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Sudetendeutsche Zeitung 1. April 2022 Ausgabe 13

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Bill Clinton zum Tod der gebürtigen Pragerin Madeleine Albright (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 74 | Folge 13 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 1. April 2022

VOLKSBOTE

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B 6543

Anklage wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs gegen den ehemaligen Premierminister erhoben

Durchkreuzt der Staatsanwalt Babiš‘ Präsidentschaftspläne? Ein Bus bringt die Flüchtlinge zum Heiligenhof in Bad Kissingen.

Ukraine-Flüchtlinge

Heiligenhof hilft in der großen Not Der Heiligenhof steht seit sieben Jahrzehnten für Flucht, Vertreibung und Versöhnung. Für Stiftungsdirektor Steffen Hörtler ist es deshalb nur folgerichtig, am Heiligenhof alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ukrainische Kriegsflüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen.

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erzeit finden in der sudetendeutschen Bildungsstätte oberhalb von Bad Kissingen 60 Menschen Schutz, die vor dem russischen Völkermord an der Ukraine geflohen sind, darunter 17 Kinder im Alter zwischen eineinhalb und 16 Jahren. „Landrat Thomas Bold und das Landrats-amt haben das unbürokratisch in die Wege geleitet. Unser Dank gilt aber auch dem Bayerischen Roten Kreuz für die Unterstützung bei den Covid-Tests und für die medizinische Betreuung“, sagt Steffen Hörtler. Der Landrat kann diesen Dank nur erwidern: „Daß der Heiligenhof spontan Unterbringungsmöglichkeiten als Übergangslösung für die nächsten Wochen zur Verfügung stellt, hilft uns.“ „Es ist gut, daß diese Menschen in Deutschland in Sicherheit sind und durchatmen können. Sehr positiv ist die schnelle Hilfe durch den Heiligenhof und durch das Landratsamt Bad Kissingen“, erklärt Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner bei seinem Besuch. Wichtigster Mann in der Bildungsstätte ist in dieser Zeit übrigens Svyatoslav Syrovyy. Der 25-jährige arbeitet eigentlich als Erlebnistrainer auf dem Heiligenhof, spricht aber perfekt Ukrainisch und ist deshalb als Dolmetscher im Dauereinsatz. Bereits am 11. März hatte der Heiligenhof die ersten 48 Flüchtlinge aufgenommen. Nach einem langen Arbeitstag blickte Hörtler auch damals in glückliche Gesichter: „Jetzt haben alle ihre Zimmer bezogen, Abendbrot gegessen und unsere Waschmaschinen laufen auf Hochtouren.“

Nach über sechs Jahren Ermittlungsarbeit hat die Prager Staatsanwaltschaft Anklage gegen den früheren Premierminister Andrej Babiš wegen des Verdachts des EU-Subventionsbetrugs erhoben. In etwa drei Monaten soll die Entscheidung fallen, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Für den früheren Regierungschef kommen diese juristischen Schritte zur Unzeit. Spätestens im Herbst hatte Babiš bekannt geben wollen, ob er bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2023 als Nachfolger des schwerkranken Miloš Zeman antritt. Sollte bis dahin der Fall nicht zu Gunsten Babiš abgeschlossen sein, ist eine Kandidatur kaum vorstellbar.

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igentlich geht es um „Peanuts“, zumindest aus Sicht des Milliardärs Babiš, dessen über 30 000 Mitarbeiter pro

Andrej Babiš

Andrej Babiš jr.

len. Ein paar Wochen später widerrief der Generalstaatsanwalt diese Entscheidung und ordnete weitere Ermittlungen an, allerdings nur noch gegen zwei Personen: gegen Andrej Babiš, der inzwischen tschechischer Regierungschef war, und dessen ehemalige Beraterin Jana Nagyová. Daß jetzt ausgerechnet die Prager Staatsanwaltschaft, die den Fall zunächst eingestellt hatte, Anklage erhebt, begründet deren Sprecher mit zwei neuen Zeugen, die mittlerweile zur Aussage bereit seien. Einer davon ist

ausgerechnet Andrej Babiš junior, den die Staatswaltschaft bei ihren ersten Ermittlungen noch als Beschuldigten geführt hatte, nachdem der Filius – zumindest auf dem Papier – das „Storchennest“ von der Agrofert kurzfristig mitübernommen hatte. Das Verhältnis zwischen Senior und Junior ist seit Jahren zerrüttet und immer wieder Thema in den tschechischen Medien. So hat der Junior seinem Vater sogar öffentlich vorgeworfen, er habe ihn gegen seinen Willen für mehrere Wochen auf die Krim entführt, um ihn so daran zu hindern, in der Sache auszusagen. Der Senior wies die Anschuldigungen dagegen zurück und ließ erklären, sein Sohn sei psychisch krank und brauche durchgehend Betreuung. Zu einem weiteren Eklat kam es bei einem Wahlkampfauftritt in Aussig, als plötzlich Babiš ju-

nior mit einem TV-Reporter im Schlepptau auftauchte und seinen Vater in aller Öffentlichkeit beschimpfte. Auch nach der aktuellen Wendung bleibt Andrej Babiš dabei, die Vorwürfe für haltlos zu erklären. Der Ex-Premierminister: „Anklage in einer 15 Jahre alten Pseudo-Causa zu erheben, halte ich für einen gänzlich offenkundigen Versuch, mich zu kriminalisieren. Wenn ich nicht in der Politik wäre, würde sich niemand damit beschäftigen, denn schließlich ist nichts passiert. In dem ‚Storchennest‘-Areal sind hingegen 90 Menschen angestellt, es dient der Öffentlichkeit und führt 400 Millionen Kronen (umgerechnet 16 Millionen Euro) an Abgaben und Lohnzahlungen ab.“ Und die zwei Millionen Euro an Subventionen hat Babiš längst zurücküberwiesen. Torsten Fricke

Ukraine-Flüchtlinge

Sicher und willkommen

„In dieser schweren Krise, diesem unfaßbar schlimmen Krieg wachsen europäische Herzen zusammen“, sagt Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf.

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Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (links) mit den deutschen Gastgebern und den ukrainischen Flüchtlingen.

Foto: StMAS

ach ihrem Besuch bei der Flüchtlingsaufnahme am Münchner Hauptbahnhof (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) besuchte die CSU-Politikerin jetzt eine Familie in Erding, die eine ukrainische Mutter mit ihren zwei Töchtern aufgenommen hat. Scharf, die auch Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen ist: „Die Hilfsbereitschaft der Menschen in Bayern ist groß. Alle helfen mit und stehen an der Seite der Ukrainerinnen und Ukrainer.“

Treffen am 6. April mit Bundeskanzler Olaf Scholz

Premierminister Fiala reist nach Berlin

Der tschechische Premierminister Petr Fiala (ODS) wird am 6. April nach Berlin reisen und dort mit Bundeskanzler Olaf Scholz zusammenkommen, hat der tschechische Regierungssprecher angekündigt. Es ist Fialas erste Deutschland-Reise als tschechischer Regierungschef.

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Staatssekretär Sandro Kirchner (li.) und Landrat Thomas Bold im Gespräch mit Svyatoslav Syrovyy (re.). Foto: Lk Bad Kissingen/Anja Vorndran

Jahr rund sechs Milliarden Umsatz erwirtschaften. 2007 hatte Babiš für den Umbau eines Bauernhofs in das Luxusresort „Storchennest“ zwei Millionen Euro als Subvention aus einem EUFörderprogramm für mittlere und kleine Agrarbetriebe erhalten. Um den Förderrichtlinien zu entsprechend, war „Storchennest“ zuvor aus dem Konzern Agrofert ausgegliedert und an Angehörige von Babiš übertragen worden. Später, nachdem die Subventionen geflossen und das Projekt fertiggestellt war, übernahm Agrofert die Anlage wieder als Eigentümer. Die ersten Ermittlungen begannen im Herbst 2015, nachdem eine anonyme Anzeige bei der Polizei eingegangen war. Im Herbst 2019 entschied dann die Prager Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen insgesamt elf Beschuldigte einzustel-

rsprünglich war geplant gewesen, daß Fiala im März zum Antrittsbesuch nach Berlin reist. Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist der Termin jedoch verschoben worden. Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Polen und Slowenien war Fiala zum ukraini-

schen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach Kiew gereist. Putins Völkermord wird eines der wichtigsten Gesprächsthemen zwischen Fiala und Scholz sein. Gesprochen werden soll aber auch über die deutschtschechischen Beziehungen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die EU-Ratspräsidentschaft, die die Tschechische Republik in der zweiten Jahreshälfte inne haben wird. Der erste Staatsbesuch nach seiner Wahl zum Premierminister hatte Fiala im Januar nach Preßburg geführt, der damit eine seit 29 Jahren gepflegte Tradition fortsetzte. Seit der Teilung der

Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei absolviert jeder neue Regierungschef eines der beiden Nachfolgestaaten seinen ersten offiziellen Auslandsbesuch im jeweils anderen. Bei diesem Treffen waren sich Fiala und sein Amtskollege Eduard Heger in einem Punkt einig, der bei der Bundesregierung in Berlin wohl auf klare Ablehnung stoßen wird: die Nutzung der Atomkraft als CO2-freie Energiequelle. Während Deutschland trotz des russischen Angriffskrieges und der damit verbundenen Unsicherheiten insbesondere bei der Gasversorgung am Plan fest-

halten will, alle Kernkraftwerke bis Ende diesen Jahres abzuschalten, favorisiert die Tschechische Regierung den Bau eines neuen Reaktorblocks im südmährischen Dukowan. Bereits am Dienstag dieser Woche war der tschechische Außenminister Jan Lipavský (Piraten) nach Berlin gereist, um dort seine deutsche Amtskollegin Annalena Baerbock zu treffen. Die beiden Außenminister hatten erst im Januar ein gemeinsames Statement zum 25. Jahrestag der „Gemeinsamen Erklärung über die deutsch-tschechischen Beziehungen und deren künftige Entwicklung“ veröffentlicht. TF

Premierminister Petr Fiala.

Bundeskanzler Olaf Scholz. Foto: BPA


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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ie Prager Egidigasse (auch Aegidigasse, tschechisch Jilská) in der Altstadt wird täglich von zahlreichen Touristen überquert, die vom Altstädterring schnell in das moderne Stadtzentrum gelangen wollen. Der Straßenname erinnert an die St. Aegidiuskirche, die bis heute dem Dominikanerorden gehört. Fast gleich gegenüber,

neben dem Hauseingang Nr. 5/240, befindet sich eine kleine Gedenktafel, die an Friedrich Reinitzer erinnert. Der Text ist in tschechischer und deutscher Sprache, was heutzutage seltener geworden ist, denn Englisch hat in Prag Vorrang vor Deutsch. Wer war dieser Friedrich Reinitzer? SL-Büroleiter Peter Barton wurde fündig. Der 1857 in Prag gebo-

PRAGER SPITZEN rene Reinitzer studierte an der dortigen Deutschen Universität und zog 1895 nach Graz um, wo er 1927 verstarb. Reinitzer gilt als Entdecker der Flüssigkeitskristalle und wurde international bekannt durch seine Pu-

Tschechien schafft Biokraftstoff ab

W blikationen „Beiträge zur Kenntnis des Cholesterins“. Wer die Gedenktafel gestiftet hat, ist leider nicht vermerkt.

Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“ auf dem Heiligenhof

Die besten Tipps für die eigene Familienforschung Unter dem Motto „Lebendige Erinnerungskultur“ stand das Seminarwochenende der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf dem Heiligenhof. Ein Höhepunkt: die Familienforschung.

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ch gratuliere Ihnen, wenn Sie das Internet für die Sudetendeutsche Familienforschung nutzen“, sagte Werner Honal von der Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher (VSFF) zum Auftakt seines Referates. Familienforschung mit dem Internet sei für die Sudetendeutschen ein Glücksfall, weil die acht Gebietsarchive in Tschechien vorbildlich digitalisiert seien. Karel Halla aus dem Regionalarchiv Eger erklärte, daß dabei das südböhmische Archiv in Wittingau/Tfeboñ (https:// digi.ceskearchivy.cz) ein Leuchtturm sei. Die von Eduard Augsten, der bei der Tagung anwesend war, entwickelte und vom Referenten aktualisierte Landkarte zeigt, welche Gebiete die jeweiligen Archive erfassen. Wie in Wittingau/Tfeboñ erlauben inzwischen immer mehr Archive, wie die in Troppau/Opava und Leitmeritz/Litomerice, eine Direktsuche über den in die Suchmaske eingegebenen Namen, bis hin zu den Karteikarten zu den Vertreibungs-Transporten 1946. Die Archive in Brünn, Prag und Pilsen (www.portafontium.eu) gehen etwas andere Wege, haben aber auch sehr gute Möglichkeiten, zum Beispiel Kirchenbücher (Standesämter gab es erst ab 1938), Grundbücher und Urbare bis vor 1600 zu finden. In den meisten Gebietsarchiven werden inzwischen auch die Volkszählungslisten bis 1921 erschlossen. Einen Sonderweg geht das Ostböhmische Archiv Königgrätz/Hradec Králové, dessen Lesesaal in Schloß Zamrsk liegt. Dort gibt es im Internet keine Suchmaske, sondern eine über 2700 Seiten umfassende pdf-Liste zum Download, aus der dann komplette Kirchenbücher auf den eigenen PC heruntergeladen werden können. Dezent verweist das Archiv auf die Internetseite der Mormonen (www.familysearch.org), die das Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds Über neue deutsch-tschechische Vorhaben und Fördermöglichkeiten im Bereich der Erinnerungskultur informierte Soňa Dederová vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Aus aktuellem Anlaß habe der Zukunftsfonds seine Förderprogramme modifiziert. Ab sofort können auch deutsch-tschechische Projekte für die Ukraine unterstützt werden. Mut zum Leben Christa Olbrich gab einen Einblick in ihre Biografie „Von der Kuhmagd zur Professorin“. Olbrich, als Kind heimatvertriebener Sudetendeutscher in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, präsentiert eine Lebensgeschichte, die Mut macht,

Archiv verfilmt haben. Dort läßt sich in den ostböhmischen Kirchenbüchern auch wie in den anderen Archiven blättern. Vor der Arbeit in den Archiven muß aber klar sein, das zeigte der Referent an Beispielen, nach welchem Namen und in welchem Ort Verwandte gesucht werden. Erst um 1880 seien die Familiennamen fixiert worden. Aus der 1650 in Ostböhmen verwendeten Schreibweise Paczackh wurde Patzak, oder bei einem tschechischen Schreiber Pacák. Natürlich sind beide mit den zehn Familien Paczackh aus der 1651er „Seelenliste“ für den Raum Königgrätz/Soupis poddaných Hradecko verwandt, auch wenn man das nach vier Ge-

geschrieben. Der gutmeinende Autor war Tscheche, und im tschechischen Alphabet gibt es, außer für Fremdwörter, eben keinen Buchstaben „w“. Und wenn sich einmal ein h nach dem T einschleicht, dann bleibt es beim „von Thurnwald“. Zum Entziffern der auch in Tschechisch geschriebenen Kirchenbüchern verwendeten Kurrent-Schrift (gedruckt als Fraktur bekannt) finden sich im Internet gute Schriftvorlagen. Dazu gehört auch die im Vortrag gezeigte Kurrent-Schreibmaschine. Auch elementare Kenntnisse der tschechischen Grammatik und lateinische KirchenbuchWörter wachsen den Familienforschern Schritt für Schritt zu,

Das südböhmische Archiv ist über www.digi.ceskearchivy.cz erreichbar. nerationen nicht mehr wußte. Da bis ins 18. Jahrhundert kaum zehn Prozent der Bevölkerung in Böhmen lesen konnten, fehlte die Gegenkontrolle zu der Schreibweise des Namens, wie ihn der Pfarrer gehört hat. Da wurde ein schlecht ausgesprochenes „Turtenwald“ als „Turnwald“ gehört und so fixiert. Aber auch noch bei einer Todesmeldung aus dem Ersten Weltkrieg wurde der Verstorbene „Martin Turnwald“ als „Martin Turnvald“

die sie gelegentlich auch für andere Nutzende sammeln (siehe: www.honals.de/tt/. Ein anderes spannendes Kapitel ist die Suche nach dem richtigen Ortsnamen. Für tschechische Archive sollte neben dem deutschen Namen des Ortes auch dessen tschechischer Name gefunden werden. Als eine gute Hilfe stellte der Referent dazu das Ortsverzeichnis in www. genteam.at vor. Mit einer kostenlosen Anmeldung kann man es

Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“

Weitere Referate das eigene Leben selbständig in die Hand zu nehmen. Erinnerungskultur als Schulprojekt Ein besonderes Projekt der lebendigen Erinnerungskultur stellt Veronika Kupkova, 2018 mit dem Kulturellen Förderpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet, vor. Drei Jahre Arbeit stekken in diesem deutsch-tschechische Schulprojekt „Preßnitz lebt – Přísečnice žije“. Preßnitz, im Mittelalter eine reiche Bergstadt, mußte Ende der 1960er Jahre dem Bau einer Talsperre wei-

chen. Kupková las Passagen aus ihrem Buch und zeigte in ihrem mit ihren Schülern entstandenen Film Erinnerungen von Zeitzeugen, die in Preßnitz zwischen den 1930er und 1970er Jahren gelebt haben, sowohl vertriebene Sudetendeutsche als auch Tschechen, die infolge des Talsperrenbaus ihre Heimatstadt verlassen mußten. Der Film ist im Internet auf YouTube zu finden. Sichtweisen Steffen Hörtler stellte mit dem Film „Die verlorene Heimat“ ein weiteres aktuelles Projekt filmischer Erinnerungskultur vor. Der

nutzen. Es hat den großen Vorteil, auch auf das zugehörige Gebietsarchiv zu verweisen. Außerdem ist angegeben, für welche Zeit in welcher Pfarrei Kirchenbücher digital verfügbar sind. Die Gegend des gesuchten Ortes kann gut über die digitale Landkarte www.mapy.cz erkundet werden. Links oben, so führt es der Referent für den Ort Silberbach vor, kann dort auf eine Karte des 19. Jahrhunderts umgeschaltet werden, die dann auch die deutschen Namen der Ortschaften zeigt. Und wer einmal nicht weiterkommt, bei der Schrift oder bei der Ortssuche hängenbleibt, kann sich leicht Hilfe bei der Forschergemeinde holen. Neben der www.vsff.de, die auch im Sudetendeutschen Haus in München ein Büro hat und ihre Mitglieder, aber auch Gäste, betreut und informiert, gibt es noch eine Schwestervereinigung in Wien. Es ist die www.familia-austria.at, deren Mailingliste „BöhmischeLänder“ über 500 oft und gerne helfende Mitlesende aufweist. Das Internet helfe auch, so der Referent, neue Freundschaften in der Familienforschung über Grenzen hinweg zu begründen. Allerdings müssen dazu die eigenen Daten nicht nur am eigenen PC lagern, sondern in einschlägigen, sicheren Datenbanken eingespeist werden. Innerhalb der VSFF gibt es über deren Homepage ein entsprechendes Angebot. Der Dachverband www.compgen.de, ein Verein für die Familienforschung mit dem Computer, bietet dafür öffentlich die sehr große Datenbank Gedbas an. Über in das Internet zurückhaltend eingespeiste Familiendaten hat der Referent zu seiner großen Überraschung auch solche Verwandte gefunden, die 1945 in Tschechien verblieben sind. Dabei gilt für die Verständigung folgende Regel: Jeder schreibt in seiner Sprache in kurzen Sätzen seine Texte, die dann mit einem Übersetzungsprogramm, wie dem Google Translator, in die jeweils andere Sprache übersetzt werden. Hildegard Schuster Film des designierten Förderpreisträgers Ondřej Valchář aus Wekelsdorf beschreibt unter anderem Schicksale von Braunauer Bürgern, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dieser Region vertrieben wurden, und die Sichtweise heutiger tschechischer Bürger des Braunauer Ländchens. Jugend einbinden Sieglinde Vendolsky aus Königstein informierte über ihr Vorhaben, in Böhmisch-Kamnitz auf dem Gelände des KZ Rabenstein (von August 1944 bis 8. Mai 1945 Außenlager des KZ Flossenbürg) ein Jugend-Arbeits-Camp zu installieren. Ziel sei unter anderem auch, ein Erinnerungsort für die Geschichte der Region zu werden und Berichte der Zeitzeugen zu dokumentieren.

ir haben beschlossen, die Beimischung von Bio-Zutaten zu Kraftstoffen zu beenden“, hat Premierminister Petr Fiala (ODS) am Montag via Twitter verkündet. Menschen und Unternehmen hätten jahrelang für etwas Unnötiges bezahlt, da die Umweltauswirkungen fraglich seien, so Fiala: „Gleichzeitig wird den Bauern Land überlassen, um mehr Getreide anzubauen. Was auch wegen der russischen Aggression in der Ukraine notwendig ist.“ Die deutsche Bundesregierung hält dagegen an ihrer Planung fest, den Anteil an Biokraftstoff bis 2030 von jetzt sieben auf 25 Prozent zu erhöhen. Der vermehrte Einsatz von Biokraftstoff hat in Deutschland bereits zu Nachfrageproblemen bei den Rohstoffen gesorgt, was wiederum zu deutlich höheren Treibstoffpreisen geführt hat. Hinzu kommen technische Probleme bei der Verbrennung von Biokraftstoff im Motor.

Verstärkung an der Nato-Ostflanke

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ie Tschechische Republik beteiligt sich mit eigenen Soldaten am Aufbau der neuen Nato-Battle-Group, die in der Slowakei stationiert wird, um den Ostflügel des Verteidigungsbündnisses nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu stärken. Nach dem Senat hat jetzt auch das Abgeordnetenhaus der Entsendung der Soldaten zugestimmt. Verteidigungsministerin Jana Černochová (ODS) sagte, die Entsendung der tschechischen Soldaten sei ein starkes politisches Signal, daß Tschechien für die kollektive Bündnisverteidigung einsteht.

Babiš-Firma verliert EU-Subventionen

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n der Präsidialkanzlei von Staatspräsident Miloš Zeman sind zwei weitere Geheimdokumente über die Explosion im mährischen Wirbietitz (Vrbětice) widerrechtlich geschreddert worden, hat eine Kontrolle der Nationalen Sicherheitsbehörde (NBÚ) ergeben. In der Vergangenheit hatten Medien mehrfach berichtet, daß mehrere Geheimdokumente in Zemans Büro vernichtet worden sind, die angeblich belegen, daß der russische Geheimdienst Drahtzieher des

Bombenanschlags auf das Munitionslager gewesen war.

Tschechisch-Kurse für Kriegsflüchtlinge

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ber 300 000 Menschen aus der Ukraine haben in den letzten Wochen Zuflucht in Tschechien gefunden. Damit die Flüchtlinge sich in dem Land besser zurechtfinden, haben Sprachschulen und Universitäten kostenlose Sprachkurse auf die Beine gestellt.

Prager Burg startet in die Sommersaison

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ie Prager Burg eröffnet am Freitag, 1. April, die Sommersaison. Zusätzlich zu den Innenräumen der Burg werden nach der Winterpause auch der Königliche Garten, der Obere Hirschgraben und die Südlichen Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Besucher werden zudem eine Ausstellung zum 150. Geburtstag des slowenischen Architekten Jože Plečnik besichtigen können.

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Keine Energie mehr von Putin

ezputina.cz – ohne Putin, ist das Motto eines Aufrufs von Verbänden aus dem Bereich erneuerbarer Energien, die eine Unabhängigkeit von Gas- und Erdöllieferungen aus Rußland fordern. „Der beispiellose Angriff russischer Truppen auf die freie Ukraine sowie die weiteren Ereignisse erinnern an die Notwendigkeit, die tschechische Energieproduktion schnellstens zu ändern“, sagte der Vorsitzende des Verbandes für moderne Energieproduktion, Martin Sedlák.

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Gas und Strom deutlich teurer

m bis zu 66 (!) Prozent können die Gaspreise im nächsten Jahr steigen, hat das halbstaatliche Energieunternehmen ČEZ gewarnt. Deren Generaldirektor Daniel Beneš sagte, auch Strom werde deutlich teurer. Hier werde mit einer Preissteigerung von bis zu 33 Prozent gerechnet. Neben dem russischen Angriffskrieg und den Sanktionen gegen Moskau gäbe es weitere Gründe für die Preisexplosion. So seien die CO2-Zertifikate teurer geworden. Außerdem habe die Wirtschaft nach dem Corona-Lockdown wieder einen höheren Energiebedarf.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


AKTUELL

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Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton würdigt Leben und Werk seiner Außenministerin und guten Freundin

„In unserem letzten Gespräch sorgte sich Madeleine Albright nur um die Ukraine“ Als erste Frau wurde Madeleine Albright am 23. Januar 1997 als Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Einer der ersten Gratulanten war USPräsident Bill Clinton. Foto: Albright Stonebridge Group

Am 15. Mai wäre Madeleine Albright 85 Jahre alt geworden. Mit Blick auf diesen besonderen Geburtstag hatte die Sudetendeutsche Zeitung die gebürtige Pragerin um ein Interview für die Reihe Sudetendeutschen Gespräche gebeten, doch das Schicksal entschied anders. Am 23. März erlag die ehemalige US-Außenministerin, die als erste Frau dieses Amt inne hatte, einem Krebsleiden. Im CBS-Interview erinnerte sich der damalige US-Präsident Bill Clinton an sein Kabinettsmitglied.

H

err Präsident, wie war Ihre Beziehung zu Madeleine Albright? Clinton: Hillary und ich waren seit vielen, vielen Jahren mit ihr befreundet. Madeleine Albright war eine besondere Frau, deren eigenes Schicksal sich in der Geschichte Europas widerspiegelte. Ihre Familie mußte zweimal aus der Tschechoslowakei fliehen, erst vor Hitler, dann vor Stalin. Sie haßte deshalb zeitlebens Diktaturen und politische Führer, die den Schutz des menschlichen Lebens nicht ernst nahmen. Nach dem Fall des Eisernen Vor-

hangs haben wir gemeinsam mit den Europäern daran gearbeitet, eine Welt zu erschaffen, die auf Frieden, Demokratie und Zusammenarbeit basiert – insbesondere in Europa. Madeleine Albright paßte als Persönlichkeit perfekt in diese Zeit. Sie haben erst vor zwei Wochen mit Madeleine Albright gesprochen. Wie hat sie sich gefühlt? Clinton: Ich glaube, sie hat gespürt, daß sie nicht mehr lange zu leben hat, aber dennoch Haltung gezeigt. Ihre Einstellung bis zum Schluß war: Ich habe einen guten Arzt, der mich behandelt. Und

was auch immer passiert, passiert. Viel wichtiger war ihr die Frage, welche Welt wir unseren Enkeln hinterlassen. In unserem letzten Gespräch sorgte sich Madeleine Albright nur um die Ukraine. Für sie waren die Nachrichtenbilder wie die Wiederholung eines bösen Films. Sie fühlte sich in

un-

serer damaligen Entscheidung für die Nato-Osterweiterung bestätigt. Die osteuropäischen Staaten waren an guten Beziehungen zu Rußland interessiert, planten aber auch für den Worst Case, um nicht auf die Gnade eines russischen Führers angewiesen zu sein. Das, was jetzt in der Ukraine geschieht, davor hat Madeleine Albright schon vor Jahren gewarnt. Wie hat Madeleine Albright den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingeschätzt? Clinton: Als einen sehr intelligenten,

Madeleine Albright

Erst als Ministerin erfuhr sie von ihren jüdischen Wurzeln Am 15. Mai 1937 wurde Madeleine Albright als Marie Jana Körbelová in Prag geboren. Ihre Familie mußte gleich zweimal flüchten – 1939 vor den Nazis und 1948 vor den Kommunisten.

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ch wurde katholisch erzogen und heiratete einen episkopalischen Christen und trat seiner Kirche bei“, erzählte Albright 2013 in einem Interview mit der Zeit. Ein paar Tage nach ihrer Vereidigung als US-Außenministerin im Januar 1997 veröffentlichte die Washington Post, dass Albright jüdische Wurzeln hat. Zuvor hatten bereits arabische Zeitungen über diesen Umstand berichtet, allerdings ohne Quellen zu nennen. Ziel der arabischen Medien war es offenbar, so die Washington Post, die Nominierung noch in letzter Minute zu verhindern. Diese Berichte wurden daraufhin vom US-Außenministerium als Falschmeldung heftig dementiert. 1939, zehn Tage nach dem Einmarsch der Nazis in der Tschechoslowakei, gelang es dem Ehepaar Josef und Mandula Körbel mit der damals zweijährigen Tochter nach London zu fliehen. „Mit der Hilfe guter Freunde, viel Glück und ein bißchen Bestechung erhielten wir von der Gestapo die Erlaubnis auszureisen“, schrieb Mandula Körbel

später in ihren Erinnerungen nieder. Viele der zurückgebliebenen Familienmitglieder wurden später von den Nazis in den Gaskammern von Auschwitz ermordet oder starben an Hunger und Krankheit im KZ Theresienstadt. Unter den Opfern waren auch Arnost und Olga Körbel, Albrights Großeltern väterlicherseits, sowie Anna Spieglova, die zweite Großmutter. Nach dem Krieg kehrten die Körbels zunächst nach Prag zurück, um dann 1948 vor den Kommunisten zu fliehen und in die USA auszuwandern. Mit der Samtenen Revolution reiste Albright regelmäßig in ihr Geburtsland. Einer ihrer persönlichen Freunde wurde Jiří Dienstbier, der erste Außenminister der neuen demokratischen Regierung. Beste Beziehungen baute Albright auch zu Václav Havel auf. Als Außenministerin warb sie energisch für eine Nato-Osterweiterung, in deren Rahmen 1999 auch Tschechien, Polen und Ungarn in die Allianz aufgenommen wurden. Nach ihrer aktiven Zeit als Politikerin gründete sie das einflußreiche Beratungsunternehmen Albright Stonebridge Group, das sie bis zum Schluß leitete.

Von 1959 bis zur Scheidung 1982 war sie mit dem Journalisten Joseph Medill Patterson Albright verheiratet. Das Paar hat drei Töchter, die Zwillinge Alice und Anne (* 17. Juni 1961) sowie Katherine (* 5. Juni 1967).

aber gleichzeitig auch als einen sehr bösen Menschen. Diese Meinung vertrat sie von anbeginn, verfolgte aber die Strategie, mit Putin zu verhandeln, zumal er damals, in seiner ersten Amtsperiode, ein mehr oder weniger verlässlicher Gesprächspartner war. Im Verlauf seiner dritten Amtszeit ist die Lage deutlich schlechter geworden. Putin wurde immer mehr zum aggressiven Diktator und hat zum Beispiel Cyberattacken eingesetzt, um Amerika und andere westliche Staaten zu spalten. Und jetzt versucht er, die Ukraine zu schlucken.“ Kosovos Präsidentin Vjosa Osmani hat getwittert, mit dem Tod von Madeleine Albright habe das Kosovo eine unschätzbare Freundin verloren. Gleichzeitig erinnerte Osmani daran, daß die Nato vor 23 Jahren, als Sie US-Präsident waren, einen Genozid an den Kosovaren militärisch beendet hat, und forderte das westliche Verteidigungsbündnis auf, auch bei der Ukraine keine Möglichkeit auszuschließen. Clinton: Wie der Westen der Ukraine beistehen kann, ist genau die Frage, die US-Präsident Joe Biden mit den Europäern diskutiert. Vergessen Sie nicht, daß wir damals zweieinhalb Jahre gebraucht haben, um für den Militäreinsatz auf dem Balkan unter den Nato-Partnern eine Einigkeit herzustellen.

Josef Korbel arbeitete in London für die tschechoslowakische Exilregierung von Edvard Beneš

Albrights Vater stand auf Hitlers „Sonderfahndungsliste G.B.“ Er hatte einen nicht zu unterschätzenden politischen Einfluß auf seine Tochter Madeleine Albright, ebenso auf Condoleezza Rice, Außenministerin im zweiten Kabinett von George W. Bush, die bei Josef Körbel studiert und ihn als ihren größten Mentor bezeichnet hat.

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osef Körbel wurde am 20. September 1909 im ostböhmischen Geiersberg als Sohn einer gutsituierten jüdischen Familie geboren. 1928 zog die Familie nach Prag um, wo sein Vater Arnost Körbel ein großes Baugeschäft übernahm. Der hochbegabte Josef studierte an der Sorbonne in Paris und der KarlsUniversität in Prag Jura und promovierte bereits mit 23 Jahren. Nach seinem Wehrdienst bekam Körbel 1934 eine Stelle im Außenministerium und wurde zwei Jahre später Presseattaché der Botschaft in Belgrad. Nach der Flucht vor den Nazis arbeitete Körbel in London für die tschechoslowakische Exilre-

gierung von Edvard Beneš. Die Nazis setzten seinen Namen auf die sogenannte Sonderfahnungsungsliste G.B., in der Personen gelistet waren, die nach einem Einmarsch in Großbritannien umgehend verhaftet werden sollten. Nach dem Krieg kehrte Körbel nach Prag zurück und wurde Amtschef des Außenministeriums. Nahe der Prager Burg bezog er die 300 Quadratmeter große Wohnung der deutschtschechischen Industriellen-Familie Nebrich am Hradschin-Platz 11, die durch die BenešDekrete vertrieben Josef Körbel, der Vater von Madeleine Albright. worden war. Die beiden Schwestern Doris Renner Mutter gelebt hatten, werfen Jound Ruth Harmer, die dort bis sef Körbel vor, sich widerrechtzu ihrer Vertreibung mit ihrer lich kostbare Antiquitäten und

Gemälde im Wert von mehreren Millionen Dollar aus dem Familienbesitz der Nebrichs angeeignet zu haben. Diese Wertgegenstände sind, so schrieb Der Spiegel 1999, offenbar „nach wie vor im Besitz“ der Albrights, die aber eine Herausgabe verweigern würden. „Dabei berufen sie sich auf höchst suspektes Recht – auf Dekrete, die der tschechoslowakische Nachkriegspräsident Eduard Beneš 1945 erlassen hatte und nach denen der Besitz aller Deutschen konfisziert wurde“, so Der Spiegel. 1948 flüchtete die Familie Körbel erneut, dieses Mal vor den Kommunisten, die in Prag die Macht übernommen hatten. In der neuen Heimat USA startete Körbel, der sich fortan Korbel nannte, seine akademische Karriere an der University of Denver, wo noch heute ein Institut seinen Namen trägt. Körbel, der später die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, verstarb am 18. Juli 1977 in Denver.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

Auf der Sitzung des Heimatrates ging es um eine neue Symbolik, digitale Netzwerke und das Neudek als gutes Beispiel für andere Heimatkreise

„Freundschaft und Versöhnung besser als Haß“ Es gehe darum, „das zu erhalten, was uns wert ist“, hat Franz Longin, der Vorsitzende des Sudetendeutschen Heimatrates, zum Auftakt des Online-Treffens erklärt.

L

ongin bezog im Heimatrat auch Stellung zum Krieg in der Ukraine. „Das ist eine Zeit, die mich sehr bedrückt, nicht mehr richtig arbeiten läßt“, drückte er sein Empfinden aus. Die aktuellen Berichte würden ihn an „Bilder Anfang Mai 1945, an den Einmarsch bei uns zu Haus, die doppelte Besatzung durch russisches Militär und Partisanen“ erinnern. „Die Welt wird von einem Verbrecher heimgesucht“, schloß Longin diesen Aspekt und zitierte einige Passagen aus der von der Sudetendeutschen Bundesversammlung verabschiedeten „Entschließung über die Ukraine“, in der klar der Angriffskrieg auf die Ukraine verurteilt wird.

Besonders blickte Longin auf die letzten zwei auch von Corona geprägten Jahre zurück, in denen die Arbeit der 14 Heimatlandschaften, 81 Heimatkreise und 2000 Heimatgemeinden unter die Lupe genommen wurde bzw. noch wird. „Jedes Unterfangen müssen wir bestärken – auch mit Blick auf die Forschung und die Kultur in die alte Heimat hinein“, beschrieb der Vorsitzende die Herausforderungen. Zum aktuellen Projekt „Die Symbolik der Heimatlandschaften und neue Netzwerke für die Heimatgliederung“ informierte der bei der SL-Bundesgeschäftsstelle damit betraute Mathias Heider. Ausgehend von der meist nur namentlichen Nennung der 14 Heimatlandschaften in Prospekten und Broschüren sowie einigen bekannten Symbolen (z.B. der „Huasnoantoutara“ – Trachtenknopf der Egerländer) verdeutlichte er, daß hier starke symbolhafte Darstellun-

gen, die sozusagen den Markenkern wiedergeben, vor allem für soziale Netzwerke sinnvoll wären. Diese sollten außerdem grafisch die gleiche Basis und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Die Heimatlandschaften seien bereits angefragt worden. „Ziel ist, daß jede Heimatlandschaft eine eigene Symbolik – am besten einfache Piktogramme der Wahrzeichen – erhält“, erläuterte Heider. Diese könnten dann beim Heimatrat, bei der Bundesversammlung, in der neuen Imagebroschüre sowie in sozialen Netzwerken Verwendung finden. Ende April soll in einer Online-Konferenz dieses Projekt vertieft werden. Unter dem Titel „Heimatkreisbetreuer – eine lohnende Aufgabe“ präsentierte Josef Grimm, der Heimatkreisbetreuer Neudek, die von ihm entfalteten Aktivitäten – auch als Tipps und Anregungen für andere Heimatkreise. Wobei er betonte, daß na-

türlich weitere Personen in die Arbeit mit eingebunden sind. Grimm nannte die im Jahr 1952 in Augsburg gegründete Heimatgruppe „Glück auf“, die quasi die Basis gewesen war, den inzwischen in die Sudetendeutsche Zeitung integrierten und monatlich erscheinenden Neudeker Heimatbrief, den Austausch bzw. die Zusammenarbeit mit den Zeitschriften über das böhmische Erzgebirge „Der Grenzgänger“ und „Krušnohorský Herzgebirge Luft“ sowie das Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Göggingen (heute Stadtteil von Augsburg). Auch in Letzteres ist Grimm natürlich involviert. Darüber hinaus erwähnte er die seit 1954 bestehende Patenschaft der früheren Marktgemeinde beziehungsweise Stadt Göggingen über die sudetendeutsche Stadt Neudek. Die Patenschaft hat mit dem Eingemeindungsvertrag die Stadt Augsburg übernommen. Die schwäbische Re-

gierungshauptstadt unterstützt also das Museum, die Patenschaft und die Heimatkreisarbeit – und alle Bereiche werden mit vielen Veranstaltungen und Aktivitäten belebt – in Augsburg und in Neudek. Sei es beim gemeinsamen Stand beim Sudetendeutschen Tag, mit einem Gedenkstein in Abertham (Grimms Geburtsstadt) in Erinnerung „an die Opfer der Gewalt von 1945 – drei Frauen und 13 Männer aus Abertham – (und) an alle, die später in Folge von Mißhandlungen verstorben sind“ oder durch den Aufbau von verfallenen Kirchen. „Es ist viel gelungen, aber auch noch viel zu tun. Freundschaft und Versöhnung sind besser als Haß“, schloß Grimm seine Ausführungen. Der Heimatlandschaftsbetreuer Riesengebirge, Markus Dekker, zog unter dem Titel „Moderne Netzwerkarbeit, neue Medien“ eine erste Bilanz der Facebook-Gruppen der 14 Hei-

matlandschaften mit (Stand 23. März) 2796 Mitgliedern – unterschiedlich natürlich je nach Gruppe. „Etwa jedes dritte oder vierte Neumitglied kommt aus Tschechien“, merkte er ergänzend an. Im September 2021 hat er mit einer hessischen SL-Gruppe zudem mit Facebook-Gruppen für die Bundesländer begonnen, weitere werden folgen. „Ziel ist, die Aktivitäten der Gebiets- und Heimatgliederungen zu vernetzen, erklärte Decker. Heimatrat-Vorsitzender Franz Longin nannte die Gewinnung neuer Mitglieder aus der jungen und mittleren Generation als wichtige Aufgabe. Darüber hinaus sollten die Heimatzeitungen durch Öffentlichkeitsarbeit und Bildmaterial gestützt und die Heimatstuben und -museen unterstützt werden. Longins Botschaft: „Die Patenschaften der Heimatkreise und Städte müssen erhalten und gefördert werden.“ Markus Bauer

VERANSTALTUNGSKALENDER Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Freitag, 1. April, 19.00 Uhr: Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze. Es spielt das deutsch-böhmische Kammermusikduo Duo Connessione. Lesungen: Pater Frank Prestel. St. Urban, Hauptstraße 50, Freiburg im Breisgau. Freitag, 1. April, 18.00 Uhr: Feierlicher Gottesdienst zum 100. Todestag des Sel. Kaisers Karl I. aus dem Hause Habsburg. Zelebrant: S.E. Erzbischof Nikola Eterović, Päpstlicher Nuntius in Deutschland. St. Peter, Rindermarkt 1, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Samstag, 2. April, 15.00 Uhr: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Bundesverband, Verleihung der Sudetendeutschen Förderpreise mit Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Bundeskulturreferent Ulf Broßmann. Für die musikalische Umrahmung sorgt Sopranistin Iris-Marie Kotzian, begleitet am Klavier von Christoph Weber. Anmeldung bis spätestens 28. März unter Telefon (0 89) 48 00 03 54 oder per eMail an anmeldung@sudeten.de Donnerstag, 7. April, 18.00 Uhr, #gerhartDIGITAL – Auftakt zur gleichnamigen Online-Veranstaltungsreihe im GerhartHauptmann-Haus: „Ungarn nach der Wahl“ mit Stephan Löwenstein. Anmeldung per eMail: sekretariat@g-h-h.de Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr: „Verwandte Seelen? Käthe Kollwitz und Ernst Barlach“, Vortrag von Klaus Weigelt. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr: Präsentation der Webdokumentation „lost history – shared memories: Deportationen in der Sowjetunion aus der rußlanddeutschen und tschetschenischen Perspektive“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Samstag, 9. April, 14.00

bis 18.00 Uhr, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen: Böhmisch-Mährisch-Schlesischer Ostermarkt. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Begrüßung und Eröffnung: Sylvia Stierstofer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung. 15.00 bis 17.00 Uhr: Angebot für Kinder und Jugendliche: Eierkratzen und Eiermalen mit Nadja Schwarzenegger. 15.00 Uhr: Buchvorstellung „Atlas der Volkstrachten der Tschechischen Republik“ mit Autor Jan Kuča. Musikalische Umrahmung: Böhmerwälder Sing- und Volkstanzgruppe München. Samstag, 9. April, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe BadenWürttemberg: Landesversammlung. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Samstag, 9. April, 15.00 Uhr: „Es wird wieder gepauert“. Thomas Schönhoff trägt Frühlings- und Ostergeschichten in paurischer Mundart von Walter Beer, Emma Hollmann, Marie Hübner und Heinz Kleinert vor. Isergebirgs-Museum Neugablonz, Bürgerplatz 1, Kaufbeuren. Freitag, 22., 17.00 Uhr bis Sonntag, 24. April, 13.00 Uhr,

Seliger Gemeinde: Frühjahrsseminar. Evangelisches Bildungswerk, Markgrafenstraße 34, Bad Alexandersbad. Samstag, 23. April, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Aus Jaroslav Hašek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Lesung von Dr. Hildegunt Kirschner (Erlangen). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 24. April, 11.00 bis 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf, Fest der Nationen. Gemeindehaus Salvator Giebel, Giebelstraße 15, Stuttgart. Montag, 25. April, 19:00 Uhr: „Böhmen macht Weltgeschichte: Der unbekannte Wallenstein“. Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski. Sudetendeutsches Haus, Adalbert-StifterSaal, Hochstraße 7, München. Veranstalter: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Bundesverband, Sudetendeutsche Heimatpflege, Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München und Freising, Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste. Dienstag, 26. April, 19.00 Uhr: „Rumänien – Treffpunkt Orient–Okzident.“ Bebilderter Vortrag von Peter von Kapri. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf.

In Hof und der Euregio Egrensis

72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.

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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Pro-

gramm stehen. Ein Höhepunkt des Sudetendeutschen Tags ist die Verleihung des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Preisträger ist in diesem Jahr der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj. Damit wollen die Sudetendeutschen, so der Sprecher und damit oberste politische Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, „gegen Putins Angriff auf Herz und Seele Europas protestieren und Solidarität mit dem tapferen ukrainischen Volk bekunden. Selenskyj ist durch seine Tapferkeit und sein Augenmaß einer der bedeutendsten Europäer der Gegenwart.“

Donnerstag, 28. April, 19.00 Uhr: „Die Deutschen in der Sowjetunion in der letzten Phase von deren Existenz 1985–1991.“ Vortrag von Dr. Viktor Krieger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 28. April, 19.00 Uhr: Sudetendeutscher Heimatrat: Online-Treffen. Freitag, 29. April, 18.00 Uhr: „Die Revolution ist die Maske des Todes. Der Tod ist die Maske der Revolution.“ Musikalische Lesung mit Alexandra Lachmann (Sopran), Elke Jahn (Gitarre) und Uli Hoch (Lesung). Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 30. April, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag mit Bezirksvorsteherin Ulrike Zich. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 30. April, 16.30 Uhr: „Wir sind nicht Ahnenlos – 100 Jahre Familienforschung in der Region Düsseldorf“. Festakt und Eröffnung der Jubiläumsausstellung, die bis zum 27. Mai läuft. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit SL-Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Planmäßige Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Dienstag, 3. Mai, 19.00 Uhr: „Königsberg erinnern. Versuch einer philosophischen Ortsbestimmung“. Vortrag von Prof. Dr. Hans-Ulrich Baumgarten. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen.

Carl Kostka und die Deutschdemokratische Freiheitheitspartei Samstag, 9. April, 16.00 bis 18.00 Uhr: Online-Seminar: „Karl Kostka und die deutschdemokratische Freiheitspartei zwischen nationalen Ansprüchen und liberalem Gedankengut“. Gespräch mit der Historikerin und Publizistin Susanne Keller-Giger. Der Politiker und Sekretär der nordböhmischen Handels- und Gewerbekammer Carl Kostka (1870–1957, auf dem Foto links mit dem damaligen Außenminister Edvard Beneš) stand von 1929 bis Frühjahr 1938 der sudetendeutschen Stadt Reichenberg als Bürgermeister vor. Zusammen mit seiner Partei, der Deutschdemokratischen Freiheitspartei (DDFP), entwickelte er sich vom Kritiker der neu entstandenen Tschechoslowakei zu einem verläßlichen Verteidiger der Republik. Susanne Keller-Giger aus Buchs im Kanton Sankt Gallen hat im SabatVerlag ein vielbeachtetes Buch über den letzten demokratischen Bürgermeister der Stadt Reichenberg herausgegeben (siehe Sudetendeutsches Gespräch vom 25. Februar 2022). Kostka war auch Senator in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, aber in der Geschichtsschreibung in Tschechien wie auch in Deutschland ziemlich vergessen. Zuerst erschien das Buch auf Tschechisch und machte in und um Reichenberg Furore. Jetzt ist es auch auf Deutsch erhältlich. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder unter Telefon (09 71) 7 14 70. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Finissage

Fremd : Vertraut Hermannstadt : Kronstadt Montag, 4. April, 19.00 Uhr: Finissage der Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt. Zwei Städte in Siebenbürgen“ mit Fotografien von Prof. Dr. Jürgen van Buer. Die Ausstellung zeigt, wie sich die beiden siebenbürgischen Städte im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos entwickelt haben, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das Aufeinander-Angewiesen-Sein unübersehbar sind. Grußwort: Professor Dr. Andreas Otto We-

ber (Direktor des HDO). Referenten: Prof. Dr. Jürgen van Buer (Berlin), Dr. Gerhild Rudolf (Hermannstadt), Kurator Josef Balazs (Nürnberg). Musikalische Darbietung: Peter Clemente (Violine) und sein String Quintet. Live Uraufführung des Streichquintetts „Siebenbürgen“ von Dafydd Bullock. Veranstaltungsort: Online oder Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz, Residenzstraße 1, München Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

5 � Mut tut gut

Gott bewahre Z

Am 21. Oktober 1911 heiratete Karl die italienisch-französische Prinzessin Zita von Bourbon-Parma. Mit dabei: Kaiser Franz Joseph I.

� Zum 100. Todestag von Kaiser Karl

Habsburgs letzter Monarch – ein Vorkämpfer des Friedens Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Am 1. April ist es 100 Jahre her, seit der inzwischen von Papst Johannes Paul II. selig gesprochene Kaiser Karl von Österreich im Exil auf der portugiesischen Atlantik-Insel Madeira starb. Volksgruppensprecher Bernd Posselt beleuchtet den Lebensweg dieses modernen Monarchen, der auch der letzte König von Böhmen war.

A

ls Erzherzog Karl am 17. August 1887 auf Schloß Persenbeug in Niederösterreich geboren wurde, ahnte niemand, daß er jemals die Krone der Habsburgermonarchie tragen würde. Erst die Tragödie von Mayerling, bei der Kronprinz Rudolf aus dem Leben schied, das Attentat auf den Nächstberechtigten, Erzherzog Franz Ferdinand, in Sarajewo, die Tatsache, daß dessen Kinder mit der böhmischen Gräfin Sophie Chotek von der Thronfolge ausgeschlossen waren, und der frühe Tod von dessen Bruder Erzherzog Otto ließen den jungen Karl 1916 die Nachfolge des betagten Kaisers Franz Joseph antreten. Erzherzog Karls Leben war vielfach mit den Böhmischen Ländern verbunden, denen seine besondere Liebe galt, zumal er schon als Kind einige Jahre in Prag und Brünn verbrachte. Nach der Matura am Wiener Schottengymnasium – er war eines der ersten Mitglieder des Herrscherhauses, das zumindest zeitweise eine öffentliche Schule besuchte – wechselte er zu Studienzwecken nach Prag, wo er auf dem Hradschin wohnte. Dort hielten ihm abwechselnd tschechische und deutsche Professoren von der nach Nationen geteilten Karlsuniversität Vorlesungen. Seine hervorragenden tschechischen Sprachkenntnisse vertiefte er während seiner Militärzeit im innerböhmischen Brandeis an der Elbe, war aber auch im sudetendeutschen Bilin stationiert. Sein Kammervorsteher und späterer Generaladjudant, Prinz Zdenko Lobkowicz, entstammte dem böhmischen Hochadel. 1911 verliebte sich Karl während eines Aufenthalts in Franzensbad in die im niederösterreichischen Exil lebende italienisch-französische Prinzessin Zita von Bourbon-Parma, die er am 21. Oktober desselben Jahres in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. heiratete. Ein Jahr später kam sein künftiger Kronprinz Otto zur Welt, der später als Europapolitiker und Präsident der Paneuropa-Union das übernationale Gedankengut der Habsburger in demokratischer Form weitertragen sollte. Insgesamt hatte das Paar acht Kinder. Eine wichtige Lebensphase für den jungen Offizier aus dem österreichi-

schen Kaiserhaus waren die Monate im Tod Franz Josephs am 21. November galizischen Kolomea, wo er eine beson- 1916 alles unternahm, den Krieg zu beders starke Sympathie zu der dortigen enden und sowohl seine Monarchie als ukrainischen Bevölkerung entwickel- auch das Leben zahlloser Menschen zu te, gegen deren Benachteiligung durch retten. die polnischsprachige Oberschicht er Dies entsprach der tiefen religiösen mehrfach in Wien heftig protestierte. Überzeugung, die er mit seiner Ehefrau, Die Ruthenen, wie die Ukrainer in der Kaiserin Zita, teilte. Gemeinsam mit ihr Habsburgermonarbemühte er sich n  Freitag, 1. April, 18.00 Uhr: Feier- bei einem Trefchie genannt wurden, zeichneten licher Gottesdienst zum 100. Todestag fen in Bad Homsich durch beson- des Sel. Kaisers Karl I. aus dem Hau- burg, den deutdere Tapferkeit und se Habsburg. Zelebrant: S.E. Erzbischof schen Kaiser Kaisertreue aus, Nikola Eterović, Päpstlicher Nuntius in Wilhelm II. für weshalb sie den Eh- Deutschland. St. Peter, Rindermarkt 1, eine gemeinsame rentitel „Tiroler des München. FriedensinitiatiOstens“ trugen. Im ve zu gewinnen. „Königreich Galizien und Lodomerien“, Als dies am Widerstand Hindenburgs wie dieses heute zur Ukraine gehören- und Ludendorffs scheiterte, versuchte de Kronland damals hieß, gaben fast nur er über die Brüder Zitas, die als Prinzen die Polen den Ton an, was dem Gerech- von Bourbon-Parma im französischen tigkeitssinn Karls widersprach. und im belgischen Heer dienten, durch Sein Einsatz für eine Gleichberechti- Sonderfriedensverhandlungen das Masgung der Völker und Volksgruppen führ- sensterben und die drohende Katastrote ihn nach seiner erneuten Übersied- phe abzuwenden. Die militaristische lung nach Wien ab 1913 in den engeren Propaganda aus Berlin zeichnete darFreundes- und Mitarbeiterkreis seines aufhin ein Zerrbild von Karl als einem Onkels Franz Ferdinand, der eine um- Schwächling, der von der „italienischen

Heilige Messe am 3. Oktober 2004 auf dem Petersplatz in Rom zur Seligsprechung von Karl I.. fassende Reform der Donaumonarchie anstrebte und insbesondere den slawischen Völkern mehr Rechte einräumen wollte. Karls Ideen gingen, auch was demokratische Prinzipien betraf, noch weit über das hinaus, was Franz Ferdinand in seiner so genannten Werkstatt, der Repräsentanten aller Nationalitäten des Kaiserstaates angehörten, erarbeiten ließ. Nach der Ermordung Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 bezog Kaiser Franz Joseph den nunmehrigen Erzherzog-Thronfolger Karl bewußt nicht in die Entscheidung über den Krieg gegen Serbien ein und versuchte ihn von jedem politischen Einfluß fernzuhalten. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, hielt Karl sich ständig an der Front auf und teilte mit den Soldaten Gefahren und Strapazen. Deshalb war es nicht nur politische Überlegung, als er nach dem

zewski trat. Zu spät kam allerdings sein Völkermanifest vom 16. Oktober 1918, dessen Grundideen er schon als junger Erzherzog 1913 entwickelt hatte. Diese sind bis heute von großer politischer Bedeutung, denn sie beinhalten ein Konzept, in dem die Völker ihr Selbstbestimmungsrecht nicht gegeneinander richten, sondern es gemeinsam in einem Nationalitäten-Bundesstaat mit geteilter Souveränität und einem supranationalen Mittelpunkt ausüben. Dieses Gedankengut inspiriert inzwischen die von seinem Sohn Otto später führend gestaltete Paneuropa-Bewegung und bildet die Grundlage der Europäischen Union von heute. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie waren es übrigens die Stadtväter der böhmischen Gemeinde Brandeis, die Karl und seiner Familie anboten, dort Wohnsitz zu nehmen – was ein Edvard Beneš natürlich niemals zugelassen hätte. Die kaiserliche Familie übersiedelte von Wien für kurze Zeit ins niederösterreichische Schloß Eckartsau und wurde dann von den Alliierten außer Landes gebracht, und zwar zuerst in

Papst Johannes Paul II. und Otto von Habsburg, der älteste Sohn von Karl I.

Verräterin“ Zita gelenkt werde. Dabei wußten beide klar, daß der Krieg verloren war, und konnten es mit ihrem Gewissen als Christen keinesfalls vereinbaren, weitere Menschenleben zu opfern – während andere noch vom „Siegfrieden“ träumten. Zu den wichtigsten innenpolitischen Entscheidungen Karls, der in hohem Ausmaß Mitarbeiter aus Böhmen in seiner Regierung und in seiner unmittelbaren Umgebung hatte, zählten die Wiedereinberufung des in gleichen und geheimen Wahlen gekürten österreichischen Parlamentes, des Reichsrates, und die Einleitung sozialer Reformen. So schuf er das erste Sozialministerium der Welt unter Leitung von Viktor Mataja und wenig später ein eigenes Gesundheitsministerium, an dessen Spitze der ukrainische Chemiker Ivan Horbac-

die Schweiz und schließlich, nach zwei Rückkehrversuchen ins unter Reichsverweser Nikolaus von Horthy formell Königreich gebliebene Ungarn, auf die kalte Atlantikinsel Madeira. Dort starb Karl an einer Lungenentzündung infolge der damals grassierenden Spanischen Grippe, im Alter von erst 34 Jahren. Am Sterbebett kniete sein neunjähriger Sohn Otto, nunmehr Familienchef, von dem Karl wollte, „daß er sieht, wie man stirbt, als Kaiser und als Katholik“. Am 3. Oktober 2004 nahm Papst Johannes Paul II. – dessen Vater selbst in der k.u.k. Armee gedient hatte – auf dem Petersplatz die Seligsprechung des Friedenskaisers vor, wobei sich unter den Ehrengästen sowohl offizielle Repräsentanten der Tschechischen Republik als auch die Spitze der Sudetendeutschen Volksgruppe befanden.

u den theologischen Fragen, die mir als Seelsorger immer wieder gestellt werden, gehört jene, wie denn die vorletzte Bitte des Vaterunsers zu verstehen sei: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Ich bin zwar zunächst froh, wenn mir diese Frage gestellt wird. Sie zeigt mir schließlich, daß viele Leute über das wichtigste christliche Gebet wirklich nachdenken. Mit einer direkten Antwort tue ich mir allerdings immer schwer. Auch zu meinem Gottesbild gehört es nämlich keinesfalls, daß Gott mich in eine gefahrenvolle Situation hineinschickt, und Versuchungen sehe ich als gefahrenvolle Situationen. Hier sind ja nicht die kleinen Versuchungen des Alltags gemeint. Es geht zum Beispiel nicht um jene Schokolade, deren Hersteller mit dem Slogan wirbt: „Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.“ Es geht nicht darum, daß wir in unserem Leben der einen oder anderen Verfehlung ausgeliefert sind, die sich bei einem nüchternen Kopf verhindern ließe. Es geht auch nicht um die kleinen Kompromisse, mit denen wir versuchen, uns das Leben ein wenig zu leichter zu machen. Mir scheint, daß es bei der vorletzten Bitte des Vaterunsers um die ganz großen geistigen Dramen unseres Lebens geht. Wie gesagt: Ich verstehe den barmherzigen Gott nicht als einen, der mich in dieser Weise in Versuchung führt. Eigentlich würde ich Jesus gerne selbst fragen, wie er diese Bitte verstanden hat. Er selbst war es ja, der auf die Bitte seiner Jünger, sie in richtiger Weise beten zu lehren, mit dem Vaterunser geantwortet hat. So glaube ich, daß dieses Gebet wirklich aus der Herzmitte seiner persönlichen Erfahrung als Gottessohn kommt. Möglicherweise würde Jesus mit einem Verweis darauf reagieren, daß er unmittelbar nach seiner Taufe selbst vom Teufel versucht wurde. Wir hören diese Geschichte in den katholischen Gottesdiensten jedes Jahr am ersten Sonntag in der Fastenzeit. Vielleicht liegt darin auch ein Verweis zum rechten Verständnis der betreffenden Vaterunser-Bitte. Nämlich nicht, daß Gott uns in Versuchung führt, sondern daß er uns nicht der Versuchung überlassen möge. Ich bin auf die ganze Thematik auch deswegen gestoßen, weil ich mich derzeit in Rom aufhalte. Papst Franziskus hat vor geraumer Zeit eine andere Formulierung der entsprechenden Bitte im italienischen Vaterunser gewünscht. Bei der Teilnahme an italienischsprachigen Gottesdiensten bin ich jetzt immer wieder darüber gestolpert, weil mir das italienische Vaterunser noch in seiner alten Fassung geläufig ist. Es heißt jetzt tatsächlich: „Non abbandonarci alla tentazione – überlasse uns nicht der Versuchung.“ Wie weit das eine adäquate Übersetzung des griechischen Urtextes ist, müssen Bibelwissenschaftler entscheiden. Doch fragen wir uns zuletzt noch etwas anderes: Was sind denn die größten Versuchungen in unserer Zeit? Welche Gefahr besteht in geistiger Hinsicht? Ich persönlich meine, daß bei vielen Menschen eine Neigung besteht, sich hoffnungslos und ohnmächtig zu fühlen. Vor dieser Versuchung und ihren katastrophalen Folgen möge uns Gott tatsächlich bewahren! Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

mußten sie das Land ver- Böhmische Exulanten in Sachsen lassen oder katholisch werden. Die Bevölkerung tat weder das eine noch das andere. Sie wurde pro form Jahr 1722 errichtete der böh- ma katholisch, ging einmische Zimmermann Christi- mal im Jahr zur Beichte an David das erste Haus in sei- und der katholische Pfarrer führEr schenkte ihnen Land, und ner neuen Heimat in der Lausitz te gegen Gebühr Taufen, Hoch- nach und nach kamen immer bei Berthelsdorf zwischen Löbau zeiten und Beerdigungen durch. mehr Erweckte nach Herrnhut. und Zittau. Dort hatte Reichsgraf Ansonsten aber las sie ihre pro- Der Ort wuchs, die Menschen Nikolaus Ludwig von Zinzen- testantischen Bücher, traf sich zu bauten ihr Essen selber an und dorf den böhmischen und mähri- Hausgottesdiensten und besuch- halfen einander beim Hausbau. schen Flüchtlingen Land zur Ver- te im evangelischen Ausland den Im August 1723 feierten sie in der fügung gestellt. Weil sie nun si- Abendmahlsgottesdienst. Die Kirche von Berthelsdorf das erste cher unter des Herren Hut hier Menschen waren Geheimprote- gemeinsame Abendmahl. wohnten, nannten sie den neuen stanten geworden wie in den AlZinzendorf wollte vom PreOrt Herrnhut. pentälern in Kärn- digtstuhl des Heilands die ganSie kamen aus ten und der Steier- ze Welt erreichen. So schickte er dem Kuhländmark. Missionare aus, die wie die Jünchen, besonDann fielen sie ger Jesu keine Theologen, sonders aus Zauchtel den Habsburgern dern Handwerker waren. Schon ( Seite 9). In dieals Ketzer auf und nach zehn Jahren konnte er 1732 sem 43-Höfe-Dorf, sollten von Kapu- Leonhard Dober, einen Töpfer das im 13. Jahrzinern und Jesu- aus Franken, und David Nitschhundert entstaniten bekehrt wer- mann, einen Zimmermann aus den war, gab es den. Da sie dies Mähren, in die Karibik senspäter auch Bergnicht wollten, den. Der dänische Kammermohr werksbetriebe. drohte man ihnen Anton hatte sie bei einem GeDort ließen sich die Zwangsum- meindeabend in Herrnhut motiWaldenser niesiedlung nach Sie- viert, als er ihnen von der geistder, und die meist Edita Sterik: „Verzeichnis benbürgen an. Da lichen und sozialen Not der Skladeutsche Bevölke- der mährischen und böh- machten sie sich ven auf den Zuckerrohrinseln der rung nahm nach mischen Exulanten im 18. auf die Suche und Karibik berichtete. der Reformation Jahrhundert in der erneu- fanden Zuflucht Andere Missionare, von denen den lutherischen erten Brüder-Unität“. Unitas bei dem pietisti- heute noch gesprochen wird, waGlauben an. Doch Fratrum Verlag, Herrnhut schen Reichsgra- ren Matthäus Stach und Samunach dem Prager 2021; 490 Seiten, 22 Euro. fen von Zinzen- el Kleinschmidt, die nach GrönBlutgericht 1621 (SBN: 978-3-931956-63-9) dorf. land gingen, Georg Piesch und Rechtzeitig zum Herrnhuter Jubiläumsjahr 2022 erschien nun ein Buch, das uns in die Zeit vor 300 Jahren zurückführt.

Reihenfolge auf, in der sie nach Herrnhut gekommen waren. Erich von Rantzau listete die Namen alphabetisch auf und ergänzte Beruf, Familienstand, Geburtsort und -jahr sowie weitere Besonderheiten. Diese Schriften veröffentlichte Felix Moeschler neben weiteren Daten zum 200jährigen Jubiläum 1922 unter dem Titel „Alte Herrnhuter Familien“. Es sollen

300 Jahre Herrnhut

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Georg Berwig wandten sich nach Surinam, David Zeisberger und Heinrich Rauch nach Pennsylvanien (USA), Georg Schmidt und Christian Kühnel nach Südafrika, Conrad Neitz und Christian Hamel nach Sarepta, heute Wolgograd, Eugen Lundberg und August Martin nach Nikaragua, Eduard Pagell und Wilhelm Heyde nach Tibet und Theodor Meyer und Traugott Bachmann nach Tanzania. Bis zu Zinzendorfs Tod 1760 wurden 226 Missionare entsandt. Sie schätzten die Kultur der Eingeborenen und taten Zinzendorf-Büste in Herrnhut. viel für die Pflege und Bewahrung fremder Sprachen und Ge- 690 deutsche Mährer, 38 deutbräuche. Sie berichteten ausführ- sche Böhmen und einige tschelich von den Ereignissen nach chische Böhmen gewesen sein. Herrnhut. Diese Briefe wurden Diese Schriften sah Edita Stegesammelt und sind heute im Ar- rik durch, überarbeitete und erchiv in Herrnhut aufbewahrt, wo gänzte sie mit Kirchenbucheinsie Forscher aus der ganzen Welt trägen. Ihr Werk „Verzeichnis einsehen. der mährischen und böhmischen 1756 beschloß man, die Namen Exulanten im 18. Jahrhundert in der mährischen Exulanten zu er- der erneuerten Brüder-Unität“ fassen, zuerst die der noch leben- erschien nun zum 300. Jubiläum. den und dann auch die der verSterik (* 1937) studierte an der storbenen, die Himmelsbürger. Karls-Universität in Prag tscheGeorg Neisser führte sie in der chische Geschichte und Archiv-

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Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift

Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

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S

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13/2022

Die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste berief Fritz Bertlwieser, emeritierter Professor für Geographie, Internationale Wirtschafts- und Kulturräume sowie Religion an der oberösterreichischen Handelsakademie Rohrbach mit Wurzeln im Böhmerwald, als Ordentliches Mitglied in ihre Naturwissenschaftliche Klasse.

Siegbert Ortmann geehrt F

Vergangene Woche zeichnete der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier Siegbert Ortmann, aus dem Egerland stammender Vorsitzender des BdVLandesverbandes Hessen, auf Schloß Biebrich mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus.

Name, Vorname

Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München E-Mail svg@sudeten.de

wesen. Ab 1970 war sie bei der Historischen Kommission in Frankfurt am Main und ab 1972 im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Darmstadt. 1999 ging sie in den Ruhestand. Ihr Werk erhält die 815 alphabetisch geordneten Lebensläufe und hat Register und Quellenverzeichnis. So werden von David Nitschmann, 1676 in Zauchtenthal in Mähren geboren, Eltern, Geschwister, Frau und Kinder mit Querverweisen aufgeführt. Mit 16 Jahren verlor er seine Eltern, mit 25 heiratete er und kaufte sich 1706 einen Hof in Kunewald. Dort wurde er 1723 bei einer verbotenen Versammlung festgenommen und eingesperrt. Sein Sohn Melchior konnte 1724 nach Herrnhut fliehen. Im Januar 1725 gelang David Nitschmann die Flucht aus dem Gefängnis. In Schlesien wartete er auf die Familie. Seine Frau emigrierte wenig später mit den zwei jüngsten Kindern. Die Familie erreichte Herrnhut am 3. März 1725. Das Herrnhuter Unitätsarchiv besitzt 100 000 Bände. Dort sind auch viele Objekte des Herrnhuter Völkerkundemuseums gelagert. Einzelheiten über die Veranstaltungen im Jubiläumsjahr bietet www.300jahreherrnhut.de Helmut Süß

PERSONALIEN

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

iegbert Ortmann verfolge seine Arbeit zukunftsorientiert, weltoffen und voller Enthusiasmus für neue Ideen und Projekte, um vor allem die jüngere Generation auf die Themen und Ziele des BdV aufmerksam zu machen und sie zu sensibilisieren, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier. „Sein Engagement ist beispielhaft und einmalig.“ Ortmann dankte für die hohe Auszeichnung, seiner Frau Ute für ihre Unterstützung sowie den Mitarbeitern der Landesgeschäftsstelle und den Vorstandskollegen für die Kooperation. Er kam 1940 in Wiesengrund im damaligen Kreis Mies zur Welt und strandete mit seiner Familie 1946 im oberhessischen Lauterbach. Nach Abitur und Studium war er dort Rechtsanwalt und Notar. Bis heute ist der Initiator des Vertriebenen-Gedenksteins auf dem Lauterbacher Friedhof Vorsitzender des BdVKreisverbandes. Vor zehn Jahren wurde er BdV-Landesvorsitzender. Unter seinem Vorsitz entstanden der YouTube-Kanal „Culture to go“ des hessischen BdV-Landesverbandes mit Zeitzeugenberichten oder ein Podcast über Flucht, Vertreibung, Kultur und Geschichte des östlichen Europas. Er vertritt er den BdV im Rundfunkrat des HR, im Hessischen Asylkonvent sowie im Eu-

ropanetzwerk der Hessischen Staatskanzlei. Er pflegt Kontakte zu weiteren Verbänden und Akteuren des gesellschaftlichen Lebens und tauscht sich regelmäßig mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Hessischen Staatsarchiv oder dem HerderInstitut für historische Ostmitteleuropaforschung aus. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen in Hessen. Auch die Einführung eines offiziellen Hessischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation durch die Hessische Landesregierung ist auch ihm zu verdanken. Darüber hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren im Deutsch-Europäischen Bildungswerk in Hessen (DEBWH). Unter seiner Leitung organisiert das Werk verständigungspolitische Seminarreisen in die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. 2020 wurde er zum Vorsitzenden des DEBWH gewählt. Auf Bundesebene gehört er dem BdV-Präsidium an, 2018 bis 2021 als Vizepräsident. 2012 bis 2021 war er Stellvertretender SL-Bundesvorsitzender und Mitglied der Sudetendeutschen Bundesversammlung sowie des Sudetendeutschen Rates. Ferner gehörte er seit 2013 dem Stiftungsrat der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk an. Er war Kreis- und Landtagsmitglied sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Lauterbach-Schlitz. Bereits 2003 hatte er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens erhalten.

ritz Bertlwieser, der im Bezirk Rohrbach hauptsächlich als Buchautor, Heimatforscher, Pädagoge, Leiter von Grenzlandexkursionen und Funktionär bei den Sudetendeutschen und Deutsch Reichenauern wahrgenommen wird, wurde nun auch eine wissenschaftliche Auszeichnung zuteil. Er wurde in München in die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste in die Naturwissenschaftliche Klas-

se berufen. Bereits vor zwei Jahren war in einem universitären Gutachten sein wissenschaftliches Werk einer Habilitation gleichwertig bezeichnet worden. Seine erste Dissertation ist in der Agrargeographie angesiedelt. Mit „Agrarstrukturwandel im Oberen Mühlviertel“ promovierte er 1988 an der Universität Innsbruck zum Doktor der Naturwissenschaften. Mit „Böhmerwald-Grenzlandpfarre Deutsch Reichenau. Von den Anfängen während der Rodungskolonisation bis zur Auslöschung im 20. Jahrhundert“ promovierte er 2010 an der Universität Salzburg zum Doktor der Theologie. Er nahm die ehrenvolle Berufung in die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste mit Dankbarkeit und Freude, aber auch mit Demut an.

DTZF-Verwaltungsrat

Martin Kastler ernannt Bundesaußenministerin Annalena Baerbock berief Martin Kastler, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde, erneut in den Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (DTZF) mit Sitz in Prag.

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er DTZF ist eine Stiftung, die überwiegend Mittel aus dem tschechischen und deutschen Staatshaushalt verwaltet und verteilt. Formell handelt es sich bei der Unterstützung um Stiftungsmittel oder Zuwendungen und nicht um Zuschüsse der öffentlichen Hand. Der Verwaltungsrat mit seinen vier deutschen und vier tschechischen Verwaltungsräten entscheidet über die Mittelverteilung. Der DTZF fördert Projekte, die Deutsche und Tschechen zusammenführen und Einblicke in die Lebenswelten, die gemeinsame Kultur und Geschichte geben. Seit 1998 stellte er 70,3 Millionen

Euro für mehr als 12 000 Projekte zur Verfügung. Seit 2012 ist Martin Kastler Verwaltungsrat und seit vier Jahren der deutsche Ko-Vorsitzende des Verwaltungsrates. Hauptberuflich war er die letzten sechs Jahre Repräsentant der HannsSeidel-Stiftung (HSS) für Mitteleuropa mit Sitz in Prag und ist jetzt Leiter des Planungsstabs und des Vorstandsbüros im HSSHauptsitz in München. Kastler: „Die deutsch-tschechische Nachbarschaft und Freundschaft ist heute besser denn je. Aber auch kein Selbstläufer. Das hat uns Corona mit seinen Grenzschließungen gelehrt. Daher freue ich mich, daß ich weiterhin unzähligen Initiativen und Vereinigungen, die sich um das freundschaftliche Miteinander von Tschechen und Deutschen, insbesondere Sudetendeutschen, im gemeinsamen Europa kümmern, mit dem Zukunftsfonds helfen kann.“


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

Anfang März fand auf dem Heiligenhof die Tagung des Freundeskreises sudetendeutscher Mundarten statt, zu der die Heimatpflege der Sudetendeutschen eingeladen hatte. Heimatpflegerin Christina Meinusch hatte mit der Vorsitzenden des Freundeskreises, Ingrid Deistler, ein beachtliches JubiläumsProgramm zusammengestellt.

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as Treffen der sudetendeutschen Mundartsprecher ist immer eine Begegnung, die an die „guten, alten Zeiten“ erinnert. Auch in diesem Jahr, in dem der Freundeskreis Sudetendeutschen Mundarten sogar viel mehr Teilnehmer als 2021 anlockte, war das so. Nach der Freude darüber, daß Corona langsam den Posten räumt, kam eine eiskalte Nachricht aus Rußland: Wladimir Putin ordnete den Einmarsch der Truppen in die Ukraine an. Und im Schatten des Russischen Bärs verlief das ganze Wochenende. Das Thema der diesjährigen Tagung sollte „Essen in der Mundart“ sein. Ilse Eckel aus der Rhön erzählte dazu: „Ich habe immer gerne die Vertriebenen besucht, die auf unserem Bauernhof lebten. Die hatten nämlich eine ausgezeichnete Kartoffelsuppe, die ich nicht von daheim kannte. Und zwar jeden Tag.“ Gemeinsam mit Monika Hanika wurde in einer Darstellung gezeigt, wie unterschiedlich die Essensgewohnheiten von einer Bauerntochter im oberbayerischen Burghausen und einer Vertriebenentochter waren.

Brünn meldet sich zu Wort Den ersten wissenschaftlichen Vortrag am Morgen des ersten Tagungstages brachte Mojmír Muzikant aus Brünn, der über den 1995 begonnenen „Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien“ referierte. Muzikant berichtete über die Schwierigkeiten, mit denen dieses Projekt verbunden war, zu denen auch die Finanzierung zählt. Man müsse gegen die Zeit kämpfen, da die Mundartsprecher in der Tschechischen Republik älter geworden seien. Bald würde keiner mehr Mundart sprechen. „20 Jahre dauerten die Erhebungen, die meistens bei den heimatverbliebenen Deutschen gemacht wurden.“ Der zweite Vortrag behandelte das Thema „Pflanzen und Tiere,“ das in Band VI des Sprachen-Atlas behandelt wird. Richard Rothenhagen fing mit dem Wort „Kukuruz“ an, was die Mundartbezeichnung für Mais ist. „Hier ist der Einfluß Österreichs zu spüren,“ so Rothenhagen. Der Fachbegriff für solche Worte laute „Austriazismus.“ Hochinteressant waren die Informationen über das tschechische Wort „Brambory“ für Kartoffeln. Diese seien aus dem Anfang März feierte der Freundeskreis sudetendeutscher Mundarten 45 Jahre seines Bestehens. Auch Zuzana Finger, die frühere Heimatpflegerin, nahm an dem Treffen auf dem Heiligenhof teil und berichtet.

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as Seminarthema hieß „Essen und Trinken in der Mundart“, was sich als eine sehr gute, lebensnahe Wahl erwies.

Die Teilnehmer vor dem Heiligenhof.

Bilder: Richard Šulko

deutschen Branden- � Treffen der Sudetendeutschen Mundartfreunde am Heiligenhof Albert Brosch überburg nach Böhmen nahm das Uhrengegekommen, und der schäft, interessierName sei einfach te sich jedoch auch phonetisch übersetzt für das Fotografieren. worden. Marek HaEr hatte sieben Gelo von der Universität schwister. 1904 starBrünn faßte auch die tete Brosch mit den Entstehung des siebSammeln von Volksten Teiles des Sprachliedern. 1930 bis 1934 atlas zusammen. Die sammelte er Lieder Zahl der Wörter haim Egerland. Er lernbe beschränkt werte auch Zither zu den müssen, da man spielen. Nach einer unter Zeitdruck geKriegsverletzung lanwesen sei. Die Herdete Brosch in Eger. stellungskosten hätDort lebte er bis zur ten sich auch erhöht. Vertreibung 1945. „Man muß beachten, In den Kriegszeiten daß man eine ganze sammelte er in Lagern Woche brauchte, um das Liedgut von geein einziges Wort zu fangenen Deutschen Verleihung der Stifter-Medaillen: Christina Meinusch, Dr. Zuzana Finger, Marek Halo, Dr. Richard aus ganz Osteuropa. verarbeiten.“ Was das Essen an- Rothenhagen, Dr. Mojmír Muzikant, Ingrid Deistler und Professor Dr. Ulf Broßmann. Albert Brosch samgehe, habe man im Atmelte 12 711 Volkslas 103 Begriffe verarbeitet. Bei nem Vortrag und präsentierte ei- tumspflege von 2019 präsentier- lieder und ähnlich viele Märmundartlichen Wörtern für Brei nige Köstlichkeiten: „Hobbstin- te auch einige Begriffe in der chen. Wie sehr Brosch die Egerspüre man sehr stark den tsche- ax“ und „Hallifax“, zwei Zuberei- Mundart rund ums Essen aus sei- länder schätzte, beweist ein Zitat: chischen Einfluß. „Powidl ist je- tungsarten für einen Nachtisch nem Geburtsdorf. Zuletzt brach- „Von den verschiedenen deutdoch im ganzen Land als Austria- aus dem Altvater, seien in seiner te er ein Rezept für eingelegte Fi- schen Stämmen des Sudetenlanzismus verbreitet.“ Familie sehr beliebt gewesen, so sche. des sind es wohl die Egerländer, Monika Fritz-Scheuplein von der Mundartfreund. Sehr hilfGislinde Schuster, die Groß- die am treuesten an ihrem alten der Universität Würzburg brach- reich seien bei der Suche nach nichte von Albert Brosch, re- Volkstum, an Brauch und Sitte, te das Thema Essen in den un- Informationen die digitalen Bi- ferierte über diesen Volkslied- an Mundart und Volkslied festterfränkischen Dialekten bei ei- bliotheken in der Tschechischen sammler. Seine Familie stamm- halten. Ja, man kann ruhig bener Online-Präsentation nach Republik. Auch Roman Klin- te aus Oberplan im Böhmerwald haupten, daß die Egerländer zu Bad Kissingen. Von 2005 bis ger aus Nixdorf bearbeitete in und wohnte neben dem Haus den sangesfreudigsten und lie2009 seien sechs Bände die- seinem Vortrag das Essen. Der vom Adalbert Stifter. Der Vater, derreichsten deutschen Volksses Sprachenatlas entstanden, SL-Förderpreisträger für Volks- Wenzel Brosch, war Uhrmacher. stämmen überhaupt gehören.“ der in ganz Bayern erschienen Lorenz Loserth als Referent sei. Fritz-Scheuplein berichtete: startete mit der Vorstellung der „Noch heute kann man im tägliverschiedensten Quellen, wo chen Leben in unterfränkischen man nach Inspiration suchen Wirtshäusern der Mundart bekönnte. Im Internet seien auf gegnen und etwa mit der Speiwww.childrenslibrary.org Kindersekarte kämpfen, die in Mundart bücher zu finden, die manchmal geschrieben ist.“ schon ohne Autorenrechte seien, Auch Sprachkarten um das was 70 Jahre nach dem Tod des Thema „Speisen“ wurden geAutors gelte. „Die Übertragung zeigt. Für „Quark“ finde man in von Kinderbüchern in die Mundder unterfränkischen Mundart art ist wichtig.“ kein ähnlich klingendes Wort. Nach der Erklärung, worauf Der Begriff „Kumst“ für Sauerman bei der Bearbeitung der kraut im südlichen Unterfranken Texte aufpassen müsse, kam eine stamme vom lateinischen Wort Aufgabe für die Teilnehmer. Sie „Compositum“. sollten das Märchen „RotkäppIm Nachmittagsprogramm chen“ in die jeweilige Mundstartete Lorenz Loserth mit sei- Mundartliche Bezeichnungen für Schnittlauch in Unterfranken. art übertragen. Etta Engelmann

Im Schatten des Bärs

Die Mundartsprecher entfalteten in ihren Beiträgen eine breite Palette an Wissen, das nicht in den Mundartbüchern schlummert, sondern zum aktiven Sprachschatz in den sudetendeutschen Familien gehört. Große Freude hatten daran die jungen Teilnehmer, die zum ersten Mal dazustießen und ein ganzes Drittel der Anwesenden bildeten. Diese erlebten, wieviel

� 45. Mundarttagung

Erfolgsrezept sie selbst an der Mundart aktiv beherrschen und knüpften Kontakte zu den Mundartsprechern aus ihren Heimatregionen, um

ihre Mundartverwendung zu intensivieren. Das Erfolgsrezept des Freundeskreises heißt Aufgeschlos-

senheit gegenüber neuen Impulsen. Dank dieser Wesenseigenschaft hatte er sich über die Jahre immer weiter verjüngt, die Zusammenarbeit mit den heimatverbliebenen Mundartsprechern hergestellt, den Anschluß an die internationale und regionale bayerische Mundartforschung gewonnen, produktive Arbeitsgruppen eingeführt, mit neuen Medien seine Internetpräsenz

kam mit einer anderen Aufgabe auf die Teilnehmer zu. Zuerst wurden Begriffe zum „Essen“ in Mundarten übersetzt, und dann wurde ein Zwiegespräch zwischen Etta Engelmann und Ingrid Deistler vorgeführt. Nach dem fleißigen Ausarbeiten der Aufgaben beim Workshop erlebten die Teilnehmer eine große Überraschung: „Das Abendessen findet nicht im Speisesaal, sondern im hinteren Seminarraum statt,“ teilte die Heimatpflegerin Meinusch ganz geheimnisvoll mit. Als alle den Raum betraten, machten die meisten große Augen. „No, sua woos schäins, dös is wöi im Grandhotel Pupp“, waren die Worte eines Egerländers. Wunderschön verzierte Tische, ein großes Buffet und dann die Überraschung: Mit der Adalbert-Stifter-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft wurden auf Initiative von Christina Meinusch und Ingrid Deist­ ler die Schöpfer des „Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien“ geehrt: Mojmír Muzikant, Richard Rothenhagen und Marek Halo, die alle von der Universität Brünn kommen. Die Laudationes hielt die frühere Heimatpflegerin Zuzana Finger. Überreicht wurden die Medaillen von dem SL-Bundeskulturreferenten Ulf Broßmann.

Rotkäppchen in Mundart Am Sonntagmorgen referierte Erwin Bude über die „Praxis der Mundartaufzeichnungen“. Freiwillige bildeten einen „Aufnahmeteam“ für Probeaufnahme von Mundarttexten. Der erste Befragte war Leo Schön aus dem Braunauer Ländchen. Das Aufnahmeteam war Franz Hanika an der Kamera, und Margaretha Michel war die Reporterin. Etta Engelmann stellte dann den ersten Vorschlag zur Hausaufgabe vor: ein Zwiegespräch zusammenzustellen, entweder über eine Speisevorbereitung oder über das Lieblingsmenu. Eine Kostprobe präsentierte Monika Hanika mit Ilse Eckel. Gestritten wurde über den Begriff „Powidl,“ weil beide Köchinnen einen anderen Begriff für Pflaumenmus kannten. Einen Sketch über die Vorbereitung der „Berliner“ brachte das Duo Lotti und Emmi aus dem Altvater. Nun wurden die Ergebnisse zum Thema „Rotkäppchen“ präsentiert. Rosina Reim brachte das Märchen in Wischauer Mundart, Fritz Höpp im Idiom aus dem Kuhländchen und Ingrid Zasche aus der Gablonzer Gegend. Egerlandrisch sprach ich, der Måla Richard, und Roman Klinger ließ Klänge aus dem Schluckenauer Zipfel hören. Den Schluß machten Helga Olbrich aus dem Altvater, Gustav Reinert aus Grottau im Lausitzer Gebirge und Ilse Eckel sowie Rudi Klieber aus Mokrau im Egerland. Richard Šulko gesteigert und den Sprung ins Zoom-Zeitalter geschafft. Während des Seminars entstanden neue Texte, Übersetzungen und Videoaufnahmen. Die Mundartsprecher ruhen sich jedoch nicht auf den Lorbeeren für ihre verdienstvolle Arbeit aus. Großer Dank und hohe Anerkennung gelten allen, die die Mundart pflegen und an die nachfolgenden Generationen geben.

Lorenz Loserth referiert. Gislinde Schuster spricht über Albert Brosch, Edwin Bude über Filmaufnahmen. Referenten sind auch Ilse Eckel und Monika Hanika, Fritz Höpp aus dem Kuhländchen und Roman Klinger. Bilder: Richard Šulko


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KULTUR

Paweł Althamer ist Träger des Lovis-Corinth-Preises 2022. Geboren 1967 in Warschau, wurde Althamer in den neunziger Jahren einer der zentralen Vertreter der polnischen Gegenwartskunst. Heute ziehen seine Werke internationale Aufmerksamkeit auf sich. Die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) gibt einen Einblick in Alt­hamers bisherige Projekte sowie aktuelle Arbeiten.

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ür Paweł Althamer ist der Entstehungsprozeß genauso wichtig wie das daraus resultierende Kunstwerk. In den kreativen Vorgang bindet er aktiv andere ein. Seine Kollaborateure – etwa Museumsbesucher – sieht er dabei als Gleichberechtigte an. Er arbeitet regelmäßig mit bestimmten Gruppen zusammen, so mit seiner Familie, seinen Nachbarn, Freunden oder anderen Künstlern. Den partizipativen Ansatz nutzt er bei seinen sozialen Projekten – aus seiner Position als Künstler engagiert er sich für Benachteiligte und bricht sozial belastete Strukturen auf. So gibt er in Warschau seit Jahren einen Kurs für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Er entwickelt spezielle Projekte mit sozialen Randgruppen, etwa mit Strafgefangenen in „Seitsemän vankia“ (2019 bis 2021). Er motivierte die Bewohner der sozial schwachen Plattenbausiedlung Bródno am Stadtrand von Warschau, in der er selbst auch wohnt, gemeinsam eine temporäre Lichtskulptur zu erschaffen. Das Projekt mit dem Titel „Bródno 2000“ wurde ein

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

� Lovis-Corinth-Preis 2022 für Paweł Althamer

� Kulturkorrespondenz

Künstler aus Warschau großer Erfolg. Im Rahmen seiner bisher größten Performance „Common Task“ (seit 2009) hat Althamer wiederholt bis zu 150 Menschen auf Reisen eingeladen. An verschiedenen Orten – in Belgien, Brasilien, Deutschland, Mali oder Weißrußland – tauchte der Künstler mit seiner ganz in Gold gekleideten Gefolgschaft auf und inszenierte, angeregt vom Glauben der Dogon aus Mali, einen Besuch von Außerirdischen. Auch sein skulpturales Werk befaßt sich überwiegend mit der menschlichen Figur, wobei seine Techniken von Assemblage über Keramik bis zu Bronzeguß reichen. Immer wieder beschäftigt er sich mit seinem Selbstporträt entweder in einer figürlichen oder in einer performativen Arbeit. Seine Performances sind meditativ bis Bewußtsein erweiternd, er experimentiert mit esoterischen und aufopfernden Grenzüberschreitungen. Eine spirituelle Dimension ist für sein Schaffen charakteristisch, ohne jedoch von einer konkreten religiösen Auffassung geprägt zu sein. Er agiert frei, unorthodox und mystisch. So läßt er sich nicht in eine Kategorie, in eine eindeutig geprägte politische Gesellschaft oder in ein religiöses Korsett drängen. Mit Blick auf die aktu-

Paweł Althamer: „MAMA III“ (2016). Bild: Jens Ziehe/Sammlung Delenschke, Berlin, Paweł Althamer, Berlin

elle Regierung in Polen vertritt er eine starke, kritische Haltung. Der Lovis-Corinth-Preis wurde 1974 von der KünstlerGilde (früher Künstlergilde Esslingen) gegründet, benannt nach dem ostpreußischen Maler Lovis Corinth, und wurde im KOG jährlich verliehen. Seit 2006 beteiligt sich das KOG an der Auswahl und Preisvergabe, die ab diesem Jahr im Zweijahresrhythmus erfolgt. Seit 2016 koordiniert das KOG die Auslobung des Preises allein oder in Kooperation mit wechselnden Partnern. Ausgezeichnet werden bildende Künstlerinnen und Künstler, deren Schaffen im Bereich Malerei, Grafik, Plastik/Skulptur, Installation, Performance, Fotografie und Neue Medien einen inhaltlichen oder biographischen Bezug zum östlichen Eu­ ropa hat. Mit der Verleihung wird ein international bedeutendes Gesamtwerk gewürdigt, das einen relevanten Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen leistet. Die Kandidaten werden von den Mitgliedern einer Fachjury nominiert. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem Jiří Georg Do­ koupil (2011), Magdalena Jetelová (2006), Christian Ludwig Attersee (2004), Markus Lüpertz (1990), Otto-Herbert Hajek (1987), Oskar Kokoschka (1976) und Karl Schmidt-Rottluff (1974).

� Agnes Tieze ist seit zehn Jahren Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie

Jubiläumsführung über Kokoschka Seit 2012 ist Agnes Tieze Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie (KOG). In den vergangenen zehn Jahren kuratierte sie sieben große Ausstellungen und konzipierte die neue Präsentation der Dauerausstellung. Ein Meilenstein in der Geschichte des Museums ist die Errichtung einer Projektstelle für Provenienzforschung.

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or zehn Jahren trat Agnes Tieze Anfang April die Direktorenstelle am Kunstforum Ostdeutsche Galerie an. Die promovierte Kunsthistorikerin erwartete hier eine besondere Aufgabe. Die Kunstsammlung des KOG hat einen einzigartigen Fokus, der interessante Anknüpfungsmöglichkeiten bietet. Im Mittelpunkt steht Kunst aus dem östlichen Europa. Zunächst sind Künstlerinnen und Künstler gemeint, die in deutschen Siedlungsgebieten zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer ihre Wurzeln hatten. Um die Brücke in die heutige Zeit zu schlagen, ist der Blick auf das ak-

tuelle Kunstgeschehen in Ostmitteleuropa der zweite Schwerpunkt der Museumsarbeit. Geboren 1970 in Augsburg, studierte Agnes Tieze Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Kunsterziehung an der Universität Augsburg und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Ihre Magisterarbeit „Studien zu rhetorischen Gesten in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts“ schloß sie 1996 an der Universität Augsburg ab. 2002 folgte ihre Dissertation über den flämischen Maler Anton Goubau an der Universität Bonn. Von 2002 bis 2004 arbeitete sie im wissenschaftlichen Volontariat bei den Staatlichen Museen Kassel. Danach war sie bis 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main tätig. Anschließend leitete sie bis 2012 als Direktorin das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg. Seit 2012 ist sie nun Direktorin und Stellvertretende Vorstands-

vorsitzende des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. „Wichtig ist es für mich, die Kunst im breiteren Kontext zu sehen und zu zeigen,“ beschreibt Agnes Tieze. „Das bedeutet zum einen kunsthistorische Zusammenhänge darzustellen, zum anderen auch Geschichten – Biographisches, Historisches – mit zu erzählen“, faßt sie zusammen. Die von Tieze kuratierte Ausstellung „Oskar Kokoschka und die Prager Kulturszene“ (2014), die von der Nationalgalerie Prag übernommen wurde, ist ein gutes Beispiel hierfür. Auch die Dauerausstellung „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“ (seit 2017) folgt diesem Prinzip. Einzelne Abschnitte widmen sich historischen Orten und Kunstzentren wie Breslau, Königsberg und Prag, zudem gibt es thematisch ausgerichtete Räume wie „Ost und West“ oder „Traum und Trauma“. „Aktuellen Themen und brisanten Fragestellungen nachzuspüren, die sich in der Kunst manifestieren, ist ein weiterer zen-

traler Ansatz“, fährt Tieze fort. So stand die Ausstellung des LovisCorinth-Preisträgers 2020, Peter Weibel, unter dem Motto „(Post-) Europa?“. Mit der Ausstellung „Grenzen in der Kunst. Tschechische Kunst in drei Generationen“ (2021) griff das KOG die Anregung eines interdisziplinären Forschungsverbunds auf, der sich mit „Grenze/n in nationalen und transnationalen Erinnerungskulturen zwischen Tschechien und Bayern“ beschäftigte. Gegenwärtig bereitet sie die nächste Ausstellung für den Sommer vor – eine Werkschau von Paweł Althamer, Träger des Lovis-Corinth-Preises 2022. Der polnische Künstler zieht international Aufmerksamkeit auf sich mit Werken, die den herkömmlichen Kunstbegriff erweitern. Sowohl bei seinen partizipativen Performances und Installationen als auch in seinen Skulpturen steht der Mensch im Mittelpunkt. Ein anderes Projekt begleitet die Direktorin und Kuratorin Tize schon lange, es kann aber we-

Das KOG-Team Ende 2021: Michaela Sturm, KOG-Direktorin Dr. Agnes Tieze, Dr. Sebastian Schmidt, Dr. Verena Hein und Natascha Mazur. Bild: Gabriela Kašková, Kunstforum Ostdeutsche Galerie

gen verschiedener Verschiebungen im Ausstellungsplan erst nächstes Jahr stattfinden. „,We love Picasso‘ zeigt den Künstler mit den Augen seiner Kollegen, die er inspirierte“, verrät sie. Neben dem Ausstellungsbetrieb – in den zehn Jahren kuratierte Tieze selbst sieben große und zwei kleinere Ausstellungen – ist es der Museumschefin wichtig, weitere Bereiche der Museumsarbeit auszubauen. So gelang ihr, 2018 eine Projektstelle für Provenienzforschung an Land zu ziehen. Ein weiteres Gebiet, das ständig wächst und personell aufgefangen werden muß, ist die Kunstvermittlung. „Um möglichst viele Zielgruppen anzusprechen und dem Gedanken der Inklusion gerecht zu werden, benötigen wir hier dringend Verstärkung,“ betont sie. Mit ihrem Team, welches sich in den letzten zwei Jahren verjüngte, möchte sie das Kunstforum Ostdeutsche Galerie noch stärker als Ort der Begegnung mit einem abwechslungsreichen Programm etablieren. In nächster Zukunft stehen auch bauliche Eingriffe an den Museumsgebäuden an. Der sogenannte Grafiktrakt soll ertüchtigt werden. Die Maßnahme konzentriert sich vor allem auf die Barrierefreiheit und die technische Ausstattung, so daß die 200 Quadratmeter große Ausstellungsfläche dem aktuellen Standard entsprechend genutzt werden kann. Umfassende Vorbereitungen wurden bereits getroffen, die eigentlichen Bauarbeiten werden im September beginnen. Zum Jubiläum am Freitag, dem 1. April, gibt Agnes Tieze eine Führung zum Thema „Oskar Kokoschkas Prager Zeit“. Die vibrierend bunten Prag-Ansichten des Expressionisten waren auch Thema ihrer ersten öffentlichen Führung am KOG vor zehn Jahren. Gabriela Kašková

Erbe im Osten „Geliebtes und ungeliebtes Erbe“ heißt die neue „Kulturkorrespondenz östliches Europa“ („KK“), in der anhand einiger Beispiele auf das historische Vermächtnis der Deutschen im östlichen Europa geschaut wird sowie darauf, wie es heute wahrgenommen wird.

S

o pflegen Bewohner des heute zu Rußland gehörenden Oblast Kaliningrad, früher Königsberg, heruntergekommene Gotteshäuser, Schlösser oder Gutshäuser. Diese „Bewahrer der Ruinen“ (ruin keepers) pflegen damit aktiv das kulturelle Erbe Ostpreußens. Bei einem freiwilligen Einsatz dieser „Ruin Keepers“ ist die in Königsberg lebende Autorin Svetlana Kolbanjowa mitgefahren. Um ein Erbe, das nach dem Zweiten Weltkrieg unterzugehen drohte, sich heutzutage aber wieder größter Beliebtheit erfreut, geht es in dem Text von Renate Zöller über Bunzlauer Keramik. Ariane Afsari begleitete eine Gruppe von Studenten bei ihrem Einsatz mit Denkmalpfleger Arne Franke und nimmt „sensible Strategien für schlesische Schloßruinen“ in den Blick. Die Slawistin und Soziologin Svetlana Kim wiederum war auf Spurensuche nach der deutschen Minderheit in Usbekistan. „KK“-Redakteur Markus Nowak sprach mit Karoli-

Ruin Keepers in Ostpreußen na Kuszyk über das Schwerpunktthema des Hefts. Sie ist Autorin des Buchs „Poniemieckie“, das sich mit Gegenständen, mit Gebäuden und Friedhöfen beschäftigt, die die Deutschen im Nordosten und Westen Polens zurückließen. Um den 2003 verstorbenen serbisch-jüdischen Aleksandar Tišma, einen Schriftsteller von weltliterarischem Rang, ist es still geworden. Nun erscheint mit „Erinnere dich ewig“ seine Autobiographie und bietet den Anlaß für eine Wiederund Neuentdeckung. Die „Kulturkorrespondenz östliches Europa“ blickt auf eine mehr als 50jährige Tradition zurück und wird seit 2019 vom Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam herausgegeben. Neben dem zweimonatlichen Printmagazin gibt es auch ein digitales Abonnement sowie einen kostenlosen monatlichen Newsletter. Informationen bei Deutsches Kulturforum östliches Europa, Berliner Straße 135, Haus K1, 14467 Potsdam. Telefon (03 31) 2 00 98 16, eMail redaktion@ kulturkorrespondenz.de


AUS DER HEIMAT . VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

� Kuhländchen

� SL und Ackermann-Gemeinde in Oberfranken

Neue Chronik

Mut in schwerer Zeit

Das vier Kilometer lange Straßendorf Zauchtel liegt mitten im Kuhländchen und schlängelt sich an dem der Oder zufließenden Pohorsch-Bach entlang.

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inter den stattlichen Bauernhöfen, die sich an beiden Seiten der dem Bach folgenden Dorfstraße aneinanderreihen, erstreckten sich die Felder. 1938 hatte das Dorf 2500 überwiegend deutsche Einwohner. Am südlichen Ortsrand liegt der „Hauptbahnhof“ an der zweigleisigen Staatsbahn, die seit 175 Jahren Wien mit der alten polnischen Hauptstadt Krakau bis nach Galizien oder mit Breslau verbindet. Die Spuren, die weltweit an Zauchtel erinnern, hinterließen nicht die Fernreisenden der Staatsbahn, sondern die der mährischen Brüdergemeinde angehörenden Flüchtlinge, die ab 1722 zu Fuß unterwegs waren, um der Rekatholisierung oder dem Gefängnis zu entgehen. Durch besondere Umstände hatte man nach dem Dreißigjährigen Krieg vergessen, einige Protestantengemeinden um Zauchtel zum Katholizismus zu zwingen. Als dies nachgeholt werden sollte, verließen die Menschen scharenweise ihre Heimat. Sie gründeten Herrnhut und Niesky in der Oberlausitz, Herrnhag in Hessen, Fulnek in England, Bethlehem in Pennsylvania in den USA und Gnadenthal in Südafrika. Nach 1945 wurden die Deutschen aus dem Kuhländchen vertrieben. Seither leben die Zaucht­ ler und ihre Nachkommen über noch weitere Gebiete verstreut. Damit nicht vergessen werde, was Zauchtel einst war, entstand Ende der 1990er Jahre ein Ausschuß, der unter dem jungen Historiker Claus Mannsbart, ein Sohn von Heinrich Mannsbart aus Zauchtel Nr. 177, eine Chronik erstellte, die 2004 erschien. Natürlich findet man dort die geschichtliche Entwicklung Zauchtels, die Erklärung des Namens, die Vielzahl von historischen Ereignissen, die mit Zauchtel verbunden sind, aber vor allem die für Familienforscher wertvollen Biographien der Glaubensflüchtlinge und eine Chronik jedes Hauses und seiner Bewohner. Das Buch endet mit einer Beschreibung der hochgelobten Kuhländler Weißstickerei und ihrer Verwendung bei der schönen Kuhländler Volkstracht. Ausführliche Literaturangaben und ein umfangreiches Namensregister machen die Benutzung des Buches zu einem Vergnügen. Leider sind die meisten Ausschußmitglieder inzwischen verstorben. Claus Mannsbart machte sich jedoch erneut an die Arbeit und überarbeitete mit den heute zur Verfügung stehenden digitalen historischen Quellen das Buch gründlich. Es steht nun in seiner zweiten Auflage in jeder Buchhandlung und bei vielen Online-Händlern zur Verfügung.

Claus Mannsbart: „Chronik der Marktgemeinde Zauchtel (Mähren)“. Verlag Books on Demand, Norderstedt 2022; 544 Seiten, 72,99 Euro. (ISBN 978-3-7557-7613-0)

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Otto Heydens Bild von der Schlacht bei Königgrätz entstand 1870, also vier Jahre nach der Schlacht.

� Ackermann-Gemeinde

Flucht-Traumata Verbindung zum Sprachzentrum Österreich ist für Wenzel Winblockiere und das ganze Selbst- terberg, den 99jährigen Protagokonzept zerrissen sei, dann seien nisten, der Angelpunkt der Geunerträgliche Erfahrungen nicht schichte, Europas Urkatastrophe mehr zugänglich, Gedanken und und Untergang. Von dort ging es Gefühle seien dissoziiert, eine nur noch bergab Richtung Natiognädig schützende Leistung des nalismus, vor allem in den neuen Gehirns. Lasse die traumatische mitteleuropäischen Ländern. Zange weder Kampf noch Flucht, Der aus Reichenberg stamainer Bendel, Geschäftsfüh- sondern nur noch Ohnmacht mende Held, der so alt ist wie rer der Arbeitsgemeinschaft und Todesangst zu, könne sich die tschechoslowakische RepuKatholischer Vertriebenenorga- die Erinnerung auch fragmentie- blik und ihre Geschichte vernisationen (AKVO) in Stuttgart, ren. Erst wenn die schmerzliche körpert, erzählt das alles seinem war Organisator und Moderator Wahrheit anerkannt sei und er- wie er selbst in Berlin lebenden, der Traditionsveranstaltung. Zu- zählt werden könne, beginne die aus Böhmen stammenden Altennächst zeichnete GeGenesung eines Op- pfleger und Sterbebegleiter Jan org Hummler „Linien fers. Kraus. Kraus begleitet Wintereiner christlichen PsySehr viel häufiger berg auf dessen letzter Schickchotraumatologie“. aber tauche die Ge- salsreise auf der Suche nach seiDer Diplom-Theoloschichte des trau- ner verlorenen Liebe Lenka, eige und Psychotheramatischen Ereignis- ner böhmischen Jüdin. peutische Heilpraktises nicht als ErzähDie Reise geht von Berlin nach ker ist Flüchtlingsbelung auf, sondern Sarajewo über Linz, Reichenauftragter im Dekanat als krankhaftes Sym- berg, Prag, Brünn, Wien, PreßCalw. ptom. Wiederholt burg, Budapest und Zagreb. UnIn einem theoretiwies Hummler auf ter welchen Umständen beide schen Teil arbeitete Reichtum und Treff- aus der Tschechoslowakei flieer Trauma-Ursachen Georg Hummler sicherheit der Spra- hen mußten – Winterberg als heraus. Dazu gehörche hin, die in vieler- Vertriebener am Ende des Zweiten, so Hummler, neben Krieg, lei Wendungen psychotrauma- ten Weltkriegs, Kraus nach dem Flucht und Folter auch Miß- tologische Phänomene benenne russischen Einmarsch 1972 mit handlung, Mißbrauch, Vernach- und beschreibe, wie „Es hat mir einem gekaperten tschechischen lässigung, Unfälle, Krankhei- die Sprache verschlagen“. Der Flugzeug –, bleibt ihr traumatiten, Suizid, Konflikte der Eltern Referent begleitete seine theo- sches Geheimnis. oder ihre Trennung und Natur- retischen Ausführungen mit beDramaturgisch geschickt, mit katastrophen. Freud als Entdec- eindruckenden, ja schockieren- dialogischer Finesse und Situatiker der Hysterie und des Psy- den Beispielen und ergänzte sie onskomik fäng Rudiš das Thema chotraumas habe seine Position in einem zweiten Teil mit ein- Heimatverlust ein. Die deutschauf massiven Druck von Kolle- schlägigen Werken der christli- tschechische Vergangenheit wie gen zurückgezogen. Erst im Ge- chen Kunst, besonders mit Pietà- auch die persönliche der beiden folge des Vietnamkriegs, durch Darstellungen aus dem süddeut- Reisenden wird in dem handden 2,8 Millionen Männer nicht schen Raum. lungsarmen, aber geschichtliche mehr in die Gesellschaft der USA Sie ließen verblüffende Ab- Linien und Zusammenhänge aufintegrierbar gewesen seien, ha- schattierungen in der dissoziie- deckenden Eisenbahn-Roman in be die Aufarbeitung solcher see- renden oder der eher vielerlei Anläufen her­ lischen Erschütterungen begon- zugewandten, dem aufbeschworen. Das nen. Auch ihre Vererbbarkeit, Schmerz Raum gebenAmbiente einer Zugwie sie schon im Deuteronomi- den, verarbeitenden fahrt mit ihrem gleichum beschrieben worden sei, habe Trauer bei der Schmermäßigen Rattern ist für Anerkennung gefunden. zensmutter mit dem Geeine Reise ideal. Bei ihr 1980 sei das posttraumatische kreuzigten erkennen läßt Winterberg mit HilSyndrom erstmals als Krank- und seien Zeugnisse dafe eines Vorkriegs-Baeheitsbild definiert worden. „Trau- für, daß die Künstler im dekers von 1913 – des mata sind kurz oder lang an- Mittelalter schon sehr letzten für Österreichhaltende Geschehnisse außer- gut um solche traumati- Jaroslav Rudiš Ungarn, als Mitteleu­ gewöhnlicher Bedrohung mit schen Zustände gewußt ropa noch ganz und die katastrophalem Ausmaß, die na- hätten. Erstaunlich waren auch Welt noch in Ordnung waren – hezu bei jedem Menschen tief Hummlers Schilderungen, wie mit ausladenden Zitaten die Stagreifende Verzweiflung auslö- solche Darstellungen manchen tionen aufleben und ergänzt sie sen, potentielle oder reale To- traumatisierten Muslimen gehol- mit persönlichen Erinnerungen desbedrohungen, ernsthafte Ver- fen hätten, ihre eigenen schreck- und familiengeschichtlichen Erletzungen oder Bedrohung der lichen Erlebnisse gespiegelt zu kenntnissen. körperlichen Unversehrtheit, da- sehen und sie als zugehörig zur In „historischen Anfällen“ mit verbunden intensive Hilflo- eigenen Persönlichkeit anzuneh- steigert sich der Greis in endlosigkeit und Schwäche.“ men, wodurch ein Weg zur Hei- se Suaden hinein, überzeugt, geEs gebe hirnorganische Grün- lung geöffnet gewesen sei. Weil gen die menschliche Dummheit de, warum in uns allen Trau- die Betroffenen im Christentum mit ihrer Geschichtsvergessenmata steckten. Wie gesund ein zugleich ein Mehr an Mensch- heit ankämpfen zu können, und Mensch sei, hänge von seiner Be- lichkeit und Würde erkannt hät- überzeugt, daß mit seinem Tod wältigungskapazität ab. Im Kern ten, seien sie konvertiert, freilich alles verloren sei. In seinen manides traumatischen Erlebens stec- immer in der Angst vor der Into- schen Monologen ist er nicht zu ke der Zusammenbruch dieser leranz ihrer muslimischen Glau- unterbrechen, höchstens durch Fähigkeit. Da es wichtig sei zu bensbrüder. schlagartiges Einschlafen – den wissen, was ein Trauma mit unseIn der zweiten, das Thema der Kopf auf den Baedeker mit dunrem Gehirn anstelle und so viel- Traumatologie aus ganz anderer kelrotem Einband gebettet. leicht alle großen psychischen Perspektive ergänzenden Hälfte Auch Kraus muß das Trauma Erkrankungen auslöse, erläu- der Tagung las der tschechische seiner Flucht verarbeiten, reist terte Hummler den Aufbau des Germanist und Schriftsteller Ja- ebenfalls einer verlorenen Frau menschlichen Gehirns und das roslav Rudiš aus seinem vor drei nach, ist im Gegensatz zu WinReaktionsmuster bei Traumati- Jahren erschienenen, in deut- terberg schwer depressiv und sierung. scher Sprache verfaßten Roman liegt in Brünn im Krankenhaus, Erst wenn unser Gehirn die „Winterbergs letzte Reise“. Dar- weil er zu viel raucht und trinkt. raum-zeitliche Einordnung ei- in erzählt Rudiš eine Bahnfahrt Auf dem witzig-melancholischen nes Ereignisses in unsere Biogra- durch die Geschichte Mitteleu- Hintergrund des Verlorenen erphie nicht mehr bewältigen und ropas im 19. und 20. Jahrhundert hebt sich nicht nur für die Protes in seiner versprachlichten Be- mit nostalgischem Akzent auf agonisten, sondern auch für den deutung als ganzheitliche Erfah- dem Habsburgerreich. Hörer und Leser die Frage, was rung anerkennen, einordnen und Die Schlacht von Königgrätz bedenkens- und bewahrenswert abspeichern könne, sondern die 1866 zwischen Preußen und bleibt. Stefan P. Teppert

Die Tagung des Bischof-Neumann-Kreises der AckermannGemeinde Anfang März im Hotel Fortuna in Schwäbisch Gmünd beschäftigte sich mit Flucht und Traumatisierung und bot die Lesung „Winterbergs letzte Reise“ von Jaroslav Rudiš.

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registrieren zu lassen. Auch die Flucht vor Herodes habe sorgfältiger Planungen bedurft. Hier betonte Goldhammer, daß gerade die koptische Tradition die genaue Route in Ägypten, die Josef seine Familie geführt habe, zu kennen glaube und an verschiedenen chon im Spätherbst hat- Stellen die Heilige Familie ehten die SL im Kreis und re. Weiter schilderte GoldBezirk sowie die Ackermann- hammer Jesu Aufwachsen in Gemeinde (AG) in Oberfran- der damaligen Großfamilie. ken vereinbart, das traditioJesus müsse zweispranelle Josefsgedenken des ver- chig mit Hebräisch und Griestorbenen Ortsobmanns Josef chisch aufgewachsen sein. Stiefl aus Bindlach weiterzu- Er sei sorgfältig in Religion führen. Landsund im Handleute aus dem werk in Josefs FichtelgebirWerkstatt unge mit Dieter terrichtet worPiwernetz an den. Nach der der Spitze der Bedeutung des SL-Ortsgruppe griechischen Bindlach und Worts „teknon“ ich warteten müsse Josef im strahlenden Zimmermann Sonnenschein und Architekt vor der kathogewesen sein. lischen Kirche Dr. Karl-Werner Goldham- Daneben habe Sankt Michael mer die Familie Felin Goldkronach. der und einen Diese Kirche errichtete der Weinberg gehabt, wo Jesus Egerländer Baumeister Josef als heranwachsender und junStiefl Ende der 1960er Jahre. ger Mann mitgearbeitet habe. Ursula Lippert, Vorsitzende So ließen sich die Gleichnisder AG-Diözesanstelle Bam- se über Feld- und Weinanbau berg, und ihr Ehemann Chri- in der Bibel erklären. Nach Jostoph Lippert, ehemaliger SL- sefs Tod habe Jesus gemäß jüBundesgeschäftsführer und discher Tradition die Werkjetziger Geschäftsführer der statt seines Vaters übernomAG-Diözesanstelle Bamberg, men, wahrscheinlich bis zu unterstützten die Feier mit ih- seinem 28. Lebensjahr. rem großartigen Gesang. ChriIn einer Rede am Ölberg stoph Lippert spielte zudem solle Jesus kurz vor seinem die Orgel. Die Fürbitten im Tod vor seinen Jüngern das Gottesdienst setzten sich mit Leben und Sterben seines Pfledem Leid der Pandemie, aber gevaters sehr emotional geauch mit den Sorgen um den würdigt haben: als seinen guso nahen Krieg in der Ukraine, ten Vater in Leiblichkeit, „Joden Verletzten auf beiden Sei- sef, dem meine Mutter Maria ten und den trauernden Ange- als Frau verlobt wurde“. hörigen auseinander. Diakon Goldhammer schloß Karl-Werner Goldham- seine Predigt mit der Festmer, Diakon in Rente, vermit- stellung, „Dieser Josef kann telte in seiner Predigt ein an- uns durch sein Leben, seinen schauliches und neues Bild Glauben und seine Taten vielder Person des heiligen Josefs. fach Vorbild sein.“ Vor dem Gleichzeitig ging er aber auch Segen wies er noch auf die vieauf die Nöte der Zeit in Form len Bauernregeln hin, die mit der Pandemie und der aktuel- dem Josefsfest in Zusammenlen Kriege ein. hang stehen. Ausgehend von der vielfaGestärkt mit viel neuem chen Bezeichnung des Hei- Wissen und Gottvertrauen enligen im Deutschen und vie- dete die Feier. Anzumerken len Sprachen Europas und des ist, daß Piwernetz einige ErinOrients, stellte Goldhammer nerungen in Goldkronach aufunter Benutzung der Literatur frischte. Er sei 1946 nach der der Apokryphen einen Mann Vertreibung mit seiner Familie vor, der nicht – wie so oft be- in Goldkronach angekommen. schrieben – ein Greis war. Jo- In der Friedhofskapelle habe sef habe nur als gesunder kräf- er damals ministriert. Weiter tiger Mann seiner Aufgabe ge- teilte er mit, daß zwei Brüder recht werden können. von ihm in Goldkronach zur Aus dem Stamme Davids Welt gekommen seien. stammend, habe er sich in jünIm Anschluß kehrten wir geren Jahren eine Existenz als in Bad Berneck-Goldmühl Zimmermann aufgebaut. Des- im Schwarzen Roß zu einem halb habe er sich mit der et- kleinen, aber wirklich feinen wa 14jährigen Maria verlo- Imbiß ein. Genau in diesem ben und sie schützen können, Schwarzen Roß wurde 1946 als sie schwanger gewesen sei die Familie Siebeneichler aus und er von einem Engel die Ur- Johannisberg bei Gablonz sache erfahren habe. Er habe von der Familie Wolfrum, die Maria geheiratet und „nahm heute noch die Wirtschaft beseine Frau zu sich“. Damit sei treibt, äußerst freundlich aufdie Ehe geschlossen und der genommen. Ehevertrag unterzeichnet worden. Allerdings habe Josef die Ehe nicht vollzogen, denn „er erkannte sie … nicht, bis sie ihren Sohn gebar“. Allgemeiner bekannt sei, daß Josef kurze Zeit vor der Niederkunft sorgenvoll mit Maria von Nazareth in seine Heimatstadt Bethlehem gereist sei, um sich auf Befehl des Kaisers Augustus Christoph und Ursula Lippert Mitte März fand die traditionelle Josefifeier der SL-Bezirksgruppe Oberfranken mit der SL-Kreisgruppe Bayreuth und der Ackermann-Gemeinde in Oberfranken in der Michaelskirche in Goldkronach statt. SL-Bezirksobfrau Margaretha Michel berichtet.

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Graupen

Niklasberg

� Janegg/Ullersdorf

Neuigkeiten vom Gefallenendenkmal

Hynek Čermák, ein tschechischer Schauspieler, und die neue Museumsdirektorin Jana Ličková bei der Eröffnung von Čermáks Fotoausstellung Anfang März in der Reitschule des Teplitzer Schlosses.

� Teplitz-Schönau

Neue Museumsleitung Das Teplitzer Regionalmuseum hat ab April auch offiziell eine neue Führung: Jana Ličková. Seit Dezember 2020, nach Abberufung von Zdeněk Matouš, führte sie das Museum bereits provisorisch.

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ana Ličková leitete bisher die ökonomische Abteilung. Vor zwei Jahren wechselte sie von der Galerie in Brüx/Most zum Museum in Teplitz. Die für die Ausschreibung eingesetzte Kommission tagte Mitte Februar. Die Bezirksleitung Aussig meldete Anfang März, daß Ličková ab April die Leitung des Regionalmuseums in Teplitz für unbefristete Zeit übernehmen werde. Bei der Ausschreibung hatten sich auch der frühere Direktor des Teplitzer Museums, Radek Spála, und erneut Zdeněk Matouš, der amtierende Bürgermeister der Stadt Graupen, gemeldet. Eines der Kommissionsmitglieder, Tomáš Wiesner, der Direktor des Leitmeritzer Museums, verkündete das Ergebnis der Ausschreibung zugunsten der bisher provisorisch eingesetzten Direkto-

rin. Die Ausschreibung wollte er nicht weiter kommentieren, da er der Schweigepflicht unterliege. Laut Wiesner gab es nur wenige Bewerber, die bereit seien, eine Institution mit solch einer „Mammut-Sammlung“ zu leiten. Dies sei eine gewaltige Verantwortung, die kaum jemand bereit sei zu tragen. Nach drei erfolglosen Ausschreibungen sei das Interesse von Bewerbern an dem Direktorenposten im Teplitzer Museum auch außerhalb des Bezirks Aussig gesunken, da es Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidungen gebe. Bei der jetzigen Ausschreibung erreichte der ehemalige Museumsdirektor Spála den Zweiten Platz. Auf dem Dritten Platz folgte ihm Bürgermeister Matouš. Beide hatten sich auch an den beiden vorherigen Ausschreibungen beteiligt, wobei Matouš zweimal gesiegt hatte. Aber nach dem Wechsel der Bezirksregierung im Oktober 2020 in Aussig wurde er zur Persona non grata. Die Gründe lagen wohl an seiner Verbindung

Das Schloßmuseum in Teplitz-Schönau.

zur vorherigen kommunistischen Leitung des Bezirks sowie an zweifelhaften Grundstücksverkäufen in Graupen, welche er als Bürgermeister zu verantworten hatte. Die neue Direktorin über ihre Wahl: „Ich hoffe mir gelingt, die vielen anstehenden Aufgaben zu erfüllen.“ Nach ihrer Ernennung warten auf sie verschiedene Aufgaben, darunter die Lösung des technischen Zustandes des Schloßgebäudes als Sitz des Museums, die Bearbeitung und moderne Präsentation der umfangreichen und wertvollen Sammlungen und die Rekonstruktion des Museums in Graupen, das zum Teplitzer Museum gehört. Sie lobte die Bereitschaft und Kompetenz ihrer Mitarbeiter und äußerte sich auch positiv über den bisherigen Betriebsablauf des Museums. Trotz Corona seien die Besucherzahlen nun wieder erfreulich angestiegen. Hoffen wir, daß die neue Museumsführung den langjährigen Erfolg und guten Ruf des Teplitzer Museums fortsetzen wird. Jutta Benešová

gentlich Kontakt hatte und der auch mit Vladimír Bittersmann in Verbindung steht, hat den Fall gelöst. Seine Vorfahren kamen aus Ja­ negg, und er interessiert sich sehr für unsere Vergangenheit. Er erzählte mir: ,Ich habe bei Facebook einen Beitrag eingestellt. Daraufhin meldete sich ein Tscheche namens Michal Silfalda und stellte die zwei letzten

de Janegg, Inventarnummer 250, Box 33, im Komitee für den Bau des Denkmals für die Gefallenen 1936 bis 1938. Auch die Duxer Zeitung berichtete in den Ausgaben 27/1937 vom 9. Juli 1937 auf Seite 10 und 30/1937 vom 30. Juli 1937 auf Seite 16 über die Enthüllung des Denkmals.‘ Diesen Archivhinweis schickte ich Bittersmann zu. Und er war im Teplitzer Archiv erfolgreich.“ Bittersmann hätte auch noch Interesse an den Familien der gefallenen Soldaten. uf die Anfrage kam Hier noch Nachkomsofort eine Antwort men zu finden, sei äuvon Gudrun Fuchsenßerst schwierig. Nun, da berger. Sie hatte über ih- Die Duxer Zeitung berichtete im Jahr 1937 über die die Namen der Gefalleren Heimatort Janegg Enthüllung des Kriegerdenkmals in Ullersdorf. nen bekannt sind, möchviele Fotos und Materiten wir die Bitte im Heial gesammelt und steht mit Vla- Anhänge bei Facebook ein. Au- matruf erneuern, sich zu melden, dimír Bittersmann in Kontakt. ßerdem den Hinweis, daß sich in falls noch jemand NachkomFuchsenberger versprach, sich dem Buch ,Papa, komm zurück men der Gefallenen kennt oder in ihrem Bekanntenkreis umzu- zu uns 2‘/,Tatíčku, vrať se k nám über sie zu berichten weiß. Für hören. Sie fand Folgendes über 2‘ die Materialien für den Bau jede Antwort diesbezüglich stedas Gefallenendenkmal in Jan- des Denkmals im Staatlichen Be- he ich gerne per eMail unter egg heraus: „Jens Hofmann aus zirksarchiv in Teplitz/Teplice be- jutta.benesova@volny.cz zur VerThüringen, mit dem ich gele- finden, im Archiv der Gemein- fügung. Herzlichen Dank. Im Heimatruf (Þ SdZ 47/2021) wurde bereits die Bitte veröffentlicht, ob jemand etwas über das Gefallenendenkmal in Ullersdorf berichten könne. Auf einem historischen Foto waren vor allem die Namen nicht mehr lesbar. Die Gemeinde Ja­ negg möchte dieses Gefallenendenkmal erneuern. Vladimír Bittersmann aus Janegg, der im Rahmen der Heimatforschung tätig ist, hatte um Hilfe gebeten. Jutta Benešová berichtet.

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� Sektion Teplitz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins

Welches war die erste Hütte? Die Teplitzer Hütte, italienisch Rifugio Vedretta Pendente, ist eine Berghütte in den Stubaier Alpen in Südtirol. Sie liegt am Talende des Ridnauntals auf einer Höhe von 2586 Metern über dem Meeresspiegel.

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er von der Teplitzer Hütte spricht, meint den Bau im oberen Ridnauntal am Beistein, der 1898 eröffnet wurde. Aber vorher waren noch andere Hütten gebaut worden. 1886/87 baute die Sektion Teplitz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuÖAV) die Leitmeritzer Hütte in den Lienzer Dolomiten am Laserzsee. Sie wurde am 1888 eingeweiht und 1906 für 1000 Kronen an die Sektion Karlsbad verkauft. Der Betrag wurde dem Baufonds für den an Stelle der Müllerhütte zu errichtenden Neubau zugewiesen. Diese 1891 errichtete Hütte hatte der Teplitzer Carl Müller finanziert.

Die Grohmannhütte um 1894. Die erste Teplitzer Hütte wurde im Ridnauntal am Bloßen Bühel in den Stubaier Alpen auf 2254 Höhenmetern errichtet und 1887 eröffnet. Im Winter 1887/88 zerstörte ein Sturm die Hütte. Daraufhin finanzierte der böhmische Großindustrielle Theodor Grohmann für 1534 Österreichische Gulden einen Neubau, der nach ihm benannt wurde. Die

neue, wenn auch kleinere Hütte, eröffnete 1889. Nach dem Ersten Weltkrieg enteignete der italienische Staat die Hütte und gab sie der Sektion Sterzing des Clubs Alpino Italiano (CAI) . Nachdem sie einige Jahre leer gestanden hatte und zu Teilen verfallen war, wurde sie 1998 bis 2000 komplett saniert. Nadira Hurnaus

WIR GRATULIEREN Allen treuen Heimatruf-Abonnenten wünschen wir herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im April:

n  Loosch/Kreis Dux. Rosemarie Endisch, Georg-Rückert-Straße 2, 65812 Bad Soden, 30. April 1928.

n  Fleyh/Kreis Dux. Anneliese Moritz/Liebscher, Hutzelofenweg 4, 97717 Sulzthal, 24. April 1936.

n  Moldau/Kreis Teplitz-Schönau. Irmgard Heymann (Nr. 120, Lochfranz), Breitscheidstraße 21, 06842 Dessau-Roßlau, 1. April 1939.

TERMINE n  Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz n  Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung der

Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-Elisa­ beth-Kirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; danach Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Über-

nachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks und des Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

11 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Furth im Wald

Neues Ritterpaar 2012 arbeitet er bei der Firma Rädlinger. 2013 bis 2015 machte er eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker. Seit September 2020 ist er Abteilungsleiter in der Arbeitsvorbereitung bei der Firma Rädlinger. Stefanie Deckers Familie besteht aus ihrer Mutter, der Elekas Paar freut sich, die lange tromeisterin Cornelia Decker, ihTradition des Drachenstichs rem Vater, dem Journalisten Herin diesem Jahr fortsetzen zu dür- wig Decker, und ihrem Bruder fen. Und das mit einer hoch moti- Philipp. Bereits als Kind verfolgvierten Drachenstich-Spielschar, te sie im mütterlichen Elektrogedie schon mit Herzblut auf die schäft am Stadtplatz begeistert Festspiele hin fiebert. jede Drachenstichvorstellung. Simon Fischer ist das Kind des 2002 und 2003 spielte sie beim Landwirts Robert Fischer und Kinderdrachenstich im Volk und der Erzieherin Ruth Fischer. Sei- als Hirtenkind. 2012 begann sie ne Schwester Magdalena Brei- in der Hussitengruppe, zuerst ter war bereits 2013 Ritterin. Er bei den Käfig-Hussiten, später ist Mitglied des Glühwein-Klubs, auch bei den Reitern. 2016 durfte Mitbegründer des dazugehö- sie als Zofe mitwirken. 2017 und rigen Fördervereins und Akti- 2018 war sie Regieassistentin. ver bei der Freiwilligen Feuer- 2018 übernahm sie auch die Rolwehr im Furth im Walder Ortsteil le einer fliehenden Frau im Volk. Grabitz. Seit 1999 spielt er auf Ihre Mutter Cornelia verkörperder Further Waldbühne und im te 1981 und ihre Tante ChristiFurther Volkstheater sowie beim ne 1985 die Ritterin. Ihre CousiFurther Fußball-Club. ne Laura war 2013 Kinderritterin. Er wirkte bereits beim KinderNach der Realschule 2008 drachenstich und danach in ver- wechselte sie an die Fachoberschiedenen Rollen beim Fest- schule in Cham, wo sie 2011 Abspiel mit. Bereits 2017 verkörper- itur machte. In Regensburg stute er den Ritter mit der damaligen dierte sie Lehramt für HauptRitterin Patricia Dums. schulen und machte 2016 Nach der Mittleren Reife 2009 ihr erstes Staatsexamen. Anbegann er eine Ausbildung zum schließende unterrichtete sie Konstruktionsmechaniker. Seit als Lehramtsanwärterin in der Schwarzachtal-Mittelschule Waldmünchen und schloß dort 2016 ihre Lehrerausbildung mit dem zweiten Staatsexamen ab. Bis Juli 2020 war sie Lehrerin an der Mittelschule Neumarkt-Sankt Veit im Landkreis Mühldorf am Inn. Seit September 2020 unterrichtet sie am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Bad Kötzting. Ihre Freizeit widmet Stefanie Decker vor allem dem Reiten und Theaterspielen beim Further Theaterallerlei. Außerdem mag sie Schwimmen, Laufen, Klettersteig, Skifahren, Skitouren Simon Fischer und Stefanie Decker sind das Rit- gehen und Freunde terpaar 2022. treffen. Nach zwei Jahren Corona-Pause findet im Sommer wieder der Drachenstich, das älteste Volksschauspiel Deutschlands, in unserer Patenstadt Furth im Wald statt. Stefanie Decker und Simon Fischer sind das aktuelle Ritterpaar

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Bezirkstagspräsident und Landrat Franz Löffler, Martin Semecký, Štěpán Thomayer, Jan Benda und Karl Reitmeier.

Bild: Jindřiška Deckerová

Freundeskreis Furth im Wald-Domažlice

Ein Schutzengel erhält Lob Trotz Corona war der grenzüberschreitende Freundeskreis Furth im Wald–Domažlice/Taus nicht untätig. Der Freundeskreis unter Štěpán Thomayer wollte Personen im Zusammenhang mit zwei herausragenden Ereignissen würdigen. Förster Martin Semecký hatte im Oktober die zweieinhalb Tage lang vermißte achtjährige Julia gefunden. Den Pilsener Polizisten Matej Bláha und David Divok war bei einem Motorrad-Ausflug in ihrer Freizeit im letzten August ein BMWCabrio aufgefallen, das zwei Tschechen im oberpfälzischen Ränkam gestohlen hatten. Die Diebe wurden gefaßt.

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arl Reitmeier, Zweiter Vorsitzender des Freundschaftsvereins, hatte Mitte Dezember das Bayerische Innenministerium auf die beiden Fälle aufmerksam gemacht und eine Würdigung vorgeschlagen. Regierungsrätin Anna Aigner war begeistert und legte die Fälle dem Vize-Ministerpräsidenten und Innenminister Joachim Herrmann vor. Auch dieser wollte diese Helden des Alltags schriftlich eine Anerkennung aussprechen. Er verfaßte für den Förster und die Polizisten Belobigungsschreiben, in denen er ihr vorbildliches Verhalten würdigt. Da wollte der Freundeskreis nicht zurückstehen und ließ durch Ferry Baierl vom Creativ-Concept schöne Ehrenurkunden in deutscher und tschechi-

Das 2016 eröffnete Haus der Natur des Böhmischen Waldes/ Dům přírody Českěho lesa ist in der historischen Alten Post in Klentsch untergebracht und bietet sogar ein Bildungsprogramm für deutsche Kindergärten und Schulen.

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ie Weichen für das Haus hatte Karel Smutný, der Vorgänger des heutigen Bürgermeisters Jan Bozděch, gestellt. Smutný wollte, daß die Alte Post wieder

Ausgestopfte Biber beim Eingang.

scher Sprache anfertigen. Ferner wurden Präsente vorbereitet. Mitte März fand im Büro der Städtischen Wälder Taus die Ehrung des Försters Martin Semecký statt. Štěpán Thomayer begrüßte dazu auch Bezirkstagspräsidenten und Landrat Franz Löffler sowie von den Städtischen Wäldern Jindřiška Dekkerová vom Sekretariat und ExDirektor Jan Benda. Löffler überreichte Semecký im Auftrag des Innenministers das Belobigungsschreiben und schenkte ihm einen bayerischen Whisky. In der Belobigung schreibt Herrmann: „Obwohl an jenem 12. Oktober 2021 kaum noch Hoffnung bestand, das seit Sonntagnachmittag bei eisigen Temperaturen vermißte Mädchen noch lebend zu finden, haben Sie Ihre Bemühungen nicht zurückgefahren, sondern unablässig weiter nach dem Kind gesucht. Nachdem Sie am Vormittag das Gelände bereits mit der Feuerwehr Neumark durchkämmt hatten, fuhren sie gegen 13 Uhr mit Ihren Kollegen erneut in Richtung Böhmischer Brunnen, wo Sie das vermißte Mädchen an einer frisch gepflanzten Kahlfläche im Gras bemerkten. Durch die lange Zeit unter freiem Himmel und die bereits sehr kalten Nächte war das Kind stark unterkühlt. Wie durch ein Wunder hat es aber keine größeren Verletzungen davongetragen und konnte so bereits am nächsten Mor-

gen das Krankenhaus wieder verlassen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn Julia noch eine weitere Nacht im Wald hätte zu bringen müssen. Ihre unermüdliche Suche und Ihre Ortskenntnis haben dem Kind höchstwahrscheinlich das Leben gerettet.“ Besonders lobte Herrmann die Bescheidenheit des Förster. Der habe immer wieder auf die vielen anderen Helfer hingewiesen. Herrmann: „Ich bin mir sicher, daß ich auch im Namen der Familie, Klassenkameraden und Freunde der kleinen Julia spreche, wenn ich Ihnen ein großes Lob und meine aufrichtige Anerkennung für Ihren bemerkenswerten Einsatz ausspreche.“ Er wünsche Semecký einen ebenso aufmerksamen Schutzengel, wie er einer für Julia gewesen sei. Löffler blickte auf die bislang größte Suchaktion an der bayerisch-tschechischen Grenze zurück. Zwei Dinge hätten ihn beeindruckt: Wie schnell die grenzüberschreitende Suche angelaufen sei und daß der Wald das Kind geschützt habe. Semecký habe auch eine gute Botschaft über „unseren gemeinsamen Wald“ verbreitet. Das sei wertvoll gewesen. Der Wald sei als interessanter Lebensraum und Lebensgrundlage dargestellt worden. Jan Benda wies darauf hin, daß es rund um den Schwarzkopf viele Wege gebe und die Eltern

dort gut auf ihre Kinder aufpassen sollten. Zunächst seien alle Gebäude rund um den Berg abgesucht worden, da sie wegen ihres Zustandes eine große Gefahr gewesen seien. Er ließ dann die größte Suchaktion auf tschechischem Boden Revue passieren. Als ihn sein Förster Martin Semecký vom Auffinden des Mädchens informiert habe, sei dies die beste Nachricht in seinem 28jährigen Wirken als WälderDirektor gewesen. Benda, der seit Ende 2021 im Ruhestand ist, nannte es ein großes Glück, viele freundliche Leute auf der bayerischen Seite kennengelernt zu haben, und verwies auf viele gemeinsame Aktionen. Löffler wiederum: „Jan Benda war ein großes Glück für uns.“ Štěpán Thomayer, der das Belobigungsschreiben übersetzt hatte, verlas dieses und überreichte namens des Freundeskreises eine Ehrenurkunde. Karl Reitmeier überraschte den Förster mit einem Geschenkkorb. Martin Semecký dankte und meinte bescheiden, daß das Auffinden des Mädchens nicht alleine sein Verdienst gewesen sei. Anschließend saß man noch in gemütlicher Runde zusammen. Staatsminister Herrmann hatte übrigens in einem Schreiben dem Freundeskreis für dessen Einsatz bei der Pflege der bayerisch-tschechischen Freundschaft herzlich gedankt. Die Ehlr rung der Polizisten folgt.

Haus der Natur des Böhmischen Waldes in Klentsch

Eine Zeitreise mit Storch genutzt wird. Zu Beginn der Ära Bozděch fand die Renovierung statt. Inzwischen wurden auch die alten Stallungen umgebaut. Das Haus ist ein Besucherzentrum, das in einer Außen- und Innen-Ausstellung über Natur, Kultur und Geschichte des einzigartigen Grenzgebietes des Böhmischen Waldes erzählt. Mit einer Zeitmaschine wird man Zeuge der Verwandlung der Landschaft im Lauf Bilder: Karl Reitmeier der Zeit.

Es handelt sich dabei um ein 3-D-Modell mit einem Relief des Waldes. Dazu läuft ein auch deutschsprachiger zehnminütiger Film. Bei der Zeitreise begleitet ein Weißstorch, das Maskottchen des Hauses, den Reisenden. Ein weiter Teil der Ausstellung präsentiert die Atmosphäre Betsäule der sich verwandelnden Natur oder der verschwundenen Dörfer. Ferner wird die Tier-, Pflanzen-, Fisch- und Insektenwelt gezeigt. Richtig abenteuerlich wird es bei einem Gang durch eine Abteilung im Obergeschoß, wo man den Wolf heulen hört, ein Bär mit leuchtenden Augen durch die Bäume glotzt oder

ein Hirsch mit glühenden Augen auf den Besucher starrt. Am Ende sehen die Besucher einen Böhmischer-WaldFilm über Mensch und Natur. Dieser Film ist auch eine Einladung zu Ausflügen. Auch heuer gibt es wieder interessante Aktionen. Der zum fünften Mal stattfindende Fotowettbewerb trägt das Motto „Zwischen den Bergen“. Die Sieger werden im November bekanntgegeben. Die Europäische Union unterstützt das diesjährige Schul-Projekt „Das Haus der Natur kennt keine Grenzen“ finanziell, das in der Woche vor Ostern stattfinden wird. Dazu ist ein Tref-

des Hauses der Natur vorzustellen und weitere Treffen zwischen den Schulen diesseits und jenseits der Grenze zu vermitteln. Auf dem Gelände im groß angelegten Garten des Hauses der Natur soll es heuer nach zwei Jahren Corona-Pause endlich wieder das traditionelle Folklore-Festival Ende Juni geben. Karl Reitmeier

fen von deutschen und tschechischen Schulen zunächst im Haus der Natur geplant, dem sich Exkursionen in das jeweilige andere Land anschließen sollen. Während der Projekt-Tage werden die Kinder auch alApril bis September Dienstag te Handwerkskunst wie Weben, bis Sonntag 9.00–17.00 Uhr, OkKrippenbauen oder Ostereier- tober bis März Dienstag bis Dondekorieren kennenlernen und nerstag 10.00–16.00, Freitag üben. Dazu soll es chodische 10.00–15.30 Uhr. Musik mit dem Dudelsack geben. Und natürlich sollen auch Kuchen wie Kolatschen angeboten werden. Gefertigt werden an diesen Tagen darüber hinaus die böhmischen Osterruten, tschechisch Pomlázka genannt. Dazu wurden Künstler aus dem Oberpfälzer Freilandmuseum in Neusath-Perschen eingeladen. Ziel dieses Projektes ist, das Angebot Storchennest unterm Dach.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 13 | 1. 4. 2022

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil II

Grüßgott statt Hitlergruß Zeit die wöchentlichen Singnachmittage in dem zuständigen Raum des Jungvolkhauses auf dem Mieser Marktplatz durch. Der von ihm mit einem unförmigen Holzscheit dirigierte Gesang wollte nicht klappen. Aus Verärgerung über seine Pimpfe und vermutlich auch über deren Ungehorsam warf er das Holzscheit in die Menge und traf mich so am rechten Auge, daß ich Mies verlassen und nach Ma-

terlichen langen Strecken in hohem Schnee bei uns benötigte, für die Ostfront hatte abgeben müssen. Deshalb lehnte ich die Geldsammlung ab. Wie ich später hörte, sind die eingesammelten Skier aus den Dörfern in der Kreisstadt Tachau liegen geblieben und gingen beim ersten Bombenangriff auf Tachau Anfang 1945 in Flammen auf. Erst nach einigen Wochen erhielt ich eine dringende Vorla-

Angesichts dieser und anderer kleinerer Vorkommnisse frage ich mich, wie ich in Mies an der Schule bleiben durfte. Ich glaube nicht, daß es trotz meiner chließlich noch eine BemerAuszeichnung für sehr gute Leikung: Seit der Rekatholisiestungen – als einziger Schüler rung Böhmens nach dem Dreißigder Schule beim Schuljahres-Abjährigen Krieg war das Egerland schlußappell 1943 – ausgereicht katholisch. Nur in Einzelfällen hätte, wenn mir nur ein einzelner gab es durch Eheschließungen Lehrer öffentlich geholfen hätte. evangelische Ehefrauen, aber mit Aus diesem Geschehen lernte ich katholischen Kindern. Kirchenviel für mein späteres Leben: l  als Schülerratsvorsitzenaustritte kamen in unserer Geder an der Oberschule in Wagend auch bei den Kommuren-Müritz 1948; nisten und Sozialdemokraten l  bei meinem Physikstudinicht vor. Vielleicht wegen der um an der Universität Rostock, langen österreichisch-italieniinsbesondere im Zusammenschen Tradition konnte man hang mit der von Walter Ulbei der Unterhaltung der ältebricht untersagten „Fehlerdisren Generation oft hören: Die kussion“ über seine Staatspochristliche Lehre sei eigentlich litik (Neuer Kurs 1953); in ihrem Kern kommunistischl   bei meiner Wahl zum sozialistischen Inhalts – naRektor der Friedrich-Schiltürlich „idealer Art“, nicht ler-Universität Jena (1990 bis „Diktatur.“ Kommunion habe 1993) mit dem verpflichtenden mit der erstrebten Gleichheit Auftrag des optimalen demoaller Menschen zu tun und so kratischen Umbaus der Uniweiter. versität angesichts des angeNach einem Jahr in der ordneten Vollzugs der AbPfraum­berger Bürgerschuwicklung großer Teile der le empfahlen meine Lehrer Universität, hinausgehend meinen Eltern, mich zur umüber den nach dem Zweiten fassenderen weiteren AusbilWeltkrieg in der „DDR“ eindung ab 1941 auf das Gymnageführten obligatorischen sium – später Oberschule – Marxismus-Leninismus als in Mies zu schicken. So sollte Das Mieser Gymnasium Anfang der 1940er Jahre. Lehrgebiet. ich für die nächsten weiteren Nun wieder zurück in meine acht Jahre in das in Westböh- rienbad zum nächsten Augenarzt dung des NSDAP-Kreisleiters men weit bekannte Gymnasium in der Kriegszeit in Behandlung über die Mieser Schule zum So- Mieser Zeit. Auch junge Schümit gutem Ruf gehen. Einiges ha- mußte. Wochenlang konnte ich fortgespräch in obiger Angele- ler merken oft schweigend, aber be ich in dem ersten obigen Ab- auf dem Auge nicht sehen. Mit genheit. Mein fast 70jähriger dennoch aufmerksam, bei welschnitt schon erzählt. Hier gebe stark eingeschränktem Augen- Großvater begleitete mich zum chen älteren Lehrern in Mies, die ich in Kürze drei Erlebnisse wie- licht nahm ich schließlich wieder amtierenden Kreisleiter, der zum Teil noch in den Kategorider. am Unterricht teil. Augenärzte mich in seinem Dienstzimmer am en österreichischer Geschichte Erstens: Bekanntlich muß- erkennen jetzt noch die bis zum Marktplatz erwartete. Wie bei dachten, der Anschluß des Sute die sudetendeutsche Ju- Sehnerv vorgedrungene Verlet- uns üblich, grüßte ich mit einem detenlandes an das Reich innerlich noch nicht verarbeitet war. gend zwangsweise die außer- zung. freundlichen Grüßgott. schulische nationalsozialistische Zweitens: Erschöpft kam ich Brutal jagte er mich aus dem An den Gesichtern dieser Lehrer Pflichtenserie durchlaufen. Für an einem Sommer-Wochenende Zimmer, das ich mit dem Hitler- erkannte man, wie lästig es ihnen unsere Klasse bedeutete dies, 1944 mit dem Fahrrad aus Mies Gruß bei erhobenem Arm wieder war, nach dem Hitler-Attentat im mindestens den wöchentlichen in meinem Heimatdorf an und betreten durfte. Der Funktionär Juli 1944 den Morgengruß an die „Dienst“, teilweise halbmilitäri- begegnete dem amtierenden belehrte mich lautstark über die Schüler durch den Hitler-Gruß sche Übungen, zu absolvieren. Bürgermeister. Der hielt mich Pflichten eines deutschen Jun- mit oben ausgestrecktem Arm erUnser pflichtbewußter Jungzug- sofort fest und gab mir den Auf- gen und drohte mir die Abfüh- setzen zu müssen. Drittens: Meine Berufswahl, führer des Deutschen Jungvolks trag, an diesem Wochenende mit rung in ein Konzentrationslager führte mit uns zur winterlichen der Winterhilfswerk-Sammel- an. Mein Großvater brach in Trä- Physik zu studieren, war bereits büchse von Haus zu Haus zu nen aus und brachte flehend vor, im ersten Jahr meines Physikgehen und für den Sieg Geld daß erst vor kurzem einer seiner unterrichts in Mies gefallen. Unzu sammeln. Ich war schlecht drei im Osten eingesetzten Söh- ser Physiklehrer Pittrof verstand gelaunt, da ich erst kurz da- ne durch Kopfschuß gefallen es nach meiner Auffassung sehr vor meine neuen Skier, die sei. Mit Verwarnung konnte ich gut, die Schüler für die Physik zu begeistern. Wie stieß dieser oft ich zur Bewältigung der win- Tachau verlassen. nicht geliebte Stoff in meinem Innern auf Resonanz? Unser Lehrer behandelte die im dritten Jahrhundert vor Christus von Archimedes entdeckten Gesetze des physikalischen Auftriebs von in Wasser schwimmenden Körpern. Am Ende seiner Ausführungen stellte er die Frage: „Und was kann man machen, wenn der Körper aus Salz ist, das sich im Wasser auflöst?“ Ich meldete mich sofort und sagte spontan: „Man nehme statt Wasser Öl, in dem sich das verwendete Salz nicht auflöst.“ Meine prompte Antwort verblüffte meinen Lehrer so schnell, daß er sagte: „Ernst, Du bist ab jetzt mein SchülerAssistent zur Vorbereitung der physikalischen Geräte für die Gestaltung des Physikunterrichts.“ Ich habe mich darüber sehr gefreut. Offenbar war damit meine Berufswahl entDas Mieser Renaissance-Rathaus 2011 und Anfang der 1940er Jahre. Bild (1): Jirka Štejskal schieden. Fortsetzung folgt In dieser Folge beginnt Ernst Schmutzer mit der Schilderung seiner Gymnasialzeit von 1941 bis 1945 in Mies.

S

Das Hofkreuz der Familie Ries in Maschakotten.

WIR BETRAUERN n  Tirna. Am 4. Februar starb Hilde Regner in ihrem 80. Lebensjahr im oberbayerischen Wolfratshausen. Sie war 1942 in Tachau als einziges Kind der Lehrers-Eheleute Gretl Schindler aus Tirna und Karl Löbl aus Tachau zur Welt gekommen. Ihr Vater kam nicht mehr aus dem Krieg zurück, so daß Mutter und Tochter bis zum Kriegsende wieder in Tirna bei den Großeltern lebten. Dies geschah auch, um dem Beschuß und Bombenhagel in Tachau auszuweichen. Die Vertreibung führte beide zuerst in die Sowjetische Besatzungszone, nach einigen Wirren dann in den oberbayerischen Landkreis Miesbach. Dort trafen sie wieder mit der Großfamilie Schindler zusammen, die in Miesbach ihr neues Zuhause gefunden hatte. Alle begannen ihr Leben neu zu ordnen und aufzubauen, so auch ihre Mutter Gretl, die nach einigen Jahren Alois Eibach heiratete, womit wieder eine „richtige Familie“ entstand. Hilde durchlief ihre Schulzeit, konzentrierte sich auf die Berufsausbildung und lernte bei einem Praktikum Alfred Regner kennen und lieben. Die beiden heirateten, gründeten eine Familie und ließen sich in Wolfratshausen nieder. Vervollkommnet wurde das Glück noch durch die Geburt der Töchter Uschi und Ingrid. Die glücklichen Jahre liefen dahin, die Kinder gingen aus dem Haus und gründeten eigene Familien, und Hilde konnte sich im Laufe der Zeit auch ihrer Enkel erfreuen. Das Alter kommt und mit ihm auch manche Müh‘ und Plag. Im Jahre 2016 starb ihr Ehemann. Hildes Gesundheit litt in den letzten Jahren zunehmend, aber sie blieb interessiert und zuversichtlich. Auch war sie in der Schar der Schindler-Nachkommen ein fester und beliebter Bezugspunkt. Ich empfinde es als eine Gnade, in der eigenen Wohnung und umsorgt von den Töchtern mit deren Familien, der Welt „Ade“ zu sagen. Dafür sei allen herzlich gedankt. In Tirna waren wir

Nachbarskinder und verbrachten viel Zeit zusammen. Nun durfte ich sie auf ihrem letzten Weg begleiten und mit allen Angehörigen um sie trauern. Manfred Klemm Ortsbetreuer n  Maschakotten. Am 15. Dezember verstarb Willi Ries mit 88 Jahren im Krankenhaus im bayerisch-schwäbischen Memmingen. Geboren war er am 14. Januar 1933 als viertes Kind des Bauernehepaares Wilhelm und Anna Ries in Maschakotten Nr. 28, dem Blaslhof. Dort wuchs er mit seinen sechs Geschwistern auf. Am 28. Mai 1946 kam die Vertreibung, und die Familie verschlug es nach Untereichen im Kreis Illertissen. Willi heiratete im September 1956 Luise Beer aus Jedesheim. Die Eheleute hatten sechs Kinder. Mit viel Arbeit und großem Fleiß konnte Willi bald seinen eigenen Betrieb, ein Kieswerk, aufbauen. „Kies von Ries“ war bald in der ganzen Gegend bekannt. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung wurde er auf dem Friedhof in Jedesheim beerdigt. Der Verstorbene hing sehr an seiner Heimat und war bei fast allen Heimatgottesdiensten dabei. Auch im letzten September weilte er noch unter uns und freute sich sehr, daß der Gottesdienst stattfand. Man hatte den Eindruck, daß er sich gar nicht von der Heimat trennen wollte. In all den Jahren, in denen die Kirchenrenovierung in Altzedlisch aktuell war, hat er sich sehr dafür eingesetzt und immer wieder größere Spenden getätigt. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Wir trauern mit seiner Familie und sprechen unsere tiefe Anteilnahme aus. Lieber Willi, wir danken Dir für deine Treue zur Heimat und besonders für Deinen Einsatz für die Altzedlischer Kirche. Wir werden Dich nicht vergessen. Ruhe in Frieden. Reinhold Wurdak Ortsbetreuer


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Sudetendeutsche Zeitung 1. April 2022 Ausgabe 13 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu