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Sudetendeutsche Zeitung 28. Januar 2022 Ausgabe 4

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Sudetendeutsches Gespräch mit BR-Moderatorin Evi Strehl (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief

Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 74 | Folge 4 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 28. Januar 2022

VOLKSBOTE

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� Gemeinsames Statement der Außenminister Baerbock und Lipavský zu 25 Jahre Deutsch-Tschechische Erklärung

„Zentraler Pfeiler der Beziehungen“

Anläßlich des 25. Jahrestags der „Gemeinsamen Erklärung über die deutsch-tschechischen Beziehungen und deren künftige Entwicklung“ haben Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und ihr tschechischer Amtskollege Jan Lipavský (Piraten) in einem gemeinsamen Statement die Bedeutung dieser Erklärung erinnert. Der Wortlaut:

H Außenministerin der Bundesrepublik Deutschland: Annalena Baerbock. Foto: Außenministerium

eute vor 25 Jahren unterzeichneten Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierminister Václav Klaus in Prag die gemeinsame Erklärung über die deutsch-tschechischen Beziehungen und deren künftige Entwicklung. Die Erklärung hatte einen doppelten Fokus: Einerseits

die Überwindung der aus der gemeinsamen Vergangenheit herrührenden Belastungen, andererseits die Ausrichtung unserer Beziehungen auf die Zukunft. Die gemeinsame Erklärung ist ein zentraler Pfeiler der Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien. Mit ihr wurden wichtige Instrumente geschaffen, die aus Nachbarn Freunde machen konnten: der DeutschTschechische Zukunftsfonds und das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum, die beide einen wesentlichen Beitrag zur Vertiefung des gegenseitigen Vertrauens leisteten und leisten. Deutschland und Tschechien haben ihre historisch beispiellos engen, aber eben auch in manchen Jahren sehr schwie-

rigen Beziehungen mit dieser Erklärung auf eine neue Grundlage stellen können. Wir haben seit 1997 damals beinahe unerreichbar scheinende Fortschritte gemacht. Wir sind enge Partner in der EU und in der NATO; wir sind Teil der europäischen und transatlantischen Wertegemeinschaft. Aus Nachbarn wider Willen wurden Freunde. Heute sind die deutsch-tschechischen Beziehungen besser, als sie es je waren. Die gemeinsame Erklärung hat Respekt und Vertrauen zwischen unseren Ländern geschaffen. Dieses Erbes wollen wir heute nicht nur im Zusammenhang mit den deutsch-tschechischen Beziehungen gedenken. Wir freuen uns, daß unser Beispiel

anderen als Inspiration dient. Denn immer häufiger sind wir weltweit mit neuen Herausforderungen in Bereichen wie Energie und Klima, der Covid-Pandemie, Migration oder Fragen unserer kollektiven Sicherheit konfrontiert. Immer komplizierter wird es, Lösungen zu finden. Umso wichtiger ist, diese Lösungen im Geiste gegenseitigen Respekts und Vertrauens zu suchen. Auch deswegen sind wir stolz und dankbar, heute an die gemeinsame Erklärung über die deutsch-tschechischen Beziehungen erinnern zu können. Gemeinsam sind wir entschlossen, unsere Nachbarschaft und Freundschaft immer weiter zu entwickeln, für ein geeintes Europa in einer friedlichen Welt.

Außenminister der Tschechischen Republik: Jan Lipavský. Foto: Vlada CZ

� Grenzüberschreitende Studie zum 25jährigen Jubiläum der Deutsch-Tschechischen Erklärung

Botschafter Andreas Künne.

Botschafter Tomáš Kafka.

� Botschafter einig:

Wir haben gemeinsam viel erreicht In einem gemeinsamen Zeitungsartikel, abgedruckt in Berliner Zeitung und Lidové noviny, würdigen Andreas Künne, deutscher Botschafter in Prag, und Tomáš Kafka, tschechischer Botschafter in Berlin, den 25. Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung.

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Leben in der Grenzregion: Wo es zwischen den Nachbarn hakt

aß die Erklärung bis heute wirkungsvoll und hilfreich ist, lasse sich an manchen Beispielen ablesen, schreiben die beiden Diplomaten. So seien mit dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem DeutschTschechischen Gesprächsforum Instrumente geschaffen worden, „die es ermöglichen, Respekt und Vertrauen auch bei den alltäglichen Begegnungen grenzüberschreitend zu fördern und zu vertiefen“. Auch, daß heute der deutsche und der tschechische Botschafter einen gemeinsamen Artikel zu diesem Thema schreiben, sei in Zeiten vor der Erklärung unvorstellbar gewesen. Die beiden Diplomaten: „Wir haben viel erreicht zwischen Deutschen und Tschechen. Und so ist es bei allen künftigen Aufgaben, vor denen wir stehen werden, sehr wichtig und auch beruhigend, zumindest kurz anzuhalten und sich klarzumachen, daß man in diesen Herausforderungen nicht allein ist: Wir haben gleich nebenan einen guten Freund und Verbündeten, mit dessen Hilfe wir die Zukunft besser verstehen und meistern können.“

Zum 25. Jahrestag der DeutschTschechischen Erklärung hat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds eine Meinungsumfrage zum Nachbarschaftsverhältnis in der Grenzregion veröffentlicht. Die Initiative für diese Studie war zuvor vom DeutschTschechischen Gesprächsforum ausgegangen.

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n der qualitativen Umfrage der Meinungsforschungsinstitute Stem aus Prag und Pollytix Strategic Research aus Berlin wurden Bewohner auf beiden Seiten der Grenze zum Thema Leben im Grenzgebiet und deutsch-tschechische Nachbarschaft befragt. „Diese Studie hat unsere Hypothese bestätigt, daß entlang der Grenze viele Menschen leben, die die deutsch-tschechische Nachbarschaft aktiv leben und gestalten, daß in dieser Schlüsselregion aber gleichzeitig noch viel Potential schlummert. Unser Ziel war es, dieses Potential auszuloten“, bewerten Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek, die Geschäftsführer des Zukunftsfonds, das Umfrageergebnis. „Wir haben festgestellt, daß Tschechen mehr persönliche Kontakte zu den deutschen Nachbarn haben als umgekehrt“, schreiben die Meinungsforscher in ihrem Studienfazit. Meist beschränken sich die grenzüberschreitenden Kontakte aber auf den Arbeitsbereich und den Einkaufstourismus. Feste persönliche Bindungen und Freundschaften seien hingegen selten. Solche oberflächlichen Kontakte, warnen die Autoren der Studie, können die gegenseitigen Beziehungen in Krisensituationen schwächen, wie sich zuletzt während der Corona-Pandemie gezeigt hat, als überwunden geglaubte Stereotype erneut zum Vorschein kamen.

Böhmer- und Bayerwald bieten unberührte Natur und viele Möglichkeiten für Sport und Erholung – ein Angebot, das die Menschen grenzüberschreitend annehmen. Foto: CzechTourism/Josef Kubes Weiter heißt es in der Studie, daß es zwischen den Nachbarn zwar nach wie vor Vorurteile gäbe, diese aber nicht sehr ausgeprägt seien. Nur bei der älteren Generation sei die gemeinsame Geschichte mit dem Zweiten Weltkrieg, dem Holocaust und den weiteren Verbrechen der Nazis sowie den Beneš-Dekreten und der Vertreibung noch gegenwärtig. Die Vorurteile der jüngeren Generation fokussieren sich dagegen auf aktuelle gesellschaftliche Probleme, wie auf den Drogenschmuggel oder auf andere Minderheiten, wie Vietnamesen oder Roma und Sinti. Gehalten habe sich das Vorurteil, daß Deutschland reich, mächtig und arrogant sei, während die Tschechische Republik ärmer und wirtschaftlich schwächer sei.

„Das Hauptproblem ist, daß die Befragten zwar generell gerne mehr persönliche Kontakte im Nachbarland knüpfen würden, aber nicht so recht wissen, wo und wie. Gemeinsame Interessen sind hier ein wichtiger Schlüssel, um die Menschen abzuholen“, erklären Jana Faus von Pollytix Strategic Research und Martin Buchtík von der Agentur Stem. Die Autoren der Studie sehen dabei drei Ansätze, wie die Verständigung zwischen den Nachbarn nachhaltig verbessert werden kann. So gäbe es auf beiden Seiten der Grenze ein großes Interesse der Menschen an Sport und Natur, worüber neue Verbindungen entstehen könnten. Viele Veranstaltungen im Grenzgebiet, die sowohl Deutsche als auch Tschechen interes-

sieren können, werden im jeweiligen Nachbarland nicht beworben. Auch hier sehen die Autoren ein großes Potential für mehr Begegnung durch Information. Der dritte Punkt ist die Sprache, wobei weitaus mehr Tschechen deutsch sprechen als umgekehrt. „Fehlende Sprachkenntnisse in der Nachbarsprache sind ein Haupthindernis für die Annäherung“, stellen die Autoren der Studie fest und raten zu „niederschwelligen Begegnungsangeboten“ und zweisprachigen Informationen. „Die größte Herausforderung besteht darin, den persönlichen Kontakt zwischen Tschechen und Deutschen zu fördern.“ Die qualitative Studie mit ihren differenzierten Ergebnissen hat den Zukunftsfonds dazu veranlaßt, neue Wege zum The-

ma zu suchen: Ein Ergebnis ist das Programm „Ein Jahr an der Grenze“, für das der Zukunftsfonds acht aktive und kreative Menschen aus beiden Ländern sucht, die sich einer der Regionen entlang der deutsch-tschechischen Grenze ein Jahr lang auf Honorarbasis widmen werden. Dort werden sie verschiedene Aktivitäten umsetzen – mit dem Ziel, die Annäherung zwischen den Menschen auf beiden Seiten der Grenze so weit wie möglich zu vereinfachen. Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek: „Dadurch wollen wir denjenigen, die eigentlich gerne mehr mit den Nachbarn auf der anderen Seite zu tun hätten, je nach Bedarf ganz praktische Hilfe anbieten und so direkt vor Ort zu einer lebendigen Grenzregion beitragen.“ Torsten Fricke


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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inen deutschen Namen zu haben, ist in böhmischen Ländern nichts Besonderes, genauso tragen viele Sudetendeutsche Namen, die eindeutig tschechisch klingen. Der Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, wollte in Erfahrung bringen, was sich hinter der Straßenbezeichnung Freyova (Freystraße) verbirgt, die im östlichen Stadtviertel Wisočan (Vysočany) liegt. War ihr Namensgeber wirklich deutscher Herkunft? Tatsächlich

war es so, denn im Jahr 1799 kam in Prag Friedrich Frey der Ältere zur Welt. Zuerst war er Apothekeneigentümer am Altstädter Ring. Von einem Auslandsaufenthalt kehrte er begeistert mit einer neuen Idee zurück, die er in Prag verwirklichen konnte: Im Jahr 1835 baute er in Wisočan eine große Zuckerfabrik und Molkerei, die an der Stelle des heutigen Einkaufszentrums in der gleichen Straße stand. Seit 1887 durften Angehörige dieser Familie sogar den adeligen

PRAGER SPITZEN Titel Frey von Freyenfels benutzen. Friedrich Frey der Ältere starb bereits 1878, und seine Erben gehörten zu den ersten Familien der böhmischen Hauptstadt, die eine eigene Telefonleitung bekamen.

Wirtschaftskraft deutlich gesunken

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ie tschechische Wirtschaftskraft ist laut einer Schätzung des Finanzministeriums im vergangenen Jahr auf 86 Prozent des Durchschnitts der Eurozone gesunken. 2020 betrug die Wirtschaftskraft noch 88 Prozent der Eurozone. Gleichzeitig stieg das Preisniveau von 61 auf 63 Prozent der Eurozone. Das Finanzministerium erwartet einen weiteren Anstieg im Lauf dieses Jahres auf 68 Prozent des Niveaus in den Euro-Ländern.

Podiumsdiskussion mit Politikexperten in Berlin

In welche Richtung steuert die neue tschechische Regierung?

Zum 25. Jahrestag der DeutschTschechischen Erklärung hat das Tschechische Zentrum Berlin zusammen mit der Tschechischen Botschaft in Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde eine Diskussion von Autoren des Länderheftes „Schlüsselland Tschechien – Politik und Gesellschaft in der Mitte Europas“ der Zeitschrift Osteuropa veranstaltet.

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egrüßt durch den Botschafter Tomáš Kafka, eingeführt durch die stellvertretende Leiterin des Tschechischen Zentrums Christina Frankenberg diskutierten unter Leitung von Manfred Sapper, leitender Osteuropa-Redakteur, die Autoren Vladimír Handl vom Institut für Internationale Studien in Prag, Zuzana Lizcová vom Lehrstuhl für Deutsche und Österreichische Studien an der Karlsuniversität in Prag und Volker Weichsel von der Osteuropa-Redaktion. Botschafter Tomáš Kafka: „Ich freue mich, daß die Organisatoren und Autoren des sehr schönen Bandes nach Berlin angereist sind, nicht nur um zu diskutieren, sondern um sich auch weiterhin um die deutsch-tschechischen Beziehungen zu kümmern. Denn Tschechien ist hier im Titel des Bandes als Schlüsselland benannt. Ich denke aber, es ist eher ein Schlüssellochland, denn wir wirken nicht so stark auf Deutschland ein, was aber auch eine Chance ist, denn wir können positiv überraschen. Wir können Tacheles reden, um die Welt besser zu verstehen. Wir sind nicht unter dem Druck, daß wir Europa nach vorne bringen oder Katastrophen verhindern müssen. Wir können kreativ und manchmal unkonventionell sein.“ Die deutsch-tschechische Erklärung sei, so Kafka, „ein gutes Fundament für die jetzigen Beziehungen“. Auch wenn es beim Empfang des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft geheißen habe, daß der Schwerpunkt der deutsch-tschechischen Beziehungen auf der Wirtschaft liege, verfolgt Kafka einen breiteren Ansatz: „Gesamtpolitisch betrachtet liegt für mich die Stärke in der Aufgeschlossenheit und Intensität der Dialoge.“ Als sehr informatives Buch trage das Länderheft dazu einen Teil bei, so der Botschafter. Der leitetende Osteuropa-Redakteur Manfred Sapper stellte als Moderator der Autorenrunde die 1925 gegründete Zeitschrift Osteuropa vor, die seit 1951 kontinuierlich erscheint. In dem vorgestellten Heft zu Tschechien, das lange nicht Schwerpunktthema war, gibt es 25 Beiträge von 31 Autoren, wobei fünf davon deutsche Autoren sind. Sapper: „Die tschechischen Autoren erklären uns in ihren Beiträgen ihr eigenes Land, die verschiedenen Politikfelder, die Geschichtsdebatten, die Erinne-

Lottobetreiber will an die Wallstreet

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eld für weitere Investitionen: Der Lotteriebetreiber Allwyn Entertainment, der zum KKG-Konzern des tschechischen Milliardärs Karel Komárek gehört, plant einen Börsengang an der New Yorker Wallstreet. Der Wert des Firmenkonglomerats liegt laut eigener Darstellung bei 9,3 Milliarden US-Dollar (8,2 Milliarden Euro). Das Unternehmen betreibt außer in Tschechien auch Lotterien in Österreich, Italien, Griechenland und Zypern. Mit dem Börsengang soll die globale Wachstumsstrategie finanziert werden. Insbesondere sind Ableger in den USA und in Europa geplant.

Tagebau: Prag will Entschädigung

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rag beharrt im Streit um den grenznahen Braunkohletagebau Turów (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) weiter auf eine Entschädigung durch die polnische Seite in Höhe von 50 Millionen Kronen (2,05 Millionen Euro). Laut Umweltministerin Anna Hubáčková (KDU-ČSL) sollen die Verhandlungen zwischen Prag und Warschau noch bis Ende Januar wiederaufgenommen werden.

Podiumsdiskussion über Tschechiens Rolle in Europa mit den Politikexperten (von links) Vladimír Handl, Manfred Sapper, Zuzana Lizcová und Volker Weichsel. Foto: Tschechisches Zentrum Berlin rungspolitik, aber auch die internationalen Beziehungen.“ Die Zeitschrift Osteuropa verfolge dabei einen interdisziplinären Ansatz, der Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verbindet. Seit 2003, so Sapper, habe man eine beträchtliche Zahl von Aufsätzen zu den Visegrad-Staaten und zu Tschechien veröffentlich. 531 Beiträge zu den Visegrad-Staaten und 115 zu Tschechien stünden jedoch 1092 Aufsätzen zu Rußland beziehungsweise der Sowjetunion

Manfred Sapper, Volker Weichsel (Herausgeber), Schlüsselland Tschechien, Politik und Gesellschaft in der Mitte Europas, Berlin 2021 (OSTEUROPA, 4-6/2021), 432 Seiten. gegenüber. Im Länderheft Schlüsselland Tschechien schreibt der Politikwissenschaftler Handl noch aus der Perspektive der kommenden Wahlen in Deutschland und Tschechien im Herbst 1921 und beschreibt die deutsch-tschechischen Beziehungen mit dem Schlagwort „vertraute Fremde“. Nach den Wahlen hätten sich einige Rahmenbedingungen ge-

ändert, so Handl. Allein die Tatsache, daß fünf Minister deutsch sprechen, sei bemerkenswert. Im Gegensatz dazu würden einige Minister kein Englisch sprechen, was die Kommunikation auf EUEbene erschweren dürfte. Handl führte außerdem aus, daß mit der neuen Regierung die tschechische Politik von dem belastenden Interessenkonflikt des jetzt ehemaligen Premierministers Andrej Babiš befreit sei. Außerdem seien die weitreichenden Differenzen zwischen der deutschen und der tschechischen Politik in der Beurteilung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump mittlerweile obsolet geworden. So hatte der damalige Bundesaußenminister FrankWalter Steinmeier 2016 Trump nach einem seiner Wahlkampfauftritte noch als „Haßprediger“ bezeichnet, während Babiš und der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman offen für den amerikanischen Populisten eintraten. Themen, die weiterhin für Kontroversen zwischen Berlin und Prag führen werden, gäbe es dennoch, so Handl. Zum einen sei dies die Energiepolitik. Während Deutschland den Doppelausstieg aus Kohle und Kernkraft vorantreibt, sieht Tschechien in der Atomkraft eine Möglichkeit, CO2-neutral Energie zu produzieren. Zum anderen haben beide Länder unterschiedliche Auffassungen in der Migrationspolitik. Nach der Wahlniederlage von Babiš sei er, so sagt Handl, aber optimistischer was das deutsch-tschechische Verhältnis anbelange. Die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Lizcová, die im Länderheft einen Beitrag zur Lage der Presse in Tschechien und einen weiteren über die wirt-

schaftlichen Perspektiven der tschechischen Volkswirtschaft in der globalen Wissensgesellschaft verfaßt hat, gab ebenso eine Lagebeurteilung zur neuen tschechischen Regierung ab. Auch sie sei optimistisch, so Lizcová, aber mit der Corona-Pandemie, dem Klimawandel und der Energiewende würde Tschechien vor enormen Herausforderungen stehen. Es werde für Premierminister Petr Fiala und sein Kabinett nicht einfach sein zu beweisen, daß Demokratie besser als Populismus ist. Eine wichtige Frage werde sein, ob die Piraten in der Regierung bleiben werden, denn sie seien rechnerisch nicht notwendig. Ein Austreten der Piraten hätte aber Auswirkungen auf die Regierungspolitik, die sich dann stärker nach rechts bewegen würde. Und mit der ODS dominiere als stärkster Koalitonspartner eine in ihren Wurzeln euroskeptische Partei die neue Regierung. Ein starkes Engagement der Tschechischen Republik, die in der zweiten Jahreshälfte die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, sei demnach nicht zu erwarten. Der Politikwissenschaftler und Redakteur Weichsel, der für das Länderheft ein Interview mit dem Osteuropa-Experten Olaf Lang von der Stiftung Wissenschaft und Politik mit dem Titel „Konflikt statt Kampf“ geführt hat, verwies in seinem Diskussionsbeitrag auf die besondere Qualität des Regierungswechsels. In ganz Ost-Mitteleuropa sei ein demokratischer Regierungswechsel kaum mehr möglich, doch Tschechien habe das gut hinbekommen. Insofern sei Tschechien Deutschland doch sehr nah. Ulrich Miksch

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Lipavský droht mit Sanktionen

ußenminister Jan Lipavský (Piraten) hat erneut deutlich gemacht, daß die tschechische Regierung Sanktionen gegen Rußland unterstützen wird, sollte die Lage an der Grenze zur Ukraine weiter eskalieren. Man bereite sich auf das schlimmste Szenario in dem Konflikt vor, einem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine, so Lipavský. So könne man die Ukraine mit

Waffentechnik und Munition beliefern. Dafür sei allerdings noch ein entsprechender Beschluß der tschechischen Regierung notwendig.

Bewerber für das Präsidentenamt

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arel Janeček, Mathematiker und Unternehmer, will bei den tschechischen Präsidentschaftswahlen antreten. Er wolle Tschechien zu einem Vorbild in Europa machen, kündigte der 48jährige bei seiner Pressekonferenz in Prag an. Der erste Schritt ist jetzt eine Unterschriftensammlung, da eine Bewerbung von mindestens 50 000 Bürgern unterstützt werden muß. Janeček ist Miteigner der Investmentgesellschaft RSJ. Zudem hat er einen Stiftungsfonds gegen Korruption gegründet. Der Staatspräsident in Tschechien wird nach einer Verfassungsänderung seit 2012 direkt gewählt. Amtsinhaber Miloš Zeman kann nicht noch einmal antreten. Die Wahl soll Anfang kommenden Jahres stattfinden. Als mögliche Bewerber werden unter anderem auch Ex-Premierminister Andrej Babiš (Ano) und der ehemalige Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Petr Pavel, gehandelt.

Toter in den Alpen war ein Tscheche

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in Skifahrer hat auf dem Wendelstein in den bayerischen Alpen die Leiche eines 41-jährigen Mannes gefunden. Nach Informationen der Polizei handelt es sich um einen Tschechen, der dauerhaft im oberbayerischen Landkreis Starnberg gelebt hat. Die Ermittler gehen davon aus, daß der Mann wahrscheinlich durch einen Unfall ums Leben gekommen ist.

Škoda rechnet mit stabilem Verkauf

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koda will in diesem Jahr seine Absatzzahlen in der Tschechischen Republik halten und plant den Verkauf von 73 000 Neuwagen – nur rund 2000 mehr als im vergangenen Jahr. Das tschechische Tochterunternehmen des Volkswagen-Konzerns hat im Inland einen Marktanteil von 34 Prozent bei Neuwagen. Beim Absatz von Gebrauchtwagen strebt das Unternehmen mit Sitz im mittelböhmischen Jungbunzlau an, die Rekordzahlen des vergangenen Jahres mit 56 000 zu wiederholen.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE

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Heimat in Bildern 2022

Die Kleine Iser „Heimat in Bildern 2022“ heißt der Kalender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (Bestellungen unter Telefon (0 89) 48 00 03 70 oder per eMail an info@sudeten.de). Mit großartigen Bildern werden bewegende Heimatgeschichten erzählt. Das Bild „Die Kleine Iser“ (Isergebirge) steht für die zweite Februarhälfte und wurde von Milan Drahoňovský fotografiert.

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ie Kleine Iser ist ein Bach von rund sieben Kilometern Länge. Hinter der Siedlung KleinIser, am Buchberg mit seinem auffälligen Vulkankegel, mündet sie in die Iser – den namensgebenden Fluß des Isergebirges. Auf seinem Weg durchfließt der Bach die Kleine Iserwiese. Diese Moorlandschaft ist ein Naturjuwel – und das im unmittelbaren Wortsinn: Hier befand sich einst eine der bedeutendsten Edelstein-Lagerstätten Böhmens. Gefunden wurden vor allem Volksmusik, Blasmusik, Heimatgeschichten – rund um die Uhr. Der digitale Radiosender BR Heimat würdigt das Brauchtum der vier bayerischen Stämme auf besondere Weise und ist im Livestream weltweit empfangbar. Das Programm wird unter anderem von Evi Strehl, einem Oberpfälzer Original mit besonderen Bindungen zu den Egerländern, mitgestaltet.

grüne und blaue Saphire, Rubine, Turmaline, Amethysten und Bergkristalle. Am häufigsten kam das nach der Iserwiese benannte tiefschwarze „Iserin“ vor. Am begehrtesten waren indes die grünen Iser-Saphire, die sich in den Ablagerungen der Kleinen Iser fanden. Ab dem 16. Jahrhundert wurden die Edelsteinvorkommen von der örtlichen Herrschaft planmäßig ausgebeutet. Schon früher waren jedoch italienische Gesteinskundige, die „Walen“, „Welschen“ oder „Venediger“, auf die Schätze aufmerksam geworden. Sie suchten in den böhmischen Mittelgebirgen nach Gold und Edelsteinen, aber auch nach Stoffen zur Färbung des kostbaren

Interview mit Evi Strehl, Redakteurin und Moderatoin von BR Heimat

„Den Egerländern habe ich sehr viel zu verdanken“

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rau Strehl, Sie sind Programmplanerin, Redakteurin sowie Moderatorin und machen auch selbst Musik. Wann haben Sie Ihre Liebe zur Volksmusik entdeckt? Evi Strehl: Ich bin in Edelsfeld, einem kleinen Dorf im Sulzbacher Land, aufgewachsen. Mein Vater hat leidenschaftlich gerne Volksmusik gehört. Und mein Großvater war Bäckermeister. Wir Enkelkinder durften an den Sommersonntagen immer in seinem alten Unimog mitfahren, wenn er seine Kirchweihsemmeln in die umliegenden Dörfer geliefert hat. Dort gab‘s neben der obligatorischen „Broutwurscht-Semml“ immer auch „a schöine Muse“, deren lebendige und tänzerische Ausdrucksform mich nachhaltig geprägt hat. Mit neun Jahren habe ich Zither-Unterricht bekommen. Später hat dann mein Vater mit einer Bekannten, die selbst zwei Töchter in meinem Alter hatte, eine Gesangsgruppe initiiert. Wir waren zehn Jahre lang die „Weißenberger Moila“. Und darüber kam ich auch in Kontakt mit den ersten Heimatvereinen und später mit den Egerländern. Zu diesem Zeitpunkt konnten Sie sich der Volksmusik aber immer nur nach Feierabend widmen. Strehl: Ja, ich war insgesamt 25 Jahre bei der Barmer als Versicherungsfachangestellte tätig. Das war eine sichere Anstellung, aber kein Beruf, der mich wirklich erfüllt hat. An meinem 45. Geburtstag habe ich dann beschlossen, daß ich in meinem Leben noch einmal etwas ganz anderes machen möchte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, war als Kind eher ängstlich und habe das selbstsichere Sprechen auf der Bühne und im Radio erst nach und nach erlernen müssen. Wie haben Sie es dann geschafft, zum Bayerischen Rundfunk zu wechseln? Strehl: Meinen Entschluß, etwas anderes machen zu wollen, habe ich damals überall im Freundeskreis erzählt. Und eines Tages klingelte das Telefon. Ein BR-Redakteur aus Nürnberg, der für Volksmusik in Franken zuständig war, bot mir eine freie Mitarbeit an. Ich habe dann bei

Zur Person: Evi Strehl Geboren 22. Mai 1958 in Edelsfeld im Landkreis AmbergSulzbach (Oberpfalz), verheiratet. Ab 1973: Lehre zur Groß- und Außenhandelskauffrau, später Versicherungsfachangestellte bei der Barmer. 1992 bis 2003: Ehrenamtliche Kreisheimatpflegerin des Landkreises Amberg-Sulzbach für die Bereiche Volksmusik, Bräuche, Mundart, Tanz und Trachten. 1991 bis 2003: Freie Mitarbeiterin der BR-Volksmusikredaktion in München und Nürnberg. Seit 2003: Festangestellte Volksmusik-Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk in München. 1995: Ehrenpreis der Hanns-Seidel-Stiftung für besondere Verdienste in der Volksmusik-Jugendarbeit. 2002: Medaille für zeitgemäße vorbildliche Heimatpflege des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. 2006: Bundesverdienstkreuz am Bande für das Engagement für zeitgemäße Heimat- und Brauchtumspflege.

der Barmer meine Arbeitszeit auf 60 Prozent gekürzt und den Job beim BR angenommen. Das war genau das, was ich immer machen wollte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Und dann kam das Angebot aus der BR-Zentrale in München, Redakteurin zu werden. Ich war erst vier Jahre die Leiterin der damaligen Abteilung Volksmusik und bin 2008 Leiterin der Programmentwicklung Volksmusik beim neuen Digitalsender Bayern plus geworden, der neben Schlagern auch Volksmusiksendungen anbot. Ich habe dann acht Jahre lang Volksmusik auf BR plus gemacht. 2015 wurde BR Heimat gegründet, wo ich seitdem tätig bin. Neben mei-

nen Sendungen kümmere ich mich um das gesamte Planungssystem von BR Heimat. Unsere Volksmusik-Redaktion ist in der gesamten ARD übrigens einzigartig. Wir senden auch Titel von Volksmusikgruppen außerhalb Bayerns, beispielsweise von unseren Nachbarn aus Österreich, Südtirol, der Schweiz, Württemberg oder der Tschechischen Republik. Hören Sie privat neben der Volksmusik auch andere Richtungen? Strehl: Ja, sehr gerne Klassik, vor allem beim Autofahren. Ich erinnere mich noch, daß wir als „Weißenberger Moila“ von einer unser ersten Auftrittsgagen

Evi Strehl im Studio von BR Heimat. in die Oper „Hänsel und Gretel“ gegangen sind. Wir waren vom Land, und das war unser erster Opernbesuch. Das war ein großartiges Erlebnis. Was sind Ihre Lieblingsstücke? Strehl: Die Feuerwerks-Konzerte höre ich sehr gerne. Bach und Orgelmusik ebenfalls, weil ich im Kirchenchor war. Und Mozart, weil dessen Musik, wie mein BR-Heimat-Kollege Stofferl Well immer sagt, gut für die Volksgesundheit ist. Außerdem höre ich gerne Weltmusik und ab und an auch Jazz. Sie haben auch musikalisch eine sehr enge Bindung zu den Egerländern, obwohl Sie selbst keine sudetendeutschen Wurzeln haben. Wie kam es dazu? Strehl: In Sulzbach-Rosenberg gab es eine sehr aktive Egerländer Gmoi, die damals Willi Dürrschmidt geleitet hat. Und auch der Bundesvorsteher Seff Heil kam aus Sulzbach. Die beiden sind auf uns „Weißenberger Moila“ aufmerksam geworden und haben uns einen Auftritt bei einem Egerländer Abend angeboten. Da die beiden Zeitzeugen waren, haben wir am Ende

Foto: Torsten Fricke der Besprechung gefragt, wie die Vertreibung damals eigentlich abgelaufen ist. Dann haben die beiden uns das ganz unaufgeregt und nüchtern erzählt. Wir waren tief berührt. Hängengeblieben ist mir, daß ich mir damals gedacht habe: „Um Gotteswillen, wenn ich jetzt aus meinem Heimatdorf vertrieben werden würde und nicht mehr zurückkommen dürfte, das wäre grauenhaft.“ Ich konnte diesen Verlust und den Schmerz absolut nachvollziehen. Wir sind dann noch öfter bei den Egerländern aufgetreten. Und insbesondere Seff Heil, der in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und als Bundesvorsteher des Bundes der

Der Sudetendeutsche Kalender 2022. Venezianischen Glases. Nach ihnen ist der „Welsche Kamm“ benannt, der die Kleine Iserwiese überragt. Mit ihrer schwer verständlichen Sprache, ihren unbekannten Instrumenten und dem ihnen unterstellten Reichtum wurden die Walen unter der einheimischen Bevölkerung bald zu legendären Figuren. Durch die „Venediger-Sagen“ gingen sie in den Sagenschatz des Isergebirges ein – eine frühe Form des europäischen Kulturaustauschs.

Eghalanda Gmoin engagiert war, hat uns sehr unterstützt und mit der Egerländer Volksmusik vertraut gemacht. Er hat mich auch ermutigt, nicht nur Musik zu machen, sondern unsere Auftritte zu moderieren. Dazu war ich eigentlich zu schüchtern, und als Mädchen macht man so etwas nicht, meinte ich damals. Er hat mir auch viele Tipps gegeben, wie man moderiert. Den Egerländern habe ich also sehr viel zu verdanken. Und es war auch sofort eine Bindung da, weil wir Oberpfälzer und die Egerländer die gleiche Mundart sprechen. Sie sind dann sogar ehrenamtliche Heimatpflegerin geworden. Strehl: Ja, und auch in dieser Funktion habe ich die Egerländer mitgenommen und immer gesagt: Die Sudetendeutschen, also bei uns hauptsächlich die Egerländer, sind der vierte Stamm Bayerns und leben jetzt hier. Wann waren Sie das erste Mal im Egerland? Strehl: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Der gebürtige Egerländer Karl Putz, der später Ehrenbürger von Sulzbach-Rosenberg wurde, hatte mich eingeladen, an einer Busfahrt nach Eger und den Bäderorten Karlsbad, Marienbad und Franzensbad teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit habe ich dann viele Vertriebene kennengelernt. Die Gespräche mit den Zeitzeugen haben mich tief berührt. Sie haben später für Ihre Heimatgemeinde Edelsfeld sogar einen Podcast über eine Egerländerin gemacht. Strehl: Ja, ich habe Margarete Jäkel als Zeitzeugin interviewt, die 1934 bei Falkenau in Böhmen geboren wurde und dann mit der Vertreibung in die Oberpfalz gekommen ist. In der Gemeinde Edelsfeld hat die Lehrerin nach ihrer Pensionierung den Goglhof in Eberhardsbühl gekauft und als Freilandmuseum gerettet. Ihre Geschichte kann man sich auf der Webseite der Gemeinde unter www.edelsfeld.de anhören. Erfüllt Sie Ihr Beruf auch heute noch? Strehl: Ja, ich brenne für die Volksmusik. Ich möchte nichts anderes machen. BR Heimat ist das Beste, was mir passieren konnte. Torsten Fricke

So können Sie BR Heimat empfangen Digitalradio (DAB+): In weiten Teilen Bayerns auf Kanal 11D. Satellit (DVB-S-Radio): Europaweit über Astra 19,2 Grad Ost. Digitalkabel und IPTV: Abhängig vom Netzbetreiber im Digitalkabel und bei IPTV-Anbietern (T-Entertain und Vodafone). Internet: Weltweit über Livestream. BR-Radio-App. Empfangsanleitung: https://www.br.de/radio/br-heimat/ service/empfang-frequenz-digitalradio-dab-100.html


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TERMINE . AKTUELL

Gedenkveranstaltung

Neuer Termin Dienstag, 3. Mai (verschoben vom 27. Januar), 18.00 Uhr: Gedenkveranstaltung für die vertriebenen Ungarndeutschen. Adalbert-Stifter-Saal, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Traditionsgemäß laden das Generalkonsulat von Ungarn und das Haus des Deutschen Ostens zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung anläßlich des ungarischen Gedenktages für die vertriebenen Ungarndeutschen ein. Den Festvortrag hält der Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz. Anmeldung per eMail an einladung-muenchen@mfa. gov.hu oder per Telefon unter (0 89) 9 62 28 02 00.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28.1.2022

„Dialog überwindet Grenzen“: Pfingsttreffen in Hof und in der Euroregio Egrensis vom 3. bis 6. Juni

72. Sudetendeutscher Tag: Begegnungen im Dreiländereck Kaum hat das Jahr begonnen, lockt schon der 72. Sudetendeutsche Tag, der wieder zum traditionellen Pfingsttermin stattfinden wird, und zwar von 3. bis 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis.

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as große Volksgruppentreffen steht unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“. Volksgruppensprecher Bernd Posselt erläuterte die vom Bundesvorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft einstimmig getroffene Wahl des Themas und des Ortes so: „Die teils willkürlichen, auf jeden Fall aber schmerzlichen Grenzschließungen haben vor allem uns Sudetendeutsche daran erinnert, wie schlimm die Trennung unserer

Volksgruppe von der Heimat durch die Vertreibung und den Eisernen Vorhang war. Der europäische Aufbruch nach 1989 und die von führenden Sudetendeutschen mit begründeten grenz-

überschreitenden Euroregionen schienen gefährdet, neu gewachsene Bindungen zu unserer Wurzelheimat drohten auch für unsere jüngeren Generationen verloren zu gehen. Deshalb sind wir

glücklich, einen Sudetendeutschen Tag im Dreiländereck zwischen Bayern, Sachsen und Böhmen durchführen zu können.“ Traditionelle und neue Veranstaltungsformen des Sudetendeutschen Tages sind von Freitag 3. bis Sonntag 5. Juni 2022 in der Freiheitshalle von Hof geplant. Dem sollen zwei „Sudetendeutsche Wochen“ mit interessanten Einzelveranstaltungen vieler Träger in der ganzen Euregio Egrensis vorgeschaltet werden. Erstmalig dauert die Begegnung bis Pfingstmontag. Der 6. Juni ist denen, die Lust dazu haben, für Ausflüge und eine Gebetswallfahrt für Frieden und Verständigung vorbehalten. Weitere Einzelheiten folgen.

Zukunftsfonds

Neue Förderung Anläßlich des 25. Jubiläums der Deutsch-Tschechischen Erklärung hat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds ein neues Sonderförderprogramm für nichtstaatliche Erinnerungsinstitutionen ausgeschrieben.

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esonders förderungswürdig seien Projekte mit Zeitzeugen, um historisches Wissen weiterzugeben, die Erschließung neuer und unbekannter Erinnerungsorte und die Schaffung von neuen hybriden und digitalen Erinnerungsräumen durch zeitgemäße Techniken und Methoden. Ebenfalls wichtig seien Initiativen, die sich an junge Menschen richten, die in der Regel keinen Kontakt zur Erlebnisgeneration haben. Informationen: https://www.fondbudoucnosti.cz/de/aktuell-1/forderung-von-nichtstaatlichenerinnerungsinstitutionen

VERANSTALTUNGSKALENDER Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann:

Kulturwallfahrt zum Bogenberg

Foto: Stadt Bogen

Online-Seminar: Aktuelle Minderheitenfragen in Europa Samstag, 29. Januar von 9.00 bis 18.00 Uhr: „Aktuelle Minderheitenfragen in Europa“ – Online-Seminar in Kooperation mit dem Internationalen Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus (INTEREG). Das Jahr 2021 erwies sich für die Gesamtsituation der alteingesessenen Volksgruppen und Minderheiten Europas als ein Wendejahr: Die Europäische Kommission lehnte den über Jahre durch die FUEN (Föderalistische Union europäischer Volksgruppen) erstellten Antrag auf eine rechtliche Verankerung fundamentalter Rechtspositionen auf EU-Ebene ab. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Ausstellung bis 8. April

„Fremd : Vertraut“ Noch bis Freitag, 8. April: „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“, Ausstellung im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Die beiden siebenbürgischen Städte entwickelten sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das AufeinanderAngewiesen-Sein unüberseh-

bar sind. Selbst für diejenigen, die den jeweiligen Kosmos, in dem sie groß geworden sind, zu kennen glauben, birgt dieser immer beides zugleich – Fremdes und Vertrautes. Kurator der Ausstellung ist Josef Balazs. Öffnungszeiten noch bis zum 8. April 2022: Montag bis Freitag (werktags) 10 bis 20 Uhr. Informationen unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.

Noch bis Sonntag, 30. Januar: Ausstellung „Marktredwitzer Krippenkultur“. Egerland Kulturhaus, Fikentscherstraße, Marktredwitz. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, von 14.00 bis 17.00 Uhr. Noch bis Montag, 31. Januar: „Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim“. Glasmuseum, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Noch bis Mittwoch, 2. Februar: „Alles andere ist zu ersetzen. Weihnachtskrippen in Böhmen und Mähren“. Sonderausstellung des Sudetendeutschen Museums im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 18.00 Uhr. Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 23. Februar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde. Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in der Burg Hohenberg 2008 mit Besuch der Stadt Aussig. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Sonntag, 6. März, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Märzgedenken. Bürgersaal Wehringen. Referent: Christian Knauer, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV) Bayern. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus,

Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke (frühbürgerliche Revolution um 1525). Haus des Deutschen Ostens, Am Lili-

Dienstag 3. Mai, Abfahrt 8.00 Uhr vor dem Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München. Eintägige Kulturwallfahrt „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“. Programm: Heilige Messe mit dem sudetendeutschen Heimatpriester Dekan Adolf Rossipal in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg (Foto); Führungen durch Kirche und Kreismuseum; Mittagessen im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“; anschließend Weiterfahrt zum Kloster Seligenthal in Landshut; Besichtigung der Afra-Kapelle und der Grablege von Ludmilla von Böhmen; Kaffeepause und Rückfahrt. Ankunft in München gegen 19.00 Uhr. Kosten für Busfahrt und Eintritte: 20 Euro. Für den Bus gilt derzeit die 2GPlus-Regelung. Reiseleitung: Bundeskulturreferent Prof. Dr. Ulf Broßmann. Anmeldung: anmeldung@sudeten.de oder schriftlich an Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kulturwallfahrt, Hochstraße 8, 81669 München.

unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr,

Hinweis Corona-Pandemie

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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. enberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen). Bitte Quartiere direkt buchen

SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater

Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni, 72. Sudetendeutscher Tag in Hof. Motto: „Dialog überwindet Grenzen“. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert auch in diesem Jahre eine Reise mit zwei Bussen (Nord- und Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Ausschreibung folgt. Sonntag, 6. bis Freitag, 11. November, Seminarwoche für Multiplikatoren. Heiligenhof in Bad Kissingen. Das genaue Programm folgt. Freitag, 11. und Samstag, 12. November, Sudetendeutscher Heimatrat. Heiligenhof. Das genaue Programm folgt.

Duo Connessione

Konzertabend auf YouTube Auf dem YouTube-Kanal Die Sudetendeutschen ist ab sofort das Konzert „Duo Connessione: Europäische Volksmusikinspirationen – Böhmische Volksmusik und Volkslieder“ frei abrufbar.

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er direkte Link: https:// www.youtube.com/ watch?v=OwjPtH4ehGc


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

5 � Mut tut gut

Kam, kam ein Wort

D Der Blick wird atemberaubend: Bei Niedermohrau zwischen Böhmen und Mähren überspannt die weltweit längste Hängebrücke das Tal Mlýnické údolí.

� Längste Hängebrücke

Der Wolkenpfad neben der neuen Hängebrücke wurde 2015 eröffnet.

Fotos: CzechTourism

� Böhmisch Krumau

Weltrekord für Schwindelfreie

Klettern hoch über der Stadt

Im Frühjahr wird die mit 730 Metern längste Hängebrücke der Welt bei Niedermohrau eröffnet.

Der neu eröffnete Klettersteig liegt am Moldauufer nur wenige Gehminuten vom Zentrum von Böhmisch Krumau in Südböhmen entfernt.

M

it bis zu 95 Metern über Grund dürfte die Verbindung zwischen den beiden Bergrücken aber nur etwas für Schwindelfreie sein.

Höhepunkt: der längste Hängesteg des Landes . Foto: CzechTourism

G

eboten werden der mit knapp 30 Metern längste Hängesteg des Landes und ein wunderschöner Ausblick auf Altstadt und Schloß.

� Neue Nachtzugverbindung von Brüssel über Bad Bentheim, Hannover, Berlin und Dresden nach Prag sorgt für besseren Bahnanbindung

Reisejahr 2022: Fünf neue Höhepunkte für Touristen

Als Reiseland bietet die Tschechische Republik eine Vielzahl an historischen Orten sowie Freizeit- und Kulturzielen. Auch im Jahr 2022 kommen weitere Höhepunkte hinzu. Die Sudetendeutsche Zeitung stellt fünf Beispiele vor.

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ine weitere gute Nachricht: Ab Sommer 2022 wird es wieder eine Nachtzugverbindung von Brüssel über Amsterdam und Berlin bis nach Prag geben. In Brüssel startet der Zug um 19.22 Uhr am Montag, Mittwoch und am Freitag, in Prag für die Strecke zurück stets sonntags, dienstags und donnerstags um 18.31 Uhr. Der erste Halt auf der Hinfahrt nach Prag in Deutschland ist Bad Bentheim um 1.00 Uhr. Es folgen Stopps in Hannover (2.56 Uhr), Berlin Hauptbahnhof (5.52 Uhr), Dresden Neustadt (7.43 Uhr) und Dresden Hauptbahnhof (7.49 Uhr). Nach weiteren Stopps, unter anderem in Aussig, erreicht der Nachtzug den Prager Hauptbahnhof um 10.24 Uhr. Von der tschechischen Hauptstadt startet der Zug stets um 18.31 Uhr und erreicht Berlin Hauptbahnhof um 23.05 Uhr. Endstation in Brüssel ist dann am Folgetag um 9.54 Uhr.

� Karlsbad

Brutalismus in Karlsbad Schön ist anders: Direkt im Zentrum von Karlsbad ist das Hotel Thermal ein eindrucksvoll-schauriges Architekturrelikt aus dem Brutalismus.

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as im Jahr 1977 fertiggestellte Hotel wird noch bis Juni 2022 saniert. Zum Hotel gehört das Kongreßzentrum, das jedes Jahr der Austragungs-

Die Wallfahrtskirche des Hl. Johannes von Nepomuk im mährischen Saar wurde vor dreihundert Jahren erbaut. Die Wallfahrtskirche des Hl. Johannes von Nepomuk in Saar gehört seit 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe und wurde ab 2018 grundlegend saniert.

D

ie Kirche des berühmten barocken Architektengenies Johann Blasius Santini-Aichel wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut und ist eines der bedeutendsten Werke des Baumeisters, dessen Geburtstag sich am 3. Fe-

bruar 2022 zum 345. Mal jährt. Im Zuge der Sanierung wurden die Fassade, das Dach, die Fenster, das Mobiliar und auch die für den Barock eher schlicht

Flößerei nimmt Kurs auf das Weltkulturerbe

D ort des Internationalen Karlsbader Filmfestivals ist. Nach der Sanierung wieder eröffnet wird auch das 7000 Quadrameter große Saunia Thermal Ressort mit Blick auf die Kolonnade.

Wallfahrtsort saniert

gehaltene Ausschmückung des Innenraums erneuert. Das Interieur darf nun in seiner ursprünglichen Farbenpracht erstrahlen und besteht wieder aus den Materialien, die Santini vor 300 Jahren verwendet hat. Die Kirche ist bereits geöffnet, parallel dazu werden die letzten Arbeiten fertiggestellt. Anläßlich des Jubiläums sind das ganze Jahr über Veranstaltungen, wie Wallfahrten, Jahrmärkte und Ausstellungen zu Santini, geplant.

� Bereits im 11. Jahrhundert wurde Holz aus dem Böhmerwald auf Kanälen und Flüssen transportiert

Im Jahr 2021 wurde die Flößerei, ein altertümliches und heute fast vergessenes Handwerk des Holzschwemmens, von mehreren Ländern für eine Eintragung in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes nominiert.

Brutalismus aus Beton vor den Kolonaden: Das Hotel Thermal. F.: Hotel Thermal

� Hl. Johannes von Nepomuk

Fotos: CzechTourism

ie erste schriftliche Erwähnung des Flößens auf der Moldau, Tschechiens längstem Fluß mit Quellgebiet im Böhmerwald, reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Die Flöße dienten zum Holztransport und als Verkehrsmittel gleichermaßen. Im Laufe der Zeit wurden die Flöße jedoch von der Eisenbahn verdrängt, und seit Mitte des 20. Jahrhunderts gilt der Beruf des Flößers auf der Moldau als ausgestorben. Die mit der Flößerei und der Herstellung von Wasserfahrzeugen verbunde-

ben erhalten. Ob es die Flößerei in die Unesco-Liste schafft, wird Ende 2022 entschieden. Aber schon jetzt kann man sich auf die Spuren dieser Tradition begeben. So ist in Prag ein Besuch des Zollhauses Podskalská celnice empfehlenswert. Hier mußten einst Mit kleinen Booten geht es durch den Böhmerwald. F.: CzechTourism die Flößer ihre Zölle zahlen. Aune Tradition wird jedoch dank einiger ßerdem läßt sich hier ausprobieren, wie Vereine in Prag sowie in den kleineren schwierig es ist, auf einem Floß StromStädten an der Moldau bis heute am Le- schnellen zu überwinden.

er 2. Februar ist in der katholischen und in der evangelischen Kirche wichtig. Er ist als Lichtmeßfest bekannt und gilt als endgültiger Abschluß der weihnachtlichen Festzeit. Eine lichte Messe, also ein Gottesdienst mit viel Kerzenlicht, soll an diesem Tag gefeiert werden. So ist das Lichtmeßfest ein nochmaliger Hinweis darauf, was im Evangelium des ersten Weihnachtsfeiertages über das menschgewordene Wort Gottes steht. „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.“ Anders formuliert: Wo das Licht Gottes leuchtet, hat die Finsternis ihren Kampf um die Vorherrschaft in der Welt verloren. Wir können dieses Licht allerdings nicht selber anknipsen. Es kam von selbst in die Welt, um zu leuchten. Mir fällt dazu ein Vers des jüdischen Dichters Paul Celan ein. „Kam ein Wort, kam, kam durch die Nacht, wollt leuchten, wollt leuchten.“ Das Licht ist so wie das Wort keine laute, dröhnende Macht. Der Vers drückt dies schön aus, indem er das Kommen und Leuchten des Wortes behutsam beschreibt. Nicht: „Hopplahopp, jetzt bin ich da!“. Vielmehr: „Kam ein Wort, kam, kam durch die Nacht.“ Indem der Dichter dreimal mit der Formulierung ansetzt, schildert er keine gewaltsame, sondern eine sanfte Eroberung. Und dann: „Wollt leuchten, wollt leuchten.“ Das klingt wie ein beharrliches Anklopfen. Das Wort bittet, eintreten und leuchten zu dürfen. Sanftmut und Beharrlichkeit bewirken im Leben oft mehr als alles was im Hopplahopp-Modus geschieht. Das Lichtmeßfest ist am 40. Tag nach dem Weihnachtsfest jener Tag, an welchem nach biblischer Überlieferung die Eltern Jesu ihren neugeborenen Sohn in den Tempel brachten, um ihn Gott in besonderer Weise zu weihen. Von diesem Vorgang kommt ein zweiter Name für diesen Festtag: „Darstellung des Herrn“. Dabei begegnen Maria und Josef laut Lukasevangelium den zwei alten Menschen Simeon und Hanna. Ihr ganzes Leben lang warteten die beiden auf diesen Moment. Die Sehnsucht, den verheißenen Erlöser zu sehen, das Eintreten und Leuchten des Wortes Gottes mit dem Herzen wahrzunehmen, muß in ihnen riesig gewesen sein. So sind sie denn auch gut vorbereitet und verpassen bei allem Trubel im Tempel diesen besonderen Moment nicht. Ich stelle mir vor, daß Tränen des Glücks flossen. Jedenfalls ist von Simeon ein Ausruf seliger Genugtuung überliefert: „Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Gleich ob wir eher am Ende oder mitten in unserem Leben stehen, diesen Satz wollen wir doch gerne mitsprechen können. Es wäre eine gute Übung, sich zu überlegen: Wo ist mir in der letzten Zeit Heilsames begegnet? Wo hat das Licht sich in sanfter Weise Zutritt verschafft? Simeon sagte einst: „Nun läßt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden.“ Wir könnten aber ebenso formulieren: „Nun läßt du, Herr, deinen Knecht oder deine Magd in Frieden leben.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

PERSONALIEN

LESERBRIEFE

� Zeitzeugin aus dem Erzgebirge

Marianne Glöckner 100 � Volkszählung in der Tschechischen Republik

Säkularisierung stopt M 13 Prozent der Tschechen bekannten sich bei der erstmals elektronischen Volkszählung zu einer Religionsgemeinschaft.

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xakt waren es 13,1 Prozent, die sich zu einer Kirche oder Religionsgemeinschaft bekannten, 9,1 Prozent deklarierten sich als gläubig ohne Glaubensgemeinschaft. 47,8 Prozent bezeichneten sich als ungläubig und 30,1 Prozent machten keine Angaben. Zur Katholischen Kirche bekannten sich 741 000 Gläubige. Die Frage nach der Gläubigkeit war freiwillig zu beantworten. Tomáš Havlíček, Religionsgeograph an der Prager Karls-

Universität, deutete die Ergebnisse positiv. Die wachsende Säkularisierung sei zum Stillstand gekommen. Erstmals seit der Samtenen Revolution sei die Zahl der Gläubigen von 20 Prozent (2,16 Millionen) 2011 auf 22 Prozent (2,33 Millionen) 2021 gestiegen. Der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, der Olmützer Erzbischof Jan Graubner, erklärte, für die Kirche sei das Ergebnis nicht nur ein Aufruf zu einer besseren Verkündigung des Evangeliums. Es sei auch ein Aufruf zum Aufbau tieferer Beziehungen, die eine menschliche Gemeinschaft bildeten und zum religiösen Glauben befähigten.

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4/2022

hatte mich und meine Frau Marlene durch unser Buch über die Vertreibung aus dem Sudetenland kennengelernt. Glöckner ist eine der zahlreichen Zeitzeugen dieser tragischen Ereignisse nach Kriegsende. Die Jubilarin erzählte ihrer Familie und uns Gömpels einige Erlebnisse aus ihrem Leben. In den Kriegsjahren hatte sie sich im Alter von 17 Jahren für den freiwilligen Ar-

In der Schwalm fand sie zunächst eine Arbeit in Treysa. Dort lernte sie ihren späteren zweiten Mann kennen. Das Paar zog berufsbedingt in die Region Kassel und kam drei Jungen, leider arianne Glöckner gehört starb der jüngste an einer damals zu den Menschen, die 1946 unheilbaren Krankheit. ihre Heimat verlassen mußten. Nach dem Tod ihres Mannes In einem Transport mit 40 Viehzog Marianne Glöckner wieder waggons, in dem jeweils 30 Menzurück nach Treysa. Hier pflegte schen einsperrt worden waren, sie den Kontakt zu ihren Landserreichte sie Ende Oktober leuten, besuchte regelmäßig 1946 den Zielbahnhof Treysa die Komotauer Heimattrefin Nordhessen. Auf der Nefen in Erlangen und die jährbenstrecke Richtung Homlichen Sudetendeutschen berg mußte sie mit ihren Tage in Nürnberg und Augs30 Landsleuten in Frielenburg. Mit den in die Region dorf den Waggon verlassen. vertriebenen SudetendeutMit einem Ochsengespann schen hatte sie regelmäßig ging es dann mit dem weniKontakt, den sie natürlich gen Gepäck, das sie hatten jetzt seit einigen Jahren immitnehmen dürfen, in das mer mehr vermißt. Sie lebt Dorf Lanertshausen auf den seit Jahren in ihrer kleinen für die Familie bestimmten Wohnung in Treysa, und Bauernhof der Familie Fun- Kaitz 1939: Marianne Bayer mit Freunden freut sich jetzt besonders beim Skifahren. ke. über einen Balkon, der im In einer corona-konforvergangenen Jahr zusätzlich men kleinen Feierstunde über- beitsdienst gemeldet, den sie in angebaut worden ist. brachte Pfarrer Michael Brüne – Cuxhaven an der Nordsee leisten Marianne Glöckner war seit vor 33 Jahren hatte er die Pfarr- durfte. Anschließend war sie in ihrer Jugendzeit in ihrer Heimat stelle in Treysa übernommen einer Munitionsfabrik in der Lü- sportlich sehr aktiv. Skilaufen ge–die Glückwünsche der katholi- neburger Heide zwangsverpflich- hörte zu ihren liebsten Hobbies. schen Gemeinde. Er verlas dabei tet. Sie heiratete in den Kriegs- Das zeigt auch das Foto aus dem ein Glückwunschschreiben vom jahren ihren Jugendfreund, der Jahr 1939 aus dem bereits anFuldaer Bischof Michael Ger- anschließend an die Front muß- geführten Buch. Damals kannte ber. Zu den Gratulanten gehör- te, aber nicht mehr zurückkehr- man diesen Sport in Hessen noch te auch ich. Marianne Glöckner te. nicht. Horst W. Gömpel

Marianne Glöckner/Bayer aus Kaitz im Kreis Komotau im Erzgebirge feierte am 24. Januar im hessischen Treysa 100. Geburtstag.

Der Veitsdom in Prag.

� Ein Sonntagskind aus Böhmisch Leipa formte die SL-Landesgruppe Thüringen

Otto Hörtler † Am 17. Januar starb der aus dem nordböhmischen Blottendorf bei Haida im ehemaligen Kreis Böhmisch Leipa stammende Otto Hörtler im thüringischen Meuselwitz im Altenburger Land mit 84 Jahren.

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er 23. Mai 1937 war ein strahlender Sonntag. An diesem Sonntag schenkte Maria Hörtler ihrem Mann Otto den Sohn Otto. Otto Hörtler senior war ein Ofensetzer und Fliesenleger. Das hielt die Tschechen nicht davon ab, die Hörtlers im Sommer 1946 in die SBZ zu vertreiben. Sie kamen zunächst in das Internierungs- und Straflager nach Böhmisch Leipa und danach in Viehwaggons nach Deutschland. Die Familie strandete im thüringischen Meuselwitz im Kreis Altenburg. Hier besuchte Otto die Volksschule, anschließend machte er eine Lehre in der Maschinenbauerfabrik John Schehr in Meuselwitz. Trotz erfolgreicher Lehrzeit übernahm ihn die Firma nicht als Facharbeiter, denn er war ein Fremder. Und seine Eltern waren nicht politisch korrekt organisiert. Ein Heimatfreund aus Reichenberg vermittelte ihm eine Stelle im elektro-mechanischen Bereich in der SDAG Wismut in Ronneburg bei Gera. Im Abendstudium machte er die Meisterprüfung für Bergmaschinen. Wegen der Auflösung der SDAG Wismut nach der Wende arbeitete er dann in drei Zeitungsverlagen. 1954 war Hörtler das erste Mal nach der Vertreibung in der Heimat. Er war so begeistert von seinem Geburtsort, daß er mit einer Bilderchronik mit Texten über Blottendorf begann, die auf 112 Seiten anwuchs. Die Chronik ist der Nachwelt gewidmet und beschreibt die gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung seines Dorfes bis 1945. Sie dokumentiert, was die Beneš-Dekrete der Sudetendeutschen Volksgruppe antaten.

Unter Geheimhaltung – in der „DDR“ war die Vertreibung tabu – sammelte er alle einschlägigen Dokumente, Postkarten sowie Bilder von Vereinen und besonderen Ereignissen. Und dann begegnete das Sonntagskind Otto Hörtler seiner großen Liebe. Sie heißt Monika Schubert, kam am 24. März 1951 zur Welt, und ihre Eltern stammten aus dem niederschlesischen Gleiwitz. Ab sofort war das Paar ein Paar, begegnete dem Leben immer gemeinsam. Seine Liebe erwärmte auch die Mitmenschen. Bald heirateten sie, 1973 kam Sohn Steffen, 1975 Sohn Karsten zur Welt. Im Februar 1991 gründeten Otto Hörtler – mit Monika an der Seite – und sudetendeutsche Landsleute im vollbesetzten Theatersaal in Altenburg die SL-Kreisgruppe Altenburg. Nach der Gebietsreform nannte sie sich SLKreisgruppe Altenburger Land. Im Mai 1995 organisierte Hörtler das erste Heimattreffen nach der Vertreibung in Blottendorf. Er war Mitbegründer der SL-Landesgruppe Thüringen und lange Jahre deren Landesobmann. Hörtler erhielt das Kleine und Große Ehrenzeichen der SL sowie die RudolfLodgmann-Plakette. Seine Bilderdokumentation über die Vertreibung der Sudetendeutschen nutzt die Kreisgruppe als Wanderausstellung. Um die sudetendeutsche Kultur und das sudetendeutsche Brauchtum nach 40 Jahren Sozialismus wieder mit Leben zu erfüllen, rief er 1991 die erste Kaiserkirmes mit der legendären Egerländer Nachtigall Mimi Herold ins Leben. Im Oktober 2000 feierte sogar Thüringens damaliger Landesvater Bernhard Vogel Kaiserkirmes mit den Landsleuten. Zur Kaiserkirmes 2012 kam Peter Barton, Leiter des Sudetendeutschen Büros in Prag, mit den KDU-ČSLPolitikern Pavel Svoboda und Jan

Čižinský. Svoboda wurde 2014 Europaabgeordneter, Čižinský ist heute Bürgermeister in Prag 7. 2017 feierte die Kreisgruppe 25 Jahre „Kultur- und Heimatbrief“, wo Hörtler für die Redaktion, Herstellung und Gestaltung verantwortlich war. Außerdem war er ein leidenschaftlicher Sammler von altem böhmischen Glas. Anläßlich des 30jährigen Bestehens der Landesgruppe hoffte Otto Hörtler in der Ausgabe 22/2021 dieser Zeitung: „Nach Corona werden wir unsere bisher erfolgreiche Verbandsarbeit zum Erhalt unserer Volksgruppe in Ost­thüringen in eine gute Zukunft führen.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch vor der Hoffnung starb das so segensreiche wie liebenswerte Sonntagskind Otto Hörtler. Möge ihn Gottes ewige Heimat so beherbergen, wie er Heimat für seine vertriebenen Landsleute stiftete. Volksgruppensprecher Bernd Posselt trauert mit Steffen Hörtler, dessen Mutter Monika und der ganzen Familie um einen aufrechten Landsmann: „Otto Hörtler bin ich schon kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begegnet. Er stürzte sich mit Begeisterung und mitreißendem Schwung in die landsmannschaftliche Arbeit. Charaktervoll, bescheiden, ungemein fleißig, von tiefer Treue zur Volksgruppe und echter Heimatliebe geprägt, war er das Musterbild eines Sudetendeutschen. Das letzte Mal habe ich ihn beim Pfingsttreffen in Regensburg getroffen, als er fröhlich und stolz an der Spitze einer ganzen Gruppe von Thüringer Landsleuten vom Parkplatz in die Halle strebte. Die Freude, nach den Mühen der langen Anreise wieder einen Sudetendeutschen Tag zu erleben, sprang wie ein Funke über. Er war nicht nur begeistert – er konnte andere mitreißen. Unsere Volksgruppe und ich persönlich werden Otto Hörtler stets ein ehrendes Angedenken bewahren und sind seiner Familie im Gebet verbunden.“ Nadira Hurnaus

Familie Adamec und rechts Hansi mit den Buch „Die Jahreszeiten“ zu Weihnachten 1931.

Hansi und sein Buch

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u den Bildern des Artikels „Pumpernikel singt, und Paul flötet“ von Susanne Habel (Ý SdZ 1+2/2022). Schon Jahre lang lese ich die Zeitung immer mit Freude in Geist und Seele. Die Zeitung ist wirklich ein Bindeglied zu allen Deutschen, wo sie auch wohnen! Die demographischen Entwicklungen sind nicht zu stoppen und das Endresultat ist, mit unser Generation geht eine Epoche zu Ende. Und wer soll dann noch darüber reden und schreiben? Ich, der Hansi Adamec aus Aussig-Lerchenfeld, früher Aussig-Türmitz, wurde im Jahre 1928 geboren, am 20. November wie Otto von Habsburg, der Paneuropäer, 16 Jahre zuvor. Damals bin ich dageblieben und war das Bindeglied der Vertriebenen und überall, wo es nur möglich war. Leider bin ich in meinem hohen Alter konfrontiert mit dem Hinscheiden vieler meiner Verwandten und Bekannten überall, wo es sie gab. Ich bin wirklich froh, daß es noch weiter gehen kann. Ja, so wie es einmal Kaiser Franz Jo­ seph sagte, „Wir müssen noch eine Weile weiterwurschteln.“ Besondere Freude hatte ich beim Erhalt der letzten Zeitung mit den Bildern von mir, die ich Klaus Mohr aus dem Sudetendeutschen Museum in München geschickt hatte. Ich will Euch jetzt diese Bilder beschreiben. Das erste Foto zeigt meine Eltern, meine Schwester und mich, den Hansi, mit dem Kinderlesebuch „Die Jahreszeiten. Bilder von Gertrud und Walther Caspari“ zu Weihnachten 1931. Das andere Foto zeigt mich mit dem selben Buch auf meinem Balkon, dort wo ich meine Lebensendzeit in Zufriedenheit verbringe, am 19. Oktober 2021. Ich helfe Euch bei der Zeitrechnung: wirklich dreiundneunzig Jahre, unwahrscheinlich, aber wahr. Also nehmt noch einmal die Seite 9 der SdZ-Ausgabe 1+2/2022 in Euer Blickfeld: Das war ich vor 90 Jahren und jetzt. Die letzten Jahre besuchte ich die Sudetendeutschen Tage in Nürnberg, Augsburg, Regensburg, der herrlichen Stadt an der Donau, und vergangenes Jahr auch in München. Das war aber schon ganz anderes. Ebenfalls bin ich jedes Jahr im Kloster Andechs bei Herrsching am Ammersee dabei. Für mich ist das alles eine Gnade Gottes. Ich wünsche Euch allen eine zufriedene Zeit in Eurem Verwandten- und Bekanntenkreis, bleibt alle schön aufrecht und gesund. In heimatlicher Verbundenheit grüßt Euch Euer Hansi aus dem Heim für Senioren in Lerchenfeld aus seinem Zimmer im 7. Stock bei Sonnenschein und mit einem herrlichem Blick auf den Milleschauer und den Biliner Borschen.

Hansi Adamec mit den Buch „Die Jahreszeiten“ im Oktober auf seinem Balkon in Aussig-Lerchenfeld.


Im Haus des Deutschen Ostens in München (HDO) ist eine neue Ausstellung eröffnet worden. Unter dem Titel „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“ werden Fotografien der beiden Städte in Siebenbürgen von Jürgen van Buer gezeigt. Bei der Eröffnung hielt Kurator Josef Balazs einen Einführungsvortrag. Die Rede des Fotokünstlers Jürgen van Buer, der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, wurde von Gertrud Balazs vorgelesen. Der Hausherr, HDO-Direktor Andreas Otto Weber, begrüßte und freute sich über das große Interesse.

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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

� Ausstellungseröffnung im Haus des Deutschen Ostens

Zwei europäische Städte

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weifellos sind beide Städte, Hermannstadt und Kronstadt, europäische Städte“, betont der Fotograf Jürgen van Buer. Er beschreibt in seiner Rede, die Gertud Balazs, die Ehefrau des Kurators, im HDO vorträgt, auch deren Besonderheiten. Jede dieser siebenbürgischen Städte habe sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos entwickelt, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das Aufeinander-Angewiesen-Sein unübersehbar seien. Hermannstadt bestehe aus zwei Teilstädten – der Oberstadt und der Unterstadt. Zwar seien beide Teile vielfach über Straßen und Treppen miteinander verbunden, dennoch schie-

Dr. Lilia Antipow, Presse- und Öffentlichkeitsreferentin und Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des HDO. Bilder: HDO

Josef Balazs, der Kurator, referierte bei der Vernissage über die Ausstellung „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“. Wir dokumentieren – etwas gekürzt – Balazs‘ poetischeinfühlsame Einführung.

� Vortrag des Kurators bei der Vernissage

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Staatsbibliothek. Ab diesem Datum, also 1493, wußte man, daß Siebenbürgen „außerhalb der Donau“ gelegen, und ein multikulturelles Land ist. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Und dieses Siebenbürgen, das jetzt in Rumänien liegt, entdeckte (auch) Jürgen van Buer. Er war von den Kirchenburgen fasziniert, er war von den Städten begeistert. Und fotografierte. So wie vor Jahren in Syrien, in Spanien, in Ungarn et cetera. Wir lernten uns kennen. Es entstand ein intensiver Dialog über das Land, die Leute, die Bauten ... also über Gott und die Welt. Ich hatte das Glück, mehrere Ausstellungen mit seinen Fotografien organisieren und kuratieren zu dürfen: in Nürnberg gleich zwei, in München im Generalkonsulat Rumäniens, in Regensburg, auf Schloß Horneck und in Hermannstadt unter der Schirmherrschaft des Bischofs der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Siebenbürgen. 2018 entstand unser erstes Buch „Der befestigte Glaube – Kirchenburgen in Siebenbürgen“. Ein Opus Magnum in schwarz-weiß. Und jetzt ein neues Buch, im Logos-Verlag zu Berlin er-

ir wissen alle: 1492 wurde von Kolumbus – im Glauben einen transatlantischen Seeweg nach Indien gefunden zu haben – Amerika entdeckt. Nur ein Jahr später – also 1493 – wurde Siebenbürgen entdeckt. Diese Aussage könnte man als eine alternative Wahrheit interpretieren, deshalb hier gleich eine glaubhaftere Variante. In der grandiosen Schedelschen Weltchronik aus dem Jahr 1493, in Nürnberg erschienen, ist folgendes zu lesen: „Die Gegend, die Siebenbürgen genannt, ist außerhalb der Donau gelegen. […] Zu unseren Zeiten wohnen in dieser Gegend dreierlei Völker: Deutsche, Ungarn und Rumänen. Die Deutschen haben ihren Ursprung im Sachsen(land) und sind gar starke Männer und des Krieges geübt. Von den sieben Städten darin sie wohnen, werden sie Siebenbürger genannt.“ So gesehen, ist die Entdeckung Siebenbürgens tatsächlich auf das Jahr 1493 festzusetzen, denn die Schedelsche Weltchronik ist in einer lateinischen und einer deutschen Fassung erschienen, somit in ganz Europa zu lesen. Nur nebenbei: Das Handexemplar von Hartmann Schedel befindet sich in der Bayerischen

Jürgen van Buer: „Kronstadt“, 2015.

Josef Balazs mit Ehefrau Gertrud, die die Rede des Photografen Professor Jürgen van Buer vorträgt.

Die Entdeckung Siebenbürgens schienen. Zur ten und länger. Wahl des TiBetrachtuntels „Fremd : gen einer Bovertraut“. Zwei denständiWorte getrennt gen“. Zu Krondurch einen stadt steuere Doppelpunkt. ich noch eiProvokant genen Kurztext trennt, um hinbei mit dem Tizuweisen. Die tel „SagenhafFotos: zuerst tes“... Hermannstadt, 2021 war dann Kronauch ein stadt. Ohne TiBrukenthaltel. Die LichtJahr. Die Welt bilder sollen feierte 300 Jahohne Worte re seit der Gezum Betrachter burt des Mansprechen. Auch nes, der Berater zur Betrachder österreichiterin. Es ist schen MonKunst. Für einiarchin Maria ge vertraut, für Kurator Josef Balazs. Bild: HDO Theresia und andere fremd. später GouverDas müssen wir akzeptieren. neur von Siebenbürgen war. Der Band beinhaltet einiIn meinem Text: „Brukenthal, ge wenige Texte, so eine Einlei- ein Siebenbürger auf europätung geschrieben von Jürgen van ischem Parkett. Hermannstadts Buer: „Hermannstadt und Kron- bedeutendster Bürger im 18. stadt, ein je eigener Kosmos“. Jahrhundert“, versuche ich – Als Herausgeber bat ich die in anhand zeitgenössischer ZeugKronstadt lebende Schriftstelle- nisse – Brukenthals Persönlichrin Carmen Elisabeth Puchianu keit zum Leuchten zu bringen. um eine „Liebeserklärung“ an Und jetzt zur neuen AusstelKronstadt. Entstanden ist „Kron- lung. Wir wählten 24 Fotograstadt als Lebensform auf Lebzei- fien aus, die als großformatige Acryl(glas)-Premiumdrucke hängen. Als Ergänzung zu den Lichtbildern sind einige Texte an den Wänden. Drei Medienstationen befinden sich verteilt in den Sälen der Ausstellung. Der Künstler, der Kurator sowie die Schriftstellerin Carmen Elisabeth Puchianu lesen aus ihren Texten. So wird die Ausstellung zu einem Gesamtkunstwerk, bestehend aus Fotografien, aus Texten, die mehrere Jahrhunderte umspannen, und Audio-VideoAufnahmen. Der Besucher kann somit eine Reise durch ein unbekannt-bekanntes Land unternehmen, sich dem Dargestellten in vielfältiger Weise annähern, um am Ende keine eindeutige Entscheidung treffen zu müssen, aber sagen zu können: „Fremd : vertraut. Hermannstadt, Kronstadt, zwei Städte in Siebenbürgen“. Jürgen van Buer, der Fotograf, liefert so seit langem die

erste künstlerische, tatsächlich künstlerische und nicht knipsende Auseinandersetzung mit dem Thema siebenbürgische Kirchenburg und siebenbürgische Stadt. Aus dem wohldurchdachten Zufalls-Augenblick eingefangen, findet das Lichtbild bei Jürgen van Buer zur Inständigkeit des Dauernden. Das ritualisierte Betrachten ist ein Sehen ohne Nach-Frage. Dem widersetzt sich Jürgen van Buer. Jeder von uns wurde von gewissen Bildern, die wir immer wieder betrachtet haben, beeinflußt. Immer wieder, denn es gab keine andere Betrachtungsweise. Man stellt das Einzige, das man kennt, das man gut findet, nicht in Frage. Dem widersetzt sich Jürgen van Buer. Er hat einen anderen Blickwinkel. Den Blick-

nen diese ihm wie getrennte Welten. „Bei allen Unterschieden sind beide – Ober- und Unterstadt – baulich verknüpft durch ihre langen Höfe“, hob van Buer hervor. Kronstadt dagegen sei mit seinem Sonnenglanz und dem so italienischem Flair auch Stützpunkt für seine Fahrten zu vielen der siebenbürgischen Kirchenburgen gewesen. „Wenn ich mir den Titel ,Fremd : Vertraut‘ vor Augen führe, bergen für mich beide Städte – Hermannstadt genauso wie Kronstadt – beides in sich“, so van Buer. „Gefühle des VertrautSeins löst die Gesamtanlage beider Städte aus.“ Und beide würden eine Vielzahl von Fremdheiten bergen. die den dortigen Bewohnern vielleicht gar nicht mehr ins Bewußtsein eindrängen – scheinten sie doch schon immer dagewesen zu sein. „Nehmen Sie meine Fotografien als Erzählungen eines Gastes, dessen Blick auf eine – vielleicht ungewohnte – Weise das Verhältnis von fremd zu vertraut erkundet“, schloß der Fotokünstler. Susanne Habel Bis Freitag, 8. April: „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt. Zwei Städte in Siebenbürgen“ in München-Au, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5. Montag bis Freitag 10.00– 20.00 Uhr. Informationen im Internet www.hdo.bayern.de winkel des Fremden. Den ausschließlichen Blick des Künstlers. Denn für ihn ist das Gesehene in dem Augenblick, in dem das Objektiv der Digital-Kamera darauf gerichtet wird, Kunst. Ausschließlich Kunst. Und nur Kunst! Die Stereotype greift bei ihm nicht. Aber bei uns; denn unser geschulter Blick in Ritual und Stereotype widersetzt sich seiner unbefangenen Betrachtungsweise. Es entstehen Konflikte. Betrachtungskonflikte. Wer ist nun bereit, Kompromisse zu schließen? Der Künstler kann das nicht mehr. Sein Produkt liegt gedruckt schwarz auf weiß vor uns. Oder hängt an der Wand. Ergo: wer fotografiert, provoziert! Wir sind gefragt. Unsere Wandelbarkeit ist gefragt. Können wir das? Fremd : vertraut? Ich lasse die Frage offen und zitiere Hölderlin: „Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben, Siehst du das eine recht, siehst du das andere auch.“

Jürgen van Buer: „Hermannstadt“, 2017.


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KULTUR

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Soeben eröffnete das Tschechische Zentrum München (TZM) die neue Ausstellung „Mutter Natur“. Sie zeigt Werke junger Comic-Künstler aus Deutschland, Böhmen und Mähren.

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eim vierten deutsch-tschechisches Comic-Symposium trafen sich im vergangenen August Comic-Künstler aus der Tschechischen Republik und Deutschland in Klenau/Klenová bei Klattau, um sich mit dem facettenreichen Konzept einer personifizierten Natur auseinanderzusetzen. Die neue Ausstellung im Tschechischen Zentrum München zeigt die kreativen Ergebnisse ihres einwöchigen Aufenthalts. Fruchtbarkeit, Schöpfung, Ernährung, Ursprünglichkeit, Schutz – mit dem Begriff „Mutter Natur“ werden viele positive Eigenschaften konnotiert. In Zeiten des Klimawandels tritt er immer wieder in den Vordergrund und hat auch an Dringlichkeit gewonnen. Die neun Künstler, die an dem Symposium teilnahmen, waren Alice Břečková, Karolina Chyzewska, Janne Marie Dauer, Martina Fischmeister, Lukáš Komárek, Tomáš Mota, Jens Natter, Moritz Stetter und Anastasia Stročkov. Sie gehören zu den interessanten neuen Stimmen der

Bilder aus einem Comic von Martina Fischmeister.

Bilder: TZM

Vortragsreihe „Böhmen und seine Nachbarn“ – Teil 4: Österreich

Mutter Natur im Comic deutschen und tschechischen Comicszenen. Das Symbol „Mutter Natur” wurde als übergrei-

fendes Thema für das gesamte ziemlich einzigartige Projekt gewählt.

Jeder Teilnehmer gestaltete eine zwei mal drei Meter große Leinwand und fertigte einen

Bilder aus einem Comic von Tomáš Mota.

Bis Freitag, 25. Februar: „Mutter Natur“ in München, Tschechisches Zentrum München, Prinzregentenstraße 7. Montag bis Mittwoch 13.00–17.00, Donnerstag 13.00–19,00, Freitag12.00–15.00 Uhr. Informationen www. czechcentres.cz/munich

Das Ausstellungsplakat.

Das Museum in Pilsen bietet in seinen Räumen über die Archäologie der Pilsener Region und die Regionalgeschichte derzeit als Sonderausstellung Einblikke in die Vergangenheit der Region.

Sonderausstellung im Westböhmischen Museum Pilsen

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zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Durch die Präsentation der materiellen Belegstücke der Vergangenheit, vor allem der Gegenstände des täglichen Gebrauchs, ist die Dauerausstellung attraktiv für alle Besucher. Die Ausstellung ist jedoch auch speziell geeignet zur Ergänzung des Geschichtsunterrichts, und nicht zuletzt stellt sie einen Beitrag auch für die Studenten, Dozenten und

n „Archäologie und Geschichte“ geht es um zwei Ausstellungskomplexe, die dem Besucher einen ganz neuen, komplexen Einblick in die Geschichte dieses Gebietes mittels moderner Präsentations-Technologien anbieten. Der erste von ihnen widmet sich der Urgeschichte Südwestböhmens, der zweite listet die historischen Ereignisse im Gebiet der heutigen Region Pilsen vom zehnten bis

fünfseitigen Comic an. Und jeder wählte einen ganz eigenen Zugang zum Thema. Ihre umwelt-

bewußten Bildgeschichten könnten vom ästhetischen Stil und von der Ausdrucksweise her nicht unterschiedlicher sein. Mal inspirierend, mal wehmütig, farbenfroh oder schlicht und schwarzweiß. Manche stellen Fragen, manche beantworten sie. Doch alle haben das Originelle und einen feinen Blick auf unsere Welt. Die Ausstellung war bereits in Klenau und Schönsee im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf zu sehen, nun wird sie auch dem Münchener Publikum präsentiert. Donnerstag, 10. Februar führt Štěpánka Jislová, eine der Kuratoren, persönlich durch die Ausstellung. Sie ist Illustratorin, Comic-Künstlerin sowie Mitbegründerin von „Laydeez do comics“ in der Tschechischen Republik. Ihre Graphic Novel „Bez vlasů“ („Ohne Haare“) wurde mit dem Muriel-Preis für den besten Comic ausgezeichnet. Eine vorherige Anmeldung für diese kommentierte Führung ist per eMail an ccmunich@czech.cz erforderlich.

Von der Urzeit bis zur Alltagsgeschichte Wissenschaftler der Westböhmischen Universität dar. Mit einem Depositorium von mehr als zwei Millionen Exponaten ist das Westböhmische Museum eines der größten Museen in der Tschechischen Republik. Derzeit werden im Hauptgebäude vier Dauerausstellungen gezeigt: das Zeughaus, eine Sammlung von Meißner Porzellan, Archäologie der Pilsener Region und Regionalgeschichte.

Einblicke in die Geschichte der Region: Sonderausstellung im Westböhmischen Museum in Pilsen.

Die Geschichte des Hauses ist lang. 1888 beschloß der Pilsener Rat, ein neues Gebäude für das Museum zu bauen. Der Entwurf des Museums stammt von dem Architekten Josef Škorpil. 1895 wurden die Projektarbeiten abgeschlossen und der Bau des Neorenaissance-Gebäudes begann. 1898 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Nach den Entwürfen des Bildhauers Celdy Kloučka wurden die plastischen

Arbeiten an der Fassade und der Stuck in der Hallen angefertigt. In den neunziger Jahren erfolgte eine komplette Rekonstruktion des Gebäudes einschließlich eines vollständigen Austauschs des Fachwerks. Im November 1998 wurde das Museumsgebäude wiedereröffnet. Ein wichtiger Teil des Museumsalltags ist der Forschungsarbeit gewidmet. Das Museum hat zehn Fachabteilungen:

Volkskunde, Neuere Geschichte, Urgeschichte, Mittelalter, Paläontologie, Botanik, Zoologie, Restaurierung, Abteilung für Archäologische Rettungsgrabungen und das Museum für Kunsthandwerk. Bis Dienstag, 19. April: „Archäologie und Geschichte“ in Pilsen/Plzen, Westböhmisches Museum Pilsen/ Západočeské muzeum v Plzni, Kopeckého sady 2.


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Das oberbayerische Waldkrai­ burg ist eine der fünf bayeri­ schen Vertriebenenstädte und entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Waldkraiburgs Stadt­ archivar Konrad Kern widmet sich einem der ältesten Doku­ mente über die Stadtgründung.

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eiter heißt es in Emil Lodes „Denkschrift über das Projekt Kraiburg im Zusammenhang mit dem gesamten Flüchtlingsproblem“: „Das Gefühl des sich hilflos Selbstüberlassenseins greift ständig um sich. Daß damit die besten Voraussetzungen zu einer politischen Radikalisierung gegeben sind, ist offenkundig. Wer der Verzweiflung nahe ist, greift nach jedem Strohhalm, ohne zu fragen, wer ihn reicht, und ohne zu überlegen, welchen konkreten Inhalt schön klingende Versprechungen haben. Daß eine Radikalisierung nur nach dem extremen linken Flügel gehen kann, versteht sich für jeden mit den gegenwärtigen politischen Verhältnissen vertrauten Beobachter von selbst. Diese Gefahr ist keineswegs zu unterschätzen. Welche starken Kräfte am Werke sind, um diese Entwicklung zu beschleunigen, beweist eindeutig der Rundfunkvortrag des kommunistischen Mitglieds des Hauptausschusses für Flüchtlingsfragen, Hadek, den er am 31. Oktober 1946 um 20.20 Uhr in der Sondersendung des Münchener Rundfunks ,Die Parteien sprechen‘ gehalten hat. In ausgezeichnet geschickter Weise appellierte er an das Selbstbewußtsein, die nationalen Gefühle der Vertriebenen, auf die inhumane Art der Aussiedlung und so weiter. Er schloß seine Darlegungen, die er bis dahin völlig objektiv und überparteilich gehalten hatte, sinngemäß mit folgendem Satz: ,Es gibt im Land große Parteien, die außerhalb des Landes völlig bedeutungslos sind. Es gibt im Lande aber auch kleine Parteien, die außerhalb des Landes eine Weltmacht sind.‘ Der Hinweis auf die Weltmacht Rußland, die hinter der kommunistischen Partei steht und die die von ihr für die Flüchtlinge erhobenen Forderungen unterstützen wird, ist eindeutig. Daß derartige Argumente nicht ohne Einfluß bleiben, liegt auf der Hand, um so mehr als die beiden großen Parteien CSU und SPD bisher nichts Großzügiges zu einer grundsätzlichen Lösung des Flüchtlingsproblems getan haben. Diese Gefahr des Abschwenkens zum Kommunismus, wozu an und für sich die großen Massen der Flüchtlinge nicht neigen, könnte am wirksamsten verhindert werden, wenn man auf die Inangriffnahme großzügiger Projekte hinweisen könnte, die das Flüchtlingsproblem von seiner Wurzel her angehen. Denn es handelt sich doch nicht darum, dem einzelnen Flüchtling von Fall zu Fall eine Unterstützung zu gewähren, sondern darum, der großen Masse arbeits-

Eberhard Heiser stammt aus Saaz, ist Obmann der SL-Be­ zirksgruppe Mittelfranken und Stellvertretender Obmann der SL-Landesgruppe Bayern. Im Zuge der Vertreibung strande­ te er in Forchheim. Nun berich­ tet er von einer Überraschungs­ kiste, die ihm, dem „Flüchtling“, ein einheimischer Forch­ heimer schenkte.

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in mir bekannter Forchheimer kam vor längerer Zeit mit einer kleinen Kiste zu mir, stellte sie vor meine Füße und sagte: „Flichtling, do bring i wos fia di, des könnt di vielleicht intressian.“ Er hob den Kistendeckel hoch, und zum Vorschein kamen etwa 40 Holzköpfe von Marionetten ehemaliger, verschiedener,

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ZEITGESCHICHTE . AUS DER HEIMAT � Dokumentation über die Gründung der Vertriebenenstadt Waldkraiburg in Oberbayern – Teil II und Schluß

Der Kampf um Wohn- und Arbeitsraum

kommensausfall müßte durch eine geplante Wirtschaftsführung Ersatz gesucht werden. Wenn es sich auch zunächst um die Ansiedlung heimatlos gewordener Menschen handelt, so ist es selbstverständlich, daß diese auch zugleich eine wirtschaftliche Belegung des Ganzen in Frage kommenden Gebietes – zum Beispiel alle handwerklichen Berufe – bewirken würden.

Zusammenfassung

Im Rahmen des Besuchs einer amerikanisch-deutschen Studienkommission am 23. Oktober 1950 in WaIdkraiburg besichtigen Knopffabrikant Emil Lode, Dr. Reiter vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, Allen Eaton, amerikanisches Kommissionsmitglied für Handwerk, Gewerbe und freie Berufe, eine Dolmetscherin und Erster Bürgermeister Hubert Rösler die Knopffabrik an der Graslitzer Straße, links Bunker 72, im Hintergrund Bunker 434. Die Kommission prüft die Wirkungen der Kredite des Marshall-Plans in Deutschland. Das Ergebnis der Erkundigungen mündet in einen Bericht, der am 21. März 1951 als 328seitiges Buch erscheint. Autor von „Die Eingliederung der Flüchtlinge in die deutsche Gemeinschaft“ ist Kommissionsvorsitzender Christian Sonne. williger Menschen Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, sie durch Arbeit in ihrer neuen Heimat zu verwurzeln und ihnen das Gefühl einer, wenn auch bescheidenen, tenzsicherheit zu geben. Exis­ Durch solche positiven Maßnahmen werden sie innerlich in viel entscheidenderer Weise für eine wirkliche Demokratie gewonnen werden als durch noch so schöne Reden und leere Versprechungen, denen keine Taten folgen.

Die wirtschaftspolitische Bedeutung des Projekts Daß es unter den ausgewiesenen Sudetendeutschen eine große Anzahl von Industriezweigen gibt, die mit ihrer hohen Veredelungsarbeit gerade unter den heutigen Verhältnissen für die bayerische Wirtschaft von größter Bedeutung sein könnten, ist zu bekannt, als daß es nochmals ausgeführt zu werden brauchte. Freilich müßte die Ansiedlung planmäßig im Rahmen einer umfassenden Gesamtwirtschaftsplanung geschehen. Fehler wie es mit der Zerstreuung der Gablonzer Industrie über Franken geschehen ist, müssen vermieden werden. Jeder Kenner der Dinge weiß, daß die künstlerisch hochentwickelte Bijouterie-Industrie, Glasschleiferei und -Malerei und so weiter nur blühen können, wenn sie auf verhältnismäßig engem Raum beisammen siedeln, da die Menschen in andauern-

dem Kontakt miteinander stehen müssen, um sich gegenseitig anzuregen und weiterzubilden. Gerade diese Veredelungsindustrie ist für die Ausbilanzierung des Import-Export-Verhältnisses von ausschlaggebender Bedeutung. Wenn wir unsere Lebensmittel­ importe mit den letzten Resten unserer wirtschaftlichen Substanz bezahlen – Wenn wir zum Beispiel riesige Mengen von Lederwaren nach Portugal liefern, während nach den von der Mühldorfer Schusterinnung herausgegebenen Zuteilungsquoten an Rohstoffen für die Schuh-Ausbesserung bestenfalls pro Kopf alle anderthalb Jahre ein Paar Schuhe besohlt werden kann; mit unserem Holz, das bald Seltenheitswert bekommen wird, Holzhäuser für den Export herstellen und so weiter; welche einschneidende Witterungsänderungen sich aufgrund des wahnsinnigen Holzraubbaus ergeben werden, werden schon die nächsten Jahre beweisen. Wenn einmal weite Gebiete der europäischen Kulturfläche der Versteppung anheimgefallen sein werden, wird man sich verzweifelt an den Kopf greifen. Vergeblich aber sucht man im wirtschaftspolitischen Schrifttum Ausführungen, die einmal auf diese verheerenden Folgen unserer Wirtschaftspolitik hinweisen!! – dann gleichen wir dem Hasardeur oder dem Verzweifelnden,

der sein letztes Hemd weggibt, um im Augenblick ein Stückchen Brot zu bekommen, und dabei vergißt, daß er ohne Hemd im Winter erfrieren muß. Importe können wir nur finanzieren: l wenn wir Rohstoffe, die noch zur Genüge vorhanden sind, um die Ausgangsprodukte herzustellen wie Rohstoffe für die Glasindustrie veredeln und exportieren, l oder wenn die Rohstoffe von Rußland geliefert werden wie Häute, dann bei uns veredelt und wieder ausgeführt werden. Alle anderen Exporte, die noch die letzten Reste unserer wirtschaftlichen Substanz aufzehren, sind unverantwortlich und müssen in allerkürzester Frist unser ganzes Land in ein unvorstellbares wirtschaftliches Chaos stürzen, wodurch ebenfalls die schon oben aufgezeigten politischen Tendenzen gefördert werden: den Boden für den Kommunismus zu bereiten. Wie sehr man anderwärts die sudetendeutsche Facharbeit zu schätzen weiß, mögen zwei Beispiele beleuchten. Zum einen befinden sich im thüringischen Werningerode größere Kontingente Gablonzer Facharbeiter. Diesen wurde in der letzten Zeit nahe gelegt, sich zur Arbeit in Rußland zu melden. Angeblich sollen diese Arbeiter sogar bereits kaserniert sein, um sie nach Rußland abzutransportieren.

Zum anderen muß auffallen, daß bei den letzten Transporten ausgerechnet jene, bei denen sich fast ausschließlich Facharbeiter der Gablonzer und Haidaer Industrie befanden, nicht, wie es eigentlich hätte sein sollen, in die amerikanische, sondern in die russische Zone geleitet wurden. Dabei handelt es sich vor allem um Haidaer Glasmaler und Gablonzer Graveure, also Facharbeiter, deren künstlerische Fähigkeiten in generationenlanger Schulung herausgebildet wurden. Beide Gruppen dieser Facharbeiter fehlen in der amerikanischen Zone vollständig. Diese beiden Beispiele sollen lediglich zeigen, wie planmäßig man anderen Orts die wertvollen Kräfte heraussucht und sie der eigenen Wirtschaft dienstbar macht. Hier jedoch bei uns spürt man vor einer derartig großzügigen und zielbewußten Planung sehr wenig. Ungeheure Werte gehen damit der bayerischen Wirtschaft verloren. Und wenn nicht bald gehandelt wird, so wandern, die noch bei uns vorhandenen Kräfte in jene Gebiete ab, wo ihnen bessere Möglichkeiten geboten werden. Im Hinblick auf die rein lokalen Verhältnisse von Kraiburg sei nur bemerkt, daß das Kraiburger Werk zur Zeit seiner Tätigkeit eine merkliche Besserung der ganzen, wirtschaftlich sehr armen Gegend herbeigeführt hatte. Auch für diesen Ein-

� Böhmische Holzköpfe

Die Überraschungskiste tschechischer Kleinbühnen. In unserem neuen Museum in München ist auch so eine Ma-

rionettenbühne zu sehen. Ich konnte meine spontane Begeisterung nicht verhehlen und

bedankte mich überschwenglich. Kopf für Kopf holte ich die verstaubten und zum Teil ramponierten „Häupter“ heraus, reinigte sie und bemühte mich, die schadhaften Relikte aus vergangener böhmischer Zeit sorgfältig zu restaurieren. Lag doch dem Inhalt der Kiste auch eine Handskizze für den Bau eines Miniaturtheaters bei, die tschechisch beschriftet war und die Jahreszahl 1915 aufwies. Die Figuren entstammten verschiedenen Thea-

tern, denn sie waren zum Teil plump und unfachmännisch, aber meist anspruchsvoll künst-

Libuše

Unter allen diesen oben dargelegten Aspekten scheint es notwendig, daß endlich eine weithin sichtbare Aktion durchgeführt wird, die erkennen läßt, daß die Regierung entschlossen ist, mit einem umfassenden Plane an die Lösung dieses brennenden und nun schon seit langem völlig stagnierenden Fragenkomplexes heranzugehen. Im Werk Kraiburg sind die Voraussetzungen geradezu ideal. Es bedarf nichts als eines entschlossenen Handelns, um vielen Tausenden von Menschen neue Hoffnung zu geben und sie von einer verhängnisvollen politischen Entwicklung abzuhalten. Denn Kraiburg ist nicht das einzige derartige Projekt. Es ist das im Augenblick am spruchreifsten und könnte ein Musterbeispiel für die Lösung einer ganzen Reihe von ähnlichen gelagerten Fällen geben.“ Ob und wie die Denkschrift von Emil Lode die weitere Entwicklung der Industriesiedlung Kraiburg II konkret beeinflußte, läßt sich nicht mehr genau ermitteln. Auf jeden Fall überzeugten der große Mut, die unbeirrbare Beharrlichkeit und der zielstrebige Fleiß von Emil Lode, zu dem sich innerhalb weniger Monate noch eine bunte Schar vieler anderer Existenzgründer gesellten, im Laufe der folgenden Jahre alle Pessimisten, Bedenkenträger und Skeptiker, die am Erfolg der Neugründung Waldkraiburgs zweifelten. Am 1. Juli 1946 verbot die Militärregierung in München die weitere Tätigkeit der Sudetendeutschen Hilfsstelle, da man eine zu starke Konzentration von Heimatvertriebenen an einzelnen Orten befürchtete oder vermeiden wollte. Lode begann 1947 mit einfachsten Mitteln zunächst Holzspielsachen und später Knöpfe herzustellen. Trotz vieler Schwierigkeiten konnte sich seine Firma ELO in den folgenden Jahren erfolgreich mit der Knopf-Produktion auf dem Markt behaupten. Seine Söhne Walter und Helmut traten 1949 und 1951 in das Unternehmen ein. Die Knopffabrik existierte bis zum Jahr 2000. 1959 war es Lode möglich in Waldkraiburg auch seine Spedition wieder zu gründen. Er starb am 19. April 1986 im Alter von 80 Jahren. 2001 wurde im Industriegebiet der Stadt in Würdigung seiner großen Verdienste für Waldkraiburg eine Straße nach ihm benannt: die „Emil-Lode-Straße“. lerisch angefertigt. Die Charaktere der Hüte der Frauenköpfe deuteten auf längst vergangene Herstellungszeiten hin. Ein edler, bildhübscher Frauenkopf, dem allerdings der zerstörte Hinterkopf ersetzt werden mußte, wurde mir zur „Geliebten“. In Erinnerung an die tschechische Sage, in der die Urmutter der Přemysliden, Libuše, ihren Auserwählten namens Čech (Böhm) einfach vom Acker holte, taufte ich meine Favoritin Libuše. Auf einer Tribüne aufgereiht, freue ich mich immer wieder über die Überbleibsel böhmischer Vergangenheit. Da die Köpfe zur Standfestigkeit auf Klötzchen befestigt wurden, finden sie oft als zierende Tisch-„Karten“ bei der Bewirtung von Gästen Verwendung.


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AUS DER HEIMAT

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Das Vorbild der Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Eichwald ist die Kirche Santa Maria dell‘ Orto in Venedig.

Die evangelische Kirche in Klostergrab und die Detailaufnahme des Turmes mit der deutschen Inschrift. Im November reisten Margaretha Michel, Obfrau der SL-Bezirksgruppe Oberfranken, und Horst-Peter Wagner, Musiker und Webdesigner mit Wurzeln in Komotau, in die Heimat. Michel berichtet.

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ie corona-konforme Anmeldung für den Aufenthalt in Böhmen will und will an diesem Novembermorgen nicht klappen. Nach einer Stunde sind wir angemeldet. Im Nebeldunst fahren wir durch die nordöstliche Oberpfalz. Nichts ist los. Wir haben keine Vignette. Bei Eger an der Tankstelle erhalten wir die Auskunft: „Vignetten gibt es nur noch im Internet und an bestimmten Tankstellen.“ Die nächste Tankstelle sei in Komotau. Deshalb schlängeln wir uns durchs Land, vorbei an fetten, schwarzen Böden und Obstgärten. Das Herz wird warm und wehmütig angesichts des reichen Ertrages. Da, die Türme von Leitmeritz leuchten herüber. In Nuschnitz an der Elbe finden wir ein hübsches Lokal namens Motorest. Die Küche ist vorzüglich, ebenso der Blick über die Straße zur Elbe, die schon mächtig beim Kirchl von Liboteinitz vorbeifließt. Das Tageslicht wird schwächer, noch ein Kurzbesuch bei Melnik ist möglich. Dort können wir mit fremder Kreditkarte die Vignette endlich buchen. Danach geht‘s über die Autobahn Richtung Erzgebirge. Überall leuchten Laster auf, ein beängstigend dichter Verkehr. Die Lichter spiegeln sich in den großen Wasserpfützen. Regen trommelt aufs Autodach. Keinen Hund würde man rauslassen. In Kulm sind wir in der Pension Richter angemeldet, Parken kann das Auto im abgesperrten Hof. Wir laben uns an Glühwein, Bier und böhmischem Essen. Wir wagen uns abends sogar in den überdachten Biergarten und ratschen über die böhmische Heimat. Am Morgen genießt HorstPeter im überdachten Kabuff seinen Kaffee und eine Zigarette. Der 85jährige Großvater der Wirtin sagt fröhlich „Grüß Gott“.

� Herbstliche Heimatfahrt

Tschernosek gehen wir kurz auf den Friedhof, um einen guten Blick auf die Porta Bohemica zu erhalten. Leider sind manche Bäume zu hoch. Der Friedhof ist aufgeräumt und geschmückt. In Leitmeritz machen wir eine kurze Fahrt über den Marktplatz – auch hier eine persönliche traurige Erinnerung –, aber das Herbstlicht leuchtet für eine bessere gemeinsame Zukunft. Nochmals sind wir im Motorest, diesmal mit Gästen. Es geht Richtung Ploschkowitz auf den Friedhof. Horst-Peter raucht und steht in Pitschkowitz vor dem Laden. Die Verkäuferin lädt ihn auf einen Kaffee ein und will kein Geld. Noch ein Obstkauf in der Nähe, wo mein Vater seinen Hof hatte. Anschließend fahren wir wieder zurück zum Quartier, diesmal auf der anderen Seite der Elbe, zuerst durch Lobositz und dann bis Aussig. Am nächsten Tag regnet es wie aus Kannen. Maria Schein erscheint trüb und renovierungsbedürftig im Nebel. Zwei Höhepunkte sind die Kirche von Eichwald im venezianischen Stil und Über die Dr.-Edvard-Beneš- plötzlich rechts unterhalb der Brücke, wie sie seit mehr als 80 Straße ein interessanter Turm, Jahren fast durchgehend heißt, der sich als zugehörig zur evangeht es auf der anderen Seite gelischen Kirche von Klostergrab Richtung Schreckenstein. Man herausstellt. Er trägt die Inschrift: kann sich nicht alle Schandta- „Gott ist unsere Burg“. ten ständig in Erinnerung ruDa das Café in Klösterle zu fen. Deshalb nur eine kurzes Ge- ist, gehen wir aus notdürftigen Gründen zum Tesco. Der Supermarkt bietet so manches, was man in Deutschland, das oft wenig von Qualität versteht, nicht findet. Es gibt richtigen Quark, auch Reibkäse und echte Buttermilch, die nicht nur nach Sauermilch schmeckt. In Eger kehren wir nochmals beim König Georg ein. Das Essen ist sehr gut, die Einrichtung historisch. Der Tischnachbar grüßt beim Weggehen auf Deutsch und sagt auf Nachfrage: „Ich Bilder (5): Horst-Peter Wagner) komme aus Schönbach von den Geigenbauern.“ Er ist denken beim Drüberfahren. Sehr ein Verbliebener. Da wird es eimalerisch ist die Fahrt am Elb­ nem doch ein bißchen wehmütig ufer Richtung Leitmeritz. In Groß ums Herz.

Einmal Aussig und zurück Die Porta Bohemica in Groß Tschernosek.

An Allerseelen geht‘s zuerst Die rund zehn Kilometer sind auf Führung in den schon fertiggeauf den jüdischen Friedhof von diesem Weg schneller gefahren stellten Räumen der neuen AusRaudnitz. Stadtnah neben dem als der Umweg über die Auto- stellung „Unsere Deutschen“. jüdischen Viertel liegt er an ei- bahn. Der Nebel lichtet sich all- Ein Vergleich zum Sudetendeutnem steilen Hang. Dichtes Laub mählich. Das Museum in Aus- schen Museum in München ist bedeckt die morschen Äste. schon deshalb nicht möglich, da Vorsichtig erkunden wir das wir nur einige fertige Räume seGelände. Immer vorsichtig hen dürfen. Aber die Graffiti mit und auf der Suche nach einem festen Tritt. Weit unten stehen höhere Steine. Die Aufschriften in Hebräisch, einige in Deutsch, selten in Tschechisch. Zum Glück hat ein Wohltäter die Anlage so renovieren lassen, daß alle Steine einen festen Stand haben. So kann man sich festhalten, um wieder hochzuklimmen. Bei Freunden essen wir zu Mittag. Und schon wird es wieder dunkel. Abends unterhalten wir uns in unserer Unterkunft mit dem Bruder des Besit- Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Raudnitz. zers und erfahren viele interessante Hintergründe. sig wirkt fast romantisch. Ich bin historischen Themen an den Am nächsten Tag fahren wir angemeldet und bringe Unterla- Gangwänden dürften Kinder siauf der alten Straße nach Aussig. gen mit. Wir erhalten eine kurze cher interessieren.

Unter diesem Exponat in der Aussiger Ausstellung „Unsere Deutschen“ steht: „Das Füllen von Ballons mit Wasserstoff bei einer Sportfeier 1909. Die Eroberung des Luftraums gehörte zu den gern gesehenen Attraktionen. Luftfahrer konnten Wasserstoff günstig in der Aussiger Chemiefabrik erstehen. Davon, daß es sich hier nicht um einen Heißluftballon handelt, zeugt auch das an der Absperrung angebrachte Schild ,Bitte nicht rauchen‘.“ Ausstellungsbanner vor dem Aussiger Museum mit dem Hinweis des Eröffnungsdatums 18. November 2021.

Der Himmel weint über Maria Schein.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

Auch in Chile und Peru waren im 17. und 18. Jahrhundert Missionare aus der böhmischen Ordensprovinz der Jesuiten tätig, die damals Böhmen, Mähren und vor den Raubkriegen des preußischen Königs Friedrich noch ganz Schlesien umfaßte.

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ls Papst Johannes Paul II. 1984 Peru besuchte, gingen Bilder mit dem Papst in der Kathedrale in Lima um die Welt. Wer aber wußte, daß der Prager Pater Johann Röhr die beim Erdbeben 1746 schwer beschädigte Kathedrale in der peruanischen Hauptstadt neu aufbaute? Lexika und biographische Nachschlagwerke in ganz Lateinamerika kennen ihn und andere ostdeutsche Missionare des 17. und 18. Jahrhunderts, die in den Gebieten der damaligen Vize-Königreiche Peru, Chile und Rio Plata tätig waren. Das von Francesco Pizarro 1532 bis 1534 eroberte alte Inkareich Peru wurde früh missioniert. Die ersten Jesuiten kamen bereits 1568 nach Lima, wo sie ein Kolleg und eine Kirche gründeten. Bis 1607 umfaßte die Ordensprovinz Peru das ganze spanische Südamerika. Seit 1607 erstreckte sie sich nur noch auf das Gebiet des heutigen Peru und Boliviens, das damals Hoch-Peru hieß. Chile und Paraguay wurden eigene Provinzen. Im ersten Jahrhundert wirkten Jesuiten fast nur in Städten, so außer in Lima in Cuzco, La Paz, Arequipa und Sucre. 1688 begann die Mission unter den indianischen Mojos, wo bis 1669 sechs Reduktionen entstanden waren. In ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zählte die Mojos-Mission 21 Reduktionen mit 33 290 christlichen Indianern unter der Leitung von 46 Missionaren. Unter den 30 Jesuiten aus den deutschsprachigen Provinzen nehmen die Ostdeutschen einen hervorragenden Platz ein. Bereits 1696 kamen zwei Jesuiten der böhmischen Ordensprovinz in das Missionsgebiet: der schlesische Pater Stanislaus Arlet und sein adeliger böhmischer Mitbruder Franz Borinie. „Außerordentlich tüchtige Männer“, charakterisierte sie ein spanischer Zeitgenosse und Vorgesetzter. Sie machten diese Mission um die Mitte des 18. Jahrhunderts zahlenmäßig stärker und kulturell bedeutsamer als die sich unmittelbar südlich anschließende ChiquitosMission in Paraguay. Zwei Generationen nach der Vertreibung der Jesuiten stellt der französische Forschungsreisende Alcide d‘ Orbigny 1832 fest: „Beim Eintritt in die Mission Concepción de Baures wurde ich überrascht von einer Atmosphäre des Glanzes, wie ich ihn selbst in den schönsten Missionen der Chiquitos nicht getroffen hatte. Der Umfang, die Verteilung der Häuser, besonders aber der Platz, wo sich eine herrliche Kirche und ein Collegio in Form eines Vierecks erhebt, zwangen mich wieder, die außergewöhnlichen Leistungen der Jesuiten zu bewundern.“ Von einer Kirche, die er mit den Indianern errichtete, sagt Franz Borinie, daß sie mit Ehren in Prag stehen könne. Andreas Suppetius, ein Schlesier aus der böhmischen Provinz, nennt Arlet und Borinie die ersten Apostel der Mojos. Der karpatendeutsche Pater Franz Eder aus Schemnitz lobt in seiner „Descriptio provinciae Moxitarum“ mehrfach die Missionsarchitektur dieses Gebietes und spricht ohne Nennung von Namen von Jesuiten aus Böhmen, die Altäre und Kanzeln geschnitzt und vergoldet hätten. Die Kirchen seien so groß und schön, schreibt er, daß sie auch in Europa Beachtung verdienten. Die Altäre, Kanzeln und andere Arbeiten hätten besonders zwei Jesuiten aus Böhmen geschnitzt und vergoldet. Leider nennt Eder deren Namen nicht.

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HEIMAT UND GLAUBE � Sudetendeutsche Missionare im Reich der Inka

Segensreiches Wirken bis zur Vertreibung im 18. Jahrhundert Der Schweizer Jesuitenschrift- sagt. Zwischen dieser Siedlung Rom zweimal um Entsendung in steller Felix A. Plattner kommt und den aus Böhmen vertrie- die Mission, wobei er sich auf die im 20. Jahrhundert nach einer benen Benediktinern der Abtei Beherrschung von bereits sechs Studienreise in dieses Mojos-Ge- Braunau in Rohr bestehen noch Sprachen berief. Nach dem Terziat in Teltsch biet zu dem Schluß: „Einer die- immer Kontakte. Doch schon vor ser Sudetendeutschen war sicher 300 Jahren begegnet uns hier lehrte er in Lima Theologie. SpäBruder Adalbert Marterer ... In der mährische Jesuit Pater Georg ter ging er nach Chile, wo er in Santiago „zugleich einen Missioeinem ehrenden Nachruf werden Burger aus Wischau. Da das Vizekönigreich Chi- narium Operatium und berühmseine vielen schönen Arbeiten für verschiedene Kirchen gelobt. le aufgrund seiner ungünsti- ten Prediger abgibt in dem ColleEr habe sie persönlich geschnitzt oder nach Modellen und Zeichnungen von Indianern herstellen lassen. Dieser tüchtige Bruder hatte für die längere Zeit seine Werkstätten in der Reduktion in San Pedro. Es ist nun wohl kein Zufall, wenn d‘ Orbigny um 1832 gerade hier noch viele Statuen antraf wie 20 Gruppen lebensgroßer Figuren, die den Kreuzweg des Herrn darstellen.“ Plattner schreibt auch vier Reliefs, die 1911 von San Pedro nach Santa Cruz gebracht wurden, Marterer zu: „Santiago als Sieger über die Araber“, „Franz Xaver“, eine Madonna und ein Theatrum passionis Christi. Adalbert Wenzel Marterer war 1691 in Falkenau geboren. Er lernte Tischler und trat als Laienbruder 1717 in den Jesuitenorden ein. Als Tischler war er in Glogau und Sagan tätig, ehe er 1723 nach Peru ging. Noch bedeutsamer ist Johannes Röhr. Er sprach deutsch und ein wenig tschechisch, wie er in seinen Briefen an den Südamerikakarte voon 1899. Links Peru und Chile. Ordensgeneral 1722 und 1723 erklärt. Nach dem No- gen geographischen Lage da- gio Bonae Spei, denn er übertrifft viziat in Brünn hatte er 1712 bis mals am Ende der Welt lag, war in der spanischen Wohlredenheit 1714 in Olmütz Philosophie stu- es auf Hilfe von außen angewie- viele Spanier, er läuft oftmal auf diert und in Sagan, Olmütz und sen. Diese Hilfe gewährte die das Land hinaus, wo er die neuJitschin unterrichtet, ehe er Gesellschaft Jesu, die zur „wich- getauften Christen in dem Glau1719 bis 1722 in Prag Theolo- tigsten Körperschaft des Lan- ben unterrichtet und viel Gutes gie studierte. Nach dem Terziat des wurde, wirtschaftlich, sozial Würcket“. Burger war Prokurain Teltsch ging er 1723 nach Pe- und ideologisch“. Jesuiten leite- tor des Collegio de Buena Esperu. Hier lehrte er Mathematik in ten Schulen, bekehrten die India- ranza und später auch Superior Lima, dann widmete er sich der ner und brachten durch ihre Ar- der Mission. Das Archiv der Erzbeit in Handwerk und Gewerbe bischöflichen Kurie in Santiago Mojos-Mission. Röhr war auch ein hervorra- einen echten Aufschwung. Da- hat eine handschriftliche Relatio gender Baumeister, der dank sei- bei halfen auch deutsche Patres Burgers über die Mission. Andere sudetendeutsche Jener mathematischen Kenntnis- und Brüder. Plattner: „Wenn in se die statischen Berechnungen wenigen Teilen des südamerika- suiten in Chile waren Pater Jobeim Bau von Kirchen und Or- nischen Kontinents die Tätigkeit hann Oppitz aus Prag, der 1722 densniederlassungen durchführ- der Jesuiten so dauernde Spuren nach Chile ging, und der Laiente. Da gemauerte Tonnengewöl- zurückgelassen hat wie in Chile, bruder Franz Sterzl aus Saaz, der be den Erdbeben in Peru nicht so kam dabei den Deutschen ei- einer der wenigen ausgebildeten standhielten, war man bereits da- ne so glänzende Rolle zu, daß der Krankenpfleger und Apotheker zu übergegangen, aus Quincha, Name vieler mit der Geschichte des Landes war. Von Opitz ist ein einem Geflecht aus Rohr, das mit und Kultur des Landes untrenn- Brief im Archiv der Prager Burg, den er aus Cadiz während seiner Gips und Leim überzogen wurde, bar verbunden bleibt.“ Die Zahl der deutschen Jesu- Reise schrieb. Sterzl hatte bereits zu bauen. Röhr verfeinerte und verbes- iten war in Chile sehr hoch. Allein als Apotheker in Jitschin, Teltsch serte diese Technik und wurde 1748 hatte Pater Karl von Haimb­ und Glatz gearbeitet, ehe er 1722 deshalb für Großbauten des Or- hausen aus München 45 Brü- in die Mission entsandt wurde. Als die spanischen Bourbonen dens herangezogen. Er blieb als der aus der deutschen Assistenz Architekt von Kirchen, als Astro- nach Chile geführt. Zur Zeit der in ihren Besitzungen den Jesuinom und Mathematik-Professor Vertreibung der Jesuiten war mit tenorden aufhoben und auch aus bis zu seinem Tode in Lima. Hier Balthasar Hucker ein Deutscher Chile alle Ordensangehörige deverdanken ihm neben der Kathe- Provinzial des Ordens. Wäh- portierten, waren unter den Verdrale auch die großen Gebäude, rend damals die Jesuiten depor- triebenen auch mindestens siein denen heute das Panteon Na- tiert wurden, mußte Bruder Josef ben Angehörige der böhmischen cional und das Instituto Pedago- Zeitler aus Waldsassen noch vier Ordensprovinz. Josef Seitz aus gico untergebracht sind, ihren Jahre in Santiago bleiben, weil er Komotau hatte im Kolleg von Buder einzige Apotheker des Lan- calemu Rhetorik gelehrt, ehe er Wiederaufbau. des war und erst einen Laien als verschleppt wurde. Er starb in Bologna 1770, ohne die Heimat Nachfolger ausbilden sollte. Entwicklungshelfer Der Wischauer Burger kam wiedergesehen zu haben. in Chile Josef Czermak aus Mährisch 1654 zur Welt, besuchte das Das Deutschtum Chiles ge- Gymnasium in Brünn und trat als Budweis hatte als Missionar hört zu den stärksten deutschen 15jähriger in die Gesellschaft Je- in Valdiva, Santa Juana, SanAuslandsgruppen in Lateiname- su ein. Philosophie und Theolo- ta Fe und San Christobel serika. Auch sudetendeutsche Aus- gie studierte er in Prag, dazwi- gensreich gewirkt und wurde wanderer des 19. Jahrhunderts schen unterrichtete er in Prag ebenso vertrieben wie ein andesind dort vertreten, wie der Na- bei Sankt Nikolaus und in Nei- rer Komotauer, Johann Nepome Neu-Braunau noch heute be- ße. 1683 bat er den General in muk Erlacher, der bei den Cho-

nos-Indianern auf den ChiloeInseln wirkte und auch Superior war. Nach Kerkerhaft in Puerto de Santa Maria bei Cadiz wurde er erst durch die Bemühungen des Gesandten der Kaiserin Maria Theresia befreit. Er starb infolge der üblen Behandlung bereits 1770, während Czermak noch in seine Heimat kam. Nach kurzer Katechetentätigkeit in Klattau war er seit 1771 im Regiment Liechtenstein Feldgeistlicher. Auch nach der Aufhebung des Ordens 1773 blieb er auf diesem Posten. Er starb 1787 in Znaim. Im Kerker in Cadiz saß auch Pater Ignaz Fritz Graf von Adlersfeld aus Olmütz. Nachdem er in Prag bis 1737 Philosophie studiert hatte, war er vier Jahre als Lehrer am Kolleg in Neiße, ehe er in Olmütz seine Theologie und in Teltsch das Terziat absolvierte. Er kam 1746 in die Mission nach Chile, wo er in Frontera und Valdivia wirkte. Nach der Deportation blieb er bis 1776 im Kerker von Puerto de Santa Maria. Nach der Sterbematrikel von Sankt Maria zu Troppau half ein Pater Ignatius Fritz von Adlersfeld – meist einfach als P. Fritz eingeschrieben – beim Versehen von Sterbenden aus. Da die Eintragungen bis 1792 reichen, scheint er in jenem Jahr gestorben zu sein. Unter den Laienbrüdern finden wir in den Listen der aus Chile Deportierten den Komotauer Johann Scheibner und den Königgrätzer Krankenbruder Wenzel Horsky sowie den begabten Kunsthandwerker Johann Köhler. Köhler kam 1721 in Böhmisch Kamnitz zur Welt und wurde 1746 in den Orden aufgenommen. Er war Goldschmied und wurde gleich nach dem Noviziat nach Chile gesandt, als Pater Karl Haimbhausen mit 45 Jesuiten der deutschen Assistenz nach Santiago zurückkehrte, wo unter seinem Rektorat das Kunsthandwerk aufblühte. Mit Bruder Franz Polland aus Solingen schuf Köhler wertvolle Silber- und Goldschmiedearbeiten, „wobei Bruder Köhler der bedeutendere Meister gewesen sein dürfte“, wie Plattner feststellt. Plattner hat in seinem Werk über deutsche Meister des Barocks in Lateinamerika eine silbergetriebene Darstellung aus dem Schatz der Kathedrale in Santiago abgebildet, die er Köhler zuschreibt. Ebenso zeigt Plattner den Schmelzofen der Goldschmiedewerkstatt Köhlers und weitere Arbeiten. Köhler arbeitete in Santiago im Collegio Maximo. Nach der Vertreibung lebte er in Olmütz und starb dort 1788.

Ein zweiter Humboldt Unter den Forschern um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert in Südamerika gebührt der Ehrenplatz dem 1761 im nordböhmischen Kreibitz geborenen Thaddäus Haenke. Nach ihm sind nicht nur bis dahin unbekannte Pflanzen in den europäischen Alpen benannt, son-

dern auch eine Insel im Golf von Desungano. Nach Studien in Wien und Prag trat Haenke zunächst eine Stelle als Hauslehrer und Erzieher in der Prager Professorenfamilie Mikan an. Sein Zögling Johann Christian Mikan sollte später ein namhafter Erforscher Brasiliens werden. Da Haenke gleichzeitig auch den Botanischen Garten der Prager Universität betreute und sich als Botaniker bald einen Namen machte, erhielt er 1789 die Gelegenheit, an der großen Expedition der spanischen Kolonialregierung zur Erforschung der amerikanischen Westküste teilzunehmen, die Alessandro Malaspina leitete. Man stach in Cadiz in See, landete in der La-Plata-Bucht in Montevideo und zog über die Anden nach Santiago. Von Chile brach die Forschergruppe zu Schiff nach Norden auf und kam an der Westküste des Kontinents bis nach Kanada und Alaska hinauf, von dort segelte sie über den Stillen Ozean zu den Philippinen ins erst vor wenigen Jahren davor entdeckte Australien und wieder über die Weite des Ozeans zurück nach Lima, wo man vier Jahre nach Beginn der Expedition wieder eintraf. Hier zerstreuten sich die Teilnehmer, um in ihre verschiedenen Heimatländer zurückzukehren. Thadäus Haenke aber blieb, da er weitere Forschungsaufträge erhalten hatte. Damals war Süd­ amerika noch nicht in eine Vielzahl von Staaten zersplittert, sondern nur in ein portugiesisches Herrschaftsgebiet, das heutige Brasilien, und in ein spanisches. So konnte Haenke in den folgenden Jahren eine Reihe von weiteren Forschungsreisen unternehmen. Die würden heute in das Zuständigkeitsgebiet der Staaten Bolivien, Peru, Argentinien und Chile fallen, bildeten damals aber nur die spanischen Vizekönigreiche Chile, Peru und La Plata. Im damaligen Oberperu, das später nach dem Befreiungshelden Bolivar als selbständiger Staat Bolivien genannt wurde, ließ sich Haenke in Cochabamba nieder. Schon damals plante er Reformen, die noch heute in Lateinamerika aktuell sind. Unermüdlich machte er die Behörden auf gesundheitsschädliche ausbeuterische Verhältnisse in den Bergwerken aufmerksam und geißelte die Diskriminierung der Indios, mit deren Sprache, Kunst, Literatur und Musik er sich intensiv beschäftigte. Als Naturwissenschaftler und Botaniker stellte er viele Heilpflanzen in den Dienst der Bewohner, vor allem, als Napoleon den europäischen Kontinent beherrschte und durch die Kontinentalsperre kaum mehr europäische Medikamente über den Atlantischen Ozean gelangen konnten. Größere Reisen, ja neue Expeditionen unternahm er in den Urwald des berüchtigten Gran Chaco, wo er die Victoria regia als erster Weißer mit eigenen Augen sah. Heute ist diese exotische Riesenpflanze der Stolz aller Botanischen Gärten. Auch als Arzt und Initiator der Pockenschutzimpfung, als Entdecker der Thermen von Yuta, als Begründer der Kalisalpeterindustrie und damit als wichtiger Förderer muß Haen­ke gewürdigt werden. Als aber 1810 in Chile und Argentinien Aufstände gegen die Spanier losbrachen und auch der Norden des Kontinents 1811 im heutigen Kolumbien und Venezuela die spanische Kolonialherrschaft abschüttelte, begann die Tragik in Haenkes Leben. Wir wissen nichts Gültiges und Sicheres über seinen Tod, aber höchstwahrscheinlich starb er 1817 in den Wirren der südamerikanischen Kriege in einem Kerker der Spanier, die ihre Besitzungen erbittert verteidigten, und Haenke, der ihnen treu gedient hatte, nicht mehr trauten. Rudolf Grulich


Neudeker Heimatbrief

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek

Abertham

Bärringen

Folge 629 · 1/2022

Frühbuß

Platten

Patenstadt Augsburg

Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 630 (2/2022): Mittwoch, 16. Februar.

Interview mit Krzysztof Dędek, dem neuen Seelsorger der Pfarrei Schlackenwerth

Auch für Verletzte gibt es immer einen Weg zur Vergebung verlasse. Mir gefällt die Gemeinde sehr gut, und ich habe diese Stelle gerne angenommen. Wie sind Sie von den Gläubigen und den weiteren Einwohnern aufgenommen worden? Dędek: Ich bin sehr gut aufgenommen worden, sowohl von den Gemeindemitgliedern als auch von den Bürgermeistern und anderen Menschen, die ich hier treffe. Ich muß sagen, daß ich dafür sehr dankbar bin. Sie arbeiten jetzt seit einem Jahr in der Pfarrei Schlackenwerth, da müssen Sie die Gemeinde doch ein bißchen kennengelernt haben, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen. Wie sieht

nig von früher. Ich kam zum ersten Mal hierher, als mein Freund und Seminarkollege Pater Józef Frelich noch hier arbeitete. Er war von 2001 bis 2005 in der Gemeinde Schlackenwerth tätig. Ich kannte also die Pfarrei von meiner Tätigkeit als Bischofsvikar für Seelsorge und von der Jugendarbeit. Außerdem besuchte ich ie verlief Ihr Weg von Ihrer die Pastoral- und ErHeimat Polen in die Pfarrei holungszentren in der Schlackenwerth? Bergstadt Platten und Krzysztof Dędek: Ich kam im Bärringen bei verschieJahr 2000 als Priester in die denen VeranstalTschechische Republik, als tungen, geistli- Pfarrer Krzysztof Dędek und Pater Marek Bonaventura Hric. ich im Einvernehmen mit chen Erneuerunmeinem Bischof in Polen gen oder Exerzitien. Schlackenwerth wohnen, sozusa- novierten Sankt-Anna-Kirche und dem damaligen BiEin Priester kann ei- gen nicht zur Hand ist. Auf jeden in Gottesgab eingeführt, immer schof von Pilsen, František ne Gemeinde am besten Fall versuchen wir, überall ver- samstags um 18.00 Uhr. Radkovský, in die Diözese kennenlernen, wenn er fügbar zu sein, wo wir gebraucht Wir wollen die Touristen trefPilsen aufgenommen wurselbst dort arbeitet. Des- werden. fen, die in großer Zahl nach Gotde. Unmittelbar nach meihalb habe ich mich von AnKönnen Sie den Lesern erläu- tesgab kommen. Wir haben mit ner Ankunft begann ich fang an bemüht, in der Ge- tern, ob es unter Ihrer Leitung zu dem Bürgermeister vereinbart, im Diözesanjugendzenmeinde Fuß zu fassen. Und größeren Veränderungen in der daß wir die Besucherzahlen retrum in Pilsen zu arbeiten, ganz allgemein kann man Gemeinde kommen wird? gistrieren und, wenn es sinnvoll wo ich 15 Jahre lang tätig sagen, daß der Kern der Dędek: Im Moment sind kei- ist, diese Aktion in der Winterwar. 2010 kam die Arbeit Gläubigen und das imagi- ne größeren Änderungen ge- saison fortsetzen werden. Im Moals Leiter der Pastoralabnäre Zentrum der Pfarrei plant. Vielmehr denken wir in- ment werden wir versuchen, die teilung des Bistums Pilsen heute in Schlackenwerth tensiv darüber nach, wie wir den Gemeinde noch besser kennenund später die Stelle des liegt. Dann gibt es noch pastoralen Dienst fortsetzen kön- zulernen. Und wenn wir feststelBischofsvikars für SeelsorSatelliten wie Abertham, nen, das heißt welche Arten von len, daß einige Dinge anders gege hinzu. 2016, nach dem Bärringen oder Bergstadt Treffen wir in der Pfarrei anbie- regelt werden sollten, werden Amtsantritt des neuen BiPlatten, wo ebenfalls re- ten, was wir beibehalten oder wir sie, nach sorgfältiger Überleschofs Tomáš Holub, wurgelmäßig Gottesdienste was wir neu anbieten wollen. Bis- gung, ansprechen. de ich zum Generalvikar abgehalten werden. Ein her trafen sich die Menschen zur In diesem Zusammenhang ernannt. besonderes Kapitel ist die Bibelmeditation und zur Vorbe- stellt sich die Frage, ob Sie es für Ich habe drei Jahre lang Gemeinde Sankt Joach- reitung auf die Sakramente, und sinnvoll halten, in den Kirchen in dieser Position gearbeiimsthal, die den Groß- die Kinder trafen sich zum Re- des Erzgebirges, in denen die tet. Dann machte ich eiteil unserer Gemeinde- ligionsunterricht. Wir möchten Zahl der regelmäßigen Gottesne einjährige berufliche mitglieder ausmacht. Aber dieses System beibehalten und dienstbesucher relativ gering ist, Pause, in der ich tatsächdie meisten Besucher der das Potential von uns Priestern, in Zukunft die Messe zu feiern? lich innehielt und darüber Gottesdienste sind Kur- die derzeit hier tätig sind, voll Dędek: Das ist tatsächlich nachdachte, wie sich mein gäste, Touristen und Be- nutzen. ein großes Thema. Die Zahl der Lebensweg weiter entwohner von WochenendUnser neuer Kaplan, der Jesu- Gläubigen, die dort regelmäwickeln sollte. Mitte Sephäusern. it Patrik Koval, könnte zum Bei- ßig Gottesdienste besuchen, ist tember 2020 kam ich nach In diesem Fall handelt spiel eine Meditationsschule für nicht sehr groß. Man muß jedoch Schlackenwerth und bees sich also um eine ganz Gebete leiten, denn das ist seine sagen, daß es sehr leicht ist, die gann, unter der Leitung Pfarrer Krzysztof Dędek beim Wandern. andere Art der Seelsorge, Stärke. Ich kann andere spirituel- Messe abzuschaffen, aber sehr Bilder: Archiv fk denn wir müssen berück- le Programme und Vorträge über schwer, sie wieder einzuführen. von Pater Marek Hric, als Kaplan zu arbeiten. Versichtigen, daß diese Men- Reisen anbieten, die ich im Lau- Im Moment sind wir zwei Priesgangenen März teilte uns der Bi- diese Gemeinde aus der Sicht ei- schen hier nicht zu Hause sind. fe der Jahre unternommen habe. ter in der Gemeinde.. schof mit, daß ich als Pfarrer hier- nes neuen Pfarrers aus? Ich sehe es ferner als ein Minus Was die Gottesdienste betrifft, so Wir haben unsere Arbeit so bleiben könne, da Pater Hric die Dędek: Ich kannte die Pfarrei an, daß der Pfarrer für die Ge- haben wir im September regel- eingerichtet, daß wir sie bewälPfarrgemeinde Schlackenwerth Schlackenwerth schon ein we- meindemitglieder, die nicht in mäßige Gottesdienste in der re- tigen können. Die Gottesdienste

Seit letztem Sommer, seit August 2021, ist der neue Pfarrer Krzysztof Dędek in der Pfarrei Schlackenwerth tätig. Er wurde auch zum Bezirksvikar des Karlsbader Vikariats ernannt. Der aus Polen stammende Priester hat das Erzgebirge liebgewonnen und betrachtet die Tatsache, daß er in der hiesigen Pfarrgemeinde arbeitet, als das Beste, was ihm in seinem Berufsleben passieren konnte. Lenka Löfflerová sprach mit ihm.

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halten wir in dem Gedanken, daß wir den Gläubigen nahe sein sollen. Und wenn diese Menschen einen Wunsch nach der Eucharistie haben, dann wollen wir sie ihnen anbieten. Sie sind der Koordinator für den religiösen Tourismus in der Diözese Pilsen, und ein großer Teil unserer Pfarrei ist ein Erholungsgebiet. Welche Möglichkeiten oder Angebote gibt es also für den kirchlichen Tourismus in der Pfarrei Schlackenwerth und im Erzgebirge? Dędek: In der Tschechischen Republik ist diese Art von Tourismus vor allem in Mähren und Prag verbreitet. Kirchliche Denkmale und Gebäude gehören oft zu den bedeutendsten in den einzelnen Gemeinden. Dort gibt es also durchaus ein Potential, mit dem man in Zukunft arbeiten könnte. Das größte Problem, das ich darin sehe, einzelne Kirchen zugänglich zu machen, besteht darin, daß diese Objekte einen Verwalter haben müßten, der sich um das Öffnen kümmern. Und das ist ziemlich schwierig. Aber es werden bereits Ideen entwickelt, wie man einzelne Kirchen zumindest gelegentlich für Interessierte zugänglich machen könnte. Im nächsten Jahr könnte man zum Beispiel eine Radtour entlang des Erzgebirgskamms organisieren und einzelne kirchliche Denkmale entlang der Strekke besuchen. Wir sind auch offen für andere Veranstaltungen wie zum Beispiel die „Nacht der Kirchen“ oder Konzerte. In der Sankt-Joachimsthaler-Kirche finden regelmäßig Konzerte statt. Aber auch das ist eine Besonderheit des Kurortes. Aber ich denke, daß es auch an anderen Orten ein gewisses Potential gibt. Und so werden wir nach Möglichkeiten suchen, die Lesen Sie auf Seite 13 weiter

ine Erinnerung an den schneereichen Winter in Bärringen im Jahr 1907. Rechts: Trotz der dicken, weißen Schneedecke kann die schöne Winterlandschaft Bärringens im diesjährigen Januar den Schneemassen von 1907 nicht das Wasser reichen. Bilder: Ludmila Anderle


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NEUDEKER HEIMATBRIEF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 4 | 28. 1. 2022

� Treuer Heimatfreund aus Abertham

Franz Pfob † Am 26. Dezember 2021 starb Franz Pfob in Nürnberg-Fischbach. Er wurde am 10. März 1933 in Abertham geboren und konnte nach dem Zweiten Weltkrieg in der Heimat bleiben.

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ach dem Schulbesuch arbei­ tete er ab 1950 bei den tsche­ chischen Forstbetrieben. Dort absolvierte er verschiedene Bil­ dungsmaßnahmen und legte 1959 die Prüfung als Revierförs­ ter bei der Kreisforstverwaltung in Karlsbad ab.

Pfarrer Krzysztof Dędek auf Reisen in Afrika. Kirchen nicht nur für Touristen, sondern auch für die einheimi­ sche Bevölkerung zu Öffnen, darunter auch durch verschiede­ ne kulturelle Veranstaltungen. Die Ausübung des priesterlichen Dienstes in einer so großen Pfarrgemeinde ist oft anspruchsvoll. Was macht Sie also geistig stark, und wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Dędek: Ich habe das Glück, in einer der landschaftlich schön­ sten Pfarreien unserer Diözese zu arbeiten. Ich bin vom Erzgebirge wirklich beeindruckt. Das Erz­ gebirge ist rauh, aber es ist auch sehr schön. Und ich war buch­ stäblich gefesselt von ihm. Trotz der Schwierigkeit des Geländes, liebe ich es, hier Rad zu fahren oder zu wandern. Im Winter hat­ te ich auch die Gelegenheit, die örtlichen Langlaufloipen auszu­ probieren. Die Gegend um Abertham oder Gottesgab hat mir gut ge­ fallen. Hoffentlich habe ich die­ ses Jahr die Gelegenheit, auf den örtlichen Pisten zu fahren. Sport und Bewegung sind Aktivitäten, die mir viel Energie geben. Ab und zu reise ich auch gerne ins Ausland. Reisen ist für mich eine Möglichkeit, neue Dinge zu ent­ decken. Die Pfarrei Schlackenwerth liegt in einem Gebiet, das von vielen Faktoren stark betroffen ist, und es waren nicht immer positive historische Ereignisse. Hier gibt es immer noch eine gewisse Entwurzelung und Verwundung, auch in geistlicher Hinsicht. Wie nehmen Sie diese Situation als Neuankömmling wahr, und was tun Sie dagegen? Dędek: Ich denke, es ist un­ möglich, das nicht wahrzuneh­ men. Wer hierher kommt und sich zumindest ein wenig für die

Vergangenheit dieser Region in­ teressiert, und sei es nur als Tou­ rist, wird vielerorts auf Informationstafeln stoßen, auf denen (verschwundene) Dörfer oder so­ gar Kapellen und Klöster zu se­ hen sind. Hier gibt es viele sol­ cher Orte. Als ich meinen Freun­ den, zum Beispiel aus Polen, Sankt Joachimsthal und den

Im Jahr 1971 heiratete er Inge­ borg. Und im gleichen Jahr über­ siedelte er, im Rahmen der Fa­ milienzusammenführung, nach Nürnberg-Fischbach. In der dortigen Pfarrei Heilig Geist engagierte er sich als Mes­ ner. Darüber hinaus war er jahre­ lang Mitglied im Pfarrgemeinde­ rat. Nach der Samtenen Revo­ lution in der kommunistischen Tschechoslowakei schloß er sich der „Gruppe Abertham“ von Eh­ renfried Zenker an, die von 1993

bis 2006 die Renovierung der Aberthamer Kirche betrieb. Da er ein Spätaussiedler war, konnte er perfekt tschechisch. Und er unterstützte damit Zen­ ker bei den Verhandlungen über die Renovierung der Aberthamer Kirche und bei der Kontrolle der Arbeiten der beteiligten tsche­ chischen Firmen. Bei den Gottesdiensten der Aberthamer Feste war er immer Ministrant. Requiescat in pace, ruhe in Frieden in der ewigen Heimat. Josef Grimm

Bilder: Archiv fk liche Schicksale nachzudenken. Wir Christen tun dies auf die Art und Weise, die uns am nächsten ist. Wir schließen sie in unsere Gebete ein und bitten um Segen für die ganze Region. Auch wenn ich ein starkes Mitgefühl für die einzelnen Wunden habe, möchte ich mit der Hoffnung in die Zu­ kunft blicken, daß unser Gebiet

Franz Pfob beim Aberthamer Fest im Jahr 2016 mit der nach einem Diebstahl wieder gefundenen Altarfigur der Heiligen Barbara. Bild: Ulrich Möckel

Pfarrer Krzysztof Dędek auf einem Segeltörn. Sankt Joachimsthaler Höllen­ pfad zeigte, waren sie ziemlich erschrocken. Für mich als Pole ist aber auch die Geschichte unserer Nationalheldin und Nobelpreis­ trägerin, Marie Curie Sklodows­ ka, ein wichtiger Teil der Sankt Joachimsthaler Vergangen­ heit. Sie hat es geschafft, aus der Sankt Joachimsthaler Pechblen­ de das Radium zu isolieren. Die Region wurde auch durch die Vertreibung der Sudeten­ deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg schwer geschädigt. Kurzum, es gab viel Leid und Not. Dabei ist es notwendig, die­ se Ereignisse nicht zu vergessen und über individuelle mensch­

auf dem Weg zur Versöhnung und Heilung eine bedeutende Rolle spielen kann. Das ist etwas, das uns voranbringen wird. Denn durch die vergangenen Ereignis­ se können wir erkennen, daß je­ de Entscheidung, die wir tref­ fen, Konsequenzen hat. Genauso sollten wir wissen, daß es, wenn wir verletzt wurden, immer einen Weg zur Vergebung gibt. Ich danke Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen Gottes Segen und viel Elan für den Dienst in unserer Pfarrei. Aus „Krušnohorský Herzgebirge Luft“. Von Josef Grimm aus dem Tschechischen übersetzt.

Pfarrer Krzysztof Dędek bei einem Treffen des Bischofs mit der Jugend von Pilsen.

W

interaktivitäten im Erzgebirge: Rodeln am Plattenberg (oben), Wintersport am Pleßberg 1908 (Mitte) und Autofahrer im Schneegestöber an der Grenze Oberwiesenthal–Gottesgab (unten). Bild (1): Inge Müller


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Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Das heutige Teplitzer Schlangenbad von der Parkseite …

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

… und von der Straßenseite fotografiert.

� Teplitz-Schönau

Bebauungspläne der Stadt Teplitz Bemerkungen des Architektenbüros MiSe sowie die außen am Teplitzer Schlangenbad angebrachte Bauunternehmer-Expertise beschreiben die kritische Situation des Schlangenbades. Jutta Benešová berichtet über die Bebauungspläne von Teplitz-Schönau, darunter auch über das Schlangenbad:

lichtbühne entstehen, die auch für Kurkonzerte gedacht ist. Das Schicksal des Schlangenbades steht noch in den Sternen, denn es ist ein umstrittenes Objekt, das unter Denkmalschutz steht. Da Teplitz eine junge Stadt ist, ist auch eine neue Sportanlage unterhalb des Sporthotels

quem ausgestatteten Bädern und einem größeren Bassin. 1839 bekam das Schlangenbad seine heutigen Konturen. Doch noch in den 1970er Jahren wurden bei einer unsensiblen Rekonstruktion Veränderungen vorgenommen und in den unteren Stockwerken die Raumverteilung ver-

Bäder-AG, um es in eine Heilanstalt für Kinder mit Bewegungsstörungen umzubauen. Doch die nachfolgenden etwa fünf verschiedenen Bauprojekte des Architektenbüros M ­ iSe fanden keine Gnade vor den Augen des Denkmalschutzamtes. Hinzu kam, daß beim Regierungs-

wechsel 2017 zunächst der eine Kulturminister das Gebäude vom Denkmalschutz befreite, während wenig später der neue Kulturminister es wieder unter Denkmalschutz stellte. So wurde das Bad auch auf höherer Ebene zum Zankapfel der Stadt.

bades entspricht, ist einzusehen. Hinzu kommt, daß die Straßenführung dicht am Gebäude im Laufe der Jahre um etwa einen halben Meter angehoben wurde. Somit steht das Gebäude unter dem Niveau der Straße, und das Grundwasser, die Schlangenbadquelle, bedroht die Fundamente – eine kaum zu rettende Situation. Dem entsprachen die Projekte des Architektenbüros. Das Projekt von 2009 rechnete damit, das Gebäude im Prinzip mit völlig neuem Mauerwerk zu versehen, um das Niveau anzuheben und in historischer Gestalt wieder zu errichten – nun aber den neuen Bauanforderungen angepaßt. Hinsichtlich des Denkmalschutzes ist dies aber ein unerlaubtes Eingreifen in die historische Baumasse. Denn damit würde das Schlangenbad als historisches Bad verschwinden und ein Replikat ohne historischen Wert entstehen. Ein weiteres Projekt von 2014/2016 rechnete mit dem Erhalt des historischen Gebäudes von außen, aber mit inneren Anpassungen an heutige Bedingungen. Auch dies wurde abgelehnt – nun schon weniger verständlich, da man meinen könnte, das Bad weiterhin als Kureinrichtung zu verwenden, hätte in unserer Bäderstadt Vorrang. Drei weitere Projekte versuchten, einen Anbau zum Park an das alte Gebäude anzubringen – aber wieder ohne Erfolg. Das

Daß ein Gebäude von 1839 nicht mehr den hygienischen Anforderungen eines heutigen Heil-

Denkmalschutzamt machte der Firma Treinvest nach Ablehnung ihrer Projekte zur Auflage, das

J

ede Stadt führt einen Bebauungsplan, der die urbane Entwicklung berücksichtigt. Daran beteiligen sich Architekten und Ökonomen, auch städtische Unternehmen können ihre Vorschläge einbringen. Die letzte Entscheidung trifft dann die Vertretung der Stadt, die auch finanziell dieses Baugeschehen unterstützt. An den Bebauungsplänen in Teplitz beteiligt sich schon mehr als 30 Jahre das Teplitzer Architektenbüro MiSe, eine GmbH mit dem Architekten Milan Míšek, seiner Tochter Monika Sedláčková und dem Schwiegersohn Petr Sedláček. Mišek ist gebürtiger Teplitzer und projektierte in den 1960er Jahren die Siedlungen in Settenz und Weißer Weg/Bilá cesta unterhalb von Neudörfl im Rahmen seiner Tätigkeit beim staatlichen Städtebau-Zentrum in Aussig. Seit 1989 engagiert er sich bei den Bemühungen um eine konzeptionelle Entwicklung seiner Heimatstadt. Einiges ist zwar noch Zukunftsmusik, aber andere Bebauungspläne von Teplitz-Schönau laufen bereits. So steht der Bau eines neuen Freibades mit anliegender Parkanlage am Wasserturm in Neudörfl fest. Auch die Restaurierung des Bahnhofes steht bevor. In der Mühlgasse wurde im vergangenen Sommer die Ruine aus den 1980er Jahren abgerissen. Und Pläne einer Neubebauung liegen zwar noch in der Schublade, lassen aber für die Zukunft hoffen. Am Marktplatz, dem jetzigen Freiheitsplatz, soll das unansehnliche Fernmeldeamt verschwinden und ein neues Hotel errichtet werden. Geplant ist auch eine Modernisierung des Schmejkalplatzes in der Meiss­ nerstraße. Mit wenig Aufwand soll demnächst der Platz am Kurhaus Beethoven erneuert werden. Dort, wo alljährlich das Bäderfest stattfindet, soll eine Frei-

Das Schlangenbad in den 1990er Jahren von der Parkseite … Panorama in Schönau geplant. Im vergangenen Jahr hatte sich zwar ein neuer Käufer für das ehemalige Beamtenhaus der Fürstenfamilie Clary und Aldringen am Schloßplatz gefunden, doch seither läuft noch die Projektplanung. Viele Vorhaben sind sicher wegen der Corona-Pandemie zunächst auf Eis gelegt. Aber die Bebauungspläne liegen bereit.

ändert. Damals erhob niemand Einspruch. Seit 1958 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das Schlangenbad diente bis in die 1990er Jahre als ambulante Kureinrichtung. 2006 erwarb die Firma Treinvest des Teplitzer Bau-

Schlangenbad in Schönau: Zankapfel der Stadt Louis Edouard Rohan, der damalige französische Botschafter in Wien und Liebhaber der Teplitzer Bäder, kümmerte sich im 18. Jahrhundert um die Quelle beim Schlangenbad. Später wurde er Kardinal und war in die Affäre mit dem Halsband verwickelt, das er 1785 für die französische Königin Marie Antoinette erwerben wollte. 1773 säuberte man die Quellen auf seine Kosten, und zu den bisherigen zwei Becken kamen zwei Einzelbäder hinzu. 1796 entstand dort ein Steingebäude mit vier kleinen, be-

… von der Straßenseite. unternehmers Jaroslav Třešňák das bereits einige Jahre leerstehende Gebäude von der Teplitzer

baufällige Gebäude abzusichern und weiter für seinen Erhalt zu sorgen. Nun steht das alte, historische Schlangenbad mit „nassen Füßen“ da, unansehnlich und für niemanden nutze. Die vergeblichen Bauprojekte sahen verlockend aus mit Kureinrichtung und einem kleinen Café zur Parkseite, während die stolzen Pfeiler durch das Glas einen Blick ins Innere gewähren und ein bequemer Gehsteig die Straße entlangführt. Doch das alte Gemäuer läßt dies nicht mehr zu, und die Denkmalschützer lehnen es ab. Aber es bleibt historisch. Die Expertise des Denkmalschutzamtes spricht von guter Statik und Erhaltbarkeit. Doch die Expertise des Bauunternehmers spricht dagegen. Diese Expertise stammt von Professor ­Petr Konvalinka von der Baufakultät der Technischen Hochschule Prag. Sie ist öffentlich am Schlangenbad angebracht. Die Stadtführung versuchte, die Situation zu retten, und machte der Firma im Januar 2019 ein Kaufangebot von umgerechnet 272 000 Euro. Diese lehnte es aber bisher als zu gering ab. Der Oberbürgermeister von Teplitz, Hynek Hanza, möchte das historische Gebäude erhalten und äußerte, daß die Verhandlungen mit dem Bauunternehmer noch nicht abgeschlossen seien. Nach einfacher Instandsetzung könnte es eventuell als Museum der Teplitzer Bädergeschichte dienen. Dabei bleibt zu befürchten, daß das Gebäude am Ende von selbst einfällt wie einst das alte Jubiläumsbad in Schönau. Blicken wir ein Jahrhundert zurück: Vielleicht gäbe es heute nicht einmal das schöne Steinbad, welches 1911 als Kaiserin Elisabethbad anstelle des alten, abgerissenen Steinbades von 1802 eröffnet wurde, wenn ein staatliches Denkmalschutzamt entschieden hätte. Wie würde sich heute wohl Fürst Clary und Aldringen hinsichtlich des Schlangenbades entscheiden? Er hätte es wohl im Interesse eines florierenden Bäderwesens nicht so weit verfallen lassen. Die einzelnen Projektentwürfe finden Sie auf der Website des Architektenbüros unter www. architekti-mise.cz/hadi-lazne2/


HEIMATBOTE

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Bischofteinitz

Ronsperg

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FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Weißensulz

Ronsperg

Böhmische Landpartie nach Bayern

Böhmisch-bayerische Grenze bei Haselbach am Zoll in Vor-Corona-Zeiten. Einmal im Jahr taten sich Bekannte zusammen und bestellten einen Leiterwagen für einen Ausflug nach BayrischSchwarzach, nach Furth im Wald oder nach Waldmünchen. Von so einer Leiterwagenpartie nach Waldmünchen soll heute die Rede sein.

Bild: Luboš Matuš

Der weitere Weg über Mauthaus, Wassersuppen und Haselbach am Zoll war schnell gefahren. Bald waren wir in Waldmünchen. Das Rütteln und Schütteln des ungefederten Leiterwagens,

der Waldmarsch und die Anstrengung durch das ständige Liedersingen machten Appetit und Durst. Als wir in die Wirtsstube traten, hatte die Wirtin schon alle Hände voll zu tun. Als sie uns kom-

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er Leiterwagen wurde mit zwei langen Sitzbrettern ausgestattet, und etwa 20 Ausflügler stiegen ein. Um der größten Hitze auszuweichen, rollte der mit grünem Reis geschmückte Wagen bereits um fünf Uhr früh zum Städtchen hinaus. Noch geraume Zeit hörten die Bewohner der Reichsstraße das „Muß i denn“, aus frischen Kehlen gesungen. Vorbei am Sto(n)bühl, durch Münchsdorf bis zum Ronklhügl ratterte der Wagen. Um die Pferde zu schonen und die Durchblutung des verlängerten Rückgrats ob der harten Sitzbretter wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, wurde abgestiegen und bis zum höchsten Punkt der Hirsichsteinstraße zu Fuß gelaufen. Wir wanderten durch herrlichen Wald bergan, und manches Wanderpärchen brauchte sehr lange, bis es wieder beim wartenden Wagen angelangt war. Aber Fragen wurden keine gestellt, das war Ehrensache.

Wirtshaus Maa in Ronsperg.

Blick auf Wassersuppen mit dem Schwarzkopf im Hintergrund.

Bild: Jan Macura

men sah, rief sie händeringend vom Küchenfenster in den Hof hinaus: „Marie, kumm Bach eina, san scho wieda a Haff (Haufen) Schnitzelbäim käma!“ Wahrscheinlich war unsre Vorliebe für Schnitzel der Grund für diese Titulierung. Die Schnitzel waren nicht nur groß, sondern schmeckten auch vortrefflich, das Bier war stark und süffig, und im Nu gab es eine Bombenstimmung. Bei den üblichen Pfänderspielen war der Tag viel zu rasch vorüber, und der Wagen rollte ob der genossenen Maß um einiges schwerer heimwärts. Der Weg von Mauthaus zur Hirschsteinkehre war zwar sehr beschwerlich, denn er mußte zu Fuß zurückgelegt werden. Aber schließlich kamen auch die Langsamsten oben an. Und nun ging es in einem schönem Trab Richtung Ronsperg. Dabei rissen wir mit unseren Liedern natürlich Frohnau, die Glasschleifen und Münchsdorf aus dem Schlaf, weil sie weniger schön als laut waren. Schließlich landeten wir glücklich so gegen Mitternacht in Ronsperg. Und da war es eine Ehrensache, daß wir beim Maa, der meist das Fuhrwerk gestellt hatte, einkehrten und den Durst stillten. Dabei wurde es spät, bis alle den Heimweg antraten. Heinrich Cenefels

Blick auf Waldmünchen-Spielberg mit dem Schwarzkopf im Hintergrund.

Bild: Flodur63

Verschwundene Ortschaften

Wanderungen durch den Böhmischen Wald Präsentation ausgesucht worden sei, denn dort seien weitere sicherstellende Maßnahmen durchgeführt worden. 2020 sei ein internationales Projekt wiederbelebt worden, das das verschwundene Dorf erneuern wolle. Er freue sich, so Procházka, daß die Kopie der Nepomuk-Statue, deren Nachanfertigung er ie Geschichte von 50 verschwunde- vorgeschlagen habe, nunmehr den ehenen Dörfern, Weilern und Einöden maligen Dorfplatz schmücke und damit nimmt den Leser mit in die Vergangen- Grafenried seinen Schutzherrn wieder heit des Böhmischen zurückhabe. Waldes in den LandDie Neuauflakreis Taus und ist dage schildert die Ummit ein interessangestaltung der Burgtes Nachschlagewerk. turmruine am Alten Im Vorwort zur dritHirschstein zu einer ten Auflage kommt Aussichtsplattform in Zdeněk Procházka zu Wort und Bild. Ebender Erkenntnis, daß so berichtet sie, daß sich in den knapp vier der Schwarzkopf, der Jahren seit der zweiHimbeerenberg und ten Auflage in den verFichtenbach ihr Ausschwundenen Orten sehen markant verännicht viel verändert dern würden. In Fichhabe. tenbach sei dafür ein Eine Ausnahme sei Zdeněk Procházka mit seinem Gebäudekomplex der Grafenried, das für ei- zweisprachigen Bestseller. einstigen Grenzwache Bild: Karl Reitmeier abgerissen ne kulturhistorische worden,

Mit „Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Waldes. I. Teil Kreis Taus“ landete Zdeněk Procházka einen Bestseller. Die erste Auflage erschien 2010, die erweiterte zweite 2017 und soeben die dritte mit 23 neuen Seiten.

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darunter ein ehemaliges Schlößchen der Glasunternehmer. Zur gleichen Zeit seien auch Militärobjekte am Schwarzkopf und am Himbeerenberg abgetragen worden. Deshalb fotografierte Procházka die alten Gebäude. Laut Procházka ist Marek Hrůša bezüglich der unternehmerischen Bemühungen nach einer effektiven Nutzung des Areals der verschwundenen Dörfer für den Fremdenverkehr am weitesten gekommen. Hrůša baut östlich vom historischen Ortskern neue Ferienhäuser. Dieser Ortsteil, so Procházka, der schon heute Hrůšadorf genannt wird, werde mit dem einstigen Plöss nicht viel gemeinsam haben. Hier biete sich ein Vergleich mit dem nahen Paadorf an. Auch dieser Ort erwarte eine Verwandlung, denn an der Stelle des verlassenen Grenzwachkompanieobjektes soll eine Kinderheilanstalt errichtet werden. So werde es im Böhmischen Wald wieder einen verschwundenen und verlassenen Ort weniger geben. In Vorbereitung seien auch ein Umbauprojekt der Grenzwachtkompanie in Eisendorf und eine Umgestaltung des Dorfkerns.

Procházka freut sich, daß andere Projekte zur Neubesiedlung des Naturschutzgebietes und der verschwundenen Ortschaften im Böhmischen Wald zum Glück für diese einmalig verlassene Gegend erfolgreich abgelehnt wurden. Er weist darauf hin, daß er 2018 für die Entwicklungsagentur der Pilsner Region eine Liste von Denkmalen und Sehenswürdigkeiten in den verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Waldes, die von einer größeren Bedeutung seien, erarbeitet habe. Darin seien alle besonders interessanten und schutzwürdigen Orte erfaßt. „Möge diese Liste wenigstens einigen darin erwähnten Ortschaften einen wirklichen Schutz bringen“, hofft Procházka. Zdeněk Procházka: „Wanderungen durch die verschwundenen Ortschaften des Böhmischen Waldes. I. Kreis Taus“. Verlag Böhmischer Wald, Taus 2022; 380 Seiten, 17,90 Euro. Erhältlich bei Touristinfo Waldmünchen oder Karl Reitmeier, Telefon (0 99 72) 31 74, Mobil (01 70) 2 15 04 75, eMail k.reitmeier@tonline.de zuzüglich Porto und Verpakkung.

Wer kennt das Heimatlied? Beim Ordnen der Unterlagen, die seine Mutter und ihre Eltern aus der Rosenmühle sowie Verwandte aus Weißensulz (Metzger-Nigl, Wartha, Haus Nr. 47) im Vertreibungsgepäck retteten, entdeckte Pfarrer Klaus Oehrlein kürzlich eine alte Postkarte. Darauf steht der Text eines Heimatliedes. Oehrlein berichtet.

D

as Weißensulzer Heimatlied kenne ich nicht. Meine Mutter und die Weißensulzer Verwandten sind tot. Ich kann keinen mehr fragen. Auch in „Unser Heimatkreis Bischofteinitz“ und „Bezirk Hostau. Heimat zwischen Böhmerwald und Egerland“ finde ich das Lied nicht. Herausgeber der Karte ist die Verschönerungsgemeinschaft des D.B.W.B. Weißensulz, also des Deutschen Böhmerwaldbundes. Dieser Verschönerungsverein, so nennt ihn Pfarrer Andreas Folger in seiner Pfarrchronik, wurde im Sommer 1934 gegründet und legte im Herbst 1934 die Gartenanlage um die Weißensulzer Kirche an. Der Name „Liederkarte 1“ wirft die Frage auf, ob es weitere Karten mit Liedern gibt. Wann das Lied entstand, ist unbekannt. Autor ist Franz Dimter. Er kam 1906 in Plassendorf bei Vollmau zur Welt. 1924 veröffentlichte der 18jährige das Gedicht „Wie dazumal“ in der in Budweis im selben Jahr gegründeten Monatsschrift „Waldheimat“. In den zehn Jahrgängen bis 1933, solange diese Zeitschrift existierte, publizierte er weitere 25 Gedichte, teils in Mundart. Er wurde Leh- Franz Dimter rer und unterrichtete Bild: Josef Bernklau 1932 bis 1938 an der Bürgerschule in Weißensulz. 1934 schuf er eine Broschüre für diesen Ort, die sich an Touristen wandte und warb – auch mit einem Foto des Waldweihers und mit Anzeigen ortsansässiger Geschäfte –, die Region als Sommerfrische zu besuchen. Auch hier finden wir das Heimatlied nicht. Vielleicht schuf es Dimter im Gefolge der Gründung der Verschönerungsgemeinschaft 1934. Wahrscheinlich entstand es vor seinem Weggang 1938 an die Bürgerschule von Bischofteinitz. Nach der Vertreibung engagierte sich Dimter im Heimatkreis auch als Autor des Bischofteinitzer Heimatbuches und immer wieder im Heimatboten. Er starb 1981 und wurde in Furth im Wald nahe seiner Geburtsstadt beerdigt. Kennt jemand das Heimatlied oder weiß etwas über seine Entstehung? Wurde es schon einmal hier veröffentlicht? Wer kennt die Melodie? Bei welchen Anlässen wurde es vor 1945 oder danach gesungen? Besitzt jemand die erwähnte Werbebroschüre von 1932 für Weißensulz oder weitere Liederkarten? Nachricht bitte an Pfarrer Klaus Oehrlein, Matterstockstraße 39, 97080 Würzburg, eMail st.valentinus@web.de oder an die Redaktion.


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Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Über die „Operation Kámen“/ „Operartion Grenzstein“ schrieb Václava Jandečková vom tschechischen Verein Gesellschaft zur Erforschung der Verbrechen des Kommunismus zwei Bücher, 2018 wurden an der deutschtschechischen Grenze in Neumark Infotafeln aufgestellt, am städtischen Kulturhaus in Neugedein im Kreis Taus erinnert seit Februar 2019 eine Tafel an die Operation, kurz danach begann die von Jandečková gemachte deutsche Version der Wanderausstellung über die Operation, Regisseur Florian Fischer inszenierte sie in Dresden, Prag und anderen Städten. Im Sommer wird das Ovigo-Theater die Zeitreise „Fingierte Grenzen. Auf den Spuren der Aktion ‚Kámen‘“ an vier verschiedenen Grenz-Standorten als zweisprachiges Theatererlebnis geben. Einer ist Paulushütte bei Thiergarten im Kreis Tachau.

V

on 1948 bis 1951 hatte der kommunistische Geheimdienst der ČSSR an mehreren Stellen im Grenzland, darunter auch in Schneiderhof bei Neumark im ehemaligen Kreis Markt Eisenstein, eine fingierte Staatsgrenze mit falschen deutschen Zollämtern und falschen Büros der amerikanischen Spionageabwehr installiert. Am Grenzhäuschen bei Schneiderhof flatterte sogar eine USA-Flagge. In den Büros hingen die Portraits der USA-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. Die Menschen, die zu ihrer Flucht oft sogar unter Androhung einer Verhaftung provoziert worden waren, wurden zudem mit amerikanischen Zigaretten und Getränken versorgt, die Kinder bekamen Schweizer Schokolade. Doch sehr bald kam dann nach den Verhören das böse Erwachen. Sie waren nicht in Freiheit, sondern in die perfide Falle der Staatssicherheit namens „Operation Kámen“ getappt, wurden festgenommen und landeten in Gefängnissen oder Straflagern. Mit der falschen Grenze in Schneiderhof befaßte sich die Geschichtsforscherin und Schriftstellerin Václava Jandečková aus Neugedein. Bei ihren Recherchen war sie auf Stanislav Liška gestoßen, der ein doppeltes Spiel betrieben hatte. Liška war zwar auch an der Operation beteiligt gewesen, hatte aber gleichzeitig vielen Tschechen zur Flucht verholfen. Bis Oktober 1948 sollen das mehr als 100 Personen gewesen sein. Er hatte zudem seinen Freunden im Ausland, die in Verbindung mit der BBC in London standen, die Operation an den amerikanischen Geheimdienst verraten. Liška floh im August

Von Bärnau nach Paulushütte

Auf den Spuren der Stasi 1949 ins Ausland und dokumentierte 1959 im Exil die Vorfälle in Schneiderhof. Er starb 1980 in Kanada. Mit Liškas kanadischen Nachkommen nahm Václava Jandečková Kontakt auf und erhielt schließlich dessen detaillierten Aufzeichnungen. Das Resultat sind zwei Bücher. Selbst das Staatstheater Dresden interessierte sich für „Kámen“ und widmete der Aktion ein Theaterstück, das am 20. Oktober 2018 Premiere feierte. Dafür waren zuvor der aus Altötting stammende Regisseur Florian Fischer und die Dramaturgin Katrin Breschke aus Dresden in das städtische Kulturzentrum Modrá Hvězda (Blauer Stern) in Neugedein gekommen. Das kam nicht von ungefähr. Früher war das Modrá Hvězda ein Hotel, in dem mitunter Tschechen, die über die Grenze gebracht werden sollten, übernachteten. An die ehemalige Ortschaft Schneiderhof erinnern nur noch das Schild „Zaniklá Ves – Untergegangenes Dorf – Myslív – Schneiderhof“, eine alte Tra-

Regisseur Florian Fischer und Historikern Václava Jandečková.

fostation und ein Weiher. In Er- Instituts für zeitgenössische Geinnerung geblieben sind dank schichte der tschechischen AkaVáclava Jandečková die bösen demie der Wissenschaften und Vorfälle in Schneiderhof mit ih- des tschechischen P. E. N.-Zenren beiden Büchern und den ge- trums. Die Forschung habe belungenen Inforwiesen, daß sich mationstafeln. die geheime MeEnde 2019 stellthode „Kámen“ te Jandečková die nicht nur wegen deutsche Versiihrer Häufigkeit on ihrer Wanund Vielfalt, sonderausstellung dern auch weüber die Operagen ihrer tragition vor. Urheschen Folgen von ber dieser immer einer systeminoch wenig beschen Maßnahkannten und einst me des Geheimstreng geheimen dienstapparats Aktion sei, sagzu einem beschäte Jandečková damenden Phänomals, die Staatsmen der tschechisicherheit ge- Florian Wein, künstlerischer schen Geschichte wesen, die diese Leiter des Ovigo-Theaters. verwandelt habe. Aktionen bereits Die Akteure der kurz nach der Machtübernahme im Rahmen der Aktion verübten vom Februar 1948 begonnen ha- Verbrechen seien unbestraft gebe. Wegen ihrer gesamtgesell- blieben. schaftlichen Bedeutung stehe Nun kündigte Florian Wein, die Wanderausstellung unter der der künstlerische Leiter des OviSchirmherrschaft des tschechi- go-Theaters im Kreis Schwanschen Kulturministeriums, des dorf, ein internationales Projekt

Infotafel an der Grenze bei Neumark.

an. Das ist die Zeitreise „Fingierte Grenzen. Auf den Spuren der Aktion ‚Kámen‘“. Das Ovigo-Theater ist ein Theaterverein, der in der Oberpfalz mit Fokus auf dem Landkreis Schwandorf spielt. Das Ensemble gründete sich 2012 und ging aus einer Schultheatergruppe des Ortenburg-Gymnasiums Oberviechtach hervor. Seither hatte es bei verschiedenen Produktionen und Aufführungen fast 25 000 Besucher. Ein Stekkenpferd des Ovigo-Theaters ist das Bespielen ungewöhnlicher Orte. Und das sind die Stellen, an denen zwischen 1948 und 1951 die fingierten Grenzhäuschen standen. Ab dem Sommer wird das Stück an vier verschiedenen Grenz-Standorten gegeben – als zweisprachiges Theatererlebnis für Deutsche und Tschechen, gespielt von etlichen Theaterakteuren aus beiden Ländern. Wein, der für das Gesamtprojekt auch die Regie übernimmt: „Hierfür arbeiten wir mit deutschen Theatergruppen wie dem

Bilder (4): Karl Reitmeier

Ausstellungsplakat

Festspielverein Bärnau oder dem Modernen Theater Tirschenreuth zusammen – genauso wie wir Verbindungen in die Tschechische Republik aufgebaut haben und zahlreiche Spieler aus unserem Nachbarland einbinden.“ „Kámen“-Expertin Václava Jandečková schrieb auch das Stück für das Ovigo-Theater. „Wir möchten an diese wahnwitzige Geheimdienst-Aktion erinnern, denn dies darf nicht vergessen werden“, so Wein. „Dies sind Geschichten, die sich unmittelbar vor unserer Haustür abgespielt haben und von denen wir lange nichts wußten.“ Das OvigoTheater wolle mit der neuen Zeitreise nicht nur durch die schöne Natur wandern und unterhalten, sondern einen Beitrag zur Erinnerungs- und Versöhnungskultur leisten. Das Stück wird – jeweils leicht regional angepaßt – an vier verschiedenen Routen erlebbar sein: von Bärnau nach Paulushütte, von Selb-Wildenau nach Asch; von Waldsassen nach Heiligenkreuz und von Stadlern nach Weißensulz. Die Routen beginnen in Bayern und führen schließlich über einen Wanderweg nach Böhmen – stets auf den Spuren der Aktion „Kámen“. Die Tour von Stadlern im Landkreis Schwandorf ist rund acht Kilometer lang mit grandiosen Naturerlebnissen. Die anderen drei Routen sind jeweils etwa vier Kilometer lang. Das Gesamtprojekt wird am 4. Juni mit der Tour von Bärnau nach Paulushütte Premiere feiern. Zeitlich versetzt beginnen schließlich auch die anderen Standorte mit dem Spielbetrieb. Für jede Route gibt es acht reguläre Termine. Sämtliche Touren können zu einem Extra-Termin auch als Gruppe gebucht werden. Der Vorverkauf begann bereits im Dezember. Die Projektleitung nahm ihre Arbeit längst auf. Mareike Schwab, Maria Oberleitner, André Gießübl und Petra Sommer-Stark arbeiten für das Ovigo-Theater eng mit der Autorin Václava Jandečková an der Vorbereitung zu diesem MammutProjekt. Gegenwärtig teilen sie die Schauspieler und Gästeführer ein. Florian Wein ermuntert zum Mitmachen: „Wer Deutsch und/ oder Tschechisch spricht, mindestens 16 Jahre alt ist und Lust hat, mit Ovigo ein Abenteuer in unserer Grenzregion zu erleben, kann sich jederzeit melden, eine Mail schreiben oder anrufen.“ Nadira Hurnaus Telefon (0 96 76) 9 23 84 56, Internet https://ovigo-theater.de/, eMail info@ovigo-theater.de

Gedenktafel in Neugedein.


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Sudetendeutsche Zeitung 28. Januar 2022 Ausgabe 4 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu