Autorin Susanne Keller-Giger über Reichenbergs Bürgermeister Carl Kostka (S. 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 8 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 25. Februar 2022
VOLKSBOTE
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� Union der Vertriebenen und Aussiedler tagte im Sudetendeutschen Haus mit Bayerns Antisemitismus-Beauftragten Ludwig Spaenle
Scharfe Kritik an Putin und Polen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen“ in Aussig.
� Besuch in München?
Mit der russischen Aggression gegen Europa sowie weiteren brisanten Europa- und vertriebenenpolitischen Themen hat sich die CSU-Arbeitsgemeinschaft Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV) bei ihrer Landesvorstandssitzung im Sudetendeutschen Haus in München befaßt.
Museum er UdV-Vorsitzende Bernd D zugleich Sprecher hofft auf der Posselt, Sudetendeutschen Volksgruppe, rief zu einer massiven der existentiell Steinmeier Unterstützung gefährdeten Ukraine sowie zu
Es ist denkbar, daß Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner zweiten Amtsperiode, die am 19. März 2022 beginnt, einen Besuch im Sudetendeutschen Museum in der Münchner Hochstraße ins Auge faßt.
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ieser hatte sich in den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit begreiflicherweise nicht mehr realisieren lassen. In dem Schreiben des Bundespräsidialamtes, das auf Grund der Einladung von Volksgruppensprecher Bernd Posselt an das Staatsoberhaupt in der Hochstraße einging, wird die neueste sudetendeutsche Einrichtung jedenfalls sehr positiv gewürdigt: „Der Bundespräsident hat seinen Besuch der neuen Dauerausstellung ,Naši Němci – unsere Deutschen’ im Museum der Stadt Ústi nad Labem im Zuge seiner Tschechien-Reise Ende August 2021 in nachhaltiger Erinnerung. Die hier gefundene Darstellung der Geschichte der Deutschen in den Böhmischen Ländern vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert und ihrer Vertreibung 1945/46 hat ihn beeindruckt. Diese Ausstellung wird ihren Beitrag dazu leisten, die Hintergründe und die Geschehnisse im Kontext mit der Vertreibung der Sudetendeutschen sichtbar zu machen – eine wesentliche Voraussetzung für eine Aufarbeitung dieses Ereignisses und den Erhalt der Erinnerung daran. Dies ist in Deutschland nicht minder wichtig. Deshalb hat der Bundespräsident auch mit Interesse davon erfahren, daß ebenso wie die Ausstellung im Stadtmuseum Ùsti nad Labem auch die Präsentation dieses schwierigen Themenkomplexes im Sudetendeutschen Museum in München in Zusammenarbeit der tschechischen und der deutschen Seite entstanden ist. ... Der Bundespräsident wünscht dem Sudetendeutschen Museum in München zahlreiche Besucherinnen und Besucher und die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Diesem Wunsch schließe ich mich gern an”, soweit der Leiter der Inlandsabteilung im Bundespräsidialamt, Ministerialdirektor Dr. Oliver Schmolke. Volksgruppensprecher Bernd Posselt wird sich zu Beginn der zweiten Amtszeit des wiedergewählten Bundespräsidenten erneut mit dem Präsidialamt wegen eines Besuches im Museum in Verbindung setzen.
Verhandlungen über die künftige Sicherheitsstruktur Europas auf. Dabei müsse auch die Demilitarisierung des nördlichen Ostpreußens rings um Königsberg thematisiert werden. Dort habe Rußland eine waffenstarrende Zone aufgebaut, die ganz Mitteleuropa bedrohe. Der UdV-Landesvorstand begrüßte in einer Entschließung, daß die neue und pro-europäische Regierung der Tschechischen Republik im zweiten Halb-
„starke Mittelkürzungen zumuten will und ihnen so die Luft zum Atmen nimmt“. Warschau wurde aufgefordert, wieder zu den positiven Standards zurückzukehren, die in den früheren Die Union der Vertriebenen tagte im Sudetendeut- Jahren bei der schen Haus. Ehrengast war MdL Ludwig Spaenle. polnischen Minderheitenfördejahr nach Frankreich die EU- rung gesetzt worden seien. Es sei Ratspräsidentschaft übernimmt, zu begrüßen, daß sich inzwischen und appellierte an Prag, der Min- der Europarat in Straßburg mit derheitenschutzinitiative Mino- dieser Frage beschäftige. rity Safepack über „die Hürden Sowohl der Bundestagsabgezu helfen, die die EU-Kommis- ordnete Stephan Mayer als auch sion gegen die Schaffung eines der Minderheiten-Beauftragte wirksamen europäischen Schut- der Bundesregierung, Bernd Fazes von Volksgruppen und Min- britius, zugleich BdV-Präsident, derheiten aufgebaut hat“. berichteten in ihrer Eigenschaft Scharfe Kritik wurde an Polen als stellvertretende UdV-Landeslaut, dessen gegenwärtige natio- vorsitzende ausführlich über die nalistische Regierung den deut- aktuellen Entwicklungen in Berschen Volksgruppen im Land, lin. insbesondere in Oberschlesien, Besonderer Ehrengast des
UdV-Landesvorstandes war der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungskultur und geschichtliches Erbe, MdL Ludwig Spaenle. Dieser entwickelte in lebhafter Debatte mit den anwesenden Repräsentanten aller Landsmannschaften eine Fülle neuer Ideen für eine Kooperation mit den Vertriebenenverbänden. Dabei ging es unter anderem um das „Grüne Band“ – ein Projekt, das sich von Spitzbergen bis an die Adria hinzieht und die in Jahrzehnten der unmenschlichen Teilung entstandenen Ökoregionen links und rechts des ehemaligen Eisernen Vorhanges umfaßt. Für die UdV ist dabei vor allem die ehemalige innerdeutsche Grenze sowie die bayerischböhmische von Interesse. Dort, wo einst Stacheldrähte und Minenfelder die Menschen trennten, sollen sich jetzt Naturschutzund Erholungsgebiete, die sich dem sanften Tourismus widmen, abwechseln. Geplant sind
aber auch die Entdeckung, Erforschung und Entwicklung von Gedächtnisorten der oftmals vergessenen älteren Geschichte, der totalitären Systeme und der Vertreibung. Die UdV begrüßte dies und vereinbarte mit Spaenle, sich aktiv an diesen Arbeiten zu beteiligen. Die CSU-Arbeitsgemeinschaft rief zudem dazu auf, die Menschen nicht zu vergessen, die bei dem Versuch, den Eisernen Vorhang zu überwinden, ihr Leben lassen mußten. Die Mitglieder des UdVLandesvorstandes berichteten Spaenle über bereits durchgeführte Ausstellungen und Publikationen, aber auch über Zukunftsprojekte, die das jüdische Leben in Deutschland und den deutschen Sprachgebieten Mitteleuropas betreffen – von Ostpreußen bis nach Schlesien und von Böhmen bis ins Banat. Der Beauftragte des Freistaates Bayern zeigte sich zutiefst beeindruckt und regte an, gemeinsam auch auf diesem Themenfeld weiterzuarbeiten.
� Paneuropa-Union in Scy-Chazelles
Robert Schuman und Mitteleuropa Die von Richard Graf Coudenhove-Kalergi aus Ronsperg in Böhmen gegründete PaneuropaUnion ist die älteste Einigungsbewegung in Europa und wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.
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Vor der Grabkapelle in Scy-Chazelles (von links): Johannes Kijas, Werner Euskirchen, Volksgruppensprecher Bernd Posselt, der auch Präsident der Paneuropa-Union Deutschland ist, sowie Stephanie Waldburg. Im Hintergrund die Skulpturen von Robert Schuman und des italienischen Altösterreichers Alcide de Gasperi aus Trient. F oto: Paneurpa
ls Auftakt zum Jubiläumsjahr fuhr eine Delegation mit Präsident und Volksgruppensprecher Bernd Posselt an der Spitze von Ronsperg ins lothringische Scy-Chazelles bei Metz, wo der große französische Staatsmann Robert Schuman begraben ist. Schuman gilt, anders als der Mitteleuropäer CoudenhoveKalergi, für viele nur als Vorkämpfer der West-Integration.
Dabei hat er schon in seiner Jugend intensiv den Raum der DonaumonarRobert Schuman. chie be Foto: EU reist und als erster französischer Politiker bereits in den fünfziger Jahren die Beseitigung des Eisernen Vorhanges und die Wiedervereinigung mit den Völkern Mittel- und Osteuropas gefordert.
� Zweites Onlinetreffen in diesem Jahr
Heimatrat will mehr Unterstützung anbieten Der Sudetendeutsche Heimatrat hat bei seinem zweiten Onlinetreffen ein weiteres starkes Signal gesetzt, die Arbeit in den Heimatlandschaften und Heimatkreisen sowie in der Ortsbetreuung innovativ und zukunftsfähig aufzustellen.
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ranz Longin, Vorsitzender des Heimatrates, betonte die Herausforderung, die Organisationsstruktur auf Vordermann zu bringen, um auf neue Entwicklungen und kurzfristige Herausforderungen zielgerichtet reagieren zu können. Mit der kürzlich stattgefundenen Umfrage unter den Heimatlandschafts- und Heimatkreisbe-
treuern habe man sich das Ziel gesetzt, die Unterstützungsangebote für die verdienstvolle Arbeit der Landsleute zu optimieren, so Longin. 13 von 14 Heimatlandschaftsbetreuern haben den Fragebogen ausgefüllt, ebenso ein großer Teil der Heimatkreisbetreuer, stellte Longin dankbar fest. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in den kommenden Wochen im Detail analysiert und individuelle Hilfsangebote erarbeitet werden. Unterstützung bei der Gewinnung von Interessierten für die Heimatarbeit auf den unterschiedlichen Ebenen und mehr Impulse für die Basisarbeit bei den Onlinebesprechungen
gehören zu den geäußerten Unterstützungswünschen. Als weiteres Herzensanliegen des Heimatrates wird der Erhalt von Heimatstuben, aber in jedem Fall der Heimatsammlungen, genannt. Klaus Mohr, Sammlungsleiter für das Sudetendeutsche Museum und ausgewiesener Experte für die zahlreichen Heimatstuben der Sudetendeutschen, informierte über den aktuellen Sachstand der Bestrebungen zum Erhalt und der Sicherung der zahlreichen Heimatstuben. Anschaulich präsentierte Mohr anhand eines Films über die kürzlich im Sudetendeutschen Museum gezeigte Krippenausstellung den Fortschritt
seiner Digitalisierungsarbeiten zunächst für Heimatstuben, die aufgelassen werden und so virtuell erhalten bleiben können. Ein weiteres Pilotprojekt sei die Gibauer Heimatstube in Lorsch, die kurz vor der Auflösung stünde. Soňa Dederová vom DeutschTschechischen Zukunftsfonds, die als Gast an der Besprechung teilgenommen hatte, appellierte an die Verantwortlichen, daß die Kulturschätze in den Heimatstuben doch auch in der Tschechischen Republik gezeigt werden. Mit Dr. Hans-Peter Sang, ehemals Konrektor einer großen Schule, Autor zahlreicher Bücher und seit kurzem Heimatkreisbetreuer von Marienbad, berich-
tete ein durchwegs motivierter Amtsträger über seine Vorstellung hinsichtlich Betreuung der Marienbader Landsleute und der Suche nach Kontakten mit Menschen, die heute im Kreis Marienbad leben. Über die erfreuliche Mitgliederentwicklung der zahlreichen von ihm ehrenamtlich betreuten Facebook-Gruppen informierte Markus Decker, Heimatlandschaftsbetreuer für das Riesengebirge, bevor die Heimatlandschaftsbetreuer mit ihren Kreisbetreuern in den zur Verfügung gestellten virtuellen Besprechungsräumen den Meinungsaustausch fortsetzten. Hildegard Schuster
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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ie in der Nähe des Prager Wenzelsplatzes gelegene Jungmannstraße (Jungmannova) wird täglich von Tausenden Pragern durchquert. Das Haus Nummer 28 ist ein funktionalistisches Gebäude und inzwischen sogar als Kulturdenkmal durch die Unesco geschützt. Im Jahr 1933 hatte der deutschjüdische Architekt Ernst Mühlstein es als damals beliebtes Warenhaus „Te-Ta“ entworfen und an seinen früheren Ruhm erinnert bis heute eine weiße Reklame über dem Eingang. In den Jahren 1996 und 1997
wurde das Haus umgebaut und für andere Zwecke benutzt. Der Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, forschte in der persönlichen Geschichte des Architekten und entdeckte, daß der 1893 in Prag geborene Mühlstein an der Deutschen Technischen Universität studiert und im Jahr 1924 zusammen mit Viktor Fürth, auch einem deutschjüdischen Architekten, ein Architekturbüro gegründet hatte. An das Wirken der beiden Männer erinnern neben einigen Villen auch zahlreiche Büro- und Miethäuser, und dies nicht nur in Prag. Im Jahr 1938 flüchteten die bei-
PRAGER SPITZEN den gemeinsam vor den Rassengesetzen der Zweiten Tschechoslowakischen Republik und der späteren deutschen Nazi-Besetzung nach England. Fürth blieb dort, Mühlstein dagegen fand sein Berufsglück in Australien und nahm den Namen Ernst Edward Milston an. Auch dort konnte er sich mit seinem architektonischen Können durchsetzten. Von 1955 bis 1958 projek-
Abgeordnete segnen Staatshaushalt ab
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tierte er fast die gesamte neu entstandene Stadt Mary Kathleen in Queensland. Er starb 1968 in Melbourne.
Autorin Alena Wagnerová hat die Reportagen von František Kocourek wiederentdeckt
Saarplebiszit: Wie ein Prager Journalist vor den Nazis warnte
te damals nicht Hitler, sondern Deutschland gewählt. Die Reportagen belegen demnach, wie vor der Volksabstimmung Sozialdemokraten und Arbeiter unter Druck gesetzt wurden, an den eigenen Häusern Plakate für den Beitritt zum Deutschen Reich anzubringen. „Wer das nicht tat, wurde als Feind gebrandmarkt. Das lief an der Saar genauso ab, wie in den Sudeten, wo junge Anhänger des späteren Gauleiters Konrad Henlein ab 1937 vor den jüdischen Geschäften standen und die Menschen notierten, die dort kauften, wie es Milena Jesenská in ihren Reportagen beschrieben hat und was mir Sudetendeutsche auch bestätigt
haben.“ Mittlerweile hat Alena Wagnerová eine Vielzahl von Kocoureks Reportagen gesammelt und unter dem Titel „Die Saarländer haben sich entschieden“ herausgegeben. Mehr als eine Woche war Kocourek damals für seine Reportagen im Saarland unterwegs. Er sprach dabei mit normalen Menschen, beobachtete die Arbeiter beim Schichtwechsel am Hauptbahnhof und ist mehrmals zur Goldenen Bremm gefahren, dem Grenzgebiet zu Frankreich, um dort französische Soldaten zu interviewen. Und mit der internationalen Presse saß er auf dem Balkon in der Saarbrücker Halle Wartburg, als unten an den Tischen die Stimmen ausgezählt wurden. Während die meisten ausländischen Journalisten nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses abreisten, fuhr Kocourek erneut zur Goldenen Bremm und wurde dort Zeuge, wie ein Strom von Saarländern aus Angst vor den Nazis ins französische Exil flüchtete. In der nationalsozialistischen Propaganda wurde dieser Exodus mit keinem Wort erwähnt. Das Saarplebiszit blieb vor dem Zweiten Weltkrieg ein singuläres Ereignis, auch wenn Hitler mit der Sudetenkrise den Konflikt um die Autonomie der Sudetendeutschen gezielt zu einem internationalen Konflikt eskalieren ließ. Stattdessen setzte Hitler im Münchner Abkommen durch, daß die Tschechoslowakei das Sudetenland an das Deutsche Reich abtreten mußte und befahl der Wehrmacht am 1. Oktober 1938 einzumarschieren. Doch das war nur ein erster Schritt. Ein paar Monate später brach Hitler das Münchner Abkommen und ließ im März 1939 die sogenannte „Rest-Tschechei“ besetzen. Mit dem Einmarsch der Nazis begann auch in der Tschechoslowakei die Verfolgung. Dabei geriet František Kocourek in die Fänge der Gestapo. Als er sich weigerte, für Goebbels Propagandamaschine zu arbeiten, wurde er am 11. Juni 1941 verhaftet und ins Gestapo-Gefängnis in der Festung Theresienstadt verschleppt. Im September brachten die Nazis Kocourek ins KZ Auschwitz-Birkenau, wo damals auch Nichtjuden inhaftiert waren. Er erhielt die Armbinde „RU“ – „Rückkehr untererwünscht“. Am 13. Mai 1941 starb František Kocourek. Er wurde nur 40 Jahre alt. Torsten Fricke
Marx ein Beide an die MoLESERBRIEFE spiel nehmen ral der Kirche und auch unabhängige Gutach- muß man doch große Ansprüche ten einholen. Da würden mit Si- stellen. cherheit viel mehr Verbrechen In der angesprochenen Sitund Mißbrauchsfälle aufgedeckt, zung vom 15. Januar, an der Ratdie unter den Teppich gekehrt zinger doch teilgenommen hatwurden, um ja nicht dem Anse- te, ging es „ausschließlich um die hen der Kirche zu schaden. Gera- Unterbringung des jungen Prie-
sters X., weil er sich in München einer Therapie unterziehen sollte. Der Grund der Therapie wurde nicht genannt.“ – Wer glaubt denn so etwas!! Für was hat sich der damalige Kardinal Ratzinger denn eigentlich interessiert? Möglich, daß er den Grund nicht wissen wollte! Erich Schwarz
Es war eine Propagandaschlacht von Joseph Goebbels und ein außenpolitischer Erfolg für Adolf Hitler: Anfang Januar 1935 stimmten 90,5 Prozent der 540 000 Stimmberechtigten für die Rückkehr des Saarlandes in das Deutsche Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Region, so hatte es der Versailler Vertrag 1919 festgelegt, zum Mandatsgebiet des Völkerbundes erklärt worden. Hitler hatte diese Situation ohne Skrupel genutzt und mit seiner Dolchstoßlegende gegen die demokratischen Kräfte der Weimarer Republik gehetzt, bis er 1933 zum Reichskanzler gewählt wurde.
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er Volksabstimmung an der Saar, die unter der Kontrolle des Völkerbundes stattfand, war eine für damalige Verhältnisse beispiellose Kampagne vorausgegangen. Unter dem Motto „Deutsch ist die Saar, immerdar“ hatten sich bereits 1933 unter Führung der NSDAP und mit großer finanzieller Unterstützung des Deutschen Reiches im Saarland rechte Parteien zur „Deutschen Front“ zusammengeschlossen. Mit großer Aufmerksamkeit wurde die Saarabstimmung auch in der Tschechoslowakei verfolgt, da es im Zuge der immer größer werdenden Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen bereits Forderungen gab, dort ebenfalls über einen Beitritt zum Deutschen Reich abstimmen zu lassen. Wie intensiv man sich in Prag für die Geschehnisse an der Saar interessierte, darauf ist die in Saarbrücken und Prag lebende Autorin Dr. Alena Wagnerová zunächst per Zufall gestoßen. Bei ihrer Recherche über die Journalistin Milena Jesenskajá, die, wie Wagnerová vor Monaten im großen Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erzählt hat, weitaus mehr war, also nur die Freundin von Franz Kafka, stieß sie in einem Prager Archiv auf eine Ausgabe der Wochenzeitschrift Pritomnost („Gegenwart“) aus dem Jahr 1934 mit einer Reportage des Prager Journalisten František Kocourek über die Volksabstimmung im Saarland. Bei der weiteren Recherche entdeckte sie eine zweite Reportage über das gleiche Thema. „Ich war überrascht, als ich in Přítomnost zwei Reportagen über das Saarplebiszit gefunden habe, die zudem Informationen enthielten, die ich in Saarbrücken nicht erfahren hatte“, berichtet
Sprache verschlagen
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chon die Überschrift hat mir die Sprache verschlagen. Ich glaube jedenfalls dem Gutachten, das Kardinal Marx in Auftrag gegeben hat, mehr als den im Artikel genannten Erzbischöfen. Diese sollten sich an Herrn
März 1939: František Kocourek spricht, bewacht von einem Deutschen, auf dem Prager Wenzelsplatz in ein Radio-Mikrofon. Foto: Prager Rundfunkarchiv
Die in Prag und Saarbrücken lebende Autorin Dr. Alena Wagnerová hat die Reportagen von František Kocourek gesammelt und als Buch herausgegeben. Wagnernová der Sudetendeutschen Zeitung. Auch der Stil der Reportage hat Wagnerová beeindruckt: „Als Mensch war Kocourek ein sozial orientierter Demokrat, als Journalist hat er aber über die Situation an der Saar objektiv und sehr konkret berichtet. Er hat mit seinen Reportagen die Menschen angesprochen. Man kann ihn aufgrund der Qualität seiner Schreibe neben einem Egon Erwin Kisch einordnen.“ Kocoureks Reportagen seien auch heute noch von Relevanz, erklärt Wagnerová, auch weil sie ein anderes Bild von der damaligen Lage zeichnen, als das Narrativ vieler Saarländer nach dem Zweiten Weltkrieg, man hät-
ach einer elfstündigen Debatte hat das tschechische Abgeordnetenhaus am späten Freitagabend den neuen Staatshaushalt mit 103 von 200 Stimmen gebilligt. Premierminister Petr Fiala (ODS) hatte zum Auftakt der Sitzung von einem SparHaushalt gesprochen, der inflationsdämpfend wirken soll. Staatspräsident Miloš Zeman, der ebenfalls zu den Budgetberatungen kam, kritisierte die Haushaltsvorlage hingegen und rief die Abgeordneten zu Steuererhöhungen auf. Gegenüber dem Haushalt der Vorgängerregierung von Andrej Babiš (Partei Ano) wurde das geplante Defizit um knapp 100 Milliarden Kronen (4,1 Milliarden Euro) auf 280 Milliarden Kronen (11,5 Milliarden Euro) reduziert.
Olympiateam landet auf Platz 21
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it einer Goldmedaille, die Snowboarderin Ester Ledecká im Parallel-Riesenslalom gewann, und einer Bronzemedaille von Eisschnellläuferin Martina Sáblíková über 5000 Meter hat das tschechische Olympiateam bei den Winterspielen in Peking in der abschließenden Medaillenbilanz den 21. Platz belegt. Dies war das schlechteste Abschneiden einer tschechischen Olympiamannschaft seit den Spielen 1994 in Lillehammer, als man sogar ohne jede Medaille heimkommen mußte. Dennoch zeigte sich der tschechische Olympia-Teamchef Martin Doktor zufrieden. Zwei Medaillen seien kein Mißerfolg. Bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang hatte die tschechische Mannschaft noch sieben Medaillen gewonnen.
Corona: Weitere Lockerungen
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nd täglich grüßt die neue Coronaregel: Seit Samstag müssen Menschen, die Kontakt zu Corona-positiv getesteten Personen hatten, nicht mehr in Quarantäne, hat das tschechische Gesundheitsministerium bekanntgegeben. Zugleich wird die Dauer der Isolation nach einem positiven Corona-Test von fünf auf sieben Tage verlängert. Weitere Änderungen betreffen die maximale Besucherzahl bei Großveranstaltungen. Diese erhöht sich auf 500 bei Stehveran-
staltungen und auf 1000 in bestuhlten Sälen. Ziel sei es, so Gesundheitsminister Vlastimil Válek (Top 09), bis spätestens 1. April praktisch alle Corona-Beschränkungen aufzuheben.
Flughafen meldet bessere CO2-Bilanz
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er Václav-Havel-Flughafen in Prag hat seine CO2-Emissionen bis Ende vergangenen Jahres um 72 Prozent gegenüber 2009 gesenkt. Die Gesamtemissionen betrugen 2021 insgesamt 14,8 Tonnen Kohlendioxid, hat der Flughafen berichtet. Die Reduktion des Treibhausgases geht demnach vor allem auf einen Austausch von Kühleinheiten zurück sowie Sparmaßnahmen unter anderem bei der Beleuchtung des Areals. Eigenen Angaben nach will der Prager Flughafen auch weiter seine Umweltbilanz verbessern. Einige Umweltschützer kritisieren den Flughafen aber wegen der weiter bestehenden Ausbau-Pläne. Unter anderem ist eine neue Start- und Landebahn angedacht.
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Fiala lädt Nehammer ein
m Rande eines Besuchs bei der EU-Kommission in Brüssel hat der tschechische Premierminister Petr Fiala (ODS) den österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) getroffen und dabei zu einem offiziellen Besuch in Prag eingeladen. Anlaß der Reise nach Brüssel war ein Treffen mit der Vorsitzende der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (CDU), die Fiala Unterstützung bei der Vorbereitung der EU-Ratspräsidentschaft zugesichert hat. In den derzeitigen schweren Zeiten müsse man Einheit zeigen, so die Kommissionspräsidentin bei der anschließenden Pressekonferenz. Tschechien übernimmt in der zweiten Jahreshälfte den Vorsitz im Europäischen Rat.
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Orkan erreichte bis zu 181 km/h
turmtief Ylenia hat auch in Böhmen und Mähren zu Stromausfällen sowie Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume und herabgestürzte Äste gesorgt. In den Hochlagen der Mittelgebirge erreichte er Orkanstärke. Auf der Schneekoppe wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 181 Stundenkilometer gemessen.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE
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Heimat in Bildern 2022
Der Sudetendeutsche Kalender 2022.
Dobschenitz „Heimat in Bildern 2022“ heißt der Kalender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (Bestellungen unter Telefon (0 89) 48 00 03 70 oder per eMail an info@sudeten.de). Mit großartigen Fotos werden bewegende Heimatgeschichten erzählt. Das Bild „Statue des Hl. Johannes von Nepomuk in Dobschenitz“ (Ostböhmen) steht für die zweite Märzhälfte und wurde von Werner H. Honal fotografiert.
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eorg Franz Patzak wurde 1670 in Alt-Rognitz bei Trautenau geboren und starb 1742 in Mährisch Trübau. Unter Kunsthistorikern besteht kein Zweifel daran, daß er zu den bedeutendsten Bildhauern des böhmischen Barocks zählte. Dennoch ist Patzaks Name außerhalb von Fachkreisen kaum geläufig. Selbst in seiner böhmischen Heimat drohte er zeitweise in Vergessenheit zu geraten. Susanne Keller-Giger aus Buchs im Kanton Sankt Gallen hat im Sabat-Verlag ein vielbeachtetes Buch über den letzten demokratischen Bürgermeister der Stadt Reichenberg, Carl Kostka, und seine liberale deutschdemokratische Freiheitspartei herausgegeben. Er war auch Senator in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, aber in der Geschichtsschreibung in Tschechien wie auch in Deutschland ziemlich vergessen. Zuerst erschien das Buch auf Tschechisch und machte in und um Reichenberg Furore. Jetzt ist es auch auf Deutsch erhältlich.
Dabei sind die Böhmischen Länder wie kaum eine andere Region in Europa von der Kunst der Barockzeit geprägt. Insbesondere barocke Skulpturen sind hier nicht nur in Kirchen und Schlössern, sondern – eingebettet in die Landschaft – auch unter freiem Himmel zu finden. Gerade solche Kunstwerke sind aber in besonderem Maße vom Verfall bedroht. Im Jahr 2011 machte deshalb das tschechische Nationalinstitut für Denkmalpflege das Thema „Barockskulptur in der Landschaft“ zu einem seiner Arbeitsschwerpunkte. Im Rahmen dieser Aktion wurde in Dobschenitz, 15 Kilometer von Kö-
Autorin Susanne Keller-Giger über den letzten demokratischen deutschen Bürgermeister von Reichenberg
Carl Kostka – ein Kämpfer für Demokratie und Rechtsstaat
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rau Keller-Giger, wie kamen Sie als Schweizerin 1995 nach Reichenberg? Susanne Keller-Giger: Zwischen 1990 und 2015 existierte ein privater Verein „Kooperation St. Gallen und Liberec“. 1995 sind wir mit der ganzen Familie nach Liberec/Reichenberg gereist, weil wir über die Kooperation eine Lektoratsstelle angetreten haben. Beide, mein Mann und ich, die wir die Stelle 50 zu 50 Prozent aufgeteilt haben, unterrichteten die deutsche Sprache. Die Kinder sind dort in den Kindergarten und in die 2. Klasse gegangen. Ich war damals Volksschullehrerin, mein Mann Berufsschullehrer. Ich unterrichtete am Gymnasium, mein Mann an einer Sprachschule. Es war ein wunderbares Jahr, und wir haben es nie bereut. Wie stießen Sie bei Ihrer Tätigkeit auf Carl Kostka? Keller-Giger: Eine Sache, die uns befremdete, als wir in Reichenberg waren, und uns auch etwas traurig stimmte, war die stumme Präsenz der Deutschen noch in den 1990er Jahren, die sich in zahlreichen deutschen Anschriften manifestierte. Das irritierte uns anfangs sehr. Wir konnten die Tragik spüren, sowohl für die Deutschen, die wegmußten, aber auch für die Tschechen, die nachher dort lebten. Unsere Freunde wußten nur wenig über die deutschsprachige Bevölkerung. Das war mit ein Grund, daß ich später für meine Lizentiatsarbeit ein Thema wählte, das sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen sollte: die deutschsprachigen bürgerlichen Zeitungen in Reichenberg in den 1930er Jahren. Der Fokus lag auf der Frage, ob und wenn ja, wie sich die Sicht der Blätter auf die Tschechoslowakei in dieser Zeit veränderte. Bei meinen Recherchen stieß ich auf den Reichenberger Bürgermeister Kostka, der in der Reichenberger Zeitung wiederholt zu Geduld aufrief und vor den Schlagworten verantwortungsloser Politiker warnte. Ich stellte fest, daß über ihn kaum etwas bekannt war und daß tschechische
Das historische Bild zeigt Reichenbergs Bürgermeister Carl Kostka mit dem damaligen Außenminister Edvard Beneš und wurde auch für das Cover der tschechischen Ausgabe des Buches von Susanne Keller-Giger verwendet.
niggrätz gelegen, eine Entdekkung gemacht: In einem Graben beim Schloßpark fand man eine von Georg Franz Patzak 1729 geschaffene und signierte Skulptur des heiligen Johannes von Nepomuk. Die Figur wurde provisorisch restauriert und bei der Ortskirche St. Klemens wieder aufgestellt. Dort fotografierte sie der sudetendeutsche Familienforscher Werner H. Honal, ein Nachkomme Patzaks und Experte für dessen Leben und Werk.
senschaftliche Unterstützung durch den im vergangenen Jahr verstorbenen Historiker Ladislav Smejkal aus Česká Lípa/Böhmisch Leipa und einen Kollegen von der Karlsuniversität, der den Verlag auswählte und Unterstützer fand. Finanziert wurde das Buch durch die Stadt und den Landkreis Liberec/Reichenberg, die eine große Menge abnahmen. Das Buch hat in Tschechien eine Erstauflage von 1800 Exemplaren gehabt – eine unglaublich große Auflage. Carl Kostka erhielt 2018 eine posthume Ehrung durch den Kraj Liberec, die Reichenberger Region. Alle 300 Anwesenden, alles Amtsträger des Kraj Liberec, bekamen ein Exemplar meines Buches. Was unglaublich schön war: Ich saß eineinhalb Stunden und mußte signieren. Nicht selten sagte jemand: „Ich habe selbst einen deutschsprachigen Vorfahren. Ich möchte, daß sie das Exemplar meiner Großmutter widmen.“ Das war sehr berührend und ein kleiner Dammbruch: Es wurde über eigene deutsche Wurzeln gesprochen, und man freute sich darüber.
Zur Person: Susanne Keller-Giger
Wohnhaft in Buchs SG, Schweiz, 1995/1996: Aufenthalt in Liberec/Reichenberg mit ihrer Familie; Deutschlektorin im Rahmen der Kooperation St. Gallen – Liberec. 1997–2003: Studium der Osteuropäischen Geschichte und der Slawistik an der Universität Zürich. 2004–2011: Geschichtslehrerin an einer Mittelschule in St. Gallen. 1998–2015: Vorstandsmitglied des Vereins Kooperation St. Gallen–Liberec. 2012–2013: Forschungsarbeit im Auftrag der Liechtensteinisch-Tschechischen Historikerkommission. Seit 2012: Präsidentin des Historischen Vereins der Region Werdenberg, Projekt- und Redaktionsleitung regionalhistorischer Publikationen.
Historiker der Region sein Todesjahr irrtümlich auf 1938 festgelegt hatten. Es gab aber einen Hinweis in der Reichenberger Zeitung, den ich von Dr. Raimund Paleczek vom Sudetendeutschen Institut in München bekommen hatte, daß Kostka 1957 in Prag verstorben sei. Diese Unkenntnis war erstaunlich, denn Kostka war ja nicht nur Bürgermeister, sondern auch Senator und der erste Sekretär der nordböhmischen Handels- und Gewerbekammer. Wie schaffte es Carl Kostka als Mitglied der kleinen Deutschdemokratischen Freiheitspartei DDFP, 1929 Stadtoberhaupt von Reichenberg zu werden? Keller-Giger: Bis Ende der 1920er Jahre gab es einen markanten wirtschaftlichen Aufschwung, der die Aktivisten unter den deutschen Parteien, die Befürworter der Tschechoslowakei, stärkte, darunter auch die DDFP. Innerhalb der negativistischen Deutschnationalen Partei kam es aufgrund dieser Entwicklung zu einer Spaltung. Der ausgetretene Flügel gründete zusammen mit der DDFP die Deutsche Arbeitsund Wirtschaftsgemeinschaft (DAWG), die sich aktivistisch definierte. Für die DAWG trat Carl Kostka als Bürgermeisterkandidat an und gewann. Aus verschiedenen aktivistischen deutschen und den tschechischen Parteien erhielt er 23 der 42 abgegebenen Stimmen. Auf dem Titelbild der tschechischen Ausgabe Ihres Buches findet sich das Foto des Empfangs
des Staatspräsidenten Edvard Beneš vor dem Reichenberger Rathaus durch Carl Kostka. Wie kam es zu dieser Einladung und zum ersten Besuch Benešs als Präsident in den sudetendeutschen Gebieten am 19. August 1936, der zum bekannten Feber-Abkommen der Jungaktivisten 1937 führte? Keller-Giger: Am 30. Oktober 1935 kam es zu einem interessanten Treffen im Außenministerium in Prag. Daran nahmen teil: Außenminister Edvard Beneš, die beiden DDFP-Politiker Carl Kostka und Adalbert Lux, der auch Chefredakteur der Reichenberger Zeitung war, und der tschechische Sektionschef des Unterrichtsministeriums im Ruhestand, Jaroslav Kvapil. Bei dem Treffen ging es um die Hintergründe der Benešrede in Brüx anläßlich der Enthüllung eines Standbildes des Präsidenten Masaryk. Diese Rede, vor allem an die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei gerichtet, sollte Hoffnung machen, daß ein friedliches Zusammenleben zwischen Tschechen und Deutschen möglich sei. Die Einladung nach Reichenberg erfolgte auch wegen des starken finanziellen und politischen Druckes, dem die Stadtführung ausgesetzt war. Die Arbeitslosenzahl im Reichenberger Bezirk war von 1929 bis 1935 von 181 Personen auf 7868 Personen gestiegen. Die Parlamentswahlen von 1935 brachten den aktivistischen Kräften nur noch 30 Prozent der deutschen Stimmen in Reichenberg. Dennoch
blieb Kostka im Amt. Zur Unterstützung einer aktivistischen Linie erschien vom Dezember 1935 bis zum Dezember 1937 mit Demokratische Simmen eine Kostka nahestehende Zeitung der DDFP und im September und Oktober 1938 das überparteiliche bürgerliche Blatt Deutsche Stimmen. Diese Zeitungen, die in der Nationalbibliothek in Prag zugänglich sind, wertete ich als erste aus. Und konnte so ein differenziertes Bild von Kostka und seiner Partei, der DDFP, zeichnen. Wie war das Schicksal Kostkas und seiner Familie nach 1945, als sie in Prag lebten? Keller-Giger: Während des Protektorats litt die Familie unter den wiederholten Verhören und Wohnungsdurchsuchungen sowie dem Entzug von Kostkas Ruhegehalt. Am Ende des Krieges wurde er Opfer des aufgebrachten Mobs in Prag. Bei diesen Prager Aufständen wurde seine Frau getötet. Trotz Unterstützung einflußreicher Tschechen gelang es Kostka und seiner Familie erst 1948, die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zurückzuerlangen. Die Familie lebte zurückgezogen in Prag. Sohn und Tochter arbeiteten als Sprachlehrer für Deutsch und Englisch. Nach dem Tod Carl Kostkas 1957 verließen die Kinder und ihre Familien in den 1960er Jahren die Tschechoslowakei und siedelten sich in München an. Eigentlich war Ihr Buch als Dissertation über die Person Carl
Kostka geplant, aber 2009 trafen Sie auf die noch lebende Schwiegertochter Kostkas, die Ihnen schlechte Nachrichten über die letzten Hinterlassenschaften Carl Kostkas übermittelte. Keller-Giger: Ja, Kostkas privater Nachlaß war eigentlich in München. Die Schwiegertochter aber wollte nach 2000 wieder zurück nach Prag in ein Wochenendhaus an der Berounka, einem Nebenfluß der Moldau, umziehen und übersiedelte neben anderen Dingen auch schon den Nachlaß von Kostka. Dann kam das Moldau-Hochwasser 2002, und der gesamte Nachlaß wurde in den Fluten vernichtet. So war es schwer, noch eine Biographie zu schreiben. Deshalb erweiterte ich mein Buchprojekt um die Parteiengeschichte der DDFP. Wie kam es zur tschechischen Buchausgabe 2018 bei der Agentura Pankrác? Keller-Giger: Ich bekam wis-
Wie erinnert sich Reichenberg an sein ehemaliges Stadtoberhaupt? Die Stadt Reichenberg stellte zu Carl Kostkas 150. Geburtstag (2020) im Rathaus eine Büste auf. Es ist die bisher einzige Büste eines Bürgermeisters. Eine sehr schöne und bedeutende Ehrung der Verdienste Kostkas um die Stadt und um die Region. Er ist heute ins Bewußtsein der Menschen zurückgekehrt. Der Politiker Kostka steht stellvertretend für die Gruppe sudetendeutscher Aktivisten, die sich in den 1930er Jahren ebenso klar für Demokratie und Rechtsstaat einsetzten, wie sie sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus stellten. Nicht zuletzt bildet Kostka eine versöhnliche Brücke zwischen der heutigen Bevölkerung in Reichenberg und den deutschsprachigen Menschen, die vor 1945 in der Stadt wohnten. Ulrich Miksch
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TERMINE . FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
Wie ein Wiener in Niederbayern zum Böhmerwäldler wurde
Peter W. Fuhrmann 80 Jaromír Jágr spielt für Rytíři Kladno in der tschechischen Extraliga. Foto: Wikimedia CC BY-SA 2.0
Sportlegende
Jaromír Jágr 50 Mit 50 ist man eigentlich zu jung für eine öffentliche Geburtstagswürdigung, doch bei Jaromír Jágr liegt der Fall anders.
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er am 15. Februar 1972 in Kladen geborene Doppelweltmeister ist längst eine Legende und als ältester Eishockyprofi der Welt immer noch aktiv. Unvergessen, die Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano, als die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft die großen Favoriten USA, Kanada und Rußland nacheinander ausschaltete und Olympiasieger wurde. Einen wesentlichen Anteil an der Goldmeldaille hatte Jágr.
Am 13. Februar hat der Ortsobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Altdorf, Peter W. Fuhrmann, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Im Namen der Landsleute gratuliert Peter Polierer, Kreisobmann der SL Landshut.
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eter W. Fuhrmann, der weit über seinen Wohnort bekannte sudetendeutsche Multifunktionärm, der sich unter anderem auch als stellvertretender Kreisobmann der KG Landshut und als Mitglied im Vorstand des Deutschen Böhmerwaldbundes engagiert, beging seinen runden Geburtstag im Kreise seiner Familie und Freunde. In der Öffentlichkeit wird er obschon seines intensiven Engagements als Paradesudetendeutscher wahrgenommen, dabei wird allerdings meist vergessen, daß er von der Volksgruppe quasi nur adoptiert wurde, denn eigentlich hat er als original Österreicher gar keine Wurzeln in den altösterreichischen Ländern. Geboren wurde er 1942 als Sohn des Zahnarztes Dr. Walter Fuhrmann und seiner Gattin Trude in Wien. Als sein Vater 1955 im oberösterreichischen Pinsdorf
am Traunsee eine Praxis übernahm, siedelte die gesamte Familie dort hin und bezog ein Eigenheim. Dort begann Peter Fuhrmann nach der mittleren Reife eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker. Die aus Hohenfurth/Vyšší Brod stammende Familie Peckl hatte in dieser Gegend Verwandtschaft, die in Sommerszeiten gern besucht wurde. Bei einem dieser Aufenthalte liefen sich Peter Fuhrmann und seine spätere Ehefrau Anni Peckl zum ersten Mal über den Weg. Somit war sein weiterer Weg vorgezeichnet, denn er verließ seine österreichische Heimat und nahm ab 1965 eine Stelle bei der Firma Siemens in München an. Nach der Eheschließung 1967, welche im Laufe der Jahre mit drei Töchtern und sechs Enkelkindern gekrönt wurde, wechselte er beruflich nach Landshut und bezog in Altdorf seinen künftigen Wohnsitz. Seine weitere berufliche Laufbahn führte ihn dann zu Forstner Elektronik in Landshut, wo er nebenher auch ein Fernstudium zum Betriebswirtschaftsakademiker (BWA) absolvierte, bevor er schließlich als Vertriebsleiter
zur Klar & Beilschmidt in Ergolding wechselte. Vor seinem Renteneintritt war es ihm noch vergönnt, als Vertriebsleiter der Firma Nass-Magnet Hannover tätig zu werden, welche weltweit Steckverbinder in Hydraulik und Pneumatik produziert. Diese Tätigkeit führte ihn dann zum Abschluß seiner beruflichen Laufbahn wieder öfters in seine Geburtsstadt Wien, welcher er natürlich trotz seiner neuen niederbayerischen Heimat stets sehr verbunden bleibt. Die Familie, in die er eingeheiratet hatte, war seit der Gründung der Ortsgruppe Altdorf in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und später auch im Böhmerwaldbund aktiv. Wie bei vielen angeheirateten Mitgliedern der Peckl-Sippe wurde gar nicht lange gefragt, man wurde einfach Teil der mannigfaltigen kulturellen Aktivitäten. In seinem Fall wäre alles andere ein großer Verlust gewesen, denn schnell lernte man die vielen Talente des Peter Fuhrmann zu schätzen. Sein großes Netzwerk und seine immense Geselligkeit trugen stets zum Nutzen der Volksgruppe bei. Seit immerhin 1989 bekleidet er nun die Ämter des Ortsob-
VERANSTALTUNGSKALENDER
Lebendige Erinnerungskultur Freitag, 18. bis Sonntag, 20. März: Seminarwochenende „Lebendige Erinnerungskultur“ in Zusammenarbeit mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Die Generation der Enkel und Urenkel will zunehmend mehr über das Schicksal ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sowie über die Geschichte und Kultur der Sudetendeutschen erfahren. Wer seinen böhmischen, mährischen und/oder schlesischen Wurzeln nachspüren, in sudetendeutscher Gemeinschaft neue Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen möchte, ist bei diesem Seminar auf jeden Fall richtig. Neben kompakter Vermittlung von grundlegendem Wissen bietet dieses Seminarwochenende wertvolle Informationen über die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse zum heutigen Umgang mit der Geschichte. Freitag, 18. März 2022 19.45 Uhr: Begrüßung, Vorstellungsrunde, Einführung in das Seminarthema, Abfrage der Erwartungen, Steffen Hörtler und Hildegard Schuster, Seminarleitung. 20.15 Uhr: „Sudetendeutsche Netzwerke“ – Exklusiver Einblick in das neue Projekt der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Mathias Heider, Projektkoordinator, München. Samstag, 19. März 2022 9.00 Uhr: „Digitale Familienforschung“, Werner Honal, Studiendirektor i.R., Schulberater und Philologe, Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher. 11.30 Uhr: „Neue deutsch-tschechische Vorhaben im Bereich der Erinnerungskultur“, Soňa Dederová, Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds. 13.15 Uhr: „,Das Grüne Band‘ mit Schwerpunkt Erinnerungskultur“, David Vereš, Projektkoordinator Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. 14.45 Uhr: „Preßnitz lebt – Přísečnice žije. Buch und Projektvorstellung“, Veronika Kupková, Kulturförderpreisträgerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft. 16.30 Uhr: „Die Geschichte Tschechiens und der Slowakei erforschen: Die Tätigkeit des Collegium Carolinum (CC)“, Ulrike Lunow, Geschäftsführerin des CC, München. 19.00 Uhr: Vorstellung des Films über Braunauer Schicksale „Die verlorene Heimat“, Produzent Ondřej Valchař. Sonntag, 20. März 2022 9.00 Uhr: Seminarauswertung und Ergebnissicherung. 10.00 Uhr: Virtueller Sonntagsstammtisch über sudetendeutsche Themen. Gastgeber: Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor des Heiligenhofs. 12.00 Uhr: Seminarende Das Seminar ist durch die Sudetendeutsche Stiftung gefördert. Die Teilnehmergebühr beträgt 70 Euro einschließlich Übernachtung und Verpflegung. Sie ist unabhängig von den in Anspruch genommenen Leistungen zu entrichten und kann nicht anteilig rückerstattet werden. Hinzu kommen die Kurtaxe von 3,60 Euro und gegebenenfalls ein Einzelzimmerzuschlag von 20 Euro, jeweils für den gesamten Seminarzeitraum. Die Verantwortlichkeit für das Programm und die Durchführung liegen bei der Bildungsund Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“. Diese Veranstaltung ist für alle interessierten Personen frei zugänglich. Die aktuellen Hygienebestimmungen des Heiligenhofs sind zu beachten. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de oder unter Telefon (09 71) 7 14 70. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Noch bis Freitag, 11. März: „Verblichen, aber nicht verschwunden“ – Ausstellung über eine Spurensuche im Böhmerwald. Centrum Bavaria Bohemia, Freyung 1, Schönsee. Öffnungszeiten: montags 10.00 bis 19.00 Uhr, freitags 10.00 bis 14.00 Uhr, samstags 10.00 bis 11.30 Uhr, sonntags 14.00 bis 16.00 Uhr. Noch bis Freitag, 11. März: „Fasching auf Böhmisch“ – Fotoausstellung von František Zemen. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße, München. Veranstalter sind das Kulturreferat für die böhmischen Länder und das Tschechische Zentrum in München. Öffnungszeiten: montags bis freitags 9.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Samstag, 26. Februar, 10.00 bis 12.00 Uhr: Böhmischer Fasching im Museum – Maskengestalten für Kinder von fünf bis zehn Jahren. Sudetendeutsches Museum, Hochstraße 10, München. Anmeldung per eMail an: museum-anmeldung @sudetendeutsche-stiftung.de Sonntag, 27. Februar, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken: Tag des Selbstbestimmungsrechts und Märzgedenken. Katholische Kirche, Ringstraße 14, Naila. Gedenkgottesdienst und Kranzniederlegung am Sudetendeutschen Mahnmal mit Bürgermeister und Vize-Landrat Frank Stumpf und Bezirksvizeobmann Adolf Markus, der die Gedenkrede hält. Samstag, 5. März, 9.30 Uhr, SL-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz: Jahreshauptversammlung mit Totengedenken und Neuwahlen. 9.30 Uhr: Kranzniederlegung und Totengedenken am Vertriebenendenkmal auf dem Evangelischen Zentralfriedhof in der Friedenstraße in Regensburg. Ab 10.30 Uhr Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen im Hotel Bischofshof, Krauterermarkt 3, Regensburg. Vortrag Johann Böhm („Über 75 Jahre nach der Vertreibung, wie geht es weiter?“) Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher
Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Dienstag, 3. Mai: Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt: 8.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Rückkehr: 19.00 Uhr. Anmeldung: anmeldung@ sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 3. Juni bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euroegio Egrensis (siehe rechts). Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert eine Reise mit zwei Bussen (Nordund Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli.
Eine besondere Auszeichnung: Im vergangenen August wurde Peter W. Fuhrmann für sein 50jähriges Engagement zum Ehrenmitglied des CSUKreisverbandes Landshut-Land ernannt. Foto: CSU/ Maria Aicher mannes und des stellvertretenden Kreisobmannes. Doch auch darüber hinaus ist er ständig unterwegs, engagiert sich bei vielen Vereinen und ist zusätzlich freier Mitarbeiter der Landshuter Zeitung. In Altdorf wurde es inzwischen zum geflügelten Wort,
daß man „fuhrmannt“, wenn man im gesellschaftlichen Leben der Marktgemeinde offensichtlich seine Füße nicht stillhalten kann. So oder so ist er für unsere Gemeinschaft unverzichtbar und wir wünschen ihm noch weitere Jahrzehnte an unserer Seite.
In Hof und der Euregio Egrensis
72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.
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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag,
3. bis Sonntag, 5. Juni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit Einzelveranstaltungen vieler Träger in der Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt auf dem Programm stehen.
Vortrag von Dr. Jan Mühlstein
Eine jüdisch-deutsche Familiengeschichte Mittwoch, 9. März, 19.00 Uhr: „Eine jüdisch-deutsche Familiengeschichte in Böhmen“. Referent: Dr. Jan Mühlstein (München). Vortrag in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit MünchenRegensburg. Erste jüdische Ansiedlungen sind in Böhmen bereits für das 10. Jahrhundert belegt. Von Anfang an war Prag ein wichtiges jüdisches Zentrum nicht nur innerhalb Böhmens, sondern für ganz Mittelosteuropa. Weitere Zentren in Böhmen waren Brüx, Teplitz-Schönau und Aussig. Wie in vielen Teilen Europas begann die jüdische Emanzipation in Böhmen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland flohen viele Juden in die Tschechoslowakei. Doch mit dem Münchner Abkom-
men von 1938 und der Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren“ 1939 bot sich auch dort kein Schutz mehr. Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung wurde im KZ Theresienstadt interniert und von dort in andere Lager verschleppt und ermordet. Nur eine Minderheit der böhmischen Juden überlebte die Schoa. Am Beispiel seiner Familie, deren Geschichte er bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen kann, erzählt Jan Mühlstein über die – trotz des tragischen Einschnitts der Schoa – erfolgreiche Emanzipation der Juden in Böhmen. Mühlstein wurde 1949 in Most geboren und wuchs in einer deutschsprachigen jüdischen Familie auf. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings emigrierte er nach Deutschland. In München studierte und promovierte er im Fach Physik.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
5 Mut tut gut
Erfülltes Leben
K Das „Haus der Heimat“ wurde vor 67 Jahren in Kiel eingeweiht. Fotos: Daniel Mielcarek
Dirk Hannich-Daniels ist Nachkomme von sudetendeutschen Heimatvertriebenen, die nach Schleswig-Holstein kamen. Heute betreut er mit weiteren ehrenamtlichen Unterstützern den Museumsbunker in Trappenkamp mit Exponaten zur sudetendeutschen Geschichte.
Blick in die Heimatstube mit dem Wappen des Sudentenlandes (3. von links).
Auf einem ehemaligen Bunkergelände entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Zuhause
Vertreibung in den hohen Norden – Sudetendeutsche in Trappenkamp 1945, das ganze Land liegt in Schutt und Asche. Auch in Schleswig-Holstein treffen viele Vertriebene und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten ein. Die Bevölkerungszahl steigt bis 1946 um rund eine Million. Die Geflüchteten stammen überwiegend aus Schlesien und Pommern, die Vertriebenen aus Böhmen und Mähren. Rund 700 Kilometer entfernt müssen sich knapp 13 000 Sudetendeutsche hier im hohen Norden eine neue Heimat aufbauen. Statt Böhmerwald, Erz-, Iser-, RiesenAdler- und Altvatergebirge sowie die Beskiden erwartet die Neuankömmlinge viel flaches Land zwischen Nordund Ostsee.
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udetendeutsche, die sich wiedererkennen und wiederfinden, formieren sich fortan zu Landsmannschaften. Sie gründen unter anderem in Kiel eine Kreisgruppe und errichten 1955 mit dem Verband der Heimatvertriebenen einen gemeinsamen Treffpunkt in der Wilhelminenstraße 47/49: Das „Haus der Heimat“ steht zwar zentral in der nördlichsten Landeshauptstadt, doch etwas unscheinbar. Heute scheint es grau und in der Zeit stehengeblieben. Es steht öfters leer, denn die Mitglieder schwinden. „Viele Enkel interessieren sich nicht für die Vergangenheit ihrer Groß- und Urgroßeltern“, findet Gerhard Domabyl, der die Vertreibung als Kind erlebte. Domabyl ist mittlerweile 81 Jahre alt und als Kreisgeschäftsführer und Kassenverwalter eines der letzten Mitglieder der Kreispgruppe Kiel. Er ist in Komotau geboren. Seine Mutter stammte auch aus der Kleinstadt, sein Vater aus dem benachbarten Saaz. Dort hatte die Familie vor der Vertreibung je ein Haus und zusätzlich eine Wohnung in Prag. Das überwiegend friedliche Zusammenleben der Deutschen und Tschechen im Sudetenland erreichte ab 1933 einen tragischen Tiefpunkt nach dem anderen. Der Anschluß Böhmens und Mährens an das Deutsche Reich und das Hitler-Regime haben zwei Völker vollkommen entfremdet. Nach Kriegsende vertrieb die traumatisierte Tschechoslowakei über drei Millionen Sudetendeutsche. „Wir wurden in einen Bauernhof in Altdorf, Bayern, hingekarrt“, erinnert sich Domabyl, der seine Heimat schon früh verlor. Da sein Vater in Dänemark interniert war, zog er sodann in den Norden. Schließlich fand sein Vater eine Wohnung in Kiel in der Lerchenstraße. Hier blieb er bis heute. Die Fördestadt wurde seine neue Heimat. Nach langer Zeit besuchte er 1990 seinen Geburtsort. Er sah das Haus, in dem er seine ersten Lebensjahre verbrachte und aus dem seine Familie vertrieben wurde. Industrie, Schnellstraßen, neblige Luft – die Zeit hat ihres getan. Es war
schon lange nicht mehr „seine“ Stadt. Es vermischen sich schöne mit weniger schönen Erinnerungen, wenn er an Vergangenes denkt. „Geschichten werden gehört, aber nicht verwertet“, beklagt der Senior. Die Nachkommen hätten kein Interesse an der Landsmannschaft. „Was habe ich damit zu tun?“, fragten sich die Kinder und Enkel. Domabyl bestätigt den Trend des Vergessens. „Wir sind eine Diaspora, die an einer Hand abzählbar ist“, resümiert er und hört oft: „Mach den Laden doch zu!“. Er entgegnet immerfort: „Die Zeit dafür ist noch nicht soweit!“ Dirk Hannich-Daniels ist Teil der Bekenntnisgeneration und kämpft als Vorsitzender des Sudetendeutschen Kulturwerks für die Erhaltung des Kulturguts seiner Vorfahren. Er hat sich viel mit dem Thema beschäftigt. „Nach Schles-
wig-Holstein kamen viele Vertriebene, da es wohl zum einen eine gezielte Verteilung aus den Flüchtlingslagern, insbesondere aus Friedland, gab. Andererseits hatten die Sudetendeutschen Kontakte aufgebaut und dadurch wurde bekannt, wo sich andere Sudetendeutsche niedergelassen hatten und wo es Arbeit gab“, erklärt er. Ein Zentrum der Sudetendeutschen Heimatvertriebenen gab es in Schleswig-Holstein zunächst nicht, obwohl es in Kiel und Lübeck eine große Anzahl Vertriebener gab. Später gründete sich die Landesgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die zuletzt der kürzlich verstorbene Wolfgang Stelzig leitete. Die Integration der Sudetendeutschen an ihrem neuen Wohnort war am Anfang sehr mühsam. „Nach 1945 hatte jeder mit seiner Not zu kämpfen. Die Su-
Zwei Weltkriege, eine Vertreibung: Josef Holey mußte kämpfen.
Foto: CC BY-SA 4.0
Auch Josef Holey mußte im hohen Norden neu anfangen
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Glaskunst aus Gablonz
m Ersten Weltkrieg war Josef Holey an der Dolomiten-Front eingesetzt. Wie durch ein Wunder überlebte er diese Strapazen und trat 1919 in das großväterliche „Glaswaren-Erzeugungs- und Exportgeschäft Anton Hittmann“ in Wiesenthal bei Gablonz ein, das seit 1760 in Familienbesitz war. Nach dem Zweiten Weltkrieg mußte auch Holey seine böhmische Heimat verlassen, kam nach Trappen- Trostlos: Trappenkamp Ende der 1940er Foto: Gemeinde Trappenkamp kamp und baute eine neue Glasbläse- Jahre. rei auf, die später auch auch Behänge für Kronleuchter produzierte. Der hochgeehrte Sudetendeutsche starb am 25. September 1986 in Trappenkamp. Seine Urne wurde 2007 von Sohn Walter Holey an seinen Geburtsort nach Gablonz an der Neiße überführt.
detendeutschen waren eher unter sich. Erst später kam es dazu, daß sich die Einheimischen und Sudetendeutschen durch Bekanntschaften oder Heirat vermischten“, schildert Hannich-Daniels, dessen Eltern beide aus dem Sudetenland stammten und 1953 in Trappenkamp heirateten. Er führt aus, daß dem Ort eine besondere Rolle der Heimatvertriebenen zuteil wurde. „Hier wurde aus dem, was von dem Marinesperrwaffenarsenal übrig geblieben ist, ein neuer Ort gegründet. Das waren über 140 intakte Bunker, größtenteils mit Stromversorgung, Wasseranschluß und Telefon.“ So bauten sich die Vertriebenen in Trappenkamp ihre zweite Heimat auf, hier lebten sie ihr Brauchtum weiter – und es wird auch noch weiter gelebt, etwa beim Maibaum-Aufstellen, der Sonnenwendfeier und den Heimatnachmittagem. Bis vor einiger Zeit pflegten sie zweimal jährlich das traditionelle Leberund Blutwurstessen, das bis zu 300 Gäste lockte. Das Sudetendeutsche Kulturwerk Schleswig-Holstein übernimmt die kulturelle Arbeit der Sudetendeutschen landesweit. Ein zentrales Problem sieht Hannich-Daniels darin, daß sich die meisten Nachkommen nicht als Nachkommen von Sudetendeutschen identifizieren. Ihnen ist die familiäre Vergangenheit des Verlustes und der Vertreibung nicht bekannt. „Das ist ein großes Versäumnis, den Kindern ihre Wurzeln nicht aufzuzeigen“, stellt er betrübt fest. „Die Vertreibung aus dem Sudetenland ist ein so grausames Kapitel der eigenen Lebensgeschichte, insbesondere für viele Frauen. Kaum jemand konnte offen darüber sprechen. Für die Sudetendeutsche Landsmannschaft wird es schwer werden, zu überleben.“ Das Sudetendeutsche Kulturwerk Schleswig-Holstein könnte mit einem Konzept Bestand haben: aus kultureller Förderung, dem Interesse an der Geschichte und einer Neuausrichtung des Museumsbunkers in Trappenkamp, den er betreut. „Die Pflege des sudetendeutschen Brauchtums findet heute in Schleswig-Holstein leider nicht in dem Umfang wie in Bayern statt.“ So wurde in München vor kurzer Zeit ein fünfstöckiges Museum mit rund 1 000 Exponaten über die knapp tausendjährige Geschichte der Sudetendeutschen eröffnet. Das Sudetendeutsche Kulturwerk Schleswig-Holstein hingegen benötigt zum Überleben dringend neue Mitglieder. „Eine Mitgliedschaft in dem Sudetendeutschen Kulturwerk Schleswig-Holstein ist schon jetzt möglich“, informiert er. Daniel Mielcarek Weitere Informationen unter www. skw-sh.de und www.sudetendeutschesmuseum.de
ennen Sie Pater Philipp Jeningen? Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit diesem Mann, der am 16. Juli in Ellwangen seliggesprochen wird. „Der gute Pater Philipp“, wie man ihn nennt, war Jesuit und wirkte hier an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Ohne ihn wäre die Wallfahrtskirche am Schönenberg wahrscheinlich nie gebaut worden. Aber das reicht natürlich nicht für eine Seligsprechung. Pater Philipp war vor allem ein großer Seelsorger und ein wichtiger Glaubenserneuerer. Nach seinem Tod wurde er sofort als himmlischer Helfer angerufen, und die Verehrung seiner Person hält sich ungebrochen bis heute. Eigentlich wollte der 1642 in Eichstätt geborene Jesuit nach Indien gehen. Das war sein großer Lebenstraum. Vor ihm waren schon viele andere Mitbrüder aus seiner Ordensgemeinschaft in das ferne Land aufgebrochen, um dort das Evangelium zu verkünden. Oftmals schrieb Pater Philipp seinen Vorgesetzten, um diesen Wunsch zu deponieren. Doch es kam anders. Nach verschiedenen Stationen als Lehrer und Seelsorger im süddeutschen Raum wurde er 1680 nach Ellwangen geschickt. Hier war er vorerst Wallfahrtspriester in der damals noch kleinen Kapelle auf dem Schönenberg und hernach Seelsorger, Prediger und Beichtvater in der Stadt und ihrer weiten Umgebung. „Ellwangen ist mein Indien geworden“, sagte er später einmal, obwohl er seinen Herzenswunsch nie ganz aufgab. Er starb im Jahre 1704. Pater Philipp konnte sich über mangelnden Erfolg seiner Tätigkeit nicht beklagen. Sein Leben war erfüllt. Noch seine Grabplatte vermerkt, daß er in seinen seelsorglichen Aufgaben glücklich war. Er ist ein Beispiel dafür, daß es erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche gibt. Das ist eine durchaus wichtige Botschaft auch für uns heute. Unser Leben muß sich manchmal an Realitäten anpassen, die wir uns eigentlich ganz anders wünschen. Nützt es da, immer bloß zu jammern? Sicher brauchen wir die unerfüllten Wünsche nicht zu verleugnen. Aber es ist wenig hilfreich, bloß darauf fixiert zu sein. Der Gedanke, daß etwas nicht in Erfüllung gegangen ist, soll nicht zum bestimmenden Lebensinhalt werden. Vielleicht will uns Gott gerade durch unsere unerfüllten Wünsche hindurch neue und andere, ja sogar bessere Perspektiven zeigen und uns so zum Leben in Fülle führen. Wir stehen unmittelbar vor dem Beginn der Fastenzeit. Gerade diese Zeit mag eine Hilfe sein, danach zu suchen, wie Gott uns Erfahrungen des Glücks und der Zufriedenheit schenkt. Wir können in dieser Zeit durchaus bewußt das Nicht-Gelungene in den Blick nehmen. Mehr aber gilt es das Leben wahrzunehmen, welches sozusagen zwischen unseren Träumen und Sehnsüchten hervorblüht. Im Blick auf Pater Philipp Jenigen und im Blick auf unser Leben kommt mir folgendes Gebet in den Sinn: „Guter Gott, hilf mir deinen Willen zu ergründen und meine Wirklichkeit anzunehmen, wie sie ist. Wenn etwas tatsächlich unannehmbar ist, dann schenke mir die Kraft, dagegen zu kämpfen oder bei anderen Menschen Hilfe zu suchen. Laß mich nie in dem Vertrauen irrewerden, daß du mich liebst und mir erfülltes Leben schenken möchtest.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
Zum 90. Geburtstag des 2018 verstorbenen und aus Böhmen stammenden Regisseurs von „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Amadeus“ gratuliert auch der deutsche Botschafter in Prag
Miloš Forman – „Ein Filmemacher von Weltformat“ „Seine Filme wie ,Einer flog über das Kuckucksnest´ oder ,Amadeus´ sind auch in Deutschland Klassiker. Ein Filmemacher von Weltformat“, hat Andreas Künne, der deutsche Botschafter in Prag, am 18. Februar getwittert. Miloš Forman wäre an diesem Tag 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß wurde auf der ganzen Welt an den 2018 verstorbenen Regisseur erinnert. Und die tschechische Post gab sogar eine eigene Sonderbriefmarke heraus.
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Regisseur Miloš Forman und Hauptdarsteller Jack Nicholson bei den Dreharbeiten zu „Einer flog über das Kuckucksnest“.
enn man Sicherheit haben will, muß man im Zoo leben“ pflegte Miloš Forman immer zu sagen und unterstrich dabei, daß er den Dschungel bevorzugte. Auch in seiner Arbeit als Filmregisseur setzte Forman auf Risiko – und gewann in der Regel. Sein Motto: „Deine Träume müssen größer sein als deine derzeitigen Fähigkeiten.“ 1975 landete Forman mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ einen Welterfolg und wurde 1976 bei der Oscar-Verleihung zum
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Big-Five-Gewinner: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin – ein historischer Triumph, der bislang nur mit zwei weiteren Filmen gelang. Spätestens mit „Amadeus“ stieg Forman in die Riege der besten Regisseure aller Zeiten auf, als das Filmdrama über Wolfgang Amadeus Mozart 1985 mit acht Oscars und vier Golden Globes prämiert wurde. Hollywood, roter Teppich, die ganz große Bühne – Miloš Forman war das nicht in die Wiege gelegt, als er am 18. Februar 1932 im mittelböhmischen Tschaslau als jüngster von drei Brüdern in einer Lehrerfamilie zur Welt kam. Seine Kindheit war geprägt durch den Nazi-Terror. Als Miloš acht Jahre alt war, mußte er mit ansehen, wie die Gestapo seine Mutter in Tschaslau verhaftete. Ein Ladenbesitzer namens Havranek hatte ihren Namen genannt, als er von der Gestapo verhaftet worden war. Er hatte nicht gemeldet, daß jemand in die Rolläden seines Geschäfts Anti-Nazi-Flugblätter gesteckt hatte. Beim Verhör nannte er die Namen von zwölf Frauen aus Časlav, unter ihnen war auch Anna Formanová, die 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Bereits davor war Rudolf Forman, den Miloš lange für seinen leiblichen Vater gehalten hatte, als Mitglied des Widerstands gegen die Besetzung durch Nazi-Deutschland von der Gestapo verhaftet und 1944 im KZ Mittelbau-Dora ermordet worden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr Forman, daß sein richtiger Vater der Prager Architekt Otto Kohn war, der im Juni 1939 mit seiner Ehefrau und seinem 1932 geborenen Sohn Joseph vor den Nazis nach Ecuador geflüchtet ist. Joseph „John“ Kohn, der Halbbruder von Miloš Forman, wurde später ein berühmter Mathematiker, der unter anderem an der Harvard-Universität lehrte. Während des Kriegs wuchs Miloš bei seinem Onkel Boleslav und seiner Tante Anna auf. Später zog der Junge zum Direktor des örtlichen Gaswerks Hluch, der finanziell bessergestellt war und sich so besser um das Waisenkind kümmern konnte. Nach dem Krieg kam Miloš in ein Internat für Kriegswaisen nach Podiebrad. Hier traf er auf einen Klassenkameraden, der später ebenfalls Geschichte schreiben sollte: Václav Havel, der erste demokratisch gewählte Präsident der Tschechoslowakei. Die beiden Klassenkameraden trafen sich im Februar 1990 in Washington wieder, während Havels erster Reise in die Vereinigten Staaten als Präsident der demokratischen Tschechoslowakei, und machten sich einen Spaß mit den amerikanischen Sicherheitskräften, die sie von einem Spaziergang durch ein bekanntes Drogenviertel abhalten wollten und vor Schießereien warnten. „Was für eine Schießerei? Ich komme direkt von Präsident Bush, und mit keinem Wort hat man mir gesagt, daß sie im Krieg sind. Wann hat das begonnen?“, wandte sich Havel zum
Miloš Forman wurde am 18. Februar 1932 in Tschaslau geboren und verstarb am 13. April 2018 in Danbury, Connecticut.Foto:Wikimedia CC BY-SA 4.0 Spaß an Miloš Forman und fragte vor dem ahnungslosen Sicherheitschef: „Könnte die Tschechoslowakei Amerika irgendwie zur Hilfe kommen?“ Schon während der Zeit im Internat begeisterte sich Miloš Forman für das Kino, insbesondere für die Filme von Charlie Chaplin, Buster Keaton und John Ford. Nach seinem Schulabschluß studierte er dann an der Prager Filmhochschule FAMU und war Anfang der 1960er Jahre einer der tonangebenden Vertreter der Neuen Welle. Bereits mit seinem ersten Spielfilm „Der schwarze Peter“, in dem Forman die Geschichte eines unangepaßten Teenagers erzählt, landete er erste Erfolge auf Filmfestivals – und erntete Kritik von den kommunistischen Machthabern. Es folgte 1967 „Der Feuerwehrball“, eine Persiflage auf die kommunistische
Der Film wurde zwar kurze Zeit später verboten, aber Forman war es gelungen, eine Kopie in den Westen schmuggeln zu lassen und den Film bei den Festspielen in Cannes einzureichen. Doch Forman hatte Pech: Die 68er Protestbewegung erreichte auch Cannes, das Filmfest versank im Chaos und Forman mußte sein Werk zurückziehen. „Das war der absurdeste Tag für mich, denn hier war ich auf dem Festival mit den Filmemachern, die ich nicht nur bewunderte, sondern auch respektierte. Und plötzlich sehe ich, wie dieselben Filmemacher versuchen, eine Fahne zu hissen, die alle jungen Intellektuellen in den kommunistischen Ländern abreißen wollten.“ Verblüfft willigte Forman ein, seinen Film aus dem Wettbewerb zurückzuziehen“, erinnerte sich Forman später in einem Interview. Als 1968 der
Jahre lang im von etlichen Künstlern frequentierten Chelsea Hotel in New York City. Da er keine Miete zahlen konnte, gewährte ihm der Hotel-Direktor Stanley Bard kostenlose Unterkunft. In der neuen Heimat gelang ihm der internationale Durchbruch. Sein erster US-Film „Taking Off“ wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes als offizieller US-Beitrag ins Rennen geschickt – was zu scharfen Protesten der Tschechoslowakei führte. Wirtschaftlich war der Film ein Flopp. Doch Forman ließ sich von Rückschlägen nie entmutigen und wurde so einer der Größten seines Fachs: „Ich habe im Leben alles dafür gegeben, um zu gewinnen. Der Wille zu gewinnen ist für mich eine treibende Kraft. Und weil ich immer für den Sieg schufte, ist die zweite Sache, die mir immer durch den Kopf geht, diese: Also gut, ich habe gewonnen, ok, aber das war´s dann auch schon. Und nächstes Mal wird es noch schwerer“, beschrieb Forman einmal sein Durchhaltevermögen. Privat mußte Forman für seine Auswanderung und seine Karriere einen hohen Preis zahlen. In seiner zweiten Ehe mit der Schauspielerin Věra Křesadlová kamen am 23. August 1964 die Zwillinge Matej und Petr zur Welt, die er in Prag zurücklassen mußte. Seit 1999 war er mit seiner dritten Frau, der Schriftstellerin Martina Zbořilová, verheiratet, mit der er zwei weitere Söhne, Andrew und James, ebenfalls Zwillinge, hatte. Zuletzt lebte Miloš Forman in Warren, Connecticut. Hier verstarb er am 13. April 2018 im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit. Rückblickend auf sein Leben zwischen Kommunismus und Kapitalismus hatte Forman 2002 gesagt: „Im Filmgeschäft steht man immer unter Druck. In den kommunistischen Ländern stand man zwar nicht unter kommerzi-
Mittwoch, 2. März
Forman im Kino
Mittwoch, 2. März, 19.00 Uhr: „Loves of a Blonde“, Filmvorführung zum 90. Geburtstag von Miloš Forman. Veranstalter: Tschechisches Zentrum München in Kooperation mit dem Arena Filmtheater. Ort: Arena Filmtheater, Hans-Sachs-Straße 7, München. Eintritt: 8,50 Euro.
Funktionärsschicht, deren Einmischung dazu führt, daß alles schiefläuft. Der eigentlich heitere Anlaß entwickelt sich zu einer ergreifenden Farce, als die Mitglieder einer Provinzfeuerwehr für die Organisation ein „Komitee“ einrichten, das an das Politbüro erinnert. Im weiteren Verlauf kommt es zum Diebstahl von Tombolapreisen, was Forman bewußt als Anspielung auf die damals aktuelle Situation verstanden haben wollte.
Mit einer limitierten Sonderbriefmarke ehrt die Tchechische Post den großen Hollywood-Regisseur Miloš Forman. Fotos: Miloš Forman Prager Frühling durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde, war Forman gerade in Paris, um über seinen ersten amerikanischen Film zu verhandeln. Sein tschechisches Studio behauptete, er habe das Land illegal verlassen, und zwang ihn so zur Emigration. Forman ging in die Vereinigten Staaten und nahm 1975 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Anfangs lebte Forman fast drei
ellem, aber unter starkem ideologischen Druck. Hier in den Vereinigten Staaten steht man überhaupt nicht unter ideologischem Druck, sondern unter kommerziellem Druck. Um ehrlich zu sein, ziehe ich den kommerziellen Druck vor, denn dann bin ich dem Geschmack eines bestimmten Publikums ausgeliefert. Unter ideologischem Druck bin ich dem Geschmack von ein oder zwei Idioten ausgeliefert!“ Nicola Fricke
Bitte gescannt oder abfotografiert mailen oder in ausreichend frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München E-Mail svg@sudeten.de
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Die vier wichtigsten Frauen im Leben von Miloš Forman waren (von links) seine Mutter Anna, die von den Nazis im KZ ermordert wurde, seine erste Ehefrau Jana Brejchová, seine zweite Ehefrau Věra Křesadlová und seine dritte Ehefrau Martina Zbořilová, die er 1999 heiratete.
Im Sudetendeutschen Haus ist die neue Ausstellung „Fasching auf Böhmisch“ eröffnet worden. Bei der Vernissage mit Wolfgang Schwarz, dem Kulturreferenten für die Böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein, unterhielt sich der Fotokünstler František Zemen über seine schwarz-weißen Faschingsfotos aus den siebziger Jahren mit Rena Dumont. Die im mährischen Proßnitz geborene Schriftstellerin und Regisseurin las Passagen aus ihrem neuen Buch „Die Mühle“. Anschließend sahen sich die Gäste die Fotos in der Alfred-Kubin-Galerie an. Auch der engagierte Ausstellungskurator Petr Strbačka nahm teil. Die neue Ausstellung ist eine Veranstaltung des Kulturreferats für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum München.
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ie originellen Schwarz-WeißAufnahmen unserer neuen Schau stammen von dem heute 88jährigen František Zemen aus Strakonitz, der mit 17 Jahren und einfachen technischen Hilfsmitteln zu fotografieren begann“, führt Wolfgang Schwarz in das Thema ein. Während der Veranstaltung laufen die Bilder im Hintergrund bei einer Präsentation auf der Leinwand. So können die Gäste schon sehen, was die Ausstellung bieten wird: Die Fotos zeigen fröhliche Faschingsfeiern im verschneiten Südwestböhmen
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
� Vernissage in München
Brauchtum in Bildern
Dr. Wolfgang Schwarz, Rena Dumont mit František Zemen und Marie Žiláková, Stadtschreiberin von Strakonitz. mit einfach maskierten Menschen. Die meisten „Narren“ laufen im Freien herum, musizieren und trotzen so auch den Umständen: „Wir wollten zeigen, daß die Menschen in der Zeit der ,Normalisierung‘ in der kommunistischen Tschechoslowakei trotz der Unterdrückung durch die Diktatur manch althergebrachte Tradition weiterpflegen konnten“, erklärt Schwarz. „Manche Maske mag vielen bekannt vorkommen!“ Andere, wie die des lau-
nischen Wassermanns mit dem „Seelenkästlein“ seien typisch böhmisch, so Schwarz. Der Kulturreferent für die Böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein erinnert daran, daß im Kulturzentrum Gasteig in München schon 2019 die Ausstellung „Es war einmal – Bejvávalo“ mit einer Auswahl von Zemens Bildern gezeigt worden sei (Ý SdZ 13 /2019). Auch damals habe es im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts „Knö-
delland“ eine Zusammenarbeit mit Rena Dumont gegeben, die im Gasteig ihren Film „Hans im Glück“ gezeigt habe. Auch diesmal ist Rena Dumont wieder dabei. Die Schriftstellerin und Filmregisseurin spricht mit Zemen über seine Arbeiten. „Heute fotografiere ich meist Natur und Tiere“, so der Fotokünstler. Früher habe er jedoch auch das Leben im ländlichen Prachin, also einer Region in Südwestböhmen, festgehalten: Bilder von der
Das Trio aus Irena Novotná, ihrer Nichte Kateřina und Tochter Barbora musiziert gemeinsam mit Dr. Wolfgang Schwarz und Rena Dumont, die den Brummtopf erklingen lassen. Das einfache Rhythmus-Instrument ist auch als Rummelpott oder Büllhäfen bekannt. Die neue Ausstellung „Fasching auf Böhmisch“ mit Fotos von František Zemen bietet packende Bilder vom Fasching aus einer Zeit, die in der Tschechoslowakei von der Unterdrückung während der „Normalisierung“ geprägt war. Umso interessanter sind die Phantasie und Feierfreudigkeit, die die „Narren“ auf den Bildern an den Tag legten. Irena Novotná, Ethnografin am Museum der zentralen Otava-Region in Strakonice (Strakonitz), erklärt Einzelheiten.
Bilder: Susanne Habel Feld- und Hofarbeit, aber auch von Brauchtum und Festen. „Ich kann mich noch erinnern, wie Irena als kleines Mädchen Fotos vom Dudelsackfestival in Strakonitz von mir wollte“, schmunzelt Zemen: Begeisterte Zustimmung von Irena Novotná, die mit Tochter Barbora Novotná und Nichte Kateřiná Gálisová Intermezzi mit Volksmusik geliefert hat. Als Ethnographin und Leiterin des Stadtmuseums hat sie auch ein Original-Ausstellungsstück bei-
Endlich wieder ein Empfang, bei dem es zum Sekt böhmische Schaumrollen gibt, die von Ludmila Stehnová, der Lebensgefährtin von František Zemen, gebacken worden sind.
� Neue Ausstellung im Sudetendeutschen Haus
Fasching auf Fotos feiern
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ie Faschingstraditionen sind bis heute in der südwestböhmischen Region Prachin/ Prácheňsko lebendig. Man wird Zeuge ausgelassener Heiterkeit, wenn die bunte Mischung von Masken durch die Dörfer und kleineren Städte geht, Scherze treibt, singt und manchmal auch von Musikanten begleitet tanzt, in den letzten Jahren auch zu
gesteuert: Der große Bärenkopf aus Plüsch gehört zu dem historischen Kostüm, das auf einer der alten Aufnahmen zu sehen ist. Um Brauchtum in Böhmen geht es auch bei der Lesung von Rena Dumont aus ihrem neuen Roman „Die Mühle“, der im Frühjahr erscheinen wird. „Das Buch schildert das Leben der drei Geschwister Anton, Marie und Otto, die ganz isoliert in einer alten Mühle im Böhmerwald leben.“ 2003 sei in der Mühle von Hoslowitz – heute Museum – der letzte Müller tot aufgefunden worden, erklärt Dumont den Ausgangspunkt, der sie zum Schreiben angeregt habe. Die drei Passagen ihrer Lesung beschreiben, wie im eisigen Spätwinter 1939 der Vater an einem Lungenleiden stirbt, trotz der Bemühungen der Kräuterfrau. Diese Heilerin leitet auch die nötigen Bräuche zur Beerdigung ein: vom Öffnen der Fenster, damit die Seele entweichen kann, bis hin zum Weg zum Friedhof. „Eine ähnliche Beerdigung habe ich bei meinem Haus im Böhmerwald auch erlebt“, so Dumont. Bevor es in die Ausstellung geht, gibt es noch einmal südböhmische Dudelsackmusik. Dazu holen die Musikerinnen sich Hilfe: Wolfgang Schwarz und Rena Dumont bedienen den Brummtopf. Und endlich gibt es wieder einen Empfang mit Sekt, Saft und Schaumrollen – allerdings alles am Platz zu genießen. Susanne Habel
Bis Donnerstag, 24. März: „Fasching in Böhmen“ in München-Au, Sudetendeutsches Haus (Alfred-Kubin-Galerie), Hochstraße 8. Montag bis Freitag 9.00–18.00 Uhr. Die Ausstellung „Fasching in Böhmen“ zeigt neben den beeindruckenden Fotos – eine kleine Auswahl ist hier zu sehen – auch den Bärenkostümkopf auf dem Foto unten Mitte). Irena Novotná hat ihn aus Strakonitz mitgebracht. Bilder: Susanne Habel (1), František Zemen (3)
Musik vom Band. Den Maskierten ist so manches erlaubt. Die meisten Menschen tolerieren ihr Verhalten, viele freuen sich auf ihre Witzchen und bewirten sie großzügig. Unter den Figuren des Umzugs sind traditionelle Masken zu finden wie der Kasperl, der Arzt, manchmal auch die Krankenschwester, das Hochzeitspaar, die Frau mit Kind, der Jude, der Polizist, der Handwerker, die Stute oder der Bär mit Bärentreiber... Der Fasching ist ein „lebender Organismus“, dessen Gesicht sich im Laufe der Jahre verändert und entwickelt. František Zemen ist es bei seinen Fotografien gelungen, flüchtige, vergängliche Augenblicke der Faschingsumzüge und ihre einmalige Atmosphäre einzufangen. Die Aufnahmen sind ein wertvolles Zeugnis darüber, wie man bei uns in der Region Prácheňsko einst gelebt hat oder noch lebt.
Neudeker Heimatbrief
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Bärringen
Folge 630 · 2/2022
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 631 (3/2022): Mittwoch, 16. März.
Neudek – Spendengelder
Dank an Unterstützer Ein Dankeschön an alle Spender, die den Neudeker Heimatbrief unterstützen.
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ür den Fortbestand des Neudeker Heimatbriefs sind folgende Spenden eingegangen: –Neudert Franz (Bayreuth) 26,75 Euro; –Augustin Elisabeth (Rehlingen-Siersburg) 16,75 Euro; –Gössl Emil (Schlitz) 16,75 Euro; –Fladerer Franz (Neuenstein) 16,75 Euro; –Schärber Marianne (Schwarzenbruck) 6,75 Euro; –Wilch Erika (Kelsterbach) 6,75 Euro; –Baumgärtel Wilfried (Aue) 6,75 Euro; –Kleespies Christa (Bad Soden-Saalmünster) 6,75 Euro; –Seifert Anni (Augsburg) 6,75 Euro; –Hüttner Helmut (Miedelsbach) 6,75 Euro; –Diemann Gertrud (Frankfurt) 6,00 Euro; –Pilz Ernst (Berlin) 3,00 Euro; –Funk Josef (Donaueschingen) 2,50 Euro; –Strauss Ingeborg (Bad Elster) 1,75 Euro; Die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft sagt allen Spendern ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“!
Landeskunde
Gibacht bei Neudek
Neudek – Heimatgruppe „Glück auf“
Einladung zur Mitgliederversammlung L
iebe Heimatfreunde, seit April 2013 besteht die Heimatgruppe „Glück auf“. Gemäß unserer Satzung müssen wieder Vorstandswahlen durchgeführt werden. Vorbehaltlich zwischenzeitlicher Änderungen infolge von Corona-Maßnahmen laden wir Sie hiermit zur Mitgliederversammlung ein für Freitag, 25. März 2022, um 15.00 Uhr im Gasthof „Zum Ochsen“, Klausenberg 2, 86199 Augsburg, im Stadtteil Göggingen (schräg gegenüber unseres Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neudek). Tagesordnung: 1. Begrüßung; 2. Genehmigung der vorgeschlagenen Tagesordnung; 3. Bericht des Vorsitzenden; 4. Aussprache zum Bericht; 5. Bericht der Kassiererin; 6. Aussprache zum Bericht; 7. Bericht der Kassenrevisoren; 8. Wahl eines Versammlungsleiters und Wahlleiters; 9. Entlastung des Vorstandes; 10. Wahl; 11. Geplante Vorhaben im Jahr 2022; 12. Anfragen und Verschiedenes; Im Anschluß wird der Film „Ignaz Sichelbarth 1708–1780, Sein Leben und Werk“ von Erich Zettl und Miroslav Holeček vorgeführt. Anträge auf Ergänzung der Tagesordnung müssen gemäß Satzung mindestens eine Woche vor der Versammlung schriftlich beim Vorstand eingereicht werden. Wegen der anstehenden Wahlen bitten wir um zahlreiches Erscheinen. Bitte bringen Sie für den Besuch des Gasthofes die erforderlichen Nachweise mit, entsprechend der zu diesem Zeitpunkt geltenden 2G- beziehungsweise 3G-Regelung.
Im Folgenden stellen wir die Ortschaft Gibacht vor. Der Ort umfaßt eine Fläche von 1,82 Quadratkilometern und gilt als kleinstes Dorf im ehemaligen Kreis Neudek.
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ibacht, 530 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, befindet sich an den Südwesthängen des Zinnknocks (736 Meter über Normal-Null) und des Pecherberges (749 Meter über Normal-Null) an der Staatsstraße von Karlsbad nach Neudek. Seine südwestliche Grenze wird durch den Fluß Rohlau gebildet. Mit einer Fläche von weniger als zwei Quadratkilometern war es, der Fläche nach, das kleinste Dorf im ehemaligen Kreis Neudek. Von Anfang an gehörte es zu der Pfarrei Neudek. Im Vergleich zu anderen Dörfern im Kreis Neudek beginnt die Geschichte von Gibacht etwas später, als wir es gewohnt sind. Denn die älteste schriftliche Erwähnung stammt erst aus dem Jahr 1847. Gibacht wurde erst zwischen 1890 und 1895 unabhängig. Davor gehörte sein Gebiet eine Zeit lang zu Voigtsgrün,
Thierbach oder Neudek. Die eigentliche Besiedlung des Ortes begann jedoch bereits im 13. Jahrhundert, als die ersten Gehöfte am linken Ufer der Rohlau errichtet wurden. Damals hieß die Siedlung Hannersgrün/Hänrichsgrün. Die Endung „-grün“ verweist auf die ursprüngliche deutsche Siedlung. Der Ursprung des heutigen Ortsnamens läßt sich folgendermaßen erklären: Während der Existenz der Burg von Neudek befand sich an der Stelle des Felsvorsprungs oberhalb der heutigen Straße Nummer 220 (von der Tankstelle in Richtung Hohenstollen) eine Art Beobachtungsposten auf dem Handelsweg, welcher von Neudek nach Karlsbad führte. Diese Stelle war bei den damaligen Zeitgenossen unter dem Namen „bei‘m Gibacht“ bekannt. Daraus wurde der heutige Name abgeleitet. Jetzt ist die Stelle, die „Schlössl“ genannt wird, dicht mit Bäumen bewachsen, so daß der Blick ins Tal nicht mehr möglich ist. In der Vergangenheit spielte der Bergbau in diesem Gebiet
keine große Rolle. Aber die günstige geografische Lage bot relativ gute Möglichkeiten für die Landwirtschaft. Nach und nach wurden dort mehrere Gehöfte errichtet, darunter die sogenannten Hofhäuser und die Wohnhäuser für das Personal des Gutsschäfereihofs Mittelhof der Neudeker Herrschaft. Die Gebäude der sogenannten Höfe standen dort bis etwa 1850. Die Existenz des Mittelhofes, der im Tal des Schafsbachls stand, ist bereits vor 1720 nachweisbar. Im Verlauf der 20er und 30er Jahre des 19. Jahrhunderts änderte sich an einigen Orten der Region die Wegführung der Staatsstraße von Karlsbad durch Neudek nach Sachsen. Von Neudek aus führte der ursprüngliche Weg zum Beispiel an dem Haus Nummer 322 (heute in der Talstraße/Údolní ulice) vorbei, überquerte den Limnitzbach, führte zum Gasthaus Bartlfleischer (Haus Nummer 2, später Casahutta, in der Nähe der Tankstelle) und weiter nach Karlsbad. Neben der Landwirtschaft lebte die lokale Bevölkerung auch Bitte umblättern
Hinweis zum Tagungsort: PKW-Fahrer können im Hof des Gasthofes parken, Zufahrt von der BGMAurnhammer-Straße her. Straßenbahnfahrer fahren mit der Linie 1 nach Göggingen bis zur Haltestelle „Göggingen Rathaus“. Von dort aus sind es wenige Meter die Straße zurück zum Gasthof Ochsen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Für den Vorstand Josef Grimm, Anita Donderer
Die Ortschaft Gibacht bei Neudek.
Bild: Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg/Archiv lš
WIR GRATULIEREN
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inter im Fichtelgebirge: Zum Jahresanfang herrscht noch Väterchen Frost im Fichtelgebirge, doch langsam bereitet sich die Natur auf das Eintreffen des Frühlings vor. Bild: Mario Groth
Den treuen Beziehern des Neudeker Heimatbriefs, die vom 25. Februar bis 24. März Geburtstag haben, wünschen wir von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit:
Bärringen. Franz Fladerer, Hintergasse 2a, 36286 Neuenstein, 13. März 1932; Hirschenstand. Dietmar Lohwasser, Catharinauer Straße 8, 07407 Rudolstadt, 14. März 1942.
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
� Landeskunde – Fortsetzung, Seite 8
Gibacht bei Neudek von Handel und Handwerk. Im 19. Jahrhundert gab es auch die Möglichkeit, in den Neudeker Fabriken (Walzwerke, später Eisenhütten und Wollspinnereien) zu arbeiten. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die deutschen Sozialdemokraten die politische Oberhand im Dorf, gefolgt von den Kommunisten und dem Bund der Landwirte. Diese politischen Parteien räumten ihre Positionen in den 1930er Jahren teilweise zugunsten der stetig wachsenden Sudetendeutschen Partei. Diese gewann 62,5 Prozent bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 1938. Die deutschen Sozialdemokraten und Kommunisten erzielten, trotz des Sieges der Sudetendeutschen Partei, mit 19,9 Prozent beziehungsweise 17,6 Prozent relativ respektable Ergebnisse. Die Geschichte der Schule in Gibacht reicht bis in die 1850er Jahre zurück, als man im Jahr 1852 im Haus Nummer 34 einen Unterrichtsraum einrichtete. Zuvor wurde der Unterricht in verschiedenen Gasthöfen und Privaträumen abgehalten, was einige Probleme verursachte. Da das benachbarte Thierbach in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht viele Kinder hatte, traf man eine Vereinbarung, wonach die Schulkinder aus Gibacht in die Schule in Thierbach integriert wurden. In der Folgezeit kam es zwischen den Bewohnern von Gibacht und Thierbach zu Kontroversen über den Betrieb der Thierbacher Schule. Außerdem war der Weg der Kinder aus Gibacht zu der Schule in Thierbach sehr lang. Und nach dem Bau der Eisenbahnlinie von Chodau nach Neudek, im Dezember 1881, war er auch gefährlich, da sie den Weg der Schulkinder kreuzte. Immer mehr Stimmen forderten den Bau eines neuen Schulgebäudes direkt in Gibacht.
Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1888. Und der Unterricht begann am 1. März 1889. Während zu dieser Zeit 49 Kinder die Schule besuchten, waren es im Schuljahr 1901/1902 bereits 71 Kinder. Die örtliche Freiwillige Feuerwehr wurde im August 1902 gegründet. Sie zählte 23 Mitglieder. Karl Pecher war der damalige Kommandant. Über die Aktivitäten der Feuerwehr in den 1930er und 1940er Jahren gibt es keine Informationen. Im Jahr 1947 wurde sie neu gegründet. Sie ist eine der wenigen, die heute noch existieren. Auch andere Verbände entstanden. Die Radfahrer und die Jägervereinigung waren sehr aktiv. Den Gibachtern war auch die Musik nicht fremd: Zwei Schüler wurden in eine angesehene Musikschule in Petschau an der Tepl aufgenommen. In den 1930er Jahren gab es im Dorf zwei Gasthöfe: den Bartlfleischer (Haus Nummer 2) und den Kannler (Haus Nummer 17). Letzterer war bis in die 1990er Jahre in Betrieb. Er ist heute im Privatbesitz eines örtlichen Unternehmens. Außerdem gab es fünf Kolonialwarenhändler, vier Köhler, einen Metzger, einen Tischler, drei Schuhmacher, einen Dachdecker, zwei Gemüsehändler, zwei Händler mit Tabakwaren, einen Kutscher, einen Korbmacher und einen Kurzwarenhändler. Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung in die alliierten Besatzungszonen Deutschlands, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, kam es zu einem gänzlichen Bevölkerungsaustausch. Tschechen aus dem Landesinneren, vor allem aus Südböhmen, ließen sich in Gibacht nieder. Auch Slowaken und Rückwanderer aus Oberschlesien kamen in großer Zahl. Nur ei-
Ansichtskarte der Ortschaft Gibacht bei Neudek um 1940. ne Handvoll der ursprünglichen Bewohner blieb übrig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule wiedereröffnet. Doch sie erlitt dasselbe Schicksal wie viele andere Schulen in der Region: die Schließung im Jahr 1966. Die Kinder besuchten dann eine neu gebaute, neunjährige Grundschule im Neudeker Wohngebiet. Heute wird das ehemalige Schulgebäude zu Wohnzwecken genutzt. In der Nachkriegszeit gelang es, dank der guten geographischen Lage an der Staatsstraße Neudek–Karlsbad, zumindest
einen Teil der Bevölkerung im Dorf zu halten. Zunächst arbeiteten mehrere private Landwirte in dem Dorf. Diese gründeten im März 1950 eine landwirtschaftliche Genossenschaft (JZD), deren Basis sechs landwirtschaftliche Betriebe bildeten. Im Jahr 1954 betrug die Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Nutzfläche 122 Hektar und die der Ackerfläche 44 Hektar. Zu der JZD gehörten ein Kuhstall, ein Schweinestall, eine Kälberfarm, eine Geflügelfarm und ein Obstgarten mit 170 Obstbäumen. Im Jahr 1960 legte man die
Bilder: Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg/Archiv lš JZD in Gibacht mit der JZD in Voigtsgrün zusammen. Im Jahr 1960 wurde der örtliche Volksausschuß aufgelöst. Und das eigenständige Dorf wurde, zusammen mit der Siedlung Hohenstollen, welche seit Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre zu Gibacht gehörte, nach Voigtsgrün integriert. Seit Januar 1976 ist Gibacht, zusammen mit Voigtsgrün, eine Siedlung der Stadt Neudek. Die Einwohnerzahl Gibachts schwankte in den letzten 70 Jahren zwischen 230 und 280 Einwohnern. Dabei gab es eine ge-
wisse Abwanderung von Einwohnern, vor allem in das nahe gelegene Neudek. Aber in den letzten Jahren ist ein umgekehrter Trend zu beobachten. Ende der 1990er Jahre begann Gibacht mit neuen Einfamilienhäusern zu wachsen, die vor allem in der Nähe der im Januar 1981 eröffneten Tankstelle gebaut wurden. Pavel Andrš „Krušnohorský Luft“, März 2020.
Herzgebirge
Aus dem Tschechischen übersetzt von Josef Grimm.
Der ehemalige Gasthof Kannler, heute Sitz einer Privatfirma.
Unter-Gibacht in der Nähe der Rohlau.
Der Zinnknock mit dem Peindlturm im Hintergrund.
Der obere Teil des Dorfes Gibacht ringsherum die Gastwirtschaft Kannler um 1930.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail k lauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau – Städteplanung
Modernisierung von Bahnhof und Ruheplätzen Wir berichteten bereits im Heimatruf (40/2021) über die Teplitzer Städteplanung. Dazu gehören auch die Rekonstruktion des Teplitzer Bahnhofes, die Modernisierung des SchmejkalPlatzes und der Bau einer Freilichtbühne in der Nähe des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Jutta Benešová berichtet:
D
ie erste Bahnlinie Teplitz– Aussig wurde 1858 eröffnet. Den Teplitzer Bahnhof, einst der angeblich schönste in ganz Österreich-Ungarn, errichtete man 1876 bis 1878 im Rundbogenstil nach einem Entwurf von Joseph Turba. Der Bahnhof diente auch als Sitz der Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft. Die nun geplante General-Instandsetzung betrifft zunächst das Gebäude selbst. Die Instandsetzung soll noch in diesem Jahr beginnen und 2024 beendet sein. Weitere Etappen des Ausbaus des Geländes rund um den Bahnhof erfolgen in späteren Jahren. Das Ministerium für regionale Entwicklung der ČR und die staatliche Verwaltung der Tschechischen Bahn (SŽDC) tragen finanziell das gesamte Projekt. Weitere Garanten des Projekts sind der Bezirk Aussig, die Statutarische Stadt Teplitz und die staatliche Stra-
ßen- und Autobahndirektion (ŘSD). Laut der neuesten Meldung der staatlichen Bahnverwaltung habe man das Projekt „Bahnhof“ Anfang Februar 2022 wegen Mangel an Finanzen zunächst zurückgestellt. Denn durch massive Streichungen im Staatshaushaltsplan hätten die bereits begonnenen Projekte Vorrang. Noble, mehrstöckige Bürgerhäuser mit teilweise reicher Ausschmückung bilden die belebte ehemalige Meissnerstraße, heute Straße des 28. Oktobers, die vom Schulplatz zum Bahnhof führt. Dort kommt der ehemalige Reichtum dieser berühmten Bäderstadt richtig zum Ausdruck. Im unteren Teil der Straße liegt linkerhand der ehemalige Schmejkal-Platz, heute Markt genannt. Denn dort bieten die Gärtner und Gemüsehändler der nahen Umgebung ihre frischen Waren an. Dieser Platz wird am Ende von einer Schallmauer zur Lastenstraße begrenzt, die im Auftrag der Stadt mit Streetart-Bildern geschmückt ist (ÕSdZ 46/2021). Ein Parkplatz, ständig überfüllt, begrenzt die Marktstände. Nun möchte die Stadt diesen Platz beruhigen. Die Händler sollen zukünftig auf den ursprünglichen Markt-
platz am Rathaus zurückkehren – wobei dies noch nicht endgültig entschieden ist. Und aus dem Schmejkal-Platz soll ein Ruhepol im Grünen werden. Auch eine gegenüberliegende Baulücke soll zu diesen Zwecken dienen. Ein weiterer Teplitzer Architekt, Jan Hanzlík, übernahm dieses Projekt. Die Umgestaltung der Meissnerstraße ist mit dem zukünftigen Geschehen rund um die Bahnhofsrekonstruktion verbunden. Nach der Assanierung des ehemaligen Badeplatzes mit seinen zahlreichen Gasthäusern entstand an der jetzigen Roosevelt-Straße, in der Nähe des Kurhauses Beethoven, eine große Wiese, überragt von der hohen Mozart-Statue des deutsch-böhmischen Künstlers Franz Metzner. Dort findet alljährlich Ende Mai das Bäderfest zur Eröffnung der Kursaison statt. Dieser zentrale Platz bietet für den Rest des Jahres Auslauf für Hunde und Kinder. Nahe dieser großen Wiese befinden sich das Hotel „Zum Zicklein“/„U Kozička“ und das Restaurant „Zum Schwejk“, beides ursprünglich historische Bauten: der Gasthof zum Bergstein, in dem einst Caspar David Friedrich wohnte, und das dem Schloß anliegende, doppeltürmige Lust-
Der Platz beim Teplitzer Kurhaus Beethoven heute (oben) sowie der zukünftige Entwurf (unten).
schlößchen aus dem Jahr 1600, mit anliegender historischer Vogelstiege, die in den Schloßinnenhof führt. Die Straße wird nur von parkenden Autos benutzt. Nun plant die Stadt, auf diesem historischen Boden eine Freilichtbühne zu errichten. Auf dieser sollen Konzerte im Freien für die
Kurgäste der anliegenden Kurhäuser stattfinden. Und dicht daneben sollen in freier Gestaltung Ruheplätze mit Bänken und Springbrunnen entstehen. Auch die Mozart-Statue wird dabei näher an das Kurhaus Beethoven rücken. Vor einigen Jahren hatte die Bädergesellschaft ein Ther-
mal-Freibad an dieser Stelle geplant. Sie gab dieses Vorhaben aber mit dem Bau des Thermaliums auf, einem Hallenbad mit frischem Thermal-Quellwasser. Dieses wurde als Bestandteil des Kurhauses Beethoven bereits 2018 eröffnet und steht auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Das Projekt „Bahnhof“ sieht eine Rekonstruktion des Teplitzer Bahnhofes vor. Bilder: architekti-mise.cz, janhanzlik.cz
Der Teplitzer Schmejkal-Platz heute (oben) und der Entwurf des künftigen Platzes (unten).
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Der Fasching mit seinen herkömmlichen Veranstaltungen begann bei uns nach Dreikönig, wenn in den meisten Fällen der Christbaum abgeräumt war. Der „ogramte Bam“ wurde dann gewöhnlich in den Schnee des Hofes oder Gartens hinausgestellt, der Behang desselben aber auf Teller oder Schüsseln verteilt, und alles, was für das nächste Mal wieder brauchbar war, fein säuberlich verpackt und verwahrt.
Boum“ (hom d‘ Leit gsagt, niat i) in Salzburg ab, um dort den Grund zum künftigen Stadtkaplan von Neuern, zum Winterberger Bürgerschulkatecheten, zum Budweiser Professor und später zum Bergreichensteiner Studienprofessor zu legen. Owa, lau(ß)ts enk diasthalbm denna nu sogn, wöi sua-ra Fosnatirta asgånga is! No jå, tånzt is hålt ållamoal woardn, und lusti san d‘ Leit gwest. Am Musikantentischla saß der „Frånznröis“ als Muer Hausvater machte sich sikführer mit seinen Musikanfür die „Eisendorfer Fosten. Der mußte alles „schäi(n) nat“ insofern bereit, als er seizsåmmhåltn“, ob es nun ein ne neue, vom Christkindl beWiener Straußwalzer war, eischerte Pfeife rauchfertig ne springlustige Polka oder machte. Auch wir Kinder hatein „stampfiger“ Landler. Was ten in der Zeit von Dreiköanderes kannte man damals nig bis Faschingssonntag unnoch nicht. Der Röis meistersere Sorgen. Damals dauerte aber auch sein singendes ten die Weihnachtsferien nur Flügelhorn mit aufgeblasevom Heiligen Abend bis zum nen Backen. Neben ihm saß „Unschuldigen Kindltag“. Al- Fasching in der Heimat: Dieses Bild wurde 1937 aufgenommen und zeigt die Faschingsgesellschaft (Fosnad) in Murchowa. Drei der auf dem Foto abgebildeten der junge „Bålzer“, dem kein so mußten wir die Zeit nach Personen sind noch namentlich bekannt: Maria Büchmann/Schimann, nach der Vertreibung in Oberrode bei Hannoversch Münden, Georg Stepan, nach der Schnurrbart wachsen wollte. Anna Hitzler Der wichtelte mit seiner KlaSchulschluß eifrig nutzen. So- Vertreibung in Roßtal bei Nürnberg, und Johann Rothmeier, nach der Vertreibung in Reichenberg bei Würzburg. Ortsbetreuerin rinette dazwischen, daß es eibald die Aufgaben gemacht waren, mühten wir uns mit ne Freude war. Der alte „DrolNadel, Schere und Zwirn, mit lingerwenzl“ schmetterte seiKleistertopf und Rödelkreide, Eisendorf nen Takt dazu mit einem „Åffngsichter“ (Faschingslarkräftigen „M-ta ... m-ta“ oder „m-tata … m-tata“, je nachven) zu fabrizieren oder gar eidem, ob gerade ein „Grüabinen Guckkasten mit Bilderrolger“ oder „Hupfauf“ an der le und Drehkurbel zu basteln. Reihe war. No(n) und der alDamit gingen wir dann „zwite, weißhaarige „Hulzwenzl“ schen Löichtan“ (in der Dämmerung) von Haus zu Haus, um Loch in den Geldbeutel fraß, be- sta“, woanders hieß er auch „da ren, ist mir noch heute in bester ten. Dann folgten die Dorfbur- mit seinem „Bombardon“ bezieein paar Kreuzer oder Lebzelten stellten sich beide, wie die mei- Tolln-Dua(n)schta“ oder, wie Erinnerung. Was dieser „Eisen- schen, und wir Schulbuben spu- hungsweise mit seiner „Boaconzusammenzufechten. Die Lebzel- sten verheirateten Ballgäste, zu man ebenfalls bei uns sagte, „am dorfer Figaro“, wenn er in die teten uns erst zum Schulhaus, strikta“ um den Hals funkte mit ten verzehrten wir meist gleich zweit eine Portion „Krenwürstel“ fettn Pfinsta“ (Donnerstag vor Häuser Halbieren ging, verdien- wenn unser junger Herr Leh- seinem „bombom – bombom nach Empfang, aber das Geld mit zwei Wiener Kaisersemmeln Fastnachtssonntag). Da standen te, das legte er auf ein laufendes rer, Peter Steinbach, aus dem – bombom“ dazwischen, wobei mußten wir der Mutter abliefern, und tranken dazu mitsammen schon gleich nach dem Mittages- Konto beim Dorfwirt an und hob Gasthaus Hoffmann herauskam. er seine lachenden Augen über die es in unsere Kindersparbüch- ein Glas Bier. Wer es sich leisten sen die Leute vor den Haustüren es quartalsmäßig wieder ab, be- Zum Glück dauerte der Nach- die Drahtbrille hinweg mehr auf se (einen irdenen angefärbel- konnte, aß ungarisches Paprika- oder bei günstigem Wetter auf sonders in der Fosnat. Da ging er mittagsunterricht nur bis drei den vor ihm stehenden Maßkrug ten Sparapfel mit Einwurfschlitz) Gulasch mit Kartoffeln, Wiener der Straße und warteten auf die nicht eher heim, bis er und sein Uhr. Dann hörte man schon die als auf die Noten richtete. Er steckte, um das anfallende Schul- Schnitzel mit gemischtem Salat „Maschkerer“. Diese hatten Tier- „Konto“ erschöpft waMusik durchs Dorf übers konnte ja sowieso alles „aswenzeug davon zu kaufen. oder Kalbsbraten mit Reis und larven vor dem Gesicht und wa- ren. An einem Rosen„Hüttenbarghel“ her- disch“. In den Musikpausen, die meist In diese Zeit fielen gewöhnlich Preiselbeeren, zumal sich die ren mit Strohbändern vor einen montag verspäteaufspielen, und die die beiden „Elite-Veranstaltun- Wirtin, die als Köchin in Pflug gespannt, den ein te er sich einmal Burschen jauchz- länger waren als die gespielten gen“ des Dorfes: der Feuerwehr- Wien in Stellung geals Bauer maskier- so sehr beim ten, wenn sie Tänze, standen die Burschen in und der Veteranenball. Hier- wesen war, auf die ter Bursche führ- Heimgehen, die Mädchen größeren oder kleineren Gruppen zusammen, stießen mit den zu gingen etwa 14 Tage vorher Wiener Küche te, um die Fos- daß bereits „zusammenzwei Uniformierte mit Ballkarten verstand. nat aus dem die Hoftore führten“. Vor Biergläsern an und wiederholten von Haus zu Haus einladen und Wenn dann Schnee aus- des Wirtsjedem Haus, immer wieder, daß es die herumheimsten dafür ihr Trinkgeld ein. der Herr Verzuackern. hauses gein dem Tän- sitzenden „Gardemütter“ hören Und weil unser Vater als Schnei- einsvorstand Dem Masch- schlossen zerinnen ab- konnten: „Prost! – Bin i oina, der vom Wohlwollen der Ver- merkte, daß kererzug vor- waren. Da zuholen wa- oda bin i koina?“ Die jungen einsmitglieder abhängig war, alle Tische an schritten dachte der ren, hielt Tänzerinnen, die zu dritt oder mußte er schon kundschaftshal- besetzt waren, die Musikan- gute Peter: der Zug. viert eingehängt und mit Singber mit der Mutter an dieser Ga- gab er der Muten des Dorfes „Dan wiar i Zwei „vorbe- sang in der Saalmitte im „Roia“ laveranstaltung teilnehmen. sik das Zeichen und spielten ge- halt möü(ss)n stellte“ Bur- herumkreisten, lachten dazu. Schon bald nach der Einla- zu einem Tusch und wöhnlich den Eger- üwas Toua kraschen eilten Wenn dann „d Musikanten wiedung holte darum der Vater sei- hielt an die ehrenwerten länder Marsch, den die xeln!“ Leider ins Haus, aßen der amoal ua(n)låua hom“, holte ne Veteranenuniform aus sei- Festgäste seine BeBurschen begeistert blieb er bei diedort schnell „a zuweilen mancher junge Bursch, nem Kleiderkasten am Speicher, grüßungsanspramitsangen, wo- sem Unternehmen poar Köüchla“ und mit dem Zeigefinger winkend, den dazugehörigen steifen Hut che. Anschliebei man vor al- mit der Leistenschnalnahmen einen Schluck auch seine künftige Schwiegermit Goldschnur und Hahnen- ßend spielte lem „Eghalån- le seiner Hose an einer Kaffee oder Tee mit mutter zum Tanz, die sich trotz schwanz sowie die Knopfputz- die Kapelle da, hålts enk Latte hängen und Rum dazu. Dann dieser Formlosigkeit sehr gegabel aus seiner Dienstzeit beim einen Wiener zsåmm! Eg- konnte weder bekamen sie ein schmeichelt fühlte. Die „gstandna Mannsleit“ k. u. k. Eisenbahn- und Telegra- Walzer, und halånda, ‘s vor- noch rückKunstblumenfenregiment in Bosnien. Emsig dann wurdauert nim- wärts. In der sträußl an aber saßen im Nebenstübel und putzte er sodann die Knöpfe sei- de bis Mitma lång!“ un- Meinung, den Rock ge- redeten gscheit von Politik und nes dunkelgrünen Waffenrockes ternacht geterstrich. es wolle steckt und Wirtschaft, zeigten ihre Christkindlpfeifen und brachten oft und heftete sein Militärdienst- tanzt. Die MitAn den bei- ihn jemand führten, kreuz am schwarz-gelben Sei- ternachtspause, den Außenseiten festhalten, während die auch einen Handel zuwege, das einen „Leihkaf“ als Gratisbier denband sowie seine kaiserliche die meist eides Masch- schrie er aus Musikanten „Jubiläumsmedaille“ am rotsei- ne Stunde Wer es sich leisten kann, ißt ungari- kererzuges Leibeskräfvor dem Hau- einbrachte. Dabei tat dann sodenen Band daran. Dann bügel- dauerte, be- sches Paprika-Gulasch mit Kartoffeln hüpften al- ten: „Helft’s, se spielten, die gar der alte „Harla“ (Ahnl) mit, te er die dazugehörige schwar- nützten die oder Wiener Schnitzel mit Salat. lerhand Mas- Leitla, helft’s! Tänzerin zum der „sünst s gånze Gåuha koa ze Uniformhose mit dem roten einen Ballken mit, zum Dau wüll mi Zug. So ging Tropft Böia möiha trunkn håut“. Passepoil auf, kleidete sich pro- gäste wieder zu einer Stärkung, Beispiel eine alte Frau mit einem oina okuln!“ Mit Bombardon und Flügelhorn spielen es durch So ging es bis Mitternacht. Dann beweise an und fühlte sich wie- die anderen zum Heimgehen, Buckelkorb, aus dem der Kopf Und wirk- die Musikanten zum Tanz am Faschings- das ganze wurden die Tänzerinnen bei eider ganz als k. u k. Militärschnei- nachdem sie vorher noch eini- ihres Ehemannes herausschaute, lich, einige dienstag auf. Dorf, bis al- nem mitten im Saal aufgestellten der. Wenn nun auch die Mutter ge „Ballbrezn“ und Würstel er- ein Polizist, der den alten Muk- Nachbarn le Mädchen Tisch noch „pritscht“, das heißt alles „rekognosziert“ hatte, wur- standen hatten. Auf diese freu- ki arretierte, weil er schon drei kamen dem Dorfbarbier von Ei- zusammen waren. Was die bei- zum Musikzahlen herangeführt. de die Uniform wieder bis zum ten wir Kinder uns ganz beson- Tage im Wirtshaus aushielt und sendorf zu Hilfe und befreiten den „Zsammföüherer“ am Tisch Diejenige, die am meisten zahlAbend des Ballfestes verstaut. ders, wenn anderntags zeitig in immer wieder sang: „Heint gäih ihn aus seiner mißlichen Lage. der abgeholten Tänzerinnen üb- te, wurde „Plootzmoad“ (PlatzDie Mutter hatte zu ihren Vorbe- der Früh die Mutter einen Topf i nimma huam, heint gäih i nim- Das war aber für die Eisendorfer riggelassen hatten, das packte magd) und bekam mit ihrem Erreitungen weniger Zeit. Kraut kochte und darin auch un- ma huam.“ Burschen ein willkommener An- der narrenbekappte „Lauferer“ wählten einen „Ausbitter“ (EinSobald nun der große Augen- sere Würsteln heiß machte, welAm „Fosnatirta“ (Faschings- laß, am Faschingsdienstag in den oder spitzhäubige „Hanswurst“ zeltanz). Zu guter Letzt gab es in der blick des Balles gekommen war, che wir samt Ballbrezel mit An- dienstag) erreichte der Fasching Musikpausen mit den Bierglä- in einen mitgeführten Sack zum wurden wir Kinder der Obhut dacht verzehrten. seinen Höhepunkt. Da gab es sern anzustoßen und im Sprech- Verzehren. Dann ging es mit Mu- Regel noch einen flinken Kehraus, und aus wår‘s, goar wår‘s mit unserer alten Tante anvertraut, Die letzten drei Tage vor schon frühmorgens nach der chor zu intonieren: „Helft’s, Leit- sik zum Tanzsaal. und die Eltern traten ihren Gang Aschermittwoch, an denen je- „Suppn“ ein Stamperl von Mut- la, helft’s, da Wirt wüll uns okuln! Was dort geschah, weiß ich da Fosnat! Nur ein paar „Übrigzum Eisendorfer „Festspielhaus“ weils vom Nachmittag bis Mit- ters „Selbstangesetztem“ zum ‘S Braihaus braucht laare Faßla!“ größtenteils nur vom Hörensa- gebliebene“ sangen beim Heiman. Dort zahlten sie ihren Ein- ternacht besonders von der er- „Stärketrinken“. Schon nach dem Mittagessen gen, denn als Pfarrer Hügel und gehen noch: „Ei Fosnat lou(ß) nitritt und suchten sich einen Platz wachsenen Jugend dem Tanz Ein Exempel vom alten Mat- war ein Verkehr auf der Straße Lehrer Steinbach mich fürs Stu- at nou, blei(b) nu a wengl dou!“ zum „offiziellen Abendessen“. gehuldigt wurde, bildeten „die zenpeter, von Beruf war er Holz- wie das ganze Jahr nicht. Die er- dium als tauglich erachteten, lie- oder „O schäine Fosnatzeit, Der Wirt mußte ja auch auf seine Eisendorfer Fosnat“. Den Auf- hauer und ging sommers wie sten waren die Musikanten, die ferte der Eisendorfer Schneider- kumm nea(r) boal(d) wieda, heint Rechnung kommen. Damit die- takt dazu gab das „Ausackern winters in den Baronwald, um am Fosnatsirta ihren großen Ar- meister Schwarzmeier am 8. Sep- bin i üwre blie(b)m, dees is ma Josef Schwarzmeier ses Festmahl kein allzu großes der Fosnat“ am „narrischen Pfin- seine große Familie zu ernäh- beits-, aber auch Zahltag hat- tember 1913 seinen „afgweckten zwieda.“
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‘S Braihaus braucht laare Faßla
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 8 | 25. 2. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Schaulustige begleiten den riesigen Faschingsumzug vor 110 Jahren in Tachau auf dem Marktplatz.
� Wo Fasching Fosnat heißt
O Fosnat lau(h) niat nau! Der Fosnat hat Alfred Freisleben in seinem Buch „Von Neujahr bis Silvester“ ein größeres Kapitel gewidmet. Er schreibt, daß sie drei Tage gedauert habe: von Fosnatsunnta(g bis Fosnatdöinsta(g. Dieser war der gleichzeitige Höhepunkt und Abschluß der närrischen Zeit.
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Einfallsreiche Faschingskostüme junger Tachauer.
Turnhallenfasching 1935: Auf dem Pferd vor der Turnhalle sitzt Luis Baier, Dompteur ist Hans Deml und im Pferd stecken Karl und Otto Haybach, deren Vater Franz das Pferd baute.
ie Vorbereitungen begannen meist schon einige Wochen vorher, je nach dem, wie es in dem jeweiligen Ort Brauch war. Rechtzeitig wurden auch jene Burschen und Måe(d)la ausgewählt, die eine bestimmte Rolle zu spielen hatten. In Orten mit Vereinen fanden aber schon Tage
und Wochen vorher Faschingsbälle statt, häufig als Maskenbälle. Meist waren es die Feuerwehren, Turnvereine oder die Landjugend, die Bälle veranstalteten, um mit einem eventuellen Überschuß die Vereinskasse etwas aufzufrischen. Auf den Maskenbällen tummelten sich die unterschiedlichsten Masken, je nach Einfallsreichtum und Mittel. Ich erinnere mich an einen Kostümball des deutschen Turnvereins in der Turnhalle kurz vor dem Krieg. Ich wohnte damals neben der Turnhalle und erlebte das Treiben hautnah mit. Die Brüder Josef und Franz Frankenberger hat-
ten aus aneinandergehängten Leiterwägelchen, die wie Waggons hergerichtet waren, einen Zug gestaltet, der unter großem Hallo in die Halle einfuhr. Auf jedem Wägelchen saß ein verkleideter Faschingsnarr. Nachher stand der kleine Zug vor der Turnhalle, und wir Buben aus der Umgebung fuhren mit ihm im Hof herum. Vor 110 Jahren – also 1912 – fand in Tachau ein besonders großer Faschingsumzug statt, an dem sich mehrere Hundert Leute beteiligten, von denen viele kostümiert waren. Die ganze Stadt schien damals wegen dieses Großereignisses auf den Beinen
gewesen zu sein. Die Tachauer Fotografen überlieferten zahlreiche eindrucksvolle Bilder. Natürlich spielte während der Fosnat auch das Essen eine wichtige Rolle, besonders auf dem Land. Sehr beliebt waren „Kråpfm“ und „Köichla“. „So arm die Leute oft auch waren“, schreibt Freisleben, „Kücheln gab es überall und nicht wenige. In manchen Häusern bis zu 150 Stück.“ Das verwundert eigentlich nicht, denn man konnte sie ja so praktisch mit der Hand essen. Am Schluß dieser tollen Tage erklang allerorten ein Lied mit dem Refrain „Oh Fosnat lau(h) niat nau!“ Ernst Haubner
Der riesige Faschingsumzug vor 110 Jahren führte auch durch die Bahnhofstraße. Hinter dem Faschingswagen in der Bahnhofstraße steht das Haus von Baumeister Ludwig Lockl.