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Sudetendeutsche Zeitung 11. Februar 2022 Ausgabe 6

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Sudetendeutsches Gespräch mit Hessens Beauftragter Margarete Ziegler-Raschdorf (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 74 | Folge 6 | 2,80 EUR · 75 CZK | München,11. Februar 2022

VOLKSBOTE

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

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� Demonstration vor dem Chinesischen Generalkonsulat

Olympische Spiele und Völkermord Zwei sudetendeutsche Menschenrechtler – Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Mitglied des CSU-Parteivorstandes, und Margarete Bause, MdB a.D. und langjährige Vertreterin der Grünen im Sudetendeutschen Rat – haben bei einer Kundgebung von Uiguren und Tibetern gesprochen, die während der Eröffnungszeremonie für die Olympischen Spiele in Peking vor dem Chinesischen Generalkonsulat in München stattgefunden hat.

D Demonstration vor dem chinesischen Generalkonsulat in München (von links): Stephanie Waldburg (Paneuropa Union), Volksgruppensprecher und MdEP a.D. Bernd Posselt, Asgar Can, MdB a.D. Margarete Bause und Dolkun Isa mit weiteren Mitstreitern. Foto: Johannes Kijas

er Protest richtete sich gegen die schweren Menschenrechtsverletzungen des totalitären chinesischen Systems, das drei Millionen Uiguren in grausamen „Umerziehungslager“ gefangen hält, Tibet und Hongkong brutal unterdrückt und Tai-

wan existentiell bedroht. Auch die Versklavung weiter Teile der chinesischen Bevölkerung wurde angeprangert. Die Redner, zu denen auch die Hauptveranstalter, Dolkun Isa und Asgar Can vom in München ansässigen Uigurischen Weltkongreß, gehörten, forderten unter anderem einen diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele durch die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten und den Rücktritt von IOC-Präsident Thomas Bach. Ein Regime, das Völkermord betreibe und den Frieden gefährde, stehe im krassen Gegensatz zur olympischen Idee, die genauso wenig teilbar sei wie die Menschenrechte. Der Kundgebung war ein Autokorso mit Fahnen und Transparenten von der Theresienwiese zum Generalkonsulat vorausgegangen.

� Verfassungsgericht in Brünn ordnet weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Prag an

Endlich Gerechtigkeit für die Grenztoten am Eisernen Vorhang? Soll ausgebaut werden: Das Atomkraftwerk bei Dukowan.

� EU-Taxonomie

Grün für Atomkraft Kernenergie und Erdgas sind im Sinne der Taxonomie nachhaltig und können damit als „grüne Investion“ gefördert werden, hat die EU-Kommission entschieden.

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ährend in Deutschland diese Entscheidung von den führenden Politikern mit Blick auf den Doppelausstieg aus Kohle und Atomkraft kritisiert wurde, reagierte die tschechische Regierung mit Zustimmung. Umweltministerin Anna Hubáčková (KDU-ČSL) erklärte: „Ich freue mich, daß die Europäische Kommission unseren Forderungen im Wesentlichen Rechnung getragen hat. Wichtig und positiv ist, daß sowohl die Kernenergie als auch das Erdgas in der Taxonomie als nachhaltige Aktivitäten und Investitionen betrachtet werden, die für ein nachhaltiges Energiesystem notwendig sind.“ Die CO2-freie Kernenergie sei eine wichtige Säule des tschechischen Energiemixes und eine Grundvoraussetzung, um erneuerbare Energiequellen zu entwickeln und auszubauen. Für die tschechische Regierung ist die Entscheidung der EU-Kommission auch ein wichtiges Signal, um an den Plänen festzuhalten, die Atomkraftanlage bei Dukowan in Südmähren weiter auszubauen.

Mord verjährt nicht: Zwischen 1948 und 1989 wurden am Eisernen Vorhang mindestens 282 Menschen bei Fluchtversuchen von tschechischen Grenzsoldaten getötet, so die Behörde für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (UDV) in Prag. Zwei Spitzenvertretern der früheren Tschechoslowakei droht jetzt doch die Anklage.

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ubomir Strougal und Vratislav Vajnar sind heute 97 beziehungsweise 91 Jahre alt. Strougal war in den 1960er Jahren Innenminister und verhinderte, daß Verbrechen der Sicherheitsorgane in den Jahren 1948 und 1949, darunter die Ermordung von drei politischen Gefangenen, aufgeklärt werden konnten. Von 1970 bis 1988 war Strougal dann Ministerpräsident der ČSSR und damit verantwortlich für den Schießbefehl an der Grenze. Vajnar war von 1983 bis 1988 Innenminister und damit ebenfalls verantwortlich für die Ermordung von Flüchtenden. Ende 2019 wurden Strougal, Vajnar und der 2020 verstorbene Miloš Jakeš, der ehemalige Generalsekretär des ZK der KPČ, in der Tschechischen Republik angeklagt. Im Mai 2021 entschied die Staatsanwaltschaft Prag jedoch, daß Strougal und Vajnar wegen psychischer Erkrankungen verhandlungsunfähig seien und ihnen deshalb nicht der Prozeß gemacht werden könne. Gleichzeitig stellte die Staatsanwaltschaft aber fest, daß Strougal und Vajnar für die Erschießungen am Eisernen Vorhang verantwortlich gewesen seien und daß beiden auch bewußt gewesen sei, daß die Ermordung

Wegen der Tötung von Flüchtenden am Eisernen Vorhang ermitteln Staatsanwälte in Deutschland und Tschechien gegen die hohen Kommunistenführer Lubomir Strougal und Vratislav Vajnar (rechts) Fotos: Wikipedia/ CC BY-SA 4.0 von Flüchtenden Unrecht ist. Sowohl Strougal als auch Vajnar hätten wissen müssen, so die Prager Staatsanwaltschaft, „daß der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte jedem Menschen das Recht auf Leben und das Recht, jedes Land, auch sein eigenes, frei zu verlassen, garantiert“. Das Verfassungsgericht Brünn widerrief die Entscheidung, die beiden Beschuldigten seien nicht verhandlungsfähig, im vergangenen Dezember und ordnete an, daß die Staatsanwaltschaft ihre

Ermittlungen wieder aufnehmen muß. Der Grund: Die Gutachten, die die Staatsanwaltschaft Prag als Entscheidungsgrundlage verwendet hatte, seien von Experten verfaßt worden, die nicht unabhängig gewesen seien. So stellte sich heraus, daß ein Gutachter zum einen Mitglied der Kommunistischen Partei war, zum anderen damals als Offizier bei einer Luftverteidigungseinheit mit Zugang zu streng geheimen Dokumenten gedient hatte. Auch der zweite Sachverständige hatte damals die entsprechen-

de Sicherheitsstufe und war damit Teil des kommunistischen Sicherheitsapparates. Das Verfassungsgericht erklärte, daß das Menschenrecht auf Leben zwangsläufig beinhaltet, daß bei Taten gegen das Leben staatliche Ermittlungen stattfinden müssen. „Das Recht auf eine wirksame Untersuchung gilt auch für Handlungen, die vor dem Inkrafttreten der Charta der Grundrechte und Grundfreiheiten begangen wurden.“ Der UN-Pakt über bürgerliche und politische Rechte war 1976 in

Kraft getreten, aber erst 1996 von der Tschechischen Republik ratifiziert worden. „Wenn die Strafverfolgungsbehörden nun solche Taten untersuchen, müssen sie nach den Grundsätzen einer wirksamen Untersuchung vorgehen, dies heißt unabhängig und unparteiisch, gründlich und ausreichend, unverzüglich und öffentlich, dies heißt unter öffentlicher Kontrolle und unter aktiver Beteiligung der Opfer“, schrieben die Brünner Verfassungsrichter den Prager Staatsanwälten ins Protokoll und stellten klar, daß „objektiv begründete Zweifel an der Unparteilichkeit der Gutachter ausgeschlossen sein“ müssen. Es ist daher nicht wünschenswert, so das Verfassungsgericht, „daß ein wichtiges Gutachten von einer Person erstellt wird, die zu diesem Zeitpunkt selbst bei den Streitkräften war, und zwar in einer Einheit, die für eine ähnliche Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Schutz des Luftraums zuständig war“. Nachdem auch Bürger der damaligen DDR bei der Flucht von tschechischen Grenzern erschossen worden waren, ermittelt auch die deutsche Staatsanwaltschaft. Zuständig ist hier die Staatsanwaltschaft Weiden, die mit ihren tschechischen Kollegen eine Ermittlungsgruppe gegründet hat. Der zuständige Oberstaatsanwalt Christian Härtl: „Die Ermittlungen sind keineswegs abgeschlossen.“ Im Fokus der Staatsanwaltschaften stünden neben Strougal und Vajnar auch alle weiteren Personen, „die in der Befehlskette an den einzelnen Todesfällen beteiligt waren, bis hin zu den einzelnen Soldaten, die an der Grenze eingesetzt waren“. Torsten Fricke


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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ie immer noch aktuelle Zeit der Pandemie ist keineswegs ideal für Büro- und Hausbesuche, das gilt auch für Tschechien. Der Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, nutzte diese Wochen unter anderem zu interessanten geschichtlichen Entdeckungen in der Hauptstadt Böhmens. In der Straße Petřínská im Stadtviertel Smichow wurde in

den letzten Wochen das Haus Nr. 2 renoviert, und dabei kam eine nette Kleinigkeit zum Vorschein, die die ganzen Geschichtsverwirrungen und Systemumstürze überlebte hatte. Unter der letzten Fassade des Jugendstilwohnhauses fand man die alte doppelsprachige Straßenbezeichnung aus der Zeit der Donaumonarchie. Schön, daß die Haus-eigentümer sich dazu entschieden haben, sie nicht, wie so

PRAGER SPITZEN oft, zu überpinseln. Und so lesen wir über dem jetzigen Straßenschild den ursprünglichen Namen, und zwar in altehrwürdigen Lettern: „Ulice malá / Kurze Gasse“. Barton: „Kurz ist die Straße wirklich, das stimmt.“

Corona-Regeln werden gelockert

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Scharfe Kritik von Greenpeace und Anwohnern nach Prags Rückzieher

Tagebau Turów: „Intakte Umwelt an Polen verkauft“

Die geplante Sperrwand bietet keinen Schutz vor dem Abfluß des Quellwassers in den Tagebau. Grafik: Greenpeace Anzeige

Ausschreibung für eine Museologin / einen Museologen (w/m/d) für das Sudetendeutsche Museum in München Die Sudetendeutsche Stiftung, eine vom Freistaat Bayern eingerichtete rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts, sucht zum 01.05.2022 eine Museologin / einen Museologen (w/m/d) in Vollzeit für das Sudetendeutsche Museum in München, zunächst befristet bis 30.04.2024. Die Eingruppierung erfolgt je nach Qualifikation, persönlichen Voraussetzungen und übertragenen Tätigkeiten in Anlehnung an TV-L. Das Sudetendeutsche Museum wurde vom Freistaat Bayern mit finanzieller Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland als Hochbaumaßnahme erstellt und von einem Planungsstab der Sudetendeutschen Stiftung eingerichtet. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Deutschen Museums und des Kulturzentrums Gasteig in zentraler Lage von München. Das Sudetendeutsche Museum wurde am 12. Oktober 2020 vom Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Staatsministerin Monika Grütters eingeweiht und wird mit Mitteln des Freistaats Bayern von der Sudetendeutschen Stiftung betrieben. Aufgabenschwerpunkte: • Verwaltung und Organisation des Museumsdepots in enger Zusammenarbeit mit dem Sammlungsleiter • Inventarisierung, Dokumentation und Katalogisierung des Sammlungsbestandes und der Neuzugänge mittels der Sammlungsdatenbank VINO, Übernahme von Heimatstuben • Präventive Konservierung, sachgemäße Lagerung und Klimatisierung des Museumsguts • Mitarbeit bei Gestaltung und Aufbau von Sonderausstellungen • Transport- und Verpackungsvorbereitungen für Leihvorgänge • Überwachung der Qualitätsstandards im Museum, Verwaltung und Pflege der Medienstationen im Museum • Aufsicht und Zuständigkeit für die Vitrinen in der Dauerausstellung, Museumsführungen für die Besucher Voraussetzungen für die Stellenbesetzung: • Einschlägiger Hochschulabschluss im Fach Museologie, Volkskunde oder eine vergleichbare Qualifikation (vorteilhaft wäre ein einschlägiger Masterabschluss) • Einschlägige Berufserfahrung im musealen Umfeld • Historische und konservatorische Fachkenntnisse sowie Kenntnisse im Umgang mit musealen Gegenständen • Sehr gute deutsche und gute englische Sprachkenntnisse in Wort und Schrift, idealerweise tschechische Sprachkenntnisse • Sehr gute Kenntnisse des MS Office Pakets • Führerschein Klasse B • Keine Vorbeschäftigung bei Sudetendeutscher Stiftung oder beim Sudetendeutschen Museum Die Gleichstellung aller Beschäftigten ist uns wichtig. Daher freuen wir uns auf Bewerbungen von Menschen unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft sowie von Alter, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Identität. Die Stelle ist für die Besetzung mit schwerbehinderten Personen grundsätzlich geeignet. Der Arbeitsort ist aber nicht barrierefrei und kann teilweise nur über Treppen erreicht werden. Die Arbeit erfordert körperliche Anstrengung und Ausdauer. Schwerbehinderte Bewerber bzw. Bewerberinnen werden bei ansonsten im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt eingestellt. Idealerweise bringen Sie zusätzlich mit: • Sehr gute Kenntnisse in der Digitalisierung, Inventarisierung, Dokumentation • Fundierte Kenntnisse im Umgang mit einer Museumsdatenbank • Selbstständiges sowie teamorientiertes Arbeiten • Eigeninitiative, Flexibilität, Bereitschaft für gelegentliche Wochenendarbeit und Belastbarkeit • Sehr sorgfältige und gewissenhafte Arbeitsweise • Begeisterungsfähigkeit, Lernbereitschaft und eine hohe Motivation • Empathie beim Umgang mit Besuchern und Spendern Wir bieten: Eine spannende Position in einem thematisch interessanten, hoch aktuellen und anspruchsvollen Aufgabengebiet mit einem überschaubaren engagierten und fachkundigen Team. Ihre Bewerbung: Interessierte (m/w/d) werden gebeten, ihre Bewerbung mit den entsprechenden Unterlagen (Zeugnisse, lückenlose Tätigkeitsnachweise usw.) bis zum 28.02.2022 einzureichen bei der Sudetendeutschen Stiftung, Verwaltungsleitung Sudetendeutsches Museum, Hochstraße 8, 81669 München, bzw. jens.bergmann@sudetendeutsche-stiftung.de

Weil der gigantische Tagebergbau Turów im Dreiländereck Polen, Deutschland und Tschechien enorme Umweltschäden auch jenseits der polnischen Grenze verursacht, hat auf Antrag Tschechiens der Europäische Gerichtshof per Einstweiliger Verfügung die Einstellung angeordnet. Doch jetzt die Wende: In einem Schlichtungsvertrag, den die Regierungschefs Petr Fiala und Mateusz Morawiecki am Donnerstag unterzeichneten, hat Warschau zugesichert, eine Sperrwand zu bauen, um die Absenkung des Grundwassers zu stoppen, sowie 45 Millionen Euro Entschädigung zu zahlen. Und im Gegenzug hat Prag angekündigt, die Klage zurückzuziehen. Anwohner und Greenpeace sind entsetzt.

eil viele Bürger gegen das Coronavirus geimpft sind und die Omikron-Mutante meist mildere Verläufe verursacht, hat sich auf den Intensivstationen die Pandemielage weiter entspannt. Die Regierung hat deshalb beschlossen, weitere Corona-Regelungen zu lockern. So wurde die 2G-Regel für Restaurants und Dienstleistungsbetrieben sowie für Kultur- und Sportveranstaltungen gestrichen. Somit sind hierfür keine Impf- oder Genesenennachweise mehr notwendig. Ab 18. Februar entfällt auch die Testpflicht an Schulen sowie am Arbeitsplatz. Dagegen bleibt die Maskenpflicht bestehen.

Mit 417 km/h auf der Autobahn

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as Video ging viral und wurde bereits Ende Januar über fünf Millionen Mal angeklickt: Mit bis 417 km/h war der tschechische Milliardär Radim Passer in einem Bugatti Chiron, dem schnellsten Serienauto der Welt, auf der Autobahn A2 bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt unterwegs. Obwohl auf dieser dreispurigen Autobahn kein Tempolimit gilt und an dem frühen Morgen auch nur wenige Fahrzeuge auf der rechten Spur unterwegs waren, ermittelt jetzt die deutsche Staatsanwaltschaft gegen den rasenden Tschechen. Der Vorwurf: Ein verbotenes Einzelrennen. Dem 58-jährigen droht nun eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

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er Vertragstext, der erst am Montag, also Tage nach der Unterzeichnung, veröffentlicht wurde, ist von der Umweltschutzorganisation Greenpeace intensiv geprüft worden. Das Ergebnis ist eindeutig: Die im Vertrag enthaltenen Schutzmaßnahmen sind nicht ausreichend, um die Wasserreserven auf der tschechischen Seite zu schützen. Nikol Krejčová, Koordinatorin der Greenpeace-Kampagne: „Es ist sehr naiv von der tschechischen Regierung zu glauben, daß die Sperrwand irgendwie funktionieren wird, wenn selbst das Bergbauunternehmen PGE davon nicht ausgeht. Wir werden uns bei der Europäischen Kommission beschweren und hoffen, daß die Europäische Kommission in diesem Fall aktiv bleibt und sich für die tschechischen Bürger einsetzt, deren Recht auf eine gute Lebensqualität und eine intakte Umwelt von der eigenen Regierung für 45 Millionen Euro an Polen verkauft worden ist.“ Milan Starec vom Nachbarschaftsverband Uhelná: „Der letzte Hoffnungsschimmer ist erloschen. Der Vertrag stützt sich auf eine Sperrwand, die nach den Worten des abberufenen polnischen Botschafters gar nicht zum Schutz unseres Wassers entwikkelt worden ist. Das Wasser wird auf dem kürzesten Weg ungehindert in den Tagebau fließen.“ Trotz der Einigung zwischen Warschau und Prag ist die Zukunft von Turów weiter offen. Ebenfalls am Donnerstag hatte der zuständige Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof sein Gutachten zur Klage von Tschechien vorgelegt. Darin heißt es, Polen habe gegen EURecht verstoßen, als es die Genehmigung für den Braunkohletagebau Turów im Jahr 2020 ohne Umweltprüfung verlängert habe. Generalanwalt Priit Pikamäe schrieb, daß große Bergbaustätten wie Turów die Gefahr erheblicher Auswirkungen auf die Umwelt mit sich brächten. Daher brauche es zwingend eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Jetzt liegt die nächste Entscheidung beim Europäischen Gerichtshof. Torsten Fricke

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Solidarität mit der Ukraine

emeinsam mit seinen Amtskollegen Ivan Korčok aus der Slowakei und Alexander Schallenberg aus Österreich ist der tschechische Außenminister Jan Lipavský (Piraten) am Montag und Dienstag in die Ukraine gereist. Mit dem Besuch solle die Solidarität mit dem osteuropäischen Land in einer Zeit des russischen Drucks bekundet und die territoriale Integrität der Ukraine unterstützt werden, sagte Lipavský. Die drei Außenminister sind zunächst nach Charkiw geflogen, von wo aus sie die sogenannte Kontaktlinie zwischen ukrainischen Regierungstruppen und den von Rußland unterstützten Separatisten im Konfliktgebiet Donbass besuchten.

Anschließend ging es nach Kiev weiter, wo auch ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf dem Programm stand.

Außenhandel rutscht ins Minus

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rstmals seit 2010 ist der tschechische Außenhandel im vergangenen Jahr mit einem Defizit von fast 1,46 Milliarden Kronen (60,25 Millionen Euro) ins Minus gerutscht. 2020 hatte die tschechische Wirtschaft noch einen Überschuß von rund 180 Milliarden Kronen (7,43 Milliarden Euro) erwirtschaftet, hat das tschechische Statistikamt vermeldet. Zwar stiegen die Exporte gegenüber 2020 um 13 Prozent, aber gleichzeitig nahmen die Importe um 19,2 Prozent zu. Hauptgrund für das Defizit sind die hohen Ölund Gaspreise.

„Okkupation“ ist der Film des Jahres

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ls besten tschechischen Film des Jahres 2021 haben die Filmkritiker den Streifen „Okkupation“ (Okupace) von Michal Nohejl ausgezeichnet. „Okupace“ erhielt zudem die Preise für die beste Regie und das beste Drehbuch. Nohejl wiederum wurde zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt. Das satirische Drama veredelte damit vier seiner insgesamt sechs Nominierungen. Die beste Leistung einer Schauspielerin hat nach Meinung der Kritiker Pavla Gajdošíková in dem romantischen Drama „Fehler“ (Chyby) des Regisseurs Jan Prušinovský abgeliefert. Der Preis für den besten Schauspieler ging an Václav Neužil für seine Darstellung des tschechischen Leichtathleten und Olympioniken Emil Zátopek im Film „Zátopek“ von Regisseur David Ondříček.

Schäden durch Unwetter nehmen zu

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ochwasser, Stürme, Starkregen, Hagel: Die tschechischen Versicherungen haben im vergangenen Jahr rund 6,45 Milliarden Kronen (265 Millionen Euro) für Unwetterschäden zahlen müssen – 117 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Schadensbilanz von 2021 schlägt vor allem der Tornado zu Buche, der im Juni eine ganze Region in Mähren verwüstet hatte. Dort mußten anschließend bis zu 200 Häuser abgerissen und neugebaut werden.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

Seit 2009 engagiert sich die ehemalige hessische Landtagsabgeordnete Margarete Ziegler-Raschdorf als Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. Im Sudetendeutschen Gespräch erklärt die Juristin, wie Hessen die Geschichte der Vertriebenen erforscht, wie ihre Eltern Krieg und Nachkriegszeit erlebt haben, warum man zwischen den Begriffen Flucht und Vertreibung sowie Migration scharf unterscheiden muß und was sie mit den Sudetendeutschen verbindet.

� Interview mit Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler in Hessen

„Flucht und Vertreibung sind keine Form der Migration“

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rau Ziegler-Raschdorf, als erstes Bundesland richtet Hessen an der Universität Gießen einen Forschungsbereich zur Geschichte und Kultur der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler ein. Was sind die Beweggründe? Margarete Ziegler-Raschdorf: Hessens Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ist in weiten Teilen geprägt von der Leistung der Heimatvertriebenen. Nahezu 30 Prozent der hessischen Bürgerinnen und Bürger sind über ihre Familien von Vertreibung und Aussiedlung betroffen. Ein Forschungsbereich, der die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete wachhält sowie das Geschehen von Flucht und Vertreibung untersucht, ist für die Hessische Landesregierung deshalb ein zentrales Anliegen. Was sind die nächsten konkreten Schritte? Ziegler-Raschdorf: Mit Verabschiedung des Landeshaushaltes am 2. Februar 2022 hat die Hessische Landesregierung die Grundlage für eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Kultur und Geschichte von Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern an der Justus-Liebig-Universität Gießen gelegt. Der Schwerpunktbereich „Historische Erinnerung und kulturelles Erbe – Vertriebene und Spätaussiedler in Hessen seit 1945“ soll in Kooperation mit dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung der Leibniz-Gemeinschaft entstehen. Die Leitung der vierköpfigen Arbeitsgruppe wird der Historiker Professor Dr. Peter Haslinger übernehmen. Dafür werden von 2022 bis 2026 jährlich 300 000 Euro zur Verfügung gestellt. Seit Flucht und Vertreibung sind über 75 Jahre vergangenen. Kommt dieses Engagement nicht zu spät? Ziegler-Raschdorf: Flucht und Vertreibung waren ein einschneidendes Ereignis in der deutschen Nachkriegsgeschichte und haben unser Land geprägt. Leider gibt es immer weniger Zeitzeugen, die über dieses Schicksal sprechen können. Deshalb ist es allerhöchste Zeit, diese Erinnerungen für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Zu spät für das Thema ist es niemals. Geschichte verjährt nicht. Auch wenn der oder die letzte Heimatvertriebene nicht mehr unter uns ist, so bleibt der gesetzliche Auftrag nach Paragraph 96 Bundesvertriebenengesetz bestehen, der uns zur Bewahrung, Erforschung und Weitergabe der Kultur und Geschichte der Heimatvertriebenen verpflichtet. Flucht und Vertreibung sind auch heute noch aktuell. Wir müssen diese Geschichte kennen und sie aufarbeiten, um die Zukunft gestalten zu können. Sie haben selbst einen Vertriebenenhintergrund. Welches Schicksal haben Ihre Eltern erlebt? Ziegler-Raschdorf: Meine Eltern stammen aus Neustadt in Oberschlesien. Meine Mutter mußte mit ihrer älteren Schwester und deren vier kleinen Kindern – das Jüngste vier Wochen alt – wegen der näher rückenden russischen Front zu Fuß auf die Flucht gehen und sich über das Vogtland bis nach Bayern durchschlagen. Die Männer der beiden Frauen, mein Vater und mein Onkel, waren zum Wehr-

� Zur Person: Margarete Ziegler-Raschdorf Geboren am 06. August 1951 in Fulda, drei Söhne, Juristin, katholisch. � 1981: 2. Juristische Staatsprüfung in München. � 1992 bis 2021: Stadtverordnete der Stadt Fulda. � 2004 bis 2008: Mitglied des Hessischen Landtages. � 2005 bis 2008: Vorsitzende des Rechtsausschusses des Hessischen Landtags. � Seit 2009: Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. �

dienst eingezogen, mein Vater an der russischen Front. Meine Mutter mußte alles für die kleine Gruppe organisieren, jeden Tag aufs Neue Unterkunft, Essen und Milch für die Kinder erbetteln. Es ist ein Wunder, daß sie nach großen Entbehrungen, Krankheiten, Hunger und schlimmen Erlebnissen alle einigermaßen heil im Westen ankamen. Wie erging es Ihrem Vater? Ziegler-Raschdorf: Mein Vater kam als Kriegsverwundeter irgendwann ins Lazarett nach Bad Salzschlirf, wo ihn meine Mutter wiederfand. Sie wurden dann in Fulda bei einer einheimischen Familie zwangseinquartiert, wo sie die üblichen Schikanen erleiden mußten und es anfangs schwer hatten. Meine Mutter wurde in ihrem Beruf als Lehrerin eingesetzt und sorgte damit für den Unterhalt. Später durfte mein Vater in seinem schon in Breslau ausgeübten Beruf als Richter am Landgericht Fulda arbeiten. Trotz der Armut und schlechten Zeit verlebten meine beiden älteren Schwestern und ich eine wunderbare, behütete Kindheit mit Liedern und Geschichten und vielen Ausflügen in die Natur. Wann waren Sie das erste Mal in der Heimat Ihrer Eltern? Was haben Sie dabei empfunden? Ziegler-Raschdorf: Im Jahr 2015 war ich zum ersten Mal in der schlesischen Heimat meiner Eltern in Neustadt und auch dem Heimatort meiner Mutter, dem davon sechs Kilometer entfernten Dorf Jassen, wo mein Großvater Dorfschullehrer der einklassigen Dorfschule und Organist in der kleinen Dorfkirche war. Es war sehr bewegend, auf der Orgelempore der kleinen Kapelle zu stehen, wo mein Großvater immer die Orgel gespielt hatte. So schaute ich auf den Altar, vor dem meine Eltern in Kriegszeiten geheiratet hatten, kurz bevor mein Vater an die Front mußte. Das Schulhaus, das ja auch das Wohnhaus der Familie gewesen war mit kleiner Landwirtschaft und großem Garten zur Selbstversorgung, habe ich aufgrund alter Fotografien erkannt. Heute wohnen polnische Familien darin. Der Blick auf das Haus

und den Garten, die absteigende Dorfstraße, wo meine Mutter als Kind und junge Frau mit ihren sieben Geschwistern so oft entlang gehüpft und gegangen sein mußte, hat mich tief bewegt und einfach nur traurig gemacht. Ich war enttäuscht über den schlechten Zustand der Häuser und die ungepflegten Feldwege und kleinen Dorfstraßen, die so gar nicht zu der Erinnerung meiner Mutter passen wollten, die sie uns in unzähligen bildhaften Schilderungen vermittelt hatte. Wie haben Sie in Neustadt gefühl, der Heimatstadt Ihres Vaters? Ziegler-Raschdorf: Auch vor dem Wohnhaus der Familie meines Vaters in der Innenstadt von Neustadt habe ich gestanden und noch einmal, stellvertretend für meinen Vater, von diesem Ort Abschied genommen. Mein Großvater väterlicherseits war Standesbeamter in Neustadt gewesen, wo bis heute Urkunden und Akten mit seiner Unterschrift lagern. Dies erklärte mir der Bürgermeister von Neustadt bei einem offiziellen Besuch im Rathaus, wo ich über meine Arbeit als Landesbeauftragte in Hessen referieren durfte. In der großen, schönen Pfarrkirche in Neustadt, zu der meine Mutter mit der Familie früher jeden Sonntag – und das bei jedem Wetter – sechs Kilometer zu Fuß gelaufen war, zündete ich Kerzen zur Erinnerung an. Sie haben einmal gesagt: „Meine Füße stecken in Schlesien, und Fulda ist meine Heimat.“ Was meinen Sie damit? Ziegler-Raschdorf: Ich will damit sagen, daß ich sowohl Schlesierin als auch Fuldaerin und Hessin bin. Meine Wurzeln liegen in Schlesien, weil dort die Heimat meiner Eltern ist und sie

Margarete Ziegler-Raschdorf ist seit 2009 Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. von dorther stammen. Das werde ich immer in mir behalten und im Herzen tragen, geboren bin ich selbst aber in Fulda. Insofern ist Schlesien meine familiäre Heimat, Fulda meine persönliche Heimat, in der ich gerne zu Hause bin. All mein persönliches, ehrenamtliches Engagement während meiner 30 Jahre als Stadtverordnete, Kommunalund Landespolitikerin basiert auf meiner familiären Geschichte. Daraus beziehe ich die Motivation, mich politisch aktiv für eine Politik einzusetzen, die auch im Kleinen friedensstiftend ist und den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt, damit nie wieder Menschen zum Spielball und Opfer von Krieg und Vertreibung werden. Die Vertreibungserfahrungen meiner Eltern, insbesondere meiner Mutter, haben mir vermittelt, wie stark Menschen sein müssen und können. Das Vertreibungsschicksal meiner Eltern empfinde ich als innere Verpflichtung, mich dafür einzusetzen, die Ereignisse von Flucht und Vertreibung und die Kultur der Vertreibungsgebiete wachzuhalten. Die Nachkommen der Heimatvertriebenen sollten lernen, ein angemessenes Selbstbewußtsein hinsichtlich des Themas an den Tag zu legen und weiterhin für ihre Eltern Zeugnis ablegen und offen über ihr Familienschicksal sprechen. Sie sind Mutter von drei Kindern. Ist die Vertreibung für diese Generation noch ein Thema? Ziegler-Raschdorf: Auch meine drei Söhne sind mit den Erzählungen meiner Mutter über Schlesien, das Leben dort und über die Vertreibung der Großeltern und unserer großen Familie aufgewachsen, da meine Mutter bis zu ihrem Tod in unserem Haus gewohnt hat. Schlesien, Flucht und Vertreibung sind Teil unserer DNA, dabei selbstverständlich nicht alltägliches The-

� Bekannte Sudetendeutsche in Hessen Wenzel Jaksch, Abgeordneter im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus, MdB und einer der Väter des Hessenplans; Gustav Hacker, Landwirtschaftsminister; Gotthard Franke, MdL; Frank Sei-

both, MdB; Richard Hackenberg, MdL; Rudolf Friedrich, MdL, Edgar Hobinka, Volkskundler und Musikpädagoge, Weihbischof Dr. Adolf Kindermann und Weihbischof Dr. Gerhard Pieschl.

ma, aber doch immer wieder einmal und besonders an Weihnachten. Meine Mutter hat natürlich auch ihre schlesischen Kochkünste weitergegeben – an mich und meine drei Söhne, die alle drei sehr gut kochen und backen können. Weil sie wissen, daß es mein großer Wunsch ist, ihnen die Heimat ihrer Großeltern zu zeigen, haben meine drei Söhne mir eine gemeinsame Reise nach Schlesien geschenkt, die wir hoffentlich bald antreten können. In der vergangenen Woche haben wir über die Lage in Polen berichtet. Christoph de Vries, der Vorsitzende der Vertriebenengruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat die polnische Entscheidung scharf kritisiert, die Förderung des Deutschunterrichts stark zu kürzen. Wie ist Ihre Haltung dazu? Ziegler-Raschdorf: Natürlich verurteile ich die Kürzung der Mittel für den Deutschunterricht der deutschen Minderheit in Polen ebenfalls und besonders den Sonderweg, den Polen ausschließlich gegenüber der deutschen Minderheit einschlägt. Bei den anderen Minderheiten wird ja nicht gekürzt. Die politische Führung ist für diese zunehmend antideutsche Stimmung verantwortlich, deren Ursache ich nicht wirklich begreife. Polen und Deutsche haben eine schwierige gemeinsame Geschichte, die uns auf immer verknüpft. Insofern sollte zu Vernunft und Verständigung zurückgefunden werden. Es ist vor allem ein europäisches Thema hinsichtlich des Schutzes von Minderheiten in Europa und ein gewaltiger Rückschritt, für den vermutlich leider auch Kostengründe ausschlaggebend gewesen sind. Die polnische Seite wirft Deutschland vor, seit 30 Jahren den Polnischunterricht an deutschen Schulen nicht vorangetrieben zu haben. Wie sehen Sie das? Ziegler-Raschdorf: Diese Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage. Angebote des Polnisch-Lernens gibt es in fast allen Bundesländern in unterschiedlicher Ausprägung über alle Bildungsetappen hinweg. Im Übrigen gibt es in Deutschland keine „polnische Minderheit“ die vergleichbar wäre mit der autochthonen deutschen Minderheit in Polen. Bei uns lebende Polin-

3 nen und Polen sind im Zuge der europäischen Freizügigkeit aus Gründen der Erwerbstätigkeit zu uns gekommen und stellen keine „Minderheit“ im Definitionssinne dar. Wie sieht die Zukunft aus? Wie wird sich die Rolle einer Vertriebenenbeauftragten in den nächsten zehn, zwanzig und mehr Jahren wandeln? Ziegler-Raschdorf: Die Arbeit eines oder einer Landesbeauftragten wird sich mit dem Schwinden der Erlebnisgeneration der Heimatvertriebenen mehr und mehr wandeln. Einige Bundesländer haben hauptamtliche Beauftragte, andere haben ehrenamtliche oder verstehen die Anliegen der Vertriebenen als Querschnittsaufgabe. Hessen hat hier eine bewußte Entscheidung getroffen: Wir wollen nicht, daß die Erinnerung und der damit verbundene Kulturschatz verlorengehen. Durch das Schwinden der Erlebnisgeneration steigt die staatliche Verantwortung für das materielle und immaterielle Kulturgut der Vertriebenen und Aussiedler. Insofern wird die Arbeit einer oder eines Vertriebenenbeauftragten künftig notgedrungen eher weniger in der Kontaktpflege und Zusammenarbeit mit den Verbänden bestehen, als in der Verantwortungsübernahme, als Ombuds-Person die Erinnerung an die historischen deutschen Ostgebiete und Siedlungsgebiete von Deutschen und die Ereignisse von Flucht und Vertreibung von 15 Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder anzumahnen und dauerhaft und selbstverständlich im öffentlichen Gedächtnis zu verankern. Dabei halte ich es für eminent wichtig, Flucht und Vertreibung nicht in den Kontext von allgemeiner „Migration“ einzuordnen, wie es leider neuerdings bereits vielfach zu beobachten ist. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, hier sehr sauber die Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten: Flucht und Vertreibung sind keine Form der Migration. Dazu würde ich mir eine starke Debatte aller Akteure innerhalb unseres Themenbereiches wünschen. Ansonsten befürchte ich eine dramatische Relativierung und Bagatellisierung der Ereignisse von Flucht und Vertreibung, ja eine Geschichtsverfälschung. Auch deshalb ist die Einrichtung eines Forschungsbereichs von ganz enormer Bedeutung. Ein wichtiger Punkt wird auch weiterhin sein, die grenzüberschreitenden Verbindungen in die Herkunftsgebiete zu pflegen und im Sinne eines europäischen Miteinanders die Verständigung und die Versöhnung auszubauen und nutzbar zu machen für kulturellen, wirtschaftlichen, akademischen und gesellschaftlichen Austausch. Welche Beziehungen haben Sie zu den Sudetendeutschen? Ziegler-Raschdorf: Hessen hat nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 400 000 Menschen aus dem Sudetenland aufgenommen, die damit die größte Gruppe der Heimatvertriebenen im Bundesland darstellen. Das Land Hessen fühlt sich mit den Sudetendeutschen daher in besonderer Weise verbunden, nicht zuletzt, da sich unter ihnen eine ganze Reihe großartiger Persönlichkeiten befinden, die Hessen nachhaltig geprägt haben. Ich habe die Sudetendeutschen als wunderbare Menschen kennengelernt. Es sind die Sudetendeutschen, die wegen der bis heute nicht aufgehobenen, also weiterhin gültigen Beneš-Dekrete, nicht zur Ruhe kommen und ihren wirklichen Frieden bis heute nicht finden können. Das ist schlimm und verlangt ihnen viel ab. Gleichwohl werden die Sudetendeutschen nicht müde, alles Erdenkliche für die Verständigung mit den Tschechen zu tun. Das bewundere ich. Torsten Fricke


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TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

Christiane Hoffmann, Erste Stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, liest aus ihrem Buch

550 Kilometer zu Fuß auf dem Fluchtweg des Vaters Montag, 21. Februar, 19 Uhr, Christiane Hoffmann: „Alles, was wir nicht erinnern. Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters“. Lesung im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhung, Stresemannstraße 90, Berlin.

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egen acht Uhr morgens gehe ich los. ... Es ist mild für Ende Januar. Als Ihr damals aufgebrochen seid, war die Straße nach Lossen tief verschneit, die Luft eisig, sicher zwanzig Grad kälter. Es muß schon dunkel gewesen sein, nachmittags gegen fünf. Hinter Euch hörtet Ihr die sowjetische Artillerie über die Oder schießen, die Russen, wie Du immer sagtest.“ 550 Kilometer nach Westen. Christiane Hoffmann, ehemals stellvertretende Leiterin des

75 Jahre nach der Flucht auf den Spuren ihres Vaters: Christiane Hoffmann liest aus ihrem Buch „Alles, was wir nicht erinnern“. Foto: Bundesregierung Hauptstadtbüros des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und jetzt Erste Stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, hatte sich am 22. Januar 2020, 75

Jahre nach der Flucht ihres Vaters, von Rosenthal in Schlesien auf den Weg gemacht. „Ein sehr persönliches, literarisches Buch über Flucht und

Heimat, über die Schrecken des Krieges und über das, was wir verdrängen, um zu überleben“, erklärte die Autorin ihr Werk. Neben der Suche nach der Geschichte des Vaters geht es in dem Buch auch um die großen gesellschaftlichen Fragen: Was bleibt heute vom Fluchtschicksal? Wie gehen Familien, wie gehen Deutsche, Polen und Tschechen mit der Vergangenheit um? Anmeldung über die Online-Ticket-Buchung, per eMail veranstaltungen@f-v-v.de oder unter Telefon (0 30) 20 62 99 80. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung wird auch im Livestream über die Webseite www.flucht-vertreibungversoehnung.de übertragen. Nächste Lesung: Montag, 7. März, 20 Uhr, Literaturhaus München.

VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Freitag, 11. März:

„Verblichen, aber nicht verschwunden“ – Ausstellung über eine Spurensuche im Böhmerwald. Centrum Bavaria Bohemia, Freyung 1, Schönsee. Öffnungszeiten: montags, 10.00 bis 19.00 Uhr, freitags 10.00 bis 14.00 Uhr, samstags 10.00 bis 11.30 Uhr, sonntags 14.00 bis 16.00 Uhr. Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 23. Februar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde

Hinweis Corona-Pandemie

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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. München-Dachau: Mittwochsrunde. Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in der Burg Hohenberg 2008 mit Besuch der Stadt Aussig. Haus

Dr. Harald Roth, Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa

Referat von Dr. Harald Roth

Hermannstadt vs. Kronstadt Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr: „Hermannstadt und Kronstadt – konkurrierende Schwestern am Fuße der Karpaten“, Referent: Dr. Harald Roth (Potsdam). Online und im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Zwei stolze Stadtrepubliken in relativer Nachbarschaft zueinander an der unmittelbaren Grenze des westkirchlich eingebundenen Stephansreichs: Hermannstadt und Kronstadt prägten nicht nur ihre jeweiligen Umgebungen nachhaltig, sondern auch die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und jene Siebenbürgens. Über viele Jahrhunderte standen sie in ausgeprägtem Wettbewerb, ja in erbitterter Konkurrenz zueinander – wirtschaftlich, politisch, geistig, künstlerisch, punktuell sogar militärisch. Während Hermannstadt das etablierte politisch-administrative Zentrum der Sächsischen Nation war, wahrte Kronstadt nicht nur die Eigen-

ständigkeit des Burzenlandes, sondern entwickelte auch eine hohe wirtschaftliche Schlagkraft, wobei beide Städte eigene Beziehungen zu den Nachbarprovinzen unterhielten. Die Unterschiedlichkeit blieb den Städten und vor allem ihren Bewohnern bis ins 20. Jahrhundert, manchmal sogar bis in die Gegenwart erhalten, dadurch oft Fortschritt und Erkenntnis beflügelnd, mitunter aber auch dafür hinderlich, von außen gesehen jedenfalls nicht selten erheiternd. Dr. Harald Roth (geboren 1965) ist Osteuropa-Historiker. Er studierte in Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Seattle und München, wo er auch 1994 promovierte. Er war unter anderem Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Siebenbürgens-Instituts in Gundelsheim am Neckar, Mitarbeiter des Südost-Instituts München/Regensburg und des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam, dessen Direktor er seit 2013 ist.

des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wy-

topil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni, 72. Sudetendeutscher Tag in Hof. Motto: „Dialog überwindet Grenzen“. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert auch in diesem Jahre eine Reise mit zwei Bussen (Nord- und Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Sonntag, 6. bis Freitag, 11. November, Seminarwoche für Multiplikatoren. Heiligenhof in Bad Kissingen.

Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann:

Kulturwallfahrt im Mai

Dienstag 3. Mai, Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ mit Bundeskulturrefrent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Abfahrt 8.00 Uhr vor dem Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München. Programm: Heilige Messe mit dem sudetendeutschen Heimatpriester Dekan Adolf Rossipal in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg (Foto: Stadt Bogen); Führungen durch Kirche und Kreismuseum; Mittag-

essen im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“; anschließend Weiterfahrt zum Kloster Seligenthal in Landshut; Besichtigung der AfraKapelle und der Grablege von Ludmilla von Böhmen; Kaffeepause und Rückfahrt. Ankunft in München gegen 19.00 Uhr. Kosten für Busfahrt und Eintritte: 20 Euro. Anmeldung: anmeldung@sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München.

Sudetendeutsches Haus

Fasching auf Böhmisch Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr: „Fasching auf Böhmisch“ – Vernissage und Lesung mit Rena Dumont und František Zemen im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße, München. In der Region Reichenberg und im Egerland gab es mit der Fosnat (Fasnacht) eine Faschingstradition, in der bei ausgiebigem Essen und Trinken häufig über die Stränge geschlagen wurde. Die von dem Fotografen Petr Strbačka kuratierte Ausstellung „Fasching auf Böhmisch“ dokumentiert das bunte Treiben in den 1970er Jahren. Die originel-

len Schwarz-Weiß-Fotografien stammen von dem heute 88jährigen František Zemen aus Strakonitz. Mit der Schriftstellerin und Filmregisseurin Rena Dumont erläutert er im Gespräch seine Bilder. Rena Dumont liest dazu passende Auszüge aus ihrem neuen Roman „Die Mühle“. Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Kulturreferats für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum in München. Ausstellungsdauer: 18. Februar bis 18. März, montags bis freitags 9.00–18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In Hof und der Euregio Egrensis

72. Sudetendeutscher Tag vom 3. bis 6. Juni Der 72. Sudetendeutsche Tag findet über Pfingsten vom 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis statt.

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as große Volksgruppentreffen steht in diesem Jahr unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Ju-

ni in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit interessanten Einzelveranstaltungen vieler Träger in der ganzen Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Am 6. Juni werden Ausflüge und eine Gebetswallfahrt für Frieden und Verständigung auf dem Programm stehen.

Online: Aktuelle politische Entwicklung in Ostmitteleuropa Samstag, 19. Februar von 8.45 bis 18.00 Uhr, Online-Seminar: „Aktuelle politische Entwicklung in Ostmitteleuropa: Medien, Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte und -freiheiten: Rumänien, Bulgarien, Tschechien, Polen, Moldau, Ungarn“ in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Freundeskreis Siebenbürgen e.V. War das erste Vierteljahrhundert nach der großen Zeitenwende von 1989/1990 von Euphorie und Aufbruch nach den meist friedlichen Revolutionen sowie der Abkoppelung der ostmitteleuropäischen Staaten aus dem ideologischen, wirtschaftlichen und militärischen Machtgefüge der Sowjetunion gekennzeichnet – wobei schließlich deren Implosion sowie des Warschauer Militärbündnisses und eine Orientierung auf westliche, demokratische Gesellschaften und Freiheiten stattfand, die zum Beitritt des Nato-Bündnisses und der EU führten – so nahmen ab 2015 die Unstimmigkeiten zwischen alten und neuen EU-Ländern zu. Insbesondere die Demokratie- und Rechtsstaatsentwicklung, die zunehmenden nationalistischen und antiliberalen Töne und Argumente, das teilweise autoritäre Gebaren mancher Machthaber, deren politische Einflußnahme auf Medien und Wissenschaft, lassen die politischen Partner im Westen ratlos und besorgt zurück. Die Demokratien Ostmitteleuropas machen vielfältige Krisen durch. Es gibt auch wieder relevante radikale politische Strömungen und Parteien, noch ohne Machtchance, aber wie lange noch? Seminarleitung: Gustav Binder und Birgit Hamrich (Pfarrerin, Vorsitzende des Evangelischen Freundeskreises Siebenbürgen). Referenten: Werner Kremm (Journalist, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien), Dr. Björn Opfer-Klinger (Historiker, Redakteur für Bildungsmedien, Leipzig), Dr. Lukas Novotny (Hochschullehrer, Politikwissenschaftler, Prag), Dr. KaiOlaf Lang (Politikwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin), Dr. Markus Bauer (Germanist und freier Publizist, Berlin) und Prof. Dr. Krisztían Ungváry (Historiker und Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für die Erforschung der ungarischen 1956er Revolution, Budapest). Anmeldung bis Freitag, 18. Februar, 15.00 Uhr unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

5 � Mut tut gut

Das mittlerweile freigelegte Grab von Guido Glück auf dem Friedhof in Brünn.

� Grab von Guido Glück in Brünn entdeckt

Erinnerungen an einen Vergessenen Guido Glück war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der profiliertesten Persönlichkeiten des Brünner Kulturlebens. Bis 1932 arbeitete er als Autor, Dramaturg und Regisseur. Mit der Machtübernahme der Nazis zog sich Glück aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Weil er während der NSZeit Emigranten unterstützt hatte, entging Glück nach dem Krieg der Vertreibung und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1954 in Brünn.

I Der Autor und Dramaturg Guido Glück gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den profiliertesten Persönlichkeiten des Kulturlebens von Brünn. Fotos: Jana Urbanovská

m Juni 2021 hat die Studentin Jana Urbanovská die Patenschaft für das verlassene Grab von Guido Glück übernommen und die letzte Ruhestätte des Intellektuellen freigelegt.

Sie sei, so erklärt die junge Frau ihre Bewegtgründe, „davon überzeugt, daß die Vergangenheit ein untrennbarer Teil unserer Identität ist und nicht in Vergessenheit geraten darf oder gar ignoriert werden sollStudentin Jana te“. Mithilfe einer öfUrbanovská fentlichen Sammlung wolle sie das Grab renovieren und „gleichzeitig an die gemeinsame deutsch-tschechische Vergangenheit mit sowohl ihrem Reichtum als auch ihrer Härte erinnern“. TF

� Die Vorstände der Seliger-Gemeinde, Helena Päßler und Dr. Helmut Eikam, stellen das neue Grundsatzprogramm vor

„Zur EU und einem sozialen Europa gibt es keine Alternative“ „Weil die Zeit nicht stehen bleibt, wir, die Seliger-Gemeinde, zeitgemäß und aktuell sein sollten, um auch die junge Generation für unsere Ziele zu interessieren und zu gewinnen. Weil wir das Stigma der Ewiggestrigen widerlegen wollen. Und weil wir als Vertriebene und die Nachfolgegenerationen der Vertriebenen als Brückenbauer fungieren wollen“, erklärt Helena Päßler, die mit Dr. Helmut Eikam der Seliger-Gemeinde vorsteht, warum sich die sudetendeutschen Sozialdemokraten mit den Alexanderbader Thesen ein neues Grundsatzprogramm gegeben haben.

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r. Helmut Eikam: „Die Brannenburger Thesen, die 1998 verabschiedet

1. Die Seliger-Gemeinde versteht sich als Nachfolgeorganisation der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, die aus der altösterreichischen Arbeiterbewegung hervorgegangen ist und nicht nur für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen und das Miteinander verschiedener Nationen, sondern auch bis zuletzt gegen das Dritte Reich und für den Erhalt der Tschechoslowakei gekämpft hat. Sie zählt zu den sozialdemokratischen Traditionsverbänden, die die Auseinandersetzung mit der national-sozialistischen Gewaltherrschaft für ebenso unerläßlich halten wie die Förderung der deutsch-tschechischen Beziehungen und die Festigung der Europäischen Union. Sie unterstützt die Sozialdemokratie mit ihren Grundwerten und pflegt die Zusammenarbeit mit (sudeten-) deutschen, tschechischen, slowakischen und österreichischen Gruppen und Institutionen, die sich der mitteleuropäischen Verständigung unter demokratischen Vorzeichen widmen. 2. Die Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung reicht weit in das 19. Jahrhundert zurück. Der Kampf um soziale Errungenschaften und demokratische Strukturen gehörte zu den wesentlichen Voraussetzungen sozialdemokratischer Politik des 20. Jahrhunderts. Den Anteil dieser Politik in den böhmischen Ländern zu doku-

wurden, haben im Lauf der Jahre eine positive Resonanz erzielt und wurden vor allem als politisches Signal gewürdigt, das Mißtrauen abgebaut und zur Verständigung beigetragen hat. Fragen, die damals im Zentrum der Auseinandersetzung standen – Eigentum, Rückkehr, Wiedergutmachung – wurden seither auf vielen Ebenen des deutschtschechischen Dialogs thematisiert. Der NATO- und EU-Beitritt Tschechiens hat schließlich vollständig neue Rahmenbedingungen geschaffen.“ Mittlerweile, so Eikam, hätten sich „in den deutsch-tschechischen Beziehungen gravierende Veränderungen“ ergeben. Bereits die Einrichtung der Euregio Egrensis (1993) und der Euregio Bayeri-

scher Wald – Böhmerwald (1993) vermittelte neue Möglichkeiten des Austausches und der Zusammenarbeit. „Die Alexandersbader Thesen stellen eine Reaktion auf die weitere Entwicklung dar und verstehen sich als Beitrag zur Positionsbestimmung der SeligerGemeinde in der Gegenwart“, sagt Helena Päßler und erklärt, warum die Alexandersbader Thesen über das Thema Vertreibung hinausgehen: „Daß dabei auch Themen wie Klimawandel, Digitalisierung und Migration angesprochen werden, sind keine Neubestimmung der Aufgaben, sondern ein Signal der Aufmerksamkeit für die sich weiter verändernden Rahmenbedingung.“ Sorge bereitet der Seliger-Gemeinde

die aktuelle Entwicklung: „Mit der Finanzkrise, der Migrationsproblematik, dem Brexitschock und dem Lautwerden rechtsextremer Strömungen hat die EU in den letzten Jahren einen Zuwachs an Spannungen in Kauf nehmen müssen, der viele Menschen verunsichert und pessimistisch stimmt. Hinzu kommt das Gefühl, daß in Europa eine wachsende Radikalisierung gewaltbereiter ideologisch motivierter Gruppen stattfindet – nicht zuletzt durch die Ablehnung der Visegrád-Staaten gegenüber einer gleichmäßigen Verteilung der Migranten“, so Helena Päßler. Denn, so heißt es in den Alexanderbader Thesen: „Zur EU und einem sozialen Europa gibt es keine Alternative.“

mentieren und im Gedächtnis zu bewahren, zählt zu den ureigensten Anliegen der Seliger-Gemeinde. 3. Die Erinnerung an die Jahre und Leiden des Nationalsozialismus ist keine abgeschlossene Angelegenheit der Vergangenheit, sondern eine zentrale Aufgabe der Gegenwart. Jede rechtsextreme Stimme und Stimmung der Gegenwart, die durch die Historisierung des Dritten Reiches begünstigt wird, unterstreicht die Notwendigkeit, an die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches (insbesondere auch im Sudetengau und

zur Europäischen Union und einem sozialen Europa keine Alternative gibt, daß die Mitgliedsstaaten nur in der Gemeinschaft stark genug sind, die globalen Herausforderungen zu bestehen. Sie setzt sich nachdrücklich für die europäischen Grundrechte ein, für die Förderung der europäischen Integration, die Stärkung des europäischen Parlaments, des Minderheitenschutzes und den Ausbau der Volksgruppenrechte. 5. Die deutsch-tschechischen Beziehungen zählen zum sensiblen Kernbereich der europäischen Integration. Die

tendeutscher Verbände und der deutschen Minderheit Tschechiens einzubeziehen. 6. Der unterschiedliche Umgang mit Flüchtlingen und Migranten in den Staaten der EU, insbesondere in Deutschland und Tschechien, stellt eine besondere Herausforderung dar. Die Seliger-Gemeinde plädiert aus eigener Erfahrung für einen sensiblen Umgang mit dem Schicksal von Flucht, Verfolgung und Vertreibung und für die Unterstützung von Migranten und Schutzsuchenden in der Gegenwart. 7. Die Seliger-Gemeinde ist sich bewußt, daß aktuelle Entwicklungen wie der Klimawandel, die Globalisierung, die Digitalisierung und die demo-graphische Veränderung der Gesellschaft zu den großen Herausforderungen der Gegenwart zählen. Nach politischen Lösungen zu suchen, welche die sozialen und demokratischen Errungenschaften der Vergangenheit bewahren und weiterentwickeln, ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen. 8. Die Seliger-Gemeinde ist seit ihrer Gründung eine Brücke zwischen den Menschen. Sie wird auch in Zukunft durch ihre Aktivitäten den deutsch-tschechischen Dialog stärken und eine Plattform für Gespräche und Diskussionen bieten, die einer friedlichen, demokratischen und nachhaltigen Zukunft Europas dienen.

� Im Wortlaut:

Alexandersbader Thesen im Protektorat), an den Widerstand und das Exil zu erinnern, die Gedenkstättenarbeit zu unterstützen und jeder neuen Regung von Chauvinismus, Antisemitismus und Populismus entschieden entgegenzutreten. 4. Die Seliger-Gemeinde begrüßt die Fortführung des europäischen Projekts durch die Osterweiterung von 2004, durch die auch Tschechien und die Slowakei zu Bestandteilen der Staatengemeinschaft geworden sind. Umso größer ist die Sorge um die krisenhafte Entwicklung der letzten Jahre, die in vielen Staaten der EU zu einem Anwachsen nationalistischer und populistischer Stimmen geführt hat. Die Seliger-Gemeinde ist davon überzeugt, daß es trotz Brexit

Seliger-Gemeinde begrüßt die Verständigung, die sich auf der Ebene der Regierungen ebenso positiv entwickelt hat, wie auf der regionalen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, im Jugendaustausch und im Bereich der Kultur. Das deutsch-tschechische Gesprächsforum, der deutsch-tschechische Zukunftsfonds und das Koordinierungszentrum des deutsch-tschechischen Jugendaustausches haben dazu wesentlich beigetragen. Die Seliger-Gemeinde setzt sich dafür ein, die deutsch-tschechischen Beziehungen nicht nur auf der institutionellen Ebene, sondern auch im Bereich der persönlichen Begegnungen weiter auszubauen und dabei Vertreter sude-

Vertraut den neuen Wegen Z

u meinen liebsten Kirchenliedern gehört ein Gesang, der im evangelischen Bereich noch viel bekannter ist als in der katholischen Kirche. Um so mehr freut mich, daß sich das Lied im Regionalteil des Gesangsbuches „Gotteslob“ für die Bistümer Rottenburg-Stuttgart und Freiburg im Breisgau findet, also dort, wo ich gerade tätig bin. Ich zitiere die erste Strophe: „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, / weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. / Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand / sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.“ Autor des Liedtextes ist der Jenaer Theologieprofessor KlausPeter Hertzsch (1930–2015). Er schrieb den Text ursprünglich für eine Hochzeit. So fand das Lied im August 1989 im thüringischen Eisenach seine Uraufführung. Wenige Wochen später fiel die Berliner Mauer. In diesem Kontext fand das Lied dann schnelle Verbreitung. Es spiegelte die damalige Aufbruchsstimmung und lieferte einen wichtigen Impuls, den Weg nach der damaligen politischen und gesellschaftlichen Wende bewußt auch aus christlicher Perspektive zu gestalten. Eingefallen ist mir der Liedtext vor wenigen Tagen, als in Frankfurt am Main die Delegiertenversammlung des „Synodalen Weges“ der deutschen katholischen Kirche stattfand. Bereits seit längerem ist dieser von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken initiierte Reformprozeß im Gange. Wie kann das Miteinander von Laien und Priestern in der Kirche neu gestaltet werden? Welche Perspektiven für die Mitbestimmung aller Gläubigen ergeben sich daraus? Wie soll die priesterliche Lebensform in der Zukunft aussehen? Ist der Zölibat die einzige Möglichkeit für das Leben von Priestern? Welche Rolle werden Frauen in der Zukunft der Kirche spielen? Sie tragen zu wesentlichen Teilen das kirchliche Leben in den Gemeinden. Aber erhalten sie auch Zugang zu jenen kirchlichen Ämtern, die bisher nur Männern vorbehalten waren? Und schließlich das Thema „Kirche und Sexualität“. Braucht das nicht auch neue Antworten, nicht zuletzt in der Anerkennung von nicht-heterosexuellen Beziehungsformen? Fragen über Fragen. Die Delegiertenversammlung des „Synodalen Weges“ hat in ihren Beschlüssen klare Reformwünsche geäußert. Mein Eindruck ist, daß dies mehrheitlich auch der Stimmung an der kirchlichen Basis entspricht. Zugleich stelle ich mir die Frage, wie diese Reformwünsche in der Weltkirche mit ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen vermittelbar sein werden. Ich kehre zum Lied zurück. Ja, den neuen Wegen vertrauen, ist wichtig. Dann heißt es aber weiter: „auf die der Herr uns weist“. Sich bemühen, die Stimme und den Willen Gottes in allen Bedürfnissen der Erneuerung zu ergründen versuchen – dessen dürfen wir uns aber ebenfalls nicht verweigern. Nur so können die neuen Wege gute Wege werden. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland

Sebastian Machnitzke ist neuer Geschäftsführer Die noch im Bau befindliche Hlávka-Brücke 1910.

Die gerade eröffnete Hlávka-Brücke 1912.

Prag

110 Jahre Hlávka-Brücke Mit der Landesgebäranstalt in Prag und der Residenz des griechisch-orthodoxen Metropoliten in Tschernowitz, der traditionellen Hauptstadt der Bukowina, profilierte er sich als Architekt des Frühhistorismus in Österenannt ist sie nach Josef Hláv- reich-Ungarn. Als einer der beka (* 15. Februdeutendsten Bauunar 1831 in Pschestitz ternehmer der Wiener bei Pilsen; † 11. März Ringstraßenzeit reali1908 in Prag). Er hatsierte er die Entwürte die Brücke entworfe so prominenter Arfen. Hlávka war nicht chitekten wie Friedrich nur Architekt, sondern von Schmidt, Theophil auch Baumeister und Hansen, Eduard van Mäzen der tschechider Nüll und August schen Kunst und WisSicard von SicardsJosef Hlávka 1895. burg. senschaft.

Am 6. Februar 1912 wurde in Prag die neue Moldau-Brücke namens Hlávka, die die Stadtteile Karolinenthal und Holleschowitz-Buben verbindet, feierlich eröffnet.

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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.

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Den dabei erworbenen Reichtum nutzte er für die Heranbildung einer tschechischen Elite und die Förderung der tschechischen Wissenschaft. In die Musikgeschichte ging er ein als Auftraggeber von Antonín Dvořáks D-Dur-Messe, in die Literaturgeschichte vor allem als Förderer der Dichter Julius Zeyer und Jaroslav Vrchlický sowie des Shakespeare-Übersetzers Josef Václav Sládek. Er gründete die Tschechische Akademie der Wissenschaften, das Volkswirtschaftliche Institut und das Hlávka-Studentenkolleg. Die Hlávka-Stiftung bündelt sein Erbe. Josef Hlávka war eine Zentralgestalt des kulturellen Lebens der Tschechen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Anstelle eines Holzstegs entstand die Hlávka-Brücke 1908 bis 1912. Projektleiter war Pavel Janák (* 12. März 1882 in Prag; † 1. April 1956 Prag). Janák war ebenfalls Architekt, Mitglied des Künstlervereins Mánes und eine prominenter Vertreter des tschechischen Das Pavel-Ja- Kubismus. „Im nák-Relief an der tschechischen Brücke. Kontext eher ungewöhnlich: Der Name der Brücke hat sich seit der Eröffnung nie geändert, egal welches Regime gerade herrschte“, stellt Radio Prag fest. Die Brücke führt über die Hetzinsel (Štvanice). Über den Brückenpfeilern auf der Insel wurden die Reliefs von Bohumil Kafka und Ladislav Kofránek, Schüler des bedeutenden tschechischen Bildhauers Josef Václav Myslbek, direkt in das Mauerwerk gehauen. Ein weiteres Schmuckelement sind die Medaillons der Bildhauer Josef Mařatka und Otto Gutfreund. Sie zeigen die Portraits der zwölf Ratsmitglieder, die in irgendeiner Weise am Brückenbau beteiligt waren. Die Dominante der Brücke bilden jedoch die massiven Granit-Skulpturen des Bildhauers Jan Štursa. Sie tragen die Titel „Práce“ („Arbeit“) und „Humanita“ („Humanität“) Jan Štursa 1915. und säumen den linksseitigen Brückenkopf. In Gestalt eines Steinmetzes stellte sich der Autor dabei sogar selbst dar. Jan Štursa (* 15. Mai 1880 in Neustadtl bei Saar, Böhmen; † 2. Mai 1925 in Prag) war nicht wie andere Bildhauer von der Tschechischen Wiedergeburt beeinflußt. Er suchte seinen eigenen Weg, und er fand ihn nicht zuletzt im Kubismus. Bereits seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1912 verkehren Straßenbahnen auf der Hlávka-Brükke. Zwischen 1958 bis 1962 wurde die Brücke gründlich saniert und von 16 auf 28 Meter verbreitert. Auch die Stahlbetonkonstruktion zwischen dem Gelände des früheren Bahnhofs Těšnov und der Hetzinsel stammt aus jener Zeit. nh

Seit 2021 ist die Stiftung auch ka in die Auswärtige Kultur- und im Auftrag des Bundesinnenmi- Bildungspolitik Deutschlands nisteriums tätig. So war sie an der (AKBP). Diese BevölkerungsGründung gruppe zählt der gemeinacht Millionützigen Ornen Menganisation schen, die in russischen vielen LänRechts beteidern des ligt, auf die Kontinents das Eigentum dank eigener am DeutschKulturvereiRussischen ne und Schueit 2015 ist Sebastian Mach- Haus in Moslen einen honitzke ehrenamtlich für die kau übertragen wurde und die hen Grad an Selbstorganisation Stiftung tätig. Bereits unter sei- Stiftung den Drei-Viertel-Stim- und gesellschaftlicher Vernetner ehrenamtlichen Ägide wur- menanteil für das Bundesmini- zung hat. In Abstimmung mit den einige Projekte für die deut- sterium des Innern und für Hei- den deutschen Botschaften und schen Minderheiten in Mit- mat in der Gesellschafterver- Mittlerorganisationen baute die tel- und Osteuropa sowie der sammlung wahrnimmt. Stiftung ein regionales Netzwerk ehemaligen Sowjetunion, aber Da „Baden-Württemberg In- der Bürgerdiplomatie auf, das auch für die deutschsprachigen ternational“ 2021 beschloß, sei- 160 deutschsprachige Kulturverne Tätigkeit als Mitt- eine und eine Jugendinitiative lerorganisation in den (#JungesNetzwerk) mit mehr als MOE- und GUS-Län- 550 Mitgliedern in Argentinien, dern für das Bundes- Bolivien, Paraguay, Ekuador, Peministerium des In- ru und Deutschland umfaßt. nern und für Heimat Die Bewältigung dieser Proeinzustellen, über- jekte erfordert hauptamtliche nahm die Stiftung Strukturen. „Wir sind froh, daß Verbundenheit diese wir mit Sebastian Machnitzke eineue Aufgabe eben- nen erfahrenen Mann für diefalls. Seit 1. Januar ist se neuen umfangreichen AufgaVolksgruppensprecher Bernd Posselt zeichnet die Stiftung als Mitt- ben gewinnen konnten, der sich Hartmut Koschyk zu Pfingsten 2017 mit dem ler für die Förderung neben der Geschäftsführung der SL-Menschenrechtspreis aus. Bild: Herbert Fischer zugunsten der deut- Stiftung auch federführend um schen Minderheit in die Leitung und den Aufbau der Gemeinschaften in Lateinameri- den Ländern Russische Födera- Mittlertätigkeit durch die Stifka durchgeführt. tion, Kasachstan, Kirgistan, Us- tung kümmern wird“, so StifDazu gehört die Verleihung bekistan, Ukraine, Georgien und tungsratsvorsitzender Hartmut des Johnny-Klein-Preises für Moldau tätig. Im kommenden Koschyk und Stiftungsvorstandsdeutsch-tschechische Verständi- Jahr folgt die Übernahme der vorsitzender Oliver Junk. gung. Die Stiftung verlieh diesen Mittlertätigkeit für die Vorstand und StifPreis mit der Sudetendeutschen Förderung zugunsten tungsrat hatten einStiftung und der Kulturstiftung der deutschen Minderstimmig für die Beruder deutschen Vertriebenen in heit in den Ländern Serfung von Machnitzke Kooperation mit der Landesver- bien, Kroatien, Ungarn, votiert. Bereits in den sammlung der deutschen Vereine Polen, Tschechische Reletzten Monaten leitete in der Tschechischen Republik, publik, Slowakei, RuMachnitzke federfühdem Institut für Auslandsbezie- mänien und in den Balrend in enger Abstimhungen, dem Bundesministeri- tischen Staaten. mung mit dem Bundeum des Innern und für Heimat, Weiterer Schwersinnenministerium die der Deutschen Botschaft in Prag, punkt ist seit 2018 mit Sebastian Mach- Vorbereitungen für die der Stadt Mährisch Schönberg/ Unterstützung aus dem nitzke. Übernahme der MittlerŠumperk, der Dr.-Kurt-Linster- Deutschen Bundestag tätigkeiten. „Ich freue Stiftung und dem Begegnungs- und im Auftrag des Auswärti- mich auf dieses neue spannende zentrum Mährisch Schönberg gen Amtes die strategische Ein- und umfangreiche Aufgabengevergangenes Jahr bereits zum bindung der deutschsprachigen biet“, sagte Sebastian Machnitzdritten Mal. Gemeinschaften in Südameri- ke.

Sebastian Machnitzke ist neuer Geschäftsführer der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland mit Sitz im oberfränkischen Bayreuth. Haupttätigkeit der Stiftung, die der saarländische Unternehmer Kurt Linster 2004 errichtete, ist die Förderung und Erhaltung der deutschen Sprache, Kultur und der Tradition der im Ausland lebenden Deutschen.

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Neuerscheinung

Evolutives Christentum „Evolutives Christentum“ ist das jüngste Werk des aus Hochofen im erzgebirgischen Kreis Neudek stammenden Adolf Hochmuth.

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ie religiöse, die christliche und kirchliche Großwetterlage erscheint am Beginn des dritten Jahrtausends unübersehbar eingetrübt. Als die größte Konfession tritt der Agnostizismus zumindest in der westlichen Welt auf. Christliche Vernunft muß sich als mit den Natur- und den Humanwissenschaften vereinbar erweisen und muß eine immer schon in ihr angelegte evolutive DNA zu Wort kommen lassen. Die aufklärerischen Impulse des Christentums dürfen in großem Selbstbewußtsein allen anderen Religionen und einer billigen Wellneß-Esoterik gegenüber intellektuell offen bekannt werden. Das Buch möchte eine Autor Adolf postmoderHochmuth ne Begegnung mit Suchenden sein, ohne sich dem Zeitgeist anzupassen. Christen müssen in alledem eine Gegenkultur anbie-

ten – gedanklich, spirituell und ästhetisch. 14 Bilder aus der gesamten europäischen Kunstgeschichte bis ins 20. Jahrhundert führen zu Inhalten und Interpretation der zehn Kapitel. „Hochmuth ist durch und durch Humanist sowie zugleich gläubiger Katholik. Dies ist kein Widerspruch, wie seine Briefe zeigen“, schrieb Patrick Shaw im „Weißenburger Tagblatt“ über den Autoren, als 2013 dessen Buch „gestatten – katholisch“ erschien. Hochmuth stehe in kritischer Loyalität zur Kirche. „Der Autor möchte dazu verhelfen, den christlichen Glauben auch als einen Denkweg zu begreifen und eben nicht als ein fundamentalistisches Korsett.“ Hochmuth wurde im Sommer 1945 nach Sachsen vertrieben. Illegal kehrte er im Oktober 1945 nicht ins versiegelte Haus, sondern in das Nachbardorf Trinksaifen zurück. Der von der tschechischen Regierung eingesetzte tschechische Bürgermeister war seit Jahrzehnten mit einer Deutschen verheiratet und ließ seine Mutter, seine Schwester und ihn bei einer Großmutter leben. Im Zuge der humanen Vertreibung strandete er 1946 im mittelfränkischen Windischhausen. Bis 2003 unterrichtete er Religion, Deutsch und Geschichte an

Adolf Hochmuth: „Evolutives Christentum. Versuch einer Kritik der christlichen Vernunft“. LIT-Verlag, Münster 2022; 272 Seiten, 29,90 Euro. (ISBN 978-3-643-14915-2) Gymnasien, zuletzt als Studiendirektor. Hochmuth gründete 1983 das Indienhilfswerk der katholischen Pfarrei Treuchtlingen. Er ist SLMitglied und seit 1995 Mitarbeiter im Deutsch-tschechischen Versöhnungswerk. Dabei unterstützt er jährliche Heimattreffen in Hochofen/Trinksaifen und hat ein sehr gutes Verhältnis zu den dort nach 1946 angesiedelten Tschechen aufgebaut.


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 6 | 11. 2. 2022

Bis Samstag, 26. Februar: „Schumacher Weise deKoe“ in München-Maxvorstadt, Galerie für Fotografie der Gegenwart, Schleißheimer Straße 44. Mittwoch 15.00–17.30, Donnerstag und Freitag 15.00–19.00, Samstag 11.00–15.00 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt frei; 2G sowie die üblichen Masken- und Abstandsregeln. Telefon (0 89) 46 13 57 56, Mobil (01 51) 21 93 44 24, eMail info@ ingoseufert.com, Internet ingoseufert.com/ausstellungen/ Sebastian Weise: „Nine swimming pools and a broken heart“ (2012–2015). Rechts Ingo Seufert vor Bildern von Sebastian Weise aus 2020, die alphabetisch hängen: „Bluefish“, „Blueice“, „Bluerope“, „Castaway“, „Fänger im Roggen“, „Gnadenwege“, „I never understood Heidelberg“, „Klondike“, „Krakeele“ und „Redner“. Bilder: Susanne Habel (1), Galerie für Fotografie der Gegenwart (7) In der Galerie für Fotografie der Gegenwart eröffnete deren Leiter Ingo Seufert die neue Ausstellung „Schumacher Weise deKoe“. Unter den drei Künstlern ist auch Sebastian Weise, der 2017 den Sudetendeutschen Förderpreis für Bildende Kunst erhielt.

� Vernissage in München

Drei Künstler und der Raum

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ebastian Weise, Stefan Schumacher und Käthe deKoe verbindet die Fotografie im städtischen beziehungsweise landschaftlichen Raum“, erläuterte Ingo Seufert. Der Galerist freute sich bei der Vernissage Anfang Februar, daß sich trotz der widrigen Umstände mit Corona-Regelungen doch viele Kunstfreunde eingefunden hatten. „Die knapp 40 Arbeiten der Künstler und der Künstlerin vereinen einige bereits vorgestellte Motive früherer Ausstellungen und zahlreiche, hier erstmals präsentierte, neue Werke von 2019 bis 2021“, so Seufert. Seine luftige Galerie mit hellen Räumen bietet einen guten Rahmen für die neue Ausstellung. Neben den neugierigen Gästen waren auch die Künstler Stefan Schumacher und Käthe deKoe gekommen und beschrieben ihre Arbeiten. Schumacher hatte seine Bilder sogar selbst gehängt oder vielmehr mit Reißzwecken angepinnt. Bei einem Glas Wein vertieften sich die Besucher in die Werke, die auf ganz unterschiedliche Weise „Raum“ thematisieren. Dies geschieht sehr sachlich-realistisch bei Schumacher, eher fantastisch-romantisch bei Weise oder surreal-verschwommen bei deKoe. So mancher Gast wird wohl überlegen, eines der Bilder zu erwerben, was auch möglich ist. Genauere Informationen über das Schaffen der drei lieferte Ingo Seufert, der die Ausstellung sehr schön gestaltet hatte.

Sebastian Weises Bild „Szissionesk“ (2010) und …

… und der Fotodruck „Cadiz“ (2021).

� Neu erschienen Stefan Schumacher: „ot_20210420“ (2021) und …

Tolle Fotos und tolle Texte

… und „ot_20210918“ (2021).

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ebastian Weise stellt in „Grabsteinfotografie“ auf 75 Seiten ein dokumentarisches Projekt vor, für das er deutsche Gräber im Schluckenauer Zipfel in Nordböhmern fotografierte. Der Fotograf gibt in seinen gut recherchierten und glänzend formulierten Texten auch wertvolle Hinweise zu ähnlichen Vorhaben. Susanne Habel

Sebastian Weise Der 1975 in Sondershausen in Thüringen geborene Fotograf Sebastian Weise wurde durch seine Serie „Ästhetik des Aufgebens“ bekannt, die Innenräume verlassener Häuser seiner Thüringer Heimat und böhmischen Herkunftsheimat in ihrer Vergänglichkeit samt so mancher skurriler Begleitmotive dokumentiert. Bestimmend für sein Werk ist das Thema des Vorgefundenen: Zufällig entdeckte Objekte, aber auch Situationen im Außenraum werden gerade wegen der sich in ihnen manifestierenden Spuren des Verfalls neu interpretiert. Die Umsetzung als Bildmotiv geschieht dabei nicht über einen inszenatorischen Eingriff, sondern allein über ein distanziertes, wenn auch selektives Abbilden, das immer auch die Möglichkeit einer ironischen Brechung einschließt. Seit 2016 steht in Weises Schaffen die Serie „Zwei Seelen wohnen …“ im Mittelpunkt,

Rockkonzerte im Musikmagazin „LAXmag“ bekannt wurde, ist Landschaftsfotografie in erster Linie die Begehung und Interpretation des städtischen und ländlichen Raums in und um München. Durch die Bewegungsunschärfe entfallen detaillierte Informationen, die eine geographische Verortung der Motive ermöglichen. Dagegen erschafft der Betrachter im Abgleich mit den realen Gegebenheiten archetypische Ansichten, er rekonstruiert gewissermaßen innere Bilder, aus Erfahrungswissen gespeist. Diese Rekonstruktionen sind jedoch letztlich idealisierte Traumbilder, die konsequenterweise keiner Ähnlichkeit oder einer empirischen Verifizierung bedürfen. Ob der Eisbach im Englischen Garten, das S-Bahn-Sperrengeschoß oder Ansichten des Alpenvorlandes das konkrete Motiv abgeben, bleibt damit unerheblich. Vielmehr schieben sich die visuellen und strukturellen Eigenschaften in den Vordergrund, das Abbild schlägt zum Bild um und verselbständigt sich als autonomes Kunstwerk, das vom Betrachter selbst mit Erinnerungen und Emotionen aufgeladen werden kann, mit dem Ziel einer proaktiven Auseinandersetzung zwischen Realität und fotografischer Bildwirklichkeit. Susanne Habel/ot

Käthe deKoe: „Münchner Sommer 2“ (2019) und …

… und „That Time of the Year“ (2019).

in der er sich mit Lebensspuren der Deutschen im Sudetenland beschäftigt und sie mit persönlichen Reisebildern zu surrealen Bildcollagen vereint. „Immer wieder werde ich da und dort sein, immer wieder werde ich neue Bilder sehen“, so der Fotokünstler Weise. Daß er auch ein Wortkünstler ist, beweist er immer wieder: Zu seinem Bildtitel „Szissionesk“ erläutert Weise, er sei eine „Eigenschöpfung. Ich bin ausgegangen vom englischen Begriff ,scissors‘ für die Schere. Die Landschaft, die ich in Thüringen gefunden hatte, wirkte in diesem Augenblick wie von

keitsausschnitt in eine sterile Künstlichkeit überführt, die die strukturellen Zusammenhänge herausstreicht, sie als das Konstituierende des Motivs erst ermöglicht: Flächen, stereometrische Formen und partikulare Strukturen von Architektur schließen sich zu abstrahierenden Gesamtkompositionen zusammen, wobei atmende Raumsituationen, sich staccatohaft auftürmende Giebel, kunstvoll verschränkte Quader oder auch nur expressiv kommunizierende Fahrbahnmarkierungen einander abwechseln. Schumachers Arbeiten erweisen sich daher als dialektische,

einer Schere durchschnitten, ich taufte diese Stimmung ,szissionesk‘“.

Stefan Schumacher Der Münchener Fotograf und Designer Stefan Schumacher, der 1960 zur Welt kam, nähert sich den außenräumlichen Gegenständen seines Interesses zunächst deskriptiv. Eine Beeinflussung des „reinen“ Motivs durch Personen, Fahrzeuge oder Schilder findet nicht statt, das Licht ist stets gedämpft, ohne jeden Schattenwurf. Auf diese Weise wird der Wirklich-

konzeptuelle Bildkunst, die eine eigenständige Bildästhetik entwickelt. Der geweitete Blick des Künstlers erlaubt ihm jedoch auch die Auseinandersetzung mit zufällig entdeckten Formen und Strukturen im städtischen Raum, die den Gegenstand hinter sich lassen und als weitgehend autonome Formen bestehen.

Käthe de Koe Für die Münchener Künstlerin Käthe deKoe, die vor allem durch ihre Bildberichterstattung aktueller Münchener Pop- und

Gratis herunterladen unter sudeten.de/seite/458347/ friedhöfe.html


8 „Mozart“ ist das neueste Werk von Alexander Blechinger. Der Komponist, Dirigent und Tenor ist auch als Autor aktiv. Nun schrieb er ein Buch über einen großen Komponisten und Musiker, den er im Untertitel „vielseitigen Alleskönner“ nennt. Diese Charakterisierung trifft auch auf Blechinger zu.

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lexander Blechinger, SL-Kulturpreisträger 2006 für Musik, kam am 5. März 1956 in ­Wien zur Welt und studierte zehn Jahre lang an der dortigen Musikhochschule. Bereits mit 14 Jahren hatte er eine eigene Musikgruppe, die zur Unterhaltung aufspielte. „Der heute 50jährige“, sagte der 2010 verstorbene österreichische Publizist Walter Marinovic in seiner Laudatio 2006, „hat ein reiches und vielfältiges Werk geschaffen. Dazu gehören Lieder und Kammermusik, Chöre und zwei Opern, Filmmusik, Orchesterwerke, Oratorien und Solokonzerte.“

Aus der Laudatio 2006 Und: „Blechingers Fagottkonzert, das 1997 entstand, ist ein beglückendes Werk. Rauschender Beifall nach der Aufführung dieses Konzertes im Brahmssaal des Wiener Musikvereins bewies, daß Blechingers Musik seine Zuhörer begeisterte. Sie verbindet das Schöne mit dem Neuen, sie knüpft an die Tradition an und führt sie weiter. ,Harmonia Classica‘ nennt sich eine Vereinigung von Musikern, die 1982 mit dem Ziel gegründet wurde, schöne neue Musik zu schaffen und aufzuführen. Viele Komponisten gehören ihr an, Alexander Blechinger ist ihr künstlerischer Leiter. Sein erstes Werk, das er dem Schicksal der vertriebenen Deutschen aus dem Osten widmete, war das Oratorium ,Die Vertriebenen‘ nach Texten von Agnes Miegel, Ursel Peter und ihm, dem Komponisten. Es wurde im November 2001 im Großen Musikvereinssaal in Wien uraufgeführt. Eingeblendet waren zeitgeschichtliche Zitate wie die Die Sudetendeutsche Zeitung berichtete bereits vergangene Woche über die Entdeckung einer wertvollen Gitarre aus Bubenreuth (Ý SdZ 5/2022; Seite 6). Hier schildert Heinz Reiß, unser Korrespondent in Bubenreuth, die Details. In dem kleinen Ort im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt waren die vertriebenen Musikinstrumentenbauer aus Schönbach im Egerland nach dem Zweiten Weltkrieg gestrandet und führten ihr traditionelles Handwerk erfolgreich fort. So sucht auch das örtliche Museum Bubenreutheum laufend ältere Saiteninstrumente aus dem böhmischen Musikwinkel und der Zeit nach der Ansiedlung in Bubenreuth.

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m Frühsommer 2021 wurde im Schloß Dachau nördlich von München für die Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ eine seltene Höfner-Gitarre begutachtet. Die Experten freuten sich sichtlich über diese seltene Elektro-Gitarre mit der HöfnerKatalog Nummer 177 a, die in den Jahren 1965 bis 1970 gefertigt wurde. Der Typ 177 war damals die exklusivste Massivkorpus- (oder Solidbody-) Gitarre von Höfner. Diese Gitarre ist ein sehr schönes Exemplar und hat eine bewegende Geschichte. Der Freund der Besitzerin starb vor vielen Jahren jung an einem Unfall. Die Familie des Verunglückten vermachte seiner Freundin die Gitarre zu seinem Andenken. Seitdem lag sie unberührt in ihrem Koffer. Zur Begutachtung des Objekts lud der Bayerische Rundfunk den Universitätsprofessor

KULTUR � Neues Buch von SL-Kulturpreisträger Alexander Blechinger

Vielseitige Alleskönner sich schließlich SoAVNOJ-Beschlüsse, listen, Chor und OrHaßtiraden von Edchester zu einem mitvard Beneš und Ilja reißenden Bekenntnis Ehrenburg, aber auch zur Unverjährbarkeit die UNO-Charta zur des Heimatrechts der Wahrung des Rechtes Sudetendeutschen. der Menschen auf die Stehend dankten die Heimat. Zuhörer mit minu,Um Allerseelen in tenlangem Beifall“, der dunklen Nacht‘, schildert Marinovic in so beginnt ein Geder Laudatio. dicht von Agnes MieBeide Oratorien gel. Im Orchester klinsind bereits auf CD ergen gespenstisch die schienen und zeugen Glocken. Erinnerung neben vielen anderen erwacht an die alte, CDs aus der eigenen die verlorene Heimat, CD-Reihe „Harmoan die Flucht: ,Wania Classica Records“ gen an Wagen, endlomit insgesamt 23 Proser Zug, der ein Volk duktionen und vielen von der Heimat trug!‘ CDs, die von andeDie Musik malt das ren Labels hergestellt Rauschen des Meewurden, von Alexanres, den peitschenden der Blechingers umWind, das Elend, das Greis, Frau und Kind Alexander Blechinger dirigiert beim Festlichen Abend des Sudetendeutschen Tages 2006 sein En­ fassendem Schaffen. mit der Geißel des semble bei heimatlichen Liedern und Auszügen aus „Die Vertriebenen“ und „1919 Märzgedenken“. Das setzt sich bis Krieges schlug. Dann heute fort, nicht zuklingt, innig wie ein deutschböh- ,Enteignung, Enteignung!‘, gellt den und Freiheit geschaffen.“ letzt mit großen Werken wie der misches Volkslied, Ursel Peters es aus dem Chor ... Der Sonder- Sein zweites großes Oratorium, Kinder­oper „Max & Moritz“, die Gedicht ,Deutscher Weg‘. befehl eines polnischen Oberst- das sich speziell dem Schicksal zuerst 2008 und 2009 bei den Eiskalt zerschneidet die schar- leutnants aus dem Juli 1945 kom- der Sudetendeutschen widmete, Opernfestspielen in Sankt Marfe Stimme des Sprechers die Me- mandiert: ,Umsiedlung in das war „1919 Märzgedenken“ über garethen im Burgenland aufgelodie. ,Die Deutschen haben hier Gebiet westlich der Neiße.‘ die Ereignisse nach dem Ersten führt wurde. Blechinger komkein Recht‘, hetzte die Zeitung Unheimlich mischen sich da- Weltkrieg, das 2004 uraufgeführt poniert und führt eigene Werke ,Bohemia‘ schon 1923. ,In unse- mit aus dem Chor die Namen der wurde. auch auf, nicht nur als dirigierenrem Land wird das Ende des Krie- deutschen Städte, die von nun der Komponist, sondern auch als ges mit Blut geschrieben wer- an nicht mehr deutsch sein dürsingender Tenor. Beispiele daMärzgedenken 1919 den‘, drohte Edvard Beneš schon fen, aus Ostpreußen, Pommern, von sind auch auf Videos im InDas Libretto dieser Kompositi- ternet zu finden. 1942. ,Verbrecherisch‘ heißt es Schlesien, Deutschböhmen, bei Beneš, seien die Deutschen, Südmähren: Königsberg, Stet- on beruht zum großen Teil auf hiUnd nun erschien sein Büchhätten ,weder Religion noch Wis- tin, Hindenburg, Aussig, Nikols- storischen Dokumenten, die teils lein über Wolfgang Amadeus senschaft noch Kunst‘. burg. Später singen Kinder das gesprochen, teils in melodrama- Mozart. Viele Fragen über den Unbeirrbar aber tönt weiter Schlesierlied ,Kehr‘ ich einst zur tischem Stil gesungen werden. „vielseitigen Alleskönner“ werund innig der Chor: ,Wir lieben Heimat wieder ...‘ Zögernd be- Dazu treten in mitreißender mu- den darin beantwortet, vor allem die grünende Erde ... und immer ginnt der Sopran: ,Heimatrecht sikalischer Fassung erregte Dia- über die Entwicklungsgeschichaus Lächeln und Tränen der Hei- ist Menschenrecht!‘ Bariton und loge und Lieder nach Gedichten te Mozarts zum Komponisten. mat das letzte Gebet.‘ Ein Chor Baß folgen. Jubelnd stimmt der von Wilhelm Pleyer, Alexander Schon der Sängerknabe und spävon Kindern fällt ein: ,Tief drin Chor ein: ,Selbstbestimmte Völ- Hoyer und Josef Schneider. Die tere Freund Mozarts, Joseph im Böhmerwald ...‘ Dann krei- ker lieben eine freie Welt! Die Melodie „O heilig Herzland Böh- Haydn, habe von seinem Lehrer, schen grell die Blechbläser auf. Menschheit wird erst Frieden fin- men“ ist heute auch auf mehre- Domkapellmeister Georg Reutren Musikplattformen im Inter- ter, den Tip bekommen, besteDunkel rollen im Sprechgesang den, wenn alle Völker frei!‘ die Beschlüsse zur Vertreibung Blechinger hat mit dem Orato- net zu hören. „Im dramatischen hende Musik zu variieren. Ebender Deutschen: Beneš-Dekrete! rium ein herrliches Werk für Frie- Finale des Oratoriums vereinigen so habe es Vater Leopold mit seiJosef Focht, der das � Exklusive Gitarre kehrt nach Bubenreuth zurück Die beiden ExperMusikinstrumententen waren sich eimuseum der Universinig, daß der heutige tät Leipzig leitet, und Marktwert für diese den aus Karlsruhe 177 a bei 500 bis 600 kommenden MusikEuro liege. Focht vom wissenschaftler MarMusikinstrumententin Kares als Experten museum Leipzig hatein. Focht ging zuerst te dann einen Vorauf die Firma Höfschlag: „Das ist ein ner ein, die im böhMuseumsstück! Biemischen Musikwinten Sie doch dieses kel in der Musikstadt einmalige Instrument Schönbach von dem dem Museumsverein 1864 geborenen GeiBubenreutheum an. genbaumeister Karl Ich könnte mir vorHöfner im Jahr 1887 stellen, daß selbst die gegründet wurde. Der Bubenreuther ein sol1914 ausbrechende ches Modell nicht beErste Weltkrieg war sitzen.“ Und tatsächeine Zäsur in der exlich, nach der Berapandierenden Enttung verkaufte die wicklung der Firma. Besitzerin ihr PrunkDer große Binnenstück ans Bubenreutmarkt wurde zerschlaheu“. Somit kehrgen, und die Firma te die exklusivste SoKarl Höfner fand sich lidbody von Höfner in der neuen Tschewieder an ihren Urchoslowakischen Resprungsort zurück. publik wieder. Einen Wunsch hatWar der durch den te die Verkäuferin Ersten Weltkrieg benoch: „Ich würde gerwirkte Einschnitt in ne noch einmal hören, der Firmenentwickwie sie klingt.“ Dielung verhältnismäßig sen Wunsch erfüllrasch überwunden, te ihr der Bayerische so brachte der ZweiRundfunk und kam te Weltkrieg das Ende im Herbst mit Karin des Unternehmens an Susanne Lang und Fritz Gembala, Vorstandsmitglieder des Bubenreuther Museumsvereins Buben­ Müllinger und ihrer seinem Gründungs- reutheum, mit dem neuesten Ausstellungsstück, der Höfner 177 a. Tochter Sylvia nach sitz in Schönbach. Bubenreuth, um die 1945 brachte die Enteignung der wie Framus, Klier oder Teller, die nehmer für verschiedene Klang- Übergabe des Instrumentes zu Firma, und 1950 verlagerte man sich neben Höfner in Bubenreuth farben und drei Schiebeschalter dokumentieren. den Betrieb nach Bubenreuth. niederließen. für Toneffekte. Alle Teile sind Im Museum wurde die AbHier blendete der Sender histoDer Musikwissenschaftler Ka- noch im Originalzustand. Die ordnung von den Vorstandsmitrische Filmaufnahmen von der res stellte dann das Instrument zwei fehlenden Saiten kann man gliedern Susanne Lang und Fritz Ansiedlung der Egerländer Sai- vor. Das Modell 177 war die beste ohne weiteres ersetzen. Neu ko- Gembala empfangen, die sich im teninstrumentenmacher in Bu- und damals teuerste E-Gitarren- stete das Instrument, das Ende Namen des Vereins herzlichst benreuth ein und verwies auf die serie mit Massivkorpus von Höf- der 60er Jahre produziert wurde, bedankten. Gembala bestätigweltbekannten Firmennamen ner. Sie verfügt über drei Tonab- etwa 650 Mark. te die Vermutung von Musikwis-

Kunst und Krempel

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nem Wolferl, wie er ihn nannte, gemacht. Der damals schon berühmte Verfasser der als Lehrwerk anerkannten „Violinschule“ habe dem fünfjährigen „Komponierbegierigen“ vorgemacht, was er „Stehlen“ genannt habe. Auswendig gelernte Musikstücke habe das Wolferl verändernwerden. Das pädagogische Talent des Vaters habe dem Sohn schon früh viele Erfolgserlebnisse vermittelt, so daß dieser bald großes Selbstvertrauen und Sicherheit erwarb. Mozart konnte schnell komponieren. Für die „Die Entführung aus dem Serail“ habe er drei Nummern „in einem Tage Componiert und in anderthalb tägen geschrieben“, wie Mozart selbst schrieb. Für vier Kontratänze solle er eine halbe Stunde, und für zwei miteinander kombinierbare Kanons nur fünf bis sechs Minuten gebraucht haben. Der Komponist und Interpret Alexander Blechinger gewährt Einblicke, die ein normaler Biograph nicht bietet. Susanne Habel

Alexander Blechinger: „Mozart. Der vielseitige Alleskönner“. Ver­ lag Österreichische Landsmann­ schaft, ­Wien 2021; 112 Seiten, 9,20 Euro. (ISBN 978-3-902350-83-1) Er­ hältlich zuzüglich Versandkosten bei Österreichische Landsmann­ schaft (ÖLM), Fuhrmannsgasse 18a, A-1080 Wien, Telefon (00 43) 14 08 22 73, eMail info@oelm.at oder bei alexanderblechinger.at senschaftler Kares und erläuterte dazu: „Der Museumsverein Bubenreutheum besitzt schon einige E-Gitarren, aber eine 177 a hat er bis heute nicht ausstellen können.“ Um sie klanglich den Besucherinnen vorzustellen, ergänzte Gembala die beiden gerissenen Saiten, reinigte alle Kontakte und schloß das Instrument am Verstärker an. Er konnte sie stimmen, und das über 50 Jahre alte Höfner-Instrument, das Jahrzehnte im Koffer verbracht hatte, erklang so, als sei es gerade aus dem Laden gekommen. Am 22. Januar lief der BR-Streifen über den Bildschirm und ist noch als Video im Internet zu sehen. Heinz Reiß Das Video in der BR-Mediathek: br.de/mediathek/video/e gitarre-luxusmodell-von-hoefnerav:61e97b8936adec000975bf8b

� Kontakt für Sammler

Bubenreutheum

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er Museumsverein Bubenreutheum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Idee eines überregional bedeutsamen Museums in den kommenden Jahren weiter voranzutreiben. Dafür werden Interessenten, Spender und authentische Exponate gesucht. sh Verein Bubenreutheum, Jo­ seph-Otto-Kolb-Straße 12, 91088 Bubenreuth, Telefon (0 91 31) 9 08 61 58, eMail info@ bubenreutheum.de


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AUS DER HEIMAT . VERBANDSNACHRICHTEN Heimatort Roßbach/Heimatkreis Asch/Egerland

In memoriam Walter Eibich

Alltagsszenen mit lebensgroßen Puppen im Netschetiner Museum.

Gerhard Hermann, Paneuropa-Fahne und Richard Šulko.

Paneuropa-Union Bayern und Bund der Deutschen in Böhmen

Stipp-Visite in Netschetin Gerhard Hermann ist Mitglied der oberpfälzischen SL-Ortsgruppe Amberg und des Vorstands der Paneuropa-Union Bayern. Er berichtet über sein Treffen mit Richard Šulko vom Bund der Deutschen in Böhmen in Netschetin.

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nfang Februar fuhr ich in meiner Funktion als Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes Bayern der PaneuropaUnion nach Netschetin im ehemaligen Kreis Luditz. Richard Måla Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böh„Ackermann-Zoom“ heißt seit Jahresbeginn die Online-Veranstaltung der Ackermann-Gemeinde, die an jedem ersten Dienstag im Monat um 20.15 Uhr beginnt. Nun steht nur noch ein Thema oder Vortrag auf dem Programm. Zum Februar-Zoom waren 69 Computer zugeschaltet. Erstmals in den knapp zwei Zoom-Jahren ging es um „Diskussionen in Tschechien über den Klimawandel“.

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as ist ein deutsch-tschechisches Thema, das wir sonst nicht so auf der Karte hatten. Ökologie und Zukunftsfragen haben wir bisher noch nicht behandelt“, leitete Moderator Rainer Karlitschek ein. Der seit einem Jahr verfügbare Klimapodcast „Karbon“ von Filip Rambousek und Štěpán Vizi (deutsch.radio. cz/node/8714052/o-poradu) bot nun den Aufhänger, zumal in Deutschland und der Tschechischen Republik die Diskussionen darüber unterschiedlich verlaufen. Die Diskussionen kämen, so Karlitschek, auch im Podcast zum Tragen. Filip Rambousek und Štěpán Vizi hätten vergangenes Jahr mit Radio Prag und der Heinrich-Böll-Stiftung den vielbeachteten, achtteiligen deutschtschechischen Klimapodcast „Karbon“ erstellt. In diesem ließen sie auch Experten aus beiden Ländern zu Wort kommen. Rambousek und Vizi hätten zudem im deutsch-tschechischen Jugendforum mitgewirkt und seien nun journalistisch tätig. 2021 seien sie für den deutsch-tschechischen Journalistenpreis nominiert gewesen. Was ein Podcast genau ist – eine Radioserie, die online verbreitet wird –, erläuterte zunächst Vizi, der fast vier Jahre lang in Tübingen studiert hatte. „Zurück in der Tschechischen Republik, war ich frustriert über die dortige Debatte zum Klima-

men, empfing mich sehr herzlich in Plachtin. Nach einem kurzen Aufenthalt in Plachtin fuhren wir zum Schloß Netschetin unterhalb der Burgruine Preitenstein. Das Schloß beherbergt Vereinsräume des Bundes der Deutschen in Böhmen. Anschließend besuchten wir das Museum der Gemeinde Netschetin. Ich war von den Exponaten sehr beeindruckt. Das Museum zeigt viele Dokumente aus der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, so aus der k. u. k. Zeit. Außerdem stellt es ausführlich das Leben in vergange-

nen Zeiten dar. Besonders beeindruckend sind Alltagsszenen mit lebensgroßen Puppen, deren Gesichter denen von tatsächlich lebenden Menschen aus dem Ort nachgebildet sind. Ein Kapitel widmet sich den ehemaligen deutschen Bürgern des Ortes. Insgesamt ein beeindruckendes, wirklich sehenswertes Museum. Die Gaststätte Zum Rathaus bot uns nicht nur gutes Essen und schmackhaftes Bier. Wandtafeln zeigen Reklamebilder aus der Zeit vor 1914, und Bilder zeigen den österreichischen Kai-

Ackermann-Gemeinde

Karbon wandel“, blickte er zurück. Er führte tschechische Presseberichte an, die die EU-Klimapolitik als Bedrohung sähen, gegen die man sich verteidigen müsse. Vizi zitierte Aussagen des damaligen Ministerpräsidenten Andrej Babiš und des Staatspräsidenten Miloš Zeman. Er stellte aber auch Veränderungen im Meinungsbild der tschechischen Bevölkerung sowie mehr Diskussionen über den Klimawandel fest. „Aber die Experten bekommen wenig Raum, die öffentliche Diskussion führen vor allem Politiker“, so Vizi. Ferner würden immer wieder Mythen verbreitet wie die hohe Kosten für die Energiewende

und den Wirtschaftswandel. Die Tschechische Republik könne als kleines Land wenig beitragen. Solche Aussagen seien Anlaß für die Podcasts, in denen auch Gegenargumente, Stellungnahmen von deutschen und tschechischen Experten sowie Positivbeispiele gezeigt würden. Das erste Podcast-Thema ist die Kernenergie, bei dem sich die deutschen und tschechischen Geister scheiden. Ein weiteres Thema ist die Energiewirtschaft und deren Zukunft, also Planungen und Strategien im Blick auf die nächsten zehn bis 30 Jahre bezüglich CO2-Freiheit, Reduzierung der Emissionen oder das Forschungsprojekt Ariadne. Ein Podcast widmet sich den erneuerbaren Energien als wichti-

ger Bestandteil der Transformation. Die regenerativen Energien, so Vizi, müßten allerdings legislativ und finanziell unterstützt werden. Für Deutschland nannte er einen Anteil von fast 50 Prozent beim Strom durch erneuerbare Quellen, in der Tschechischen Republik seien es maximal 15 Prozent. Als Grund für diese niedrige Zahl nannte er einen Boom vor etwa zwölf Jahren, bei dem aber wegen der damaligen Förderbedingungen fast nur kapitalstarke Firmen Nutzen gezogen hätten. „Die erneuerbaren Energien haben bei uns bis heute einen schlechten Ruf“, faßte er zu diesem Thema zusammen. Weitere Folgen befassen sich mit der Landwirtschaft – große Flächen in den neuen Bundesländern und in der Tschechischen Republik bereiten Probleme bei der Biodiversität und der CO2-Absorption –, mit dem Strukturwandel beim Kohleabbau und mit der Abfallproblematik mit den Schlagworten „Recyclen“ und „Wegwerfgesellschaft“. Abschließend äußerten sich Rambousek und Vizi zur Rolle der Experten, deren Bezug zur Politik und zu den Medien – und damit verbunden zur Forschungslandschaft. „Es ist einfacher, gute Experten in Deutschland zu finden, die auch Sinn für Politik haben“, lautete ihr Fazit. Dies hänge auch mit Instituten und deren Größe und Bekanntheit zusammen. Diese Aspekte seien in Deutschland meist besser ausgeprägt. Daher arbeiteten die Tschechen oft mit Leuten aus der Zivilgesellschaft zusammen. „Es ist ein asymmetrisches Verhältnis. Aber es hat sich in den letzten zwei, drei Jahren

ser Franz-Joseph I. (* 18. August 1830 auf Schloß Schönbrunn, † 21. November 1916 ebenda) und den seliggesprochenen Kaiser Karl (* 17. August 1887 auf Schloß Persenbeug, † 1. April 1922 auf Madeira). Anschließend zeigte Richard Šulko mir den Friedhof neben der Kirche sowie ein Stück weiter den jüdischen Friedhof mit zum Teil sehr beeindruckenden Grabdenkmalen. Am Nachmittag besuchten wir den Gottesdienst in der Ortskirche, die dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht ist. auch vieles verändert und verbessert – auch durch ,Fridays for Future‘. Aber die Zusammenhänge mit anderen Themen sind den Tschechen oft nicht bewußt. Der Klimawandel und die damit zusammenhängenden Faktoren haben mit allen Aspekten des Lebens zu tun“, schlossen die Podcaster. In der Diskussion fragte Moderator Karlitschek nach der weitgehend untergegangenen Rolle der tschechischen Grünen. „Der Klimawandel war kein Thema im Wahlkampf“, stellte Vizi fest. Grüne Themen hätten vor allem die Piraten übernommen beziehungsweise „alle Parteien hatten solche Inhalte in ihren Wahlprogrammen“. Auf das Vorsorgeprinzip beim Bau von Atomkraftwerken (AKW) verwies Reinhard Forst. In der Tschechischen Republik mache sich niemand Sorgen wegen der Sicherheit der AKW. Im Gegenteil herrsche vielfach die Meinung, um die Kernkraft kämpfen zu müssen, da sonst die tschechische Zukunft bedroht sei. Aus der Zivilgesellschaft gebe es Stimmen gegen den Bau neuer AKW und für den Betrieb vorhandener Anlagen. Michael Danzer fragte nach der Bürgerbeteiligung, die in Deutschland vor allem bei Solar- und Windkraft herrsche. Filip Rambousek meinte, daß auch die tschechischen Bürger aktiv seien. Dank der EU-Forderungen werde die Energiewende letztlich wohl auch in der Tschechischen Republik greifen. Die kirchlich-religiöse Seite sprach Sandra Uhlich mit Verweis auf die Enzyklika „Laudato si‘“ von Papst Franziskus an. „Es geht um den Erhalt der Lebensgrundlagen für uns alle“, brachte sie es auf den Punkt. Daß dieser Ackermann-Zoom und seine Inhalte reges Interesse hervorriefen, zeigt neben der Teilnehmerzahl auch die Menge der in den Chat eingetragenen Beiträge. Von den 27 Meldungen wurden nur ein paar wenige auch besprochen. Das verdeutlicht, daß der Klimawandel und alle damit zusammenhängenden Aspekte brandheiß und -aktuell sind. Markus Bauer

Am 24. Januar wäre der evangelische Pfarrer Walter Eibich 110 Jahre alt geworden. Er kam zwar in Aussig zur Welt, war aber ein Kind aus Roßbach im Egerländer Kreis Asch. Von dort hatten die Tschechen ihn und seine Familie nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben. Am 5. Dezember 1995 starb er in Kitzbühel in Tirol. Anläßlich seines 110. Geburtstages veröffentlichen wir den Nachruf, den seine Roßbacher Landsleute vor 27 Jahren verfaßten.

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er Begründer unseres „Heimatboten“, Pfarrer Walter Eibich, der Vater unserer Heimatgemeinschaft, wurde von seinem Herrn in die Ewigkeit abberufen. Im Advent 1946, als Not und Verzweiflung unter unseren Roßbacher Vertriebenen herrschte, vertraute er auf die Botschaft Jesu und gab diese, für alle verständlich, in einem unscheinbaren Rundbrief an die bisher bekanntgewordenen Anschriften aus der Roßbacher Gemeinde weiter. Sein Vertrauen darauf, alle Erreichbaren in Gedanken und im Glauben an die Weihnachtsbotschaft zu einer Gemeinde vereinen zu können, war felsenfest – und richtig. Schon nach wenigen Jahren waren die meisten Familien in die Gemeinschaft des „Heimatboten“ eingebunden. Pfarrer Eibich führte dazu aus: „Ist uns nicht gerade durch das, was wir erleben und durchleben mußten, eine neue Sehnsucht, eine größere, innere Bereitschaft zu hören und eine tiefe, tiefe Dankbarkeit gegenüber Gottes wundersamen, aber gnädigen Walten geschenkt worden? Ob wir dadurch nicht vielleicht an diesem Weihnachtsfeste zu den Gesegneten und zu den reicher Beschenkten gehören, als die noch alles Besitzenden, deren Herz sich nur sehr schwer – wie unseres in der gleichen Lage sicher ebenso – von den Gaben zu dem Geber, von den Geschöpfen zum Schöpfer, von der Erde gen Himmel zu erheben vermag! Anders als zu Hause zwar, aber nicht minder zum Heile kehrt auch heuer die Heilige Nacht wieder. Möge ihre Botschaft bei uns allen frohen und getrosten Glauben finden.“ Daß bei Pfarrer Eibich diese Botschaft den getrosten Glauben einbrachte, bezeugt auch ein Gedicht der westfälischen Lyrikerin Annette von DrosteHülshoff, das er aufbewahrt hatte und wohl seine letzte Botschaft ist: Geliebte, wenn mein Geist geschieden, So weint mir keine Träne nach. Denn wo ich weile, da ist Frieden, Dort leuchtet mir ein ew‘ger Tag. Wo aller Erdenkram verschwunden, Soll euer Bild mir nicht vergehn und Linderung für eure Wunden, Für euren Schmerz will ich erflehn.

Weht nächtlich seine Seraphsflügel Der Friede übers Weltenreich, So denkt nicht mehr an meinen Hügel, Denn von den Sternen grüß‘ ich euch. Blättert man in den ersten Ausgaben des „Heimatboten“, ahnt man, welche Energie aufgebracht werden muß, um eine solche Vereinigung zum Leben und Funktionieren zu bringen. 20 ständige und 45 gelegentliche Mitarbeiter sowie 25 Helfer für Versand und Verteilung gaben ihr Bestes. Das Beispiel unseres Pfarrers reißt alle mit, zu helfen, wo es notwendig ist. Bald legt er mit seinem Motorrad, Frau und Koffer dazugeladen, in Deutschland und Österreich fast 3000 Kilometer in einer Tour zurück, um bei Regionaltreffen dabeizusein. 1952 stiften ihm der Weltrat der Kirchen, der Lutherische Weltbund und das Zentralbüro des Evangelischen Hilfswerks ein ökumenisches Auto, einen Lloyd 300. Damit kann er seine Landsleute noch intensiver betreuen und mit seiner Anwesenheit die Treffen aufwerten. 1971 übernimmt er die evangelische Gemeinde Kitzbühel, 1972 feiert er 60. Geburtstag, erhält den Kulturpreis des Kirchspiels Roßbach, engagiert sich außer für die Kirchengemeinde auch für die Gäste Kitzbühels. Seine Diavorträge fördern den Fremdenverkehr, da alle Bilder von ihm selbst gefertigt, die Touren selbst erlebt, mit dem ihm eigenen Temperament nahegebracht und er in wenigen Jahren mehr als 6000 Besucher als Bergfreunde gewann. Das Land Tirol, Kitzbühel und die Republik Österreich zeichnen ihn aus dafür aus. Nebenbei kommt er auch immer wieder nach Oberfranken und Rehau, die Stadt der großen Treffen. Dabei besucht er bejahrte Gemeindemitglieder, übernimmt eine goldene Konfirmation. Und er kann nach vielen Jahren einen Gottesdienst an der Stätte seines letzten Wirkens in der Heimat zelebrieren: Auf dem Baugerüst zur Renovierung der Kirche stehend, sekundiert ihm Pfarrer Václav Kučera. Ihn konnte er auch einmal in Rehau am Gedenkkreuz einsetzen. Daß er viele Jahre in der Johannes-Mathesius-Gesellschaft tätig war, einige Jahre in der Leitung, sei nur am Rande bemerkt. Für diese Gesellschaft brachte er auch das erste Gemeindebuch der Deutschen Evangelischen Kirche in Böhmen und MährenSchlesien heraus: „Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Roßbach“. Um einer Persönlichkeit wie Walter Eibich gerecht zu werden, müßte man ein Buch schreiben. Er hat sich um seine Mitmenschen verdient gemacht. Dafür sind wir ihm dankbar. Möge seine erhoffte irdische Heimkehr in die Heimkehr zu Gott münden.


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Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

Links der Ausstellungssaal im Teplitzer Regionalmuseum. Rechts hölzerne Relief einer Anna selbdritt: die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Das restaurierte Werk stammt aus der Sammlung des Museums in Brüx/Most. Bilder (4): Jutta Benešová

� Regionalmuseum Teplitz-Schönau

Erzgebirge – Kunst des späten Mittelalters Im Ausstellungssaal Nummer III des Teplitzer Regionalmuseums läuft gegenwärtig die Wanderausstellung „Krušnohoří/ Erzgebirge – Kunst des späten Mittelalters“. Jutta Benešová sah sich die Ausstellung an.

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ie Ausstellung ist das Hauptergebnis des deutsch-tschechischen Projekts „Spätmittelalterliche Kunst in der Montanregion Erzgebirge“. Das Kooperationsprogramm zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik 2014 bis 2020 finanzierte das Projekt. Die Ausstellung will die Ergebnisse der tschechischen Teil-

projekte sowie die Zusammenarbeit zwischen der Region Aussig und der Hochschule für Bildende Künste Dresden vorstellen. Die gemeinsamen deutschtschechischen Aktivitäten sowie der Austausch von Fachkenntnissen und Erfahrungen konzentrieren sich auf die wissenschaftliche Forschung, Erhaltung und Vermittlung des Kulturerbes aus der Zeit des Spätmittelalters in der Montanregion Erzgebirge. Das Projekt entstand als eine unterstützende Aktivität der deutsch-tschechischen Bemühungen um die Eintragung der Montanregion Erzgebirge in die Welterbeliste der UNESCO Welterbes. Dies gelang 2019.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Kunstentwicklung im sächsisch-böhmischen Grenzraum in der Zeit des größten Aufschwungs des erzgebirgischen Bergbaus. Die hiesige, bereits seit dem Mittelalter mehrfach veränderte sächsisch-böhmische Grenze wirkte einem intensiven Kulturaustausch nicht entgegen. Und sie war auf dem Gebiet der bildenden Kunst praktisch nicht von Bedeutung. Die kulturelle sowie wirtschaftliche Verflechtung des sächsischen und böhmischen Erzgebirgsraumes belegt die Bedeutung eines einheitlichen Europas und eines gemeinsamen europäischen Raumes. Das Rundbild, genannt Tondo, mit der reliefartigen Anna-selbdritt-Darstellung – das ist die Drei-Generationen-Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind – aus der Sammlung des Regionalmuseums und der Galerie in Brüx/Most wurde zum zentralen Symbol der gegenseitigen deutsch-tschechischen Zusammenarbeit. Das Tondo wurde an der Hochschule für Bildende Künste Dresden restauriert. Das Schnitzwerk dekorierte ursprünglich den Schlußstein in der nördlichen VorhalDas restaurierte Retabel mit der heiligen Barbara aus der Sammlung des Mu- le der Dekanatskirche Mariä seums in Komotau. Himmelfahrt in Brüx. Die Kir-

che ist ein Bindeglied zwischen nen mit zeitgemäßen, innovati- Erhaltung künstlerischer TechniNordwestböhmen und der Regi- ven Techniken an diesem Kunst- ken und Technologien. on des sächsischen Erzgebirges, werk. Außerdem ist eine Tafel beDie Ausstellung im Regionaldie ihren Aufbau finanziell unterstützte. An ihrer Errich- sonders den restauratorischen museum Teplitz auf dem Schloßtung beteiligten sich vor al- und konservatorischen Metho- platz läuft bis Samstag, 27. Felem zahlreiche Künstler und den gewidmet. Dies betont den bruar Dienstag bis Freitag 10.00– Handwerker aus dieser Re- bedeutsamen Anteil der restau- 17.00, Samstag und Sonntag ratorisch-konservatorischen Ar- 10.00–12.00 und 13.00–17.00 gion. Die Wanderausstellung, beiten für die Erforschung und Uhr. die zuerst im Frühjahr 2021 im Regionalmuseum Komotau gezeigt wurde, umfaßt 19 zweisprachige Tafeln in drei Hauptlinien: l  Restaurierung und Materialforschung der Kunstwerke. l  Künstlerische Techniken im Hintergrund der einzelnen Werke. l  Künstlerische Entwicklung im Montangebiet Erzgebirge. Fünf Werke werden vorgestellt. Das Anna-selbdritt-Tondo, die „Thronende Madonna“ und die Brüxer Votivtafel des Meisters I W stammen aus den Sammlungen des Regionalmuseums und der Galerie Brüx. Das Werk „Retabel mit der heiligen Barbara“ stammt aus dem Regionalmuseum Komotau. Und die „Madonna von Graupen“ kommt aus dem Teplitzer Regionalmuseum. Jedes Werk hat ein eigenes Medaillon, das seine Entstehung und Eingliederung in den Kontext der Kunstentfaltung dieser Region beschreibt. In dieses Projekt sind sowohl Werke der Malerei als auch der Bildhauerkunst einbezogen einschließlich einer Kombination beider Kunstrichtungen, die durch den Altaraufsatz (Retabel) mit der heiligen Barbara vertreten ist. Zwei Tafeln sind speziell den Techniken der Malerei und Bildhauerkunst beim Übergang des Spätmittelalters zur Frühen Neuzeit gewidmet. Die restaurierten Teile der Retabel demonstrieren eindrücklich diesen Übergang und die Die restaurierte Madonna von Graupen aus der Sammlung des Teplitzer MuVerflechtung alter Traditio- seums.


HEIMATBOTE

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Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

11 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Die beiden wunderschönen neuen Glocken können derzeit vor dem rechten Seitenaltar bewundert werden.

Bilder: Karl Reitmeier

Klentsch im ehemaligen Nachbarkreis Waldmünchen

Zu Ostern werden wieder sieben Glocken in Sankt Martin läuten Dank einer von Karel Hůla initiierten Spendenaktion erhält die Klentscher Kirche Sankt Martin zwei neue Glocken und repariert fünf andere Glocken.

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uch Besucher aus dem bayerischen Grenzraum waren im Oktober wieder beim jährlichen Orgelfestival in Waldmünchens Partnerstadt Klentsch. Übrigens gehörte Klentsch zum ehemaligen Kreis Waldmünchen. Den Konzertbesuchern fiel auf, daß vor dem rechten Seitenaltar zwei neue Glocken standen. Was Kirche Sankt Martin in Klentsch.

es mit diesen kunstvollen Glokken auf sich hat, erfuhren wir von Pfarrer Ivan Pavliček. Pavliček freut sehr, daß die Sankt-Martins-Kirche in Klentsch nach mehr als 100 Jahren bald wieder sieben Glocken haben wird, die zu Gottesdiensten und zum Gebet einladen. Die Idee hatte der in Klentsch geborene Karel Hůla, der in der kommunistischen Ära in die USA ausgewandert war, um von dort das Regime zu bekämpfen. Er ist vielen Deutschen bekannt. Er war ein großer Förderer der Equipe-

Wanderungen, denn er hatte viele Jahre lang die Finanzierung der Musik-Kapellen beim gemütlichen Beisammensein nach der Wanderung übernommen. Auch bei den Veranstaltungen Aufsperren und Abschließen des Böhmischen Brunnens war er immer ein gerne gesehener Gast. Leider starb er im September mit 96 Jahren. Seine Beerdigung fand ausgerechnet bei der 29. Equipe-Wanderung des Freundeskreises der deutschtschechischen Verständigung am 18. September statt.

Hůla hatte einige Zeit vor sei- te Federungsstruktur oder ande- Pavlíček hofft, daß die feierliche nem Tod bei Pfarrer Ivan Pavlíček re Probleme“, berichtete Pfarrer Weihe aller sieben Glocken an vorgesprochen und eine öffentli- Pavlíček. Ostern stattfinden kann. Leider che Sammlung zur Anschaffung von zwei neuen Glocken und die Reparatur der fünf alten Glocken angekündigt. Es hört sich fast unglaublich an, aber die Gläubigen hatten letztlich mehr als umgerechnet 40 000 Euro gespendet. „Ich war überrascht, wie schnell die Summe beieinander war. Die Leute haben das Geld in nur eineinhalb Jahren gespendet“, erzählte der Pfarrer. Damit ist gewährleistet, daß die Kirche Sankt Martin nach mehr als 100 Jah- Karel Hůla nach einer Equipe-Wanderung mit deutschen Freunden. ren wie früher wieder sieben Glocken haben wird. Die fünf historischen Glok- kann Karel Hůla die Rückkehr Im Kirchturm hatten vor ken, gewidmet der Jungfrau Ma- aller Glocken nicht mehr miterledem Ersten Weltkrieg sie- ria, dem Nationalheiligen Wen- ben, doch sie werden immer mit ben Glocken gehangen. Nach zel, der heiligen Barbara, dem seinem Namen in Verbindung 1945 sank ihre Zahl aufgrund heiligen Johannes von Nepomuk bleiben. der Kriegsereignisse sogar auf und dem Adeligen Lomikar, waDer südböhmische Glockenvier. Eine war aber während ren danach für eine Weile aus spieler Michal Votruba erzählt, des Krieges nur in Sicherheit den Gotteshaus verschwunden. daß die Kirche Sankt Martin ingebracht worden. Gemeinde- Michal Votruba hatte sie in seine sofern außergewöhnlich sei, als mitglieder hatten sie abgebaut Werkstatt in Miskowitz im heuti- sie sieben Glocken gehabt habe und unter der Erde vergraben. gen Kreis Tabor in der südböhmi- und nun auch wieder haben werSie wußten, daß diese Glocke schen Region gebracht, wo er sie de. Das sei angesichts der Größe die wertvollste war, denn sie restaurierte. Votruba goß auch des Kirchengebäudes eine growar mehr als 500 Jahre alt. In die beiden neuen Glocken, die ße Zahl. Interessant sei auch die den 1990er Jahren wurde der die Namen Martin und Karel tra- Totenglocke Lomikar, die in der Turm um diese fünfte Glocke gen. Diese Glocken stehen nun Tschechischen Republik einzigwieder bereichert, die als ein- seit einiger Zeit in der Kirche. Sie artig sei. Diese werde mit Wolf zige für Messen oder andere wurden noch nicht aufgehängt, Maximilian Lamingen von AlVeranstaltungen genutzt wur- sondern bleiben vorerst vor dem benreuth alias Lomikar in Verde. „Die anderen Glocken wa- Seitenaltar stehen. Jetzt sucht bindung gebracht, dessen letzte ren nämlich bereits in einem man noch nach Spendengeldern Ruhestätte eine Gruft unter der schlechten technischen Zu- für die Aufhängungskonstrukti- Kirche in Klentsch sei. stand. Sie hatten eine schlech- on und -mechanik. Pfarrer Ivan Karl Reitmeier


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Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Volksmedizin im Egerland – Teil II und Schluß

Ziegenblase gegen Bettbrunzen Wolf-Dieter Hamperl, Heimatkreisbetreuer und Arzt, berichtet über Volksmedizin.

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eitere heilsame Ratschläge, die der Volkskundler und Neustadtler Pfarrer Josef Lang zusammengetrug, sind: l   Gegen Gicht sprich vor Sonnenaufgang: „Guten Morgen. Mir graust und wälz mich und weiß nicht, was du bist. Das Reißen, du reißende Gicht. So hilf dir unser lieber Herr Jesu Christ. Durch seine heiligen fünf Wunden hat er dir dein Reißen und Gicht gebunden. Dazu heile die Macht und Kraft der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist.“ Muß bei abnehmendem Mond gesprochen werden, der Tag kann sein, wie er will. l  Gedächtnis, so ein Mensch ein böses hat, also gegen böses Denken: Viel Petersilwurzel trocken stoßen, mische mit Wein, trink davon. Macht gutes Gedächtnis, reinigt das Blut. l  Gelbsucht: Sauerampferwurzel oder Knoblauch und Koriander. Solches in Wein. Laß es eine Weile darauf stehen. Trink davon. Es vergeht die Gelbsucht. l  Gegen Blutgang: Ein Hirschkreuz, welches die alten Hirschen im Herzen haben, ist gut für den Blutgang, wenn es einer Weibsperson, die damit behaftet ist, in die linke Hand gegeben wird.

Im 1808 in Braunschweig erschienen „Wörterbuch der Deutschen Sprache“ von Joachim Heinrich Campe lesen wir: „Das Hirschkreuz ist ein harter kreuzförmiger Knorpel, welcher aus dem Zusammentritte der Schlagadern am Herzen des Hirsches entsteht und grundlos für ein schätzbares Arzneimittel gehalten wird.“ l  Gegen Fliegen oder ein anderes Insekt, so sie giftig sind und gestochen haben: Nimm eine vor Georgi gefundene und nachher getrocknete Kröte, binde sie auf den gebissenen Körperteil, zieht das Gift aus! l  Bei Gallensteinkoliken: Man bringe Hasenblut und das ganze Fell in einem neuen Hafen zu kochen, und gebe es dem Patienten ein, in Wasser mit einem Löffel; nüchtern zu trinken, so wird man sich verwundern, was das Pulver für eine Wirkung macht. l  Gegen Halsweh: erstens drei Palmkätzchen am Palmsonntag schlucken. Das ganze Jahr kein Halsweh. Zweitens Kamillenwasser gurgeln oder Eisenkrautwasser gurgeln. l  Rezepte, um Wunden zu heilen: erstens Spitzwegerich und Weinstein, stoße beide zusammen in Honig. Bringe es auf ein Tuch, lege es über die Wunde. Es reinigt und heilt bald. Oder Petersilwurzel, vermische mit Honig und Auflegen.

Oder Wachs ein halbes Lot (16 Gramm), Rosenöl zwei Lot, bei gelindem Feuer zergehen lassen; hernach ein Viertel Lot Terpentinöl, ein halbes Lot Harz. Rühre alles durcheinander, bis es kühl geworden ist. Gib hinein pulverisiertes Mastix (Harz des Mastix-Strauchs) und pulverisierten Weihrauch, von jedem vier Lot, rühre bis es kalt ist. l  Bei Reißen und Schwinden der Glieder: Regenwürmeröl, wie man es macht und wozu es gut ist: Tue die Regenwürmer in einen Topf, schlag es in einen Leib Brot und schiebe es in den Backofen, solange bis das Brot backt, dann destilliere es an der Sonne in einem Glas. Es dient als Salbe. l  Bei Leistenbruch: Wenn ein Kind einen Bruch hat, dem schmiere den Bruch mit FuchsFett und verbinde den Bruch. So aber ein Mann einen Bruch hat, der gürte sich sehr fest, daß der Bruch nicht raus kann. Dann koche Sardellen in Wasser, dann gib Wein darunter. Dann trinke es und schmiere den Bruch mit Fuchsschmalz täglich öfter; so heilt der Bruch gewiß. l  Bettbrunzen (Bettnässen) und so einer das Wasser nicht halten kann: Klauen von einem Bock, brenne es zu einem Pulver. Gibs ihm in dem Trank zu trinken. Oder Ziegenblase dörr machen, pulverisieren, in Wein mischen und zu trinken geben; oder Mark aus einem Federkiel oder

die Vorspeisung einer jungen gebratenen Maus; oder man nehme die Fischlein, welche die Hechten im Bauch haben, mache sie dörr und zu Pulver und gebe es dem Kinde ein; ein bis drei Messerspitz voll in Wasser auflösen. Und so weiter und so weiter. Daß Pfarrer Josef Lang derartiges sammelte, war für einen Gottesmann auffallend. Aberglaube stand auf dem Index. Aber er war ein besonderer Mann. Er nahm sich in den 1920er Jahren ein Sabbatjahr und bereiste Amerika. Er war Festprediger in den Dörfern der Umgebung, begeisternder Zitterspieler in den Wirtshäusern und selbsternannter Domprobst von Altsattel. Ob er selbst als Heiler tätig war, ist nicht überliefert. Dafür war sein Kollege Franz Thomas, Pfarrer in Hals, ein weithin gesuchter Pendler und Weissager vor allem in der Kriegszeit. Weitere derartige Hilfsmittel findet man in dem im Jahr 2012 von Christine Obermeier herausgegebenen Buch „Abdeckersleut als Volksmediziner“. Es beruht auf dem Arzneibüchlein der Abdeckersfamilie Brummer auf der Trod bei Wernberg. Karl Platzer, der hier einheiratete, soll aus dem Egerland gekommen sein. Von Wernberg aus erreicht man heute auf der Autobahn in 15 Minuten die bayerisch-tschechische Grenze bei Waidhaus und damit das südliche Egerland.

Karikaturen von Paul Günther.


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Sudetendeutsche Zeitung 11. Februar 2022 Ausgabe 6 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu