Interview mit Andreas Raab, ehemaliger OSZE-Beobachter, über die Ukraine-Hilfe (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 10 | 2,80 EUR · 75 CZK | München,11. März 2022
VOLKSBOTE
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� Unterstützung unter Telefon (0 89) 54 49 71 99
Sozialministerin Ulrike Scharf startet Ukraine-Hilfetelefon Sie sprechen Ukrainisch, Russisch, Deutsch und Englisch und können als erste Anlaufstelle Flüchtlinge, aber auch Deutsche, die helfen wollen, an die richtigen Gesprächspartner vermitteln.
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Bayerns Familien- und Sozialministerin Ulrike Scharf besuchte am Sonntag die Freie Wohlfahrtspflege und informierte sich bei den Mitarbeitern des Ukraine-Hilfetelefons über die aktuelle Lage. Fotos: Torsten Fricke
ls erstes Bundesland hat Bayern, initiiert von Familien- und Sozialministerin Ulrike Scharf, ein Ukraine-Hilfetelefon eingerichtet. Erreichbar ist das Hilfetelefon unter der Nummer (0 89) 54 49 71 99 (Montag bis Freitag von 8.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 14 .00 Uhr) oder per Email an Ukrainehotline@freie-wohlfahrtspflegebayern.de.
Staatsministerin Ulrike Scharf mit (von links) Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, Nicole Schley, Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, Wilfried Mück, Geschäftsführer Freie Wohlfahrtspflege, und Anton M. aus der Ukraine, der das Hilfetelefonteam leitet.
� Weltweites Entsetzen über den russischen Angriffskrieg
Putins Völkermord an den Ukrainern – Zwei Millionen Menschen auf der Flucht Stoppt den Völkermord. Stoppt die Vertreibung. Putins Angriffskrieg auf die Ukraine sorgt weltweit für Entsetzen. Die aktuellen TV-Bilder lassen gerade bei vielen Sudetendeutschen schlimmste Erinnerungen hochkommen. Auch die Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die an diesem Wochenende in München tagt, wird sich mit den Kriegsverbrechen an der ukrainischen Zivilbevölkerung intensiv beschäftigen.
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as Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen geht davon aus, daß bereits zwei Millionen Menschen in der Ukraine auf der Flucht vor Putins Bomben und Panzern sind. Unter den Flüchtlingen sind vor allem Frauen, Kinder und Senioren, da die Männer im Zuge der Generalmobilmachung gegen die vorrückende russische Armee kämpfen. Die meisten Betroffenen hätten Unterschlupf in den Nachbarstaaten Polen, Ungarn, Rumänien, Moldau und der Slowakei gefunden. Viele Ukrainer seien aber auch weitergereist, unter anderem nach Deutschland. Die Forderung nach FluchtKorridoren sieht der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, „durchaus zweischneidig“. Natürlich sei es gut, wenn möglichst viele Menschen gerettet werden könnten, sagte er im ZDF. Der Weg über eine solche Fluchtroute dürfe aber nicht zur Konsequenz haben, daß alle Menschen, die diese nicht nutzen, ungeschützt bleiben und „zum Angriffsziel werden“. Die Forderung nach FluchtKorridoren, wie es sie in Kriegen in Tschetschenien und Syrien gab, habe deutlich zugenommen, so Reuter – und zwar „genau mit dieser Intention, daß es nicht in erster Linie darum geht, Menschen zu retten“. Vielmehr wer-
de eine solche Fluchtroute zum „militärischen Instrument, um dann noch ungehemmter schießen und bombardieren zu können“. Reuter: „Niemand der Zurückbleibenden darf als vogelfrei gelten.“ Unterdessen hat der Generalbundesanwalt Ermittlungen wegen möglicher russischer Kriegsverbrechen in der Ukraine aufgenommen. Die Behörde habe konkrete Anhaltspunkte für bereits begangene Kriegsverbrechen, sagte Bundesjustizminister Marco Buschmann der Passauer Neuen Presse. Dabei handele es sich um ein sogenanntes Strukturermittlungsverfahren. Bei einem solchen Verfahren geht es zunächst darum, ohne konkrete Beschuldigte möglichst breit Beweise zu sichern. Diese Informationen sollen später dazu dienen, Einzelne strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Um die medizinische Versorgung in der Ukraine vor dem Kollaps zu bewahren, hat die Bundesärztekammer Ärzte dazu aufgerufen, sich für Hilfseinsätze zur Verfügung zu stellen. Die Kammer zeigte sich „tief besorgt“. Die Kämpfe zerstörten die medizinische Gesundheitsversorgung in den betroffenen Gebieten und gefährdeten die Gesundheit und das Leben auch der nicht unmittelbar von den Kriegshandlungen betroffenen Bevölkerung. Während auch Deutschland weiterhin Waffen an die ukrainische Armee liefert, wird ein Einsatz der Nato von allen relevanten
Dieses in den sozialen Medien vielfach geteilte Bild macht die dramatische Situation der Flüchtlinge deutlich. Am Bahnhof der stark umkämpften 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt Charkiw warten Tausende Ukrainer auf einen Platz in einem der Züge.
Politikern kategorisch abgelehnt. „Diese Linie muß klar gehalten werden. Wir kommen sonst in ein unermeßliches Risiko eines Krieges, der wiederum Weiterungen haben kann, die sich kein Mensch vorstellen kann“, warnte der CDU-Politiker Norbert Röttgen vor einer weiteren Eskalation, die zu einem Dritten Weltkrieg führen könnte. Die Ukraine hatte die Nato immer wieder aufgefordert, zumindest eine Flugverbotszone über ihrem Land robust durchzusetzen, um so vor russischen Luftangriffen besser geschützt zu sein. Nachdem Putins Plan, wie bei der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 mit einer kurzen Militärintervention den Rücktritt der Regierung zu erpressen und eine Moskau-hörige Führung einzusetzen, gescheitert war, versucht der Kreml jetzt innenpolitisch Druck auf den ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj aufzubauen. Dafür hat sich der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch zu Wort gemeldet und Selenskyj aufgefordert, im Krieg gegen Rußland aufzugeben. „Sie persönlich sind verpflichtet, das Blutvergießen zu beenden und ein Friedensabkommen um jeden Preis zu erzielen. Das erwarten die Ukraine, der Donbaß und Rußland von Ihnen“, mahnte Janukowitsch in einem von der russischen Nachrichtenagentur RIA verbreiteten Statement, das wohl der Kreml vorformuliert hat-
te. Es gehe nicht darum, „bis zum letzten Ukrainer zu kämpfen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Janukowitsch wurde 2014 als Präsident von pro-westlichen Demonstranten gestürzt und in der Ukraine wegen Landesverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt. Eine weitere Folge von Putins Angriffskrieg sind auch steigende Energiepreise in Europa, die mittlerweile Rekordhöhen erreicht haben. Auch hier drohen weitere Eskalationen, nachdem Moskau Anfang der Woche angedroht hatte, kein Gas mehr zu liefern. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bezweifelte allerdings, daß Rußland seine Drohung wahr macht, die Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 einzustellen. „Ich rechne nicht damit, weil Rußland wissen muß: Wenn sie das tun, dann sind sie ein unzuverlässiger Lieferant“, sagte der Grünen-Politiker gegenüber den TV-Sendern RTL und ntv. Denn dann werde Europa auch nach einer späteren Deeskalation der Lage nicht wieder als Kunde zurückkommen. Auch die Weltbank versucht die Ukraine zu unterstützen und hat die Notfall-Kreditlinien für das Land aufgestockt. Das Paket aus Darlehen und Zuschüssen umfasse einen Zusatzkredit in Höhe von 350 Millionen Dollar zu einem früheren Weltbankdarlehen, das durch Garantien der Niederlande und Schwedens um etwa 139 Millionen Dollar aufgestockt werde, teilt die Bank mit. Hinzu kommen Zuschüsse in Höhe von 134 Millionen Dollar von Großbritannien, Dänemark, Lettland, Litauen und Island sowie weitere 100 Millionen von Japan. Derzeit werde an einem weiteren Hilfspaket in Höhe von drei Milliarden Dollar für die Ukraine und für die Nachbarländer als Hilfen für Geflüchtete gearbeitet. Torsten Fricke
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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ie Kaiserlich-königlichen Staatsbahnen oder kurz k. k. Staatsbahnen entstanden offiziell im Jahr 1884. Der Prager Hauptbahnhof trug bis 1919 den Namen Franz-Josef-Bahnhof, danach Wilson-Bahnhof. Im Jahr 1940 bekam er dann seinen heutigen Namen, wobei er für kurze Zeit, nämlich von 1945 bis 1953, wieder den des 28. US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson (1865-1924) trug. Danach wählte die kommunistische Tschechoslowakei für den größten Bahnhof der Republik die neutrale Bezeichnung „Hlavní nádraží“, die aus der Zeit der NS-Besetzung stammt und so ist es bis heute. Vor einigen Wochen kehrte das von den Österreichischen k. k. Staatsbahnen oft benutzte Symbol, also ein geflügeltes Rad, auf den Turm des neu renovierten Gebäudes des Prager Hauptbahnhofs zurück. Der von 1901 bis 1909 neu gebaute Prager Hauptbahnhof
PRAGER SPITZEN
zeigt sich jetzt zumindest von außen in seiner alten Pracht aus der Donaumonarchie, das Innere befindet sich allerdings in keinem sehr vorzeigbaren Zustand. Ein von 2006 bis 2017 von der italienischen Firma Grandi Stazioni durchgeführter Umbau wird allgemein als nicht sehr gelungen bezeichnet. Die Bahnverkehrsverbindung zwischen Prag und München kann man ebenfalls als nicht sehr gelungen und zeitgemäß bezeichnen, denn sie dauert 5 Stunden 40 Minuten und unterwegs wird die Fahrtrichtung sowohl in Schwandorf wie in Regensburg gewechselt, was oft zu weiteren Fahrtverzögerungen und Verspätungen der sonst schon langen Fahrzeit führt, dabei trennen die beiden Städte nur 361 Kilometer – mit dem Auto. Zumindest erinnert das glänzende, mit Gold überzogene Rad auf dem Gebäude des ersten tschechischen Bahnhofs wieder an die alten hoffnungsvollen Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg.
Höchster Orden für Präsident Selenskyi
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taatspräsident Miloš Zeman hat am Montagabend auf der Prager Burg die staatlichen Auszeichnungen für die Jahre 2020 und 2021 überreicht. Über sechzig Personen wurden geehrt. In seiner Rede kündigte das Staatsoberhaupt an, er werde dem Vorschlag einer Abgeordneten stattgeben und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit dem höchsten Orden der Tschechischen Republik auszeichnen. Selenskyj habe Mut und Tapferkeit bewiesen, indem er sich geweigert habe, sein Land zu verlassen, betonte Zeman. In seiner Rede erinnerte der Präsident daran, daß derzeit ein durch die russische Aggression gegen die Ukraine ausgelöster Krieg nicht weit entfernt tobe. Deshalb sei auf der Prager Burg am Montag die ukrainische Flagge gehißt und die ukrainische Hymne gespielt worden, so Zeman.
Gemeinsame Erklärung zum Völkermord an den Ukrainern
Beauftragte: „Wider eine Zukunft in der Vergangenheit“ Mit der Forderung „Wider eine Zukunft in der Vergangenheit. Europa darf nicht erneut zum Kontinent von Flucht und Vertreibung werden“ haben die Länderbeauftragten für Aussiedler und Vertriebene in einem gemeinsamen Aufruf den sofortigen Stopp des Völkermordes an der Ukraine gefordert. Die Sudetendeutsche Zeitung dokumentiert den Appell im Wortlaut:
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er 24. Februar 2022 ist seit dem Zweiten Weltkrieg einer der dunkelsten Tage in Europa. Mit größter Bestürzung und tiefer Anteilnahme für die Leidtragenden haben wir die kriegerische Eskalation in der Ukraine zur Kenntnis genommen. Millionen unschuldige Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, sehen sich völlig unvermittelt einer tödlichen Bedrohung gegenüber. Infolge dieser Entwicklung sind sie von Flucht und Vertreibung betroffen. Angesichts der erschütternden Bilder von Krieg und Flucht, die uns gegenwärtig aus der Ukraine erreichen, rufen wir ei-
ne der wichtigsten Aufforderungen aus der Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 ins Gedächtnis: „Wir wer- Sylvia Stierstorden jedes Be- fer, Bayern. ginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.“ Als Beauftragte der Länder für Aussiedler und Vertriebene hätten wir nicht für möglich gehalten, daß dies im Europa des 21. Jahrhunderts geschieht. Ein Dreivierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach der Vertreibung der Deutschen aus Ost-, Ostmittelund Südosteuropa erleben wir in Europa eine Rückkehr von Krieg, brutaler Machtpolitik und damit verbunden Angst, Elend und Heimatverlust der von diesem Krieg Betroffenen. Eingedenk der Folgen, die
Margarete Ziegler-Raschdorf, Hessen.
Editha Westmann, Niedersachsen.
Krieg, Leiden, Flucht und Vertreibung für die Menschen mit sich bringen, verurteilen wir entschieden diejenigen, die dafür verantwortlich sind. Wir fordern die Menschen in unserem Land auf, die Menschen, die nun als Geflüchtete und Vertriebene zu uns kommen werden, nach Kräften zu unterstützen und alles dafür zu tun, ihr Leid zu mindern. Sie verdienen – wie auch die Heimatvertriebenen vor gut 75 Jahren – unsere volle Solidarität und Empathie und sind uns von Herzen willkommen. Das gilt in gleicher Weise auch für unsere noch in der Ukraine als autochthone deutsche Minderheit lebenden Landsleute, die
Heiko Hendriks, NordrheinWestfalen.
Dr. Jens Baumann, Sachsen.
– sofern auch sie zur Flucht gezwungen sein sollten – hier als Spätaussiedler Aufnahme finden können. Wir begrüßen es, daß das Bundesministerium des Inneren und für Heimat für deren Aufnahme in Deutschland eine Ausnahmeregelung im Härtefallverfahren vorsieht, um diese zu erleichtern. Gleichzeitig ersuchen wir die politisch Verantwortlichen in Europa und weltweit, dafür Sorge zu tragen, daß sich Geschichte nicht wiederholt. Die Zeit darf nicht zurückgedreht werden. Vertreibung bedeutet immer Unrecht. Wir sind in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine, die augenblicklich Schreckliches erleben müssen.
Sonderausgabe der Podcastreihe von Sylvia Stierstorfer
Nach Sibirien verschleppt Unter dem Titel „Lebenswege“ spricht Sylvia Stierstorfer regelmäßig mit Zeitzeugen, um das Schicksal der Vertriebenen für die jüngeren Generationen begreifbar zu machen. In der aktuellen Sonderausgabe zum Weltfrauentag schildert Nadja Atzberger, die Landesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Ruthenien, wie die aktuelle Lage in ihrer Geburtsstadt Koltschyno im Westen der Ukraine derzeit ist.
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Nadja Atzberger mit ihrer Großmutter.
ür ihre Großmutter seien die aktuellen Bilder aus der Ukraine nicht auszuhalten, sie selbst sei wie gelähmt gewesen, sagt Nadja Atzberger. Die Tochter eines vertriebenen Deutschen und einer Ukrainerin lebt seit 1991 in Bayern. „Die Familie meiner Oma mußte 1944 vor der näher rückenden Roten Armee flüchten, weil sie Deutsche
waren. 1945 sind sie dann in ihre Heimat zurückgekehrt, doch ihr Haus war schon besetzt. Nach einem halben Jahr kamen plötzlich russische Soldaten und gaben der Familie meiner Oma eine halbe Stunde Zeit, die Sachen zu packen. Dann wurden sie nach Sibirien verschleppt.“ Putins Angriffskrieg auf die Ukraine reiße diese Wunden wieder auf. „Meine Oma sagt, sie könne die Bilder vom Krieg und von flüchtenden Frauen, die ihre Kinder beschützen wollen, nicht ertragen. Sie habe immer gehofft, daß sie nach dem eigenen Erlebnis solche Bilder nie wieder sehen muß. Sie betet jetzt jeden Tag, daß dieser schrechliche Krieg möglisch schnell vorbeigeht. “ Der Podcast ist über die Seite www.aussiedler-undvertriebenenbeauftragte.bayern. de abrufbar.
Bereits 100 000 Kriegsflüchtlinge
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ber 100 000 Menschen sind bereits aus der Ukraine vor dem russischen Angriffskrieg in die Tschechische Republik geflüchtet. Mit diesem Ansturm sei man aber gut zurechtgekommen, hat Premierminister Petr Fiala (ODS) erklärt. Der Regierungschef erwartet, daß der Flüchtlingsstrom noch weiter zunimmt. Am Dienstag war Fiala in London, um gemeinsam mit den Regierungschefs der anderen Visegrád-Staaten mit dem britischen Premierminister Boris Johnson über die Verteilung der Flüchtlinge, die steigenden Energieund Treibstoffkosten sowie die europäische Sicherheitspolitik zu sprechen. Obwohl Ungarn Waffenlieferungen in die Ukraine ablehnt, hätte man in der Visegrád-Gruppe eine gemeinsame Position zum Krieg in der Ukraine, so Fiala.
Weniger Arbeitslose im Februar
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ie Arbeitslosenzahlen sind im Februar in der Tschechischen Republik leicht zurückgegangen. Die Arbeitslosenrate lag bei 3,5 Prozent und damit einen Zehntelprozentpunkt niedriger als im Januar. Dies geht aus den Daten des zentralen Arbeitsamtes hervor. Unter den Bezirken wies Karwin im schlesischen Teil Tschechiens mit 8,6 Prozent
die höchste Arbeitslosenrate auf, gefolgt von Freudenthal in Nordmähren mit 6,7 Prozent. Die geringste Rate hatte mit 1,2 Prozent hingegen der Bezirk Prag-Ost.
Korrespondentin aus Moskau abgezogen
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er Tschechische Rundfunk hat seine ständige Korrespondentin in Moskau abgezogen. Grund sei, so der Sender, das neue russische Gesetz über Desinformationen, das vergangene Woche verabschiedet wurde. Der Korrespondent des Tschechischen Fernsehens würde dagegen vorerst in Moskau bleiben. Nach dem neuen Gesetz drohen Journalisten, die sich zum Krieg in der Ukraine äußern, bis zu 15 Jahre Haft. In den letzten Tagen hatten sich mehrere internationale Medien aus Rußland zurückgezogen, so etwa die Sender BBC und CNN, die Nachrichtenagentur Bloomberg und die ARD und das ZDF.
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Spendenrekord für die Ukraine
er Angriff auf die Ukraine hat in Tschechien eine beispiellose Welle der Solidarität ausgelöst. Bislang haben die Hilfsorganisationen über 1,5 Milliarden Kronen (58 Millionen Euro) allein an Spendengeldern gesammelt. Laut Angaben der Agentur ČTK ist dies der höchste Betrag, der bislang zur Unterstützung von Menschen in Not gesammelt wurde. Der bisherige Rekord lag bei 1,3 Milliarden Kronen (50 Millionen Euro) für die Opfer des Tornados in Südmähren im vergangenen Jahr.
Justiz ermittelt gegen Dominik Feri
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ie tschechische Justiz hat die Ermittlungen gegen den früheren Abgeordneten Dominik Feri auf den Vorwurf der Vergewaltigung ausgeweitet. Der ehemalige Politiker der Partei Top 09 war im Frühling vergangenen Jahres von mehreren Frauen beschuldigt worden, sie belästigt und sexuell bedrängt zu haben. Feri hatte daraufhin im Mai 2021 sein Abgeordnetenmandat niedergelegt und seinen Parteiaustritt erklärt. Zugleich hatte er beteuert, keine sexuelle Gewalt angewandt zu haben. Feri war insbesondere bei jungen Wählern einer der beliebtesten Politiker des Landes und galt als Hoffnungsträger für seine Partei.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
� Der ehemalige OSZE-Beobachter Andreas Raab organisiert für die Paneuropa-Union Hilfslieferungen in die Ukraine
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dern, im Baltikum, in Polen, in der Ukraine und anderswo eine freiheitliche und prosperierende europäische Gesellschaft erfolgreich aufgebaut haben. Putin ist dagegen auf einem absteigenden Ast. Er hat keine Schlüsselindustrie, und Rußland ist mittlerweile fast auf das Niveau eines Entwicklungslandes abgesungentümer“ sind am Freiheitswil- ken. Das heutige Rußland ist ein len und der Entschlossenheit der Cocktail aus Unterdrückung, Kroaten und Bosnier gescheitert, Brain drain bei der Jugend, nedie auch noch durch ein Waffe- gativster Geburtenrate Europas nembargo in der Selbstverteidi- und wirtschaftlicher und technogung gehindert waren. Übersetzt logischer Stagnation. Sprich: Das auf heute, auf die Ukraine: Die Erfolgsmodell Europa ist Putins Ukrainer stehen noch entschie- größte Bedrohung. Der erfolgreidener zusammen und haben sich che Euromaidan in der Ukraine err Raab, Sie hatten in der verbesser auf diesen Krieg vorberei- wie auch die mit russischer Hilfe gangenen Woche dazu aufgeten können. Sie haben eine er- niedergeknüppelte, besonders rufen, als Zeichen der Solidarität fahrene Armee, die seit 2014 oh- von den Frauen getragene Demit der Ukraine eine Menschenne große Beachtung bei uns be- mokratiebewegung in Weißrußkette von Ulm nach Neu-Ulm über reits in einem unerklärten Krieg land stellten für Putin eine viel die Donaubrücke zu bilden. Wain Donezk bestehen mußte, und größere Gefahr dar, als alle Narum haben Sie gerade diesen Ort sie bekommen nun auch massive to-Soldaten in Osteuropa zusamausgewählt? Militärhilfe vom Westen. Putin men. Andreas Raab: Die Dohat keine Chance, dieses große Trotzdem oder gerade deshalb: nau mündet in der Ukraine ins Land mit 40 Millionen Menschen Putin wird den Völkermord in der Schwarze Meer. Ulm und Neuzu besetzten. Dazu ist seine Ar- Ukraine erst dann beenden, wenn Ulm haben aber nicht nur als Domee zu klein. Er kann nur terro- er sein militärisches Ziel, die Benaustädte eine starke emotionale risieren und zerstören. setzung der gesamten Ukraine, Bindung an die Ukraine, hier lePutin hatte vor dem Einmarsch erreicht hat. Was passiert dann? ben auch seit vielen Jahrzehnten erklärt, er wolle nur verhindern, Raab: Für Putin ist die Ukraiviele Ukrainer. Außerdem exidaß die Nato sich noch weiter ne nicht der Schluß, sondern stiert in Neu-Ulm eine Ukraininach Osten ausdehnt. In Deutsch- der Anfang. Putin versucht besche Kirchengemeinde. 1991, als reits, Unruhen der Krieg in Kroatien und Bosniauf dem Balen tobte, haben wir schon einmal kan zu stiften, auf der Donaubrücke für Frieden um einen Vordemonstriert. Ich hätte mir nie wand für ein vorstellen können, daß das drei Einschreiten zu Jahrzehnte später wieder nothaben. Er nutzt wendig ist. damit das ZöDemonstrationen sind wichtig, gern der EU für werden aber Putin nicht daran seine imperiahindern, den Völkermord in der listischen ZieUkraine fortzusetzen. Wie verle aus. Mazesuchen Sie den Menschen in der donien und AlUkraine konkret zu helfen? banien hätten Raab: Für die Paneuropa-Unilängst in der EU on koordiniere ich Hilfsaktionen. sein können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Und in Bosnien Vernetzung existierender ukraiund Herzegonischer Nicht-Regierungsorganiwina sieht man, sationen und Kirchengemeinden was passiert, in Deutschland mit unserer Verwenn man eiwaltung, Politik und Wirtschaft. nem Aggressor Da wir so gewachsene und läneinen Teil seiderübergreifende Strukturen haner Kriegsbeuben, kommt diese Hilfe schnell te beläßt. Die � Zur Person: Andreas Raab vor Ort an, also in Kiew und in Russen unter� Geboren 1962 in Ulm, Sohn sudetendeutder Ostukraine. Das ist eine gute stützen hier den scher Eltern. Ergänzung zu den großen deutserbischen Na Studium der Geschichte und Politischen schen Hilfsorganisationen. tionalistenfühWissenschaft (M.A.). Mit dieser Strategie waren Sie rer Milorad Do Von 1992 bis 1996: Teilnahme an humanidamals auch beim Balkan-Krieg dik, der einen tären Missionen in Kroatien und Bosnienerfolgreich. eigenen Staat Herzegowina. Raab: Das ist richtig. Die Zuerrichten will. In Von 1997 bis 2006: Einsatz für die OSZE auf sammenarbeit mit den mutterBanja Luka sind dem Balkan. sprachlichen Kirchengemeinden die Russen be Von 2007 bis 2012: Berater des mazedonihat die Paneuropa-Union bereits reits mit einem schen Außenministers und des mazedoniin den 1990er Jahren erfolgreich eigenen Romaschen Präsidenten für Europa. während des Krieges in Kroatinow-Zentrum Seit 2014: Vizepräsident der Paneuropaen gepflegt. Auch damals habe aktiv, um poliUnion Deutschland. ich diese Hilfe koordiniert, und tisch Stimmung Seit 2016: Landesvorsitzender der PEU Bazwar in enger Absprache mit Biszu machen. Wir den-Württemberg. tümern, Kirchengemeinden und von der PaneurZeichen der Solidarität: Das Ulmer Münster in den ukrainischen Nationalfarben. Fotos: Paneuropa-Union/Zwinge. Klöstern im Kriegsgebiet. opa-Union bauWelche Hilfsgüter brauchen en dort geraMutter aus dem Kreis Karlsbad. Bosnien-Herzegowina im Einsatz am ersten Kriegstag zusammen- land haben das auch viele selbst- de mit dem katholischen Bischof Sie am dringendsten? Raab: Ganz aktuell suchen Die Vertreibung aus ihrer Heimat danach ab 1997 bis 2006 für die gebrochen ist. Haben die Ukrai- ernannte „Putin-Versteher“ ver- Monsignore Franjo Komarica eiwir Generatoren und Notstrom- war besonders für meine Mutter OSZE auf dem Balkan tätig. Was ner überhaupt eine Chance? Oder breitet. Wenn das stimmt, wäre es ne Zentrum für Frieden und Zuführt die Gegenwehr nicht zu dann nicht besser gewesen, daß sammarbeit auf. Größte Sorge aggregate, da die russische Ar- zeitlebens ein Trauma. Mich hat haben Sie dort erlebt? Raab: Das Elend, die Flücht- noch Opfern? mee mit ihren Bombenangrif- diese Erfahrung geprägt. Und die Nato per Völkerrechtsvertrag mache ich mir auch um MoldawiRaab: Die selben Militärex- erklärt, daß die Ukraine nicht en, das an die Ukraine angrenzt. fen gezielt die Infrastruktur zer- ich glaube, daß gerade bei Men- linge, die Verletzten und Toten, schen mit su- die zerbombten Häuser, die zerstört. Es gibt in Der Westen hat auf den Eindetendeutstörte Infrastruktur – wenn ich Deutschland marsch der Russen mit zahlreischen Wurzeln die schrecklichen Bilder aus der viele Landchen Sanktionen reagiert. So wurdie schreck- Ukraine im Fernsehen sehe, erwirte, die leide mehreren russischen Banken � eMail für Spenden von lichen Bilder innert mich das an den Krieg stungsstarke der Zugang zum ÜberweisungsGeneratoren und Notaus der Ukrai- auf dem Balkan. Ich hatte beNotstromagsystem Swift gesperrt. Wie wirstromaggregate: ne diese fami- reits während des Kriegs von gregate bekungsvoll sind die Sanktionen? araab21@yahoo.de. liären Wunden Ulm aus Hilfslieferungen orsitzen, die Raab: Ich bin kein Wirtschafts Spendenkonto: Ukraiwieder aufrei- ganisiert und war auch im besie aber noch experte, aber ich höre, daß diese nisch Katholische Kirche ßen. Das Leid lagerten Sarajewo. Später, als nie benutzen Sanktionen Wirkung zeigen. ImNeu-Ulm, Stichwort Ukraider ukraini- OSZE-Beobachter, mußte ich mußten. So hamer mehr tote Solddaten, ein Runehilfe-SdZtg, IBAN: DE71 schen Zivil- mitansehen, wie serbische Kräfte ben uns Landbel, der dramatisch an Wert ver7305 0000 0430 0958 77 bevölkerung, auf der anderen Seite der Grenze wirte aus Ulm liert, eine galoppierende InflatiHinweise: Wenn Sie eine die Angst vor im Kosovo albanische Dörfer nieschon Geräon, dies alles führt dazu, daß der Spendenbescheinigung beBomben und derbrannten. Noch 2001 kam es te gespendet. innenpolitische Druck auf Putin nötigen, wenden Sie sich Panzern kön- zu bewaffneten Unruhen in MaDiese sind bewächst. vorab per eMail (oben) an nen wir nach- zedonien. Dabei wurde ein Team reits in Kiew Putin steht mit dem Rücken an Andreas Raab. fühlen. Genau der europäischen Beobachter ge- Protest gegen Putins Angriffskrieg: Demonstranten zeigen in Ulm die Flag- der Wand. Aus seiner Sicht hat er oder auf dem so wie nun bei tötet. Das ist uns sehr nahe ge- gen der Ukraine, Deutschlands und der Paneurpopa-Union. Weg dorthin. doch keine andere Wahl, als weimeinen tsche- gangen, insbesondere als wir neAber wir brauter zu bomben und zu morden. chen viel mehr und freuen uns chischen Freunden die bisher ben den Särgen standen, bevor perten hatten auch erklärt, daß Mitglied unseres VerteidigungsRaab: Für ihn stimmt das, schlummernden Erlebnisse der die beiden Toten in ihre Heimat- die slowenische und kroatische bündnisses wird? auf weitere Spenden. aber nicht für Rußland. Vielleicht Nationalgarde und die bosniDie fürchterlichen Bilder aus russischen Invasion von 1968 an länder geflogen wurden. Raab: Das ist Quatsch. Pu- sorgt in seinem Umfeld doch jeDie russische Armee ist den schen Verbände keine Chance tin ging es nie um die Nato. Die mand dafür, daß Putin gestoppt der Ukraine lassen nieman- die Oberfläche der Erinnerung ukrainischen Verbänden um ein gegen die hochgerüstete jugo- Nato ist ein defensives Verteidi- wird. So wie man sich damals in den kalt, aber Sie haben auch ei- zurückkehren. Sie haben sich auch beruflich Zigfaches überlegen. Viele west- slawische Volksarmee, damals gungsbündnis und als solches Rumänien des bis dahin uneinne persönliche Motivation, den dem Frieden verschrieben. So wa- liche Militärexperten waren des- eine der stärksten Armeen Eu- keine Bedrohung für Putin. Wo- geschränkten Diktators Nicolae Kriegsopfern helfen zu wollen. Raab: Mein Vater stammt aus ren Sie von 1992 bis 1996 für eine halb überrascht, daß der ukrai- ropas, hätten. Die Volksarmee vor Putin Angst hat, ist, daß die Ceaușescu entledigt hat. Südmähren, meine verstorbene Hilfsorganisation in Kroatien und nische Widerstand nicht bereits und ihre späteren serbischen „Ei- Menschen in den Nachbarlän Torsten Fricke Welches Trauma Krieg und Vertreibung verursachen, hat Andreas Raab an seinen Eltern gesehen, die ihre sudetendeutsche Heimat verlassen mußten und die dieses Schicksal nie überwunden haben. Der Historiker hat sich wohl auch deshalb dem Frieden und der europäischen Idee verschrieben. Während des Kriegs auf dem Balkan organisierte er Hilfstransporte und war später als Beobachter für die OSZE im Einsatz. Jetzt kümmert er sich als Vizepräsident der Paneuropa-Union Deutschland wieder um Hilfstransporte – dieses Mal für die Ukraine.
„Das Erfolgsmodell Europa ist Putins größte Bedrohung“
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TERMINE . FORUM
Paneuropa-Union
Europatag in Andechs
Zum 57. Mal lädt die Paneuropa-Union Deutschland zum Andechser Europatag ein.
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nter dem Motto „Europa – ein Zuhause?“ treffen sich auf Einladung von Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, überzeugte Europäer von Samstag, 19. bis Sonntag, 20. März im Andechser Klostergasthof. Den Schlußpunkt bildet am Sonntag das Diskussionsforum Dr. Dirk H. Voß, Vizepräsident der Paneuropa-Union, MdB Knut Abraham, Elisabeth Dittrich, Präsidentin von Europtimus, Altöttings Altbürgermeister Herbert Hofauer, die Brünner Stadträtin Miriam Kolařov, Rosina Reim von der Wischauer Sprachinsel, Theologe Prof. Stefan Samerski und Alfred Theisen, Chefredakteur der Görlitzer Zeitschrift Schlesien heute. Anmeldung unter: www.paneuropa.org
Stipendium für einen einmonatigen Residenzaufenthalt
In Hof und der Euregio Egrensis
Auf Adalbert Stifters Spuren nach Oberplan Der Adalbert Stifter Verein schreibt in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek, Sektion Tschechisches Literaturzentrum, und der Zweigstelle des Regionalmuseums Krumau, dem Adalbert-Stifter-Geburtshaus, einen Residenzaufenthalt für tschechische und bayerische Autoren in Oberplan aus.
72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.
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ier, am Geburtsort Adalbert Stifters, wo deutsche wie tschechische Kultur einander jahrhundertelang durchwirkt haben, soll die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien weiterentwickelt werden. Der Stipendiat wird neben dem Projekt, für das er ausgewählt wurde, auch einen kurzen Text (Essay, Reflexion, Gedicht) verfassen, der durch den Ort des Residenzaufenthalts in-
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
Oberplan am Moldaustausee ist der Geburtsort von Adalbert Stifter. spiriert worden ist, und der vom Tschechischen Literaturzentrum und dem Adalbert Stifter Verein veröffentlicht werden darf. Die Unterbringung erfolgt vom 15. September bis 15. Oktober in einem eigenen Apparte-
ment. Außerdem erhält der Teilnehmer ein Stipendium in Höhe von 1000 Euro und ein Verpflegungsgeld in Höhe von 250 Euro. Die Bewerbungsfrist endet am 1. April. Weitere Informationen unter www.stifterverein.de
as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Pro-
gramm stehen. Ein Höhepunkt des Sudetendeutschen Tags ist die Verleihung des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Preisträger ist in diesem Jahr der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj. Damit wollen die Sudetendeutschen, so der Sprecher und damit oberste politische Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe Bernd Posselt, „gegen Putins Angriff auf Herz und Seele Europas protestieren und Solidarität mit dem tapferen ukrainischen Volk bekunden. Selenskyj ist durch seine Tapferkeit und sein Augenmaß einer der bedeutendsten Europäer der Gegenwart.“
VERANSTALTUNGSKALENDER Samstag, 12. März, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Passau: „Feierstunde zum Gedenken an den 4. März 1919“. Gastredner: Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums. Gasthaus Aschenberger, Grubweg, Donaustraße 23, Passau. Samstag, 12. März, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Wanderung durch Böhmen“. Vortrag von Gerhard Tschapka (Schwabach). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Samstag, 26. März, 10.00 bis 16.00 Uhr, SL-Landesgruppe Baden-Württemberg, SL-Kreisgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer Sprachinsel, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Egerländer Gmoi und Kuhländchen: 13. Ostdeutscher Oster-
markt. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Samstag, 9. April, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe BadenWürttemberg: Landesversammlung. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Freitag, 22., 17.00 Uhr bis Sonntag, 24. April, 13.00 Uhr, Seliger Gemeinde: Frühjahrsseminar. Evangelisches Bildungswerk, Markgrafenstraße 34, Bad Alexandersbad. Samstag, 23. April, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Er-
Konzert „Die Ostsee – mehr als nur ein Meer“
„Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ Donnerstag, 17. März, 19.00 Uhr: Konzert „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, Moderation Brigitte Steinert. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, sang unter anderem Heinz Rühmann 1939 im Film „Paradies der Junggesellen“. Das Lied wurde zum Gassenhauer und der Titel zum geflügelten Wort. Auch in der Nachkriegszeit und bis heute ist der Schlager, komponiert vom schlesischen Erfolgskomponisten Michael Jary immer noch beliebt. Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe „Die Ostsee – mehr als nur ein Meer“ lädt das Haus des Deutschen Ostens zu einem Konzert, das für maritime Stimmung sorgen soll. Neben Schlagern stehen Shanties,
die Arbeiterlieder der Matrosen, und andere Seemannslieder auf dem Programm. Durch den Abend führt Brigitte Steinert. Die Moderatorin hat Bibliothekswesen an der heutigen Bibliotheksakademie in München sowie Gesang und Operndarstellung am RichardStrauss-Konservatorium studiert und berufsbegleitend eine Zusatzqualifikation zur Kulturmanagerin erworben. Am HDO war sie seit 1991 als Leiterin der Bibliothek tätig. Von 2009 bis 2018 übernahm sie dazu das Sachgebiet Öffentlichkeits-, Medien- und Pressearbeit und war stellvertretende Direktorin des Hauses. Zuletzt erschien von ihr: „Bibliotheken in München. Schatzhäuser des Wissens – Orte der Begegnung“ (2020).
langen: „Aus Jaroslav Hašek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“. Lesung von Dr. Hildegunt Kirschner (Erlangen). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 24. April, 11.00 bis 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf, Fest der Nationen. Gemeindehaus Salvator Giebel, Giebelstraße 15, Stuttgart. Samstag, 30. April, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag mit Bezirksvorsteherin Ulrike Zich, Haus der Begegnung Giebelstraße 14, Stuttgart. Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (weitere Informationen siehe Kasten rechts oben). Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof
Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei Christoph Lippert unter Telefon (0 91 32) 97 00 oder per eMail an erlangen@ackermanngemeinde.de Samstag, 18. Juni, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Podiumsdiskussion mit Marion Gentges, baden-württembergische Ministerin der Justiz und für Migration, Serkan Eren von der Hilfsorganisation STELP, Stadträtin Iris Ripsam, MdB a.D. und BdV-LV. Moderation: Florian Hummel, Landesvorsitzender der Jungen Union BadenWürttemberg. Großer Kursaal, Königsplatz 1, Stuttgart-Bad Cannstatt. Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, SL Österreich: Sudetendeutsche Ferienwoche in Seeboden am Millstätter See. Anmeldung: Tourismusbüro Seeboden, Telefon (00 43 47 62) 8 12 55 12, eMail lisa.noisternig@ ktn.gde.at Samstag, 2. Juli, 10.00 bis 17.00 Uhr, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege in Kooperation mit der Sudetendeutschen Heimatpflege: Liederlust im Vierklangrausch. Vier Singleiter unterstützen jeweils eine Singstimme, so daß man sich in kürzester Zeit in der Mehrstimmigkeit befindet. Gesungen werden Lieder aus vielen verschiedenen Gegenden Bayerns und dem Sudetenland. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Teilnahmegebühr 25 Euro. Anmeldung bis spätestens 30. Juni über die Webseite www. heimat-bayern.de Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert eine Reise mit zwei Bussen (Nordund Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Samstag, 23. Juli, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Na Uteku – Auf der Flucht“. Der Film dokumentiert das Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Weinstein aus Troppau. Anschließend Filmgespräch mit dem Troppauer Dieter Aust. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen.
Lebendige Erinnerungskultur Freitag, 18. bis Sonntag, 20. März: Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“ in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Die Generation der Enkel und Urenkel will zunehmend mehr über das Schicksal ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sowie über die Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen erfahren. Wer seinen böhmischen, mährischen und/oder schlesischen Wurzeln nachspüren, in sudetendeutscher Gemeinschaft neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen möchte, ist bei diesem Seminar auf jeden Fall richtig. Neben kompakter Vermittlung von grundlegendem Wissen bietet dieses Seminarwochenende wertvolle Informationen über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse zum heutigen Umgang mit der Geschichte.
Freitag, 18. März 2022 19.45 Uhr: Begrüßung, Vorstellungsrunde, Einführung in das Seminarthema, Abfrage der Erwartungen, Steffen Hörtler und Hildegard Schuster, Seminarleitung. 20.15 Uhr: „Sudetendeutsche Netzwerke“ – Exklusiver Einblick in das neue Projekt der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Mathias Heider, Projektkoordinator, München. Samstag, 19. März 2022 9.00 Uhr: „Digitale Familienforschung“, Werner Honal, Studiendirektor i.R., Schulberater und Philologe, Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher. 11.30 Uhr: „Neue deutsch-tschechische Vorhaben im Bereich der Erinnerungskultur“, Soňa Dederová, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds. 13.15 Uhr: „,Das Grüne Band‘ mit Schwerpunkt Erinnerungskultur“, David Vereš, Projektkoordinator Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. 14.45 Uhr: „Preßnitz lebt – Přísečnice žije. Buch und Projektvorstellung“, Veronika Kupková, Kulturförderpreisträgerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft. 16.30 Uhr: „Die Geschichte Tschechiens und der Slowakei erforschen: Die Tätigkeit des Collegium Carolinum (CC)“, Ulrike Lunow, Geschäftsführerin des CC, München. 19.00 Uhr: Vorstellung des Films über Braunauer Schicksale „Die verlorene Heimat“, Produzent Ondřej Valchař. Sonntag, 20. März 2022 9.00 Uhr: Seminarauswertung und Ergebnissicherung. 10.00 Uhr: Virtueller Sonntagsstammtisch über sudetendeutsche Themen. Gastgeber: Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor des Heiligenhofs. 12.00 Uhr: Seminarende Das Seminar ist durch die Sudetendeutsche Stiftung gefördert. Die Teilnehmergebühr beträgt 70 Euro einschließlich Übernachtung und Verpflegung. Sie ist unabhängig von den in Anspruch genommenen Leistungen zu entrichten und kann nicht anteilig rückerstattet werden. Hinzu kommen die Kurtaxe von 3,60 Euro und gegebenenfalls ein Einzelzimmerzuschlag von 20 Euro, jeweils für den gesamten Seminarzeitraum. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder unter Telefon (09 71) 7 14 70. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
5 � Mut tut gut
Liebe hat das letzte Wort
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Schmuckstücke im Museum Terra Technica: Ausgestellt sind Musikboxen aus den USA, die in den frühen 1940er Jahren produziert wurden. Rechts eine Mills-Box.
Fotos: Markus Bauer
� Das einzigartige Museum in Zaim präsentiert Flipper sowie Juke- und Musikboxen aus der guten alten Zeit
Terra Technica: Eine Zeitreise durch 140 Jahre Unterhaltungstechnik Wer kann sich noch an Juke- und Musikboxen erinnern? Oder an Flipper, die früher in Gasthäusern standen? Heute lädt man Lieder aufs Smartphone oder hört Musik über einen der unzähligen Internetsender, die genau auf den jeweiligen Geschmack abgestimmt sind. Heute kann man via Handy auch allein oder mit anderen Schach, Solitär, Schafkopf oder eben Flipper spielen. Den in früheren Jahrzehnten weit verbreiteten und attraktiven Musik- und Spielgeräten widmet sich am südlichen Zipfel Tschechiens, unweit von Znaim, die Terra Technica – Jukebox & Pinball Time Travel Museum.
S
eit inzwischen mehr als vier Jahren können auf einer Fläche von 8500 Quadratmetern weit über 700 Musikboxen und mehr als 250 Flipper besichtigt und zum Teil sogar gespielt werden. Auch die neuesten Varianten – Jukeboxen mit Online- oder Digitalanschluß und Videospielen – fehlen nicht. Darüber hinaus stellen Exponate den jeweiligen Zeitbezug her, wie etwa alte Autos, Stan Laurel und Oliver Hardy oder das Batmobil aus den Batman-Filmen. Gründer des Museums ist der Österreicher Ronald Seunig, der bereits zuvor hier an der österreichisch-tschechischen Grenze die Einkaufs- und Vergnügungsstadt „Excalibur City“ geschaffen hat. Als Sammler und Restaurator von Musikboxen – er besitzt etwa 930 Exemplare – hatte er irgendwann ein Platzproblem. Ähnlich ging es dem Flipper-Sammler Günter Freinberger aus Ruprechtshofen bei Melk mit seinen weit über 500 Geräten. So taten sich die zwei Enthusiasten zusammen und schufen das Museum Terra Technica. Anfang 2016 war Baubeginn, im Oktober 2017 bereits die Eröffnung. Seither erfreut sich das Museum eines großen Zuspruchs, so daß inzwischen für Besucher und Gäste auch noch ein im Konzept an das Museum angelehntes eigenes Jukebox-Hotel entstand – natürlich auch mit einer auf Freispiele eingestellten Musikbox im Speiseraum. „Wir wollten unsere Sammlungen der Öffentlichkeit nicht länger vorenthalten. Es ist weltweit die bedeutendste und größte Sammlung“, begründen Seunig und Freinberger im Video auf der Museumshomepage ihre Motivation. Sie bieten sozusagen eine Zeitreise von 1880 bis heute. Denn bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts reichen die Vorläufer der späteren klassischen Musikboxen zurück: Musikautomaten, Polyphone, Orchestrions oder Phonographen mit Papierrollen, Blechstift-Platten, Stiftwalzen und Edison-Zylindern als Tonträger. Die von Emile Berliner erfundene Schallplatte kam erst später, und damit auch das eine oder andere Gerät, das
Ein Blickfang, der an die gute alte Zeit erinnert: Das Terra Technica – Jukebox & Pinball Time Travel Museum befindet sich nahe Znaim.
Eine der ersten Jukeboxen von Wurlitzer, dem späteren Synonym für Musikboxen.
Fernsehserien und Kinofilme waren oft Vorbild für die Gestaltung von Flippern.
diesen Tonträger mittels Einwurf einer Münze in Gang setzte – die Musik- beziehungsweise Jukebox. Viele technische Ansätze und Varianten sind anhand der vielen Exponate nachzuverfolgen, hervorgehoben werden die besonderen Errungenschaften, die schließlich die weiteren Entwicklungen bestimmten. So etwa die anfängliche Nadel-Problematik beim Abspielen von Schellackplatten sowie mechanische Lösungen, um mehr Platten in Betrieb nehmen zu können. Im Rückblick erstaunlich ist zum Beispiel die Tatsache, daß die US-Firma
Wurlitzer (mit deutschen Wurzeln), die später fast als Synonym für Musikboxen stand, nicht schon von Anfang an auftaucht, sondern zunächst andere Unternehmen aktiv waren. Zahlreiche Ausstellungsstücke aus eben dieser Gründerzeit finden sich im Museum. Erst 1934 brachte Wurlitzer mit der „P 10“ die erste eigene Jukebox auf den Markt und trat damit den Siegeszug an, gemeinsam mit den amerikanischen Mitbewerbern AMI, Rock-Ola und Seeburg. Deutlich wird aber auch, daß es in den USA noch viele andere Hersteller gab. Das galt ab den späten 1950er Jah-
ren, als die Boxen nach Europa kamen, auch für die Länder auf dem alten Kontinent. Beeindruckend die unzähligen Musikboxen, die in Italien, Frankreich, Großbritannien, den Benelux-Staaten, Dänemark, Schweden und natürlich in Deutschland (West und Ost) oder auch in Polen produziert wurden – und in Japan. In Karussells (vor allem die US-Geräte) beziehungsweise zum Teil auf mehreren Stockwerken sind die Boxen zu besichtigen. Auch bei den Flippern sind die Vorgänger, die Bagatellespiele und Nadelspielautomaten, in vielen Variationen zu sehen – und natürlich die ab den 1950er bzw. 1960er Jahren weit verbreiteten Geräte zu Themen vor allem aus der Film- und Musikwelt. Abgelöst wurden die Flipper ab den 1980er Jahren durch die Video- und schließlich Computer-Spiele, die heute meist auf dem Smartphone oder Notebook laufen. In sechs Sektoren (ab 1880, ab 1920, ab 1937, ab 1949, ab 1967, ab 1989) sind die Boxen und Flipper eingeteilt, dazu werden viele weitere Exponate, wie Möbel oder Motorräder, aus diesen Epochen geboten. Darüber hinaus gibt es immer wieder auch kurze Videoclips zu besonderen Stücken oder technischen Eigenheiten. Kurzum: sehenswert! Man sollte aber viel Zeit mitbringen. Die Erläuterungen sind in deutscher, tschechischer und englischer Sprache. Weitere Infos unter www.terratechnica.info Markus Bauer
ie Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser sind eine Ordensgemeinschaft, die 1957 in Gars am Inn im Landkreis Mühldorf gegründet wurde. Sie sind aus der Ordensgemeinschaft der Redemptoristen gewissermaßen hervorgewachsen, weil man in der Mitte des letzten Jahrhunderts mehr und mehr spürte, daß es auch Ordensschwestern braucht, die in missionarischer Gesinnung die Botschaft von der „Fülle der Erlösung“ verkünden und als Seelsorgerinnen den Menschen nahe sind. Die Ordensgemeinschaft hat heute ihren Hauptsitz nahe dem Gründungsort, nämlich in Unterreit-Stadl. Über die Jahrzehnte gründeten die Schwestern Niederlassungen in Deutschland und Österreich, an der Seite der Redemptoristen auch in Japan, Bolivien und Chile. Anfang dieses Jahrhunderts erhielten sie eine Anfrage aus der Ukraine. Die Redemptoristen in Lemberg und Umgebung hatten Kontakt mit jungen Frauen, die mit ihnen als Seelsorgerinnen und sozial tätig sein wollten. In der griechisch-katholischen Kirche war es bis dahin kaum möglich, als Ordensschwester in der Seelsorge zu sein. Also ließen sich die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser auf das Experiment ein. Sie gründeten ein Noviziat in Lemberg. Die Noviziatsleiterin war eine gebürtige Österreicherin. Zwei andere deutschsprachige Schwestern waren an der Neugründung beteiligt. Daß es sich um ein mutiges Experiment handelte, wird deutlich, wenn man den Unterschied zwischen griechisch-katholischem und römisch-katholischem Ritus bedenkt. Außerdem mußten beide Seiten die jeweils andere Sprache lernen. Hinzu kamen Kulturunterschiede, Generationsunterschiede und so weiter. Doch das Experiment gelang. Beide Seiten versuchten voneinander zu lernen und aufeinander einzugehen. Bei meinen beiden Ukrainebesuchen lernte ich diesen aufblühenden Zweig der Missionsschwestern kennen. Von Jahr zu Jahr kamen neue Kandidatinnen hinzu. Die Schwestern arbeiten heute an pastoralen und sozialen Brennpunkten in der West ukraine. Sie sind Pädagoginnen und geistliche Begleiterinnen. Sie kümmern sich um Familien und Frauen in Not. Und sie sind KulturDolmetscherinnen zwischen der Ost- und der Westkirche, zwischen der Ukraine und Deutschland, Brückenbauerinnen in Europa. In der deutschen Generalleitung der Ordensgemeinschaft hat längst eine Ukrainerin ihren festen Platz. Die Wachstumsgeschichte dieser jungen, mittlerweile rund 40 Schwestern zählenden Gemeinschaft erlebte am 27. Februar ihr bislang letztes freudiges Ereignis: Sr. Olichka Lozynska legte ihre Ordensgelübde ab. Sie verband sich auf Lebenszeit mit den Missionsschwestern. Drei Tage nach dem Beginn des brutalen Angriffskrieges Rußlands auf ihre ukrainische Heimat legte sie ihr ganzes Vertrauen und ihre Hoffnung in die Hände Jesu Christi, des Erlösers. Die Liebe zu ihm siegte inmitten des Krieges. Die Liebe hat immer das letzte Wort. Sr. Olichka bezeugte dies auch mit ihrem Profeß-Spruch: „Mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen, auch Ströme schwemmen sie nicht weg“ (Hoheslied 8,7). Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
PERSONALIEN Eine tief gläubige und hoch emanzipierte Mährerin
Komotauer Heimatkreisbetreuerin schreibt Erfolgsgeschichte
Hedwig Gemmrig 85 Am heutigen 11. März feiert Hedwig Gemmrig, Heimatkreisbetreuerin von Komotau und Vorsitzende des Fördervereins Mittleres Erzgebirge, im badischen Mühlacker 85. Geburtstag.
V
olksgruppensprecher Bernd Posselt würdigt in Hedwig Gemmrig eine der wichtigsten Stützen der sudetendeutschen Heimatgliederung. „Ihr Engagement geht weit über die Heimatlandschaft Erzgebirge-Saazer Land hinaus. Als Isergebirgler mit einer Großmutter aus Kaaden hatte ich auch Verwandte aus Saaz und kannte bereits in früher Kindheit das schöne Lied aus der Habsburgermonarchie ‚In Komotau, da ist der Himmel blau‘. Etwas von diesem Himmel strahlt die immer fröhliche und freundliche Hedwig Gemmrig aus. Sie ist ein Vorbild an Heimatliebe und Einsatz, weshalb sie zu den zugkräftigsten Motoren des Sudetendeutschen Heimatrates gehört,
den sie mit ihrer menschlich angenehmen und zielstrebigen Art wesentlich mitgestaltet. Ich danke ihr von Herzen und wünsche ihr viel Glück, Erfolg, Gesundheit und Gottes reichen Segen.“
I
m Dörfchen Neosablitz kam Hedwig Helmich zur Welt. Ihre Eltern waren Karl und Leopoldine Helmich, ihre jüngeren Brüder hießen Karl und Ludwig. Nach der Vertreibung kam die Familie 1947 in das Aufnahmelager Erlangen in Franken. Später ging es nach Mühlacker. Dort heiratete sie Horst Gemmrig, bekam eine Tochter und vier Enkel. Beruflich war sie Finanzchefin eines großen Brillen-Produzenten. Immer wieder besuchte sie ihre sudetendeutsche Heimat und verfolgte traurig den Verfall der heimatlichen Städte und Dörfer. Nach ihrer Pensionierung pflegte sie ihren kranken Mann, der 2003 starb.
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2004 wurde sie beim Bundestreffen der Komotauer zur Vorsitzenden des Fördervereins gewählt, beim Heimatkreistreffen 2006 zur Heimatkreisbetreuerin. Viel geschah in den vergangenen 16 Jahren unter ihrer Ägide. Bereits 2016 zeichnete die SL sie mit der Lodgman-Plakette aus. 2006 Neugestaltung und Betreuung der neuen Heimatstube im Frankenhof in Erlangen. 2017 Umzug der Heimatstube in eine Zweizimmerwohnung in der Fahrstraße. Redaktion der zehnmal im Jahr erscheinenden Heimatzeitung „Komotauer Nachrichten“, ab 2016 sechsmal im Jahr. Betreuung ihres Heimatortes Neosablitz und weiterer unbesetzter Orte. Organisation von neun Komotauer Bundestreffen. Herausgabe der Komotauer Jahrbücher. Seit 1996 erscheint jährlich ein neues Exemplar. Herbert Marsch (†) verfaßte in Gemmrigs Amtszeit zehn Exemplare, an denen Gemmrig maßgeblich mitarbeitete. Diese Jahrbücher dokumentieren die Geschichte Komotaus und des Sudetenlandes Der Verein Mittleres Erzgebirge – Komotauer Land fördert die Erhaltung der Kulturstätten
Warnsdorfer Poetin erschafft Museum in Münster
Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr)
Karin Führich 80
Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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in der Heimat und in Deutschland. Die Wallfahrtskirche Quinau wurde nachhaltig instandgesetzt und restauriert. Ein Prozessions- und Vortragskreuz kam hinzu. Die Erhaltung der Gedenkstätte in Deutschneudorf und die jährlichen Gedenkfeiern sind Aufgabe der Vorsitzenden. Der Förderverein muß seine Spendeneinnahmen für gemeinnützige Zwecke verwenden. Zahlreiche Institutionen erhalten von unserem Förderverein Zuwendungen. Dazu zählen der Heiligenhof, der Deutsche Kulturverband und der Bund der Deutschen in Komotau sowie der Altvaterturmverein auf dem Wetzstein in Thüringen. Neu sind Kontakte zum Heimatmuseum im sächsischen Marienberg gegenüber von Komotau in Sachsen. Dort wird ein Heimatmuseum unter Einbeziehung der böhmischen Seite entstehen. Seit 1951 ist Erlangen unsere Patenstadt. Die Corona zum Opfer gefallene 70-Jahr-Feier findet heuer statt. Die 16 Jahre unter Hedwig Gemmrig sind eine Erfolgsgeschichte. Dazu und zum Geburtstag gratulieren wir herzlich. Wir wünschen Gottes Segen, Gesundheit und noch viele schöne Tage mit Deinem Heimatkreis Komotau. Inge Lang, Helmut Mürling
10/2022
Am 17. März feiert Karin Führich, aus Warnsdorf stammende SL-Aktivistin, in Havixbeck bei Münster in Nordrhein-Westfalen ihren 80. Geburtstag.
S
eit 1956 engagiert sich Karin Führich, die in Warnsdorf im nordböhmischen Niederland zur Welt kam, in der SL-Kreisgruppe Münster, zunächst im Sudetendeutschen Volkstanzkreis, seit 1974 als Frauenreferentin, seit 1987 als Kreisobmännin und seit 2021 im Landesvorstand. Ihre besondere Hingabe gilt dem ehemaligen Haus des Musikers und Komponisten Franz Ludwig (*7. Juli 1889 in Graslitz, † 15. Juni 1955 in Münster). Das kaufte sie von der Sudetendeutschen Stiftung, um darin die Ostdeutsche Heimatstube und ein Sudetendeutsches Museum aufzubauen und zu betreuen. Nordrhein-Westfalens SLLandesobmann Werner Appel: „Ein Besuch in Münster am Krug 17 beeindruckte mich schwer. Was Karin Führich für die Erhaltung unseres Kulturgutes leistet, ist nicht nur für unsere Landsleute, sondern auch für die Öffentlichkeit enorm. Glas, Porzellan, Gemälde, Zeichnungen, Karten, Dokumente und 30 000 Bücher stehen dort. Mittlerweile ist der Bestand katalogisiert. Nun muß dieses Kulturgut im Internet präsentiert werden. Führich veranstaltet in diesem Sudetendeutschen Haus Lesungen, Konzerte und Vorträge. Darüber hinaus gibt sie die Zeitschrift „Wege zur Heimat“ heraus. Im Landesverband hat sie mit der ihr eigenen Sorgfalt viele Jahre die Finanzen geprüft und stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Nun ist sie Mitglied im Landesvorstand. Von Herzen gratulieren wir zum Geburtstag und wünschen
ihr und uns, daß ihre Schaffenskraft noch lange nicht versiegt.“ Für ihr Engagement ehrte die SL Führich 2006 mit dem Großen Ehrenzeichen, 2007 mit der Adalbert-Stifter-Medaille und 2012 mit der Rudolf-Lodgman-Plakette. 1990 hatte Böblingen sie mit der Ehrenplakette für besondere Verdienste um die nordböhmische Heimat ausgezeichnet. Aus ihrer Feder stammen 7000 Gedichte und Sinnsprüche. Viele illustrierte Benno Pietschmann. Führich: „Mein Motto ist ,Passion‘: Bedenke, was du anderen an Dornen nehmen kannst, ist eine Rosengirlande für dich.“ as
A
uch Volksgruppensprecher Bernd Posselt gratuliert Karin Führich: „Sie stammt wie ich aus der nordböhmischen Heimatlandschaft Polzen-Neiße-Niederland und ist deren poetische Stimme. Selbst in Westfalen, wo sie lebt, läßt sie regelmäßig unsere böhmische Heimat in den Ohren und Augen der Menschen lebendig werden. Mit unglaublichem Fleiß und viel Herz hat sie in Münster die Landsleute um ein kulturelles Zentrum gesammelt, das vorbildlich ist. Den Bundesvorstand und die Bundesversammlung unterstützt sie unermüdlich, wenn es um die Finanzen unserer sudetendeutschen Landsmannschaft geht. Niemals vergessen werde ich sachlich fundierte Kassenprüfberichte, die sie in lyrischen Reimen vortrug und damit einer trockenen Materie die nötige Aufmerksamkeit sicherte. Ihre literarisch wertvollen Rundschreiben tragen wesentlich zum Zusammenhalt unserer Volksgruppe bei. Für all das sind wir ihr zu größtem Dank verpflichtet. Wir wünschen ihr einen fröhlichen Geburtstag und auch für die Zukunft Gottes Segen bei ihrer wichtigen Arbeit.“
Eleonore Schönborn † Eleonore Schönborn, die Mutter des SL-Karls-Preisträgers und Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal Schönborn, starb am 25. Februar im österreichischen Schruns. Am 14. April wäre sie 102 Jahre alt geworden.
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ernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, trauert mit dem sudetendeutschen Kardinal und Wiener Erzbischof um dessen Mutter. „Sie war eine echte Mährerin, von unglaublicher Liebenswürdigkeit und gleichzeitig beeindruckender Energie, wenn es darum ging, für ihre Familie und ihre Anliegen einzutreten. Sie steht für eine ganze Generation von sudetendeutschen Frauen, die, unter schwierigsten Umständen und oft sehr allein, in der Vertreibung ihren Kindern Heimat bieten und eine erstklassige Erziehung vermitteln konnten. In Schruns, wo sie ab 1950 lebte und wirkte, traf sie während dessen Ferienaufenthalten oftmals mit dem Begründer der Paneuropa-Bewegung, Richard Graf Coudenhove-Kalergi zusammen und teilte seine europäische Begeisterung. Aus ihrem tiefen christlichen Glauben heraus tat sie viel für die Verständigung mit dem tschechischen Volk, scheute sich aber auch nicht, die grausamen Härten der Vertreibung sowie der Jahre danach deutlich anzusprechen. Wir sind unserem Karls-Preisträger Christoph Kardinal Schönborn in dieser schweren Stunde im Gebet verbunden.“ „Selten ist, daß man 77 Jahre alt wird und immer noch die Mutter hatte. Sie war eine starke Frau, eine faszinierende Persönlichkeit“, sagte der Kardinal. „Nicht umsonst wurde sie von so vielen Menschen geschätzt und ehrlich geliebt. Sie war bereit für den letzten Gang und hat sich schon danach gesehnt, zu Gott heimzugehen.“ Bis ins hohe Alter war Eleonore Schönborn hochaktiv. Die leidenschaftlich kartenspielende Jasserin saß auch nach ihrem 90. Geburtstag noch selbst hinter dem Steuer, sie erlernte entschlossen den Umgang mit eMail und Internet. Selbst vom Rollstuhl aus referierte sie noch beim von ihr einst mitbegründeten Krankenpflegeverein Außermontafon über „Einsamkeit im Alter“. Einen „hellwachen Geist“ attestieren ihr alle, die sie kennen. Und große Gelassenheit, die sie bei einem ausführlichen „Krone“-Interview vor zwei Jahren unter Beweis stellte: Der Erblindung verdanke sie, daß ihre Gebete ehrlicher geworden seien, daß sie nun endlich in Ruhe über vieles nachdenken und ihr Leben ordnen könne. Der Ausspruch „Wer an Gott glaubt, ist nie allein“ des sieben Jahre und zwei Tage jüngeren Benedikt XVI. sei ihr oft eine große Stütze gewesen, teilte Schönborn mit. Sie habe dieses Zitat oft gebraucht – wohl auch, um nachträglich die dunklen Zeiten der eigenen Vergangenheit zu verstehen. Ihre Kindheit in Mähren beschrieb sie als wundervoll. Eleonore Freiin von Doblhof, so ihr Geburtsname, wurde 1920 als jüngstes Kind einer in der Zukkerproduktion tätigen Adelsfamilie in Raschitz bei Wischau geboren und besuchte ein Internat für höhere Töchter. Ihr Vater Herbert Doblhoff starb früh an
Multipler Sklerose. Mit 22 Jahren lernte sie den Maler HugoDamian Schönborn aus der böhmischen Linie der Adelsfamilie Schönborn kennen. Sein Faible für moderne Kunst, Philosophie und Literatur faszinierte sie. Sie heirateten am 10. Mai 1942. Der Soldat Hugo-Damian überlebte Stalingrad und lief zur britischen Armee über. Der Krieg trug ihm die Tuberkulose ein, an der er lebenslang laborierte. Eleonore, damals auf die Schönborn-Burg Skalka bei Leitmeritz übersiedelt, brachte am 22. Jänner 1945 Christoph zur Welt – neun Monate nach einem Fronturlaub ihres Gatten. Kurz nach Kriegsende stand der Dorfgendarm an der Türschwelle und teilte mit, die Familie müsse binnen einer Stunde das Land verlassen. Die BenešDekrete in der neuen Tschechoslowakei sorgten für die Vertreibung aller Angehörigen der seit Jahrhunderten hier ansässigen deutschen und ungarischen Minderheit. Eleonore, mit den Söhnen Philipp und Christoph im Schlepptau, durfte nur das mitnehmen, was sie tragen konnte. Heimat, Heim, die beschützende Großfamilie und ihr Lebensplan waren mit einem Schlag zerstört. Zunächst ging sie zu Verwandten nach Breiteneich bei Horn in Niederösterreich, dann zur älteren Schwester in Graz, wo sie ihren Mann wieder traf, schließlich ab 1950 nach Schruns im Vorarlberger Montafon, wo sie Arbeit fand. Auch wenn während dieser Wanderzeit zwei weitere Kinder geboren worden seien, sei es die dunkelste Etappe ihres Lebens gewesen, sagte sie hinsichtlich ihrer Enttäuschung über die glücklose Ehe. Das Paar ließ sich 1958 einvernehmlich scheiden. Bei ihren Kindern hinterließ die Trennung tiefe Spuren. Die Erfahrungen verliehen ihrem zweiten Sohn viel Einfühlungsvermögen, als es bei der Familiensynode in Rom sechs Jahrzehnte später um Scheidungsfamilien ging. Nun war Eleonore Schönborn erst recht auf sich gestellt. Sie heuerte bei einer Textilfirma in Bludenz an. Wegen ihrer Sprachkenntnisse wurde sie rasch Chefsekretärin, später Vorarlbergs erste Prokuristin und Pressesprecherin. Sie baute ein Haus für ihre Familie, brachte sich in Schruns im Pfarrgemeinderat und im Krankenpflegeverein ein. Erst nach 25 Jahren – ihr Sohn Christoph war inzwischen 1970 zum Priester geweiht und dann 1975 zum Professor an der Schweizer Universität Freiburg ernannt worden – fühlte sie sich in Schruns integriert und nicht mehr als Zugereiste. Ihr politisches Interesse, mit dem sie das Zeitgeschehen intensiv verfolgte, legte sie nie ab. Sie wurde erste Schrunser Gemeindevertreterin, initiierte die Errichtung von Museen im Montafon und wurde dafür 1997 sogar mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes geehrt. Sie war hellhörig, als das Asylthema Österreich erneut betraf: Plattformen, die sich gegen die Abschiebung von in Österreich integrierten Flüchtlingsfamilien einsetzten, fanden in ihr eine vehemente Unterstützerin. Ihre Gründe: „Niemand geht freiwillig von zu Hause weg.“ Und „Auch ich war einmal Flüchtling.“ Nun ruht sie in der ewigen Heimat. as
Kennenlernen in der Alfred-Kubin-Galerie.
Materialien für Masken und Maskierungen. Ende Februar fand eine Bastelstunde für Kinder im Begleitprogramm zur Ausstellung „Fasching auf Böhmisch“ statt. An dem „Workshop“ im Sudetendeutschen Haus und im Sudetendeutschen Museum nahmen Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren teil. Das Ziel war, nicht nur in einer Gemeinschaft schöne und bunte Faschingsmasken zu basteln, sondern vor allem den Kindern auch die Traditionen um Fasching näherzubringen und mit ihnen die Fotos von František Zemen (Þ SdZ 8/2022) zu erkunden.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
� Gemeinsame Veranstaltung von Sudetendeutscher Stiftung und ASV im Sudetendeutschen Museum in München
Lustige Maskenpflicht Bis Donnerstag, 24. März: „Fasching in Böhmen“ in MünchenAu, Sudetendeutsches Haus (Alfred-Kubin-Galerie), Hochstraße 8. Montag bis Freitag 9.00–18.00 Uhr. Informationen über Workshops: www.sudetendeutschesmuseum.de
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u Beginn trafen sich die Kin der im Museumsfoyer mit den Leiterinnen des Workshops, Na dja Schwarzenegger, Museums pädagogin des Sudetendeut schen Museums, und Anna Paap, Kulturreferentin für die böhmi schen Länder im Adalbert-Stif ter-Verein (ASV). Die Kinder ver abschiedeten sich von den Eltern und Großeltern, die das Sudeten deutsche Museum besuchten, und gingen in die Alfred-KubinGalerie im Sudetendeutschen Haus zur ersten Kennenlernrun de.
Was ist Fasching?
Was ist Böhmisch? Dabei fragten die Referentin nen die Kinder, ob sie wüßten, was eigentlich „böhmisch“ be deute, da die Ausstellung „Fa sching auf Böhmisch“ heiße. „Ei ne Sprache!“ „Mein Papa arbei tet damit!“ Man erklärte den Kindern kurz, was Böhmen und Tschechische Republik bedeute ten und warum das Haus und das Museum im Namen „Sudeten deutsch“ führten. „Meine Oma ist auch da geboren und mußte flüchten“, meinte die siebenjäh rige Maria daraufhin. Die Kinder sollten sich dann vergrößerte Details merken und in den Fotos in der Ausstellung entdecken, etwa eine Pfeife vom
Wassermann, einen Pferdekopf oder eine Posaune. Bei jedem der entdeckten Fotos beobachteten dann alle Kinder zusammen, was zu sehen ist. Als zweite Aktivität wurde ein Memoryspiel mit wei teren Fotoausschnitten gespielt und auch hier das jeweilige Foto gesucht. Mehrere Kinder trafen sich so bei Fotos. Im museumspädagogischen Raum warteten anschließend al lerlei Materialien zum Masken basteln auf die Kinder, und die se durften somit nun selbständig in die kreative Tätigkeit überge hen. Manche nahmen die ange botenen Rohlinge gerne an, an dere wiederum gestalteten kom plett selbstständig ihre Maske. Schließlich setzten alle Kin der ihre Masken auf und gingen Richtung Sudetendeutsches Mu seum. Sie fuhren mit dem Fahr stuhl in den obersten Stock zum Anfang der Dauerausstellung, wo unter anderem die Traditio nen der Sudetendeutschen the matisiert werden.
Oben und unten: die kleinen Teilnehmer in ihren selbstgestalteten Masken.
Die Kinder suchen und finden Masken auf den Fotos von František Zemen.
Bilder: Nadja Schwarzenegger, Sudetendeutsches Museum
Im Aufzug fahren alle in das Sudetendeutsche Museum.
Zuerst suchten die Kinder Zet tel mit verschiedenen Jahresfe sten und -zeiten, die im Stock werk verteilt waren. Danach tra fen sich alle in einer Runde und überlegten, wie die Feste nach einander im Jahr verteilt werden. Was kommt zuerst, Faschingszeit oder Fastenzeit? Und was kommt später, Ostern oder Pfingsten? Was macht man zu Fasching? Und was zur Fastenzeit? Wor auf kann man in der Fastenzeit verzichten? „Auf Süßigkeiten!“ „Auf Fleisch!“ An der Vitrine zu den Jahresfesten konnten die Kinder verschiedene Artefakte betrachten und Festen zuordnen. In diesem Jahr werden weite re Workshops für Kinder im Su detendeutschen Museum statt finden, die auf der Internetseite des Museums angekündigt wer den. ap
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KULTUR
Beim jüngsten Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde am Abend des 1. März bot der Schriftsteller, Dramatiker, Journalist und Drehbuchautor Jaroslav Rudiš einen Einblick in seinen neuen Bestseller „Gebrauchsanweisung fürs Zug reisen“, in dem er unter anderem Bahnreisen in die Ukraine beschreibt. Das Online-Treffen war auch von den aktuellen dortigen Ereignissen beeinflußt. Etwa 100 Personen dürften an mehr als 70 Rechnern und Telefonen zugehört haben.
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� Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde
publik spielten ebenso eine Rolle wie die speziellen Gerüche etwa von Dampflokomotiven, wo sich Dampf, Öle, Fette und Kohle vermischten. Und dann geht es um Personen wie Pavel Peterka, der im Eurocity zwischen Hamburg und Prag als Chef im Speisewagen ein Aushängeschild für tschechisches Lebensgefühl ist. Eine gute Speisewagenkultur weist Rudiš auch den Bahnen von Österreich, Ungarn, Slowenien und der Slowakei zu. Aber auch bedrohliche Aspekte könnten bei Zugreisen dabei sein: die Fahrt von Prag nach Dresden führe über Theresienstadt. Auf Rudiš’ Wunschzettel steht eine bessere Bahnverbindung zwischen Prag und München – am besten mit Speisewagen. Und die Stärkung des gesamteuropäischen Traums. „In Lemberg habe ich schon vor zwölf Jahren eine große Begeisterung für Europa erlebt“, blickte der Schriftsteller auf eine Lesung in der westukrainischen Stadt zurück.
Zugfahren in Europa
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eute ist kein normaler Dienstag. Friede und Demokratie sind in Gefahr. Mit Angst blicken wir in die Ukraine“, stellte Moderatorin Sandra Uhlich einleitend fest. Ihr Moderatoren-Kollege Rainer Karlitschek verwies auf das gemeinsame Statement der Ackermann-Gemeinde und der Sdružení Ackermann-Gemeinde zum Angriff von Wladimir Putins Rußland auf die Ukraine. Darüberhinaus sei jede kulturelle Veranstaltung – auch der Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde – „ein Ausdruck der Freiheit“, so Karlitschek. Er empfahl daher, Bücher zu lesen, ins Theater, Kino, Kabarett und in Konzerte zu gehen. „Denn hier gibt es die Inhalte unzensiert. Auch das Lachen ist ein Ausdruck unserer Freiheit“, motivierte er.
Ausdruck der Freiheit Nach diesen dem aktuellen Geschehen gewidmeten Worten stellte Uhlich den Referenten kurz vor. Schon als Kind habe Rudiš den Wunsch gehabt, bei der tschechischen Eisenbahn zu arbeiten, was jedoch wegen seiner Sehschwäche nicht möglich gewesen sei. Aufgewachsen am Kleinst-Bahnhof Lomnitz an der Popelka/Lomnice nad Popelkou, habee Rudiš Germanistik, Geschichte und Journalistik studiert. Schon in seinem ersten Roman „Der Himmel unter Berlin“ von 2002 zeige sich seine Schwäche fürs Zugfahren. Mit Alois Nebel schuf er einen weiteren Protagonisten mit der gleichen Liebe zur Bahn und arbeitet in dieser Graphic Novel von 2006 die dunkle Vergangenheit Mitteleuropas, den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Deutschen, auf. Bei aller Leichtigkeit spürt Rudiš den wichtigen Themen der Zeit nach und bringt sie in den gesellschaftlichen Dialog. Einige seiner Romane wurden auch verfilmt oder als Theaterstück Der Bayerische Rundfunk brachte kürzlich in seinem Kulturmagazin „Capriccio“ den kurzen Beitrag „Jaroslav Rudiš weiß, wie man in der Bahn überlebt und schöne Dinge sieht“. Hier finden sich die berührenden Bilder zum letzten Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde.
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er Schriftsteller und die Bahn: Die erste Szene ist natürlich am Beginn einer Reise. Jaroslav Rudiš geht erwartungsvoll durch den Hauptbahnhof in Prag. Der Preisträger des Deutschen Buchhandels beschreibt die Stimmung, die Umgebung und einzelne Lokomotiven.
Begeisterung für Europa
Ein Teil der zugeschalteten Gäste beim Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde. auf die Bühne gebracht. Aktuell wird „Alois Nebel“ auf der Bühne des Theaters in Reichenberg/ Liberec gespielt. Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde er erst im Oktober 2021 vom deutschen Bundespräsident FrankWalter Steinmeier als einer der engagiertesten Brückenbauer zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik mit dem Verdienstkreuz gewürdigt. Und der Autor fährt nicht nur gerne Zug, schon sein ganzes Leben lang. Er sammelt auch Kursbücher, alte Eisenbahnkarten und viele weitere Bahn-Utensilien und kennt die Namen von Zügen oder Lokomotiven auswendig. Daß sich seine Eltern in einem Zug kennenlernten, sei abschließend ebenfalls noch erwähnt. Mit einer Passage aus der Einleitung seines Buches begann Rudiš seine Lesung oder seinen Vortrag, in der es auch um seine Sehschwäche ging, die seinen Wunsch verhinderte, „sein ganzes Leben in blauer Uniform“ zu verbringen. In seinen erläuternden Ausführungen ging er un-
ter anderem auf das noch von der österreichisch-ungarischen Monarchie ererbte Bahnnetz und die aus dieser Zeit stammenden
Jaroslav Rudiš im Zug. Bahnhöfe ebenso ein wie auf nötige Modernisierungen. Als positiv bewertete er, daß in der Tschechischen Republik nicht – wie etwa in Deutschland – so viele Strecken stillgelegt worden seien. „Manche sind zwar in einem maroden Zustand,
aber es wird Geld investiert. Die Eisenbahn hat in der Tschechischen Republik einen höheren Stellenwert“, urteilte der Bahnkenner. Wobei er die Notwendigkeit von Strecken-Modernisierungen hervorhob und der Deutschen Bahn zugestand, daß diese im Rahmen der Möglichkeiten vieles gut mache. Hier müsse noch mehr Druck auf die Politik ausgeübt werden. Die nächste von Rudiš gelesene Textpassage handelte von einer Nachtfahrt im Zug nach Lemberg/Lwiw, denn auch die Region der heutigen Westukraine gehörte einst zum österreichisch-ungarischen Territorium. „Die europäische Geschichte der letzten 200 Jahre verbindet uns“, konkretisierte er. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg habe es eine Direktverbindung per Bahn von Wien nach Lemberg gegeben. Der Schriftsteller schwärmte von Bahnhofskneipen und von den schnellen Verbindungen etwa von Berlin über München und Bologna nach Rom. Mit Zügen kämen aber auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine, anderer-
Bilder: Markus Bauer seits würden in der Gegenrichtung auch Waffen aus der Tschechischen Republik in die Ukraine transportiert. „Aktuell bin ich stolz auf mein Land und überrascht vom Zusammenhalt der Tschechen. Die Tschechische Republik steht stark an der Seite der Ukraine, auch die tschechische Opposition hält zur Regierung“, äußerte sich Rudiš zu den tagesaktuellen Entwicklungen. Fasziniert sei er bei seinen Bahnreisen quer durch Europa auch von den Espressobars nahe kleiner Bahnhöfe in Italien oder auch von europäischen Eisenbahnkarten, die in unterschiedlichen Kunstformen dargestellt seien. Aber auch weitere wissenswerte Fakten erwähnte Rudiš, wie andere Spurweiten der Bahn, die – aus historischen Gründen – unter anderem auch in Finnland verbreitet seien, weswegen Züge dort umgespurt werden müßten. Auch die Kenntnis der jeweils anderen Sprache bei Lokführern und Zugbegleitern in Zügen zwischen Deutschland und der Tschechischen Re-
� Fernsehportrait von Jaroslav Rudiš
Besessen von der Bahnzeit „Vielleicht ist die wahre Eisenbahngöttin die Zeit“, meint Rudiš über die Bahnzeit, in der die Uhren etwas anders ticken. „Ich bin besessen von der Bahnzeit!“ Auch Verspätungen würden ihn nicht sehr stören, denn beim Warten auf den nächsten Anschluß könne er „Geschichten sammeln“, die ihn weiter anregen.
Beim Weg zu seinem aktuellen Zug wird klar, wie viele Fans seine „Besessenheit“ gefunden hat. Beim Signieren eines Exemplars von „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ für den Lokführer sagt er: „Auch in der Tschechischen Republik ist mein letztes Buch bekannt, dabei ist es bis jetzt nur auf deutsch erschienen.“
Das ist um so interessanter, als Rudiš seinen großen Romanerfolg „Winterbergs letzte Reise“ (2019) komplett auf deutsch schrieb, und das meist in der Bahn. Und in vielen seiner Bücher spielt das Bahnfahren in und durch Europa eine so große Rolle wie im Leben des Autors. Rudiš vergleicht Bahnfahren mit Yoga oder einer Meditation.
Davon erzählt er auch im Zug, bei dem der Genußmensch – wie so oft bei Reisen – den Speisewagen bevorzugt. Dort trifft er auch Pavel Peterka wieder, der im Eurocity zwischen Hamburg und Prag als Chef im Speisewagen ein echter Freund des Schriftstellers geworden ist. Peterka liebt Literatur und Musik und lernte den Schriftsteller schätzen.
Jaroslav Rudiš unterhält sich mit Pavel Peterka im Speisewagen. Rechts: Eine der Lieblingslokomotiven von Rudiš wird „die Banane“ genannt. Video: www.br.de/mediathek/video/zugreisen-jaroslav-rudis-weiss-wie-man-in-der-bahn-ueberlebt-und-schoene-dinge-sieht-av:61fbf49594d7ed00083a14aa
Mitteleuropa reiche für ihn bis zur Stadt Brody, die etwa 90 Kilometer nordöstlich von Lemberg liege. „Viele Dinge – Kultur und Literatur – verbinden uns“, faßte Rudiš zusammen. Dazu gehörten auch Bahnstrecken und Bahnhöfe und deren Geschichte. In Rudiš’ Buch „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ – mit einer Zugszene in der Ukraine auf dem Cover – kann man das nachlesen. Doch besser wären oder sind reale Zugfahrten – hoffentlich bald wieder auch in die Ukraine. Markus Bauer
Jaroslav Rudiš: „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“. Piper-Verlag, München 2021; 256 Seiten, 15 Euro. (ISBN 978-3-492-27749-5) Schon als Kind habe er verreisen wollen, erinnert sich Rudiš. Er habe das Kursbuch und Fahrpläne studiert, etwa über die Verbindungen von Prag nach Lissabon. „Und so bin ich in der Tat auch in meinen Gedanken und Träumen verreist“, gesteht Rudiš am Ende der schönen Sendung von BR-Autorin Julia Benkert. Der grenzüberschreitende Bahnfahrer wurde für seinen Beitrag zur Verständigung von Deutschen und Tschechen im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz und im Januar mit dem Karel-Čapek-Preis des Internationalen PEN-Clubs geehrt. Susanne Habel
AUS DER HEIMAT . VERBANDSNACHRICHTEN
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SL-Kreisgruppe Krefeld/Nordrhein-Westfalen
Halt die Gosch, Gongl Franz Longin, Landschaftsbetreuer Südmähren, Reinhold Frank, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise sowie des Landesverbandes der Heimat- und Trachtenverbände in Baden-Württemberg, Maximilian Mörseburg MdB, Stuttgarts SL-Kreisobfrau Waltraud Illner, Rainer Wieland MdEP, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Iris Ripsam,Stuttgarter Stadträtin und BdV-Landesvorsitzende, SL-Landesobmann Klaus Hoffmann, Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Konrad Epple MdL. Bilder: Helmut Heisig
SL-Landesgruppe Baden-Württemberg
Kein Platz für Krieg, Flucht und Vertreibung Anfang März gedachte die SLLandesgruppe Baden-Württemberg der Opfer des 4. März 1919 und erinnerte an das Selbstbestimmungsrecht der Völker in einer hybriden Feierstunde im Haus der Heimat in Stuttgart.
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L-Landesobmann Klaus Hoffmann begrüßte Rainer Wieland MdEP, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Maximilian Mörseburg MdB, BadenWürttembergs Ex-Innenminister Reinhold Gall, Andreas Kenner MdL, Konrad Epple MdL, Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper, den Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup, Ministerialdirigent a. D. Herbert Hellstern, Iris Ripsam, Stuttgarter Stadträtin und BdV-Landesvorsitzende, Reinhold Frank, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise sowie des Landesverbandes der Heimat- und Trachtenverbände in Baden-Württemberg, Franz Longin, Ehrenvorsitzender des Südmährerbundes, die Mitglieder der Sudetendeutschen Bundesversammlung Bruno Klemsche und Waltraud Illner sowie Brunhilde Reitmeier-Zwick, Bundesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Slowakei. Ein besonderer Gruß galt Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung. Naaß hielt in der von der Familie Preisenhammer mu-
sikalisch umrahmten Feierstun- teilt und sich mit den Menschen de die Gedenkrede. in der Ukraine solidarisch erklärt. Zunächst schilderte Hoffmann Sie begrüße die schnelle Entdie Hintergründe der Ereignisse scheidung der Bundesregierung, am 4. März 1919 im Sudetenland. die Aufnahme deutscher SpätDann verurteilte er den Überfall aussiedler aus den Kriegs- und Rußlands auf die Ukraine und Krisengebieten zu erleichtern, forderte Wladimir Putin auf, sei- lebten doch noch heute 33 000 nen Krieg gegen die Ukraine zu ethnische Deutsche in der Ukraistoppen und seine Truppen aus ne. Sie freue sich, daß der ukraidem souveränen euronische Staatspräsident päischen Land zurückWolodymyr Selenskyi zurufen. Auch Naaß als Signal der Solidabeleuchtete die Märzrität und des Respekts Ereignisse und das der Sudetendeutschen Selbstbestimmungsvor ihm und für seinen recht im ZusammenMut, seine Standhaftighang mit Putins Krieg keit und sein Eintreten gegen die Ukraine. für eine demokratische Sie saß 1994 bis 2013 und selbstbestimmte für die SPD im Bayeri- Christa Naaß Ukraine den Karls-Preis schen Landtag und ist 2022 der SL erhalte. im Bundesvorstand der SeligerDann blickte Naaß nochmals Gemeinde. Sie machte deutlich, auf die Geschichte des 4. März daß das Selbstbestimmungsrecht 1919 zurück, an dem das Selbstnicht an Aktualität verloren ha- bestimmungsrecht mit Waffenbe. So sei das März-Gedenken gewalt niedergemacht wurde. Am zu einer mahnenden Erinnerung Ende des Ersten Weltkriegs hätgeworden, angesichts des am ten die Sudetendeutschen noch 24. Februar von Putin begonne- auf das 14-Punkte-Programm des nen Krieges. „Wenn Minderhei- USA-Präsidenten Woodrow Wilten ausgegrenzt werden und das son vom Januar 1918 vertraut, Selbstbestimmungsrecht der Völ- der das Selbstbestimmungsrecht ker mißachtet wird, kommt es zu der Völker zum obersten Prinzip Ausgrenzungen, zu Menschen- der Neuordnung Europas nach rechtsverletzungen, zu Vertrei- dem Krieg erklärt habe und wo es bungen, zu Krieg.“ heiße, daß „den Völkern ÖsterDeshalb habe auch die Seli- reich-Ungarns, deren Platz unter ger-Gemeinde in einer Resoluti- den Nationen wir geschützt und on den Überfall als einen Verstoß gesichert zu sehen wünschen, gegen das Völkerrecht und die die freieste Gelegenheit zu auglobale Friedensordnung verur- tonomer Entwicklung zugestan-
den werden soll“. Doch das Vertrauen sei mit der Gründung der Tschechoslowakei und der damit verbundenen erzwungenen Eingliederung der deutschen Gebiete in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien zerstört worden. Naaß erinnerte auch an die Worte des Vorsitzenden der Sudetendeutschen Sozialdemokraten, Josef Seliger. Der habe am 4. März 1919, als die Sudetendeutschen dagegen protestierten, daß sie nicht an den Wahlen zur österreichischen Nationalversammlung hätten teilnehmen dürfen und für ihr Selbstbestimmungsrecht auf die Straße gegangen seien, in Teplitz-Schönau vor 25 000 Menschen gesagt, daß „nicht der Haß gegen das tschechische Volk uns zusammenführt, sondern nur die Liebe zu unserem Volk, zu unserer Freiheit und zu unserem Recht. Wir wollen ausharren in dem Kampf um unser Selbstbestimmungsrecht“. Die Antwort der Tschechen sei blutig gewesen. Ihre folgende Tschechisierungspolitik sei ein Auslöser des Zweiten Weltkriegs gewesen, nach dem die Sudetendeutschen ihre Heimat verloren hätten. Christa Naaß schloß mit dem Appell, Krieg, Flucht und Vertreibung dürften keinen Platz mehr in Europa haben. Frieden und Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit seien die wichtigsten Werte hier, in der Ukraine und weltweit. Helmut Heisig
SL-Altkreis Schlüchtern/Hessen
Die Wahrheit siegt SL-Ortsgruppe Bayreuth
Helft der Ukraine Die oberfränkische SL-Ortsgruppe Bayreuth erklärt sich mit den Ukrainern solidarisch und verurteilt den Krieg.
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nter der Überschrift „Krieg und Vertreibung in der Ukraine – stopt Wladimir Putin!“ erklärt sie, als Sudetendeutsche die aktuelle Situation nachvollziehen und das Leid ermessen zu können. „Aber heute können wir helfen. Dazu rufen wir auf.“ Dafür nennt sie die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland www. stiftung-verbundenheit.de. Deren Stiftungsratsvorsitzender Hartmut Koschyk ist Träger des SLMenschenrechtspreises und Gatte einer Sudetendeutschen. nh
Seit 15 Jahren erinnert der hessische SL-Altkreis Schlüchtern an die Toten des 4. März 1919. Coronabedingt kam heuer nur der Vorstand zum Gedenkkreuz auf dem Elmer Weinberg.
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ei seiner Begrüßung sprach Kreisobmann Walter Weber unter anderem von Frieden gerade in der jetzigen Zeit. Er betonte, daß die Sudetendeutschen sich schon immer für Frieden eingesetzt hätten, und forderte das sofortige Ende des Krieges in der Ukraine. Vorstandsmitglied Roland Dworschak gedachte der 2021 verstorbenen Mitglieder der SLKreisgruppe Schlüchtern. Nach einem Moment der Stille legte Vorstandsmitglied Antje Hartelt zur Ehrung der Toten ein Gesteck am Fuße des Kreuzes nieder. Danach sprach Landesobmann Markus Harzer. Er sagte, die Sudetendeutschen seien tragische Opfer einer geschichtlichen Entwicklung gewesen, für die sie nichts ge-
konnt hätten. Mit 3,5 Millionen Sudetendeutschen in Böhmen und Mähren habe die Gruppe bestimmt nicht der Minderheit angehört. Dennoch habe die Tschechoslowakei ihr das Selbstbestimmungsrecht nicht zugestanden. Der 4. März 1919, ein Faschingsdienstag, sei ein schlimmer Tag nicht nur für die Sudetendeutschen, sondern auch für die Tschechen gewesen. An der Aufarbeitung der Geschichte werde in beiden Ländern gearbeitet. Mit den Worten, die auf der tschechischen Flagge stehen, schloß der Landesobmann seine Ansprache: „Die Wahrheit siegt!“ Bevor die Mitglieder zu Kaffee und Kräppel ins Hotel Stadt Schlüchtern aufbrachen, wurde noch das Feieromdlied des erzgebirgischen Heimatdichters Anton Günther gesungen. et
Der Sketch „Oma Nette, die im hohen Alter noch einen Mann sucht“ regte zum Schmunzeln an. Das Zwiegespräch zwischen „Gott und Mensch“ erforderte Aufmerksamkeit. Dagegen offenbarten sich die „Reise nach Kevelaarneval wird im Rhein- er“ und die neue Kneipp-Kur land gefeiert, Fasching in „Statt Wasser Wein“ als locker Bayern und Foosnd im böh- vom Hocker. Auch „Das Intermischen Erzgebirge in der net der Dinge“ und die „ZeiNeudeker Gegend. Und in tungsfrau“ stimmten fröhlich. Böhmen verkleiden sich die Soweit der Auszug aus dem Narren auch nicht; sie ver- rheinischen Frohsinn! maschkerieren sich. Der erzIm Erzgebirge feierten gebirgische Heimatdichter- die Narren – wie auch bei und -sänger Anton Günther uns Brauch – über mehrehat mit seinem Foosndlied re Tage. Laut der Zeitschrift Karneval, Fasching und Foos- „Grenzgänger“ saßen sie dann nd unter einen närrischen Hut am Foosnd-Dienstagabend gebracht: schachmatt im Wirtshaus mit „Foosnd is, Foosnd is, es Resten der Larv, der Maske, riecht nooch Krappn on Pfaf- im Gesicht und schlürften ihr fernüß. / Foosnd is, Foosnd schales Bier. Weiter berichtet is, es riecht nooch Pfaffernüß! der Artikel „Fasching im Erz/ De Traurichkeit, die brängt gebirge“ von Josef Grimm: nischt ei, / drem muß mr zer „Am Aschermittwoch in der Foosnd lustich sei. / War will Mittagsstunde fanden sich sei Gelück prowiern, dar muß noch einmal einige Unentsich vermaschwegte zusamkeriern.“ men, um den AufwenFoosnd-Boß zu dig „vermaschbegraben. (Mit keriern“ mußBoß ist nicht ten wir Krefelein Chef geder SL-Frauen meint, a Boß uns nicht. Für ist ein junger unseren lustiMann.) Diesem gen Nachmittag Endspiel sahen hatte Frauendie älteren legruppenleitedigen Jahrgänrin Gerda Nilge weiblichen ges die Idee der Geschlechts mit EinheitsverkleiBangen entgedung. „Kran- Anton Günther gen, denn von kenschwester“ diesen spöttiwar das Thema. Da Corona schen Witzbolden wurde der schon seit zwei Jahren für eine Foosnd-Boß (ein ausgestopfVerkleidung im Gesicht sorgt, ter Freier) einer solchen ältewar mit einem weißen Hemd ren Jungfrau, die leider keivom Ehemann, einer Kittel- nen Anschluß finden konnte, schürze aus dem Schwieger- vor deren Haus vergraben. mutterfundus und einem zur Um dies zu vermeiden, ging Schwesternhaube umgestal- eine gewisse Pauline schon teten Kappl mit rotem Kreuz lang vor Fasching in die Kirschnell die gewünschte Kran- che und betete fleißig um eikenschwestertracht aus dem nen Mann. Einmal war der Boden gestampft. Da die Vor- Mesner schon eine halbe gabe unterschiedlich umge- Stunde vor dem Gebetläuten setzt wurde, ergab die Einheit in der Kirche. Da sah er die dann doch eine lustige Viel- Pauline wieder pünktlich herfalt. einkommen und vor dem AlBunte Pappclowns, Kamel- tar niederknien. Er versteckte len – im Erzgebirgsdialekt sich hinter dem Altar und hör„Zuckerla“ –, lustige Girlan- te, wie sie mit tränenerstickter den und Frühlingstopfblumen Stimme laut betete: „Heilige zierten die Kaffeetafel, die vor Mutter Gottes, laß mir einen dem Dekorieren erst corona- Mann zukommen, damit ich konform desinfiziert worden zur Foosnd nicht wieder die war. Und mit sudetendeut- Schande erleben muß.“ Der scher Eierschecke und Berli- Mesner verstellte seine Stimner Ballen gipfelte das Konter- me, als wenn das Jesuskind fei in einen genußvollen Gau- antworten würde, und gab ihr men- und Augenschmaus. Für zur Antwort: „Du bekommst das Lukullische sorgte Irm- keinen Mann – du mit deiner gard Höhne aus Düsseldorf, giftigen Zunge – du nicht.“ die in jecker Atmosphäre ih- Die Pauline stutzte ein wenig, ren 85. Geburtstag feierte. dann stand sie auf und sagSchunkel-Ohrwürmer aus te: „Halt du die Gosch, Gongl. dem CD-Player umspielten (Halt deinen Mund, Büblein.) die Sketsche und Soloeinlagen Ich reed net mit dir, ich reed und animierten zum Mitsum- mit deiner Mutter!“ men. Ein lautstarkes Singen Mit der Geschichte des erlaubte Corona noch nicht. ausgestopften Freiers, die an Zum Thema „Kranken- die Hopeditz-Beerdigung im schwester“ bot sich das Mot- Rheinland erinnert, komme to an: „Bleibt gesund und hei- ich zu unserem lustigen Nachter, sonst weiß der Staat nicht mittag zurück. Lustig war er; weiter“. Zur Erhaltung der Ge- dennoch schwelte etwas, das sundheit gehört das Verabrei- nicht zur bewährten Stimchen von Pillen und Desinfek- mung der Vorjahre paßte. War tionsmittel. Äußerlich hatten die Ursache das Corona-Virus, wir uns bereits vor dem Ein- das eingeschränkt hat? tritt in den Pfarrsaal desinfiTanzen: nicht erlaubt. ziert. Das Desinfizieren des In- Schunkeln: nicht möglich. Abnenlebens war Gerda Nilges stand: zu groß. Singen: nicht ebenso wichtig. Sie kredenz- erlaubt. Oder fehlten uns etwa te Karlsbader Becherbitter die Männer für den Applaus? fürs Immunsystem und unterWas immer es auch sei – strich, daß ein Stamperl Be- nächstes Jahr sind wir wiecherbitter dem Lebenselixier der dabei, wenn es heißt: „HeMuttermilch gleichkomme. lau bei der rheinisch/sudetenProst! deutschen Frau!“
Christel Schmalbach berichtet über den Karneval der nordrhein-westfälischen SLKreisgruppe Krefeld im Pfarrsaal der Katholischen Schutzengel-Pfarrgemeinde in Krefeld-Oppum Mitte Februar.
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Turn bei Teplitz
K. k. Porzellan und Keramik de zum Weltbegriff. Und die Erzeugnisse wurden in die ganze Welt exportiert, wobei die USA der Hauptabnehmer war. Die Erzeugnisse wie Vasen, Figuren, Blumentöpfe und Schalen sowie phantasievolle Jugendstilkeramik wurden auf Weltaussteln der zweiten Hälfte des 19. lungen ausgezeichnet, unter anJahrhunderts entstanden in derem im Jahr 1900 in Paris mit Turn viele Glasveredelungsbe- der Goldmedaille, 1893 in Chicatriebe sowie Textil- und Maschi- go mit dem Highest Award, 1894 nenbaubetriebe. Aber haupt- in San Francisco mit der Goldmesächlich entstanden Porzellan- daille, 1894 in Antwerpen in Belund Keramikmanufakturen, die gien mit dem Diplome d‘ honweltberühmt wurden. neur und 1901 in Sankt PetersDer erste und wichtigste Un- burg. ternehmer war Alfred StellmaDie Firma Amphora hatte in cher (* 1837 in Steinheid, Thürin- Berlin, Paris und Wien Vertretungen; † 1906 in Turn). Dieser woll- gen. In der Manufaktur hielt man te um 1860 von Prag, wo er nicht sich nicht an alte Formen, sonbesonders erfolgreich war, nach dern entwickelte eigene, phanTurn-Teplitz, um neu anzufan- tasievolle, künstlerische Formen gen. Dort gründete er die Firma des Jugendstils. Alfred Stellmacher, k. k. privaViele namhafte Künstler arbeite Porzellanfabrik Teplitz-Turn teten in den Manufakturen. Der (Böhmen). Bis in die frühen Jah- bekannteste war Paul Dachsel, re des 20. Jahrhunderts findet welcher eine gewisse Zeit selbman Porzellanblumen unter den ständig war, aber nicht sehr erErzeugnissen der Manufakturen. folgreich. Er kehrte zu Ampho1892 gründeten Sohn Eduard ra und dem Wiener Ernst Wahlis Stellmacher (1868–1945) und zurück, welcher auch eine Manudie Schwiegersöhne Karl Riess faktur in Turn betrieb. ner (1868–1910), Hans Riess 1904 zog sich Eduard Stellmaner (1863–1920) und Rudolf cher aus dem Unternehmen zuKessel (1870–1922) eine Firma rück und gründete 1905 gleichfür Feinkeramik und gaben ihr falls in Turn die Porzellanmanuden Namen Amphora. Der Na- faktur Eduard Stellmacher & Co., me Amphora Turn-Teplitz wur- Porzellanfabrik und kunstkeramische Industriewerke TurnTeplitz. Beide Firmen mußten bereits 1910 Konkurs anmelden und bald danach schließen. Ab 1905 nannte sich die Firma Riessner & Kessel, k. k. priv. oesterr. Porzellanmanufaktur Amorpha Turn-Teplitz Böhmen. 1909 schied Rudolf Kessel aus der Firma aus; Karl Riessner verstarb 1910 im Alter von 42 Jahren. Die Amorpha-Werke wurden nun von Hans Riessner unter dem Namen Kunstkeramische Betriebe Amorpha-Werke Riess ner Turn-Teplitz (Böhmen) bis zu seinem Tod 1920 allein geführt. Darauf übernahm zunächst der Schwiegersohn von Hans Riessner, der Pfarrer Gottfried Wehrenfennig (1873–1950), die Leitung. Ab 1927 wiederum führte Roland Riessner (1904–1981), Sohn von Hans Riessner, zunächst Keramische Erzeugnisse aus Turn-Te- allein und ab 1932 gemeinsam plitz (oben und unten). mit seinem Bruder Rüdiger Turn bei Teplitz war eine Gemeinde am Teplitzer Grund. 1910 wurde sie zur Stadt erhoben. 1948 war sie ein Stadtteil von Teplitz-Schönau, sie wurde mit etwa 7000 Einwohnern eingemeindet.
Konzert in der Kirche der Böhmischen Brüder: Eine geflüchtete Unkrainerin singt mit ihren Kindern ein Volkslied.
� Teplitz-Schönau
Solidarität mit der Ukraine Nach dem unbegreiflichen militärischen Einmarsch russischer Truppen in die unabhängige Ukrainische Republik hat sich eine starke Welle der Solidarität weltweit erhoben. Als ein fest im NATO-Bündnis verankerter, europäischer Staat hat sich auch die Tschechische Republik diesen Solidaritätsbekundungen angeschlossen. Schließlich sind viele arbeitsame Ukrainer in tschechischen Firmen tätig und füllen dort die klaffende Lücke der mangelnden Arbeitskräfte aus.
N
ach den Angaben des Minis teriums für Arbeit und Sozialwesen arbeiten in der Tschechischen Republik mehr als 150 000 Ukrainer legal in Produktionsfirmen, im Groß- und Kleinhandel, in der Automobilindustrie und vor allem im Bauwesen. Interessant sind dabei die Ergebnisse der jüngsten Volkszählung im Jahr 2021. Ukrainische Bürger mit ständigem Wohnsitz in der Tschechischen Republik werden mit 78 000 angegeben. Die Ukrainer mit Wohnsitz in der Tschechischen Republik haben sich rasch angepaßt, sprechen die dortige Sprache und haben oft auch ein abgeschlossenes Medizin- oder Ingenieurstudium. Sie sind dort willkommen, ihre Kinder besuchen die dortigen Schulen und Gymnasien, sie respektieren die Gesetze des Landes und sind angenehme Nachbarn. Oft haben sie in ihrer Heimat noch Verwandte, Eltern und Geschwister. Und mit großer Unruhe verfolgen sie die jetzigen Ereignisse. Einige Arbeitsplätze werden nun wieder unfreiwillig leer, weil die wehrfähigen Männer sich in ihre Heimat begeben, um ihre Familien vor den Aggressoren zu schützen. Die Bilder von flüchtenden Frauen und Kindern lassen in uns Älteren schlechte Erinnerun-
gen wach werden. Die „Teplitzer Zeitung“ berichtet von mehreren Teplitzer Bürgern, die sofort mit ihren privaten Autos zur Grenze zwischen der Slowakei und der Ukraine gefahren seien, um den Flüchtenden behilflich zu sein. In Teplitz engagiert sich auch die protestantische Kirche der Böhmischen Brüder bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Am Sonntag, 27. Februar, fand in der dortigen Kirche ein Benefizkonzert für die Ukraine statt. Das Barockensemble des Teplitzer Konservatoriums bestritt das Programm. Die Kirche war vollständig besetzt. Zunächst erklang die ukrainische Hymne auf der Orgel, bei deren Klang gewiß viele Anwesende an die bedrängten Menschen im fernen Land dachten. Eine ukrainische Mutter mit zwei halbwüchsigen Mädchen hatte in den letzten Tagen mit Hilfe der Kirche Zuflucht gefunden. Sie sangen gemeinsam ein ukrainisches Volkslied und bedankten sich für die Hilfe. Man sah ihnen ihre Angst und Sehnsucht nach ihrer Heimat und dem Familienvater, welcher hatte zurückbleiben müssen, an. Auch am Teplitzer Rathaus weht die ukrainische Flagge. Spontan verkleideten die Teplitzer ihr Straßenschild „Russische Straße“/„Ruská ulice“ mit einer ukrainischen Flagge, ebenso das Schild am sogenannten Moskauer Platz. Am Dienstag, 1. März, fand ein großes Konzert in Prag auf dem Wenzelsplatz statt, verbunden mit einer Spendensammlung. Die Tschechische Republik beteiligt sich vor allem mit humanitärer Hilfe sowie den Erfahrungen mit der Errichtung von Feldlazaretten. Überall zeigt sich Hilfsbereitschaft und Verständnis. Wir können nur alle hoffen, daß es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt. Jutta Benešová
Eine ukrainische Fahne bedeckt die „Russische Straße“.
Ware aus der Turner Keramikmanufaktur.
I
Riessner (1905–1944) die Amorpha-Werke. Im Mai 1945, direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Firma mit der Wiederherstellung der Tschechoslowakei als Dritte Tschechoslowakische Republik verstaatlicht und im August 1946 die Produktion ganz eingestellt. In der kleinen Stadt Turn gab es neben Amphora noch 20 andere Porzellan- und Keramikmanufakturen, die mit großem Erfolg ebenfalls exzellente Erzeugnisse auf den Markt brachten. In dieser kleinen Stadt fertigte man eine ungeheure Vielfalt an Porzellan und Keramik an. Sammler schätzen und suchen diese Porzellan- und KeramikErzeugnisse, besonders Dachsels Werke. Auch in den USA gibt es große Sammlungen. In den Manufakturen lief die Produktion bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Dann paßte man die Produktion an die Bedürfnisse des Krieges an. Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren die Manufakturen ihre Arbeiter durch die Vertreibung – es waren überwiegend deutsche Facharbeiter –, und die Besitzer wurden enteignet. Die mei-
sten Fabriken wurden dann geschlossen. Den Rest baute man für die Bedürfnisse der neuen Machthaber um und produzierte Sanitär-, Küchen- und Gebrauchswaren. In den Sechziger und Siebziger Jahren wurden die meisten Häuser mit den wertvollen Keramikverzierungen, die im Besitz von Manufakturen waren, abgerissen. Aber dank der Turner und Teplitzer Heimatverbundenheit wurde vieles gerettet und ist heute im Teplitzer Regionalmuseum zu sehen. Das Sozialistische System hat im Sudetenland schlechte Dienste geleistet, denn die einst blühende, handwerkliche Kunst des Jugendstils wurde unwiederbringlich zerstört. Doch dank vieler Sammler weltweit ist die künstlerische Epoche von TurnTeplitz erhalten geblieben. Und sie wird noch heute auf der ganzen Welt bewundert. Das Familiengrab der Familie Stellmacher-Riessner auf dem Friedhof Weißkirchlitz befindet sich in schlechtem Zustand. Der Teplitzer Unternehmer Jan Zykmund und der Heimatforscher Petr Špacek retteten es vor der Auflösung. Erhard Spacek
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 10 | 11. 3. 2022
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Mauthaus auf einer Karte von 1766. Kindlein bet‘, / sunstens kommt der Schwed‘, / sunstens kommt der Oxenstierna, / wird dem Kindlein beten lerna.
D
as waren harte und traurige Zeiten, als in den Greueln des Dreißigjährigen Krieges dieses Wiegenlied für Kinder entstand und als Schreckgesangel auch für die Erwachsenen. Was Wunder, daß gerade dort, wo diese Schrecknisse am meisten verspürt wurden, in den Dörfern an den Straßen nach Friedensschluß Freudenzeichen entstanden. Man pflanzte Bäume, meist Linden, die, wo sie sich noch erhalten haben, jetzt Riesenbäume sind. Ein solcher Friedensbaum aus dem Jahr 1648 ist auch noch im Dorf Mauthaus hinter dem Hirschstein erhalten, die Wirtslinde. Statten wir diesem RiesenFriedensbaum und dem Dorf einen Besuch ab. Mauthaus liegt an der ehemaligen Reichsstraße über den Böhmerwaldrücken von Pilsen nach Nürnberg; heute ist sie Bezirksstraße und führt von Grafenried über Mauthaus nach Ronsperg unweit des ruinengekrönten Hirschsteins. Von Mauthaus erfahren wir anläßlich der Grenzstreitigkeiten zwischen Böhmen und Bayern 1520 bis 1522. In einer Akte des Bayerischen Staatsarchivs in Amberg wird ausgeführt, daß Böhmen oder die damaligen Pfandinhaber des Chodenbodens, Hans und Sebastian Schwamberg, auf Bischofteinitz die Grenze weiter nach Bayern rücken wollten, nämlich vom Grubbächlein südwärts bis zur Straße, welche von Tiefenbach zum böhmischen Mauthaus führt. In einer darüber angefertigten Karte aus dem Staatsarchiv in München ist diese Straße eingezeichnet. Da aber damals noch keine Ortschaften bestanden, führte sie durch lauter Wald und kann daher heute nicht mehr angegeben werden, wahrscheinlich ist es der Verbindungsweg von Tiefenbach über Steinlohe, Anger und Seeg nach Mauthaus. Dieses böhmische Mauthaus ist aber noch kein Dorf, sondern ein einschichtiges Haus mitten im Wald, höchstens noch ein Haus dazu. Auf dieser Karte werden mehrere solche Häuser an den Wegen über den Böhmerwaldrücken angezeichnet. Zum Beispiel auf der zweiten Straße von Ronsperg nach Bayern, welche über Zeisermühle – damals Zeiselmühl – den Lyssaberg hinauf nach Hirschsteinhäusl, Kreuzhütte, Haselberg und Grafenried ging und der Diebsteig hieß, ist ein solches Haus in Haselberg an der Stelle, wo heute Adolf Söllner sein Haus neuerbaut hat, gegenüber Kreuzhütte. Oder an der Poststraße von Waldmünchen nach Klentsch über Arnstein ist ein solches Haus in Sofienthal, wo das Pfälzer Jägerhaus steht. Der Name sagt, welchen Zweck es hatte: Zoll-
Mauthaus auf der „Müller‘schen Karte“ von etwa 1790.
Mauthaus
Mauthaus im Stabilen Kataster von 1838.
auch außer diesen drei Einfällen Scharmützel hier stattfanden und Plünderungen. Welche Freude, als das Rauben zu Ende war! Dann stehen in der nahen Umgebung in Baiern tatsächlich Friedensbäume: in Schwarzach Die Nachkommen der Familie Pfingstsonntag und die meisten wächst etwas über das Dach nach zwei gleiche Riesenlinden, von Rieß sitzen heute noch auf dem Leute in der Vesper in Wasser- Osten. Hier verzweigt er sich in denen geschichtlich feststeht, Hause als tüchtige Landwirte suppen. Bis Hilfe kam, stand das fünf größere Äste, die alle auf- daß sie 1648 gepflanzt wurden. und rührige Geschäftsleute. Dorf im Feuer, und da die weni- wärts streben. Ebenso ist der Umfang dieser Das Dorf Mauthaus wurde gen Brunnen bald ausgepumpt Zweimal sind Ansätze vorhan- Friedenslinde ein Beweis. In Granach dem Jahr 1600 angelegt, als waren, mußte man das Dorf bren- den zur Astbildung nach Westen, fenried wurden 1763 sechs Lindie Glashütten den Wald so ziem- nen lassen. Eine Episode wird beide wurden abgesägt oder bra- den um ein Sankt-Johann-vonlich verzehrt hatten. Es waren ur- noch heute erzählt, wie das letz- chen, und nun trieben die Äste Nepomuk-Standbild gepflanzt, sprünglich sieben Alteingeses- te Haus gerettet wurde: Mit einer aufwärts. Wenn sich der Baum die jetzt drei Meter Umfang hasene oder Bauern, welche ihre Reine Milch konnten in Erman- mit seinem Laubmantel umhüllt, ben; haben diese in 165 Jahren Felder in gleich großen Streifen gelung des Wassers die brennen- bildet er ein geschlossenes Ellip- eine solche Stärke erreicht, wo neben der Straße bis zum Wald den Schindeln gelöscht werden. soid, das keinen Blick auf das In- sie ziemlich nahe stehen, so ist haben; unter diesen ist auch das Am oberen Dorfende steht das nere gestattet. Und in dieser dun- das Wachstum in 280 Jahren auf Wirtshaus, aber doppelt so groß Wirtshaus mit seinem Leibtums- kelgrünen Masse ist er weithin fünf Meter und 60 Zentimeter als an Feldern und Wiesen. häusl, und über der Bezirksstraße sichtbar. Er beherrscht das gan- Einzelbaum verhältnismäßig. Eine Überlieferung sagt, daß die Scheuer und davor die Frie- ze Schwarzachtal. Wenn man von Endlich spricht für dieses Alter das Wirtshaus auch die groein Freibauße Höhlung, ernsitz war, die weit in den weil es die VerStamm hineinpflichtung hatreicht. Die muß te, den Klentvor mehr als scher Kaplan, 100 Jahren entwenn er auf standen sein, seinem Seeldaß sie in den sorgsritte ins 1860er Jah„Transsylvaren schon so nien“ (Hingroß war, daß terwald) kam, einige Klafmit dem Pferter Schindelde zu verköholz bequem stigen. Nach hinein gedem oben erschlichtet werwähnten Amt den konnten, als k. k. Zöllner also schon daist das ohnehin Das Bild von der Mauthauser Schule mit der Friedenslinde rechts erschien 1929 mit Pfarrer Michael Rings Ausfüh- mals der Baum erklärlich und rungen in der Zeitschrift „Waldheimat“. im Absterben verständlich. war, obwohl er Die Albrecht und Achatz ha- denslinde, welche mit zwei Drit- Waldmünchen aus seinen Blick aufs sehr trockenem Boden steht ben sich in der Matrik als „Eh- tel Höhe die Scheuer überragt. auf dieses Tal richtet, sieht man und Lindenbäume ein sehr hohes renvesst“ eintragen lassen. Sie ist wirklich eine Riese unter zuerst die Mauthauser Wirtslin- Alter erreichen. Damals wurden Die Bauern sind Gebirgsbau- den Bäumen. In den letzten Jah- de mit dem Hirschstein im Hin- auf der Herrschaft einige Klafter ern mit 15 Joch Grund. Die Häu- ren wurden Bäume aus dem Cou- tergrund. Schindelholz entwendet, und die ser stehen entlang der ehemali- denhoveschen Tiergarten vorIst nun diese Linde wirklich Hausdurchsuchung brachte sie gen Reichsstraße, mit der Giebel- beigefahren mit neun und zwölf ein Friedensbaum von 1648? nicht zum Vorschein. Da verfiel seite dieser zugewendet. Bei den Kubikmetern, aber die Linde Mit Dokumenten kann das der Vorsteher auf den Lindenmeisten sieht man eine auffallen- überragt alle diese. nicht belegt werden. Die Wirts- baum, der das Schindelholz barg. de Eigentümlichkeit – gewisserSie ist gut 35 Meter hoch und leute besitzen keine AufzeichIn früheren Jahren waren unmaßen einen Wall von Laubbäu- hat einen Umfang von fünf Me- nungen, aber Wahrscheinlich- ter der Linde Tische und Bänmen wie Eschen, Eichen, Ahorne, tern und 60 Zentimetern. Sie steht keitsbeweise lassen sich mehrere ke, und die Dorfbewohner trandie eins vom anderen trennen. auf Sandboden, aus dem schon anführen. Da ist zuerst der Greu- ken mit den Grenzaufsehern, die Eine Erklärung dafür wäre vor vielen Jahren ein Bierkeller el des Krieges. hier lange noch, nachdem das ein Schutz vor Lauf- und Flug- fast direkt unter den Stamm der Dreimal hatten die Schweden Zollamt nach Anger verlegt worfeuer; denn am 30. Mai 1847 war Linde hineingegraben wurde, ein diese Gegend gebrandschatzt den war, ihre Kaserne hatten, ihr das ganze Dorf bis auf zwei Häu- Keller ohne Mauer und Gewölbe und verwüstet. 1634 schreibt der Bier im Freien. Heute setzt man ser abgebrannt. Es war damals aus lauter Sandstein bestehend, Gutsbesitzer Wolf Eitel Pelkho- sich lieber in die fliegenschwarwie man solche Keller damals fer in Grafenried, ein Protestant, ze Stube, daher ist die Linde vergrub, als das Bier noch nach über die Schweden: „Mein Gut lassen. alter Art gebraut und eingela- ist vollständig spoliert und verWünschenswert wäre, daß der gert und ausgeschenkt wurde. wüstet.“ Grafenried ist drei Vier- Baum noch lange an jene schweUnd gleich daneben wieder telstunden entfernt an derselben re Zeit erinnern kann und ihm Pfarrer von Stockau, ein Freund unter dem Stamm eine Sand- Straße. deshalb einige Pflege angedievon Pfarrer Ring, war auch dagrube, welche einen Großteil Und beim Bayerischen Einfall hen würde durch Auffüllen der bei. Bei einem gemütlichen Zuder Wurzeln auf der Westseite schreibt der Grafenrieder Hüt- Sandgrube und Ausplombieren sammensein sagte er in seinem bloßlegte, die wie ein Gewirr tenmeister Georg Görl, daß ihm der Höhle. In Schwarzach läßt der tschechischen Akzent: die Sandgrube bedecken. ein Schaden von 4000 Gulden dortige Gutsbesitzer den Frie,No Michl, predigst du imDer Stamm ist innen morsch verursacht worden sei. Was die densbäumen recht große Sorgmer noch ganze Stund alle Sonnund bildet eine große Höh- Soldaten im Bräuhaus und in der falt angedeihen. Jeder abgestortag. Ich predige nur Viertelstund. lung mit dem Eingang von Glashütte nicht hätten mitneh- bene Ast wird entfernt und die Wer sich nicht bekehrt Osten her. Linksseitig hat sich men können, hätten sie zerschla- Schnittfläche mit einem Brettauf Viertelstund, beder Baum bereits geholfen, in- gen. chen gegen Feuchtigkeit gekehrt sich auch nicht dem sich eine größere Wulst 1647 hausten die Schweden schützt; sie lohnen aber auch die auf ganzes Stund. neue Rinde und Neuholz ge- über dem Böhmerwaldrücken. Pflege durch das prächtige LaubAuch a Schäflein von bildet hat. Was fliehen konnte, floh nach dach, den üppigen Wuchs und dir hat sich letzlich verIn seinem unteren Teil Waldmünchen in die befestig- den herrlichen Duft zur Blütezeit. rennt bei mir zur Osterwächst der Stamm von der te Stadt. Und so kam Mauthaus Möge auch die Mauthauser beicht. Das war aber ka Scheuer ab nach Westen und nochmals daran. Vielfache Fun- Friedenslinde sich einer größeSchäflein mehr, das war gibt erst über der Firsthöhe de von Hufeisen, Steigbügeln ren Sorge erfreuen und die Beschon a Hammel.‘“ der Scheuer der herrschen- und Sporen auf den Mauthau- wohner an jene Zeit erinnern! Michael Ring den Windrichtung nach und ser Feldern geben Zeugnis, daß
Eine Linde dankt für Frieden haus. Freilich war es außerdem noch ein Wirtshaus und zum Vorspann. Ein alter, heute in der ganzen Umgebung nicht mehr gebräuchlicher Name, der in Folge Unverständnisses der Bedeutung als Übername noch auf dem Wirtshaus, welches jenes böhmische Mauthaus ist, haftet, gibt uns Kunde, nämlich Pitsch. Das heißt so viel wie Krug, Dorfkrug, Kretscham und rührt vom tschechischen Wort Krčma für Taverne, Kneipe oder Wirtshaus. Auch heute noch sagt man nur kurz Beim Wirt. Auch zum Vorspann für die Fuhrwerke war es bestimmt. Gleich unterhalb von Mauthaus, keinen halben Kilometer weit, begann der Anspann – im Tschechischen Souvoz – nach Grafenried hinauf, eine Steigung über 100 Meter auf eine Viertelstunde, und nach Böhmen über den Hirschstein. Die Zollteilnehmer waren zugleich Wirte. Das Amt war in der Familie erblich. In den Jahren 1600 bis 1765, als das Zollamt in das damals an Böhmen gefallene Anger-Grafenried verlegt worden war, sind drei Familien urkundlich: Albrecht, Achatz und Rieß, welche heute noch darauf wirtschaften. Die Albrecht kamen 1640 nach Neugramatin als Zinnschmelzer, auch Telonarius, später als Ungeltner nach Taus. Vater war Mathes, Sohn Christof Albrecht. Achatz sind Vater und Sohn angeführt, nämlich 1657 Jörg Achatz, „Römisch Kayserlich Majestätischer Zolleinnember zu Neuenpey“, und 1683 Udalricus Achatz, „pincerna et telonarius in Neygebey“, seine Frau Anna ist angeführt „ex domo telonaria“. Pincerna bedeutet Wirt, Telonarius Zöllner. Von der Familie Rieß wird 1716 der erste Zöllner in Wassersuppen beerdigt: Joannes Rieß, „in confinibus ibidem teloniorum (Quaestor)“, mit 60 Jahren.
Pfarrer Michael Ring Der Autor Michael Ring war 50 Jahre lang Pfarrer in Grafenried.
M
ichael Ring kam am 18. November 1862 in Schmalzgruben bei Haselbach zur Welt. Er starb 1937 in Grafenried, wo er von 1887 bis zu seinem Tod Pfarrer gewesen war. Seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof. Über ihn gibt es viele Geschichten und Anekdoten. Eine besonders nette sei hier erwähnt: „Es war einmal eine Priesterkonferenz in Ronsperg. Der Herr
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Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Rastplatz am Böttgerweg vor dem Naturpark Böhmischer Wald. Der 2021 eröffnete historische Pfad erinnert an das untergegangene Dorf Paulusbrunn.
Bald blühen wieder Vergißmeinnicht auf dem Paulusbrunner Friedhof.
Bärnau und Paulusbrunn
Gefährden Windräder die Freundschaft? nen Vorhang entstanden sei. Mit grenzübergreifenden Moorgebieten sei das Gebiet ein Rückzugsort für hochgradig gefährdete Pflanzen- und Tierarten.
A
Katasterplan von 1838.
Die Zukunft am Grenzkamm? richten“, erklärt Wolf die weiteren Pläne. Auch der Zweckverband Ikom Stiftland, ein Zusammenschluß von zehn Gemeinden im östlichen Landkreis, will sensible Landschaftsabschnitte für einen nachhaltigen und naturnahen Kulturtourismus erschließen. Per Deklaration über Partnerschaft und Zusammenarbeit im bayerisch-tschechischen Grenzland
Sudetendeutscher Kulturpreisträger aus Labant
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ur Welt kam Ernst Schmutzer in dem schönen Dorf Labant am Fuß des Pfraumbergs im früheren Bezirk Tachau. Der Vater war Zimmerpolier, die Mutter betrieb eine kleine Landwirtschaft. Als Ernst vier Jahre alt war, sagte man: „Der wird einmal ein Professor.“ Nach der Volksschule in Labant besuchte er in Mies das Gymnasium. Da dieses im Frühjahr 1945 schloß, ging er 1946 über die grüne Grenze nach Weiden in der Oberpfalz zur dortigen Oberrealschule. Zu Weihnachten 1946 machte er sich auf den beschwerlichen Weg nach Waren an der Müritz, wohin es seine Eltern und seine Schwester Marianne – später Gäbler – mit einem Antifa-Transport verschlagen hatte. Dort machte er 1949 Abitur und studierte in Rostock Theoretische Physik. Bei seinem Lehrer Professor Hans Falkenhagen promovierte er 1955 mit der Arbeit „Zur Theo-
na in eine freie und moderne Bildungsstätte. Der fleißige, hart arbeitende und zielstrebige Wissenschaftler ist Autor von 250 wissenschaftlichen Arbeiten und 30 Büchern und Monographien. Die wichtigsten sind das Lehrbuch „Grundlagen der Theoretischen Physik“ (3. Auflage), „Projektive Einheitliche Feldtheorie mit Anwendungen in Kosmologie und Astrophysik. Neues Weltbild ohne Urknall?“ und „Fünfdimensionale Physik“. Sein erfolgreiches Wirken blieb natürlich nicht ohne Auszeichnungen: 1977 Carus-Medaille der Leopoldina-Akademie und Carus-Preis der Stadt Schweinfurt, 1978 Verdienstmedaille der Karls-Universität Prag und Ehrenmedaille der MathematischPhysikalischen Fakultät dieser Universität, 1981 Nationalpreis der „DDR“, 2005 Ehrung der Stadt Jena und Eintragung in das Goldene Buch. 2011 zeichnete ihn die SL mit ihrem Großen Kulturpreis aus. Ernst Schmutzer wurde Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Akademie der
gemeinnützigen Wissenschaften in Erfurt, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig und schließlich der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in München. Besonders hart trafen ihn Anfeindungen von ehemaligen „DDR“-Bürgern. Die sogenannte Gauck-Behörde rehabilitierte ihn jedoch. Seine Erinnerungen an seinen Heimatort Labant und sein bewegtes Leben faßte er in seinem 2020 in Jena erschienenen Buch „Von Böhmen nach Bayern, Mecklenburg und Thüringen“ zusammen. Ohne Ernst Schmutzer wüßten wir nur wenig über die Sozialdemokraten und Kommunisten in Labant und das Schicksal der Antifaschisten in der „DDR“. Darüber hinaus stellte er unserem Museum in Weiden zahlreiche Exponate zur Verfügung. Und wir verdanken ihm eine fast zweistündige Tonaufnahme, in der er von seinem Leben, von der Kriegs- und Nachkriegszeit erzählt. Mit seiner Schwester Marianne Gäbler, seinen Kindern und Enkelkindern trauern wir um unseren so liebenswerten wie hochverdienten Landsmann.
98 Jahre.
Christine Harinko Schriftführerin
Roßhaupt. Am 17. Angela Lohner/Herbst, 93 Jahre. Helga und Heribert Kett Ortsbetreuer
Schönwald. Am 22. Johann Haid. Am 13. Katharina JuSattler (Haus-Nr. 94, gelt/Sedelmayer (TöpSpanerpepp) in Hunferstraße 154) in BerU TS C HE E gen, 92 Jahre. lin, 97 Jahre. R D Wilfried Felix Marterer N Schiffl StadtbeOrtsbetreuer treuer Hesselsdorf. Am 7. Brigitte Langguth, Brückenstraße 35, 99098 Erfurt, 76 Jahre. Anni Knarr Ortsbetreuerin
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rie der Oberflächenspannungen starker konzentrierter elektrolytischer Lösungen“ mit Auszeichnung. Seine Leidenschaft galt dann der Relativistischen Physik, der er sich nach seinem Wechsel an die Friedrich-Schiller-Universität Jena ganz und gar verschrieb. Rasch fand er in der Fachwelt Anerkennung und war als Hochschullehrer beliebt. Professor Gernot Neugebauer: „So konnte er sich die notwendigen Freiräume schaffen, in denen sich die von ihm gegründete Jenaer Schule der Gravitationsphysik erfolgreich und beispielgebend für die gesamte deutsche Wissenschaftslandschaft entfaltete.“ 1960 bis 1995 war er Professor für Theoretische Physik an der Universität Jena, seit 1964 Lehrstuhlinhaber. 1968 bis 1990 leitete er den Wissenschaftsbereich Relativistische Physik. 1974 bis 1978 war er Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät. Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm er als erster frei gewählter Rektor den Umbau der Universität Je-
Wir gratulieren folgenden treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten, die im März Geburtstag feiern, und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
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Ernst Schmutzer † Am 20. Februar starb Ernst Schmutzer, aus Labant stammender Träger des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises 2011, sechs Tage vor seinem 92. Geburtstag in Jena. Heimatkreisbetreuer Wolf-Dieter Hamperl gedenkt seiner.
zwischen den Regionen Tachau und Nördlicher Oberpfälzer Wald ist auch der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald beteiligt. Nicht zuletzt unterhält der Zweigverein des Oberpfälzer Waldvereins in Bärnau mehrere Wanderwege entlang des Grenzkamms, die die besondere Geschichte der Gegend erfahrbar machen wie den Nurtschund den Böttgerweg. Entlang der Wanderstrecken liegen beispielsweise die Prinzfabrik, Paulusbrunn, die Hansnigl-Kapelle, die Meilensteine der Zeit – alles rare Relikte der Vergangenheit. Die Windräder in einer der letzten Ruhezonen am Grenzkamm würden eine hochsensible Kulturlandschaft gefährden und wären ein Rückschlag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sind sich Wolf und seine Mitstreiter sicher. Bisher sei die Kulturlandschaft von negativen Einflüssen weitestgehend verschont geblieben. nh
IN H OF
lfred Wolf, Vorsitzender des Vereins Via Carolina – Goldenen Straße, wehrt sich gegen die vier 180 Meter hohen Windkraftanlagen. Zwei sind am Waldrand östlich von Stöberlhof und zwei am Hinteren Steinberg geplant. Wolf und seine Mitkämpfer wollen nun den Schutzstatus dieser Gebiete erreichen. „Wir fordern die Freihaltung des Grenzkamms.“ Sie befürworten, daß Landrat Roland Grillmeier sensible Bereiche mit einer Veränderungssperre schützen lassen möchte. Besonders das tschechischen Umweltministerium habe Einwände. Auf der anderen Seite der Grenze liege das Naturschutzgebiet Böhmischer
Mit den Nachbarn wurde kürzlich erst eine Machbarkeitsstudie zum Grünen Band an der bayerisch-böhmischen Grenze abgeschlossen. Dort, wo die Windräder errichtet werden sollen, sind Entwicklungskonzepte für Kultur, naturverträglicher Tourismus sowie Biodiversität, Klima- und Artenschutz geplant. Die Windräder bedrohen auch den Schwarzstorch, den Rotmilan und den Seeadler. Wolf: „Wir müssen die letzten intakten Räume bei uns in der Region freihalten.“ Seit Jahrzehnten bemüht sich Wolfs Verein, das Grenzland aufzuwerten und Freundschaften mit den Tschechen aufzubauen. Entstanden ist der Geschichtspark BärnauTachov, das größte archäologische Mittelalter-Freilandmuseum. Die Windräder würden den touristischen Wert und die regionale Identität gefährden. „Wir wollen daneben ein ökologisches Naturdorf er-
Pfraumberg. Am 30. Ilse Orendt (Schwind Ilse), 102 Jahre, I N JU und am 17. Anna 3. B I S 6. Erhart (Gattin von Honsmichl Koarl, HausNr. 209), 96 Jahre. Neuzedlisch. Am 1. Walter Waltraud Gregor Fischer (Fischerpäiter Walter), Stadtbetreuerin
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Wald (Česky Les). Das Ökosystem in diesem Bereich gehöre zum Grünen Band. Dieses beherberge eine einzigartige Flora und Fauna, die durch den Eiser-
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Auf dem Grenzkamm zwischen Bärnau und Paulusbrunn im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth sollen vier Windkraftanlagen aufgestellt werden.
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Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im März Reinhold Wurdak, Ortsbetreuer von Maschakotten, am 31. zum 69. Geburtstag. Wir wünschen alles erdenklich Gute, Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin