„Johnny“-Klein-Preis: Vermächtnis für eine bessere Zukunft (Seite 9)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 48 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 3. Dezember 2021 Union der Vertriebenen
Weichen für 2022 gestellt Bei einer Arbeitsklausurtagung hat der Landesvorstand der Union der Vertriebenen (UdV) unter der Leitung des langjährigen CSU-Europaabgeordneten und Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, die Weichen für das Jahr 2022 gestellt.
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ie UdV wird sich 2022 insbesondere der Themenfelder Volksgruppen und Volksgruppenrechte annehmen. Dabei sprach sich der Landesvorstand für ein internationales Verbot von Vertreibung und Zwangsassimilierung aus. Hier bedürfe es präziser Rechtsbegriffe. Um diesem Bereich mehr Gewicht und Gehör zu verschaffen, werde man ein UdV-Expertengespräch ins Leben rufen. Damit einhergehend werde man sich für eine Schärfung des außenpolitischen Profils der CSU einsetzen. Der Landesvorstand war sich einig, daß es eine gelingende bayerische und deutsche Außenpolitik nur in der Gemeinschaft von ost- und mitteleuropäischen Staaten geben kann. Insgesamt sieht die Spitze der UdV eine allgemeine und klare Verpflichtung zur Wahrung der kulturellen Vielfalt von Minderheiten. Deshalb müsse es eine klare rechtliche Verankerung traditionell ansässiger Minderheiten geben. Die UdV werde sich als politische Gliederung weiterhin für die erfolgreiche EU-Bürgerinitiative Minority Safepack einsetzen, der sie und die CSU als Partei beigetreten sind.
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Gerüchte über den nachhaltigen Kontakt zu Bernd Posselt als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
Premierminister Fiala im Fadenkreuz der Verschwörungstheoretiker
Es war die ungewöhnlichste und schnellste Ernennung eines Regierungschefs in der tschechischen Geschichte: Wegen einer akuten Coronainfektion saß der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman am Sonntag in einem Käfig aus Plexiglas, um Petr Fiala (ODS) als neuen Premierminister zu vereidigen. Die Zeremonie dauerte nur fünf Minuten. Und nach Zemans Unterschrift wurde die Ernennungsurkunde erst einmal desinfiziert.
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ie Tschechische Regierung hat damit seit Sonntag zwei Regierungschefs, denn erst nach der Vereidigung aller Minister kann Fiala die politische Führung des Landes übernehmen. Zeman kündigte an, die Einzelgespräche mit den 17 designierten Ministern bis zum 13. Dezember abzuschließen. Ob das Staatsoberhaupt einem Kandidaten die Zustimmung verweigern kann, ist in der tschechischen Politik hoch umstritten. Ein möglicher Streitpunkt könnte dabei die geplante Ernennung von Ivan Bartoš, dem Chef der Piraten, zum Außenminister werden. Mit Spannung verfolgt die tschechische Öffentlichkeit nicht nur die Regierungsbildung in Prag, sondern auch die im 350 Kilometer entfernten Berlin. Der Grund: Die gegensätzliche Energiepolitik, die sich jetzt mit der Beteiligung der Grünen an der Bundesregierung vergrößern dürfte. „Wenn wir aus der Kohle aussteigen, haben keine andere Wahl als die Atomkraft“, mahnt
Petr Fiala (links) bei der Vereidigung zum neuen Premierminister der Tschechischen Republik.
Bernd Posselt (links) und Petr Fiala (2. von links) beispielsweise Fialas Parteikollege Jan Zahradil auf Twitter und spricht dabei von einer „radikal grünen, atomkraftfeindlichen Agenda“, die dem tschechischen Energiemix grundlegend widerspreche. Der EU-Abgeordnete: „Eine grüne Politik, die die Bevölkerung finanziell belastet und
sie dadurch verarmt, ist inakzeptabel.“ Mit Frankreich habe Tschechien in der EU aber einen starken Partner für die Atomkraft an der Seite, so Zahradil, der darauf verweist, daß die beiden Länder 2022 nacheinander für jeweils sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen.
Quo vadis, Vertriebenenpolitik? Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP „bietet gute Ansätze, läßt aber entscheidende Fragen offen“, lautet das Fazit von Dr. Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen.
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Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (Mitte) mit seinen Koalitonären auf dem Weg zur Vorstellung des Koaltionsvertrages. Foto: Twitter Härtefallfonds auch für rentenrechtlich benachteiligte Spätaussiedler einführen: „Diese Gerechtigkeitslücke muß dringend geschlossen werden.“ Fabritius versichert gleichzeitig, man werde mit der neuen Führung des Bundesinnenministeriums und den anderen Ressorts „den jahrzehntelangen, gu-
ten und vertrauensvollen Dialog zur verständigungspolitischen Arbeit als Brückenbauer im Verhältnis zu unseren Nachbarstaaten fortsetzen“. Positiv sei, so Fabritius, daß einige menschenrechtliche Forderungen des BdV aufgegriffen wurden und die Bekämpfung von Fluchtursachen als ein wich-
Fotos: Twitter
Präsident Miloš Zeman ist corona-positiv.
Bund der Vertriebenen bewertet den Koalitionsvertrag der rot-grün-gelben Bundesregierung
an erwarte von der neuen Regierung, „daß der Bund der Vertriebenen und seine Mitgliedsorganisationen, aber auch die vielen weiteren Institutionen und zahllosen Ehrenamtlichen in unserem Bereich ihre wichtige Arbeit auch zukünftig fortsetzen können“, so Fabritius, der aber positiv bewertet, daß sich die Ampel-Koalition „ausdrücklich hinter das kulturelle Erbe der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler“ stellt. Kritisch sieht Fabritius, „daß deutsche Minderheiten in den Heimatgebieten im neuen Koalitionsvertrag leider nicht adressiert“ werden. Außerdem mahnt der BdVPräsident, die neue Koalition solle „den sozialpolitischen Impuls der letzten Bundesregierung“ aufnehmen und einen
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tiges politisches Ziel formuliert ist. Der BdV-Präsident: „Jeder Einsatz in diese Richtung ist für den BdV ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Rechts auf die Heimat, das wir von Beginn unserer Arbeit an fordern. Darüber hinaus bleibt ein internationales, strafbewehrtes Vertreibungsverbot nötig.“
Auch die von der neuen Bundesregierung favorisierte Stärkung der EU lehnt der ODS-Europapolitiker entschieden ab und warnt vor einer Eiszeit zwischen Berlin und Prag. Jan Zahradil: „Trotz des traditionellen Geredes über die ausgezeichneten Beziehungen zu unserem größten Nach-
barn und anderer Worthülsen sollten wir uns auf eines vorbereiten: Die tschechisch-deutschen Beziehungen werden sich verschlechtern. Nicht, weil wir es wollen oder wünschen, aber entweder ist man für Kernenergie oder nicht, entweder für die europäische Föderation oder nicht, entweder für Migration oder nicht. Hier gibt es keinen Raum für Kompromisse.“ Während Zahradils Rundumschlag auch in Berlin aufmerksam zur Kenntnis genommen wird, sind die angeblichen Enthüllungen, die von altkommunistischen Verschwörungstheoretikern verbreitet werden, eher skurril. So wird Fiala vorgeworfen, er habe über sein früheres paneuropäisches Engagement nach wie vor Kontakt zu Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. „Seine Beziehungen zu B. Posselt blieben jedoch über Jahrzehnte hinweg bestehen. Sie korrespondieren sogar miteinander“, schreibt Ogňan Tuleškov, ein ehemaliger Abgeordneter und Ex-Spitzel des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes StB, in dem bei Verschwörungstheoretikern beliebten Medium České národní listy und unkt, Fiala und „andere Freunde der sudetendeutschen Sache“ würden einen Systemwechsel vorbereiten – was auch immer damit gemeint sein soll. Als Beleg hat Tuleškov ein altes Foto veröffentlicht, das unter anderem Fiala, Posselt und Otto von Habsburg zeigt. Torsten Fricke
Auszüge aus dem Koalitionsvertrag „Wir setzen den geplanten Fonds aus der 19. Wahlperiode zur Abmilderung von Härtefällen aus der Ost-WestRentenüberleitung auch für jüdische Kontingentflüchtlinge und Spätaussiedler um.“ (Seite 74) „Die nationalen Minderheiten – die dänische Minderheit, die friesische Volksgruppe, die deutschen Sinti und Roma sowie das sorbische Volk – sind selbstverständlicher Teil unserer vielfältigen Gesellschaft. Das gleiche gilt für das kulturelle Erbe der Vertriebenen, Aussiedlerinnen und Aussiedler sowie der Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler.“ (Seite 118) „Die Initiative Minority Safepack unterstützen wir proaktiv und setzen sie in Deutschland um. Projekte für den Erhalt und die Entfaltung der Minderheiten, ihrer Sprachen und Kultur bauen wir aus.“ (Seite 121) „Wir stehen zu unserer humanitären Verantwortung und den Verpflichtungen, die sich aus dem Grundgesetz, der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK), der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK) und dem Europarecht ergeben, um Geflüchtete zu schützen und Fluchtursachen zu bekämpfen.“ (Seite 138) „Die Migrationsberatung des Bundes (Jugendmigrationsdienste, Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderinnen und Zuwanderer) und die Migrantenselbstorganisationen werden wir angemessen fördern. Für eine schnelle und nachhaltige Arbeitsmarktintegration werden wir die auf den Integrationskursen aufbauenden Berufssprachkurse stärker fördern und die Mittel verstetigen.“ (Seite 139) „Wir wollen die Ursachen von Flucht angehen, damit Menschen in Sicherheit und Würde leben können. Wir werden zudem die ausbeuterischen Verhältnisse auf den Fluchtwegen und Schleuserkriminalität bekämpfen.“ (Seite 142) „Wir wollen die Rechte von Minderheiten auf internationaler Ebene und insbesondere innerhalb der EU stärken.“ (Seite 147)
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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or kurzem ein großes Jubiläum gefeiert, und kein Bisschen müde!“ So charakterisiert der Leiter des Prager Sudetendeutschen Büros, Peter Barton, Taťjana Matoušková. Die frühere Prager Richterin mit deutschen Wurzeln ist immer noch aktives Mitglied des Kulturverbands der Deutschen in der Tschechischen Republik. Nebenbei engagiert sie sich auch bei der jüngeren Schwester der Deutschverbände, der Landesversammlung, sowie in der Paneuropa.
Die überzeugte Europäerin Matoušková bringt mit ihrem Lächeln und ihrer guten Laune immer viel Freude in die allmonatlichen Sitzungen des Prager Kulturverbands im Haus der nationalen Minderheiten. Zu ihren weiteren Lebensfreuden gehört auch das Reisen und so konnte sie in den letzten Jahren solch exotische Länder wie Ägypten oder den Iran bewundern. Unsere Jubilarin verriet Barton, daß sie den Sudetendeutschen Tag wieder besuchen möchte, sobald die Pandemie es erlaubt.
PRAGER SPITZEN Corona-Pandemie: Über 33 000 Tote
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Barton traf sich mit Matoušková zu einer liebevoll vorbereiteten Feier in einem Prager Restaurant und
gratulierte ihr, gemeinsam mit der langjährigen KV-Vorsitzenden Irene Novak.
ie Zahl der Menschen, die in der Tschechischen Republik an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, hat die Marke von 33 000 überschritten. Seit Mitte November, mit Beginn der vierten Welle, liegt die Zahl der Todesopfer bei 100 Menschen pro Tag. Auch die Neuinfektionen sind weiter steigend. So wurden am Montag 17 599 neue CoronaFälle bestätigt – 3000 mehr als in der Vorwoche. Mit 1022 Patienten, die auf einer Intensivstation um ihr Leben kämpfen, hat die Zahl der schweren Fälle erstmals seit Anfang April wieder die 1000er Marke überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt aktuell 1230 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner, hat das Gesundheitsministerium in Prag am Dienstag veröffentlicht.
Corona: Regierung ruft Notstand aus
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Unter den ersten Besuchern der Dauerausstellung „Unsere Deutschen“ in Aussig waren auch viele junge Gäste.
Foto: Collegium Bohemicum
Podiumsdiskussion in der Tschechischen Botschaft über die Dauerausstellungen in München und Aussig
Zwei Museen, eine Botschaft: Nichts vergessen, alles vergeben Wenige Tage nach der Eröffnung der Dauerausstellung „Unsere Deutschen“ in Aussig war die Aufarbeitung des Schicksals der Sudetendeutschen Thema einer Podiumsdiskussion in der Tschechischen Botschaft in Berlin. Mit dabei waren auch Vertreter des Sudetendeutschen Museums in München.
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o-Gastgeber waren der Adalbert-Stifter-Verein, das Tschechische Zentrum Berlin und das Collegium Carolinum. Gleich zu Beginn stellte der der tschechische Botschafter Tomáš Kafka fest, warum die Museen in Aussig und München für das deutsch-tschechische Verhältnis von elementarer Bedeutung sind: „Die Aufgabe für uns im 21. Jahrhundert ist nichts zu vergessen, aber alles zu vergeben.“ . Und um nichts zu vergessen, seien auch die beiden Museen, das Sudetendeutsche in München und das über „Unsere Deutschen“ in Aussig entstanden. Petr Koura, Direktor des Collegium Bohemicum, zeigte den Erklärfilm, der jeden Besucher der Dauerausstellung in Aussig in das Thema einführt. Präsentiert wird darin auch Franz Kafka, der in Tschechien viele Jahre als tschechischer Schriftsteller firmierte und doch der größte deutschsprachige Autor aus Prag gewesen ist. Die auf 1400 Quadratmeter Fläche und auf 20 Räume verteilte Dauerausstellung konnte Koura nur in einzelnen Schlaglichtern vorstellen. So nannte er Depots, die in den letzten Jahren gefunden wurden und die in der Ausstellung gezeigt werden. Verstecke von Vertriebenen, die wichtige Dinge zurückließen, die in den letzten Jahren wiederentdeckt wurden. Auch Koffer und Kisten finden sich, die für die Vertreibung stehen. Gezeigt wird auch die Liste von Oskar Schindler, der aus Zwittau stammte und etwa 1200
Diskutierten in der Tschechischen Botschaft in Berlin über die Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Geschichte (von links): Dr. Stefan Planker und Dr. Raimund Plaeczeck aus München, Moderatorin Dr. Monika Heinemann vom Dubnow-Institut, Petr Koura, Direktor des Collegium Bohemicum, und Matěj Spurný von der Karls-Universität. Per Video zugeschaltet war Prof. Dr. Martin Schulze Wessel vom Collegium Carolinum. Foto: Ulrich Miksch bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten bewahrt hatte. Stolz ist Koura auch auf die neue Präsentationstechnik. So wird in Aussig erstmals in einem tschechischen Museum eine 3-D Projektion eingesetzt. Koura erwähnte in der Podiumsdiskussion erste Kontroversen, die er in Tschechien wahrnahm und die durch die Ausstellungsplakate ausgelöst wurden. Warum werbt ihr mit Kafka und sogar mit Tomáš Garrigue Masaryk? Das freue ihn sehr, denn so könne man aufklären: Der Maler des Bildnisses von Masaryk war der deutsche Maler aus Prag Emil Orlik, dem der Präsident 1930 Modell stand. Unter dem Motto „Erlebnis Heimat“ stellte Dr. Raimund Paleczeck, Vorsitzender des Sudetendeutschen Instituts und wissenschaftliche Referent für das Sudetendeutsche Museum, das Haus in München vor und erinnerte an das Zitat von Vá-
clav Havel, das auch am Eingang verewigt ist: „Nichts Geringeres und nichts Größeres als das Erlebnis namens Heimat.“ Paleczeck verwies auf die 19 Landschaften, die im Museum präsent seien, und die eben nicht ein einheitliches Sudetenland zeichneten. Er nannte die erste deutsche Theaterintendantin, die in Böhmen zur Zeit der Monarchie lebte. Und er sprach auch von den 1700 Transporten in elf Monaten, mit denen 1946 rund 2,2 Millionen Sudetendeutsche nach Deutschland vertrieben wurden. Der per Video zugeschaltete Historiker Prof. Martin Schulze Wessel vom Collegium Carolinum verwies auf den zeitlichen Abstand, der nun die beiden Museen möglich gemacht hätten. Subjektive Erlebnishorizonte wären so mit dem historischen Wahrheitsanspruch verbindbar geworden. Außerdem gäbe es heute keine homogene deutsche oder tschechische Perspektive mehr. So saßen die Gründungsdirektoren von Aussig, Blan-
ka Mouralová und Jan Šícha, wie auch der Historiker Miroslav Kunštát im Kuratorium des Sudetendeutschen Museums in München. Und mit Prof. Detlev Brandes war ein Deutscher Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats in Aussig. Matej Spurný, Sachbuchautor und Historiker an der KarlsUniversität in Prag, ordnete die tschechische Ausstellung „Unsere Deutschen“ ein. Die Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung sei so bedeutend, daß eine freie demokratische Geschichtswissenschaft über Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien diese nicht ignorieren könne. In der Zeit des Kommunismus hätte es noch Versuche gegeben, die Vergangenheit zu tabuisieren – allerdings ohne Erfolg. So hätten die Dissidenten das Unrecht an den Sudetendeutschen wach gehalten und ab den 1990er Jahren sei es dann zu einem wichtigen politischen und zeithistorischen Thema geworden. Dennoch sei in dieser Zeit ein Museum wie in Aussig wohl noch nicht möglich gewesen. Dies habe sich dann ab 2002 mit dem damaligen Aussiger Bürgermeister Petr Gandalovič geändert, der das Schicksal der Deutschen als wesentlichen Teil der Stadtgeschichte einordnete und die Museumspläne forcierte. Ein weiterer Mitstreiter war der damalige Außenminister Karel Schwarzenberg. Am Ende der Podiumsdiskussion informierte Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums in München, über sein Haus. So sei die erste Sonderausstellung, die dem Sudetendeutschen Maler Werner Reinsch gewidmet war, ein großer Erfolg gewesen. Ebenso wie die erste Teilnahme an der Langen Nacht der Münchner Museen, bei der mit einer Tanzperformance das Thema Vertreibung dargestellt wurde. Ulrich Miksch
m Donnerstag hat der zu diesem Zeitpunkt noch geschäftsführende Premierminister Andrej Babiš den nationalen Corona-Notstand ausgerufen, der zunächst auf 30 Tage begrenzt ist. Zu den verhängten Maßnahmen gehören eine Sperrstunde für die Gastronomie ab 22 Uhr, ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, die Begrenzung kultureller und Sportveranstaltungen auf 1000 Zuschauer sowie öffentlicher Versammlungen auf 100 Teilnehmer. Außerdem wurden landesweit alle Weihnachtsmärkte abgesagt.
Präsident Zeman fordert Impfpflicht
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taatspräsident Miloš Zeman hat die Länder der VisegrádGruppe dazu aufgerufen, über eine Corona-Impfpflicht nachzudenken. Es scheine, als ob dies der einzige Weg aus der Krise sei, sagte das tschechische Staatsoberhaupt am Montag auf dem Gipfel der vier VisegrádLänder Tschechien, Polen, Ungarn und Slowakei. Zeman war wegen seiner Corona-Infektion online mit den anderen Regierungschefs verbunden.
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Lebensstandard wie in Italien
ella Italia läßt grüßen: Der Lebensstandard in der Tschechischen Republik ist auf 94 Prozent des EU-Durchschnitts ge-
stiegen, hat das tschechische Statistikamt veröffentlicht. Damit liegt Tschechien auf dem Niveau von Italien und vor Spanien (86 Prozent des EU-Durchschnitts) und Portugal (77 Prozent). Am niedrigsten liegt die paritätische Kaufkraft in Bulgarien, und zwar bei 55 Prozent des EU-Durchschnitts. Am höchsten ist sie mit 266 Prozent in Luxemburg.
49 Millionen Kronen für Toyen-Gemälde
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in Kunst-Schnäppchen war es nicht: Für 49 Millionen Kronen, umgerechnet 1,9 Millionen Euro, ist das Gemälde „Serenáda“ der weltberühmten tschechischen Malerin Toyen am Samstag in Prag versteigert worden. „Sernáda“ entstand 1924 und stammt damit aus der bei Sammlern beliebten Schaffensphase von Toyen, deren Stil als naiv charakterisiert wird. Das teuerste Toyen-Gemälde, das je bei einer Auktion in Tschechien verkauft wurde, ist „Circus“ und brachte im Frühjahr 79,56 Millionen Kronen (3,1 Millionen Euro) ein.
Sechs Jahre Haft für Fußball-Chef
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egen manipulierter Subventionsaufträge hat das Prager Stadtgericht den Ex-Chef des nationalen Fußballverbandes FAČR, Miroslav Pelta, am Freitag zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die damalige Staatssekretärin im Bildungsministerium, Simona Kratochvílová, wurde zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, daß Pelta seine Bekanntschaft mit Kratochvílová ausgenutzt und mit ihr Subventionsvergaben an bestimmte Antragsteller verabredet hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Pelta und Kratochvílová haben bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.
Istanbul-Konvention noch nicht ratifiziert
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n einer Debatte über Gewalt an Frauen in der Europäischen Union haben die europäischen Abgeordneten die Tschechische Republik und fünf weitere EUMitgliedstaaten aufgefordert, die Istanbul-Konvention zur Bekämpfung häuslicher und sexueller Gewalt unverzüglich zu ratifizieren. Tschechien hat die Istanbul-Konvention des Europarats 2016 unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3.12.2021
Einen langgehegten Wunsch hat er sich – auch coronabedingt – erfüllt: Barney Murphy hat seine erste Solo-CD veröffentlicht. Ein „Liebhaberding“, wie er selbst dazu sagt. „Gemischte Platte“ heißt der zehn Titel umfassende Silberling, eingespielt haben diese „Barney und der Swinger Club“. Murphy, der mit bürgerlichem Namen Gerhard Gmell heißt, ist Gründungsmitglied der Spider Murphy Gang und seit 1977 bis heute als Gitarrist dabei. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung spricht Murphy über seine Musik, die Corona-Pandemie und seine sudetendeutschen Wurzeln. Herr Murphey, Sie sind in München geboren, Ihre Eltern stammen aber aus dem Sudetenland und wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben. Inwiefern war das Schicksal Ihrer Eltern ein Thema in Ihrer Kindheit? Barney Murphey: Meine Eltern sind beide schon verstorben. Sie haben mir erzählt, daß ihre Flucht und Vertreibung sehr schmerzhaft und auch chaotisch war. Nach ihrer Ankunft in Deutschland waren sie dann eine Zeitlang in einem Auffanglager – das erinnert mich total an die jetzige Flüchtlingssituation. Ich bin quasi auch Flüchtlingskind. Als meine Eltern nach München kamen, ging es ihnen besser. Mein Vater hat eine gute Anstellung beim Finanzamt bekommen – er war Angestellter bei der Finanzbehörde –, und meine Mutter war Hausfrau. Wir waren sechs Kinder. Aus welcher Gegend stammen Ihre Eltern? Murphy: Der Heimatort meiner Mutter war Salesl in der Nähe von Karlsbad. Die Familie meiner Mutter hatte dort einen kleinen Bauernhof. Mein Bruder hat mal eine Spurensuche gemacht, leider steht von dem Haus und Anwesen heute nichts mehr. Aber in meiner Jugend habe ich mich weniger um die Familiengeschichte gekümmert. Für mich war das Gitarrespielen wichtiger als alles andere. Ich habe dann meine Lehre bei Siemens als Fernmeldetechniker gemacht. Nach der Lehre habe ich dort noch ein Jahr gearbeitet, aber mich dann zunehmend nur noch der Musik gewidmet. Ich bin in München geboren und fühle mich als Bayer beziehungsweise Münchner – mein Zuhause, meine Heimat ist hier. Flucht und Vertreibung sind auch heute noch das Schicksal von Millionen Menschen in anderen Ländern und Regionen der Welt. Wie ist Ihre Haltung dazu? Murphy: Es ist ganz klar, daß man den Menschen helfen und sie auch aufnehmen muß, ihnen ein annehmbares Leben bieten muß. Ich kenne das aus den Erzählungen meiner Eltern – und aus all meinen Brüdern ist was geworden. Dieselbe Chance brauchen diese Flüchtlinge auch. Ich finde es sehr wichtig, daß hier sehr viel getan wird. Sie spielen intensiv und begeistert Gitarre und wollten in die Musik von Gitarrenklassikern wie Django Reinhardt eintauchen. Das hat sich wohl in letzter Zeit, auch angesichts von Corona, vertieft. Ihre kürzlich erschienene CD beweist dies. Murphy: Mit der Spider Murphy Gang hätten wir 2020 eigentlich rund 80 – große – Konzerte gehabt. Doch alles wurde abgesagt und verschoben. Deshalb habe ich für mich entschieden, zu Hause ins Studio zu gehen und meine Songs aufzunehmen. Das hat mir unwahrscheinlich viel Spaß gemacht, und so konnte ich die Corona-Zeit gut überbrücken. Daß die Pandemie noch immer nicht überwunden ist und daß uns aktuell die vierte Welle wieder so eingeschränkt, das ist der Wahnsinn. Auf der CD ziehen sich Django Reinhardt und Chuck Berry fast wie ein roter Faden durch die zehn Titel. Was ist der Grund?
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE Barney Murphy von der Spider Murphy Gang über die erste Solo-CD, Corona und seine sudetendeutschen Wurzeln
„Ich hoffe, daß sich noch viele Leute impfen lasssen“
Zur Person: Barney Murphy
Bürgerlicher Name: Gerhard Gmell. Geboren am 2. März 1954 in München. In der Schulzeit entsteht der Spitzname „Barney“, die Comic-Serie „Familie Feuerstein“ ist dabei entscheidend: Der Familienname „Gmell“ wandelt sich zu „Gmellheimer“ – in Anlehnung an „Geröllheimer“, die Nachbarfamilie von Fred Feuerstein. Und der Familienvater heißt bekanntlich „Barney“ mit Vornamen. Mit 15 Jahren Beginn des Gitarrespielens und der Lehre als Fernmeldetechniker bei Siemens. Mit 17 Jahren Mitwirkung in der ersten Band „Opul S“, dann bei „Sad Village“. 1975 erste Begegnung mit Günther Sigl in München. Nach der Lehre eineinhalb Jahre Fernmeldetechniker bei Siemens, danach Tätigkeit bei einem Reprofotografen und Grafiker sowie als Gitarrenverkäufer in einem Musikladen. Günther Sigl sucht für seine Band „Stummick“ einen zweiten Gitarristen. Einstieg bei dieser Band, in der auch Schlagzeuger Franz Trojan dabei ist. Mitwirkung bei „Stummick“ bis September 1976, danach in der Band von Fats Hagen. Mitte 1977 löst sich „Stummick“ auf, Günther Sigl, Franz Trojan und Barney Murphy planen ein neues Programm und eine neue Band. Mit dem Pianisten Michael Busse stößt kurz darauf das vierte Gründungsmitglied der Spider Murphy Gang dazu. Zahlreiche Auftritte in München, der Bayerische Rundfunk (Georg Kostya) nimmt sie unter die Fittiche. 1980 erste LP mit bayerischen Songs „Rock’n Roll Schuah“. 1981 LP „Dolce Vita“ mit den Top-Hits „Schickeria“ und „Skandal im Sperrbezirk“. 1983 als erste bundesdeutsche Band Auftritte in der DDR. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Barney Murphy ist auch als Musikproduzent aktiv. 1. Oktober 2021: Veröffentlichung der ersten Solo-CD „Gemischte Platte“.
Kult aus München: Die Spider Murphy Gang mit Günther Sigl und Barney Murphy. In der Mitte: Bandmitglied Otto Staniloi. Foto: Markus Bauer Murphy: Das sind meine Helden, meine Heroes, meine Vorbilder. Chuck Berry hat in seiner Technik und Art des Gitarrenspielens viel von Django Reinhardt abgeschaut. Und das habe ich auf den Musikstücken mit den verschiedenen Gitarren, die ich dabei spiele, ähnlich versucht. Neben Swing-Stücken, dem Chuck-Berry-Klassiker „Johnny B. Goode“ und zwei Spider-Murphy-Songs findet sich auch das bekannte Thema aus dem Filmklassiker „Der dritte Mann“ auf der CD. Wie kam es zu dieser Titel-Kombination? Murphy: Das Harry-Lime-Thema hat mich gereizt. Es ist eine tolle, starke Melodie. Man kann auch eine Analogie zur jetzigen Corona-Zeit sehen: In dem Film von Orson Welles ging es um Penicillin-Schmuggel im besetzten Wien der Nachkriegszeit. Ich hab mich hingesetzt und das Stück von Anton Karas auf Gitarre übertragen, transkribiert. Das war eine schöne Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hat – und darum ist das Lied drauf. Den Song „Sheik of Araby“ hatten die Beatles in ihrer ganz frühen Phase im Repertoire, bei den DeccaSessions am Jahresanfang 1962 haben sie ihn aufgenommen. Wir erinnern uns – damals saß noch Pete Best bei den Beatles am
Schlagzeug, der dann 1962 durch Ringo Starr ersetzt wurde. Außerdem präsentieren Sie ein Stück von Django Reinhardt, nämlich dessen beeindruckende instrumentale Version aus den 1930er Jahren. Murphy: Er ist natürlich der König. Es ist der Wahnsinn, was er auf die Beine gestellt hat – und das mit nur drei Fingern. Das ist unglaublich. Das schaffe ich mit fünf oder zehn Fingern nicht, was Django Reinhardt hervorbringt. Aber er ist einfach eine gute Inspiration. Er war ein Genie. Da muß ich noch viel üben. Auch aus dem Repertoire der Spider Murphy Gang sind zwei Titel enthalten: „Eisbach-Surfen“ – im Original „S-Bahn-Surfen“ – und „Rosmarie“. Wie ist es dazu gekommen? Murphy: „S-Bahn-Surfen“ ist eigentlich eine tolle Nummer, aber vom Text her verfehlt. Ich habe nun „Eisbach-Surfen“ daraus gemacht und es auch völlig neu arrangiert. Jetzt ist es, wie ich finde, eine schöne Nummer geworden – auch in Analogie zu München. Mich haben eben ein paar Sachen gereizt. Da ich viel Zeit hatte, habe ich sie schön arrangieren und mich dann mit meinen Musikern hinsetzen können. Mit Louis Thomaß habe ich die Gitarrenarrangements er-
arbeitet. Eine tolle Nummer ist auch „Bossa Dorado“, ein Stück einer weiteren Legende – Dorado Schmitt. Den Gypsy-Jazz mußte ich von Grund auf erst lernen. Ich bin ja erst vor fünf, sechs Jahren auf diese Art von Musik gestoßen. Ich freue mich unbändig, daß die Platte so gut gewor-
Barney Murphy (zweiter von links) und der Swinger Club mit (von links) Andreas Keller, Tom Peschel und Louis Thomaß. Foto: barneymurphy.de
den ist. Es macht schon Spaß, solche Sachen zu entdecken und zu spielen. Interessant und auf den ersten Blick doppeldeutig ist der Name der Band: Barney und der Swinger Club. Und auch der Titel des Albums „Gemischte Platte“ ist nicht alltäglich und verweist auf frühere Zeiten. Murphy: Es geht um SwingMusik, aber man darf ja ein wenig schäkern. Mit dem Namen des Albums wollte ich zeigen, daß man viele unterschiedliche Stücke auf eine Platte bringen kann: Deutsch beziehungsweise Bairisch und Englisch, Swing und Rock’n Roll – eben alles gut gemischt, wie auf einer Schlachtplatte. Leider ist es heute ein großes Problem, daß die Leute eigentlich keine CDs mehr kaufen. Jeder streamt nur noch zu Hause, die wenigsten haben noch einen CD-Player. Ich habe das Projekt trotzdem gemacht. Mir ging es hauptsächlich um die Freude am Musikmachen, um den Spaß, den wir dabei hatten. Und eben etwas in der Zeit zu machen, in
3 der wir keine Auftritte hatten – die Zeit zu nutzen. Wie gehen Sie selbst mit Corona und der Corona-Pandemie um? Gesund leben, Angst vor Krankheit oder gar Tod? Murphy: Ich passe wahnsinnig auf, daß nichts passiert. Ich bin zweimal geimpft – und ich hoffe, daß sich noch möglichst viele Leute impfen lassen. Das ist ein großes Anliegen von mir. Damit wir wirklich diese Pandemie in den Griff kriegen. Leider gibt es so viele unvernünftige Leute. Wollen wir hoffen, daß wir die Zeit gut überstehen. Ich gehe in kein Restaurant mehr, nur mehr ganz selten aus. Meine Musikerkollegen sind auch alle geimpft. Wir treffen uns und üben und spielen mit unseren Gitarren. So ist es derzeit – mehr gibt’s nicht. Wir können nur wünschen, daß die Leute vernünftig werden und sich impfen lassen! Welches der Stücke auf der CD hat Ihnen am meisten Spaß gemacht? Murphy: Da die Arbeit an der CD so lange gedauert hat, hat jeder Titel Spaß gemacht. Es war immer wieder etwas Neues, etwas anderes. Wir haben mit „Sheik of Araby“ begonnen, das war sehr spannend. Da kommt auch wirklich so ein GypsyGroove durch. Als zweites haben wir „Bossa Dorado“ aufgenommen. Auch das war eine schöne Arbeit, denn wir haben alles live im Studio eingespielt. Eindrucksvoll war auch das Streicher-Arrangement beim Stück „Rosmarie“ mit Reinhold Hoffmann zusammen. Da haben wir zuerst bei mir im Keller rumgetüftelt. Ich hab ihm die einzelnen Geigenstimmen vorgesungen, und Reinhold hat sie aufgeschrieben. Es war wirklich wunderbar, als die sechs Streicher dann im Studio saßen und es gespielt haben. Ich hatte es ja im Kopf, wie es klingen soll. Da sind mir fast die Tränen gekommen. Das war ein wirklich wunderbares musikalisches Erlebnis für mich. Wie kam es zum Stück „Wuide Zeit’n“? Das ist ja eine Reminiszenz an die Rosi aus dem „Skandal im Sperrbezirk“. Murphy: Die Rosi ist eine fiktive Person, die gibt es in der Realität nicht. Aber ich habe mich gefragt, was die Rosi jetzt vielleicht machen würde, wenn es sie geben würde. Dann wurde mir klar: Das waren eigentlich unsere wuid’n Zeiten. Ich schrieb einen Rock’n-Roll-Text dazu. Auch das Spielen der Slide-Gitarre hat riesig Spaß gemacht. Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Sie werden im März 68 Jahre alt, die Spider Murphy Gang hat 2022 ihr 45jähriges Jubiläum. Viele ausgefallene oder verschobene Konzerte werden wohl nachgeholt. Bleibt da noch Zeit für mögliche Auftritte mit Ihrem Soloprogramm? Murphy: Ich möchte im nächsten Jahr den Swinger Club auf die Bühne bringen. Das wäre ein großer Spaß für mich. Und mit den Spiders wollen wir so lange spielen, bis wir umfallen. Schauen wir, was geht. Mit den Spiders haben wir ja heuer unter der 2G-Regel schon ein paar Konzerte gespielt – es hat super funk-
„Gemischte Platte“ ist das erste Solo-Album von Barney Murphy. tioniert. Die Leute sind wild auf Live-Konzerte. Aber jetzt müssen wir halt erst einmal die Entwicklung abwarten. Einheitliche Regelungen wären sinnvoll. Markus Bauer
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3.12.2021
Online-Premiere am 16. Dezember
Weihnachtskrippe – eine böhmische Tradition Donnerstag, 16. Dezem-
Landesobmann Steffen Hörtler ehrt Kreisobfrau Anneliese Moritz
Kreisschatzmeister Kurt Hiebel erhielt das Große Ehrenzeichen.
Rudolf-Lodgman-Plakette für Ingrid Kröff aus Rosenheim.
Goldene Verdienstmedaille Traudl Kukuk.
für
Landesversammlung der SL-Landesgruppe Bayern auf dem Heiligenhof
Krisengestählte Landsleute, vier Ehrungen und ein Konzert Die Coronapandemie beeinträchtigt auch die Arbeit der SLLandesgruppe Bayern. Nachdem im vergangenen Jahr die Landesversammlung hatte abgesagt werden müssen, konnte in diesem Jahr ein zweitägiges Treffen auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen stattfinden.
ber, 18.00 Uhr: Premiere der Filmdokumentation „Weihnachtskrippen – eine böhmische Tradition“. Online-Veranstaltung der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen und des Kulturreferats für die böhmischen Länder mit dem Filmemacher Jörg-Peter Schilling und dem Krippenbauer Patrick Ernst. Ein Zentrum des Krippenbaus war die nordböhmische Gegend um Schirgiswalde und Schluckenau. Mit der Vertreibung der Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging jedoch ein Teil des Wissens verloren. Doch das Brauchtum starb nicht ganz aus, denn die
deutschstämmigen Bewohner, die ihre Heimat verlassen mußten, nahmen ihr Wissen mit in die neue Heimat. So auch Rudolf Brämer, dessen Urenkel bis heute die Tradition des Krippenbaus fortsetzt. In Naumburg an der Saale hat Patrick Ernst, der von vielen nur „KrippenErnst“ genannt wird, seine Werkstatt. Hier hat ihn Filmemacher Jörg-Peter Schilling besucht und mit der Kamera porträtiert. Anmeldung unter schmitzer@sudeten.de Nach Anmeldung per eMail erhalten Sie den Einwahllink am Vorabend der Veranstaltung. Trailer: https:// youtu.be/nMTgOAAqolM
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andesobmann Steffen Hörtler erinnerte in seiner Rede an die vielen geplanten Veranstaltungen, die der Pandemie zum Opfer fielen oder digital durchgeführt werden mußten. Dennoch sei es immer wieder gelungen, eine Reihe von Präsenzveranstaltungen unter Coronabedingungen durchzuführen. Höhepunkte waren die Teilnahme einer Delegation am Brünner Versöhnungsmarsch sowie am Sudetendeutschen Heimattag der SLÖ in Klosterneuburg. Gerade durch ihr Schicksal seien die Sudetendeutschen, wie alle Heimatvertriebenen, krisengestählter als andere Bevölkerungsgruppen, stellte Hörtler fest. Kulturreferentin Margaretha Michel konnte von mehreren Ausgaben des Kulturbriefes der Landesgruppe mit dem Titel „Dischkurieren“ berichten, die jedes Mal in großer Auflage verschickt worden waren, um gerade in den schweren Monaten den Landsleuten ein Stück Heimat nach Hause zu bringen. Die Finanzberichte des Ehepaares Heller aus Roth wurden einstimmig gebilligt. Dazu berichtete Steffen Hörtler, daß Hannelore und Dieter Heller für ihre jahrelange Tätigkeit für die Landesgruppe und auch vor Ort in ihrer mittelfränkischen Heimat im Rahmen einer schönen Feier-
Noch bis 15. Dezember
Wer bin Ich? Wer sind Wir?
„Leben in dieser Zeit“ – begleitet von Christoph Weber und Dr. Ortfried Kotzian präsentierte Iris-Marie Kotzian Lieder und Chansons von Edmund Nick. Fotos: Andreas Schmalcz stunde im Sommer mit der Goldenen Verdienstmedaille der Landesgruppe ausgezeichnet worden seien. Den anschließenden Festabend nutzte Landesobmann Steffen Hörtler, um verdiente Landsleute auszuzeichnen. Anneliese Moritz, Kreisobfrau in Bad Kissingen, und Kreisschatzmeister Kurt Hiebel wurden dabei mit dem Großen Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft geehrt. Mit der Rudolf-Lodgman-Plakette wurde Ingrid Kröff aus Rosenheim ausgezeichnet. Seit ihrer Jugend engagiert sie sich in zahlreichen Funktionen für ihre sudetendeutschen Landsleute. So führt sie seit vielen Jahren die Kreisgruppe Rosenheim.
Besonders lobende Worte fand Hörtler auch für Traudl Kukuk. Die „Mutter der Volksgruppe“ war als Ehrengast eingeladen. Mit warmen Worten würdigte der Landesobmann ihr Wirken von den schweren Anfängen des Heiligenhof bis heute. Obwohl sie nun seit 20 Jahren offiziell im Ruhestand ist, sei sie weiterhin an „ihrem“ Heiligenhof präsent. So gehen beispielsweise die Mundarttagungen der Heimatpflegerin auf ihre Initiative zurück. „Der Erfolg des Heiligenhofes basiert auf der Leistung von Traudl Kukuk“, sagte Hörtler und überreichte ihr unter großem Applaus der Landsleute die Goldene Verdienstmedaille der Landesgruppe Bayern der Sude-
tendeutschen Landsmannschaft. Nach diesen Ehrungen folgte dann ein künstlerischer Höhepunkt. Die Künstlerin Iris-Marie Kotzian präsentierte zusammen mit Christoph Weber und ihrem Vater Ortfried Kotzian das Programm „Leben in dieser Zeit“ – eine musikalische Reise mit Liedern und Chansons von Edmund Nick auf Texte von Erich Kästner und anderen. Am zweiten Tag der Landesversammlung referierte Prof. Dr. Matthias Stickler vom Institut für Geschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zum Thema „Die Politik Bayerns gegenüber den Vertriebenen – das Beispiel Sudetendeutsche Landsmannschaft“. Andreas Schmalcz
VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Samstag, 15. Januar: Verblichen, aber nicht verschwunden. Eine Spurensuche im Böhmerwald. Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Öffnungszeiten: montags und mittwochs von 10.00 bis 17.00 Uhr, dienstags und donnerstags von 10.00 bis 19.00 Uhr sowie freitags von 10.00 bis 14.00 Uhr. Samstags auf Anfrage. Noch bis Montag, 31. Januar: Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim. Glasmuseum, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Freitag, 3. Dezember 2021 bis Freitag, 14. Januar 2022. Ausstellung „Keine Nacht so dunkel“. Die Ausstellung des Adalbert Stifter Vereins und des Tschechischen Zentrums München zeigt über 150 Jahre böhmisch-jüdische Familiengeschichte an Hand des bewegenden Schicksals des Architekten Rudolf Wels und seiner Vor- und Nachfahren. Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstraße 7, München. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 13.00–17.00
Hinweis Corona-Pandemie
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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. Uhr, Donnerstag 13.00–19.00 Uhr, Freitag 12.00–15.00 Uhr. Eintritt frei. Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de Donnerstag, 9. und Freitag, 10. Dezember, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Workshop Heimatsammlungen und Museen – kommunale und regionale Kooperation und Integration. Veranstaltungsort: Godesberger Allee 72–74, Bonn. Anmeldung und Informationen unter www.kulturstiftung.org Dienstag, 14. Dezember, 10.00 bis 12.00 Uhr, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Fördermöglichkeiten im Rahmen des Paragraphen 96
Bundesvertriebenengesetz. Online-Workshop. Anmeldung unter www.kulturstiftung.org Dienstag, 14. Dezember, 15.00–17.30 Uhr, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Podcasts, Videos und Streams in der Öffentlichkeitsarbeit. Online-Workshop. Anmeldung unter www. kulturstiftung.org Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland. Ab Montag, 20. Dezember, Heimatpflegerin: duo connessione. Die Konzert-Aufzeichnung auf dem YouTube-Kanal der Sudetendeutschen Landsmann-
schaft unter www.youtube.com/ DieSudetendeutschen. Mittwoch, 26. Januar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Diskussion der Situation SG-Bund; Auswirkungen auf die Regionalgruppe? Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Mittwoch, 23. Februar, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Nostalgischer Film von Horst Herz über das Seminar in der Burg Hohenberg 2008 mit Besuch der Stadt Aussig. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Mittwoch, 30. März, 16.00 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Mittwochsrunde: Dia-Vortrag Gisela Hüttisch – Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke (frühbürgerliche Revolution um 1525). Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Montag, 2., 9 Uhr bis Freitag, 6. Mai, 18 Uhr, Seliger-Gemeinde München-Dachau: Informationsfahrt nach Prag und Reichenberg. Auf den Spuren von DSAP und SOPADE.
Noch bis Mittwoch, 15. Dezember, werktags 10.00 – 20.00 Uhr: „Wer bin Ich? Wer sind Wir?“ Ausstellung im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. „Wer bin ich?“ – die Frage nach der eigenen Identität stellt sich für jeden Menschen im Laufe seines Lebens immer wieder. Viele Faktoren können dabei eine Rolle spielen – die Herkunft, die Sprache, die Religion und das, was man als „Heimat“ ansieht. Aber auch Dinge wie der Beruf, bestimmte Essensvorlieben oder Hobbies. Identitäten können außerdem mit Gruppen wie der Familie oder der Nation verbunden werden. „Wer sind wir?“ – auch so gut wie jede Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft vergewissert sich im Laufe der Zeit
ihrer Identität stets aufs Neue. Die HDO-Ausstellung „Wer bin Ich? Wer sind Wir?“ fragt nach Identitäten von Deutschen aus dem östlichen Europa. Es geht ihr dabei um Dialekte wie das Siebenbürgisch-Sächsische; um Bräuche und Traditionen wie die oberschlesische Barbarafeier; um Kleidung wie die Waitzacker Bauerntracht aus Pommern; um heimatliche Gerichte; um religiöse Besonderheiten wie die schlesische Liturgie; um Heimat und prägende Geschichtsereignisse, wie die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Keine Anmeldung erforderlich. Ein 2-G-Nachweis (geimpft, genesen; Identitätsnachweis) ist erforderlich. Informationen unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
Störenfriede: West-Journalisten in der DDR Dienstag, 7. Dezember, 18.00 bis 20.00 Uhr. „Störenfriede: WestJournalisten in der DDR“. Gespräch mit dem Journalisten Peter Pragal. Die Anwesenheit westdeutscher Journalisten in der DDR führte oftmals zu Spannungen mit der sozialistischen Staatsmacht. Neben dem Vorwurf der Diskreditierung erhielten die DDR-Bürger auf dem Umweg über die West-Medien Informationen, die teilweise in diametralem Widerspruch zu den Darstellungen in den DDR-Staatsmedien standen und so ein anderen (realistischeres?) Bild von der Lage des Landes vermittelten. Der Autor beschreibt in seinem Buch die Arbeit der Westjournalisten im Spannungsdreieck zwischen Behörden, Informanten und der Öffentlichkeit und berichtet über seine Erfahrungen in dieser Zeit. Peter Pragal, geboren 1939 in Breslau, hat Publizistik und Politologie studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete er insgesamt zwölf Jahre lang als DDR-Korrespondent für die Süddeutschen Zeitung und den Stern in OstBerlin. Seit 2004 lebt er als freier Journalist in Berlin. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3.12. 2021
Mut tut gut
Wiedergeburt der Liebe
Foto: Czech Tourism
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Seminarwoche am Heiligenhof „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“, Teil 3
Rübezahl: Grenzgänger und Botschafter für Toleranz
Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die flüchteten oder vertrieben wurden, nehmen im dürftigen Gepäck oft ihre Geschichten, Märchen und Mythen mit. Sie bleiben eine Verbindung zur angestammten Heimat. Häufig werden sie weitergegeben, an die Nachkommen, aber auch an die Menschen in der neuen Heimat.
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er Publizist Ralf Pasch (Jahrgang 1967) lebt und arbeitet in Berlin. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit deutsch-tschechischen Themen. 2014 erschien im Mittedeutschen Verlag Halle/ Saale sein Buch „Die Erben der Vertreibung – Sudetendeutsche und Tschechen heute“ mit Portraits über die dritte Generation. Pasch ist Autor der Ausstellung „Die Schaleks – eine mitteleuropäische Familie“, die gemeinsam mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa entstand und durch Deutschland, Tschechien und Österreich wandert. Aktuell arbeitet er an einem Kinderbuch, das die Sagengestalt Rübezahl neu interpretieren wird. Und Rübezahl sorgte auch bei seinem Vortrag „Deutsche und tschechische Narrative in Gesellschaft und Literatur“ für die ungeteilte Aufmerksamkeit der Seminarteilnehmer. Märchen und Geschichten migrieren, so Pasch. Auch die Geschichte über den Rübezahl, den Herren des Riesengebirges, speist sich aus vielen Quellen. Italienische Bergleute und Waldarbeiter aus Tirol sollen die geheimnisumwitterte Figur nach Böhmen und Schlesien transferiert haben. Die deutschen, tschechischen und polnischen Bewohner des Riesen- und des Isergebirges erkoren ihn zum Helden vieler Sagen. Deutschsprachige Riesengebirgler kamen durch Flucht und Vertreibung nach Deutschland und brachten Geschichten aus ihrer Heimat mit. Die Gestalten, in denen der Rübezahl dort erscheint, sind vielfältig. Da ist er eben nicht nur ein Riese mit Mantel, Hut und Stock. Er kann auch andere Identitäten annehmen – sich in einen Baum oder ein Tier, einen Stein oder den Wind verwandeln. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten. Sprachen oder Nationalitäten sind für ihn nicht wichtig. Für die Tschechen ist er Krakonoš, für die Polen Liczyrzepa. Vielleicht sind Märchen und Sagen, die nie einer Kultur allein gehören, eine Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen? Wenn wir – ob als Kinder oder Erwachsene – über Rübezahl oder andere phantastische Gestalten erzählen, sprechen wir auch über unsere Ängste, Sorgen und unsere Hoffnung, sagt Rübezahlforscher Pasch. Wie bei den meisten Sagengestalten sei auch bei Rübezahl nicht eindeutig zu klären, wann und wie er das Licht der Welt erblickte. Im 15. Jahrhundert erzählten Bergleute, die etwa aus Italien in das Riesengebirge kamen, von einem Berggeist, der Schätze untertage bewache. Holzfäller machten ihn für Über-
Ralf Pasch referierte über Rübezahl, die Sagengestalt des Riesen- und des Isergebirges. schwemmungen verantwortlich, Kräuter- und Wurzelsammler führten die abrupten Wetterwechsel auf das Wirken eines Geistes zurück. Die erste bildliche Darstellung stamme von Martin Hellwig, der 1561 auf einer Karte für Schlesien ein merkwürdiges Wesen kreierte: eine Mischung aus Mensch und Tier, mit Hufen und Hirschgeweih, weit entfernt von dem Waldschrat, als der Rübezahl heute vermarktet werde. Sagen halfen den Menschen damals, Ängste zu bewältigen, unerklärliche Erscheinungen begreifbar zu machen, Lebensweisheiten zu transportieren. Anders als Märchen spielen sie nicht in irgendeinem Königreich, sondern an re-
alen Orten. Im 19. Jahrhundert habe ein wahrer Hype um Rübezahl eingesetzt – auch im Kontext des zunehmenden Tourismus, der das Riesengebirge nicht verschont habe und für den ein zugkräftiger Werbeträger gebraucht wurde. Die Unterschiede zwischen dem tschechischen Krakonoš und dem deutschen Rübezahl seien marginal. Im Vergleich zum launischen Riesen der deutschen Sagen erscheint der tschechische Herrscher des Gebirges öfter als freundlicher Bergbewohner. Wachsende Popularität habe Krakonoš in der tschechischen Version des Sandmännchens – Večerníček –
Seminarwoche am Heiligenhof
Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa
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issen zu vermitteln war das Ziel des mehrtägigen Informationsseminars über „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ in der sudetendeutschen Bildungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen. Frauen und Männer mit familiären Wurzeln in Böhmen aus allen Teilen Deutschlands und der Tschechischen Republik zählten zu den Teilnehmern. Im Rahmen einer Serie stellt die Sudetendeutsche Zeitung die Ergebnisse vor.
durch die darin erzählten Krkonošské pohádky (Riesengbirgsgeschichten) erfahren. Kreiert zu Beginn der 1970er Jahre, also zu sozialistischer Zeit, seien dies Episoden „im marxistischen Sinne“ (Futtera): Der deutsche Adlige Trautenberk liegt im ständigen Clinch mit seinen tschechischen Untergebenen, die ihm alle Nase lang eins auswischen und dabei in Krakonoš einen Helfer finden. Der polnische Rübezahl sei noch vergleichsweise jung, wurde er doch erst nach 1945 entdeckt. Niederschlesien auf der nördlichen Seite des Riesengebirges war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs größtenteils von deutschsprachigen Bewohnern besiedelt, nach deren Flucht und Vertreibung setzte die polnische Besiedelung ein. Damit verbunden war die Suche nach einer eigenständigen polnisch-niederschlesischen Identität. Bei der Wahl einer dazu passenden Sagenfigur sei man auf Rübezahl gestoßen. Weil die Sage auf deutsche Wurzeln zurückgeführt worden sei, entbrannte ein politischer Streit. „Schluß mit Rübezahl!“ lautete eine Forderung in einem Zeitungsartikel. Er hielt sich jedoch auch in Polen standhaft und kam zu neuer Kraft. Pasch plant in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa und der Berliner Zeichnerin Juliane Pieper ein Kinderbuch über die deutsch-tschechisch-polnische Sagenfigur und will damit auch Kenntnisse über die Grenzregion des Riesen- sowie des Isergebirges vermitteln. Die Sagengestalt Rübezahl sei im Riesengebirge, an der Grenze zwischen Polen und Tschechien, ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Mythos. Seit Jahrhunderten rankten sich mündlich kursierende wie schriftlich festgehaltene Sagen im deutschen, tschechischen und polnischen Sprachkreis um den Berggeist. Autoren bedienten sich, um Variationen des Mythos zu kreieren, immer wieder im Sagenfundus der jeweils anderen Kultur. Zeitweise sei der Mythos zwischen die Fronten geraten, wenn die Deutschen den Rübezahl zum „germanischen Mythos“ deklarierten oder die Tschechen ihren Krakonoš in Abgrenzung zum strafenden Riesen im deutschsprachigen Narrativ zum freundlichen Bergler machten. Nach 1945 diente Liczyrzepa – neben Duch Gór oder Karkonosz eine polnische Version des Namens für den Berggeist – in der neu gegründeten Volksrepublik Polen der kulturellen Aneignung des schlesischen Riesengebirges, aus dem die deutschen Bewohner vertrieben worden oder geflüchtet waren. Da Rübezahl nicht eindeutig einer Kultur zuzuordnen sei, werde er als ewiger Grenzgänger in der Erzählung zum Botschafter für Toleranz, wenn er mit der deutschen, tschechischen oder polnischen Sprache in Kontakt komme, so der Autor über den Berggeist und sein geplantes völkerverbindendes Buchprojekt. Hildegard Schuster
it zum Schönsten der Adventszeit gehören die Roratemessen. In meiner Pfarrei feiern wir sie vor Weihnachten jeden Dienstag um sechs Uhr früh. Die Kirche ist noch in nächtliches Dunkel gehüllt, wird aber von vielen Kerzen erleuchtet. Elektrisches Licht wird nicht verwendet. Wer an diesen Gottesdiensten teilnimmt, stellt sich am Vorabend darauf ein, schließlich muß man rechtzeitig aufstehen. Das schafft bei allen Mitfeiernden eine Präsenz, die man sonst nicht so oft spürt. Schließlich sind die Gebete, die Bibeltexte sowie die Lieder besonders ansprechend. Sie künden von der uralten Verheißung, daß Gott seine Welt und sein Volk nicht in der Finsternis läßt. Die Hoffnung, daß der Herr kommt, wird so zu einer vertrauenserweckenden Gewißheit. Der Name „Roratemesse“ leitet sich von einem Vers aus dem Prophetenbuch Jesaja ab, der in lateinischer Übersetzung lautet: „Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum.“ Deutsch: „Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten.“ In der orientalischen Erfahrungswelt, aus der dieser Vers stammt, spielen Tau und Regen wichtige Rollen. Sie sind spürbare Zeichen des himmlischen Segens, weil in der Wüste alles Leben ständig zu vertrocknen droht. Der Bibeltext greift dies auf und formuliert daraus eine Botschaft, die sich auf mehr als auf das bloß natürliche Überleben von Pflanzen, Tieren und Menschen bezieht. Er erinnert uns, daß wir auch als geistige und soziale Wesen der Gefahr des Austrocknens ausgeliefert sind. Häufig fehlt es an gegenseitiger Empathie und am Miteinander, an der Bereitschaft, von den schwächeren Gliedern der Gesellschaft her zu denken, auch am Willen, zu verzeihen und sich zu versöhnen. Aus dieser menschlichen Armseligkeit heraus ertönt die Aufforderung an Himmel und Wolken, den Gerechten herabzuschicken. Ist damit ein Messias gemeint, der schnell daherkommt und alles richtet? Die Bilder von Tau und Regen legen anderes nahe. Tau ist ein äußerst sanftes Naturphänomen, und Regen ist nur hilfreich, wenn er ruhig vom Himmel fällt und nicht in heftigen Wolkenbrüchen. Auch das Kerzenlicht in den Roratemessen leuchtet mild und schonend, es hat nicht die Penetranz eines blendenden Scheinwerfers. So also handelt Gott, so ist das Wirken seines Messias, den wir als Christen in Jesus von Nazareth erkennen. Es ist ein sanftes, mildes und schonendes Wirken mit dem Siegel von Güte und Barmherzigkeit. Wenn wir uns von diesem Siegel prägen und verwandeln lassen und über das Wunder einer Gerechtigkeit staunen, die sich in Liebe erweist, dann kann tatsächlich Advent sein – nicht nur in unserem Herzen, sondern auch in unserem Zusammenleben. Ich schließe mit einem Text der österreichischen Dichterin Christine Busta (1915–1987): „Was ich dir zum Advent schenken möchte: Einen Orgelton wider den finsteren Morgen, meinen Atem gegen den Eiswind des Tags, Schneeflokken als Sternverheißung am Abend und ein Weglicht für den verloren geglaubten Engel, der uns inmitten der Nacht die Wiedergeburt der Liebe verkündet.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
PERSONALIEN � Langjähriger, hochrangiger SL- und BdV-Aktivist mit Wurzeln im Bärner Ländchen
� Verdienstvoller Jubilar aus dem Altvaterland
Alfred Kipplinger 70
Alois Kreuzer 90 Am 30. November feierte Alois Kreuzer aus dem Altvaterland im oberfränkischen Plech 90. Geburtstag.
A
lois Kreuzer kam in Endersdorf an der Grenze zum Deutschen Reich zur Welt. Seit dem Dreißigjährigen Krieg ist dort seine Familie im Kreis Freiwaldau nachweisbar. Die Vorfahren lebten als Bauern in der Region, die man bis 1918 als Österreichisch-Schlesien bezeichnete. Sein Elternhaus liegt rund 50 Meter von der Elßnitz entfernt, die die Grenze zum heute polnischen Preußisch-Schlesien bildete. Am Elternhaus führt die Straße von Niklasdorf nach Zuckmantel mit dem berühmten Marienheiligtum vorbei. Vor dem Haus verläuft parallel zur Eisenbahn die Landstraße. Nachdem der Vater Rudolf Kreuzer als Waldarbeiter vom Bistum Breslau entlassen worden war, stellte ihn die ČSR hier als Straßenwärter an, da kein Tscheche sich fand, vor Ort die Arbeit
zu verrichten. Dennoch wuchsen Alois und seine Zwillingsschwester Hermine mit einigen tschechischen Kindern auf, die wie sie schlesischen Dialekt sprachen. Die Mutter Hermine betrieb, unterstützt vom Vater, eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft. So hatten die Kinder immer genug zu essen, mußten aber auch helfen. Nach 1938 wurde Alois HJ-Führer. Zwischen diesem Dienst und dem sonntäglichen Kirchenbesuch gab es manchmal Konflikte. An das Kriegsende erinnert er sich genau. So trieb er mit anderen Buben für die Russen Milchviehherden Richtung Osten. Dann wurde er mit vielen Kameraden, aber auch alten Männern Richtung Mährisch Ostrau verschickt. Dort mußte der 13jährige im Kohleschacht arbeiten. Auch darüber berichtet er in seinen Erinnerungen anschaulich und ehrlich.
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48/2021
Der Vater kam Ende des Krieges in englische Gefangenschaft. Die Mutter mußte mit den drei jüngeren Kindern in die vormalige Munitionsanstalt (Muna), das Flüchtlingslager von Freiwaldau, direkt neben Endersdorf gelegen. Endersdorf ist heute ein Stadtteil von Zuckmantel. Nach seiner Entlassung aus der Zwangsarbeit wurde Alois Kreuzer mit der Mutter und den jüngeren Geschwistern vertrieben und gelangte in die Fränkische Schweiz. Er selbst kam zu einem Bauern, wo es ihm gut ging. Die Mutter hauste unter erbärmlichen Bedingungen. Nach einer Lehrzeit als Ofensetzer arbeitete er als Fliesenleger und war in vielen Teilen Deutschlands tätig. Sein Vater kam aus englischer Gefangenschaft zurück, fand wieder Beschäftigung als Straßenwärter bei P lech im damaligen Landkreis Pegnitz, wohin die Familie übersiedelte. Bei einem Besuch bei den Eltern lernte Alois seine spätere Frau Erika kennen, die aus Berlin stammte. Ihm gelang, die entsprechenden Prüfungen für das Fliesenlegerhandwerk absolvieren zu dürfen, und er eröffnete einen erfolgreichen Handwerksbetrieb im Markt Plech. Maßgeblich half seine Frau im Geschäft. Seine fünf Kinder und die neun Enkel wohnen zum Teil in seiner Nachbarschaft. Als Bürgermeister und Gemeinderat hat Alois lange Jahre, unterstützt von seiner Frau, nachhaltig die Politik vor Ort gestaltet. Seine jetzige Heimat Plech ist dank seines Einsatzes ein stattlicher Ort am Rande der Fränkischen Schweiz. Trotzdem hängt er noch mit tiefstem Herzen an seiner Heimat. Vom Altvatergebirge in die Fränkische Schweiz war es ein weiter Weg – eine Folge der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die SL gratuliert dem Jubilar und seiner Zwillingsschwester Hermine Holzenleuchter zum hohen Ehrentag und wünscht, daß sie sich noch weitere Jahre an ihrer Familie und der Natur erfreuen können. Margaretha Michel Am 2. November starb Rudolf Baumgartl, der aus dem Egerland stammende Träger der SL-Kulturpreises für Volkstumspflege 1999, mit 93 Jahren im oberbayerischen Wolfratshausen-Waldram.
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Am 8. Dezember feiert Alfred Kipplinger, langjähriger, hochrangiger und musikalischer SLAktivist mit Wurzeln im Bärner Ländchen, mit seiner Familie im unterfränkischen Sulzbach am Main seinen 70. Geburtstag.
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ernd Posselt, der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, würdigt den jahrzehntelangen Einsatz von Alfred Kipplinger für die Volksgruppe und gratuliert ihm zum Geburtstag. „Deine Verdienste um unsere Landsmannschaft können gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als Bezirksobmann hast Du immer dafür gesorgt, daß wir Sudetendeutschen in Unterfranken und weit darüber hinaus viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren. Mit Deiner wertvollen Tracht und Deiner mitreißenden Musikalität gehörst Du für uns alle zu den herausragenden Sympathieträgern und Markenzeichen unserer Volksgruppe. Dafür darf ich Dir von Herzen danken und Dir zu Deinem Geburtstag viel Glück, möglichst viel Gesundheit und Gottes reichen Segen wünschen.“ Das Bärner Ländchen gehört zur Heimatlandschaft Altvater. Dort finden wir in deutscher Zeit die Stadt Domstadtl und das Dorf Bernhau. Augustine Hansmann war die Tochter eines wohlhabenden Bauern in Domstadtl, Alfred Kipplinger der Sohn eines wohlhabenden Bauern in Bernhau. Sie kannten sich, verloren sich aber im Zuge der Vertreibung aus den Augen. Augustine strandete im bayerisch-schwäbischen Kempten, Alfred im unterfränkischen Sulzbach am Main. Doch sie fanden einander wieder. 1951 heirateten sie und lebten fortan in Sulzbach. Im selben Jahr schenkte Augustine ihrem Mann Al fred den Stammhalter Alfred. Das Paar baute ein Haus, Tochter Gerda und die Zwillingstöchter Christl und Elli kamen zur Welt. Und auch die Großeltern Hansmann und Kipplinger ließen sich in Sulzbach nieder. Kipplinger senior war in der SL aktiv, und der Junior besuchte regelmäßig die Kinder- und Jugendfreizeiten auf dem Heiligenhof. Außerdem engagier-
te er sich bereits als Gymnasiast in der Volkstanzgruppe der DJO, machte die Tanzleiterprüfung und gab Volkstanzkurse. Nachdem einmal die Technik versagt hatte und die Tänzer keine Musik zum Tanzen hatten, beschloß er, selbst Musik zu mache. Seitdem tanzte Alfred Kipplinger nicht nur, sondern spielte auch Akkordeon und sang. In seinem Leben jenseits der Volksgruppe leistete er Wehrdienst im unterfränkischen Hammelburg trotz seiner beachtlichen Größe in einer Panzereinheit. Er studierte, machte zwei Staatsexamen und wurde Staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker. 1980 heiratete er die aus Fulda stammende Diplom-Kauffrau Margret Stanger. Ein Jahr später heuerte Alfred Kipplinger als Laborleiter bei den Milchwerken Fulda-Lauterbach an. 1984 kam Sohn Christian zur Welt, und Vater Alfred wurde Außendienstmitarbeiter von Laborgerätefirmen in Bremerhaven, Darmstadt und Braunschweig für SüdDeutschland. Und das sollte er bis zum Renteneintritt 2016 bleiben. 1988 kam Sohn Simon zur Welt. Zum gestandenen Mann gereift, begann Alfred Anfang der neunziger Jahre seine heimatpolitische Arbeit in der SL. Er wurde Obmann der Ortsgruppe Sulzbach, Vizeobmann der Kreisgruppe Miltenberg, Kulturreferent und Obmann der Bezirksgruppe Unterfranken, Stellvertretender Obmann der Landesgruppe Bayern und gehörte 21 Jahre lang der Sudetendeutschen Bundesversammlung an. Auch im BdV war er Stellvertretender Landesvorsitzender. Die Schriftstellerin Maria Schulze-Kroiher (1931–2017) stammte aus dem Böhmerwald, war eine Nachfahrin Adalbert Stifters, lebte und wirkte in Unterfranken. Als Bewunderer dieser Literatin gab der kulturbeflissene Alfred Kipplinger mehrere Bücher wie „Es ist so tröstlich, wenn die Bäume sprechen“ mit ihren Texten heraus, die schnell vergriffen waren.
� Kulturpreisträger 1999 für Volkstumspflege
nter großer Anteilnahme früherer Kollegen und Vertretern der Stadt Wolfratshausen wurde Rudolf Baumgartl auf dem Waldramer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Mit ihm starb einer der in Sachen Kultur-, Musikund Heimatpflege engagiertesten Bürger der Loisachstadt. Er hinterläßt auch in der SL-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen eine große Lücke. Er kam am 28. April 1928 in Altrohlau – heute ein Ortsteil von Karlsbad – zur Welt. In seinem Heimatort gab es ein lebendiges Brauchtum, mit dem der junge Rudolf früh in Berührung kam. 1939 zog seine Familie nach Thüringen. Der Elfjährige vermißte das heimatliche Brauchtum so sehr, daß er bei Besuchen in Karlsbad in Antiquariaten nach alten Schriften, insbesondere nach alten Notenschriften stöberte und gelegentlich fündig wurde. Anfang 1945 wurde er als 17jähriger zum Kriegsdienst eingezogen, kehrte im September aus der Gefangenschaft nach Thüringen zu seinen
Rudolf Baumgartl † Eltern zurück. Dort traf er einen Onkel, der sich für den Volksmusiksammler als Fundgrube für Egerländer Liedgut entpuppte. 1946 floh Baumgartl aus der Sowjetischen Besatzungszone in den Westen. In Frankfurt machte er 1948 das Abitur und studierte unter anderem Musikwissenschaft, Volkskunde, Geschichte Osteuropas, Germanistik und Philosophie. Während seines Studiums kam er zur Ackermann-Gemeinde. In Frankfurt gründete er eine Sing- und Spielgruppe, mit der er Brauchtumsabende und -nachmittage durchführte. 1951 gestaltete er mit seiner Gruppe in Straßburg den ersten deutschen Volksliederabend nach dem Zweiten Weltkrieg. Er beschloß, Lehrer zu werden. 1956 zog er mit seiner 1952 gegründeten Familie Waldram. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer und späterer Konrektor der Waldramer Volksschule brachte er sich im Gemeindeleben ein. Ab 1958 leitete er den Kirchenchor der Pfarrei Sankt Josef
der Arbeiter, den er zunehmend zu einer Pflegestätte von Sakralmusik des böhmischen Raumes aufbaute und etliche Werke altböhmischer Meister bearbeitete. 1990 bis 2002 war er Mitglied des Wolfratshauser Stadtrates. Und immer blieb er seiner Volksmusik treu. Er wurde bei der Wiederbelebung alter Instrumente wie des Egerländer Dudelsacks tätig. Seit 1980 baute er in der Egerländer Gmoi z‘ Geretsried eine Dudelsackmusik auf, die auch bei Sudetendeutschen Tagen und bei Heimattreffen für Stimmung sorgte. Er wirkte an den musisch-kulturellen Wochenenden der Ackermann-Gemeinde im Jugendhaus Josefstal im oberbayerischen Schliersee mit und leitete den Arbeitskreis Volksmusik und Volkssingen der deutsch-tschechischen Kulturwoche „Rohrer Sommer“ in der Benediktinerabtei Rohr in Niederbayern. Auch an den Musisch-Kulturellen Begegnungstagen der Ackermann-Gemeinde in Karls-
Legendär sind Kipplingers Maiandachten und Adventsfeiern auf Bezirksebene. In die bezog er immer die Landsmannschaft Schlesien – ein Teil des Altvatergebirges gehört bekanntlich zu Sudetenschlesien – und die einheimischen Franken ein. Unzählig sind seine Veranstaltungen im Bezirk wie Tage der Heimat und Kulturnachmittage auf dem Heiligenhof sowie seine Auftritte nicht zuletzt auf den Sudetendeutschen Tagen. Regelmäßig besuchte er die Kreis- und Ortsgruppen sowie die Heimatkreise im Bezirk. Regelmäßig organisierte er Fahrten in die Heimat und zu den Heimatverbliebenen. Ein Herzensanliegen war ihm, bei den Einheimischen Verständnis für die Vertriebenen zu wecken. So unterhielt er immer einen Kuchenstand bei der Kirchweih in Sulzbach. Allsommerlich organisierte er im Rahmen der Sulzbacher Ferienspiele eine Kinderfreizeit auf dem Heiligenhof. In deren Rahmen brachte er den Kindern spielerisch ihre eigenen Wurzeln nahe und informierte sie über das Sudetenland. Im Südosten grenzt das Bärner Ländchen an das Kuhländchen. Die Kuhländler tragen helle Kniebundhosen, rote Wamse, hellblaue Jacken und Dreispitze. Auch Trachtenträger Kipplingers Haupt ziert ein Dreispitz, auch seine lederne Kniebundhose ist von hellem Gelb, auch sein Wams ist rot, doch seine Jacke ist dunkelblau. Das sei die mainfränkische Tracht in Würzburg, und die sei identisch mit der Wagstadter Tracht aus dem Kuhländchen, so Kipplinger. „Einen besseren Beweis gibt es nicht, daß die Nordmährer aus Franken gekommen sein müssen.“ Und auch kein besseres Symbol für die Symbiose von Einheimischen und Vertriebenen. Von Herzen gratulieren die Landsleute ihrem nordmährischen Franken Alfred Kipplinger zum Geburtstag und wünschen ihm ein frohes Herz voller Lebensmut und Zuversicht. Nadira Hurnaus bad war er maßgeblich beteiligt. Sein Bemühen um die deutsch-tschechische Verständigung zeigte sich zudem in zahlreichen Vorträgen, die er in der Tschechischen Republik über heimatkundliche Themen hielt. Wer ihn einmal auf einer von ihm geleiteten Kulturreise etwa nach Prag und Umgebung erlebt hat, war fasziniert von seinem immensen Wissen und Gedächtnis, die ihn befähigten, auch trockene Materie mit unerschöpflichen Details und Anekdoten zu würzen. Rudolf Baumgartl wirkte immer im Verborgenen, war bescheiden und zurückhaltend, was seine Person anging. Die öffentliche Anerkennung blieb dennoch nicht aus. So erhielt er 1999 den SL-Kulturpreis für Volkstumspflege, 2001 den Kulturpreis der Stadt Wolfratshausen, 2005 die Isar-Loisach-Medaille für seine Sammlung des Liedguts der Heimatvertriebenen und 2008 die Bürgermedaille. „Rudolf Baumgartl ist wie nur wenige mit dem gesellschaftlichen Aufbau des Ortsteils Waldram verbunden, er hat Generationen von Waldramer Kindern unterrichtet und geprägt“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner bei der Beerdigung. Wolftrud Rösel-Nahr
Der Adalbert-Stifter-Verein (ASV) vermittelte in seinem sechsten „Böhmischen Salon“ gemeinsam mit der Sudetendeutschen Heimatpflege Wissen über „Naturheiler, Kräuterweiber und Wanderpfarrer“. Die Veranstaltung mit vier Referenten fand noch in Präsenz, aber unter 2G-plus-Regel im Sudetendeutschen Haus statt. Referenten waren Anna Knechtel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des ASV, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Christina Meinusch, der Ex-Bundeskulturreferent Wolf-Dieter Hamperl und der Gartenbauarchitekt Thomas Janschek. SL-Förderpreisträgerin Stefanie Januschko umrahmte den Salon musikalisch auf dem Akkordeon.
Thomas Janschek, Anna Knechtel, Christina Meinusch und Dr. Wolf-Dieter Hamperl sprechen über Naturheilkunde.
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� Böhmischer Salon Nummer VI im Sudetendeutschen Haus in München
aria Treben, die 1907 als Ma ria Günzl in Saaz geboren wurde, war eine bekannte Kräu terheilerin und Autorin“, be gann Anna Knechtel ihren Vor trag. Trebens Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ sei in mehr als 20 Sprachen herausge geben worden und habe eine Ge samtauflage von mehr als neun Millionen Exemplaren erreicht. „Ich habe es schon vor Jahrzehn ten kennengelernt“, so die wis senschaftliche Mitarbeiterin des ASV, die von Trebens Leben und Schaffen erzählte.
Heilerin aus Saaz Trebens Vater Ignatz Günzl sei Eigentümer einer Druckerei ge wesen, ihre Mutter Marie Anna, geborene Marek, eine Anhänge rin der Kneippkur. „Als das Kind zehn Jahre alt war, starb der Va ter durch einen Unfall.“ Zwei Jahre später sei die Fa milie nach Prag gezogen. Maria arbeitete unter anderem als Re dakteurin der „Prager Tagblatts“, wo sie 14 Jahre lang war. Sie hei ratete 1939 den in Kaplitz leben den den Ingenieur Ernst Gott fried Treben, gab ihre Berufstä
Bilder: Susanne Habel
Naturmedizin in Böhmen tigkeit auf und wurde Hausfrau und Mutter. Anfang 1946 war Maria Treben nach der Vertrei bung in einem Sammellager in Bayern gelandet. Dort erkrank te sie an Typhus und wurde aus dem Lager in ein Krankenhaus verlegt, wo es jedoch kriegsbe dingt kaum Medikamente gab. Angeblich sei sie mit Schöll kraut behandelt worden, worauf hin sich ihr Zustand verbessert habe. „Dieses Schlüsselerlebnis brachte sie auf die Kräuterkun de.“ Treben wohnte später in Ober österreich, betrieb ein Selbststu dium und befaßte sich mit Phy totherapie, also Pflanzenheilkun de. „Sie heilte mit Wickeln einen fremden Jungen mit Brandverlet zungen und ihren eigenen Sohn nach einem Hundebiß mit einer Salbe mit Ringelblumen.“ Beson
Die Einladung und das Titelblatt des Bestsellers von Maria Treben. Ein Referent beim „Böhmischen Salon“ war der Pflanzenspezialist Thomas Janschek, der über „Thymian und Mistelzweig“ sprach. Der gelernte Landschaftsgärtner absolvierte in Weihenstephan ein GartenbauStudium. Neben seiner Tätigkeit als Qualitätsmanagementbeauftragter beim Hopfenring in der Hallertau schreibt er und hält Vorträge über Pflanzen, ihren Nutzen sowie deren Symbolik im Brauchtum.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
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anschek stellte in seinem Bil dervortrag einige Pflanzen in Mittel- und Osteuropa vor, die in Volksheilkunde und Jah resbrauchtum eine große Rolle spielten und spielen. Dazu zähle die Rassel- oder Knappernuß, die auch zur Herstellung von Rosen kränzen verwendet worden sei. „Sie wurde jedoch schon Hun derte von Jahren vor Christi Ge burt verwendet, wie man weiß.“ Auch die Kapuzinerrose, eine ungefüllte Wildrose, habe im
Thomas Janschek zeigt auch Bilder der Pflanzen, über die er spricht.
dere Bekanntheit erlangten ihre „Schwedenkräuter“, eine Tink tur nach dem schwedischen Arzt Claus Samst, der sie wiederum nach einem Rezept von Urban Hjärne gebraut hatte. „Maria Trebens Bücher wur den Bestseller und erlangten an haltende Verbreitung“, erklärte Knechtel. Die Schrift „Gesund heit aus der Apotheke Gottes“, die 1976 als einfache Mappe ent standen sei und über ihre Erfah rungen mit Heilkräutern berich tet habe, habe Millionenauflagen erreicht. 1971 habe Treben auch ihren ersten Vortrag über Kräuter gehalten und dies bis 1987 fort geführt. Die Heilkräuterautorin sei 1991 im oberösterreichischen Grieskirchen gestorben.
Prießnitz und Schroth Jedoch habe es schon zuvor Naturheilkundige in den böh mischen Ländern gegeben, wie Christina Meinusch ergänzte. Der Weg der beiden bekannte sten unter ihnen weise erstaun lich viele Parallelen auf. Der er ste, Vincenz Prießnitz, geboren 1799 in Gräfenberg bei Freiwal dau in Sudetenschlesien, sei Landwirt und autodidaktischer Naturheiler gewesen. Er ha be sich nach einem Unfall selbst mit kalten Umschlägen geheilt und sei als „Wasserdoktor“ so bekannt geworden, daß er so gar eine Klinik in Bad Gräfen berg eröffnet habe. Dort sei er 1851 gestorben. Außer auf Was seranwendungen habe er auf ei
nen gesunden Lebensstil, frische Luft und gute Ernährung gesetzt. Einen anderen Ansatz ver folgte Johann (auch Johannes) Schroth, der 1798 in Böhmisch dorf bei Freiwaldau, ebenfalls in Sudetenschlesien, geboren wur de. Der Naturheiler war der Er finder der nach ihm benann ten Schrothkur. Er wurde auch „Semmeldoktor“ genannt, weil trockene Brötchen ein wichtiger Bestandteil der Kur waren. An geblich kam er darauf, weil ver letztes Vieh instinktiv fast keine Nahrung zu sich nimmt. Er hat te bei einer Verletzung nur Was ser und trockene Semmeln zu sich genommen. Schroth fand so zu seiner Fastenkur, die bis heu te beliebt ist, allerdings lange mit Wein statt Wasser durchgeführt wurde. Schroth starb 1856 in Nie
Stefanie Januschko bietet ein großartiges Musikprogramm.
� Vortrag im Sudetendeutschen Haus in München
Kraut und Frucht Brauchtum Einfluß, etwa in der legendären Verbindung mit dem heiligen Johannes von Nepo muk. Zu Heilpflanzen zähle auch der Holunder. Sein Holz ha
Bilder: Susanne Habel
der-Lindewiese, wo er seine eige ne Klinik hatte. Daß es auch im Böhmerwald altes Heilwissen gab, schilder te wieder Anna Knechtel. Sie sprang damit für den Arzt Mi chael Popovic ein, der seinen Vortrag abgesagt hatte, und stell te heilkundliche Beschreibun gen aus dem Werk von Rosa Ta hedl vor. Als Deutschstämmige mußte sie nach Kriegsende als Waldarbeiterin im Böhmerwald schuften. Dort versuchte man Verletzungen etwa durch „Be sprechen“ oder Beschwörungen und Schlangenbisse durch Aus saugen und Ausbrennen zu hei len, was Tahedl in ihren Büchern schildert. So heilte etwa auch der „Bein-Richter“ Stadelbauer in Untermoldau einen Bruch mit Einrenken und Salbe.
be man Toten im Sarg mitge geben, seine Früchte seien als Tee verwendet worden. Vielsei tig sei ebenso der Faulbaum ge wesen, der als „Pulverholz“ auch zur Produktion von Schießpul
ver gedient habe. Gleich meh rere Kräuter hätten ihren Nut zen um die „Frauendreißiger“, also die Zeit mit den Festen Ma riä Himmelfahrt am 15. August, Mariä Namen am 12. September und Gedächtnis der Schmerzen Mariens am 15. September. Da zu zählten Thymian oder Quen del, Salbei, Schafgarbe, Frauen mantel, Johannis- und Tausend güldenkraut und Augentrost, die auch tatsächlich heilkräftige Wirkungen hätten.
In Nordböhmen habe es noch Dechant Adolf Pientka (1872– 1940) gegeben. Dieser „Pendel pfarrer“ habe durch das Schwen ken von Pendeln über Handab drücken von Kranken geheilt, womit er die passenden Medika mente ausgependelt habe. Einen anderen heilkundigen Pfarrer stellte Wolf-Dieter Ham perl vor. „Pfarrer Josef Lang war im Egerland aktiv“, sagte der ehemalige SL-Bundeskulturre ferent und Ex-Chefarzt. Lang sei aus Neustadtl im Kreis Tach au gekommen, wo seine Mutter als Hebamme tätig gewesen sei. 1939 habe Lang ein Manuskript über volkstümliche Beschwö rungen, „Rezepte“ für Kranke und abergläubische Verhaltens regeln geschrieben, das er 1950 als Spätvertriebener in den We sten mitgenommen habe. Ham perl veröffentlichte Langs Ma nuskript 1999 als Band 6 der „Schriften zur Tachauer Heimat geschichte“. Hamperl trug nun einige der „Regeln“ vor, die heute absurd erscheinen: gekochter Ameisen haufen und Regenwurmöl gegen Gicht, Hasenblut und -fell gegen Gallenkoliken, Palmkätzchen gegen Halsweh, Fuchsfett oder -schwanz bei Leistenbruch, Sau erampferwurzel gegen Gelbsucht und viel Ähnliches mehr. Auch Hamperl beschrieb mit dem Pfar rer Franz Thomas einen weite ren „Pendelpfarrer“, zu dem von weither Kranke pilgerten.
Musik als Heilmittel Neben den meist unwirksamen Hausmitteln konnten die corona geplagten, frisch getesten Gäste des „Böhmischen Salons“ jedoch ein schnell wirksames Heilmittel erleben. Denn zwischen den Vor trägen der vier Referenten trat Stefanie Januschko mit ihrem Akkordeon auf. 2020 hatte Stefanie Januschko – gemeinsam mit ihrer Schwe ster Elisabeth – den SL-Förder preis für Darstellende Kunst er halten. Derzeit studiert sie Lehr amt für das Gymnasium mit den Fächern Mathematik und Musik. Auf ihrem Instrument begleitet sie Volkstanzgruppen auf Reisen im In- und Ausland. Sie bot ein tolles Programm: Zuerst kam „Skippo“, eine Ei genkomposition, der mit „Goaß bock Schottisch“ Volksmusik folgte. Modern waren dann die „Herbstmelodie“ von Wolfgang Kaiser und das Arrangement „Autumn Trees“ von Peter Haas. Gesund und munter wurden al le Gäste spätestens bei den Tan gos „Contrastes“ von Astor Piaz zola und „Anantango“ von Gorka Hermosa. Susanne Habel „Und mit der Ende des Vege tationsjahres kommt dann der Beifuß zu Ehren, damit die Mar tinigans bekömmlicher wird“, schmunzelte der Referent. Die ses Kraut, die Artemisia, sei als „Muckwurz“ schon den Kelten und ebenfalls schon lange als Hilfe bei Frauenleiden bekannt gewesen. „Man hat es aber auch generell zur Stärkung verwendet, um besser durch den Winter zu kommen“, schloß Jantschek. Susanne Habel
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VERBANDSNACHRICHTEN . AUS DER HEIMAT
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� SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck in der Oberpfalz
Vertreibung ist ein Anschlag auf die Menschenrechte Am Volkstrauertag Mitte November gedachte die oberpfälzische SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck vormittags der sudetendeutschen Opfer von Krieg und Vertreibung, nachmittags veranstaltete sie ihre Jahreshauptversammlung.
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unächst besuchte eine Abordnung der SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck den Volkstrauertags-Gottesdienst in der katholischen Stadtpfarrkirche Sankt Vitus. Anschließend zogen die Gläubigen auf den Friedhof. Am dortigen VertriebenenMahnmal legte Kreisobfrau Sigrid Ullwer-Paul Blumen nieder. Zuvor hatte sie der Toten gedacht. Vor 76 Jahren habe die wilde Vertreibung begonnen. Vor 75 Jahren seien in Bayern und anderswo die organisierten Vertreibungstransporte angekommen. „Mehr als 270 000 Sudetendeutsche verloren im Zuge der Vertreibung ihr Leben durch Hunger, Erschöpfung, seelisches Leid, vor allem durch brutale Gewalteinwirkung oder Ermordung. Nicht vergessen wollen wir die vielen sudetendeutschen Opfer der beiden Weltkriege auf den Kriegsschauplätzen.“
Und: „Mit der Erinnerung an die Vertreibung und die damit verbundenen schrecklichen Ereignisse wollen wir immer wieder klarstellen: Vertreibung ist ein Anschlag auf die Menschenrechte. Vertreibung läßt sich nur bekämpfen mit dem Einsatz für die Menschenrechte. Wir wollen mit unserem Erinnern bewirken, daß sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Wir wollen damit an einer Welt, in der die Menschenrechte beachtet werden, mitwirken.“ Bei der Jahreshauptversammlung im Pfarrheim Sankt Michael gedachte Sigrid Ullwe-Paul eingangs der jüngst verstorbenen zwölf Landsleute. In ihrem Rechenschaftsbericht bedauerte sie, daß coronabedingt die letzte Fahrt im Oktober 2019 gewesen sei. 2020 hätten ein Kochabend und ein Vortrag über „Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung“ stattgefunden. Die 14tägliche Kegelgruppe, die monatliche Kaffeehaus-Gesprächsrunde und eine Vorstandssitzung seien Corona-Opfer geworden. Sie selber habe an vielen Online-Sitzungen des Landesvorstands teilgenommen. Beim ersten Präsenztreffen der Kreisgruppe im Juli sei über die Ent-
Kreisobfrau Dr. Sigrid Ullwer-Paul im Kreis der geehrten Landsleute.
wicklung der SL und die Aktivitäten auf Landes- und Bundesebene informiert, musiziert und dischkeriert worden. Höhepunkt sei die 70-Jahr-Feier der SLKreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck im historischen Rathaussaal Burglengenfeld im September gewesen. Schließlich ehrte die Kreisobfrau treue Mitglieder. Die Treuesten waren Irmgard Regan mit 25, Gislinde Stendebach mit 30, Sieghard Gubernath mit 40, Inge Stock, sie, Ullwer-Paul, selber und Elfriede Wurm mit 45, Gerda Spitzer mit 50 sowie Dieter Breitfelder, Gerhard Lacker und Horst Vogel mit 60 Jahren Mitgliedschaft. Ganz zum Schluß nahm UllwerPaul noch eine „Ehrung der besonderen Art“, wie sie sagte, vor. Bereits seit März 2020 halte sie das Große Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in petto. Jetzt habe sie endlich die Gelegenheit, Rosa Mehringer für ihre langjährigen und hervorragenden Dienste zu ehren. Mehringer zeichne sich durch besonderes Engagement aus und sei der Motor der beliebten Vertriebenen-Gesangsgruppe „Böhmisches Trio“.
Bild: Stefan Barte
� BdV-Kreisverband Wetzlar/Hessen
Neuer Vorstand, bewährtes Wissen Mitte November tagte der hessische BdV-Kreisverband Wetzlar in der Stadthalle von Aßlar.
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anfred Hüber, 1938 im egerländischen Karlsbad geboren, ist das Gesicht des BdV-Kreisverbandes Wetzlar. Seit Jahrzehnten engagieren er und sein Vorstand sich für die aus dem ehemaligen Deutschen Osten Heimatvertriebenen. Gleichzeitig ist Hüber Obmann der SL-Kreisgruppe Wetzlar. Nun bestätigte ihn der BdV-Kreisverband einstimmig für zwei weitere Jahre als Kreisvorsitzenden, ebenso alle anderen Vorstandsmitglieder. Auch als Obmann der SL-Kreisgruppe wurde er einstimmig bestätigt. Dem BdV-Kreisverband Wetzlar hatte sich bereits vor einiger Zeit der BdV-Kreisverband Gießen angeschlossen. Hübers Stellvertreter als BdV-Kreisvorsitzender sind Michael Hundertmark und Roland Jankofsky, Schatzmeister und zugleich Kulturreferent ist
Kuno Kutz, Schriftführerin und Stellvertretende Schatzmeisterin bleibt Gabriele Eichenauer. Stellvertretender Kulturreferent ist Manfred Drexler. Beisitzer sind Uwe Bergmann, Dieter Feiler, Josef Roth, Lydia Kiefel, Christa Kutz, Paul Zimmermann und Frank Steinraths. Manfred Hüber sieht die aktuelle Notwendigkeit, sich besonders um die vielen kleinen im Land Hessen verteilten Museen zu kümmern, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Geschichte und dem Ergehen der Heimatvertriebenen befassen. Wichtig sei, diese Museen für die nächsten Generationen zu erhalten und attraktiv zu gestalten. Angesichts der demographischen Entwicklung und der damit einhergehenden personellen Probleme in vielen BdV-Kreisverbänden sei es notwendig, daß immer mehr Kommunen die Verantwortung für Unterhalt und Betrieb der kleinen Heimatmuseen übernehmen oder zumindest mit überneh-
Der neue Vorstand des BdV-Kreisverbandes Wetzlar.
men müßten. Auch der BdV-Landesverband reagiere auf diese unvermeidliche demographische Entwicklung und werde „aus Gründen der Praktikabilität“ eine zentrale Geschäftsstelle für sämtliche Landsmannschaften einrichten. Im Nachbarland Tschechische Republik sei, so Hüber nach einem Blick über die Grenzen, erfreulicherweise festzustellen, daß sich Teile der dortigen jungen Generation ein Dreivierteljahrhundert nach Flucht und Vertreibung für diese spezielle Geschichtsphase am Ende des Zweiten Weltkrieges und ihre Folgen in den sich anschließenden Jahrzehnten interessiere. Darüber werde auch wissenschaftlich gearbeitet. In diesem Zusammenhang seien die Erlebnis- und Zeitzeugenberichte der Vertriebenen besonders wichtig. Die Anliegen der Heimatvertriebenen seien „nicht von gestern“, sondern weiterhin aktuell. Und die damit zusammenhängenden Aufgaben seien noch nicht abgeschlossen.
Bild: Franz Ewert
Links Schwester Theresita Wanitschek und Bürgermeister Roman Studený, rechts Landschaftsbereuer Günther Wytopil und Ortschronist Miloš Taraška.
� Heimatort Wichstadtl/Adlergebirge
Beispielhaftes Versöhnungszeichen heilige Agnes uns helfend zur Seite stehen. Bereits am Vortag hatte Bürgermeister Stundený eine Abordnung der früheren Wichstadtler im Rathaus empfangen. Nachmittags begleitete er uns mit einigen Ortsbewohnern zum Massengrab, wo wir der Toten namentlich gedachten, beteten, Grab und Grabstein segneten. Zum ei dem Versöhungsvorhaben ging Schluß sangen wir unser Heimatlied es um neue und das Restaurie- „Tief em Toole“, gedichtet und verren alter Gedenkstätten für die Ge- tont vom ortsansässigen, langjährifallenen der beiden Weltkriege und gen Oberlehrer Julius Pausewang. für die Mordopfer vom Mai 1945. Für Leider konnten wir das zweite Grab die ehemaligen Bewohner von Wich- wegen ungeklärter Wegverhältnisse stadtl und Deutsch Petersdorf – mitt- nicht besuchen. lerweile ein GemeinIm Laufe der letzten deteil von Wichstadtl 30 Jahre wurden ver– ging damit ein lang schiedene Gedenkstätersehnter Wunsch ten saniert oder neu auch als Zeichen der geschaffen. Während VergangenheitsbewälEva Rosovás Amtszeit tigung und der VersöhAnfang der 1990er Jahnung in Erfüllung. re war das Denkmal für Aus verschiedenen die Gefallenen des ErTeilen Deutschlands sten Weltkriegs saniert und Österreichs waren Sr. Theresita auf dem Wich- und mit einer neuen, mehr als 30 ehemali- stadtler Friedhof. zweisprachigen Tage Wichstadtler zum fel versehen worden. Heimatgottesdienst Am Friedhof wurde ein gekommen. Dort traebenfalls zweisprachifen sie die heutigen ges Denkmal errichWichstadtler, daruntet. Die Inschrift lautet: ter Bürgermeister Ro„Den unsinnigen Opman Studený. Die zweifern der beiden Weltsprachige Messe in der kriege“. Heimatkirche Sankt Seit 1995, dem Johannes der Täufer 50. Jahrestag der Erzelebrierte Pfarrer Pamordung von zwölf vel Plíšek. Mit diesem Roman Studený und Gün- deutschen Bewohnern Dankgottesdienst fand ther Wytopil. am 22. Mai 1945, daein mehr als drei Jahrmals war Teodor Šmok zehnte dauerndes Projekt der Ver- Bürgermeister, befindet sich eine Gesöhnung einen feierlichen Abschluß. denktafel aus weißem Marmor aus Am Ende des Gottesdienstes über- den lokalen Steinbrüchen in Mohrau reichten die Brüder Josef und Her- mit den Namen der Toten in der Kirmann Pietsch, mit mir die Initiatoren che in Wichstadtl. Zu unserer Überdes Projektes, Ehrenurkunden und raschung setzte Šmok etliche Jahein Geschenk an neun verdienstvol- re später mit Arbeitern der Gemeinle tschechische und deutsche Lands- de in der Nähe des Massengrabes der leute, darunter Bürgermeister Roman ermordeten Deutschen einen großen Studený sowie seine beiden Vorgän- Monolithen, sichtbar von der nahen ger Teodor Šmok und Eva Rosová. Straße aus. Ebenso renovierte die GeLandschaftsbetreuer Günther Wy- meinde die kleine Waldkapelle zum topil betonte in seinem Dank die be- Guten Hirten. sondere Bedeutung dieses Tages. Eine Gedenktafel, die an die GeWas über viele Jahre hier in einfühl- fallenen und Vermißten der beiden samer ZusammenWeltkriege erinarbeit zwischen nert, erstellten die den beiden VolksBrüdern Josef und gruppen entstanHermann Pietsch. den sei, sei einma2017 wurde dielig und ein Vorbild se in der Kirche in für andere Orte. Wichstadtl angeZum äußeren Zeibracht. Unser letzchen des Dankes tes heikles Thema überreichte er Bürin den letzten Jahgermeister Stu- Josef und Hermann Pietsch beim von ren war die würdidený eine besonde- Teodor Šmok gesetzten Monolithen. ge Gestaltung der re Urkunde für die beiden Massengräjetzigen Einwohner von Wichstadtl. ber. Gemäß Zusage von Roman StuIn meinen Dankesworten an die dený 2019 stehen nun auf jedem Grab Gemeinde erwähnte ich das Leben ein Kreuz und eine Stele mit den Nader heiligen Agnes von Böhmen, die men der Ermordeten. ihre Lebensaufgabe als BrückenbaueZum Schluß besuchten wir eine rin zwischen den unterschiedlichen Ausstellung des Wichstadtler OrtsStrömungen und Menschen im da- chronisten Miloš Taraška. Er hatte mit maligen Böhmen sah. Dieses kost- Hilfe der Ortsbewohner Fotos, Dokubare Brückenbau-Vermächtnis hin- mente und Gegenstände aus unserer terließ die heilige Agnes uns allen, deutschen Zeit zusammengetragen. die wir böhmische Wurzeln haben. Diese Exponate präsentiert er nun in Wir werden ihren Auftrag über unse- Schaukästen und Wandtafeln. Darre engen Grenzen hinweg weitertra- über hinaus dokumentiert Taraška gen, den Weg zu einem Europa be- unsere Ortsgeschichte sehr einfühlreiten, in dem jeder in Frieden und sam in einem von ihm herausgegeben Freiheit leben kann. Dazu möge die Buch.
Feierlich endete Anfang Oktober ein langjähriges Versöhnungsvorhaben ehemaliger Bewohner von Wichstadtl und Deutsch Petersdorf im Heimatkreis Grulich im Adlergebirge mit einem Dankgottesdienst in der Heimatkirche. Die Dominikanerschwester M. Theresita Wanitschek berichtet.
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AUS DER HEIMAT
Am Samstag fand die OnlineVerleihung des „Johnny“-KleinPreises für deutsch-tschechische Verständigung 2021 statt. Zum ersten Mal war er 2016 und zum zweiten Mal 2018 in Mährisch Schönberg im Altvatergebirge verliehen worden. Am Vortag, am 26. November, war der 25. Todestag des aus Mährisch Schönberg stammenden Journalisten, Diplomaten und Politikers Hans „Johnny“ Klein.
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ls Hartmut Koschyk, damals Bundesbeauftragter für nationale Minderheiten und Aussiedler, im Sommer 2015 zu Gast im Mährisch Schönberger Begegnungszentrum war, empfing ihn im Foyer ein großes Bild vom Heidebrünnel und eines seines einstigen Bundestagskollegen Hans „Johnny“ Klein. Dieser Anblick brachte ihn auf die Idee, Kleins in dessen Heimatstadt zu gedenken. Doch das Gedenken sollte auch in die Zukunft gerichtet sein. Sofort setz „Johnny“-Klein-Preis 2021 te er alle Hebel in Bewegung und gewann deutsche und tschechische Partner. Das Resultat war der „Johnny“-Klein-Preis für deutsch-tschechische Verständigung. Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, eröffnete den Begrüßungsreigen. Mährisch Schönbergs Bürgermeister Tomáš Spurný sagte, seine Ge- „Freie Presse“ volontiert. Ge- lerweile seien. Der Preis sei ihm neration sei nicht mehr von den genwärtig sei er Leiter des Res- eine große Motivation. Ereignissen des 20. Jahrhunderts sorts Recherche in Chemnitz. Er Den zweiten mit 2500 Euro dobelastet. Und das befördere die sei viel im sächsisch-böhmischen tierten Preis erhielt die Fernsehdeutsch-tschechische Grenzgebiet unter- Dokumentation „Eine Reise geEin Geschenk Zusammenarbeit. wegs. Dabei spiele gen das Vergessen“ des Leipzider Geschichte die deutsche Vergan- ger Vereins Tüpfelhausen. Die Gerd Müller, Bundesminister für wirtgenheit tschechischer Reportage verfolgt das Schickschaftliche Zusammenarbeit und Orte eine Rolle. Tagtäglich kom- sal des jüdischen Fußballklubs Entwicklung, erinnerte an wich- me er in Berührung mit vor allem SK Bar Kochba in Leipzig. Datige Wegmarken wie die Ent- jüngeren Menschen, denen die bei stoßen die Filmemacher auch schuldung der Entwicklungs- deutsche Vergangenheit nicht auf den DFC Prag, wo ebenfalls länder, die sein Vorgänger Klein bewußt sei. Hachs Beitrag schil- jüdische Fußballer mitspielten. gesetzt habe. An die Preisverlei- dere nicht nur die Geschichte ei- Den Preis nahm Christoph David her gerichtet, sagte er: „Sie hal- nes Ortes und seiner Menschen, Schumacher entgegen. ten Kleins Vision eines geein- sondern trage auch zum gegenSchumacher sei, so Laudatoten Europas am Leben.“ Regie- seitigen Verständnis und zur Ver- rin Christa Naaß, Präsidentin der rungssprecher Steffen Seifert, söhnung bei. Sudetendeutschen BundesverKleins Nachfolger im BundesEr sei, so Hach, in der Grenz- sammlung, 45 Jahre alt, Fachwirt presseamt, wertete die deutsch- region aufgewachsen. Als Kind im Gesundheits- und Sozialwetschechische Versöhnung als Ge- habe er mit seinen Eltern öfter sen sowie Vorstandsvorsitzender schenk der Geschichte. Urlaub in der Tschechslowakei des Vereins Tüpfelhausen – Das Koschyk, Stiftungsratsvorsit- gemacht, aber keine Ahnung von Familienportal. Neben der stazender der Stiftung Verbunden- der deutschen Geschichte ge- tionären Jugendarbeit im Heiheit mit den Deutschen im Aus- habt. Ihn fasziniere, wie alltäg- matkiez des Leipziger Westens land, entzündete ein spontanes lich die Begegnungen zwischen widme er sich insbesondere der Ideen-Feuerwerk: „Ich möchte Tschechen und Deutschen mitt- internationalen Kinder- und Jualle Stifter, alle Preisträger gendarbeit, unter anderem und die Familie einladen, mit dem Internationalen, nächstes Jahr in Mährisch Interkulturellen FußballSchönberg die künftige begegnungsfest (IFBF). Ausrichtung des Preises zu Schumacher habe sich diskutieren.“ Damit traf er mit anderen eingesetzt, ins Herz aller Beteiligten. daß man sich in der Stadt Reinfried Vogler, Vorsitan den alten von den Nazis zender der Kulturstiftung zerstörten jüdischen Sportder deutschen Vertriebeklub Bar Kochba Leipzig nen, sagte, Klein habe sich erinnere, einen Sportverals glühender Mährisch ein mit ehemals 1600 MitSchönberger nie mit der gliedern, der 1939 enteigSpaltung Europas abge- Martin Dzingel, Präsident der Landesversamm- net worden sei. Daraus seifunden, habe den deutsch- lung der deutschen Vereine in der Tschechischen en Jugendbegegnungen tschechischen Ausgleich Republik, ist Moderator und Laudator des Preis- mit Israel und der Tscheherbeigesehnt. Mit den trägers Oliver Hach. chischen Republik entPreisen werde sein Verstanden. Von tschechimächtnis in die Zukunft scher Seite hätten der getragen. jüdische Sportclub HakoOliver Hach, Redakach Prag, der DFC Prag, teur der Chemnitzer „Freidas Roma-Fußballprojekt en Presse“, erhielt für seiMongaguá in Aussig und ne Reportage „Heimkehr Mährisch Ostrau und das nach Kupferberg“ den mit Jugendzentrum Blans1500 Euro dotierten dritko mitgemacht. Heuer ten Preis. Sie schildert die sei das IFBF mit 400 TeilGeschichte von Edmund Gerd Müller, Kleins Nachfolger als Bundesmini- nehmern und 6000 BesuWohlrab, der als Sieben- ster für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Stef- chern die größte internajähriger aus Kupferberg, fen Seibert, Kleins Nachfolger als Chef des Presse- tionale Jugendbegegnung tschechisch Meděnec, im und Informationsamts der Bundesregierung, … Ostdeutschlands geweErzgebirge vertrieben wursen. de, bis heute immer wieder Der Film erinnere an in seine Heimat zurückdas 100. Jubiläum von SK kehrt und sich für AussöhBar Kochba. 1920 hätten nung einsetzt. die Leipziger Brüder Leo„O Arzgebirg, wie bist pold und Max Bartfeld mit du schie“, begann Dzinanderen jüdischen Sportgel seine Laudatio auf Olilern einen Sportverein gever Hach. Das Erzgebirge gründet. Die meisten Vererinnere ihn an seine Heieinsmitglieder hätten das mat Altvatergebirge. Hach … Reinfried Vogler, Vorsitzender der Kulturstif- NS-Regime nicht überlebt. sei 1972 in Freiberg in tung der deutschen Vertriebenen, und Mährisch Vor wenigen Jahren sei Sachsen zur Welt gekom- Schönbergs Bürgermeister Tomáš Spurný spre- Bewegung in die ErinneBilder: Nadira Hurnaus (5) rung an SK Bar Kochba gemen. Habe nach dem Stu- chen Grußworte. Alexander Klein (1) kommen. dium bei der Tageszeitung
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Zugroute von Berlin nach Dresden durch das Elbtal nach Aussig seiner Kinder- und Jugendzeit orientiert. Dort stelle er die gerade im Museum Aussig eröffnete Ausstellung „Unsere Deutschen“ und deren Kurator Petr Koura vor. Im Museum begegne Lüth auch dem Dokumentarfilmer David Vondrácek, der sich seit 20 Jahren mit dem Thema Vertreibung beschäftige. Vondrácek habe den Film „Töten auf Tschechisch“ gedreht. Danach stelle Lüth den Film „Landschaft im Schatten“ des Regisseurs Bohdan Sláma vor. Der erzähle die Geschichte des südböhmischen Dorfes Tust. Jüngere Tschechen, die zu einer Enttabuisierung des Vertreibungsgeschehens beigetragen hätten, seien die Schriftstellerin Kateřina Tučková, Mitbegründerin des Brünner Versöhnungsmarsches, und dessen Organisator Jaroslav Ostrčilík. Auch die lasse Lüth zu Wort komen. Zum Schluß besuche er Olmütz, die Heimatstadt seiner Mutter. Dort treffe er Michal Urban von der Initiative Antikomplex, die einen entscheidenden Beitrag zur Aufarbeitung der Vertreibung der Deutschen geleistet habe. Über Michal Urban habe Lüth den jungen Historiker Martin Hájek kennengelernt, der ihm in Olmütz die deutschen Spuren – auch die seiner Mutter – gezeigt habe. Am Ende seiAusgehend vom Thema Fuß- macht. Seitdem sei er freier Mit- ner Zeitreise führe Jonas Lüth ball, beleuchte der Film auch arbeiter beim Deutschlandfunk den Hörer wieder in das Dörflein schmerzhafte historische Mo- und bei BR 24. Wenzelsdorf und beschreibe den mente. Er erinnere an die enJonas Lüth nehme die Hö- Exodus der deutschen Bevölkege Verflechtung mit dem jüdi- rer mit auf eine Zeitreise in sei- rung 1945. schen Leben, auch im sportlichen ne Kindheit ins AltvatergebirJonas Lüth habe ein einBereich, das brutal ausgelöscht ge nach Wenzelsdorf in das Wo- drucksvolles Gemälde der heuworden sei. Der Film habe zwei chenendhaus seiner Großeltern. tigen tschechischen AuseinanSchwerpunkte: Es gehe um die An diesem Sehnsuchtsort habe dersetzung mit dem Schicksal Aussöhnung für ein friedliches er mit seiner Mutter immer die der Deutschen in Böhmen, MähEuropa und um die Vergangen- Ferien verbracht. Die Mutter sei ren und Sudetenschlesien geheit mit der Perspektive auf die in den achtziger Jahren aus der zeichnet, schloß Hartmut KoZukunft. Tschechoslowakei nach West- schyk. Der Film ende – ohne aktuel- deutschland ausgewandert. ZuDer über den Hauptpreis so le Probleme wie den wieder auf- nächst hätten sie in Hamburg, überraschte wie stolze Jonas Lüth flammenden Antisemitismus und später in Berlin gelebt. Er habe schilderte gleichzeitig bescheizunehmenden Rassismus auszu- die Restaurierung den und enthusiaÜberraschung sparen – mit einem hoffnungs- des Wenzelsdorstisch sein Leben, und Stolz vollen Ausblick. Sport bringe fer Friedhofs erseine Familie und Menschen zusammen, Fußball lebt. Dabei sei er seine Reportage spreche eine universale Sprache, auf Grabsteine mit deutschen deutsch und tschechisch. verbinde und spalte nicht, Sport Namen wie Bauer, Weigl oder Das letzte Wort hatte Kleinfördere das Zusammenleben und Pusch gestoßen. sohn Alexander, der für die SL nicht das Trennende, fördere das Koschyk: „Wenzelsdorf liegt und namens der Familie dankte. gegenseitige Kennenlernen und übrigens nur wenige Kilometer Er dankte den Jurymitgliedern, Verstehen auch über Landes- von Johnny Kleins Heimatstadt den Sponsoren, den Veranstalgrenzen hinweg. Mährisch Schönberg entfernt.“ tern, den Rednern, den PreisträDer Film erfülle die Intention Für seinen Hörfunk-Beitrag ha- gern und den vielen Journalides „Johnny“-Klein-Preises, die be Lüth eine Reise quer durch sten für ihre eingereichten hochKenntnisse von Deutschen und die Tschechische Republik ge- wertigen Beiträge. „Eine Freude Tschechen übereinander zu er- macht. Dabei habe er sich an der war zu lesen, zu hören und zu seweitern, das gegenseitihen, wie mannigfaltig über ge Verständnis in Europa das deutsch-tschechische zu fördern und dabei die Verhältnis berichtet wird. Brückenfunktion der deutUnd schön, daß Mährisch schen Minderheit in der Schönberg, die von meiTschechischen Republik nem Vater geliebte Heizu würdigen. matstadt, auch heute noch Schumacher dankte für seiner gedenkt.“ „Danke, Ihr Schmetterden Preis, aber auch den linge aus Schönberg. Ihr vielen Protagonisten, die mitgemacht hätten. Wie Die Laudatio auf den Preisträger Jonas Lüth hält habt wunderbar gesundie Preisverleihung nun im Hartmut Koschyk, langjähriger Bundesbeautrag- gen“, sagte er zu dem KinCorona-Modus stattfinde, ter für Aussiedlerfragen und nationale Minder- derchor Motýli Šumperk/ Schönso sei der Film im Corona- heiten und Vorsitzender des Stiftungsrates der Schmetterlinge Lockdown entstanden. Fa- Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im berg. Die hatten in der barocken Klosterkirche zit: „Man darf sich nicht Ausland. Mariä Verkündigung eiaufhalten lassen.“ gens für die PreisverleiDen mit 5000 Euro dohung ein Video aufgenomtierten ersten Preis ermen. hielt der deutsch-tschechi„Ganz zum Schluß und sche Jonas Lüth für seine ganz besonders danke ich im Deutschlandfunk ausHartmut Koschyk, dem gestrahlte Radio-ReportaSpiritus Rector und Ideenge „Tschechien und seine geber des Preises. Er initiDeutschen. Was ist geblieierte 2016, 20 Jahre nach ben?“ über den aktuellen Umgang in der Tsche- Die Laudatio auf den Preisträger Christoph David dem Tod meines Vaters, die chischen Republik mit der Schumacher hält Christa Naaß, Präsidentin der Preisverleihung, die das Lebenswerk meines Vaters deutschen Vergangenheit. Sudetendeutschen Bundesversammlung. würdigt. Und schrieben Sie Jonas Lüth sei, so Laudaden ,Johnny‘-Klein-Preis tor Hartmut Koschyk, 1992 für die deutsch-tschechiin Hamburg zur Welt gesche Verständigung aus. kommen und in einer Heuer, zum 90. Geburtstag deutsch-tschechischen Faund zugleich 25. Todestag, milie in Hamburg und Berveranstalten Sie nun den lin aufgewachsen. Nach dritten Jahrgang. Daß Sie einem vielfältigen Studian Ihren Freund und Mitum habe er 2020/2021 ein streiter so eindrucksvoll sechswöchiges Praktikum in der Redaktion „Aktuel- Preisträger Oliver Hach und Alexander Klein, der und herzlich erinnern, bele Kultur und Politik“ des namens der Sudetendeutschen Landsmannschaft wegt uns zutiefst. Danke.“ as Deutschlandsfunks ge- und der Familie Klein das Schlußwort spricht.
Vermächtnis für eine bessere Zukunft
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau – Teil II und Schluß
Trauertage im Herbst – besondere Grabstätten N
Besucher bei der Ausstellung.
� Neue Dauerausstellung im Aussiger Stadtmuseum – Teil I
„Unsere Deutschen“ Nach zehnjähriger Vorbereitung eröffnete Mitte November die Dauerausstellung „Unsere Deutschen“ im Museum der Stadt Aussig. Am Tag nach der offiziellen Eröffnung (Þ SdZ 47/2021) fanden die ersten Führungen für die Allgemeinheit statt. Jutta Benešová war dabei und berichtet.
Exponat: böhmisches Pumpernickel aus Elbogen.
D
ie Dauerausstellung hat einen Etat von umgerechnet zwei Millionen Euro. Und sie dokumentiert mit wertvollen historischen Dokumenten, Gegenständen und moderner Technik 800 Jahre Zusammenleben von Deutschen und Tschechen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Die Aufarbeitung der deutsch-
tschechischen Beziehungen war lung ansähen, eine der Bedingung, die die EU vor allem die der Stadt Aussig für die Gewäh- junge Generarung von umgerechnet 17 Mil- tion. Wir belionen Euro für die Erneuerung reiten auch ein des Aussiger Stadtmuseums auf- Programm für erlegte. deutsche SchuAnfänglich waren es organi- len vor“, ersatorische und technische Grün- gänzte Vokurde im Collegium Bohemicum, ka. in der letzten Phase aber vor alSymbolisch lem die Pandemie, die die Aus- zerschnitten stellungseröffnung verzögerten. dann beide das Das Collegium Bohemicum ist Band zum Aufein gemeinnütziger Verein, ein gang in die Vereinszweck ist die Daueraus- oberen Etagen, stellung. in denen sich Corona machte eine Online- die Ausstel- Der Aussiger Museumsdirektor Václav Houfek und Anmeldung zu einer der bei- lung in mehr Tomáš Vokurka vom Collegium Bohemicum. den Führungen nötig. Zur ersten als 20 Räumen Führung hießen Václav Houfek, befindet. Die Besucher teilten ginnt die Ausstellung in der erDirektor des Museums der Stadt sich in zwei Gruppen, wobei mei- sten Etage, rein vom historischen Aussig, und Tomáš Vokurka vom ne Gruppe unter Leitung des Mu- Ablauf, mit dem frühen MittelCollegium Bohemicum die et- seumsdirektors Houfek zunächst alter mit archäologischen Funwa 40 Besudie zweite Eta- den bis zum Habsburger Kaisercher willkomge besuchte. reich. men. „Ich hofEmpfehDurch die überwältigende fe, daß sowohl lenswert ist, Vielfalt der Exponate fordert das Thema als die Besichti- die Besichtigung der Ausstelauch die Gegung in der lung volle Konzentration. Unsestaltung der zweiten Etage re kommentierte Führung dauerAusstellung zu beginnen, te mehr als zwei Stunden. Am bepositiv aufgefalls man nicht sten wäre es wohl, zwei Tage für nommen wereine kommen- diese Ausstellung einzuplanen. den“, sagte Exponat: Vertreibungskiste aus Stein- tierte Führung Man kann sie auch ohne FühSchönau/Kreis Tetschen-Bodenbach. besucht, die rung besuchen. Die Erklärungen Museumsdirektor Houfek einmal im Mo- der Exponate sind ausnahmslos zur Begrüßung. „Die Ausstel- nat auch auf deutsch stattfinden auch auf deutsch. Dabei werden lung ist die tschechische Sicht soll. Denn die Ausstellung in der moderne Geräte und Technoloauf ,unsere Deutschen‘. Wir wür- zweiten Etage beinhaltet „Are- gien wie Hologramme, Touchden uns freuen, wenn sich nicht nen und Ausprägung des öffent- screens, 3D-Animationen oder nur Tschechen, sondern auch lichen Lebens“ ab 1848 bis zur Bild- und Tonproduktionen verviele Deutsche diese Ausstel- Vertreibung. Währenddessen be- wendet. Fortsetzung folgt
icht zu verin der von ihm gessen ist 1889 in Settenz auch Reginald bei Teplitz geCzermackgründeten MaWartecks Enrienhütte. gagement bei Die Glasder Gründung hüttenwerke der Teplitzer Max Mühlig Museumsgemit Sitz in Tesellschaft. Eine plitz-Schönau ihm gewidmeentwickelten te Ausstellung sich zur größim Teplitzer ten und moMuseum 2017 dernsten Fenzeigte sein sterglasfabrik vielseitiges in Österreichund arbeitsUngarn. Bei reiches Leben. der MarienhütUnd Pavlina te ließ Mühlig Boušková beeine Werksiedschreibt sein Die rechte Seite … lung für 90 FaLeben ausmilien anleführlich in eigen. Seit 1907 ner Publikatiwar er zudem on, welche das Inhaber eiRegionalmusenes Großteils um in Teplitz der Aktien der 2020 herausÖsterreichigab – allerschen Glashütdings nur auf tenwerke AG tschechisch. in Aussig. Und noch Seine Söhein weiteres ne Josef und Familiengrab Anton, die früh ist auf dem in das väterevangelischen liche UnterTeil zu finden: nehmen eindas der Familie gestiegen waMax Mühlig, ren, hatten zu eines weltbedieser Zeit bekannten Hütreits Leitungsteningenieurs funktionen inund Glasfabri- … die Mitte … ne. Unter ihrer kanten. Bis in Leitung expandie heutigen dierte das UnTage expanternehmen in dieren die eheFusion mit der maligen MühAussiger AG lig-Werke als zur Mühligglobaler KonUnion-Glasinzern ACG in aldustrie AG. ler Welt. Mühlig verMühlig, gestarb 1915 in boren 1935 in Teplitz. Auch Leipzig, geseine Söhne storben 1915 in sind im FamiliTeplitz-Schöengrab Mühlig nau, erhielt beigesetzt. seine AusbilNoch viedung an der le weitere hiKöniglich storische PerSächsischen sönlichkeiBergakademie ten liegen auf in Freiberg. In dem Teplitder Sophien- … und die linke Seite des Grabes der zer Friedhof. hütte bei Eich- Familie Mühlig. Ein besinnliwald-Zuckcher Spaziermantel erwarb er Erfahrungen gang bringt uns ihre Namen in bei der Herstellung von Fenster- Erinnerung und auch ihre Verglas nach dem belgischen Float- dienste zum Wohl ihrer HeimatVerfahren. Dieses verwendet stadt Teplitz-Schönau. Jutta Benešová heute noch der ACG-Konzern
WIR GRATULIEREN Unseren treuen HeimatrufAbonnenten entbieten wir herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im Dezember. n Ladowitz/Kreis Dux. Kurt Bernauer, Zedernweg 10, 42111 Wuppertal, 3. Dezember 1931.
Exponat: Die Böhmerland ist das längste Motorrad der Welt.
n Moldau, Ullersdorf, Grünwald/Kreis Teplitz-Schönau.
Karl Schloegel (G 53 Schloegel), Kreuzäcker 12, 91166 Georgensgmünd, 5. Dezember 1931; Reinhold Heymann (M 18 Wauner), Breitscheidstraße 21, 06842 Dessau-Roßlau, 12. Dezember 1937. n Zuckmantel/Kreis TeplitzSchönau. Gisela Tscherpel, Am Weckelsberg 12, 46240 Bottrop, 1. Dezember 1942.
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Eschlkam, Neumark und Prachatitz
Wir sind sousedé. My jsme Nachbarn Eine Delegation aus dem Landkreis Cham besuchte die Ausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ des Nationalmuseums Prag im Museum in Prachatitz.
E
in einzigartiges Zeugnis der deutsch-tschechischen Freundschaft war das Schild mit der Aufschrift „Wir vermissen euch. Bleibt gesund“ am Grenzübergang Eschlkam-Neumark zum Beginn der Pandemie, als die Grenze plötzlich dicht war. Dieses Schild erregte nicht nur Aufsehen in der Region, sondern erweckte auch das Interes-
Nach einer knapp dreistündigen Fahrt wurde auf überwiegend engen Straßen Prachatitz erreicht. Im Marionetten- und Zirkusmuseum auf dem Stadtplatz erwartete die aus Prag angereiste Lenka Šaldová die Besucher. Sie freue sich, so Šaldová, daß Gäste aus der Region die Ausstellung besuchten, in der dieses Schild gestanden habe. Sie wies darauf hin, daß die Theaterabteilung des Nationalmuseums in Prag das Tschechische Marionetten- und Zirkusmuseum in Prachatitz gegründet und aufgebaut habe, aber nun
Lenka Šaldová führt durch das Museum. se des Nationalmuseums in Prag. Dessen Abteilungsleiterin Lenka Šaldová fragte im Frühjahr Neumarks Bürgermeister Václav Bernard, ob man das Schild kaufen könne. Man konnte. Bernard hatte mit den Gemeindebediensteten Marie Homolková und Jana Válková diese Tafel vorbereitet und aufgestellt. Und bis Ende November war sie der Blickfang der Ausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ („Hranice je jen slovo“) mit dem Untertitel „Wir sind sousedé. My jsme Nachbarn“ im Tschechischen Marionetten- und Zirkusmuseum im südböhmischen Prachatitz. Josef Altmann, der Vorsitzende des Vereins Gäste- und Kulturführer Bayerwald, besuchte im Sommer Bürgermeister Václav Bernard. Sie vereinbarten eine Fahrt nach Prachatitz zu dieser Ausstellung. Während Altmann das Programm ausarbeitete, nahm Karl Reitmeier zu Lenka Šaldová Kontakt auf, die er beim Abbau des Schildes kennengelernt hatte. Šaldová ist auch im Vorstand des Klubs Tschechisch-Deutsche Partnerschaft und spricht hervorragend Deutsch. Das Interesse an der Fahrt war mit rund 50 Teilnehmern ganz gewaltig. Mit einem Bus war man in Cham gestartet, die meisten Teilnehmer stiegen in Eschlkam zu. Große Freude herrschte darüber, daß auch Bürgermeister Václav Bernard mit seiner Frau Anna sowie den Mitgestalterinnen der Tafel, Marie Homolková und Jana Válková, an der Fahrt teilnahm.
auch für die Wander-Ausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ verantwortlich zeichne. Sie erinnerte daran, als die Grenze wegen der Pandemie geschlossen gewesen sei. In dieser Zeit habe es auch die Samstage der guten Nachbarschaft an der Grenze gegeben. In der Ausstellung seien auch viele Fotos von diesen Begegnungen an 18 Orten zu sehen.
nach in das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. Šaldová stellte auch den Klub Tschechisch-Deutsche Partnerschaft vor. Dieser Klub habe zu den aktiven Organisatoren der Samstage für gute Nachbarschaft im Grenzgebiet gehört. Auch diesen Samstagen widme sich die Ausstellung und veranschauliche, wie sich der Klub an der Entwicklung grenzüberschreitender Kontakte beteilige. Auf ihren Vorschlag hin wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei die eine Gruppe zunächst die Dauerausstellung des Tschechischen Marionetten- und Zirkusmuseums besichtigte und die andere Gruppe die Wechselausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ in Augenschein nahm. Šaldová übernahm die Führung durch das Marionetten- und Zirkusmuseum, während die Ausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ selbständig besichtigt werden konnte. Das Marionetten- und Zirkusmuseum ist die einzige Ausstellung in der Tschechischen Republik, die die Geschichte von Zirkus und Zauberei kartiert – und noch dazu im Zusammenhang mit der Präsentation der ruhmvollen Vergangenheit der tschechischen Marionetten von Wanderpuppenspielern bis zu ständigen Puppenszenen. Dieses Museum vereint auf zwei Stockwerken in sich drei spezifische Welten, in denen tschechische
Die Sonntagsspaziergänger auf dem Steinberg. Pfarrer Gerorg Hartl trägt die Gruppe in das Gipfelbuch ein.
Sonntagsspaziergang nach Neudorf
Neues Friedhofskreuz be/Donau über den Niklasberg zum Glöckelberg im Kreis Krummau führe. Weiter erzählte er von den rauchenden Kohlenmei-
bald geschafft, und Pfarrer Hartl notierte die Besuchergruppe im Gipfelbuch. Da man gut in der Zeit war, konnte das weitere Ziel, der deutsche Friedhof von Neudorf, noch in Angriff genommen werden. Von der Ortsmitte aus war man in wenigen Minuten vor Ort. Hier konnte man as Ziel war der das neue große HolzSteinberg, auch kreuz bewundern. Niklasberg und tscheDas hatten laut Besuchisch Kamenny Vrch. cherbuch OrtsbetreuDie kleine Gruppe von er Gerhard Reichl und acht Wanderern fuhr seine Kameraden bemit Autos über Eslarn, reits am 20. Juli aufgeBilder: Siegfried Zeug stellt. Tillyschanz, Eisendorf Einträge im Friedhofsbuch. und Neudorf zum FuAllmählich neigte ße des 739 Meter hohen Berges. lern an den Hängen des Berges. sich der Tag, und die SonntagsDer Organisator, Pfarrer Ge- In früheren Zeiten sei hier aus Ei- wanderer konnten, beglückt von org Hartl von Sankt Emmeram chen- und Buchenholz hochwer- den Eindrücken, die Heimfahrt in Waidhaus, war wieder in sei- tige Holzkohle für die Glashütten antreten. Falls es die Coronasinem Element. Er erläuterte den hergestellt worden. tuation zuläßt, soll am NeujahrsAusflüglern, daß, von PfraumDer Aufstieg durch den na- tag wieder ein Spaziergang stattberg her, die Wasserscheide El- turbelassenen Buchenwald war finden. Siegfried Zeug
Nach anderthalbjähriger Abstinenz fand am vorletzten Novembersonntag wieder ein Sonntagsspaziergang mit dem Waidhauser Pfarrer Georg Hartl in den Oberpfälzer Wald oder Český les genannten Teil des Böhmerwaldes statt.
D
Deutsch-tschechischer Stammtisch
Astaloš sagt „Ahoi“ Ein historisches Marionettentheater.
Bilder (2): Karl Reitmeier
Die Fotos präsentierten die Geschichten der Menschen, die von der Grenzschließung berührt gewesen seien, zeigten jedoch auch, mit welchen symbolischen Gesten jene sich über die schwere Zeit hinweg gegenseitig unterstützt hätten. Dabei hätten neben dem Schild auch riesige Holzhände, mit denen man sich über die Grenze die Hände hätte reichen können, für Bewunderung gesorgt. Die Grenzschließungen nannte sie einen Angriff auf die Bevölkerung im Grenzgebiet. Die Ausstellung werde künftig noch an weiteren Orten zu sehen sein. Von Prachatitz wandere sie zunächst nach Gablonz-Reinowitz ins Haus der deutsch-tschechischen Verständigung und da-
Künstler der Vergangenheit sowie der Gegenwart häufig eine hervorragende Rolle spielten: die Welt des Puppentheaters, des Zirkus und der Zauberei. Der Museumsbesichtigung folgte eine Einkehr im Restaurant Černý Medvěd (Schwarzer Bär), das sich gleich daneben befand. Anschließend führte Soňa Kabelová durch die Stadt. Dabei konzentrierte sie sich auf die historischen Gebäude am Stadtplatz und deren Geschichte. Sie erzählte, daß Prachatitz rund 11 000 Einwohner zähle. In der Vergangenheit sei es ein wichtiger Ort am Goldenen Steig – einem alten Handelsweg zwischen Passau und Prag – gewesen. Einen Namen habe sich die Stadt mit dem Salzhandel gemacht. Prachatitz habe sogar ein eigenes Stadttheater. Besondere Bauwerke seien das alte Rathaus mit der Darstellung der Tugenden und das neue Rathaus mit den Figuren von sieben bedeutenden Prachatitzern. Die Stadtführung endete mit einem Besuch der prächtigen Dekanatskirche Sankt Jakobus. Die Rückfahrt ging über Bergreichenstein und Bayerisch Eisenstein. Während der Busfahrten hatte Josef Altmann über die Orte informiert, die passiert worden waren. lr
Karl Reitmeier dankt Lenka Šaldová – sie steht zwischen Václav Bernard und Josef Altmann – mit einer Bonboniere und einer Flasche Wein.
Anfang 1994 entstand der älteste grenzüberschreitende Stammtisch Furth im WaldTaus.
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ittlerweile traf er sich 285 Mal abwechselnd in Furth im Wald und in Taus. Gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten die Stadtoberhäupter Reinhard Macho und Jaroslava Wollerová Kontakte geknüpft. Die leitenden Beamten in den Rathäusern waren Franz Thurner Historische Schenke Zur Windsbraut. und Zdeněk Kadlec, die sich auch privat gut verstanden. sitzende Pavel Jelinek und der Eines Tages hatten sie die Ortsvorsitzende Petr Matějka soIdee, einen Stammtisch zu grün- wie der Historiker und Hobbyden, und gewannen weitere Brü- Archäologe Zdeněk Procházka. der dafür. Auf tschechischer Sei- Später stießen Antonín Kondrýs te waren das vom Touristikclub und Vlastimil Konrády dazu. Auf Taus der damalige Kreisvor- bayerischer Seite waren es neben
WIR GRATULIEREN Im Dezember gratulieren wir herzlich folgenden treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten zum Geburtstag und wünschen alles Gute. Weißensulz. Josef Brix (Zenken Schousta), 91 Jahre. Regina Hildwein Ortsbetreuerin Sichrowa, Pscheß. Am 4. meine Frau Maria Vogl/Nittbaur in Augsburg, 85 Jahre. Franz Vogl Ortsbetreuer
Franz Thurner noch Hermann Plötz und Werner Perlinger. Später wurden Karl Reitmeier und Jürgen Kögler aufgenommen. Die Treffen in Taus fanden seit Mai 1996 fast immer im Mittelalter-Lokal Meluzína (Windsbraut) statt, wo Franitšek Astaloš die Stammtischbrüder bewirtete. Ende des Jahres geht Astaloš in den Ruhestand. Zum Abschied schenkten ihm die Stammtischler ein Fotobuch mit Bildern von Treffen in der Meluzína. Astaloš sagte, er habe sich immer gefreut, wenn der Stammtisch bei ihm gewesen sei. Und er sagte: „Ahoi“ („Tschüß“). Der Tauser Stammtisch zieht nun ins Restaurant im Kulturzentrum Galerie Pivovar. lr
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Dezember Herbert Gröbner, Ortsbetreuer von Meeden, am 2. zum 96. Geburtstag; Maria Hagenauer, Mitarbeiterin von Tscharlowitz, am 5. zum 89. Geburtstag; Josef Rothmaier, Ortsbetreuer von Natschetin, am 9. zum 91. Geburtstag; Barbara Knott, Ortsbetreuerin von Waier, am 16. zum 85. Geburtstag; Regina Hildwein, Ortsbetreue-
rin von Weißensulz, am 21. zum 67. Geburtstag und Cäcilie Berndt, ehemalige Ortsbetreuerin von Heiligenkreuz, am 25. zum 83. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat. Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 48 | 3. 12. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Neuhäusl
Es ist nicht viel, was man mir nahm Es tut weh, wenn eine Neuhäuslerin ihr Lebensende erreicht hat. Vor allem weil ich diese Menschen sehr gut kannte ie Natur macht sich bereit und kenne. Wenn sie ihren böhfür den Winmischen Diaterschlaf. Auf lekt sprechen, dem Friedhof in da spürt man die Neuhäusl ist alSehnsucht nach les aufgeräumt, ihrer Heimat. Blumenschalen Auch meine Mutwurden am Geter war eine Neufallenendenkmal häuslerin. und am Friedhof Zum Schluß unten am growünsche ich allen ßen Kreuz abgeLesern alles Gustellt. Die Gräber te. Und mit dem sind geschmückt Gedicht „Vertrieund abgeräumt bene Bäuerin“ von dem vielen von Reiner KrieLaub. An Allergelsteiner, das so seelen wurden passend für uns auch Grablichter ist, beende ich angezündet für meinen Bericht die dort beerdig- Kreuz auf dem Neuhäusler über Neuhäusl ten Menschen, Friedhof. im November. die die Vertreibung nicht mehr erleben mußten. Es ist nicht viel, was man mir Das ganze Jahr waren wir im nahm, Einsatz mit mancherlei Aufga- ein kleines Haus am Dorfesrand, ben. Dafür danke ich meinem ein Feld, auf dem mein Korn noch Mitstreiter Ludwig und auch stand, der Gemeinde Roßhaupt für das als jene Stunde kam. zweimalige Mähen am Friedhof. Ich hoffe sehr, daß es so bleibt. Es ist nicht viel, was drüben blieb, Aus dem Leben geschieden ein Blumengarten an dem Bach, ist an Allerheiligen unsere Gretl ein Pflug, der meine Scholle Moller, geborene Güntner, vom brach, Hausnamen her die Schöllerer von der man mich vertrieb. Gretl. Viele viele Jahre war sie eine treue Leserin des Heimat- Es ist nicht viel, was dort zerfällt, boten. Viele Jahre bemühte sich ein kleines Haus am Dorfesrand, Gretl an Allerseelen, auf dem ein Feld, auf dem mein Korn einst Neuhäusler Friedhof eine kurstand. ze Allerseelenandacht zu halten. Und … eine ganze Welt. Danach übernahm ich diese Aufgabe bis zum Jahr 2019. Dann kam Corona. Aber wir dürfen auch Geburtstagsgrüße ausrichten. Lydia Guggenmoos, geborene Grünbauer, Hausname Stummerer, konnte am 11. November ihren 90. Geburtstag feiern. Erika Boller von der Meiervilla wurde ebenfalls 90 Jahre alt. Und am 10. Dezember wird Maretsch Schön, die Tochter vom Sticher Willi, ihren Das Grab der Eltern von Erika Boller/ Meier aus der Meiervilla. 82. Geburtstag feiern.
Ortsbetreuerin Emma Weber berichtet über ihren Novemberbesuch im heimatlichen Neuhäusl.
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ie barocken Gemälde des heiligen Antonius und des böhmischen Nationalheiligen Johannes von Nepomuk stammen aus der Zeit um 1720. Ihr Ursprungsland ist Böhmen. Sie stammen aus dem Nachlaß, den die aus Haid vertriebene Luise Rauch der Stadt Grafing vermachte. Dem Heimatkreis vermachte sie 5000 Euro. Für je 400 Euro ersteigerte ich
die Heiligenbilder (Þ HB39/2021). Das mittlere Bild ist typisch für die Bilder, die um die Jahrhundertwende in den Schlafzimmern hingen. Es ist eines von vier Bildern, die ich von der einst aus Ujest vertriebenen Anna Beier erhielt. Sie kaufte das ruinöse ehemalige Elternhaus, sanierte es und lebt nun in Franken und im Elternhaus in Ujest. Im Ujester Haus Nr. 5 – alter
Hausname Roppert – wohnt heute eine tschechische Familie. Aus dem Haus stammen die vier Bilder. Die tschechische Familie säuberte sie, stabilisierte die Rückwand, strich den Rahmen und gab sie Anna Beier für unser Museum. Dies ist das erste Mal, daß uns eine tschechische Familie bedachte. Text: Wolf-Dieter Hamperl Bilder: Karin Wilk
� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XVIII
Schloßsäle werden zu Aborten In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie die Kommunisten Schlösser von deutschen und tschechischen Eigentümern ruinieren.
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aß in den Siedlungen Häuser zu Trümmerhaufen wurden, war selbstverständlich. Eine Reihe von Häusern hatte keine Fenster, keine Türen. Was die Zeit nicht zerstörte, vollbrachten die Menschen. Aber es verfielen auch Schlösser. Eine Perle der Gotik ist das Haider Schloß. 1945 verließ die Fürstenfamilie Löwenstein die renovierte Burg. Kurz danach wurde das Objekt ausgeplündert. In den fünfziger Jahren wurde dort das Militär untergebracht, welches perfekt für die Vollendung der Zerstörung sorgte. Als die neue Kaserne in Weschekun erbaut wurde, verließen die Soldaten das Schloß. Was von ihrer Zeit blieb, sah ich mit eigenen Augen. Im Schloß war eine wunderschöne gotische Kapelle des heiligen Laurentius. Das Inventar wurde nach Prag abtransportiert. Nach dem Fortgang des Militärs habe ich mit Kenntnis des Örtlichen Nationalausschusses die Kapelle in meine Verwaltung genommen, um ihr ihren ursprünglichen Zweck zurückzugeben. Bevor sie einer Heiligen Messe dienen konnte, mußte die Kapelle in Ordnung gebracht werden. Die Soldaten hatten aus der Kapelle einen Augiasstall gemacht, anders konnte man die Verwüstung nicht nennen. Auf der Chorempore und auf dem Altar Bierflaschen, Bierfilze, Zigarettenstummel soweit das Auge reichte. Überall Schmutz und Abfälle. Ein schrecklicher Anblick. Über dem Haupteingang der Kapelle war außen einst das wunderschöne Flachrelief „Mariä Verkündigung“ aus Marmor. Es war zerschossen worden, die Scherben lagen auf dem Boden. Und im Schloß?
Nur Verwüstung. Im Saal des Obergeschosses mit prachtvoller Kunstdecke aus Flechtwerk und Schilf stand ein wuchtiger Pfeiler. Eine Besonderheit der Baukunst? Nein, das war ein riesengroßer Eiszapfen. Wasser kam durch das kaputte Dach. Selbst nach der hussitischen Plünderung war das Haider Schloß nicht
machten sie dort? Laut Aussage der Zigeuner nichts Außergewöhnliches. Sie schauten und fotografierten. Die Staatssicherheit alarmierte sofort die Grenzwache in Roßhaupt. Aber zu spät. Das Fahrzeug passierte bereits die Staatsgrenze. Ähnlich verwüstet war auch das Kolowrater Schloß in Groß
Schloß Groß Meierhöfen 2004 und Schloß Haid 2017.
so zerstört wie nach der tschechoslowakischen Armee. Eines Tages verkauften Zigeuner auf dem Haider Stadtplatz amerikanische Zigaretten und Schokolade. Bald fand man heraus, woher sie die Sachen hatten. Durch Haid war ein Diplomaten-Fahrzeug Richtung Grenze gefahren. Unweit des Schlosses hielt es an, und die Reisenden zeigten sich am Schloß interessiert. Die Zigeuner brachten sie entgegenkommend zum kaputten Zaun, und die Ausländer gingen in das Schloß hinein. Was
Maierhöfen, ein wunderschönes Gebäude. Zwar hatte ein Feuer das Schloß erheblich beschädigt, aber die vollendete Zerstörung war das Werk von Vandalen. Was kaputt gemacht werden konnte, haben sie kaputt gemacht. Nichts entging ihnen. Die Fußböden einiger Säle waren Aborte geworden. Zur Verwüstung trug auch die staatliche Verwaltung der Güter bei. Sie hatte sie aus der Sala Terrena, dem ebenerdigen Gartensaal, mit bildschönen Fresken eine Schmiede gemacht. Die Fres-
ken waren rußbedeckt, der Putz war abgeschlagen. Und dabei handelte es sich in diesem Falle nicht um deutsches Eigentum. Groß Mayerhöfen gehörte dem böhmischen Fürsten Kolowrat, der bis 1948 tschechoslowakischer Botschafter in Ankara war. Man sagt: „Willst du die Kultur der Siedler kennenlernen, so sehe dir ihren Friedhof an. Der Friedhof ist die Visitenkarte der Gemeinde.“ Falls dieses Sprichwort wahr ist, so ist das geistige und kulturelle Profil der Tachauer Pfarrgemeinden entsetzlich. Gehen wir die einzelnen Friedhöfe durch. In Neustadtl liegt der Friedhof am Stadtrand. Dort steht auch die verwahrloste Kirche des heiligen Johannes des Täufers. Kinder zerlegten die Orgel dieser Kirche. Die Zinnpfeifen lagen auf der Straße, sogar im Garten des Hauses, in dem der „Hüter der öffentlichen Ordnung“ Němec wohnte, ein Beamter des Korps für die Nationale Sicherheit. Als Němec auf diesen Mißstand aufmerksam gemacht wurde, erwiderte er grob: „Das geht mich nichts an.“ 1956 beschädigten Betrunkene, die aus Neustadtl nach Zummern schwankten, das kostbare Kreuz gegenüber dem Friedhofs eingang. Und sie zerstörten auf ihrem Weg ins Feld geworfene Holzstatuen vom Friedhof bei der Johanneskirche. Die Strafe? 100 Kronen. Der Friedhof war düster. Das Friedhofsbuch war verlorengegangen. Deshalb wußte man nicht, wann welches Grab geöffnet wurde. Bestattet wurde also dort, wo es einem gefiel. Gewöhnlich an der Hauptstraße, wo bereits Gruften oder größere Grabsteine standen. Deutsche Aufschriften und Epitaphe wurden entfernt und neue Tafeln angebracht. Die Scherben der deutschen Tafeln wurden in eine Ecke des Friedhofs oder hinter die Friedhofsmauer geworfen. Fortsetzung folgt
WIR GRATULIEREN Von Herzen gratulieren wir folgenden treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten zum Geburtstag im Dezember. n Altzedlisch. Am 11. Helmut Gebert (Goldern), 80 Jahre, und am 19. Rosa Worzischek/Wilhelm (Willum), 96 Jahre. Sieglinde Wolf Marktbetreuerin
n Tachau. Am 26. Gretl Fischinger, geborene Standfest, (Fabrikstraße), 91 Jahre. Gernot Schnabl Stadtbetreuer n Maschakotten. Am 12. Alois Herget (Trummla, HausNr. 15), 87 Jahre. Reinhold Wurdak Ortsbetreuer
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Dezember Franz Wiltschka, Ortsbetreuer von Wurken, am 2. zum 88. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf