Odessas Stadtschreiberin Ira Peter über Putins Krieg gegen die Ukraine (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 16 + 17 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 29. April 2022
VOLKSBOTE
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Ausführliches Programm in dieser Ausgabe
Auf geht‘s zum Sudetendeutschen Tag Endlich sind persönliche Treffen wieder möglich: Unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“ findet der 72. Sudetendeutsche Tag über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni in der oberfränkische Stadt Hof und der umliegenden Euregio Ergensis statt.
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Der 72. Sudetendeutsche Tag findet an Pfingsten in der oberfränkischen Stadt Hof und der umliegenden Euregio Ergensis statt.
Foto: Stadt Hof
achdem pandemiebedingt das Treffen der Sudetendeutschen 2020 hatte ausfallen müssen und 2021 nur eingeschränkt hatte stattfinden können, wird der 72. Sudetendeutsche Tag mit allen Ver-
anstaltungen geplant. Zu den traditionellen Höhepunkten gehören wieder die Verleihung des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die festlichen Übergaben der Kulturpreise, der Volkstumsabend sowie die Festansprachen von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen. Mehr über den Sudetendeutschen Tag: Seite 7 bis 9.
CDU/CSU kritisiert Personalentscheidung der Bundesinnenministerin mitten im Ukraine-Krieg als falsches Signal an die Deutschen aus Rußland
Bernd Fabritius als Beauftragter der Bundesregierung abgelöst
Premierminister Petr Fiala.
Rekord-Inflation
Fiala vor schweren Aufgaben „Viele Menschen befinden sich in einer wirklich schwierigen Situation. Das wissen wir, und wir versuchen, etwas dagegen zu tun“, schwört der tschechische Premierminister Petr Fiala (ODS) seine Bürger auf schwere Zeiten ein.
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ie Inflationsrate hat im März mit 12,7 Prozent den höchsten Wert seit 1998 erreicht. Hauptfaktor sind die Energiekosten. Benzin war im März um 50 Prozent teurer als vor einem Jahr. Die Preise für Strom stiegen um 24,7 Prozent, Erdgas wurde um 37,7 Prozent teurer. Gleichzeitig schwächelt die Industrie. So brach die Autoproduktion, die wichtigste Branche in Tschechien, im ersten Quartal um 18,9 Prozent ein. Der Grund: Lieferengpässe bei wichtigen Bauteilen, wie Mikrochips.
Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen am Dienstagabend in Berlin: Gastgeber Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen, kündigt die Festrednerin an – Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Eine Situation, die politische durchaus pikant ist. Erst vor wenigen Tagen war es Faeser gewesen, die den über die Parteigrenzen geschätzten Fabritius kurzfristig als Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten abgelöst hat.
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aß nach der rot-gelb-grünen Regierungsübernahme der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Fabritius nicht langfristig als Beauftrager unter einer SPD-Ministerin im Amt sein würde, war keine Überraschung. Im Gegenteil: Die Ablösung war bereits kurz nach der Kabinettsbildung erwartet worden. Als dann aber am 24. Februar der russische Präsident Wladimir Putin seinen Völkermord an der Ukraine startete, schien es zunächst im nationalen Interesse zu sein, den in Ost- und Mitteleuropa bestens vernetzen Fabritius im Amt zu belassen. Doch kurz vor Ostern die
Kehrtwende. Faeser entschied, daß Fabritius umgehend abgelöst wird, wobei die beiden Politprofis versuchten, die Brisanz der Personalie möglichst klein zu halten. So dankte Faeser Fabritius. Und Fabritius dankte Faeser, wenn auch in seinem Statement die Enttäuschung zwischen den Zeilen mitklingt: „Ich wurde von Frau Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) darüber informiert, daß eine kurzfristige Beendigung meiner Tätigkeit als Beauftragter der Bundesregierung – bei höchster Anerkennung meines bisherigen Wirkens – entschieden worden sei. Diese Entscheidung habe ich zur Kenntnis genommen und mich für die ausgesprochene hohe Anerkennung meines Wirkens bedankt.“ Christoph de Vries, der Vorsitzende der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSUBundestagsfraktion, übte trotzdem öffentlich Kritik: „Die Ablösung von Dr. Bernd Fabritius als Beauftragter für Aussiedlerfragen ist eine gravierende Fehlentscheidung. Gerade in einer Situation, in der unsere deutschen Landsleute aus Rußland und anderen früheren Sowjetrepubliken
Innenministerin Nancy Faeser.
„Nein zum Krieg“: Natalie Pawlik , die neue Aussiedlerbeauftragte. Foto: Facebook/BMI aufgrund der russischen Invasion innenpolitisch unter Druck stehen und Anfeindungen ausgesetzt sind, gibt die Bundesregierung damit das völlig falsche Signal an die rund. 2,5 Millionen Rußlanddeutschen in der Bundesrepublik.“ Fabritius, der das Amt 2018 übernommen hat und von 2013 bis 2017 sowie von März bis Oktober 2021 Mitglied des Bundestages war, genieße, so de Vries „sowohl bei den Aussiedlern als auch bei den deutschen Minderheiten im Ausland und partei-
BdV-Präsident Bernd Fabritius
übergreifend im Parlament allerhöchstes Ansehen für seinen unermüdlichen Einsatz und seine große fachliche Expertise“. Mit der Abberufung „aus parteipolitischen Gründen“ nehme, so kritisiert de Vries, „Bundesinnenministerin Nancy Faeser nicht nur in Kauf, daß die Spätaussiedler ein wichtiges Sprachrohr ihrer Anliegen verlieren, die Bundesregierung verliert auch einen politischen Zugang zu diesen Menschen“. Nach einer Entscheidung des Bundeskabinetts wurde die hessische SPD-Abgeordnete Natalie Pawlik zur neuen Beauftragten ernannt. Die 29-jährige wurde im russischen Wostock geboren und kam als Sechsjährige mit ihrer Familie als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Nach einem Master-Studium in Gesellschaft und Kulturen der Moderne an
der Justus-Liebig-Universität in Gießen hat sie zunächst für den hessischen SPD-Europaabgeordneten Udo Bullmann gearbeitet. Nach ihrem Einzug in den Bundestag im Oktober 2021 wurde Pawlik von ihrer Partei in die Ausschüsse für Ernährung und Landwirtschaft sowie für Arbeit und Soziales entsendet. In einem ersten Statement sagte Pawlik zu ihrer neuen Aufgabe: „Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, Minderheitenrechte im In- und Ausland zu schützen und den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Es entspricht der Lebensrealität vieler Menschen in Deutschland, einer nationalen Minderheit anzugehören oder eine Vertriebenenund Aussiedlergeschichte zu haben. Sie haben Anerkennung und Teilhabechancen verdient.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser erklärte: „Ich freue mich sehr, daß wir mit ihr eine junge Politikerin gewonnen haben, die mit ihrer eigenen Biografie und Erfahrung eine besondere Glaubwürdigkeit hat. Natalie Pawlik wird eine starke politische Stimme für Zusammenhalt und Teilhabe sein.“ Torsten Fricke
„Straße der ukrainischen Helden“
Neue Adresse für Rußlands Botschaft in Prag
Die russische Botschaft in Prag hat ab sofort eine neue Adresse – wider Willen. Der entsprechende Straßenabschnitt wurde in Ukrajinských hrdinů umbenannt. Auf Deutsch: Straße der ukrainischen Helden.
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atürlich kann diese Aktion nicht Putins Völkermord
an der Ukraine stoppen, aber es ist ein kreatives Zeichen der Solidarität. Im März hatten die Stadtverordneten deshalb auf Vorschlag des sechsten Prager Stadtbezirks entschieden, den Straßenabschnitt vor der russsichen Botschaft umzubennen. Vergangenen Freitag enthüllten der Prager Oberbürgermei-
ster Zdeněk Hřib (Piraten) und der Bürgermeister von Prag 6, Ondřej Kolář, die neuen Straßenschilder. Hřib: „Es ist unstrittig, daß Rußland Kriegsverbrechen in der Ukraine begeht und daß dieses Vorgehen ein Genozid am ukrainischen Volk ist.“ Mit vor Ort waren der ukrainische Botschafter Jewhen Pe-
rebyjnis sowie Diplomaten aus Estland, Lettland, Litauen, Polen und der Slowakei. Zwar ist nicht davon auszugehen, daß die russische Botschaft die Änderung des Straßennamens zum Beispiel auf der eigenen Webseite umsetzt, aber Botschaftsbesucher, die sich in Prag nicht auskennen, könnten künf-
tig Probleme haben, die Adresse zu finden. Zusätzlich wurde eine naheliegenden Eisenbahnbrücke nach dem ukrainischen Kriegshelden Witali Skakun benannt. Er kam am 24. Februar in Cherson ums Leben, als er eine Brücke in die Luft sprengte, um die russischen Panzer zu stoppen. TF
Ukrajinských hrdinů – Straße der ukrainischen Helden Foto: Twitter
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er Deggendorfer CSU-Politiker Thomas Erndl (auf dem Foto in der Mitte), geboren 1974 in Osterhofen, ist unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag. In Begleitung des Direktors der Prager Stelle der Hanns-Seidel-Stiftung, Dr. Markus Ehm (auf dem Foto rechts), besuchte der Bundestagsabgeordnete anläßlich einer mehrtägigen Dienst-
reise in der Tschechischen Republik den SL-Büroleiter Peter Barton in seinem Büro in der Thomasgasse, um mit ihm über die (sudeten) deutsch-tschechischen Beziehungen zu sprechen. Die tschechischen Bemühungen um eine wahrheitsgemäße Auseinandersetzung des Ausgleichs zwischen den beiden Völkern waren Thema dieses ausführlichen Gesprächs, das in Zukunft mit Sicherheit fortgesetzt werden wird.
PRAGER SPITZEN Das Prager Sudetendeutsche Büro arbeitet intensiv mit der Hanns-Seidel-Stiftung zusammen, insbesondere nachdem Markus Ehm diese Funktion in Prag übernommen hat.
Jurečka bleibt Chef der KDU-ČSL
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Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Festakt „70 Jahre Bund der Vertriebenen“ in Stuttgart
Baden-Württemberg verdankt seine Existenz den Vertriebenen „Unrecht ist und bleibt es, wenn unschuldige Frauen, Männer und Kinder willkürlich aus ihrer Heimat vertrieben, wenn sie enteignet oder ermordet werden“, hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Rede zum Festakt „70 Jahre Bund der Vertriebenen in Baden-Württemberg“ klargestellt, zu dem BdV-Landesvorsitzende Iris Ripsam ins Neue Schloß in Stuttgart eingeladen hatte.
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ls Gastgeberin konnte BdVLandesvorsitzende Iris Ripsam, die sich auch in der Sudetendeutschen Landsmannschaft engagiert, zahlreiche hochrangige Gäste begrüßen, wie den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl, BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, Rainer Wieland, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Ex-MdB Erika Reinhardt, Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel sowie die Landtagsabgeordneten Michael Joukov (Grüne), Konrad Epple, Raimund Haser und Dr. Reinhard Löffler (alle CDU), Klaus Ranger (SPD) und Hans Dieter Scheerer (FDP). Stark vertreten waren auch die Sudetendeutschen mit Steffen Hörtler, Stellvertretender Bundesvorsitzender, Reinfried Vogler, Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, und Waltraud Illner, stellvertretende SL-Landesobfrau. In seiner Festrede würdigte Kretschmann auch die Leistung der Vertriebenen bei der Gründung von Baden-Württemberg. Ohne diese Frauen und Männer wäre die Volksabstimmung über die Fusion von Württemberg-Baden, Baden und WürttembergHohenzollern, die dann vor 70 Jahren zur Gründung des Bundeslandes geführt hatte, nicht erfolgreich gewesen: „Die Heimatvertriebenen haben bei der Volksabstimmung im Dezember 1951 nahezu geschlossen für den Südweststaat gestimmt. BadenWürttemberg hat den Vertriebenen deshalb viel zu verdanken. Nämlich, daß dieses Land über-
Von links: BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und BdV-Landesvorsitzende und Gastgeberin Iris Ripsam. Foto: Helmut Heisig
Von links: Reinfried Vogler, Ministerpräsident Winfried Kretschmann Thomas Konhäuser (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen) und Steffen Hörtler, stellvertretender SL-Bundesvorsitzender. Foto: Helmut Heisig
Stellvertretende SL-Landesobfrau Waltraud Illner (links), mit Innenminister Thomas Strobl und der Altvater-Runde. Foto: Dr. Christiane Meis
haupt existiert.“ Innenminister Strobl, der auch Beauftragter der Landesregierung für Vertriebene und Spätaussiedler ist, erklärte in seinem Grußwort, wie wichtig es ist, unablässig für eine demokratische Gesellschaft einzutreten. „Wer glaubte, daß der Frieden in Europa selbstverständlich und für alle Zeiten gesichert ist, wurde in den vergangenen Wochen eines Besseren belehrt. Wir müssen daraus die Lehre ziehen, daß Frieden, Freiheit und Toleranz immer wieder unseren vollen Einsatz erfordern.“ Bernd Fabritius forderte die Politik auf, bereits jetzt mit den Planungen für eine Nachkriegszeit zu beginnen: „Es wird für uns vom BdV sehr darauf ankommen, wie gut wir den Fortbestand der deutschen Minderheit in der Ukraine und in Rußland erneut sichern können. Und wie die verfeindeten Gesellschaften erneut zueinander finden und Gräben, seien sie noch so tief und schmerzhaft, überwunden werden können.“ Alle Redner unterstrichen die Vorbildfunktion der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg als Friedensstifter und Brückenbauer und verwiesen dabei auf die am 5. August 1950 in Stuttgart verkündete „Charta der Heimatvertriebenen“, in der Rache und Vergeltung für alle Zeiten ausgeschlossen wurden. In seinem akademischen Festvortrag griff der renommierte Historiker Prof. Dr. Manfred Kittel von der Universität Regensburg einen weiteren Jahrestag auf: 1952, vor 70 Jahren, beschloß der Bundestag den Lastenausgleich, der als Ausdruck der Solidarität vor allem „psychologische Bedeutung“ für die Heimatvertriebenen gehabt hatte. Kittel: „Den Stellenwert dieses berühmten Lastenausgleichsgesetzes von 1952 kann man, glaube ich, nur verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie mühsam die Integration von zunächst acht Millionen Vertriebenen im westlichen Deutschland vorher angelaufen war.“ Torsten Fricke
Jetzt kostenlos in der Bundesgeschäftsstelle der Sudetendeutschen Landsmannschaft bestellen
Kartenspiel der Sudetendeutschen
Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat ein neues Kartenspiel mit den Kurorten der Böhmischen Länder herausgegeben, das ab sofort kostenlos bei der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft bezogen werden kann.
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ie Tradition des böhmischen Kurwesens ist ein wichtiger Bestandteil der sudetendeutschen Kulturgeschichte. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Kur nicht nur therapeutisches Mittel und Statussymbol, sondern auch Ausdruck einer eigenen Lebensweise. Während der Sommermonate traf sich die
gehobene Gesellschaft Europas in den Böhmischen Bädern. Um 1914 gab es in den Böhmischen Ländern über 150 Kurorte, von denen viele inzwischen fast in Vergessenheit geraten sind. Mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Bayern ist jetzt das „Böhmische Kur-Quartett“ erschienen, in dem nicht nur die weltberühmten, sondern auch kleinere sudetendeutsche Kurorte wie Goldbrunn, Voitelsbrunn, Grindschädl oder Deutsch Jaßnik vorgestellt werden. Durch seine Gestaltung im Stil des Historismus versetzt das Quartett die Spieler zurück in die Zeit um 1914, als das Kurwesen
Böhmisches Kur-Quartett in Europa seinen Höhepunkt erlebte. Jede Karte enthält eine kolorierte historische Ortsansicht und Angaben zum jeweiligen Kurort – etwa die Zahl der Kur-
gäste oder die Kosten eines Kuraufenthalts im Jahr 1914. Gespielt wird nach den klassischen Quartett-Regeln oder nach der vom Autoquartett bekannten „Supertrumpf“-Variante. Auf spielerische Weise wird so Wissen vermittelt. Das Kartenspiel eignet sich deshalb nicht nur zur privaten Unterhaltung, sondern auch für die Arbeit in den Gebiets- und Heimatgliederungen. Bestellt werden kann das Kartenspiel in der Bundesgeschäftsstelle der Sudetendeutschen Landsmannschaft per eMail an service@ sudeten.de oder telefonisch unter der Nummer (0 89) 48 00 03 70.
rbeitsminister Marian Jurečka ist am Samstag von den Delegierten der KDU-ČSL als Parteivorsitzender mit 224 von 275 Stimmen klar bestätigt worden. Jurečka hatte das Amt im Januar 2020 von Marek Výborný übernommen, der aus persönlichen Gründen zurückgetreten war. Zum ersten Vizevorsitzenden wurde der Vizevorsitzende des Abgeordnetenhauses, Jan Bartošek, gewählt.
Konsulat in Lemberg wieder geöffnet
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ach zwei Monaten Unterbrechung hat die Tschechische Republik ihr Konsulat in der westukrainischen Stadt Lemberg wiedereröffnet. Das Konsulat sowie die tschechische Botschaft in Kiew waren zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zunächst geschlossen worden. Die Botschaft hat bereits vor zwei Wochen den Betrieb wieder aufgenommen.
Letzte Ruhestätte für General Moravec
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ie sterblichen Überreste von Brigadegeneral František Moravec sind am Dienstag von den USA nach Tschaslau in Mittelböhmen überführt worden. Der ehemalige Chef des tschechoslowakischen Nachrichtendienstes und spätere Mitarbeiter der Exilregierung in London hatte 1942 das erfolgreiche Attentat auf den stellvertretenden NS-Reichsprotektor Reinhard Heydrich geplant. Nach der kommunistischen Machtübernahme floh Moravec über Deutschland in die USA, wo er 1966 verstarb. In seinem Geburtsort Taschaslau soll der tschechische Kriegsheld seine letzte Ruhe finden.
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Gedenken an Kaiser Karl I.
underte Mitglieder des St. Georgs-Ordens haben am Samstag auf dem Prager Wenzelsplatz Kaiser Karls I. gedacht, der 2004 von Papst Johannes Paul seliggesprochen worden ist. Der letzte Kaiser von Österreich und König von Böhmen ist vor 100 Jahren am 1. April 1922 im Alter von nur 34 Jahren verstorben. Begleitet vom Orchester der Burgwache und der Polizei der Tschechischen Republik begaben sich die Mitglieder des
Ritterordens in die Teynkirche zu einem Gedenkgottesdienst, den Kardinal Dominik Duka zelebrierte. Am Sonntag wurde dann in der Kaiserlichen Kapelle im Prager Veitsdom nach dem Gottesdienst eine Reliquie von Karl I. eingebettet. An der Zeremonie nahmen Karls Enkelsohn, Karl Habsburg-Lothringen, und als Vertreter der apostolischen Nuntiatur Giuseppe Silvestrini teil. Den Gottesdienst zelebrierte der Prager Weihbischof Václav Malý.
Wärmepumpen statt Gasheizungen
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as staatliche Förderprogramm zum Austausch alter Heizkessel wird wegen der Sanktionen gegen Rußland geändert. Statt des Einbaus von Gasthermen sollen Wärmepumpen subventioniert werden, hat Umweltministerin Anna Hubáčková (KDU-ČSL ) erklärt. Die Ministerin schlägt außerdem vor, das bereits beschlossene Verbot alter Kohleheizöfen um zwei Jahre auf September 2024 zu verschieben.
Zeman lädt Macron nach Prag ein
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taatspräsident Miloš Zeman hat am Montag seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron zur Wiederwahl gratuliert. Er unterstütze Macrons Kurs gegen die „russische Aggression in der Ukraine“, schrieb Zeman und lud Macron zu einem Staatsbesuch nach Prag ein. Bereits am Sonntag hatte Premierminister Petr Fiala (ODS) ein Glückwunschtelegramm an Macron geschickt: „Frankreich ist ein wichtiger Partner für uns, und wir sind an einem intensiven Ausbau unserer Beziehungen interessiert“, so Fiala auf Twitter.
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Militärvertrag mit den USA
ie Präsenz amerikanischer Soldaten auf tschechischem Boden wollen Prag und Washington in einem bilateralen Militärvertrag regeln. Die Gespräche sollen bereits in der zweiten Maihälfte beginnen, so das Prager Verteidigungsministerium. Vergleichbare Abkommen haben bereits 24 weitere Nato-Staaten mit Washington geschlossen. Verteidigungsministerin Jana Černochová (ODS) und ihr amerikanischer Amtskollege Lloyd Austin hatten sich am Donnerstag vergangener Woche auf den Militärvertrag verständigt.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
Die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine sind für Ira Peter nur schwer zu ertragen. Als Stadtschreiberin von Odessa hat die Journalistin von Juni bis Oktober 2021 über das Leben und die Menschen in der Hafenstadt am Schwarzen Meer berichtet, viele neue Freundschaften aufgebaut und alte Spuren ihrer Vorfahren entdeckt. Seit 2020 produziert die 38-jährige, deren Großeltern 1936 von Stalin aus der Ukraine nach Kasachstan deportiert wurden, gemeinsam mit dem Kulturreferenten der Rußlanddeutschen, Edwin Warkentin, den Podcast „Steppenkinder“, um für ein besseres Verständnis mit Aussiedlern zu werben. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung spricht Ira Peter, die seit 1992 in Deutschland lebt, über das Schicksal ihrer Familie und über die Sorge um ihre Freunde in der Ukraine.
� Interview mit Ira Peter, Stadtschreiberin von Odessa
„Die Hoffnung auf Frieden aufzugeben, wäre Verrat“
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rau Peter, können Sie es noch ertragen, TV-Berichte und Fotos vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sehen? Ira Peter: Die Bilder sind entscheidend, um den Menschen immer wieder deutlich zu machen, was Krieg für die Betroffenen wirklich bedeutet. Sie aktivieren zu mehr Hilfsbereitschaft mit Geflüchteten, und sie bauen Druck auf unsere Regierenden auf, Verantwortung zu übernehmen. Die Bilder haben Wirkung, aber sie sind grauenhaft. Für mich persönlich ist es schwer, diese Bilder zu verarbeiten, insbesondere wenn Kinder unter den Opfern sind. Es ist immer noch sehr schwierig, nicht jeden Tag zu weinen. Welchen Kontakt haben Sie nach Odessa? Was berichten Ihre Freunde? Peter: Die Stimmen meiner Freunde hören sich seit dem 24. Februar, dem Tag, an dem der Krieg begann, anders an. Die Helligkeit ist verloren gegangen. Meine Freunde sehen auch anders aus. Ich habe das Gefühl, die sind alle gealtert. Die Hilfsbereitschaft ist auch in Deutschland sehr groß. Wie kann man als Bürger die Ukraine unterstützen? Peter: Jede Hilfe ist wichtig, auch wenn sie einem noch so unbedeutend vorkommt. Hier vor Ort mache ich persönlich auch nur kleine Sachen. Darüber hinaus ist die Hilfe natürlich viel größer, die ich zusammen mit der Runnebaum-Stiftung aus Heidelberg leiste. Wir sammeln viele Spendengelder, um Medikamententransporte nach Odessa zu ermöglichen. Was zurückkommt sind Bilder, die die Ärzte gemacht haben, Bilder von Kindern, die glücklich sind, daß sie endlich wieder Windeln bekommen oder einfachste Medikamente. Wenn ich das sehe, dann berührt mich das sehr. Dann weiß ich, daß alles sinnvoll ist – alles, was jeder Einzelne tut. Wie reagieren Ihre Gesprächspartner, mit den Bildern von Putins Krieg vor Augen, wenn Sie erfahren, daß Sie Rußlanddeutsche sind? Peter: Die Menschen können differenzieren, zumal ich
� Zur Person: Ira Peter Geboren 1983 in der Sowjetrepublik Kasachstan. Ihre Großeltern waren deutsche Kolonisten in Wolhynien im Westen der Ukraine und wurden 1936 in den Norden Kasachstans deportiert. � Seit 1992 wohnhaft in Süddeutschland. � Studium der französischen und russischen Literaturwissenschaften sowie Psychologie an den Universitäten Heidelberg und Nizza. � Seit 2020: Podcast Steppenkinder mit rußlanddeutschen Themen gemeinsam mit Edwin Wagentin. � Juni bis Oktober 2021: Stadtschreiberin in Odessa mit einem Stipendium des Deutschen Kulturforums östliches Europa. � 2022: Auszeichnung „Die Goldenen Blogger“ in der Kategorie „Newcomerin des Jahres“. � Freie PR- und Marketingberaterin, Autorin und Journalistin, unter anderem für Zeit Online. �
mich gegen den Krieg und für die Ukraine engagiere. Als „Rußlanddeutsche“ werden übrigens die Nachfahren von Siedlern aus dem gesamten deutschsprachigen Mitteleuropa bezeichnet, die sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Regionen des damaligen Russischen Reiches niedergelassen hatten. Das heutige Rußland ist nur ein Teil davon. In der öffentlichen Meinung wird dennoch vielfach den Rußlanddeutschen unterstellt, sie hätten nach wie vor Sympathien für die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Woher kommt dieser Vorwurf? Peter: Ein Anlaß war 2016 der Fall Lisa aus Berlin. Das russische Fernsehen hatte damals berichtet, die 13jährige Rußlanddeutsche sei in Berlin von arabischen Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden und die deutsche Polizei hätte sich geweigert, diesem Verbrechen nachzugehen. In Folge kam es zu großen
Demonstrationen, bei denen neben der AfD und anderen Rechten auch viele Rußlanddeutsche mitmarschierten. Erst später wurde klar, daß die ganze Geschichte erlogen war. Wir haben darüber in unserem Podcast „Steppenkinder“ berichtet und dafür den Politikwissenschaftler Felix Riefer interviewt. Er erklärte, wie die russsische Propaganda sehr gezielt versucht hat, Rußlanddeutsche mit Fake News zu manipulieren und ihnen das Gefühl zu geben, in Deutschland nicht willkommen zu sein. Bei manchen älteren, schlecht integrierten Rußlanddeutschen, die kaum Deutsch können und deshalb russische Medien verfolgen, hat diese Propaganda mitunter gewirkt. Nach meiner Erfahrung sind aber leider auch einige junge Rußlanddeutsche, obwohl gut ausbildet und perfekt Deutsch sprechend, dieser Propaganda aufgesessen. Mit der russischen Berichterstattung über den Krieg gegen die Ukraine haben wir den
Ira Peter war Stadtschreiberin von Odessa und greift in dem Podcast „Steppenkinder“ rußlanddeutsche Themen auf. Foto: Edwin Bill Fall Lisa 2.0. Jeden Tag werden die Leute mit Fake News angestachelt, auf die Straße zu gehen oder in den Sozialen Medien für Putins Angriffskrieg Partei zu ergreifen. Wie groß ist diese Wirkung der russischen Propaganda auf Rußlanddeutsche, die in Deutschland leben? Peter: Ein Teil der russischsprachigen Menschen in Deutschland konsumiert seit Jahren die vom Kreml gesteuerten Medien. Da verfängt über die Zeit diese Propaganda. Aber das ist eine Minderheit. Dennoch müssen wir diese Entwicklung ernst nehmen. Jede Propaganda-Lüge nährt den Zweifel an der Berichterstattung der seriösen Medien. Sie haben Ihre Zeit als Stadtschreiberin in Odessa auch genutzt, um das Schicksal Ihrer eigenen Familie zu erforschen. Was haben Sie bei Ihren Recherchen herausgefunden? Peter: Ich komme aus einem Dorf in Kasachstan, das zu 80 Prozent aus deutschen Siedlern bestand. Meine Großeltern stammten aus der Ukraine und wurden 1936 mit anderen deutschen und polnischen Dorfbewohnern von Stalin nach Osten deportiert. Mit Beginn der Perestroika begannen viele deutsche Nachbarn, nach Deutschland umzusiedeln. Meine Eltern haben zunächst gezögert, sind dann aber 1992 nach Buchen in den Odenwald gezogen und haben sich zum zweiten
� Veranstaltung: Odessas Herz muß weiterschlagen
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Ira Peter demonstriert in ihrer neuen Heimatstadt Mannheim gegen Putins Angriffskrieg auf die Ukraine. Foto: privat
ls Zeichen der Solidarität mit der Ukraine veranstaltet das Deutsche Kulturforum Östliches Europa unter dem Motto „Odessas Herz muß weiterschlagen“ zwei Kulturabende in Potsdam und Berlin. Ira Peter wird dabei aus ihrem – inzwischen preisgekrönten – Stadtschreiberinnen-Blog lesen, ergänzt durch aktuelle Texte. Ronja Dierks stellt Gedichte von jungen Menschen in Odessa vor, die das Kriegsgeschehen unmittelbar reflektieren. Umrahmt werden die Abende mit Musik von Yuriy Gurzhy in Potsdam sowie von
Alexey Krupsky und Ludmila Krupska in Berlin. Die Termine: n Montag, 2. Mai, 19.00 Uhr, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Am Alten Markt 9, Potsdam. n Dienstag, 3. Mai, 19.00 Uhr, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Dieser Abend wird per Livestream auf dem YouTube-Kanal der Stiftung (www.kulturforum.info) ausgestrahlt. Der Link: https:// www.youtube.com/ watch?v=gLHZeDJpNEo .
Mal ein neues Leben aufgebaut. Erst im Zuge unserer Auswanderung habe ich verstanden, daß wir eine deutsche Familie sind. Wie sind Sie als Kind aufgenommen worden? Haben Sie Diskriminierung erlebt? Peter: Ich bin gut aufgenommen worden, sicher auch, weil ich blond bin und europäisch
3 die Cousine meiner Tante entpuppte, und die auch noch ein Fotoalbum mit Bildern von meinem Opa hatte. Was hat diese Reise in Ihnen ausgelöst? Peter: Ich fühle mich meinen Großeltern und mittlerweile auch durch meine Freundschaften der Ukraine sehr verbunden. Ich habe das Gefühl, ein Stück Familien-Geschichte, die uns gestohlen wurde, wieder gefunden zu haben. Mein Großvater mußte als junger Mann neun Jahre lang als Häftling unter den schlimmsten Bedingungen in einem Gulag verbringen. Anschließend hat man ihn nur freigelassen, weil man davon ausging, daß er sowieso bald stirbt. Zeit seines Lebens hat mein Opa über diese schwere Zeit nie gesprochen, weil er immer Angst hatte, man würde ihn sonst zurück in den Gulag bringen. So erging es vielen Deutschen. Über ein Stipendium des Deutschen Kulturforums Östliches Europa waren Sie im vergangenen Jahr für mehrere Monate Stadtschreiberin von Odessa. Was haben Sie erlebt? Peter: Ziel war es, die Ukraine den Deutschen nahezubringen. Ich war viel unterwegs, in Tscherniwzi, Kiew, Bessarabien und Schytomyr und hatte oft einen Familienforscher oder Historiker als Unterstützung dabei. Ich habe die deutschen Spuren in der Ukraine erforscht. Außerdem habe ich mit vielen Überlebenden des Holocaust gesprochen und über diese bewegenden Begegnungen geschrieben. Und ich habe Odessa und die Menschen in mein Herz geschlossen. Nie hätte ich damals gedacht, daß ich schon ein paar Monate später nicht dorthin kommen kann, um meine Freunde zu umarmen, um mit ihnen am Meer zu spazieren oder in Odessas Stadtgarten zu tanzen. Umso schlimmer trifft mich, was jetzt passiert. Ich habe deshalb entschieden, meinen Blog als Stadtschreiberin
Ira Peter als Stadtschreiberin vor der Oper in Odessa. aussehe. Das ist kein Vergleich zu Menschen mit dunkler Hautfarbe, die eher unter Alltagsrassismus leiden. In der Grundschule hatten 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, auf dem Gymnasium waren es dann nur noch fünf Prozent. Dennoch wollte ich nie etwas erzählen, weil viele Menschen Vorurteile haben und nicht wissen, was Rußlanddeutsche eigentlich sind. Ich habe mich lange für meine Herkunft geschämt. Wann haben Sie begonnen, sich für Ihre eigenen Wurzeln zu interessieren? Peter: Seit dem Abi und seit 2016 dann intensiv. Da war der Fall Lisa, der die Rußlanddeutschen wegen ihrer angeblichen Nähe zur AfD und zuPutin in die Schlagzeilen geraten ließ. Das hat mich wütend gemacht. Ich bin dann 2018 in die Ukraine gefahren, um zu erforschen, woher meine Familie stammte. Als ich in Towine im Dorf meines Großvaters Reinhold Peter war, sah es aus wie unser Dorf in Kasachstan. Die Bauweise der Häuser war gleich, die Schnitzereien an den Fensterrahmen und die Anordnung der Zimmer waren identisch. Ich habe eine 80-jährige Frau getroffen, die sich später als
Foto: privat
von Odessa neu zu beleben und so lange weiter zu führen, bis der Krieg endlich beendet ist. Wie haben Sie den Kriegsbeginn erlebt? Peter: Als Wladimir Putin am 21. Februar seine Interpretation der Geschichte im Staatsfernsehen verkündet hat, war klar, daß dies nur ein Vorwand für seinen Angriffskrieg sein sollte. Drei Tage später hat mir dann eine Freundin aus Odessa geschrieben, daß sie seit fünf Uhr morgens Explosionen und Sirenen hört. Ich bin in Tränen ausgebrochen. Das ist ein Gefühl, als ob jemand gestorben ist. In den ersten Kriegstagen war ich fast panisch und habe alle Freunde angerufen, und sie angefleht, umgehend aus der Ukraine zu flüchten. Wurde Ihr Rat befolgt? Peter: Ein paar Freunde sind nach Deutschland geflüchtet, aber den Krieg haben sie trotzdem dabei. Viele fühlen sich schuldig, weil sie in Sicherheit sind und ihre Angehörigen und Freunde nicht. Aber wir müssen stark bleiben und zusammenstehen. Die Hoffnung auf Frieden aufzugeben, wäre Verrat an den Menschen in der Ukraine. Torsten Fricke
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TERMINE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
Montag, 4. bis Donnerstag, 7. Juli nach Franzensbad, Marienbad und Karlsbad
Kulturfahrt ins westböhmische Bäderdreieck
Drei Weltkulturerbe-Orte in einer Reise: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft Bundesverband lädt von Montag, 4. bis Donnerstag, 7. Juli zu einer Kulturfahrt ins westböhmische Bäderdreieck ein. Auf dem Programm stehen die weltbekannten Kurorte Franzensbad, Marienbad und Karlsbad.
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eit dem vergangenen Jahr gehören die drei bekanntesten Kurbäder Westböhmens zum Weltkulturerbe der Unesco. Kundig durch diese Orte wird der von vielen Vorträgen über Böhmen bekannte Professor Stefan Samerski führen. Die Organisation der Reise hat Professor Ulf Broßmann, Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft, übernommen. Auf dem Programm der Kulturfahrt stehen neben den berühmten Heilbädern Besichtigungen der sehr besonderen Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit in Kappl bei Waldsassen, des altehrwürdigen Prämonstratenser-Stifts Tepl, der böhmischen Porzellanmanufaktur in Neurohlau und des Schloßes Königswart im Kreis Karlsbad, in dem die Fa Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Samstag, 30. April bis Sonntag, 1. Mai, 10.00 bis 18.00 Uhr: Wiederöffnung des Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM) mit der neuen Dauerausstellung „Mehr Raum für die Donau“. Eintritt ist frei. Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm, Schillerstraße 1, Ulm. Samstag, 30. April, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag mit Bezirksvorsteherin Ulrike Zich. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 30. April, 16.30 Uhr: „Wir sind nicht ahnenlos – 100 Jahre Familienforschung in der Region Düsseldorf“. Festakt und Eröffnung der Jubiläumsausstellung, die bis zum 27. Mai läuft. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Montag, 2. Mai, 19.00 Uhr, Heimatpflege der Sudetendeutschen: Böhmisch-bairisches
Karlsbad gehört zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt. Einer der Stammgäste war Johann Wolfgang von Goethe.
Marienbad mit der barocken Hauptkolonnade. Frühlingssingen mit Dr. Erich Sepp. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit SL-Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Planmäßige Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Dienstag, 3. Mai, 19.00 Uhr: „Königsberg erinnern. Versuch einer philosophischen Ortsbestimmung“. Vortrag von Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Mittwoch, 4. Mai, 19.00 Uhr, Deutsches Kulturforum östliches Europa: Eröffnung der Wanderausstellung „Die Schaleks – eine mitteleuropäische Familie“ (läuft bis 12. Juni). Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Teilbibliothek 4, Heumarkt 2, Bamberg. Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr: „4074 Tage – Tatorte der NSU-Morde“. Eröffnung der Ausstellung, die bis zum 13. August läuft. Gerhart-Hauptmann-
Historische Blaupause: Wie Stalin Finnland unterwerfen wollte Dienstag, 10. Mai, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Eine historische Blaupause vor 83 Jahren: Wie Stalin Finnland unterwerfen wollte.“ Gespräch mit der Historiker Dr. Victor Krieger. Aktuelle politische und militärische Auseinandersetzungen in und um die Ukraine werfen viele Fragen auf, nicht zuletzt solche: Nach welchen historischen Vorbildern läßt sich das Agieren der russischen Führung erklären? Wer ist der geistige Pate dabei, wer dient Wladimir Putin als Vorbild und nachahmenswertes Beispiel: Hitler oder etwa Stalin, die nationalsozialistische (faschistische) oder stalinistische Ideologie und Praxis? Der sowjet-finnische Krieg, der sogenannte Winterkrieg vom 30. November 1939 bis 13. März 1940, weist viele Parallelitäten zu dem heutigen Vorgehen Rußlands auf. Anhand von Auswertung der zeitgenössischen sowjetischen Regierungserklärungen und Berichten, die in der Prawda und anderen zentralen Presseorganen veröffentlicht wurden, versucht der Referent, diese Fragen zu beantworten. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Fotos: Czech Tourism
Franzensbad ist berühmt für sein glaubersalzhaltiges Wasser.
VERANSTALTUNGSKALENDER Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 5. Mai, 20.00 Uhr: Kolloquium „Ukraine– Rußland: die grundliegenden Konflikte“ mit Vorträgen von Dr. Otfried Kotzian, Vorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, und Dr. Florian Kührer-Wielach, Leiter des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IGKS) an der Ludwig-Maximilians-Universität. Münchner Burschenschaft Sudetia, Augustenstraße 109, München. Samstag, 7. Mai, SL-Bezirk Oberfranken, SL-Kreisgruppe Bayreuth und Lichtenfeld, SLOrtsgruppe Bayreuth und Pegnitz: Frühlingsfahrt mit Sudetendeutscher Maiandacht in die alte Heimat nach Netschetin mit Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen. Abfahrt 8.00 Uhr in Pegnitz am Wiesweiher, 8.30 Uhr am Bahnhof in Bayreuth, weitere Haltestellen nach Bedarf. Fahrtkosten: 15 Euro plus 10 Euro für das Essen. Anmeldung bei Margaretha Michel,Telefon (0 92 41) 36 54 und eMail mail@familiemichel.net Samstag, 7., bis Sonntag, 8. Mai, Heimatkreis Hohenelbe/ Riesengebirge: 60. Bundestreffen in Marktoberdorf. Anmeldung und weitere Informationen per eMail BaumgartlGerhard@tonline.de oder telefonisch unter (0 83 42) 4 05 28. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Roth: 70-Jahr-Feier. Festvortrag Landesobmann Steffen Hörtler, Ehrungen, musikalische Umrahmung, böhmischer Nachmittag. Festzelt am Vogelbeerbaum, Otto-Schrimpff-Straße 17, Roth. Mittwoch, 11. Mai, 18.00 Uhr: SL-Kreisgruppe Weiden/ Neustadt an der Waldnaab und Heimatkreis Tachau: „Die Vertreibung aus dem Kreis Tachau“ und „Die Eingliederung der Vertriebenen in Weiden nach 1945“. Vorträge von Dr. WolfDieter Hamperl und Dr. Sebastian Schott. Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, Weiden. Anschließend Führung durch das Tachauer Heimatmuseum. Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr: Lesung Marek Toman „Lob des Opportunismus“ im Rahmnen der Ausstellung „Kultu-
relle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation Zuzana Jürgens , Adalbert Stifter Verein. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr: „Oberschlesische Aussiedler in NRW. Zwischen lokaler Integration und regionaler Zugehörigkeit“. Vortrag von Dr. Marius Otto. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 12. Mai, 19.00 Uhr, Vernissage: „Zwei Häuser eines Herrn – Kirchen und Synagogen in der Slowakei“. Die Ausstellung mit Fotos von Monika und Ľubo Stacho läuft bis 26. Juni. Evangelische Kirchengemeinde Am Humboldthain, Gustav-Meyer-Allee 2, Berlin. Sonntag, 15. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe MünchenWest-Pasing-Aubing: Treffen der Ortsgruppe. Bürgersaal, Friedrichshafener Straße 17, München. Montag, 16. Mai, 17.00 Uhr, Ackermann-Gemeinde: Nepomukgottesdienst. Asamkirche, Sendlinger Straße, München. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 22. bis Montag, 23. Mai, Ackermann-Gemeinde: Kulturfahrt nach Südwestmähren mit Stationen in Trebitsch, Teltsch, Znaim, Stift Neureich und Schloß Jarmeritz. Anmeldung und nähere Informationen unter eMail muenchen@ ackermann-gemeinde.de Montag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Das deutsch-russische Jahrhundert“. Autorengespräch mit Prof. Dr. Stefan Creuzberger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Donnerstag, 26. Mai, 15.00 Uhr, SL-KG Roth-Schwabach: Maiandacht am VertriebenenGedenkstein Vogelherd. Im Vogelherd, Schwabach.
Samstag, 28. Mai, 9.30 Uhr, BdV-Kreisverband LimburgWeilburg: Kreisverbandstag. Hotel Zur Krone, Obertorstraße 1, Löhnberg. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 28. Mai, 19.00 Uhr: Konzert „Verflechtungen. Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der böhmischen Kunstmusik“ mit dem Klavierduo Jost Costa und dem Musikwissenschaftler Joachim Kremer. Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Kulturreferat für die böhmischen Länder. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Dienstag, 31. Mai, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: 100 Jahre Paneuropa-
milie Metternich ihren Sommersitz hatte. Die Fahrt erfolgt im bequemen Reisebus. Hotelaufenthalt im Viersterne-Ressort PawlikAquaforum in Franzensbad. Dort besteht auch die Möglichkeit zur Nutzung der weiträumigen Wasserlandschaft. Die Kosten für die Reise betragen inklusive Busfahrten, Übernachtungen mit Halbpension sowie Eintrittsgeldern und Kurtaxe 450 Euro pro Person im Doppelzimmer. Der Einzelzimmerzuschlag beträgt 60 Euro. Die Reise wird durch den Adalbert Stifter Verein – Kulturreferat für die böhmischen Länder – gefördert. Derzeit gibt es keine Corona-Einschränkungen. Anmeldung schriftlich unter dem Stichwort: „Reise westböhmisches Bäderdreieck“ ab sofort bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bundesverband e.V., Hochstraße 8, 81669 München oder per eMail an anmeldung@sudeten.de Nach der Teilnahmebestätigung beträgt die Anzahlung 50 Prozent der Reisekosten. Der Abschluß einer Reiserücktrittsversicherung wird empfohlen.
Bewegung mit Bernd Posselt und Martin Posselt im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Viktoria Großmann (Süddeutsche Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (weitere Informationen siehe Seiten 7 bis 9). Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de
Vertriebene Ungarndeutsche
Gedenkveranstaltung Dienstag, 3. Mai, 18.00 Uhr: Veranstaltung zum Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen. AdalbertStifter-Saal, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Traditionsgemäß laden das ungarische Generalkonsulat und das Haus des Deutschen Ostens jeweils im Januar zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung anläßlich des Ungarischen Gedenktages für die vertriebenen Ungarndeutschen ein. Coronabedingt mußte diese Veranstaltung vom Jahresanfang auf Dienstag, 3. Mai, verschoben werden. In seinem Vortrag wird der Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz die Kirchenmusik der Un-
garndeutschen vorstellen, die ein wichtiger Bestandteil der Musikkultur Ungarns ist. Der Vortrag setzt seinen Fokus auf bekannte ungarndeutsche Kirchenlieder, wie „Mit frohem Herzen will ich singen“, auf Kirchenmusiker, wie Franz Krommer, Franz Novotny und Johann Georg Lickl sowie auf berühmte Orgeln und Orgelbauer. Anschließend folgt die Darbietung ausgewählter Musikstükke durch Dr. Franz Metz an der Orgel. Im Anschluß laden das HDO und das ungarische Generalkonsulat zu einem Empfang. Anmeldung per eMail untereinladung-muenchen@mfa.gov.hu oder per Telefon unter (0 89) 9 62 28 02 00.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
5 Mut tut gut
Fröhliche Urständ
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Mendels Geburtshaus beherbergt heute ein Museum, das an das Leben und Werk des großen Forschers erinnert. Fotos: Dr. Bernhard Josko
Mendels Taufkirche St. Peter und Paul.
Der Vater der Genetik wurde vor 200 Jahren im Kuhländchen geboren
Gregor Johann Mendel: Seine Wurzeln in Heinzendorf Mit vielen Veranstaltungen und der Enthüllung eines Denkmals erinnert Brünn in diesem Jahr an den 200. Geburtstag von Gregor Johann Mendel, den Vater der Genetik. Bis zu seinem Tod im Jahr 1884 hatte Mendel in Brünn gelebt, geforscht und gelehrt. Geboren wurde Mendel am 20. Juli 1828 in Heinzendorf. Hier, im Kuhländchen, wurde Mendels Forschergeist früh gefördert. Und sein ganzes Leben blieb Mendel seinem Geburtsort verbunden. In einer Serie für die Sudetendeutsche Zeitung berichtet Dr. Bernhard Josko über den jungen Mendel und dessen Wurzeln. Von Dr. Bernhard Josko
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üdlich vom Städtchen Odrau liegen die entlang des Roßbaches nacheinander aufgereihten Straßendörfer Heinzendorf, Klein Petersdorf und Groß Petersdorf, bevor der Bach in die Oder mündet. Die Dörfer Heinzendorf und Klein Petersdorf, einst zur Herrschaft Odrau gehörig, liegen in Schlesien – genauer in Österreichisch Schlesien, demjenige Teil von Schlesien, der nach den Schlesischen Kriegen bei der Habsburgermonarchie verblieb –, während Groß Petersdorf zur Herrschaft Deutsch Jaßnik gehörig auf mährischem Grund liegt. Diese drei Dörfer zusammen bildeten eine Pfarrei mit Pfarrsitz in Groß Petersdorf. Anläßlich des 50. Todestages von Gregor Johann Mendel beschriebt dessen Großneffe Ferdinand Schwirtlich diese Gegend 1934 folgendermaßen: „Wo die Wessiedler Waldlehne, der Pohorschberg und die Alttitscheiner Burg in das Herz des Kuhländchens blicken, zu deren Füßen das Oderstädtchen Odrau, Neu-Titschein und die reichen Bauerndörfer Mankendorf, Deutsch Jaßnik und Bölten sich ausbreiten, liegt im westlichen Vorlande, unweit eines geographisch merkwürdigen Punktes, der europäischen Wasserscheide und des ,eisernen Tores‘, Mendels deutsche Heimatgemeinde Heinzendorf bei Odrau in Schlesien.“ In diesem Dorf kam also Johann Mendel – den zweiten Namen Gregor erhielt er erst beim Eintritt in den Augustinerorden – als zweites Kind des Bauern Anton Mendel und seiner Frau Rosina, geborene Schwirtlich zur Welt. Das Taufbuch nennt für Geburt und Taufe den 20. Juli 1822, seine Familie feierte aber den Geburtstag stets am 22. Juli wie seine Neffen überlieferten. Welches nun das wahre Geburtsdatum ist – hierüber wurde auch viel spekuliert –, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Kurioserweise nennt eine Gedenkplakette an der Groß Petersdorfer Kirche den 22. Juli als Tag der Taufe, obwohl das Kirchenbuch dieser Gemeinde eindeutig den 20. Juli ausweist. Um die Wurzeln für Johann Mendels
Interesse an Pflanzen und deren Vermehrung besser zu verstehen, müssen wir etwas ausholen und zunächst nach dem etwa 15 Kilometer entfernten Kunewald schauen. Auf dem Schloß Kunewald lebte Maria Walburga Gräfin Truchsess-Waldburg-Zeil – von der Bevölkerung kurz Gräfin Truchsess genannt. Neben anderen Besitzungen gehörte ihr auch das Gut Deutsch Jaßnik zusammen mit Groß Petersdorf. Die Gräfin war eine Philanthropin im Kuhländchen und hat viel für die Jugend und ihre Erziehung getan. Sie holte sich hierzu Anregungen und Rat bei führenden Pädagogen ihrer Zeit – unter anderem bei Christian Gotthilf Salzmann und Johann Heinrich Pestalozzi. In Kunewald gründete die Gräfin Schulen als auch 1792 ein Erziehungsinstitut, in dem sie unentgeltlich Mädchen und Jungen ihrer untertänigen Gemeinden aufnahm. Im Lehrplan war sie ihrer Zeit weit voraus, da sie neben Lesen, Schreiben und dem Katechismus auch viel Raum den Naturwissenschaften – praktisch ausgerichtet auf Obstbau und Tierzucht – einräumte. Sie legte einen Obst- und Gemüsegarten an, der als Anschauungsgarten für die Schüler diente. Hier lernten die Kinder schon früh die Veredelung von Obstbäumen kennen. Der Unterricht in Naturlehre führte auch zum Streit mit den kirchlichen Schulinspektoren, die diesen Unterricht als „Unfug“ bezeichneten und ablehnten. Gräfin Truchsess suchte sich ihre Er-
die Gräfin als damalige Besitzerin von Gut Deutsch Jaßnik und Groß Petersdorf ein wichtiges Mitspracherecht –, brachte er das Wissen und die Erfahrungen aus Kunewald mit nach Groß Petersdorf. Er legte neben seinem Pfarrhaus ebenfalls einen Obst- und Gemüsegarten an und gab nach dem Sonntagsgottesdienst den Bauern der Gemeinde Unterweisun-
gen in Obstbaumveredelung und Gemüseanbau. Auch verteilte er Setzlinge an die Bauern, so daß immer mehr Obstbäume in der Gegend wuchsen. Wir finden Pfarrer Schreiber auch als „korrespondierendes Mitglied der k.k. mähr. schles. Gesellschaft des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde“, und Gregor Wolny schreibt in seiner Kirchlichen Topographie von Mähren über Schreiber „mehrseitig belesen, als rationeller
Johann Mendel hatte vier Schwestern und war der einzige Sohn der Familie. zieher und Lehrkräfte gezielt aus und bot ihnen auch ein gutes Gehalt. Leiter ihrer Erziehungsanstalt war stets der Schloßkaplan. Als solcher kam 1798 Johann Schreiber, aus Hotzenplotz gebürtig, nach Kunewald. Als Schreiber dann im Oktober 1802 Pfarrer in Groß Petersdorf wurde – bei der Besetzung dieser Stelle hatte
Landwirth und Pomolog auf das Landvolk vortheilhaft einwirkend“. Anton Mendel, Vater von Gregor Johann Mendel, war ein guter Zuhörer beim Pfarrer und pflanzte selbst einen Obstgarten auf seinem Hof. Er kam oft in den Garten von Pfarrer Schreiber, um sein Wissen über den Anbau und die Veredelung der Obstbäume zu vermeh-
ren. Sein Sohn Johann begleitete ihn dabei und half ihm auch in seinem eigenen Garten. So wurde sicher die Liebe zur Natur und zum biologischen Experimentieren in dem jungen Bauernsohn geweckt. Der damalige Schullehrer Thomas Makitta, insbesondere aber auch der Pfarrer und Religionslehrer Johann Schreiber erkannten früh die Begabungen des jungen Mendels und setzten sich beim Vater für eine weiterführende Schulbildung ein. Die Mutter war schnell davon begeistert, da sie in der Bildung große Chancen für ihren Sohn erkannte – vielleicht auch deshalb, da aus ihrer Familie der „erste“ Lehrer Anton Schwirtlich stammte, der von 1780 bis 1788 den ersten Privatunterricht in Heinzendorf gegeben hatte. Dem Vater aber fiel es schwer. Er war acht Jahre lang beim Militär gewesen, hatte an den napoleonischen Kriegen teilgenommen und als er dann nach Hause kam und den Hof seines Vaters übernommen hatte, hat er mit viel Elan und Kraft diesen Hof ausgebaut. Er hatte das alte hölzerne Wohnhaus abgerissen und durch ein größeres massives Haus ersetzt und hierbei auch viel Geld investiert. Auch wenn die Last Fronarbeit auf die Bauern drückte, war er mit Begeisterung Landwirt und hätte somit seinen Sohn lieber als seinen Nachfolger auf dem Bauernhofe gesehen. Er gab aber letztendlich seine Einwilligung. Pfarrer Schreiber war es dann auch, der Johann Mendel später außerhalb der Schule den ersten Lateinunterricht erteilte. In der nächste Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung lesen Sie: Die Schulzeit von Johann Mendel
ür viele Menschen in unserer Gesellschaft ist Ostern schon wieder vorbei. Die Feiertage sind zu Ende, ebenso der Osterurlaub. Die österliche Dekoration ist in vielen Wohnungen bereits wieder entfernt. Die letzten Reste von österlichen Speisen und Süßigkeiten wurden entweder verzehrt oder – leider nicht unüblich in unserer Wegwerfgesellschaft – entsorgt. Der Alltag mit seinen eingespielten Abläufen und Gewohnheiten hat uns wieder. So stellt sich vielleicht die Frage: Was bleibt von Ostern? Wenigstens in den Gottesdiensten hält Ostern länger an. Es wird ganze 50 Tage lang, bis Pfingsten, gefeiert. Das sichtbarste Symbol dafür ist die Osterkerze, welche in diesem ganzen Zeitraum in den Kirchen eine zentrale Position einnimmt. Ebenso werden in diesen 50 Tagen österliche Lieder gesungen. Nicht nur das feierliche Halleluja der Osternacht klingt auf diese Weise nach, sondern auch viele andere Gesänge, in welchen uns die Botschaft von der Auferstehung Jesu, vom Sieg des Lebens über den Tod, des Lichtes über die Dunkelheit weiterhin in den Ohren und vor allem in den Herzen erklingt. Mein persönlicher Favorit unter den Osterliedern findet sich im katholischen Gesangsbuch „Gotteslob“ unter der Nummer 332: „Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist.“ Das Lied stammt von Friedrich Spee von Langenfeld, des berühmten deutschen Jesuitenpaters aus dem 17. Jahrhundert. In weiteren Strophen heißt es: „Jetzt grünet, was nur grünen kann, die Bäum‘ zu blühen fangen an. Es singen jetzt die Vögel all, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Der Sonnenschein jetzt kommt herein und gibt der Welt ein‘ neuen Schein.“ Ostern und das frühlingshafte Erwachen der Natur gehören zusammen. Der geistliche Liedautor faßt das auf wunderbare Weise in Worte. Ich werde das Lied nach den kalten Apriltagen dieses Jahres besonders gerne in meinen Gottesdiensten im Wonnemonat Mai singen. Friedrich Spee schrieb den Text für dieses Lied in einer gesellschaftlich und politisch äußerst schwierigen Zeit. Europa wurde damals von den Schrecken eines großen Krieges heimgesucht, der in die Geschichte als Dreißigjähriger Krieg eingehen sollte. Daß die kriegerischen Auseinandersetzungen so lange dauern würden, war zum Zeitpunkt der Abfassung des Liedes, 1623, noch nicht absehbar. Aber die Not war in diesen frühen Kriegsjahren schon unübersehbar. Sie drückte sich nicht zuletzt in Teuerungswellen und damit in einer wachsenden Verarmung weiter Bevölkerungsschichten aus. Ist es demgegenüber nicht sehr unbekümmert, die erwachende Flora und Fauna des Frühlings zu besingen? Und gleicht die Botschaft von der Auferstehung in diesem Zusammenhang nicht einer oberflächlichen Vertröstung? Für mich war das diesjährige Ostern ein Trotzdem-Fest. Der Glaube, daß das Leben und die Liebe stärker sind als Not und Tod, läßt mich auch in unruhigen Zeiten tagtäglich das Leben wagen. Durch Jesu „Urständ“ – altdeutsch für „Auferstehung“ – möchte ich mir weiterhin eine frohe Natur bewahren. Das bleibt von Ostern. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Am 12. April 1902 kam der Bildhauer Ernst Kubiena als jüngster Sohn des Neutitscheiner Lehrers und Heimatforschers Friedrich Kubiena (1860–1922) und seiner Frau Anna (1864– 1935) zur Welt. Hans-Karl Fischer berichtet über Kubienas Leben und Werk.
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eine Taufurkunde, die Hildegard Broßmann fand, bezeugt, daß er von seiner Religionsfreiheit einen sehr frühen Gebrauch machte. Bald nach seinem 14. Geburtstag trat er aus der katholischen Kirche aus und in die evangelische Kirche ein. Ob das mit einer Bezugsfigur außerhalb seiner Familie zusammenhängt, läßt sich schwer herausfinden. Der Maler Hugo Baar (1873– 1912) war ein Neffe seiner Großmutter Wilhelmine, geborene Endlicher, mithin ein Cousin zweiten Grades von Ernst Kubiena; doch auch Wilhelmines Tochter Valerie, die 1906 den niederbayerischen Dichterarzt Hans Carossa (1878–1956) heiratete, war eine erfolgreiche Hutmacherin. Man kann behaupten, die Begabung für die bildende Kunst ist dem kleinen Ernst in die Wiege gelegt worden. Überdies war der Sagenforscher Josef Ullrich Zeichenlehrer an der Staatsrealschule, dem Gymnasium von Neutitschein,
Zum 120. Geburtstag von Ernst Kubiena
Ein Bildhauer aus dem Kuhländchen wo Kubiena 1920 Matura machte. Im selben Jahr begann er, in Wien Bildhauerei zu studieren. Zunächst unter Josef Barwig dem Älteren (1868–1931), dann unter Josef Müllner (1879–1968), dessen Meisterschüler er war. Kubiena war erst 20 Jahre alt, als sein Vater starb. Laut eines Berichts der Gemeinde Neu-
ne Medaille des Polarforschers Roald Amundsen, der nach einem Flugzeugabsturz seit dem 18. Juni 1928 vermißt wurde. In den beiden Jahren darauf fertigte er für den Umbau des Neutitscheiner Rathauses die Fassadenfigur „Hüter der Stadt“. Halb zum Aufbauen auffordernd und halb segnend, steht die allego-
„Liegender Akt“ (1968). titschein über die Vergabe des Mendeldenkmals 1929 erhielt Kubiena mit dem dritten Preis die nicht unbeträchtliche Summe von 1000 Kronen. Um diese Zeit war er auch in Norwegen; dort skulptierte er ei-
Unser Angebot Kostenloses Probeabo (4 Wochen, endet automatisch) der Sudetendeutschen Zeitung, Print- und Onlineausgabe möglich oder ein reguläres Abo (Bezug per Postzustellung)
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rische Figur über einem Durchbruch, der in die Arkaden des Stadtplatzes mündet. 1932 wurde das aus Findlingen bestehende EichendorffDenkmal in Sedlnitz der Öffentlichkeit übergeben. 75 Jahre später wurde seine Bestimmung mit einer Plakette, die ein Porträt des Dichters und seine Lebensdaten enthielt, kenntlich gemacht. Kubienas Leben prägte eine überbordende Reiselust. Man weiß oft nicht, ob er an einem Ort wohnte oder urlaubte. Dieser Eindruck mag daher rühren, daß er oft Ateliers in mehreren Städten unterhielt. Man kann nicht sagen, wo sein Lebensmittelpunkt war. Gelegentlich wechselte er seinen bevorzugten Wohnort. 1929 bis 1933 soll er in Paris geweilt haben, wo sich um 1930 viele Bildhauer der Moderne tummelten wie Constantin Brâncuși, Alberto Giacometti oder Alex-
Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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ander Calder. 1933 bis 1938 war büste, die in der Aula der Wiener er in der Marmorstadt Carrara Kunstakademie gezeigt wurde. an der ligurischen Küste. Was er 1938 besuchte Kubiena seidort tat, fand ich nicht heraus. nen Onkel Hans Carossa bei desKubiena, der sich vor allem sen Geliebter Hedwig Kerber in Medaillen, Plaketten und Statu- Rittsteig bei Passau. Mit Kerber, etten widmete, verbreitete über die Carossa 1942 nach dem Tod Postkarten des Wiener Künst- seiner ersten Frau Valerie heiralerhauses seine Großskulptur ten sollte, hatte dieser die Toch„Schwertweihe“: Ein kniender ter Eva. Kubiena machte MoKrieger hebt sein Schwert in die delle für Medaillen von Carossa ersten Strahlen nach einer Son- und Eva. Die Achtjährige meinte: nenfinsternis. Auch in der Aus- „Kaum sind die Grenzen geöffleuchtung des Postkartenfo- net, kommen‘s schon daher, die tos wird die annähernde Dun- Wiener.“ Die Grenzsperre zwikelheit um den nackten jungen schen Deutschland und ÖsterMann mit dem einen tatbereit reich war jedoch schon 1936 aufaufgestützten Bein betont. Damit gehoben worden. lehnte sich Kubiena an das gerEine Postkarte von seiner Tanmanisch-heroische Gedanken- te Valerie (1880–1941) trägt nur gut seiner Zeit an und wurde weiteren Kreisen bekannt. Auch die Caesarbüste „Siegerkopf“ von 1941 spricht für eine bestimmte Nähe zum Nationalsozialismus. 1941 war das letzte Jahr der Siege Adolf Hitlers. Die Büste, bei der der Kämpfermuskel über der Ernst Kubiena in einem seiner Ateliers. Nasenwurzel und der sehnige Hals sich am stärksten ab- ein Vierteljahr später eine Adreszeichnen, strahlt Härte und Ge- se in Positano an der Amalfiküsättigtheit, aber auch Wachsam- ste, wo er die nächsten Wochen keit aus. Drängten die Übungen oder Monate zubrachte. In Posivor der Schlacht oder drängte tano gab es eine Künstlerkolonie. die siegreiche Schlacht Caesar Kurz darauf nahm Kubiena die in diese Haltung? Der Gesichts- Stelle eines künstlerischen Beausdruck richtet sich jedenfalls raters der staatlichen Porzellanauf Bewahrung der Überlegen- manufaktur Meissen an. Da Meiheit. Sein Lehrer Josef Müllner ßen in der Nähe von Dresden schuf übrigens 1940 die Hitler- liegt, kam er wahrscheinlich da-
durch zu seinem Dresdener Atelier. Seine Großnichte Monika Ellenrieder berichtet, daß er bei der großen Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945, in ein durchnäßtes Leintuch gehüllt, aus der Stadt gelaufen sei. Auch sein Atelier stand in Flammen. Von Dezember 1944 bis zum Kriegsende im Mai 1945 soll er mit vielen anderen Künstlern als Motorenwickler im Wiener Künstlerhaus gearbeitet haben. In Wien brannten ihm sowohl die Wohnung als auch das Atelier aus. 1946 wurde er wieder künstlerischer Berater, diesmal der Gmundener Porzellanwerke, und blieb bis 1954 dort. Neben Allegorien der österreichischen Länder schuf er mehrere Brunnen in Gmunden und mehrere Denkmale für die Sudetendeutschen in Gmunden und Salzburg. Nachdem er im Jahr 1954 in die nicht weit entfernte Kunststadt Salzburg umgezogen war, wurde Kubiena von der Stadt als Landschaftspfleger angestellt. Da er als Bildhauer am besten über Grabsteine Bescheid wissen mußte, war er nun für die Verschönerung der Salzburger Friedhöfe zuständig. Er soll Natursteine bevorzugt haben. Ernst Kubiena starb am 20. Juli 1973 eines plötzlichen Todes. Am 14. Oktober 1967 hatte er, der bis dahin unverheiratet gewesen war, die mehr als 20 Jahre jüngere Wilfriede Vogt zur Frau genommen. Wilfriede überlebte ihn um 42 Jahre. Sie starb am 13. Mai 2015.
PERSONALIEN Am 3. April starb der Egerländer Josef Döllner, Ehrenpräsident des Ost-West-Wirtschafts-Forums Bayern und leidenschaftlicher Förderer der Wallfahrtsstätte Maria Kulm, im 89. Lebensjahr im oberbayerischen Murnau.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
osef Döllner kam am 22. August 1933 in Zieditz bei Falkenau zur Welt. Seine Eltern führten eine gut gehende Bäckerei, hatten zwei Mietshäuser sowie erheblichen Landbesitz. Er erzählte mir oft von seinem tschechischen Kindermädchen, von der er Tschechisch lernte. Seine Karriere war vorgezeichnet. In Prag führte sein Onkel Andreas Döllner die seit 1871 bestehende Privatbank Döllner & Co. als alleiniger Inhaber. Da der Onkel kinderlos war, war Josef früh als Nachfolger vorgesehen. Kurz nach Kriegsende wurde seine Familie vertrieben und enteignet. Die Familie kam in Niederbayern unter, Josef war für sechs Jahre in einem ungeliebten Internat in Regensburg. Er absolvierte die Ausbildung zum Bankkaufmann und bildete sich anschließend ein Jahr lang beim Bankverein in Zürich und ein halbes Jahr lang in Kanada weiter. In der Bank für Gemeinwirtschaft wurde er überaus erfolgreicher Direktor einer Filiale im Münchner Osten. Früh engagierte er sich in der SPD, der er bis zu seinem Tod 67 Jahre lang angehört hatte. Der Grund des Beitritts war, daß die Niederbayern seinem einst so wohlhabenden Vater sagten, vertriebene Habenichtse könnten sie in einer konservativen Partei in Bayern nicht brauchen. Die Integration von Flüchtlingen war schon damals ein Problem.
Leidenschaftlicher Egerländer
Josef Döllner † Trotz des schmerzlichen Verlustes seiner Heimat bemühte sich Josef schon früh um die Aussöhnung von Tschechen und Deutschen. Versöhnung und das Streben nach Frieden kennzeichneten sein ganzes Leben. 1964 wurde die Grenze zur Tschechoslowakei wieder geöffnet. Gleich wurde die Idee geboren, einen kleinen Grenzverkehr zu etablieren. Dazu beschlossen die Initiatoren Max Fischer, damals Landrat in Cham, Walter Richter und Josef einen Verein zu gründen. Die Gründung fand wegen vieler politischer Widerstände auf deutscher Seite erst 1968 statt. Lange wurde um den Namen gerungen, bis der OstWest-Wirtschafts-Club Bayern (OWWC) eingetragen werden konnte. Völkerverbindung, Freundschaften über Grenzen waren damals im kältesten Kalten Krieg unerwünscht. Josef war viele Jahrzehnte die Seele, das Herz und der Motor des OWWC. Ich sagte oft scherzhaft, der Verein müßte eigentlich Josef-Döllner-Club heißen. Immer bemühte er sich, Gräben zuzuschütten, Kontakte aufzubauen und zu pflegen, Projekte voran zu bringen. Ebenfalls 1968 fand Josef den Weg zu den Odd Fellows, einem internationalen Orden, mit dem ethischen Grundsatz der reinen Menschlichkeit. Dieses Prinzip lebte Josef sein ganzes Leben. Bis zum Schluß pflegte er sei-
ne Kontakte, vor allem mit der Souvereign Grand Lodge in den USA. Viele Besuche in Ländern, in denen der Orden tätig ist, verdanken wir ihm. Seinem Bestreben ist der Erfolg zu verdanken, auch in unseren östlichen Nachbarländern neue Logen zu installieren. Ein Bruder in der Loge und persönlicher Freund war der Münchener Arzt Karl „Charly“ Daxl. Charly war Allgemeinarzt und schon damals überzeugt, daß Heilung nur möglich ist, wenn man ganzheitlich behandelt. Für die damalige Zeit war das noch ungewöhnlich. Um diese Idee publik zu machen, wurde mit weiteren Brüdern das Thomas-Wildey-Institut gegründet. Auch hier war Josef, besonders nach dem frühen Tod Charlys, die treibende Kraft. Josefs lebenslanges Herzensanliegen war seine Heimat. Oft war ich mit ihm in seinem Geburtsort Zieditz, in Falkenau und vor allem auch in Maria Kulm, der größten und bedeutendsten Wallfahrtskirche im Egerland. Die dortige Probstei war nach der kommunistischen Zeit in einem erbarmungswürdigen Zustand. Auf Josefs Initiative wurde im Jahr 2000 der Förderverein Wallfahrtskirche Maria Kulm gegründet. Josef erschloß Geldquellen, unter anderem 1,1 Millionen Euro eines norwegischen Fonds, um die barocke Dientzenhofer-Kirche zu renovieren.
1995 erhielt Josef das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2001 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 2019 wurde ihm von Dominik Kardinal Duka, Erzbischof von Prag und tschechischer Primas, die bischöfliche Medaille Antonína Podlahy für seine Verdienste um die deutsch-tschechische Aussöhnung im Erzbischöflichen Palais in Prag verliehen. Diese selten vergebene Auszeichnung erhielten bisher nur 26 Personen. Zum 40jährigen Bestehen des OWWC erhielt er die OWWCGoldmedaille, zum 50jährigen einen bayerischen Löwen. „Einen Löwen für den Löwen“, sagte Präsident Eberhard Sinner treffend. Der IOOF ehrte ihn mit dem Odd Fellow Merit, die SPD als Brückenbauer. Ich danke Josef, daß ich mehr als 50 Jahre lang sein Freund sein durfte. Josef hatte die Gabe, auf Menschen zuzugehen und sie für seine Ideen zu begeistern und mitzureißen. Unverbrüchlich hielt er zu seinen Freunden. Zum Schluß aber noch ein besonderer Dank, den Josef sicher gerne noch selbst ausgesprochen hätte. Er gilt seiner Frau Sabine, die sich immer um ihn sorgte, die ihm alles abnahm, was in ihrer Macht stand. Zwei Menschen, die sich verstanden, einander vertrauten und herzlich liebten. Ohne Sabine, mit der er 54 Jahre lang verheiratet war, wäre vieles, das er angepackt hat, gar nicht möglich gewesen Leb wohl, lieber Josef. Du warst immer ein guter Mensch mit einem großen, lauteren Herzen. Wir verneigen uns vor einem wahrhaft großen Menschen. Unsere Welt ist ärmer geworden. Hermann Pönisch
72. SUDETENDEUTSCHER TAG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
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Die Freiheitshalle im oberfränkischen Hof ist der zentrale Veranstaltungsort des 72. Sudetendeutschen Tages, der vom 3. bis 6. Juni stattfindet.
Foto: Stadt Hof
� Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, ruft zur Teilnahme am Sudetendeutschen Tag in Hof auf
„Lassen Sie uns ein Zeichen setzen, das europaweit wahrgenommen wird
� Pfingsten in Hof:
„Dialog überwindet Grenzen“ Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt. Die Festreden halten Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (Aufruf rechts), sowie Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe (Grußwort rechts). Als Gastgeberin wird Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla (Grußwort unten) die Sudetendeutschen in der oberfränkischen Metropole begrüßen.
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as traditionelle Treffen der Sudetendeutschen Volksgruppe steht in diesem Jahr unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Zentraler Veranstaltungsort ist die Freiheitshalle in Hof. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Programm stehen. Zu den Höhepunkten des Sudetendeutschen Tags werden auch in diesem Jahr wieder die Verleihung des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die feierlichen Vergaben der Kulturpreise sowie der traditionelle Volkstumsabend gehören. Einen Überblick über das Programm des 72. Sudetendeutschen Tages finden Sie auf den Seiten 8 und 9 in dieser Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung.
Über 75 Jahre nach der Vertreibung unserer Volksgruppe werden in Europa wieder Millionen unschuldiger Menschen gewaltsam gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Als Sudetendeutsche bestürzt und bewegt uns das Schicksal der heimatvertriebenen Ukrainer, das uns an unser eigenes erinnert, in besonderer Weise.
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n diesen Zeiten rückt Europa noch enger zusammen. Wir Sudetendeutschen sind Teil eines europaweiten Netzwerks der Solidarität mit dem ukrainischen Volk, dem wir historisch und kulturell seit Jahrhunderten eng verbunden Bernd Posselt sind. Für uns gilt es, den bedrängten und verfolgten Ukrainern beizustehen und mit ihnen gemeinsam an einer besseren europäischen Zukunft zu arbeiten. Der Sudetendeutsche Tag wird damit auch zu einer Kundgebung für den Frieden und Solidarität mit dem tapferen ukrainischen Volk. Wir setzen in einem sich einigenden Europa auf Dialog und grenzüberschreitende Zusammenarbeit, wie sie in der auf Initiative von Sudetendeutschen gegründeten Euregio Egrensis seit drei Jahrzehnten gelebt wird. Deshalb versammeln wir uns diesmal dort zu unserem Sudetendeutschen Tag. Darum bitte ich Sie herzlich: Kommen Sie in großer Zahl nach Hof und lassen Sie uns als Sudetendeutsche gemeinsam ein Zeichen setzen, das europaweit wahrgenommen wird! Dr. h. c. Bernd Posselt, MdEP a. D. Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Ministerpräsident Markus Söder hält als Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe die Festrede.
Foto: Torsten Fricke
� Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaats Bayern und Schirmherr
„Sie haben nach dem Leid die Hand zur Versöhnung ausgestreckt“ Das Schicksal der Sudetendeutschen steht exemplarisch als Mahnung zum Frieden und zur Achtung der Menschenwürde. Ihre Erfahrungen lehren, daß Krieg und Vertreibung niemals wieder passieren dürfen.
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ber leider steht der Sudetendeutsche Tag in diesem Jahr im Zeichen eines mit großer Grausamkeit geführten Krie-
ges in Europa. Das ist zutiefst erschütternd. Unsere Gedanken sind in diesen Wochen bei den Menschen in der Ukraine, die Opfer einer verbrecherischen Aggression sind, wie wir sie in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges überwunden glaubten. Deshalb verdient die Haltung der Sudetendeutschen höchsten Respekt.
Sie haben nach dem Leid, das Sie erfahren haben, Dialog und Verständigung gesucht sowie die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Sie haben damit einen wertvollen Beitrag zu einer friedlichen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit über Grenzen hinweg geleistet und den Aufbau Europas nach dem Krieg entschlossen und tatkräftig mitgestaltet. Da-
für steht das Motto des Sudetendeutschen Tages in Hof „Dialog überwindet Grenzen“. Bayern tritt gemeinsam mit den Sudetendeutschen dafür ein, daß dies auch in Zukunft gilt! Dr. Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe
� Eva Döhla, Oberbürgermeisterin der Stadt Hof
„Gesellige Tage in unserer grenzüberschreitenden Region“ Es ist wahr: „Dialog überwindet Grenzen.“ Dieses Motto für den 72. Sudetendeutschen Tag gewinnt durch den Krieg in der Ukraine eine bestürzende Aktualität.
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Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla.
Foto: Michael Farkas
ir wissen, wovon wir reden. Hof weist bundesweit den fünftgrößten Anteil ukrainischer Staatsbürger gemessen an der Einwohnerzahl auf und kann auch dank der Erfahrungen mit Flüchtenden in der Vergangenheit tatkräftig helfen. Sicher wird auch darauf die Sprache kommen, wenn wir uns an den Pfingsttagen in Hof begegnen. Auf Flüchtende und Vertrie-
bene – mit dem ganz besonderen Fokus des Ankommens in unse-rer Stadt – blickt auch eine Dauerausstellung in unserem Museum Bayerisches Vogtland. In Hof existierte aufgrund der geografischen Lage der Stadt an der Grenze zu Tschechien nach dem II. Weltkrieg ein Grenzdurchgangslager im Stadtteil Hof-Moschendorf. Zeitweise war das die größte Aufnahmeeinrichtung für Vertriebene in Bayern. Damals wie heute haben die Ver-triebenen nicht nur mit dem Verlust der Heimat, sondern häufig auch mit Gewalterfahrungen umzugehen. Mit diesen Erfahrungen aus der Vergangenheit
tragen wir eine Verantwortung, Heimat und Aufgenommensein zu ermöglichen und eine bessere Zukunft zu bauen. „Dialog überwindet Grenzen“ ist so der zeitgemäße, aber auch zeitlose Leitgedanke. Die Stadt Hof blickt auf Jahrhunderte der Verbindungen und Beziehungen nach Böhmen. Am Beispiel unserer Partnerschaft mit Cheb (Eger) zeigt sich eine Freundschaft, die schon seit vielen Jahren wächst. So treffen wir uns an dem nun wieder regelmäßigen DeutschTschechischen Freundschaftstag im Wechsel mit unseren Nachbarn Karlovy Vary (Karlsbad), Aš (Asch), Františkovy Lázně (Fran-
zensbad) und Cheb (Eger). Unser Hofer Jazz-Frühling lädt explizit tschechische Ensembles ein zum Spiel mit deutschen Kollegen. Erst kürzlich wurde ein Treffen deutscher und tschechischer Wassersportvereine aus der Taufe gehoben. Ich freue mich sehr, daß der Sudetendeutsche Tag 2022 in Hof stattfindet, nachdem er zuletzt in deutlich größeren Städten veranstaltet wurde. Persönlich wünsche ich Ihnen vier interessante aber auch gesellige Tage in unserer grenzüberschreitenden Region. Eva Döhla Oberbürgermeisterin der Stadt Hof
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72. SUDETENDEUTSCHER TAG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16 + 17 | 29. 4. 2022
72. Sudetendeutscher Tag von Freitag, 3. bis Pfingstmontag, 6. Juni in Hof, Franzensbad und Maria Kulm
Volles Programm mit vielen Höhepunkten
Unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“ findet der Sudetendeutsche Tag zum ersten Mal von Freitag bis Pfingstmontag statt. Das detaillierte Programm wird in der Ausgabe 21 der Sudetendeutschen Zeitung veröffentlicht, die am 27. Mai erscheint.
Freitag, 3. Juni 2022 14.00 Uhr: Deutsch-Tschechischer Kommunalkongreß. Franzensbad/Františkovy Lázně (gesonderte Einladung). 15.00 Uhr, Sudetendeutsche Heimatpflege: Tracht und Volkskunst – Heimat aus Stoff. Hof, Schloßplatz. Aus Anlaß des Sudetendeutschen Tages in Hof präsentiert die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen die Vielfalt der heimatlichen Trachten. Dabei werden im Rahmen einer Modenschau die Kostbarkeiten aus verschiedenen sudetendeutschen Heimatlandschaften vorgestellt. Eingeladen sind ebenfalls Trachtenträger aus den drei fränkischen Bezirken, ihre Trachten zu zeigen. Nach einer allgemeinen Einführung werden Trachten aus dem Egerland, Schönhengstgau, Böhmerwald, der Wischauer und Iglauer Sprachinsel, dem Kuhländchen, Chotischau und den Bezirken Unter-, Mittel- und Oberfranken präsentiert. 17.00 Uhr: Kranzniederlegung in der Hofer Altstadt. Margaretha Michel, Bezirksobfrau der SL Oberfranken 19.00 Uhr: Festlicher Abend mit Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreise (siehe Seite 9). Freiheitshalle, Hof (gesonderte Einladung).
14.30
Uhr: Böhmisches Dorffest. Freiheitshalle, Hof. Geplant sind Vorträge, Präsentationen, Mundartlesungen, Filmvorführungen, Buchvorstellungen, Ausstellungen, Infostände, musikalische Darbietungen und Diskussionsrunden sowie Vorträge (bis lang) folgender sudetendeutscher Organisationen: Adalbert
Jugend für Mitteleuropa, Sudetendeutsches Musikinstitut, Vereinigung Sude-
tung des Chefdirigenten Radek Baborák. Freiheitshalle, Hof. 19.00
und Hofer Gruppen. Mit dabei sind unter anderem: Egerländer Familienmusik Hess, EgerlandJugend, Gartenberger Bunkerblasmusik, Målaboum, Volkstanzgruppe Javorník, Tomaš Spurny und die Volkstanzgruppe Hof. Moderation: Roland Hammerschmied.
Pfingstsamstag, 4. Juni 2022
10.30 Uhr: Festveranstaltung „Dialog überwindet Grenzen“. Freiheitshalle, Hof. Eröffnung: Steffen Hörtler, Landesobmann der SL Bayern. Grußworte: Eva Döhla, Oberbürgermeisterin der Stadt Hof; Ulrike Scharf, MdL, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Schirmherrschaftsministerin; Vertreter der Bundesregierung. Verleihung der Karls-Preise 2020 und 2022 der Sudetendeutschen Landsmannschaft durch Dr. h. c. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, an Klaus Johannis, Staatspräsident von Rumänien, und Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Republik Ukraine. Vertreter der Bundesregierung Musikalische Umrahmung: Westböhmisches Symphonieorchester Marienbad unter Leitung von Chefdirigent Radek Baborák.
Pfingstmontag, 6. Juni 2022
Stifter Verein, Ackermann-Gemeinde, Akademie Mitteleuropa, Arbeitskreis Sudetendeutscher Akademiker, Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk mit der Bildungsund Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“, Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste, Seliger Gemeinde, Sudetendeutsche Jugend SdJ –
Plätze in der Freiheitshalle reservieren
Treffen der Heimatgliederungen Beim 72. Sudetendeutschen Tag in Hof treffen sich die Generationen – tauschen sich aus mit Landsleuten aus ihrer Heimatlandschaft, ihrem Heimatkreis und Heimatort.
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iele Landsleute werden sich die Gelegenheit zu einem Wiedersehen nicht entgehen lassen. Amtsträger in der Sudetendeutschen Landsmannschaft sind deshalb aufgerufen, zum
lisches Pontifikalamt. Freiheitshalle, Hof. Es zelebrieren unter anderem S.E. František Radkovský, Bischof em. von Pilsen, Monsignore Die- ter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, sowie weitere Heimatpriester. 9.30 Uhr: Evangelischer Gottesdienst. St. Michaelis, Kirchplatz 4, Hof. Dekan Andreas Müller. 10.30 Uhr: Einzug der Fahnenabordnungen und Trachtengruppen zur Hauptkundgebung. Freiheitshalle, Hof. Moderation: Robert Wild. Bitte melden Sie Ihre Beteiligung an das Büro der Sudetendeutschen Heimatpflege per eMail an schmitzer@ sudeten.de oder per Telefax an (0 89) 48 00 03 44. 11.00 Uhr: Hauptkundgebung. Freiheitshalle, Hof. Begrüßung: Steffen Hörtler, Landesobmann der SL Bayern. Totengedenken: Robert Wild. Erklärung der Sudetendeutschen Jugend: Mario Hierhager, Bundesvorsitzender. Internationale Grußbotschaft. Festreden: Dr. h. c. Bernd Posselt, MdEP a. D., Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft; Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe. Musikalische Umrahmung : Festkapelle Gartenberger Bunkerblasmusik der Egerländer unter Leitung von Roland Hammerschmied. 13.00 Uhr: Böhmisches Dorffest. Freiheitshalle, Hof. Fortsetzung mit weiteren themenbezogenen Veranstaltungen.
Treffen ihrer Heimatgliederung einzuladen. Die Freiheitshalle in Hof bietet dazu ein attraktives Ambiente und ein großzügiges Platzangebot. Entsprechende Reservierungswünsche für Tische oder Plätze können ab sofort formlos an die Bundesgeschäftsstelle gemeldet werden, und zwar per eMail an schuster@sudeten. de oder per Telefon unter (0 89) 48 00 03 54).
tendeutscher Familienforscher (VSFF) und Walther-Hensel-Gesellschaft. Am Stand der Deutschen Post wird die Sonderbriefmarke zum Sudetendeutschen Tag samt Ersttagsstempel erhältlich sein. 18.00 Uhr: Sudetendeutsches Schatzkästlein mit dem Westböhmischen Symphonieorchester Marienbad unter Lei-
Uhr: Großer Volkstumsabend. Freiheitshalle, Hof. Melodien und Schrittfolgen, gemeinsames Musizieren und Tanzen bringen Menschen einander näher. Dies stellen wir beim großen Volkstumsabend unter Beweis, bei dem – wegen der räumlichen Nähe – nicht nur Egerländer Volkstanzgruppen vertreten sind, sondern auch tschechische
STECKBRIEF Veranstaltungsorte: Freitag, 3. Juni: Franzensbad/Františkovy Lázně, Hofer Altstadt und Freiheitshalle. Samstag, 4. und Sonntag, 5. Juni: Freiheitshalle Hof. Montag, 6. Juni: Maria Kulm/Chlum Svaté Maří Adresse: Freiheitshalle, Kulmbacher Straße 4, Hof. Übernachtung: Hotelübersicht www.hof. de/hof/hof_deu/hotels-undgasthoefe.html Unterstützung durch die Bundesgeschäftsstelle unter
Telefon (0 89) 48 00 03 70. Bustransfer: Sonderfahrten von Hof zur Freiheitshalle. Festabzeichen: 10,00 Euro für Erwachsene; Kinder, Schüler und Studenten frei. Freier Eintritt auch für Enkel und Urenkel, wenn sie ihre Groß- oder Urgroßeltern begleiten. Öffnungszeiten Freiheitshalle: Pfingstsamstag, 4. Juni, 9.00 bis 24.00 Uhr Pfingstsonntag, 5. Juni, 8.00 bis 18.00 Uhr.
21.00 Uhr: Sudetendeut-
sches Volkstanzfest. Freiheitshalle, Hof. Tanz und Geselligkeit mit Musik aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. Tanzmeisterin: Sabine Januschko.
Pfingstsonntag, 5. Juni 2022
9.00 Uhr: Römisch-katho-
9.00 Uhr: Friedens- und Versöhnungswallfahrt nach Maria Kulm/Chlum Svaté Maří. Kostenloser Bustransfer ab Freiheitshalle, Hof. 10.00 Uhr: Hl. Messe. Maria Kulm. Es zelebrieren unter anderem Probst Milan Kučera und Monsignore Dieter Olbrich. Musikalische Gestaltung: Gartenberger Bunkerblasmusik der Egerländer.
Premiere auf dem Sudetendeutschen Tag
Wir Sudetendeutschen: Unser Soziales Netzwerk „Wer kann mir etwas über die Heimat meiner Familie erzählen?“ – „Wo leben unsere Verwandten?“ – „Gibt es noch jemanden, der meine Großeltern kannte?“
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iele junge Sudetendeutsche suchen nach Kontakten zu Menschen mit gleichen Wurzeln. Dabei hilft ihnen künftig das neue Internet-Netzwerk der Sudetendeutschen, das auf dem
Sudetendeutschen Tag seine Premiere haben wird. Ziel ist es, den Kontakt auch innerhalb der Bekenntnisgeneration zu verbessern und Sudetendeutsche miteinander zu vernetzen, deren Vorfahren aus der gleichen Heimatregion stammen. Passend dazu wird Familienforscher Werner Honal in Hof über das Thema „Familienwurzeln in ČR-Archiven finden“ referieren.
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� Festliche Verleihung auf dem Sudetendeutschen Tag in Hof
Die Sudetendeutschen Kulturpreisträger 2022 „Eingedenk der Verpflichtung, das kulturelle Erbe zu wahren, und getragen von dem Willen, die schöpferischen Kräfte zu fördern, will die Sudetendeutsche Landsmannschaft mit diesem Preis den Dank der Volksgruppe für künstlerisches und wissenschaftliches Wirken im Sinne einer jahrhundertealten Tradition abstatten“, heißt es im Statut für den Sudetendeutschen Kulturpreis.
Mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis wird Prof. Dr. Dr. h. c. Winfried Böhm (geboren in Schluckenau) geehrt.
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� Prof. Dr. Winfried Böhm
Großer Kulturpreis
ie Verleihung der Kulturpreise wird auch 2022 einer der Höhepunkte des Sudetendeutschen Tages sein. Erstmals verliehen wurden die Sudetendeutschen Kulturpreise 1955. Erster Preisträger des Großen Kulturpreises war der aus dem böhmischen Leitmeritz stammende Grafiker, Schriftsteller und Buchillustrator Alfred Kubin. 1909 gründete Kubin mit Wassily Kandinsky und anderen Künstlern die Neue Künstlervereinigung München, aus der 1911 die Redaktion des Blauen Reiters hervorging. Zu den vielen frühen Preisträgern, die noch heute bekannt sind, gehörte auch Otfried Preußler, der Vater von „Der Räuber Hotzenplotz“ und vielen weiteren Kinderbüchern. Preußler wurde 1923 in Reichenberg geboren und 1979 mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis auszeichnet. Preußlers Werke wurden in 55 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von 50 Millionen Exemplaren. Als Verleger höchst erfolgreich war Herbert Fleissner, der 1928 in Eger geboren wurde, und unter anderem die Werke von Ephraim Kishon in Deutschland herausgegeben hat. Auch die Werke von Alexander Solschenizyn, Willy Brandt und Simon Wiesenthal erschienen in seinem Verlag. Fleissner, der sich auch viele Jahre im Vorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft engagierte, erhielt den Großen Sudetendeutschen Kulturpreis 1994. 2004 wurde Peter Glotz mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis geehrt. Der SPD-Politiker, der 1939 in Eger geboren wurde, war einer der maßgeblichen Initiatoren des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung.
it Prof. Böhm wird eine engagierte Persönlichkeit gewürdigt, die schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, wie Philosophischer Ehrendoktor der Katholischen Universität Córdoba, Päpstlicher Silvesterorden und Premio Europeo Capo Circeo. Der 1937 geborene Böhm ist Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, der Academia Peloritana dei Pericolanti, der Academia Galileiana (älteste Akademie der Welt) und der Academia Nacional de Derecho y Ciencias Sociales de Córdoba. Nach musikalischer Ausbildung und einer Banklehre studierte Böhm Philosophie, Pädagogik, Theologie, Psychologie, Geschichte, Politikwissenschaft und Musikwissenschaft in Bamberg, Würzburg und Padua. Er wurde 1969 promoviert und habilitierte sich 1973. Von 1974 bis März 2005 war er Ordinarius und Vorstand des Instituts für Pädagogik I an der Universität Würzburg, hatte daneben zahlreiche Gastprofessuren in verschiedenen europäischen Ländern, in Afrika sowie Nordund Südamerika inne. Neben der Pädagogik machte sich Böhm auch um die Musik verdient. 2005 fand in München die Uraufführung der von Wilfried Hiller komponierten Kirchenoper „Augustinus – Ein klingendes Mosaik“ nach dem Libretto Böhms statt. 2010 wurde im Würzburger Kiliansdom das von Wilfried Hiller komponierte Oratorium „Der Sohn des Zimmermanns“ uraufgeführt, für das ebenfalls Böhm das Libretto verfaßte.
� Dr. Stefan Daubner
� Edwin Bude
Kulturpreis für Musik und Darstellende Kunst Dr. Stefan Daubner (geboren in Bayreuth) wird mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik und Darstellende Kunst geehrt.
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aubner studierte nach dem Abitur Musik für Lehramt an Gymnasien, anschließend Kirchenmusik in Wien und promovierte über den tschechischen Komponisten Petr Eben. Nach Referendariat und Zweitem Staatsexamen wurde er Studienrat am Schyren-Gymnasium in Pfaffenhofen an der Ilm und brachte mit diesem und dem Gymnasium Tetschen-Bodenbach das umjubelte Musical „Tisa – eine Liebe ohne Grenzen“ auf die Bühne. In dem vom ihm komponierten und seiner Frau Marie-Therese getexteten Bühnenwerk brachte er das Thema Vertreibung vielen Schülern, Eltern und begeisterten Zuschauern näher. Für Daubner war die Aufarbeitung des Themas auch eine Herzensangelegenheit: „Meine Mutter war Jahrgang 1939 und ist in
Dr. Stefan Daubner Eulau aufgewachsen, dem heutigen Jílové. „Mir geht es um die deutsch-tschechische Verständigung.“ Dem vorausgegangen waren andere grenzüberschreitende Musical- und Opernproduktionen von deutschen und ungarischen beziehungsweise serbischen Schulen.
� Lorenz Loserth
Kulturpreis für Literatur und Publizistik
Kulturpreis für Heimatund Volkstumspflege
Der Sudetendeutsche Kulturpreis für Literatur und Publizistik geht an Edwin Bude (geboren in Rosenheim).
Der in Mühldorf am Inn geborene Lorenz Loserth erhält den Sudetendeutschen Kulturpreis für Heimat- und Volkstumspflege.
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er gelernte Kameramann arbeitete mehrere Jahre als Programmierer, bevor er sich 2005 mit seiner Firma Alpha DLBIT selbstständig machte und sich in der Filmbranche weiterbildete. Bude drehte zahlreiche Dokumentarfilme über das Sudetenland, unter anderem „Im Herzen des Böhmerwaldes“, „Die Geschichte der Sudetendeutschen“, „Abenteuer Heimatland“, „Sagenhaftes Sudetenland“ oder „Unbekanntes Egerland – Mittelpunkt Europas“. Seit 2015 betreibt und pflegt er den Youtube-Kanal der Sudetendeutschen Landsmannschaft und hat dafür zum Beispiel viele namhafte sudetendeutsche Einrichtungen, wie die Sudetendeutsche Hütte oder den Heiligenhof, portraitiert. Besonders wertvoll sind seine Interviews mit herausragenden
Edwin Bude Persönlichkeiten mit sudetendeutschem Bezug, zum Beispiel mit dem 2016 verstorbenen Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, dem langjährigen bayerischen Staatsminister Thomas Goppel, Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude oder dem SPD-Granden Hans-Jochen Vogel.
oserth engagiert sich bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – als Ortsbetreuer von Lobenstein, im Freundeskreis Sudetendeutscher Mundarten, als Referent bei Seminaren auf dem Heiligenhof und zuletzt durch die von ihm geschaffene Internetseite www. heimatlandschaft-altvater.eu. Mit diesem Webauftritt bietet Loserth jungen Leuten einen interessanten und detailreichen Einstieg, sich für die Heimatlandschaft Altvater zu interessieren. Akribisch sind dort Informationen über die Heimatlandschaft zusammengetragen – angefangen von berühmten Persönlichkeiten bis hin zu Anlaufstellen bei speziellen Fragen. Und immer sind Links angegeben, die einen zum Weiterlesen anregen. Wenn man den Werdegang
Lorenz Loserth von Lorenz Loserth betrachtet, wird deutlich, daß ihm die Vermittlung von Wissen, Bräuchen und Mundarten ein Herzensanliegen ist – als Lehrer bei Jugendlichen, in seiner Eigenschaft als Stadtführer in München und durch die Übersetzung von Kinderliteratur in die Mundart von Lobenstein.
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KULTUR
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SL-Bundeskulturreferent Professor Dr. Ulf Broßmann, Heimatpflegerin Christina Meinusch, Preisträger Jan Kuča, Laudatorin Rosina Reim, SL-Landesobmann Steffen Hörtler, Sylvia Stierstorfer, Landesbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene, und Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, vor der Böhmerwäldler Sing- und Volkstanzgruppe, die auf der Bühne die musikalische Umrahmung liefert. Bilder: Sadja Schmitzer Endlich konnte wieder ein böhmischmährisch-schlesischer Ostermarkt im Sudetendeutschen Haus stattfinden, zu dem die Heimatpflege der Sudetendeutschen eingeladen hatte. Neben den vielen traditionellen Ständen mit Osterschmuck gab es auch ein Sonderprogramm: die Ehrung von Jan Kuča mit der Adalbert-Stifter-Medaille, den wohltätigen Verkauf von Ostereiern aus der Bukowina für die Ukraineflüchtlinge und einen Kurs im Ostereierbemalen unter Leitung von Museumspädagogin Nadja Schwarzenegger im Sudetendeutschen Museum.
� Ostermarkt der Sudetendeutschen Heimatpflege in München
Eier und Ehrung
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s ist schön, heute hier bei Ihnen zu sein“, freute sich Sylvia Stierstorfer. Die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene begrüßte den SL-Landesobmann Steffen Hörtler, Ortfried Kotzian, den Vorsitzenden der Sudetendeutschen Stiftung, die Heimatpflegerin Christina Meinusch, Emöke Barabás vom Ungarischen Generalkonsulat in München sowie den Preisträger Jan Kuča und sprach ihr Mitgefühl für das Volk der Ukraine aus. Kotzian eröffnete den böhmischmährisch-schlesischen Ostermarkt im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses. Er wies besonders auf den Verkauf der Ostereier aus der Bukowina hin. Seine Frau Marie-Luise Kotzian hatte eine größere Anzahl von Bukowiner Ostereiern aus ihrer Sammlung zum Verkauf zur Verfügung gestellt. „Der Erlös soll als Spende an eine Unterstützer-Organisation in der Ukraine zugunsten der vielen Binnenflüchtlinge gehen“, sagte Kotzian. Die Bukowiner Ostereierkunst, die vor allem von dem ruthenischen
Bunter Ostermarkt im Adalbert-Stifter-Saal.
Hildegard München aus dem Kreis Dachau bietet traditionelles Oster-Kunsthandwerk.
Erika Weinert am Stand der Böhmerwäldler.
Rosina Reim und ihre Schwester Christine Legner mit Köstlichkeiten aus der Wischauer Sprachinsel.
Rudolf Saiko verkauft Ostergestecke und Palmbuschen.
(ukrainischen) Volksstamm der Huzulen gepflegt worden sei und den Namen „Pysanky“ trage, sei in den Karpaten sehr berühmt. Der österrreichische Volkskundler Karl A. Romstorfer (1854–1916) habe sie in Mittel- und Westeuropa bekannt gemacht. Diese „geschriebenen Eier“ würden mit Wachs verziert und dann gefärbt. Am Ende werde das Wachs abgeschmolzen und die äußerst feinen Muster kämen zum Vorschein: „Ein Symbol für die Auferstehung Jesu am Ostermorgen.“ Dse Bukowina-Eier waren sehr begehrt und brachten 459 Euro für die Hilfe in der Ukraine ein, die die Kotzians auf 500 Euro aufstockten. Empfänger ist die Organisation Gedankendach an der Universität Czernowitz, die sich seit mehreren Jahren um die internationalen Beziehungen auf wissenschaftlicher und allgemein gesellschaftlicher Ebene bemüht. Eingangs hatte Christina Mei nusch die Gäste und Besucher begrüßt. Mit Rosina Reim von den Wischauern, die die Laudatio hielt, verlieh sie Jan Kuča die Adalbert-Stifter-Medaille für seinen dreisprachigen „Atlas der Volkstrachten der Tschechischen Republik“. Die Besucher konnten süße und herzhafte Köstlichkeiten oder seidig-buschige Palmkätzchen-Gestecke kaufen und sich untereinander austauschen. Auch der Büchertisch der Heimatpflege war gut besucht. Evi Strehl vom Bayerischen Rundfunk („BR Heimat“) verfolgte das Geschehen am Ostermarkt und nahm schöne Impressionen mit. Die leckere Bewirtung mit heimatlichen Spezialitäten kam wieder von Annemarie Kloos, der Wirtin der HDO-Gaststätte Zum Alten Bezirksamt mit ihrem Team. Sadja Schmitzer
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
� Osterwerkstatt im Sudetendeutschem Museum
Begeisterung beim Bemalen Während des böhmisch-mährisch-schlesischen Ostermarktes im Sudetendeutschen Haus veranstaltete das Sudetendeutsche Museum einen Kurs im Ostereierbemalen unter Leitung von Museums pädagogin Nadja Schwarzenegger. Viele kleine Gäste hatten Vergnügen mit Stiften, Perlen und Pinseln.
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rstmalig gab es im Sudetendeutschen Haus während des Ostermarktes ein ganz besonderes Angebot für Kinder: Das Sudetendeutsche Museum lud zur
Osterwerkstatt ein. Unter Anleitung der Museumspädagogin Nadja Schwarzenegger und von Anita Köstler konnten die jungen Besucher ihre eigenen
traditionellen Ostereier gestalten, bemalen, färben oder kratzen. Bunte Perlen, Federn, Stifte und diverse weitere Bastelutensilien standen zur Verfügung.
In der Osterwerkstatt entstanden viele bunte Eier-Kunstwerke der jungen, einfallsreichen Besucher – eine tolle Aktivität für Kinder und Eltern! Sadja Schmitzer
Im Tiefgeschoß des Sudetendeutschen Museums ist ein Seminarraum für Veranstaltungen. Hier wird er für den Osterworkshop genutzt.
In fröhlicher Runde versuchen sich die jungen Gäste selbst am Eierdekorieren.
Bilder: Sadja Schmitzer
Auch SL-Landesobmann Steffen Hörtler (rechts) besucht die kleinen Künstler.
� Projekt der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen
Posieren im Göpelanbau aus Ergersheim Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen kümmert sich ganz besonders um die Pflege und den Erhalt der
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ei „Heimat im Gepäck“ handelt sich um ein Projekt, bei dem professionelle Fotos von Trachten vieler Heimatland-
traditionellen Trachten. Das tut sie nicht zuletzt mit ihrem Projekt „Heimat im Gepäck“. Ulf Broßmann, Bun-
schaften des ehemaligen Deutschen Osten, also auch des Sudetenlandes, angefertigt und in einem Buch mit einer Beschrei-
deskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Betreuer der Heimatlandschaft Kuhländchen,
bung und der heutigen Identifikation veröffentlicht werden. Da die Sudetendeutsche Heimatpflege das Projekt fördert, be-
berichtet über die jüngsten Aktivitäten beim Erfassen von heimatlichen Trachten: Im Fränkischen Freilandmuseum
schloß die Heimatgruppe Kuhländchen in München, daran aktiv mitzuwirken. Zum Fototermin Ende März fuhren die SL-Volkstumspreisträgerin Christl Rösch und ich in das Fränkische Freilandmuseum nach Bad Windsheim. Dort wurden im Göpelanbau aus Ergersheim die Aufnahmen – es handelte sich um Einzel- und Paaraufnahmen – gemacht. Da die Originalfotos erst nach dem Erscheinen des Buches von uns benutzt werden dürfen, sind in diesem Bericht „selbstgeschossene“ Bilder eingefügt.
in Bad Windsheim wurden Kuhländer Frauen- und Männertrachten fotografiert.
erbe unserer Vorfahren präsentieren durften. Von vielen Besuchern wurden wir auch über das Woher und über die Einzelheiten unserer Tracht befragt. So ist nach der Anerkennung der Kuhländler Tänze zum Immateriel-
Zeitreise im Freilandmuseum
Christine Rösch und SL-Bundeskulturreferent Professor Dr. Ulf Broßmann im Freilandmuseum.
Der anschließende Rundgang durch das Museum war eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkisches Alltagsleben, das uns sehr an dasjenige im Kuhländchen erinnerte. Für unser leibliches Wohl war auch gesorgt, so daß wir bei herrlichem Sonnenschein einen nicht nur erholsamen Tag verbringen, sondern auch das Kultur-
Auch beim Mittagessen tragen sie Tracht.
len Kulturerbe Bayern ein weiterer Mosaikstein für unser Kulturgut hinzugefügt worden, diesmal zum Erhalt und dem Bekanntwerden unserer ansehnlichen Tracht in einem Trachtenstandardwerk der Vertriebenen.
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AUS DER HEIMAT · VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
� SL-Landesgruppe Bayern
Hoffnung und Mut tun allen gut Für Ende April hatte Sigrid Ullwer-Paul, Landesfrauenreferentin und Stellvertretende Landesobfrau der SL-Landesgruppe Bayern, zur Landesfrauentagung ins Kolpinghaus im oberpfälzischen Regensburg eingeladen Große und kleine Målas mit den 1996 gebastelten Osterratschen.
� Bund der Deutschen in Böhmen
Auf nach Plaß! Måla Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen mit Sitz in Netschetin, berichtet über Ostern.
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ie Egerländer aus Netschetin erlebten wieder eine gesegnete Osterzeit, samt Volkssitten und Gottesdiensten. Den Beginn machten am Karfreitag die Ratschenboum und -moidla. Mit den Ratschn, die mit der Egerland-Jugend bereits 1996 gebastelt worden waren, startete eine sechsköpfige Gruppe also nach 25 Jahren wieder den Kreuzweg von Netschetin nach Plachtin. Ausgangspunkt war der Potina(r in Netschetin. „Kommt schnell, der Wirt wartet schon“, jagte ich die Ratschnboum. Beim Jakub Haidlmaier, Wirt und Anhänger der k. u. k. Monarchie, wurde das Ratschen mit einem Jägermeister belohnt, die Kinder bekamen Süßigkeiten. Der nächste Termin war im Museum. „Ich habe euch nicht erwartet“, begrüßte uns Mitarbeiterin Marie Řahotová. Trotzdem gab es Lutscher für die Kinder. Und dann hieß es nur: „Hurra, auf zur Kapelle im Zoo!“ Dort beteten wir den „Engel des Herrn.“ An der alten Sägemühle vorbei führte der Weg zum Grünen Kreuz, wo das zweite Gebet folgte. Nun ging es an der Netschetiner Felsenorgel, der Südwand des Basalthügels, auf dem die Burgruine Preitenstein steht, bergauf zur Burgruine. Oben angekommen, rasteten wir. Die inzwischen müde Gruppe legte unterhalb der Burg einen kurzen Halt bei der Schousta H(i)lda ein. Am nahen Straßenkreuz folgte ein drittes Gebet. Dann kam vor allem für die älteren „Ratschherren“ die Erlösung: gezapftes Bier im kleinen Tante-Emma-Laden am Preitenstein. Der letzte Abschnitt des „Kreuzweges“ führte nach Plachtin, wo es sieben Stationen gab. Bei Målas, also bei meiner Familie, konnte man sich erfrischen. Bei Målas II., also bei der Familie meines Sohnes, endete das diesjährige Ratschn. Dort gab es ein fleischloses Mittagessen. Eine verdiente Nachmittagspause krönte diesen anstrengenden Tag. Da unsere Geistlichen immer mehr Pfarreien betreu-
en müssen, fand Vigil am Karsamstag nicht in Manetin, sondern für alle in Plaß statt. Nun ging es bei klarem Himmel und Vollmond um neun Uhr abends nach Plaß. Der Gottesdienst in der neu renovierten Wenzelskirche war sehr gut vorbereitet. Die Auferstehung Christi feierten dann die Gläubigen kurz vor Mitternacht mit einem Glas Sekt, was eine gute Inspiration auch für andere Kirchen sein dürfte. Das Hochfest am Ostersonntag in Netschetin feierten die Egerländer mit ihren tschechischen Mitchristen in der Sankt-Jakobus-Kirche. Mehr als 30 Gläubige waren gekommen. Und wie bei großen kirchlichen Festen üblich, trugen zwei Mitwirkende Egerländer Tracht: ich, der Måla Richard, und meine Frau Irene. Weil ich gerne mit Feuer spiele, übernahm ich wieder die Rolle des Weihrauchspezialisten. Irene übernahm die Lesung, und unser Sohn Vojtěch, frischgekürter Träger des Sudetendeutschen Förderpreises für Volkstum, sang den Psalm und las die zweite Lesung. Die Orgel bediente Elfriede Šulková. Ein herrlicher sonniger Festtag, was man an den Kunstdarbietungen erkennen konnte, welche der Weihrauch mit dem Licht der Sonne in der Kirche zauberte. Anschließend konnte man sich noch in der Sonnen erwärmen und nette Gespräche führen, denn an diesem Tag kommen Menschen in die Kirche, die sonst nicht sehr oft kommen. Zum Ostermontag gehört in Böhmen, Mähren und Schlesien der Gang mit der Osterrute. Auch heuer war das am Plachtin der Fall. Der erste, der mit der Osterrute um neun Uhr morgens an die Haustür der Målas II. klopfte, war der Václav. Der zweite, der mit der Osterrute losging, war ich. Der beliebteste Trunk ist wohl an diesem Tag „Das Grüne“. Das Gras erwacht langsam, und dazu paßt der grüne Schnaps am besten. Zehn Haushalte besuchte ich und kam nach zwei Stunden zufrieden und lustig wieder nach Hause. Ich probierte vier Sorten „Osterfülle“ aus, erhielt einige Schnäpse und Bier und feierte so richtig damit die Auferstehung Christi. Frohe Ostern!
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eine Großmutter ist in Österreich geboren, meine Mutter in der Tschechoslowakei, ich in Deutschland – doch alle in der gleichen Stadt“, erzählte eine ältere Dame. Sie war wie 45 andere Gast der Frauentagung. „Vielen stellte Corona ein Bein“, erklärte Sigrid Ullwer-Paul die lichten Reihen im Saal. Selbst das angekündigte „Böhmische Trio“ aus Burglengenfeld war auf ein „Duo“ geschrumpft und trauerte musikalisch um das „verlorene Glück, Herrgott, gib mir meine Heimat zurück“. Auf das Totengedenken stimmte das Duo mit „Drübn überm Kaiserwald ist unser Heimatland“ ein. Gedacht wurde all der Frauen, die sich für die SL engagiert hatten, ganz besonders der im Dezember mit 65 Jahren gestorbenen Urd Rothe-Seeliger. Sylvia Stierstorfer, Landesbeauftragte für Aussiedler und Vertriebene, erklärte ihre Wertschätzung in einem schriftlichen Grußwort. Das Motto der diesjährigen Tagung – „Hoffnung und Mut tun allen gut“ – könne nicht treffender gewählt sein. Seinen Bezug zum Sudetenland erklärte Regensburgs Bürgermeister Ludwig Artinger mit seinem aus der Gegend um Eger stammenden Schwiegervater. Er zog Parallelen von den Heimatvertriebenen aus dem Sudentenland und den Flüchtlingen aus der Ukraine. Sie alle litten unter Heimatverlust. Die langjährige Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller versicherte ihre enge Verbundenheit mit der Sudentendeutschen Volksgruppe. Viele hätten angesichts des Krieges in der Ukraine ihr eigenes Schicksal wieder vor Augen. Sie selber könne sich noch gut an die böhmischen Mitarbeiterinnen auf dem elterlichen Hof in der Oberpfalz erinnern und die damals veränderten Kochgewohnheiten: „Plötzlich gab es Serviettenknödel und Powidldatschgerl.“ Viele Vertriebene hätten in Deutschland ein neues Zuhause gefunden und zum erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands beigetragen. Die Wahrung der Menschenrechte sei die Grundlage für ein Miteinander in Frieden und Freiheit – aber wie die Demokratie keine Selbstverständlichkeit. Bezirksobmann Christian Weber hatte für die 1943 in Huttendorf im damaligen Kreis Hohenelbe im Riesengebirge geborene Sigrid Ullwer-Paul die Silberne Verdienstmedaille der Landesgruppe Bayern mitgebracht. Die engagierte Landsmännin war 1976 der SL-Ortsgruppe Burglengenfeld beigetreten, leitet diese seit 2000 und wurde neben zahlreichen weiteren Ehrenämtern im März Vizeobfrau der Landesgruppe. Margaretha Michel, ebenfalls Vize-Landesobfrau sowie Landeskulturreferentin, überreichEnde März war die Paneuropa-Union Deutschland mit einem Infostand beim Rathaus der oberpfälzischen Stadt Neumarkt vertreten.
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Weihrauchspezialist Måla Richard in der Netschetiner Sankt-Jakobus-Kirche und seine Frau Irene vor der Kirche.
te Helga Heller, der vor knapp 95 Jahren in Böhmisch Leipa geborenen Landsmännin, die Silberne Verdienstmedaille der SL Bayern. Die Grande Dame der SLOrtsgruppe Passau, die einst mit ihrem Mann Viktor eine riesige Fotosammlung erstellt und den „Leipaer Heimatboten“ herausgegeben hatte, engagiert sich bis heute in Passau, im Heimatkreis und in der Heimat. Die Auszeichnung sei auch eine Würdigung für ihren Mann, sagte Heller. „Von ihm hab‘ ich alles gelernt.“ Michel sprach über „Hoffnungsvolle Ansätze in zwischenmenschlichen Beziehungen von Tschechen und Sudetendeutschen“. Sie blickte in die Zeit, als Deutsche nach Böhmen ausgewandert waren. Die erste große Tragödie für beide Völker sei das Ende des Ersten Weltkriegs gewesen, als aus
gefordert, Mut zu sagen, wir haben einmal zusammengehört, Mut, die gemeinsame Identität zu erkennen, Mut, ein gemeinsames Europa zu gestalten. Mit dem Zitat von Augustinus „Liebe, und dann tue, was du willst“ schloß die Schriftstellerin Christa Olbrich ihr mutmachendes Referat anhand der eigenen Geschichte, die sie in ihrem Buch „Von der Kuhmagd zur Professorin“ aufgeschrieben hatte. Die 1945 in Mährisch Schönberg geborene Referentin riet, Dinge anzunehmen, wie sie seien. Das schaffe Energie. So entstünden Kraft, Sicherheit und Mut. Sie vertraue auf eine duale Lebensweise, habe ihr Leben immer in zwei Welten umgesetzt und oft von vorne angefangen. Die Pilsener Autorin Kateřina Kovačková sprach über ihr Buch „Mai 1945 in der Tschechoslowa-
Hans Pieke, Emilia Müller, Dr. Kateřina Kovačková und Natialia Sakolova. Bilder (3): Ingrid Kroboth
Professor Dr. Christa Olbrich, Margaretha Michel, Helga Heller, der Regensburger Bischof Professor Dr. Rudolf Voderholzer, und Dr. Sigrid Ullwer-Paul. dem bis dahin zur österreichischungarischen Monarchie gehörenden Land 1918 die eigenständige Tschechoslowakei gegründet worden sei. Die Zeit, als Böhmen und Mähren von 1938 bis 1945 zum deutschen Reich gehörten, sei noch nicht richtig aufgearbeitet. Die Vertreibung habe Mut gebraucht – Mut zum Weiterleben, Mut zur Neuordnung. Lange Zeit sei die Hoffnung auf Rückkehr enttäuscht worden. Doch seit in der Tschechischen Republik der Wohlstand steige, seien die Menschen dort selbstbewußter, benennten ihr Unrecht. Junge Tschechen hätten Interesse an deutscher Geschichte, benutzten deutsche Namen, tschechische Schriftsteller schrieben über deutsche Schicksale, tschechische Historiker wiesen auf eklatantes Fehlverhalten gegenüber den Deutschen hin. Tschechische Ärzte und Schwestern kämen nach Deutschland und fehlten in der Heimat. Aber auch Deutsche siedelten sich in Böhmen wieder an. Doch ein Wermutstropfen sei geblieben. Wegen der langen Trennung sei es schwieriger, verwandtschaftliche Beziehungen aufrecht zu erhalten. Und viele wollten von ihrer Herkunft nichts mehr wissen. Genau da sei Mut
kei“ mit Lebensgeschichten von Zeitzeugen. Sie habe ursprünglich nicht gewußt, daß so viele Deutsche in der Tschechoslowakei gelebt hätten, „in meinem Heimatland, das auch für Sie Heimat war“. Heute gebe es viele Projekte, über die Menschen sich unkompliziert begegneten mit dem Wissen um die Geschichte, die nicht schön gewesen sei. Sie habe Zeitzeugen in der Tschechischen Republik gesucht und gefunden, auch viele verbliebene Deutsche. Interessant seien die Erzählungen von Deutschen in ihrem Land, die trotz der Schikanen während des Kommunismus versöhnlicher über ihre Vergangenheit sprächen, als die Vertriebenen. Mut für die ältere Generation machte der Vortrag „Das Leben im Alter angenehm gestalten am Beispiel einer sudetendeutschen Einrichtung“ von Hans Pieke, Leiter des AdalbertStifter-Wohnheims in Waldkraiburg. Als alleingelassener Lebensgefährte der im Dezember gestorbenen Urd Rothe-Seeliger sprach er aus Erfahrung über den im Alter immer kleiner werdenden Bekanntenkreis. Es gelte die Einsamkeit aufzufangen, und dabei helfe das betreute Wohnen im Adalbert-Stifter-Wohnheim. Wichtig sei, im Alter aktiv
� Paneuropa-Union Bayern
erhard Hermann, Obmann der SL-Ortsgruppe im nahen Amberg und Mitglied des Vorstands der Paneuropa-Union Bayern, hatte Susanne Hierl MdB und Marlene Mortler MdEP eingeladen. Von der PaneuropaUnion waren Frederik Ströhlein, Christian Hoferer, beide Vor-
Wir stehen zur Ukraine stände der Paneuropa-Jugend Deutschland, sowie Rudolf Hermann gekommen. Der Stand wurde gut besucht. Auch Sudetendeutsche suchten das Gespräch mit Hierl und Mortler, nicht zuletzt über den Krieg in der Ukraine. Viele Ältere hatten als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt. Nun erle-
ben sie, wie Wladimir Putin die Ukraine überfällt und das altehr-
zu bleiben, am Leben teilzunehmen, sich Aufgaben zu suchen. In solidarischer Verbundenheit begrüßte Ullwer-Paul zwei aus der Ukraine geflüchtete Frauen, die seit einem Monat in Regensburg leben. „Uns verbindet ein ähnliches Schicksal“, leitete sie zum erschütternden Erlebnisbericht der 41jährigen Natalia Sakolova über, die vor einem Monat mit ihrer 16jährigen Tochter aus Stojanka geflüchtet war und am Samstag mit der 38jährigen Irena Hachich aus Trpen zu den SL-Frauen gekommen war. Vira Leeck dolmetschte Sakolova, die neun Tage ohne Strom und Wasser im Keller verbracht hatte, und immer im festen Glauben, daß die Zivilbevölkerung nicht beschossen werde. Sakolova beschrieb die schrecklichen Geräusche der Bombeneinschläge, die Angst, das Entsetzen und schließlich die Erkenntnis: „Wir müssen gehen.“ Sie mußte ihren Mann verlassen, war mit der Tochter zehn Tage unterwegs, kam über Polen nach Regensburg, völlig entkräftet, aber in der Gewißheit, „hier fallen keine Bomben“. Im Kolpingsaal war es still geworden, während die jungen Frauen sprachen. Die eigenen Erlebnisse und die Erzählungen der Großmütter und Mütter tauchten plötzlich wieder auf. Mittlerweile war auch Bischof Rudolf Voderholzer gekommen. Die Bilder ähnelten sich, stellte er im Vergleich zu den Erzählungen seiner Großmutter fest, die vor 76 Jahren mit drei minderjährigen Kindern aus ihrer sudetendeutschen Heimat vertrieben worden sei. Ein Drama, das sich aktuell in der Ukraine wiederhole, und das vor drei Monaten noch niemand für möglich gehalten habe. Voderholzer erinnerte sich an das Schicksal der eigenen Familie, die ihre Heimat für immer verlor. Dabei hätten Sudentendeutsche wie Schlesier liebend gerne den „Heimweg“ angetreten. „Wir wären auf Knieen zurückgekehrt“, habe seine Großmutter erzählt. Besonders wühlte den Bischof auf, daß die Ukraine und Rußland am Wochenende Ostern feierten, „aber nicht einmal dafür konnte eine befristete Ruhepause ausgehandelt werden“. In Regensburg werde für die geflüchteten Gläubigen am bevorstehenden Sonntag die katholische Kirche Sankt Wolfgang geöffnet, wo ein ukrainisch-orthodoxer Priester den Ostergottesdienst zelebriere. Das größte Problem sei, daß Vergebung immer schwerer falle, je mehr Unrecht geschehe und Blut fließe. Als Solidaritäts-Bekundung hatten die Tagungsteilnehmer 520 Euro gespendet. Je 50 Euro erhielten die jetzt in Regensburg lebenden Ukrainerinnen. Der Rest ging an Bischof Voderholzer für die Ukrainehilfe bei der Caritas. Der Adalbert-Stifter-Verein, die Sudentendeutsche Stiftung, das Haus des Deutschen Ostens, die Bundesregierung und das Bayerische Staatsministerium für Familie und Soziales hatten die Tagung gefördert. Ingrid Kroboth würdige Mariupol, eine Stadt, die der Muttergottes geweiht ist, in Schutt und Asche legt. Eine Gruppe ukrainischer Frauen kam ebenfalls vorbei. Die Paneuropa-Union steht zur Ukraine.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
� SL-Ortsgruppe Bad Kötzting/Oberpfalz
Ein Mittler Stanislav Drobný und Markus Ruhs.
natiger Bewährungsfrist aber von der KPČ wieder ausgeschlossen worden. 1968 habe er mit seinem ersten Roman in deutscher Sprache, „Das Café an der Straße zum Friedhof“, debütiert. In seinem Buch „Wiedersehen mit Böhmen. Die stillen Toten unterm Klee“ (1992) thematisieelativ klein war die Schar der re Filip die Grausamkeiten beim Zuhörer beim ersten Litera- Brünner Todesmarsch. Mittlerrischen Café nach Corona, vor weile hätten junge Tschechen der der langjährige Vorsitzende eine Gedenkstätte geschaffen, der Ackermann-Gemeinde in der seit 2015 veranstalte die jüngeDiözese Regensburg, Leonhard re Generation den Brünner FrieFuchs, als Biograph über Le- densmarsch, auch Versöhnungsben und Werk von Ota Filip re- marsch genannt, so Fuchs. ferierte. Die Besucher hörten geIn seinen „Mährischen Gefesselt zu, erfuhren sie doch viel schichten“ erzähle Filip von den über den Autor, und aus den getschechischen lesenen Textpassagen lernten sie Großeltern, den Stil der Erzählungen kendem Zusamnen: ernst, heiter, satirisch, nicht menleben von zuletzt auch tragisch. Deutschen, Eigentlich habe Ota Filip im Tschechen November 2005 selbst nach Bad und Juden soKötzting kommen wollen, erwie von seiner klärte Obfrau Elke Pecher, seiMutter und ihne Berufung auf einen Lehrstuhl rer galizischen in den neuen Bundesländern Ota Filip (1930– Herkunft. sei aber dazwischengekommen. 2018). Über seine Nun hätten die Veranstalter das ZweisprachigGlück, mit Leonhard Fuchs, der keit habe er gesagt, egal welche nach dem Tod von Ota Filip am Sprache man spreche, „Sprache 2. März 2018 an dessen Biogra- muß nach der Heimat duften“. phie und seinen Werken gearbei- Nichts habe ihn nach 1945 trauritet habe, einen Referenten zu ha- ger gestimmt als die zahlreichen ben, der sich über lange Zeit mit zerstörten Seelen seiner Landsdem auch umstrittenen tschechi- leute. Aus der Diskussion über schen Schriftsteller befaßt ha- seine Befangenheit im ČSSRbe. „Beider Interesse galt vor al- Regime sei 2001 der autobiogralem den Begegnungen zwischen phische Roman „Der siebente LeDeutschen und Tschechen“, sag- benslauf“ entstanden. te Pecher. Nach seinem Umzug nach „Und was bleibt zuletzt von München erhielt Ota Filip 1977 mir, wenn ich ans Schreiben den- die deutsche Staatsbürgerschaft, ke? … nur die Hoffnung, daß wurde 1982 in die Bayerische mein geschriebenes Wort mich Akademie der schönen Künste wenigstens um einige Jahrzehn- aufgenommen und schrieb nete überlebt“, zitierte Fuchs den ben mehreren Romanen auch ei1930 in Schlesisch Ostrau gebo- ne Sammlung von Satiren mit renen Schriftsteller. Sein 40jäh- dem Titel „Tomatendiebe in Aserbaidschan“ sowie eine Sammlung von Geschichten aus Böhmen. Der tschechische Staatspräsident Václav Klaus zeichnete Ota Filip im Oktober 2012 mit der Medaille für Verdienste am Staat im Bereich der Kunst aus. Leonhard Fuchs las beim Literarischen Café Auszüge aus mehreren Werken Filips, der bis zu seinem Tod in Garmisch-Partenkirchen unter den Mit einer Flasche Bürgermeistersekt dankt Elke Vorwürfen über eine Pecher dem Referenten Leonhard Fuchs. Zusammenarbeit mit Bild: Günther Pecher der Staatssicherheit litt. Sein Lebenswerk riges literarisches Schaffen weise bleibe nicht nur als Literat, soneine wesentliche Bruchstelle mit dern auch als Mittler zwischen der Ausbürgerung aus der Tsche- Deutschen und Tschechen in guchoslowakei auf. Sechs Jahre ter Erinnerung, schloß Leonhard nach dem Prager Frühling sei der Fuchs. seit 1953 mit Marie Ledyinová Mit einem Geschenk der verheiratete Filip aus seiner Hei- Stadt, die Mitveranstalter des mat vertrieben worden. Bereits Literarischen Cafés ist, dankte 1959 sei er in die kommunistische Obfrau Pecher dem Referenten Partei eingetreten, nach zehnmo- Fuchs. er/ad
Bei dem seit 1998 existierenden Literarischen Café der ober pfälzischen SL-Ortsgruppe Bad Kötzting unter Organisatorin und Obfrau Elke Pecher befaßte sich Anfang April Leonhard Fuchs mit Leben und Werk des Schriftstellers Ota Filip.
R Mathias Kotonski, Holger Kruschina, Diethard Nemmert, Miroslav Martis und Monsignore Karl Wuchterl.
Weihbischof Václav Malý
� Sudetendeutsches Priesterwerk
Ein Tscheche ist neuer Vize-Chef
Nach zwei Jahren Corona-Pause fand Anfang April im sächsischen Görlitz das traditionelle Zwischentreffen der Colloquia Ustensia der Ackermann-Gemeinde statt.
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ie 30 Teilnehmer und Freunde der jährlichen Sommerakademie in Aussig trafen sich übers Wochenende in Deutschlands östlichster Stadt. Görlitz ist nicht nur das Zentrum des kleinen Teils von Schlesien, daß westlich der Neiße liegt und deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg bei Deutschland blieb. Es ist auch Sitz der Diözese Görlitz, die aus den deutsch gebliebenen Gebieten des ehemaligen Erzbistums Breslau gebildet wurde. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt begrüßte die Gäste
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ei der Mitgliederversammlung berichtete Vorsitzender Holger Kruschina von den Veranstaltungen im vergangenen Jahr: die Urlaubswoche für Tschechische Priester in Regenstauf, der Sudetendeutsche Schwesternkongreß in Passau, das DeutschTschechische Priestertreffen in Cham und die Exerzitien für Priester und Diakone in Freising. Zu den Außenvertretungen des Priesterwerks gehöre die Mitwirkung beim Sudetendeutschen Tag sowie die Teilnahme von Beisitzer Mathias Kotonski an den Koordinierungstreffen der Sudetendeutschen Seelsorge. Er, so Kruschina, sei in die Sudetendeutsche Bundesversammlung gewählt worden. Geschäftsführer Harald Jäger teilte mit, daß das SPW 78 Mitglieder habe, acht seien 2021 verstorben. Das Spendenaufkommen sei stabil. Bei der Wahl des Vorstandes wurde Kruschina als Vorsitzender wiedergewählt. Stanislav Drobný wurde sein Stellvertreter. Damit ist erstmals ein tschechischer Priester Vize-Chef des SPW. Mathias Kotonski wurde als Beisitzer wiedergewählt. Neue Beisitzer wurden Diethard Nemmert, Markus Ruhs und Miroslav Martiš. Ehrenvorsitzender ist Monsignore Karl Wuchterl. Bei der Jahrestagung sprach Kaplan Markus Ruhs über die Studentengemeinden in der „DDR“. Dabei erinnerte er an die massive kommunistische Indoktrination der SED mit obligatem Marxismus-Leninismus-Grundstudium und an Studentenpfarrer wie Ludwig Baum oder Adolf Brockhoff. Dem Kommunismus hätten die Katholischen Studentengemeinden (KSG) ein christlich-humanistisches Grundstudium entgegengesetzt. Bekanntlich habe die Stasi alles überwacht. Bis
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1961 habe die Katholische Deut- machst das!“ 1990 bis 1991 war Sudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen sche Studentenvereinigung sich er Pfarrer in Sankt Gabriel in regelmäßig in West-Berlin ge- Prag-Smichow und bis 1996 in troffen, die „DDR“-Studenten- Sankt Antonius in Prag-Hollegemeinden seien zahlreich dabei schowitz. 1996 wurde er Weibigewesen. Nach dem Mauerbau schof in Prag. In der Tschechiseien die Treffen konspirativer schen Bischofskonferenz sitzt er geworden. Beliebt seien Urlau- der Kommission „Justitia et Pax“ be mit den westdeutschen Part- vor und verantwortet die Prienern in Ungarn gewesen. Leider sterausbildung und die Seelsorseien manche Studentenpfarrer, ge für die Tschechen im Ausland. katholische ProfessoSeine Arbeit im Horen und Studenten tel und als Klo-PutStasi-Spitzel gezer seien wichtige wesen. Erfahrungen für Aber: Als seinen Dienst der Erfurals Priester ter Bischof gewesen. Die Hugo AufArbeit für die derbeck Charta ‘77 bei der habe ihn für t e ind Männerdie Ökumene überwnzen G re wallfahrt geöffnet. im EichsEr danke I feld über die für die UnterN Heilige Kathastützung der AcJU . 6 3. B I S rina von Siena gekermann-Gemeinde predigt habe, habe die schon vor 1989. Im KomStasi am nächsten Tag nach der munismus sei die Kirche groFreundin des Bischofs, einer ge- ßen Schikanen ausgesetzt gewewissen Kathi aus Jena, gefahn- sen. Viele Priester hätten wie er det. nur im Untergrund wirken könEin besonderer Gast war der nen. Viele gute Professoren hät1950 geborene Weihbischof Vá- ten nicht unterrichten dürfen. clav Malý aus Prag. Er studierNach der Samtenen Revolutite im Priesterseminar in Leit- on und dem Ende des Kommumeritz, leistete Wehrdienst und nismus habe die Kirche die Kowurde 1976 in Prag zum Priester operation von Priestern mit dem geweiht. Anschließend konn- Staat nicht aufgearbeitet. Viele te Malý nur zwei Jahre öffent- hätten geschwiegen, nur wenige lich als Priester wirken, da er die hätten sich entschuldigt, keiner Charta ‘ 77 unterzeichnete. 1979 bei ihm. Doch er habe nun auch war er sieben Monate in Haft. mit diesen Menschen zusamDanach war er Heizer in ei- menarbeiten müssen. nem Hotel und Klo-Putzer in der Ein Meilenstein auf dem Weg Prager U-Bahn. In privaten Woh- zur Wende sei die Wallfahrt 1985 nungen feierte er Gottesdien- nach Velehrad in Mähren geweste, leitete Bibelgespräche oder sen, an der Agostino Kardinal bereitete auf Taufe und Ehe vor. Casaroli als Vertreter der Papstes Der Vorteil dieser Art von Pasto- teilgenommen habe. Drei Mänral sei, so Malý, daß es kleine Ge- ner, so Malý, hätten das Ende der meinschaften gewesen seien und kommunistischen Diktatur herer mehr Zeit für den Einzelnen beigeführt: Ronald Reagan, Migehabt habe. Das alles habe die chael Gorbatschow und Papst Stasi beobachtet, sie habe ihn Johannes Paul II. In der Tsche250 Mal verhört. choslowakei stünden drei Na1989 sei er Sprecher des Bür- men symbolhaft für die Erneuegerforums geworden. Václav Ha- rung der Gesellschaft: Alexanvel habe gesagt: „Du bist Pfar- der Dubček, Václav Havel und rer, du kannst gut sprechen, du František Kardinal Tomášek.
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Ende März fand im Schloß Fürstenried in München die Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Sudetendeutschen Priesterwerks (SPW) statt.
Nach der Wende habe sich die Kirche frei entfalten und auch in Gefängnisse und Krankenhäuser gehen können. Die Strukturen hätten erneuert werden, Diözesen errichtet und Bischöfe eingesetzt werden müssen. Auf dem Land sei in manchen Gegenden das Religiöse ganz ausgestorben. Ein Schwerpunkt liege heute in den Städten. Das II. Vaticanum sei in den Seelen mancher Katholiken nicht verankert. Manche Priester seien sehr klerikal. Die Zukunft liege in kleinen Gemeinschaften und geistlichen Zentren, nicht in großartigen Aktivitäten. Es brauche Mut, den Geist des II. Vaticanums zu entfalten, es brauche mehr Synodales im Denken der Priester und der Gläubigen. Die unmittelbare Zeit nach der Wende sei spannend, anspruchsvoll und fröhlich gewesen. Viele Erwachsene hätten sich taufen lassen. In der Arbeit mit der Charta ‘77 habe er Demokratie gelernt. Das wäre auch für die Kirche gut: Dialog, Zuhören, Aufteilen von Verantwortung. Viele Tschechen hätten Vorbehalte gegen die Kirche, sie sei fortschrittsfeindlich. Doch nehme die Zahl der Erwachsenentaufen zu, vor allem unter Studenten. Die Arbeiter würden kaum von der Kirche erreicht. Dennoch wolle die Kirche für alle da sein. Die Zahl der Priester nehme ab, vor allem in Mähren. Vielen Priestern fehle eine politische Orientierung. Sie seien anfällig für nationalistisches und antieuropäisches Gedankengut. Die Kirche sei heute eine Minderheit in der Gesellschaft, vor 1948 seien die Christen eine Mehrheit gewesen. Die Hoffnung, daß nach der Wende viele in die Kirche zurückkehrten, habe sich nicht erfüllt. Schließlich feierte der Weihbischof mit den Teilnehmern der Jahrestagung die Heilige Messe. Und zum Abschluß der Jahrestagung führte Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, durch das Sudetendeutsche Museum. si
� Ackermann-Gemeinde
Görlitz-Fans sponsern historischen Stadtkern aus ganz Deutschland und stellte ken die kleinste deutsche Diöze- land könne er auch kleine Pfarihnen seine Diözese vor. Einfüh- se. Erstaunen löste die Feststel- reien mit Priestern besetzt halrend wies er auf seine eigenen lung des Bischofs aus, daß es in ten, was dem Zusammenhalt dort böhmischen Wurzeln, und damit seiner Diözese keinen Priester- sehr zugute komme. Als weitere seine persönliche Verbundenheit mangel gebe. Im Unterschied Besonderheiten erwähnte Ipolt mit der Ackermann-Gemeinde zu den großen Seelsorge-Ge- die Integration der in großer Zahl hin. Das Bistum Görlitz ist zwar meinschaften in Westdeutsch- zuwandernden Polen und die Siflächenmäßig grötuation der sorßer als das Erzbischen Minderbistum Köln und heit. das Bistum AaSchwerpunkt chen zusammen, des Treffens war aber wegen der natürlich das dünnen BesiedKennenlernen lung und der Diavon Görlitz und spora-Situation seiner vielen Atbezogen auf die traktionen. Ihr hiZahl der Katholi- Sonntags-Gottesdienst in der Görlitzer Bischofskathedrale. storisches Gesicht
verdankt die Stadt der Tatsache, daß sie Krieg und Kommunismus relativ unbeschadet überstand, und gleich mehreren Wohltätern. Ein anonymer Sponsor ließ ihr über 21 Jahre hinweg eine Million DM – später 500 000 Euro – jährlich für Renovierungsmaßnahmen zukommen. Ein weiterer betuchter Görlitz-Liebhaber ist der Industrielle Winfried Stöcker, der das historische Kaufhaus im Stadtkern kaufte und wieder zum Leben erweckte. Der 1912 erbaute Prachtbau steht seit 2009 leer und dient als Film-Kulisse. Die traditionelle Landskron-Brauerei hat in Rolf
Lohbeck einen Liebhaber gefunden, der sie in ein touristisch attraktives Schmuckstück verwandelte. Diese baulichen Höhepunkte und weitere Attraktionen wie die berühmte Sonnenorgel in der Kirche Sankt Peter und Paul oder das Schlesische Landesmuseum lernten die Teilnehmer zu Fuß und auf der Stadtrundfahrt im romantischen „Stadtschleicher“ kennen. In den traditionellen Gaststätten Schwibbogen, Nachtschmied und Dreibeiniger Hund wurden die schlesischen Schmankerl ausgiebig getestet. Unsere tschechische Freundin und Partnerin Kristina Kaiserová machte mit einem Ausblick auf das Programm neugierig auf die nächsten Colloquia Ustensia im August in Aussig.
Neudeker Heimatbrief
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Folge 632 · 4/2022
Bärringen
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 633 (5/2022): Mittwoch, 18. Mai.
Bärringener Astrophysiker
Rudolf Kippenhahn R
Vorne sitzen Anita Donderer, Josef Grimm und Helmut Günther, hinten stehen Walter Lippert, Otto Pachmann, Gerd Pecher, Christa Eichler und Adolf Hochmuth. Bild: Christa Woppowa
Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg
Neu- und Wiederwahl Der eingetragene Verein „Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg“ führte am 25. März in AugsburgGöggingen seine turnusgemäße Neuwahl für die kommenden drei Jahre durch.
I
n der gut besuchten Jahreshauptversammlung, zu der auch die zwei am weitesten angereisten Mitglieder aus Wien zählten, berichteten die bisher Verantwortlichen über die Aktivitäten der zurückliegenden drei Jahre. Wegen der Corona-Pandemie konnte man in den Jahren 2020 und 2021 keine Versammlungen abhalten. Der Vorsitzende Josef Grimm stellte vor allem die weiter gewachsenen, freundschaftlichen Beziehungen zu einigen Heimatorten in der Tschechischen Republik in den Mittelpunkt, wie zu Neudek und zu Hochofen/ Trinksaifen. Als besonderes Beispiel nannte Grimm die ab dem Jahr 1991 von Anita Donde-
rer und Herbert Götz, den „Kindern von damals“, mit Leben erfüllte Patenschaft Göggingens/ Augsburgs zu Neudek. Im Oktober 2021 habe ein Festakt im Neudeker Kino mit der Zweiten Bürgermeisterin der Stadt Augsburg, Martina Wild, der Neudeker Bürgermeisterin Ludmila Vocelková, ihrer Stellvertreterin Pavlina Schwarzová sowie Pavel Andrš, Vorsitzender des Bürgervereins „Jde o Nejdek“ (JoN), diese 30jährige Patenschaft gefeiert. Donderers Finanzbericht war rundum positiv. Die anschließenden Neuwahlen, zügig durchgeführt von Walter Eichler, brachten folgendes einstimmiges Ergebnis: Erster Vorsitzender Josef Grimm, Zweiter Vorsitzender Helmut Günther anstelle des im Dezember 2020 verstorbenen Herbert Götz, Schriftführerin und Kassiererin Anita Donderer, Beisitzer Christa Eichler, Gerd Pecher, Adolf Hochmuth, Roland Grimm (zuständig für die Webseite der Heimatgruppe)
der-Universität im mittelfränkischen Erlangen Mathematik. Dabei war sein persönlicher Favorit eigentlich Physik gewesen. 1951 promovierte er dort in Mathematik mit „Der Wertevorrat einer Matrix“. In Erlangen gab es damals keine Astronomie-Vorlesungen,
Institut für Astrophysik und 1965 bis 1975 arbeitet er als Professor für Astronomie und Astrophysik in Göttingen und an der dortigen udolf Kippenhahn wurde am Universitäts-Sternwarte. 24. Mai 1926 in Bärringen geNeben seiner Tätigkeit als boren. Im Alter von zwei Jahren Wissenschaftler und Hochschulerkrankte er an Kinderlähmung lehrer engagierte sich Kippenund war seither gesundheitlich hahn auch früh und mit großer eingeschränkt. Nach den Freude bei der Wissensersten Schuljahren in Bärvermittlung an die interesringen wechselte er auf sierte Öffentlichkeit. Dies das Gymnasium, welches belegen nicht zuletzt die 30 Kilometer von seinem lange Liste der von ihm Heimatort entfernt war. So verfaßten populärwissenmußte er im dortigen Interschaftlichen Bücher und nat wohnen, was ihm, geZeitschriftenartikel sowie trennt von seinen Eltern, seine zahlreichen Radioinnicht leicht fiel. terviews, FernsehsendunFür seinen Vater hatte gen und Vorträge. Er war Rudolfs Ausbildung Priorials unterhaltsamer und hutät. Wenn er zu den Ferien morvoller Redner bekannt, heim nach Bärringen kam, Professor Dr. Rudolf Kippenhahn 2005 in Görlitz. was seine Studenten bei war die erste Frage: „Wie den Vorlesungen sehr zu geht es in der Schule?“ Erst da- so daß er sich autodidaktisch schätzen wußten. nach kamen andere Fragen wie auf diesem Gebiet weiterbildeEine sich anschließende andie nach seiner Gesundheit. te. 1951 bis 1957 führte ihn sei- spruchsvolle Tätigkeit war der Mathematik, Physik und Che- ne erste Anstellung als Assistent Direktorsposten beim Maxmie waren seine Lieblingsfächer. an die Bamberger Karl-Remeis- Planck-Institut für Astrophysik Den ersten Kontakt zur Astrono- Sternwarte, der damals kleinsten in München von 1975 bis 1991. mie hatte Kippenhahn bereits mit Sternwarte Deutschlands. 1958 Unter seiner Leitung zog das Insechs Jahren. Wenn man damals habilitierte Kippenhahn in Erlan- stitut 1979 nach Garching um. die Schuhcreme einer bestimm- gen mit „Untersuchungen über Mit Erreichen des Pensionsten Marke kaufte, bekam man ei- rotierende Sterne“ und ging an alters 1991 setzte er sich nicht nen Lehrbogen als Geschenk da- das Max-Planck-Institut für Phy- zur Ruhe, sondern war als freier zu. Rudolf Kippenhahn erhielt sik ins niedersächsische Göttin- Schriftsteller in Göttingen tätig. einen über Astronomie, der sein gen, mit dem er im gleichen Jahr Er veröffentlichte zahlreiche ergesamtes berufliches Leben prä- nach München umzog. folgreiche populärwissenschaftgen sollte. Ebenfalls 1958 veröffentlich- liche Bücher über Astronomie Bereits während seiner Schul- te er mit Stefan Temesváry und und andere Themen wie Krypzeit interessierte er sich intensiv Ludwig Biermann eine wegwei- tologie und Atomphysik sowie für Astronomie und absolvierte sende Arbeit über die Sternent- auch ein Buch über Astronomie drei Jahre lang ein Ferienprak- wicklung. Ende der 1950er Jah- für Kinder, wozu ihn seine Enkel tikum an der Sternwarte in Son- re und in den 1960er Jahren war animiert hatten. neberg unter Leitung des Astro- er ein Pionier in der ComputerVon Kippenhahn stammt der noms und Geophysikers Cuno simulation von Sternaufbau und berühmte astrologiekritische Hoffmeister (1892–1968). Sein Sternentwicklung. Das nach Ausspruch „Die Sterne lügen Abitur legte er noch während des ihm benannte Kippenhahn-Dia- nicht – sie schweigen“. Zweiten Weltkrieges ab. Wegen gramm erlaubt eine übersichtliRudolf Kippenhahn starb am seiner Erkrankung zog ihn die che Darstellung zentraler Ergeb- 15. November 2020 im Alter von Wehrmacht nicht ein. nisse von Sternsimulationen. 94 Jahren nach einem erfüllten Nach dem Abitur studierte er 1963 wurde er wissenschaftli- Leben im niedersächsischen Götab 1945 an der Friedrich-Alexan- cher Mitarbeiter am Max-Planck- tingen.
Ulrich Möckel berichtet über den Bärringer Astrophysiker Rudolf Kippenhahn.
und Peter Faas, Revision Walter Lippert und Otto Pachmann. Abschließend führte Grimm den neuen Film über den Neudeker Missionar und Maler am chinesischen Kaiserhof vor: „Ignaz Sichelbarth, 1708–1780, Sein Leben und Werk“ von Miroslav Holeček und Professor Erich Zettl. Grimm nannte als Vorhaben in diesem Jahr die Beteiligung der Heimatgruppe „Glück auf“ an der im Juni geplanten Gedenkfeier „50 Jahre Eingemeindung der Stadt Göggingen in die Stadt Augsburg“. Durch diese Eingemeindung ging auch die im Jahr 1954 von der damaligen Marktgemeinde Göggingen ausgesprochene Patenschaft über die Heimatvertriebenen aus der Stadt und dem Landkreis Neudek auf die Stadt Augsburg über. Im September ist wieder eine Busfahrt nach Neudek geplant. Erfreulicherweise konnte die Heimatgruppe den Zugang von drei neuen Mitgliedern verzeichnen. fm
Freust Du Dich auf den Sommer?
Ich lebe im Erzgebirge!
Oh, dort gibt es keinen Sommer.
WIR GRATULIEREN Den treuen Beziehern des Neudeker Heimatbriefs, die vom 29. April bis 26. Mai Geburtstag haben, wünschen wir von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit:
Neuhammer. Erika Wilch/Fleischer, Treburer Straße 13, 65451 Kelsterbach, 16. Mai 1941. Heimatort unbekannt. Ulrich Möckel, Am
Birkenwald 8, 09468 Tannenberg, 3. Mai 1964.
F
rühbuß liegt zwar auf einer Höhe von 886 Metern im Westerzgebirge an einer Hochfläche am Erzgebirgskamm. Bis zu diesem sind es nach Norden sechs Kilometer. Dennoch weicht auch hier langsam der Winter und macht Bild: Antonín Futera den ersten Sonnenstrahlen Platz.
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Die Papierfabrik Naundorf um 1900.
Das Restaurant am Wölfling.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
Bilder (3): Michal Urban
� Salmthal
Ein Dorf mit Tradition in der Papierherstellung Salmthal, früher Salomonthal genannt, liegt auf einer Höhe von 705 Metern. Der Ort wurde spätestens im 16. Jahrhundert gegründet. Pavel Anderš berichtet in „Krušnohorský Herzgebirge Luft“ über ihn.
S
wurde die Produktion auf Verpackungen ausgeweitet, welche vor allem Lebensmittel- und Schokoladenfabriken verwendeten. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts wurden einige der ursprünglichen Papierherstellungsgeräte in der Fabrik aufbewahrt, zum Beispiel eine Kartonmaschine von Carl Krafft & Söhne aus Düren im Rheinland oder eine Bierdeckelschneidemaschine. Gegenwärtig ist die Papierfabrik noch in Betrieb. Auf dem Gelände, auf dem sich zuvor ein Hammerwerk und eine Werkzeugschmiede befunden hatten, arbeitete ab dem Jahr 1872 das Sägewerk von Eduard
almthal war, dank des Reichtums an Wasserkraft und Holz, für die Verarbeitung und Verhüttung von Erzen, die man weiter oben im Gebirge abbaute, geeignet. Bereits 1576 ist dort ein Hammerwerk der damaligen Besitzerin der Schlackenwerther Herrschaft, Gräfin Schlik, dokumentiert. Schlackenhalden sind noch heute entlang des Flusses Wistritz zu sehen. In späterer Zeit wurden dort mehrere Mühlen, Sägewerke und Papierfabriken gebaut. Im Laufe der Zeit befanden sich dort mindestens acht mit Wasserrädern betriebene Anlagen. Zu den größeren Fabriken gehörte vor allem die Papierfabrik im unteren Teil von Salmthal mit der Haus-Nr. 48. Dort befand sich ursprünglich ein mit Wasserkraft betriebenes Sägewerk, neben dem 1870 eine zweistöckige Papierfabrik errichtet wurde. Dort wurde weißer Karton hergestellt und erfolgreich nach Groß- Salmthal auf einer Postkarte von 1910. britannien exportiert. Später wurde die Papierfabrik und Nathalie Beyreuther. Bis zu ein Zweig der Druckerei Franz Eduard Beyreuthers Tod belieStrobachs, welcher dort 1917 die ferte das Unternehmen das exProduktion von Bierdeckeln aus pandierende Karlsbad mit BauPappe einführte. Nach und nach holz.
Salmthal 1921.
Ab 1888 war dort eine Papierfabrik in Betrieb, die braunen und weißen Zellstoff sowie Kofferpappe herstellte. 1895 ging das Unternehmen in den Besitz von Ernst Naundorf aus Zwickau in Sachsen über. Die Anlage wurde mit der Einführung des Dampfbetriebs und des ersten mechanischen Heißlufttrockners modernisiert. 1920 kauften die Troppauer Unternehmer Sigmund und Gottfried Mandl die Fabrik. Sie bauten die Fabrik mit neuen Maschinen zum Zerkleinern von Lumpen und zur Auflösung von Altpapier weiter aus und erweiterten den Maschinenraum um eine 500 PS starke Peltonturbine. Drei Jahre später wurde ein
vollmechanisierter Hängetrockner in Betrieb genommen und eine neue Kartonieranlage gebaut. Im Jahr 1926 fanden mehr als 80 Personen in der Papierfa-
Bild: Rupert Fuchs
brik Arbeit, und in Prag wurde eine Verkaufsfirma namens Kartonia eröffnet. Nach der Arisierung, der Zwangsübertragung von jüdischem Eigentum an nichtjüdische Eigentümer, im Jahr 1939 ging das Unternehmen in den Besitz von Hans und Marie Kreibich über und wurde nach 1948 in die Westböhmischen Papierfabriken in Pilsen eingegliedert. Georg Thomas Mandl erwarb die an der Gemarkungsgrenze von Merkelsgrün und Salmthal gelegene Fabrik im Jahr 1995 zurück und führte die Papierproduktion fort. Die Aktiengesellschaft G. T.Mandl produziert nun eine breite Palette von Krep�papier aus recycelten Rohstoffen: Recycling-Kreppapier in naturbraun oder in grün und grau). Karl Heinrich Klug gründete 1872 im oberen Teil von Salmthal am Zusammenfluß von Roter und Weißer Wistritz eine weitere Papierfabrik für die Herstellung weißen Kartons. Im Jahr 1880 stattete er die ursprüngliche Mühle mit einer horizontalen Francis-Turbine aus. Die Papierfabrik bestand ebenfalls aus einem zweistöckigen Hauptgebäude mit einem unregelmäßigen T-förmigen Grundriß. Gegenüber der Papierfabrik befand sich die Ausstellungsvilla des Besitzers mit der Haus-Nr. 6, welche 1970 abgerissen wurde. Die Papierher-
Der obere Teil von Salmthal um 1935.
stellung wurde dort 1972 einge- desinneren wurden angesiedelt. stellt. Trotzdem hat sich die BevölkeDas kleine Wasserkraftwerk, rung im Vergleich zur Vorkriegsdas mit einer 35-Kilowatt-Fran- zeit halbiert. cis-Turbine von 1927 ausgestatDie unabhängige Gemeintet ist, wurde 1990 wiede Salmthal bestand bis der in Betrieb ge1960, als sie mit der nommen. Ebenso Gemeinde Merist ein einzigartikelsgrün zusamger Staudamm mengelegt wurvon 1880 noch de. Die Grundin Betrieb. Das schule für die Gebäude auf Klassen Eins dem Gelänbis Fünf wurde der ehemade in den ligen Papier1960er Jahren fabrik mit der abgeschafft. Zu Haus-Nr. 39 wurSalmthal gehörte de daher 2001 auch die kleiunter Denk- Ein Bierdeckel der Firma Strobach ne Siedlung malschutz ge- nach 1945. Wölfling unstellt. Das Geter dem Hübäude wird heute für die Be- gel Wölfling. Diese Siedlung gutachtung und Reparatur von bestand bis zum Anfang des defekten Kraftfahrzeugen ge- 20. Jahrhunderts aus neun Häunutzt. sern, von denen die meisten 1905 Für den Betrieb der Holzverar- beim Bau einer Wasserleitung beitungsanlagen war eine regel- für das Dorf, abgerissen wurden. mäßige Versorgung mit Holz aus Von den verbliebenen Gebäuden den umliegenden Wäldern erfor- ist nur noch der Torso des ehederlich. Ein System aus Wegen maligen Bauernhauses der toskaauf verschiedenen Höhenstufen nischen Großherzöge erhalten. wurde für den Transport aus dem Salmthal erlebt derzeit einen schwer zugänglichen Wölfling- touristischen Aufschwung im ZuMassiv angelegt. sammenhang mit dem neu erIn Salmthal wurde der erzge- richteten Skigebiet Pleßberg, birgische Dialekt gesprochen welches über eine Seilbahn von – anders als in Merkelsgrün, Salmthal aus zu erreichen ist. wo der Egerländer Dialekt vorSalmthal umfaßt eine Fläche herrschte. Von 1910 bis 1949 bil- von 12,95 Quadratkilometern. dete die Grenze zwischen Salm- Am 1. Dezember 1930 gab es insthal und Merkelsgrün auch die gesamt 424 Einwohner. Die bisLandkreisgrenze. Salmthal ge- her höchste Einwohnerzahl gab hörte zum Kreis Neudek, wäh- es im Jahr 1900, dokumentiert rend Merkelsgrün zum Kreis mit 456 Einwohnern und 60 HäuSankt Joachimsthal gehörte. sern. Im Jahr 2011 waren 47 HäuNach dem Zweiten Weltkrieg ser dauerhaft bewohnt, wobei die wurde der größte Teil der lokalen Einwohnerzahl bei insgesamt Bevölkerung ersetzt. Die deut- 136 Personen lag. sche Bevölkerung wurde vertrieben und Tschechen aus dem Lan Übersetzt von Josef Grimm
Reicenberger Zeitung
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Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Die Gruft im Jahr 2004 …
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
Kreis Friedland
Kreis Gablonz
… und im Jahr 2022.
Bilder: Stanislav Beran
� Friedland
Die Gruft von Reinhold Feix und Julius Helbig Auf dem Friedhof in Friedland, der am 16. Oktober 1878 eingeweiht wurde, fanden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges deutsche Bewohner der Stadt ihre letzte Ruhestätte. Stanislav Beran berichtet.
D
ie Größe des Friedhofs ist bemerkenswert, ebenso sein Aussehen. Außergewöhnlich ist die Zahl der einst prächtigen historischen Gruften der ehemaligen deutschen Bewohner: mehr als 100. Noch heute befinden sich die meisten an der Friedhofsmauer. Die deutschen Inschriften erzählen die Geschichten von Bürgermeistern, Fabrikanten, Müllern, Ärzten, Rechtsanwälten und anderen Friedländer Persönlichkeiten. Zu ihnen gehören Julius Kraus (1870–1917), Franz Mauermann (1831–1887), Josef Kubasta (1885–1916), Josef F. Schicketanz (1845–1918), Gräflicher Baurat Wilhelm Hecke (1828–1910), Johann Schlesinger (1819–1892), Viktor Lenk (1851–1919) und Bezirksobmann Heinrich Ehrlich (1876– 1921), Bürgermeister Josef Adler (1811–1890), Papierfabrikant Franz Fiala (1846–1915), Altbürgermeister Johann Kraus (1831– 1902) oder Bürgermeister Anton J. Aigner (1844–1912). In einigen Gräbern liegen die Toten aus deutsch-tschechischen Ehen. Das Schicksal der deutschen Friedländer nach der Vertreibung nahm meistens in Deutschland seinen Lauf. Das beeinflußte auch den Friedhof. Ein Großteil der Gruften und Gräber befindet sich heute in einem katastrophalen Zustand. Einige Gruften verschwanden oder fielen neuen Ruhestätten zum Opfer. Und das, obwohl sich die Tschechen im Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik (ČSFR) über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, den sie vor 30 Jahren am 27. Februar 1992 mit Deutschland schlossen, zur ordnungsgemäßen Pflege der deutschen Gräber verpflichteten. Für die ČSFR unterzeichnete Außenminister Jiří Dienstbier den Vertrag, für die Bundesrepublik Deutschland tat dies Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Für
viele Rathäuser in Böhmen und schen Schulvereins. Er war ein Mähren ist dieser Vertrag jedoch treuer Angehöriger mehrerer Ornur ein Stück Papier. ganisationen und stellte noch Zu den Persönlichkeiten auf in seinen letzten Jahren als Ehdem Friedhof in Friedland gehö- renobmann des Vereines deutren auch Reinhold Feix (1851– scher staatlicher Ruheständ1936) und Julius Helbig (1834– ler für den Bezirk Friedland sei1912). ne Arbeitskraft in den Dienst der Reinhold Feix kam am 2. Sep- Allgemeinheit. tember 1851 in Morchenstern Seine beiden Söhne waren Otim Isergebirge im Bezirk Ga- to Feix, Professor an der Staatsblonz zur Welt. Nach der Realschule in Reichenberg machte er eine Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Leitmeritz. Am 1. Juni 1869 trat er als Lehrer in Schumburg in Von einer deutschen Gruft gefalden Schuldienst, dann lenes Kreuz im April 2022. wirkte er in Morchenstern und Reichenau. Am 1. Februar 1872 kam er nach Friedland. Die Stadt lehrerbildungsanstalt in Kowurde zu seiner zweiten Hei- motau, früher in Mies, und mat. 45 Jahre lang wirkte er hier Reinhold Feix, Ingenieur der Auals Jugenderzieher. Die einzige tobahn in Dresden. Seine älteUnterbrechung war sein Militär- re Tochter lebte in Graz und war dienst, den er fünf Jahre und acht mit einem Apotheker verheiraMonate lang bei den Infanterie- tet. Seine jüngere Tochter war regimentern 36 und 74 „treu und die Frau des akademischen Maredlich“, wie es im Militärjargon lers Josef Pfeiffer-Fried (1884– heißt, leistete. Am 1. August 1897 1959). wurde er Oberlehrer. Zuletzt leiReinhold Feix starb nach läntete er die Knaben- und Mäd- gerer Krankheit am 29. Januar chenvolksschule in Friedland als 1936 im 85. Lebensjahr in FriedDirektor. land. Sein Arzt war Heinrich PluEine Reihe Anerkennungen mert. „Mit Herrn Feix hat uns seiner vorgesetzten Behörde einer der ältesten Schulfachzeugt von seinem Können und männer der Gegend und ein allseiner Pflichttreue als Pädagoge. gemein geachteter und vielfach 1911 verlieh ihm das Ministeri- verdienter Mann verlassen“, hieß um für Kultus und Unterricht in es damals in der Lokalpresse. Anerkennung seiner großen VerWeiter hieß es: „Der Verstordienste den Direktortitel. Diese bene wurde am Samstag, 1. FeAuszeichnung wurde damals nur bruar 1936 um 15.30 Uhr im Trauwenigen Oberlehrern zuteilt. Am erhaus, Turnergasse 687 [heute 31. August 1917 trat er in den Ru- Tyršova 687] eingesegnet. Nachhestand. Außer seiner Tätigkeit her fand er in der Familiengruft als Lehrer erwarb sich Feix be- auf dem städtischen Friedhof seisondere Verdienste um das mu- ne letzte Ruhestätte. Zwei Tasikalische Leben der Stadt Fried- ge später, am Montag, 3. Februland. ar, fand in der Dekanalkirche der Reinhold Feix war bis 1897 Trauergottesdienst statt.“ Heute Chordirigent der katholischen ist die Gruft von Reinhold Feix in Dekanalkirche und betätigte sich einem sehr schlechten Zustand. im Deutschen Gesangverein. In In der selben Familiengruft diesem hatte er als Chormeister liegt auch der Historiker Julides Friedländer Männergesang- us Helbig. Er starb am 24. März vereins und dessen Damenchors 1912 in seinem 80. Lebensjahr an die musikalische Leitung inne. Herzlähmung. Die zeitgenössiDer Verein ernannte ihn in Wür- sche Lokalpresse: „Mit ihm verdigung seiner Leistungen zum ließ uns einer der bekanntesten Ehrenchormeister des Friedlän- Historiker Nordböhmens, der der Gesangvereines. Feix war sich in seiner Heimatstadt Friedauch aktives Mitglied des Deut- land besondere Verdienste um schen Turnvereins und des Deut- das öffentliche Wohl erwarb.“
Julius Helbig kam am 12. April 1831 in Friedland als Sohn eines Arztes zur Welt. Er besuchte die Schule in Friedland und später das Gymnasium in Prag. Gerne hätte er studiert, aber auf Wunsch seiner Eltern ergriff er einen praktischen Beruf und trat als Assistent beim Steueramt in Friedland ein, wo er mehrere Jahre tätig war. Zu Beginn der 1860er Jahre verließ er das Steueramt und wurde Geschäftsführer der Firma Franz Jannasch, Buchhandlung und Buchdruckerei in Friedland, zu deren Gesellschafter er 1881 avancierte. Schon vorher war er Zeitungsherausgeber geworden. Julius Helbig hatte zwei Töchter mit seiner ersten Frau Mathilde. Die erste Tochter Mathilde heiratete den Töpfer Rasch und die zweite Tochter Anna wurde die Frau des Lehrers Reinhold Feix. Tochter Anna starb 1906. Nach dem Tod der ersten Frau im Jahr 1892 heiratete Julius Helbig die Witwe Rosa Hübner, geborene Hofmann aus Reichenberg. Als Inhaber einer Druckerei hatte er sehr gute Bedingungen für die Veröffentlichung seiner Werke auf dem Gebiet der Geschichte. Sein ganzes Leben lang widmete er sich der Erforschung der Vergangenheit der Region Friedland und brachte eine Reihe von Büchern heraus, von denen einige zum Bestand der damaligen Bibliothek des städtischen Museums in Friedland gehörten. Die Wurzeln der Familie Helbig reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Sein Urgroßvater Gottfried war Bauer in Heinersdorf an der Tafelfichte. Sein Großvater Florian Helbig (1747–1840) lebte ebenfalls in Heinersdorf an der Tafelfichte. Sein Vater Josef wurde in Weißbach geboren und war Magister der Chirurgie in Friedland. Er starb 1851. Seine Mutter Anna Marie, geborene Preisler, kam in Haindorf zur Welt und starb 1876. Julius Helbig hatte eine Schwester, Mathilde (1820– 1882), die mit dem Magister der Medizin Karl Dittrich verheiratet war. Josef Helbig ist es zu verdanken, daß 1885 das Wochenblatt
für Stadt und Land unter dem Titel „Sonntagsglocken“ herausgegeben wurde, das seit dem 3. Februar 1886 als „Friedländer Wochenblatt“ erschien und politisch liberal war. 1885 verkaufte er die Druckerei und die Zeitung, die am 2. Juli 1895 den Titel „Deutschösterreichischer Grenzbote“ annahm, später aber wieder den ursprünglichen Namen führte. In den Jahren 1851 bis 1853 gab Julius Helbig die „Friedlandia“, eine belletristische Zeitschrift, heraus, in der Beiträge namhafter Schriftsteller veröffentlicht wurden. Bald wurde er der verläßlichste Darsteller nicht nur der Geschichte Friedlands, sondern des ganzen bis an die sächsische Grenze und in die Nachbarländer hineinreichenden ehemaligen Friedländer Herrschaftsgebietes. Zu seinen bekanntesten Büchern, in denen er die örtliche Geschichte beschreibt, gehörten „Geschichte der Kirche und des Klosters in Haindorf“ von 1894 und das Buch „Beiträge zur Geschichte von Stadt und Bezirk Friedland“ von 1895. Sein letztes Werk, das er mit fieberhaftem Fleiß ein Jahr vor seinem Tod vollendete, als ob er bereits die Nähe seines Todes geahnt hätte, waren die „Urkundlichen Beiträge zur Geschichte der Edlen Herren von Biberstein“. Diese gab er aus dem Nachlaß des preußischen Generalmajors Rogalla von Bieberstein für den Verein für Heimatkunde heraus, der eine Fundgrube für historische Daten der Heimatgeschichte ist. Seine handschriftlichen Sammlungen umfassen mehrere
Julius Helbig ist Pate fast aller städtischer Unternehmungen dicke Bücher und sind ein Zeugnis seines Fleißes. Bei einem so ausgesprochenen Heimatgefühl war Julius Helbig in jüngeren Jahren natürlich auch ein eifriger Kommunalpolitiker. Er hatte bei fast allen städtischen Unternehmungen in Friedland Pate gestanden. Seiner Anregung ist auch die Errichtung der städtischen Sparkasse zu verdanken, die die Entwicklung der Gemeinde in hervorragender Weise förderte. Es gab kaum einen gemeinnützigen Verein in
Friedland, der nicht in irgendeiner Weise mit dem Namen Helbig verknüpft gewesen wäre. Seine wissenschaftlichen Artikel wurden in den Mitteilungen des Vereines für Heimatkunde des Jeschken-Iser-Gaues veröffentlicht. 1907 wurde er für seine Verdienste um die Geschichte seiner Heimat mit der Ehrenmitgliedschaft im Verein für Heimatkunde des JeschkenIser-Gaues, dessen erster Obmann Julius Helbig war, ausgezeichnet. Die Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz ernannte ihn zu ihrem korrespondierenden Mitglied. Erwähnenswert ist seine verdienstvolle Gründung einer Stiftung, die Lithographien historischer Gebäude von Friedland herausgab. Aus dem Erlös des Verkaufs und den Beiträgen anderer Sponsoren wurde in Friedland das Krankenhaus gebaut, das am 24. Oktober 1902 seinen Betrieb aufnahm. Das Haus in der Elisabeth-Gasse 770, in dem Julius Helbig wohnte, steht noch heute (Mládeže 770). Die Stadt Friedland hat die Verdienste und unermüdliche Forschertätigkeit des Geschichtsschreibers der Stadt und des ehemaligen Buchdruckereibesitzers Julius Helbig durch die höchste Ehre belohnt, die sie zu vergeben hatte. Sie ernannte Julius Helbig bei der Stadtratssitzung im Rathaus am 12. Juli 1905 zum Ehrenbürger und benannte noch zu seinen Lebzeiten eine Straße nach ihm. Mit der Ernennung zum Ehrenbürger wurden seine Verdienste um die sozialen Belange der Stadt und der heimatgeschichtlichen Forschung gewürdigt. So prunklos sein äußeres Leben verlief, weil ihn die größte Bescheidenheit zierte, so lebendig wird das Andenken an Julius Helbig fortleben, der sein ganzes Leben der Arbeit für seine Heimat opferte. Von einer hochgradigen Augenschwäche heimgesucht und von einem Herzleiden gefoltert, lebte er in größter Zurückgezogenheit und widmete sich bis in seine letzten Tage geduldig nur seinen historischen Forschungen. Am 26. März 1912 wurde er im Trauerhaus Elisabeth-Gasse 770 eingesegnet und anschließend auf dem Friedländer Friedhof beerdigt.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
REICHENBERGER ZEITUNG
17 Kunnersdorf bei Friedland
Sammeln für die Kirchturmuhr Seit mehr als zwei Jahren wird in Kunnersdorf bei Friedland Geld für die Restaurierung der historischen Turmuhr der Allerheiligenkirche gesammelt, die das Dorf mit rund 400 Einwohnern prägt. Die Gemeinde hat zu diesem Zweck eine öffentliche Sammlung mit einem Konto eingerichtet, auf dem das Guthaben zwar langsam, aber stetig wächst. Es wird noch einige Zeit dauern, bis es sich angesammelt hat. Stanislav Beran berichtet.
D
Zum 80. Geburtstag von Frank Elstner strahlt die ARD eine Überraschungsshow aus, in der Thomas Gottschalk, Jean-Claude Juncker, Michelle Hunziker, Anke Engelke, Günther Jauch, Jan Böhmermann und Barbara Schöneberger Elstner Fragen stellen.
Ein Showlegende mit Wurzeln in Reichenberg feiert 80. Geburtstag
Frank Elstner überlebte den Brünner Todesmarsch to der 1941 in Brünn uraufge- wollte er Theologie, dann Thea- ben, ging er zum RTL-Fernsehen führten Operette „Barbara“ von terwissenschaft studieren. Doch und machte die deutsche VersiGuido Masanetz (1914–2015). er hatte das Markgraf-Ludwig- on der Quizsendung „Jeopardy“. Masanetz war ein Musikdirek- Gymnasium in Baden-Baden oh- Darüber hinaus moderierte er in tor, Komponist und Kapellmei- ne Abitur verlassen. 1964 traf er den 1990er Jahren „Aber Hallo“ ster, der aus Friedeck in Öster- Gislind Milligan, mit der er als bei RTL. In seiner Firma Elstnerreichisch-Schlesien stammte und Kind beim Südwestfunk gearbei- tainment entwickelte er Formate 2007 den Sudetendeutschen Kul- tet hatte und die nun Spreche- für öffentlich-rechtliche und priturpreis für Musik erhielt. rin bei Radio Luxemburg war. vate Fernsehsender. 1943 entdeckten die Elst- Sie erzählte, daß dort eine SpreIn letzter Zeit arbeitete Elstners den jungen, damals 16jäh- cherstelle frei sei. Und so landete ner vorwiegend für den Südwestrigen Brünner Schauspieler rundfunk, in dessen drittem m 17. April, also zwei Tage Lutz Jahoda (* 18. Juni 1927 in Fernsehprogramm er bis Okvor Frank Elstners Geburts- Brünn) und förderten ihn. In tober 2015 die Samstagabendtag, veröffentlichte die öster- der „DDR“ machte er als OpeTalkshow „Menschen der Woreichische „Kronen-Zeitung“ ein rettenbuffo, Schauspieler und che“ moderierte. 2002 bis 2009 Interview von „Kronen“-Redak- Entertainer Karriere. Später präsentierte er „Verstehen Sie teur Reinhard Waldenberger mit nannte man ihn Peter AlexanSpaß?“ im ARD-Programm Elstner. Dort lesen wir: „,Gerade der der „DDR“. Elstner lehrte „Das Erste“. Außerdem modurch die schrecklichen Ereignis- Jahoda, verschaffte ihm Engaderierte er bis Anfang 2005 se in der Ukraine werde ich wie- gements und unterschrieb bis die Show „Einfach Millionär“ der an den Krieg erinnert.‘ Elst- zu dessen Volljährigkeit desder ARD-Fernsehlotterie „Ein ner lehnt sich zurück, wird ernst, sen Theaterverträge. Platz an der Sonne“ und verseine Stimme leiser: ,Ich war mit Gegen Kriegsende kam kündete bis Mai 2011 sonnmeiner Mutter 1945 beim Todes- Elstner in ein Lazarett der Rotagabends die Gewinner der marsch von Brünn, wo meine El- ten Armee in Preßburg, wo ARD-Fernsehlotterie. tern Schauspieler waren, nach er Jahoda wieder traf. Nach 2006 bis 2008 präsentierWien dabei. Ich war erst drei- dem Krieg fanden Elstner und Frank Elstner mit Ehefrau Britta auf der te Frank Elstner im Südwesteinhalb, kann mich aber noch an seine Familie zunächst mit Verleihung des Deutschen Medienpreises Fernsehen die Quiz-Show den Fußmarsch erinnern. 6000 Jahoda Aufnahme bei einer 2016 im Mai 2017 in Baden-Baden. „Die Besten im Südwesten“. Bild: Rolf Kickuth Außerdem moderierte er mit Menschen sind vor Hunger, Er- Tante Jahodas in Wien. Weischöpfung gestorben. Mein Va- terhin unterstützte er Jahoda dem Wissenschaftsjournater war in Gefangenschaft.‘“ wie einen Ziehsohn. Elstner statt auf der Kanzel oder listen Ranga Yogeshwar in der Frank Elstner heißt eigentlich Ab 1947/48 war Erich Elstner der Theaterbühne in der Unter- ARD „Die große Show der NaTimm Franz Maria Elstner. Zur Schauspieler, Sänger und Re- haltungsbranche. turwunder“. Für die ARD-FernWelt kam er in Linz, der Haupt- gisseur in Berlin. 1947 spielte er Reinhard Waldenberger: sehlotterie moderierte er bis Enstadt von Oberösterreich. Sei- am Metropoltheater neben Son- „Weil es bei Radio Luxemburg de 2011 auch „Das unglaubliche ne Eltern waren der Schauspie- ja Ziemann eine Hauptrolle in Star-Moderator Tom gab, wollte Quiz der Tiere“. 2009 präsentierler und Regisseur Erich Elstner der Uraufführung der Operette der Programmchef keinen Timm te er die im Rahmen einer Presseund die Schauspielerin und Tän- „Nächte in Shanghai“ von Fried- mehr dazu haben. ,Wir einig- konferenz abgehaltene Preisverzerin Hilde Engel-Elstner, die vor rich Schröder. In den frühen ten uns auf Frank, so hieß mein leihung der Goldenen Kamera. dem Zweiten Weltkrieg in Brünn 1950er Jahren zogen die Elstners Bruder‘, sagte Elstner. Und dann Anläßlich des Eurovision Song spielten. 1942 inszenierte Erich nach Baden-Baden, wo Erich frei- wird er wehmütig. ,Der Tod mei- Contests 2011 führte er durch eiElstner eine Operette am Lin- er Mitarbeiter des Südwestfunks ner Mutter hat mich sehr getrof- ne Folge der Show für Deutschzer Landestheater, wo ihn seine wurde. Er übernahm einige Film- fen. Ich war 22, sie starb an ei- land im Abendprogramm der hochschwangere Frau Hilde be- rollen und wirkte bei Hörspiel- nem Schlaganfall. Sie hätte sich ARD. 2014 war er Gastschausuchte. Unerwartet kamen die produktionen des SWR, darunter so gefreut, daß aus ihrem Jungen spieler in dem Musikvideo zu Wehen, und in der Linzer Lan- Maigret-Hörspiele, mit. Er starb etwas geworden ist. Das schö- „Traum“ des Rappers Cro. desklinik kam ihr Sohn zur Welt. am 10. Februar 1972. ne Sprechen habe ich von ihr geElstner war 2012 Mitglied der Elstners Eltern waren keiHilde Engel-Elstner kam am lernt. Schon mit acht Jahren war 15. Bundesversammlung, die ne Brünner. Sein Vater kam am 12. Dezember 1908 in einer groß- ich im Kinderfunk die Stimme in Joachim Gauck zum Bundespräbürgerlichen Fa- Walt Disneys »Bambi«.‘“ sidenten wählte. Seit April 2019 milie in Berlin Zu Elstners populärsten Sen- moderiert er die YouTube-Show zur Welt. An- dungen gehörten die „Hitpara- „Wetten, das war‘s“, in der er fangs trat sie als de“, „Die großen 8“ und „Lu- Prominente interviewt. 2020 zog Solistin auch in xemburger Funkkantine“. Gerd die Talkshow zu Netflix um. Paris auf. Nach Bacher vom ORF holte ihn als Elstner ist Vater von fünf Kindem Krieg ar- Berater für den Aufbau von Ö 3 dern, Ehemann von Britta Gessler beitete sie als nach Wien. und lebt nach 40 Jahren LuxemSchauspielerin, Seine Fernsehkarriere begann burg wieder in Baden-Baden. Vor Schauspiellehre- mit „Schlag nach im Grundge- sechs Jahren diagnostizierten rin und Ballett- setz! – Geschichten aus Adorf“ die Ärzte bei ihm Parkinson. 2019 meisterin wieder (1964–1968). In dem Quiz trat machte er seine Erkrankung öfin Berlin. Hier er auch als Schauspieler auf. Be- fentlich. Seit 2020 unterstützt er unterrichtete sie kannt wurde er mit „Spiel oh- die Parkinson-Stiftung. Mit dem Lutz Jahoda wei- ne Grenzen“. In den 1970er Jah- Stiftungsvorsitzenden und Meter. In Baden-Ba- ren folgten „Die Montagsmaler“. diziner Jens Volkmann schrieb den war sie An- 1981 erfand Elstner „Wetten, er das Buch „Dann zitter ich halt. sagerin und Hör- daß“, bis heute eine der erfolg- Leben trotz Parkinson“, das ein Im Februar 2014 brillierte der 99 jährige Guido Masa- spielsprecherin reichsten Fernsehshows in Euro- Spiegel-Bestseller wurde. netz in der Tschechischen Botschaft in Berlin ( SdZ beim Südwest- pa. Er moderierte sie bis 1987 insSeine Lebensbilanz, die er in 7/2014). Bild: Ulrich Miksch funk. Auch in gesamt 39 Mal. der „Kronen-Zeitung“ zieht: „Es Film- und FernFür das ZDF entwickelte er war wirklich ein schönes Leben. 25. Februar 1910 in Reichenberg sehproduktionen des Südwest- weitere Showformate. Für die Ich hoffe, daß es das Leben und zur Welt. In Brünn war er zu- funks wirkte sie mit. Sie starb am Fernsehsendung „Die stillen der liebe Gott noch ein bißchen nächst Schauspieler und Ope- 4. Juli 1965. Stars“ interviewte er 138 Nobel- gut mit mir meinen. Mein wahrettenbuffo am Stadttheater; späTimm Elstner wuchs in Ber- preisträger. Als die Einschalt- res Vermögen sind meine Kinter Regisseur und Oberspielleiter lin-Wilmersdorf, Baden-Baden quoten von „Nase vorn“ und der. Ich wünsche mir, daß es ihdes Lustspiels und der Operet- und Rastatt auf. Er war Mini- „Elstner und die Detektive“ hin- nen immer gut geht.“ te. Er verfaßte auch das Libret- strant und Pfadfinder. Eigentlich ter den Erwartungen zurückblieNadira Hurnaus Am 19. April feierte Frank Elstern, Radio- und Fernsehmoderator, der in den 1960er und 1970er Jahren Radio Luxemburg prägte, Showmaster und Entwickler von Fernsehshows ist und 1981 mit „Wetten, daß“ eine der erfolgreichsten Fernsehshows Europas erfand, 80. Geburtstag. Seine väterlichen Wurzeln liegen in Reichenberg.
A
ie öffentliche Spendenaktion ist noch nicht abgeschlossen. Auf dem Konto befinden sich derzeit etwa 260 000 Kronen, die jeder auf dem transparenten Bankkonto einsehen kann. Eine der letzten Spenden kam von der Freiwilligen Feuerwehr in Kunnersdorf, die 50 000 Kronen gesammelt hatte. Für die Restaurierung der Uhr müssen 333 300 Kronen gespendet werden. Mit dem Geld werden alle Restaurierungsarbeiten bezahlt, die nicht nur die Uhr selbst funktionsfähig machen sollen, sondern auch das Läuten wiederbeleben könnten. Die Kirchenuhr, ein technisches Meisterwerk, muß bis auf die letzte Schraube auseinander genommen werden. Nachher wird sie in eine Uhrmacherwerkstatt gebracht, wo sie restauriert wird. Nach der Reinigung und Renovierung wird die Uhr wieder zusammengebaut und getestet. Anschließend wird sie wieder auseinandergenommen und in die Allerheiligenkirche nach Kunnersdorf zurückgebracht. Da es sich um einen Teil eines Kulturdenkmals handelt, muß der Restaurator die Regeln des Denkmalschutzes befolgen. Der Restaurator ist neben den Restaurierungsarbeiten ebenfalls für die ausführliche Restaurierungsdokumentation über die durchgeführten notwendigen Untersuchungen an der Kirchenuhr verantwortlich. Vorbereitet werden auch die neuen Anweisungen für den Betreiber. Der Uhrmacher Jan Marek aus Turnau renoviert die Uhr. Er hat das Uhrwerk bereits untersucht.
Es handelt sich um ein einzigartiges kulturelles und technisches Kunstwerk, das in seiner ursprünglichen Form und fast vollständig erhalten geblieben ist. Nach der Restaurierung wird die Uhr ihre ursprüngliche Funktion wieder voll erfüllen. Wenn der Turmuhr genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird, kann sie viele Jahre lang ihren Zweck erfüllen und für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Gleichzeitig wird sie zu einem sehr wichtigen Teil des kulturellen Erbes von Kunnersdorf. Bei der Zerlegung wird es möglich sein, herauszufinden, wer der Hersteller des Uhrwerks war. Der Handwerksarbeit und anderen Details nach handelt es sich um ein Uhrwerk aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es wird vermutet, daß der Hersteller des Kirchenuhrwerks der Uhrmacher Jan Mareš aus Podiebrad sein könnte. Diese Vermutung konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden, aber auf einem Teil der Kirchenuhr ist eine Signatur erhalten geblieben, die Aufschluß über den Hersteller der Uhr geben könnte. Es wurde auch festgestellt, daß die Uhr zwei Schlagwerke, für die Viertelstunden und für die vollen Stunden, hat. Sobald der notwendige Geldbetrag zusammengekommen sein wird, wird auch mit der Restaurierung der Kirchenuhr begonnen. Die Sammlung wird aber nicht beendet, sondern weiter fortgesetzt. Als Nächstes ist die Sanierung der Kunnersdorfer Kirche eingeplant.
Zwei Ansichten der Allerheiligenkirche mit Turmuhr
Bilder: Stanislav Beran
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Teplitzer Schloßmuseum – Teil I
Die Madonna aus Vorderzinnwald
Die moderne Verbindung der historischen Häuser.
� Teplitz-Schönau – Teil II und Ende
Rekonstruktion des Kurhauses Beethoven A
ndererseits steht nun das Kurhaus Beethoven als eine geschlossene historische Baumasse dem modernen Kulturhaus von 1986 mit seiner Glaskolonnade und dem Theatergebäude aus dem Jahr 1924 gegenüber, verbunden durch die Grünanlagen des ehemaligen Judenghettos und des Kurparks. Der oft kritisierte, ziegelrote Belag der Fassade, welcher in den Augen der Denkmalschützer im Zusammenhang mit dem Teplitzer Milieu als unvertretbar erscheint, trennt durch seinen Kontrast das Alte vom Neuen. Im Kurhaus Beethoven sind im Inne-
ren nun all diese Gebäude miteinander verbunden. Da die Teplitzer Kureinrichtungen sowohl im Sommer als auch im Winter in Betrieb sind, bietet gerade dieses große Sanatorium mit seiner Ausdehnung auch bei ungemütlichem Wetter viele Möglichkeiten und Überraschungen: lauschige Sitzecken, einen Konzertsaal, das historische Restaurant und das Café Beethoven, das Thermalium als Badelandschaft, eine Dachterrasse sowie alle Bäder- und Therapiebehandlungen unter einem Dach. Die italienische Firma „Real Milano“ realisierte die
Rekonstruktion des Kurhauses Beethoven – damals noch Julius Fučik – in der Tschechoslowakei auf ungewöhnliche Art und Weise. Die Dokumentation wurde nämlich erst im Verlauf des Baugeschehens erstellt. Doch die Technologie des Umbaus war bei weitem hochwertiger als die Technologie des gewöhnlichen sozialistischen Baugeschehens der 1980er Jahre. Seit 1992, nach einer Privatisierung, betreibt und verwaltet zum größten Teil die Aktiengesellschaft Bad Teplitz in Böhmen die Teplitz-Schönauer Kurhäuser. Jutta Benešová
� Janegg/Ullersdorf
Namensliste auf Gefallenendenkmal Die Gemeinde Janegg möchte das Gefallenendenkmal in Ullersdorf erneuern. Die Namen der Gefallenen sind inzwischen verblaßt. Jutta Benešová berichtet.
W
er ergänzende tionen über die Namen der Gefallenen oder deren Nachkommen hat, kann sich gerne bei mir per eMail jutta.benesova@ volny.cz melden. Danke. Hier folgt der Wortlaut der Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen: „Wir ehren unsere Toten. Böhm Rudolf gefallen, Böhm Wilhelm gefallen,
Informa-
Hanna Gottlieb gefallen, Hradsky Anton gefallen, Hradsky Rudolf gefallen, Juppe Leonhard gefallen, Juppe Wenzel gefallen, Kodet Anton gefallen, Kosak Franz gefallen, Kutschera Josef gefallen, Mastny Wenzel gefallen, Mörl Anton gefallen, Rich-
ter Edmund gefallen, Reichel Rudolf gefallen, Rösler Josef gefallen, Weinhold Reinhold gefallen, Wenzlik Anton gefallen, Wenzlik Oskar gefallen, Horn Josef vermißt, Rischling Franz vermißt. Gewidmet von der Bevölkerung Janegg.“
Unter dem Titel „Auf den Spuren der Madonna aus Vorderzinnwald“ hielt Jan Kvapil im Schloßmuseum in Teplitz-Schönau direkt neben dem Fürstenauer Altar Anfang April einen Vortrag. Der 1974 geborene Germanist und Historiker ist auf die frühe Neuzeit und deutschsprachige Literatur aus den böhmischen Ländern spezialisiert. Seine Forschungs- und Pädagogische Arbeit widmet er schon lange den grenzüberschreitenden Beziehungen mit Sachsen. Jutta Benešová berichtet.
zu Fürstenau stattgefunden hätten. In einem Bericht von 1867 stehe, daß die Zahl der Pilger 1500 betragen habe. Sie seien vor allem aus Ebersdorf, Graupen und Voigtsdorf gekommen. Die Für-
stenauer hätten trotz Unruhen durch die Wallfahrten die Anomalie geduldet, daß eine protestantische Kirche ein Marienbild beherbergt habe, dem die Katholiken Heilkraft zugesprochen hätten. Fortsetzung folgt
B
ereits 15 Jahre sind seit der Restaurierung des Fürstenauer Flügelaltars vergangen. Dieses kostbare Stück steht seit seiner Restaurierung im November 2007 als Leihgabe der Leitmeritzer Diözese im Schloßmuseum Teplitz. Der Altar, der wahrscheinlich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt, hatte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Veränderungen seines Aussehens erfahren. Zuletzt unterlag er einer wesentlichen Umgestaltung während der Barockzeit. In dieser Form kam er auch aus Fürstenau nach Vorderzinnwald in Böhmen. In seinem Vortrag berichtete nun Jan Kvapil über das Schicksal dieses Altars. In der Chronik der Herrschaft Lauenstein von Friedrich August Brandner aus dem Jahr 1854 werde auch von Fürstenau mit seiner Legende vom Gnadenbild in der evangelischen Kirche berichtet. Schon lange vor der Reformation sei die Kapelle in Fürstenau eine Tochter der katholischen Hauptkirche zu Graupen. Sie habe den Namen „Zur unbefleckten Empfängnis Mariä“ geführt. Das am Altar der Kirche befindliche Marienbild von schlichter Bildhauerarbeit und reicher Vergoldung stelle den Besuch der Heiligen Maria bei ihrer Base Elisabeth dar und sei bei den Katholiken in hohem Ansehen gestanden. Der fromme Glaube habe viele Wallfahrer zu diesem Bild gezogen. Das Muttergottesbild sei nach der Reformation, als Fürstenau evangelisch geworden sei, in der Kirche gelassen worden, aber der geschlossene Flügelaltar mit dem Bild des Reformators Martin Luther sei verhangen worden. In Böhmen habe nach dem Dreißigjährigen Krieg die Gegenreformation gesiegt. Die Rekatholisierung habe bewirkt, daß stets am 6. Sonntag nach Pfingsten die alljährlichen Wallfahrten aus Böhmen nach dem wundertätigen Marienbild in der alten evangelischen Filialkirche
Die Gnadenkapelle und ihr Altar in Vorderzinnwald.
Die Zuhörer warteten gespannt auf den Vortrag über die Madonna.
Der Historiker Jan Kvapil beginnt seinen Vortrag.
TERMINE n Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz n Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr konzertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Joseph Wolfram (1789–1839), Komponist und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichti-
gung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung der Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-ElisabethKirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; danach Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heim-
reise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks und des Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
19 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Dobraken
Ein Dorf und seine früheren Bewohner Einst war Dobraken ein eigenständiges Dorf und grenzte an Zwirschen, Zetschin und Heiligenkreuz. Karl Reitmeier, Oberst Martin Šatra, Vladislava Roubová, Vladimír Zimák, Štěpán Thomayer, Matěj Bláha, David Divok, Dr. Gerhard Hopp MdL und Gerhard Schüsser.
Pilsen
Bayerischer Innenminister ehrt tschechische Polizisten Anfang April ehrten der Bayerische Innenminister und der Freundeskreis Furth im Wald-Domažlice die Polizisten David Divok und Matěj Bláha von der Stadtdirektion der Polizei in Pilsen.
I
hnen war vergangenen August in ihrer Freizeit bei einem Motorrad-Ausflug ein in Ränkam bei Furth im Wald gestohlenes BMW-Cabrio aufgefallen. Mit ihren diensthabenden Kollegen konnten sie die drogensüchtigen tschechischen Autodiebe stellen. Sie erhielten nun Belobigungsschreiben des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, die ihnen Gerhard Hopp MdL überreichte. Vom Freundeskreis Furth im Wald-Domažlice erhielten sie Urkunden und Wurstkörbe. Freundeskreis-Vorsitzender Štěpán Thomayer und sein Stellvertreter Karl Reitmeier hatten Gerhard Schüsser nach Pilsen mitgenommen. Er ist der Besitzer des BMW-Cabrios. Der Stellvertretenden Direktor der Dienststelle, Oberst Martin Šatra, empfing die bayerische Delegation. Gekommen waren auch die Abteilungsleiterin für ausländische Angelegenheiten, Hauptmann Vladis-
lava Roubová, Vladimír Zimák sowie die Polizisten David Divok und Matěj Bláha. Gerhard Hopp dankte dem Freundeskreis für das Treffen und freute sich, daß die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit die Pandemie überdauert habe. „Die Freundschaft ist uns ein wichtiges Anliegen in der Region.“ Dafür sei die Zusammenarbeit mit der Polizei ein leuchtendes Beispiel. Zum Glück gebe es Menschen, die sich auch noch in ihrer Freizeit im Dienst sähen, wie die zwei tschechischen Polizisten. Sie hätten nicht weggesehen, sondern mutig gehandelt. Damit seien sie Vorbilder. Anschließend verlas Hopp auf Tschechisch das Schreiben des Innenministers an die Polizisten, in dem er für ihr mustergültiges Handeln und ihren großartigen Einsatz im grenzüberschreitenden Raum dankt. Herrmann: „Sie haben sich auf diese Weise als Polizisten mit Leib und Seele sowie mit einem herausragenden Berufsethos erwiesen. Mit Ihrem Einsatz haben Sie sich auch in vorbildlicher Weise über die Ländergrenzen hinweg für die Sicherheit der Menschen eingesetzt“. Der Bestohlene Gerhard
Museum des gemeinsamen Erbes das Leben an der Grenze veränderte, der Hinrichtung von Jan Sladký Koziwie es die Gesellschaft in der Tsche- na, dem 19. Jahrhundert und der natiochischen Republik und in Bayern be- nalen Wiederbelebung, dem Ersten und einflußte und wie sich die Geschichte Zweiten Weltkrieg, der Vertreibung der in der Gegenwart spiegelt. Dabei wer- Deutschen und dem Kommunismus bis den auch die Unterschiede zwischen zum Fall des Eisernen Vorhangs fortgeden beiden Städten gezeigt. Die zehn setzt. Epochen beruhen auf den wichtiIn der Ausstellung geht es auch um gen historischen Meilensteinen, die die berühmtesten Symbole der Region die Menschen auf beiden Seiten der wie das Stadttor in Taus, den StreitwaGrenze erlebten. gen der Hussiten oder den Drachen von Auch historische In dem neuen Museum wird die Furth im Wald. Jede Etappe enthält eiürgermeister Fotos gehören zu Vorgeschichte beleuchtet mit dem nen Blick von tschechischer und deutZdeněk Novák den Exponaten. Mittelalter und der berühmten Funk- scher Seite. Die Texte sind kurz und prämacht jede Woche eition der Choden als Grenzwäch- gnant. nen Kontrollgang. „Ich will sehen, ob die ter. Die Geschichte wird mit den HusDas Museum des gemeinsamen Erbes vereinbarten Termine eingehalten wer- siten, den Religionskriegen, dem Le- kann ein Besuchermagnet werden. den“, so das engagierte Stadtoberhaupt. ben nach dem Dreißigjährigen Krieg, Karl Reitmeier Dabei läßt er sich von der Historikerin Kristýna Pinkrová, die für die Ausstattung des neuen Museums verantwortlich zeichnet, durch die Ausstellung führen und stellt dieser an den halbkreisförmigen Ausstellungswänden immer wieder Fragen. Das Ergebnis seines letzten Kontrollganges: „Es sieht danach aus, daß alles funktioniert.“ Die Übergabe des Museums an die Stadt Taus war bereits wie geplant am 6. April erfolgt. Die offizielle Eröffnung des neuen Museums, das Teil eines gemeinsamen EU-Projekts der Städte Furth im Wald und Taus ist, ist für Anfang Mai vorgesehen. Mit diesem Museum wollen die beiden Städte beweisen, daß sie sich ihrer gemeinsamen Geschichte bewußt sind und diesbezüglich auch eng zusammenarbeiten. Die Dachgeschoß-Ausstellung Bürgermeister Zdeněk Novák informiert sich vor Ort bei der Historikerin Kristýna Pinkrová Bilder: Karl Reitmeier zeigt zehn Epochen, in denen sich über den Fortschritt der Arbeiten.
B
m Jahre 1408 erstmals urkundlich erwähnt, wurde Dobraken nach 1519 von dem Zwirschener Grundherrn Georg Plansky an Wenzel Rabstein auf Hostau verkauft. Gemeindepolitisch gehörte es bis 1877 nach Heiligenkreuz. 1878 wurde der Ort selbständig. 1928 bis 1932 wurde er elektrifiziert. 1945 hatte er 23 Häuser mit 104 Einwohnern. Er hatte eine Fläche von 220,49 Hektar. Im Dorf gab es neun Vollbauern, zwei Viertelbauern, fünf Kleinlandwirte, fünf
Schüsser dankte den Polizisten mit je einer Flasche Wein. Diese freuten sich, zeigten sich aber bescheiden und wiesen darauf hin, daß auch ihre Kollegen zur Sicherung des Fahrzeugs beigetragen hätten. Sie hätten Glück gehabt und seien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen. Da ein Cabrio kein alltägliches Auto sei, sei es ihnen sofort aufgefallen. Sie versprachen, die Wurst mit ihren Kollegen zu teilen. Martin Šatra nannte es ungewöhnlich, daß Polizisten eine solche Ehrung bekämen. Meistens gebe es nicht so positive Reaktionen auf die Einsätze der Polizei. Er schätze die Ehrung sehr und sei stolz auf die Polizisten, die zu 100 Prozent ihre Aufgabe erfüllt hätten. Sie hätten bewiesen, daß ein Polizist immer im Dienst sei. Anschließend saß man noch in gemütlicher Runde zusammen. Dabei erfuhr Gerhard Schüsser, daß die beiden Autodiebe derzeit im Gefängnis Bory in Pilsen sitzen. Er war auch sehr beeindruckt von dem Treffen und der Möglichkeit, den beiden Polizisten begegnen zu können, denen er verdankt, daß er sein BMW-Cabrio wieder hat. lr
Furth im Wald und Taus
Die Arbeiten für das neue Museum Taus/ Domažlice und Furth im Wald – Museum des gemeinsamen Erbes im Dachgeschoß des neuen Kulturzentrums Galerie Pivovar in Furths Partnerstadt Domažlice gehen in ihre Endphase.
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Deutsche Reich unterstanden alle Gemeinden den Behörden in der Kreisstadt Bischofteinitz. Postamt, Distriktsarzt und Hebamme waren in Weißensulz. Während die Bauern Ackerbau und Viehzucht betrieben – angebaut wurden vor allem Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Kraut und Futterrüben –, waren die Häusler und Kleinlandwirte auch Handwerker wie Maurer und Zimmermann. Die Gastwirtschaft war im Haus Nr. 16 geführt. Bekannt war der Viehhändler aus dem Haus Nr. 2. Die Fluren bewässerten das Loh-, Dorf-, Droht- und Gliedbächlein, die in die Radbusa mündeten. Der Dorf-,
Droht-, Christofl- und Schneidergrieslweiher dienten der Karpfenzucht. Das gemeindeeigene Jagdrevier war zumeist an Gemeindebürger verpachtet. Franz Bayerl Häusler, ein Gemeindehaus und eine Mühle. Kirchlich gehörte es zu Heiligenkreuz. Während der Herrschaft von Wolf Karl Laminger 1576 bis 1584 mußten die Dobrakener evangelisch werden, Wolf Wilhelm Laminger machte sie ab 1622 wieder katholisch. An den Sonntagen nach dem 14. September (Kreuzerhöhung) und 3. Mai (Kreuzauffindung) feierte man das Kirchenfest. Bis 1938 gehörte die Pfarrei zur Diözese Budweis, dann zu Regensburg. Die Kinder gingen in Heiligenkreuz zur Volksschule. 1818 eröffnete die Bezirksstraße, 1910 die Lokalbahn. Die Haltestelle hieß Heiligenkreuz-Dobraken. Der Eisenhammer im Radbusatal gehörte Bischofteinitz, wurde 1836 in Betrieb genommen und war die spätere Hammermühle. Die im Dreißigjährigen Krieg grassierende Pest raffte um 1634 in Dobraken 28, in Heiligenkreuz 113 Menschen hinweg. Bis 1938 war der Ort dem Bezirksgericht, Grundbuchamt, Steueramt, Notariat, Bezirksverwaltungskommission und der Gendarmeriestation in Hostau zugeteilt, nach dem Anschluß an das
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oviel ich mich erinnere, wurden alle 125 Einwohner 1946 nach BadenWürttemberg, Bayern und Hessen vertrieben. Ich verließ die Heimat schon früher. Die Tschechen wollten mich in ein Bergwerk stecken. Sie sprachen ungeniert untereinander, weil sie nicht wußten, daß ich sie verstehe. Von diesen 125 Einwohnern leben noch fünf: Marie Oschowitzer(* 1930), Rudolf Oschowitzer (* 1933), mein Bruder Otto (* 1934) und ich (* 1929). Unser Nesthäkchen Elfriede Brunner kam 1944 noch in der Heimat zur Welt, lernte aber ihren Vater nicht kennen, weil er 1945 fiel. Auch die Mädchen der Familie Groß leben nicht mehr. Bei der Vertreibung waren sie sieben und acht Jahre alt. Loni starb 2018 und Marie vergangenes Jahr. Ja, liebe Freunde, das sind die letzten Neuigkeiten von Dobraken. Mit Zwirschen ist jede Verbindung abgebrochen. Das Interesse läßt rapide nach, weil es bald niemanden mehr gibt, der sich an unsere Heimat erinnert. Gesundheit und viel Freude wünsche ich allen, die diese Zeilen noch lesen. Walter Gimpl
WIR BETRAUERN Dobraken. Am 30. März trugen wir in Waiblingen bei Stuttgart Theresia Fiedler, unsere Martha Resl, zu Grabe. Die Zeilen, die sie sich für ihre Todesanzeige wünschte, lauten: „Die Bäume flüstern von der Heimat / und wiegen sich im Wind. / Ich mach mich auf den Weg nach Hause, / wo meine Wurzeln sind.“ Am 26. Oktober 1929 erblickte Theresia Wartha in Dobraken das Licht dieser Welt. Fast 17 Jahre lang durfte sie ein sorgenfreies Leben in ihrer Heimat genießen. In Heiligenkreuz ging sie zur Volksschule, in Weißensulz besuchte sie die Bürgerschule. Doch im Sommer 1946 vertrieben die Tschechen sie mit ihren Eltern und Geschwistern. Die erste Blei-
be der Familie war in Schnait im Remstal, heute ein Ortsteil von Weinstadt in Baden-Württemberg. Dort beendete sie schließlich die in der Heimat angefangene Schneiderlehre. 1957 heiratete Johann Fiedler. 1961 kam ihre Tochter Jutta zur Welt. 1982 starb ihr Mann. Als sie sich mit 92 Jahren von dieser Welt verabschiedete, war sie schon zweimal Urgroßmutter, was ihr große Freude bereitete. Am Grabe erzählte ihre jüngste Enkelin, wie gut es gewesen sei, so eine Oma gehabt zu haben. Mit dem Lied „Tief drin im Böhmerwald“ verabschiedeten wir uns von unserer allzeit geliebten Martha Resl. Walter Gimpl Ortsbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 16+17 | 29. 4. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil III
Bomben und brennende Dörfer
WIR BETRAUERN n Tirna. Am 11. Jänner verstarb unser Landsmann Michael Egerer plötzlich. Er war der Jüngste von drei Brüdern. Das Schicksal hatte die Familie schon früh geprüft. Der Vater galt als vermißt, und die Mutter ist bereits im Kleinkindalter von Michael unerwartet gestorben, so daß die Großmutter Barbara Roth sich um die Kinder kümmern mußte.
Die Vertreibung führte die vier Menschen in den oberbayerischen Kreis Miesbach, wo für Michael ein Vormund bestimmt wurde, bei dem er lebte, aber so der eigentlichen Familie etwas entwöhnt wurde. Nach der Schulzeit gingen die älteren Brüder Anton und Ernst nach München in
die Lehre, wohnten aber in getrennten Lehrlingsheimen. Michael ging etwas später auch nach München und fand eine Anstellung bei der Deutschen Post. Dies wurde Beruf und Berufung in gleicher Weise für ihn. Er durchlief seine Berufstätigkeit, und erst später im Rentenalter
begannen gesundheitliche Defizite. Diese führten schließlich ins Pflegeheim und in den Rollstuhl. Er nahm seine Situation an, seine Tochter Petra kümmerte sich um ihn, und so wurde auch diese Situation erträglich, so daß er ohne weiteres Leiden einschlafen konnte. Den Hinterbliebenen gilt unsere Anteilnahme. Manfred Klemm Ortsbetreuer
Pfraumberg 1948 nach Zerstörung und Beseitigung des Bauschutts.
� Pfraumberg am 20. April vor 77 Jahren – Teil I
Von USA-Fliegern plattgemacht Seit Wochen lag im Frühjahr 1945 über Mitteleuropa ein selten sonniges, warmes Frühlingswetter, geradezu ideal für die Fliegerei. Der unbesetzte Streifen Deutschlands von Flensburg bis zu den Alpen wurde von Tag zu Tag schmäler. Der Krieg war längst verloren, jeder Widerstand sinnlos. Von der deutschen Luftwaffe sah und hörte man schon lange nichts mehr. Kein Wunder, daß der noch unbesetzte Teil Deutschlands ein Jagdrevier feindlicher Tiefflieger war, die offensichtlich noch angriffen, was ihnen gerade gefiel. Rudolf Kaderschafka berichtet.
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m 19. April 1945 schossen wagen verfolgten und noch beim feindliche Tiefflieger das He- Meierhof beschossen. Dort blieb gerhaus auf der „Ablege“ bei er, Deckung suchend, stehen. Großmeierhöfen in Brand, weil Wie der „Stadtkommandant“ dort ein Militärlastwagen abge- befohlen hatte, begannen auch stellt war. Selbst einen Geräte- schon die MG 34 vom Schloßwagen der Straßenbauverwal- berg herabzuschießen. Anstatt tung am östlichen Ortsausgang aber das MG-Nest als militärivon Pfraum berg nahmen sie sches Ziel und Urheber anzugreiaufs Korn. Daraufhin Sudetendeutscher befahl einTag 2022 fen, feuerten nun die drei Flieger – Festabzeichen als Stadtkommandant sich be- – offensichtlich zur Vergeltung tätigender Luftwaffenmajor al- – etwa zehn Minuten lang mit bernerweise, künftig mit den bei Brandmunition aus allen Rohren der Ruine im Stand der Flugwa- auf die Häuser im Stadtkern. che befindlichen alten MaschiWährend man anfangs noch nengewehren auf die feindli- bemüht war, die dadurch entchen Jagdflugzeuge zu schie- stehenden Brände in der Nähe ßen. Stadtsekretär Josef Richter dieses Militärlastwagens zu löbat ihn – wohl vorausahnend – schen, merkten nur wenige, daß diesen Befehl zurückzunehmen fast aus jedem zweiten Dach und die Militärfahrzeuschon Rauch aufstieg ge außerhalb von und Pfraumberg an Waidhaus nicht allen Ecken und zusätzlichen Enden zu brenGefahren ausnen begann. zusetzen. Manche halDer fen anderen, Feindsenwährend der hatihre eigete am 19. nen Häuser t inde April 1945 brannten. überwnzen G re abends geDer aufkommeldet, daß mende Wind I man zum Gebegünstigte die N U burtstag Adolf Ausweitung der J 3. B I S 6. Hitlers einen „FacBrandherde. Gegenkelzug ungeahnten stände, die aus den HäuAusmaßes“ bereiten wolle. Vie- sern bereits gerettet waren, verle Pfraumberger haben sich dar- brannten im Freien. Der geringe aufhin nicht oder in Kleidern nie- Wasservorrat war bald erschöpft, dergelegt, da fast jeder Einwoh- ein Eindringen in die brennenner eine merkwürdige Ahnung de Stadt schließlich unmögvom Bösen hatte. Dieses Gefühl lich. war durch eine sehr reale TatWie eine Fackel überragte der sache, nämlich durch das offe- brennende Kirchturm die gene geschäftige Herumhantieren waltigen Feuergarben und die der militärischen Besatzung in Rauchschwaden. In zwei StunPfraumberg erzeugt worden und den waren vier Fünftel der Geauch die Fliegertätigkeit war in bäude Pfraumbergs ein Raub der der letzten Zeit von Tag zu Tag Flammen. Unersetzliche persöngestiegen. liche Dinge und Archivalien gin200 Mann aller Waffengat- gen dabei verloren, die man spätungen lagen mit ihren Fahrzeu- ter jedenfalls hätte über die nagen in der Etappe Pfraumberg, he „grüne Grenze“ bringen und als am Vormittag des denkwürdi- damit erhalten können. Mit wegen 20. April 1945, dem „schwar- nigen Habseligkeiten retteten zen Freitag“ für Pfraumberg, drei die meisten Einwohner schon ein Tiefflieger einen von Osten in die Jahr vor der Vertreibung nur ihr Stadt einfahrenden Militärlast- Leben. Fortsetzung folgt
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Menschen verfielen in Weinen, denn es sah nach kommender harter Kriegsführung aus, die uns dann tatsächlich in den nächsten Tagen bevorstand. Die Entwicklung der Lage kam infolge des überraschend schnellen Vorrückens der amerikanischen Truppen allerdings völlig anders als erwartet. Im Dorf eintreffende Einzelpersonen, die in den Wäldern die Höhe des Böhmerwaldes überwunden hatten, schilderten die aktuelle Situation so: Der Bürgermeister von Hesselsdorf sei den Amerikanern, die bei Waidhaus/Roßhaupt die Grenze überschritten hätten, mit weißer Fahne entgegen gegangen und habe diesen Ort kampflos übergeben. Einige größere gepanzerte Militärfahrzeuge mit Soldaten seien probeweise Richtung Wusleben auf der Bergkuppe weitergefahren, aber dann aus dem Wald von deutschen Einheiten – angeblich Waffen-SS – mit dem Ergebnis einiger toter amerika-
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großen Transportes der noch lebenden KZ-Häftlinge aus Flossenbürg in der Oberpfalz, die aus den Waggons auf die Bahnsteige krochen und schrecklich von den KZ-Aufsehern angeschrieen und niedergeschlagen wurden, als sie dort eifrig nach angeliefertem Brot griffen. Nicht zu zählen die Häftlinge, die auf dem Bahnsteig wie Tote herumlagen. Dieses Inferno schnell verlassend, wurde der Personenzug, trotz Versteck in von Wald überdecktem Gelände, durch angloamerikanische Tiefflieger beschossen. In Altzedlisch stieg ich aus und lief zitternd nach Hause. In Labant erlebte ich in jenen Tagen an einem wolkenfreien, aber kalten Sonnentag, nämlich dem 20. April 1945, die in hohen Flammen stehende Stadt Pfraumberg (Ý rechts) – ähnlich einem Atompilz des nachfolgenden Krieges gegen Japan. Der größte Teil Pfraumbergs wurde infolge massiver deutscher Flak-Abwehr von den angreifen-
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beschossenen Dorfschule auch mit einer Toten, die als Flüchtlingsfrau aus Schlesien dort untergebracht war. Ein Volltreffer m Winter 1944/1945 vollzogen traf unser Nachbarhaus Angersich in meinem Geburtsort Lamann Nr. 69, während unsere Fabant, der weitgehend nur noch milie in unserem improvisierten aus Frauen, Kindern, Invaliden Luftschutzkeller vor Angst zitterund Kranken bestand, in der Bete. l Kampfvorbereitung des völkerung große VeränderunGebietes durch Bomben mitgen. Die Menschen aus den datels Tieffliegern und Geschützen mals deutschen Ostgebieten gemit großer Reichweite, bis über rieten in panische Angst vor der die Stadt Haid hinaus in östliche heranrückenden sowjetischen Richtung. Front. Neben Fußmärschen und Am 1.Mai 1945 wurde ab früBahntransporten bildeten sich her Stunde unser teilweise brenTrecks mit bis zu einigen Hunnendes Dorf Labant besetzt. Zum dert Flüchtlingen, transportiert Schutz vor verschanzten deutauf Pferdegespannen, bei denen schen Soldaten mußten die Häues für Mensch und Vieh angeser vom Dach bis zum Keller von sichts von Kälte, Schnee und Eis den Hausbewohnern geräumt an allem fehlte. werden. Es gab nur noch einzelNach Labant gelangte quer ne soldatische Nester mit gegendurch Böhmen ein Treck aus seitigem Maschinengewehrfeudem Umfeld von Oppeln, der in er. der Schule, in den Tanzsälen in Neugierig wie Jugendliche in unseren zwei Gaststätten und in meinem damaligen Alter oft sind, Privathäusern untergebracht und ist mir von der Mittagszeit dieses versorgt werden mußte. Auch Tages folgendes denkwürdiwir hatten eine Frau mit drei ge Vorkommnis in tief eingeKindern durch Zusammenprägter Erinnerung: Mit werücken unterzubringen. Ernigen Dorfbuben stand ich an staunlich war, daß diese allgeder Hauptstraße beim Kolonimein-menschliche Not durch alwarengeschäft Angermann Solidarität gemeistert werden und tauschte gesammelte Einkonnte. drücke des hautnah erlebten Gleich nach Kriegsende, Krieges im eigenen Dorf aus. als in den alliierten PotsdaPlötzlich fuhren an dieser Stelmer Protokollen vom August le zwei amerikanische Mili1945 beschlossen wurde, daß tärfahrzeuge vor: ein PersoDeutschland seine Ostgebiete nen-Lastwagen mit gerade bei (Ostpreußen) an Polen und die den vorangegangenen KampfSowjetunion abzutreten hat handlungen gefangen genomsowie auch im Sudetenland menen deutschen Soldaten sodie deutschsprachige Bevölwie ein Jeep mit etwa vier gut kerung vertrieben wird, lösten die erwähnten Ostflüchtlin- Überlebende Häftlinge des KZ Flossenbürg wurden durch Tachau getrieben. Heu- abgesicherten amerikanischen ge dieses Problem selbsttätig, te ist die KZ-Anlage eine Gedenkstätte. Hier sieht man das „Tal des Todes“ mit Ge- Offizieren, die Einzelverhöre der Gefangenen durchführhauptsächlich durch Flucht denkanlagen. ten. nach Bayern. Wie sah es bei Wir trauten unseren Ohren uns zu Hause aus? den Luftstreitkräften mit Brand- nischer Soldaten kampfunfähig Mein Vater war im Krieg als bomben verschiedener Art über- geschossen worden. Diese Toten nicht, denn auch wir selbst verBaufachmann zur Reparatur der schüttet. seien dann auf dem Friedhof in standen in deutscher Sprache von den Sowjettruppen zerstörInzwischen waren die ameri- Wusleben vorübergehend beer- den schrecklichen Inhalt der Beschuldigung: „Jetzt ist der ten Straßen und Brücken in Lett- kanischen Panzerspitzen kurz digt worden. land eingesetzt und weilte im vor der Grenze Böhmens angeVon diesem Zeitpunkt an än- schlimme Krieg in seinen letzApril 1945 auf nachzuholendem kommen, und wir glaubten den derte sich die Kampftaktik der ten Tagen. Warum begeht ihr vor Urlaub zu Hause, ohne zu ver- „Feindsendern“, daß alliierten amerikanischen Armee völlig. seinem Abschluß noch oben auf muten, daß Hitler-Deutschland Absprachen entsprechend die Sie legte nach dem übereilten dem Berg ein solches Verbrechen bereits vor dem Untergang steht. Demarkationslinie zwischen den Vorstoß einen fast eine Woche und tötet unsere Kameraden?“ Nachdenkend über diese WorDie Situation wurde bei uns USA und der Sowjetunion an der anhaltenden Artilleriebeschuß durch das schnelle Vordringen bayerisch-böhmischen Grenze über das östlich vor ihr gelegene te, wurde mir in den nächsten Tader amerikanischen Panzerspit- verlaufen werde. Bei seinem letz- Böhmerland. Dabei leisteten ihr gen klar, daß es sich vermutlich zen bis zum Böhmerwald so pre- ten Gottesdienst für die Kirchge- über uns operierende Artillerie um antifaschistische Emigranten gehandelt hat, die aus Hitlerkär, daß er auch per Bahn nicht meinde Wusleben samt umlie- flieger optische Sichthilfe. Deutschland geflohen waren und mehr aus Böhmen herauskam. genden Dörfern, an dem wir LaDas Ergebnis: l Fast völliger Niederbrand sich aus Angst vor Verhaftung Ich fuhr Mitte April wie üblich banter wie üblich teilnahmen, zum Wochenende von Mies über ersetzte Pfarrer Georg Woratsch von Wusleben in den nachfol- oder Tötung der angloamerikaPlan und Tachau, dabei nichts die Kanzelpredigt durch eine genden Tagen, wobei wegflie- nischen Armee angeschlossen ahnend von der Dichte der Ge- hochaktuelle politische Verhal- gende Teile von Schieferdächern haben mögen. Vielleicht waren schehnisse der nächsten Stunden tenspredigt zum Wohle der Be- stückweise bis in eine beträchtli- auch Juden aus Böhmen darunter, die gerade erst hoffnungsund Tage. Ich sollte meine von völkerung. Er riet als Hirte in der che Nähe von Labant kamen. l Beschuß unseres Dorfes mit voll heimatlichen Boden betremir so hochgeschätzten schuli- Not: „Nicht die Dörfer verlassen, schen Sachen nie wiedersehen. nicht chaotisch auseinander lau- dem Ergebnis von Niederbrän- ten hatten und schon mit solchen In Tachau geriet ich auf dem fen, sondern in dieser Inferno-Si- den einiger Wohnhäuser und Fakten konfrontiert wurden. Fortsetzung folgt Sackbahnhof in das Chaos des tuation zusammenhalten.“ Viele mehrerer Scheunen. In unserer In dieser Folge schildert Ernst Schmutzer das Kriegsende in Labant.