Daniel Mielcarek ist neuer Pressereferent des Sudetendeutschen Museums (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 1+2 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 14. Januar 2022 � EU-Ratspräsidentschaft
Europa auf der Agenda In der zweiten Jahreshälfte übernimmt die Tschechische Republik von Frankreich die EU-Ratspräsidentschaft. Premierminister Petr Fiala hat angekündigt, deutlich mehr Engagement für Europa zeigen zu wollen als sein Vorgänger.
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ie EU-Ratspräsidentschaft sei für die Tschechische Republik eine „große Chance“, sagte Fiala in seiner Neujahrsansprache (siehe Seite 5). „Einige Monate lang werden wir hörbarer und sichtbarer sein und unsere Meinung wird mehr Gewicht haben“, so der neue Premierminister. Auch für die neue Regierung in Prag steht dabei ein Thema ganz oben auf der Agenda: die Atomkraft. Man werde, so Fiala, in Europa viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, „um endlich mit dem Bau von Kernkraftwerken voranzukommen und Investitionen in andere sinnvolle erneuerbare Energien zu fördern“. Der Premierminister: „Das ist der Weg aus der Energiekrise. Die Alternative ist Unterentwicklung und Armut.“ Wie Frankreich, das rund 70 Prozent seines Stroms aus Kernenergie gewinnt, setzt sich auch die Tschechische Republik dafür ein, Atomkraft EU-weit als grüne, und damit förderungswürdige Energie einzustufen. Das Thema Energie stand deshalb auch bei Fialas erster Auslandsreise ganz oben auf der Agenda, die den Premierminister traditionsgemäß am Dienstag ins Nachbarland Slowakei führte, wo er neben seinem Amtskollegen Eduard Heger auch Präsidentin Zuzana Čaputová sowie Parlamentschef Boris Kollár traf. Zeitgleich zu Tschechiens EU-Ratspräsidentschaft übernimmt die Slowakei in der zweiten Jahreshälfte für ein Jahr den Vorsitz in der Visegrád-Gruppe, in der außerdem Polen und Ungarn Mitglied sind. Am Donnerstag folgte in Prag eine Besprechung mit EU-Ratspräsident Charles Michel. Die neue tschechische Fünferkoalition hat bereits angekündigt, das Budget für die EU-Ratspräsidentschaft deutlich zu erhöhen.
VOLKSBOTE
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� Prägungen einer Gemeinschaft
Wurzelgeflecht der Zukunft
Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
� Language Diversity
Selbst an den Brennpunkten der Globalisierung, den internationalen Großflughäfen auf den fünf Kontinenten, stößt man auf sudetendeutsche Spuren – nicht nur in Gestalt zufällig anwesender Landsleute, die einen freudig begrüßen, sondern auch in Form von Aufschriften mit heimatlichem Klang. Mein Isergebirgler Herz jubelt jedenfalls, wenn ich irgendwo in Asien oder Südamerika Schilder mit den Namen „Porsche“ oder „Swarovski“ entdecke. Wenn man dann noch weiß, was alles von Landsleuten erfunden wurde, sich aber schon in den letzten beiden Jahrhunderten globalisiert hat – von der Schiffsschraube über die Feinstrumpfhose und den Gablonzer Schmuck bis hin zum Würfelzucker –, spürt man doch, daß wir auch mehr als 75 Jahre nach der Vertreibung immer noch recht sichtbare Spuren hinterlassen haben und weiterhin hinterlassen.
Europa der Sprachen Europa steht für Vielfalt. In den 47 europäischen Staaten, die dem Europarat angehören, gibt es 220 bis 230 indigene Sprachen und Sprachgruppen mit rund 100 Millionen Angehörigen. In der EU existieren neben den 24 Amtssprachen über 60 Regional- oder Minderheitensprachen, deren Sprecherzahl mit 40 Millionen Bürgern beziffert wird. Grafik: Language-diversity.eu
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ies gilt für Politik und Kultur, Literatur und Wissenschaft, Kunst und Sport. Bei der Eröffnung des Sudetendeutschen Museums vor gut einem Jahr erwähnte ich Landsleute, von denen die anwesenden Gäste aus dem politischen Leben nicht ahnten, daß sie zu uns gehören, wie den Fußballstar Philipp Lahm, der sich zu seiner Egerländer Herkunft bekennt, oder den Unterhaltungskünstler Harald Schmidt, der in einer Talkshow, auf seinen angeblich typisch schwäbischen Humor angesprochen, konterte: „Wenn schon, dann sudetendeutsch!“ Gerade in einer Zeit, in der sich gewachsene Milieus auflösen und die Globalisierung alles zu beherrschen scheint, spielen gleichzeitig Identitäten eine immer größere Rolle – und dies keinesfalls nur im positiven Sinne. Sie werden benutzt, um zu spalten: Impfbefürworter gegen Impfgegner, Trump-Anhänger gegen Biden-Freunde, Veganer gegen Wurstliebhaber, KlimaAktivisten gegen Leugner des menschengemachten Klimawandels. Vor allem in den so genannten Sozialen Medien – die das Wort „sozial“ beileibe nicht verdienen – wird weniger Gemeinschaft gestiftet als an hermetisch
abgeriegelten Blasen für unzählige gegeneinander polarisierte Sondergruppen gearbeitet. Zahlreiche Konflikte in der Welt lassen sich auf nationale, konfessionelle, historische oder kulturelle Wurzeln zurückführen. Wäre es da nicht besser, fragt mancher, Identitäten einfach aufzulösen? Von „Buntheit“ wird dabei gesprochen und von „Diversität“. Welches Bild soll aber, wenn dies möglich ist, bunt sein, wenn man alle Farben einfach verrührt? Das Ergebnis ist immer ein häßliches Braun.
Gefahr für Freiheit und Kreativität
Doch auch die Rezepte der Rechts- und der Linksidentitären sind brandgefährlich. Ein bloßes Nebeneinander von abgeschotteten Nationen hätte niemals unser herrliches Europa und die faszinierenden Kulturen anderer Erdteile hervorgebracht, die sich seit den ersten seefahrenden Entdeckern gegenseitig maßgeblich befruchtet haben. Ein ei-
ner einförmigen Gender-Sprache und -Ideologie unterworfenes Eine-Welt-Konstrukt wäre aber genauso trostlos, seelen- und geisttötend. Sowohl Rechts- als auch Linksidentitäre gefährden massiv Freiheit und Kreativität. Wir Sudetendeutsche haben eine uralte Erfahrung mit kulturellen Einflüssen und Gegeneinflüssen. Böhmen, Mähren und Schlesien verdanken ihre einzigartige Strahlkraft der Tatsache, daß sie mehr als ein Jahrtausend lang der Begegnungsraum von Deutschen und Tschechen, Christen und Juden waren und daraus heute noch, trotz totalitärer Brüche und Ideologien, ihre Substanz beziehen. Sie waren trotz oder sogar wegen einer gewissen Sonderrolle das Herz des übernationalen Heiligen Römischen Reiches, in dem nicht nur Deutsch, sondern auch Sorbisch, Tschechisch, Polnisch, Slowenisch, Ladinisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch oder Dänisch gesprochen wurde. Sie bildeten den kulturellen und
wirtschaftlichen Fortschrittsmotor im Kleineuropa der habsburgischen Vielvölkermonarchie. Sie wurden in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zwar leider nicht die „östliche Schweiz“, die zu schaffen Edvard Beneš bei der Pariser Friedenskonferenz versprochen hatte, erwiesen sich aber doch einige Jahre lang als Zufluchtspunkt für NS-Gegner aus dem benachbarten Dritten Reich. Wenn dies alles auch zum Opfer von Nationalismus, Nationalsozialismus, Holocaust, Vertreibung und Kommunismus wurde – wobei niemand diese sehr unterschiedlichen Phänomene in einen Topf werfen sollte, aber ihre zerstörerischen Auswirkungen sind bis heute spürbar –, so lebt in dem Land, in dem unsere Volksgruppe ihre Wurzeln hat, manches von dessen ursprünglicher Schönheit weiter oder kann mit Fingerspitzengefühl in tschechisch-sudetendeutscher Zusammenarbeit wieder belebt werden. Hier liegt die eigentliche, hi-
storische Funktion unserer Gemeinschaft. Petr Pithart, der ehemalige tschechische Ministerpräsident und UntergrundSchriftsteller gegen den Kommunismus, hat dieser Tage gesagt, die Gründung der Charta 77 vor genau 45 Jahren habe „die Seele der Nation gerettet“. Heute geht es um die Seele des sich einigenden Europa, des sich wiedervereinigenden Mitteleuropa und der Böhmischen Länder, mit denen wir uns nach wie vor zutiefst verbunden fühlen. Wenn Identität nicht zerstörerisch mißbraucht wird, sondern offen ist, sich weiterentwickelt und Brücken zwischen den verschiedenen Sprachen und Traditionen schlägt, ist sie auch attraktiv für junge Menschen. Die EU hat 2022 zum „Europäischen Jahr der Jugend“ erklärt. Machen wir es auch zu einem Sudetendeutschen Jahr der Jugend, in dem wir das Wurzelgeflecht pflegen, aus dem Neues entstehen kann, das unserer Geschichte und Kultur würdig ist!
� Aus persönlichen und familiären Gründen
Marcel Huber verabschiedet sich aus der Politik Aus persönlichen und familiären Gründen zieht sich Marcel Huber aus der Politik zurück. Der CSU-Politiker mit sudetendeutschen Wurzeln legt zum 15. Januar auch sein Mandat im Bayerischen Landtag nieder.
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Andreas Lorenz
amit endet eine beispiellose politische Karriere des Sudetendeutschen aus dem oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn. Neben zahlreichen wei-
teren Funktionen wirkte er in der Bayerischen Staatsregierung als Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz und Leiter der Bayerischen Staatskanzlei sowie Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben. Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bedauerte diesen Schritt seines „politischen und persön-
lichen Freundes Marcel Huber, der sich immer für seine Landsleute und insbesondere die große Vertriebenengemeinde Waldkraiburg eingesetzt“ habe. Posselt: „Wir bleiben Marcel Huber verbunden, zumal er als vielseitig interessierter Mensch und als begabter Krippenbauer auch an der Bewahrung unseres gemeinsamen Kulturgutes mitwirkt.“ Nachrücker Hubers wird der Münchner Andreas Lorenz,
ebenfalls sudetendeutscher Abstammung, der sich auch als Betreuungsabgeordneter um den Landkreis kümmern wird. Lorenz war bereits von 2008 bis 2018 Abgeordneter des Bayerischen Landtags und von 1996 bis 2008 Mitglied des Münchner Stadtrates. Beruflich ist der Vater einer Tochter Geschäftsführer des Dachverbandes Bayerischer Träger für Kindertageseinrichtungen e.V.
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er 1880 in Nürnberg geborene Architekt Adolf Foehr zog schon als Kind mit seinen Eltern nach Prag um. Dort studierte er an der Deutschen Technischen Hochschule und später auch an der ETH Zürich. In den ersten Jahren war er vom Jugendstil fasziniert, aber später wurde er ein konservativ orientierter Anhänger des neoklassizistischen Stils, den er immer wieder vereinfachte. In den 1930er Jahren baute er in Prag insgesamt 57 Mietshäu-
PRAGER SPITZEN
ser, sowie das Palais der deutschösterreichischen Versicherung „Donau“, das ganz im Zentrum von Prag, in der Brennetgasse (Spálená) Nr. 74/18, steht. Der SL-Büroleiter Peter Barton ging täglich an diesem eher einfachen Gebäude vorbei, bis er einmal stehen blieb und nachlas, wer der Architekt war. Foehr starb mit nur 63 Jahren in einer psychiatrischen Klinik in Prag. Wir wollen unseren Lesern im Laufe dieses Jahres noch weitere Werke des Prager Deutschen Foehr präsentieren.
Quarantänezeit wird verkürzt
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m den Betrieb der kritischen Infrastruktur aufrecht erhalten zu können, hat die tschechische Regierung beschlossen, die Quarantänezeit bei einer Corona-Infektion von 14 auf fünf Tage zu verkürzen. Diese Regelung gilt allerdings nur bei Patienten ohne Covid-19-Symptome. Bei Beschwerden endet die Isolation hingegen erst zwei Tage nach Abklingen der Krankheit.
Australian Open in Melbourne
Corona-Chaos: Tschechischer Tennisprofi abgeschoben Er hat geklagt, sie wurde abgeschoben: Die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Tennis-Weltranglistenersten Novak Djokovic und der australischen Einwanderungsbehörde beschäftigt seit Wochen die Medien auf der ganzen Welt. Dagegen ist der Fall des tschechischen Tennisprofis Renata Voráčová nur eine Randnotiz – obwohl sich beide Fälle gleichen.
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it dem TC Blau-Weiß Bocholt wurde Voráčová dreimal deutsche Mannschaftsmeisterin und hat zuletzt 2019 mit der Schwedin Cornelia Lister im Doppel das WTA-Turnier in Palermo gewonnen. In der Doppel-Wertung wird die ehemalige Wimbledon-Halbfinalistin derzeit auf Platz 82 der Weltrangliste geführt. Ihr Plan, wie ihr berühmter Sportkollege Djokovic bei den Australian Open anzutreten, endete jedoch im Fiasko. Tage nach der Einreise und nachdem sie bereits an einem Vorbereitungsturnier teilgenommen hatte, annulierte die australische Einwanderungsbehörde das Visum und brachte Voráčová in eine bewachte Abschiebeunterkunft, ein ehemaliges Hotel, in dem auch Djokovic mehrere Tage ausharren mußte. Der Grund für die Festsetzung: Voráčová hatte sich nicht gegen Corona impfen lassen. Nach eigener Aussage war die Tennisspielerin aber Weihnachten an Corona erkrankt, aber mittlerweile genesen. Auch Djokovic hatte später vor Gericht behauptet, er sei coronapositiv gewesen und mittlerweile genesen. Doch im Gegensatz zum Weltranglistenersten heuerte Voráčová keine Heerscharen von Anwälten an, um gegen die Entscheidung der Behörden juristisch vorzugehen. Sie sei sich ein bißchen wie in einem Gefängnis vorgekommen, kommentierte die 38jährige gegenüber der Prager Zeitung MF Dnes. Sie habe ihr Zimmer nicht verlassen dürfen, auf dem Flur
Die ehemalige Wimbledon-Halbfinalistin Renata Voráčová wurde vor dem Start der Australien Open in Melbourne festgesetzt und abgeschoben. Foto: si.robi, CC BY-SA 2.0, Wikimedia und unter ihrem Fenster hätten Wachleute gestanden. „Glauben die etwa, daß ich springe und flüchte“, klagte Voráčová. Dem australischen Tennisverband warf sie vor, sie über die Einreisebestimmungen in die Irre geführt zu haben. „Ich habe alles getan, was man von mir verlangt hat“, betonte sie und klagte, sie sei „stundenlang verhört“ worden. Erst nach Tagen konnte sie per
Flugzeug über Dubai nach Prag und dann weiter in ihren Heimatort Hwozdna bei Zlin in Mähren ausreisen. „Zunächst einmal muß ich mich mental und gesundheitlich erholen, denn ich habe viele Nächte nicht geschlafen. Es ist nicht so, daß ich zu Hause angekommen bin und meine Ruhe habe“, sagte Voráčová nach ihrer Rückkehr gegenüber dem tschechischen Magazin iSport.
Voráčová: „Ich bin nicht wütend, ich habe nicht einmal die Kraft dazu, aber die Leute können sich nicht wirklich vorstellen, was das alles, einschließlich der Befragung, mit einem Menschen macht. Sie waren nicht gemein zu mir, sie haben mich nicht körperlich angegriffen, aber es war emotional sehr anstrengend. Ich konnte mich nicht auf die ganze Sache vorbereiten, es war ein aussichtsloser Kampf im Vorfeld, meine Argumente interessierten sie während des Verhörs überhaupt nicht. Ich habe körperlich gelitten. Seit ich in dem Abschiebehotel war, habe ich abgenommen. Obwohl es nur zwei Nächte waren, fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Das erste Mal habe ich im Flugzeug auf dem Rückweg gegessen.“ Nach der Visa-Widerrufung droht der Tennisspielerin nach australischem Recht ein Einreiseverbot für die nächsten drei Jahre. Voráčová hofft, daß man in ihrem Fall eine Ausnahme macht, zumal sie enorme Kosten hatte und es fraglich ist, ob der australische Tennisverband eine Entschädigung zahlen wird. „Ich mußte alle meine Ausgaben selbst bezahlen. Aber selbst wenn ich eine Entschädigung fordere, wird das nicht einfach sein“, so der Tennisprofi. Anders als ihr weltberühmter Kollege Djokovic sei sie keine Impfgegnerin, habe aber die Möglichkeit verpaßt, sich vor dem Abflug zu impfen, weil sie sich vor den Weihnachtsferien mit dem Coronavirus infiziert habe. „Am 20. und 23. Dezember wurden bei mir Bluttests durchgeführt, und selbst auf der Grundlage dieser Tests wurde mir nicht empfohlen, mich sofort impfen zu lassen“, erklärte sie und kündigte an, sich nach Rücksprache mit ihren Ärzten schnellstmöglich impfen zu lassen. Voráčová: „Ich denke, das ist eine notwendige Sache. Aber ich weiß nicht, ob die Aufteilung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte etwas bringt, und die Tenniswelt sollte darüber nachdenken.“ Torsten Fricke
Interview mit Botschafter Tomáš Kafka ist auch in dessen Heimat ein Thema
Sudetendeutsches Gespräch auf Tschechisch Ein Interview, das Grenzen überschreitet: Das Sudetendeutsche Gespräch, das Ulrich Miksch, Korrespondent der Sudetendeutschen Zeitung in Berlin, mit dem tschechischen Botschafter Tomáš Kafka geführt hat, ist auch in dessen Heimat aufgegriffen worden.
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Sudetendeutsche Zeitung.
as deutsch-tschechische Onlinemagazin n & n berichtete ausführlich über das große Interview, das die Sudetendeutsche Zeitung in der Reihe Sudetendeutsche Gespräche am 10. Dezember veröffentlicht hat.
So berichtete das deutsch-tschechische Onlinemagazin n & n.
Botschaftertreffen mit Außenminister
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nfang der Woche haben sich alle tschechischen Botschafter zur gemeinsamen Tagung mit dem neuen Außenminister Jan Lipavský (Piraten) und dem Minister für europäische Angelegenheiten, Mikuláš Bek (parteilos), im Czernin-Palais zusammen gefunden. Hauptthema dieses Jahrestreffens war die Vorbereitung der EU-Ratspräsidentschaft (siehe auch Seite 1) mit den Politikfeldern Klima, Binnenmarkt, Energie, Umweltschutz und Migration.
Mit mehr Spielern zur Handball-EM
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m für den Fall gewappnet zu sein, daß Spieler positiv getestet werden und quarantänebedingt ausfallen, reist die tschechische Handball-Nationalmannschaft mit einem auf 20 Spieler erweiterten Kader zur Europameisterschaft nach Preßburg, wo die EM-Gruppenspiele stattfinden. Zum Auftakt ging es am gestrigen Donnerstag gegen Titelverteidiger Spanien. Danach folgen Bosnien und Herzegowina sowie Schweden. Insgesamt acht Spieler des tschechischen Kaders stehen bei deutschen Vereinen unter Vertrag.
Trauer um Regisseur Dušan Klein
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ach langer Krankheit ist der tschechische HolocaustÜberlebende Dušan Klein am Sonntag im Alter von 82 Jahren in einem Prager Krankenhaus gestorben. Der berühmte tschechische Filmregisseur und Drehbuchautor wurde 1939 im ostslowakischen Großmichel in einer jüdischen Familie geboren. Sein Vater versuchte ihn und seinen Bruder vor den Nationalsozialisten zu verstecken. Letztlich wurden sie jedoch verraten, und
Dušan Klein wurde ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Er überlebte den Holocaust, sein Vater wurde von den Nazis jedoch hingerichtet. Bekanntheit erlangte Dušan Klein später vor allem durch seine Kino-Triologie über „Poeten“ in den 1980er Jahren. Über fünf Millionen Zuschauer sahen in den tschechoslowakischen Kinos die drei Filme.
Tourismus leidet weiter unter Corona
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och immer verzeichnet die tschechische Hotellerie deutlich weniger ausländische Gäste als in der Vor-Corona-Zeit, berichtet die staatliche Tourismusagentur CzechTourism. So lag im November 2021 der Anteil an Gästen aus dem Ausland bei 41 Prozent, während es 2019 noch 60 Prozent waren. Mit 63 000 kamen die meisten Hotelgäste dabei aus Deutschland, während die Gästezahlen aus China, Südkorea, Japan und Rußland um bis zu 90 Prozent zurückgegangen sind. Allerdings: Im November 2020 war die Zahl der ausländischen Gäste sogar auf nur 25 Prozent eingebrochen.
Kryptowährungen immer beliebter
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er Handel mit Kryptowährungen hat im vergangenen Jahr in der Tschechischen Republik um ein Viertel auf fast fünf Milliarden Kronen (205 Millionen Euro) zugenommen, hat das Handelsportal Bit.plus gemeldet. Besonders gefragt seien Bitcoin und Ethereum.
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Arbeitsmarkt wird weiter geöffnet
m Kampf gegen den Facharbeitskräftemangel will die tschechische Regierung die Zugangsvoraussetzungen für Ausländer weiter lockern, hat der Minister für Arbeit und Soziales, Marian Jurečka (KDU-ČSL) am Sonntag erklärt. Jurečka kündigte an, mit Vertretern der Arbeitgeber und der Gewerkschaften über entsprechende Maßnahmen zu verhandeln. Der Vorsitzende des tschechischen Gewerkschaftsverbandes, Josef Středula, erklärte, derzeit seien rund 730 000 ausländische Arbeitnehmer registriert. Er erwarte, daß die Regierung vor allem Arbeitskräfte aus Deutschland, Großbritannien oder Irland anwerbe.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE Heimat in Bildern 2022
In der Ranklau „Heimat in Bildern 2022“ heißt der Kalender der Sudetendeutschen Landsmannschaft (Bestellungen unter Telefon (0 89) 48 00 03 70 oder per eMail an info@sudeten.de). Mit großartigen Bildern werden bewegende Heimatgeschichten erzählt. „In der Ranklau“ steht für die zweite Januarhälfte und wurde von Gerhard Hopp fotografiert.
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wischen Innergefild und Haidl liegt die Ranklau, eine große Lichtung inmitten des Böhmerwaldes. Dort stand einst ein einzelnes landwirtschaftliches Anwesen, der Ranklhof. Dies war die Heimat des Rankl Sepp, des „letzten Böhmerwaldriesen“. Josef Klostermann, so sein eigentlicher Name, wurde am 16. Jänner 1819 als ältestes von neun Kindern geboren. Die Familie gehörte zu den Künischen Freibauern. Nach dem Tod des Vaters übernahm Josef den Hof und arbeitete im Nebenerwerb als Fuhrmann. Tue Gutes und rede darüber: Das Sudetendeutsche Museum in München hat seit Anfang des Jahres einen eigenen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit, um die eindrucksvolle Dauerausstellung sowie weitere Veranstaltungen und Sonderausstellungen über alle Kommunikationskanäle bekanntzumachen. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erklärt Daniel Mielcarek, warum er schon immer unbedingt für ein Museum arbeiten wollte und was ihn persönlich mit dem Thema Vertreibung verbindet.
Bekannt wurde der Rankl Sepp jedoch durch seine Körpergröße – im Erwachsenenalter maß er 2,13 Meter – und seine enorme körperliche Kraft, die ihn zu fast unglaublich erscheinenden Leistungen befähigte. So gelang es ihm, ein mit einem 25 Meter langen Baumstamm beladenes Fuhrwerk allein aus einem Straßengraben zu befreien. Besonders gerühmt wurde Klostermann allerdings dafür, seine Stärke niemals zum Nachteil anderer eingesetzt zu haben – er war als äußerst freundlich, hilfsbereit und bescheiden bekannt. In seiner Heimat erinnern heute eine Statue und eine Gedenktafel an Josef Klostermann. Ein literarisches Denkmal setzte ihm
Interview mit Daniel Mielcarek, der seit Januar für die Öffentlichkeitsarbeit des Sudetendeutschen Museums zuständig ist
„Ich bin ein Geschichtenerzähler“
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err Mielcarek, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Wie oft waren Sie schon im Sudetendeutschen Museum? Daniel Mielcarek: Ich hatte das Glück, daß Dr. Raimund Paleczek, der Vorsitzende des Sudetendeutschen Instituts, sich gleich an meinem ersten Arbeitstag Zeit genommen hat und mit mir zwei Stunden durch das Museum gegangen ist. Da ich aber sehr viele Fragen hatte, sind wir am Tag drauf noch einmal durch das Museum gegangen und haben das Thema weiter vertieft. Sie haben nach Ihrem Kommunikationsstudium als Journalist in München gearbeitet. War in dieser Zeit das Sudetendeutsche Museum bereits Thema für Sie? Mielcarek: Ich bin sowohl privat als auch beruflich sehr kulturinteressiert. Eine meiner Leidenschaften sind Museen. Ich glaube, daß ich wirklich behaupten kann, fast jedes Museum in München mindestens einmal besucht zu haben. Ich habe natürlich über das Projekt Sudetendeutsches Museum mehrfach berichtet. Mein letzter Artikel war eine Aufmachergeschichte über die Eröffnung... ... die coronabedingt in sehr kleinem Kreis und ohne den sonst üblichen großen Besucherrundgang stattfinden mußte. Konnten Sie das dann später nachholen? Mielcarek: Zunächst nicht, da ich anschließend zurück nach Kiel gezogen bin, um nach einem Todesfall in der Familie die Dinge vor Ort zu regeln. Somit war das Sudetendeutsche Museum bis jetzt das einzige Museum im Raum München, das ich nicht von innen kenne. Umso glücklicher bin ich, daß ich jetzt für dieses wundervolle Museum arbeiten darf. Welche persönlichen Beziehungen haben Sie zum Thema Vertreibung? Mielcarek: Ich bin in Polen geboren worden. Meine Eltern waren Spätaussiedler. Meine Kindheit und Jugend habe ich dann im Ostseebad Schönberg verbracht. Seit vielen Jahren engagiere ich mich im Bund der Ju-
Zur Person: Daniel Mielcarek Geboren 8. Juli 1989 in Thorn, Polen. Nach der Spätaussiedlung der Eltern aufgewachsen im Ostseebad Schönberg (Schleswig-Holstein). Studium der Kommunikationswissenschaft in Kiel und Auslandssemester in Preßburg und Wilna sowie Praktika Paris und Florenz. Abschluß Master of Arts. Von 2018 bis 2021: Redakteur beim Münchner Wochenblatt und Münchner Wochenanzeiger. Seit 2018 Mitglied im Bund der Jugend der deutschen Minderheit aus Polen. Seit 2018 ehrenamtlicher Minority Messenger für die Jugend Europäischer Völkergruppen (Europarat).
Daniel Mielcarek an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Sudetendeutschen Museum in München. Foto: Torsten Fricke gend der deutschen Minderheit und in der Jugend Europäischer Völkergruppen für nationale Minderheiten, wo ich seit 2018 als Minority Messenger tätig bin. Meine Aufgabe ist es, den Kontakt zwischen den unterschiedlichen Minderheiten herzustellen. Über diesen Weg habe ich vor ein paar Jahren die Sudetendeutsche Jugend und später auch den Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, kennengelernt. So habe ich viel über die Geschichte der Sudetendeutschen erfahren, und das hat mich sehr berührt. Die Sudetendeutschen sind in Bayern als vierter Stamm anerkannt. Seit den 1950er Jahren übernimmt der jeweilige Ministerpräsident die Schirmherrschaft. Wie ist die Lage in Ihrer zweiten Heimat Norddeutschland? Mielcarek: Als Vorbereitung auf meine jetzige Aufgabe habe ich in Schleswig-Holstein Hei-
matstuben besucht. Besonders eindrucksvoll war dabei ein Abstecher nach Trappenkamp im Kreis Bad Segeberg. Trappenkamp ist kein gewachsener Ort, sondern wurde im Zweiten Weltkrieg zu einem mit vielen Bunkern geschützten Lager für Seeminen und Munition ausgebaut. Nach Kriegsende wurden hier Flüchtlinge untergebracht, darunter auch jene Menschen, die aus dem Sudetenland vertrieben worden waren. Diese Zeitzeugen leben teilweise heute noch dort. Heute kann man als Außenstehender nur noch erahnen, was diese Menschen erleben mußten. Wie sie entwurzelt wurden und in eine völlig andere Umgebung wieder von vorne anfangen mußten. Bereits zu meiner Zeit als Journalist in München habe ich regelmäßig Veranstaltungen im Sudetendeutschen Haus besucht und auch Reportagen mit Zeitzeugen veröffentlicht. Ich bin ein Geschichtenerzähler. Ich fin-
de es erfüllend, die bewegenden Erlebnisse dieser Menschen weiterzutragen. Was ist Heimat für Sie? Mielcarek: Als ich geboren wurde, fielen in Europa die Mauern. Heimat hat deshalb für meine Generation eine andere Bedeutung. Ich bin in Polen geboren, bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen, habe auch in der Slowakei, Litauen, Frankreich und Italien studiert, lebe jetzt wieder in München und meine Freundin ist Italienerin. Heimat ist deshalb für mich zunächst ein Konstrukt aus Erinnerungen und Erfahrungen, obwohl ich weiß, daß Heimat weitaus mehr ist. Nicht umsonst heißt es: Um zu wissen, wo man hingeht, muß man wissen, wo man herkommt. Ich hoffe, daß
ich durch meine Arbeit im Sudetendeutschen Museum darüber reflektieren kann, um eine eigene Antwort für mich zu finden. Ich finde das sehr spannend. Was ist Ihr Lieblingsausstellungsstück im Sudetendeutschen Museum? Mielcarek: Klar ist das gigantische Böhmerwald-Motorrad ein Hingucker, und die Vertreibungskoffer und andere Erinnerungen aus dieser schweren Zeit bringen jeden zum Nachdenken, aber für mich persönlich sind die Multimedia-Stationen am eindrucksvollsten. Ich habe ein Faible für Filme, habe früher Drehbücher geschrieben, an Wettbewerben teilgenommen und analysiere zum Leidwesen meiner Mitzuschauer jeden Kinofilm
3 Der Sudetendeutsche Kalender 2022. ein entfernter Verwandter, der Böhmerwald-Schriftsteller Karl Klostermann, in dessen Roman „Im Böhmerwaldparadies“ der Rankl Sepp eine Hauptrolle spielt. Das Leben des Josef Klostermann ist gut dokumentiert: In ihrer Anekdotensammlung „Geschichten vom Rankl Sepp“ haben Hans Kollibabe und Johann Luksch zahlreiche Aufzeichnungen und Erzählungen von Zeitzeugen versammelt. Der Morsak-Verlag (https:// moverlag.eu/) hat dieses Buch erst kürzlich neu aufgelegt.
bis ins Detail. Dieses Multimedia-Stationen mit den Zeitzeugenberichten machen das Sudetendeutsche Museum authentisch. Und diese moderne Form der Erzählung zeigt, daß Geschichte eben nicht staubtrocken ist, sondern im Gegenteil spannend, packend und eindrucksvoll. Unser Ziel muß es sein, nicht nur die Erlebnisgeneration für das Sudetendeutsche Museum zu gewinnen, sondern auch die Bekenntnisgeneration und alljene Menschen, die mehr über diese wichtige Epoche der europäischen Geschichte erfahren wollen. Wie verbringen Sie Ihre Zeit, wenn Sie nicht im Museum sind? Mielcarek: Ich reise sehr gerne. Vor Corona hatte ich bereits über 40 Länder besucht. Mich faszinieren Menschen und Sprachen. Ich bin bilingual deutschpolnisch aufgewachsen und habe später Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch in unterschiedlichen Stufen gelernt. Während meines Auslandssemesters in Preßburg bin ich über die vielen Ausflüge und Begegnungen mit den Einheimischen mit Slowakisch in Berührung gekommen und komme deshalb auch mit dem Tschechischen zu recht. Außerdem habe ich ein ungewöhnliches und für meine Generation altmodisches Hobby: das Schreiben von Postkarten. Ich bin über eine Webseite mit anderen Postkarten-Fans rund um den Globus vernetzt und bekomme jeden Tag eine oder mehrere Postkarten aus allen Teilen der Welt. Übrigens: Direkt vor meinem Arbeitsbeginn im Sudetendeutschen Museum fand ich in meinem Briefkasten Postkarten aus dem ehemaligen Sudetenland. Für mich ist das ein Wink des Schicksals. Was haben Sie sich für Ihre Tätigkeit im Sudetendeutschen Museum vorgenommen? Mielcarek: Die Vielfalt an Kommunikationskanälen hat mit der Digitalisierung exponentiell zugenommen. Mein Ziel ist es, das Sudetendeutsche Museum nicht nur im Print, also in Zeitungen und Zeitschriften, zu positionieren, sondern auch in der digitalen Welt mit YouTube, Twitter, Facebook, Instagram und Tiktok. Wie sind Sie von den Kollegen aufgenommen worden? Mielcarek: Hervorragend, wir sind im Sudetendeutschen Museum ein internationales Team mit viel persönlicher und fachlicher Expertise. Unser Chef Dr. Stefan Planker hat nicht nur vor seiner Tätigkeit in München erfolgreich ein Museum geführt, sondern hat als Ladiner auch persönlich eine große Beziehung zum Thema Minderheiten. Torsten Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1 + 2 | 14.1.2021
VERANSTALTUNGSKALENDER Sudetendeutsches Museum
Alles andere ist zu ersetzen
Sudetendeutsches Haus
Noch bis Mittwoch, 2. Februar: „Alles andere ist zu ersetzen. Weihnachtskrippen in Böhmen und Mähren“. Sonderausstellung des Sudetendeutschen Museums im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 18.00 Uhr. Die zweite Sonderausstellung des Sudetendeutschen Museums ist der Jahreszeit entsprechend den Weihnachtskrippen gewidmet. Gezeigt werden rund 50 Exponate aus der Sammlung des Museums, die normalerweise im Depot der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Das Zitat im Titel der Ausstellung ist der vom Vorbesitzer erstellten Dokumentation zur sogenannten Tyrolt-Krippe entnommen. Der Verfasser gibt hier
Donnerstag, 27. Januar, 18.00 Uhr: Gedenkveranstaltung für die vertriebenen Ungarndeutschen. Adalbert-Stifter-Saal, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Traditionsgemäß laden das Generalkonsulat von Ungarn in München und das Haus des Deutschen Ostens wieder zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung anläßlich des Ungarischen Gedenktages für die vertriebenen Ungarndeutschen ein. In einem Kurzvortrag stellt der Musikwissenschaftler und Experte für die deutsche Musikgeschichte in Südosteuropa, Dr. Franz Metz, die Kir-
Gedenken an vertriebene Ungarndeutsche
Noch bis Sonntag, 30. Januar: Ausstellung „Marktredwitzer Krippenkultur“. Egerland Kulturhaus, Fikentscherstraße, Marktredwitz. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, von 14.00 bis 17.00 Uhr. Noch bis Montag, 31. Januar: „Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim“. Glasmuseum, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Mittwoch, 26. Januar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde. Diskussion über das Thema „Situation Seliger-Gemeinde Bund; Auswirkungen auf die Regionalgruppe? Haus des Deutschen
die Überlegung seines Vaters wieder, was bei der bevorstehenden Vertreibung aus Zwittau im Schönhengstgau unbedingt mitzunehmen wäre: „Es gab nur ein Thema: Was nehmen wir mit? Mein Vater sagte: ,Alles andere ist zu ersetzen, nur die Krippe nicht.‘“ Es bringt so die hohe Wertschätzung der Weih-
nachtskrippen auf den Punkt, denn für die verbotene Mitnahme solcher Stücke bei der Vertreibung 1945/1946 aus der damaligen Tschechoslowakei drohten schwere Strafen. Zu sehen sind Krippen aus vielen Teilen Böhmens und Mährens. Darunter sind kunsthandwerklich hochwertige Stücke,
aber auch einfache Arbeiten, die nach der Ankunft in der neuen Heimat geschaffen wurden. Besonders eindrucksvoll sind zwei große Landschaftskrippen aus Mähren und eine mechanische Krippe aus dem Erzgebirge mit vielen beweglichen Elementen. Zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Publikation erschienen.
Ostens, Am Lilienberg 5, München. Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 23. Februar,
der Burg Hohenberg 2008 mit Besuch der Stadt Aussig. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Sonntag, 6. März, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königs-
Bundes der Vertriebenen (BdV) Bayern. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, Landesdelegiertenversammlung der SL Bayern. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke (frühbürgerliche Revolution um 1525). Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen), Bitte Quartiere direkt buchen unter (0 97 48) 9 12 20, eMail: info@gasthof-zum-biber.de. Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Tel. (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com Montag, 2., 9.00 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE. Samstag, 7. Mai, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Juni, 72. Sudetendeutscher Tag in Hof. Motto: „Dialog überwindet Grenzen“. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert auch in diesem Jahre eine Reise mit zwei Bussen (Nord- und Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Die Ausschreibung erfolgt im Frühjahr. Sonntag, 6. November bis Freitag, 11. November, Seminarwoche für Multiplikatoren. Heiligenhof in Bad Kissingen. Freitag, 11. und Samstag, 12. November, Sudetendeutscher Heimatrat. Heiligenhof.
Hinweis Corona-Pandemie
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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde. Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in
brunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Märzgedenken. Bürgersaal Wehringen. Referent: Christian Knauer, Landesvorsitzender des
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Sudetendeutscher Kalender 2022 SUDETENDEUTSCHER KALENDER
HEIMAT IN BILDERN
Mährisch Trübau / Moravská Třebová (Schönhengstgau)
In der Ranklau / Ranklov (Böhmerwald)
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chenmusik der Ungarndeutschen vor. Die Musiktradition der Ungarndeutschen ist ein wichtiger Bestandteil der Musikkultur Ungarns, wobei eine klare Abgrenzung zwischen deutscher und ungarischer Musik oft schwierig ist. Nach dem Vortrag folgt die Darbietung ausgewählter Musikstücke durch Dr. Franz Metz an der Orgel. Im Anschluß an die Veranstaltung laden das HDO und das Ungarische Generalkonsulat zum Empfang. Anmeldung per eMail an einladung-muenchen@mfa. gov.hu oder per Telefon unter (0 89) 9 62 28 02 00.
Rolle von Medien bei Flucht, Vertreibung und Migration Samstag, 15. Januar von 16.00 bis 18.00 Uhr: „Die Rolle von Medien bei Flucht, Vertreibung und Migration – gestern und heute“ mit dem Kommunikationswissenschaftler Dr. Phillip Seufferling. Online-Seminar.. Medien und Kommunikation sind grundlegend dafür verantwortlich, wie Flucht und Migration erlebt werden und wie Gesellschaften damit umgehen. Als Technologien, Institutionen und Nutzungspraktiken bedingen Medien die Erfahrungen von Geflüchteten und die Kommunikation mit und über Migranten. Mit Beispielen aus gegenwärtigen und historischen Kontexten bietet dieses Gespräch eine kritische Diskussion von Medien: von kommunikativen Bedürfnissen von Geflüchteten, über Berichterstattung, hin zu Verwaltungstechnologien von Grenzen und Asyl. Während die Digitalisierung neue Bedingungen schafft, lassen sich viele Medienpraktiken in der Geschichte zurückverfolgen: von der „smart border“ auf griechischen Inseln bis in deutsche Flüchtlingslager nach dem Zweiten Weltkrieg. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Ausstellung vom 19. Januar bis 8. April
„Fremd : Vertraut“ Von Mittwoch, 19. Januar bis Freitag, 8. April: „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“, Ausstellung im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Die beiden siebenbürgischen Städte entwickelten sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das Aufeinander-Angewiesen-Sein unübersehbar sind. Selbst für diejenigen, die den jeweiligen Kosmos, in dem sie groß geworden sind, zu kennen glauben, birgt dieser immer beides zugleich – Fremdes und Vertrautes. Die Frage, wann das Fremde zum Vertrauten wird, kann kaum generell beantwortet werden. Dieser Prozeß wird von zu vielen sehr individuellen, vor allem auch biografischen Faktoren beeinflußt. Allerdings gilt auch dies: Ängste vor dem Fremden ungehemmt auszuleben, ist ein gesellschaftliches No-Go. So ist die aktuelle Frage mehr denn je: Wie wird das mir Fremde zum Vertrautem, ohne daß ich das Fremde seiner
Identität beraube? Die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien von Jürgen van Buer sind eine Aufforderung an die Betrachter, ihre je individuelle Antwort auf die Frage dieser Ausstellung zu finden. Kurator der Ausstellung ist Josef Balazs. Öffnungszeiten: 19. Januar bis 8. April 2022, Montag bis Freitag (werktags) 10 bis 20 Uhr. Informationen unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
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Erste Neujahresansprache des neu gewählten tschechischen Regierungschefs
Premierminister Fiala schwört die Bürger auf ein schwieriges Jahr ein
Mut tut gut
Hoffnung, bitte melden Neben meiner Aufgabe als Pfarrer auf dem Schönenberg bin ich derzeit vorübergehend auch Administrator von vier weiteren Ellwanger Pfarreien. Dazu gehört die altehrwürdige Stiftskirche zum heiligen Vitus in Ellwangen. An einem ihrer romanischen Türme sind in einen Stein zwei lateinische Worte gemeißelt: „Salve Spes.“ Deutsch: „Sei gegrüßt, o Hoffnung.“ Mir gefällt, wie hier die Hoffnung direkt angesprochen wird, und so habe ich mich zu einem Brief inspirieren lassen.
L
Energiekrise, Inflation, Corona-Pandemie: In seiner ersten Neujahrsansprache als tschechischer Premierminister schwörte Petr Fiala die Bürger auf schwere Zeiten ein. In seiner ersten Neujahrsansprache als Premierminister der Tschechischen Republik hat Petr Fiala (ODS) die Bürger auf ein schwieriges Jahr eingeschworen. Energiekrise, Inflation und Corona-Pandemie würden das Land vor große Herausforderungen stellen, warnte der Regierungschef und kritisierte dabei auch die Vorgängerregierung von Andrej Babiš, die keine geeigneten Gegenmaßnahmen eingeleitet hätten.
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ie Sudetendeutsche Zeitung dokumentiert die Rede des Premierministers im Wortlaut: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen und für die Gelegenheit, zum ersten Mal im neuen Jahr als Premierminister unserer Republik zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich werde ganz offen zu Ihnen sprechen, weil ich glaube, daß dies der einzige Weg ist, um die meisten Probleme, die uns plagen, zu lösen. Man wählt Politiker sicher nicht, um die Dinge rosa zu malen, wie man sagt, sondern um die Probleme zu verstehen, sie richtig zu benennen und zu lösen. Das war unser Angebot im Wahlkampf im Herbst, der dazu geführt hat, daß wir vor zwei Wochen die neue Regierung der Tschechischen Republik gebildet haben. Es ist der erste Tag des Jahres 2022, und leider habe ich keine guten Nachrichten für Sie. Dieses Jahr wird wahrscheinlich eines der komplexesten und schwierigsten seit der Gründung der unabhängigen Tschechischen Republik sein. Wir werden von Problemen geplagt werden, die von außen kommen, aber auch von Problemen, die wir uns selbst eingebrockt haben, vor allem weil sich die vorherige Regierung wenig um unsere Zukunft gekümmert hat. Sie lebte buchstäblich von Tag zu Tag. Sie tat so, als ob die Tschechische Republik sich nicht dringend um neue Energiequellen für die privaten Haushalte und Industrien kümmern müßte. Als ob die ständige Verschuldung unseres Landes niemals eine Inflation verursachen könnte. Die Inflation, die nun leider damit beginnt, unsere Ersparnisse ernsthaft zu bedrohen, könnte kurzfristig Arbeitsplätze gefährden und das dringend benötigte Wirtschaftswachstum stoppen. Die Energiepreise, die Inflation – oder, um es einfach auszudrücken, die Teuerung – und die Covid-Pandemie. Dies sind die drei großen Gefahren, denen sich die Tschechische Republik in diesem Jahr stellen muß. Es ist ein wenig übertrieben zu sagen, daß Regierungen schnell viel falsch machen können, aber es dauert in der Regel um ein Vielfaches länger, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Es ist im-
mer einfacher, Probleme auf die nächste Wahl zu verschieben, als in den sauren Apfel zu beißen und sie zu lösen. Aber es bleibt unserem Land nichts anderes übrig, denn jeden Tag werden unsere Probleme nur noch größer. Sie wissen, daß wir vom ersten Moment nach der Ernennung der neuen Regierung an mit unserer Arbeit begonnen haben, und wir haben unsere Arbeit über die Weihnachtszeit fortgesetzt. Aber selbst wenn dieses Tempo das ganze Jahr über anhält, werde ich froh sein, wenn Sie am Ende des Jahres die ersten positiven Ergebnisse unserer Bemühungen spüren. Leider können wir die Inflation nicht von heute auf morgen besiegen. Wir haben einen Haushalt mit einem weiteren riesigen Defizit geerbt, für das wir erneut Kredite aufnehmen müssen. Wir werden aber versuchen, sie zumindest auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, um zu zeigen, daß wir es mit der Bekämpfung der Inflation ernst meinen. Und ich möchte Ihnen versprechen, daß wir nach Einsparungen suchen werden, insbesondere dort, wo unsere Bürger nicht direkt betroffen sind. Denn wir haben einen überforderten und schwerfälligen Staat, der von sinnvollen Kürzungen nur profitieren kann. Einige Ökonomen sind skeptisch und sagen, daß die Inflation erst dann eingedämmt werden kann, wenn die Energiepreise unter Kontrolle gebracht werden können. Aber das ist ein Thema, das auch eine internationale Lösung erfordert. Auf der einen Seite steht Rußland, das versucht, Europa zu erpressen, und sogar zeigt, daß es zu einem bewaffneten Konflikt bereit ist. Auf der anderen Seite haben wir die großen europäischen Länder, die beschlossen haben, in die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu investieren, und zwar um fast jeden Preis. Beides kann uns Probleme bereiten, wenn unsere Stimme, die Stimme der Tschechischen Republik, nicht gehört
wird und wenn wir nicht ausreichend für unsere wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen kämpfen. Ich möchte Sie jedoch allen Ernstes vor diversen politischen Heilsbringern und Populisten warnen, die diese Situation ausnutzen wollen und Ihnen erzählen werden, daß die Lösung einfach ist. Daß man sich nur weigern muß, etwas zu tun oder von irgendwo wegzugehen. Das ist nicht wahr. Komplexe Probleme haben nie einfache Lösungen. Unsere Regierung wird geduldig und hart arbeiten müssen, um Verbündete in Europa zu finden, um Partner zu überzeugen. Aber auch, um endlich mit dem Bau von Kernkraftwerken voranzukommen und Investitionen in andere sinnvolle erneuerbare Energien zu fördern. Das ist der Weg aus der Energiekrise. Die Alternative ist Unterentwicklung und Armut. Und das will niemand. Die Tatsache, daß unser Land in diesem Jahr die Präsidentschaft der Europäischen Union innehaben wird, gibt uns ebenfalls eine große Chance, erfolgreich zu sein. Einige Monate lang werden wir hörbarer und sichtbarer sein und unsere Meinung wird mehr Gewicht haben. Es ist nur schade, daß diese große internationale Chance von unseren Vorgängern nicht ausreichend verstanden wurde und nicht genug getan wurde, um sie gut zu nutzen. Unsere neue Regierung ist gerade dabei, in letzter Minute die Ressourcen, die Experten und das Programm zusammenzustellen, damit wir die Präsidentschaft ehrenvoll führen und in Europa das fördern können, was die Tschechische Republik in naher Zukunft braucht. Wie ich bereits sagte, wird es eine lange und schwierige Reise sein. In der Zwischenzeit könnten die Energiepreise und die Insolvenzen von Energieversorgern in den kommenden Monaten Tausende von Familien betreffen. Ich möchte ihnen versprechen, daß die Regierung alles tun wird, um sicherzustellen, daß sie nicht ohne Hilfe bleiben.
Reaktionen auf Fialas Neujahrsansprache
Vorgänger kontert Kritik Die Kritik, die Petr Fiala in seiner erste Neujahrsansprache als tschechischen Premierminister an der Vorgängerregierung geübt hat, ist von Ex-Premierminister Andrej Babiš (Ano) zurückgewiesen worden.
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ch weiß nicht, warum Premier Fiala sagt, daß wir die Zukunft nicht berücksichtigt hätten. Wir haben sehr wohl darauf geachtet und unter anderem einen nationalen Investitionsplan zusammengestellt“, erklärte Babiš.
Zustimmung erhielt Fiala dagegen vom Vorsitzenden des Koalitionspartners KDU-ČSL. So sagte Arbeitsminister Marian Jurečka: „Der Premier hat die brennendsten Probleme benannt. Ich meine, er hat sachlich und zum Hauptthema gesprochen. Zudem hat er an die Humanität und die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen appelliert. In der Ansprache wurde alles Wesentliche beschrieben, was beschrieben werden konnte.“
Die Ausarbeitung von Unterstützungsprogrammen für Menschen, die von Energiearmut bedroht sind, war eine der ersten Aufgaben, die ich meinen Kollegen gleich nach der Ernennung unserer Regierung gestellt habe. Lassen Sie mich abschließend noch ein paar Worte zu einem Thema sagen, das uns alle in den letzten zwei Jahren beunruhigt, alarmiert und sogar ermüdet hat. Ja, es ist Covid. Ich versuche, in dieser Angelegenheit realistisch zu sein. Ich bin seit langem der Meinung, daß wir lernen müssen, mit Covid zu leben. Aber das erfordert Engagement auf beiden Seiten. Sowohl auf der Seite der Regierung als auch auf der Seite der Bürger. Im Namen der Regierung kann ich Ihnen versprechen, daß wir unser Bestes tun werden, um sicherzustellen, daß alle notwendigen Maßnahmen so vernünftig, verhältnismäßig und vorhersehbar wie möglich sind. Aber es gibt etwas, das jeder von uns gegen Corona-Einschränkungen tun kann. Es ist die Impfung, der wichtigste Schutz gegen Covid für uns alle. Wir haben Weihnachten hinter uns, die Zeit, in der wir mit der Familie und den Freunden zusammenkommen. Lassen Sie uns bitte alle in diesem Jahr weiterhin so miteinander umgehen, wie wir unsere Familien und Freunde behandeln. Wie wir diejenigen behandeln, die uns wichtig sind und denen gegenüber wir manchmal nicht zögern, Zugeständnisse auf Kosten unseres eigenen Komforts zu machen. Denn wir sind einander nicht fremd. Wir sind alle Bürger der Tschechischen Republik, wir fühlen uns einander zugehörig und haben eine Verantwortung füreinander. Sicherlich ist es immer besser, nach dem zu suchen, was uns verbindet, als zu beklagen, was uns trennt. Das gilt für die Innen- und Außenpolitik, aber auch für die Beziehungen zwischen Nachbarn, Arbeitskollegen und in der Familie. Ich vertraue darauf, daß Sie dieselbe Erfahrung gemacht haben. Ich bin fest davon überzeugt, daß alle Probleme – auch die großen, über die ich heute gesprochen habe – letztlich durch Zusammenarbeit gelöst werden können. Und wenn wir sie auf die richtige Art und Weise und rechtzeitig lösen können, wird dies einen großen Sprung nach vorn für unser Land, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft insgesamt bedeuten. Die Tschechische Republik hat den Anspruch, zu den fortschrittlichsten Ländern der Welt zu gehören. Und ich weiß, daß wir dieses Ziel erreichen. Ich wünsche Ihnen das Beste für 2022. Ich kann Ihnen in meinem Namen und im Namen der gesamten Regierung versprechen, daß wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um dies zu erreichen. Frohes neues Jahr!“
iebe, hochverehrte Hoffnung, das neue Jahr ist erst wenige Tage alt. Es liegt noch weitgehend offen vor uns. Offen wie ein Buch, in dem noch kaum etwas geschrieben steht. Zwar sind in meinem Kalender schon viele Termine eingetragen, aber was aus diesen Terminen wird, weiß ich heute noch nicht. Mit deiner Hilfe gehe ich zuversichtlich und erwartungsvoll an die Aufgaben und an die Begegnungen, die mit diesen Kalendereinträgen verbunden sind. Gerne würde ich das neue Jahr auch mit einer verschneiten Winterlandschaft vergleichen, in welcher sich noch kaum Fuß- oder Wagenspuren befinden. Das wäre zugleich ein wunderbares Bild für Dich, liebe Hoffnung. Denn Du läßt uns Menschen aufatmen und ehrfürchtige Freude genießen wie beim Anblick einer frischen, unberührten Schneedecke über Feldern, Wiesen und Wäldern. Doch diesen Vergleich kann ich nur in meinen Gedanken durchspielen. Am 1. Januar herrschte Frühlingswetter, und seither wurde es nicht viel anders, von Schnee ganz zu schweigen. So suche ich noch nach einem weiteren Bild für das neue Jahr und finde es in den Knospen einer Amaryllis-Pflanze, welche mir jemand zu Weihnachten schenkte und die nun am Fenster meines Büros steht. Langsam entfalteten sich die Knospen in den vergangenen Tagen zu prächtigen roten Blüten voller Anmut und Liebreiz. Das wünsche ich mir auch für die nächsten zwölf Monate: daß da und dort etwas aufblüht, daß schlichte Schönheit in meinem Alltag aufleuchtet und daß ich Momente des Staunens erlebe. Verehrte Hoffnung, Du bist selbst wie eine Blüte, die ihre Anmut, ihren Liebreiz, ihre Farbe und ihren Duft in unserem Leben entfaltet. Ohne Dich könnten wir Menschen nicht leben, wir würden seelisch und geistig verkümmern. Manchmal sagen wir: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Wie gedankenlos. Es gehört zu Deinem Wesen, daß Du nicht stirbst, sondern Dich eines gesunden Lebens erfreust. Alles wird alt, nur du nicht. Mein Kompliment. Der Apostel Paulus formulierte in seinem Brief an die Römer schöne Sätze über Dich: „Die Hoffnung läßt nicht zugrunde gehen, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Ja, ich glaube ganz fest, daß Du eine der edelsten Gaben Gottes bist. So grüße ich Dich noch einmal herzlich und hoffe jeden Tag in diesem Jahr mit Dir Kontakt aufnehmen zu können. Sollte mir das einmal nicht gelingen, dann melde Dich doch bitte selbst.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
PERSONALIEN
Lieben nach der Eingemeindung in Groß-Prag.
Botschafter der Versöhnung aus Schlesien
Monsignore Anton Otte † Am 29. Dezember starb Monsignore Anton Otte, langjähriger Geistlicher Beirat der Akkermann-Gemeinde (AG), im oberfränkischen Scheßlitz bei Bamberg mit 82 Jahren.
Prag vor 100 Jahren
Geburt einer Metropole Am 1. Januar 1922 wachten die Prager in einer anderen Stadt auf. Über Nacht hatte sich die Bevölkerungszahl fast verdreifacht, die Stadt war achtmal größer als zuvor. Prag war eine europäische Metropole geworden.
D
ie Königliche Hauptstadt Prag entstand 1784, als sich die vier Prager Städte Altstadt, Neustadt, Hradschin und Kleinseite zusammenschlossen. Im 19. Jahrhundert kamen die Judenstadt – seit 1850 Josephstadt –, Wyschehrad und Holleschowitz-Buben hinzu. Vor 100 Jahren wurde auch Lieben ein-
gemeindet. Damals war Prag 21 Quadratkilometer groß und hatte 233 000 Einwohner. Heute sind es 500 Quadratkilometer und 1,3 Millionen Einwohner. Mit dem vom tschechoslowakischen Parlament verabschiedeten Gesetz über Groß-Prag kam es zu zahlreichen Eingemeindungen. Prag gliederte sich fortan in 13 Verwaltungsbezirke. Eine 100köpfige Stadtvertretung und ein Stadtrat mit einem Oberbürgermeister an der Spitze waren für die gemeinsame Verwaltung zuständig. 1922 lebten in Groß-Prag 676 000 Menschen auf 170 Quadratkilometern.
Unser Angebot Kostenloses Probeabo (4 Wochen, endet automatisch) der Sudetendeutschen Zeitung, Print- und Onlineausgabe möglich oder ein reguläres Abo (Bezug per Postzustellung)
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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift
V
ersöhnung war das Lebensthema von Toni Otte“, sagt AG-Bundesvorsitzender Martin Kastler. Daß er bei Deutschen und Tschechen hohes Ansehen genossen habe, sei jedoch nicht selbstverständlich. „Allzu oft stieß er bei Tschechen wie bei Sudetendeutschen auf Ablehnung, wenn er für gegenseitiges Verständnis und Dialog warb.“ Die Rolle als Botschafter der Versöhnung hätten ihm jedoch seine Biographie und sein Selbstverständnis als Priester auf den Leib geschrieben. Und so sei er unbeirrt seinen Weg gegangen. Anton Otte kam am 15. August 1939 im schlesischen Weidenau/ Vidnava zur Welt. Bei Kriegsende wurde sein Vater von einem tschechische Gericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ein schwerer Schlag für die Familie, die nicht vertrieben wurde und im neuen tschechischen Umfeld unter Schikanen litt. Damals lernte Otte Tschechisch. Trotz allem sei er ein Böhme, ein tschechischsprachiger Deutscher geworden, erzählte er einmal. Ihm habe viel an der Zweisprachigkeit und den zweierlei Kulturen gelegen, in denen er sich wohlgefühlt habe. Wegen der Einstellung seiner Familie zum Kommunismus durfte er nicht Theologie studieren. Deshalb verließ er 1960 als Spätaussiedler mit seiner Familie die ČSSR. In Königstein im Taunus, in Wien und in Bamberg studierte er Theologie. Dort erhielt er 1967 die Priesterweihe. Nach Stationen als Kaplan, Jugendseelsorger und Gymnasiallehrer war er Dekan im Strafvollzug. 1991 kehrte Otte zurück und leitete in Prag die neue Arbeitsstelle der AG, vertrat die AG in Prag und war im Auftrag der
deutsch-tschechische Verhältnis so positiv entwickeln konnte.“ Jaromír Talíř, tschechischer Kulturminister a. D. und früherer Vorsitzender der Sdružení AG, betont: „Trotz aller Schicksalsschläge hat er sich nicht von seiner Heimat abgewandt, sondern intensiv an der deutsch-tschechischen Aussöhnung gearbeitet.“ Der damalige Prager Erzischof Milsolav Kardinal Vlk ernannte Otte 2001 zum Ehrenkanoniker und 2005 zum residierenden Kanoniker des Königlichen Kollegiatskapitels Sankt Peter und Paul auf dem Vyšehrad. 2009 wurde er dessen Dekan. 2011 stieg Otte zum Propst auf. So stand nach über 150 Jahren wieder ein Deutscher dem Kapitel vor. Dominik Kardinal Duka betonte damals, die Wahl Ottes sei ein Zeichen an die deutschen Landsleute nach den Jahren der Versöhnung und der neuen Zusammenarbeit. Otte sah diese Ernennung „als ein Zeichen, daß unsere Bemühungen um die deutsch-tschechischen Beziehungen gefruchtet haben“. Für Duka war Otte eine von den böhmischmährisch-schlesischen Gestalten alten Formats. „Er gehört zu der Generation, welche die geschichtlichen Ereignisse und deren Folgen zutiefst und schmerzlich getroffen haben. Aber er sah die Versöhnung als den einzigen Ausweg für eine unbelastete Zukunft.“ Doch nicht nur in der Kirche genoß Otte hohes Ansehen. Für sein Wirken wurde er auch mehrfach von staatlicher Seite geehrt. 1996 zeichnete der tschechische Staatspräsident Václav Havel ihn mit dem Masarykorden aus, und 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. 2013 verlieh ihm der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer den Bayerischen Verdienstorden. Die Begründung: „Durch seine Herkunft und seinen Lebensweg ist Anton
Otte eine lebendige Verkörperung der Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen.“ Dankbar blickt die AG auf Ottes segensreiches, priesterliches Wirken sowie auf die Freundschaft und den gemeinsamen Weg mit „Toni“. Möge der Herr ihm alles Gute vergelten, das er in seinem Erdenleben tat, und ihm das ewige Leben schenken. Auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt trauert um seinen Freund und Weggefährten: „Toni Otte war eine der ganz großen sudetendeutschen Priesterpersönlichkeiten, die unsere Volksgruppe nachhaltig geprägt haben. Gerade durch seine kritische, aber immer von tiefer Treue zu unserer Gemeinschaft getragene Haltung hat er Bleibendes geschaffen. Dieser sperrige Landsmann, der niemandem nach dem Mund redete, war ein Künstler, wenn es darum ging, Menschen, insbesondere auch Tschechen und Sudetendeutsche, zusammenzubringen. Als erster deutscher Probst des Königlichen Kapitels auf dem Prager Vyšehrad seit vielen Generationen ist der immer fröhliche und unverkrampfte Toni, mit dem man bei einer Flasche koscheren Slivovitz über Gott und die Welt diskutieren konnte, zu einer Persönlichkeit der Zeitgeschichte geworden. Bei seiner ,Aufschwörung‘ durch Kardinal Miloslav Vlk kniete ich mit so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie dem Trotzkisten Petr Uhl und dem Außenminister Fürst Karl Schwarzenberg in der letzten Reihe, weil die Kirche überfüllt war mit Menschen, von denen manche zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ein Gotteshaus betreten hatten. Toni durchbrach alle künstlichen Grenzen und Barrieren. Die Kirche in den böhmischen Ländern und unsere heimatvertriebene Volksgruppe verdanken ihm unendlich viel. Wir bleiben ihm dankbar im Gebet verbunden.“
Historiker, Publizist und Bäderspezialist aus Karlbad
Name, Vorname
Stanislav Burachovič †
Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon
Am 2. Januar starb Stanislav Burachovič, Historiker, Publizist und Bäderspezialist, mit 71 Jahren in Karlsbad.
E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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Deutschen Bischofskonferenz für die deutschsprachige Seelsorge verantwortlich. Im ganzen Land feierte er Gottesdienste, predigte und warb für gegenseitiges Verständnis und Versöhnung. „Wir müssen gefühlvoll miteinander umgehen“, mahnte er. In der aufgeheizten Stimmung der 1990er Jahre war Ottes Mittler-Rolle wichtig. In Interviews mit tschechischen Medien verwies er auf das Schicksal der Deutschen und warb für Empathie. Mit der tschechischen Studentengruppe Antikomplex besuchte er tschechische Schulen, um die leidvolle deutsch-tschechische Geschichte zu erzählen. „Er eröffnete uns das Thema Versöhnung mit seiner eigenen Geschichte“, so Ondřej Matějka, längjähriger Leiter von Antikomplex. Dabei sei Otte mehr als ein Zeitzeuge gewesen. „Er half uns, das auf den ersten Blick politische Thema zu einem persönlichen und sogar intimen Auftrag zu machen.“ Als Seelsorger hatte er die einzelnen Menschen und ihre Schicksale im Blick. So war er auch in Deutschland bei Wallfahrten und Gottesdiensten ein gefragter Priester und Seelsorger. Die Versöhnungsarbeit der AG trug er verantwortlich mit. So war er neben Funktionen im Bamberger Diözesanverband und in der Jungen Aktion der AG von 1992 bis 2010 Geistlicher Beirat der AG auf Bundesebene. Die AG ehrte Otte im Juni 2011 mit ihrer höchsten Auszeichnung, der Versöhnungsmedaille im Gedenken an Hans Schütz. Für Kastler ist Otte das Sinnbild für Dialog und Versöhnung. Diesen Weg habe er schon beschritten, als die Fronten zwischen Deutschen, insbesondere Sudetendeutschen, und Tschechen noch verhärtet gewesen seien. „Mit seinem Einsatz hat er die Basis mitgeschaffen, daß sich das
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tanislav Burachovič kam am 13. Oktober 1950 in Karlsbad zur Welt. Nach dem Abitur in Marienbad studierte er Geschichte, Bibliothekswesen und Informatik an der Prager KarlsUniversität. Danach heuerte er beim Karlsbader Museum an, wo er sein ganzes Leben lang arbeitete. Auf der Grundlage seiner wissenschaftlichen Arbeiten in Karlsbad und seiner volkskundlichen Literatur promovierte er. „Wie eine Blume funktioniert der Mensch am besten, wo er aufgewachsen ist“, hatte einst der große Dichter Otokar Březina geschrieben. Das glaubte auch Burachovič, der nur während seines Studiums nicht in Karlsbad
lebte. Er liebte Karlsbad sehr. In seinem Buch „Magische Orte der Karlsbader Region“ schreibt er: „Immer wenn ich im Herbst durch die wunderschöne Karlsbader Landschaft spaziere, nachdem unzählige Generationen und Epochen das Land meiner Heimatregion durchquert hatten, verspüre ich ein seltsames Unbehagen. Mit meinen Füßen, meinen Poren, meinen Augen und vor allem meiner Seele sauge ich die unfehlbare und süße Krankheit der Ewigkeit auf. Wo Ewigkeit ist, ist der Tod nahe, ohne den es kein Leben und keine Auferstehung gibt. Seine Schwerpunkte im Karlsbader Museum waren Heimatkunde und Kulturgeschichte von Karlsbad und Umgebung. Von Anfang an konzentrierte sich seine Forschung auf Denkmale und Kunst in der Region der westböh-
mischen Bäder, auf Erzbergbau im Erzgebirge und im Kaiserwald, auf volkskundliche Literatur von Karlsbad, auf Volkskunde der ehemaligen Region Elbogen, auf die Geschichte der Heilbäder in Böhmen und Mähren und auf die tschechisch-sudetendeutschen Beziehungen. Burachovič veröffentlichte mehr als 50 Bücher und Hunderte von Artikeln und Fachstudien über die Karlsbader Geschichte. Bernd Posselt, der den herausragenden Wissenschaftler seit der Wendezeit sehr gut kannte, erinnert sich an viele Begegnungen: „Stanislav Burachovič war ein typisches Kind unserer alten Monarchie. Seinen kroatischen Vorfahren verdankte er seinen Nachnamen,
Ein Weltbegriff – ein Hochgenuß für Feinschmecker
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seinen Egerländer Dialekt seiner Mutter und seine feste Verankerung in Karlsbad seiner Beliebtheit unter den tschechischen Landsleuten. Für ihn war Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren, was er mit überragender Qualität und Hingabe tat, kein Selbstzweck, sondern Dienst an der Heimat, Dienst an der Wahrheit und Dienst an der Zukunft. Von ihm durch das einstige Weltbad, das jetzt Weltkulturerbe geworden ist, geführt zu werden, mit ihm das von ihm maßgeblich gestaltete Museum zu besuchen, ihn bei unzähligen Tagungen und Kongressen reden zu hören, war jedes Mal ein Hochgenuß. Noch vor nicht allzu langer Zeit hatte ich die Ehre, für eine Sonderausstellung, die seine Karlsbader Kollegen anläßlich seines 70. Geburtstages für ihn gestalteten, ein Geleitwort zu schreiben, das dort auf einer Tafel angebracht wurde. Stanislav lebte für die grenzüberschreitende Gemeinschaft, für die er unendlich viel Wertvolles geleistet hat. Seiner Familie gilt unser ganzes Mitgefühl. Wir werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.“ Nadira Hurnaus
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
PERSONALIEN Treue Heimatfreundin
In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied. Völlig unerwartet starb nach kurzer schwerer Krankheit
Herz und Motor der Volksgruppe mit Wurzeln in Reichenberg
Johanna Metzner †
Urd Rothe
Urd Rothe/Seeliger †
Mitte Dezember verstarb die Karlsbaderin Johanna „Hansi“ Metzner mit 95 Jahren im bayerisch-schwäbischen Königsbrunn im Landkreis Augsburg.
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ohanna Metzner erblickte am 22. März 1926 in Karlsbad das Licht der Welt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben die Tschechen sie und ihre Familie aus der Heimat. Im Zuge der Vertreibung strandete sie in Königsbrunn in Bayerisch Schwaben. Mehr als 70 Jahre lang war sie Mitglied der SL-Ortsgruppe Königsbrunn. In diesen 70 Jahren hatte sie viele Vorstandsposten inne. Das reichte von der Ortsobfrau bis zur Kreisfrauenwartin, von der Schriftführerin bis zur Beisitzerin. Auf Bezirksebene fungierte sie jahrelang als Frauenreferentin. „Hansi“, wie ihre Freunde sie nannten, war die Frau von Adam Metzner (1928–2012). Adam Metzner war 1984 bis 1996 Bürgermeister. Zu ihrem 90. Geburtstag schrieb die „Augsburger Allgemeine Zeitung“: „Einst war sie die First Lady von Königsbrunn, und noch immer gilt sie als Grande Dame der Brunnenstadt.“ Bis ins hohe Alter wirkte sie im sozialem Bereich. Vor etwa einem Jahr hatte sie die Goldene Ehrennadel der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus den Händen des Obmanns Kurt Aue in Empfang nehmen können. Außerdem hat sich Johanna „Hansi“ Metzner um die Stadt Königsbrunn verdient gemacht. te
Am 22. Dezember starb Urd Rothe/Seeliger, Heimatkreisbetreuerin von Reichenberg Stadt und Land, mit 65 Jahren überraschend im oberbayerischen Waldkraiburg.
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olksgruppensprecher Bernd Posselt zeigte sich bestürzt über den plötzlichen Tod seiner Mitstreiterin aus dem Isergebirge: „Noch im Spätsommer schien Urd Rothe, obwohl wahrscheinlich bereits damals von der heimtückischen Krankheit befallen, das blühende Leben zu sein. Endlich hatten wir es trotz Corona geschafft, die längst beschlossene Verleihung der höchsten SL-Auszeichnung, des Sudetendeutschen Ehrenbriefes, an Hans Pieke in die Tat umzusetzen. Urd freute sich auf das damit verbundene Fest, das sie für ihren Lebensgefährten ausrichtete und bei dem ich die feierliche Überreichung der Urkunde vornehmen sollte. In letzter Minute gab es dann noch Bedenken und den Vorschlag, das Ganze wegen der Corona-Beschränkungen zu verschieben. Gott sei Dank sind wir beim ursprünglich vereinbarten Termin geblieben – mit Reichenberger Räucherwürsten, Kleckselkuchen und der Egerländer Blasmusik von Waldkraiburg. Die Sonne schien, wir konnten draußen sitzen, und Urd war ganz in ihrem Element. Sie organisierte, führte Regie, inspirierte die Redner mit guten Ideen, sorgte für die perfekte kulinarische Betreuung und kümmerte sich um die zahlreich erschienene politische Prominenz. Urd war überall, wo sie mitwirkte oder an der Spitze stand
– bei der grenzüberschreitenden Arbeit mit Stadt und Begegnungszentrum Reichenberg, in der großen Vertriebenengemeinde Waldkraiburg und in vielen wichtigen Funktionen unserer Volksgruppe – Herz und Motor zugleich. Kulturell und kulinarisch setzte sie das Werk ihrer Mutter Roswitha Seeliger, der Küchenpäpstin Reichenbergs, des Isergebirges und der Sudetendeutschen insgesamt, fort. Wir werden diesen großartigen und immer zupackend fröhlichen Menschen sehr vermissen.“ Urd Rothe kam am 10. Juni 1956 im nordrhein-westfälischen Wuppertal zur Welt, seitdem stiftete ihr Vorname Verwirrung. Jeder glaubte – bis er sie sah –, sie sei ein Mann. Doch der Name Urd entstammt der Sagensammlung „Edda“ und bezeichnet die Norne für das Schicksal. Mit diesem Namen bestand sie 1977 in Wuppertal das staatliche Examen als Ökotrophologin. Bis zum Examen war sie Mitglied der SdJ in Nordrhein-Westfalen. Danach arbeitete sie in Hessen als Fachberaterin und Verkaufstrainerin für weltweite Markenprodukte wie Braun, Duracell, Gilette oder Oral-B. 1984 heiratete sie Jürgen Rothe. Trotz Berufstätigkeit unterstützte sie ihre Mutter Roswitha Seeliger (1923–2014) bei deren Arbeit für die Heimat Reichenberg. Doch dann grätschte das Schicksal in Urds Leben. Jürgen wurde schwerkrank. 2013 ging sie in den Vorruhestand, um ihn pflegen zu können. Wenig später starb er. Bereits Jahre zuvor waren Roswitha und Rudolf Seeliger nach Waldkraiburg in eine Woh-
nung im Adalbert-Stifter-Wohnheim gezogen. Dort engagierten sie sich heimatpolitisch und genossen ihren Lebensabend. 2011 starb Rudolf. Nach Jürgens Tod zog auch Urd nach Waldkraiburg, um ihrer Mutter in deren letztem Lebensjahr nahe zu sein. In Waldkraiburg begann Urd ihre eigene Arbeit für die Heimat. „Ich stehe für die Bewahrung unserer lebendigen Kultur. Und ich stehe für die Einhaltung der Menschen- und Minderheitsrechte weltweit“, sagte sie. Seit 2019 betreute sie den Heimatkreis Reichenberg. Damit verbunden war die Pflege der Kontakte mit Reichenberg und dem dortigen Verband der deutschen Minderheit sowie mit der Patenstadt Augsburg. Sie arbeitete in der Redaktion des Reichenberger Heimatblattes mit und schrieb Beiträge für die Reichenberger Zeitung in der Sudetendeutsche Zeitung und das „Landesecho“. Sie saß in den Vorständen der SL-Ortsgruppe Waldkraiburg, der SL-Kreisgruppe Mühldorf und des BdV-Kreisverbandes Mühldorf. In der SL-Bezirksgruppe Oberbayern war sie Beisitzerin und Frauenreferentin. Bayerns Landesfrauenreferenting Sigrid Ullwer-Paul ist erschüttert. „Ich hatte mich auf die Zusammenarbeit mit Urd Rothe gefreut. Sie war voller Tatendrang und sprühte vor Ideen. Welch herber Verlust für die sudetendeutschen Frauen.“ Der herbe Verlust trifft nicht nur die sudetendeutschen Frauen, sondern die gesamte SL. Diese wünscht Urd Rothe von Herzen Frieden in der ewigen Heimat und ihrem Lebensgefährten Hans Pieke Trost nicht zuletzt in der gemeinsamen Arbeit für die Heimat. Nadira Hurnaus
geborene Seeliger
* 10. Juni 1956 in Wuppertal
† 22. Dezember 2021 in Waldkraiburg
In stiller Trauer: Hans Pieke Angelika und Gabi, Töchter Rosemarie und Helmut Kneitschel Bärbel Winkler Christine und Thomas Wicke Jutta Pikart
Neuerscheinung von Jaroslav Rudiš
Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen So finden wir ihn unterwegs in den Spuren der bis an die Adria führenden ehemaligen österreichischen Südbahn, im hohen Norden im finnischen Rovaniemi, in Belgien, den Niederlanaß er aber ein Kenner der den, in der mitteldeutschen AltLokomotiv-Typen aller Her- mark oder auf einem seiner Vorren Länder ist, sich mit Tunneln, zugsbahnhöfe in Herzberg in Brücken, Bahnhofsgebäuden, Brandenburg. Von den tschechiStreckenführungen in Vergan- schen Eisenbahn-Interna einmal genheit und Gegenganz abgesehen. Dawart auskennt, aber bei vermittelt er uns auch fast alle Zugunterhaltsam und führer, Schaffner, überzeugend das Köche und Kellner Bild eines glücklisamt ihrer auf Euchen Europareisenropas Bahnstrecken den, der sich nicht verabreichten Spein den Chor der allzialitäten zu kenzeit auf „die Bahn“ nen scheint – „Und Schimpfenden einklar, die Bierqualireiht. tät muß stimmen.“ Dies ist Rudišs –, das alles zeigt zweites Buch, das er erst sein neues Buch Jaroslav Rudiš: „Ge- auf Deutsch schrieb. brauchsanweisung fürs Mit ein wenig Weh„Gebrauchsanweisung fürs Zugrei- Zugreisen“. Piper-Ver- mut berichtet er lag, München 2021; 256 auch über die gelebsen“. Warum er die- Seiten, 15 Euro. (ISBN te Mehrsprachigkeit se Welt der Eisen- 3492277497) im alten Österreichbahn nicht zum BeUngarn, die unter ruf machte, erklärt er am Anfang. den „Bahnern“ zum Teil noch imDenn wer wie er von Kindheit mer existiert. Scheinbar nebenan eine Brille tragen mußte, für bei beleuchtet der 1972 im Böhden war eine Ausbildung bei der mischen Paradies geborene Autschechischen Bahn tabu. Viel- tor unvoreingenommen und frei leicht ist es aber gerade diese von nationalen Ressentiments Brille, die ihn die Zusammenhän- die lange gemeinsame Geschichge des europäischen Strecken- te Böhmens und Österreichs. Ein netzes in Geschichte und Gegen- Buch nicht nur für Zugreisen. wart so genau erkennen läßt. Annelie Schneider Daß Jaroslav Rudiš ein Eisenbahnfreak ist, das wissen die deutschen Leser spätestens seit seinem vorletzten Buch „Winterbergs letzte Reise“.
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LESERBRIEFE BdV und SL, Hessen und Bayern
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Prag im Winter: Veitsdom und die Burg thronen über der Moldau.
Prag
Winterschwimmen in der Moldau Am zweiten Weihnachtsfeiertag findet in Prag alljährlich ein traditionelles Moldauschwimmen statt. Benannt wurde es nach seinem Erfinder Alfred Nikodem (1864–1949).
Am 21. Dezember 1947 organisierten Oldřich Liška und der von ihm gegründete Sportverein einen Weihnachtsschwimmverein beim Nationaltheater. Alfred Nikodem starb zwei Jahre
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lfred Nikodem war ein Prager Kaufmann, Inhaber eines Juweliergeschäftes und ein vielseitiger Sportler. Er wurde vor allem als Pionier des Winterschwimmens bekannt. So schwamm er zum ersten Mal unter den Augen der Öffentlichkeit zu Weihnachten 1923 durch die Fluten der eiskalten Moldau. Im Winter 1928 gesellten sich bereits weitere 63 Schwimmer zu ihm. Sein letztes Winter-Weihnachts-Moldau-Schwimmen absolvierte Nikodem im Dezember 1945. Das war im Rahmen eines öffentlichen Winter-Schwimmens von Kriegsveteranen. 1946 übergab er die Leitung des Winterschwimmens an Oldřich Liška.
Alfred Nikodem und Wenzel Antosch.
später und wurde auf der Prager Burg beigesetzt. Die Tradition des Weihnachtsschwimmens am 26. Dezember in der Moldau beim Nationaltheater wird bis heute fortgesetzt und heißt Alfred-Nikodem-Memorial. Radio Prag schreibt über diese Tradition: „Um die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zu ziehen, wählte Alfred Nikodem ungewöhnliche Methoden. Er schwamm in einer Militäruniform mit einem Gewehr auf dem Rücken im eiskalten Wasser. Oder er umhüllte seine Beine mit einem Sack, um sich das Schwimmen zu erschweren. Dies erhöhte seine Popularität. Zu seinem Geburtstag gratulierten ihm Minister und andere Prominente. Als 1930 das Schwimmbad am Fuße des BarrandovBergs eröffnete, forderte der Schauspieler Vlasta Burian Nikodem zu einem 100-MeterSchwimm-Wettbewerb heraus. Das Weihnachtsschwimmen hatte zunächst weder ei-
nen festen Termin noch einen festen Ort. 1946 war sehr frostig mit Temperaturen unter minus 20 Grad. Deshalb gelang es nicht, in die vereiste Moldau unterhalb der Prager Eisenbahnbrükke eine Schwimmbahn zu schlagen. Ein Jahr später wurde das Schwimmen vom Ersten Prager Schwimmklub der Abgehärteten veranstaltet und wird seither als Alfred-Nikodem-Memorial geführt. 2021 wurde das Memorial zum 75. Mal ausgetragen. In den zurückliegenden Jahren stiegen auch Schwimmer aus der Slowakei, Polen, Belgien, Argentinien und Rußland in die eisige Moldau. Im Jahr 2020 hatten allerdings die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine stärkere Beteiligung verhindert. Ansonsten nehmen am ältesten Eisbader-Wettbewerb auf tschechischem Boden mittlerweile um die 400 Schwimmer jeden Alters teil – angefangen von den Jüngsten bis hin zu rüstigen Senioren mit 80 und mehr Jahren.“
um Bericht über die Landesversammlung der SL-Landesgruppe Hessen ( SdZ 49/2021). Die Landesversammlung beschloß, den Jahresbeitrag ab 2022 auf 32,00 Euro festzusetzen. Dieser Beschluß sei für alle SL-Mitglieder bindend und man gleiche sich Bayern an mit dem Vermerk, der BdV-Hessen als Dachverband habe noch nicht zugestimmt. Dieser Hinweis ist bedeutsam, denn in Hessen ist die Organisationsgrundlage der Vertriebenenverbände anders als in Bayern. Sie lautet: „Bund der Vertriebenen – Vereinigte Landesgruppen der Landsmannschaften und Kreisverbände – Landesverband Hessen e.V.“. Dies bewährt sich in Hessen seit vielen Jahren. Schon früh erkannte man in Hessen, daß man alle Vertriebenengruppen in einem Verband auf Landesebene zusammenfassen muß, um die Vertriebenenarbeit nicht zu lähmen. Am 10. Juni 1953 wurde in Marburg in der Aula der PhilippsUniversität der Gesamtverband der Heimatvertriebenen proklamiert. Und diese für die Vertriebenenverbände bedeutende Entscheidung ist als „Marburger Beschlüsse“ in deren Verbandsgeschichte eingegangen. Die wichtigsten Beschlüsse waren: „Die Doppelmitglied-
schaft: Wer Mitglied des BdV ist, ist zugleich Mitglied seiner Landsmannschaft, und wer Mitglied seiner Landsmannschaft ist, ist zugleich Mitglied des BdV. Es gilt nur ein einheitlicher Mitgliedsbeitrag.“ Der Obmann des SL-Kreisverbandes Limburg-Weilburg und Delegierter, Otto Riedl, trug in der Landesversammlung der SL im März 2021 diesen Sachverhalt vor und erhob gegen die Beitragserhöhung Einwände, die weder der Vorstand noch die Mehrheit der Delegierten zur Kenntnis nahmen. Riedl stimmte mit „Nein“. Mir ist kein Beschluß des BdV Hessen bekannt, der die „Marburger Beschlüsse“ außer Kraft setzte. Im Gegenteil: Der verstorbene SL-Landesobmann und BdV-Landesvorsitzende, Alfred Herold, hatte stets auf diese Beschlüsse hingewiesen. Bis heute weiß ich nicht, welcher Betrag an den SL-Bundesverband abzuführen ist. Wenn es nach dem neuen Beschluß der SL Hessen geht, erhält dieser künftig einen Jahresbeitrag von 41,50 Euro. Ein BdV-Landesverbandstag erhöhte nämlich vor Jahren den Beitrag für die Landsmannschaften von sechs auf 9,50 Euro. Mit der Beitragserhöhung der SL Hessen wird in den BdV Hessen der Spaltpilz getrieben. Alleingänge führen nie zum Erfolg. Josef Plahl 35781 Weilburg
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KÖPFE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Dr. Martin Leitgöb CSsR besucht im Herbst 2012 als neuer Seelsorger der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Prag Peter Barton im Sudetendeutschen Büro, führt 2015 mit Nermina Idriz von der muslimischen Gemeinde im oberbayerischen Penzberg beim 44. Andechser Europatag der Paneuropa-Union einen interreligiösen Dialog, feiert am 13. Januar 2016 mit dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt (links) und dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxant in der Philippsdorfer Wallfahrtskirche 150 Jahre Marienerscheinung an diesem Ort sowie 70 Jahre Ackermann-Gemeinde und hält wenige Monate später die Sonntagsandacht bei den „Marienbader Gesprächen“ des Sudetendeutschen Rates. Bilder: Herbert Fischer (1), Nadira Hurnaus (1), Dagmar Jessat (1), Martin Kastler (2), Martin Leitgöb (1), Hans Zeckel (1), Siegfried Zeug (1)
Pater Martin feiert im September 2017 mit Pfarrer Georg Hartl aus dem oberpfälzischen Waidhaus in der Prager Kirche Sankt Johannes von Nepomuk am Felsen Eucharistie, verfolgt mit Monsignore Anton Otte beim Sudetendeutschen Tag 2018 die Verleihung des Europäischen Karlspreises an den Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn OP, der ihn zum Priester weihte, hält im Juni 2020 in Prag eine tröstliche Corona-Kronen-Predigt, zelebriert am letzten August-Sonntag 2020 seinen Abschiedsgottesdienst, wobei er als letzte Amtshandlung in Prag Alex als neuen Ministranten einführt, und lauscht den Abschiedsreden.
� Der Theologe, Kirchenhistoriker und Ordenspriester Martin Leitgöb
Ich entschied mich für Jesus plom. Bei Karl-Heinz mal in der Woche feiFrankl (1938–2019), ert Wetters Vorgänger, Priester und Ordinarius der Präfekt der Glaufür Kirchengeschichte benskongregation, Karan der Katholisch-Theodinal Joseph Ratzinlogischen Fakultät, ger, die Morgenmesreicht er seine Dissertase im Kolleg. So lernt tion ein. Über Frankl erLeitgöb den späteren hält er ein Stipendium Papst Benedikt XVI. am Studienkolleg des kennen. Campo Santo Teutoni- Kolumnist Pater Bei den Abendgebeco in Rom. Das päpst- Martin 2022. ten der Gemeinschaft liche Priesterkolleg für Sant‘ Egidio im römiDeutschsprachige liegt auf dem schen Stadtteil Trastevere samGelände des Friedhofs der Deut- melt der Doktorand Erfahrunschen und der Flamen. Mit dem gen mit einer Kirche, die sich Stipendium ebnet Frankl Martin geistlich-missionarisch erneuert. Leitgöb den Weg zum Priester Das erinnerte ihn an das Charisund zum geistlichen Reichtum ma des Redemptoristenordens, Roms. Während der drei Jahre in den er seit Kindertagen aus Nieder Ewigen Stadt taucht dieser in derösterreich kennt. An dieser das römische Leben ein, erliegt Ordensgemeinschaft fasziniert aber nicht der Verführung des ihn nicht zuletzt der heilige Kleoberflächlichen Glanzes. mens Maria Hofbauer (1751– Jedes Zimmer im Kolleg trägt 1820), Redemptorist aus Südden Namen eines Bistums, zum mähren und Stadtpatron oder Beispiel „Speyer“. In dem wohnt Apostel von Wien. Leitgöb nennt der österreichische Student. Un- ihn einen „Change manager“ für mittelbar gegenüber liegt das die Kirche an der Wende vom 18. Zimmer „München“. Immer zum 19. Jahrhundert: einer, der wenn der Erzbischof von Mün- nicht den Untergang verwaltete, chen und Freising, Friedrich Kar- sondern den Übergang gestaltedinal Wetter, in Rom ist, bezieht te. er dieses Zimmer. Die beiden beAus Rom zurückgekehrt, tritt gegnen sich häufig im Gang. Ein- Leitgöb bei den Redemptoristen in Wien ein, ist ein Jahr lang Kandidat und dann Novize im oberfränkischen Forchheim. Drei Jahre später legt er seine Ewige Profeß ab, und wieder ein Jahr später – am 15. Juni 2007 – weiht ihn der in Nordböhmen gebürtige Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn zum Priester.
Der Weg nach Prag
rer für ihre deutschsprachige Gemeinde in Prag und die dazugehörige Kirche Sankt Johannes Nepomuk am Felsen. Im Herbst 2012 beginnt Pater Martin mit der Seelsorge. Und mit seiner Seelsorge beginnt eine frohe Belebung der Gemeinde. In Prag und Umgebung leben rund 3500 deutschsprachige Katholiken. Leitgöb: „Zu ihnen gehören Menschen, die oft mit Familie be-
schof Duka hat den Schritt selbst so begründet: 1994 läuft auf Schloß Weitra l Das Deutsche gehörte imdie niederösterreichische Lanmer zu Prag und zu Böhmen. desausstellung „Die FürstenberDeutsch ist hier keine Fremdger“. Der Student Martin Leitgöb sprache. l Die Gemeinde existiert seit verdient in den Ferien mit FühAnfang der 1990er Jahre ununrungen durch Ausstellungen und terbrochen. Trotz allem auf und Klöster Geld. Unter anderem ab ist sie nie von der Oberfläbei der Landesausstellung. „Wir ei der Kaffeejause am Tag che verschwunden und hat sich waren eine wunderbare Grupseiner Erstkommunion ergut entwickelt. So war es 2016 pe und unternahmen gemeinsaklärt Martin: „Ich werde Pfarrer.“ für das Erzbistum eine logime Ausflüge.“ Die „wunderAcht Jahre zuvor, am 13. Juni sche Folge, uns zu einer Pfarbare Gruppe“ reist nach Süd1972, war er im niederösterreichirei zu machen. Immerhin waböhmen. Martin reist weiter. schen Eggenburg nahe der Grenren wir damals nach der polIn Prag steigt er aus dem Zug ze zu Südmähren als erstes von nischen und slowakischen erst und sucht sich eine billige Unvier Kindern zur Welt gekomdie dritte fremdsprachige Pfarterkunft. Die findet er in einem men. Seine Mutter Maria Leitgöb rei in Prag. Studentenheim mit Dusche im ist Schneiderin. Bereits mit drei Für mich ist das der Beweis, Keller. Jahren verlor sie ihren Vater. Ihdaß wir keine Nische, sonDie ehemalige k. u. k. Stadt re aus der Nähe von Zwettl stamdern ein Teil der Ortskirche bezaubert den österreichimende Mutter Maria Spitaler – mit allen Rechten und Pflichschen Waldviertler. Er sitzt „eine Bilderbuchgroßmutter“ ten sind. Das ist eine Bereicheauf einer Bank im Park vor – lebt bei den Leitgöbs. Vater rung für die Ortskirche und dem Rudolfinum, raucht PfeiFranz ist Straßenarbeiter, stammt wird für die Zukunft Bedeufe und denkt: „Mein Gott, wie auch aus der Zwettler Gegend tung haben.“ wunderschön ist Prag, und und wird 2013 sterben. Im Herbst 2020 löst der aus wie großartig wäre es, in dieEggenburg liegt am Übergang der Diözese Trier stammenser Stadt eine Wohnung zu havom Weinviertel zum Waldde 51jährige Pfarrer Thomas ben.“ viertel. „Im Herzen bin ich ein Hüsch Martin Leitgöb in Prag 2010 streckt Pater Martin Waldviertler.“ Die Landschaft ab. Pater Martin wird auf den seine Fühler Richtung Prag ist voller Bildstöcke mit den Daraus und macht einen sechs- Im Winter 2021 baut Pater Martin auf Schönenberg ins württemberstellungen der Heiligsten Dreiwöchigen Tschechischkurs. Er dem Schönenberg im württembergischen gische Ellwangen an der Jagst faltigkeit, der Gottesmutter, des weiß, daß die Redemptoristen Ellwangen an der Jagst einen Schnee- versetzt. Dort stehen ein Reheiligen Johannes von Nepoin Prag eine Kirche haben, die mann und setzt ihm eine Corona-Krone demptoristenkloster und eine muk, des heiligen Florian oder im Dornröschen-Schlaf liegt. auf. Seine Sekretärin Renate Ziegler ver- Wallfahrtskirche. der Pestheiligen Sebastian, „Seit 1. September bin ich Das ist die Kirche Sankt Ka- paßt ihm in einer Nacht-und-Nebel-AktiRochus und Rosalia. Martin Pfarrer der Wallfahrtskirche jetan in der Nerudastraße. Er on das Schild „Martin I.“ bringt ihnen Blumen, tastet sie Schönenberg in der Diözese plant, die Kirchentüren für ab, kniet dann und wann vor Touristen zu öffnen. Daraus wird ruflich einige Jahre in Prag ver- Rottenburg-Stuttgart. Der Wallihnen nieder oder versucht die nichts. bringen. Als ich 2012 begonnen fahrtsort liegt bei Ellwangen im von Wind und Wetter zerzauEin Jahr später sucht das Aus- habe, spielten diese Katholiken Landkreis Aalen. Auf dem Schösten Inschriften zu entziffern. landssekretariat der Deutschen die Hauptrolle in der Gemein- nenberg errichteten die RedempMit Begeisterung geht er bei Bischofskonferenz einen Pfar- de. Dazu kommen Mischehen. toristen vor 100 Jahren eine Nieden Flurprozessionen zu dieDeren Kinder werden meist derlassung. Ich werde also dort sen Bildstöcken mit. zweisprachig erzogen und ge- Pfarrer sein und bin damit auch Sein altes Ziel Pfarrer bleibt, hen in die lokalen tschechi- für die Wallfahrtsseelsorge zuund auch sein Sendungsbeschen Schulen. Um so dankba- ständig.“ Ursprünglich betrieben die wußtsein prägt sich früh aus. rer sind die Familien, wenn sie Allerdings weiß er mit 18 Jahin Prag an deutschsprachige Redemptoristen Volksmission, ren noch nicht, ob er WeltOrganisationen wie die Pfarrei boten pastorale Veranstaltungen wie Gottesdienste, Vorträge oder oder Ordensgeistlicher werandocken können. den will. In nahegelegenen Vergleichsweise wenig, Gesprächsrunden in Pfarreien Benediktinerklöstern tut sich aber mir wichtig, sind die An- und Dekanaten. Ein weiteres Arkeine Tür auf. In Wien beginnt gehörigen der deutschen Min- beitsfeld ist die Jugendseelsorge, er Theologie zu studieren, späderheit. Die Heimatverblie- wie sie im Kloster Schönenberg ter zieht es ihn Innsbruck. Der benen und ihre Nachfahren praktiziert wird. Auf dem SchöDogmatikprofessor und Orkommen auch gerne in unse- nenberg sind die Redemptoridensgeistliche Lothar Lies SJ rer Gemeinde. Selbst wenn sie sten außerdem Wallfahrtsseel(1944–2008) löst in Martins nicht in Prag wohnen. Dann sorger. Und all dies tut nun – Kopf einen Knoten. Martin begibt es noch die Touristen, die wie immer erfolgreich – unser Kolumnist Pater Martin Leitgöb. ginnt, tiefer nachzudenken, den Gottesdienst besuchen.“ „Und wie ist das mit der Lieeine eigene Theologie zu suAm 1. Oktober 2016 erhebt chen und zu finden. der Prager Erzbischof Dominik be“, frage ich zum Schluß. „Ich Ein Jahr lang ist er – „ein Kardinal Duka die Gemeinde meine nicht die Liebe zu Gott.“ grottenschlechter“ – Religider deutschsprachigen Katho- „Nichts Menschliches ist mir onslehrer. 1998 bis 2001 stuliken in Prag zur Pfarrei. Pa- fremd. Aber ich habe mich für Jediert er in Wien Kirchenge- Am Pfingstmontag 2020 feiert Pater Martin Leitgöb aus Prag mit Diakon Aleš Ullmann aus Perchtoldsdorf in Nieder ter Martin: „Für mich war die sus entschieden.“ Nadira Hurnaus schichte und macht sein Di- österreich einen Grenzgottesdienst. Motivation interessant. Erzbi-
Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO die bisherige COVID19-Epidemie zur Pandemie. Seit April begleitet der Redemptoristenpater Martin Leitgöb die Leser der Sudetendeutschen Zeitung mit einer wöchentlichen Kolumne (Þ Seite 5).
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2021
Anfang Januar fand im Sudetendeutschen Haus ein nachweihnachtliches Konzert statt. Dabei trug das Trio „Pumpernickel“ aus Ruth Maria, Iris Marie und Heidelinde Kotzian Weihnachtslieder aus Ostdeutschland und dem östlichen Europa vor. Der junge Flötist Paul Geier begleitete die „Pumpernickels“. Daniel Mielcarek, der neue Öffentlichkeitsreferent des Sudetendeutschen Museums (Ý Seite 3), berichtet über das Konzert „Stern über dem Stall“.
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Das Trio „Pumpernickel“ trägt ostdeutsche Weihnachtslieder vor. Und der achtjährige Paul läßt die Augen der Besucher in nachweihnachtlichem Glanz erstrahlen.
Bilder: Christian Geier
� Konzert im Sudetendeutschen Haus mit dem Trio „Pumpernickel“
„Pumpernickel“ singt und Paul flötet
Weihnachten und Krippen sind immer mit Erinnerungen verbunden, die auch oft beschrieben werden wie hier bei Hans Adamec aus Aussig-Türmitz. Bild: Sudetendeutsches Museum Auch das Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott im nordrhein-westfälischen RheinSieg-Kreis bietet eine Krippenausstellung mit schönen Exponaten. Florian Paprotny, der neue Referent für Öffentlichkeitsarbeit von Haus Schlesien, stellt die beiden Frühjahrs-Sonderausstellungen vor.
Neben der Krippenausstellung in der Kubin-Galerie ist im Ersten Stock auch Weihnachtsschmuck der Böhmerwäldler zu sehen Bild: Susanne Habel
as Sudetendeutsche Museum in München-Au konnte man endlich einmal wieder direkt erleben. Ein weihnachtliches Konzert im Rahmen einer Sonderausstellung des Museums verzauberte die Gäste, die noch einmal Lieder über die schönste Jahreszeit, die Weihnachtszeit, gemeinsam genießen wollten. Die festlichen Weihnachtslieder aus dem Deutschen Osten trug das Trio „Pumpernickel“ im Adalbert-Stifter-Saal vor. Die Kotzian-Schwestern Ruth Maria, Iris Marie und Heidelinde interpretierten mit Gitarre, Flöte und Geige sowie charmanten Zwischenmoderationen bekannte und weniger bekannte Melodien. Kleiner Höhepunkt des Minikonzerts war der Auftritt des Flötenspielers Paul Geier. Mit seinen acht Jahren ließ auch der „Pumpernickel“-Sohn von R uth Kotzian die Augen der Besucher hell erstrahlen. Publikumshits waren unter anderem die Lieder „Wintermorgen“, „Stern über dem Stall“ und „Josef můj kochaný“, die den einen oder anderen Zuhörer an dieser frühen Abendveranstaltung zum Mitsummen verleiteten. Das Konzert wurde coronakonform durchgeführt. Trotz der aktuellen Infektionsschutzbedingungen erfreuten sich die Veranstalter und Gäste eines regen Interesses. Und wer die Sonderausstellung in der benachbarten Alfred-Kubin-Galerie mit rund 50 Krippen aus vielen Teilen Böhmens und Mährens noch nicht gekannt hatte, schaute sie sich vor oder nach dem Konzert an, manche sogar ein zweites Mal. Einige Krippen sind kunsthandwerklich hochwertige Exponate, andere einfache Arbeiten, die die Vertriebenen nichtsdestotrotz aus übervollem Herzen in ihrer „neuen Heimat“ schufen. Bis Mittwoch, 2. Februar: „,Alles andere ist zu ersetzen‘. Weihnachtskrippen aus Böhmen und Mähren“ in München-Au, AlfredKubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8. Dienstag bis Sonntag 10.00–18.00 Uhr. Es gelten die aktuellen CoronaRegeln in Bayern.
� Sonderausstellungen im Haus Schlesien
Kreative Krippen und Bunzlauer Keramik
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och bis Maria Lichtmeß ist im Sonderausstellungsraum von Haus Schlesien eine Ausstellung mit schlesischen, internationalen, traditionellen und modernen Krippen zu sehen. Die Vielfalt der kunsthandwerklichen Ausgestaltungen und Traditionen von der Nußschale bis zur Keramik-Krugkrippe, von der geklöppelten bis zur 170 Jahre alten Kastenkrippe, die rund um die Welt gereist ist, lohnt einen Besuch. Nach der traditionellen Krippenausstellung wird Mitte Februar die nächste Sonderausstellung im Haus Schlesien eröffnet. In „Versammelte Erinnerungen“ geht es um Bunzlauer Keramik. Wir zeigen braune Tontöpfe, mit Pfauenaugen verzierte
Tonkrippe aus Südamerika. Tassen und Teller aus den Porzellanmanufakturen in Tiefenfurt, Stadtansichten von Bunzlau, Fotoalben und andere Erinnerungsstücke aus Stadt und Kreis Bunzlau, die urspünglich aus den
Bilder: Haus Schlesien Beständen der Bunzlauer Heimatsammlung in der Patenstadt Siegburg stammten und letztes Jahr nach ihrer Schenkung in die Bestände von Haus Schlesien eingegliedert wurden. Außer-
Oberschlesische Nußkrippen. dem gibt es Alltagsgegenstände zu sehen, Kartenmaterial und Graphiken, Fotoalben und Postkarten aus älteren Beständen des Hauses. Sofern die Coronaregeln es erlauben, werden wir unseren
Bunzlauer Keramik. Besuchern ein Begleitprogramm anbieten. Bis Mittwoch, 2. Februar: „Ich steh‘ an deiner Krippe hier …“ in Königswinter-Heisterbacher-
rott, Haus Schlesien, Dollendorfer Straße 412. Dienstag bis Freitag 10.00– 17.00, Samstag, Sonntag 11.00–18.00 Uhr. Eintritt frei. Aktuelle Informationen auf www. hausschlesien.de
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KULTUR
Josef Hoffmann: Sanatorium Westend, Purkersdorf, Fassade (1905). Im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien läuft gegenwärtig eine große Ausstellung über Leben und Werk des in Mähren geborenen Architekten, Designers, Lehrers, Ausstellungsmachers und Mitbegründers der Wiener Werkstätte, Josef Hoffmann (1870–1956). (Þ Seite 12: „Die Vereinigung von Kulturgenres im Wagnerschen Sinn“.)
In 20 Kapiteln nähert sich die Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“ mit mehr als 1000 Exponaten seinem gewaltigen Lebenswerk, das sämtliche Aspekte des täglichen Lebens wie Architektur, Innenraumgestaltung, Mode sowie Gebrauchsgegenstände umfaßt. Josef Hoffmann stammte aus begütertem Haus. Sein Vater war Bürgermeister von Pirnitz in der Iglauer Sprachinsel an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Seine Familie war an der fürstlich Collaltoschen Kattunfabrik beteiligt. Josef sollte auf Wunsch seines Vaters Jurist werden, fühlte sich aber mehr zur Technik hingezogen. Daraufhin schickten ihn die verständnisvollen Eltern auf die Staatsgewerbeschule in Brünn, von wo er hervorragende Noten heimbrachte.
Bild: Wolfgang Woessner, MAK
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Fassade des Palais Stoclet, Brüssel (1914).
� Architekt und Designer aus der Iglauer Sprachinsel
Multitalent
Danach arbeitete er beim Militärbauamt in Würzburg und studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Karl von Hasenauer und Otto Wagner. In Wagners Büro begegnete er dem Troppauer Joseph Maria Olbrich, mit dem er 1897 die Wiener Secession gründete, eine Künstlervereinigung, die er 1905 mit Gustav Klimt und anderen wieder verließ. Zum Abschluß seines Architekturstudiums wurde Hoffmann mit dem Prix de Rome der Akademie geehrt und lebte ein Jahr lang in Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Hoffmann offizielle Aufgaben wie die als öster-
reichischer GeneGeschmacks- und ralkommissar bei Identitätsstifter der Biennale in und pflegte als langjähriger LehVenedig und die rer, einflußreicher Mitgliedschaft im KunstgewerbedeÖsterreichischen signer und MitbeKunstsenat. Hoffgründer der Wiemann war zweimal ner Secession, der verheiratet. 1903 Wiener Werkstätheiratete er Anna te sowie des WerkHladik (* 1880) und bunds ein beihatte mit ihr den spielhaftes LeSohn Wolfgang bensmodell. (1900–1969), der Die Ausstellung ebenfalls Archispannt einen lüctekt wurde. Die kenlosen Bogen Ehe wurde 1922 Josef Hoffmann 1902. von seiner Jugend geschieden. und dem Studi1925 heiratete Hoffmann Carla (Karla) um an der Wiener Akademie der Schmatz (* 1894), die zuvor Man- bildenden Künste bis zu seinem nequin bei der Wiener Werkstät- Tod 1956. Der Schwerpunkt liegt auf te war. Als Witwe vertraute sie den Wittmann-Möbelwerkstät- dem bis heute anhaltenden Einten die Rechte für die Entwürfe fluß seiner Werke auf Architekihres Ehemannes an. Wittmann tur, Kunstgewerbe und Design, begann in den siebziger Jahren ausgehend von seinen prominenHoffmann-Möbel zu reproduzie- testen Projekten und Bauten. Das ren. Hoffmanns Lampenentwür- sind das Sanatorium Westend in fe werden mit einer Lizenz der Purkersdorf (1904/05), das Palais Josef-Hoffmann-Stiftung seither Stoclet in Brüssel (1905–1911), von der Wiener Firma W OKA die Wiener Kunstschau (1908), in Handarbeit hergestellt. Hoff- der österreichische Pavillon für mann erlebte von der Habsbur- die Werkbundausstellung in germonarchie bis zur Zweiten Köln (1914), der Pariser Pavillon Republik Österreich fünf ver- für die Exposition internationale schiedene Regimes. Er galt als des Arts décoratifs et industriels
Silberbesteck für Fritz und Lili Waerndorfer, flaches Modell, Silber, Wiener Werkstätte (1904–1908). Bild: Aslan Kudrnofsky/MAK
MAK-Ausstellungsansicht 2021: Ausstellungshalle mit Möbelentwürfen von Josef Hoffmann. Bild: Georg Mayer, MAK
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offmann kultivierte ein exemplarisches Modell moderner Lebensweisen und legte den Fokus auf Ästhetik und Schönheit als zentrale Parameter moderner Gestaltung. Die Ausstellung „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“ läßt das nahezu 60jährige Schaffen des einflußreichen globalen Pioniers in Architektur und Design um 1900 in all seinen Facetten Revue passieren und bereichert die systematische Erforschung und Vermittlung seines Vermächtnisses. Mit einer anfänglich puristischen Designsprache hat sich Josef Hoffmann als eine der zentralen Figuren in die Wiener Moderne eingeschrieben. Durch sein Ideal des Gesamtkunstwerks und herausragende Bauten, darunter das zum UNESCO-Welterbe zählende Palais Stoclet in Brüssel (1905–1911), hat er national wie international Spuren hinterlassen. Obwohl der Allgestalter in allen wichtigen Ausstellungen über die Wiener Moderne vertreten war, ist sein Werk bis dato nur in Teilbereichen lückenlos aufgearbeitet.
Studium in Wien
Im MAK: Rekonstruktion des Boudoir d‘ une grande vedette für die Weltausstellung in Paris (1937) und andere Werke.
Bilder: Georg Mayer, MAK
Bild: Alan John Ainsworth
modernes (1925), die Werkbundsiedlung in Wien (1931) und der Pavillon für die Biennale in Venedig (1934). Eine multimediale Zeitleiste führt durch Hoffmanns Leben und verweist auf vergessene Projekte und Texte. So ermöglicht eine Rekonstruktion des von Josef Hoffmann 1937 für die Pariser Weltausstellung entworfenen „Boudoir d‘ une grande vedette“ (Boudoir für einen großen Star) ein unmittelbares Erleben seines Raumdenkens. Erstmals zu sehen sind auch Einrichtungsgegenstände aus der Villa für Sonja Knips (1924) und der Internationalen Kunstgewerbeausstellung in Paris (1925), außerdem noch nie gezeigte Entwürfe Hoffmanns aus den Jahren des Nationalsozialismus sowie aus Archiven diverser Firmen. Speziell für die Ausstellung programmierte deren Architekt Ben James einen Artificial-Intelligence-Algorithmus, der Hoffmanns typische Formensprache für neue Entwurfsaufgaben anwendet und auch Architekten und Designer von heute als „digitaler Assistent“ inspirieren soll. Mit der Ausstellung und dem be-
gleitenden Katalog trägt das MAK dazu bei, ein um viele Aspekte reicheres Bild von Josef Hoffmann als Schöpfer und Lehrer zu zeichnen und seine Rolle von der Moderne bis zur Gegenwart neu zu sehen. Als Kompetenzzentrum der Wiener Moderne beherbergt das MAK den weltweit umfangreichsten Bestand an Möbeln, Objekten und Entwürfen von Hoffmann, aus denen man gut schöpfen konnte. Die neue MAK-Ausstellung präsentiert den Künstler aus der Iglauer Sprachinsel als Multitalent mit vielen Begabungen. Susanne Habel Bis Sonntag, 19. Juni: „Josef Hoffmann. Fortschritt durch Schönheit“ in Wien I, Museum für angewandte Kunst (MAK), Stubenring 5. Dienstag 10.00–21.00, Mittwoch bis Sonntag 10.00– 18.00 Uhr. „Josef Hoffmann 1870–1956: Fortschritt durch Schönheit: Das Handbuch zum Werk“. Birkhäuser Verlag, Wien-Basel 2021; 456 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 69,95 Euro. (ISBN 9783035622959)
� Zweigstelle in Pirnitz
Geburtshaus I
n Josef Hoffmanns Geburts- die erstmals wieder Entwürfe haus in Pirnitz/Brtnice be- und Objekte Hoffmanns aus treibt das MAK gemeinsam dem MAK in der Tschechimit der Mährischen Galerie in schen Republik zeigte, wurBrünn eine Außenstelle, das de der Plan zur Restaurierung Josef-Hoffmann-Museum. des Gebäudes gefaßt, die auch Seit 2005 werden dort im die Rekonstruktion der WandGeburtshaus von Josef Hoff- dekorationen vorsah. Nach mann neben der Daueraus- der 2004 abgeschlossenen Restellung „Josef Hoffmann. In- staurierung geben die Interispirations“ Wechselausstel- eurs im Muzeum Rodny Dům lungen mit Themen aus dem Josefa Hoffmanna einen EinUmkreis Hoffmanns realisiert druck des von Josef Hoffmann mit dem Anliegen, Leben und gewünschten Raumeffekts, Werk eines wegweisenden die Definition eines modernen österreichischen Architekten Heimatstils, geprägt vom Imim Bewußtsein der Öffentlich- port der „Wiener Moderne“, keit lebendig zu halten. die Josef Hoffmann entscheiDenn Josef Hoffmann blieb dend geprägt hat. Das Museseinem Geburtsort bis nach um in Pirnitz wird seit 2006 dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Nach dem Tod seiner Eltern richtete er 1907 sein Geburtshaus, ein barockes Bürgerhaus am Stadtplatz, als Sommersitz für sich und seine Schwestern neu ein. Josef-Hoffmann-Museum in Pirnitz. Hoffmanns Neugestaltung war ein Arrangement des von der Mährischen Galerie Hausrats seiner Eltern, ver- in Brünn und vom MAK Wien bunden mit Wanddekoratio- gemeinsam geführt. nen in Schablonentechnik und Holzdekor sowie Möbeln nach Josef-Hoffmann-Museum/ eigenen Entwürfen. 1911 pu- Muzeum Josefa Hoffmanna, blizierte Hoffmann sein Vater- náměstí Svobody 263, 58832 haus in der Zeitschrift „Das In- Brtnice, Tschechische Reputerieur“. Nachdem das Haus blik. Geöffnet Donnerstag bis 1945 enteignet worden war, Sonntag 10.00–17.00 Uhr. Jadiente es der Gemeinde, zu- nuar und Februar nur nach letzt als Stadtbibliothek. Nach Voranmeldung unter Teleder MAK-Ausstellung „Der fon 0042 07 24 54 37 22 oder barocke Hoffmann“ (1992), brtnice@moravska-galerie.cz
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk
Singen trotz Pandemie Ende November fand das 58. Fritz-Jeßler-Adventssingen des Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerks (SSBW) im Heiligenhof in Bad Kissingen statt.
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Danke.
SL-OG Warmensteinach
FlaschenPost für Obmann Eine Adventsüberraschung erfuhr Helmut Hempel, Obmann der oberfränkischen SL-Ortsgruppe Warmensteinach, Vize-Obmann der SL-Kreisgruppe Bayreuth und Betreuer der Ortsgruppe Weidenberg.
ie Lage Ende November: Die Corona-Zahlen steigen wieder, die Zügel werden wieder angezogen, Kontakte eingeschränkt, Weihnachtsmärkte in manchen Bundesländern vollständig abgesagt. Trotzdem entscheidet sich das SSBW, das Adventssingen stattfinden zu lassen, nachdem es 2020 pandemiebedingt ausgefallen war. Nach einigen Absagen finden sich am ersten Adventswochenende dennoch 25 genesene und/
oder geimpfte Sänger am Heiligenhof ein, um nach einem negativen Corona-Test vor Ort das Haus mit adventlicher Musik zu füllen. Chorleiterin Astrid JeßlerWernz hatte sich ein vielseitiges Programm ausgedacht, das sudetendeutsche Weihnachtslieder, solche aus anderen ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten, Kirchenmusik sowie internationale Weihnachtslieder einschloß. Und tatsächlich springt der Funke auf den Chor über, adventliche Stimmung stellt sich trotz Singen mit Abstand und Luftfiltern ein. Der gleichzeitig im Haus tagende SL-Bundesvorstand wird
daher am ersten Adventssamstagabend Zeuge einer nichtöffentlichen Aufführung der erarbeiteten Chorwerke und der adventlichen Musik der Instrumentalgruppe, die sich spontan aus dem Chor heraus gebildet hatte. Lesungen zur Adventszeit runden den gelungenen Einstieg in den Advent ab. Und so fahren die Sänger am ersten Adventssonntag nach der Tonaufnahme des Erlernten in wohliger Adventsstimmung nach Hause – 14 Tage später auch in der Gewißheit, daß die Sicherheitsvorkehrungen funktioniert haben: Corona war dem Adventssingen dankenswerterweise fern geblieben.
Spontan schließt sich aus dem Chor eine Instrumentalgruppe zusammen.
Ackermann-Gemeinde
Die Leichtigkeit des Augenblicks erischen Verdienstorden sowie Beschuß“, sagte Liška. Nach sei- benarbeit über das Technische 2021 den Gratias-Agit-Preis, der nem Abitur floh die Familie 1969 hinauswachsen könne, vor allem für Verdienste um den guten Na- in drei Gruppen und fand sich aber die Choreografie, die Tanzmen der Tschechischen Republik in Radolfzell am Bodensee wie- partnerin und die Atmosphäre in der Welt vergeben wird. der zusammen. Bereits am 1. Ok- mit Publikum hohe Euphorie erZur Ackermann-Gemein- tober 1969 begann Liška einen zeugen. „Das ist das Fluidum, die de hatte er bereits vor 20 Jah- Monat vor seinem 19. Geburts- Spannung im Theater.“ ren Kontakt. Eine aus Komotau tag bei der Deutschen Oper am Beim Bayerischen Staatsbalstammende Tante hatte an einer Rhein in Düsseldorf und lernte lett trat Liška im September 1998 Veranstaltung der Ackermann- dort Joseph Beuys kennen. Neue die Nachfolge von KonstanGemeinde teilgenommen und Impulse waren wichtig. „Ich woll- ze Vernon an, wobei er sich an den Auftritt Liškas mit einer klei- te immer ins Ausland gehen. In der Maxime Neumeiers oriennen Ballettgruppe vermittelt. „Es der ČSSR schmorte alles im eige- tiert, seine Tänzer zu entwickeln. ngesichts der neuen Rah- war ein großartiger und warm- nen Saft.“ Die künstlerische Unabhängigmenbedingungen teilten herziger Empfang“, keit und finanzielle Selbstänsich die Zoom-Begleiter Sandra erinnerte er sich. digkeit kamen seinen VorstelUhlich und Rainer Karlitschek Ebenso große Freulungen entgegen, nicht nur die Moderation. Wegen seiner de bereitete ihm die das Publikum, die Tänzer und beruflichen Tätigkeit im Thea- Verleihung des Gradie Kunst zu bedienen, sonterbereich führte Karlitschek die tias-Agit-Preises im dern auch stets weiterzudenFeder. September durch den ken und Neues zu machen. Der in Prag geborene Ivan tschechischen AußenErwähnt sei hier das 2003 geLiška erhielt seine Tanzausbil- minister Jakub Kulstartete und vom zuständigen dung am Prager Konservatori- hánek. „Vor 50 Jahbayerischen Staatsministerium. Seine ersten Auftritte waren ren waren wir Verbreum gewünschte Projekt „Balim Nationaltheater in Prag. 1969 cher“, zitierte Liška lett und Wildnis“, das unter verließ er die Tschechoslowakei. den ebenfalls mit dieanderem an Orten im BayeriEngagements bei der Deutschen sem Preis bedach- Gratias-Agit-Preis 2021: Jiří Kylián, der damalige schen Wald, bei LandesgarOper am Rhein, an der Bayeri- ten Choreographen Außenminister Jakub Kulhánek und Ivan Liška. tenschauen und im Nationalschen Staatsoper in München, an Jiří Kylián, der in den park Šumava zur Aufführung der Staatsoper Hamburg, wo er Niederlanden lebt und arbeitet. Am stärksten prägte ihn der gelangte. Als einen „politischen 20 Jahre lang als Solist bei John „Nun wurden wir geehrt. Das Choreograph John Neumei- Triumph“ sah Liška, daß in der Neumeier wirkte, folgten. 1998 zeigt die Spannbreite. Es ist eine er 1977 bis 1998 an der Staatso- Tschechischen Republik auf eiwurde er zum Direktor des Bay- große Ehre, so gewürdigt zu wer- per Hamburg. Bei ihm war Liška ner ehemaligen Schießstätte für erischen Staatsballetts berufen. den.“ Solist, der John-Neumeier-Tän- Panzer gespielt und getanzt wurGegenwärtig leitet er das BayeriDie Erfahrungen seines Vaters zer schlechthin. Neumeier hatte de. Darüber hinaus stand er imsche Junior Ballett München, das sowohl im Protektorat als auch im Liška bei der Premiere des Bal- mer wieder auch selbst als Aksich aus den Volontären des Bay- stalinistischen System waren der letts Dornröschen in der Bayeri- teur auf der Bühne wie 2012 bei erischen Staatsballetts und den Hauptgrund zur Flucht der Fami- schen Staatsoper München (hier „The Old Man and Me“. Stipendianten der Heinz-Bosl- lie. „Er wünschte, daß die Kinder war Liška von 1974 bis 1977 tätig) Liškas Direktion endete mit Stiftung zusammensetzt. Für sei- nicht das gleiche Leben haben. gesehen und ihm den Wechsel in der Spielzeit 2015/16. Seither ne Leistung erhielt er mehrere Und er war auch wegen seiner die Hansestadt angeboten. Liška: ist die Arbeit mit der Jugend als Auszeichnungen wie den Bay- humanistischen Ansichten unter „Ich wollte an einem Ort sein, wo Leiter der Bayerischen Junior etwas neu aufgebaut wird.“ Ballett München seine zentrale Von der Rolle des Gärtners Aufgabe. Die Situation des TanLysander im Ballett „Sommer- zes in der Tschechischen Repunachtstraum“ bis zum Odyseus blik bewertet er als „großartig in Neumeiers Ballett „Now – er gehört zu den erfolgreichand Then“ reichte das Spek- sten Abteilungen am Theater“. trum, wobei Neumeier beson- Aber auch beim Tanz oder Ballett ders den Pas de deux, das Du- in Deutschland tue sich viel. Mit ett zweier Tänzer, bevorzugte. Sorge sehe er vielmehr, wenn bei „Damit lassen sich viele tiefe der Arbeit von Stiftungen wegen Beziehungen tänzerisch aus- fehlender finanzieller Unterstütdrücken“, vertiefte Liška. An- zung die Leichtigkeit abnehme. hand eines kurzen Ausschnitts Grundsätzlich sei die Kunstform aus dem Ballett „Die Kameli- Tanz wegen der Nonverbalität endame“ zeigte er dies. universell, ohne Grenzen und Angesprochen von Rainer für alle Schichten verständlich. Karlitschek auf die scheinbare „Wichtig ist, mit Leichtigkeit Leichtigkeit des Balletttanzes Neues zu schaffen. Ohne Visiomeinte Liška, daß man zum ei- nen geht es nicht“, schloß Ivan Eine Tanzszene aus einer Aufführung des Projektes „Ballett und Wildnis“. nen durch die tägliche Pro- Liška. Markus Bauer
Im neuen Jahr bietet die Akkermann-Gemeinde pro Monat nur noch eine Zoom-Veranstaltung. Sie eröffnete den ZoomReigen mit Ivan Liška. Er ist ein deutsch-tschechischer Tänzer und ehemaliger Direktor des Bayerischen Staatsballetts. Dem Gespräch unter dem Motto „Die Leichtigkeit des Augenblicks“ folgten Interessenten an 48 Geräten.
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Ackermann-Gemeinde
Europas Zukunft als Tanztheater Die Tanzaufführung „Wendung des Endes“ war Thema des Kulturzooms der Ackermann-Gemeinde im Dezember.
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ie kam in Form einer Weinflasche mit Sternenlicht, Gablonzer Glas-Dekoration und der Aufschrift „Danke“. Herzlich dankte Hempel den Landsleuten Regina und Klaus Linke aus Weidenberg, die diese Idee hatten. „Für mich ein Grund mehr, für die Landsmannschaft weiter tätig zu sein“, sagte Hempel.
Eine Szene aus der Tanzaufführung „Wendung des Endes“.
ie kulturelle Ausdrucksform des Tanzes war beim Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde bislang lediglich durch die Stepptänzerin Cordula Decker vertreten gewesen. Im jüngsten Zoom erlebten die an den gut 50 Computern und Telefonen versammelten Teilnehmer mehrere Szenen aus der Tanzaufführung „Wendung des Endes“, die das Team der tschechischen Tanzgruppe Pulsar einstudiert und aufgeführt hatte. Die dafür verantwortlichen Personen erläuterten ausführlich die verschiedensten Aspekte rund um diese Präsentation. Konkret waren dies der Produzent und Kurator des Projektes Honza Malík, die Tanzdramaturgin Tereza Krčálová sowie die Koproduzentin des Projektes Heda Bayer. Der ehemalige Tänzer der Prager Staatsoper Honza Malík wirkt seit 2007 als Pädagoge am Duncan Centre Konservatorium und organisiert Debatten über die Tanzkunst. Die Dramaturgin Tereza Krčálová studierte Bohemistik und Russistik. Sie übersetzt zeitgenössische russische Werke und konzentriert sich auf die Bearbeitung aktueller sozialer Themen mit den neuesten Theatermethoden. Die in Chemnitz lebende tschechische Schauspielerin Heda Bayer leitet seit 2015 die Chemnitzer Bühne Komplex. Dank diverser Engagements auch an tschechischen Theatern ist die Zusammenarbeit mit der Tanzgruppe Pulsar entstanden. Der vollständige Titel der Tanzaufführung lautet „Wendung des Endes: sind wir vorbereitet auf die Zukunft?“ Es geht also auch um aktuelle Entwicklungen, die durch Tanz zum Ausdruck gebracht werden sollen. So stellten sich die Künstler die Frage, ob wir noch die Ent- Honza Malík wicklung Europas durch unsere Kompetenzen wie Freiheit abschätzen können. Ein halbes Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie entstand das Projekt. Eine der grundlegenden Fragen war, ob die Menschen beziehungsweise die an dem Stück Beteiligten ein gemeinsames Bild von Europa haben. Eigene Gedanken sowie solche aus Gesprächen in mehreren Städten wie Chemnitz, Brünn oder Prag waren ebenso ins Konzept eingeflossen wie Unbewußtes oder Vorurteile.
Honza Malík und Tereza Krčálová obliegt es dann, die Grundlagen für die Choreographie und die tänzerische Arbeit zu schaffen. „Jede Szene hat einen eigenen Anlaß“, erklärt Malík. „Das Tanzbild ist schwierig zu bilden. Im ersten Schritt entsteht ein Formbild, das mit verschiedenen Leuten geübt wird. Dann kommt der Choreograph hinzu und entwickelt das eigentliche Bild, wie es aussehen soll“, ergänzt und vertieft Krčálová. So sind in einer Szene zunächst zwei Männer, die Herrscher symbolisieren. Dann folgt der Solotanz eines Mädchens, das eine Schicksalsgöttin mit Vision versinnbildlichen soll. Und damit, das heißt mit den Aspekten Schicksal und Vision, geht es auch um die Zukunft – um die Schaffung des neuen Europa. In den Tanzszenen stekken viele Symbole. Wichtig ist aber auch die Musik. Wichtig sei, so Malík, das Miteinander von Musik und Tanz zu fühlen. Für dieses Projekt wurde eigens eine Musik komponiert, keine Mainstream-Musik, sondern zeitgenössische Orgelmusik, die dann von einem weiteren Musiker den jeweiligen Szenen angepaßt wurde. Auch Inspirationen aus religiöser beziehungsweise theologischer Literatur werden verarbeitet. „Wir sind nicht Mitglieder bestimmter Kirchen. Aber der Dialog mit gläubigen Menschen ist uns wichtig als Basis für unser Schaffen“, betonen alle drei Protagonisten. Eine andere Szene will verdeutlichen, daß auch Opfer nötig sind, wenn Europa zu einem bestimmten Ideal kommen soll. Schließlich möchte auch die Steigerung der Anzahl der Tänzer im Laufe des Stücks bestimmte Inhalte vermitteln. Da die Aufführung zunächst für Innenräume vorgesehen war, ist die Zahl der Mitwirkenden begrenzt. Inzwischen gab es aber auch Präsentationen im Freien – wie etwa in Chemnitz, wo Zuschauer zum Teil 50 Minuten stehen blieben und sich Zeit nahmen. „Das hat die Leute wohl gefesselt“, merkte Heda Bayer dazu an. Honza Malík, Tereza Krčálová und Heda Bayer bringen es gemeinsam auf den Punkt: „Es geht um das Interesse an den Menschen, an der Welt und an der Gesellschaft – und darum, sich durch diese Form der Kunst an der Welt zu beteiligen. Wichtig für uns ist – auch schon in der Vorbereitung – eine bestimmte geistige Ebene als Basis.“ Markus Bauer
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
� Sprachinsel Iglau: Gustav Mahler und Josef Hoffmann sind mehr als nur Landsleute in Wien – Teil I
Die Vereinigung von Kunstgenres im Wagnerschen Sinn Die bedeutendsten Söhne des Igellandes, nämlich der Komponist und Dirigent Gustav Mahler (* 7. Juli 1860 in Kalischt, † 18. Mai 1911 in W ien) sowie der Architekt und Designer Josef Hoffmann (* 15. Dezember 1870 in Pirnitz, † 7. Mai 1956 in Wien), sind, jeder für sich genommen, gut bekannt. „Trotzdem bemühten sich beide in Wort und Tat um die Vereinigung der Kunstgenres im Wagnerschen Sinn“, meint der Iglauer Zdeněk Geist. Hier bietet er interessante Zeugnisse von der Beziehung zwischen Mahler und Hoffmann und arbeitet die Jglauer Zusammenhänge heraus.
nigkeit durchzukommen. Ich fühlte mich in jeder Beziehung verschüchtert und verlassen. Ich fiel in drei Fächern durch und mußte zum maßlosen Schrecken meiner Eltern die Klasse wiederholen. Mein Ansehen litt dadurch ungeheuer, und man fing
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nen ersten zehn Lebensjahren in seiner Seele gesammelt habe. Und Hoffmann bezeichnete seine Kindheit in Pirnitz in seiner Selbstbiographie als ereignisreiches, glückliches Leben, das die spätere Zeit leider für immer zerstört habe.
Alma Schindler, die Mahler 1902 in der Wiener Karlskirche heiraten sollte. Die Jahrhundertwende war eine Epoche neuer Kunstrichtungen und Einstellungen zur Kunst überhaupt. Sie suchte eine andere Schönheit und andere Ausdrucksformen, sie betonte die Bedeutung des Kunsthandwerks nach dem Vorbild der englischen Bewegung Arts and Crafts. Sie unterstützte die Gedanken des Architekten Otto Wagner (1841–1918) über die Verbindung zwischen Kunst und Nützlichkeit. Sie befürwortete den Weg einer strengen Zweckmäßigkeit. Den hatte der aus Brünn stammende Architekt, Architekturkritiker und Kulturpublizist Adolf Loos (1870–1933), einstiger Anhänger und späterer Gegner der Wiener Secession, eingeschlagen. Auch er war eine Zeitlang Schüler des Iglauer Gymnasiums gewesen. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Mahler und Hoffmann war ihr verhältnismäßig rascher Erfolg. Beide Künstler erlangten einen beträchtlichen Respekt in sehr jungem Alter. Mahler übernahm mit 37 Jahren die Leitung der Wiener Hofoper, Hoffmann war keine 30 Jahre alt, als er das Lehramt an der Kunstgewerbeschule antrat. Ein solcher Erfolg war in der damaligen Zeit nicht üblich und rief viele Kommentare und manchmal auch Neid hervor. In Wien herrschte damals ein reges Treiben. Dort brodelten neue Gedanken und Kunstideen. In der nahezu 50 Millionen Einwohner umfassenden Donaumonarchie behielt Wien eine übernationale Stellung. Das war wichtig für die Künstler und ihre Förderer, ohne deren Unterstützung sich vielleicht auch die Wiener Secession kaum hätte behaupten können. Die Suche nach neuen musikalischen, bildnerischen und literarischen Formen prägte diese Zeit. Was für ein Unterschied im Vergleich zu Iglau, der ersten Stadt, die Hoffmann und Mahler in ihrer Kindheit kennenlernten.
der der Musiker Mahler und der Architekt Hoffmann ihre neuartigen, bahnbrechenden Konzepte verwirklichen konnten. Die aus unterschiedlichen Kulturen entspringende Inspiration in einem nicht von „nationaler“ Kunst eingeschränkten Klima beförderte die Entwicklung und Akzeptanz der Modernen Kunst. Mahler sagte, daß er die Werke anderer Komponisten nicht deshalb aufführe, weil sie Deutsche oder Tschechen seien, sondern weil ihre Musik ausgezeichnet sei. Mahler und Hoffmann besuchten in jenen Jahren, ähnlich wie zahlreiche andere Künstler der österreichischen Metropole, beliebte Ferienorte am Attersee.
hr Leben und Wirken in Wien kennen auch vie le Tschechen, jedoch als zwei unzusammenhängende Themenkreise. Man weiß, daß beide Deutsch sprachen, an der Wende vom 19. zum 20. JahrMahler arbeitete dort an seihundert eine Zeitlang in der nen Symphonien, Hoffmann Hauptstadt der Habsburgerschuf dort einige kunstgewerbMonarchie lebten, beträchtliche Gegenstände für die Villa liche Anerkennung erfuhren Paulick, wo der erste Präsident und erst nach der Samtenen der Wiener Secession und HoffRevolution auf tschechischem manns Mitstreiter Gustav Klimt Boden mehr thematisiert wuroft zu Gast war. Beide Söhne des den. Igellandes sind im Gästebuch Die Kindheits- und Schuldieser Ferienvilla eingetragen. jahre in Iglau und Pirnitz und Ein typisches Milieu, in dem die späteren Besuche der beian der Wende vom 19. zum 20. den Standorte im ErwachseJahrhundert tiefsinnige, manchnenalter begründen unseren mal leidenschaftliche Debatten Stolz darauf, daß beide Genies über Wissenschaft und Kunst gemil Orlik (1870–1932) war ein Praaus unserer Region stammführt wurden, waren die privager Jude und ein einflußreicher Maten. Die musikalischen, architen Literatur- oder Kunstsalons. ler, Grafiker, Fotograf, Medailleur und tektonischen oder gestalteriHier trafen sich Künstler aus unKunsthandwerker. 1904 zog er nach schen Werke beider Künstler Emil Orlik: „Gustav Mahler“. terschiedlichen Kunstbereichen, Wien, 1905 wurde er Professor an der werden hervorgehoben. We- Radierung 1902. Kritiker, Journalisten, aber auch Staatlichen Lehranstalt des Berliner niger bekannt ist, wie sehr sich kunstsinnige Mäzene und AufKunstgewerbemuseums, 1906 Mitglied ihre Lebensbahnen in Wien kon- an, mir und meinen Fätraggeber. Sie diskutierten nicht der Berliner Secession, 1922 bis zu seikret überschnitten und wie ähn- higkeiten zu mißtrauen. nur Kunst, sie diskutierten auch nem Tod Mitglied der Preußischen Akalich ihre Herangehensweise im Das Jahr ging zu Ende, Konzepte, in denen die Schöpfer demie der Künste. Kunstschaffen war. Beide unter- ich hatte statt in drei, neue Ausdrucksweisen für neue stützten die Moderne, die aus in sechs GegenstänInhalte suchten. Und der Salon der Tradition hervorging, das den nicht entsprochen der Kritikerin und ÜbersetzeFestsitzen im Historismus jedoch und war gezwungen, mit diesem rin Berta Zuckerkandl, einer der 1897 kreuzten sich Mahlers ablehnte. Sie hatten gemeinsa- Zeugnis nach Hause zu gehen. und Hoffmanns Wege erneut, damals namhaftesten, spielte eime gedankliche Ansätze, der ei- Das war eine Schande, die mir diesmal in Wien. Mahler war ne wichtige Rolle im Leben der ne als Komponist, der andere als das junge Leben verbitterte. Bis mittlerweile ein europaweit bebeiden aus der Böhmisch-MähriArchitekt. schen Höhe stammenden Künstheute hat mich ein gewisses Min- rühmter Dirigent, ein anerkannGustav Mahler ging mit 15 derwertigkeitsgefühl nicht ver- ter Komponist und ein renomler. Jahren an das Wiener Konserva- lassen.“ Berta Zuckerkandl, die Fördemierter Opernchef. Seine Inszetorium, um seine außergewöhnrin der Wiener Secession, machNeben dieser Kritik am Gym- nierungen in Hamburg hatten liche Begabung weiterzuentwic- nasium erwähnten beide Künst- bei Kritik und Publikum großen te Josef Hoffmannn mit ihrem keln. Josef Hoffmann war damals ler oft weitere Inspirationsquel- Anklang gefunden. fünf Jahre alt. Er lernte die Wirt- len und Impulse, die sie in ihren Hoffmann, Absolvent der schaft seines Vaters kennen, be- jungen Jahren in Iglau, Pirnitz Wiener Akademie der bildengleitete ihn bei den Feldarbei- und Umfeld kennengelernt hat- den Künste, hatte ein einjähten und genoß die liebevolle At- ten. Mahler und Hoffmann wa- riges Stipendium in Rom mit mosphäre seiner vermögenden ren auf unterschiedlichen Ge- Abschluß hinter sich. Ihn beFamilie in der Marktgemeinde bieten tätig und verwendeten gleitete eine klare Vorstellung Pirnitz. Bis zum Beginn seiner unterschiedliche Ausdrucksmit- von seinem künftigen SchafSchulzeit am Iglauer Gymnasium tel. Dennoch findet man in ih- fen: Er lehnte die Wiederhoverbrachte er noch ein paar Jahre rem Schaffen Gemeinsamkeiten, lung bisheriger Muster und in Zufriedenheit. die sich auf die Landschaft, die den akademischen HistorisMangelhafte Schulleistungen Sprache, die Volksbräuche, die mus ab. Zwei Jahre später – scheinen eine gewisse Voraus- Traditionen, das Handwerk, die mit 29 Jahren – wurde er Lehsetzung für Kulturvielfalt, rer an der Kunstgewerbeschueine spätere das Musik- le Wien. erfolgreiche und TheaterGustav Mahler kam 1897 Künstlerlaufleben in Iglau als neuer Direktor der Hof bahn zu sein. oder den rei- oper nach Wien. Er eröffnete Mahlers mitchen Lebens- damals ein glänzendes Jahrtelmäßige Leistungen am Iglau- rhythmus und die traditionellen zehnt dieser namhaften euer Gymnasium verschlechterten Rituale der ländlichen Gemeinde ropäischen Bühne, was ihm sich nach seinem vorübergehen- Pirnitz beziehen. Weltruhm und eine bleibenden Wechsel zum Neustädter All dies fand seinen Nieder- de Ehrenstelle in der MusikGymnasium in Prag beträchtlich. schlag im musikalischen Werk geschichte sicherte. Schuld war auch die unpassen- Mahlers und der bildenden Ebenfalls 1897 gründeten de Unterkunft. Vater Bernhard Kunst Hoffmanns. Es beeinfluß- junge Künstler, Architekten Mahler beschloß deshalb, seinen te auch ihr Verhältnis zur Kunst und Kunsthandwerker mit GuSohn nach Iglau zurückzuholen. und deren Wandlungen. Denn stav Klimt an der Spitze die Die Gymnasialzeit hinterließ gerade das Suchen und Finden Wiener Secession. Diese mabei beiden Künstlern keine gu- neuer Kunstformen begründete nifestierte die Ablehnung des ten Eindrücke. Der berühmte die Rolle beider Männer in der am Wiener Künstlerhaus vor- Emil Orlik: „Josef Hoffmann“. Farbiger Holzdruck 1903. Komponist behauptete später: Kunstgeschichte. Dafür erlang- herrschenden Konservatis„Meine Jugend auf dem Gym- ten sie weltweite Anerkennung, mus und traditionellen, am Hi- Das nahezu hundertmal größe- Schwager Viktor Zuckerkandl nasium verbracht, aber nichts ge- aber zunächst nicht an den Orten storismus orientierten Kunstbe- re Wien war natürlich eine ganz bekannt. Viktor Zuckerkandl belernt.“ Diese lakonische Aussage ihrer Herkunft, die Quelle ihrer griffs. Zu den Mitbegründern der andere Welt. Nicht nur wegen auftragte Hoffmann in den Jahbekräftigt eine emotionale Erin- Kraft war. Wiener Secession gehörten Jo- die Konzentration von Schulen, ren 1903/1904 mit dem Bau des nerung Josef Hoffmanns in seiGustav Mahler sagte, daß die sef Hoffmann und der Maler Carl Kulturstätten und Künstlersa- mittlerweile legendären Pavilner Autobiographie: „Das Gym- Kindheitserlebnisse für das Le- Moll, der in der Beziehung zwi- lons sowie reichen und kultivier- lons des Purkersdorfer Sanatorinasium hatte den stolzen Ruf ei- ben eines Menschen am wichtig- schen Mahler und Hoffmann ei- ten Förderern der alten und neu- ums. Dies ist das erste synthetiner der strengsten Anstalten weit sten seien und daß der Mensch ne wichtige Rolle spielte. Moll en Kunst. Wien bot eine kosmo- sche Bauwerk der Wiener Werkund breit, und es war keine Klei- alles, was er erschaffe, in sei- war der ungeliebte Stiefvater von politische, anregende Umwelt, in stätte, bei dem Hoffmann seinen
eigenen Stil präsentieren konnte und sofort Ruhm erlangte. In diesem Salon lernte Gustav Mahler im November 1901 Alma Schindler kennen. Die Tochter des Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler war 19 Jahre jünger als Mahler und lebte mit ihrer Mutter und ihrem ungeliebten Stiefvater, dem Maler Carl Moll, in einem gerade erst fertiggestellten Haus auf der Hohen Warte in Wien, das Josef Hoffmann entworfen hatte. Unverhofft stellte Hoffmann seinem Landsmann Mahler eine originelle und wirkungsvolle „Bühne“ zur Verfügung, auf der Mahler seine junge Freundin regelmäßig besuchen und umwerben konnte. Das Doppelhaus gehört zu den bedeutenden Frühwerken Josef Hoffmanns. Carl Moll, sein Kollege und einer der Präsidenten der Wiener Secession, initiierte die Entstehung einer Künstler-Wohnkolonie auf der Hohen Warte mit einem wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Weingärten und den Wiener Wald. Schließlich beauftragte Moll den damals dreißigjährigen Hoffmann mit dem Entwurf der Kolonie. Das Haus der Familie Moll, das der berühmte Hof operndirektor Mahler besuchte, zählt zu den ersten Wohngebäuden, die im Sinne des durch die Bewegung Arts and Crafts inspirierten Gesamtkunstwerks erbaut und eingerichtet wurden. Es wurde nach Hoffmanns Grundsatz geplant, daß das Äußere eines Hauses schon das Innere verraten müsse, also die äußere Gestalt mit der inneren Raumgestaltung und Ausstattung korrespondiert und der Architekt als „Vermittler der Schönheit“ dient. Dieses Gebäude spielte außerdem eine wichtige Rolle in einem anderen bedeutenden Kapitel der modernen Architektur. Adolphe und Suzanne Stoclet waren von der Gestalt und dem Gesamtkonzept der Villa Moll so begeistert, daß sie beschlossen, Josef Hoffmann mit dem Entwurf ihres Einfamilienhauses zu beauftragen. Ursprünglich sollte die Villa Stoclet auf die Hohe Warte gebaut werden. Ein Grundstück war bereitgestellt worden, auf dem Hoffmann später die Villa Ast bauen ließ. Der Bankier und Kunstsammler Stoclet übersiedelte jedoch nach dem Tod seines Vaters nach Belgien, und das Palais Stoclet entstand am Rande von Brüssel. Die Idee des Gesamtkunstwerks war eine Inspiration nicht nur für Josef Hoffmann, sondern auch für Gustav Mahler. Das Konzept des Gesamtkunstwerks war eine grundsätzliche Herangehensweise Mahlers bei der Inszenierung seiner Opernwerke. Dabei beeinflußte er als Dirigent und Opernchef nicht nur die musikalische Aufführung, sondern auch das Bühnenbild. Mahlers Basis war die Idee Richard Wagners, verschiedene Kunstgattungen zu einer vollkommenen Einheit zu verschmelzen. Dabei soll eine Kunstgattung die andere ergänzen und alle Kunstgattungen als Vorbilder für die Zukunftskunst dienen. Mahler setzte sich mit dem neuen Konzept der Opernaufführung bereits an seinen vorherigen Wirkungsstätten auseinander, insbesondere in Hamburg. Sein Konzept paßte zu den revolutionären Ideen der Wiener Secession über das Gesamtkunstwerk. Fortsetzung folgt
Wo Gustav Mahler Alma Schindler trifft
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„Im Gymnasium nichts gelernt“
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
� Deutsch Brodek/Schönhengstgau
Unbegründete Angst vor der Nachbarschaft Mitte August eröffnete die private Dauerausstellung „Sprachinsel Deutsch Brodek“ in Deutsch Brodek im früheren Kreis Mährisch Trübau und einst der Hauptort der Sprachinsel am Südostrand des Schönhengstgaus. Sie erinnert an die Deutschen, die vor 75 Jahren aus ihrer angestammten Heimat vertrieben wurden.
l Ein Zimmer aus dem Jahr 1946. Der Besucher soll das Gefühl bekommen, daß die Bewohner ihr Haus gerade verlassen haben. Sie sehen die Wohnung des Hausherrn, die Zeitungen
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ie heutigen Deutsch Brodeker Simona Hedbávná, Vlastimil Štěpánek und Aneta Valentová sind Geschwister und wollen, daß auch in der Sprachinsel deren einstige deutsche Bewohner, deren Schicksal und die Nachkriegsereignisse nicht vergessen werden. Deshalb errichteten sie die private Dauerausstellung im Haus Nr. 252 in Deutsch Brodek. Im aktuellen Weihnachtsbrief der Sprachinsel Deutsch Brodek-Wachtel berichten sie darüber. „Die Dauerausstellung erinnert an die ursprünglichen Bewohner der Sprachinsel, die nach Kriegsende ihre Heimat verlassen mußten. Die Ereignisse rund um die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei müssen immer wieder ins Gedächtnis gerufen, unseren Kindern erzählt und dürfen nicht vergessen werden. Die Ausstellung ermöglicht, jüngeren Besuchern den Alltag ihrer Vorfahren vorzustellen, ihnen die grausamen historischen Ereignisse näherzubringen und durch Erlebnispädagogik einen Teil unserer Geschichte zu vermitteln. Für die Älteren ist es eine Erinnerung an das, woran heute nur noch deutsche Inschriften auf Steinkreuzen im Dorf erinnern. Für die noch lebenden Landsleute und ihre Nachkommen ist die Ausstellung eine Gelegenheit, auf ihr Heimatland zurückzublicken, zumindest für eine Weile nach Hause zu kommen. Am Anfang standen die alte Scheune unserer Großmutter und die Idee, eine Ausstellung über unsere Vorfahren zu organisieren. Großmutter stammte aus einer Mischehe. Ihr Vater war Bohumil Oschlejschek, ein Fleischer aus Brodek. Seine Landsleute erinnern sich vielleicht an ihn. Die Ausstellung ist in folgende Teile gegliedert:
Titelbild der Fotodokumentation für Johann Aberle. auf dem Tisch, die Töpfe auf dem Herd, die Blumen vor dem Fenster, das gebackene Brot im Regal. l Tafeln an den Wänden informieren über die Ankunft der deutschen Bevölkerung im 13. Jahrhundert, über die Ein-
Zeitgenössisches Kleid mit originaler weißer Armbinde. gliederung der Brodeker Sprachinsel in das Sudetenland, über wichtige Gebäude, über wichtige Personen wie Pfarrer Gerhard Madea oder Konrad Luža, über die Heimattreffen im hessischen Limburg an der Lahn und über Erinnerungen an Kriegs- und Nachkriegsereignisse. l Bücher, die das Thema beschreiben, Weihnachtsbriefe, aus denen zahlreiche Informationen hervorgehen, Lebensmittelmarken, Fotos aus der deutschen Zeit und Texte.
l In der Mitte der Ausstellung erinnert eine weiße Fahne an die grausamen Tage des Mai 1945. l Zeitgenössische Kleidung, Schuhe und kleines Gepäck, das die Menschen mit in die Vertreibung nehmen durften. l Fotos, die die Besuche von Bewohnern festhalten, die zumindest für eine gewisse Zeit nach Hause zurückkehren. l Ein historisches Schlafzimmer zur Veranschaulichung der Atmosphäre und vieles mehr. Das wertvollste Exponat der Ausstellung sind die originalen weißen Armbinden mit dem Buchstaben „N“ für „Němec“, „Deutscher“. Dank gebührt Johann Aberle, der die Ausstellung ermöglichte. Er versorgte uns mit vielen wertvollen Informationen, Materialien und Ratschlägen. Wir geben den Besuchern eine Interpretation. Und wir lassen sie die Atmosphäre des Ortes und der Zeit spüren. Unser nächstes Ziel ist eine Gedenktafel in Deutsch Brodek/ Brodek u Konice. Sie soll für immer an die ursprünglichen Bewohner erinnern. Dort soll man auch Blumen niederlegen, Kerzen anzünden und sich erinnern können. Der Weg zur Ausstellung war so lang und steinig wie die örtlichen Felder. Außer Johann Aberle gab es so gut wie keine Experten, die finanziellen Mittel waren begrenzt, und die Angst vor der Reaktion der Nachbarschaft war groß. Aber wir haben es geschafft. Wir wünschen uns, daß sich die Nachricht über die Ausstellung auch unter den deutschen Landsleuten und ihren Nachkommen verbreitet. Hoffentlich finden sie bald den Weg zu uns.“ Die Macher der Ausstellung dankten Johann Aberle mit einer eigens für ihn gemachten Bilderdokumentation, aus der die Bilder für diesen Beitrag stammen. Außerdem hoffen die Ausstellungsmacher, daß dieser Beitrag weitere Landsleute anregt, ihnen ihre Geschichte zu erzählen. „Alle Erinnerungen der Überlebenden wären für uns wertvoll.“ Wer mit Informationen zur Ausstellung oder mit Spenden zur Errichtung der Gedenktafel beitragen möchte, wende sich bitte an die Redaktion. Nadira Hurnaus
Beim Umbau der alten Scheune zu einem neuen Ausstellungsort helfen jung und alt mit.
Dr. Sigrid Ullwer-Paul wünscht sich, daß die Heimatstube im Burglengenfelder Volkskundemuseum vergrößert wird. Vor ihr steht der Leiterwagen, mit dem sie und ihre Mutter 1945 in eine ungewisse Zukunft aufgebrachen. Bild: Thomas Rieke
� Huttendorf, Kreis Hohenelbe, Heimatlandschaft Riesengebirge
Heilt die Zeit alle Wunden? Thomas Rieke von der „Mittelbayerischen Zeitung“ nimmt im Dezember Kontakt zu Sigrid Ullwer-Paul auf. Die aus dem Riesengebirge vertriebene Ullwer-Paul ist Frauenreferentin der SL-Landesgruppe Bayern und Obfrau der oberpfälzischen SL-Kreisgruppe Burglengenfeld-Städtedreieck.
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ie Zeit heilt alle Wunden, heißt es. In der Realität trifft dies nur bedingt zu. Wer einmal tiefstes Unrecht erfahren und Jahrzehnte vergeblich auf Wiedergutmachung gewartet hat, weiß das. In Burglengenfeld gibt es eine Stimme, die nicht müde wird, daran zu erinnern: Sigrid Ullwer-Paul, Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Städtedreieck. Die heute 78jährige erlebte die Vertreibung aus der Heimat ihrer Eltern als Kleinkind nicht bewußt mit. Um so mehr gab sie sich Mühe, später so viel wie möglich darüber zu erfahren.
trieben. Besorgte Mitvertriebene hoben das weinende Kind auf die Schultern und halfen so, daß es wieder in die richtigen Hände kam. Bei einem Arzt in Thüringen fand Anna Ullwer 1946
Schreckliche Vorahnung wird wahr Ullwer-Paul wurde in Huttendorf geboren, einer damals 1500 Einwohner zählenden Gemeinde im Riesengebirge. Kriegshandlungen spielten sich dort keine ab, aber je näher die Kapitulation Deutschlands rückte, um so mehr wuchs die Angst vor Ausschreitungen. Vater Franz sollte mit seinen Vorahnungen Recht behalten. Am 12. Mai 1945 wurde er von tschechischen Partisanen aus dem Haus geholt, geschlagen und mit anderen Männern durch den Ort getrieben. Der Haß auf die Deutschen gipfelte in der Ermordung der Wehrlosen. Mutter Anna stand unter Schock und versuchte, sich und ihre Tochter so gut wie möglich zu schützen. Wiederholt wurde ihr Haus umstellt, die Tür eingetreten. Mitte Juni erhielt sie von einem Tschechen, der sich für seine Landsleute schämte, den Hinweis: Die Vertreibung stehe unmittelbar bevor; sie solle sich darauf vorbereiten.
Binnen fünf Minuten müssen sie raus
Blick in den historischen Raum.
Am 28. Dezember erscheint sein Artikel unter der Überschrift „Als Kind aus der Heimat vertrieben“ in der „Mittelbayerischen“. Das Echo ist erstaunlich. Ullwer-Paul: „Bis dahin mir unbekannte Landsleute melden sich bei mir und erzählen von ihrem eigenen Schicksal.“ Hier Riekes Bericht.
Tatsächlich wurde die Mutter tags darauf aufgefordert, binnen fünf Minuten ihr Haus zu verlassen. Ein Leiterwagen diente als Transportmittel für die Habseligkeiten, Sigrid wurde ins Sportwägelchen gesetzt. Der Elendszug setzte sich am 19. Juni in Bewegung. Vor den Unglücklichen lag eine beschwerliche Reise ins Ungewisse. Protokolliert sind eine Zugfahrt im Viehwaggon, Plünderungen, ein Aufenthalt bei Bauern und das zufällige Wiedersehen mit Sigrids Bruder Franz, der kurz zuvor aus Gefangenschaft entlassen worden war. Im Gedränge am Dresdener Bahnhof verlor Sigrid die Hand der Mutter und wurde fortge-
Sigrid Ullwer-Paul 1948. Anstellung im Haushalt. Dort erreichte sie die Nachricht, ihr zweiter Sohn Walter sei frei und in Bayern. Er kümmerte sich um den Zuzug nach Burglengenfeld, wo die Ullwers seit 22. März 1946 gemeldet sind.
Schule prägt ihr weiteres Leben Die erste Unterbringung war eine Dachkammer mit einem einzigen Bett. Anna Ullwer bot ihre Dienste bei Bauern an, um die Familie über Wasser zu halten und Tochter Sigrid einen Herzenswunsch zu erfüllen: den Besuch eines Gymnasiums. Sigrid enttäuschte ihre Mutter nicht. Nach sechs Jahren Volksschule wechselte sie zu den Englischen Fräulein nach Regensburg, wo sie immer zu den Besten zählte. Mit 18 machte sie Abitur. Spätestens als sie Lehramt studierte, war klar: Die Schule würde auch ihr weiteres Leben prägen. Lange unterrichtete sie an der Volksschule in Burglengenfeld. Neben ihrer Tätigkeit als Seminarrektorin zur Ausbildung von Junglehrern begann Sigrid Ullwer ein Studium, um schließlich in Philosophie zu promovieren. Als Rektorin der Schule Burglengenfeld ging sie 2002 nach 43 Dienstjahren in Pension.
Beispiel für vorbildliche Integration Der Doppelname ergab sich mit der Heirat von Josef Paul.
Der damalige Stellvertretende Leiter des Gymnasiums stammt aus dem Egerland, ist also ebenfalls Heimatvertriebener. Zusammen steht das Paar für vorbildliche Integration in die Stadtgesellschaft unter schwierigsten Bedingungen, die typisch ist für viele Menschen ihrer Herkunft. „Die Sudentendeutschen haben mit angepackt und das Land wieder hoch gebracht. Ohne sie wäre Bayern heute nicht so, wie es ist“, sagt Sigrid Ullwer-Paul nicht ohne Stolz. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der Landsmannschaft. 2007 übernahm sie den Vorsitz in der Kreisgruppe. 2020 sollte das „70jährige“ gefeiert werden, doch wegen Corona mußte der Festakt verschoben werden. Auch heuer war der Besucherkreis beschränkt. Viele Monate arbeitete Ullwer-Paul an den Vorbereitungen, was ihr nicht leicht fiel. Doch der Einsatz lohnte sich. Die Gäste reagierten mit vielen Glückwünschen und noch mehr Anerkennung. Ullwer-Paul ist im Städtedreieck längst zur Galionsfigur der Vertriebenen geworden und läßt keinen Zweifel, daß sie ihre Gruppe solange wie möglich unterstützen möchte. Auch in Zukunft sei es nötig, an zugefügtes Leid und ungesühnte Ungerechtigkeiten zu erinnern. Das sei man den Vorfahren schuldig. Und: Wahrheit und Gerechtigkeit seien die Basis für Versöhnung.
Rückkehr l Situation. Mit den Verbrechen vom Mai 1945 in Huttendorf verlor Sigrid Ullwer-Paul ihren Vater und ihr Elternhaus. Heute wohnen dort Menschen, die ihr fremd sind. In den 1970er Jahren wagte sie mit ihrer kranken Mutter eine Reise in die Heimat. „Das war für uns einerseits schön, andererseits sehr schmerzlich.“ l Details. Im Haus schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Möbel und sogar ein Teil der Küchenausstattung und Dekoration waren noch wie früher. Mutter Anna Ullwer konnte perfekt Tschechisch und kam ins Gespräch mit der Bewohnerin. Diese zeigten sich nach außen recht freundlich, doch als Ullwer-Paul später erneut nach Huttendorf reiste, verständigte sie die Polizei.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau
Museum sucht neuen Direktor In den nächsten Wochen soll endlich die Entscheidung fallen, wer in Zukunft das Teplitzer Museum leiten wird. Erneut hat sich der jetzige Bür- Der Bürgermeister von Graupen, Zdeněk Matouš. Bild: Idnes.cz germeister von Graupen, der Sozialdemokrat Zdeněk ein wunderbares Team an MitMatouš, beworben. Er hatte be- arbeitern und benötigt dringend reits zweimal erfolgreich das einen fähigen Manager, dem es Ausschreibungsverfahren ge- gelingt, die nötigen Finanzen zu wonnen. Aber beide Male nahm einer Modernisierung zu besordie Bezirksleitung die Entschei- gen.“ dung zurück. Angeblich seien Obwohl Bürgermeister nicht alle geforderten Kriterien Matouš über keine Erfahrung erfüllt worden. mit der Leitung einer Kulturorganisation verfügt, bis auf einen ie Aussiger Bezirksleitung Monat Tätigkeit in Teplitz im sucht seit 2020 für ihre Zu- Jahr 2020, kann man seine Fühschußorganisation, das Regio- rungsfähigkeiten nicht bestreinalmuseum im Teplitzer Schloß, ten. Als Bürgermeister der Stadt einen neuen Direktor. 2019 war Graupen hat er seine Stadt erdem damaligen Direktor Ra- folgreich in das Erzgebirgs-Prodek Spála der Vertrag als Direk- jekt des UNESCO-Welterbes getor dieser Kulturorganisation führt. Und er bemühe sich auch nicht verlängert worden. An die- weiterhin, die Stadt zu erneuern. ser Entscheidung war seinerzeit Allerdings kam er dabei auch auch Bürgermeister Matouš be- in Verdacht gewisser Manipulateiligt, der Vizehauptmann der tionen mit Gemeindegrundstücdamals noch kommunistisch ge- ken, die nun seinen Ruf beschatführten Bezirksleitung war. ten. Aber die Untersuchungen Damals nahm man an, daß sich sind dazu noch nicht abgeschlosBürgermeister Matouš ein „war- sen. Kulturbeauftragter Řehák mes Plätzchen“ nach den be- lehnte dazu jeden Kommentar vorstehenden Bezirkswahlen im ab. Herbst 2020 habe sichern wolZu dem bevorstehenden Auslen. Bei diesen Bezirkswahlen scheid äußerte sich die Sprechehatte er nämlich nicht mit einem rin der Aussiger Bezirksleitung, Wahlsieg gerechnet. Matoušs Magdalena Fraňková: „Der AusBefürchtungen waren wohl nicht scheid erfolgt in zwei Runden. ganz unbegründet, denn bei der Die Bewerber müssen zunächst Ausschreibung der frei gewor- ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet denen Stelle des Museumsdi- des Managements unter Beweis rektors in Teplitz-Schönau sieg- stellen. Anschließend erfolgt ein te tatsächlich Matouš. Und er er- Gespräch vor einer Fachjury, dehielt einen Vertrag, der nicht, wie ren Zusammensetzung bis zum bisher, nur auf zwei Jahre befri- 12. Januar feststehen soll.“ stet war, sondern für unbefristeIn der Jury werden nicht nur te Zeit galt. Vertreter des Aussiger BezirkDie im Herbst 2020 neu ge- samtes sein, sondern auch unabwählte Bezirksleitung von Aus- hängige Fachspezialisten, ähnsig mit ihrem Kulturbeauftragten lich wie bei den vorhergehenden und Vizehauptmann, Jiří Řehák Ausschreibungen. „Ich bin über(Verbündete/Spojenci), bezwei- zeugt, daß wir, bei einem reguläfelte jedoch die Richtigkeit der ren Verlauf des Verfahrens, den Konkursentscheidung. Und Bür- Namen des neuen Direktors des germeister Matouš beendete sei- Teplitzer Museums in den nächne Tätigkeit im Teplitzer Muse- sten beiden Monaten erfahren um bereits Ende 2020. Seit dieser werden“, sagte dazu der stellZeit ist die Stelle nun unbesetzt. vertretende Bezirkshauptmann Diesmal gibt es, außer Matouš, Řehák. zwei weitere Bewerber um den Nun bleibt zu wünschen, daß Posten des Museumsdirektors in das Teplitzer Museum endlich Teplitz, deren Namen in der Pres- einen fähigen Direktor bekommt, se bisher nicht genannt werden. der nicht nur die finanzielle SeiBürgermeister Matouš äußerte te seiner Tätigkeit sieht, sondern sich zu der erneuten Ausschrei- auch die kostbaren Sammlungen bung: „Ich sehe eine gewaltige dieses einzigartigen Museums, Stagnation des Teplitzer Muse- die unter anderem von der Fürums, das im Grunde genommen stenfamilie der Clary und Aldrinein außerordentliches Poten- gen angelegt und gepflegt wurtial in sich trägt. Denn es verfügt den, zu schätzen und zu präsenüber riesengroße Sammlungen, tieren weiß. Jutta Benešová
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WIR GRATULIEREN Allen treuen Heimatruf-Abonnenten wünschen wir ein friedvolles und gesundes neues Jahr sowie herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im Januar: n Bilin. Martha Plattig, Steinforststraße 30, 91056 Erlangen, 30. Januar 1967.
Der Bucheinband der Chronik von Tyssa/Kronika do roku 1943.
� Teplitz-Schönau
Die Tyssaer Chronik Im Februar 2020 fand in Königswald ein Zeitzeugenvortrag statt. Dabei berichtete die Geschichtsforscherin Renate von Babka, die auch die Veranstaltung organisiert hatte, daß sie bereits an der Transkription einiger in altdeutscher Schrift geschriebener Chroniken arbeite, um später eine Übersetzung ins tschechische zu ermöglichen. Dazu gehörten die Peterswalder Pfarrchronik, die Tyssaer Ortschronik und die Königswalder Ortschronik.
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ie tschechische Presse berichtete vor einigen Tagen, daß nun eine zweisprachige Chronik von Tyssa erschienen sei. Zunächst in 300 Exemplaren. Eine weitere Auflage sei geplant. Jeder Haushalt in Tyssa solle ein Exemplar erhalten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebten in dem Ort überwiegend Deutsche, so daß auch die Chronik in deutsch geführt wurde. Die Chronik liegt nun zweisprachig vor: die deutsche Vorlage und die tschechische Übersetzung. Der Gemeinderat beauftragte den Chronisten Julius Weckend, mit dem Schreiben der Historie des Ortes im Jahr 1922 anzufangen. Daraufhin begann er mit einer knappen, historischen Darstellung des Ortes in den letzten Jahrhunderten. Die damalige tschechoslowakische Regierung hatte in einem Verfassungsgesetz bestimmt, daß jede Gemeinde, also auch die Deutschen, verpflichtet sei, eine Chronik zu führen, erklärte Jiří Řehák, Kulturbeauftragter und Stellvertreter des Bezirks Aussig sowie Lehrer am Teplitzer Gymnasium. Dabei „sollte alles aufgezeichnet werden, was man über Tys-
Malteserordens waren. Um die Authentizität der alten Chronik zu bewahren, wurden diese Ungenauigkeiten belassen. Die Aufzeichnungen enden 1943. Was mit dem Chronisten geschah – er war Jude –, weiß niemand. Die von Weckend geführte deutsche Chronik erfährt eine in tschechisch geschriebene Fortsetzung mit den Ereignissen von 1945 bis zum 1. Mai 1946. „1945 setzte die Aufzeichnungen ein neuer tschechischer Chronist fort, der über die deutsche Minderheit fair berichtet. Sein letzter Eintrag endet mit dem symbolischen Satz: „Wie werden wohl die Abgeschobenen den 1. Mai verbringen? An diesem Tag wurden nämlich die letzten Deutschen aus Tyssa vertrieben“, erklärte der Kulturbeauftragte Řehák. Das Tyssaer Rathaus finanzierte die Ausgabe der Chronik mit einem Beitrag aus dem Projektfonds der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und dem benachbarten Freistaat Sachsen. Das Erscheinen deutscher Chroniken auch in tschechischer Sprache hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das liegt vor allem am Interesse der tschechischen Leser, mehr über die Vergangenheit ihres Landes zu erfahren, das durch das Wirken der deutschen Bevölkerung zu Wohlstand und Ansehen gekommen war. Jutta Benešová
sammenstellung der tschechischen Texte war nicht einfach. Hinsichtlich der zeitlichen Folge hatte sich der damalige Chronist offenbar keine großen Gedanken gemacht. „Wenn er irgendeine inDer Kulturbeauftragte und stellvertretende Bezirks- teressante Inhauptmann von Aussig, Jiří Řehák. Bild: Iveta Lhotská formation erhielt, schrieb sa wußte“, fügte Řehák über die er sie einfach in die Chronik, so Aufgabe des damaligen Chronis- daß zwischen historischen Auften hinzu. zeichnungen plötzlich BerichZentrales Motiv sind dann die te aus den napoleonischen KrieEreignisse aus den Jahren 1922 gen erscheinen“, erklärte Řehák, bis 1943, wobei die Aufzeichnun- weshalb er die Reihenfolge einigen vermutlich aufgrund der ge- ger Kapitel ändern mußte. schichtlichen Entwicklung plötzAuch gab es Fragen bei den lich abgebrochen wurden. Übersetzungen aus dem DeutKulturbeauftragter Řehák war schen hinsichtlich der Ortsbefür die Bearbeitung des tschechi- zeichnungen, ob sie nun auf schen Textes und die Ausgabe tschechisch oder deutsch geführt des neuen Werkes verantwort- werden sollen. Dazu kamen Unlich. Die Vorbereitungen dafür genauigkeiten in der Chronik. nahmen einige Zeit in Anspruch. So wird angegeben, daß Tyssa im Die ursprünglich in alter deut- Besitz des Deutschritterordens scher Schrift geschriebenen Auf- gewesen sei, wobei es Ritter des zeichnungen mußten in eine leserliche Form überführt werden, was wir Babka zu verdanken haben. Die Übersetzung ins Tschechische ist die Arbeit des 86jährigen Gerhard Tschunko, unter anderem Mitglied des neuen Teplitzer Vereins, der dazu bemerkte: „Manchmal wollte ich schon nicht mehr schreiben. Solch ein Stoß von Material war da zu überÜbersetzerin Monika Glöckner und Geschichtsforscherin Renate von Babka setzen!“ Bild: Jutta Benešová Auch die nachfolgende Zu- beim Königswalder Treffen 2020.
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Hana Gerzanicová stellt neues Buch vor
Berührungen der Augenblicke Gekommen waren dagegen Pavel Motejzík und Lukáš Mácha von der Stadt Nepomuk. Motejzík stellte das Buch von Hana Gerzanicová mit dem Titel „Prameny“ (Quelle) vor, das 2020 in Nepomuk herausgegeben worden war. Aus Nepomuk waren auch viele Zuschauer dabei, die Gerzanias neue Buch becová persönlich sehen inhaltet Gedichte, wollten. Musikalisch die Gerzanicová an ihumrahmt wurde die Vorre Freunde und Bekannstellung von der Harfiten, aber auch an Perstin Karolína Smolkosönlichkeiten in Pilsen vá von der Musikgrundund in der ganzen Welt schule Pilsen. geschrieben hat. DarunHana Gerzanicová ter sind Gratulationen Hana Gerzanicová: „Doteky wurde 1928 in Pilsenzur Geburt, zur Hoch- okamžiků“. Verlag ArtKrist, Pil- Roudná geboren. Nach zeit und zu Geburtsta- sen 2021; 62 Seiten, 150 Kro- ihrem Abitur wandernen. (ISBN 978-80-88357-11-7) gen. te sie mit ihrem zukünfZur Buchpräsentatitigen Ehemann nach on im Sitzungssaal des Rathauses von Deutschland und dann nach Australien Pilsen-Slovany waren viele Gäste ge- aus, wo sie den größten Teil ihres Lebens kommen, die von der Stellvertretenden verbrachte. Seit 1999 lebt sie dauerhaft Bürgermeisterin Eva Truková begrüßt in der Tschechieschen Republik in ihrer wurden. Eine Einführungsrede hielt Ja- Heimatstadt Pilsen. Sie unterstützt lokana Potužáková, die über die Autorin des le Künstler, Kulturinstitutionen, AktiviBuches und deren Beziehung zur Kunst täten von Schriftstellerzentren sowie Resprach. Der Verleger Miloslav Krist paraturen kleiner Denkmale. sprach über die Vorbereitung des neuen Buches. Gerzanicová erfreute das Publikum mit einer fesselnden Rezitation von Gedichten aus dem neuen Buch, das sie anschließend für Interessierte signierte. Einige Gedichte präsentierte auch die Schauspielerin Apolena Veldová vom Theater Pilsen. Bei der Buchpräsentation waren auch einige Mitglieder des Lions Clubs Pilsen vertreten, bei dem die Dichterin früher Mitglied war und für Harfistin Karolína Smolková von der Musikden sie sich noch immer interessiert. Als Paten für das neue Werk fun- grundschule Pilsen begleitet die BuchpräBilder (2): Lukáš Mácha gierten Eva Truková, Jana Potužáková, sentation. die frühere Direktorin der Westböhmischen Galerie, Verleger Miroslav Krist Hana Gerzanicová wurde für ihre Arund Vlasta Nosková. Als Pate sollte auch beit und kulturellen Aktivitäten mehrder bekannte Literaturhistoriker Viktor fach im In- und Ausland ausgezeichnet. Viktora dabei sein, doch hatte er aus ge- Eine der Auszeichnungen war der Tisundheitlichen Gründen nicht kommen tel „Wichtige tschechische Frau in der können. Welt“. Karl Reitmeier
Sie ist zweifelsohne eine bemerkenswerte Frau, die inzwischen 94jährige Schriftstellerin Hana Gerzanicová aus Pilsen. Kürzlich präsentierte sie ein 62 Seiten starkes Handbuch, das den Titel „Doteky okamžiků“ („Berührungen der Augenblicke“) trägt.
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Eine Exkursion führt nach Eger in die Evangelische Stadtpfarrkirche Sankt Bartholomäus, wo die Kanzel und die an ihr angebrachten Gemälde Egerer Arbeiten sind.
Egerer Gespräche – Teil I
Johannes von Tepl, Saaz oder Schüttwa Anfang November fanden im oberfränkischen Marktredwitz die „Egerer Gespräche“ statt. Das war gerade noch rechtzeitig vor der vierten Corona-Welle. Die Tagung stand unter dem Thema „Johannes von Tepl“. Die Egerländer verleihen alljährlich den Egerländer Kulturpreis „Johannes von Tepl“. Grund dafür, mehr über diesen berühmten Mann zu erfahren. Auch Wolf-Dieter Hamperl, Betreuer des Nachbarkreises Tachau, hatte das Symposium organisiert und leitete es. Er berichtet.
Ü
ber Johannes von Tepl – er wird auch Johannes von Saaz oder Johannes von Schüttwa genannt – informierte der Kulturjournalist Andreas Kalckhoff aus Stuttgart. Er war 1944 in Saaz zur Welt gekommen und hatte in München Bayerische Landesgeschichte und Geschichte des Mittelalters studiert. Seit 1980 ist er freier Publizist bedeutender historischer Romane, Genealoge und Heraldiker. In seinem ersten Vortrag „Die Geburt des freien Men-
schen“ schilderte er den Weg Nach dem Mittagessen führvom hörigen Untertan des Mitte ich die Gäste in die nahe telalters zum Ackermann aus Theresienkirche, die von KaiBöhmen, der selbstbewußt den serin Maria Theresia für die kaTod herausfordert und ihm die tholischen Soldaten aus Eger Schuld am Tod seiner jungen im Jahre 1776 errichtet worFrau zuschreibt. Der Humaden ist. Die außergewöhnlich nist Johannes von Schüttwa, qualitätvolle Einrichtung schuals Johannes Henslin in dem fen die Egerer Künstler Adam Dorf Schüttwa – heute ein Stadler (Deckengemälde und Stadtteil von Ronsperg – geHochaltarbild) und Christoph boren, war Anhänger des neuLanger (Statuen am Hochaltar en Denkens der beginnenden und die Engel an der Kanzel). Renaissance. Der Brunnen-Löwe vor dem alIn seinem zweiten Vortrag ten Rathaus ist ein Werk des berichtete Andreas Kalckhoff Egerer Barockbildhauers Peter über „Johannes von Saaz und Felsner. sein Libellus Ackermann“. Nach dieser kunsthistoriUm alle Unklarheiten zu beschen Exkursion referierte Ralf seitigen, Johannes wird „von Heimrath über den „Codex teSchüttwa“ genannt, weil er in plensis“, der bis zur VertreiSchüttwa um 1350 geboren ist. bung in der Bibliothek von Stift In Tepl besuchte er die KlosterTepl stand und der sich heuschule, weshalb wir ihn „Johante in der Tschechischen Staatsnes von Tepl“ nennen. Nach bibliothek in Prag befindet. dem Studium in Prag oder PaHeimrath würdigte diese erris verbrachte er ste deutschsprachige Übersetdie längste Zeit zung des Neuen Testamentes, seines Lebens als die ungefähr 100 Jahre vor der Stadtschreiber, Lutherbibel entstanden ist, und Schulleiter und Von oben nach ging in Beispielen auch auf die Notar in Saaz. Des- unten Andreas Aussprache einiger Worte des Dr. Textes ein. Man nimmt an, daß halb nennen ihn Kalckhoff, manche auch „Jo- Wolf-Dieter der „Codex teplensis“ um 1400 hannes von Saaz“. Hamperl und Dr. entstand, Johannes von Tepl Schließlich ging er Ralf Heimrath. war da schon lange Zeit in Saaz. 1411 nach Prag und Der Abend gehörte Gewirkte dort als Vorsteher der org F. Schmidt, der in Neudorf im Kreis Stadtkanzlei mit der Be- Tachau geboren wurde. Er war zeit Lezeichnung Notar oder Pro- bens ein begeisteter und begeisternder tonotar. Im April 1414 starb Schulmann und vom Theater besessen. er dort. Sein Werk „Der Ak- Immer schon interessierte er sich für das kermann von Böhmen“ ist Prosastück „Der Ackermann aus Böhdas bedeutendste deutsche men“, bearbeitete den Text mehrfach für Prosawerk vor Martin Lu- das Theater und führte uns fesselnd sein thers Bibelübersetzung, ge- Streitgespräch mit ausdrucksstarker Mischrieben in der neuhoch- mik und Stimmgewalt vor. Ingrid Deistdeutschen Sprache, wie sie ler sprach die Zwischentexte und bean der Prager Kanzlei Kaiser sorgte die musikalische Umrahmung. So Karls IV. üblich war. Durch hatten wir intensiv das Werk des Johanden Buchdruck fand das il- nes von Tepl „Der Ackermann aus Böhlustrierte Werk weite Ver- men“ an einem Tag kennengelernt. breitung. Fortsetzung folgt
Vlasta Noskova, Eva Truková, Hana Gerzanicová, Miroslav Krist und Jana Potužáková.
WIR GRATULIEREN Wir gratulieren unserer treuen Abonnentin zum Geburtstag im Januar und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes reichen Segen.
Schmolau. Am 6. Maria Lehn (Holuba), Kärntener Straße 46, 68753 Waghäusel, 87 Jahre. Anneliese Seidl Ortsbetreuerin
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Januar Gottfried Leibl, Ortsbetreuer von Plöß/Wenzelsdorf, am 10. zum 85. Geburtstag; Adolf Buchauer, Ortsbetreuer von Stockau, am 21. zum 82. Geburtstag und Josef Schmid, ehemaliger Ortsbetreuer von
Podraßnitz, am 22. zum 96. Geburtstag. Wir wünschen noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 1+2 | 14. 1. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Neustadtl
Paul Schächer † Am 1. Januar 2022 starb der gebürtige Neustadtler Paul Oskar Schächer im Alter von 94 Jahren im mittelfränkischen Hersbruck. Sein Sohn Raimund Schächer zeichnet sein Leben nach.
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Blick auf Haid mit der Dekanatskirche Sankt Nikolaus.
� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XX
Die Menschen verbeugen sich vor dem Mammon In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, die Vernachlässigung und den Mißbrauch von Friedhöfen und Grabstätten sowie den nachlassenden Glauben.
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icht anders war es in Pfraum berg. Die Slowaken unterlagen schon bald der Laxheit. Die Gastwirtschaft bebte vor Geschrei und Gelächter, und die Kirche gähnte vor Leere. Von der Kirche ließen sie sich gerne von jeder Versammlung und Feier, jedem Heimatabend abbringen. Ich konnte froh sein, wenn ich ein Telegramm erhielt, in dem stand: „Wir feiern den Internationalen Frauentag. Sie müssen nicht kommen.“ Das war 1956. Der Weg nach Pfraumberg war im Winter mühsam. Doch auch im Sommer oder im Herbst war er bei Regen und Nebel nicht besser. Erst später erhielt er eine Asphaltdecke. Es schmerzte, wenn ich fast am Ziel einen Lastwagen mit Leuten traf, die nach Haid zum Fußballspiel fuhren. Noch bitterer war, wenn ich an der schneeverwehten Kirche ankam und keiner da war. Hinter dem Ofen sitzend, verstanden sie nicht, was es heißt, ein Motorrad über Schneewehen den Berg hinaufzuschieben. Sie hatten ihr ganzes Verhalten geändert. Sie erinnerten sich nicht mehr, wie sie als Repatrianten nach Pfraumberg gekommen waren, armselig, ohne Heimat, in schäbigen Trachten und Lumpen.
Ein kleines Beispiel Am 30. März 1958 wurde mir per Post eine Bekanntmachung über die Eheschließung von M. Muchová zugestellt. Darin wurde mir mitgeteilt, daß die Trauung am Sonntag, 31. März um 11.00 Uhr in der Kirche in Pfraum berg stattfinde. Vorher hatte niemand mit mir gesprochen, die Brautleute hatten mich nicht aufgesucht. Den Ort und die Zeit bestimmten sie selbst. Am Sonntag um 11.00 Uhr, also genau, wenn in Neustadtl die Heilige Messe stattfindet.
Als ich den Vater der Braut diskret darauf aufmerksam machte, daß die Trauung nicht abgesprochen und der Zeitpunkt absolut unpassend sei, herrschte er mich an, ohne mich ausreden zu lassen: „Den Pfarrer soll ich fragen? Das ich nicht lache!“ Sie fragten nicht, also hatten sie ihre Hochzeit in Tachau. Dabei war dieser Mann ein Kirchendiener. Es stimmt zwar, daß die Begleitung der Gottesdienste durch Orgelmusik nicht erforderlich ist. Aber es stimmt auch, daß deren Töne ein erhebender Rahmen der ganzen Liturgie sind. Der Mangel an Orgelspielern war im Grenzgebiet ein Problem. Bei meinem Antritt spielte in Neustadtl Fräulein Lenková auf dem Harmonium. Bald aber verließ sie Neustadtl. Der Kirchenchor verwaiste für längere Zeit. Später half Fräulein M. Beránková aus Groß Mayerhöfen. Erst dann bot A. Brčák aus Malowitz seine Dienste an. Es war ein selten opferfreudiger Mensch und gewissermaßen standhaft. Sommers wie winters fuhr er zwölf Kilometer bei jedem Wetter. In Haid beschickte Schuldirektor František Pernický den Kirchenchor. Oft half ihm auch der Lehrer A. Boháč. Für eine gewisse Zeit übernahm er auch den Kirchenchor in Neustadtl, um A. Brčák die lange Anfahrt zu ersparen. Kritisch wurde es, als Direktor Pernický auf Druck der Abteilung für Schulwesen des Kreisnationalausschusses in Tachau den Kirchenchor aufgeben mußte. Und wieder war es A. Brčák, der je nach Möglichkeit nach Haid oder Neustadtl fuhr. Aber an vielen Sonntagsgottesdiensten war der Kirchenchor leer und die Kirche still. Die Eingriffe der Staatsmacht lähmten das religiöse Leben der Pfarrgemeinde. Einen fatalen Einfluß hatten auch die sozialen Umstrukturierungen des ländlichen Raumes. 1950 wurde in Neustadtl die Einheitliche landwirtschaftliche Genossenschaft des Typs I. gegründet. Dazu gehörte die gemeinsame Aussaat, Ernte und Nutzung der Maschienen. Vorsitzender wurde
František Novák. Die Einstellung gegenüber diesen Neuerungen war im Grenzgebiet anders als im Landesinneren. Die Menschen im Grenzgebiet hatten meistens kein Gefühl für den Besitz von Boden, den sie von den Deutschen übernommen hatten. Sie waren keine Bauern, deren Familien ihren Grund und Boden über Jahrhunderte besessen hatten. Wenn in Neustadtl jemand der Genossenschaft nicht mit Jubel und Willigkeit beitrat, dann war dies eine andere Abneigung.
Viel Gerede, wenig Arbeit Die Genossenschaft wurde in Neustadtl unproblematisch und schnell gegründet, und bald änderte sie sich in den Typ II. Nun standen Josef Hejl und Vladimír Poustka an der Spitze. Der Ortsrundfunk erhielt eine neue Funktion. Er wurde zum Sprachrohr der Genossenschaft. Er rief die Menschen zur Arbeit oder zu Versammlungen. Eine Versammlung in der Früh, eine Versammlung am Abend. Und immer im Gasthof U Němce, Beim Deutschen. Es wurde getrunken, gesprochen und gezankt – viel Gerede und wenig Arbeit. Diese Arbeitsmoral hielt die Genossenschaft nur bis 1951 aus. Dann wurde sie aufgelöst. Aber bereits 1952 wurde die Genossenschaft wieder zum Leben erweckt. Und gleich der Typ III mit gemeinsamer Viehzucht und Entlohnung anhand von Arbeitseinheiten. Vorstand wurde B. Němeček, der für seinen Eifer vom Kreisnationalausschuß ausgezeichnet und kurz darauf zum ersten Besitzer eines neuen Autos wurde. Das Vieh wurde in einem gemeinschaftlichen Stall untergebracht, die Arbeit wurde organisiert. Bald begannen die Menschen, sich vor dem Mammon zu verbeugen. An ihnen nagten Neid, Habgier und Zank. Die Kirche wurde immer leerer, und die Gaststuben immer voller. Auch an Sonntagen und Feiertagen wurde gearbeitet – da gab es am meisten Wirbel. Brigaden genannte Arbeitseinsätze wurden auch von Schülern gelei-
stet – für gewöhnlich an Sonntagen. Die Menschen hatten keine Zeit für den Haushalt, geschweige denn für die Kirche. Der Sonntag glich nicht mehr einem Sonntag. Schmutzige blaue Arbeitskleider waren ihre Bekleidung unter der Woche wie an Feiertagen. Sie wurden zu lebendigen Robotern. Als ich nur Neustadtl oder Neudorf verwaltete, war die Heilige Messe regelmäßig in Kundratitz und Klein Maierhöfen. Die Teilnahme war wirklich wunderschön. Sonntag war in jedem Haushalt. Nach Übernahme weiterer Pfarrgemeinden konnte ich in diese Siedlungen nur noch gelegentlich fahren. Über die Jahre wurden die Menschen halbherziger, und die Genossenschaft leistete ihren Beitrag. Auch dort wurde die ganze Woche durchgearbeitet, auch am Sonntag. In die Pfarrkirche gingen immer weniger Menschen. Religiös am meisten verkam Klein Maierhöfen. In all den Jahren gab es aus dieser Ortschaft keine einzige Taufe, keine Trauung, nur ab und zu eine Bestattung. Sie brauchten Gott nicht, und deshalb war in ihren Augen auch die Kapelle, die den Dorfplatz zierte, unnötig. Dieses schöne Gotteshaus wurde zur Sammelstelle für Milch, und von außen wurde sie mit Plakaten und Aushängen entheiligt. Das religiöse Leben einer Siedlung in der Agonie. Die Dekanatskirche in Haid gehörte zu den meistbesuchten in meinem Gebiet. Besonders in den ersten Jahren war jeder Besuch der Kirche erfreulich. Chorregent war, wie gesagt, Schuldirektor Pernický, Kirchendiener waren František Ličák und Jan Čáslavský. In Haid gab es genug katholische Familien, denen die Kirche nicht gleichgültig war. Feiertage wurden mit Prunk gefeiert. Die Prozessionen an Fronleichnam und am Ostersonntag füllten den großen Marktplatz, und alle Fenster funkelten. An Weihnachten wurde im Chor gesungen, 1953 die Böhmische Weihnachtsmesse von Jan Jakub Ryba. Fortsetzung folgt
ein Vater Paul Schächer war der Sohn der Eheleute Josef Schächer (1894–1980) und Anna Schächer, geborene Losleben, (1904–1979). Am 29. März 1927 kam er im Neustadtler Rathaus zur Welt, da sein Vater damals Stadtpolizist war und deshalb dort eine Wohnung hatte. Zusammen mit seinen Geschwistern Josef (1925–1944) und Marianne (1933–2017) verbrachte er in Neustadtl eine glückliche Kindheit. Schon als Kind war er mit seinem älteren Bruder Josef Ministrant in den drei Neustadtler Kirchen unter Pfarrer Karl Rosin, dem letzten deutschen Pfarrer in Neustadtl. Ab 1938 besuchte er die Bürgerschule im fünf Kilometer entfernten Haid. Seinen Schulweg mußte er damals fast immer zu Fuß gehen. Nach der Schulzeit machte er eine kaufmännische Lehre im Lebensmittelgeschäft Sommer in Eger. Im Herbst 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war unter anderem Flakhelfer in Pommern, wo er die Bombadierung Swinemündes 1945 erlebte. Nach Kriegsende brach er aus einem Kriegsgefangenenlager in Schleswig-Holstein aus und kehrte im Sommer 1945 nach wochenlangen Fußmärschen in seine Heimatstadt Neustadtl zurück. Die Perspektivlosigkeit in seiner Heimat ahnend, faßte er 1946 den Entschluß, sich im angrenzenden Bayern niederzulassen. Er gelangte mit der Eisenbahn nach Hersbruck und suchte in dieser Region Arbeit. Die 28 Kilometer östlich von Nürnberg gelegene Kleinstadt war 1353 bis
Wenzelskirche in Neustadtl.
1806 Teil des sogenannten Neuböhmens. Hier lernte er Gunda Sörgel kennen und lieben. Vier Wochen nach der Währungsreform – das war der 25. Juli 1948 – heiratete das Paar in der Hersbrucker Stadtkirche Sankt Maria. In Hersbruck fand er dann auch seine zweite Heimat. Dem Ehepaar wurden zwei Kinder geboren: 1953 Tochter Regina und 1960 ich, Sohn Raimund. Im November 1956 konnte das neugebaute Eigenheim in der Hersbrucker Südstadt – damals „auf der Ostbahn“ genannt – bezogen werden. 1969 trat er in die Evangelische Kirche ein. Von 1974 bis 1988 war er Mitglied des Kirchenvorstandes der Hersbrucker Johanneskirchen-Gemeinde, davon sechs Jahre lang als Vertrauensmann des Kirchenvorstandes. In der Johanneskirche wirkten auch seine Kinder Regina und Raimund mehrere Jahre als Organisten, worüber er sich sehr freute. Ende April 2018 verstarb seine geliebte Ehefrau Gunda im Alter von 93 Jahren. Im Juli 2018 hätten beide die Gnadenhochzeit – 70 Jahre – begehen können. Freude bereiteten ihm seine sieben Enkel und vier Urenkel. Die letzten Jahre pflegte ihn Regina liebevoll. Am Neujahrstag durfte er zu Hause friedlich für immer einschlafen. Um ihn trauern seine beiden Kinder mit Familien sowie seine Nichte und seine Neffen. Paul Schächer war mit seinen Neustadtler Landsleuten sehr verbunden. Bis ins hohe Alter nahm er regelmäßig an den Neustadtler Treffen und an den Sudetendeutschen Tagen teil. Im Sommer 1975 war er zum ersten Mal nach der Vertreibung wieder in Neustadtl und Umgebung zu Besuch und zeigte dabei seiner Frau und mir viele Stätten, die ihm in seiner Kindheit und Jugendzeit wichtig gewesen waren. Weitere Besuche folgten nach der Wende 1990. Bei der Wiedereinweihung der Neustadtler Wenzelskirche mit dem Prager Erzbischof František Kardinal Tomášek nach der Renovierung im Jahr 1990 war er bei einer größeren Reisegruppe von ehemaligen Neustadtlern mit dabei. Wir befehlen meinen Vater Paul Schächer der Gnade und Barmherzigkeit Jesu Christi an und vertrauen darauf, daß er das schauen darf, was er zu Lebzeiten geglaubt hat.
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Januar Karl Friedrich Damm, Ortsbetreuer von Malkowitz und Mallowitz, am 21. zum 85. Geburtstag, Heidi Renn, Ortsbetreuerin von Lusen und Tholl, am 24. zum 74. Geburtstag sowie Heribert
und Helga Kett, Ortsbetreuer von Roßhaupt, am 23. und am 25. zum 78. Geburtstag. Wir wünschen alles erdenklich Gute, Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf