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Sudetendeutsche Zeitung 24. Dezember 2021 Ausgabe 51 und 52

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Interview mit Dr. Alena Wagnerová, der Biographin von Milena Jesenská (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 51+52 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 24. Dezember 2021

VOLKSBOTE

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

� Premierminister

� Innen

� Arbeit & Soziales

� Regionale Entwicklung

� Gesundheit

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Prof. Dr. Petr Fiala

etr Fiala (57) ist Professor für Politikwissenschaft und war von 2004 bis 2011 Rektor der Masaryk-Universität in Brünn. Von 2012 bis 2013 war er Bildungsminister. Er ist seit Januar 2014 Parteivorsitzender der liberal-konservativen ODS.

Vít Rakušan

it Rakušan (43) studierte Geschichte, Germanistik und Schulmanagement in Budweis und Prag. Zwischen 2000 und 2015 war er als Deutschlehrer an einem Gymnasium tätig. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Stan-Bewegung.

Marian Jurečka

arian Jurečka (40) studierte an der Mendel-Universität Brünn und ist seit 2002 als Landwirt auf dem Hof seiner Familie tätig. Der Vorsitzende der KDU-ČSL war von 2014 bis 2017 Landwirtschaftsminister in der Regierung Sobotka.

Dr. Ivan Bartoš

van Bartoš wuchs in Gablonz auf und lebt heute in Prag. Der 41jährige Informatiker ist seit 2017 Mitglied der Abgeordnetenkammer. Nach einer kurzen Episode im Jahr 2014 führt Bartoš seit 2016 erneut die Piraten-Partei als Vorsitzender.

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Prof. Dr. Vlastimil Válek

lastimil Válek ist Facharzt für Radiologie und stellvertretender Top-09-Vorsitzender. Der 61jährige gehört seit Oktober 2017 der Abgeordnetenkammer an. Davor war der Brünner vier Jahre Abgeordneter der Region Südmähren.

� Auch nach der Vereidigung setzt das tschechische Staatsoberhaupt seine Attacken gegen Außenminister Jan Lipavský fort

� Festliche Grüße

Ein gesegnetes und gesundes Weihnachten Liebe Landsleute, die Sudetendeutsche Zeitung wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes und vor allem gesundes Weihnachten.

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eihnachten ist das Fest der Familie. Am Heiligen Abend, am ersten und am zweiten Weihnachtsfeiertag trifft man sich, geht zusammen in den Gottesdienst, genießt gemeinsam ein Festmahl und feiert mit den Lieben – so war es vor der Pandemie. Auch in diesem Jahr heißt Weihnachten nicht nur Herz zu zeigen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für die Menschen, die wir am meisten lieben: Unsere Familien, unsere Kinder, unsere Eltern und Großeltern. Sich impfen und boostern zu lassen, die Maske nicht nur am Kinn zu tragen, sind Selbstverständlichkeiten für jeden verantwortungsbewußten Bürger. Hinzu kommt, daß man nicht alles macht, nur weil es die Politik nicht ausdrücklich verboten hat. In diesen fordenden Zeiten gibt es keine absolute Sicherheit. Auch bei Zusammenkünften mit ausschließlich vollständig geimpften und negativ getesten Gästen kommt es immer wieder zu Infektionen. Mit der neuen hochansteckenden Omikron-Mutante wird sich dieses Risiko noch potenzieren. Frei nach John F. Kennedy heißt das Motto dieser Tage deshalb: Frage nicht, wie dein Land dich schützen kann, sondern frage dich, wie du deine Familie und dich schützen kannst. Genießen Sie die Festtage, seien Sie trotzdem vorsichtig und bleiben Sie gesund. Es gibt ein Leben nach der Pandemie. Auf ein gutes 2022! Ihre Sudetendeutsche Zeitung

Zeman tritt nach, Fiala regiert – Tschechiens neue Regierung ist im Amt Größe und Souveränität sehen anders aus: Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman hat die festliche Vereidigung der Ministerriege von Premierminister Petr Fiala genutzt, um gegen den neuen Außenminister Jan Lipavský nachzutreten und mal wieder Ressentiments gegen die Sudetendeutschen zu schüren.

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ie berichtet, hatte sich der 77jährige zunächst geweigert, den Piraten Lipavský zum neuen Außenminister zu ernennen. Ein Grund: Lipavský hatte 2019 vorgeschlagen, als Zeichen der Versöhnung einen Sudetendeutschen Tag in der Tschechischen Republik stattfinden zu lassen. Für Zeman, der immer wieder mit antisudetendeutschen Äußerungen für Negativschlagzeilen sorgt, war dies ein Affront. Ein weiterer Grund der Ablehnung war, so behauptet Zeman, daß Lipavský nur einen Bachelor-Abschluß habe und deshalb für das Amt nicht qualifiziert sei. Der neue Premierminister Petr Fiala ließ sich diese verfassungswidrige Bevormundung nicht bieten und stellte klar, daß es für ihn außer Frage stünde, daß alle von ihm ausgewählten Minister auch vom Staatspräsidenten ernannt werden müssen. Fiala drohte deshalb Zeman offen mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht, um die Kompetenzen des Staatsoberhauptes ein für alle Mal festzuschreiben. Das wirkte. Zeman gab klein bei, und Fiala hatte seinen ersten Machtkampf mit dem übergriffigen Präsidenten gewonnen. Bei der Verleihung der Ernennungsurkunden – eigentlich eine Formalie im festlichen Rahmen – sorgte dann Zemans Büroleiter Vratislav Mynář für einen weiteren Eklat. Nachdem er jeden Minister samt des jeweiligen akademischen Titels aufgerufen hatte, versuchte Mynář mit einem angeblichen Versprecher, den neuen Außenminister bloßzustellen und sagte: „Magistr, pardon bakalář Jan Lipavský.“ Auf Deutsch: „Magister, pardon Bachelor Jan Lipavský.“ „Ich weiß es nicht, aber ich glaube, es war nur ein Schreib-

Die Minister von Premierminister Petr Fiala (stehend) wurden von Staatspräsident Miloš Zeman (rechts) auf Schloß Lány vereidigt. Foto: Twitter/Petr Fiala fehler“, behauptete Zeman später, was wenig glaubhaft ist, nachdem Lipavskýs BachelorAbschluß bereits im Vorfeld ein großes Thema in der öffentlichen Debatte sowie in der Auseinandersetzung zwischen Staatspräsident Zeman und Premierminister Fiala gewesen war. Übrigens: Bei der Vorgängerregierung war Zeman offensichtlich weniger wählerisch. So hatte das Staatsoberhaupt keinerlei Bedenken, Jan Hamáček als Innenminister zu ernennen und ihm sogar kurzzeitig das Außenministerium zu übertragen – obwohl der ČSSD-Politiker überhaupt keinen Hochschulabschluß vorzuweisen hat. Und auch Zeman verfügt nicht über ein Examen einer Elite-Universität, sondern nur über ein abgeschlossenes Fernstudium. Am Wochenende nutzte Zeman mehrere TV-Interviews, um erneut gegen Lipavský nachzutreten und berief sich dabei auf angebliche Äußerungen des Premierministers, die dieser aber wohl nie gesagt haben dürfte. „Bei unserem letzten Treffen hat mir Petr Fiala persönlich zugesichert, daß Herr Lipavský sich im Sinne des Regierungsprogramms verhalten wird, was insbesondere eine strategische Partnerschaft

mit Israel und die Unterstützung der Visegrad-Zusammenarbeit bedeutet. Das waren die beiden Punkte, die ich Herrn Lipavsky vorgeworfen habe“, sagte Zeman auf CNN Prima News. Darüber hinaus habe er, Zeman, Vorbehalte gegen Lipavský wegen „seiner geringen Qualifikation“ und seines Vorschlags, einen Sudetendeutschen Tag in der Tschechischen Republik abzuhalten. Der Präsident sagte, Fiala habe ihm jedoch versichert, daß es keinen Sudetendeutschen Tag in der Tschechischen Republik geben werde. Fiala hätte dies, so behauptete Zeman, als „verrückte Idee“ von Lipavský bezeichnet. Zeman: „Die persönliche Garantie des Premierministers hat Gewicht. Ich gestehe, daß ich die Ernennung von Herrn Lipavsky abgelehnt hätte, wenn es diese Garantie nicht gegeben hätte.“ Wie wenig das Staatsoberhaupt von dem neuen Außenminister hält, macht auch ein weiteres Zitat Zemans deutlich: „Wir hatten eine Reihe von guten Außenministern, und im Vergleich zu ihnen erscheint mir Herr Lipavský wie ein sehr schwaches Glied in der Herde.“ In seiner eigenen „Herde“ sorgt nicht nur Vratislav Mynář,

der umstrittene Büroleiter des Präsidenten, sondern auch Pressesprecher Sprecher Jiří Ovčáček regelmäßig für Negativschlagzeilen. Der neueste Fauxpas: Ovčáček wurde Freitagnacht sturzbetrunken mit knapp 2 Promille von der Polizei in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem er in einem Taxi randaliert hatte, dessen Fahrer ihn zuvor auf der Straße liegend und nicht mehr ansprechbar aufgefunden hatte. „Ich möchte alle um Vergebung bitten“, entschuldigte sich tags darauf Ovčáček in der Öffentlichkeit und verriet, daß sein Chef, der Präsident, „äußerst freundlich“ und verständnisvoll reagiert habe. Kein Wunder, da man Zeman seit Jahren nachsagt, selbst exzessiv Alkohol zu trinken. Außerdem soll das Staatsoberhaupt, das gerade erst mehrere Wochen im Prager Militärkrankenhaus behandelt werden mußte, an einer Leberzirrhose leiden. Da wundert es nicht, daß Zeman, der alle Bürger, die noch nie einen Weinkeller besucht haben, als „nicht vollwertige Menschen“ bezeichnet, bereits vor Jahren mit einem Trinkspruch für Empörung gesorgt hatte, der da lautete: „Tod den Vegetariern und Abstinenzlern!“

In der Energiepolitik ging das Staatsoberhaupt sowohl mit der alten als auch mit der neuen Regierung ins Gericht, da beiden der politische Mut fehle, aus dem Green Deal der EU auszusteigen, also aus der Verpflichtung, bis 2050 die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren. Zeman: „Ich bin überzeugt, daß die Energiekrise, die sich in einer 30- bis 70prozentigen Erhöhung der Strom- und Gaspreise manifestiert, in erster Linie durch den Green Deal verursacht wird. Die Lösung der Energiekrise besteht darin, aus dem Green Deal auszusteigen und sich endlich wie ein souveränes Land zu verhalten.“ Er mache deshalb der vorherigen Regierung den Vorwurf, daß sie die Erweiterungen der Atomkraftwerke Dukovany und Temelín verzögert habe und „uns damit zur Energiearmut verdammt hat“. Für die neue tschechische Regierung kommen diese europafeindlichen Statements des Staatsoberhaupts zur Unzeit, da in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres die Tschechische Republik die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Torsten Fricke Fortsetzung der Ministerriege: Seite 2.


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51 + 52 | 24. 12. 2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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mmer eng mit der Arbeit der Heimatverbliebenen verbunden.“ Das ist das Motto des Prager Sudetendeutschen Büros. Dessen Leiter Peter Barton besuchte zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kulturverbandes der Deutschen, Peter Rojík, am 16. Dezember den deutschen Botschafter Andreas Künne. Barton hat in der Tschechischen Republik viele Aufgaben, die er im Auftrag der Sudetendeutschen Landsmannschaft erfüllt, aber engagiert sich auch für die Heimatverbliebenen.

PRAGER SPITZEN

Der Kulturverband der Deutschen wurde 1969 im Prager Frühlings gegründet und hatte es damals, trotz der schweren Zeit der kommunistischen Unterdrückung, möglich gemacht, daß sich tschechoslowakische Bürger deutscher Nationalität zum ersten Mal in der Nachkriegszeit treffen konnten. Peter Rojík ist zugleich Vorsitzender der wichtigen Graslitzer Organisation, die in ihrer Region eng mit der Nachbarstadt Klingenthal in Sachsen zusammenarbeitet, und die Graslitzer Veranstaltungen sind in diesem Teil des Erzgebirges regelrecht berühmt geworden.

Forscher fordern weiteren Lockdown

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Fortsetzung der Ministerriege von Seite 1:

Die neue Regierung Petr Fiala Umwelt

Die neue Regierung unter Premierminister Petr Fiala ist vor allem eines: männlich. Unter den 17 Ministern sind nur drei Frauen, was einer Frauenquote von unter 18 Prozent entspricht.

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Anna Hubáčková

as neue Kabinett ist außerdem vergleichsweise jung. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp über 50 Jahren. Mit 64 Jahren ist Anna Hubáčková die älteste im Team. Junior in der neuen Regierungsmannschaft ist der 36jährige Jan Lipavský. Auf die einzelnen Parteien verteilen sich die Ministerämter wie folgt: ODS: Premierminister plus fünf Minister, Stan vier, KDU-ČSL drei, Piraten drei und Top 09 zwei Minister.

Premierminister Petr Fiala (Mitte) und seine stellvertretenden Premierminister auf der Pressekonferenz nach der ersten Kabinettssitzung. Fotos: Vlada CZ

nna Hubáčková hat an der Masaryk-Universität in Brünn Jura studiert und sich anschließend für den Schutz von Trinkwasserquellen engagiert. So war die 64jährige unter anderem Leiterin des Umweltamtes der Region Südmähren. Seit 2016 gehört die KDU-ČSLPolitikerin dem Senat an.

Außen

Verteidigung

Industrie und Handel

Wissenschaft

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Jan Lipavský

an Lipavský (Piraten) war vier Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und des Verteidigungsausschusses in der Abgeordnetenkammer. Davor war der 36jährige in der Privatwirtschaft erfolgreich und hat unter anderem für McKinsey gearbeitet.

Jana Černochová

ana Černochová hat an der Metropolitan-Universität Prag einen MasterAbschluß in internationalen Beziehungen und europäischen Studien erzielt und gehört seit 2010 der Abgeordnetenkammer an. Seit 2013 hat die 48jährige ODS-Politikerin den Verteidigungsausschuß als Vorsitzende geleitet.

Jozef Síkela

Helena Langšádlová

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ozef Síkela gilt als „ein Schwergewicht des mitteleuropäischen Bankwesens“. So wurde der 54-jährige Stan-Politiker 2013 als CEO der Slovenská sporiteľňa zu den Top fünf Managern der Slowakei sowie zum Bankmanager des Jahres gewählt und in den Vorstand der Erste Group Bank AG berufen.

elena Langšádlová hat nach einer Ausbildung zur Bautechnikerin Politikwissenschaften studiert. Die 58-jährige Top09-Politikerin ist seit 2010 Mitglied der Abgeordnetenkammer und war dort stellvertretende Vorsitzende des Hausaushaltsausschusses sowie Vorsitzende des Familienausschusses.

Justiz

Finanzen

Bildung, Jugend, Sport

Verkehr

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Dr. Pavel Blažek

Zbyněk Stanjura

avel Blažek wurde in Brünn geboren, wo er sein Studium an der Juristischen Fakultät der Masaryk-Universität absolvierte und anschließend promovierte. Der ODS-Politiker ist seit 2013 Mitglied der Abgeordnetenkammer. Der 52jährige war im Kabinett Petr Nečas von Juli 2012 bis Juli 2013 Justizminister.

byněk Stanjura hat an der Fakultät für Elektrotechnik der Technischen Universität Brünn Datenverarbeitung studiert und anschließend ein Unternehmen gegründet. Der 57jährige ODS-Politiker ist seit 2013 Mitglied der Abgeordnetenkammer und war unter anderem von 2012 bis 2013 Verkehrsminister.

Landwirtschaft

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Zdeněk Nekula

eil Zdeněk Nekula (KDU-CSL) an Covid erkrankt ist, soll er erst im Januar als Landwirtschaftsminister vereidigt werden. Der 51jährige hat Betriebsund Wirtschaftswissenschaften an der Mendel-Universität in Brünn studiert, später als Manager gearbeitet und ist seit 2007 Bürgermeister von Töstitz.

Petr Gazdík

Martin Kupka

etr Gazdík hat an der Pädagogischen Fakultät der MasarykUniversität in Brünn studiert und anschließend als Lehrer gearbeitet. Der 47jährige StanPolitiker war Bürgermeister von Suchalosa, ist seit 2010 Mitglied der Abgeordnetenkammer und seit 2013 einer der vier Vizepräsidenten.

artin Kupka hat Journalismus und Massenkommunikation an der KarlsUniversität in Prag studiert, anschließend als Redakteur und Moderator für den Radiosender Radio 3 gearbeitet. Der 46jährige ODS-Politiker war außerdem Pressesprecher der Stadt Prag und ab 2010 Bürgermeister von Libesnitz.

Kultur

Gesetzgebung

Europa

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Martin Baxa

artin Baxa hat an der MasarykUniversität in Brünn Lehramt studiert und später an einem Gymnasium in Pilsen unterrichtet. Der 46jährige ist seit 2017 Mitglied der Abgeordnetenkammer und wurde 2018 zum Bürgermeister von Pilsen gewählt. Baxa ist seit 2018 stellvertretender Vorsitzender der ODS.

Dr. Michal Šalomoun

ichal Šalomoun (Piraten) hat an der Juristischen Fakultät der MasarykUniversität in Brünn promoviert und ist unter anderem Mitverfasser eines umfassenden Kommentars zum Urheberrechtsgesetz. Der 47jährige Rechtsanwalt war von 2010 bis 2014 Stadtrat und Beigeordneter der Stadt Trebitsch.

Prof. Dr. Mikuláš Bek

ikuláš Bek ist außerordentlicher Professor für Musikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn und seit Oktober 2018 Senator. Der 57jährige Stan-Politiker wurde 2020 vom Senat zum Vorsitzenden des Ausschusses für EU-Angelegenheiten gewählt.

ine Gruppe von tschechischen Medizinern und Forschern hat die Regierung eindringlich davor gewarnt, den Ausnahmezustand und die damit verbundenen Lockdown-Maßnahmen zu beenden. Die Wissenschaftler befürchten einen dramatischen Anstieg an Corona-Patienten auf Grund der immer stärker grassierenden Omikron-Mutante. Der neue Regierungschef Petr Fiala hatte erklärt, daß sein Kabinett keine Verlängerung des von Kabinett Andrej Babiš ausgerufenen Ausnahmezustands fordern werde. Dieser solle nach Weihnachten enden. Über mögliche weitere Maßnahmen will das Kabinett Fiala am 29. Dezember anhand neuer Daten zur Omikron-Variante beraten. Fest steht bereits, daß das Angebot an PCR-Tests deutlich erhöht werden soll. Stand Sonntag ist die Sieben-Tage-Inzidenz innerhalb einer Woche von 850 auf 642 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner gesunken.

Keine Segways in der Prager Altstadt

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Dienstag in Budapest am Treffen der Außenminister der Visegrad-Staaten und der Türkei teilgenommen. Mit seinen Amtskollegen aus Polen, Ungarn, der Slowakei und der Türkei sprach Lipavský über die Lage in Afghanistan, die Coronavirus-Pandemie, die Beziehungen der EU und der V4-Gruppe zur Türkei und über das Thema Migration. Für Lipavský war es bereits die zweite Auslandsreise nach seiner Ernennung. Am Montag hatte ihn sein erster Antrittsbesuch in die Slowakei geführt.

Weniger Bücher erschienen

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er tschechische Buchmarkt ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 13 500 Neuerscheinungen geschrumpft. Der Umsatz lag 2020 bei rund acht Milliarden Kronen (320 Millionen Euro) und damit rund vier Prozent niedriger als 2019. Und die Buchhändler mußten Umsatzeinbrüche von 15 bis 30 Prozent verkraften, hat der Verband der tschechischen Buchhändler in seinem Jahresbericht veröffentlicht.

Erneute Pleite im Eishockey

m Stadtzentrum von Prag gilt weiterhin ein Fahrverbot für die akkubetriebenen Segways. Eine Beschwerde des tschechischen Segway-Verbandes hat das Verfassungsgericht in Brünn abgewiesen. Die Richter gaben damit der Prager Stadtregierung recht, die 2016 ein Segway-Fahrverbot für den denkmalgeschützten Stadtkern und für weitere Stadtteile mit hoher Fußgängerdichte erlassen hatte. Begründet wurde dies vor allem mit dem Schutz der Fußgänger.

chon wieder kein Sieg: Nach einer 2:3-Niederlage gegen Schweden hat die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft den Channel One Cup als Tabellenletzter mit nur einem Punkt nach einem Unentschieden gegen Finnland beendet. Bereits im November hatten die tschechischen Eishockeyspieler beim ersten Turnier der Euro Hockey Tour, dem Karjala Cup, alle drei Begegnungen verloren.

Chipmangel bremst Autoproduktion

An den Feiertagen sitzen viele im Auto

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er Chipmangel bremst ganze Branchen aus. So sind in der Tschechischen Republik zwischen Januar und November 2,9 Prozent weniger Autos fertiggestellt worden als im gleichen Zeitraum des Jahres 2020. Unter den 1 024 000 produzierten PKW seien rund elf Prozent Elektroautos, hat der Verband der Automobilindustrie am Montag mitgeteilt.

Zweite Reise des Außenministers

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er neue Außenminister Jan Lipavský (Piraten) hat am

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riving home for christmas. Der Weihnachtshit von Chris Rea scheint es den Tschechen besonders angetan zu haben. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Nextbase verbringt jeder vierte Tscheche zwischen Heiligabend und dem zweiten Weihnachtsfeiertag mehr als acht Stunden auf der Straße. Im europäischen Vergleich sitzen die Tschechen damit am längsten hinter dem Steuer. Am wenigsten mobil an den Feiertagen sind die Niederländer. Hier sind nur elf Prozent der Bürger über die Feiertage mehr als acht Stunden unterwegs.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 51 + 52 | 24.12. 2021

Das deutsch-tschechische Verhältnis spiegelt sich nicht nur in ihren Büchern, sondern in ihrem Leben wider. Die 1936 in Brünn geborene Schriftstellerin Alena Wagnerová pendelt zwischen Saarbrücken und Prag. In ihrem aktuellen Werk „Prager Hinterhöfe im Frühling“ hat Wagnerová das Schicksal von Milena Jensenská, der Freundin von Franz Kafka, aufgearbeitet. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung spricht Wagnerová über ihre Bücher, die Sudetendeutschen und die Vertreibung.

SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Dr. Alena Wagnerová, deutsch-tschechische Schriftstellerin mit Wohnsitzen in Saarbrücken und Prag

„Es ist die Grenze, die das Leben bereichert“

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rau Dr. Wagnerová, Sie wurden 1936 in Brünn geboren, einer Stadt, in der über Jahrhunderte Sudetendeutsche lebten. Haben Sie noch Erinnerungen an die Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner, insbesondere an den Brünner Todesmarsch im Frühling 1945? Dr. Alena Wagnerová: Am Ende des Krieges war ich neun Jahre alt. Von dem Brünner Todesmarsch 1945 wußte ich natürlich, aber vermittelt durch die kritische und ablehnende Haltung meiner Eltern dazu. Das Wort Vergeltung war in unserer Familie unbekannt, wenn auch mein Onkel als Widerstandskämpfer 1944 im Gefängnis in Kassel starb. Zu dem Brünner Marsch sollte man sich allerdings auch vorstellen, daß in den letzten Monaten des Krieges durch das Protektorat von der SS geführte Kollonnen von erschöpften russischen Gefangenen und Häftlingen aus den Konzentrationslagern zogen, das gab es vorher nicht, und jetzt den Haß gegen alles Deutsche multiplizierte – was allerdings nicht als Freispruch oder Ausrede für den Brünner Todesmarsch gelten kann. Sind Sie nach der wilden Vertreibung noch einmal mit dem Schicksal der Sudetendeutschen konfrontiert worden? Wagnerová: 1946 in den Ferien in Sobotín/Zöptau im Altvatergebirge habe ich die schon einigermaßen geregelte Zwangsaussiedlung der Deutschen aus diesem Landesteil erlebt. Einmal auf dem Bahnhof in Šumperk/ Schönberg stand neben dem unserem, in dem wir zum Ausflug nach Desná fuhren, ein Zug mit den Deutschen. Aus einem der Personenwagen ist ein Mädchen ausgestiegen, ganz warm angezogen, und lehnte sich müde an die Seite des Waggons. Sie tat mir leid, und ich hatte Angst, der Zug könnte sich in Bewegung setzen und sie würde unter den Waggon fallen, und rief ihr zu– sogar deutsch – „Paß auf, paß auf!“ Da setzte sich aber schon unser Zug in Bewegung und ich verlor das Mädchen aus dem Blick. Auf unseren Wanderungen gingen wir oft vorbei an leeren Häusern, und ich stellte mir

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ber das sudetendeutschtschechische Verhältnis hat Alena Wagnerová neben einer Reihe von Artikeln drei Bücher geschrieben: „1945 waren sie Kinder – Flucht und Vertreibung im Leben einer Generation“, erschienen 1990 bei Kiepenheuer und Witsch, heute als Book on demand zu beziehen;

� Zur Person: Dr. Alena Wagnerová Die deutsch-tschechische Schriftstellerin Alena Wagnerová beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Leben von Milena Jesenská. Foto: Karel Šanda immer die Frage: Wer hat darin gelebt? Wer waren diese Menschen? Ich denke, hier irgendwo liegt der Anfang meines oralhistorischen Interesses an menschlichem Leben. Sie haben das Buch „Helden der Hoffnung“ veröffentlicht. Darin führen Sie Interviews mit einigen Sudetendeutschen, die nicht mit den Nationalsozialisten sympathisierten. Was hat Sie bei dieser Arbeit am meisten berührt? Wagnerová: Sowohl der Sudetendeutschen Landsmannschaft als auch der Tschechoslowakei paßten die sudetendeutschen Antifaschisten nicht in das gewünschte historische Bild. Aufmerksam machten mich auf sie die Reportagen Milena Jesenskás aus den unruhigen Sudeten vor dem Münchener Abkommen. Die sudetendeutschen Antifaschisten, gleich ob Sozialdemokraten, Kommunisten oder Katholiken, haben zwei historische Niederlagen hinter sich: 1938 standen sie auf der Seite der Republik. Dafür wurden sie verfolgt, vielfach verhaftet und nach

Dachau gebracht. Und nach dem Ende des Krieges sah die Mehrheit von ihnen keine Möglichkeit, weiter in ihrer tschechisierten Heimat zu leben, obwohl sie als Antifaschisten hätten bleiben können. Und die sudetendeutschen Kommunisten, die mit Begeisterung in die sowjetische Besatzungszone zogen, um den Sozialismus aufzubauen, haben mit dem Ende der DDR sogar ihre dritte historische Niederlage erlebt. Die Lage der Frau, Gleichberechtigung und Emanzipation sind ebenfalls ein großes Thema für Sie. Sie haben dabei den Status unter kommunistischen Regimes mit der Lage im Westen verglichen. Wie sehen Sie das heute?

„Die Helden der Hoffnung – Die anderen Deutschen aus den Sudeten 1935–1989“ (über die sudetendeutschen Antifaschisten), erschienen 2008 im Aufbau-Verlag. „Neodsunuté vzpomínky – Česká zkušenost pohraničí“ (Nicht vertriebene Erinnerungen – Die tschechische Erfahrung des Grenzgebietes), erschienen 2003 bei Prostor in Prag (nur in tschechischer Sprache).

�  Geboren am 18. Mai 1936 in Brünn. �  Publizistin, Soziologin und Autorin. �  Alena Wagnerová studierte Biologie und Pädagogik an der

Masaryk-Universität in Brünn, wo sie auch promovierte. Sie wurde zunächst Dramaturgin. �  Seit 1966 freiberufliche Publizistin. �  Von 1968 bis 1969 schrieb sie für Zeitschriften wie Plamen oder Literární Noviny und beschäftigte sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen und kulturellen Fragen. �  Seit 1969 lebt sie in Saarbrücken und Prag und arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeberin. Sie war Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung und deren Frauenrats, und sie ist Vorstandsmitglied der Heinrich-BöllStiftung Saar. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Sektion für Frauenforschung. Außerdem ist sie Mitglied des Zentrums für Oral History (Oral-history centrum, Saarbrücken-Praha) und der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland. �  Alena Wagnerová veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Helena Kolářová. Wagnerová: Dazu muß ich sagen, daß mein Umzug nach Westdeutschland 1969 für mich wie eine Rolle rückwärts war, was die Emanzipation der Frau anbelangt. Da waren die sozialistischen Länder gute zwanzig Jahre weiter als der Westen. Denn die Gleichberechtigung von Mann und Frau war ein Bestandteil des politischen Programmes des Sozialismus. Siehe auch die DDR. Auf das Familiengesetz, das die vollständige Gleichbereichtigung von Mann und Frau in Familie und Ehe 1950 einführte, haben die Frauen in Westdeutschland bis 1977 warten müssen. Und es ist auch noch nicht lange her, daß der Ehemann die Stelle seiner Frau ohne ihre Zustimmung kündigen konnte. War allerdings die Gleichberechtigung in den sozialistischen Ländern sozusagen von oben eingeführt, mußten die Frauen im Westen

alles Schritt für Schritt erkämpfen. Das zeigte sich nach 1989 als Vorteil für sie. In den ehemaligen Ostblockländern erwies sich die Restituierung des Kapitalismus in seiner neoliberalen Form für die Frauen, für welche die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit war, als einen Schritt zurück, zum Beispiel mit Auflösungen der Kindereinrichtungen oder der Zunahme der Prostitution. Dagegen bekamen die Männer in der privatisierten Wirtschaft ihre alte Macht zurück. Das klingt ziemlich ernüchternd. Wagnerová: Wenn auch Frauen inzwischen viel – auch als Politikerinnen – erreicht haben, leben wir immer noch in einer von Männern geformten Welt. Denn Macht ist das Recht, die Welt zu definieren. Und diese „Macht“, die Welt mit eigenen Augen zu

3 sehen und zu deuten, haben wir noch nicht. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Leben von Milena Jesenská, die in der Öffentlichkeit immer als Freundin und Geliebte von Franz Kafka dargestellt wurde. Bereits 1994 haben Sie die Jesenská-Biographie „Alle meine Artikel sind Liebesbriefe“ herausgegeben. In Ihrem aktuellen Werk „Prager Hinterhöfe im Frühling“ haben Sie die großen Reportagen der Journalistin zusammengefaßt. Was fasziniert Sie am Leben dieser emanzipierten Frau? Wagnerová: Das Ziel meiner Biographie über Milena Jesenskás war, sie aus Kafkas Schatten, der sie auf „Kafkas Freundin Milena“ reduzierte, zu befreien und ihre Bedeutung als standhafter tapferer Mensch mit eigenem journalistischen Werk vorzustellen. Übrigens, Kafkas Geliebte – und auch das ist eine Degradierung – war sie nie. Besser als Franz Kafka kann man allerdings ihre Persönlichkeit kaum erfassen. „Sie ist ein lebendiges Feuer, wie ich es noch nicht gesehen habe... Dabei äußerst zart, mutig, klug“ schrieb er, als er sie kennenlernte, Max Brod. Und später hat er sie verglichen mit der großen tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová mit ihrer „Entschlossenheit, Leidenschaft, Lieblichkeit und vor allem hellsichtigen Klugheit“. Milena Jesenská ging durch das Leben einen geraden Weg und fürchtete sich auch vor dem Tod in Ravensbrück nicht. Seit 1969 leben Sie in Saarbrücken und Prag. Was bedeuten Ihnen die beide Orte? Wagnerová: 1969 habe ich meinen Mann Karlheinz Köhler geheiratet und bin in die Bundesrepublik gezogen. Den Kontakt mit meiner Familie und mit der tschechischen Kultur wollte ich aber nicht verlieren, weil ich sie auch in Deutschland als Autorin vermitteln wollte. Prag ist eine der schönsten Städten in Europa, und dort in Mitteleuropa fühle ich mich zu Hause. Saarbrücken ist ein Ort an der Grenze, wo es sich gut leben läßt. Die Nähe Frankreichs beziehungsweise von Elsaß und Lothringen gehört auch zu diesen Annehmlichkeiten des Lebens hier. Denn es ist die Grenze, die das Leben durch die Erfahrung eines anderen Lebensstils bereichert. Und ich denke, in einer Stadt an der Grenze wird man schneller angenommen als irgendwo in der Mitte Deutschlands. Wie sehen Sie das deutschtschechische Verhältnis heute? Wagnerová: Ich denke, das deutsch-tschechische Verhältnis hat sich in den letzten fast zwanzig Jahren normalisiert. Der wichtigste Schritt auf diesem Weg war, wenigstens für mich, die Anerkennung auch des sudetendeutschen Versagens in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre und des Protektorats. Dankbar dafür bin ich Herrn Posselt und würde sagen, mit dem Verzicht auf das Recht auf die böhmische Heimat, wie es Jahre galt, haben die Sudetendeutschen, wie paradox es klingen mag, ihre Heimat wieder zurückbekommen. Für die dritte Generation der Tschechen, die in den Sudeten heute lebt, gehört auch die deutsche Geschichte zu ihrem Leben. Nicola Fricke

� Kristina Larischová wird München nach viereinhalbjähriger Tätigkeit verlassen

Generalkonsulin wechselt an die Düssel Von der Isar an die Düssel: Kristina Larischová, seit August 2017 Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, wechselt zum 1. Februar tournusmäßig nach Düsseldorf.

S Generalkonsulin Kristina Larischová.

Foto: Torsten Fricke

chweren Herzens werde ich München mit Ende Januar 2022 verlassen. Ab Februar darf ich als tschechische Generalkonsulin in Düsseldorf ein neu-

es Kapitel meiner Karriere anfangen“, teilte die in Bayern hochgeschätzte Diplomatin in ihrem Weihnachtsgruß mit. Da Larischová statt der üblichen vier bereits viereinhalb Jahre in München tätig ist, kommt der Wechsel nicht überraschend. Die gebürtige Brünnerin, die mit Ehemann und Sohn noch im Glockenbachviertel lebt, wird Bayern dennoch vermissen.

Schließlich schätzt sie an München, wie sie im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung verraten hat, das bayerische Essen, die Nähe zu den Bergen, den Englischen Garten und das große Kulturangebot. Während sich allerdings das Münchner Generalkonsulat außerhalb des Stadtzentrums in Freimann befindet, ist die diplomatische Vertretung in Düssel-

dorf nur einen Steinwurf von der Königsallee entfernt. In jedem Fall wird die empathische Diplomatin auch in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt keine Verständigungsprobleme haben. Larischová, die von 2001 bis 2014 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Prag tätig war, spricht perfekt Deutsch. Torsten Fricke


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TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51 + 52 | 24.12.2021

Zwei Treffer nach dem Bericht in der Sudetendeutschen Zeitung

Zeitungsaufruf hilft den Heimatpflegern

Und die Spur führt nach Südböhmen... Nach dem Aufruf des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege in der Sudetendeutschen Zeitung, die Leser mögen bei der Identifizierung von historischen BauernhausBildern helfen, gibt es die ersten Erfolgsmeldungen.

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nfang Dezember hatte die Sudetendeutsche Zeitung über die ungewöhnliche Aktion der bayerischen Heimatpfleger berichtet, die im Zuge ihres Digitalisierungsprojekts von historischen Bauernhaus-Aufnahmen an ihre Grenzen gestoßen waren. Bei Hunderten von Fotos fehlte jeder Hinweis, wo die Bilder aufgenommen worden sind. Diese Fotos wurden auf der Webseite www.heimat-bayern.de/altefotos.

Diese beiden Bauernhäuser standen in Wallern im Landkreis Prachatitz in Südböhmen.

html veröffentlicht. Mit großem Erfolg. „Mittlerweile wurden von Ihnen schon mehr als 100 Gebäude erkannt“, bedanken sich die Initiatoren bei den Bürgern. Nach dem Aufruf in der Sudetendeutschen Zeitung führten auch Spuren nach Böhmen. „Zwei der Fotos wurden in Wallern verortet“, berichtet Dr. Daniela Sandner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. In den 1930er und 1940er Jahren hatten die Heimatforscher in ganz Bayern Bauernhäuser fotografiert. In vielen Fällen sind jedoch weitere Angaben zum Standort verloren gegangen. Die Idee, die Suche auch auf Teile Böhmens auszuweiten, ist dem Münchner Abkommen von 1938 geschuldet, denn da-

mals wurden die böhmischen Landkreise Bergreichenstein, Markt Eisenstein und Prachatitz dem damaligen bayerischen Regierungsbezirk NiederbayernOberpfalz zugeschlagen. Die beiden jetzt identifizierten Bauernhäuser standen einst in Wallern im Kreis Prachatitz. Die Stadt in der Region Südböhmen wurde bereits 1359 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Einmarsch der USArmy wurde bei Wallern ein Massengrab mit Opfern des Todesmarsches des KZ-Außenlagers Helmbrechts entdeckt, der am 4. Mai 1945 die Stadt erreicht hatte. Anfang 1946 hatte Wallern noch rund 4000 deutschsprachige Einwohner, die dann ab März in fünf Transporten vertrieben wurden. Torsten Fricke

VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Freitag, 14. Januar: Ausstellung „Keine Nacht so dunkel“. 150 Jahre Familiengeschichte über das bewegende Schicksal des böhmisch-jüdischen Architekten Rudolf Wels sowie seiner Vor- und Nachfahren. Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstraße, München. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch, 13.00–17.00 Uhr, Donnerstag, 13.00–19.00 Uhr, Freitag, 12.00–15.00 Uhr. Corona-Regel: 2G plus. Noch bis Samstag, 15. Januar: „Verblichen, aber nicht verschwunden. Eine Spurensuche im Böhmerwald“. Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Öffnungszeiten: montags und mittwochs von 10.00 bis 17.00 Uhr,

dienstags und donnerstags von 10.00 bis 19.00 Uhr sowie freitags von 10.00 bis 14.00 Uhr. Samstags auf Anfrage. Noch bis Sonntag, 30. Januar: Ausstellung „Marktredwitzer Krippenkultur“. Egerland Kulturhaus, Fikentscherstraße, Marktredwitz. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 14.00– 17.00 Uhr. Noch bis Montag, 31. Januar: „Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim“. Glasmuseum, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Noch bis Mittwoch, 2. Februar: „Alles andere ist zu ersetzen. Weihnachtskrippen in Böhmen und Mähren“. Sonderaus-

Hinweis Corona-Pandemie

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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. stellung des Sudetendeutschen Museums im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, München. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10.00–18.00 Uhr. Dienstag, 4. Januar, 15.30 Uhr: „Stern über dem Stall“. Weihnachtslieder aus Ostdeutschland und dem östlichen Europa. Begleit-Veranstaltung zur Krippenausstellung mit dem Trio Pumpernickel Ruth Maria,

Sudetendeutscher Kalender 2022 SUDETENDEUTSCHER KALENDER

HEIMAT IN BILDERN

Mährisch Trübau / Moravská Třebová (Schönhengstgau)

In der Ranklau / Ranklov (Böhmerwald)

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Ende des Zweiten Weltkrieges / Muttertag

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Weseritz / Bezdružice (Egerland)

Park in Franzensbad / Františkovy Lázně (Egerland)

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Iris Marie und Heidelinde Kotzian. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Der Eintritt ist frei. Donnerstag, 13. Januar, 19.00 Uhr: Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Samstag, 15. Januar, 15.00 Uhr: Festakt zur Verleihung der Sudetendeutschen Förderpreise. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Mittwoch, 26. Januar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Diskussion der Situation SG-Bund; Auswirkungen auf die Regionalgruppe? Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Donnerstag, 17. Februar, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 23. Februar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in der Burg Hohenberg 2008. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Sonntag, 6. März, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Märzgedenken. Bürgersaal Wehringen. Referent: Christian Knauer, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen. Samstag, 12. bis Sonntag, 13. März: Sudetendeutsche Bundesversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 13. März, SL-Landesgruppe Bayern: Landesdelegiertenversammlung. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 24. März, 19.00 Uhr, Sudetendeutscher Heimatrat: Onlinekonferenz. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke (frühbürgerliche Revolution um 1525). Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Freitag, 1. bis Sonntag, 3. April, Heimatkreis Oberes Adlergebirge: Heimattreffen der Adlergebirgler. Gasthof „Zum Biber“, Hauptstraße 17, MottenSpeicherz (Kreis Bad Kissingen), Auskunft: Ortsbetreuer Günther Wytopil, Telefon (0 61 63) 48 27, eMail gwytopil@gmail.com

Rolle von Medien bei Flucht, Vertreibung und Migration Samstag, 15. Januar von 16.00 bis 18.00 Uhr: „Die Rolle von Medien bei Flucht, Vertreibung und Migration – gestern und heute“ mit dem Kommunikationswissenschaftler Dr. Phillip Seufferling. Online-Seminar.. Medien und Kommunikation sind grundlegend dafür verantwortlich, wie Flucht und Migration erlebt werden und wie Gesellschaften damit umgehen. Als Technologien, Institutionen und Nutzungspraktiken bedingen Medien die Erfahrungen von Geflüchteten und die Kommunikation mit und über Migranten. Mit Beispielen aus gegenwärtigen und historischen Kontexten bietet dieses Gespräch eine kritische Diskussion von Medien: von kommunikativen Bedürfnissen von Geflüchteten, über Berichterstattung, hin zu Verwaltungstechnologien von Grenzen und Asyl. Während die Digitalisierung neue Bedingungen schafft, lassen sich viele Medienpraktiken in der Geschichte zurückverfolgen: von der „smart border“ auf griechischen Inseln bis in deutsche Flüchtlingslager nach dem Zweiten Weltkrieg. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Ausstellung vom 19. Januar bis 8. April

„Fremd : Vertraut“ Von Mittwoch, 19. Januar bis Freitag, 8. April: „Fremd : Vertraut. Hermannstadt : Kronstadt“, Ausstellung im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Die beiden siebenbürgischen Städte entwickelten sich im Verlaufe ihrer Geschichte zu einem je eigenen Kosmos, auch wenn gegenseitige Berührungen, wenn das Aufeinander-Angewiesen-Sein unübersehbar sind. Selbst für diejenigen, die den jeweiligen Kosmos, in dem sie groß geworden sind, zu kennen glauben, birgt dieser immer beides zugleich – Fremdes und Vertrautes. Die Frage, wann das Fremde zum Vertrauten wird, kann kaum generell beantwortet werden. Dieser Prozeß wird von zu vielen sehr individuellen, vor allem auch biografischen Faktoren beeinflußt. Allerdings gilt auch dies: Ängste vor dem Fremden ungehemmt auszuleben, ist ein gesellschaftliches No-Go. So ist die aktuelle Frage mehr denn je: Wie wird das mir Fremde zum Vertrautem, ohne daß ich das Fremde seiner

Identität beraube? Die großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien von Jürgen van Buer sind eine Aufforderung an die Betrachter, ihre je individuelle Antwort auf die Frage dieser Ausstellung zu finden. Kurator der Ausstellung ist Josef Balazs. Öffnungszeiten: 19. Januar bis 8. April 2022, Montag bis Freitag (werktags) 10 bis 20 Uhr. Informationen unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.


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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51 + 52 | 24.12. 2021

Gottesdienste

Weihnachten live im Fernsehen

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er Gottesdienst gehört für viele Menschen an Weihnachten zum festen Programm. Doch auch diese Festtage werden von der Corona-Pandemie überschattet. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, bietet sich Alternative an, Gottesdienst am Fernseher oder im Livestream zu verfolgen. Ein Überblick.

Heiliger Abend

Willi Sitte: „Der Zug ins Leben“, 1947, Öl auf Sperrholz, 99,5 x 199 Zentimeter

Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des in Böhmen geborenen DDR-Künstlers im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale

Willi Sitte: Ein Leben zwischen Kunst, Vertreibung und Propaganda Noch bis zum 6. Februar zeigt das Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale eine Sonderausstellung zum 100. Geburtstag von Willi Sitte, dem aus Kratzau stammenden wichtigsten Künstler der DDR.

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cht Jahre nach seinem Tod in Halle, wo er die längste Zeit seines Lebens verbrachte und wo die Sammlungen viele seiner Werke ankauften, hat die Moritzburg die Gelegenheit genutzt, erstmalig Fragen an das Werk und vor allem an das Leben Sittes zu stellen, die an den Verbandsfunktionär als Präsident des Verbandes bildender Künstler in der DDR nicht öffentlich gestellt werden konnten und nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands nicht mehr gestellt werden wollten. Was gerade durch den Nachlaß an neuen Einsichten in sein frühes Schaffen und seine Herkunft aus dem Böhmischen möglich wurde, präsentiert die Ausstellung umfangreich. Zum Ausstellungskatalog „Sittes Welt – Willi Sitte eine Retrospektive“ entstand zusätzlich eine biografische Recherche, ein beigegebenes broschiertes Buch, das die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglichte, und in dem der Direktor des Kunstmuseums, Thomas Bauer-Friedrich, und der Direktor des Dresdner Instituts für Kulturstudien, Paul Kaiser, nach einschlägiger Recherche in verschiedensten Archiven ein erstmals unabhängiges Bild über das Leben des talentierten Malers zeichnen. Kratzau und das nahe Reichenberg stehen dabei für den Anfang seiner Entwicklung zum Kunstmaler, aber auch seiner Entwicklung zum kommunistischen Kunst-Funktionär. Geboren wurde Wilhelm (Willi) Sitte am 28. Februar 1921 als fünftes Kind seiner Eltern, des deutschen Vaters Josef (1884–1976), der gelernter Zimmermann war, aber einen bäuerlichen Gartenbaubetrieb führte, und der tschechischen Mutter (1890–1974) Elisabeth, geborene Karban, die als Dienstmädchen und Hausfrau tätig war. Der Vater ist zwischen 1902 und 1921 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und gehört wie sein Vater Franz Sitte (1854–1943) zur Gründungsgeneration der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei in Kratzau. Aufgefallen durch sein Zeichentalent, besucht Willi Sitte ab 1936 für drei Jahre die Kunstschule des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg, für die Schulgeld zu bezahlen war. Dieses übernahm der Textilunternehmer Egon Mallmann, der ihn anschließend an die Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg in der Eifel schickte. Nachdem sich Sitte dort einem Pro-

Die Ausstellung „Sittes Welt“ im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale.

Selbstportrait von Willi Sitte. Fotos: Miksch

Die Ausstellung „Sittes Welt“ ist noch bis zum 6. Februar 2022 im Kunstmuseum Moritzburg in Halle an der Saale (Friedemann-Bach-Platz 5, zwei Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt, nördlich der Altstadt) zu sehen. Die Öffnungszeiten: Donnerstag bis Dienstag jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr (am 24. und 31. Dezember geschlossen). Zusätzlich ist die Ausstellung mittwochs am 29. Dezember sowie am 5. Januar geöffnet. Eintrittspreise: 12 Euro, ermäßigt 9 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei. Zur Ausstellung ist der 536 Seiten starke Katalog „Sittes Welt“ mit 454 Abbildungen im E. A. Seemann Verlag erschienen. Der Verkaufspreis beträgt 45 Euro.

test gegen die militärähnlichen Arbeitsund Lebensbedingungen angeschlossen hatte, wurde er von der Schule verwiesen und zum Kriegsdienst einberufen. Nach Einsätzen an der Ostfront wird er Ende Mai 1944 nach Norditalien verlegt, dort desertiert er am 11. April 1945 (er selbst wird diese Desertion immer um fast ein Jahr vordatieren, um damit in der DDR als Verfolgter des Naziregimes anerkannt zu werden) und erlebt das Ende des Krieges am 29. April unter Partisanen. Deshalb kann er in Italien bleiben, verlebt den Sommer in Vincenza, ab Herbst in Mailand, wird Gasthörer an der Accademia di Brera, wohnt in einer Dachkammer eines Mietshauses seines Freundes Antonio De Lucchi und hat im April/Mai 1946 in der Galleria Dedalo in Mailand eine erste Einzelausstellung. Am 12. August kehrt er nach Kratzau zu den Eltern zurück, um die Übersied-

lung in die Sowjetische Besatzungszone, wo sein älterer Bruder Ernst Sitte schon seit Anfang 1946 als Neubauernsiedler in einem ehemaligen Rittergut bei Niederorschel im Eichsfeld lebt, zu organisieren. Am 20. Oktober geht unter Leitung von Willi Sitte der letzte Antifa-Transport der Kommunistischen Partei aus Kratzau ab, mit dabei die Eltern, die Schwester Elisabeth und der Bruder Franz und dessen Familie. Über Pirna geht es in ein Durchgangslager in Wittenberge, von wo sie im November 1946 nach Heiligenstadt im Eichsfeld übersiedeln. Gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf richtet sich Willi Sitte das Gartenhäuschen im Kurpark als Wohnung ein. Nach dem Eintritt in die SED Anfang 1947 wird er im Sommer nach Halle an der Saale berufen und seither lebt er dort und malt anfangs für den Landesvorstand der SED Sachsen-Anhalt Gemälde und Transparente.

Sein erstes Gemälde „Zug ins Leben“, das er ohne Auftrag 1948 schafft, „zeigt eine Gruppe von Menschen verschiedenen Alters, die sich von rechts aus der Tiefe einer gebirgigen Landschaft kommend dem Licht entgegen nach links aufwärts bewegen. (…) Die Gesamtstimmung des Bildes ist von einer drückenden Schwere, Melancholie bzw. einer gewissen Bedrohung unbekannten Ursprungs gekennzeichnet“. so Thomas Bauer-Friedrich im Katalog der Ausstellung. Man kann darin sicher die Menschenströme erkennen, die Sitte im Krieg wie auch während der Vertreibung – wenn auch für ihn komfortabler als für andere – erlebte. Später gibt es in Sittes Werken kaum noch Auseinandersetzungen mit dieser Grundstimmung eines Verlustes, des Verlustes der Heimat. Es obsiegte das Licht, das Licht der Propaganda. Seine vier Elternbildnisse, wovon drei in der Ausstellung gezeigt werden, sparen das schwierige Schicksal, die Schatten konsequent aus. Das letzte Porträt von 1974 (siehe Sudetendeutsche Zeitung 14+15/2021), das kurz vor dem Tode der Mutter entstand, ist eine politische Genealogie, die Sitte malen wollte. Der Großvater Franz hinter dem Ehepaar als politischer Ahnherr und der Mitgliedsausweis des Vaters mit Paßbild und Mitgliedsnummer 1005, als Gründer der KPČ gekennzeichnet. Doch Überraschungen gibt es bei Sitte immer wieder. So findet man in der Ausstellung ein Porträt Franz Kafkas von 1967. Die Neubewertung Kafkas in der ČSSR 1963 durch die Konferenz auf Schloß Liblice, die auch ein Erscheinen seiner Werke in der DDR möglich machte, mag dafür ein Grund gewesen sein. Das große Dyptychon mit Predella Lidice, das 1962 an das Museum nach Lidice gehen sollte, dort nie ankam und verschollen bleibt, trotz aller Bemühungen der Kunstsammlungen, hängt als Schwarz-Weiß-Kopie in der Abteilung mit Monumentalbildern Sittes. Das Massaker von Lidice, eine Vergeltungsaktion für das erfolgreiche Attentat auf den Nazi-Massenmörder Reinhard Heydrichs, hatte Sitte „ungeheurer bewegt“. „Ich bin tschechoslowakischer Staatsbürger gewesen und gehörte zu dem Kreis der Antifaschisten“, sagte Sitte 1991 in einer Filmdokumentation und verwies auf eine besondere Betroffenheit, da die Familie seiner tschechischen Mutter mit Bergarbeitern in Lidice entfernt verwandt war. Willi Sitte fuhr 1956 das erste Mal nach Lidice und entwikkelte bis 1959 drei Gemäldefassungen. Schließlich gestaltete er ein Dyptychon mit Predella, das 1962 noch in der Moritzburg präsentiert wurde, dann aber auf dem Weg nach Lidice bis heute ungeklärt verschwand. Ulrich Miksch

15.00 Uhr: Ökumenische Christvesper in der Kirche Heilige Familie in Berlin, RBB. 16.15 Uhr: Evangelische Christvesper aus der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz, ARD. 17.00 Uhr: Heiligabend Gottesdienst aus Ahrweiler, Bibel TV. 17.10 Uhr: Krippenandacht aus der Schutzengelkirche in Graz/ Steiermark, ORF III. 18.30 Uhr: Katholische Christmette aus St. Maria in Landau, ARD. 19.15 Uhr: Gottesdienst aus der Johanneskirche Stuttgart, ZDF. 19.30 Uhr: Christmette mit Papst Franziskus aus dem Petersdom, BR und ab 23.00 Uhr zeitversetzt im ORF 2.

1. Weihnachtsfeiertag

Papst Franziskus auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom. 9.30 Uhr: Weihnachten mit Landesbischof Frank Otfried July, Bibel TV. 10.00 Uhr: Fernsehgottesdienst aus der Matthäuskirche in München, BR. 10.00 Uhr: Radiogottesdienst aus der Friedenskirche in Krefeld, WDR 5, NDR INFO. 10.04 Uhr: Radiogottesdienst aus der Adventskirche in Kassel, HR4. 10.45 Uhr: Katholischen Weihnachtsgottesdienst aus dem Kiliansdom in Würzburg, ZDF, ORF 2. 12.00 Uhr: Weihnachtssegen „Urbi et Orbi“ aus Rom. Traditionell richtet der Papst am 1. Weihnachtstag eine Friedensbotschaft an die Welt und spendet den Segen „Urbi et Orbi“. Das ZDF überträgt mit Jürgen Erbacher als Kommentator live aus Rom. Außerdem live auf ORF 2 und Radio Maria.

2. Weihnachtsfeiertag 9.30 Uhr: Fernsehgottesdienst aus der Saalkirche Ingelheim, ZDF. 10.00 Uhr: Gottesdienst live aus dem Münsteraner Dom, Bibel TV. 10 Uhr: Radiogottesdienst aus der Bochumer Paulskirche, WDR 5. 10:05 Uhr: Radiogottesdienst aus St. Jakob in Nürnberg, DLF UND BR1.

Silvester 15.45 Uhr: Ökumenischer Silvestergottesdienst aus Köln, ARD


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51+52 | 24. 12. 2021

PERSONALIEN � Streitbarer und treuer Gablonzer

Rüdiger Goldmann 80 Am 28.  Dezember begeht Rüdiger Goldmann, Stellvertretender Obmann der SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen und Mitglied der SL-Bundesversammlung aus dem Isergebirge, in Düsseldorf seinen 80. Geburtstag. Andreas Schmalcz, Margret und Alfred Kipplinger, die Medaille und Steffen Hörtler.

� Silberne Verdienstmedaille der SL-Landesgruppe Bayern

Alfred Kipplinger geehrt Wie berichtet (Þ SdZ 48/2021), wurde Alfred Kipplinger am 8. Dezember 70 Jahre alt. Am darauffolgenden dritten Advent wurde in Sulzbach am Main, wo er zu Hause ist, gefeiert.

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ach einem eindrucksvollen Gottesdienst in der Kirche Sankt Margareta ging es in die Vereinsgaststätte Sportzentrum Mainblick. Dort stießen Familie, Freunde, Nachbarn und Landsleute auf das Wohl des Jubilars an. Auf der Terrasse bot der Musikverein Edelweiß aus Sulzbach ein kleines Konzert. Nach dem festlichen Mittagessen ergriff SL-

Landesobmann Steffen Hörtler, der in Begleitung seines Geschäftsstellenmitarbeiters Andreas Schmalcz gekommen war, das Wort und gratulierte Alfred Kipplinger mit warmen Worten zu seinem Geburtstag und würdigte sein langjähriges Schaffen für die Volksgruppe. Als Zeichen der Wertschätzung dieser Arbeit überreichte er ihm die Silberne Verdienstmedaille der SL-Landesgruppe Bayern, die ihm der Vorstand verliehen hatte. Alfred Kipplinger nahm die Ehrung tief berührt entgegen. Mit interessanten Gesprächen ging der Tag kurzweilig zu Ende. sz

oder ein reguläres Abo (Bezug per Postzustellung)

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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.

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Bitte gescannt oder abfotografiert mailen oder in ausreichend frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München E-Mail svg@sudeten.de

eboren in Gablonz an der Neiße hat sich Rüdiger Goldmann schon mit Beginn seines Studiums im Arbeitskreis Sudetendeutscher Studenten engagiert. Er war Mitarbeiter der Studentenzeitschrift „actio“ und diskussionsfreudiger Teilnehmer an vielen Seminaren und Begegnungswochen auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen. Als Oberstudienrat war es ihm ein besonderes Anliegen, seinen Schülern ein umfassendes Geschichtsbild zu vermitteln, das auch die Regionen jenseits des früheren Eisernen Vorhangs einschloß. Bereits im Jahr 1965 trat er der SLKreisgruppe Düsseldorf bei. Im Zusammenwirken mit seiner Schwester Karin Fuhrmann als Kreisobfrau und seinem Bruder Gunter Goldmann als Vermögensverwalter bringt er sich dort als Motor für ein stets interessantes Programm ein. Seine besondere Zuneigung gilt der Organisation höchst informativer

gen der Deutschen in ihren früheren Siedlungsgebieten kam auch in seinem Wirken als Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Eu­ ropa – vormals Ostdeutscher Kulturrat (OKR) – und in seinen journalistischen Aktivitäten vor allem in der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ zum Ausdruck. In all seinen Ämtern – so betont der nordrhein-westfälische Landesobmann Werner Appl – bringe sich Rüdiger Goldmann als stets ebenso kreativer wie streitbarer Funktionsträger ein. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat Rüdiger Goldmann mit ihrem Kleinen und ihrem Großen Ehrenzeichen, der RudolfLodgman-Plakette und im Jahr 2012 mit der Adalbert-StifterMedaille für sein verbandspolitisches und kulturelles Engagement geehrt. Seine Freunde aus den verschiedenen Organisationen wünschen dem Jubilar, daß er weiterhin als heimattreuer und zukunftsorientierter Unruheherd in Kenntnis der realen Aktionsmöglichkeiten wirken möge. Günter Reichert

� Langjähriger Chefredakteur der Sudetendeutschen Zeitung

Unser Angebot Kostenloses Probeabo (4 Wochen, endet automatisch) der Sudetendeutschen Zeitung, Print- und Onlineausgabe möglich

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Gruppenreisen in die Sudetenländer, nach Schlesien sowie zum Heiligenhof – nicht zuletzt wegen der geselligen Abende im Weinkeller. Nach langjähriger Zugehörigkeit zum nordrhein-westfälischen SL-Landesvorstand übernahm er 2010 das Amt eines Stellvertretenden Landesobmanns und ist vor allem für die Kontakte zu dem BdV-Landesverband Nordrhein-Westfalen, dessen Stellvertretender Landesvorsitzender er von 1988 bis 2008 war, zuständig. Außerdem vertritt er die sudetendeutsche Volksgruppe im Kuratorium der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum in Düsseldorf. Während drei Legislaturperioden gehörte Rüdiger Goldmann als CDU-Abgeordneter dem Nord­rhein-Westfälischen Landtag an. Seit mehreren Legislaturperioden ist er Mitglied der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wo er sich vor allem in den Ausschüssen für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit engagiert hat. Sein großes Interesse für die Kulturleistun-

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Am 29. Dezember feiert Herbert Fischer, langjähriger Chefredakteur dieser Zeitung, im nord­ rhein-westfälischen Engelskirchen 65. Geburtstag.

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bwohl in der Ruhrmetropole Duisburg – übrigens der weltgrößte Binnenhafen – geboren und aufgewachsen, hat auch Herbert Fischer Wurzeln im Deutschen Osten. Friedrich Fischer, sein Großvater väterlicherseits, stammte aus Ostpreußen und dessen Frau Helene aus Oberschlesien. Sein von ihm sehr verehrter Deutschlehrer Heinz Antoch war aus Mährisch Ostrau vertrieben worden, womit seine Beziehung zu den Sudetendeutschen anfing. 1973 begann der 16jährige erste Text- und Bildbeiträge in der Lokalredaktion der „Neuen Ruhr-Zeitung“ zu veröffentlichen. Nach dem Abitur 1975 leistete er Wehrdienst in Flensburg und Eutin. Anschließend machte er eine umfassende Ausbildung im Zeitungsfach, also in Redaktion und Verlag, bei der „Rheinischen Post“ in Duisburg und Düsseldorf. 1979 wechselte er als Persönlicher Referent und Parlamentsassistent der Duisburger Bundestagsabgeordneten Irmgard Karwatzki nach Bonn. Als Karwatzki 1982 zur Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit berufen wurde, nahm sie Fischer mit. Parallel besuchte Fischer an der Rheinischen Friedrich-WilhelmsUniversität Bonn Vorlesungen über Staats- und Völkerrecht mit Schwerpunkt Staatsorganisationsrecht sowie Handels- und Gesellschaftsrecht. 1983 rief der Norden, und Fischer folgte dem Ruf. Er wurde Geschäftsführender Redakteur und Schriftleiter der „Pommerschen Zeitung“, zuerst in Hamburg, später in Lübeck. Mit dem Deutschen Osten im Hinterkopf näherte er sich 1987 dem deutschen Süden. Im mittelfränkischen Erlangen übernahm er die Chefredaktion des medienkritischen Blattes „Trans Media“. Aber kurz danach heuert er bei der CSU-Wochenzeitung „Bayernkurier“ an. Sein erster Arbeitstag als Redakteur für Politik und Zeitgeschichte und Stellvertretender

Chef vom Dienst war der 3. Oktober 1988. Das war der Tag, als Franz Josef Strauß (FJS) starb. Die Chefin vom Dienst weilte unerreichbar im Urlaub auf Kreta. Doch Fischer bestand die Feuertaufe. Der rheinländische Preuße wickelte die inhaltliche und formale Berichterstattung über den Tod von FJS generalstabsmäßig ab. Zehn Jahre später wurde er Chef vom Dienst des „Bayernkuriers“. Kurios, daß auch seine Vorgänger als Chef vom Dienst, Leo M. Bensch aus Berlin und Marie-Helene Lammers aus Westfalen, „Preußen“ waren. 2002 maßen sich Edmund Stoiber und Gerhard Schröder im Bundestagswahlkampf. Bernd Posselt, damals Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, versuchte Fischer für die Sudetendeutsche Zeitung zu gewinnen. Fischers Hinweis, er sei doch Preuße, konterte Posselt mit der Offenbarung, die Zeitung sei in einem Zustand, aus der sie nur ein Preuße retten könne. Beim „Bayernkurier“ war der legendäre Wilfried Scharnagl – ein Egerländer aus Hinter Kotten im Kreis Tachau – 2001 als Chefredakteur ausgeschieden. 2002 schied Fischer aus und kam am 1. Januar 2003 als Chefredakteur und Verlagsleiter ins Sudetendeutsche Haus. Gleich für die erste Ausgabe 2003 erstellte er ein neues Layout in den Farben der Sudetendeutschen, das sich behutsam weiterentwickelte – ab 2011 im Vierfarbdruck – und bis März 2021 Grundlage des Erscheinungsbildes der Zeitung blieb. Gleich mit seiner ersten Ausgabe 2003 lieferte die Redaktion mit Text und Bild komplett erstellte Zeitungsseiten an die Druckerei. Das war damals noch keineswegs selbstverständlich, sparte aber enorm Zeit und Kosten. Fischer öffnete den bis dahin nicht vorhandenen Kommukationsweg per eMail, schaffte das Abtippen von Manuskripten und Telefaxen und später das Telefax selbst ab, ebenso die überbordende Vorausberichterstattung über Veranstaltungen und Ereignisse, die journalistisch beackert wurden, wenn sie stattgefunden hatten. Seine Redakteure ver-

gatterte er zu Qualitätsjournalismus, den er mit der Redakteurin Nadira Hurnaus, der ehemaligen Chefredakteurin des „Deutschland-Magazins“, ab 2005 kontinuierlich und nachhaltig ausbauen konnte. Seine kaufmännische Devise lautete: „Wer die SdZ lesen will, muß sie abonnieren.“ Denn bis vor wenigen Jahren mußte sie sich weit überwiegend aus den Abonnement-Gebühren finanzieren. Zuschüsse und eine Förderung des Schirmlandes Bayern gab es noch nicht. Sein politisches Credo spiegeln die Leitworte der Sudetendeutschen Tage von 2006 und 2015 am besten: „Vertreibung ist Völkermord – dem Recht auf die Heimat gehört die Zukunft“ und „Menschenrechte ohne Grenzen“. Die Sprachpolizei unserer Tage hatte beim ihm keine Chance. Er ließ kein Gender-Deutsch und so gut wie keine Anglizismen zu. Fischer: „Für fast alles gibt es eine deutsche Vokabel.“ Oder: „Alle Männer und Frauen haben Vornamen.“ Die – wie er sie nennt – „gute alte Rechtschreibung“ behielt er bei. Alle Bilder wurden auch nach Farbwerten bearbeitet. Der „DDR“-ähnliche Titelkult wurde reduziert. Die Redakteure lasen ihre Seiten im Vier-Augen-Prinzip auf sachliche und orthographische Fehler. Und die Seiten 1 und 2 wurden, wenn ganz Aktuelles noch ins Blatt mußte, nicht selten erst in der letzten Minute am Dienstag um 24.00 Uhr an die Druckerei in Augsburg überspielt. Um sich mehr um seine – seit wenigen Tagen 91jährige – Mutter Irmgard, um seine Lebensgefährtin Simona und um seinen Enkel Samu Felix kümmern zu können, strebte Fischer den Ruhestand für Ende 2020 an. Die Erfordernisse wollten es, daß er erst am heurigen 31. März als Chefredakteur ausscheiden konnte. In Ermangelung eines Nachfolgers führte er bis 30. September die Verlagsgeschäfte weiter. So konnte er doch erst mit fast 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Nadira Hurnaus 2006 zu Fischers 50. Geburtstag: „Ich lernte ihn als technisch versierten und kundigen Kollegen ken-

nen, der Woche für Woche diszipliniert und engagiert seine Zeitung macht. Immer bestrebt, sie noch besser zu machen. Der verläßlich und rücksichtsvoll ist.“ Auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt gratuliert dem langjährigen Chefredakteur der Sudetendeutschen Zeitung zum 65. Geburtstag: „Da Herbert Fischer tückischerweise immer schon in der stillen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester Geburtstag hatte, konnte ich ihm stets nur telefonisch gratulieren. Deshalb freue ich mich im nächsten Jahr mit ihm bald einmal wie in alten, coronafreien Zeiten kräftig und fröhlich zu feiern. Er hat weit über seine beruflichen Jahre an der Spitze unseres Volksgruppenorgans, für das er Herausragendes leistete und das ohne ihn schon längst nicht mehr bestehen würde, hinaus schon deutlich zuvor starke Akzente sudetendeutschen Engagements gesetzt: Als ehrenamtlicher Aktiver seit Jugendtagen, dem die Wiedervereinigung Deutschlands und Europas bereits als Schüler ein Herzensanliegen war, als Mitarbeiter einer Bundestagsabgeordneten, als leitende Persönlichkeit in anderen Landsmannschaften und deren Publizistik, als Berichterstatter des ,Bayernkuriers‘ bei mehreren Sudetendeutschen Tagen und anderen vertriebenenpolitischen Anlässen. Dies gipfelte dann in seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Sudetendeutschen Zeitung, die er Woche für Woche in höchster Qualität ablieferte. Er gehört zu uns auf Grund seiner schlesischen Wurzeln, die seit Kaiser Karl IV. eng mit Böhmen und Mähren verbunden sind, aber noch mehr aufgrund seines ehrlichen Bekenntnisses zu unserer vielgestaltigen Volksgruppe. In seinem schwierigen Beruf hat er mühsame Durststrecken durchstehen müssen, aber ich hoffe, auch viel Freude und Inspiration erlebt. Zum Geburtstag wünsche ich ihm viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen und freue mich darauf, bald wieder einmal mit ihm eines unserer interessanten und tiefschürfenden Gespräche führen zu dürfen – diesmal nicht wie früher bei einem unserer regelmäßigen Redaktionstelefonate, sondern im gemütlichen Rahmen!“ as


Der Film beginnt in einer schönen Krippe. Der Filmemacher Jörg P. Schilling vom Filmstudio Sirius produzierte einen neuen Film. Sein Werk über den Krippenbauer Patrick Ernst übertrug die Sudetendeutsche Heimatpflege direkt im Internet.

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chon meine Urgroßeltern schufen Krippen“, erklärt Patrick Ernst. Gründlich schildert er die Entwicklung der Krippentradition. Sein Urgroßvater, Rudolf Brämer – einst Krippenbauer im nordböhmischen Schönborn –, habe ihn an das Handwerk herangeführt. „Ich selbst baue bereits seit meinem fünften Lebensjahr Krippen.“ Er stamme aus dem Schluckenauer Zipfel im Böhmischen Niederland. Dorthin seien früher Krippenbauer aus dem Grödnertal in Südtirol gekommen und hätten dieses Kunsthandwerk mitgebracht. In holzreichen Gebieten wie Böhmen und Mähren oder Oberbayern und Südtirol entstand ein Hausgewerbe, das sich mit dem Bau von Krippen, dem Schnitzen und Bemalen der benötigten Holzfiguren beschäftigte. Im Winter verdienten sich die Bewohner der Waldgegenden ein Zubrot. Je nach Landstrich unterschieden sich die Darstellungen, in dessen Zentrum stets die Geburt des Jesuskindes steht, in ihrer Machart, ihrem Material und ihrem Inhalt. Ein Zentrum des Krippenbaus war die nordböhmische Gegend um Schirgiswalde und Schluckenau. Dort entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts Nazare-

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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51 + 52 | 24. 12. 2021

Die drei Weisen Caspar, Melchior und Balthasar aus dem Morgenland huldigen dem Jesuskind.

� Filmpremiere über Krippenbauer Patrick Ernst

Ich baue Krippen, seit ich fünf bin

Patrick Ernst zeigt, wie er Krippenfiguren schnitzt. ner-Krippen. Die Gestaltung der Figuren folgte dem Werk J­ oseph von Führichs (1800–1876). Der Historienmaler und Nazarener stammte aus Kratzau bei Rei-

chenberg und wirkte in Prag und Wien. Die nordböhmischen Krippenschnitzer ließen sich von Führichs Gemälden inspirieren. Mit der Vertreibung der Deut-

schen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging ein Teil dieser Darstellungen verloren. Doch dieses Brauchtum starb nicht ganz aus. Die Deutschen, die ihre

Heimat verlassen mußten, nahmen ihr Wissen um die Krippenschnitzkunst in die Fremde mit. So auch Rudolf Brämer, der Urgroßvater von Patrick Ernst.

Nach der Vertreibung landete er in der SBZ. Dort durfte man nicht über Vertreibung oder Religion reden. „Ein Engel wurde Jahresendfigur genannt“, erzählt Ernst. Heute lebt Ernst im sachsen-anhaltinsichen Naumburg an der Saale. Er richtete sich in seinem Elternhaus, einer alten herrschaftlichen Villa, einen Arbeitsraum ein. Der gelernte Betriebswirt kann natürlich nicht allein vom Krippenbau leben. Ernst, der auch „Krippen-Ernst“ genannt wird, macht Ausstellungen und erfüllt Bestellungen. „Und ich kann meine Kunst vorführen, etwa beim Christkindlsmarkt der SL in München.“ Als Sachkundiger schildert er den Aufbau einer Krippe, bei dem es für jeden Krippenbauer ein eigenes Arbeitsgebiet gegeben habe, und zeigt passende Beispielstücke. Einer schnitze die Figuren von Krippen, andere seien für Hintergrund und Krippengebäude zuständig. Seine Figuren schnitze er aus Lindenholz, sagt Ernst und macht das gleich vor. Er brauche für eine „Person“ zehn bis 20 Stunden. Und so erfahren die vielen Gäste am Computerbildschirm, wie eine Krippe entsteht und gepflegt wird. Die Idee zum Filmprojekt hatte die ehemalige Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Zuzana Finger. Gefördert wurde es vom Adalbert-Stifter-Verein und der SL. Bis man wieder einen Weihnachtsmarkt gefahrlos besuchen kann, sollte man sich den schönen Film ansehen. Susanne Habel

Ernst posiert vor einer seiner Krippen.

Ernst erklärt eine von ihm gemalte Hintergrundlandschaft.

Ein Engel ruft „Gloria“, und Hirten ziehen zum Stall in Bethlehem.

Erzengel Gabriel verkündet Maria die Empfängnis Jesu.

Jesus wird geboren.

Die Heilige Familie flieht nach Ägypten.


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KULTUR

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Der Chor Mixed Voices singt vor dem Kreuz in der Katholischen Pfarrkirche Maria Hilf in Geretsried.

Schauplatz der Aufnahmen war auch der Aidmanhof.

� Roland Hammerschmied dirigiert weihnachtliches Mammutkonzert

� Weihnachtskonzert von Quadro Nuevo

Zünd a Licht für Di ån Viele Weihnachts- und Brauchtumsfeiern mußten wegen steigender Corona-Ansteckungen nun doch ausfallen. Kurzerhand verlegten viele Veranstalter ihre Feiern ins Netz. Auf einem Video stellten der Chor Mixed Voices mit der Kapelle Gartenberger Bunkerblasmusik (GBBM) weihnachtliche und geistliche Stücke vor. Beide Ensembles traten unter dem Dirigat von Roland Hammerschmied vor den 25 erlaubten Zuhörern in der MariaHilf-Kirche im oberbayerischen Geretsried auf.

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n unserem Weihnachtskonzert werden auch Werke aus unserem neuen geistlichen Programm erklingen“, begann Roland Hammerschmied. „Mit Weihnachtsliedern aus aller Welt spannen wir im Konzert wieder einen Bogen von festlichen über heitere zu besinnlicheren Werken“, sag-

Roland Hammerschmied und Ludwig Schmid führen durch das Programm. 60 Jahren, „weil die Mischung aus anspruchsvollem Repertoire und Spaß in der Gemeinschaft stimmt“. Dieses Jahr veranstalten sie wieder ein Weihnachtskonzert mit der Gartenberger Bunker Blasmusik. Beide Gruppen treten gemeinsam in der MariaHilf-Kirche in Geretsried auf. Der Chor steht an der Altarseite der Kirche, und die Kapelle spielt un-

Holly“ mit seinem „Falalalala“ kam ein jubelndes „Gloria in Excelsis“ und „Sind die Lichter angezündet“. „Gather around the Christmas Tree“ ist eine sympathische Aufforderung, der unter anderem der Psalm „Taveti Loud“, „Jul, Jul, stråbande Jul“, „Ubi Caritas“, „Adeste Fideles“, „Notre Père“ und „O sanctissma Maria“ folgen – alles mehrstimmig und

Bratäpfel im Rohr Am vierten Adventssamstag trat Mulo Francel mit seiner Band Quadro Nuevo auf dem verschneiten Aidmannhof in Böbing bei Murnau in Oberbayern auf. Der bekannte Musiker, der aus Teplitz-Schönau stammt, spielte mit Dietmar Lowka, Andreas Hinterseher, Philipp Schiepek und Chris Gall jazzig interpretierte Weihnachtslieder. Im Backrohr schmorten währenddessen Bratäpfel.

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er Schauplatz könnte nicht schöner sein. Vor dem Hof bauen Kinder einen Schneemann. Im Bauernhof stimmen Musiker ihre Instrumente. Zum Einstieg bietet die Band das Lied „Stay away and play“, um ironisch an die Abstandsregel zu erinnern. Dann gibt es gleich „Maria durch ein Dornwald ging“, das jedem geläufig

Bandleader Mulo Francel und Gitarrist Philip Schiepek. pa“, und spiegeln so musikalisch den Adventstag draußen. Auch das folgende Stück paßt zur Jahreszeit. „December“ hatte Philipp Schiepek komponiert. Der Gitarrist Schiepek war 2017 mit dem Förderpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet worden und tritt auch solo bei Jazzkonzerten auf.

Nach „Poseidons Rache“ von Chris Gall, das dem Umweltschutz gewidmet und auf dem neuen Album „Odyssee“ von Quadro Nuevo erschienen ist, kommt ein schönes „Süßer die Glocken nie klingen“, bei dem die Zuschauer wohl alle den Text singen. Heiter klingt „Ada‘s Song“, ein Stück aus der Feder von Mu-

Tim Collins, Andreas Hinterseher, Mulo Francel, Didi Lowka und Philipp Schiepek spielen weihnachtliche Musik.

Hammerschmied dirigiert den Chor. Hinter ihm die wenigen Zuhörer und die Gartenberger Bunkerblasmusik te der Vollblutmusiker, der 1967 in Falkenau im Egerland zur Welt gekommen war. Mitmoderator war Ludwig Schmid. Schmid ist Klarinettist der GBBM. Hammerschmied war 1992 auch Mitbegründer von Mixed Voices. Das Vokalensemble, das seinen Sitz in Geretsried hat, ist seit Januar 1994 eingetragener Verein und Mitglied des Bayerischen Sängerbundes. Aktuell singen dort 35 Sängerinnen und Sänger im Alter von 20 bis

ter der Orgel beim Eingang. Zwischen beiden Ensembles pendelt Hammerschmied hin und her, um zu dirigieren. So liefern beide Gruppen ein umfangreiches Mammut-Doppelkonzert mit 22 Liedern und Kompositionen. Das Konzert beginnt mit „Laudate Dominum“ und „Joy to the World“. Weniger bekann sind Titel wie „Verleih uns Frieden“ von Heinrich Schütz und „Great God of Love“. Nach „Deck the Hall with Boughs of

Die Gartenberger Bunkerblasmusik bietet instrumentale Stücke.

mehrsprachig. Natürlich singen und spielen die Musiker auch Klassiker wie „Süßer die Glocken“, „Leise rieselt der Schnee“ und „Oh, du fröhliche“. Neu sind „Der Heiland ist geboren“, „Still, o Himmel“ und „Zünd a Licht für di ån“. Höhepunkt und Schluß ist „Oh, du fröhliche“, bei dem beide Ensembles gemeinsam Musik machen. Die ganze Kirche ist erfüllt von diesen Klängen, die via Youtube viele Menschen erreichen. Susanne Habel

ist. Bandleiter Mulo Francel – der eigentlich Andreas Franzl heißt, aber schon von seiner böhmischen Oma aus TeplitzSchönau Mulo genannt wurde – schiebt zwischendurch gefüllte Bratäpfel in die Backröhre. Die hatte er zuvor noch großzügig mit flüssigem Hochprozentigen veredelt. Nach dem „Mocca Swing“ holt Mulo seine lange Kontrabaßklarinette, die er scherzhaft als Hirtenstab bezeichnet. Damit stimmt er „Kommet, ihr Hirten“ an, das die frohe Botschaft von Jesu Geburt auf dem Feld verbreitet. Als Gastmusiker setzt sich Chris Gall ans Klavier, um den vollen Klang der Tasten zu zeigen. Die Musiker präsentieren „Es wird scho glei dum-

lo Francel, gewidmet einer mutigen wie starken Frau – seiner böhmischen Großmutter Ada Hrubesch. Weihnachtlich geht es weiter mit „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ und „Leise rieselt der Schnee“, was allen sichtlich Freude bereitet. „Christmas Time is here“ beschließt das vielseitige Konzert. Danach sitzen die Musiker vor dem Kamin und essen die weich geschmorten Bratäpfel. Susanne Habel

Mulo Francel mit Kontrabaßklarinette.

Quadro Nuevo schnabulieren die knusprig-weichen Bratäpfel.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=5odtSHkmdQ Info: www.facebook.com/ QuadroNuevo; www.mulofrancel.de


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VERBANDSNACHRICHTEN · AUS DER HEIMAT

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SL-Landesgruppe Hessen

80 Jahre Stalin-Erlaß Gäste vor Ort zu haben. Die KarlRehbein-Schule sei der rechte Ort dafür, pflege man doch selbst die Erinnerungskultur. Für die Schule dankte auch Projektkoordinator Lars Pätzold, der mit seinem Geschichtskurs an der rußlanddeutschen Geschichte arbeitet. Einige Schüler waren mit ihm gekommen. Für die Deutsche Jugend in Rußland sprach Alexandra Dornhof ein Grußwort, in dem sie die Bedeutung der Jugend für die Erinnerungskultur hervorhob.

Und eben einige von den damaligen Teilnehmern bestritten die Veranstaltung. Zunächst führte Calvin Zeller, mittlerweile Student für Geschichte, eindrucksvoll vor Augen, was 1941 geschehen sei. Minutiös konstatierte er Ursachen und Anlaß für die massenhafte Deportation vor allem der Wolgadeutschen und schilderte die Deportation selbst. Max Jungekrüger, der selbst sowohl rußlanddeutsche als auch sudetendeutsche Wurzeln hat,

Mittelpunkt stelle, die als europäisch und noch darüber hinaus zu verstehen seien. Nur so könne die Gemeinschaft der Rußlanddeutschen sich selbst verstehen, nämlich als Bindeglied zwischen uralter, alter und neuer Heimat. andesobmann Markus HarBesonders spannend gestalzer begrüßte die rund 50 Gätete sich die anschließende Ausste und arbeitete in seiner Ansprache, die von Nastassja Beksprache deutlich heraus, daß ker souverän und einfühlsam Rußlanddeutsche und Sudetengeleitet wurde. Wie sich bald deutsche bei aller Ferne deutherausstellte, war sogar prakliche Gemeinsamkeiten hättisch jedes Vertreibungsgebiet ten. Während die Sudetendeutpräsent. So kamen die Ostpreuschen den 4. März als ßen ebenso zu Wort gemeinsames Erlebnis wie die Schlesier, aber hätten, so sei das für auch die Siebenbürger die Rußlanddeutschen Sachsen und die Sudeder 28. August. Beide tendeutschen. Im MitVolksgruppen seien telpunkt standen die zudem nicht homogen. teilweise erschütternIm Sudetenland könne den Berichte der rußman das allein schon landdeutschen Gäste. an den verschiedenen Sie erzählten von Rußmittel- und oberdeutland und der Aufnahschen Dialekten hören. me in Deutschland, In Rußland treffe man nicht selten von Voralles an, darunter Nie- Maximilian Jungekrüger, Alexandra Dornhof, Calvin Zeller, Nastassja Becker, Lothar Streck, Chri- urteilen. Während der derdeutsch beispiels- stine Zander und Markus Harzer. Schilderungen flossen weise im Baltikum und nicht wenige Tränen. vor allem die hessischen Idiome Ein herzliches Dankeschön warf die Frage nach der wirkliDie Versammlung wurde zwar an der Wolga. Zudem stellte Har- sagte Lothar Streck, Vorsitzender chen Identität der Rußlanddeut- zwischendurch offiziell beenzer in beiden Fällen die besonde- des BdV-Kreisverbandes Main- schen auf und beleuchtete die ak- det, aber das interessierte nur bere Tragik heraus. Kinzig. Er freue sich, daß sich tuelle Situation, wobei er Chan- dingt, denn dann begannen die Für die Karl-Rehbein-Schule die Karl-Rehbein-Schule wieder cen und Probleme unumwunden Gespräche in kleineren Grupsprach Studiendirektorin Christi- der Geschichte der Rußlanddeut- aussprach. Er warb schließlich pen. Eine rundum gelungene ne Zander ein Grußwort. Sie be- schen widme. Schon 2019 habe für eine Identitätsbildung, die Veranstaltung, stellte man fest, tonte die Wichtigkeit der Erinne- ein Geschichtsleistungskurs sich über den rein nationalen Charak- die Lust auf mehr Erinnerungsrungskultur und freute sich, die des Themas angenommen. ter hinausgehe und Werte in den kultur mache.

Zu einer ganz besonderen Veranstaltung hatte die SL-Landesgruppe Hessen in die Mensa der Hanauer Karl-Rehbein-Schule eingeladen. Anlaß war der Stalin-Erlaß am 28. August 1941.

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Ackermann-Gemeinde

Deutsche, Tschechen und Europa „Was Deutsche und Tschechen voneinander und über Europa denken“ war Thema einer Umfrage und des jüngsten Themenzooms der Ackermann-Gemeinde. 60 Computer und Telefone waren in Deutschland, der Tschechischen Republik, Frankreich und der Schweiz zugeschaltet, als Steffen de Sombre vom Institut für Demoskopie Allensbach die Ergebnisse der Umfrage präsentierte, die sein Institut mit dem tschechischen Institut STEM bereits zum zweiten Mal nach 2016 durchgeführt hatte. Deutsch-Tschechisches Gesprächsforum und DeutschTschechischer Zukunftsfonds hatten die Erhebung initiiert.

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ch schätze das sehr, was ihr da macht“, meinte Verlegerin Heike Birke vom Balaena-Verlag in Landsberg am Lech kurz vor Beginn des Vortrags. „Wir sind europäisch unterwegs“, stellte aus der Schweiz Moderator Rainer Karlitschek fest. In der Tschechischen Republik wurden vom 3. bis 12. September 1039 Personen über 16 Jahre mit Papierfragebögen und computerunterstützt befragt. In Deutschland waren es vom 18. August bis zum 10. September 1095 Menschen über 16 Jahre mittels Papierfragebögen. Das Verhältnis der beiden Länder wird in beiden Ländern mehrheitlich als „sehr gut“ oder „eher gut“ angesehen. Bei den Tschechen schlagen die positiven Werte mit 85 versus 47 Prozent höher aus. Bei den Deutschen – auch seit 2016 – ist ein hoher Unentschieden-Anteil mit 43 gegenüber fünf Prozent bei den Tschechen festzustellen. Befragt nach historischen Aspekten, wurde Folgendes deutlich. In beiden Ländern sank der Anteil derer, die die heutigen Beziehungen für vergangenheitsbelastet halten. Für Tschechen ist die Vergangenheit etwas wichtiger als für Deutsche. In beiden Ländern – bei den Tschechen in allen Altersgruppen mehr – wächst die Bedeu-

tung der Vergangenheit mit zu- EU als notwendiger Zusammennehmendem Alter. Aber auch im schluß beurteilt, um sich gegen Blick auf die Gegenwart ergaben Großmächte wie USA und Chisich – geringfügige – Unter- na zu behaupten. Für Tschechen schiede. Tschechen interessieren verdient die große Wirtschaftssich etwas häufiger als Deutsche kraft der EU Anerkennung. „Das für das Geschehen im Nachbar- Bild der EU ist in beiden Ländern land. In beiden Ländern ist das blasser geworden“, kommentierInteresse jedoch seit 2016 leicht te de Sombre diese Ergebnisse. gesunken. Ein Gradmesser dafür Dies unterstreicht auch die Einsind auch Besuche im jeweiligen schätzung des Zusammenhalts in der EU. Dieser wird, so die interNachbarland. Der Anteil derer, die das Nach- pretierten Ergebnisse, in beiden barland schon besucht haben, ist Ländern als weniger groß wahrin der Tschechischen Republik genommen, wobei dieser Mandeutlich höher (mehrmals: 56 gel an Solidarität in Deutschversus 25 Prozent; noch nie: 26 land viel stärker als in der Tscheversus 53 Prozent). Dabei spiel- chischen Republik mit 48 versus ten hier natürlich Grenzregio- zehn Prozent empfunden wird. Die letzten Aspeknen oder die benachte gehörten aktuelbarten Bundesländer len Fragen wie Corosowie die historisch na und der Zukunft. gefühlte Nähe in der Besonders aus Sicht ehemaligen „DDR“, der deutschen Bevölso der Referent, eikerung war die EU in ne Rolle. Die geder Corona-Pandegenseitige Wahrmie eher hinderlich. nehmung läßt sich Die Grenzschliewie folgt beschreißungen beurteilben: Tschechen nehten die Tschechen men Deutschland am zu 66 Prozent posihäufigsten als motiv, die Deutschland dernes Land mit ho- Steffen de Sombre zu 49 Prozent. Dagehem Lebensstandard und relativ großem Einfluß wahr. gen waren auf tschechischer SeiDeutsche betrachten die Tsche- te 19, auf deutscher 32 Prozent. chische Republik am häufigsten Fast identisch waren die Werte in als attraktives und gastfreundli- den Grenzregionen. ches Reiseland. In beiden Ländern überwiegt Der zweite Themenschwer- die Erwartung einer Renationalipunkt widmete sich Europa und sierung, das heißt verstärkt eine der Europäischen Union. Fast eigene nationale Politik zu etadrei Viertel der deutschen Be- blieren: in Deutschland 44 Profragten sprachen sich für eine EU- zent, in der Tschechischen ReMitgliedschaft ihres Landes aus, publik 62 Prozent. Eine Verlagewährend 53 Prozent der Tsche- rung auf die EU-Ebene können chen heute gegen einen EU-Bei- sich in Deutschland 22 und in der tritt votieren würden. Die Bilanz Tschechischen Republik 24 Proder EU-Mitgliedschaft (Vor- und zent vorstellen. Zu berücksichtiNachteile) fällt in der Tschechi- gen ist hier aber der Unentschieschen Republik etwas schlechter den-Anteil von 34 Prozent bei aus als in Deutschland. den Deutschen und 14 Prozent Als Hauptkritik wird in bei den Tschechen. Deutschland die zu starke BüWelche Politikinhalte künftig rokratie gesehen, in Tschechi- wo angesiedelt sein sollten, wuren die zu große Regelungswut de ebenfalls deutlich. Die Auund daß sich die EU zu sehr in ßen- und Sicherheitspolitik solldie Angelegenheiten der Mit- te übereinstimmend europäisch gliedsländer einmische. Als po- geregelt werden, ebenso die Absitiv wird auf deutscher Seite die schlüsse an Schulen und Univer-

sitäten. Die größte Kluft zeigt sich im Bereich Zuwanderung beziehungsweise Zuzug von Ausländern. Die Deutschen wollen dies zu 64 Prozent europäisch geregelt haben, die Tschechen nur zu 26 Prozent – also eher national. Der Blick auf die Zukunft der EU ist in beiden Ländern – im Gegensatz zu 2016 – nicht mehr ganz so pessimistisch, bewegt sich aber beiderseits in wenig erfreulichen Zuordnungen. „Eher mit Hoffnungen“ sehen die Deutschen zu 32 und die Tschechen zu 33 Prozent die EU in der Zukunft. Bei „eher mit Befürchtungen“ sind es 40 Prozent Deutsche und 59 Prozent Tschechen. Relativiert wird dies durch positivere Daten auf beiden Seiten hinsichtlich der Frage nach den Perspektiven der jungen Generation durch die EU-Mitgliedschaft. An „bessere Chancen“ glauben 52 Prozent der Deutschen und 44 Prozent der Tschechen. Ergänzend zu diesen Daten merkte Steffen de Sombre an, daß das deutsch-tschechische Verhältnis positiver als die EU beurteilt werde, und die deutschtschechische Beziehung zudem noch positiver, je stärker oder mehr man Personen kenne. Die Nähe zu den östlichen Bundesländern und zu Bayern spiele dabei eine Rolle. Matthias Dörr, Bundesgeschäftsführer der AckermannGemeinde, wollte wissen, wie weit Grenzregionen gefaßt würden und wie Kontakte entstünden. De Sombre nannte die Regierungsbezirke direkt an der Grenze sowie auf tschechischer Seite vor allem Freundeskreise oder auf deutscher Seite besonders die Arbeit als Grundlagen für Bekanntschaften. Michael Pfister wies auf das pro-europäische Ergebnis der jüngsten Parlamentswahl hin. Günther Michalka interessierte, ob Daten von Vertriebenen oder deren Aktivitäten aus den Untersuchungsergebnissen herauslesbar seien. Das sei unmöglich, schloß de Sombre. Markus Bauer

Bild aus Wolfram Finferas Neutitschein-CD.

Heimatlandschaft Kuhländchen

Tänze stiften Identität rationen die Schritte, den Takt und das Zusammenwirken der Paare selbständig erlernen. Die neue deutsch-tschechische Bilddokumentation „Erinnerung an meine verlorene Heimatstadt Neutitschein“ über die Kulturstadt Neutitschein von Wolfram Finfera richtet sich ebenfalls gegen das Vergessen. Auf einer CD ereits 2003 verabschiede- sind Texte, Fotos, Pläne und te die UNESCO ein Über- Tabellen auf 530 Seiten im einkommen zur Erhaltung des PDF-Format abgespeichert. Immateriellen Kulturerbes. Der größte Teil ist die systeSeit 2013 gibt es auch ein ei- matische Beschreibung der genes Bayerisches Landes- Gassen, Straßen und Plätze verzeichnis des Immateriel- von Neutitschein. Mit Stadtlen Kulturerbes, dessen Be- plänen kann man die frühewertungskriterien denen der ren und heutigen Fotos detailUNESCO entsprichen. Be- liert zuordnen. Die in die Bilkanntlich wurden die Kuh- der eingetragenen Ziffern und ländler Tänze schon 2019 un- Straßennamen ermöglichen ter dem Motto „Vermittlung einen genauen Bezug zu Neuhistorischer Tanzkultur und titschein vor 1945 und den datransnationaler Zusammenar- nach durch Abriß oder Neubeit“ im Rahmen der dritten bau erfolgten VeränderunBewerbungsrunde als „Gutes gen. Viele Fotos vom Turm der Praxisbeispiel“ in das Bayeri- Stadtkirche aus, denen ebensche Landesverzeichnis des falls Straßenpläne zugeordnet Immateriellen sind, veranschauKulturerbes auflichen die vorangenommen. gestellten StadtUm ein noch beschreibungen. längeres Warten Ein besonderer wegen Corona zu geschichtlicher vermeiden, verLeckerbissen sind schickte das Baydie Schilderungen erische Heimataller Häuser, ihrer ministerium im Besitzer und deSeptember die Urren Lebensläufe in kunden mit der der NeutitscheiBroschüre „Immaner Mühlgasse. terielles KulturEine Tabelle mit erbe in Bayern – Kulturerbe-Urkunde den historischen UNESCO-ÜberVeränderungen einkommen zur Erhaltung des der Straßenbezeichnungen Immateriellen Kulturerbes“. von 1922 bis heute, ein PersoDarin werden auch die Kuh- nenverzeichnis der Stadt von ländler Tänze beschrieben. 1903 sowie eine Tabelle mit Die transnationale Zusam- den Flüchtlings-Transporten menarbeit mit der Volkstanz- von 1946 ergänzen die Dokugruppe Javorník aus Neutit- mentation. schein führte dazu, daß dort Vieles, was heute nicht mehr 2020 und heuer zwei von existiert, ist akribisch festgeder Sudetendeutschen Hei- halten. Das macht die Bilddomatpflege und dem Bayeri- kumentation so ausgezeichschen Sozialministerium ge- net, einzigartig und wertvoll. förderte Filmdokumentatio- Sie verdeutlicht aber auch, wie nen der Kuhländler Tänze mit sich Neutitschein in mehr als der Volkstanzgruppe Javor- 100 Jahren veränderte. ník und der Trachtentänzerin Statt eines Printmediums Christl Rösch von der Heimat- wurde das digitale Medium gruppe Kuhländchen – Mün- CD gewählt. So kann man mit chen gemacht wurden. So er- den Fotos dynamisch umgeschienen unter der Federfüh- hen, wichtige aktuelle Veränrung von Eva Hanzelková 21 derungen schnell einarbeiten der 30 schönsten alten Paar- und damit aktualisieren. und Dreiertänze aus dem KuhDiese umfassende, systeländchen, die Fritz Kubiena matisch aufgebaute Dokuum 1900 gesammelt und auf- mentation ist eine wichtige higezeichnet hatte, auf den zwei storische Bezugsquelle für unDVDs „Fast vergessene Tän- sere Nachkommen, aber auch ze – Kuhländler Tänze I und für heute in Neutitschein leII“ in deutscher und tschechi- bende Bewohner, für Archive, scher Sprache. Museen und ForschungseinDie Finanzierung für die richtungen. Ulf Broßmann Dokumentation der restlichen neun Tänze ist gesichert, Die DVDs über die Kuhländso daß die DVD III 2022 er- ler Tänze sowie die CD über scheinen kann. Damit ent- Neutitschein, alles besonders standen und entstehen nach- heimatliche Geschenke, könhaltige tschechisch-deutsche nen über die Heimatgruppe Dokumentationen über die Kuhländchen – München beKuhländler Tänze gegen das zogen werden. Die Kosten mit Vergessen des Kulturerbes im Porto betragen pro DatenträSinne von Fritz Kubiena. Zu- ger 8 Euro. Bestellungen an dem können künftige Gene- ub.brossmann@web.de

Die Kuhländler Tänze sind ein lebendiger Ausdruck unserer Kultur und zählen zum Immateriellen Kulturerbe. Nach der Vertreibung stifteten sie für unsere über ganz Europa verstreuten Landsleute Identität und einigten sie. Deshalb dürfen sie nicht in Vergessenheit geraten.

B


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 51+52 | 24. 12. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Graupen

Niklasberg

�  Teplitz-Schönau – Weihnachten in deutscher Zeit

Das Christkindl im Birnbaum Wieder ist ein Jahr vergangen, und das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Rückblickend denken viele Ältere an ihre Jugend zurück, als man das Fest von Christi Geburt weniger mit Geschenken, als vielmehr mit Vorfreude begann. Das Christfest im Norden Böhmens hatte seine eigenen Traditionen, worüber die Zeitzeugin Hana Truncová/John zu berichten weiß.

D

Sie kam 1924 als Kind einer deutsch-böhmischen, katholischen Handwerkerfamilie in Teplitz-Schönau zur Welt und war Zeugin der dramatischen Ereignisse im böhmischen Grenzgebiet in den 1930er und 1940er Jahren. 1951 kam sie als Gegnerin des kommunistischen Regimes für neun Jahre ins Gefängnis. Truncová ist trotz ihrer ehrwürdigen 97 Jahre aktives Mit-

glied der Redaktion der 2015 erneuerten „ErzgebirgsZeitung“. In dieser historischen Redaktion hatte sie bis 1943 unter Leitung des legendären Chefredakteurs Gustav Müller in Teplitz-Schönau gelernt. Hana Truncová/John, seit 2019 Ehrenbürgerin der Stadt Teplitz-Schönau, schrieb 2020 folgende Erinnerungen an das Weihnachtsfest ihrer Kindertage nieder.

en Begriff „Zeit“ kannte ich noch Tage und Wochen vergingen – das Christkindl sei. Zu Mittag gab es immer nicht. Ich wußte nichts von einem Christkindl ließ lange auf sich warten. Mohnbuchteln und geriebenen mit HoKalender, lauschte den Märchen, Er- Doch dann begannen wir an den Fin- nig und Butter beträufelten Lebkuchen. zählungen, ließ meine Fantasie spielen, gern abzuzählen, wann der heißersehnte Die Portionen wurden mit dem Löfhatte Puppen verschiedener Größen – Heiligabend kommt – aber was ist Hei- fel zerteilt. Am großen Speisetisch saaber auch ein Kind beginnt die Jahres- ligabend? Nun, es ist doch jener Abend, ßen mit uns drei unserer besten Freunzeiten wahrzunehmen. Und wenn man an dem das Jesuskind der Heiligen Fa- dinnen, manchmal waren es auch mehr. über das geheimnisvolle Christkindl sprach, war alles mit Winter und Schnee verbunden. Wiederholt sah ich und erinnerte mich an den Weihnachtsbaum. Die alljährliche Tradition fand ihren Platz im kindlichen Gedächtnis. Wenn uns die Nachbarin aus dem Haus nebenan besuchte, ahnte unsere Mutti, daß es viel zu erzählen gab. Sie nahm mich auf den Arm, und wir sahen aus dem Küchenfenster über den gepflasterten Hof, rechts die Werkstatt, links der hohe Lagerplatz für Holz, und das Tor zum Garten. Ein paar Schritte, da stand sie und wuchs, die gute alte Birne. Im Unterschied zu den anderen Obstbäumen hatte sie schwache Äste, auf die sich die Jungs nicht hinaufzuklettern trauten. Aber gerade dort schlafe das Christkindl. Die Nachbarin stand bei uns und erzählte – ich glaubte ihr, daß sie das Christkindl seit langem kenne. Sie verriet mir, daß das Christkindl jeden Abend auf einen Ast dieses Baumes klettere, der noch dazu im Winter ohne Blätter sei, und sich zusammenkauere, denn es sei ihm kalt, aber es habe viel Arbeit. Und es wolle frühzeitig auf den Beinen sein, denn in der Vorweihnachtszeit, wie man die Tage im Advent nenne, habe das Christkindl viel zu tun. Das Christkindl verpacke Geschenke, stricke und häkele, sticke, zeichne und mache Spielsachen aus Holz. Zudem bringe es Püppchen, Bärchen, Bälle und Schlittschuhe, Skier und Schlitten, bunte Bücher mit Märchen, Malhefte, Pastellstifte und Farben mit Pinseln. Und es lese die Wün- Die Weihnachtskrippe der Kirche Sankt Apollinaris in Modlan. sche aller Kinder. Schließlich hätten sie dem Christkindl ihre frankier- milie geboren wurde. An diesem Abend Das gehörte zu unserer Weihnachtstraten Briefe mit der echten Post geschickt, werden überall die Weihnachtsbäume dition. Die Buchteln hatten die beiden hätten dem Christkindl ihren Namen entzündet. In meiner Kindheit war es ei- Großmamas der Johns in unsere Famigeschrieben, falls sie schon hätten lesen ne Tanne oder Fichte. Darunter war ein lie gebracht. und schreiben können. Die kleinen Kin- hölzerner Ständer, in den der Baum in Die abendliche Festtafel – bei uns der, die noch in den Kindergarten ge- ein Gefäß mit Wasser gestellt wurde, als am Fuß der Berge in Teplitz-Schönau – hen würden, hätten dem Christkindl ih- sei er an dieser Stelle gewachsen. bot panierten Karpfen und Kartoffelsare Wünsche – mit Blick in den tiefblauIch erinnere mich noch an echte lat. Oben im Erzgebirge waren es einen Himmel – vorgesungen. Wachskerzen. Die Eltern gaben acht, gelegte Salzheringe aus den Fässern der Ich lauschte unserer Nachbarin, hat- daß durch die Kerzen nicht der ganze Kolonialläden – damals die billigsten te viele Fragen. Sie kannte schließlich Baum in Brand geriet. Mit der Zeit hat- Fische. Dort saßen die Familien allein, das Christkindl und konnte mir alles er- ten wir dann elektrische Kerzen, die mit jede bei sich zu Hause. Nur ausnahmsklären. Ich glaubte fest daran, daß das einer einzigen Elektroschnur verbunden weise gab es Besuch. Ein Platz am Tisch Christkindl auch zu uns kommt. Spä- waren. Bunte Lämpchen hatten die Form in den Berghütten war stets für einen zuter bekam ich ein Schwesterchen. Ich von Kerzen. fällig ankommenden Gast gedeckt. erzählte ihm viel vom Christkindl, vom Das Bäumchen hatte oben einen wunVor dem Essen stand die ganze FaWeihnachtsbaum, vom wunderschönen derschönen Bethlehem-Stern, der Weih- milie auf, und alle bekreuzigten sich, Glasschmuck und vom Marzipan, das nachtsschmuck hing an kleinen Drähten, laut oder leise betend. Auf dem Tisch wir von dem Baum essen durften. dazu war der Baum noch mit Engelswat- war auch trockenes Brot, ein häufiger In Nordböhmen gehörten Advents- te wie Wölkchen und mit glänzendem Brauch. Das Brot wurde meist zu Hause kränze zur Tradition. Jedes Jahr habe ich Lametta geschmückt – das war das En- gebacken. Regionale, traditionelle Bräueinen Adventskranz allein aus frischen gelshaar. Unser Vater entzündete unter- che waren Hülsenfrüchte als VorspeiTannen- oder Fichtenzweigen gefloch- dessen die Wunderkerzen, dabei hielt se, Geld unter jedem Teller, Pantoffelten, schmückte ihn und befestigte vier er das brennende Streichholz unter die werfen, wohin die Spitze zeigte. Ob man Kerzen, die nach und nach sonntags an- Wunderkerze und kleine Sternchen flo- ausging oder zu Hause blieb, es gab ein gezündet wurden. Unser Vati hatte mir gen herum. gemeinsames Zuprosten. Man gab sich dazu auf dem Tisch einen kleinen StänAber bevor wir uns am Weihnachts- die Hand, und die Familie wünschte sich der aus Holz gefräst. Der Kranz hing an baum erfreuen konnten, war für uns gegenseitig gesegnete Feiertage. bunten Schleifen ein kleines Stück über den ganzen Heiligabend ein bestimmJe nach Größe der Wohnung war der dem Tisch. tes Zimmer verschlossen, weil dort das Weihnachtsbaum dort, wo auch noch

Platz für Geschenke war. Falls es Musikanten in der Familie gab, spielte man Weihnachtslieder und sang dazu. Der Tisch wurde abgeräumt, der Heiligabend wurde vorbereitet. Jeder beschenkte jeden, meist mit einer eigenen Handarbeit. Wir dankten dem Christkindl und verbrachten gemeinsam den langen Abend im Kreis der Familie. Die Heilige Mitternachtsmesse mit festlicher Musik des Chores, mit Gesang, Solisten und der Predigt des Pfarrers, fand je nach Entfernung der Kirche statt. Zu Bett ging ich dann oft mit einem Geschenk im Arm, einem Püppchen oder Buch. Das Christkindl erfüllte mir meist meine Wünsche. Mit der Zeit erkannte ich in jedem Geschenk unsere Mutti, unseren Vati, die Tanten, Onkel, Großeltern. Dieses Geheimnis habe ich lange vor meiner Schwester bewahrt, bis sie selbst überall das anwesende Christkindl entdeckte. Weihnachten und Heiligabend kann überall auf der Welt auch ohne geschmückten Weihnachtsbaum, ohne großes Festmahl, ohne Geschenke gefeiert werden. Weihnachten, an dem das Jesuskind der Heiligen Familie geboren wurde, hat seine Wurzeln in der Bibel. In meiner Kinderzeit gab es in Mitteleuropa in den Schulklassen nur wenige Ungläubige und Atheisten. Alle Schüler besuchten die Religionsstunden. Ich finde, diese christlichen Feiertage sollten wir fest im Herzen tragen. Die Nachkriegskinder erinnern sich wiederum an Zeiten, in denen man zu Hause nur flüsternd über das Christkindl sprach. In der Schule und in den Schaufenstern war irgendein „Väterchen Frost“ zu sehen, umgeben von Geschenken zum Verteilen. Keiner von uns kannte diese Figur. Sie kam aus dem fernen Osten und war in unseren Erzählungen und Märchen nicht zu finden. In diesen Zeiten hatte das Christkindl es schwer, zu überleben. Und auch die Eltern hatten es mit der Erziehung schwer. Jedes Volk hat seine Traditionen und gibt sie in den Familien weiter, denn sie gehören zu unserem Leben. Märchen werden durch Erzählen, Lesen und Vorlesen weitergegeben. Zu Prinzessinnen und Königen gehört aber unbedingt das Christkindl – nur am Ende jedes Jahres, liebenswert und mildtätig. Man singt Weihnachtslieder über das Christkindl. Ich sehe es immer noch auf dem Birnbaum sitzen, am Rande unseres Gartens. Und es wird erzählt, daß es dort übernachte. Viele Jahre durfte man in den Familien über das Christkindl nur flüstern. Die neuen Weihnachtslieder kannte niemand. Aber die alten Schallplatten verloren nie ihren Glanz. Das Christkindl wurde in aller Stille gehätschelt, auch wenn man über sonderbare, bärtige Männer sprach, ausgestellt, angemalt, ohne Flügel. Bis schließlich eines Tages die ganze Familie zu singen beginnt. Und auf dem Baum strahlt der Stern von Bethlehem – frohes Fest!

Stolperstein: „Helene Birnbaum, geboren 11. 11. 1860, Deportation nach Theresienstadt, gestorben 1942 in Theresienstadt“.

�  Teil II und Ende

Stolpersteine N

un begaben sich die Anwesenden in die heutige Bahnhofsstraße, ehemals Mariengasse. Diese Straße war kurz nach dem politischen Umschwung 1989 eine graue, häßliche und verwohnte Gegend mitten im Stadtzentrum, die nun im Laufe der Jahre in neuer Schönheit erblühte. Die reichen Bürgerhäuser sind sensibel renoviert. Und zahlreiche Geschäfte, ärztliche Ordinationen, Optiker, Apotheker, aber auch eine bekannte Konditorei erfüllen die Straße mit neuem Leben. Dort in der Nummer 925/11 lebte Helene Birnbaum. Die Familie Birnbaum gehörte zu den wohlhabendsten Bürgern der Stadt und führte die bekannte Gummiwarenfabrik. Einer der Söhne, Robert Birnbaum, wirkte aktiv auf dem Gebiet der Industrie. Seine Kenntnisse brachten ihm den Titel des Kommerzienrats ein. Ihm gehörte das bekannte gotische Haus Morawe auf dem Schloßplatz. Und als erfolgreicher Geschäftsmann fuhr er einen sogenannten Vierspänner, was von Ansehen und Reichtum zeugte. Als er 1903 starb, mußten allerdings die Erben feststellen, daß viele Schulden zum Nachlaß gehörten. Seine Witwe Helene, eine 1860 geborene Fleck, zog in eine kleine Wohnung in der Mariengasse. Auch sie wurde nach Theresienstadt deportiert und starb dort im Jahr 1942. Die Anwesenden ehrten ebenfalls ihr Andenken. In Teplitz-Schönau gibt es bereits mehr als ein Dutzend Stolpersteine. Gleich nach Prag hatte man in TeplitzSchönau – die Stadt hatte einst die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Böhmen – begonnen, die Gedenksteine für die jüdischen Bewohner zu legen. Anfangs waren es noch Gedenksteine des Gründers dieser Bewegung, des deutschen Künstlers Gunter Demnig. Später übernahmen tschechische Künstler die Herstellung der Messingtafeln. Während es zunächst kleine, quadratische Steine waren, die in die Gehwege eingelassen wurden, sind es nun längliche, rechteckige Tafeln. Diese sind leserlicher und passen sich dem Verbundpflaster Ondřej Pisch der Gehwege an. Vor allem der Teplitzer Künstler Ondřej Pisch widmet sich dieser Aufgabe für die Jüdische Gemeinde Teplitz. Er nimmt auch an allen Einweihungen teil. Die oft größere Anzahl an Teilnehmern an dieser Zeremonie zeugt von dem Interesse, welches diese Problematik erweckt. In einer Zeit des wieder aufkommenden Antisemitismus ist dies von besonderer Bedeutung. „Nie wieder!“, ist ein Aufruf, der hoffentlich nicht umsonst auf der ganzen Welt erklingt. Jutta Benešová


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 51+52 | 24. 12. 2021

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

11 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Vergelt‘s Gott für die Spenden H

Kreisrat Michael Doblinger, Jürgen Mistol MdL, Stadtrat Sebastian Karl und Bürgermeister Markus Ackermann im Grafenrieder Pavillon vor einem Modell des ehemaligen Dorfes.

Grafenried

Mistol spendiert Diät kung und eine offene Kapelle auf dem Friedhof. Inzwischen entstanden sind zudem künstlerische Arbeiten von Studenten der Landschaftsarchitektur der Hochschulen ČZU Prag und Weihenstephan-Triesdorf, die im Rahmen eines Land-Art-Work-Shops geschaffen wurden. Markus Ackermann hieß den Landtagsabgeordneten, der sich in Begleitung von Michaela Kosařová, einer Mitarbeiterin im Landtagsbüro, sowie von Kreisrat Michael Doblinger und Stadtrat Sebastian Karl befand, in Grafenried herzlich willkommen. Danach informierte er über die Ausgrabungen und erwähnte, daß bei diesem Projekt das Aktionsbündnis Čerchov plus auf der bayerischen und der Gemeindeverbund Domažlicko auf der böhmischen Seite eine hervorragende Zusammenarbeit verbinde. Dabei seien auch Freundschaften entstanden. Das Stadtoberhaupt erzählte, daß es sich hier um die größte Ausgrabungsstätte entlang der bayerisch-tschechischen Grenze handele, die auch Symbolwert habe. Aus einem Ort des Schreckens sei ein Ort der Begegnung geworden. Hier werde signalisiert, daß so etwas nicht mehr passieren dürfe. Durch Grafenried führten auch Wanderwege und der IronCurtain-Trail für Radfahrer. Außerdem sei die Ausgrabungsstätte zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Weiterführende Informationen über

rem auch noch auf das Landmarken-Projekt mit den Aussichtstürmen mit jährlichen Beleuchtungs-Aktionen sowie das Nordic-Aktiv-Zentrum Oberer Bayerischer Wald/Böhmischer Wald. All das seien Produkte der grenzüberschreitenden Kooperation. Die Pflegemaßnahmen und der Unterhalt für das Projekt bedürften großer Anann kommt schon einmal ein Mitstrengungen, so Ackermann, denn wenn glied des Bayerischen Landtags nichts gemacht werde, wachse schnell nach Grafenried mit 2544 Euro im Gewieder alles zu. Auch bei der Pflege der päck, um damit ein grenzüberschreiGrünanlage sei Beständigkeit notwentendes Projekt zu unterstützen?. Wadig. Deshalb sei man dem Landtagsabrum diese ungerade Summe? Die Landgeordneten Jürgen Mistol sehr dankbar tags-Grünen hatten den Verzicht auf für diese Spende, die eine große Hilfe eine Diätenerhöhung beschlossen, und darstelle. „Das ehrt uns, daß Sie uns mit jeder Abgeordnete konnte nun selbst der Spende bedacht haben“, sagte Akauswählen, wem er diese Spende zugukermann. Mittlerweile gebe es auch eite kommen läßt. In diesem Fall profitiene Vereinbarung zwischen den Partnern ren von dieser großzügigen Spende die zur gemeinsamen Pflege des Projektes. künftigen Pflege- und WartungsarbeiDie Spende sei aber ein guter Beitrag, ten in Grafenried, damit die Ausgrabunum die Kosten für die Pflege durch die gen nicht bald wieder von Unkraut und Beteiligten zu minimieren. Gestrüpp überwuchert werden, sondern Jürgen Mistol bekannte, daß er auch eine würdige Begegnungsstätte von viel in Sachen Tschechische Republik Tschechen und Deutschen bleiben. Zuunterwegs sei. Er verwies auf die einvor hatte Mistol Karl Reitmeier kontakgangs erwähnten Wanderungen. In tiert und ihn um Vorschläge zur Unterdiesem Jahr habe es eine Grenz-Theastützung eines grenzüberschreitenden ter-Wanderung von der Silberhütte Projektes gebeten. Und Reitmeier mußaus gegeben. Der Landtagsabgeordnete nicht lange nachdenken, um das einte nannte es wichtig, daß es solche Ormalige Projekt an der bayerisch-tschete wie Grafenried gebe. Er berichtete chischen Grenze zu nennen. vom Besuch der Dauerausstellung „Naši Jürgen Mistol ist die Region nicht unNěmci. Unsere Deutschen“ in Aussig. bekannt. 2014 bestieg er unter der FühSolche Ausstellungen seien vor 15 Jahrung von Karl Reitmeier mit bayren noch nicht möglich gewesen. erischen und tschechischen ParMistol plädierte für regelmäßige teifreunden den Schwarzkopf/ Treffen auf Regierungs- und ParČerchov. Als Koordinator der Zulamentsebene nach dem Vorbild sammenarbeit zwischen dem Bayder Internationalen Parlamentarierischen Landtag und der Abgeschen Bodenseekonferenz. Nicht ordnetenkammer des Tschechiunerwähnt ließ er ein Antragsschen Parlaments hatte er 2019 paket der Grünen zur bayerischunter dem Motto „Natur schüttschechischen Zusammenarbeit. zen, Geschichte entdecken: NaDabei gehe es darum, die vielfälturschutz und Erinnerungskultige, Jahrhunderte alte Beziehung tur als Impulsgeber und Chance zwischen Bayern und Tschechen für die Grenzregion Oberpfalz– zu verbessern. Notwendig sei aber Böhmen“ in Zusammenarbeit auch, neue Impulse zu setzen und mit dem Centrum Bavaria Bohefrische Ideen für die Zukunft zu mia in Schönsee zu einer rund entwickeln. 14 Kilometer langen Wanderung Vom ehemaligen Brauereigevom Perlsee nach Grafenried/ bäude wurde ein Spaziergang zu Lučina und Seeg/Pila sowie von den Überresten des alten Schlosdort zurück zum Perlsee eingela- Markus Ackermann und Jürgen Mistol vor der Ruine der ses, der Kirche Sankt Georg, zum den. Mit dem Direktor des Land- einstigen Kirche. Pfarrhof und schließlich noch zum schaftsschutzgebietes Český Les Friedhof unternommen. Unter(CHKO), Tomáš Peckert, und dem Hi- die bayerisch-böhmische Grenzge- wegs gab Ackermann vielfältige Inforstoriker Zdeněk Procházka hatte er für schichte böten auch noch das Grenz- mationen und wartete auch mit persönlidiese Tour damals kompetente Fachleu- land- und Trenckmuseum in Waldmün- chen Eindrücken auf, die er im Laufe der te gewinnen können. chen, das Landestormuseum in Furth Jahre in Grafenried erlebt hatte und die Von dieser Wanderung hatte er auch im Wald sowie das Haus des Böhmi- manchmal auch für eine ganz besondere noch Grafenried in guter Erinnerung, schen Waldes in Klentsch/Klenčí pod Stimmung bei ihm gesorgt hatten. und so war er doch sehr überrascht, was Čerchovem. Auf diese Einrichtungen Eines war Jürgen Mistol schnell klar sich dort in der Zwischenzeit alles getan würden neben einem Modell des einsti- geworden: „Meine Spende ist hier behatte. Dazu gehören weitere Ausgrabun- gen Ortes Grafenried entsprechende Ta- stens angelegt.“ Grafenried ist auch zu gen, ein schützendes Info-Pavillon über feln verweisen. Das alles ziehe sich wie einem guten Beispiel für ein vereintes der Ruine des ehemaligen Brauereige- ein roter Faden durch die Region. Europa geworden, das eine finanzielle bäudes, ein Lehrpfad zur BesucherlenHinweise gab Ackermann unter ande- Unterstützung verdient.

Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann hatte sich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aktionsbündnisses Čerchov plus ganz viel Zeit genommen, um den Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol von Bündnis 90/ Die Grünen durch die Ausgrabungsstätte in Grafenried/Lučina zu führen.

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inter uns liegt wieder ein bewegtes Jahr. Die Pandemie will nicht enden und stellt uns erneut vor Herausforderungen, den Alltag so gut wie gewohnt zu meistern. Folgende Spenden gingen über das Jahr 2021 beim Hostauer Förderverein ein: 100 Euro: Maria Maidl, Sinzheim; Wolfgang Stippler, Nördlingen. 50 Euro: Michael Brunnthaler, Aßling; Edgar Dietrich, Bruchmühlbach; Reinhard Köstner, Penzberg; Udo Lang; Heinz Leuker, Heidenheim; Karl Meidl, Linz; Manfred Muck, Lauda; Oswald Rothmeier, Haunsheim; Marianne Saufler, Gundelfingen; Markus Schreiner, Regensburg; Wolfgang Schreiner, Bachhagel; Hermine Wiehler, Lauingen. 40 Euro: Bernhard Kalupke, Herbrechtingen. 30 Euro: Hildegard Hummel, Lauf; Martha Knapp, Viernheim; Ursula Renn, Furth. 25 Euro: Martin Brix, Sinzing; Herta Stanzl, Waiblingen; Walter Stiemer, Gemmingen. 20 Euro: Emmi Bauer, Höchberg; Peter Gaag, Stuttgart; Maria Hegele, Reistingen; Dr. Waldemar Nowey, Mering; Peter Ochsenmeier, Furth im

Wald; Ute Steinbach, Freiburg; Dr. Lothar Steinbock, Linkenheim; Waltraud Werner, Freising. 15 Euro: Johanna Fabian, Merching. 10 Euro: Friedrich Weigand, Wertheim. Allen Spendern ein herzliches Vergelt‘s Gott für ihre wertvolle Beiträge zur Finanzierung der Hostauer Heimatarbeit. Bitte unterstützen Sie uns auch zukünftig. Das Finanzamt Nördlingen hat unseren Förderverein im Sinn der §§ 51 ff. AO als unmittelbar steuerbegünstigt gemeinnützig anerkannt. Die Finanzämter akzeptieren bis zu einem Betrag von 100 Euro den Einzahlungsbeleg als Spendenquittung. Als Verwendungszweck muß aber Spende eingetragen sein. Für höhere Geldbeträge können Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Spendenkonto: Förderverein Heimatstadt Hostau e. V., Postbank München – IBAN: DE47 7001 0080 0041 1288 01, BIC: PBNKDEFF. Gesegnete Weihnachten, alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes Segen für 2022. Stefan Stippler Ortsbetreuer

Schwarzkopf

Bus fährt länger

Markus Ackermann, Sandro Bauer, Aleš Petrovský von Arriva Bus, Libor Pizka, Vorsitzender des Gemeindeverbunds Domažlicko/Taus, Josef Krepl und Karel Sedlak von Arriva Bus, Martin Fencl vom Pilsener Verkehrsverbund; Zuzana Langpaulovà vom Gemeindeverbund Taus, Stanislav Antoš, Zweiter Bürgermeister von Taus, Thomas Ederer von den Kreiswerken Cham und Klentschs Bürgermeister Jan Bozděch. Die touristisch gut genutzte Buslinie zum Schwarzkopf/Čerchov wird ab der kommenden Saison um den Monat Oktober verlängert.

D

er Schwarzkopf-Bus wird auf deutscher Seite vom Landkreis Cham und den Städten Furth im Wald und Waldmünchen sowie auf tschechischer Seite vom Gemeindeverbund Domažlicko/Taus getragen. Da der Vertrag mit Ablauf der Saison 2021 endet, trafen sich alle Beteiligten zu einem Gespräch über die zukünftige Entwicklung im Haus der Natur in Klentsch. Furths Bürgermeister Sandro Bauer und Waldmünchens Bürgermeister Markus Ackermann betonten, daß die

Buslinie in den elf bisherigen Betriebsjahren immer gut nachgefragt worden sei und sich zu einen festen Bestandteil des naturnahen Tourismus entwickelt habe. Das bestätigten die Tschechen, so daß letztlich eine Einigung über eine fünfjährige Folgelizenz und den entsprechenden Vertrag mit Finanzierung erfolgte. Der Betrieb wird sogar um einen Monat verlängert. Um die parallele Nutzung der Zufahrtsstraße durch Bus und Fahrradfahrer sicherer zu gestalten, soll diese entsprechend beschildert und die Haltestelle am Schwarzkopf in Stufen ausgebaut werden. Der künftige Fahrplan wird zudem bessere überregionale Anschlüsse in Furth im Wald und Taus enthalten.

BERICHTIGUNG

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n den Beitrag „Segensreiche Weihnachten und ein glückliches und erfülltes neues Jahr“ vom Heimatkreis Bischofteinitz mit Informationen über die Verbandsorganisation ( HR 50/2021) schlich sich bedauerlicherweise der Fehlerteufel ein und einige Neuigkeiten fielen unter den Tisch. Nach der Kommunalwahl im März 2020 wurde Heinz Winklmüller in den Stadtrat und dort in der Nachfolge von Max Schmatz zum neuen Kulturreferenten gewählt: Rathaus, Burgstraße 1, 93437 Furth im Wald, Telefon (0 99 73) 50 90, Telefax 5 09 50, eMail poststelle@furth.de

Bereits 2020 starben Angela Rybka, ehemalige Ortsbetreuerin von Pössigkau und Zemschen, am 10. August Johanna Heitzer, Ortsbetreuerin von Vollmau, sowie am 2. Dezember Josef Schmid, ehemaliger Ortsbetreuer von Podraßnitz. Heuer trauern wir um Maria Schnobrich, ehemalige Ortsbetreuerin von Kscheberscham, die am 2. März starb, und Karl Gagalick, Ortsbetreuer von Sadl, der am 21. Mai starb. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Bisher konnten für Vollmau und Podraßnitz leider noch keine Nachfolger gewonnen werden. Die Redaktion


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 51+52 | 24. 12. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Die Heilige Familie in der Krippe des Weidener Künstlers Wilhelm Vierling in der Stadtpfarrkirche Hof. Liebe Landsleute aus der Stadt und dem Kreis Tachau im Egerland!

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on Herzen wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest mit vielen guten Erinnerungen an Ihre Kindheit und Ihren Geburtsort in der Heimat, aber auch an die Nachkriegszeit mit Vertreibung und Neuanfang in Deutschland. Für die Erwachsenen war das eine harte Zeit, nicht aber für die Kinder. Wir litten nicht darunter, daß wir alle nur in einem Zimmer wohnten. Wir hatten genügend zu essen. Unsere Mütter schmückten den Adventskranz mit roten Bändern und Kerzen. Einer der Onkel kam als Sankt Nikolaus und prüfte, ob wir das Vaterunser auswendig aufsagen konnten. Der Krampus warf Äpfel und Nüsse auf den Holzboden. Der Fichtenbaum war etwas

� Weihnachten, Neujahr und eine gute Zukunft

Wir müssen zusammenhalten schütter, aber das Lametta und die Silberkugeln glänzten. In der Schule durften wir Kerzen anzünden und Adventslieder singen. Für mich war diese Zeit schön und gar nicht langweilig. Dafür sorgten Eis und Schnee. Und natürlich hatten wir Wünsche an das Christkind und schrieben einen Zettel, den Vater auf das Fensterbrett legte. Am nächsten Morgen war der Brief weg, Engelchen hatten ihn geholt und eine kleine Süßigkeit hinterlassen. Und dann Weihnachten, der Lichterbaum, die schönen Lieder und die Bescherung. Die Eltern lehrten uns die schönen Weihnachtslieder, aber auch „Tief drin im Böhmerwald, Maria mit dem Jesusknaben in der Krippe: Eine seltene Darstellung von Wilhelm Vierling.

Vierling-Krippe: Engel verkünden „Ehre sei Gott in der Höhe“. da ist mein Heimatort“ und „O Du mein liebes Riesengebirge, wo die Elbe so heimlich rinnt“. Sie gehören heute noch zu unserem Lieder-Repertoire am Heiligen Abend. Und auch mein oberbayerischer Schwiegervater sang das Lied vom Böhmerwald mit, weil er es von Egerländern in den 1950er Jahren gelernt hatte. Ich bin mir sicher, daß Sie alle das auch heute noch mit Ihren Kindern singen. Bitte, geben Sie diese alten Traditionen der Heimat, aber auch der Nachkriegszeit weiter. Erzählen Sie Ihren Kindern von der damaligen Zeit, damit die Tradition in den Familien weiter-

getragen wird. Denn in den Familien leben die Erinnerungen weiter, und gerade zu Weihnachten kann man den Kindern und Enkeln von der alten Zeit, den alten Bräuchen und der Egerländer Heimat erzählen. Denn unsere Tachauer Welt soll und darf nicht untergehen. Im vergangenen Jahr konnten wir das 32. Heimatkreistreffen in unserer Patenstadt Weiden in der Oberpfalz in kleinem Rahmen feiern. Darüber berichtete ich hier in unserem Heimatboten. Ein weiterer Höhepunkt war die großartige Spende von Ludmilla Himmel, Ortsbetreuerin von Schönbrunn, für unser Museum.

So kann jetzt jede Besucherin, jeder Besucher unseres Museums den Heimatort eingeben, und sofort erscheint ein Ortsbild auf dem Bildschirm, und die Lage des Heimatorts wird angestrahlt. So entfällt das mühsame Suchen nach dem Heimatort. Seit Anfang September 1990 bin ich ehrenamtlicher Heimatkreisbetreuer und Erster Vorsitzender des Heimatkreisvereins. In beiden Ämtern wurde ich Ende August für weitere vier Jahre bestätigt. Zu Vertretern gewählt wurden Manfred Klemm und Dorith Müller. Auch jüngere Kreisratsmitglieder konnten gewonnen werden. Nun ist die Zukunft des Heimatkreises Tachau und des Tachauer Heimatvereins gesichert. Am 13. November wurde ich darüber hinaus zum Ersten Vorsitzenden des Egerer Landtags, des Heimatverbandes der Vertriebenen aus dem Stadt- und Landkreis Eger, gewählt. Der Verein stand vor der Auflösung, was

ich nicht hätte ertragen können. Ich hatte den Egerer Landtag unter seinem damaligen Vorsitzenden Professor Lorenz Schreiner kennengelernt und in den 1980er Jahren oft im Stadtarchiv Eger geforscht, um die zahlreichen Artikel für das Buch „Kunst in Eger“ schreiben zu können. So ist mir die ehemalige Reichsstadt Eger sehr ans Herz gewachsen. Wir wollen den Verein erhalten, die Bücherei und das Archiv ordnen und inventarisieren sowie das Archiv und die historische Fotosammlung digitalisieren. Packen wir an, lassen wir uns impfen, überwinden wir die vierte Corona-Welle und Omikron. Ich wünsche allen Landsleuten ein gesundes neues Jahr. Und: Halten wir weiter zusammen! Ihr Wolf-Dieter Hamperl Heimatkreisbetreuer


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Sudetendeutsche Zeitung 24. Dezember 2021 Ausgabe 51 und 52 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu