschuldigen“, so Josef Balazs, eine andere als die des deutschen Titels, „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“. Je nachdem, in welcher Sprache er den Roman lese, werde der Leser von Anfang an in einen anderen Rezeptionskontext versetzt. Handele es sich bei dieser unterschiedlichen Titelwahl um eine bewußte Verlagsstrategie? Wohl schon, so Ioana Pârvulescu. Die „Unschuldigen“ sei in der Vergangenheit wiederholt auch auf anderen Buchcovern zu lesen gewesen. „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ – es handele sich um ein Zitat aus dem Roman – klinge wohl provokativer und errege mehr Aufmerksamkeit. Der rumänische Titel rücke die Frage nach „Schuld“ beziehungsweise „Unschuld“ eines Menschen in den Vordergrund. Dabei handele es sich um problematische Begriffe, und zwar erst recht, wenn es um Kinder gehe. So wie man heute wisse, daß Stalin, Hitler und Putin die Bösen seien, hätten auch die Kinder von damals verstanden, Gut und Böse zu unterscheiden. Die Geschichte per se sieht die Autorin als eine unheilbringende Macht, die den Menschen entweder schuldig werden läßt oder zerstört. Ausnahmen von dieser Regel seien selten. Dennoch könnten Kinder weder Verantwortung für das
Herzog nennen durfte. „Dort begann er ein umfassendes Bauprojekt, das wohl von seiner Zeit in Italien geprägt war“, so Samerski. Er stellte – auch im Bild – diverse Bauten vor, die Wallenstein ab 1632 plante und von berühmten italienischen Architekten errichten lassen wollte. Er habe beabsichtigt, Gitschin zur Residenzstadt seines Herzogtums Friedland auszubauen und groß angelegte Pläne entworfen, die Stadt und ihre Umgebung zu einer frühbarocken Landschaftskomposition umzugestalten. Der italienische Architekt Nicolo Sebregondi habe 1633 einen Bebauungsplan ausgearbeitet, der repräsentative Bauten, ein Residenzschloß, einen Kirchenbau, nachempfunden der Kathedrale in Santiago de Compostela, und eine Villa mit großem Park vor den Stadttoren vorgesehen habe. Außerdem sollten Gebäude für die Regierungs- und Verwaltungsorgane des Herzogtums entstehen. Wallenstein ließ die Jesuiten und Kartäuser in die Stadt kommen, zudem sollte Gitschin Bischofssitz werden. 100 schöne Bürgerhäuser seien am Hauptplatz gebaut worden. Der kunstsinnige Wallenstein habe sich auch bei seiner Landvilla eine mediterrane Loggia bauen lassen. Nach Wallensteins Ermordung am 25. Februar 1634 in Eger hätten viele seiner Pläne nicht mehr verwirklicht worden können. „Seinem Wunsch gemäß wurde Wallenstein im Karthäuserkloster Walditz bei Gitschin beerdigt und erst 1785 nach Münchengrätz umgebettet“, schloß Samerski. Seinen Vortrag nannte SLBundeskulturreferent Ulf Broßmann bei seinen Dankesworten an den Referenten „fulminant“. Der laute und lange Applaus im Saal bestätigte diese Meinung. Susanne Habel Böse übernehmen noch sich schuldig machen. Kinder, die unschuldig schuldig gemacht werden, stürben zur Zeit in der Ukraine. Oder sie kämen mit ihren Eltern als Flüchtlinge in andere europäische Länder. Sie erlebe sie, so Ioana Pârvulescu, derzeit oft am Bahnhof von Bukarest. Wie die Kinder aus ihrem Roman nähmen sie jedoch das Böse, das um sie herum geschieht, nur beschränkt wahr. Der deutsche Romantitel, darin sind sich Balazs und Pârvulescu einig, katapultiert wiederum seine Botschaft ins Multi-Ethnische, ein Charakteristikum der Region Siebenbürgen im Allgemeinen und der Stadt Kronstadt im Besonderen, wo seit vielen Jahrhunderten die „Hunde in drei Sprachen bellen“. Übersetzung sei jedoch immer eine Sinn interpretation und semantische Akzentverschiebung. Ein Übersetzer gleiche, so Pârvulescu den israelischen Schriftsteller Amos Oz zitierend, einem Musiker, der versuche, ein Violinkonzert auf einem Piano zu spielen. Dem Übersetzer ihres Romans, Georg Aescht, der auch andere Werke der rumänischen Literatur wie „Der Wald der Gehenkten“ („Pădurea spânzuraților“) von Liviu Rebreanu ins Deutsche übertrug, fühlt sie sich für dessen meisterhafte Leistung besonders verpflichtet. Im Gegenzug meint Balazs, Aescht sei gelungen, über den Wechsel vom Rumänischen ins Deutsche hinweg, den bildstarken Charakter der Narration wiederzugeben und den Roman auch denjenigen, die nicht „in drei Sprachen bellen“, mit geringem Sinnverlust in einer anderen Sprache zugänglich zu machen. Lilia Antipow/fs Kurzfassung der Lesung demnächst in der HDO-Onlinereihe „Autorinnen lesen!“: www. youtube.com/watch?v=ePUT nR6ShMY&list=PL7RKX9eh_ WfQBx2lPfO_9mbjhncNpu-82
� SL-Landesgruppe Hessen
� BdV-Bezirksverband Mittelfranken
Mit Minister posieren
Gelungener Start Anfang April traf sich der BdVBezirksverband Mittelfranken in Nürnberg.
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Anfang April fand die Jahreshauptversammlung der SL-Landesgruppe Hessen in Wiesbaden-Naurod statt.
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iese Versammlung war für die 20jährige Jennifer Hartelt aus Sinntal-Altengronau eine wirklich interessante Veranstaltung. Als jüngste Delegierte der SL-Kreisgruppe Schlüchtern durfte sie an der Jahreshauptversammlung der SL-Landesgruppe teilnehmen. Da war es selbstverständlich, daß sie zu einem Foto mit Innenminister Peter Beuth, der als gern gesehener Gast eine Ansprache hielt, gebeten wurde. Antje E. Hartelt
Jennifer Hartelt und Peter Beuth
� SL-KG Düsseldorf
Gerhard Tagwerker mit den Ackermännern in seiner Ausstellung in Echterdingen.
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nter den 18 Teilnehmern waren auch Ratsherr Andreas Schröder und der ehemalige Bezirksvertreter Rainer Klöpper. Rüdiger Goldmann erläuterte die geschichtlichen Hintergründe der Geschehnisse am 4. März 1919 im Sudetenland und zog einen Vergleich zur jetzigen Situation in der Ukraine. Der stärkste Satz seiner Ausführungen lautete: „Wenn trotz aller politischen und diplomatischen Versuche Gewaltanwendung erfolgt, ist auch Gewalt erforderlich, um Gewalt abzuwenden.“ Die Besucher erhoben sich zur Ehrung der Toten. Dann sprach Andreas Schröder die Umbenennung der Hans-Christoph-Seebohm-Straße in Düsseldorf an. Ein Gedankenaustausch folgte. Vor der Verleihung der Urkunden an langjährige Mitglieder sangen alle das Böhmerwaldlied. Rüdiger Goldmann stellte die für Ende Mai geplante Begegnungs- und Kulturfahrt im alten und neuen Österreich mit den Orten Pilsen, Brünn, Wien und Kremsmünster vor. Anschließend wurde er für seine Dienste für die SL geehrt. Anläßlich seines 80. Geburtstages am 28. Dezember war er in der Sudetendeutsche Zeitung (Ý SdZ 51/2021) und im „Ost-West-Journal“ geehrt worden. Bisher unerwähnt geblieben war seine Mitwirkung an der Satzungsänderung. Nun erhielt er das Buch „František Černý. Diplomat, Journalist, Humanist“ zum Geschenk. Ingrid Pimpl, die die Feierstunde federführend gestaltet hatte, sprach über die Entstehung, die Zeichen und Farben des sudetendeutschen Wappens. Zum Schluß sangen alle „Kein schöner Land“. Elisabeth Preiß
Bilder: Stefan Teppert
� Ackermann-Gemeinde in der Diözeses Rottenburg-Stuttgart
Hammer und Meißel, Posaune und Schlagzeug Für Anfang April hatte die Ackermann-Gemeinde in der Diözeses Rottenburg-Stuttgart auf Initiative von Vorstandsmitglied Rainer Bendel ins Stadtmuseum Echterdingen eingeladen, wo anläßlich des 90. Geburtstags des Bildhauers und Stuckateurs Gerhard Tagwerker bis zum 15. Mai auf zwei Etagen eine Retrospektive seiner Werke zu sehen ist.
Mit Gewalt U Gewalt abwenden Anfang März traf sich die nord rhein-westfälische SL-Kreisgruppe Düsseldorf anläßlich des Tages des Selbstbestimmungsrechts der Völker im GerhartHauptmann-Haus.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Haus stammenden, bis dahin nicht gläubigen Jungen beten. Nahe der thüringischen Stadt Eisenach fand er eine erste Wohnung, machte Notabitur, ging mit Mutter und Halbschwester in die amerikanische Zone nach Bamberg und ließ sich dort zum Bildhauer und Stukkateur ausbilden. Er arbeitete im Dom, in fränkischen und württembergischen Wallfahrtskirchen und Schlössern als Restaurator und machte den Meister als Steinbildhauer. Die Begegnung mit einem amerikanischen Offizier weckte in ihm die Liebe zum Jazz. In Würzburg studierte er Musik, lernt Posaune, Baß und Schlagzeug und ist sowohl in der Klassik als auch im Jazz zu Hause. Zuerst verdiente er in Oberschwaben seinen Lebensunterhalt als beliebter Tanzmusiker, später bei einem Stuttgarter Sympho-
mgeben von Interessierten aus dem Sudetenland, seiner Herkunft mütterlicherseits, erzählte der Greis mit einer guten Portion jugendlicher Verve aus seinem langen und erfolgreichen Leben und gab anschließend bei einem Rundgang eine Einführung in sein Schaffen und Denken. Die Gäste konnten Fragen stellen und eigene Erfahrungen beisteuern. Gerhard Tagwerker kam am 19. Februar 1932 in Klagenfurt in Kärnten zur Welt. Nach der Trennung der Eltern zog die Mutter mit ihrem zweijährigen Sohn zurück ins nordböhmische Erzgebirge. Wohlbehütet wuchs Gerhard im Beamtenhaus- Ein Werk und sein Künstler. halt der Großeltern in Teplitz-Schönau auf. Nach dem nieorchester, schließlich gründeEinmarsch der deutschen Trup- te er seine eigene Band „Starlipen wurde er als österreichischer ners“. Staatsbürger mit der Mutter evaAls Fachmann für Gotik war kuiert, kam jedoch zurück und er Anfang der 1950er Jahre beim blieb bis Kriegsende. Dem tsche- Aufbau der Stiftskirche in Stuttchischen Exekutionskommando gart. Dort lernte er Katharina entkam er knapp. In einem Berg kennen, mit der er seit 65 Jahren von Leichen hatten sie ihn ohn- glücklich verheiratet ist und 1958 mächtig liegen gelassen. in Echterdingen ansässig wurde. Die Erlebnisse der Rettung Sie und der Bildhauer-Student aus der Verfolgung, des Massen- Otto Herbert Hajek ermuntersterbens und der zerstörten deut- ten ihn, Kunst zu studieren. An schen Städte prägten ihn tief und der Freien Akademie der Bildenlehrten den aus humanistischem den Künste in Stuttgart wurde er Meisterschüler der Professoren Peter Otto Heim und Rudolf Hoflehner. Sein Studium finanzierte er mit Auftritten als Jazzmusiker, etwa im Südfunk-Mitternachtsprogramm. Ab 1963 war er freischaffender Künstler. Seine Palette reicht von Kunst am Bau über geometrische Objekte bis zu religiösen Arbeiten. Seine Werke sind in Kirchen und Schlössern, auf Friedhöfen, städtischen Plätzen und in Parks zu sehen. Vor allem seine liturgischen Objekte bestimmten als dienende Kunst fortan sein Leben. Mit der Ausgestaltung von modernen Kirchen erwarb er sich einen besonderen Ruf, entwarf Gesamtkonzepte von der plastischen und malerischen Wandgestaltung bis zu Einzelobjekten wie AlSkulptur von Edith Stein. tären, Ambonen, Taberna-
keln, Taufsteinen, Kreuzen und Portalen. Daneben entstanden Großplastiken, Reliefs, Brunnen und Skulpturen. Mit seiner modernen Handschrift verlieh er weit mehr als 100 Kirchen in Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern ein Innengesicht. Als er 1977 für die Bundesgartenschau in Stuttgart arbeitete, fiel er Oberbürgermeister Manfred Rommel auf, der ihn sofort zum verantwortlichen Grabstättengestalter berief. Seine künstlerischen Begabungen verhalfen Tagwerker 1972 zu seiner nebenberuflichen Lehrtätigkeit am Eduard-Spranger-Gymnasium in Filderstadt, wo er 26 Jahre lang Kunst und Musik unterrichtete sowie eine Jazz-Arbeitsgruppe ins Leben rief und leitete. Mit einigen seiner damaligen Schüler swingt er noch heute am Schlagzeug. Seit 1962 gab es zahlreiche Ausstellungen mit Tagwerkers Opera im Inund Ausland. Am 19. November 1980 wurde sein Werk mit einer Audienz bei Papst Johannes Paul II. gewürdigt, der zum Abschluß eines Deutschlandbesuchs in der Münchener Residenz drei Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben einlud. Die derzeitige Echterdinger Ausstellung zeigt große Reliefs, Vorarbeiten für bekannte Skulpturen wie die Madonna „Nikopoia“ für Ulm-Tannenplatz, die Ackermann-Gruppe für Stuttgart-Rot, das Bischof-MoserDenkmal für das gleichnamige Haus in Stuttgart, das Relief „Christus trägt uns als sein Kreuz“ am Bischofshaus in Rottenburg oder das Edith-SteinDenkmal für den Innenhof des Geistlichen Zentrums der Erzdiözese Freiburg in Sankt Peter. Auch Portraitarbeiten und Kleinplastiken mit teils ironisch-sarkastischer Färbung sind in den Vitrinen zu bewundern. Im ersten Stock des Museums sind neben Fotos von Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum freie künstlerische Arbeiten aus Holz, Metall und Keramik in unterschiedlicher, teils abstrakter Formensprache zu sehen, etwa pflanzliche Objekte nach vegetativen Vorbildern. Dabei wird auch Tagwerkers kritische Sicht zur Entwicklung des computergesteuerten Menschen und zur Ausbeutung der Natur deutlich. Rainer Bendel dankte zuletzt für die Gastfreundschaft des offenen Hauses, für die beeindruckenden Werke und die nicht weniger beeindruckende Führung. Sie habe in die Zeit- und Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts hineingeführt. Stefan P. Teppert
ach längerem Dornröschenschlaf wegen des Todes des BdV-Bezirksvorsitzenden Herbert Müller und Corona gelang nun, den Verband neu aufzustellen. Die 23 Delegierten bemühten sich, ihn personell wieder auf ein solides Fundament zu stellen. Vorgespräche des Landesvorsitzenden Christian Knauer mit den Kreisverbänden und früheren Vorstandsmitgliedern waren hilfreich. Der neue Bezirksvorsitzende Gerhard Ruß hat bereits als Obmann der SL-Kreisgruppe Fürth einen guten Ruf. Der Wahlvorstand bestand aus der neuen BdV-Landesgeschäftsführerin Stefanie SanderSawatzki und zwei weiteren Mitarbeitern der Landesgeschäftsstelle. Nachdem man sich darauf verständigt hatte, die Amtsdauer des Vorstandes zunächst auf zwei Jahre zu begrenzen, fanden sich für alle Positionen genügend Kandidaten. So wurde Eberhard Heiser (SL) als Stellvertretender Bezirksvorsitzender bestätigt, und Barbara Hehn (Banater Schwaben) in die gleiche Position gewählt. Rosa Mül-
ler (Deutsche aus Rußland) hatte nicht mehr kandidiert. Jeweils einstimmig wurden per Akklamation Manfred Baumgärtl (SL) zum Bezirksschatzmeister sowie Reinhard Schmutzer (SL) zum Schriftführer gewählt. Beisitzer sind Hans Werner Henning (Siebenbürger Sachsen), Hilke Meier (Pommern), Altlandrat Helmut Reich (SL), Wilhelm Rubick (SL) und Wilfried Schröter (Landsmannschaft Schlesien). Kassenrevisoren wurden Werner Baum (Landsmannschaft Schlesien) sowie Gerhardt Schmidt (SL). Ruß kündigte an, die Arbeit der Landsmannschaften und Heimatortsgemeinschaften stärker zu koordinieren. Wichtig sei, die Arbeit vor Ort und die Anliegen der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Dies solle nach einer Phase der Konsolidierung durch Gemeinschaftsveranstaltungen wie Tag der Heimat oder Dialoge mit Politikern geschehen. „Wir müssen in unserem Regierungsbezirk wieder stärker als Kulturträger und Brückenbauer zu den europäischen Nachbarn wahrgenommen werden“, schloß Ruß. Susanne Marb
Stellvertretende Bezirksvorsitzende Barbara Hehn, Bezirksvorsitzender Gerhard Ruß, Landesvorsitzender Christian Knauer und Stellvertretender Bezirksvorsitzender Eberhard Heiser. Bild: Susanne Marb
� SL-Ortsgruppe Passau/Niederbayern
Das Recht auf Selbstbestimmung schen Museums in München und zuvor viele Jahre Direktor des Südtiroler Museums Ladin auf Schloß Thurn. Beheimatet im Grödnertal, ist Planker Angehöriger der dort ansässigen ladinirtsobfrau Helga Heller hieß schen Minderheit. die zahlreichen Mitglieder Differenziert berichtete der willkommen. Zwar wird deren Historiker über Sprache und KulDurchschnittsalter immer höher, tur dieser Minderheit, über Vorund viele Zeitzeugen sind nicht fahren, Familie und persönliche mehr am Leben. „Und dennoch Erfahrungen, Siedlungsraum, die haben wir einen harten Kern“, Schule als Instrument der Assisagte die über 90jährige Helga milierung und über Gebiete, wo Heller in ihrer Begrüßungsrede. die ladinische Psyche noch erhalHellers verstorbener Ehemann, ten geblieben sei. Auch den Ladider Passauer Richter Viktor Hel- nern sei es stets um das Recht auf ler, hatte in der Dreiflüssestadt Selbstbestimmung gegangen, nach der Vertreibung als kleine Volksgruppe, die SL-Ortsgruppe mit die sich über die Jahr300 Mitgliedern ins Lehunderte behauptet haben gerufen. be, zeigte Helga Heller Vor dem HinterAnalogien zu den Sudegrund der aktuellen tendeutschen. Geschehnisse in der Das „Carlone-Trio“ Ukraine mochten für leitete mit Sätzen aus manch einen die daWolfgang Amadeus maligen BegebenheiMozarts Serenade Cten erneut Bedeutung Stefan Planker Dur zu Lesungen über, Bild: Nadira die die Landsleute an erlangt haben. Am 4. Hurnaus den Tischen hielten. März 1919 hatte tschechoslowakisches MiliTherese Höpfl zitiertär die Demonstrationen der su- te den Egerländer SPD-Politiker detendeutschen Bevölkerung für Peter Glotz (1939–2005): „Wir ihr Recht auf Selbstbestimmung müssen unsere Verletzungen zeiniedergeschlagen. Die Minder- gen. Nur so ist Verständigung heit der Sudetendeutschen for- möglich.“ In einer anderen Pasderte vergeblich den Verbleib bei sage, die Elfriede Seiler zitierte, Deutsch-Österreich anstelle der hieß es, daß für das Geschehene, Einverleibung in die Tschecho- für die Schuld in der Vergangenslowakei. 54 Menschen wurden heit, die Nachgeborenen nicht an jenem Tag erschossen, auch verantwortlich gemacht werden Kinder. könnten, wohl aber für die ZuReferent war Stefan Planker, kunft der Völker in Europa. seit 2020 Chef des Sudetendeut Marita Pletter
Im März gedachte die niederbayerische SL-Ortsgruppe Passau im Gasthaus Aschenberger der verhängnisvollen Ereignisse des 4. März 1919
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6.5. 2022
� Nordrhein-westfälischer Landesbeauftragter für Heimatvertriebene
Berliner Mauer in Düsseldorf
Gruppenbilder mit Urkunden.
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� SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken
Gemeinde hilft die geplanten Aktivitäten auf Kreisebene bekannt. In ihrem Bericht erwähnte Obfrau Anclam Veranstaltungen mit unterschiedlichen Formaten: Informativer Vorm österlich geschmückten trag, interessante FilmvorfühSchmidtbauernhof begrüß- rung oder geselliges Miteinte Obfrau Bärbel Anclam den ander. Sie betonte die mehrtäBürgermeister und Vereins- gige Reise in die Lüneburger kartellvorsitzenden Johannes Heide. Viele geplanten UnterBallas, Altlandrat und Kreis nehmungen seien Corona zum obmann Helmut Reich, Alt- Opfer gefallen. Zusätzlich zu bürgermeister Peter Wies- den Ortsterminen seien die ner und Gemeinderätin Inge Mitglieder auch bei VersammThron. Vize-Ortsobmann Ot- lungen des Kreises gewesen. mar Anclam gedachte der im Anclam dankte ihrer Stellverletzten Jahr verstorbenen Mit- treterin Karin Walz, die rund glieder mit ehrenden Worten 80 Mitgliedern persönlich und einer Gedenkminute. zum Geburtstag gratuliert haBallas, ein langjähriges Mit- be. In Schwaig erledige diese glied der Ortsgruppe, beton- Aufgabe Schriftführerin Erika te, daß immer viele Mitglieder Kunstmann. zu den SL-Treffen kämen, und Otmar Anclam beschrieb lobte die aktive Beeindrucksvoll die tätigung im VereinsFahrt in die Lünekartell. Er sprach burger Heide und auch über Corona, erzählte Beachtenswomit er selbst infiwertes über den Voziert gewesen sei. Er gelpark in Walsroverwies auf die Fahrt de, über die Fahrt zum Sarner Kirchtag durch das Alte Land in Sarntal in Südtimit den Obstplantarol Anfang Septemgen, über die Besichber. Mit den besten Helmut Reich tigung eines SchiffsGrüßen von der Gehebewerks und über meinde überreichte er der Ob- die Elbphilharmonie in Hamfrau ein Kuvert mit einer finan- burg. Im Herbst finde über ziellen Hilfe. diese Reise eine Dia-Schau Diese dankte für die Hilfe statt. Anclam gab noch Hinfür die SL-Seniorenarbeit. Sie weise auf die nächsten Fahrbetonte, daß vom Jahresmit- ten: Die Muttertagsfahrt in gliedsbeitrag nur sieben Euro das Dehnberger Hoftheater pro Person bei der Ortsgrup- mit Programm, die Tagesfahrt pe blieben. Der Rest müsse an nach Nördlingen und Treuchtden Bundesverband überwie- lingen sowie Besuch der Wallsen werden. Was bleibe, rei- fahrtsbasilika Maria Wemding che ohne Zuwendungen und und die Sechs-Tage-Reise in Spenden von den Mitgliedern den Schwarzwald. für Geburtstags- und WeihDie Vermögensverwalterin nachtsgeschenke sowie Son- Dagmar Hess berichtete über stiges nicht. eine geordnete Kassenlage, Helmut Reich startete hoff- welche die Rechnungsprüfenungsfroh in die Nach-Co- rinnen Anne Völlmer und Irmrona-Vereinsarbeit. Er arbei- traut Wiemer kontrolliert hattet nicht nur in der SL auf ver- ten. Anne Völlmer bestätigte schiedenen Ebenen. Kürzlich die vorschriftsmäßige Kassennahm er mit Bärbel Anclam führung, und einstimmig folgund Anne Völlmer an der Ta- ten die Entlastungen der Vergung des BdV-Bezirksver- mögensverwalterin und des bandes Mittelfranken teil und gesamten Vorstands sowie die wurde zum Beisitzer gewählt Bestätigung im Amt. (Ý Seite 9). Mit Urkunde und Präsent Über die Lage in der Ukrai- ehrte der Kreisobmann Vene sagte Reich, daß die Sude- ra Risser für 50, Werner Zipf tendeutschen eigene Rück- für 30, Gertraud Ederer, Werschau an die Vertreibung ner Boß und Otmar Anclam hielten und die Vorkommnis- für 25, Betty Wildwasser, Man se gut nachvollziehen könn- fred Wildwasser, Marlene Seiten. Stefanie Buchner-Frei- del und Walter Seidel für 20, berger, Redakteurin der „Peg- Brigitte Czerney, Edeltraud nitzzeitung“ habe ihn als Nürnberger, Hildegard SamKreisobmann und seine Stell- met und Pauline Nikitkat für vertreterin und Leiterin des zehn Jahre Treue. Sudetendeutschen VolksSchließlich dankte Obfrau tanzkreises, Christl Hanisch- Anclam allen, die zum GelinGerstner, diesbezüglich inter- gen des Vereinslebens beigeviewt. Dann gab Helmut Reich tragen hatten. Judith Will Anfang April fand die Hauptversammlung der mittelfränkischen SL-Ortsgruppe Rükkersdorf im Kreis Nürnberger Land statt.
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sie gegen ihre Feinde zu verteidigen.“ Klaus Kaiser: „Die SED-Diktatur hat viel Unrecht verursacht und zahlreiche Opfer gefordert. Für viele Betroffene sind die Folgen heute noch psychisch und physisch spürbar. Es ist eine gesamtgesellschaftliche und gesamtdeutsche Aufgabe, uns um diejenigen zu kümmern, denen Unrecht widerfahren ist. Neben der Aufarbeitung dieses Kapitels im Rahmen der historisch-politischen Bildung setzen wir uns auch für die Würdigung und Anerkennung der Menschen ein, denen in der SED-Diktatur Unrecht widerfahren ist.“ Der Vorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) in Nordrhein-Westfalen, Felix Heinz Holtschke, der selbst von seinem Bürofenster in der Krausenstraße acht Jahre lang tagtäglich bis zu seiner Verhaftung am 21. November 1984 direkt auf die darunterliegende Mauer mit dem berüchtigten Todesstreifen blicken konnte, sag-
tion, ein kleines, aber historisch bedeutendes und unübersehbares Denkmal zur Demokratieerziehung im Herzen Düsseldorfs entstanden. Dafür danke ich im Namen des Bezirks- und des Landesverbandes, aber auch des Bundesvorstandes der VOS.“ Etwa eine Million Menschen sind vor dem Mauerfall aus der „DDR“ nach Westdeutschland geflohen, ausgesiedelt oder wurden von der Bundesregierung freigekauft. Viele, auch mit Haft nter den Gästen waren Landerfahrung, ließen sich in Nord tagspräsident André Kuper rhein-Westfalen nieder und orMdL, Klaus Kaiser MdL, Parlaganiserten sich in Opferverbänmentarischer Staatssekretär im den. Die Landesregierung hat in Kulturministerium, sowie Verden letzten Jahren die Anliegen treter der in Nordrhein-Westfader „DDR“-Übersiedler, insbelen ansässigen SED-Opferversondere derjenigen, die in Konbände. Landesbeauftragter Heiflikt mit dem SED-Regime gerako Hendriks freute sich über die ten waren, verstärkt ins Auge gegroße Unterstützung für dieses nommen. Projekt. „Egal, wem ich in den Das Teilstück der Berliner letzten Wochen von der AufwerMauer beim Landtag war ein Getung des Mauersegments in Düsschenk der „Bild-Zeitung“ an seldorf berichtet habe, die Resodas Land zum 20. Jahrestag des nanz war Zustimmung, Beifall bis Mauerfalls am 9. November 2009 hin zu Begeisterung. Diese Reakin Erinnerung an den Zeitungstion gab es im Übrigen gründer Axel Sprinauch bei der Stiftung ger (1912–1985). Die Berliner Mauer, die „Bild-Zeitung“ schenkuns dankenswerterweite allen Bundesländern se bei der Realisierung ein Mauerstück als tatkräftig unterstützte.“ Mahnmal an die SEDEr freue sich, daß die Diktatur. neuen Schautafeln, die Beim zweiten Runbarrierefrei zugänglich den Tisch mit Vertreseien, Interessierte nun tern der SED-Opfereinlüden, stehenzubleiverbände in Nord ben, um mehr über dierhein-Westfalen am ses Mauerstück und 9. November 2020 hatunsere Geschichte zu ten diese erstmals erfahren. Prägnant und den Wunsch nach eianschaulich werde so ner Aufwertung geäuWissen über die SEDßert, um den besondeDiktatur vermittelt. Mit ren Erinnerungsort an Hilfe eines QR-Codes Klaus Kaiser MdL, Heiko Hendriks, André Kuper MdL und die deutsche Teilung könnten alle Besucher Felix Heinz Holtschke vor einem Segment der Berliner am Landtag aufzuwerBild: Mark Hermenau ten und der Öffentlichdie Internetpräsenz der Mauer. Stiftung Berliner Maukeit die SED-Diktatur er besuchen und weitere Hinter- te: „Dieses schreckliche Rudi- als Teil der deutschen Geschichgrundinformationen erhalten. ment einer kommunistischen te zugänglicher und verständliAndré Kuper sagte: „Den Diktatur, die ihr eigenes Volk cher zu machen. Mauerfall ermöglichten mu- des eigenen Machterhalts wegen Auf Antrag der Fraktionen der tige Menschen mit machtvol- einmauern ließ, soll für diese und CDU und der FDP hat der Landlen Montagsdemonstrationen nachfolgende Generationen ein tag am 7. November 2021 zuund die vielen, die durch Flucht Mahnmal sein. Deshalb war es sätzliche Mittel in den Haushalt und Aussiedlung in den Westen gut und richtig, daß die Landes- 2022 des Ministeriums für Kuldie ,DDR‘ destabilisierten. Die- regierung die von der VOS ent- tur und Wissenschaft des Lanse Menschen ließen das verhaßte wickelte und an Heiko Hendriks des Nordrhein-Westfalen für die Bauwerk einstürzen. Damit wur- herangetragene Idee eines ‚spre- Aufwertung des Mauersegments de auch die Einheit Europas er- chenden Denkmals‘ letztlich eingestellt. Ziel ist, den Erinnemöglicht. Das Mauerstück in der baulich so zügig umgesetzt hat. rungsort zu erhalten und angeNähe des Landtags zeigt, daß je- Neben dem Haus der Geschich- messen aufzuwerten, damit er eider von uns immer wieder gefor- te ist für die breite Öffentlichkeit, nen festen Platz im Stadtbild bedert ist, Demokratie zu leben und insbesondere die junge Genera- hält. Auf Einladung des Beauftragten der Landes Nordrhein-Westfalen für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, Heiko Hendriks, und des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen fand Ende April eine Feierstunde anläßlich der Aufwertung des Berliner Mauersegments im Rheinpark Bilk am Landtag in Düsseldorf statt.
� SL-Ortsgruppe Aichach/Bayerisch-Schwaben
Zeitgerechtes Erinnern Anfang April sprach Gotthard Schneider, designierter Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, vor der bayerisch-schwäbischen SL-Ortsgruppe Aichach im Gashof Specht über die Volksabstimmung in Oberschlesien vor rund 100 Jahren.
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ber ein volles Haus freute sich Ortsobmann Gert-Peter Schwank und begrüßte Gotthard Schneider. Wie die Sudetendeutschen, die nach dem Ersten Weltkrieg vergeblich um ihr Selbstbestimmungsrecht gekämpft hätten, so Schneider, sei auch im industrie- und rohstoffreichen Oberschlesien der Kampf um die nationale Zugehörigkeit entbrannt. Die Franzosen hätten neben Posen, Teilen Westpreußens und Danzig ganz Oberschlesien in den wiedergegründeten polnischen Staat eingliedern wollen. Nach heftigen Protesten hätten die Alliierten zwar einer Volksabstimmung zugestimmt, aber später in weiten Teilen das Abstimmungsergebnis ignoriert. Während Frankreich heute engster Partner Deutschlands sei,
hätten bis zum Ende des Zweiten genommen. Englische, franzöWeltkriegs fortwährende Krie- sische und italienische Truppen ge und eine „Erbfeindschaft“ hätten die Abstimmung kontroldie Beziehungen geprägt. Da- lieren sollen. 60 Prozent hätten her sei der französische Premier für einen Verbleib bei DeutschGeorges Clemenceau Anführer land votiert, dennoch wur einer nachhaltigen Schwächung den zwei Drittel des AbstimDeutschlands durch die Versail- mungsgebietes Polen zugeschlaler Friedensverträge gewesen. gen. Nach der Feststellung der So habe Deutschland 92 Prodeutschen „Alleinschuld“ für zent der Kohlevorkommen, alle den Kriegsausbruch habe diese Eisenerzgruben, elf von 16 Zinkdurch Gebietsabtreund Bleierzgruben, tungen, den Verlust alle 22 Zinkhütten der Schwerindustrie und 23 von 27 Hochund hohe Reparatiöfen verloren. Die onszahlungen gedamaligen Entscheitilgt werden sollen. dungen und deren Oberschlesien, das wirtschaftliche Foldamals bedeutender gen hätten zum späals das Ruhrgebiet teren Aufstieg Adolf gewesen sei, sei in Hitlers beigetragen. den Fokus gerückt. Dr. Gotthart Schneider Das Erinnern an Bild: Susanne Marb das Im Gegensatz zu den SelbstbestimDeutschen in Böhmungsrecht sei zeitmen Mähren und Schlesien habe gerecht. Der Überfall des von eiman der Bevölkerung in Aussicht nem Despoten regierten Rußgestellt, frei über ihre nationa- lands auf die Ukraine mache le Zukunft entscheiden zu dür- dies überdeutlich. Heute versufen. che Wladimir Putin das SelbstAn der Volksabstimmung am bestimmungsrecht der Ukrainer 20. März 1921 hätten 97 Pro- mit Panzern, Raketen und Bomzent der Wahlberechigten teil- ben niederzuwalzen.
Vogelbeerbaum und Stele in Roth.
� SL-Ortsgruppe Roth
Film regt Gespräche an Anfang April fand die Jahresversammlung der mittelfränkischen SL-Ortsgruppe Roth statt.
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bmann Dieter Heller begrüßte die Landsleute, darunter Manfred Baumgartl aus Schwabach als Gast. Baumgartl und Hannelore Heller, Finanzverwalterin der Ortsgruppe, sind Mitglieder der Bundesversammlung. Vize-Ortsobmann Norbert Schindler gedachte der Toten, die seit der Gründung der Ortsgruppe vor 73 Jahren zu beklagen waren. In seinem Rechenschaftsbericht erwähnte der Obmann einen Vereinsnachmittag im Juli, ein Treffen am Vogelbeerbaum im August als Kirchweihersatz, die Jahresversammlung im Oktober und die Adventfeier im vergangenen Corona-Jahr. Ein Höhepunkt sei die im Juni von der Landesgruppe vorgenommene Ehrung von ihm und seiner Frau Hannelore mit der Goldenen Verdienstmedaille der SL Bayern im Rother Schloßhof gewesen. Die sonst monatlichen Zusammenkünfte des Kochkreises beschränkten sich auf ein Treffen im Januar, den traditionellen Grillabend bei Hellers und die Waldweihnacht am Vogelbeerbaum. Alfred Blasig berichtete, im vergangenen Jahr zu runden Geburtstagen sieben Mitglieder besucht, 32 Mitgliedern zu höheren ungeraden Geburtstagen Glückwunschbriefe geschrieben und allen Mitgliedern wieder drei Ausgaben des Kreismitteilungsblattes geschickt zu haben. Den Vermögensbericht übermittelte wie immer sehr sachkundig Hannelore Heller. Sie bedauerte einen kleinen Mindererlös, der auf fehlende Einnahmequellen durch ausgefallene Veranstaltungen zurückzuführen sei. Die Kassenprüfer Annemarie Thiel-Walter und Roland Schindler bestätigten eine einwandfreie Kassenführung. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Der Obmann kündigte folgende Veranstaltungen an: Die Feier des mehrfach verschobenen 70. Jubiläums der Ortsgruppe finde im Mai statt. Die ersten Gäste aus Europa- und Landespolitik hätten sich bereits angesagt. Zu Christi Himmelfahrt werde eine Maiandacht am Vertriebenendenkmal am Vogelherd in Schwabach veranstaltet. Zu dieser Veranstaltung lade die Kreisgruppe Roth-Schwabach ein. Im Juni fänden der Sudetendeutsche Tag in Hof und der Ortsgruppenausflug nach Ansbach, im Juli das Vogelbeerbaumfest und im November die Adventfeier statt. Die Landesgruppe Bayern rufe zur Teilnahme an der Brünnfahrt mit Versöhnungsmarsch und Beiprogramm im Juli auf. Dann überraschte der Obmann mit einer Bilderschau über 70 Jahre SL Roth. Viele erkannten sich auf den Bildern bei den verschiedenen Veranstaltungen, und dies war Anlaß zu regen Gesprächen. er
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
� Heimatgruppe Kuhländchen – München
Viele Bücher und eine Ehrung Anna Polka, Valerie Endlicher, Hans Carossa sowie Hugo Baar und deren Professionen. Kubiena hatte den Landschaftsmaler Baar oft in die Beskiden begleitet, um ihm interessante Motive zu zeigen. So entstanden Gemälde wie „Alter Friedhof in den Beskiden“, „Waldandacht“ oder „Weiden im Schnee“. Fischer gewährte neue Einblicke in das Leben des Neutitscheiner Bürgertums um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der zweite Teil des Heimattreffens widmete sich dem Lebenswerk von Wolfram Finfera. Finfera ist seit 1984 Mitglied unserer Heimatgruppe und wohl derzeit einer, der am Wolfram Finfera längsten da- Ulf Broßmann. bei ist. Er kam am 16. April 1936 Neutitschein zur Welt. Im Januar 1945 floh er mit Mutter, Großmutter und Geschwistern aus der Heimatstadt. Sie kamen nach Kaaden, von wo sie 1946 vertrieben wurden. Die Familie baute sich hier wieder eine Existenz auf. Wolfram Finfera beendete sein Studium der Nachrichtentechnik in Graz und München als Diplom-Ingenieur. 1983 besuchte er zum ersten Mal Neutitschein. Er war ent-
setzt über die gravierenden Veränderungen, die seine geliebte Geburtsstadt nach 1945 hatte erdulden müssen. Auf seinen anschließenden vielen Reisen in die verlorene Heimat forschte er in Archiven, Museen sowie bei tschechischen Bekannten, aber auch in der neuen Heimat in Archiven, Heimatstuben und bei Landsleuten nach alten Bildern von Neutitschein. Immer mehr wurde ihm der Umfang der Veränderungen bewußt. Da reifte in ihm der Gedanke, in einer Bilddokumentation das schöne Vorher und das triste Nachher der Stadt zu dokumentieren. Nach detaillierten Untersuchungen, und Professor Dr. Betrachtungen und Vergleichen entstand 1994 seine mehr als 500seitige Dokumentation „Neutitschein. Die Hauptstadt des Kuhländchens einst und heute“. Die Herausgabe dieses Standardwerkes über Neutitschein mit vielen Stadtplänen, Fotos und einem großen Literaturverzeichnis gab den vertriebenen Neutitscheinern und den Kuhländler Landsleuten endlich einen großen Baustein für die Erinnerungskultur.
In den nächsten 20 Jahren war der freundliche, friedvolle und bescheidene Wolfram Finfera immer ein gern gesehener Gast bei seinen tschechischen Landsleuten und den örtlichen Institutionen. Die Begegnungen belohnten ihn mit vielen neuen Erkenntnisse. Kürzlich stellte Finfera die CD „Erinnerung an meine verlorene Heimatstadt Neutitschein“ als aktuelle, wissenschaftlich aufgebaute Bilddokumentation in deutscher und tschechischer Sprache vor. Vieles, was heute nicht mehr existiert, hielt Finfera akribisch fest. Das zeichnet seine Bilddokumentation aus. Sie ist einzigartig und wertvoll. Die umfassende, systematische Arbeit ist eine wichtige historische Quelle für ehemalige Neutitscheiner, Nachgeborene, Interessierte und für heute in Neutitschein lebende Bewohner, aber auch für Archive, Museen, Gymnasien, Universitäten und Forschungseinrichtungen. In Anerkennung seiner Verdienste sowie seines Bestrebens und seines Engagements zur Bewahrung des kulturellen sudetendeutschen Erbes und aufgrund des beständigen persönlichen Einsatzes mit nachhaltiger Wirkung auf den Verständigungs- und Aussöhnungsprozeß zwischen Sudetendeutschen und Tschechen verlieh die ihm die SL die Adalbert-Stifter-Medaille. Herzlichen Glückwunsch. fn
Die Liebe zum Heimatdorf � Ulrichsgrün im ehemaligen Kreis Eger/Egerland Ulrichsgrün bei Alt Albenreuth im ehemaligen Kreis Eger läßt Wilhelm Rubick, er lebt jetzt im mittelfränkischen Thalmässing, nicht los. Deshalb wanderte er Ende Am Rand der Wüstung Ul- durchdringlichen Urwald. Dem April mit Landsleuten durch sei- richsgrün konnte man nicht er- schließt sich die nun verbuschnen Geburtsort. Auch Nachge- kennen, daß hier einst 17 gro- te „Bummelbaint“ (Stierwiese) borene wanderten mit. ße Viereckhöfe, eine Schule an. Beim weiteren Suchen nach und weitere Einzelhöfe standen. Mauerresten war Vorsicht geboilhelm Rubick erzählte, Ul- Selbst die letzten Mauerreste wa- ten. Plötzlich stand man bis über richsgrün sei mehrmals ren zwischen Büschen und Bäu- die Knöchel im Sumpf. niedergebrannt und ausgeraubt men, die der böhmische Wind Mit Luftbildern von 1948 worden. Immer wieder sei es teils umlegte, verschwunden. An konnte Rubick die Mauerreste neuer und größer aufgebaut wor- der linken Straßenseite Richtung den ehemaligen Besitzern zuden. Doch nach Flucht und Ver- Maiersgrün standen einst zehn ordnen und so das Dorf „aufertreibung der Ulrichsgrüner 1946 Viereckhöfen. Die Höfe wurden stehen lassen“. Am neu gestaltehabe es keine Rückkehr gegeten Dorfweiher konnte man sich ben. Wegen der Nähe zur bayeriwieder orientieren. Ein gelungeschen Grenze seien die Gebäuner Eingriff in das Biotop. Bei eide gesprengt und das Dorf ner Wanderung 2021 war dies planiert worden. nicht zu erwarten. AußerBei gutem Wanderwetter dem wurde am Ufer ein hölmit böhmischem Ostwind zerner Unterstand mit Bäntrafen sich die Wanderer ken zum Rasten errichtet. am Grenzlandturm bei Bad Dahinter geht die wilde ZerNeualbenreuth, wo sie Turmstörung weiter. wirt Emil Ristl betreute. ErDie beiden nächsten Steinste Station war die Grenze. haufen sind die Schule und Auf deutscher Seite hatten Zwei Türeinrahmungen erinnern an den ge- das Gasthaus von Theodor Ferdinand Waidhaus und sprengten Hof von Ferdinand Sehr. Zuber „ban Dore“. VieHorst Adler aus Tirschenle Wanderer kehrten dort reuth mit weiteren heimatver- abgerissen und die Steine an- ein, bevor sie auf den Tillen stiebundenen Landsleuten 2009 zum derswo verwandt. Zu dieser Zer- gen. Die Tschechen prügelten Gedenken an Flucht und Vertrei- störung zählte auch der Hof mit Theodors Bruder tot, weil sie bei bung einen Gedenkstein gesetzt, Gastwirtschaft der Familie Karl ihm das Buch „Mein Kampf“ geden die Mitglieder der Heimat- Löw „ban Flula“ und der der Fa- funden hatten. Ein paar quer lieorte Maiersgrün, Grafengrün, milie Schöner „ban Beiml“, des- gende Bäume weiter fanden Tannerweg und Ulrichsgrün ge- sen Nachkommen mitwanderten Nachkommen von Michl Pötzl stiftet hatten. und die unsinnige Zerstörung „ban Grülln“, Günter, Renate Rubick hatte eine Broschü- nun miterleben mußten. und Brigitte Pötzel, das Restmaure gemacht, damit die WandeAm Ortseingang stand an der erwerk des Viereckhofes ihrer Elrer seinen Ausführungen schrift- rechten Straßenseite, der präch- tern. In Rubicks Info-Mappe walich und bildlich folgen konnten. tige Viereckhof von Josef Mül- ren auch Bilder der Höfe von JoBei einem Blick über die Gren- ler „ban Matzmichl“. Der Hof sef Schöner und Michl Pötzel vor ze nach Ulrichsgrün sah man nur diente den tschechischen Gren- der Zerstörung, große Gebäude noch Büsche und Bäume. zern als Unterkunft und Viehstall mit Fachwerkgiebeln. Weiter führte die Wande- und wurde erst in den sechziger Dann wurden die Reste des rung den Weg nach Ulrichsgrün Jahren abgerissen. Nur Kundige Hofes von Ferdinand Sehr „ban hinab. Bei einem Halt erzähl- finden noch Mauerreste im un- Sehr“ inspiziert. Türeinfassunte Rubick, daß an dieser Stelle Tschechen im November 1945 seine 17jährige Nachbarin Marianne Renz auf ihrem Heimweg von Neualbenreuth erschossen hätten. Außerdem erzählte er von der Flucht seiner Familie und der des Brücher-Onkels mit drei Erwachsenen und sieben Kindern. Furchtbar, hätte damals ein tschechisches Maschinengewehr zu rattern begonnen.
gen ragen aus den eingestürzten Mauern, ein halbverfallener Keller und ein Brunnen sind die Reste des letzten Hofes auf der rechten Straßenseite Richtung Maiersgrün. Das untergegangene Ulrichsgrün sieht traurig aus. Ebenfalls untergegangen ist die Erste Böhmerwälder Edelpelztierfarm von Mayer u. Co. aus Eger, die zur Gemarkung von Ulrichsgrün zählte. Sie lag links der Bezirksstraße nach Maiersgrün zwei Kilometer außerhalb von Ulrichsgrün und wurde daher nicht erwandert. Richtung Alt Albenreuth ging es zum Forsthaus vorbei am ehemaligen Gelände des Schullandheims, das die NS-Frauenschaft während der Hitlerzeit führte, und am Gelände dreier Wochenendhäuschen von Egerer Bürgern. Das Forsthaus wurde ebenfalls abgerissen. Nur eine Grube blieb übrig. Eine Schautafel informiert über das Forsthaus und dessen Geschichte. Die Wanderung endete, wo sie begonnen hatte, am Wanderweg nach Ulrichsgrün. Vom Erlebten beeindruckt, doch zufrieden im Herzen, in der Heimat gewesen zu sein, trennten sich die Wanderer. Abends gab es im Gasthaus Zum Tillenblick eine rege Diskussion von Erlebnisgeneration und Nachgeborenen. Die Wanderung tags darauf zum Mittelpunkt Europas auf den Tillen fiel ins Wasser. Nach dem Gottesdienst in der Bad Neualbenreuther Kirche regnete es in Strömen. Rubick: „Diese Wanderung nach Ulrichsgrün hat tiefe Eindrücke hinterlassen. Ich bin sicher, wenn mich der Böhmische Wind ruft, werde ich das Tillendorf wieder auferstehen lassen.“
Ende März fand das erste Postcoronatreffen die Heimatgruppe Kuhländchen – München im Münchener Haus des Deutschen Ostens (HDO) statt.
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ingangs trug Obmann Ulf Broßmann die „Entschließung über die Ukraine“ der Sudetendeutschen Bundesversammlung vor. Nach seinem Bericht über Veranstaltungen wie die Hauptversammlung der SLKreisgruppe München-Stadt und -Land, die Heimatrats- und Mundarttagung auf dem Heiligenhof, den Besuch der Krippenausstellung in der Alfred-Kubin-Galerie sowie einiger tschechischer Veranstaltungen in der Heimat, referierte Hans-Karl Fischer über den Lehrer und Volkstumsforscher „Friedrich Kubiena. Details und Perspektiven“ (Ý SdZ 50/2020). Fischer stellte dessen erste Buchveröffentlichungen vor. „50 Spaziergänge und Wanderungen durch das Kuhländchen“ waren im Ersten Weltkrieg erschienen und hatten eine entsprechende Aufmachung. Sollte ein Leser dieses seltene Büchlein besitzen, so bitten wir um eine Kopie. Kubienas zweites Werk „7 Kinderlieder“, ein Privatdruck, hatte der Bärenreiter-Verlag 1923 übernommen. Auch die „Kuhländler Tänze“ fanden wegen des seltenen Inhaltes eine weite Verbreitung. Fischer stellte Verbindungen zu Verwandten und Bekannten von Kubiena her wie
Bittere Erinnerungen
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Beim Gedenkstein an der Grenze.
Jiří Strnad von der jüdischen Gemeinde, Minoritenpater Josef, Pfarrer Pavel Zachrla von der katholischen Gemeinde, der damalige evangelische Pfarrer Radovan Rosický, Heinrich Sebisch vom Deutsch-Schlesischen Verband Jägerndorf und Jägerndorfs damaliger Heimatkreisbetreuer Kurt Schmidt 2017 bei der Einweihung des Jägerndorfer Gedenksteins im Vorgarten des jüdischen Vereins.
� Heimatkreis Jägerndorf/Altvaterland
Vom Hunger- zum Versöhnungsmarsch Obwohl Corona die 26. deutsch-tschechische Kulturwoche 2020 und 2021 verhindert hatte, sprachen sich der Heimatkreis und der Heimatkreisverein Jägerndorf bei ihrer jüngsten Tagung für eine erneute Planung aus, weil die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung von Jägerndorf eine Erweiterung des Teilnehmerkreises ergeben hatten.
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och mit des Geschickes Mächten ist kein ew‘ger Bund zu flechten.“ Denn in Deutschland ließ der Jahresbeginn die Krankenzahlen der Epidemie durch die Decke gehen, was den Zweifel an Beteiligung unserer Landsleute wachsen ließ. Zudem löste Wladimir Putin mit seinem Überfall auf die Ukraine weitere Probleme aus. In die Hotels in unserer Heimatstadt zogen ukrainische Flüchtlinge ein, so daß genaue Angaben über Unterkunft, Preis und Programm immer unsicherer wurden und zeitweise alles unmöglich erscheinen ließen. Außerdem warfen die anstehenden tschechischen Kommunalwahlen ihre Schatten voraus. Letzten Endes entschlossen wir uns aber dennoch zum erneuten Wagnis. Vom 25. Juni bis 2. Juli wollen wir mit Hilfe unserer Landsleute, der Mitglieder des Deutsch-Schlesischen Verbandes und unserer Ehrenmitglieder in Jägerndorf die womöglich letzte deutsch-tschechische Kulturwoche in der Heimat gestalten. Und zwar unter Einbeziehung von Gymnasium und Pädagogischer Schule, die an der mit der Stadtverwaltung bereits im Vorjahr vorgesehenen gemeinsamen Neugestaltung des Hungermarsches auch festhalten. Denn nicht nur der Brünner Todesmarsch, über den die Sudetendeutsche Zeitung seit Jahren berichtet, soll an dieses Vertreibungsverbrechen erinnern. Auch der Hungermarsch der Jägerndorfer vom 22. bis 28. Juni 1945, den wir Jahr für Jahr in der Heimat thematisierten, sollte unter Einbeziehung der jüngeren Generation eine weitere Ausweitung des Informationsstandes auf der tschechischen Seite bringen. Den Schulleitungen erschien der 28. Juni passend, handelt es sich doch um den vorletzten Tag des Schuljahres 2021/22. Für den Transport der Schüler zum Gabler Kreuz zum Gedenken an die 300 Toten aus den Reihen der
damals rund 3000 wild vertriebenen Jägerndorfer stellen die Veranstalter einen anzumietenden Bus zur Verfügung. Für das anschließende Mittagessen im Gemeindesaal von Wiese/Zator stehen 100 Plätze zur Verfügung. Danach erfolgt ein eher symbolischer Marsch zurück nach Jägerndorf/Krnov, wo vor dem 2017 eingeweihten Gedenkstein die Abschlußfeier geplant ist. Die gesamte Unternehmung begleiten Reden von Vertretern der Religionsgemeinschaften und der Verwaltungen. Den musikalischen Rahmen bietet der Kirchenchor, der alle Kulturveranstaltungen des Heimatkreises unterstützt und die Tradition des Jägerndorfer Musikvereins fortführt. Die Einbeziehung der Schulen gründet sich auf eine seit dem Beginn der Kulturwochen 1995 bestehende Zusammenarbeit mit Vorträgen und Diskussionen. Die Mitarbeit des Rathauses ist heuer eingeschränkt. Die Kommunalwahlen im Herbst lassen grüßen. Diese Bresche füllen bis zu einem gewissen Maß andere Gemeinden des früheren Kreises Jägerndorf aus. So sind zum 645. Gründungstag der Gemeinde Nieder-Hillersdorf auch die früheren deutschen Bewohner eingeladen. Weitere ehemalige Gemeinden sind in das Besuchsprogramm der Woche einbezogen, das auch Fahrten zum Altvater und in benachbarte Städte vorsieht. Wegen des symbolischen Charakters des nun als „Versöhnungsmarsch“ zu bezeichnenden früheren Hungermarsches sind auch Sudetendeutsche vor allem aus jenen Städten zur Teilnahme eingeladen, deren Bewohner im Sommer 1945 ähnliche Wilde Vertreibungen erlitten. Anmeldung bis 15. Mai beim neuen Vize-Heimatkreisbetreuer Lorenz Loserth, Marbachstraße 16, 81369 München, Telefon (0 89) 59 97 64 03, Mobil (01 52) 53 63 60 79, eMail lorenzloserth@googlemail. com Er wird uns auch zu den Gedenkstätten in Lobenstein führen, also zum Heimatort seiner Vorfahren und des Bauernbefreiers Hans Kudlich. Somit wird auch das Gedenken an den historisch bedeutsamsten Sohn unserer schlesischen Heimat zur weiteren ehrenvollen Aufgabe dieser möglicherweise letzten deutsch-tschechischen Kulturwoche in Jägerndorf. Kurt Schmidt
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6.5. 2022
Groß Steurowitz/Heimatkreis Nikolsburg/Südmähren
Bieten wir dem Bösen die Stirn Ende April wurde auf dem Friedhof in der südmährischen Gemeinde Groß Steurowitz bei Auspitz im Kreis Nikolsburg ein Gedenkkreuz gesegnet, das eine Tafel trägt, die auf Deutsch und Tschechisch an die dort bestatteten deutschen Groß Steurowitzer erinnert.
Die Delegierten vor der Ringhoffer Villa in Prag-Smichow.
Landesversammlung der deutschen Vereine
Die Zeiten werden schwieriger Ende März fand die Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Verbände (AdV) und der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV) in Prag statt.
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ans Korbel, Erster Vizepräsident der Landesversammlung, eröffnete die Tagung. Bei der AdV waren 14 von 22 Verbänden gekommen. AdV-Geschäftsführer Martin Dzingel trug den Tätigkeitsbericht des Büros der Landesversammlung vor. „Die Landesversammlung bietet das neue zweisprachige Buch mit den Geschichten von Lucie Römer an“, begann Dzingel seinen Bericht. In seinen Darstellungen erwähnte er auch die umgearbeiteten Ergebnisse der Volkszählung, die jetzt übersichtlicher präsentiert sind. Im weiteren Verlauf berichtete Martin Dzingel als Präsident der LV. Beispielsweise hob er das Begräbnis von Monsignore Anton Otte in Bayreuth oder das Märzgedenken in Kaaden hervor. Roman Klinger, Hannah Hrochová und Milan Neužil wurden in die Beschlußkommission gewählt. Das Thema „Projekte 2022“ startete Dzingel mit der Klärung der Änderungen bei Geldeinzügen und Abrechnungen. Kurz wurden die neuen Tabellen gezeigt, eine ausführliche Schulung erfolgt im Juni in Brünn. Richard Šulko bot beim Thema Belegliste Hilfe vor dem
Emmerich Rath (1883–1962) war ein Allround-Sportler aus Braunau. Er betrieb Leichtathletik, Nordische Kombination, Bobsport, Kanusport, Rudern, Fußball, Skilanglauf, Bergsteigen, Rugby, Boxen, Hockey und Eishockey.
Schulungstermin an. Über dieses Thema entflammte eine lebendige Diskussion. Außerdem wurden der Sudetendeutsche Tag und das Seminar in Brünn detailliert besprochen. Maximilian Schmidt präsentierte seine Projektarbeit bei der Landesversammlung. Dabei erwähnte er auch den EmmerichRath-Cup. Sehr schön ist das regelmäßige Netzwerk der deutschen Minderheit, auch von Schmidt ausgedacht. Richard Neugebauer vom Verein Bohemia Troppau berichtete über die Schwierigkeiten mit der Finanzierung der Deutschsprachkurse und über die Tatsache, daß Deutsch zukünftig nicht mehr als obligatorische zweite Fremdsprache gelehrt werden soll. Martin Dzingel sprach über das „Landesecho“ und seine größeren Büroräumen im Haus der Minderheiten in Prag. Ganz wichtig war die Information über die neue Aufteilung der Delegierten für die Landesversammlung, die Šulko vorstellte. Er wies auf die Dringlichkeit hin, richtige Leute für die Delegiertenplätze und Präsidiumsmitglieder von den einzelnen Verbänden zu wählen, weil die Zeiten anspruchsvoller würden. Korbel erwähnte noch die Verpflichtung der Verbände, dem Büro der Landesversammlung die Protokolle der Delegiertenwahl zu senden, und zwar bis zum 30. September. Auch das Thema der „Arbeitsgemeinschaft deutscher Verbände“ wurde angeschnitten. Nach dem Gruppenfoto vor der Ringhoffer Villa folgte die Nachwahl in die Gremien der Bohemia Troppau. Unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ wurden einige Einladungen ausgesprochen und andere wichtige Informationen mitgeteilt. Nach der Aussprache folgte die Abstimmung der AdV-Empfehlungen, und die Sitzung endete. Unverzüglich wurde dann mit der Landesversammlung der deutschen Vereine fortgefahren. Die Tagesordnung wurde umgehend verabschiedet sowie der Tagungsleiter und das Programm. Alle Empfehlungen von der AdV wurden einstimmig angenommen, und dann hieß es nur: „Danke fürs Kommen und gute Heimreise.“ do
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schöne große Gedenkkreuz ein. Er sprach von den deutschen Toten der Gemeinde, die hier ihre letzte Ruhe gefunden hätten, von denen aber heute nur mehr wenige Grabsteine und Gräber zu finden seien. Mögen sie in Frieden ruhen, das Gedenkkreuz solle als Mahnung für alle hier lebenden Menschen dienen. Josef Richter sprach als Ortsbetreuer in besonders rührender Weise Gedenkworte für die hier begrabenen Generationen von deutschen Ortsbewohnern und betonte, daß dieses Gedenkkreuz zu deren Erinnerung errichtet worden sei. Es möge auch an die Schrekken erinnern, die beide Völker vor mehr als 77 Jahren hätten erleiden müssen und die zur Vertreibung der ehemaligen Bewohner geführt hätten. Aber es solle auch der Versöhnung dienen. „Möge es nie wieder zu solch schrecklichen Ereignissen im Herzen Eu-
meinde für die Unterstützung der Errichtung dieses Gedenkkreuzes und übergab dieses in die Obhut der heutigen Gemeinde. Vilém Barák sagte: „Mit Hilfe meiner Eltern, ihrer Nachkom-
oder verschwinden gänzlich. Die Ukraine droht zum russischen Gulag zu werden, und die asiatischen Horden bereiten einen weiteren Angriff auf die Ostgrenze der Europäischen Union vor. Westeuropa versteht das nicht.
Josef Richter und Vilém Barák vor dem Gedenkkreuz.
n dieser Gedenkveranstaltung nahmen auch Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Franz Schneider, Kreisbetreuer des Heimatkreises Nikolsburg, die Ortsbetreuer Dietlinde und Josef Richter, Oskar Sollan, Ortsbetreuer von Unterwisternitz, und Hubert Rogelböck, Vorsitzender der SLÖ-Bundeshauptversammlung, teil. Von der heutigen tschechischen Ortsgemeinschaft waren Vilém Barák – der Initiator dieses Gedenkkreuzes und anderer Erinnerungen an die ehemaligen deutschen Bewohner – mit Familie und viele Einwohner gekommen. Das feierliche Hochamt in der wunderschön geschmückten Kirche Sankt Georg zelebrierte Pfarmen und des Deutsch-Tscherer Jan Nekuda. Leider waren chischen Zukunftsfonds gelang unsere Heimatpfarrer an dieuns, drei historische Grabsteine sem Sonntag unabkömmlich. Die zu reparieren und dieses Kreuz Musik der neu renovierten Orzu erwerben. Es erinnert an die gel und eine Musikgrupdeutschsprachigen Einpe untermalten die Meswohner von Groß Steuse. Von unserer Seite errowitz, die hier begraben folgten die Lesung und sind. Es bleibt zu hoffen, die Fürbitten in deutdaß die Inschrift auf dem scher Sprache als Beitrag Pfeiler des Kreuzes unzur Messe. Anschließend sere Nachkommen ergingen alle zum nahen mutigt, sich für die GeFriedhof zum Gedenkschichte dieses Ortes kreuz. zu interessieren. Der Auf der Tafel an dem schrecklichste europäKreuz steht: „Im Gedenische Krieg endete vor ken an die früher hier an77 Jahren, und wir haben sässigen deutschspraimmer noch mit seinen chigen Bewohner, die Folgen zu kämpfen.“ auf diesem Friedhof ihre Vor 60 Tagen habe letzte Ruhestätte fanden. Rußland die Ukraine anAuch wenn ihre Grab- In einem der restaurierten Gräber ruht Pfarrer Rudolf gegriffen. „Ihre Trupsteine nicht mehr stehen, Renda, gestorben am 5. April 1919 im 56. Lebensjahr. pen, die diese BezeichBilder: Christina Meinusch nung nicht verdienen, sollen sie nicht vergessen werden. Herr, gib ihnen zerstören Städte und die ewige Ruhe und lasse sie in ropas kommen.“ Richter gedach- Krankenhäuser und terrorisieren Frieden ruhen. Groß Steurowitz te auch der Opfer in der Ukraine, die Zivilbevölkerung, ohne den – Starovice.“ von denen vor allem Frauen und Kriegszustand zu erklären. Die Pfarrer Jan Nekuda weihte mit Kinder betroffen seien. Er dank- Bewohner der besetzten Gebiete bewegten Worten das wunder- te der Familie Barák und der Ge- werden nach Sibirien deportiert
Wieder einmal erleben wir eine Zeit, in der es notwendig ist, dem Bösen die Stirn zu bieten. Wenn wir heute untätig bleiben, werden die Ukrainer und vielleicht sogar wir selbst in 77 Jahren wieder vor demselben Problem stehen. Gräber ohne Grabsteine und eine Landschaft ohne die Menschen, die dort lebten.“ Ein gemeinschaftliches Essen im Gemeindesaal rundete die Einweihungsfeier ab. Zu diesem war auch Bürgermeister Antonín Kadlec gekommen, der eine deutsche Mutter und einen tschechischen Vater hat. Er lud zur großen Feier anläßlich des 700jährigen Bestehens des Ortes am 30. Juli ein. Neben der Errichtung dieses Kreuzes waren auch vier Gräber renoviert worden. Vilém Barák, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, Spenden der ehemaligen deutschsprachigen Bewohner von Groß Steurowitz und vom Heimatkreis Nikolsburg sowie die Gemeinde hatten das Kreuz und die Gräbersanierungen finanziert. tk
Bund der Deutschen in Böhmen
Premiere des Plachtiner Heimatliedes „Målaboum,“ meinem Sohn Vojtěch Šulko, sagte ich zu. Nun stand unserem Auftritt am östlichsten Rand des ehemaligen Regierungsbezirks Eger nichts mehr im Weg. Das kleine Museum befindet sich am Marktplatz vom Jech-
dern auch Trachtenteile oder Trachtenschmuck. An der Wand hängen drei Zithern. Im zweiten Teil der Ausstellung kann man in die Jechnitzer Natur eintreten. Für Kinder sind Rätsel vorbereitet, man kann sogar einen Baum in natürlicher Größe bewundern. Auch die Geschichte der ehemaligen deutschen Bewohner kommt nicht zu kurz. Zur Ausstellungseröffnung kamen die Leiterin des Museums in
Kateřina Bílá, Museumsbegleiterin und Mitgestalterin, Barbora Bestová, Leiterin der künstlerischen Abteilung, und Roman Harlt, der die Texte formuliert hatte. Die Stadt Jechnitz vertrat das Stadtratsmitglied Petr Koníř. Nach der Begrüßung und den Festreden starteten die „Målaboum“ mit ihrem Programm. Weil ihr Repertoire nur aus Egeras machen Sie am länder Liedern in Mundart oder 31. März“, fragdeutschen Liedern besteht, wurte mich telefonisch den die einzelnen Musikstücke eine gewisse Frau vorgestellt und in Tschechisch Štefánková. Sie fuhr auch kurz der Inhalt erklärt. Eigleich fort: „Ich bin die ne Besonderheit hatte der Direktorin des MuseAuftritt aber doch. ums in Jechnitz, das „Sehr verehrte Dazum TGM-Museum in men und Herren, der letzRakonitz gehört. Wir te lebende in Egerländer werden am 31. März eiMundart schreibende Aune Dauerausstellung tor dichtete ein Heimateröffnen, die den Men- Vernissage der Dauerausstellung im Jechlied für seinen Heimatschen und der Natur nitzer Museum. ort Plachtin. Die Musik um Jechnitz gewidmet dazu schuf Hatto Zeidler. ist. In einer Exposition, einem nitz und wird mit viel LieHeute erleben Sie desDamen-Salon, werden neben be geführt. Das Tschechische sen Weltpremiere. DieTrachtenteilen auch Musikin- Kulturministerium, der Bezirk ses Lied war nämlich noch strumente ausgestellt, darunter Mittelböhmen und die Stadt nie in der Öffentlichkeit drei Zithern. Ich möchte, daß ein Jechnitz finanzierten die neue präsentiert worden“, sagZitherspieler bei der Vernissa- Dauerausstellung. Im größ- Die „Målaboum“ Vojtěch und Richard Šulko te ich, der Måla Richard. ge ist, und bin nach langem Su- ten Ausstellungsraum im er- vor drei antiken Zithern im Damensalon. Eine Uraufführung also chen auf Sie gestoßen. Ich wür- sten Stock befindet sich der in einer Stadt, durch die de Sie mit Ihrem Sohn sehr gerne Damen-Salon. Neben Kleidern Rakonitz, Magdalena Elznicová die Plachtiner üblicherweise nur bei uns begrüßen.“ aus dem 19. Jahrhundert kön- Mikesková, Nikola Štefánková, durchfahren. „Danke für die EinNach der Abstimmung mit nen nicht nur Sachen aus dem Leiterin des Jechnitzer Muse- ladung, sie war uns eine Ehre“, dem Zitherspieler vom Duo Alltag bewundert werden, son- ums und Ausstellungsautorin, sagte ich.
Bei der Eröffnung der Dauerausstellung „Die Natur und Menschen um Jechnitz“ im Jechnitzer Meuseum bot der Bund der Deutschen in Böhmen mit Sitz in Netschetin Ende März die Uraufführung des Plachtiner Heimatliedes. Måla Richard Šulko, der Vüarstäiha des Bundes, berichtet.
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Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Monika Hanikas Aquarelle für „Die Buschweiber“ …
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Kreis Friedland
Kreis Gablonz
… und „Der Einsiedler am Niederbauerberg“.
� Märchen und Legenden aus dem Isergebirge
Wundersame Waldgeschichten Das Haus der deutsch-tschechischen Verständigung in Gablonz-Reinowitz unter Petra Laurin, Journalistin und Angehörige der deutschen Minderheit, Monika Hanika, hessische Familientherapeutin und Malerin mit Wurzeln im Isergebir-
ge, sowie das Isergebirgsmuseum im bayerisch-schwäbischen Kaufbeuren-Neugablonz wollen ein Buch mit alten Märchen und Sagen aus dem Isergebirge herausgeben. Die zwölf erwählten Märchen stammen aus alten deutschen Büchern aus der Re-
Die Buschweiber
zwischen ihr Schürzenbandl geschoben hatte. Es war pures Gold. Sie eilte zurück in den Wald, zu der Stelle, wo sie das Laub hatte fallen lassen, doch der Wind hatte es vertrieben. Als die zwei Mädchen wieder einmal im Walde saßen, zogen die Buschweiber an ihnen vorüber und sangen: „Wir kommen nicht mehr in das Land, bis es wird sein in Fürstens Hand.“ Man hat sie nie mehr gesehen. Heute noch sagen die alten Leute, wenn der Nebel aus den Schluchten steigt: die Buschweiber feuern.
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ie Buschweiber hausten einst in unseren Bergen und brachten Glück und Unglück. Sie belohnten die Guten und bestraften die Bösen. Einst saßen zwei Mädchen im Walde und spannen. Da kam das alte Buschweib Runkel und füllte den Mädchen die Schürze voll Laub. Als die Alte fort war, sprach das Mädchen: „Was soll mir die Streu?“ Und sie warf sie weg. Doch als sie nach Hause kam, sah sie noch ein Blatt, welches sich
gion und der Haindorfer Ortschronik. Laurin: „Es liegt uns am Herzen, alte Märchen und Sagen aus dem Isergebirge dem Vergessen zu entreißen. Wir wollen das geheimnisvolle Dunkel des Isergebirgswaldes mit all seinen wundersamen Geschichten
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um Schachtelmacher am Hegebach kamen regelmäßig in den Herbstnächten drei Buschweibel und wärmten sich an seinem Backofen. Zum Dank dafür, daß die Schachtelmacherleute sie ungeschoren am Backofen hatten sitzen lassen, hatten sie alle Herbste das Winterholz hinterm Hause gebracht. Einmal saßen sie wieder am alten Fleck. Gemütlich richteten sie sich ihre langen nassen Haarsträhnen und bewegten ihre langen grünschillernden Füße dazu.
von Zwergen, Geistern und eigenwilligen Gestalten für die erhalten, die Märchen und Sagen lieben, mit dieser urtümlichen Landschaft verbunden sind oder hier sogar ihre Wurzeln haben.“ Petra Laurin und Freunde übersetzten die Märchen ins
Tschechische, Monika Hanika illustrierte sie, und das Isergebirgsmuseum wird das Buch vorstellen. Trotz Unterstützung des Deutsch-Ttschechischen Zukunftsfonds und anderer Quellen sind die Kosten noch nicht gedeckt. Deshalb bitten Laurin
(eMail info@laurin.cz) und Hanika (eMail monika.hanika@ t-online.de) um finanzielle Hilfe. Die zwei Märchen „Die Buschweiber“ und „Der Einsiedler am Niederbauerberge“ mit Monika Hanikas Bilder sollen zum Helfen ermuntern.
In der Stube aber tanzte die Dorfjugend zu einer spielenden Wanduhr. Da stürzte ein übermütiger Bursche auf eines der Buschweibel zu, erfaßte es um die Lenden und wirbelte mit der Widerstrebenden um die Stube. Die Buschweibel verschwanden noch zu selbiger Frist und sind nie mehr wiedergekommen. Den Burschen aber fand man am anderen Tage am Waldrande ohne Kopf. Leute, die um Mitternacht später dort vorüber mußten, sahen seinen Geist, den Kopf unterm Arm.
Der Einsiedler am Niederbauerberge
antwortete jener. Der Einsiedler kochte eine Suppe und trug sie dem Erschöpften auf. Heißer Dampf stieg von ihr empor ins Gebälk der Klause. Gierig führte der Holzmacher den Löffel zum Munde und blies mit vollen Backen darauf. Abermals stellte der Weißbart die Frage, warum er blase. „Weil die Suppe zu heiß ist“, sagte der Gast. Da fuhr der Einsiedler entrüstet auf und schrie ihn an: „Macht, daß ihr von hinnen kommt. Für Leute, die aus einem Loche kalt und warm blasen, ist hier kein Bleiben.“
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in Holzmacher verirrte sich vor Zeiten im Walde, als hoher Schnee Pfad und Wald bedeckte. Nach langem Hin- und Her kam er ganz erschöpft und halb erfroren zu dem alten Einsiedler am Niederbauersberge, der ihn mit in seine Hütte nahm. Dort fing er an, in seine erstarrten Hände den warmen Atem zu blasen. „Warum blast ihr in die Hände?“, frug der weißhaarige Gottesmann. „Weil mich friert“,
Sudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen
� Sagen aus dem Heimatkreis Deutsch Gabel
Marias Fußspuren im Schnee sind ein Fingerzeig
IN H OF
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or langer Zeit wurde im Silberstein viel Silber gefunden. Eines Tages entdeckte ein Bergknappe eine Silberader von unermeßlichem Wert. Da er-wachte in dem armen Mann die Habsucht, und er beschloß, seine Entdeckung
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U TS C HE E R D
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Der Bergknappe
geheim zu halten. In der Nacht, ihn der Besitzer des Bergwerkes, wenn das Bergwerk von Men- und zwar in der Nacht des Palmschen verlassen war, arbeitete sonntags, bei dieser Arbeit er an der Ausgrabung überraschte. Kurz entseines Schatzes. Je schlossen schlug weiter er in das ihn der BergGestein vorknappe mit seidrang, desto nem Spitzmehr Silber hammer nieglänzte ihm der. Doch entgegen. im selben Er wollAugenblick t te nicht ertönte ein e ind überwnzen eher ruhen, furchtbaG re bis der ganrer Donnerze Reichtum schlag. I in seinen HänDer ganze UN J den wäre. Allein Berg zitterte und . 3. B I S 6 es schickte sich, daß bebte und die Fel-
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uf dem der Kirche gegenüberliegenden Hü gel stand vor dem Bau der Kirche in Hennersdorf eine Kapelle, in der eine Marienstatue verehrt wurde. Als später statt der Kapelle eine Kirche gebaut werden sollte und man nicht wußte, welche Stelle sich dazu am besten eigne, lag eines Morgens auf dem Platz, wo jetzt die Kirche steht, frischer Schnee. In diesen Schnee waren die Spuren eines kleinen Fußes eingedrückt. Der Schnee sowie diese Fußstapfen – sie sollen von der Mut-
tergottes stammen – galten als Fingerzeig. Und so kam die Kirche, die schon lange vor der Reformation eine Wallfahrtskirche gewesen war, an ihre jetzige Stelle. Von diesem wunderbaren Ereignis soll die Kirche den Namen Maria-Schnee erhalten haben.
. SUDETE 72
Kirche in Hennersdorf
sen barsten und stürzten übereinander. Von dem Bergwerk war keine Spur mehr zu sehen, denn haushohe Felsen türmten sich darüber, und seitdem hat keines Menschen Hand mehr hier nach Silber gegraben. Der habsüchtige Bergknappe, der seinen Herrn erschlagen hatte, ist verwünscht und muß Jahr für Jahr bis zum Jüngsten Tage in der Tiefe des Berges arbeiten.
Meierhof „Wüstewiesen“
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eim Meierhof auf der westlichen Seite der aus Sandstein bestehenden Wände bei Hennersdorf befin-
det sich in ziemlicher Höhe eine in den Felsen gehauene Nische mit einem Christusbild. Darunter sind die Jahreszahl 1771 und einige Buchstaben eingehauen worden. Hier soll zur Kriegszeit ein Husar mit dem Pferd bei der Verfolgung einer Frauensperson, die hier ohne Schaden zu nehmen hinabsprang, hinabgestürzt und auf der Stelle tot gewesen und begraben worden sein. An dieser Stelle ist auch der Damm des „Pechteiches“ wahrnehmbar, der sich früher von hier gegen Johnsdorf hinzog und seinen Namen von einem Pechofen erhielt.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Das Publikum wartet gespannt auf den Vortrag des Germanisten Jan Kvapil (links), hinten der offene Flügelaltar.
Graupen
Niklasberg
Der Historiker Kvapil bei seiner Präsentation.
Teplitzer Schloßmuseum – Teil II und Ende
Die Madonna aus Vorderzinnwald Anfang April hielt Jan Kvapil im Schloßmuseum in Teplitz-Schönau direkt neben dem Fürstenauer Altar einen Vortrag mit dem Titel „Auf den Spuren der Madonna aus Vorderzinnwald“. Er widmet sich schon lange den grenzüberschreitenden Beziehungen mit Sachsen. Hier der zweite Teil von Jutta Benešovás Bericht.
D
er Flügelaltar, so Jan Kvapil, sei am Festtag Mariä Heimsuchung immer offen gewesen, vor der Kirche habe eine böhmische Kirmes stattgefunden. Ein zeitgenössischer Bericht in einem Wanderbuch von 1860 beschreibe den Ablauf eines solchen Tages wie folgt: „Die weiteste Wallfahrt kam damals aus Niklasberg. Die Wallfahrer wohnten erst dem evangelischen Gottesdienst und dem Abendmahl in beiderlei Gestalt andächtig bei. Nach Beendigung des evangelischen Gottesdienstes setzte im Schein mitgebrachter, geweihter Kerzen der sanfte Wallfahrtsgesang für die Himmelskönigin ein, welcher jedoch am Nachmittag von einer evangelischen Taufe und Trauung unterbrochen wurde und erst am Abend mit dem Abzug der letzten Wallfahrer sein Ende fand. Auch hier zeigte sich wieder der heilige Brauch gegenseitiger Duldung unter beiden religiösen Bekenntnissen.“
Die Verehrung des Muttergottesbildes habe immer mehr zugenommen. Deshalb habe die katholische Bevölkerung von Zinnwald ein Gesuch an die sächsische Königin Carola gerichtet, das Gnadenbild aus der lutherischen Kirche von Fürstenau nach Zinnwald übertragen zu dürfen. Die Genehmigung sei erteilt worden. Und so habe die evangelische Kirchengemeinde Fürstenau den gesamten Flügelaltar mit dem Gnadenbild Mariens der Kirchengemeinde Böhmisch Zinnwald mit der Auflage geschenkt, den Altar aus Fürstenau in Vorderzinnwald aufzustellen. Dort sei eigens eine neue Kapelle gebaut worden. Dank der Opferbereitschaft aller Einwohner Vorderzinnwalds, der Spenden von Kaiser Franz Joseph, von Königin Carola von Sachsen, von den Fürsten Clary und Lobkowitz sowie der Beiträge vieler Gemeinden sei die Kapelle 1887 vollendet und mit Orgel, Glocke, herrlichen Glasfenstern und Monstranz ausgestattet worden. Die Überführung des Altars habe am 1. November 1887 stattgefunden. In Böhmisch Zinnwald hätten sich die Bewohner mit Schuljugend und Vereinen sowie weiß gekleidete Mädchen aufgestellt, um die vier Wagen, die den kostbaren Altar befördert hätten, zu empfangen und zu der neuen Kapelle in Vorderzinnwald zu
begleiten. Während des Zuges habe die Feuerwehr von Voitsdorf Dutzende von Böllerschüssen erschallen lassen. Unter dem Gesang „Großer Gott wir loben dich“ sei der Altar in die Kapelle getragen worden. Von diesem Tag an habe Vorderzinnwald ein eigenes Gotteshaus gehabt: die schmucke Gnadenkapelle Mariä Heimsuchung, ein vielbesuchtes Marienheiligtum, zu dem die Gläubigen der umliegenden Ortschaften gepilgert seien. Das Publikum folgte nun den Erklärungen Kvapils über den Altar, den sie direkt vor Augen hatten. Der Schrein des Altars vereine das Zentralmotiv „Assumpta“ – Jungfrau Maria als gekrönte Königin des Himmels mit Darstellungen aus ihrem Leben auf Reliefs auf der Innenseite der Altarflügel sowie Tafelgemälden, die Marias Verwandtschaft darstellten, auf der Außenseite der Flügel. Ein Relief mit Marias Geburt ziere den Sockel. Begleitet werde es von Tafelgemälden mit den Figuren der sechs Apostel. Die Ikonographie des Altars gehe aus dem starken Marienkult des 15. Jahrhunderts hervor.
Die Reliefs auf den Innenseiten des Altars stellten vier der sieben Freuden Marias dar: Verkündigung, Heimsuchung, Geburt des Herrn und Anbetung der Weisen. Zwei Engel trügen die „Assumpta – Jungfrau Maria“ auf dem Halbmond im Sonnenstrahl. Zwei weitere hielten ihre Krone, die einen in den goldenen Hintergrund eingelassenen Heiligenschein überdecke. An den Innenwänden des Altarschreins seien Engelsgestalten mit Laute und tragbarer Orgel dargestellt. Jesus im Arm der Jungfrau Maria halte in seiner Hand einen Granatapfel als Symbol der Kreuzigung. Als Vorlage für die Jungfrau Maria und die anderen Darstellungen hätten mit großer Wahrscheinlichkeit graphische Blätter des Colmarer Malers und Graphikers Martin Schongauer (um 1445–1491) oder graphische Blätter seiner Nachfolger gedient. Der 1887 nach Vorderzinnwald gebrachte Altar sei nicht im Originalzustand gewesen. Im Verlauf der Untersuchung sei festgestellt worden, daß zwei Elemente, welche den tragenden
TERMINE Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr konzertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Joseph Wolfram (1789–1839), Komponist
und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung der Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-ElisabethKirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Aus-
sig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen,
Teil der Mensa gebildet hätten, unter der Übermalung die Trageelemente der originalen Mensa bewahrt hätten. Zwischen diesen sei ursprünglich ein Relief gewesen, welches nachträglich in den frühbarocken Aufsatz des Altarschreins eingelassen worden sei. Bei der Restaurierung sei auch die Deckplatte der Mensa gefunden worden. Dies habe ermöglicht, die Zusammenstellung in den annähernd originalen Zustand zurückzuführen. Während der Restaurierung seien barocke, dekorative Schnitzereien und Übermalungen sowie weitere starke Schichten von Übermalungen aus dem 19. Jahrhundert entfernt worden. Nach der Vertreibung der Deutschen sei Vorderzinnwald dem Erdboden gleichgemacht worden. Damit sei auch das Schicksal der Gnadenkapelle besiegelt gewesen. Dank des Eingreifens der verbliebenen Deutschen, dabei werde vor allem Karl Rudolf genannt, habe man den Gnadenaltar retten und in die Mariä-HimmelfahrtsKirche in Hinterzinnwald überführen können. Dort habe er verlassen bis in die 1990er Jahre gestanden. Archäologische Untersuchungen im April und Mai würden nun die Reste der zerstörten Gnadenkapelle ausfindig und auf würdige Weise erkennbar machen. Da-
zu werde Ende Juni vor Ort eine 3D-Visualisierung des Altars und der Kapelle durchgeführt. Und Anfang Juli, zum Fest Mariä Verkündigung, werde eine Wallfahrt zu diesem Ort in Vorderzinnwald stattfinden. Mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Bundeszentrale für politische Bildung werde als Programm „Auf den Spuren des Altars aus Vorderzinnwald“ eine Naturschutzstation Osterzgebirge entstehen. Diese werde auch in den Rahmen der Schulbildung einbezogen. Auf deutscher Seite habe die Pfarrgemeinde Geising, zu der auch Fürstenau gehöre, den Wunsch geäußert, eine Kopie des Altars anzufertigen. Diese solle laut Plan im August oder September als „Rückkehr der Madonna nach Fürstenau“ feierlich geweiht werden. Bereits im Jahr 2020 habe die neu belebte Bewegung der Marienwallfahrten im ehemaligen Sudetenland mehrere Videoaufzeichnungen gemacht. Dazu gehöre nun auch bald die Wiederbelebung der Marienwallfahrt zu der ehemaligen Gnadenkapelle Mariä Heimsuchung in Vorderzinnwald. Voraussichtlich werde auch diese Wallfahrt ein versöhnliches Zusammentreffen von Tschechen und ehemaligen deutschen Bewohnern dieser Region bringen.
WIR GRATULIEREN Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks und Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenaufreunde.org
Allen treuen Heimatruf-Abonnenten gratulieren wir zum Geburtstag im Monat Mai und wünschen von Herzen Alles Gute und Gottes Segen. Klostergrab Janegg-Krinsdorf, JaneggWernsdorf/Kreis Dux, Grundmühlen/Kreis Teplitz-Schönau. Horst Wiedemann, Johann-Sebastian-Bach-Straße 16, 85540 Haar, 17. Mai 1934.
Ladowitz/Kreis Dux. Rosemarie Junge, Goethestraße 21, 93138 Lappersdorf, 10. Mai 1930. Ullersdorf/ Kreis Dux. Gudrun Fuchsenberger, Bussardweg 34, 63741 Aschaffenburg, 8. Mai 1942. Teplitz-Schönau. Erhard Spacek (Heimatkreisbetreuer), Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, 29. Mai 1942.
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Städtische Wälder Taus
Forst betreut Forst terricht ist aber inzwischen auch für alle anderen Angestellten des Amtes angesagt. Der Forstdirektor versichert, daß auch ihm die Zusammenarbeit mit der Waldbesitzervereinigung Waldmünchen mit Josef Liegl an der Spitze ein großes Anliegen sei, schließlich würden it seiner langen Amtszeit hatte Jan 30 Prozent des Holzeinschlags über dieBenda Geschichte in den letzten se Einrichtung abgewickelt. Forst weiß, 100 Jahren der Städtischen Wälder Taus daß sein Vorgänger viele und gute Kongeschrieben. Niemand zuvor hatte es takte zur bayerischen Seite hatte und auf hier auf eine so lange Tätigkeit in füh- diesem Gebiete sehr aktiv war, woran er render Funktion gebracht. gerne anschließen möchte. Wichtig für Die Städtischen Wälder sind seine Tätigkeit sieht er auch eine gute 3750 Hektar groß. Davon sind 30 Hekt- Zusammenarbeit mit seinen Kollegen ar Weiher und 200 Hektar Wiesen und im Amt, und deshalb liegt ihm TeamarFelder. Die Wasserversorgung von beit am Herzen. Waldmünchen sichern die Quellen im Eine wichtige Aufgabe sieht er in der Schwarzkopf-Gebiet, die ebenfalls zu Bekämpfung des Borkenkäfers, „denn den Städtischen Wäldern Taus gehören. das ist derzeit unser größtes Problem“. Der neue Forst- und Brauerei-Direk- Besonders schlimm sieht er den Bortor empfing mich in seinem Amtssitz. Ins kenkäfer-Befall derzeit im Gebiet FichAuge stach sofort das feinsäuberlich auf- tenbach. Seine Hoffnung richtet sich geräumte Büro. Er und seine Zwillings- darauf, daß es viel regnet und es nicht schwester kamen am 8. Oktober 1988 in so heiß wird, damit sich der BorkenkäPilsen zur Welt. Außerdem hat fer nicht weiter so stark auser noch einen Bruder und eine breitet. „Das Klima muß besweitere Schwester. Seine Eltern ser werden“, weiß Forst, dawohnen in Newolitz zwei Kilomit der Wald wieder bessere meter südlich von Taus. Seine Überlebenschancen bekommt. Frau Maria und er leben mit ihEr weist darauf hin, daß die rer Tochter Josefina in Babilon. Schäden im Wald gegenwärtig Das liegt ebenfalls nahe Taus in zu 90 Prozent vom Borkenkäder Cham-Further Senke fer verursacht würden und nur Forst besuchte zunächst die zu zehn Prozent von schweren Schule in Taus, die Forstschu- Josef Forst Stürmen. le in Pisek und die HochschuFortgesetzt werden soll auch le in Brünn. 2013 bekam er eine An- weiterhin das Auerhahn-Programm im stellung als Förster bei den Städtischen Gebiet rund um den Schwarzkopf, auch Wäldern Taus. Er sieht es als große Eh- wenn nur fünf Prozent der ausgesetzten re an, von der Stadt Taus als Nachfolger Tiere durchkommen. Dieses Programm von Jan Benda zum Direktor der Städti- gibt es bereits seit rund 20 Jahren. schen Wälder und zum Brauerei-DirekForst weiß auch, daß die Bevölkerung tor auserkoren worden zu sein. Er hatte des Chodenlandes eine große Freude sich letztlich gegen zwei Mitbewerber mit den nun in Taus wieder gebrauten durchgesetzt, wobei ihm natürlich sei- Bieren hat, die allgemein nur Lob finne inzwischen gewonnene Erfahrung zu den. Die Brauerei habe inzwischen sehr Gute kam. viele Freunde, und deshalb gehe er mit Er versichert, daß es ihm ein großes großer Freude auch an seine zweite AufAnliegen sei, die erfolgreiche Tätigkeit gabe als Brauerei-Direktor heran, damit seines Vorgängers fortzusetzen, wobei diese Einrichtung weiter eine gute Entes ihm auch um die grenzüberschreiten- wicklung nimmt. de Zusammenarbeit gehe. Damit es daJosef Forst ist klar, daß ihm eine verbei keine Sprachbarrieren gibt, nimmt antwortungsvolle Aufgabe übertragen Forst zwei Stunden pro Woche Deutsch- wurde. Doch bei dem Elan, den er an Unterricht, und die Fortschritte sind be- den Tag legt, weist alles auf eine erfolgreits deutlich erkennbar. Deutsch-Un- reiche Tätigkeit hin. Ende Dezember verabschiedete sich Jan Benda nach 28 Amtsjahren als Direktor der Städtischen Wälder Taus. Seit 1. Januar kümmert sich Josef Forst um den Forst. Karl Reitmeier traf Forst in seinem Büro in Taus.
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Dr. Veronika Hopfinger, Bára Procházková, Thomas Ebeling, Siegfried Zistler, Zdeňka Buršíková, Walter Jonas, Václava Jandečková, Heidi Wolf und Jan Kvapil. Bilder: Karl Reitmeier
Irene Fritz, Andi Dünne, Petra Ernstberger, Dr. Tomáš Kafka, Bischof Tomáš Holub und Reinhard Kreuzer.
Brückenbauerpreis des Centrum Bavaria Bohemia 2022
Wertvolle Verständigung Grenzöffnung begleitet. Sie habe sich Themen abseits der offiziellen Anlässe gesucht und sei ins Nachbarland gefahren, um über den dortigen Alltag zu berichten. Ihre Reportagen hätten die Neugierde auf und die AufgeschlosseneBB-Leiterin Veronika Hofinger hieß heit für Begegnungen mit den wiederalle willkommen. Schönsees Bürger- gewonnenen Nachbarn geweckt. Dies meister Reinhard Kreuzer unterstrich sei ihr Beitrag zur Völkerverständigung. die Bedeutung der grenzüberschreiten- Darüber hinaus unterstütze sie ehrenden Zusammenarbeit. Der Tschechische amtlich grenzüberschreitende KulturBotschafter Tomáš Kafka würdigte in sei- objekte, vermittle Kontakte und wirke ner Festrede das Engagement der Preis- bei deutsch-tschechischen Diskussionsträger und das CeBB als deutsch-tsche- und Austauschforen mit. chischen Kulturvermittler. Walter Jonas, In Anerkennung ihres herausragenRegierungspräsident der Oberpfalz, be- den Einsatzes für die grenzüberschreitonte den Wert der deutsch-tschechi- tende Zusammenarbeit im Kunstbeschen Verständigung angesichts des reich erhielten Irene Fritz und Andi Kriegs in der Ukraine. Petra Ernstber- Dünne den Preis. Die Jugendkunstschuger MdB a. D., Geschäftsführerin des len Kunstbau Weiden und KulturwerkDeutsch-Tschechischen Zukunftsfonds statt Kalmreuth unter Fritz‘ und Dün(DTZF), unterstrich zum Schluß den Wil- nes Kunstbetrieb in Cham nutzten die len des DTZF, die Grenzregionen zu för- verbindende Kraft der Kunst in ihren dern. Unter den Gästen waren auch Pil- grenzüberschreitenden Projekten. Inssens Bischof Tomáš Holub, Schwandorfs besondere mit der Kunstgrundschule Landrat Thomas Ebeling und der Tauser Jindřich Jindřich in Taus verbinde die Bürgermeister Zdeněk Novák. Bára Pro- beiden eine langjährige fruchtbare Zucházková, Chefin des Nachrichtenpor- sammenarbeit. Auch Corona habe diese tals des Tschechischen Fernsehens, mo- Zusammenarbeit nicht beendet. So haderierte und schilderte die Preisträger. be Dünne das „Wimmelwörterbuch“ als Als geborene Arnschwangerin sei in Beitrag zur Kulturstadt Bayern-Böhmen Heidi Wolfs Kindheit und Jugend die des CeBB initiiert. Grenze immer präsent gewesen. Bei Brückenbauer seien die Jugendkunstder Niederschlagung des Prager Früh- schulen auch auf regionaler Ebene, etwa lings 1968 habe sie mit den Menschen in der Zusammenarbeit mit Kindergärgelitten, die sich für die Freiheit einge- ten, Schulen und anderen Einrichtunsetzt und dann doch verloren hätten. Als gen. Die Jugendkunstschulen in Cham Journalistin habe sie bei der „Chamer und Weiden-Kalmreuth seien Teil des Zeitung“, beim „Bayerischen Rund- Landesverbandes der Jugendkunstfunk“ und als Pressesprecherin des Bay- schulen und Kulturpädagogischen Einerischen Landtags gearbeitet und die richtungen LJKE Bayern, die Kinder und Jugendliche an Kunst und Kreativität heranführten. Höchste Anerkennung verdienten sie auch, weil sie ihre Arbeit zu großen Teilen privat oder aus Projektmitteln finanzierten. Den Preis in der Kategorie „PartEin Bläsertrio des Westböhmischen Symphonieorchesters Marien- nerprojekte“ nahbad begleitet den Festabend. In der Mitte Direktor Milan Muzikář. men Siegfried ZistAnfang April verlieh das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee zum 15. Mal seinen Preis Brückenbauer/ Stavitel mostů für die Verständigung zwischen Bayern und Tschechen.
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ler, Leiter der Werner-von-SiemensSchule Cham, und Zdeňka Buršíková, Leiterin der Berufsschule Taus, entgegen. Die Zusammenarbeit habe mit gemeinsamen Weihnachtsfeiern, Sportund Kulturveranstaltungen begonnen. 2006 sei mit dem gemeinsamen Bau einer Holzbrücke am Perlsee bei Waldmünchen eine erste umfangreiche Projektarbeit umgesetzt worden, der weitere grenzüberschreitende Bauprojekte gefolgt seien. Als am 15. Mai 2012 auf dem Schwarzkopf eine Schulpartnerschaft unterzeichnet worden sei, hätten die Schulleiter eine Vision geteilt. Die Begegnungen hätten nicht nur Sprachbarrieren abbauen und Fachkenntnisse austauschen sollen. Sie hätten auch den Wirtschaftsraum Westböhmen-Ostbayern weiterentwickeln und den europäischen Gedanken festigen sollen. Ein Jahr später sei ein Pilotprojekt vereinbart worden. Die Ausbildung für Zerspannungsmechaniker an der Berufsschule Taus habe dauerhaft mit der Werner-von-Siemens-Schule Cham vernetzt und die Angleichung der Ausbildungsstandards gefördert werden sollen. Seit über zehn Jahren biete die Werner-von-Siemens-Schule Praktika in deutschen Partnerbetrieben für Tauser Schüler an. Die Berufsschule Taus wiederum pflege Partnerschaften mit deutschen Unternehmen auf tschechischem Boden und habe dafür wichtige Erfahrungen aus den Betriebspraktika in Deutschland sammeln können. Zu den Zukunftsperspektiven gehöre die Ausrichtung der Ausbildung auf Nachhaltigkeit und Umweltschutztechnik. Mehrmals hätten die beiden Schulen bereits an dem internationalen Wettbewerb Enersol über regenerative Energien teilgenommen. 2023 werde Cham zu den Gastgebern gehören. Schließlich erhielten Václava Jandečková und Jan Kvapil den Brückenbauer-Preis. Jandečková hatte über die Verbrechen des tschechoslowakischen Geheimdienstes in den Jahren von 1948 bis 1951 aufgeklärt. Jan Kvapil hatte die Samstage für gute Nachbarschaft während der geschlossenen Corona-Grenzen initiiert. Über beide Einsätze hatte der Heimatbote seinerzeit ausführlich berichtet. Karl Reitmeier
In den Tauser Stadtwäldern arbeiten Menschen, Tieren und Maschinen zusammen.
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Mai Marta Klement, Ortsbetreuerin von Sirb und Rouden, am 7. zum 91. Geburtstag; Anna Bayerl, ehemalige Ortsbetreuerin von Wottawa, am 10. zum 101. Geburtstag; Günter Gröbner, Kreisrat, am 13. zum 79. Geburtstag; Josef Willard, ehemaliger Mitarbeiter von Schüttwa, am 20. zum 90. Geburtstag; Josef Urban, Ortsbetreuer von Münchsdorf, am 22. zum
91. Geburtstag; Peter Pawlik, Heimatkreisbetreuer, am 27. zum 65. Geburtstag und Franz Vogl, Ortsbetreuer von Sichrowa, Pscheß, Garassen und Holubschen, am 31. zum 89. Geburtstag. Wir wünschen noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für die tatkräftige Mitarbeit. Peter Gaag Stellvertretender Heimatkreisbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 18 | 6. 5. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil IV
Beneš erreicht sein Ziel Ich und viele andere sind für die Durchführung der bereits erwähnten Aussiger Konferenz im Sommer 2006 sehr dankbar. Schade, daß dieser Prozeß im Sinne von Wahrheit und Ehrlichkeit zur Aussöhnung zwischen unseren über etwa ein Jahrtausend normal verlaufene, gegenseitig vorteilhafte Entwicklung nicht weitergeführt wurde. Ich möchte festhalten, daß die Sudetendeutschen keine historische Schuld an der Verbrennung von Jan Hus und an den langwierigen Religionskriegen haben, was man angesichts historischer Verfälschungen im Gedächtnis behalten sollte. Nochmals auf die Aussiger Konferenz eingehend, erklärte ich in einem größeren Zusammenhang, daß ich das Konzept der ČSR 1918 als Nationalstaat mit Minderheiten – auch Deutsche – als unglückliche Fehlkonstruktion ansehe. Es hätte
schenpotential auch eine Untat für den ökonomischen Neuaufbau von Böhmen und Mähren war. Aber auch der Unfrieden, der über das Land durch die Mißhandlung der Antifaschisten, gebracht wurde, ist zu verdammen. Nach Arbeit der Historiker kamen von ihnen 79 000 vorwiegend nach Bayern – meist Sozialdemokraten und Christen – und 50 000 in die Sowjetzone – überwiegend Sozialisten und Kommunisten. In Labant gehörten zu den beiden von den Tschechen stattgegebenen Antifa-Transporten 24 Menschen, davon acht als erste Ausgesiedelte im Frühjahr 1946 und 16 vom selben Los Betroffene im Oktober 1946. Zu diesem vorletzten Transport aus Labant zählten insbesondere auch die beiden Familien Schmutzer. Ich kann mir vorstellen, daß der Großteil unserer deutschen Bevölkerung bereit gewesen wä-
als rechtlos und vogelfrei erklärte deutsche Bevölkerung einstand. Ohne Rücksicht auf politische Belastung vollständige Konfisie sollte nun nach diesem kation des immobilen Eigentums Inferno in Pfraumberg, aller, verordnete ArbeitseinsätWusleben und in dem teilweise ze in ganz Böhmen, Verbot des zerstörten Dorf Labant und darvon einem slowakischen Lehrer über hinaus in ganz Böhmen der initiierten Schulbeginns im Sepfriedliche Neuaufbau erfolgen? tember 1945, Freigabe der BesetWie fast überall in dem von den zung des Gutshofes Stingl und Pfraumberg 1948 nach Zerstörung und Beseitigung des Bauschutts. Alliierten besetzten Deutschder Bauernhöfe und so weiter für land, so wurde auch in dem von tschechische Interessenten ab der amerikanischen Armee beMitte Oktober 1945, und vieles � Pfraumberg am 20. April vor 77 Jahren – Teil II setzten Teil Böhmens die nach andere mehr. Der in London im dem Anschluß aus politischen Exil lebende tschechische NatioGründen etablierte Verwaltung nalist und Ex-Präsident Edvard abgesetzt. Verständlich, daß die Beneš sowie seine hier nicht naeingesetzten amerikanischen Ofmentlich genannten Mitarbeiter fiziere sofort Umschau nach in waren an ihr seit 1918 im Einzelden Dörfern und Städten auffindnen verfolgtes Ziel gekommen, baren Antifaschisten hielten, die das Deutschtum aus Böhmen für Verwaltungsarbeit einigerund Mähren, trotz seiner großen In dieser Folge schildert Rudolf stark zu verspüren war, begann maßen geeignet wären. Die überBeiträge zum Weltkulturerbe, to- Kaderschafka den zweiten Tag am Rande der Stadt das Gras zu des Bombardemants. lebende Bevölkerung mußte ja brennen. So wurde das eigentlital verschwinden zu lassen. mit dem Dringendsten versorgt che Pfraumberg vernichtet, das Gleich nach Ende der Kampfie Frau des Schmiedemei- Werk bösester Absicht und einiwerden. handlungen in Westböhmen ersters Haibach kam in den ger Stunden. Lediglich ein FünfAuf Anweisung dieser Offischien in Labant ein Jeep mit ziere, die in ihrem Zuständigeiner politisch gut informier- Flammen um, als sie aus dem tel der Stadt blieb stehen, und keitsbereich regelmäßig Konten Gruppe der USA-Armee, brennenden Haus noch die Fo- zirka 200 Hausnummern mit den trollfahrten durch die DörWirtschaftsdie die Absetzung des bishe- tografie ihres gefallenen Sohnes dazugehörenden fer machten, wurde verlangt, rigen Bürgermeisters verfüg- Franz holen wollte. Viele Solda- gebäuden waren ein Raub der durch die Wahl von demokrate und antifaschistisch einge- ten halfen den Betroffenen, so- Flammen und des Phosphors getischen Kräften neue Bürgerstellte Bürger zu einer Ver- gar unter Einsatz ihres Lebens. worden. meister der Orte zu wählen. Es kann bei dieser Katastrosammlung einberief. Dieselbe So brannte diese Fackel stundenEine koordinierende tschechiProzedur erfolgte auch in den lang, und die Menschen konn- phe als ein Wunder angesehen sche Behörde gab es noch etliübrigen Dörfern. Es kam ten in den meisten Fällen nur das werden, daß außer Frau Haibach che Wochen nicht. knapp ein Dutzend meist äl- nackte Leben retten. Erst nach sonst niemand verbrannte. Ich Die Neuwahl deutscher deterer Personen zusammen, die zirka drei Stunden konnte man selbst war tags zuvor sogar übermokratischer Verwaltungsim Dorf zur Verfügung stan- bis auf den Ringplatz vordrin- zeugt, daß etwas kommen müsse, organe war nun ein verantden. Zu ihnen gehörte auch gen. Nun erst war es der Feu- da ich von dem bei mir einquarwortungsvoller Schritt, der mein Vater, der – eingesetzt erwehr möglich einzugreifen, tierten Soldaten im Vertrauen ervon den Amerikanern improfür Tiefbauarbeiten bei der Or- und man konzentrierte sich, die fuhr, daß für den 20. April 1945 visiert wurde und von Ort zu der Befehl seitens eines im Amtsganisation Todt in Lettland – Pfarrmatriken zu retten. Als es Abend wurde und sich gericht sitzenden LuftwaffenOrt verschieden ausfiel. Das auf Fronturlaub in Labant war lag insbesondere auch darund wegen Ausfalls der Ver- der Wirbelsturm, der durch den majors, des Stadtkommandanan, daß erst nach Verabschie- „Die Sudetendeutschen tragen keine historische Schuld an der Verbrennung von kehrsmittel nicht mehr von zu Feuersog entstanden war, etwas ten, ausgegangen war, mit den dung der Protokolle der Pots- Jan Hus.“ Hier eine Darstellung des Feuertodes von Jan Hus in Konstanz von Die- Hause wegkam. Er war damals gelegt hatte, brannten die gro- auf der Ruine postierten MGs damer Konferenz Anfang Au- bold Schilling dem Älteren in der Spiezer Chronik (1485). 42 Jahre alt und wurde von ßen Gasthöfe Thummert und Ge- auf Tiefflieger zu schießen. Daß gust 1945 klar wurde, was dem kleinen Kreis zum Bür- bert, die Kirche, das Pfarrhaus, es aber so kam, wie geschehen, staatlich mit der deutschen Be- vielmehr ein damals auch in der re, unter der Bedingung einer germeister gewählt. Die Wahl kurzum Gebäude, in denen viel überstieg natürlich alle Erwarvölkerung des 1938 abgetrenn- Diskussion befindlicher Natio- gerechten Autonomie gleichbe- wurde von den Amerikanern be- Gebälk war, und immer stie- tungen. ten Sudetenlandes passieren nalitätenstaat, teilweise ähnlich rechtigt in einem gemeinsamen stätigt. Er lehnte zunächst ab, gen die großen Funkengarben So kam der denkwürdige 20. soll. Genauer ging es darum, ob der Schweiz, geschaffen werden Bundesstaat freundschaftlich zu- weil er noch nie mit einer solchen zum Nachthimmel, wenn größe- April 1945, nachdem in der Nacht das nationalistische Ziel von Ed- müssen. Dann hätte manches sammen zu leben. Statt sich dar- Verwaltungsarbeit zu tun gehabt re Gerüstteile einstürzten. Mei- vorher Totenstille geherrscht hatnes Wissens wurden die Matri- te. Dieser Tag war vornehmlich vard Beneš und Anhängern be- Unheil für Europa vermieden über zu freuen, daß soviel huma- hatte. stätigt wird, nämlich die Deut- werden können, und es hätte aus nistische Gesinnung bei den Anwarm, und es strich dabei die Die Neuwahl der Bürgermei- ken gerettet. Die Bevölkerung war nicht für Pfraumberg typisch bewegte schen, also auch die Nazigegner, der endlosen, politisch verzerr- tifaschisten vorhanden war, blieb ster lief in den anderen benachzu vertreiben. Demnach sollte es ten Autonomie-Diskussion re- eine gewisse unfreundliche Hal- barten Gemeinden ähnlich ab. mehr fähig, auch nur einen Fin- Luft. Außerdem hatte es wochenin Zukunft in den Böhmischen ale demokratische Wirklichkeit tung und obsolete Gesinnung ei- Mein Vater nahm insbesonde- ger zu rühren. Es wäre auch un- lang vorher überhaupt nicht geLändern keine Deutschen mehr der Freundschaft zwischen den niger Landsleute gegen die Hit- re mit dem neuen Bürgermeister sinnig gewesen, da nichts mehr regnet, eine für Pfraumberg grogeben. Dieses Vorhaben wurde Deutschen und Tschechen reali- ler-Gegner leider bestehen. von Ujest namens Sommer, ei- zu retten war. Das Feuer wüte- ße Seltenheit. Fast den ganzen bereits bis Ende 1946 fast voll- siert werden können. Mein Vater war der letzte nem Sozialdemokraten, Kontakt te bis zum Ortseingang, wo le- Vormittag war Ruhe, lediglich ständig durchgesetzt. Jeder vernünftig denkende deutsche Bürgermeister – übri- auf, mit dem von Labant aus wäh- diglich fünf Häuser einschließ- hin und wieder sah man in RichDiese Taten sind in den Köp- Mensch weiß, daß das schnell gens parteilos – des deutschen rend des Krieges politische Infor- lich Bürgerschule stehengeblie- tung Großmeierhöfen die roten ben waren. Auch auf der gegen Schnauzen der Tiefflieger auffen der Betroffenen unauslösch- nach Deutschland inhuman ab- Dorfes Labant, der fast täglich mationen ausgetauschtSudetendeutscher wurden. Tag 2022 – Festabzeichen lich eingeprägt, auch bei mir. geschobene beachtliche Men- vor unlösbaren Aufgaben für die Fortsetzung folgt Neudorf gelegenen Seite blieben tauchen. vier Häuser und auf der NordseiGegen 11.30 Uhr, als noch viete drei Häuser übrig. Was dazwi- le Pfraumberger auf den Feldern schen lag, das Werk vieler Jahr- waren, kamen im Gleitflug drei WIR GRATULIEREN hunderte, das traute Heim, die Tiefflieger; erst deren Schießen Wir gratulieren den treuen derlinstraße 4, 88453 Erolzheim, liebe Erinnerungsstätte und Ge- schreckte die Bevölkerung auf Sieglinde Wolf Abonnenten des Tachauer Hei- 80 Jahre. schichte sprechende Stadt, war und gab den Auftakt für unser Marktbetreuerin erzlich gratulieren wir im Mai Traudl Gregor, Stadtbetreuematboten zum Geburtstag im in vielen Fällen einschließlich großes Leid. Diese Flieger hatten rin von Pfraumberg, am 3. zum 74. Geburtstag; Marianne Mai und wünschen alles Gute, der Keller ausgelöscht. auf einen Wagen der Straßenbaun Ratzau. Am 5. Anna MaGäbler, Ortsbetreuerin von Labant, am 4. zum 86. Geburtstag; Gesundheit und Gottes Segen. Eine einzige Ausnahme bil- verwaltung an der Abzweigung ria Conley/Markel (Neubauer), Erwin Hamperl, Ortsbetreuer von Walk, am 5. zum 80. Gedete das Amtsgericht. der Straße nach Rail sowie auf ein n Tachau. Am 22. Josef Bau- Höllbergstraße 28, 60431 Frankburtstag; Berta Weis, frühere Ortsbetreuerin von NeuDasselbe stand und Militärauto, das sich vor dem Geer (Tummelplatz), Bliensbacher furt, 77 Jahre. Johann Marschick häusl, am 15. zum 82. Geburtstag; Gerhard Reichl, war beschädigt. schäft der Cilli Angermann beStraße 27, 86637 Wertingen, 92 Ortsbetreuer Ortsbetreuer von Neudorf, am 19. zum 66. GeDer Leiter des- fand, geschossen und wurden in Jahre. Gernot Schnabl burtstag; Walter Höring, Stadtbetreuer von selben, Dr. diesem Moment durch die MGs n Schossenreith. Am 26. Stadtbetreuer Neustadtl, am 20. zum 78. Geburtstag, Anna Wilhelm, am Berg aufs Korn genommen Ernst Kreuzer, Scratostraße 24, Knarr, Ortsbetreuerin von Hesselsdorf, am 22. arbeitete Ein Flieger drehte daraufhin zum n Haid. Am 6. Liesl Blum/ 89407 Dillingen, 87 Jahre. zum 94. Geburtstag; Anton Schwegler, Ortsdort über- Berge ab, wie mir der MG-SchütSchneider (Ring 97, Gasthaus Josef Magerl betreuer von Pernatitz, am 23. zum 91. Gemenschlich ze, nämlich ausgerechnet mein Sängerheim) in Bad Neustadt an Ortsbetreuer burtstag und Dr. Dorith Müller, Ortsbetreueund verhinSoldat, später erzählte, um das i n d et der Saale, 86 Jahre. rin von Galtenhof, am 24. zum 65. Geburtsderte grö- MG-Nest zu besichtigen; dann überwnzen G re n Hesselsdorf. Am 2. Veroni Felix Marterer tag. ßeren Scha- ging es auf Kommando rund sie Stadtbetreuer ka Majowski (Koschperer), BrunWir wünschen alles erdenklich Gute, Geden. Selbst ben Minuten lang über den Ort nenweg 6, 35394 Gießen, 82 Jahsundheit sowie Gottes Segen und danken für alle I am Abend, kreuz und quer und so wurde UN n Altzedlisch. Am 17. Erika re. Anni Knarr Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf als die Hoch- auch geschossen. 6. J S I 3 . B Pflug/Gebert (Räisnbauer), Höl Ortsbetreuerin glut nicht mehr so Fortsetzung folgt
Von USA-Fliegern plattgemacht
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Ortsbetreuerecke
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In dieser Folge schildert Ernst Schmutzer die ersten Aktionen der Amerikaner.