Sozialministerin Ulrike Scharf: „Bayern hilft mit offenem Herzen“ (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 12 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 25. März 2022
VOLKSBOTE
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� Solidaritätsreise nach Kiew
Lebensgefährlicher Staatsbesuch „Diese Führer unabhängiger europäischer Staaten zeigen, daß sie keine Angst haben. Sie sind hier, um uns zu unterstützen. Ich bin sicher, daß wir mit solchen Freunden, mit solchen Ländern, Nachbarn und Partnern wirklich gewinnen können”, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den geheim geplanten Staatsbesuch der Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien in Kiew gewürdigt.
D Historischer Händedruck: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßt seinen tschechischen Amtskollegen Petr Fiala in Kiew. Foto: Vlada CZ
er tschechische Premierminister Petr Fiala war gemeinsam mit seinen Amtskollegen Mateusz Morawiecki und Janez Janša per Zug in die umkämpfte ukrainische Hauptstadt gereist.
Vor Ort zollte Fiala den Ukrainern größten Respekt: „Wir bewundern euren mutigen Kampf. Ihr kämpft um euer Leben, euer Land und eure Freiheit. Wir wissen, daß ihr auch um unser Leben kämpft. Ihr seid nicht allein.” Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki: „Hier, im vom Krieg zerrissenen Kiew, wird Geschichte geschrieben. Hier kämpft die Freiheit gegen die Welt der Tyrannei. Hier hängt die Zukunft von uns allen in der Schwebe.” Und Sloweniens Regierungschef Janez Janša kündigte an, daß sein Land Botschaftspersonal nach Kiew entsenden und die diplomatische Vertretung dort wiedereröffnen werde.
� Putins Völkermord an der Ukraine überschattet den 57. Andechser Europatag der Paneuropa-Union Deutschland
Bernd Posselt: „Die Ukraine ist ein zutiefst europäisches Land“ Im Zeichen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stand der 57. Andechser Europatag unter dem Motto „Europa – ein Zuhause?“. Bernd Posselt, der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, erklärte, um den äußeren Bedrohungen gewachsen zu sein, gelte es, sowohl die Europäischen Institutionen zu stärken als auch die europäische Identität zu entfalten. „Das eine ist der Leib, das andere die Seele Europas“, so der langjährige Münchner Europaabgeordnete.
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esonderer Ehrengast war Rafał Dutkiewicz, langjährige Oberbürgermeister von Breslau und einer der populärsten Politiker Polens. Seine Stadt habe nach dem Zweiten Weltkrieg durch die komplette Vertreibung der Deutschen und die Ansiedlung von Polen aus der heutigen Ukraine einen nahezu völligen Bevölkerungsaustausch erlitten. Die Politik der heute regierenden nationalistischen Kräfte nannte er „die Sterbensschmerzen einer alten Zeit“. Beim traditionellen Bühnengespräch im Klostergasthof bekannte sich Dutkiewicz zu seiner regionalen Identität: „Ich bin Schlesier.“ Seine Landsleute hätten nicht nur eine enge Bindung zu der aus Andechs stammenden Heiligen Hedwig von Schlesien, sondern auch zu der deutschen Jüdin Edith Stein, die vor ihrer Ermordung im Konzentrationslager Auschwitz noch einmal kurz am Bahnhof ihrer Geburtsstadt Breslau gesehen worden sei und heute von der Katholischen Kirche als eine der drei Patroninnen Europas verehrt werde. Für die jetzigen polnischen Bürger der historischen schlesischen Hauptstadt sei es selbstverständlich, sich auch mit dem zu identifizie-
Vor dem Klosterhof zeigten die Teilnehmer des Andechser Europatages ihre Solidarität mit der Ukraine. ren, was vor 1945 deren deutsche Einwohner geschaffen hätten. Prof. Jana Osterkamp vom Collegium Carolinum und vom Lehrstuhl für die Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Münchner Ludwig-MaximiliansUniversität wies darauf hin, daß die Habsburgermonarchie für die Zeitgenossen im 19. Jahrhundert und für viele Historiker von heute wegen ihrer Vielfalt der Völker und Sprachen, Religionen und historischen Regionen ein „Europa im Kleinen“ gewesen sei: „Wie derzeit in der EU, so drängte sich auch damals in der Habsburgermonarchie die Frage auf, ob und wie sich in diesem Reich verschiedene Heimaten seiner Bürger und Bewohner zu einer ‚Heimat der Heimaten’, wie dies Václav Havel nannte, verbinden lassen könnten.“ Ein Dutzend staatlich anerkannter Sprachen seien auch in den Volksschulen
unterrichtet worden, wodurch die Monarchie die „Idee einer mehrsprachigen Heimat“ gefördert habe. Die Antwort auf die seit der Revolution von 1848 anwachsenden nationalen Spannungen habe „Vielfalt ordnen“, also Föderalismus gelautet. Der aus Bayern stammende und in Estland lebende Extremismusforscher Florian Hartleb schilderte, wie extremistische Rechte und Linke, vielfach vom russischen Putin-Regime gefördert, seit mehr als zwanzig Jahren an den Fundamenten Europas gezündelt haben. Eines der wichtigsten Instrumente sei die hybride Kriegsführung durch gezielte Desinformation und Propaganda, insbesondere über Social Media. Der Buchautor ging auf den Chefideologen Putins, Alexander Dugin, ein, der die Vision eines von Moskau gelenkten Eurasien entworfen habe. Funk-
tionäre von Dugins Eurasischer Jugend seien im Mitarbeiterstab der AfD im Bundestag tätig geworden. Die sich immer weiter radikalisierende AfD vernetze sich außerdem nicht nur mit Reichsbürgern, sondern auch mit Impfgegnern und Esoterikern. Bernd Posselt als starker Verfechter der Europäischen Einigung betonte, daß diese nicht „zu einem Zug nach nirgendwo“ werden dürfe. Sie brauche ein klares Ziel und einen konkreten Fahrplan. Dazu gehöre die Entwicklung eines europäischen Patriotismus, der die nationalen und regionalen Patriotismen nicht verdrängt, sondern „ergänzt und krönt“. Für den Zusammenhalt seien Kultur, Symbole, bürgerschaftliches Engagement, Föderalismus und eine völkerverbindende Identität unverzichtbar. Posselt: „Auch die Ukraine ist ein zutiefst europä-
Foto: Johannes Kijas isches Land, obwohl sich der Rat der Staats- und Regierungschefs aus Angst vor Moskau jahrelang bemüht habe, ihr das Europäertum abzusprechen.“ München verfüge aufgrund der bis 1990 dort angesiedelten amerikanischen Freiheitssender Radio Free Europe und Radio Liberty sowie der an der Isar heimischen Ukrainischen Freien Universität über eine sehr starke ukrainische Gemeinde. Er selbst, so Posselt, sei dabeigewesen, als Franz Josef Strauß Mitte der 1980er Jahre die Partnerschaft zwischen Bayern und dem ukrainischen Volk proklamiert habe. Auf Initiative des Augsburger Paneuropa-Bischofs Josef Stimpfle sei es schon 1988 zu einer großen Diözesanwallfahrt zur ukrainisch-katholischen Untergrundkirche gekommen. Aus dieser Solidarität heraus gelte es, den bedrängten und
verfolgten Ukrainern beizustehen und sobald wie möglich mit ihnen gemeinsam an einer besseren europäischen Zukunft zu arbeiten, die der Kriegsverbrecher Putin mit allen Mitteln verhindern wolle. Die Europäische Union müsse sowohl im Inneren durch Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden als auch ihre Sicherheits- und Schutzfunktion nach außen wirkungsvoll erfüllen. An die Tagung samt Gottesdienst schloß sich eine Demonstration für die Ukraine vor dem Klostergasthof an. Paneuropa-Vizepräsident Michael Gahler MdEP, der Ukraine-Berichterstatter des Europäischen Parlamentes, verurteilte den russischen Angriffskrieg und rief zu uneingeschränkter Solidarität mit dem ukrainischen Volk auf. Er forderte verschärfte Sanktionen sowie Waffenlieferungen: „Die Ukrainer sind in ihrer Existenz bedroht und müssen sich verteidigen können!“ Das abschließende Podium „Zusammenhalt in Europa“ moderierte der Ukraine-Berichterstatter des Bundestages, MdB Knut Abraham, der auch Mitglied des Sudetendeutschen Rates ist: „Paneuropa macht mir immer klar, was Europa ausmacht – in kultureller, menschlicher, politischer und religiöser Dimension. Wenn man all das zusammennimmt, ist es ein Zuhause.“ Um Europa zu entdecken und zu erkennen – „den Europa-Moment zu erleben“ – seien Vermittlung nötig sowie Kenntnisse der Geschichte und der Geographie, die er für den Schulunterricht anmahnte. Als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates erinnerte er an die zentrale Bedeutung der Minderheitenrechte und der Europäischen Menschenrechtskonvention.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er tschechische Schriftsteller Toman Brod wurde von den Nazis verfolgt und als Kind in die KZs Theresienstadt und Auschwitz deportiert. Trotz aller tragischen Geschehnissen – er war das einzige Familienmitglied, das den Holocaust überlebt hat – blieb er weltoffen und bereit, die Sudetendeutschen immer zu unterstützen, wenn es notwendig war. Kaum zu glauben, daß er kürzlich seinen 93. Geburtstag feierte. Der SL-Büroleiter Peter
PRAGER SPITZEN
Barton besuchte ihn am 9. März, um etwas über seine Tätigkeit zu erfahren, denn Toman Brod nimmt heute noch an Gesprächen und Diskussionen mit jungen Menschen an tschechischen Schulen teil. Außerdem begleitet er Besuche deutscher Gruppen, die er durch das ehemalige Ghetto von Theresienstadt führt. Wir wünschen ihm und seiner ebenfalls 1929 geborenen Frau Libuše viel Glück und gute Gesundheit. Wir brauchen Zeitzeugen wie Toman Brod.
Notstand wird wohl verlängert
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ereits über 270 000 Menschen sind vor dem russischen Völkermord an der Ukraine in die Tschechische Republik geflüchtet. Die Regierung wird deshalb das Abgeordnetenhaus ersuchen, den Notstand über Anfang April hinaus zu verlängern, hat der stellvertretende Premierminister und Innenminister, Vít Rakušan (Stan), angekündigt. Unterdessen tritt in der kommenden Woche die „Lex Ukraine“ in Kraft. Damit erhalten Kriegsflüchtlinge ein Sondervisum und können ab sofort eine Beschäftigung annehmen. Außerdem erhalten sie einen humanitären Zuschuß in Höhe von 5000 Kronen (rund 200 Euro).
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Erinnerungsfoto: Die Teilnehmer des Seminarwochenendes „Lebendige Erinnerungskultur“ vor dem Heiligenhof.
Fotos: Heiligenhof
Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“ auf dem Heiligenhof
Im Aufbau: Online-Netzwerk für die Sudetendeutschen Unter dem Motto „Lebendige Erinnerungskultur“ stand ein Wochenendseminar in der sudetendeutschen Bildungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen.
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ie über 60 Teilnehmer, oft mit böhmischen Wurzeln, einten das Interesse an den geschichtlichen Zusammenhängen, der Wunsch nach Vernetzung untereinander sowie die Suche nach den Vorfahren und deren Lebensumständen bis zur Vertreibung und dem Ankommen in der neuen Heimat. So machte Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor der Bildungsstätte, mit dem ersten virtuellen Stammtisch auf das Thema auch über den Heiligenhof hinaus aufmerksam. „Nachgeborene verpassen oft zu Lebzeiten der Eltern und der Großeltern, mit ihnen über die Vertreibung und die verlorene Heimat zu sprechen. Hier leisten Heiligenhof und Sudetendeutsche Landsmannschaft wertvolle Arbeit durch Kontakt- und Wissensvermittlung“, so Hörtler. Sachkundig und mit viel Herzblut moderierte der engagierte Stiftungsleiter mit familiären Wurzeln im Isergebirge die zweistündige Veranstaltung. Die Sudetendeutsche Bildungsstätte „Der Heiligenhof“ ist ein Teil der Sudetendeutschen Familie, führte er weiter aus. Er bietet nicht nur ein umfangreiches Seminarangebot zur historischen, politischen und kulturellen Bildung, vielmehr beherbergt er das ganze Jahr über Schulklassen, die am Heiligenhof ihre Lernprojekte durchführen und. auch im Rahmen des deutschtschechischen Schüleraustausches zum Heiligenhof kommen. „Wer kann mir etwas über die Heimat meiner Familie erzählen?“ – „Wo leben unsere Verwandten heute?“ – „Gibt es noch jemanden, der meine Großeltern kannte?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäfti-
gen sich junge Sudetendeutsche heutzutage. In seinem Vortrag über „Sudetendeutsche Netzwerke“ erläuterte Mathias Heider den grundsätzlichen Wandel der Kommunikations- und Vernetzungswünsche, der mit dem Wechsel von der Erlebnis- zur Bekenntnisgeneration einherging.
Als besonders erfolgreich hätten sich beispielsweise die von Markus Decker, Heimatlandschaftsbetreuer für das Riesengebirge, aufgebauten Facebook-Gruppen erwiesen. Die sozialen Medien wiesen jedoch auch Schwächen auf. Bedenken bestünden insbesondere aufgrund der bekannten Mängel im Datenschutz, die vie-
Zahlreiche Experten referierten über das Thema Erinnerungskultur. Den meisten heimatvertriebenen Sudetendeutschen war es demnach ein wichtiges Anliegen, Kontakte aus der Zeit vor der Vertreibung weiterhin zu pflegen. Ihre persönlichen Netzwerke aus Verwandten, Freunden, ehemaligen Nachbarn und Kollegen bildeten das Fundament der Volksgruppe. Mit dem Zurücktreten der Erlebnisgeneration seien diese Verbindungen jedoch zunehmend brüchig geworden. Vielen Nachkommen fehlten heute Kontakte zu anderen Menschen gleicher Herkunft. Wer sich für das Leben und die Geschichte der Vorfahren interessiere, müsse deshalb in erster Linie darum bemüht sein, neue sudetendeutsche Netzwerke aufzubauen. Ein wichtiges Instrument stellen dabei, so Heider, soziale Medien wie Facebook, Instagram, YouTube oder WhatsApp dar. Bei der Vernetzung junger Sudetendeutscher seien bereits große Fortschritte erzielt worden.
le Interessenten davon abhielten, soziale Medien wie Facebook zu nutzen. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft arbeite deshalb an der Entwicklung eines eigenen Online-Netzwerks, das kostenlos, datensensibel und speziell auf die Anforderungen der Sudetendeutschen ausgerichtet sein wird. Jeder Teilnehmer werde dabei die Möglichkeit erhalten, sich – mit Angaben zur eigenen Herkunft – im Netzwerk anzumelden und seinerseits Nutzer gleicher Herkunft aufzufinden. Sudetendeutschen aller Generationen solle es dadurch möglich werden, wieder verstärkt miteinander in Kontakt zu treten. Das soziale Netzwerk der Sudetendeutschen entstehe, wie Mathias Heider erläuterte, mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Es werde im Rahmen des Sude-
tendeutschen Tages online gehen. David Vereš vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) informierte über eine weitere Digitale Plattform. Der erfahrene Projektkoordinator will mit der digitalen Plattform „Grünes Band“ Daten und Erinnerungen festhalten und dokumentieren, Informationen bereithalten für Lehrer und, was ihm ganz wichtig ist: „Man kann selbst aktiv werden und Beiträge und Bilder einstellen.“ Das Informations-, Beratungsund Vernetzungszentrum Grünes Band am CeBB soll Besuchern als erste Anlauf- und Informationsstelle zur Verfügung stehen und deutschen und tschechischen Akteuren im Bereich des Grünen Bandes als zweisprachige Beratungs- und Vernetzungsstelle dienen, so Vereš. Das Kulturerbe beidseits der Grenze zu präsentieren, Verständigung und Zusammenarbeit zu ermöglichen und so zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung und Aktivierung der Grenzregion beizutragen, ist das Kernanliegen des Centrum Bavaria Bohemia. Mit dem Thema „Grünes Band“ rücken der grenznahe Raum und seine historische Kulturlandschaft, aber auch seine Entwicklungspotentiale in den Vordergrund. Ein Informations-, Beratungs- und Vernetzungszentrum Grünes Band am Centrum Bavaria Bohemia soll zur Etablierung des „Grünen Bandes“ in den grenznahen Bereichen der Oberpfalz, des Bezirks Pilsen und des südlichen Teils des Bezirks Karlsbad (soweit an die Oberpfalz angrenzend) beitragen. Im Vordergrund stehen drei Schwerpunkte: Erstens, Naturschutz, Biodiversität und Biotope. Zweitens, historische Kulturlandschaft und Erinnerungsorte. Sowie drittens sanfter Tourismus und ländliche Entwicklung. Hildegard Schuster
Kernenergie ist Nummer eins
ie Kernenergie hatte im vergangenen Jahr mit 36,6 Prozent den größten Anteil an der Stromproduktion in der Tschechischen Republik. An zweiter Stelle standen die CO2-kritischen Braunkohlekraftwerke mit 35,1 Prozent. Mit 10 Prozent ist Gas der drittstärkste Energieträger. Aus der Biomasse wurden 3,1 Prozent des Stroms produziert, aus Steinkohle 3,2 Prozent, und Wasserkraftwerke trugen mit 3,1 Prozent zur Stromerzeugung bei. Solarkraftwerke hatten 2021 einen Anteil von 2,8 Prozent, Pumpspeicherkraftwerke einen Anteil von 1,5 Prozent. Windkraftanlagen produzierten 0,8 Prozent des tschechischen Stroms. Andere erneuerbare Quellen machten drei Prozent aus.
Babiš-Firma verliert EU-Subventionen
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as tschechische Ministerium für Industrie und Handel entzieht dem Bäckereiunternehmen Penam aus der Agrofert-Gruppe des ehemaligen tschechischen Premiereministers Andrej Babiš Subventionen in Höhe von 100 Millionen Kronen (vier Millionen Euro). Das Geld war zunächst für eine Produktionslinie für Toastbrote zugeteilt worden. Industrie- und Handelsminister Jozef Síkela (parteilos) begründete die Streichung mit fehlender Innovation. Die Auditoren hätten festgestellt, daß die Subventionen in ein Produkt investiert wurden, das bereits im Portfolio der Agrofert-Gruppe
existiere. Das Firmenkonglomerat taucht immer wieder in Medienberichten auf wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug sowie einem möglichen Interessenkonflikt von Ex-Regierungschef Andrej Babiš (Partei Ano).
Wachstum bricht zusammen
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ie hohe Inflationsrate droht das tschechische Wirtschaftswachstum auf null Prozent abzubremsen, hat der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (ČNB), Jiří Rusnok, gewarnt. Die Lage werde durch den Kriegskonflikt und die bereits bestehenden Probleme in den Lieferketten noch verschärft. Rusnok wies auf einen Rückgang der Reallöhne um bis zu acht Prozent hin. Diese Kombination bringe einen außergewöhnlichen Schock, wie ihn die tschechische Wirtschaft seit 30 Jahren nicht mehr erlebt habe.
Prager Burg startet in die Sommersaison
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ie Prager Burg eröffnet am Freitag, 1. April, die Sommersaison. Zusätzlich zu den Innenräumen der Burg werden nach der Winterpause auch der Königliche Garten, der Obere Hirschgraben und die Südlichen Gärten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Besucher werden zudem eine Ausstellung zum 150. Geburtstag des slowenischen Architekten Jože Plečnik besichtigen können. Neu ist die Möglichkeit, Rundgang-Tickets mit einem QR-Code über das Handy zu kaufen.
Drogenhochburg von Europa
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ber die Analyse des Abwassers läßt sich auch ermitteln, wie groß das Problem des Drogenmißbrauchs in der Tschechischen Republik ist. Im Rahmen einer Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) wurden Abwässer in rund 80 Städten in 25 europäischen Ländern analysierte. Untersucht wurde dabei die Menge von Kokain, Amphetamin, Cannabis, MDMA und Methamphetamin im Abwasser. Das alarmierende Ergebnis: Bei Methamphetamin belegten die fünf beobachteten tschechischen Städte Ostrau, Brünn, Budweis, Karlsbad und Prag die ersten fünf Plätze der europäischen Rangliste.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE
Ankunft an Gleis 12: Mit dem Railjet aus Budapest erreichen die nächsten Flüchtlinge München. Am 23. Februar leistete Ulrike Scharf ihren Amtseid als bayerische Staatsministerin für Familie, Soziales und Arbeit ab. Die CSU-Politikerin ist damit auch die neue Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen. Nur einen Tag später, am 24. Februar, startete Rußlands Präsident Wladimir Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Für Ulrike Scharf bedeutete dies, gleich im Krisenmodus zu starten, um Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge zu organisieren. Am Samstag besuchte die CSU-Politikerin die 24-Stunden-Hilfe am Münchner Hauptbahnhof, um mit Helfern und Flüchtlingen zu sprechen.
Nach der Ankunft werden die Flüchtlinge am Hauptbahnhof mit Essen und Trinken versorgt.
� Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales über die Hilfe für Ukraine-Flüchtlingen
Ulrike Scharf: „Bayern hilft mit offenem Herzen“
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rau Ministerin, es ist Samstagnachmittag und man findet Sie im Münchner Hauptbahnhof mitten unter Kriegsflüchtlingen und freiwilligen Helfern der Caritas. Ulrike Scharf: Ja, ich will mir selbst ein Bild davon machen, wie es den Menschen geht, die in München ankommen, und wie wir als Freistaat das großartige Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, unterstützen können. Bayern hilft mit offenem Herzen. Was fühlen Sie, wenn Sie mit den Flüchtlingen sprechen? Scharf: Das erste Opfer eines Krieges ist immer die Menschlichkeit. Das sind die Kinder, die Frauen, die Älteren, Menschen mit Behinderung, die Schwachen. Die Menschen, die aus den Zügen steigen, sind von unfaßbarem Leid geprägt. Gerade das Schicksal der Kinder macht mich unheimlich betroffen. Ich habe mit einer jungen Mutter gesprochen, die mit ihren beiden Kindern seit fünf Tagen auf der Flucht ist und sich größte Sorgen um ihren Mann macht. Was diese Menschen durchmachen müssen, ist unvorstellbar. Das geht mir nah. Leider haben auch in Deutschland nicht alle Menschen ein gutes Herz. Es gibt Meldungen, daß Menschenhändler gezielt Jagd auf junge Frauen machen. Scharf: Wir müssen Frauen davor schützen, daß ihre Notlage skrupellos ausgenutzt wird. Die Caritas hat einen Flyer in Ukrainisch und Russisch produziert, in dem über Zwangsprostitution aufgeklärt wird, und die Helferinnen beraten direkt nach der Ankunft die geflüchteten Frau-
Ministerin Ulrike Scharf im Gespräch mit Katy, die mit ihren Kindern Ira und Lesha nach fünf Tagen Flucht München erreicht hat. . en, wie sie sich und ihre Kinder schützen können. Deshalb ist es wichtig, daß sich die Flüchtlinge möglichst schnell registrieren. Ich bin auch der Bundespolizei sehr dankbar, daß sie bei jeder Ankunft eines Zuges mit Flüchtlingen starke Präsenz zeigt. Auch das schreckt Täter ab, alleinreisende Frauen anzusprechen. Auf Ihre Initiative hat die Bayerische Staatsregierung direkt nach Kriegsbeginn bei der Freien Wohlfahrtspflege ein Hilfetelefon eingerichtet. Wie ist die erste Bilanz? Scharf: Wir hatten bereits über 6000 Anrufe. Das Hilfetelefon ist eine erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, die oft nicht mehr weiterwissen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Telefon sprechen nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Ukrai-
Ministerin Ulrike Scharf und Caritasdirektor Prof. Dr. Hermann Sollfrank informieren sich beim Einsatzleiter über die aktuelle Situation.
nisch und Russisch. Das Schöne ist, daß wir oft sehr schnell und unbürokratisch weiterhelfen können. An das Hilfetelefon können sich aber auch Bürgerinnen und Bürger wenden, die selbst helfen wollen. Das Hilfetelefon ist unter der Woche von 8.00 bis 20.00 Uhr sowie am Wochenende von 10.00 bis 14.00 Uhr unter der Telefonnummer (089) 54 49 71 99 erreichbar. Außerdem haben wir für schriftliche Fragen eine eMail-Adresse eingerichtet, und zwar unter Ukraine-hotline@ freie-wohlfahrtspflege-bayern.de Was ist das größte Problem für die Flüchtlinge, wenn sie in Deutschland angekommen sind? Scharf: An erster Stelle steht die Frage der Unterkunft. Allein in München kommen jeden Tag zweitausend Flüchtlinge an. Ein Drittel davon reist umge-
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hend weiter, meist zu Verwandten, ein Drittel braucht eine Notunterkunft für die nächsten Tage, und ein Drittel wird zumindest bis zum Ende des Krieges bleiben. Da die Flüchtlinge nur die Sachen dabei haben, die sie tragen konnten, fehlt es an allem. Ein wichtiger Punkt sind zum Beispiel deutsche SIM-Karten für Mobiltelefone, um den Kontakt zu den Daheimgebliebenen halten zu können. Viele Männer kämpfen in der Ukraine gegen die russische Angriffsarmee. Welche Sorgen sich die Frauen, Mütter und Kinder hier in Deutschland machen, mag man sich nicht vorstellen. Mit wievielen Flüchtlingen rechnen Sie? Scharf: Diese Zahl ist schwer abzuschätzen. Je länger der Krieg dauert, je mehr Opfer ins-
Ministerin Ulrike Scharf im Gespräch mit einer Übersetzerin, die ehrenamtlich am Münchner Hauptbahnhof für die Flüchtlinge dolmetscht.
besondere unter der Zivilbevölkerung zu beklagen sind, desto mehr Menschen werden versuchen, vor Tod und Zerstörung zu fliehen. Für uns in Bayern bedeutet dies, daß unser Hilfseinsatz kein Sprint, sondern ein Marathon sein wird. Wir müssen deshalb neben der akuten Hilfe auch die weiteren Schritte planen, insbesondere die Integration dieser Menschen, und zwar vom Kindergarten bis zum Arbeitsmarkt. Unsere Forderung an den Bund ist es, einen fairen Verteilmechanismus festzulegen. Eine Konzentration der Flüchtlinge auf wenige Großstädte würde diese Kommunen vor größte Probleme stellen, auch weil der Wohnungsmarkt in den Metropolen bereits vor dem Krieg angespannt war. Wir müssen die Flüchtlinge gleichmäßig über die Fläche
verteilen, was dann auch die Integration verbessert. In Bayern haben wir den sogenannten Königsteiner Schlüssel längst überschritten und rund 30 Prozent der Ankommenden aufgenommen, obwohl unsere Quote bei nur 15 Prozent liegt. Hinzu kommt, daß wir – im Gegensatz zu 2015 – unter den Flüchtlingen sehr viele Kinder und Jugendliche haben. Wir brauchen also Plätze in den Kitas und in den Schulen. Dafür müssen die Kinder aber auch gegen Masern geimpft sein. Sprich: Die Aufgabe ist komplex. Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger auf die Flüchtlinge? Scharf: Solidarität und Hilfsbereitschaft sind vom ersten Tag an unglaublich. Wir arbeiten eng mit den Hilfsorganisationen zusammen und ziehen an einem Strang. Unser bayerischer Innenminister Hermann steht im permanenten Austausch mit den Landkreisen und Kommunen, um Unterbringungsmöglichkeiten bereitzustellen. Der zweite Schritt ist die Registrierung, damit die Flüchtlinge medizinisch versorgt werden können und auch finanzielle Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Gott sei Dank hat die EU einstimmig entschieden, daß die Flüchtlinge ab sofort arbeiten können. Seit dem ersten Tag stehen wir deshalb im engen Kontakt mit der Agentur für Arbeit und der Wirtschaft. Im dritten Schritt müssen wir Sprachangebote machen, damit die Flüchtlinge die Möglichkeit haben, schnell Deutsch zu lernen – was wiederum den Eintritt in den Arbeitsmarkt wesentlich erleichtert. Der Krieg hinterläßt auch seelische Spuren. Wie wollen Sie hier helfen? Scharf: Die Erlebnisse einer Flucht, aber vor allem eines Krieges sind so fürchterlich, dass viele Betroffene auch psychologische Hilfe brauchen. Bayern steht hier mit seinen vielfältigen Einrichtungen bereit, um zu helfen. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei natürlich den Kindern und Jugendlichen, die alleine bei uns ankommen. In Bayern leben auch viele Russen. Sehen Sie deren Integration in Gefahr? Scharf: Nein, es ist nicht der Krieg der Russen, es ist Putins Krieg. Ich finde es erschütternd, daß einziger Mensch so viel Leid verbreitet. Torsten Fricke
Ministerin Ulrike Scharf mit (von links) Barbara Igl (In Via), Gabriele StarkAngermeier (Caritas) und Caritasdirektor Prof. Dr. Hermann Sollfrank.
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TERMINE . FORUM In Hof und der Euregio Egrensis
VERANSTALTUNGSKALENDER Samstag, 26. März, 10.00
bis 16.00 Uhr, SL-Landesgruppe Baden-Württemberg, SL-Kreisgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer Sprachinsel, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Egerländer Gmoi und Kuhländchen: 13. Ostdeutscher Ostermarkt. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Samstag, 26. März, 17.00 Uhr, Lesung mit Susanne Fritz: „Wie kommt der Krieg ins Kind?“ Literaturforum im BrechtHaus Berlin, Chausseestraße 125, Berlin. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Donnerstag, 31. März bis 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Freitag, 1. April, 19.00 Uhr: Joseph Haydn: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze. Es spielt das deutschböhmische Kammermusikduo Duo Connessione. Lesungen: Pater Frank Prestel. St. Urban, Hauptstraße 50, Freiburg im Breisgau. Freitag, 1. April, 18.00 Uhr: Feierlicher Gottesdienst zum 100. Todestag des Sel. Kaisers Karl I. aus dem Hause Habsburg. Zelebrant: S.E. Erzbischof Nikola Eterović, Päpstlicher Nuntius in Deutschland. St. Peter, Rindermarkt 1, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Samstag, 2. April, 15.00
Uhr: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Bundesverband, Verleihung der Sudetendeutschen Förderpreise mit Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Bundeskulturreferent Ulf Broßmann. Für die musikalische Umrahmung sorgt Sopranistin Iris-Marie Kotzian, begleitet am Klavier von Christoph Weber. Anmeldung bis spätestens 28. März unter Telefon (0 89) 48 00 03 54 oder per eMail an anmeldung@sudeten.de Donnerstag, 7. April, 18.00 Uhr, #gerhartDIGITAL – Auftakt zur gleichnamigen Online-Veranstaltungsreihe im GerhartHauptmann-Haus: „Ungarn nach der Wahl“ mit Stephan Löwenstein. Anmeldung per eMail: sekretariat@g-h-h.de Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr: „Verwandte Seelen? Käthe Kollwitz und Ernst Barlach“, Vortrag von Klaus Weigelt. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr: Präsentation der Webdokumentation „lost history – shared memories: Deportationen in der Sowjetunion aus der rußlanddeutschen und tschetschenischen Perspektive“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Samstag, 9. April, 14.00 bis 18.00 Uhr, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen: Böhmisch-Mährisch-Schlesischer Ostermarkt. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Begrüßung und Eröffnung: Sylvia Stierstofer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung. 15.00 bis 17.00 Uhr: Angebot für Kinder und Jugendliche: Eierkratzen und Eiermalen mit Nadja Schwarzenegger (Museumspädagogin). 15.00 Uhr: Buchvorstellung „Atlas der Volkstrachten der Tschechischen Republik“ mit Autor Jan Kuča.
Finissage
Fremd : Vertraut Hermannstadt : Kronstadt Montag, 4. April, 19.00 Uhr: Finissage der Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt. Zwei Städte in Siebenbürgen“ mit Fotografien von Prof. Dr. Jürgen van Buer (Fotos Selbstportraits). Die Ausstellung zeigt, wie sich die beiden siebenbürgischen Städte im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos entwickelt haben, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das Aufeinander-Angewiesen-Sein unübersehbar sind. Grußwort: Professor Dr. Andreas Otto Weber (Direktor des HDO). Referenten: Prof. Dr. Jürgen van Buer (Berlin), Dr. Gerhild Rudolf (Hermannstadt), Kurator Josef Balazs (Nürnberg). Musikalische Darbietung: Peter Clemente (Violine) und sein String Quintet. Live Uraufführung des Streichquintetts „Siebenbürgen“ von Dafydd Bullock. Veranstaltungsort: Online oder Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz, Residenzstraße 1, München Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de
Musikalische Umrahmung: Böhmerwälder Sing- und Volkstanzgruppe München. Samstag, 9. April, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe BadenWürttemberg: Landesversammlung. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Samstag, 9. April, 15.00 Uhr: „Es wird wieder gepauert“. Thomas Schönhoff trägt Frühlings- und Ostergeschichten in paurischer Mundart von Walter Beer, Emma Hollmann, Marie Hübner und Heinz Kleinert vor. Isergebirgs-Museum Neugablonz, Bürgerplatz 1, Kaufbeuren. Freitag, 22., 17.00 Uhr bis Sonntag, 24. April, 13.00 Uhr, Seliger Gemeinde: Frühjahrsseminar. Evangelisches Bildungswerk, Markgrafenstraße 34, Bad Alexandersbad. Samstag, 23. April, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Aus Jaroslav Hašek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Lesung von Dr. Hildegunt Kirschner (Erlangen). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 24. April, 11.00 bis 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf, Fest der Nationen. Gemeindehaus Salvator Giebel, Giebelstraße 15, Stuttgart. Montag, 25. April, 19:00 Uhr: „Böhmen macht Weltgeschichte: Der unbekannte Wallenstein“. Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski. Sudetendeutsches Haus, Adalbert-StifterSaal, Hochstraße 7, München. Veranstalter: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Bundesverband, Sudetendeutsche Heimatpflege, Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München und Freising, Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste. Dienstag, 26. April, 19.00 Uhr: „Rumänien – Treffpunkt Orient–Okzident.“ Bebilderter Vortrag von Peter von Kapri. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 28. April, 19.00 Uhr: „Die Deutschen in der Sowjetunion in der letzten Phase von deren Existenz 1985–1991.“ Vortrag von Dr. Viktor Krieger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 29. April, 18.00 Uhr: „Die Revolution ist die Maske des Todes. Der Tod ist die Maske der Revolution.“ Musikalische Lesung mit Alexandra Lachmann (Sopran), Elke Jahn (Gitarre) und Uli Hoch (Lesung). Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 30. April, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag mit Bezirksvorsteherin Ulrike Zich. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 30. April, 16.30 Uhr: „Wir sind nicht Ahnenlos – 100 Jahre Familienforschung in der Region Düsseldorf“. Festakt und Eröffnung der Jubiläumsausstellung, die bis zum 27. Mai läuft. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Dienstag, 3. Mai, 19.00 Uhr: „Königsberg erinnern. Versuch einer philosophischen Ortsbestimmung“. Vortrag von Prof.
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Dr. Hans-Ulrich Baumgarten. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 5. Mai, 19.00 Uhr: „4074 Tage – Tatorte der NSU-Morde“. Eröffnung der Ausstellung, die bis zum 13. August läuft. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Mittwoch, 11. Mai, 19.00 Uhr: Oberschlesische Aussiedler in NRW. Zwischen lokaler Integration und regionaler Zugehörigkeit. Vortrag von Dr. Marius Otto. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Montag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Das deutsch-russische Jahrhundert“. Autorengespräch mit Prof. Dr. Stefan Creuzberger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (weitere Informationen siehe Kasten rechts oben). Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Samstag, 18. Juni, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Podiumsdiskussion mit Marion Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration, Serkan Eren von der Hilfsorganisation STELP, Stadträtin Iris Ripsam, MdB a.D. und BdV-LV. Moderation: Florian Hummel, Landesvorsitzender der Jungen Union. Kursaal, Königsplatz 1, StuttgartBad Cannstatt.
72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.
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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Pro-
gramm stehen. Ein Höhepunkt des Sudetendeutschen Tags ist die Verleihung des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Preisträger ist in diesem Jahr der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj. Damit wollen die Sudetendeutschen, so der Sprecher und damit oberste politische Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, „gegen Putins Angriff auf Herz und Seele Europas protestieren und Solidarität mit dem tapferen ukrainischen Volk bekunden. Selenskyj ist durch seine Tapferkeit und sein Augenmaß einer der bedeutendsten Europäer der Gegenwart.“
Carl Kostka und die deutschdemokratische Freiheitheitspartei Samstag, 9. April, 16.00 bis 18.00 Uhr: Online-Seminar: „Karl Kostka und die deutschdemokratische Freiheitspartei zwischen nationalen Ansprüchen und liberalem Gedankengut“. Gespräch mit der Historikerin und Publizistin Susanne Keller-Giger.
Der Politiker und Sekretär der nordböhmischen Handels- und Gewerbekammer Carl Kostka (1870–1957, auf dem Foto links mit dem damaligen Außenminister Edvard Beneš) stand von 1929 bis Frühjahr 1938 der sudetendeutschen Stadt Reichenberg als Bürgermeister vor. Zusammen mit seiner Partei, der Deutschdemokratischen Freiheitspartei (DDFP), entwickelte er sich vom Kritiker der neu entstandenen Tschechoslowakei zu einem verläßlichen Verteidiger der Republik. Der Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf den vielfältigen, aber letztlich erfolglosen Bemühungen der Liberaldemokraten um eine nationale Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen sowie den Erhalt von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Kostkas politisches Engagement blieb nicht ohne Folgen: Wie ging sein Leben weiter? Wie sieht es heute mit der Quellenlage zu den sudetendeutschen Liberaldemokraten aus? Susanne Keller-Giger (Foto) aus Buchs im Kanton Sankt Gallen hat im Sabat-Verlag ein vielbeachtetes Buch über den letzten demokratischen Bürgermeister der Stadt Reichenberg herausgegeben (siehe Sudetendeutsches Gespräch vom 25. Februar 2022). Kostka war auch Senator in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, aber in der Geschichtsschreibung in Tschechien wie auch in Deutschland ziemlich vergessen. Zuerst erschien das Buch auf Tschechisch und machte in und um Reichenberg Furore. Jetzt ist es auch auf Deutsch erhältlich. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder unter Telefon (09 71) 7 14 70. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
AKTUELL
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5 � Mut tut gut
Lerne Jesu Passion
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Historisches Zeugnis eines Kriegsverbrechens: Bis zu 30 Meter hoch waren die Flammen, die in Smyrna wüteten und Zehntausende Menschen töteten.
� Lutz C. Klevemann stellt im Berliner Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung sein Buch „Smyrna in Flammen“ vor
Massaker von Smyrna – wo Türken und Griechen zu Todfeinden wurden Zum zweiten Mal hat im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin eine Buchvorstellung stattgefunden, die ganz im Kontext der dortigen Dauerausstellung stand. Der studierte Historiker an der London School of Economics und langjährig als Journalist für englische und deutsche Zeitungen tätige Lutz C. Kleveman präsentierte sein zweites Buch im Aufbau-Verlag. Nach „Lemberg – die vergessene Mitte Europas“ (2017) erschien nun im Vorfeld der offiziell abgesagten Leipziger Buchmesse ein weiteres Buch über ein wichtiges Ereignis der europäischen Geschichte: die Zerstörung der osmanischen Metropole Smyrna durch ein bewußt verursachtes Flammenmeer 1922 und seine Folgen für Europa.
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ie Direktorin des Dokumentationszentrums, Gundula Bavendamm, eröffnete den Abend mit eindrücklichen Einordnungen des Buches „Smyrna in Flammen“, auch im Angesicht des Krieges gegen die Ukraine. „Hundert Jahre nach dem Brand des kosmopolitischen Smyrna und der Entstehung des türkischen Izmir aus den Trümmern, blickt der Autor zurück. Man wird durch das Buch in die Zeit des Ersten Weltkrieges versetzt. Doch 1918 war dieser Krieg längst nicht überall in Europa zu Ende. Im Gegenteil, erbitterte und verlustreiche Bürgerkriege schlossen sich an. So auch zwischen Griechenland und der Türkei von 1919 bis 1922. Smyrna wurde zunächst 1919 durch die Griechen besetzt. Und drei Jahre später von türkischen Truppen zurückerobert. Sie steckten die Stadt in Brand. Ein Kriegsverbrechen, denn rund 500 000 Zivilisten hielten sich dort auf. Zwischen 50 000 bis 100 000 Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Das Feuer zerstörte die Hafenstadt fast vollständig, ihre kosmopolitische Blüte war je zu Ende. Doch Klevemans Buch leistet noch viel mehr, in weiteren Kapiteln schildert er, was auf den Brand von Smyrna folgte. Hunderttausende Menschen flüchteten und retteten sich nach Griechenland. 1923 zogen Griechenland und die Türkei ihre Staatsgrenzen neu. Erstmals in der Geschichte vereinbarte man einen Bevölkerungsaustausch, der rund zwei Millionen Menschen nach religiösen Kriterien zu Vertriebenen machte. Etwa 1,2 Millionen Christen und 500 000 Muslime mußten in entgegengesetzter Richtung ihre Heimat verlassen. Über Jahrzehnte letztlich bis hin zur Vertreibung der Deutschen durch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges sollten sich Politiker auf diese ethnische Säuberung berufen, um radikale Lösungen für das Problem von Minderheiten zu rechtfertigen. Kleveman gelingt es mit seinem Text, die Architektur und die soziale Textur einer Stadt noch einmal lebendig werden zu lassen, die als Symbol einer ganzen Epoche gelten kann. Zugleich
Buchvorstellung in Berlin: Lutz C. Kleveman (links) und Andreas Kossert arbeiteten das Kriegsverbrechen von Smyrna auf. handelt es sich um ein bedrückend aktuelles Buch. So zieht der Autor eine Linie zwischen dem Vertrag von Lausanne 1923 und den griechisch-türkischen Beziehungen heute. Schon in der Zeit des Schreibens war die Flüchtlingskrise von 2015 ein Referenzpunkt, auf den Kleveman immer wieder Bezug nimmt. Man kommt nicht umhin, das Buch vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine zu lesen. Viele Passagen klingen wie ein vorzeitiges Echo auf die jetzigen Ereignisse. Imperiale Herrschaftsideen, Ethnischer Nationalismus, die Passivität nicht direkt involvierter Staaten und die absolute Schutzlosigkeit der Zivilbevölkerung müssen einen leider skeptisch stimmen, was das Lernen aus der Geschichte angeht.“ Das anschließende Gespräch mit dem Autor führte Andreas Kossert, der wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationszentrum ist und nach eigener Aussage schon in den Druckfahnen die Entstehung des Buches mitverfolgt hatte. Kleveman, gebürtig aus Bremerhaven, aber seit einigen Monaten im ägyptischen Alexandria lebend, las drei Passagen aus seinem Buch. Die Anfangssequenz, die ihn als heutigen Reisenden nach Izmir bringt. Erst auf der griechischen Insel Chios, wo auch die Flüchtlingskrise ihre Schatten wirft, dann die kurze Fährüberfahrt ins sieben Kilometer entfernte türkische Çeşme, von wo man Izmir auf dem Landweg erreichen kann. Dann die Schilderungen, wie heu-
te an die Befreiung Izmirs in der Türkei erinnert wird und wie wenig das mit den historischen Tatsachen zu tun hat, bis hin dazu, daß die Brandlegung den Griechen zugewiesen wird. Verbunden mit der eindrücklichen Schilderung des untergegangenen Smyrna, das sich Kleveman vor allem in der Bibliothek des Institut Français in Izmir erschloß. Und schließlich die Schilderung einer Begegnung auf der griechischen Insel Chios mit einem 92-jährigen ehemaligen Kapitän, der Kleveman erzählt, wie seine Familie während der deutschen Besatzung der Insel nach Çeşme floh, daß ihnen geholfen wurde, daß er einige Monate türkische Freunde hatte und daß er einem davon vor wenigen Jahren bei einem Besuch wieder begegnete. Dieser alte Mann ist ganz bei den Flüchtlingen dieser Tage und wünscht, daß man ihnen helfen möge. Und auch die Feindschaft zwischen Griechen und Türken, immer wieder auf nationaler politischer Bühne verkündet und erlebt, verschwindet in der Schilderung solcher menschlichen Erlebnisse. Im Gespräch schildert Kleveman dann auch noch einmal die Brandlegung, die von Augenzeugen berichtet wurde: „Türkische Truppen waren es, die am 13. September 1922 Benzinfässer ausgerollt und ausgeschüttet haben im armenischen Viertel. So hat im Grunde genommen Kemal Atatürk den armenischen Völkermord vollendet. Bei der Feuerlegung hat man so lange gewartet,
Foto: Miksch
bis der Wind richtig stand. Übrig geblieben sind nach dem Brand nur das türkische und das jüdische Viertel. Als der Wind sich drehte, hat man das Feuer gelegt, damit das christliche Viertel niederbrannte und die christlichen Bewohner keine Chance hatten.“ Kossert erinnert in diesem Zusammenhang an das Zustandekommen des Lausanner Vertrages, also eines Friedensvertrages, der den Vertrag von Sèvres 1920 revidierte und der als Blaupause diente für die ebenfalls international sanktionierten Vertreibungen, die kommen sollten. Kossert würdigt am Schluß das journalistisch beschreibende Buch von Kleveman, das eben auch in die historische Tiefe geht. „Es ist eine bewegende Geschichte, die Kleveman schildert, und er wird dabei konkret und zeigt, warum und unter welchen Bedingungen Nachbarn ihre eigenen Nachbarn vertreiben oder sogar umbringen. Und er zeigt, wie daran erinnert oder auch bewußt nicht erinnert wird. Kleveman erzählt auf wunderbare Weise und gleichzeitig mit Empathie für die Region und ihre Menschen, ob Griechen oder Türken oder die letzten Levantiner. Er begibt sich auf eine spannende Spurensuche, und sein Geschichtspanorama belegt, daß Themen von Flucht und Vertreibung, von Heimatverlust lange nachwirken. Erinnerung, vor allem differenzierte, fällt schwer und bleibt eine große Herausforderung auch hundert Jahre später.“ Ulrich Miksch
selsbrücke nennt man einen Spruch, der hilft, sich etwas zu merken. Auf eine solche Eselsbrücke stieß ich kürzlich. Dabei erscheint der Begriff angesichts des Inhalts fast ein wenig respektlos. Der Merkspruch lautet: „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion.“ Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Worte in diesem Satz sind zugleich die Anfangsbuchstaben der lateinischen Namen für die Sonntage in der Fastenzeit. I steht für „Invocabit“, R für „Reminiscere“, O für „Oculi“, L für „Laetare“, J für „Judica“ und P für „Palmarum“. Sollten Sie, liebe Leserin oder lieber Leser, evangelisch sein, sind sie jetzt klar im Vorteil. Dann wissen Sie nämlich, daß die Fastensonntage Namen haben und mußten diese möglicherweise im Religions- oder Konfirmationsunterricht auswendig lernen. Wir Katholiken sind mit den Namen der Fastensonntage kaum vertraut. Allenfalls kennen manche noch den Namen „Laetare“ für den vierten Fastensonntag. Das ist der Freudensonntag in der österlichen Bußzeit, der genauso wie der dritte Adventssonntag von der liturgischen Farbe rosa geprägt ist. Aber sonst wird man wohl kaum einen Katholiken mit diesbezüglichem Spezialwissen finden. Dabei stammen die Namen alle bereits aus vorreformatorischer Zeit. Sie hängen mit den Eingangsversen zu den Heiligen Messen an den jeweiligen Tagen zusammen. Das sind kurze Bibeltexte, die am Beginn jedes Gottesdienstes stehen, aber in unseren Breiten häufig vom Eingangslied ersetzt werden. Für den vierten Fastensonntag heißt der Eingangsvers knapp: „Laetare, Jerusalem! Freue dich, Jerusalem!“ Das „Judica“ des fünften Fastensonntags stammt von „Judica me, Deus! – Richte mich, o Gott!“ Jetzt aber genug der liturgischen Details. Ich möchte hier ja keine wissenschaftliche Abhandlung verfassen. Stattdessen komme ich zurück auf den oben zitierten Merkspruch: „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion.“ Der hat es nämlich in sich. Er beschreibt eine christliche Lebensaufgabe. Die Passion in rechter Ordnung lernen, heißt für mich zunächst einmal zu verstehen, daß Jesus uns durch sein passioniertes, also leidenschaftliches und hingebungsvolles Menschsein erlöst hat. Seine Liebe zu uns Menschen war so groß, daß sie nicht einmal vor dem Tod am Kreuz zurückschreckte. Darauf zu schauen und dafür zu danken, ist nicht nur in der Fastenzeit eine wichtige Aufgabe. Ferner: Leidenschaft und Hingabe dürfen auch bei uns nicht fehlen. Ohne Leidenschaft und Hingabe zugunsten anderer Menschen wäre unsere Gesellschaft nicht lebensfähig und auch nicht lebenswert. Jeder hat dazu seinen persönlichen Teil zu leisten. Und schließlich ein Letztes zum Thema „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“: Es gibt auch Werte, für die es sich lohnt, das Leben in die Waagschale zu werfen. Wir sehen das derzeit in der Ukraine. Dort wird für Freiheit und Demokratie bis zur Lebenshingabe gekämpft. Dieser Kampf ist schon jetzt nicht vergebens. Warum? Nicht zuletzt deswegen, weil er auch uns im Westen aus dem Schlaf falscher Wertmaßstäbe und Sicherheiten aufzuwecken vermag. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
PERSONALIEN Am 30. März feiert Otto Riedl, aus dem Egerland stammender Obmann der hessischen SL-Kreisgruppe LimburgWeilburg und Stellvertreter des dortigen BdV-Kreisvorsitzenden, in Löhnberg an der Lahn seinen 85. Geburtstag.
� Egerländer Kämpfer für Kirche, Staat, Europa und die Heimat
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eboren wurde Otto Riedl in Langlammitz im Egerländer Kreis Luditz. Der Ort gehörte zum Kirchsprengel Buchau. In der Pfarrkirche Sankt Michael wurde er getauft und ging zur Ersten Heiligen Kommunion. Nach der Vertreibung fanden er und seine Familie im hessischen Löhnberg ein neues Zuhause. In Löhnberg besuchte er die Volksschule, um nach deren Ende den Beruf eines Feinoptikers zu erlernen und ihn als Industriemeister abzuschließen. Bei verschiedenen optischen Firmen arbeitete er in Wetzlar und in der Oberlahnregion. In Löhnberg brachte sich Riedl in die Gesellschaft ein. Mit zehn Jahren wurde er Ministrant in der neu errichteten Pfarrvikarie Sankt Hedwig. Im jugendlichen Alter wurde er Kreissprecher der Jungen Aktion in der Ackermann-Gemeinde und gehörte dem Diözesanvorstand im Bistum Limburg an. In der Pfar-
Otto Riedl 85 rei war er als Lektor und Kommunionhelfer tätig. Jahrelang war er Mitglied des Pfarrgemeindeund des Verwaltungsrates. 1964 heiratete er Walburga Schlegel. Dem Ehepaar wurden zwei Töchter und ein Sohn geschenkt. Inzwischen haben sie fünf Enkelkinder. Mitglied des Bundes der Vertriebenen und der Sudetendeutschen Landsmannschaft wurde er 1967. Gleich danach übernahm er den Vorsitz des BdVOrtsverbandes Löhnberg. Als Mitglied des BdV-Kreisvorstandes wurde er 1985 zum SLKreisobmann gewählt. Heute nimmt er noch die Funktion eines Stellvertretenden BdV-Kreisvorsitzenden im Kreis Limburg-Weilburg wahr. Mehrere Jahre war er auch Stellvertretender Präsident der SL-Landesversammlung in Hessen. Riedl zeigte ebenso politisches Engagement. So trat er 1965 in
� Geologe, Organist und Heimataktivist im Erzgebirge
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Petr Rojík 65 Probe abo!
Am 24. Februar feierte Petr Rojík, Geologe, Organist und Vorsitzender der Ortsgruppe Graslitz des Kulturverbands, 65. Geburtstag in Rothau.
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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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die CDU ein und war 1971 Mitbegründer des CDU-Ortsverbandes Löhnberg und dessen Vorsitzender bis 1997. In die Gemeindevertretung Löhnberg wurde er 1972 gewählt. Von 1997 bis 2006 war er Mitglied des Kreistages des Landkreises Limburg-Weilburg, Mitglied des Verwaltungsrates der Kreissparkasse Weilburg und ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht in Wiesbaden. Sportlich betätigte er sich als Leichtathlet, Handball- und Volleyballspieler, war Mitbegründer der Jedermann-Gruppen und deren Leiter. Dem Vorstand des TuS Löhnberg gehörte er von 1962 bis 1988 als Beisitzer, Sportwart und Schriftführer an. Riedl ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950, in der die Vertriebenen feierlich erklärten, trotz des Unrechts der
Vertreibung auf Rache und Vergeltung zu verzichten und stattdessen durch harte, unermüdliche Arbeit am Wiederaufbau Deutschlands und Europas mitzuarbeiten. Seine politischen Vorbilder sind Konrad Adenauer, Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Paul-Henri Spaak, die die Grundlagen für ein vereintes Europa schufen. Er war seit 1986 der Organisator des BdV-Kreisverbandes Limburg-Weilburg für Reisen in die östlichen Nachbarländer wie Polen, Ungarn, Kroatien, Slowenien und die Slowakei sowie zum tschechischen Nachbarn. Er ist Betreuer seiner Heimatgemeinde Langlammitz und organisiert Fahrten dorthin. Ob seines umfangreichen Wirkens wurde Otto Riedl mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen, dem Titel Gemeindeehrenvertreter, mit der Rudolf-Lodgman-Plakette, einer der höchsten Auszeichnungen der Heimatvertriebenen, sowie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Seine letzte Ehrung erhielt er beim Silvestergottesdienst 2021, und zwar für 70 Jahre Ehrenamt für die ehemalige Pfarrei Sankt Hedwig in Löhnberg. Josef Plahl
12/2022
ernd Posselt als Sprecher der Sudetendeutschen schätzt die Arbeit von Petr Rojík sehr: „Dieser nach wie vor in Böhmen lebende und wirkende Landsmann ist Stütze und Motor der Heimatverbliebenen. Im Geiste seiner unvergessenen Mutter und in enger Zusammenarbeit mit seiner Schwester hält er seine Gruppe zusammen und gibt der deutschen Minderheit in der ganzen Tschechischen Republik kräftige Impulse. Ich hoffe sehr, daß er noch viele Jahre für Heimat und Volksgruppe wirken kann, und wünsche ihm nachträglich zu seinem Geburtstag den reichen Segen Gottes, viel Glück und Erfolg.“ Petrs aus Pilsen stammender Vater Karel Rojík (1917–1963) montierte vor dem Krieg für Škoda eine Fabrik in Teheran. Im Krieg heuerte er bei den Alliierten an und kämpfte vor allem in Nordafrika. Währenddessen zerbombten die Alliierten Karels Elternhaus in Pilsen. Der heimatlose Tscheche strandete in Frühbuß, fand dort im Zinn-Schacht Arbeit und seine große Liebe. Sie hieß Edeltraud Pichl (1928–2014). Wegen des Krieges hatte sie ihr Pädagigikstudium in Eger abbrechen müssen und war nach Frühbuß heimgekehrt. Gegen alle Widerstände heiratete der tschechische Romeo seine deutsche Julia. 1948 kam Tochter Soňa zur Welt, neun Jahre später Sohn P etr. Da Škoda ein Werk in Rothau eröffnet hatte und Karel Arbeit bot, zog die Familie nach Rothau. Die Rothauer Grundschule hatte eine Kinderblaskapelle. „Ich wollte mitmachen, aber ich hatte krumme Zähne“, grinst Petr. Der Lehrer habe gesagt, „Wenn der kleine Petr auch ein Instrument haben will, gründen wir die Sektion Akkordeon.“ Er lehrte Petr Notenlesen und die Griffe. Zu jener Zeit war Petr seiner Großmutter Marie Pichl zuliebe auch Ministrant. Die Pubertät kam, die Freude am Ministrieren ging.
Damals begann die Organistin Eliška Hronová, eine mütterliche Freundin Petrs, zu erblinden. Nun lockte die Orgel den musikbegeisterten Petr. Bald bläute ihm die Organistin das Basiswissen ein. Den Rest brachte er sich selbst bei. Seitdem, sei 40 Jahren, spielt er jeden Sonntag um acht Uhr die Orgel in der Rothauer Peter-und-Paul-Kirche, und seit zehn Jahren anderthalb Stunden später die Orgel in der Graslitzer Corpus-Christi-Kirche. An der Prager Karls-Universität studierte er Geologie. Auch er wollte im ZinnSchacht in Frühbuß arbeiten. Stattdessen kam er zum Braunkohle-Tagebau Medard bei Falkenau, wo er Abbaumöglichkeiten und Lagerstätten erkundete. Nach der Wende verlagerte sich sein Interesse zur Rekultivierung und zum Umweltschutz. Nun studierte er noch einmal, promovierte, knüpfte fruchtbare internationale Kontakte bis nach China und in die USA. Mittlerweile ist er ein Grenzgänger zwischen Praxis und Theorie. In der Karls-Universität lehrt er Umweltgeologie. Außerdem bietet er praxisbezogene Exkursionen in die Bergbau-Bergwelt. Seit 2018 ist er Kurator der geologischen Sammlung des Museums Falkenau. 90 Prozent seiner Arbeit sind Museumspädagogik. Da freut sich das von der Mutter geerbte Lehrergen. Bereits 1963 erlag sein Vater einem Unfall. Sechs Jahre später, das war 1969, war seine Mutter eine der heimatverbliebenen Deutschen, die in Prag den Kulturverband (KV) gründeten. Wenig später gründete sie den mit der Zeit immer erfolgreicher werdenden deutschen Heimatchor in Graslitz. Hier konnte sie sich zwei Sehnsüchte erfüllen: Die Liebe zum Deutschtum und die Lust am Lehren. Bei ihrer KV-Arbeit stand P etr der Mutter zur Seite. 2004 wurde er, 2010 wurde Soňa KV-Mitglied. Nach dem Tod der Mutter 2014 übernahmen die Geschwister die Leitung des KV Graslitz. Wir gratulieren Petr von Herzen und danken für seinen steten Einsatz, für seine Treue und nicht zuletzt für seinen verschmitzten Humor. Nadira Hurnaus
� Versöhnungsschmiedin mit Wurzeln im Isergebirge
Monika Hanika 75 Am 30. März feiert Monika Hanika/Scholz, langjährige Betreuerin der Heimatorte Haindorf, Ferdinandsthal und Weißbach im Isergebirge sowie Erfinderin und Leiterin der Seminare „Kraft aus den Wurzeln“ im Kloster Haindorf, 75. Geburtstag mit ihrem Mann Franz in Seeberg bei Franzensbad im Egerbecken.
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olksgruppensprecher Bernd Posselt ist Monika Hanika durch die gemeinsame Herkunft und die gemeinsame Aktivität im Isergebirge sehr verbunden: „Dieser großartigen Frau ist es gelungen, alle Generationen ihrer Familie für die Liebe zur Wurzelheimat und für die Verständigung mit den heute dort lebenden Menschen zu gewinnen. Am eindrucksvollsten erweist sich das darin, daß sich Nachkommen des Ehepaares Hanika vielleicht wieder für Generationen im Isergebirge beheimaten werden. Haindorf als gemeinsamer Wallfahrtsort ihrer und meiner Ahnen ist nicht zuletzt durch Monikas Einsatz für Tausende von Tschechen und Sudetendeutschen wieder zu einem religiösen, kulturellen und menschlichen Zentrum geworden. Der 2. Juli mit seiner Wallfahrt zeigt die große Friedenswirkung, die die Muttergottes von Haindorf ausübt und für die sich Monika Hanika in vorbildlicher Weise engagiert. Zum Geburtstag wünsche ich ihr, ihrem Mann und der ganzen Familie viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen.“ 1946 versteckte sich Ex-Wehrmachtssoldat Emil Scholz aus Haindorf bei seinen Eltern in der Oberlausitz. Anna Scholz/Linke wurde mit ihren Söhnen Werner und Helmut nach Hessen vertrieben. „Ich hatte Glück, diese Zeit nach der Ankunft meines Vaters aus Sachsen im Bauch meiner Mutter zu erleben. Meine entbehrungsreichen Jahre begannen erst nach meiner Geburt 1947 in Burghaun“, sagt sie. In ihrer sudetendeutschen Familie wurde sie die „sture Hessin“ genannt. Und immer beglei-
tete sie die Frage: „Wo gehöre ich hin?“ Ihre Großeltern lehrten sie die heimatliche Mundart. Die blieb ein Steckenpferd. Erst kürzlich bat Jan Polak, der die Facebookseite „Sudeten mit Wohlgefallen“ betreibt, sie um die Übertragung des alten Reichenberger Märchens „Die Stadt an der Neiße“ ins Hochdeutsche, damit er es dann ins Tschechische übersetzten könne. Sie wurde technische Zeichnerin, doch schon seit ihrer Kindheit malt sie. Das Talent erbte sie von ihrem väterlichen Großvater Andreas Scholz aus Weißbach und ihrer Mutter, einer Porzellanmalerin in Haindorf. Für ein aktuelles Buchprojekt mit Petra Laurin machte sie 25 Aquarelle für zwölf Isergebirgsmärchen. 1966 heiratete sie den Egerländer Franz Hanika. Den hatte sie bei der Hochzeit ihres zwölf Jahre älteren Bruders Werner kennengelernt: Werners Braut war die jüngste Tante von Franz. 1967 kam Sohn Thomas zur Welt, 1970 Tochter Ulrike, 1973 gesellte sich ein Pflegekind dazu. Nun widmete sich Monika Hanika ihren Kindern und der ehrenamtlichen Rotkreuz-Arbeit. Später fand sie als Familientherapeutin ihre Berufung. „Verschwiegene Familiengeschichten richten Schaden an. Wichtig ist, nichts zu verschweigen, denn blinde Flecken auf der Familiengeschichte belasten selbst die Enkel. Man trägt nicht nur Verantwortung für die eigene Familie, man muß auch den jungen Tschechen bei der Wurzelsuche helfen.“ Das tat sie lange Jahre mit dem Seminar „Kraft aus den Wurzeln“ im Kloster Haindorf. Enkelin Natascha lebt mit ihrem Mann Lucáš Dulič und ihren Kindern Emil, Ferdinand und Teodor im heimatlichen Raspenau im Isergebirge. Und regelmäßig sind die Hanikas dort. Die Landsleute gratulieren Monika Hanika von Herzen zu ihrem Geburtstag und zu ihrer generationsübergreifenden gelungenen Versöhnungsarbeit. Nadira Hurnaus
LESERBRIEFE Wem verdanken wir gute Beziehungen?
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um Artikel „Zentrale Pfeiler der Beziehungen“ mit dem Wortlaut der gemeinsamen Erklärung der Außenminister Annalena Baerbock und Jan Lipavský zu 25 Jahre Deutsch-Tschechische Erklärung (Ý SdZ 4/2022). Man reflektiert den Erfolg, der sich nach der Erklärung von 1997 entwickelt hat: Überwindung der aus der Vergangenheit herrührenden Belastungen und Ausrichtung der Beziehungen auf die Zukunft durch die Schaffung von Instrumenten wie DeutschTschechischer Zukunftsfonds und Deutsch-Tschechisches Gesprächsforum, die aus Nachbarn Freunde machen konnten. Diese Freundschaft zeige sich darin, daß wir Partner in der EU und in der NATO und Teil der europäischen und transatlantischen Wertegemeinschaft seien. Wir seien Freunde geworden mit Beziehungen, die besser seien als je zuvor. Schade, daß nicht erwähnt wird, wer eigentlich diese Instrumente nutzend und stellvertretend für die Bundesrepublik, als Brückenbauer zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen maßgeblich aktiv beitrug oder bei-
trägt, nämlich alle Gruppierungen der Sudetendeutschen; denn der normale Bundesbürger hat wegen des Mangels eines Bezuges zu Tschechen kaum Interesse an den Beziehungen. Wichtig wäre, wenn unser Vorstand einerseits Annalena Baerbock zu diesem Sachverhalt aufklären und andererseits ein Statement als Brückenbauer über die Beweise der Freundschaft abgeben würde. Durch die staatlichen Bestätigungen der Freundschaft dürfte es auch möglich sein, einen Sudetendeutschen Tag für Verbliebene und Vertriebene im Sudetenland abzuhalten. Auch wäre wichtig, den Sudetendeutschen Landsleuten der Heimatgliederungen, der Seliger-Gemeinde und der Ackermann-Gemeinde für ihr Bemühen um Verbesserung der Beziehungen zu danken. EU- und NATO-Partnerschaften können nur Rahmen für gute Nachbarschaft sei, jedoch können nur gute Beziehungen zwischen den Bürgern beider Länder Freundschaften entwickeln. Die Bundesregierung sollte die Leistungen der Sudetendeutschen Gruppierungen bezüglich ihrer Engagements in der Versöhnung nicht ignorieren, sondern anerkennen. Hermann Kautzner 82205 Gilching
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
PERSONALIEN Goldenes Ehrenzeichen der SL
Protektor des Sozialwerks der Ackermann-Gemeinde
Magdalena Geißler geehrt Abt Emmeram Kränkl 80 bahnhof in Forchheim angekommen. Von dort wurden wir auf Lastwagen in das Lager Hagenau auf dem Gelände eines ehemaligen und unfertigen Flugplatzes gefahren. Wir lebten in den vorhandenen Baracken. Die Mutter hat hier auf Handschuhnäherin umgeschult. Für ein paar handgenähter Lederhandschuhe bekam sie 2,50 Mark. Der Vater hatte noch für zehn Jahre eine Beschäftigung. Mit 65 Jahren starb er dann an seiner Staublunge.“ Magdalena lernte Näherin und arbeitete in einer Hemdenfabrik. Als der Akkord immer höher wurde, fand sie Anstellung in einer Gardinennäherei, wo sie umfangreiche Vollmachten bekam und zufrieden war. Sie heiratete Gerhard Geißler, einen Deutschen aus Bessarabien. Die Schwiegereltern hatten nahe der Schwarzmeerküste einen Bauernhof. Mit Gerhard, einem Maurer, baute sie in Hagenau ein Haus. Da Magdale-
Heimatstube in Zirndorf. Die Betreuung der Heimatstube gab sie ab, aber zeitweise hatte sie mehr als 300 Leute betreut. Mit Gerhard besuchte sie viele Beerdigungen und gratulierte unzähligen Geburtstagskindern. Ein besonderes Anliegen war agdalena Geißler ist immer ihr 1990 nach der Wende, Konnoch fleißig. Denen, die takt zum Heimatort und vor allem sie in ihr Herz geschlossen hat, zu den Menschen dort zu finden. strickt sie Stutzln für die Hände. Dort lebten ja noch einige weniDie Stutzln sind besonders für ge verbliebene Deutsche und ihTrachtenträger praktisch. re alte tschechische SchulfreunSie ist Mitglied bei den Sudin. Für Magdalena war es nicht detendeutschen in Hagenau, schwierig, mit dem Bürgermeibei den Egerländern in Forchster und dem Pfarrer zu verhanheim und vor allem arbeitet sie deln. Damals fanden regelmäßig für ihren Heimatort LichtenGottesdienste statt, und die Kirstadt bei Karlsbad. Dort kam sie che war rappelvoll. Mittlerweiam 10. Oktober 1935 in einer arle stehen tschechische Frauen, men Familie zur Welt. Ihre Mutmanche sogar mit Rollator, mit ter Maria, geborene Scheitler, selbstgebackenen Kuchen für war gelernte Handstickerin. Das die ehemaligen Bewohner nach bedeutete, daß sie und ihre sieder Messe vor der Kirche. Inzwiben Schwestern um den Tisch saschen ist sie in ihrem Heimatort ßen und kleine Monogramme in so bekannt, daß Erwachsene und Taschentücher und Servietten Kinder sie mit „Dobrý den, pastickten. Oder sie bestickten ni Geißlerová“ grüßen. Nun Wäsche, alles für die Karlshat sie schon zum dritten bader Kurgäste. Bürgermeister Kontakt. Ihr Vater Alfred WerDie vertriebene Lichtenner war gelernter Schustädterin Magdalena Geißster, konnte aber weder ein ler reichte den heutigen Geschäft aufmachen noch Bewohnern die Hand zur als Schuster Arbeit finden. Versöhnung. Der frühere BeDeshalb arbeitete er in eizirksobmann Hans Werner ner Gießerei, wo er sich eine Bruch zeichnete sie dafür Staublunge holte und nicht mit Dank und Anerkennung zur Wehrmacht eingezogen aus. Aber auch in der Heiwurde. Magdalena besuchte mat wurde sie bereits mehrvier Jahre lang die deutsche fach geehrt. Nun erhielt sie Volksschule. 1945 mußte sie von der Bezirksobfrau das als eine der wenigen DeutGoldene Ehrenzeichen für schen in die tschechische ihr gesamtes Wirken für die Schule gehen. „Ich saß bald Margaretha Michel, Magdalena Geißler, de- Sudetendeutschen. mehr im Kohlenkeller als in ren Tochter Gaby und Ulrike Baier, VüarstäGegenwärtig blickt sie auf der Klasse, weil ich anfangs ihara der Eghalanda Gmoi z‘ Forchheim. die Ukraine, aus der ihr verkein Tschechisch konnte. storbener Mann stammte. Aber nach einem Jahr habe ich nas Mutter nur eine kleine Rente Sie selber denkt mit Grauen an ganz gut gesprochen. Inzwischen hatte, wohnte sie bei Tochter und die Zeit, als sie sich mit den anhabe ich das Sprechen mangels Schwiegersohn und zog Enkel- dern immer wieder im Gewölbe Übung verlernt, aber verstehe sohn und -tochter mit auf. der Kirche von Lichtenstadt verdas meiste.“ Seit 1968 arbeitet Magdalena stecken mußte. Wegen der NäMagdalena hatte keine Ge- Geißler, maßgeblich unterstützt he von Karlsbad gab es immer schwister und wurde mit ihren von ihrem Mann, für ihren Hei- wieder Bombenalarm. „Ich habe Eltern im September 1946 aus- matort Lichtenstadt als Gemein- jetzt so eine Angst wie damals“, gesiedelt. „Wir sind am Güter- debetreuerin, aber auch für die sagt sie. al
Anfang März ehrte Margaretha Michel, Obfrau der SL-Bezirksgruppe Oberfranken, die 87jährige Magdalena Geißler/Werner in Hagenau für ihr heimatpolitisches Lebenswerk mit dem Goldenen Ehrenzeichen der SL.
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Goldene Ehrenadel der Ackermann-Gemeinde
Brigitte Schmidegger geehrt be, Brigitte Schmidegger mit der Goldenen Ehrennadel zu würdigen. Zunächst habe sie als junges Mädchen an den von ihrem Vater und weiteren Ackermann-Gründern in der Erzdiözese Freiburg organisierten Veranstaltungen teilgenommen, wo zum Teil bis heute währende Freundschaften begründet worden seien. 1952 habe sie mit den Eltern am Bundestreffen der Ackermann-Gemeinde teilgenommen, der im selben Jahr gegründeten Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde sei sie beigetreten und 1963 Stellvertretende Bundesführerin und 1965 für vier Jahre Bundesführerin geworden. Als Grundund Hauptschullehrerin in Ulm habe sie ihr Engagement unterbrechen müssen, das sie aber ab 1978 – zurückversetzt nach Frei-
burg – wieder aktiv aufgenommen habe. Erwähnt sei Schmideggers Unterstützung des Sozialwerks der Ackermann-Gemeinde, das vor allem in den schwierigen Jahren nach dem Prager Frühling Christen in der Verfolgung, insbesondere die Kirche im Untergrund unterstützt habe. Nach der Wende 1989/90 habe sie sich intensiv in den Aufbau der Partnerschaft rigitte Schmideggers Vazwischen der Erzdiözese Freiter gründete 1954 die Waldburg und der 1993 gegründeten hof-Tagung. „Das Schicksal von Diözese Pilsen eingebracht, was Flucht, Vertreibung und Entwursie bis heute fördere. „Brigitte zelung haben viele in den FamiSchmidegger steht für die perlien erlebt. Heute sehen wir fast sönliche Verbindung von Christündlich Bilder vom Krieg in sten über Grenzen hinaus“, faßEuropa“, zog Kastler eine Parte Kastler zusammen und dankte allele zur aktuellen Situation persönlich sowie im Namen der und mahnte an, sich als Europägesamten Ackermann-Gemeiner für Frieden, Freiheit und Dede für Schmideggers großartiges mokratie einzusetzen, was die Engagement. Ackermann-Gemeinde Den Dank des Freiseit ihrer Gründung maburger Diözesanverbanche. Dabei spiele immer des und besonders der auch die Kirche als geistjungen Generation überliche Heimat eine Rolbrachte die Stellvertrele. In diese Konstellation tende Diözesanvorsitzensei Brigitte Schmidegger de Birgit Nauheimer. Briseit Beginn der fünfziger gitte Schmidegger hatte Jahre hineingewachsen. nichts von dieser EhDaraus sei dann über die rung gewußt und fühlte Jahrzehnte ein vielfältisich daher „völlig überges ehrenamtliches Enrumpelt“. „Wir bleiben gagement gewachsen, einfach Freunde und ardas den Bundesvorstand beiten weiter, so gut wir der Ackermann-Gemein- Martin Kastler, Brigitte Schmidegger und Birgit Nau- können“, meinte die GeBild: Markus Bauer ehrte. de dazu bewogen ha- heimer. Markus Bauer
Im Rahmen der Waldhof-Tagung ( Seite 11) erhielt Brigitte Schmidegger, ein Urgestein der Ackermann-Gemeinde, deren Goldene Ehrennadel. Seit 1952, also seit gut sieben Jahrzehnten, sei sie mit der Arbeit dieses Verbandes verbunden, sagte Martin Kastler, Bundesvorsitzender der AckermannGemeinde, in seiner Laudatio.
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Am 29. März feiert Abt Emmeram Kränkl 80. Geburtstag. Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, gratuliert dem Protektor des Sozialwerks der Ackermann-Gemeinde.
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m Jahr 2010 lernte ich den aus Klattau in der Diözese Budweis stam-
menden Benediktiner in seiner damals neuen Funktion als Protektor des Sozialwerks der Ackermann-Gemeinde kennen. Zudem verbindet uns unser Einsatz als Lehrer am Benediktinergymnasium in Schäftlarn. In den verschiedenen Bezügen durfte ich erleben, wie er Schülern,
Mitbrüdern und Kollegen ein Vorbild im Glauben ist. Ich schätze ihn als treuen Freund und weiß um seinen einfühlsamen priesterlichen Dienst. Die Botschaft Jesu Christi und des Reiches Gottes wird in seiner Person erfahrbar, nicht zuletzt dank seines unerschütterlichen Optimismus. Lieber Abt Emmeram, ad multos annos felicissimos!
Eminenter Wissenschaftler und Hochschullehrer aus Karlsbad
Rudolf Schönbach † Ortfried Kotzian gedenkt des Augsburger Professors Rudolf Schönbach, des legendären Cafés Schönbach an der Uni Augsburg und einer turbulenten Observierung durch den Kommunistischen Geheimdienst in Prag.
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m 9. März teilte die Präsidentin der Universität Augsburg, Sabine Doering-Manteuffel, mit, daß die Universität um einen leidenschaftlichen Wissenschaftler und Hochschullehrer trauere. Rudolf Schönbach, der eine Professur für Didaktik der Geographie innehatte und in dieser Rolle und Aufgabe der Universität Jahrzehnte diente, starb am 14. Februar fast 95jährig. In Karlsbad war er am 24. April 1927 zur Welt gekommen. Seiner Heimat setzte er in zahlreichen Artikeln in der „Karlsbader Zeitung“ ein Denkmal. Hans Bohn faßte diese Beiträge in der Broschüre „Karlsbader Schicksalstage (1938–1946)“ zusammen. Professor Schönbach war ein fleißiger, stark den Studierenden zugewandter Hochschullehrer, der als Didaktiker auch die Schüler nie aus den Augen verlor. Davon zeugen die „Augsburger Beiträge zur Didaktik der Geographie“, an denen Schönbach immer mitwirkte, so im Heft 11 mit einem Aufsatz über die „Vereinfachung geographischer und geographisch bedeutsamer Sachverhalte im Unterricht“ von 1998. Er war auch als Schulbuchautor gefragt, so in der vom KlettVerlag herausgegebenen Reihe „Terra – Geographie für Bayern“. Schönbachs Berufstätigkeit war geprägt vom Aus- und Aufbau der Universität Augsburg als einem Zentrum der Lehrerausbildung in Bayern. Seine ersten Schritte als Hochschullehrer tat er an der Pädagogischen Hochschule Augsburg der Universität München, die nach Gründung der Universität Augsburg 1970 zunächst als Erziehungswissenschaftliche Fakultät dort eingegliedert wurde. Die junge Universität war nicht frei von Umstrukturierungsmaßnahmen, und Schönbach befand sich in diesem Karussell immer mittendrin. Nach Auflösung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät wurde die Didaktik der Geographie der Philosophischen Fakultät II zugewiesen. Als es dann endlich 1984 an den Aufbau einer Naturwissenschaftlichen Fakultät ging, befand sich Schönbach im „Grundstock“ dieser Neuerung. In all dieser Zeit blieb er das, was er immer war: ein begnadeter Lehrerbildner mit hohen Ansprüchen an seine Studenten. Zu seinem Ruf trug eine Institution wesentlich bei, die in keinem Jahrbuch der Universität Augsburg verzeichnet, aber bei einer Reihe von Hochschulangestellten unvergessen ist: das legendäre Café Schönbach, das jeweils am Mittwoch um elf Uhr geöffnet hatte und einen erlesenen Kreis von Hochschullehrern
dort zum wissenschaftlichen Gespräch zusammenführte. Ziel der Verhandlungen waren meist Planungen interdisziplinärer Exkursionen der Fächer Geographie, Geschichte, Sozialkunde, Arbeitslehre und Schulpädagogik. Die Fachvertreter und Besucher des Cafés Schönbach kannten sich alle aus ihrer gemeinsamen Herkunft aus der Pädagogischen Hochschule (PH), wo sich solche Unternehmungen längst durchgesetzt hatten, während sie von den Fachkollegen der neuen Universität argwöhnisch beäugt wurden. Zu den ständigen Teilnehmern des Cafés Schönbach gehörten Wolfram Hausmann, Hermann Volkmann, Johannes Hampel und Hubert Klebel. Dazu wurden verschiedene benötigte Fachvertreter berufen wie Hermann Oblinger (Didaktik der Biologie) oder Theo Stammen und Hans-Otto Mühleisen für Politische Wissenschaften. Die Ziele der geplanten Exkursionen lagen meist im Osten, und die Anlässe waren immer wieder Gedenkjahre wie der 100. Geburtstag von Franz Kafka 1983 oder „Auf den Spuren Martin Luthers zu seinem 500. Geburtstag“ in der „DDR“, ebenfalls 1983. Im selben Jahr reisten wir auch mit mehr als 30 Studierenden der Universität Augsburg ins Burgenland. Auf dem Rückweg dieser Studienfahrt schrieb ich den Text des von Gerhard Siegel vertonten Liedes „Wir wollen Brücke sein“, das beim Sudetendeutschen Tag in Wien seine Uraufführung auf dem Wiener Heldenplatz erlebte. So war das Café Schönbach indirekt an Höhepunkten sudetendeutscher Geschichte nach der Vertreibung beteiligt. Professor Johannes Hampel vergaß nie zu erwähnen, daß die Geographie an der Universität Augsburg „sudetendeutsch verseucht“ sei. So waren Klaus Fischer (Physische Geographie) und Franz Schaffer (Sozialgeographie) Sudetendeutsche und Mitglieder der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. Eine Episode um Rudolf Schönbach sei hier noch erzählt, die sich während der Studienfahrt nach Prag anläßlich von Kafkas 100. Geburtstag abspielte. Die sozialistischen Machthaber dieser Zeit hatten Kafka schon lange vor dem Jubiläum zur Unperson erklärt, und niemand sollte in der Öffentlichkeit an ihn erinnert werden. Trotzdem besuchten wir mit den Studenten der Universität Augsburg mehrere Gedenkorte, so sein Grab am Neuen Jüdischen Friedhof im Prager Stadtteil Žižkov, ein Wohnhaus mit einer relativ hoch angebrachten Kafka-Büste und natürlich das Kafka-Haus in der Alchimisten-Gasse 22 am Hradschin. Unter der Kafka-Büste war mit Kreide „100 Jahre“ zu
lesen, und mehrere Prager versicherten uns, diese Jahreszahl werde täglich weggewischt. Während unserer HradschinFührung machte sich Schönbach selbständig, da er einige wissenschaftliche Unterlagen und Landkarten in der Deutschen Botschaft abholen wollte, die ihm Kollegen und Gewährsleute besorgt und in der Botschaft hinterlegt hatten. Wie es in der damaligen Zeit üblich war, ließen die Botschaftsangehörigen Schönbach zunächst fast eine Stunde vor den Toren der Botschaft warten. In dieser Zeit hatten sich die Agenten des tschechoslowakischen Geheimdienstes schon längst auf seine Fährten gesetzt. Als er jedenfalls endlich seine Unterlagen bekommen hatte und oben am Hradschin wieder zu unserer Gruppe stieß, befanden sich plötzlich unter den Studierenden der Uni sehr interessierte Personen, die unbedingt hören wollten, was die Dozenten zur Prager Burg zu sagen hatten. Da war die rothaarige junge Frau nur wenig älter als das Durchschnittsalter unserer Gruppe, der glatzköpfige eisschlekkende Mittvierziger mit dicker Aktentasche, ein untersetzter SchwejkVerschnitt mit Umhängetasche und einem Mikrofon in der Hand, das per Kabel in seinen Ärmel führte. Wir entschlossen uns, die fremden Personen in ein Gespräch zu verwickeln, was uns kaum gelang, aber sie waren auch nicht abzuschütteln, hingen an uns wie Kletten. Am Kleinseitner Ring beschlossen wir, unsere Gruppe in mehrere Kleingruppen aufzulösen. Eine Gruppe ging Richtung Karlsbrücke, Schönbach sollte das Prager Jesulein in der Kirche Maria de Vitoria oder „zum Siege“ besuchen. Das war auch unser vereinbarter Treffpunkt. Als unsere „Bewacher“ merkten, daß sich ihr „Zielobjekt“ entfernte, war auf dem Kleinseitner Ring plötzlich ein Gerenne und eine Hektik zu spüren, welche die idyllische Ruhe sozialistischer Zeiten schlagartig beendete. Jetzt merkten wir auch, daß die Verfolger es auf Schönbach abgesehen hatten. Erst in der Kirche des Prager Jesulein wurde er angesprochen, kontrolliert und entsprechend ausgefragt. Als wir am Abend unser Hotel erreichten, war Schönbachs Zimmer nicht nur observiert, sondern auch durchwühlt. Und der Kaffee, den er für Kollegen und Freunde mitgebracht hatte, war nicht mehr da. So stiegen wir nach all der Aufregung auf Pilsner oder Budweiser Bier um. Erst beim Grenzübergang Mühlbach/Pomezí nad Ohři Richtung Schirnding und Bayern erinnerten wir uns wieder an die aufregenden Prager Geschichten um Professor Rudolf Schönbach.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
� Saitenbauerfamilie aus dem Egerland
� Literaturpreise in Graz
Neuer Schauraum eröffnet In Bubenreuth, einem kleinen Ort im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt, waren die vertriebenen Musikinstrumentenbauer aus Schönbach im Egerland nach dem Zweiten Weltkrieg gestrandet und führten dort ihr traditionelles Handwerk erfolgreich fort. Auch die dort aktive Saitenbauerfamilie Hanika gehört zu diesen Firmen und eröffnete kürzlich einen Schauraum.
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inen großen Teil ihrer Arbeitszeit verwenden die Saiteninstrumentenbaumeister Armin Hanika und Hagen Weise auf die handwerkliche Fertigung ihrer Instrumente, Mitarbeiterführung, Ausbildung und Qualitätssicherung bis hin zur notwendigen Büroarbeit. Was fehlte, war ein Ort, diese Kunstwerke für ihre Kunden nicht nur zu präsentieren. Der Ort sollte auch die Möglichkeit bieten, ihre Produkte zu erklären, zu beschreiben und erklingen zu lassen. Die Lösung bot sich mit der Einrichtung eines Präsentationsund Informationsraumes im Gewerbehof Baiersdorf im Kreis Erlangen-Höchstadt. In dem weitläufigen Gelände ist er unter der Anschrift Erlanger Straße 9, Halle D3 noch etwas schwer zu finden. Man muß wissen, daß man den Schildern „Weise-Geigenbau“ folgen muß. Am Eröffnungstag wiesen Geigen- und Gitarrenklänge den Weg. „Schon länger haben wir uns einen Rahmen gewünscht“, sagte Armin Hanika, „unsere meisterlichen Instrumente in ihrer Wirkung noch angemessener präsentieren zu können.“ Nun sei es so weit. „Corona hat alles etwas verzögert, jetzt sind wir froh, daß unser Präsentations- und Informationsraum fertig geworden ist. Ab sofort können wir vom Schüler bis hin zum Solisten unsere Instrumente erklären, vorführen oder präsentieren“, freut sich Hagen Weise.
Hagen Weise und Armin Hanika reden mit Baiersdorfs Vize-Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer. Die Eröffnung des gutausgestatteten Raumes hatte nicht nur Musiker und Musikinteressierte aus vielen Branchen angezogen. Auch Baiersdorfs zweite Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer ließ sich von den beiden Kunsthandwerkern zeigen was in ihrer Stadt alles produziert wird. In dem 150 Quadratmeter großen Raum mit angegliederter Werkstatt zeigten die Saiteninstrumentenbauer ihr Produktportfolio, beantworteten Fragen und ließen ihre Instrumente in Form von Musikdarbietungen erklingen. Die „Weltmarke“ Hanika stellte vorwiegend „native“, tropenholzfreie Konzertgitarren vor. Hagen Weise präsentierte hochkarätige Geigen, Bratschen und Celli. Beide Meister gaben Informationen über moderne Materialien im Zupf- und Streichinstrumentenbau, und sie erläutern den Einsatz heimischer Hölzer anstelle von Tropenhölzern. Alle
Instrumente konnten bei einem Imbiß ausgiebig getestet und natürlich auch gekauft werden. „Wer seine Produkte erfolgreich präsentieren will“, so Hanika und Weise unisono, „muß überzeugen.“ Jedes Musikinstrument überzeuge erst dann, wenn es auch akustisch im Mittelpunkt stehe. „Der Musiker ist dann begeistert, wenn das Gesamterlebnis die Sinne stimuliert. Aus diesem Grund haben wir diesen Präsentations- und Informationsraum eingerichtet.“ Für die Besucher faßten die beiden Ausstellungsleiter ihre Firmengeschichten kurz zusammen. Familie Hanika kam nach der Vertreibung aus dem Egerland 1946 im Raum Bubenreuth an. Helmut Hanika, der Gründer der Firma, lernte von 1947 bis 1949 den Geigenbau und betrieb in Baiersdorf eine kleine Werkstatt. Mit dem Ende der Lehrzeit stellte Helmut Hanika von
Geigen auf verschiedene Gitarrenmodelle um. 1953 wurde die Firma Helmut Hanika gegründet. Neben den Schlaggitarren wurden nun auch Wandergitarren, Hawaiigitarren und klassische Gitarren gebaut. Ab 1965 konzentrierte sich Helmut Hanika auf klassische Konzertgitarren. 1966 begann Hanika mit dem Bau von hochwertigen, klassischen Meistergitarren. Sohn Armin trat 1980 in den Betrieb ein und entwickelte seine eine eigene Modellinie. Armin Hanika legte 1987 als damals jüngster Meister seine Meisterprüfung im Zupfinstrumentenmacher-Handwerk ab. Der Firmenname wurde in Armin-Hanika-Gitarrenbau geändert. Nach Abschluß von Forschungsarbeiten, zusammen mit der Technischen Universität Dresden, stellte Hanika die neuen tropenholzfreien Konzertgitarren vor, welche zum größten Teil aus thermomodizierten heimischen
Hölzern gefertigt werden. Dieses Projekt wurde als Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand Handwerksprojekt des Jahres 2019 ausgezeichnet. Der Weg von Hagen Weise zum heutigen Geigenbaumeister begann in den achtziger Jahren. Die Leidenschaft für Musik im Allgemeinen und für das Handwerk des Instrumentenbaus im Speziellen wurde bereits in frühester Jugend in seinem sehr musikalischen Elternhaus in Leipzig entfacht. Seine Ausbildung führte zuerst über den Gitarrenbau, dessen Geheimnisse er in Markneukirchen im sächsischen Vogtland erlernte. Anfang der neunziger Jahre erfolgte der Wechsel zum Geigenbau ins fränkische Zentrum des Saiteninstrumentenbaues, der Geigenbauergemeinde Bubenreuth. Tätigkeiten bei bekannten Namen wie Roderich Paesold und Karl Höfner waren die ersten Stationen seiner insgesamt zehn Jahre dauernden „Erfahrungsreise“. 2001 folgte der Schritt in die Selbständigkeit. Zusammen mit Klaus Clement gründete er die Clement & Weise-Instrumentenmanufaktur in Bubenreuth und etablierte eine erfolgreiche Palette hochwertiger Streichinstrumente im Markt. Nach dem Rückzug von Klaus Clement 2010 widmete Weise sich alleine seiner Leidenschaft, dem Geigen-, Bratschen- und Cellibau. 2019 bezog Weise im Gewerbehof Baiersdorf größere Atelierräume. Wer am Eröffnungstag nicht über den roten Teppich laufen konnte, dem stehen zur Besichtigung des neuen Präsentationsraumes die beiden Meister zur Verfügung. Heinz Reiß Besuch nach Vereinbarung: Hanika-Gitarren unter info@ hanika.de oder (09133) 2285 und Hagen-Weise-Streichinstrumente unter info@weise-violins.de oder (09133) 7720888.
� Kostprobe von Gitarre und Geige
Junge Musiker und edle Instrumente Bei der Eröffnung des neuen Präsentations- und Informationsraumes von Armin Hanika und Hagen Weise in Baiersdorf boten die beiden Saitenbaumeister auch ein Live-Konzert mit großartigen jungen Interpreten: Die Violinistin Judith Keresztessy und der Gitarrist Gergely Szurgyi gaben Klangbeispiele der Instrumente.
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ür ein exzellentes Klangvergnügen bei der Eröffnung des Schauraums von Armin Hanika und Hagen Weise sorgten zwei Solo-Musiker aus Nürnberg. Der 1994 in Ungarn geborene Gitarrist Gergely Szurgyi begann mit neun Jahren, Gitarre zu spielen. 2013 wurde er an die Széchenyi-István-Universität aufgenommen. An der Ferenc-Liszt-Musikakademie in Bu-
Solist Gergely Szurgyi präsentiert Gitarrenstücke.
dapest schloß er sein künstlerisches Gitarrenstudium ab und absolviert seitdem an der Hochschule für Musik in Nürnberg sein Masterstudium. Den Part zur Vorstellung der Geigen von Hagen Weise übernahm die Violinistin und Gesangspädagogin Judith Keresztessy. Sie studierte an der Hoch schule für Musik in Nürnberg. Im Sommer
Bilder: Heinz Reiß
2019 schloß sie ihren musikpädagogischen Bachelor im Fach Violine und Elementare Musikpädagogik ab. Nach einem künstlerischen Aufbaustudium im Fach Violine bei Bart Vandenbogaerde in Nürnberg studiert sie zur Zeit Bratsche im künstlerischen Fach bei Andreas Willwohl und gibt profimäßig Gesangsunterricht. Heinz Reiß
Violinistin Judith Keresztessy läßt die Geigen erklingen.
Prager Schwalbe Der Literaturpreis des österreichischen Bundeslandes Steiermark 2022 geht an die „Schwalbe von Prag“, die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková für ihren chinakritischen Roman „Stunden aus Blei“ („Hodiny z olova“, 2018). Der mit 10 000 Euro dotierte Literaturpreis wird für eine anerkennungswürdige literarische Leistung an Künstler mit Steiermarkbezug vergeben. Die Vergabe erfolgt alle zwei Jahre.
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ie Jury betonte: „Radka Denemarková schreibt aus dem Eigenen heraus, ohne ihr Selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und Haltungen nutzt die dezidiert politische Schriftstellerin, um den Blick auf fremde Welten zu lenken, gesellschaftlich Relevantes darzustellen, Anklage zu erheben.“ Dabei verfolge die „Schwalbe von Prag“, wie die Schriftstellerin gerne signiert, in Schreiben und Leben eine Poetik der Menschlichkeit und Herzlichkeit, der sie auf lange Sicht mehr Macht zugestehe als allen Formen autoritärer Repression, gegen die sie hier wie anderswo ankämpfe, so die Jury. Das Buch war auch schon mit dem Magnesia-LiteraPreis 2019 ausgezeichnet worden. 2006 hatte die 1968 in Kuttenberg geborene Autorin in „Ein herrlicher Flecken Erde“ („Peníze od Hitlera“), in dem sie sich mit dem Schicksal einer Heimatvertriebenen Deutschjüdin in Böhmen und so dem – damals noch Tabuthema – „Vertreibung“ befaßte, Furore gemacht.
Lesung in Lemberg Das Literaturstipendium 2022 erhält Chrystyna Nazarkewytsch. Die Jury begründete dies mit den Worten: „Sie ist seit langem mit Graz verbunden, nicht nur durch ihren Ehemann, den 2009 verstorbenen ukrainischen Dichter Nazar Hončar, der Grazer Stadtschreiber war, sondern auch durch ihr eigenes Feld: Kulturvermittlung, Übersetzungen, Essays.“ Vor kurzem sei sie bei einer Solidaritätslesung für die Ukraine aufgetreten, zugeschaltet aus ihrer Wohnung in Lemberg, wo die Germanistin Universitätsdozentin sei. Nazarkewytsch informiere im Ausland über den Ukraine-Krieg. Die Jury wolle ihre bisherige Arbeit würdigen und wolle zugleich „explizit auffordern beziehungsweise bestärken, weiterhin aus der Ukraine zu berichten“. Das „Lichtungen“-Lyrik-Stipendium geht an den deutschen Lyriker Luca Manuel Kieser, der seit 2018 Gedichte in der Grazer Zeitschrift „Lichtungen“ veröffentlicht – seitdem habe er das Talent des Anfangs unterstrichen und ausgebaut. Seine Gedichte seien experimentell, „aber auf eine ganz luftige und zugängliche Weise“, so die Jury. Susanne Habel
Beim „Bärentreiben“ im Fasching wurde ursprünglich eine mit Stroh umwickelte Person unter Musik und Gesang durch das Dorf getrieben und sollte vor den Häusern für die Musikanten um Gaben heischen. Im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM) in RatingenHösel in Nordrhein-Westfalen ist die neue Sonderausstellung „Ich BRAUCH das!“ über Wert und Notwendigkeit von traditionellen Bräuchen eröffnet worden. Viele dieser Traditionen bestehen bis heute.
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ir Menschen sind Gewohnheitstiere. Traditionen und Bräuche geben uns Halt und Orientierung, sie stehen für Herkunft und Heimat, aber auch für Identität und Kontinuität“. Mit diesen Worten erläutert Andrea Perlt, die Direktorin des Oberschlesischen Landesmuseums, das Thema der neuen Sonderausstellung.
Am Ostermontag bespritzten die Menschen sich gegenseitig mit Wasser. Die Männer bekamen anschließend zum „Dank“ Ostereier geschenkt. Der Brauch hieß „Smigus-Dyngus“.
� Neue Ausstellung im OSLM
Brauchtum im Jahreslauf „Wir möchten auch zeigen, daß Bräuche sich verändern, weiterentwickeln oder sogar aussterben können. Der Einblick in die Vergangenheit ermöglicht uns einen interessanten Vergleich mit der jetzigen Zeit“, so Andrea Perlt weiter. Der Ausstellungstitel weise schon darauf hin. „Wir möchten anregen, miteinander ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren: Wie stark prägen
uns Bräuche heute noch? Und wie werden wir Traditionen in Zukunft bewahren können, wenn die Welt um uns herum sich immer schneller dreht?“ Die Feierlichkeiten in Oberschlesien gehören bis heute zu den traditionsreichsten in den Gebieten des ehemaligen deutschen Ostens. Hier sind viele alte Volksglauben und Bräuche erhalten geblieben, die es in den
Den Frühlingseinbruch soll das Versenken einer Strohpuppe im Mädchenkleid ankündigen. Diese „Marzanka“ oder „Marzanna“ steht für Winter, Krankheit und Tod. Dieses Jahr findet im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM) endlich wieder der traditionelle Ostermarkt statt. Verschiedene Stände zeigen am Palmsonntag die regionaltypischen Traditionen des Ostereier-Verzierens. Für das leibliche Wohl wird mit oberschlesischen Spezialitäten ebenfalls gesorgt.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
b gekratzt, gebatikt, bemalt, beklebt, bestickt oder mit Stroh beklebt: Die kleinen Kunstwerke begeistern und fas-
anderen Regionen nicht mehr gibt. Von jeher treffen in Oberschlesien verschiedene Kulturen aufeinander, wodurch dieses Gebiet durch eine Vielzahl unterschiedlicher Sitten und Bräuche geprägt ist. Viele dieser Traditionen bestehen bis heute und spielen im Privat- und im Gemeinschaftsleben der Oberschlesier eine wichtige Rolle. Es gibt weiter verbreitete Feste und andere, die regionale Spezifika aufweisen oder vor allem in bestimmten Berufsständen begangen werden. Die Ausstellung basiert auf einer Fotoausstellung aus dem Museum Gleiwitz. Sie zeigt die Bräuche im Wandel der Jahreszeiten anhand großformatiger Fotografien aus den zwanziger und dreißiger Jahren, auf denen jährlich wiederkehrende Feierlichkeiten, Zeremonien und Bräuche begangen werden. Dazu werden Objekte aus der Sammlung des Oberschlesischen Landesmuseum, Filmmaterial und Zeitzeugeninterviews, die eigens für die Ausstellung aufgenommen wurden, präsentiert. Lena Ciochon, wissenschaftliche Volontärin am OSLM, organisierte die Ausstellung und gibt einen Ausblick auf den Ausstellungsrundgang: „Der Besucher wandert durch das Jahr, beginnend in der Karwoche, und begeg net ganz unterschiedlichen Traditionen, teils lustigen,
zinieren. Aber auch ande- � Einladung zum Ostermarkt re Aspekte wie österliches Brauchtum und spezielle Speisen sind mit dem Fest verbunden. Im OSLM feiern alle Mitarbeiter und Besucher am Sonntag, 10. April ab elf Uhr einen Ostermarkt mit kulturel- zu noch ein passendes Ostergeschenk lem Rahmenprogramm. Zusätzlich gibt zu finden. Um die Vielfalt der Traditioes vielfältige Gelegenheiten, sich auf nen zu verdeutlichen, wurden erneut den Frühling einzustimmen und da- die Ausstellungspartner eingeladen:
wie dem Bärentreiben oder dem Fasching, teils welchen wie Kartoffelbacken nach der Ernte, bei denen wir im Rückblick sagen: Solche Bräuche waren damals auch mit harter körperlicher Arbeit verbunden – und zwar für die ganze Familie.“ Das Osterfest als höchster christlicher Feiertag wird seit jeher besonders traditionsreich begangen. Davon zeugen die Fo-
tos aus dem Museum in Gleiwitz ebenfalls. Das Eierverzieren und -kratzen, das Osteressen und Gottesdienste erhalten in „Ich BRAUCH das“ eine Sonderstellung. Der Rundgang endet gewissermaßen mit der Adventszeit und Weihnachten. Aan dieser Stelle sollten Besucher ganz besonders gut schnuppern, denn hier werden auch Duftstationen ihren Platz bekommen. Bis Sonntag, 28. August: „Ich brauch das!“ in Ratingen-Hösel, Oberschlesisches Landesmuseum, Bahnhofstraße 62. Dienstag bis Sonntag und Feiertag 11.00 bis 17.00 Uhr. Eintritt 5, ermäßigt 3 Euro. Telefon (0 21 02) 96 50, eMail info@oslm.de
Das Wasserspritzen zu Ostern war auch in anderen ostdeutschen Regionen weit verbreitet. Bilder: Museum Gleiwitz
die Landsmannschaft der Oberschlesier, der Verband der Siebenbürger Sachsen und die Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland. Die Gäste schlendern in gemütlicher Atmosphäre zwischen den Ständen, schauen den Handwerkern über die Schulter und probieren diverse Köstlichkeiten. Beim Ostermarkt ist für jeden etwas dabei. Die
Bunte Kratzeier
Bunte Ostereier und Bastelkurse für Kinder. Informationen im Netz: www.oberschlesisches-landesmuseum.de/ausstellungen/vorschau/1318-ostermarkt,-10-april-2022.html
schlesische Bäckerei Artur Müller, gegründet 1920 bei Beuthen in Oberschlesien, heute in Schwelm in Nord rheinWestfalen, versorgt alle Gäste mit süßen Spezialitäten, Brot und Würstchen. Ergänzt wird der Markt durch Bastel angebote für Kinder und Erwachsene und Tanzauftritte der Siebenbürger Jugendtanzgruppe Herten. Es gibt auch Führungen durch die Brauchtums ausstellung sowie Kuratorenführungen durch das Museum.
Bilder: Szigeti, OSLM
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AUS DER HEIMAT . VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
� SL-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz
Krieg ist nicht auszurotten Katharina Martin-Virolainen, Sibylle Rothkegel und Dr. Maria Werthan.
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unächst sprach Frauenverbandspräsidentin Maria Werthan. Trotz jüngster Verbesserungen der Stellung von Frauen könne von gleichen Möglichkeiten keine Rede sein. Frauen verdienten in der Industrie bis zu 18 Prozent weniger als Männer. In leitenden Positionen seien nur 19 Prozent. Ihre Frage, in welchem Land das Parlament den höchsten Frauenteil habe, konnte niemand beantworten. Unglaublich, aber wahr: das Parlament von Ruanda. Sie schloß mit den Worten von Isaiah Berlin, daß das Recht nichts nütze, wenn die Frauen ihre Karriere nicht aufbauen könnten. Psychologin Sibylle Rothkegel sprach über „Selbstbewußte Frauen – werden und sein.“ Sie erklärte die häufigen Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung von Frauen und Männern, die in anderen Erziehungsmodellen und Vorbildern begründet seien. Frauen neigten dazu, ihre Leistung zu externalisieren und ihre Erfolge kleinzureden. Sie wollten gemocht und gelobt werden. Männer kämpften eher für ihre Sache und dürften scheitern. Wenn Frauen in Führungspositionen „weibliche Eigenschaften“ zeigten wie Teamfähigkeit, rufe das oft Erstaunen hervor. Um dies zu vermeiden, tendierten viele dazu, untereinander unkollegial zu sein. Erfreulich sei, daß sich die Kinder- und Jugendliteratur wandle, die Rollenbilder hinterfragt würden und Frauen lernten, ihre Gefühle als Motivation wahrzunehmen. Ein Höhepunkt war die Vorstellung der neuen Website des Frauenverbandes, für die der IT-Fachmann Dietmar Schulmeister von der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland viel Lob bekam. Die Frauen verschiedener Landschaften können Beiträge öffentlichkeitswirksam für die neue Website beisteuern. Sibylle Rothkegel moderierte ein Gespräch über den Krieg in der Ukraine. Vor dem Hintergrund des Heimatverlustes berichteten die Gesprächsteilnehmer, wie alte Traumata wiederkehrten. Sie solidarisierten sich mit den ukrainischen Frauen, die auf der Flucht auch für ihre Kinder und ältere Familienangehörigen Sorge trügen. Das Gespräch über Gewalt an Zivilisten mündete in Überlegungen, wie Frauen den jet-
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zigen Opfern aus der Ukraine helfen können. Während der Tagung nahm der Heiligenhof 48 Flüchtlinge auf (Ý SdZ 11/2022). Die Kriegsfolgen rückten damit in unmittelbare Nähe. Sprachkundige unter den Teilnehmenden hießen die verunsicherten Ankommenden willkommen. Was sich Frauen auf vielen künstlerischen und praktischen Feldern zutrauen, konnte in sechs Arbeitsgruppen vorbereitet und eindrucksvoll präsentiert werden. Die Leiter und ihre Gruppen waren: l Helena Goldt, Sängerin und Gesangspädagogin: „Laß deine Stimme klingen!“ l Katharina Martin-Virolainen, Autorin, Kulturschaffende und Vizepräsidentin des Frauenverbandes: „Schreib deine Geschichte!“ l Eva-Maria Piringer, Musiklehrerin und Schauspielerin: „Wer bin ich?“ l Therese Teichert, Künstlerin und Kunstlehrerin: „Tauche ein in die Welt der Farben!“ l Regina Thelen, Rhythmik- und Tanzpädagogin: „Schwing das Tanzbein!“ l Dietmar Schulmeister: „Nutze die Vorteile der Technik!“ Studienleiter Gustav Binder bot einen historischen Spaziergang durch das Kurviertel von Bad Kissingen. Danach präentierten die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse. Dabei offenbarten sich so viele Talente und Potentiale, die die Frage nach der Zukunft der Frauenarbeit beantworteten. In der Tagungsauswertung reflektierten die Teilnehmer Erfahrungen aus den Arbeitsgruppen und stellten fest, daß sie die Zukunft des Frauenverbandes in fünf bis zehn Jahren in der generationsverbindenden und grenzüberschreitenden Arbeit sähen. Zu der internationalen Tagung waren auch Monika Wittek vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Opeln, Katalin Gajdos-Frank, Direktorin des Jakob-Bleyer-Heimatmuseums in Wudersch, die Lehrerinnen Florica Molnar und Camelia Mladin vom Nationalen Kolleg DiaconoviciTietz in Reschitza und ihre exzellent deutsch sprechenden Schüler und Absolventen Timeea Tomescu, Cristi Marin, Paul Turcuman, Timeea und Vladimir Veselin sowie Sittner Charleen, die an allen Diskussionen und Arbeitsgruppen teilgenommen sowie das ökumenische Friedensgebet gesprochen hatten, gekommen. Ihr Mitwirken war bereichernd und anregend. Es soll deshalb zur dauerhaften Komponente der internationalen Kooperationen des Frauenverbandes ausgebaut werden.
Dr. Christian Weber, Dr. Sigrid Ullwer-Paul und Bannerträger Franz Weschta beim Totengedenken am Gedenkstein. Bilder: Markus Bauer
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Was trauen sich Frauen zu?
. SUDETE 72
� Frauenverband im BdV
„Frauen – was trauen sie sich selber zu?“ hieß die internationale Begegnungstagung des Frauenverbandes im BdV Mitte März auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen. Zuzana Finger, Stellvertretende Bundesfrauenreferentin der SL, berichtet.
Anfang März veranstaltete die Der Bischof bat, die Gebete für paneuropäisch gesinnten PreSL-Bezirksgruppe Niederbay- die Ukraine auszuweiten und zu mier, sollte aber eine gute Basis ern-Oberpfalz im Regensburger vertiefen sowie freistehende oder vorhanden sein. Dennoch seien Hotel Bischofshof ihre Jahres- weitere Kapazitäten den Flücht- die Sudetendeutschen jeden Tag Sudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen hauptversammlung. lingen aus der Ukraine zur Ver- Thema in der Tschechischen Refügung zu stellen. „Es geht auch publik – vor allem in Veröffentezirksobmann Christian We- darum, für die Werte Europas lichungen der dortigen Kommuber blickte auf die Vertrei- einzutreten“, sagte er. nisten und Rechtsradikalen. Aber bung vor 75 Jahren und deren Bekanntlich stammt seine es gebe auch positive BerichVorgeschichte ab Oktober 1943 Mutter aus dem böhmischen te über Aktivitäten von Bürgerzurück. „Tschechen und Deut- Kladrau. Seit vielen Jahren ze- initiativen und Organisationen sche können sich nicht auf eine lebriert er zum Fest Mariä Him- bezüglich des Wirkens Sudeteneinheitliche Bezeichnung eini- melfahrt am oder um den 15. Au- deutscher auf tschechischem Bogen“, stellte Weber angesichts gust die Messe in der dortigen den. Diese Aspekte und nun der der Begriffe „AbschieSchloßkirche. Er ist be- Krieg in der Ukraine mit unzähbung“ auf der eireits seit Studiums- ligen Flüchtlingen bewiesen die nen und „Vertreizeiten Mitglied Existenzberechtigung der Sudebung“ auf der bei der SL- tendeutschen. „Die meisten junanderen Seite Ortsgruppe gen Tschechen interessieren sich fest. „Auch Haar. Nun für das eigene Land und sind so heute gibt betrauerte auch bei uns, den Sudetendeutes Flucht er den Tod schen.“ und Verdes letzten Damit war Hörtler mitten drin treibung, Verwandim Vortragsthema „Herausfordei n d et 60 Millioten, der die rungen durch veränderte Rahüberwnzen G re nen MenVertreibung menbedingungen“. Oft sei festschen weltam eigenen zustellen, daß die Kinder von SuI weit.“ Nun Leib erfahren detendeutschen erst nach dem N rückte er den hatte. „Vor zwei Tod der Eltern echtes InteresJU . 6 3. B I S Krieg zwischen Tagen starb der letz- se an deren Herkunft und GeRußland und der Ukraite Bruder meiner Mut- schichte zeigten und zur Landsne in den Fokus, in dessen Fol- ter. Damit ist die Erlebnisgene- mannschaft Kontakt aufnähmen. ge sich die EU auf zehn Millio- ration endgültig abgetreten“, be- „Auch das zeigt die Notwendignen Flüchtlinge einrichte. „Das richtete der Bischof und sprach keit der SL.“ Positiv sei daher die erinnert schmerzhaft an unser von innerer Trauer und einer Zä- zweifache Gliederung: die VerSchicksal. Wo Krieg und Unrecht sur. Seiner Mutter und deren Ge- bandsstruktur von der Orts- und herrschen, sind Flucht und Ver- schwistern bescheinigte er eine Kreisgruppe bis zur Bundesebetreibung nicht weit.“ tiefe Liebe zur Heimat. „Sie wä- ne und die Differenzierung nach Die „tolle, vertrauensvolle Zu- ren gern in die Heimat zurückge- Heimatlandschaften. „Wenn es sammenarbeit“ mit den Vertre- gangen.“ Der SL dankte er für ih- diese Strukturen nicht geben tern der Bezirksgruppe Nieder- re Arbeit und ihr Wirken – auch würde, könnten wir die Informabayern-Oberpfalz betonte Lan- beim Aufbau des Landes nach tionen nicht weitergeben.“ desobmann Steffen Hörtler und dem Zweiten Weltkrieg. Aber Besonders den Bezirksgrupsprach angesichts des Krieges in auch die Unterstützung und Hil- pen komme eine Scharnierfunkder Ukraine von schweren Zei- fe seitens der Amerikaner damals tion zu wie Hilfestellung bei der ten. „In den letzten 70 Jahren vergaß er nicht. „Meine Mutter Besetzung von Posten in Kreishat die Sudetendeutsche Lands- wäre ohne die Care-Pakete ver- gruppen und Mitarbeit in der mannschaft stets vor Flucht und hungert.“ Landes- und Bundesebene. Bei Vertreibung gewarnt. Jetzt erle„Was die Ukrainer erleiden der Auflösung von Ortsgruppen ben wir diese in Europa.“ müssen, macht uns wütend und sei die Unterstützung durch die In seinem Rechenschafts- traurig. Wer hätte gedacht, daß Bezirksgruppe oder die Integratibericht merkte Weber an, daß sich die Geschichte wiederholt“, on von Mitgliedern in die jeweilisich Corona auch auf Orts- und sagte Sylvia Stierstorfer, Landes- ge Kreisgruppe wichtig. In der Kreisgruppen sowie die Bezirks- beauftragte für Aussiedler und SL-Bundesversammlung seien gruppe negativ auswirke. Dies Vertriebene. Auch 1945 und 1946 die meisten Mitglieder Nachgesei – neben anderen aktuellen seien vor allem vertriebene Frau- borene, hier sei der Wechsel von Themen – bei einer Vorstands- en und Kinder gekommen. „Das der Erlebnis- zur Bekenntnisgesitzung Anfang November erör- Engagement in der Landsmann- neration vollzogen. „Wir können tert worden. Mit umfangreichen schaft ist wichtig. Sie wissen, was uns nur von unten nach oben aufMitteilungsblättern habe man Heimatverlust bedeutet.“ Stiers bauen“, faßte Hörtler zusammen. der Situation entgegengesteu- torfer verwies auf einige Ak- Bis zum Sommer 2022 will er sich ert. Ein besonderer Höhepunkt tionen und Projekte sowie auf mit allen Bezirksgruppen zusamsei die Landesfrauentagung 2021 das jüngste Forschungsprojekt mensetzen und die anstehenden gewesen. „Flucht und Vertreibung“, das Fragen zur Neustrukturierung Auf die Auflösung von Orts- am Leibniz-Institut für Ost- und erörtern. und Kreisgruppen und damit Südosteuropaforschung (IOS ReSteffen Hörtler und Peter Küffeinhergehende finanzielle As- gensburg) angesiedelt ist. ner leiteten die anschließenpekte ging Vermögensverwalter „Ohne Kontakt verabschie- de Wahl. Bezirksobmann wurde Michael Fremuth ein, der nicht den sich die Leute. Die Mitglie- Christian Weber, seine Stellvermehr für dieses Amt kandidierte. der werden immer älter, und die treter wurden Sigrid Ullwer-Paul Kassenprüfer Horst Zischka und Nachwuchsgewinnung ist für al- und Bernhard Moder. SchriftfühArnulf Illing bescheinigten ihm le Vereine schwierig. Es geht dar- rer wurden Franz Weschta und eine kompetente und vorbildli- um, unsere Kultur in die Zukunft Elke Pecher. Vermögensverwalche Kassenführung. zu retten und für die Zukunft zu ter wurde Roland Scheufler. BeiDirekt vom derzeit täglichen erhalten.“ So mahnend, leitete sitzer wurden Reinhard Riedl, PeFriedensgebet um zwölf Uhr mit- Weber auf den Vortrag von Lan- ter Küffner, Peter Hübl, Michael tags im Dom war Bischof Voder- desobmann Steffen Hörtler über. Fremuth und Arnulf Illing. Deleholzer gekommen. „Ich bin tief Mit Verwunderung habe er gierte zur Landesversammlung beeindruckt von der Teilnahme die Meinungsänderung des wurden Christian Weber, Bernan diesen Gebet. Wer hätte ge- tschechischen Staatspräsidenten hard Moder und Elke Pecher, dacht, daß wir 2022 wieder einen Miloš Zeman, sonst immer klar Ersatzdelegierte Anne Weber, Krieg erleben müssen. Der Krieg anti-sudetendeutsch, zu Wladi- Bernhard Sigl und Roland Scheuist scheinbar nicht auszurotten“, mir Putin und dessen Krieg ge- fler, Kassenprüfer wurden Arnulf bezog der Bischof Stellung. gen die Ukraine zur Kenntnis ge- Illing und Reinhard Riedl. Für die musikalische UmrahEr erwarte viele Flüchtlinge nommen. Mit der neuen tscheaus der Ukraine. Die Caritas und chischen Regierung gelte es nun mung der Versammlung sorgviele Mitarbeiter in den Pfarreien seitens der SL Kontakte zu knüp- ten das Böhmische Trio Rosa würden eine hohe Bereitschaft fen – zum wiederholten Ma- Mehringer, Marianne Fuchs und und Solidarität zeigen und Hil- le in den zurückliegenden Jah- Hannelore Götz mit Anne Weber Markus Bauer fe leisten. Auch über die Verbun- ren. Mit Petr Fiala, dem neuen an der Flöte. denheit der Vertriebenenverbände sei er erfreut. Eindeutig bezeichnete er Rußlands Handeln als Angriff von einem Aggressor und als eine irrationale Entscheidung. „Ich kann nicht verstehen, daß sich Putin auf ein solches Wagnis einläßt. Am schlimmsten werden die Folgen für ihn selbst Bischof Rudolf Voderholzer, Sylvia Stierstorfer MdL, Steffen Hörtler, Dr. Sigrid Ullwer-Paul und Dr. Christian Weber. Bild: Makus Bauer sein.“
� SL-BG Niederbayern
Hoffnung auf Versöhnung Anfang März gedachte die SLBezirksgruppe NiederbayernOberpfalz am Vertriebenendenkmal im Evangelischen Zentralfriedhof Regensburg ihrer Toten.
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m Wechsel trugen Bezirksobmann Christian Weber und seine Stellvertreterin Sigrid UllwerPaul die Gedenkadressen vor. Stellvertretend für alle zuletzt verstorbenen Landsleute erinnerten sie an die am 16. Mai 2021 mit 85 Jahren verstorbene Maria Moder, Obfrau der SL-Kreisgruppe Neumarkt. An diesem 5. März galt die Erinnerung auch den Opfern des 4. März 1919. Ebenso schlossen die Obleute die Opfer der Weltkriege, der Vertreibung und die in Gefangenschaft, in Konzentrations- oder Internierungslagern zu Tode gekommenen Menschen ein. „Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Diktatur und Tyrannei geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten“, lautete eine Fürbitte. Weber und Ullwer-Paul gedachten der Opfer von Terrorismus oder politischer und religiöser Verfolgung. Sie gedachten der Landsleute, die nach der Vertreibung fern ihrer Heimat zu Grabe getragen wurden, sowie der an Corona Verstorbenen. Und sie gedachten der Opfer des russischen Krieges gegen die Ukrainer. „Unser Leben und unsere Bemühungen stehen im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern. Möge es auch im Verhältnis zwischen dem tschechischen Volke und der sudetendeutschen Volksgruppe zu einer echten Aussöhnung kommen. Unser verantwortungsbewußtes Streben gilt dem friedvollen Zusammenleben unter den Menschen, insbesondere mit unseren Nachbarvölkern“, schlossen Weber und Ullwer-Paul das Totengedenken und legten einen Kranz nieder. Schließlich verwies Weber auf die auf dem Denkmal ebenfalls angeführten weiteren Vertriebenengruppen. Die musikalische Umrahmung hatte der Trompeter Franz Rothmeier aus Oppersdorf geboten. Markus Bauer
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VERBANDSNACHRICHTEN
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� Waldhof-Tagung der Ackermann-Gemeinde
70,3 Millionen Euro für 12 000 Projekte ner Abkommen und seine Folgen und die NS-Rassenideologie. Einige Beispiele schilderten Vertreibungsschicksale und Erfahrungen verbliebener Deutscher. Auch die Entsiedlung der Grenzregion vor allem zwischen 1950 und 1952 und die Entstehung des Grenzstreifens wurden in den Interviews angesprochen. In einem Ausschnitt ging es um die Wende, den Eisernen Vorhang, Václav Havel und die Tatsache, daß die Grenzregion plötzlich im Zentrum Europas lag. Aber auch die sprachlichen Barrieren und die unterschiedliche Geschichts-Interpretation wurden artikuliert. Der nächste Filmausschnitt behandelte das Gratzener Bergland im Grenzgebiet zu Niederoder Oberösterreich. Hier kam auch das Engagement von Georg Franz August Graf von Buquoy (1781–1851) zur Sprache, der mit dem Sophien-Urwald das er-
Generation und die Manipulation oder Desinformation in Rußland zur Sprache. AG-Bundesvorsitzender Martin Kastler, Leiter des Planungsstabes der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) in München, sprach über „25 Jahre Deutsch-Tschechische Erklärung – die Basis für die gute Nachbarschaft heute“. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine berichtete er, daß drei Mitarbeiter der HSS-Niederlassung in iözesanvorsitzender Roland Kiew ihr Land verteidigten, die Stindl hieß besonders den übrigen Beschäftigten evakuiert Mainzer Diözesanvorsitzenden und ins HSS-Bildungszentrum Gerold Schmiedbach willkomBanz gebracht worden seien. men. Dann stellte er die RefeAm 21. Januar 1997 wurde die rentin und Filmregisseurin LenDeutsch-Tschechische Erklärung ka Ovčáčková vor. Sie sei wissenunterzeichnet. Damals habe er, schaftliche Mitarbeiterin an der so Kastler, in Prag studiert und Karls-Universität Prag und beim Umfeld von Staatspräsident leuchte in ihren Filmen vor allem Václav Havel gearbeitet. Fünf die Menschen, Landschaften und Jahre zuvor sei der Vertrag über Geschichte im deutsch-tschechigute Nachbarschaft ratifiziert schen und österreichisch-tscheworden, mit dem aber noch nicht chischen Grenzraum. alle – vor allem historische – Aspekte geklärt worden seien. „Beide Seiten wollten diese Fragen per Vertrag klären.“ Letztlich sei die Erklärung von 1997 kein Schlußstrich, sondern ein Zukunftsdokument geworden. Dabei habe man die mit der VergangenPfarrer Bartholomäus Warowny, Filmregisseurin Dr. heit zusammenhängenden Lenka Ovčáčková, AG-Diözesanvorsitzender Roland Themen den beiden HistoriStindl und AG-Bundesvorsitzender Martin Kastler. kerkommissionen anvertraut. Bilder: Markus Bauer Die weiteren zentralen, durch die Erklärung neu gegrünGroßen Einfluß auf ihre Film- ste Naturschutzgebiet Böhmens deten Einrichtungen seien der tätigkeit habe, so Ovčáčková, die gegründet hatte. Deutliche Spu- Deutsch-Tschechische ZukunftsBeschäftigung mit Přemysl Pit- ren der Grenze wie Mauerreste, fonds mit dem Gesprächsforum ter gehabt. Wert lege sie auf die Bäume sind hier bis heute sicht- sowie das Deutsch-Tschechische Vielschichtigkeit der Grenzpro- bar. „In der Landschaft spiegelt Jugendforum. blematik, weshalb sie in ihren sich die Wehmut derer, die wegDiese Gremien und die zuFilmen das gesamte 20. Jahrhun- gehen mußten“, lautete ein Zi- grundeliegende Erklärung seien dert beleuchte und Tschechen, tat. Da es hier viele Wallfahrts- von Parteien und Verbänden und Österreicher und Deutsche aus orte gab, bilden Kirchen und – angesichts entsprechender Verunterschiedlichen Generatio- wenn möglich – deren Erhalt knüpfungen unterschiedlich benen zu Wort kommen lasse. Dar- oder Wiederaufbau einen wich- wertet worden. Intensiv hätten aus ergäben sich wichtige Aspek- tigen Aspekt. Exemplarisch wur- sich der damalige Bundespräsite für die Zukunft, aber aktuell den der Aufbau des verfallenen dent Roman Herzog, die Bischöauch viele Analogien zur Situati- Gotteshauses in Buchers und die fe Miloslav Vlk aus Prag und Karl on in der Ukraine, sagte sie. Ansiedlung von Personen in die- Lehmann aus Mainz dafür eingeDer erste längere Ausschnitt ser Grenzregion gezeigt. setzt. Letztlich sei die Erklärung aus den Dokumentationen griff Der letzte Ausschnitt stell- ein Kompromiß, der vor allem die den Böhmerwald oder Bayeri- te künstlerische Herangehens- Zukunft im Blick habe. schen und Oberpfälzer Wald auf: weisen und Projekte zum Thema In den 25 Jahren unterstützTschechen, Deutsche und Ju- Grenze vor. In der Diskussion ka- te der Zukunftsfonds über 12 000 den als Bewohner des Böhmer- men die Grenzschließungen we- deutsch-tschechische Projekwaldes, die nach 1918 realisierte gen Corona, das ökologische Be- te und investierte 70,3 Millionen Zweisprachigkeit, das Münche- wußtsein vor allem der jungen Euro. Unterstützt wurden ehe„Grenze als vielschichtig-ganzheitliches Phänomen“ war das Thema der 68. Waldhof-Tagung der Ackermann-Gemeinde (AG) in der Erzdiözese Freiburg in der Akademie für Weiterbildung Waldhof in Freiburg. Knapp 30 Mitglieder nahmen teil. Außerdem stand der Rückblick auf die vor 25 Jahren unterzeichnete Deutsch-Tschechische Erklärung auf dem Programm.
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malige KZ-Häftlinge und Opfer von rassistischer Verfolgung, von Sklaven- und Zwangsarbeit sowie – in diesem Kontext – Corona-Betroffene. Gefördert werden Jugend- und Schulaustausch, Kultur, Dialogforen, die Renovierung und Erneuerung von Kirchen, Baudenkmalen und soe weiter. „Der Zukunftsfonds ist ein Teil der lebendigen Nachbarschaft und Freundschaft und soll diese Rolle auch in Zukunft haben. Es bleibt zu hoffen, daß dies die beiden Regierungen auch so sehen“, sagte Kastler. Trotzdem seien die deutschtschechischen Beziehungen nicht immer idyllisch, stellte Kastler fest und verwies auf die Flüchtlingspolitik 2015 und die Corona-Grenzschließungen 2020. Um so mehr freuten ihn die Einigkeit beim Umgang mit dem Krieg in der Ukraine und die Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen auch bei den Tschechen. „Manchmal gibt es nationalstaatliche Reflexe. Wir sind noch immer auf dem Weg, gemeinsam Europa zu gestalten.“ Er forderte, gemeinsam für Freiheit und Demokratie, gegen Autokraten und Kriegstreiber zu kämpfen. Ein Höhepunkt war das Kulturprogramm am Samstagabend. Beate Däschler an Querflöte und Altsaxofon, Annelore Münzmay am Klavier und Peter Rau am Schlagzeug boten eine Zeitreise „Von Mannheim nach New York“. Sie spielten Werke des aus Mähren stammenden Franz Xaver Richter, ein bedeutender Vertreter der Mannheimer Schule, von Joseph Haydn, Johann Baptist Wendling bis zu Swing-Titeln und Evergreens wie „Blue Moon“, „Night and Day“, „Chattanooga Choo Choo“ von Glenn Miller und „Moon River“ von Henry Mancini. Die Sonntagsmesse zelebrierte der junge aus Warschau stammende und in Freiburg promovierende Priester Bartholomäus Warowny. Die Kollekte war für die Ukraine. In seiner Predigt betonte Warowny: „Wollen wir als in und durch Christus versöhnte Menschen zusammenleben.“ Die Lieder begleitete Martin Kastler am Klavier. Markus Bauer
� SL-Kreisgruppe Hof/Oberfranken
Doppeltes Gedenken im Landkreis Die oberfränkische SL-Kreisgruppe Hof gedachte in der Pfarrkirche Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe in Schwarzenbach und in der Pfarrkirche Maria Königin des Friedens in Bad Steben der Opfer des 4. März 1919.
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us diesem Anlaß hielt Gottesdienstbeauftragter Pfarrsekretär Bernhard Kuhn in beiden Kirchen einen Wort-Gottes-Feier. Unter den Gottesdienstbesuchern waren SL-Kreisobmann Adalbert Schiller, sein Stellvertreter Jürgen Nowakowitz sowie Ernst Heil, Obmann der SL-Ortsgruppe Helmbrechts. Kuhn begrüßte die Abordnungen in beiden Kirchen. „Ich bin sehr dankbar, daß ich diese Gedenkfeier schon seit über 50 Jahren begleiten darf“, sagte er. „Das fing schon bei Pfarrer Rudolf Unger an.“ Nach dem vertrauten Lied „Wohin soll ich mich wenden“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert und einer Schriftlesung ging Kuhn auf die Ereignisse des 4. März 1919 und den Krieg in der Ukraine ein. „Mit großem Schmerz und Mitgefühl denke ich an die vielen unschuldigen Opfer in der Ukraine“, sagte er. „Russisches Militär führt mutwillig Krieg. Dieser Krieg ist ein Krieg in Eu
ropa. … So viele Unschuldige haben bis jetzt schon den Tod gefunden einfach nur, weil Wladimir Putin das kann, weil ihm niemand ernsthaft gefährlich werden kann. … Wir stehen diesem Krieg hilflos gegenüber und können als Christen nur unser inständiges Gebet um Frieden entgegensetzen. Wir beten gemeinsam um den Frieden, den Gott uns allen schenken will.“ Kuhn schloß mit dem Gebet: „Barmherziger Gott, wir haben
Angst vor dem Krieg, der so viel Leid bringen wird für Menschen in der Ukraine, in Rußland und in ganz Europa. Wir beten für alle Verantwortlichen in Rußland, der Ukraine, Belarus, den USA und der EU, daß sie Wege aus der Eskalation finden. Wir beten heute auch für unsere Verstorbenen aus der Heimat, insbesondere für die des 4. März 1919.“ Anschließend reflektierte Kreisobmann Adalbert Schiller noch einmal die Ereignisse des 4. März 1919.
Adolf Winter, Adalbert Schiller, Bernhard Kuhn, Eva-Maria Herrmann, Anni Zaha und Ernst Heil in Schwarzenbach.
SL-Mitglieder, Bernhard Kuhn, Adalbert Schiller und Jürgen Nowakowitz in Bad Steben.
Damals habe Tschechisches Militär damals mutwillig in die friedlich demonstrierende Menschenmenge geschossen. 54 Tote, Hunderte von Schwerverletzten jeden Alters seien Opfer dieses Verbrechens gewesen. Die Sudetendeutschen hätten nur das Selbstbestimmungsrecht eingefordert, das ihnen versprochen worden sei, sagte Schiller. Auch wenn das tragische Geschehen 103 Jahre zurückliege, sei auch heute ein derartiges Gedenken als Mahnung erforderlich. Denn das Sterben dieser Menschen, die als Märzgefallene in die Geschichte eingegangen seien, dürfe nie in Vergessenheit geraten. Trotz ihres Leides, trotz ihrer Verluste hätten die Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht den Weg der Konfrontation beschritten, sondern den Weg der Wahrheit und der Versöhnung. Und dasselbe Unrecht geschehe jetzt den Menschen in der Ukraine. „Nur Gerechtigkeit schafft dauerhaften Frieden in der Welt“, schloß Schiller. Nach den Gottesdiensten zog man zu den Gedenkstätten für die Toten der Heimat. Dort legte der Kreisobmann mit den Landsleuten Blumen nieder. Kuhn sprach abschließende Gebete. dn
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sthessisches Stelldichein in Schlüchtern. Im Zuge des 4.-März-Gedenkens trafen sich Walter Weber, Obmann des SL-Altkreises Schlüchtern, Markus Harzer, Obmann der SL-Landesgruppe Hessen, und Rudolf Bauer, Obmann der SL-Kreisgruppe Fulda. Sie tauschten sich über eine engere Zusammenarbeit, zukünftige Entwicklungen und Projektplanungen der SL in Hessen aus. Die drei waren bereits 2020 in Flieden und Eichenzell zusammengekommen, als der Landesobmann auf Heimatstubentour war.
� SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken
Vollmacht und Verfügung Anfang März bot die mittelfränkische SL-Ortsgruppe Rückersdorf einen Vortrag über „Vollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung“ mit Referenten von der Betreuungsstelle beim Landratsamt Nürnberger Land.
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Menschen sei der Gedanke, daß ein Fremder ihre Angelegenheiten regeln solle, schwer erträglich. Dieser gesetzliche Betreuer sei nicht erforderlich, wenn die Angelegenheiten durch Angehörige oder eine Bezugsperson (Betreuer) besorgt werden könnten. Eine Patientenverfügung sei eine schriftliche Willensbekundung, die eine Person treffe für den Fall einer späteren Willens unfähigkeit. Sie lege fest, ob die Person ärztliche Maßnahmen erlaube oder untersage. Aus der Erfahrung konnte Hannes berichten, daß die oft bestimmte Festlegung „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ durch die Benennung bestimmter ärztlicher Maß-
bfrau Bärbel Anclam begrüßte die Mitglieder und alle interessierten Bürger. Besonders willkommen hieß sie die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, Heidi Sponsel, die Gemeinderätin Inge Thron und die Referenten Erika Hannes und Sebastian Götz. Anclam betonte, daß es sich wegen der Bedeutung des Themas nicht nur um eine SLVeranstaltung handele, sondern die Allgemeinheit eingeladen worden sei. Da gegenwärtig im Seniorenbereich keine Treffen stattfinden dürfen, war die Veranstaltung in Absprache mit Bürgermeister Johannes Ballas und Heidi Sponsel in den Bürgersaal verlegt worden. So konnte man der Abstandsregeln gerecht werden. Auch sonst verlief alles coronakonform. Eine Anmeldung war erforderlich, da die Teilnehmerzahl auf 60 begrenzt war. Erika Hannes hob hervor, Erika Hannes, Obfrau Bärbel Anclam daß die Vollmacht am wich- und Sebastian Götz. Bild: Gabi Waade tigsten sei. Sie sei eine Handlungsbefugnis, welche ab dem nahmen konkretisiert werden 18. Lebensjahr übertragen wer- müsse. Der bindende Wille gelden könne. Dabei sei zu beach- te gegenüber dem behandelnten, daß eine Vollmacht nur an ei- den Arzt und dem Pflegepersone Vertrauensperson ausgestellt nal. Die Patientenverfügung gelwerde. Die Vollmacht könne bis te nicht nur bei bevorstehendem auf Widerruf, bis zum Tod oder Sterbevorgang, sondern beiüber den Tod hinaus gelten. Je- spielsweise auch bei einem länder Erwachsene könne plötzlich ger anhaltenden Koma oder ei– sei es durch Krankheit, Unfall ner schweren Demenz. oder Alter – in die Lage komBürgermeister Johannes Balmen, wichtige Aufgaben des täg- las berichtete am Ende der Verlichen Lebens nicht mehr selbst- anstaltung, daß er vor einiger verantwortlich regeln zu können. Zeit beim Tod seiner Mutter erMöglich sei auch die Auftei- fahren habe, wie wichtig diese lung der Befugnisse zwischen Themenbereiche seien. Die Bemehreren Personen wie für ver- sucher hatten noch ausgiebig mögensrechtliche und persön- Gelegenheit für Fragestellunliche Angelegenheiten. Lebens- gen. Ausgelegte Handreichunoder Ehepartner, volljährige gen, welche einen Überblick verKinder oder Eltern gälten nicht mitteln, lagen zum Mitnehmen automatisch als bevollmächtigt bereit. Außerdem Musterformuund könnten so bei rechtsver- lare mit Ankreuzmöglichkeiten bindlichen Entscheidungen kei- sowie Platz für Eintragung einer ne Vertreter sein. Ab 1. Januar individuellen Gestaltung. Aufge2023 solle es ein auf sechs Mo- führte Textbausteine bieten eine nate befristetes gesetzliches Not- große Hilfe für die eigenen Forvertretungsrecht für Ehegatten in mulierungen. gesundheitlichen AngelegenheiObfrau Anclam bedankte sich ten geben. bei den beiden Referenten für Sei keine Vorsorgevollmacht die informative Übermittlung getroffen worden, und die Per- der Themeninhalte. Abschlieson könne ihre Angelegenheiten ßend gab sie einen Ausblick auf nicht mehr wahrnehmen, könne künftige Aktivitäten im April mit das Vormundschaftsgericht ei- Hauptversammlung und Stadtnen Betreuer einsetzen. Für viele führung in Lauf. Judith Will
Neudeker Heimatbrief
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Bärringen
Folge 631 · 3/2022
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 632 (4/2022): Mittwoch, 20. April.
Trinksaifen und Hochofen
Wir feiern Beerbreifest Am 2. Juli soll das Beerbreifest zum 24. Mal nach der Vertreibung 1946 in der Heimat in Trinksaifen und Hochofen stattfinden. Dies ist gleichzeitig der Kirchweihtag der Trinksaifner Kirche beziehungsweise das Fest Mariä Heimsuchung. Gemeinsam mit den alteingesessenen deutschen und den neueingesessenen tschechischen Trinksaifenern wollen wir unsere Erinnerungskultur weiterpflegen.
H
Verbreitungsgebiet der Wölfe im Erzgebirge.
Bild: Wikipedia
Landeskunde
Der Wolf im Erzgebirge Der Wolf siedelt sich wieder im Erzgebirge an. Das finden manche gut, andere schlecht.
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ls vor rund 20 Jahren die ersten Wölfe in der Lausitz gesichtet wurden, war dies eine Sensation. Denn dieses Raubtier galt in Sachsen seit etwa einem Jahrhundert als ausgerottet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Jedoch war der Wolf ein Nahrungskonkurrent für die Menschen. Einerseits riß er Wildtiere wie Reh, Schwarz- und Rotwild, andererseits verschmähte er auch weidende Nutztiere nicht. Vereinzelt gab es Erzählungen von Angriffen der Wölfe auf Menschen, die nur in seltenen Fällen in den Chroniken nachweisbar sind. Der Wolf war für den Menschen der Bösewicht schlechthin. Wir alle kennen Rotkäppchen und die sieben Geißlein. Deshalb war er seit dem 17. Jahrhundert zur rücksichtslosen Bejagung freigegeben. Mittlerweile genießt er einen hohen Schutzstatus. Eine Vielzahl von Wissenschaftlern erforscht ihn, und seine Ausbreitung wird dokumentiert. Zwischen seiner Ausrottung und seiner Wiederansiedelung veränderte sich die Natur gravierend. Doch der Wolf lernte, sich den neuen Bedingungen anzupassen. Heute bedrohen ihn völlig neue Gefahren. Der Straßenverkehr und die dichte Besiedelung macht es dem Wolf nicht einfacher, einen geeigneten Lebensraum zu finden. Jedoch bietet das böhmische Erzgebirge, welches nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend entsiedelt wurde, einen sehr günstigen Lebensraum für Wölfe. Während Luchs und Wildkatze bereits in den vergangenen Jahrzehnten auf der Suche nach neuem Lebensraum das Erzgebirge ab und an durchstreiften, kam der Wolf erst ab etwa 2005 wieder in die Region. Dies belegten Spuren und vereinzelte Sichtungen. In den Anfangsjahren waren es meist junge Einzeltiere auf der Suche nach neuem Lebensraum, die das Erzgebirge durchstreiften. 2017 wurde das erste im Erzgebirge lebende Rudel nachgewiesen. In den Veröffentlichungen wird es Sonnenberg-Rudel/VýsluníRudel genannt. Die Lebensräu-
me dieser Rudel sind recht groß und betragen je nach Nahrungsangebot etwa 20 Kilometer um ihre Kernzone. 2019 kamen dann nachweislich ein Paar um Fleyh/Fláje, welches im Folgejahr zum Rudel wurde, sowie ein Paar bei Katharinaberg/Hora Svaté Kateřiny hinzu. Seit 2020 wird auch von einem Paar bei Frühbuß/Přebuz berichtet, bei welchem man in diesem Jahr auf Nachwuchs hofft. Aufgrund der territorial großen Wolfsreviere sind einzelne Sichtungen nicht zweifelsfrei einem Rudel oder einem Paar zuzuordnen. Vor allem da auch einzelne Wölfe das Erzgebirge auf der Suche nach einem eigenen Revier lediglich durchstreifen. Wenn man aber die Lebensräume betrachtet, kann man feststellen, daß der Wolf wieder nahezu den gesamten Kamm des Erzgebirges besiedeln kann. Dabei befinden sich die eigentlichen Wolfsreviere auf böhmischer Seite. Und die vereinzelten Sichtungen im sächsischen Erzgebirge werden den weiten Streifzügen dieser böhmischen Wölfe zugeschrieben. Einen Wolf in freier Natur zu sehen, ist meist unverhofft. Hingegen sind Spuren sowie Kot und Urin besonders im Winter bei Schnee häufiger zu finden. Neben der Beobachtung im Gelände nutzen die Wolfsforscher Fotofallen, um die scheuen Tiere nachzuweisen. Weitere Nachweise sind Risse von Wildtieren sowie von Nutztieren auf den Weiden. Diese nahmen in den letzten Jahren zu.
Die Ausbreitung des Wolfes im Erzgebirge hat auch heute nicht nur Befürworter. Für die Jäger sind Wölfe wie in früheren Zeiten Konkurrenten, da Rot-, Schwarz- und Rehwild neben Kleinsäugern und Aas sowie Wildfrüchte auf ihrem Speiseplan stehen. Ein Wolf benötigt täglich etwa 2,5 Kilogramm Fleisch. Aber auch Bauer und Viehzüchter erleiden unter Rissen von Nutztieren. Diese werden in Sachsen jedoch vielfach finanziell entschädigt. Und es gibt im Vergleich zu früheren Jahrhunderten wirksame Schutzmöglichkeiten. Neben Elektrozäunen sind dies die sogenannten Herdenschutzhunde, die ihre Herde gegen Angriffe von Wölfen wirksam verteidigen. Anders verhält es sich bei den Waldbesitzern, bei denen der Wald und nicht die Jagd Priorität genießt. Schon früher galt der Satz: „Wo der Wolf jagt, wächst der Wald.“ Die Reduzierung der oftmals hohen Wildbestände hat einen positiven Einfluß auf die Entwicklung der Verbißund Schälschäden in den Erzgebirgswäldern. Der Mensch muß sich nicht vor dem Wolf fürchten, da er diesen im Normalfall meidet. Dagegen sollten sich Wanderer von durch Herdenschutzhunde gesicherte Schafherden fernhalten. Wenn man diesen Herden zu nahe kommt, können diese speziell ausgebildeten Hunde den Menschen als eine Gefahr für ihre anvertraute Herde betrachten und ihn attackieren. Entsprechende Hinweisschilder finden sich an vielen Weiden im westlichen böhmischen Erzgebirge. Die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes im Erzgebirge ist gewiß eine Bereicherung der Natur. Sie dient der Wiederherstellung und Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts im Wald. Die vier bisher festgestellten Populationen auf dem Erzgebirgskamm sind vermutlich erst der Beginn der Wiederbesiedlung. Und die Anzahl der Territorien kann sich in den kommenden Jahren bei entsprechendem Nahrungsangebot weiter vergrößern. Ulrich Möckel Aus: „Der Grenzgänger“, Nummer 98, Mai 2021.
erzliche Einladung geht an alle noch lebenden Einwohner der beiden Dörfer, an alle Angeheirateten, an die Nachfahren von uns Deutschböhmen, an die vielen Freunde und an die Nachbarorte, die einst so gerne zum weithin bekannten Beerbreifest kamen. Wir freuen uns, mit den heutigen Einwohnern unseres ehemaligen Doppeldorfes Hochofen/Vysoká Pec zwei schöne Tage zu erleben. Samstag, 2. Juli, 10.30 Uhr: Gottesdienst in der Kirche von Trinksaifen/ Rudné mit dem aus Oberschlesien stammenden Pfarrer Thaddäus Posielek. Wir singen Lieder aus der Deutschen Messe von Franz Schubert, davon drei übersetzt in tschechischer Sprache. Petr Rojík aus Rothau wird uns an der Orgel begleiten. Die Sopranistin Věra Smrzová aus Graslitz wird lateinische, tschechische und deutsche Lieder einfließen lassen. Am Ende der Messe erfolgt für die Neuen eine kurze Information über die Kirche. 12.00 Uhr: Mittagessen in der Penzion Sportka/Justinsklause mit Begrüßung durch Bürgermeister Thomas Hüttner. 14.00 Uhr: Busfahrt, die die Gemeinde Gemeinde Hochofen/Vysoká Pec spendiert, nach Gossengrün/Krajková. Dort wird für uns die Kirche Sankt Peter und Paul geöffnet, damit wir den prächtigen Akanthus-Bärenklau-Altar sehen können. Barocke Akanthus-Altäre stel-
len fast nur in Westböhmen und in der Oberpfalz reich geschnitzte Altaraufbauten dar, die in Europa einmalig sind. Erklärung und gemeinsam gesungenes Lied „Selig seid ihr“. Anschließend Kaffee und Schwarzbeerkuchen im Hotel Am Speicher/U Špajcharu in Frauenreuth/Kopanina. Das Haus war ein typischer Egerländer Bauernhof und wurde vor Jahren völlig renoviert und zum Hotel umgebaut. 17.30 Uhr: Rückfahrt nach Trinksaifen. Nach dem Abendessen gemütlicher Abend mit Erzgebirgsliedern und deutsch-tschechischer Musik. Sonntag, 3. Juli, 10.00 Uhr: Wanderung ab der Penzion Sportka über das Hochofner-Trinksaifner Hügelland mit Führung durch Roman Kloc und Bürgermeister Hüttner. Vielleicht gibt es schon Schwarzbeeren. 12.00 Uhr: Möglichkeit zum Mittagessen und Ende des Heimattreffens. Liebe Heimatfreunde, bringt wieder Freunde und Bekannte mit. Am Sonntag könnt ihr auf der Heimfahrt einen Abstecher ins 25 Kilometer entfernte Karlsbad einplanen. Unser Treffen ist ein Termin zugunsten einer völkerverbindenden, europäischen Gemeinschaft. Die Tschechische Republik bleibt unser unmittelbarer Nachbar, und in Böhmen waren wir jahrhundertelang zu Hause. Vielleicht können wir 2023 einen Samstagsausflug in die Dreckschänke/Draakschenk ganz an der sächsischen Grenze unternehmen, falls sie bis dahin wieder hergerichtet ist. Übernachtungsmöglichkeiten bieten das Hotel Malamut (früher Schwarz) und das Hotel Seifert (früher Rohm) in Neuhammer/Nové Hamry sowie das Hotel Anna in Neudek. Das Hotel Sportka in Hochofen/Vysoká Pec ist schon ausgebucht. Emil Herold, Roman Kloc und Adolf Hochmuth (Telefon 0 91 42 36 04) freuen sich auf Zusagen.
Die Justinsklause in Hochofen um 1930.
Bild: Rupert Fuchs
WIR GRATULIEREN Den treuen Beziehern des Neudeker Heimatbriefs, die vom 25. März bis 28. April Geburtstag haben, wünschen wir von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit: Neudek. Erika Stöckner/Tischer, Poststraße 53, 63607 Wächtersbach, 31. März 1939; Franz Stöckner, Poststraße 53, 63607 Wächtersbach, 8. April 1934; Professor Dr. Peter Linhart, Pfitznerstraße 3, 65193 Wiesbaden, 19. April 1938. Bärringen. Franz Loos, StephanBlattmann-Straße 14, 78120 Furtwangen, 8. April 1927;
Antonia Ströer/Geutner, Nebelhornstraße 72, 86163 Augsburg, 18. April 1934. Hirschenstand. Rudolf Hannawald, Annaberger Straße 33, 09471 Bärenstein, 31. März 1943. Trinksaifen. Rosa Fuchs/Pachmann, Garbenbinderweg 8, 94481 Grafenau, 8. April 1937; Herta Schilling/Heidler (Gunthner Lisl), Lindenstraße 12, 49088 Osnabrück, 28. April 1928. Hengstererben. Friedrich Preis, Sudetenring 38, 91074 Herzogenaurach, 28. April 1940.
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
Fahnenweihe 1913 in Neudek auf dem Marktplatz vor der Bürgerschule.
� Sauersack
Wie das Dorf entstand Die Entstehungsgeschichte des Dorfes Sauersack wurde mündlich überliefert.
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� Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek/Augsburg
Unsere Schützenfahne Im Neudeker Heimatbrief Nummer 527 (Þ NHB 8/2013) berichteten wir über die Geschichte des Bürgerlichen Schützencorps Neudek und dessen Vereinsfahne. Die letzte Fahne wurde gerettet und steht nun im Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek.
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as Schützencorps geht auf das Jahr 1626 zurück. Damals war es eine Bürgerwehr in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Seine Aufgaben waren seinerzeit unter anderem die Bewachung der Stadt, das Aufspüren von verdächtigem Gesindel, der Transport von Häftlingen bei Verlagerungen in andere Gefängnisse, die Bewachung von Gefangenen, das Einfangen von Rekrutierungsflüchtlingen und das Suchen nach abgängigen Personen. Später, als die staatliche Macht gefestigt war, wandel-
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te sich das Schützencorps. Wie auch in den anderen Regionen Österreichs oder Deutschlands wurde es zu einem Traditionsverein zur Pflege des Schießwesens und zum Repräsentanten des Bürgertums bei wichtigen religiösen und patriotischen Anlässen. Hierzu führte es eine prächtige Fahne. Eine erste Fahne existierte in Neudek bereits vor 1825. Um 1825 wird die Neuanschaffung einer Fahne erwähnt. Am
13. September 1863 spendete die Gräfin von der Asseburg eine dritte Fahne.
Im Jahr 1913 spendete Kaiser Franz Joseph dem Neudeker Schützencorps die inzwischen vierte Fahne. Die feierliche Weihe der Fahne und die Übergabe an das Schützencorps fand am 10. August 1913 auf dem Neudeker Marktplatz vor der Bürgerschule statt. Neulich veröffentlichte Gunter Heyer, ein Heimatfreund aus dem sächsischen Erzgebirge, einen historischen Zeitungsausschnitt über dieses festliche Ereignis auf der Internetplattform Facebook. Nach der Vertreibung der meisten Sudetendeutschen bewahrten heimatverbliebene Neudeker die Fahne vor der Zerstörung und sicherten sie in einem Versteck. Vor einigen Jahren kam die Fahne dann ins Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg. Dort ziert sie zusam-
men mit den Fahnenbändern den Eingangsraum. Aus dem Versteck in Neudek trug sie einige Stockflecken da-
as böhmische Dorf Sauersack liegt oberhalb Karlsfeld und nahe am Kranichsee. Durch den Kranichsee zieht sich die sächsisch-böhmische Grenze. Das Dorf liegt auf einer Meereshöhe von ungefähr 900 Metern. Christoph Gottlob Grundig macht in den „Neuen Versuchen nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von Ober-Sachsen (Schneeberg, 1752)“ über diesen Ort und dessen Namen folgende Bemerkungen: „Sauersack, ein fast auf dem höchsten Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite voneinander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem aus Nordwest nach Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinierten Waldes vom Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, … hat wohl den Namen mit der Tat, weil sowohl denen Reisenden, die hier vorübergehende Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels, weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuren sammeln können, …
nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen muß.“ Und weiter heißt es: „Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern ein ,Geseer‘ [Gesäuer?] zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.“ Folgendes erzählt die Sage über den Ortsnamen Sauersack: „In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse aus dem fruchtbaren Egertal geholt wurden. Diese Arbeit hatten hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit Nahrungsmitteln [Die Volkssage spricht von Kartoffeln.] geholt hatte und bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: ,Ei, das ist ein saurer Sack!‘ So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung, Sauersack genannt. Den Namen hat sie bis zum heutigen Tag behalten.“ Aus: „Der Grenzgänger“ Nummer 93, September 2020.
Die Tschechen rissen nach der Vertreibung der Deutschen das Dorf Sauersack bis auf ein Haus ab. Dieses eine Haus steht noch und beherbergt ein kleines Museum, wie das Bild unten zeigt.
von, die nicht mehr entfernt werden können. Wir lassen die Fahne als Zeugnis der Vertreibung so, wie sie ist. Und wir freuen uns, daß wir dieses kostbare 108 Jahre alte Stück den Besuchern des Heimatmuseums zeigen können. Josef Grimm
ebcam-Bilder von Montag, 20. März 2022: Links sehen wir den Aberthamer Ortsteil Hengstererben. Er liegt rund 950 Meter über dem Meeresspiegel. Rechts blicken wir auf den Skihang bei Bärringen. Die Gemeinde Bärringen liegt im Tal der Weißen Wistritz etwa 850 Meter über dem Meeresspiegel, der Skihang etwa auf 900 Metern Höhe. Trotz des Klimawandels hält sich der Winter im Erzgebirge auch heuer wieder lange. Im Erzgebirge heißt es schon immer: „Acht Munit Winter und vier Munit kalt“. Bilder: Webcam Skiareál
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Die heutige Untere Beethovenstraße in Turn, seit 1942 ein Stadtteil von Teplitz-Schönau.
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
Das Josefinenheim in der Unteren Beethovenstraße, links daneben liegt die Eulenburg in der Lindenstraße.
� Turn/Teplitz-Schönau
Fritz Hühnl prägte das Gesicht seiner Stadt Der Teplitzer Architekt Friedrich „Fritz“ Hühnl kam 1875 in Turn zur Welt und starb 1943 in Teplitz-Schönau.
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er Architekt Fritz Hühnl gab vor allem seiner Geburtsstadt Turn ein besonderes Aussehen. Der rasche industrielle Aufschwung des kleinen Dorfes Turn Ende des 19. Jahrhunderts wurde 1910 mit der Erhebung zur Stadt gekrönt. Hühnl studierte 1893 bis 1899 an der Baugewerbeschule in Reichenberg. Und bereits in jungen Jahren begann er seine Laufbahn als selbständiger Architekt in seiner Heimatstadt Turn bei TeplitzSchönau. Dort wirkte er vor allem als Stadtarchitekt. Zu Beginn inspirierten ihn die Dresdener Architekten Rudolf Schilling und Julius Wilhelm Gräbner, die 1899 bis 1905 die evangelische Christuskirche in Turn projektiert und errichtet hatten. Hühnl hatte sich auch an Detailentwürfen beteiligt. Er entwarf mehr als ein Dutzend Häuser nahe der Christuskirche, die als Klein-Nürnberg in die Geschichte der Turner Architektur eingingen. Mit ihren Motiven aus der germanischen Mythologie wurden sie zum Symbol von Turn. In Hühnls Schaffen spiegelt sich sowohl der deut-
sche Jugendstil als auch der Burgenstil und Nürnberger Stil. Die Verwendung von Rauputz und Fachwerk in den oberen Etagen verweisen aber auch auf Inspirationen aus Wiener Kreisen. Die allgemeine Freude und Eleganz, die seine Werke ausstrahlten, geben Zeugnis davon, wie erfolgreich Hühnl seiner Fantasie bei der Verwendung der verschiedenen Stilelemente freien Lauf ließ. Dies bewog auch die „Wiener Bauindustrie-Zeitung“ zu dem lobenden Kommentar: „Dieses Ensemble von Wohnhäusern in der Jahnstraße, abgeschlossen von dem Eckhaus Jahnburg, trägt dank ihrer Fassadenlösungen einen persönlichen Charakter, der sich in seiner Formgebung und Farbabstimmung angenehm von der schablonenhaften Architektur der Umgebung abhebt. In jedem Fall sollte diese ansprechende, sich von den allgemeinen Vorstellungen abhebende Richtung begrüßt werden, vor allem in Turn mit seinen langweiligen und monotonen, falschen Gesimsfassaden.“ Die meisten der Hühnl-Häuser, einschließlich der prachtvollen evangelischen Christuskirche, wurden in den 1970er Jahren abgerissen, um einer modernen Plattenbausiedlung Platz
zu machen. Damals konnten Mit- der Lindenstraße das Josefinen- und an der Kunstgewerbe-Aka- Haus für Kinder und Jugendliarbeiter des Schloßmuseums in heim und die Eulenburg. demie in Wien unter Otto Wag- che schmücken soll. Altes wird einer heimlichen Aktion kurz vor Auch an die ehemalige Bür- ner. oft durch das Unverständnis der dem gewaltsamen Abriß kostba- gerschule in Turn, heute eine Verschiedene Teplitzer Archi- Menschen zerstört. Manches erre Keramikverkleidungen aus ei- Hotelgewerbe-Schule, wird sich tekten bestimmten das histori- wacht zu neuem Leben, wie auch nigen der architektonisch wert- noch mancher erinnern. Die Aus- sche Aussehen von Teplitz-Schö- der ganze Stadtteil Turn. vollen Häuser retten. Diese sind schreibung für den Bau dieses nau und Turn mit. Gegenüber Trotz der aktuellen Ereignisse heute in den ständigen Ausstel- Gebäudes gewann der in Prag tä- den erhaltenen Turner Häu- bleibt zu hoffen, daß der Frieden lungen der Keramik- und Por- tige, deutsche Architekt Fried- sern in der Unteren Beethoven- erhalten bleibt und keine neuzellanabteilung des Museums zu rich Kick (* 1878 in Mannheim, straße sehen wir das Lebendige en Zerstörungen die Zukunft der sehen. † 1932 in Berlin). Er studierte am Haus der Teplitzer Salesianer, heutigen Generation bedrohen. Turn hatte seinen Aufschwung Deutschen Technikum in Prag das diesen Platz als zukünftiges Jutta Benešová Firmen wie Alfred Stellmachers Amphora-Werke zu verdanken, die sich der Keramik- und Porzellanherstellung verschrieben hatten und auch teilweise an der Ausschmückung der HühnlHäuser beteiligt waren. Somit bleiben uns heute nur historische Aufnahmen und einzeln verbliebene Bauten, zum Beispiel das einzige Hühnl-Haus Asgard bei der Roten Kirche, welche der Architektur der Hühnl-Häuser sehr nahe sind wie in der Unteren Beethovenstraße und in Die Häusergruppe bei der evangelischen Christuskirche in Turn, gestaltet von Fritz Hühnl, wird als „Klein-Nürnberg“ bezeichnet.
Das Lebendige Haus der Teplitzer Salesianer soll zukünftig als Haus für Kinder und Jugendliche dienen.
Die evangelische Christuskirche in Turn.
HEIMATBOTE
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Bischofteinitz
Ronsperg
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FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Muttersdorf
Erwin Brix † Erwin Brix, langjähriger Heimatortsbetreuer von Muttersdorf, starb am 21. Februar im 93. Lebensjahr in Markt Lappersdorf im oberpfälzischen Landkreis Regensburg.
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Im Sommer wird das Theater OVIGO die grenzüberschreitende Schauspiel-Wanderung „Fingierte Grenzen. Auf den Spuren der Aktion Kámen“ bieten. Im Rahmen der Vorbereitungen fand Mitte März im Centrum Bavaria Bohemia (CBB) im oberpfälzischen Schönsee ein Zeitzeugen-Gespräch statt. Einer der Zeitzeugen war unser Korrespondent Karl Reitmeier. Er berichtet.
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er Aggressionskrieg von Wladimir Putin gegen die Ukraine zeigt einmal mehr, zu welch perfiden Methoden im Hintergrund die Geheimdienste fähig sind, die keine Rücksicht auf Menschenleben nehmen. All das gab es bereits, als 1948 die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei übernahmen. Dort hatte die tschechoslowakische Geheimpolizei von 1948 bis 1951 an mehreren Stellen im westlichen Grenzland eine fingierte Staatsgrenze mit falschen deutschen Zollämtern und Amtsräumen der US-amerikanischen Spionageabwehr errichtet. Dabei handelte es sich um sorgfältig durchdachte Fallen, die im richtigen Moment zuschnappten. Die Flüchtlinge wähnten sich bereits im sicheren und freien Westen, ohne zu wissen, daß die Grenze, die sie übertreten wollten, nicht echt war. Alles war reiner Betrug, der Leben zerstörte. Unzählige Menschen fielen dieser Kámen (Stein) genannten Aktion zum Opfer.
All diese Fälle recherchierte die tschechische Autorin Václava Jandečková und veröffentlichte sie in dem Buch „Fingierte Grenzen. Auf den Spuren der Aktion Kámen“. Das Buch wurde ein Bestseller. Nun macht das OVIGO-Theater ein grenzüberschreitendes Theaterstück daraus. Im Sommer wird der TheaterVerein aus dem oberpfälzischen Landkreis Schwandorf eine grenzüberschreitende Schauspiel-Wanderung geben. Die Zeitreise „Fingierte Grenzen. Auf den Spuren der Aktion Kámen“ wird ab Juni an vier verschiedenen Grenz-Standorten gegeben, und zwar als zweisprachiges Theatererlebnis für Deutsche und Tschechen, gespielt von Akteuren aus beiden Ländern. Im Rahmen des Theaterprojekts, an dem mehr als 80 tschechische und deutsche Schauspieler teilnehmen werden, gab es Mitte März im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee einen Auftakt-„Workshop“ für das Schauspiel-Ensemble. Zum Programm dieses „Workshops“ gehörte auch eine Gesprächsrunde. Dabei wollten das OVIGOTheater und die Autorin Václava Jandečková in einem Austausch mit Zeitzeugen auf die Thematik des Theaterstücks einstimmen und mehr über die deutschtschechische Grenzgeschichte erfahren. Neben Václava Jandečková waren Jan Minařík, ein Opfer der fingierten Grenze und ein weltbekannter Tänzer, die einstigen Grenzpolzisten Günther Borutta
und Hermann Wallisch sowie ich zu dieser Gesprächsrunde eingeladen. Florian Wein moderierte. Dabei hörte das Publikum viele interessante Erzählungen aus der Zeit des Eisernen Vorhangs. Zum Abschluß gab es für die Zeitzeugen Präsente. Ab dem Sommer kann man mit dem OVIGO-Theater auf den Originalspuren der wahnwitzigen Geheimdienst-Aktion Kámen wandeln. Die falschen Grenzen und Zollhäuser existieren teilweise noch heute und demonstrieren, welch menschenverachtende Machenschaften sich mitten in der hiesigen Grenzregion abspielten. „Fingierte Grenzen“ wird als geführte SchauspielWanderung grenzüberschreitend an den Standorten Bärnau/ Paulushütte, Waldsassen/Eger, Selb-Wildenau/Asch und Stadlern/Weißensulz zu erleben sein. Autorin Jandečková hatte die Schauspieler in Schönsee behutsam in die Rollen eingeführt, die sie später verkörpern werden. „Alle Figuren hat es wirklich gegeben. Es handelt sich um echte Opfer, echte Geschichte“, so Moderator Florian Wein, der bei dem Projekt Regie führt. Anschließend versuchten sich die Darsteller an den Szenen und erarbeiteten sie in Kleingruppen. Im Anschluß wurden die Darsteller vom ehemaligen Grenzpolizisten Hermann Wallisch an die Grenze bei Schönsee-Friedrichshäng geführt, wo das Ensemble tief in die Zeit des Kalten Krieges und der „scharfen Grenze“ eintauchte. Bei der Podiumsdis-
kussion am Abend wurden auch nachdenkliche Töne in der Runde angestimmt, als man den Bogen zur aktuellen Situation in der Ukraine spannte. Schließlich könnte ein neuer Kalter Krieg bevorstehen. „Um so wichtiger, daß wir diesen Beitrag leisten“, sagte Regisseur Wein, der die Veranstaltung mit seinem Team penibel vorbereitet hatte und den Workshop als vollen Erfolg wertet. „Dies ist ein besonderes Projekt, das auch eine besondere Vorbereitungszeit nötig macht. Wir schulden es den Opfern, ihre Geschichten bis ins Detail kennenzulernen, bevor wir ihr Leben nacherzählen.“ Die wahnwitzige Geheimdienst-Aktionen dürften nicht vergessen werden. Es handle sich um Geschichten, von denen man lange nichts gewußt habe, obwohl sie sich unmittelbar vor unserer Haustür abgespielt hätten. Für das Projekt konnte OVIGO Darsteller vom Modernen Theater Tirschenreuth, vom Festspielverein Bärnau, von der Theatergruppe der Gesellschaft Australia, von den Kunstschulen Eger und Asch und vom Theaterverein Jezírko aus Pilsen gewinnen. Das Stück wird zweisprachig sein, dennoch soll das Publikum die Inhalte gut verstehen. Die Premiere des Gesamtprojekts wird am 4. Juni mit der Tour von Bärnau aus steigen. Zeitlich versetzt beginnen die anderen Standorte mit dem Spielbetrieb. Informationen und Kartenvorverkauf: www.ovigo-theater.de
Kámen-Opfer und weltbekannter Ballett-Tänzer
Jan Minařík kam am 25. August 1945 in Prag zur Welt und ist ein tschechisch-deutscher Tänzer und Fotograf. Er war einer der wichtigsten Tänzer im Tanztheater Pina Bausch und trat auch unter dem Künstlernamen Jean Mindo auf.
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Jan Minařik und Jo Ann Endicott in „Two Cigarettes in the Dark“ von Pina Bausch, Wuppertaler Tanztheater (1985). Bild: Gert Weigelt
ls Jan Minařík noch ein Kind war, versuchten seine Eltern vergeblich, mit ihm in den Westen zu fliehen ( oben). In Prag machte er eine Ausbildung zum Ballett-Tänzer. Nachdem die WarschauerPakt-Truppen die Tschechoslowakei besetzt hatten, emigrierte er 1969. Am Tiroler Landesthea-
ter Innsbruck fand er ein erstes Engagement. Danach wechselte er zum Ballett im Opernhaus Wuppertal, das unter Ivan Sertic (1927–2020) eine klassische Ballett-Ästhetik präsentierte, und wurde Solo-Tänzer. Als Sertic 1973 ans Gärtnerplatztheater in München ging, übergab Intendant Arno Wüstenhöfer die Leitung der Ballets an die Choreographin Pina Bausch. Fast das ganze Ensemble folgte Sertic nach München. Einer der wenigen, die in Wuppertal blieben, war Jan Minařík. „Er wurde zu einem der ganz wichtigen Darsteller und Mitarbeiter des
Tanztheaters“, erinnerte Pina Bausch (1940–2009). Minařík beeindruckte das Publikum mit Tanzszenen, in denen er seine Kraft als Hebeund Stützpartner der Tänzerinnen mit sensiblen und zärtlichmelancholischen Darbietungen kontrastieren konnte. Während der Proben und der Tourneen des Ensembles machte Minařík Aufnahmen. Die Fotografie betreibt er seit seinem Abschied von der Bühne weiter. 1981 heiratete er seine Kollegin Beatrice Libonati. Das Paar hat zwei Kinder und lebt heute auf seinem Bauernhof in der Tschechischen Republik. Nadira Hurnaus
Sudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen
WIR BETRAUERN Dinkowitz. Plötzlich und Heiligenkreuz. Am 11. unerwartet starb Ernst Hitzler, März starb in Rutesheim im Kreis ehemaliger Ortsbetreuer von Böblingen Edith Hettrich/Pechtl, Dinkowitz, am 3. März im ge- Hausname Binnamoa. Edith Hettsegneten Alter von 93 Jahren rich kam am 22. Oktober 1937 im Kreis seiner Familie in Roß- zur Welt und lebte bis zur Vertal im mittelfränkischen Land- treibung mit ihren Eltern Johann kreis Fürth. Am 15. Juli 1929 und Maria Pechtl sowie den ältewar er in Dinkowitz zur ren Brüdern Johann und Welt gekommen. Karl in Haus Nr. 17. Auf seiner ParSie wird ihrem te steht FolgenEhemann Thodes: „Aus der mas, den SöhHeimat einst nen Ralf und vertrieben, Bernd sodie du doch wie den Enso sehr gekelkindern liebt, gehst mit ihrem t e ind du heim großen Herüberwnzen G re in den ewizen und ihgen Frieden, ren guten RatI wo der Herr dir schlägen sehr UN Heimat gibt.“ Um fehlen. Edith J . 3. B I S 6 Ernst Hitzler trauHettrich nahm, soern seine Ehefrau Anna, lange es ihr möglich war, seine Tochter Christa mit Bernd an den Heimatgottesdiensten in und die Enkel Marco, Jens und Heiligenkreuz teil. Bei der HeiChristian mit Partnerinnen, so- matgemeinde wird sie in guter wie die Urenkelinnen Charlot- Erinnerung bleiben. Im Namen te und Clara. Seine letzte Ru- der Heimatgemeinde spreche ihhe fand Ernst Hitzler auf dem ren Angehörigen unser Beileid Martinsfriedhof in Roßtal. aus. Peter Gaag Marianne Maurer Ortsbetreuer
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Jan Minařík
Das Innere der Sankt-Bartholomäus-Kirche in Muttersdorf 2014.
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Fingierte Grenzen
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Grenzüberschreitende Schauspiel-Wanderung
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Bild: Freya Fehse
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Beim Zeitzeugen-Gespräch Karl Reitmeier, Günther Borutta, Václava Jandečková, Florian Wein, Hermann Wallisch und Jan Minařík.
m 28. Februar fand das Requiem in der Kirche in Kareth und auf dem örtlichen Friedhof die Beisetzung statt. Hermi und Franz Sellner hatten im November 2009 anläßlich seines 80. Geburtstages in der „Hostauer Umschau“ geschrieben: „Erwin Brix hat sich um seine Heimat verdient gemacht.“ Viele Jahre lagen die Organisation und Durchführung des alljährlichen Heimattreffens in seinen Händen. In der Nachfolge von Franz und Fritz Girg übernahm er die Planung und Durchführung des traditionellen Festes zum 24. August in Mutterdorf: Zuerst die feierliche Messe in der Kirche des heiligen Barthomomäus, dann beim gemeinsamen Gang zum Friedhof ein Gebet bei der von der Familie Schnobrich gestifteten Kapelle und die Andacht beim Heimatgedenkstein von 1992 auf dem Friedhof. Große Unterstützung fand er vor Ort bei den gut deutsch sprechenden Geistlichen, zuerst Pfarrer František Kaplanek und dann Pfarrer Pavel Žák, sowie den wohlwollen-
den Bürgermeistern. Sichtlich erleichtert war Erwin Brix, daß Udo Girg die Betreuung des Gedenksteines und der Schnobrich-Kapelle und ich die Ortsbetreuung für Muttersdorf übernahm. Erwin Brix kam am 31. Oktober 1929 in Muttersdorf Nr. 66 zur Welt. Seine Eltern waren Franz Brix und Wilhelmine, geborene Gilch. Nach der Volksschule in Muttersdorf und der Bürgerschule in Ronsperg fand er Aufnahme in der Lehrerbildungsanstalt Mies. Noch kurz vor Kriegsende wurde er in eine Panzernahkampfbrigade eingezogen und verwundet. Die Vertreibung der Familie Brix erfolgte im Mai 1946. In Bayern diente er zuerst als Knecht auf einem Bauernhof. Danach konnte er seine Ausbildung zum Lehrer fortsetzen. Ab 1954 war er Lehrer in Regensburg und ab 1979 Schulleiter. Zudem war er Ausbildungslehrer für Studenten und Praktikumslehrer für Lehramtsanwärter. 1957 hatte er Edeltraud Artymiak aus Neusattel im Kreis Elbogen geheiratet. Da sein Sohn Gerald und seine Schwiegertochter Ingrid in New York leben, freute er sich alljährlich auf den Besuch seiner „amerikanischen“ Enkelkinder Lisa und Nicolas. Roland Liebl Ortsbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 12 | 25. 3. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil I
Adolf Hitler und Edvard Beneš, Sozialdemokraten und Kommunisten Am 20. Februar starb Ernst Schmutzer, aus Labant stammender Physiker und Träger des Großen Kulturpreises, im 92. Lebensjahr im thürin-
I
n den letzten Jahren kann man im Heimatboten eindrucksvolle Schilderungen des täglichen Lebens der Bevölkerung mit ihren Sitten und Gebräuchen nachlesen, die Zusammenfassungen von den Geschehnissen aus den Kreisen der ehemaligen deutschsprachigen Gebiete wiedergeben. Dadurch bekommt man einen Eindruck über den Ablauf der in einem reichlichen halben Jahr vollzogenen, fast totalen nationalen Vertreibung der damaligen Generation samt Familien aus Böhmen und Mähren, sowie über ihren schweren Neuanfang unter Aufbietung der letzten körperlichen Kräfte, oft bis zum endgültigen Zusammenbruch. Als Beispiel greife ich die Serie von Ernst Wurdak aus der Sicht eines damals dem Kindesalter entwachsenen Jugendlichen aus unserem Nachbardorf Neuzedlisch heraus. Wir beide sind fast gleich alt, waren im Rahmen unserer beruflichen Ausbildung beide in Mies: er (Jahrgang 1928) an der Lehrerbildungsanstalt, ich (Jahrgang 1930) an der Oberschule (früher Mieser Gymnasium). Wir fuhren alle zwei bis drei Wochen – mehrere Jahre lang– parallel in unsere Heimatorte: ich im Sommerhalbjahr mit dem Fahrrad etwa 25 Kilometer weit nach Labant, wir beide im Winterhalbjahr die Bahnstrecke Mies, Plan, Tachau, Altzedlisch und dann zu Fuß in die Heimatorte. Im Sommerhalbjahr benutzte ich bei schlechtem Wetter die Bahnstrecke Mies, Schweißing, Haid, und dann ging es acht Kilometer weiter nach Labant. Wir beide wohnten und aßen zusammen im Schülerheim von Mies. Sehr wahrscheinlich ist, daß wir uns oft begegneten, ohne uns kennenzulernen. Ich erfuhr nun von dieser Parallelität aus dem Heimatboten. Auch die Flucht nach Bayern vorbei an dem damals noch erkennbaren Dorf Wusleben auf dem Kamm des nördlichen Böhmerwaldes führte uns beide zu fast gleicher Zeit im tief verschneiten Winter 1945/1946 nach Waidhaus. Dann trennten sich unsere Wege und Ausbildungen. Im Zusammenhang mit der Gründung eines Sudetendeutschen Museums als Gesamtmuseum in München sowie aus Reden beim Sudetendeutschen Tag 2011 in Augsburg entnehme ich dringliche Aufrufe an die Nachkriegs-Erlebnisgeneration, ihre Erlebnisse aus dieser Zeit schriftlich für das aufzubauende Museum festzuhalten. Das soll für die mitteleuropäische Geschichtsschreibung die Ursachen und Wurzeln für diese gewaltsame Veränderung der Landkarte Eu-
gischen Jena (Þ HB 10/2022). Doch er war nicht nur ein eminenter Wissenschaftler, sondern auch ein großer Heimatfreund, der seine Erlebnisse bereits
als Kind in der Heimat niederschrieb. Vor zehn Jahren formte er daraus einen Bericht über sein Heimatdorf während der USA-Besetzung und der anschlie-
ßenden tschechischen Verwaltung 1945/1946, den wir als Serie veröffentlichen. In dieser ersten Folge schildert Schmutzer nach einer Einführung je-
doch zunächst die politische Situation im südlichen Egerland nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere die Lage in Labant.
ter in Konzentrationslagern im Reichsgebiet oder auch darüber hinaus in anderen Ländern, die millionenfach durch Mord und Massenvernichtung zu Tode kamen. An der großen Anzahl der eigenen Kriegstoten und Verwundeten bemerkten die Sudetendeutschen schon bald, in welche Hölle sie durch die Hitlerschen Angriffskriege geraten waren. An dieser Stelle ist es angebracht, darauf hinzuweisen, daß in jener von mir beschriebenen Zeit, im Gegensatz zur turbulenten Ära der späteren sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, damals mit dem Begriff Antifaschisten („Antifa“) die Hitlergegner bezeichnet wurden, die trotz breiter Emigration auch in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern noch zahlreich illegal tätig waren. Praktisch bedeutet das Sozialdemokraten, Kommunisten, Landwirte, ChriNach dem sten aller Konfessionen Ersten Weltkrieg wie Pfarrer, Pastoren, anIm von Deutschen bedere Würdenträger, aber wohnten südlichen Egerauch Bibelforscher und land, insbesondere in so weiter. meinem Geburtsort LaBezugnehmend auf bant, wurde der Egerländas Sudetenland, komder Dialekt gesprochen. men deutsche, tschechiDieses zu Böhmen gehösche und andere Historende Territorium bildete riker zu der resultiereneinen Teil des Habsburden Schätzung von etwa ger Reiches Österreich130 000 Antifaschisten. Ungarn. Sind das mit FamilienUnser Ort besaß reichanhang, verwandtschaftlich 600 Einwohner. Im licher Verbindung oder Einzelnen einen Guts- 62. Sudetendeutscher Tag zu Pfingsten 2011 in Augsburg: Volksgruppensprecher Bernd Pos- aus charakterlich allgehof, mehr als ein halbes selt überreicht Professor Ernst Schmutzer den Großen Kulturpreis im Beisein von Reinfried mein zurückhaltenden Dutzend Bauernhöfe und Vogler, damals SL-Kulturreferent, sowie der damaligen Schirmherrschaftsministerin Chri- Kreisen nicht fast 20 Proim übrigen viele kleine stine Haderthauer. Der Physiker Schmutzer war auch Mitglied der Naturwissenschatlichen zent der 3,4 Millionen Landwirtschaften. Die Klasse der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. Bild: Ivan Laputka der Sudetendeutschen? wurden im SommerhalbNach dem Willen Edjahr von den Frauen und Kindern Mehr-Nationalitäten-Staat mit Offenheit und Wahrheit in mei- vard Benešs und seiner Anhänger bearbeitet, während die Män- nationaler Gleichberechtigung nem Vortrag positiv registrie- mußten auch diese Menschen, ner vorwiegend als Bauarbeiter gedacht. ren, dessen Text dankenswerter- zu einem beachtlichen Teil aus wie Maurer und Zimmerleute in Stattdessen vertrat die tsche- weise in seiner vollen Länge von Konzentrationslagern und andeBöhmen, Sachsen, Bayern und so chische Delegation – zumin- fast 50 Seiten publiziert wurde ren Nazigefängnissen kommend, weiter Arbeit suchten. Im Winter- dest in der Anfangsphase – bei („Sie waren auch dagegen“, Mu- ihr konfisziertes immobiles Eihalbjahr weilten sie bei ihren Fa- den Friedensverhandlungen von zeum und Albis International, gentum aufgeben, zum Teil unmilien. Saint Germain 1919 das Staats- Aussig 2007, I SBN 978-80-86475- ter schlimmen Bedingungen als Mit der sozialen und politi- modell von Edvard Beneš und 12-7). Eine analoge Kurzfassung Zwangsausgesiedelte ihre angeschen Situation in dieser west- seinen nationalistischen Anhän- erschien danach in Berlin („Hel- stammte Heimat verlassen und böhmischen Gegend in der Zeit gern mit untergeordneten Min- den der Hoffnung“, Aufbau-Ver- eine Unterkunft in irgendeiner zwischen den beiden Weltkrie- derheiten der anderen Nationa- lag, Berlin 2008, ISBN 978-3-351- weiten Ferne suchen. Beklemgen und vor allem in den drei litäten. 02657-8). Herausgeberin Alena mend ist, immer wieder erfahren Jahren vor dem Münchener AbIm Folgenden möchte ich In- Wagnerová, befaßte sich dan- zu müssen, daß diese Mitbürger kommen wichtiger Großmächte teressenten an den widersprüch- kenswerterweise intensiv mit der oft nicht als „volle Deutsche“ deüber den Anschluß des Sudeten- lichen Geschehnissen dieser Zeit Gesamtproblematik. spektierlich betrachtet wurden. landes an das unter dem Natio- dazu ermuntern, meine weiteren In historischen Publikationen Wirft man einen Blick auf den nalsozialismus stehende Deut- detaillierten Darlegungen zu die- Weg zur nazistischen Machter- über diesen Teil unserer heimatsche Reich 1938 habe ich mich sem Thema in zwei Buchartikeln greifung Adolf Hitlers und sei- lichen Volkgruppe findet man mehrfach ausführlich beschäf- genauer nachzulesen: ner Gefolgsleute in Deutschland, sogar die schwer zu ertragende tigt. Die Sudetendeutsche Partei In der europäischen Öffent- so erschaudert man vor der Bru- Verzweiflung: „Doppelt betrogen unter Konrad Henlein hatte ihre lichkeit wurde mit großer Dank- talität der dort schlagartig prakti- von den bösen Mächten der PoliPolitik anfangs im Rahmen einer barkeit zur Kenntnis genommen, zierten Methodik der Menschen- tik: von den Nazis als DemokraAutonomiebewegung innerhalb daß die im Sommer 2005 amtie- verfolgung von gut darauf vorbe- ten und Humanisten verfolgt und der Tschechoslowakei begonnen. rende tschechische Regierung reiteten Helfershelfern wie SA, von der Führung der nationalistiSie wurde durch psychologische bei den sudetendeutschen Anti- SS, Gestapo und NSDAP mit ih- schen Tschechen, nach selbst zuMethoden der Nazi-Ideologie in faschisten eine allgemeine Ent- ren Gliederungen. Auf der Ge- recht gemachtem Recht, de facto Deutschland so auf den Anschluß schuldigung für das ihnen zu- genseite sehen wir die verzwei- zwangsausgesiedelt.“ Es versteht an Deutschland eingestimmt, gefügte Unrecht ausgesprochen felt kämpfenden Antifaschisten, sich von selbst, daß in Böhmen daß sie in der Zeit um 1936 schon hat. Als erste praktische Maß- Juden, Sinti, Roma und so wei- verbleibende isolierte Antifaschi-
ropas durch Wahrheit und Wissenschaftlichkeit für unser weiter zu einigendes Europa tradieren. Dieser uns auferlegten historischen Verpflichtung möge meine kurze Darlegung dienen, zumal mir bisher keine weitere Konkretisierung dieses Themas bekannt wurde. Anzutreffende, aber nicht veröffentlichte Chronikentwürfe sind zwar später mit viel Mühe nach Gedächtnis verfaßt worden und deshalb lobenswert, sind aber auch an einigen Stellen historisch inkorrekt, da die Verfasser wegen ihrer Einberufung zum Kriegsdienst weit von dem Ort der Geschehnisse entfernt waren. Die hier festgehaltenen Erlebnisse habe ich in früher Kindheit erfaßt und noch damals teilweise in der Heimat aufgeschrieben. Leider habe ich manche tschechischen Namen aus Vorsicht nicht notiert.
zu einem überraschend hohen Wahlergebnis kommen konnte. Aus dem folgte dann die erwähnte internationale Angliederung an Deutschland. Die hauptsächlichsten Ursachen für diesen Erfolg waren: Erstens die auffallend hohe Arbeitslosigkeit im deutschsprachigen Sudetengebiet sowie die angebotene Beschäftigung in Hitler-Deutschland nach Beitritt in die Henlein-Partei. Zweitens die nicht zufriedenstellende Lösung des Nationalitäten-Problems bei der tschechoslowakischen Staatsgründung 1918/1919. Vertreter der deutschen Bevölkerung hatten, ähnlich dem bundesstaatlichen Modell der Schweiz, an einen
nahme resultierte dann die von tschechischer Seite einberufene zweisprachige tschechisch-deutsche Konferenz im Jahr 2006 in Aussig, die sich in der Diskussion insbesondere auch mit der Enteignung des immobilen Eigentums der deutschen Antifaschisten und mit ihrer zwangsweisen Aussiedlung nach dem restlichen Deutschland befaßte. Auf dieser von Objektivität und Verständigungswillen getragenen und gut besuchten Tagung hielt ich als Augenzeuge der damaligen Geschehnisse einen Vortrag aus meiner persönlichen historischen Sicht auf unsere gemeinsame deutschtschechische Geschichte. Dabei möchte ich die Zulassung von
sten als Deutsche keine normale Lebensgrundlage und Perspektive mehr gehabt hätten. Bei dieser Nachkriegseinschätzung der entstandenen Situation kann ich hier die immensen Kraftanstrengungen der Bundesländer für die Eingliederung aller Deutschen nicht im Einzelnen würdigen. Deshalb mein großer Dank für alle Helfer in dieser nationalen Not. Diesen Abschnitt abschließend, möchte ich sagen, daß sich die dörfliche Bevölkerung Westböhmens überwiegend aus der Arbeiterschaft mit kleinerem Landwirtschaftseigentum zusammensetzte, das im Sommer sehr fleißige Mütter und Frauen mit einem kleinen genossenschaftlich-technischen Gemeinschaftseigentum bearbeiteten, während die Männer als Bauarbeiter, meist auf Arbeitssuche weit von zu Hause entfernt, sparsam über ihr verdientes Geld zur Ernährung der Familie im Winterhalbjahr verfügen mußten. Nach dem Ersten Weltkrieg sogar mit dem Ziel Einfamilienhäuser zu bauen, die in unserem Dorf mit 150 Häusern bald dominierten. Zu dieser letzten Gruppe von Dorfbewohnern zählten unsere Ahnen väterlicherseits und mütterlicherseits. Jetzt Anmerkungen zum Stammbaum väterlicherseits. Mein Urgroßvater Johann stammte aus dem Labanter Pfeiferlhof. Wegen der damals großen Kinderzahl kam er als Erbe für den Hof nicht in Frage und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fabrikarbeiter in Pilsen. Die von ihm gegründete Familie hatte im Dorf den Hausnamen Pfeiferl-Hansen. Die Dorfkinder erfuhren oft erst durch die Schule, wie sie offiziell gemäß der beim Pfarramt geführten Urkunden heißen. Unter sozialem Aspekt ist es ganz natürlich, daß nach dem Ersten Weltkrieg der überwiegende Teil der Bevölkerung unseres Landstrichs der Sozialdemokratie folgte. Auch mein Großvater Georg Schmutzer tat diesen Schritt, wechselte dann später, wie viele Ortsbewohner, wegen parteiinterner Querelen und anderer Ursachen zur Kommunistischen Partei, in der er mit zwei Männern bis 1938 blieb. Viele Menschen kehrten nach Übernahme der Leitung der Sozialdemokratie durch Wenzel Jaksch wieder zu dieser politischen Richtung zurück. Es ist bis heute nur schwer zu begreifen, wie so eine große Gruppe von Demokraten zur Henlein-Partei überlaufen konnte. Warum waren Beneš und andere nationalistische Anhänger nicht bereit, rechtzeitig einen friedlichen neuen Staat mit Menschen auf gleicher Augenhöhe aufzubauen? Fortsetzung folgt