Franz Login, Vorsitzender des Heimatrates, über Vertreibung und Versöhnung (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 47 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 26. November 2021 � Eröffnung in Aussig
In die richtige Richtung Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudeten- deutschen Volksgruppe
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er Roman „Heimatmuseum“ von Siegfried Lenz war Ende der 1970er Jahre heftig umstritten, wird heute aber als Bestandteil der Weltliteratur respektiert. Das Werk des ostpreußischen Schriftstellers endet damit, daß sein Ich-Erzähler die in den Westen geretteten Reste eines masurischen Heimatmuseums niederbrennt, weil er Angst hat, daß diese erneut instrumentalisiert werden wie seinerzeit in den Jahren vor der Vertreibung. Wie immer man zu Lenz steht, es ist erfreulich, daß Heimatmuseen heute nicht niedergebrannt, sondern neu errichtet werden, und dies in dem ausdrücklichen Bemühen, Einseitigkeiten und Instrumentalisierungen zu vermeiden. Dies gilt sowohl für das Sudetendeutsche Museum in München, das sich mit seinen dreisprachigen Aufschriften – deutsch, tschechisch und englisch –, seinem wissenschaftlich-sachlichen Ansatz und seinem kompetenten Team um Stefan Planker in kurzer Zeit europaweite Anerkennung erworben hat, als auch für sein Gegenstück im nordböhmischen Aussig. Beide „Leuchtturmprojekte“, wie sie Bayerns seinerzeitiger Ministerpräsident Horst Seehofer nannte, schildern die Jahrhunderte deutschen Lebens in den böhmischen Ländern. Dies wäre in der Tschechischen Republik noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen, anders als etwa in der benachbarten Slowakei, wo ein von der Volksgruppe gestaltetes Karpatendeutsches Museum wie selbstverständlich Teil des Slowakischen Nationalmuseums ist. Das Aussiger Haus mußte von seinen Gründern, Blanka Mouralová und Jan Šícha, aber auch von ihrem amtierenden Nachfolger Petr Koura um politische, finanzielle und administrative Klippen herum gesteuert werden, erlebte aber bei der Eröffnung, wie der scheidenden tschechischen Kulturminister Lubomír Zaorálek eindrucksvoll offen über den Verlust sprach, den die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung den Böhmischen Ländern zugefügt hat. Auch wenn im Museum, wie im tatsächlichen Leben, noch einiges zu tun ist – die Entwicklung geht in die richtige Richtung.
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� In Aussig ist die Dauerausstellung „Naši Němci – Unsere Deutschen“ nach über zehn Jahren Vorbereitung eröffnet worden
Kulturminister: Mit der Vertreibung hat Böhmen seine Vielfalt verloren
Das Datum war bewußt gewählt: Am tschechischen Nationalfeiertag für Freiheit und Demokratie haben der tschechische Kulturminister Lubomír Zaorálek und der sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer in Aussig die Dauerausstellung „Naši Němci – Unsere Deutschen“ eröffnet. Unter den Gästen waren auch Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volkgsgruppe, und Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums in München.
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ulturminister Zaorálek (ČSSD) erinnerte sich in seinen Eröffnungsworten an seine Studienzeit in Brünn, in der er von prägenden Professoren vermittelt bekam, daß der Reichtum Böhmens auch von Deutschen mitgeprägt wurde. „Was haben wir verloren? Die Vielfalt haben wir verloren, wegen der Tragödien im 20. Jahrhundert“, so Zaorálek. Als Lehre bleibe: „Wir dürften uns dieser Vergangenheit gegenüber nicht verschließen.“ Zaorálek bedankte sich bei der Stadt Aussig für die vorausgegangenen Bemühungen um die Würdigung sudetendeutscher Antifaschisten („Vergessene Helden“) und wünschte, daß die Ausstellung hoffentlich vielen zeigen werde, welch ein Reichtum hier einst gewesen war. Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer, der von 2006 bis 2009 als Parteienvertreter des Deutschen Bundestages Mitglied im Verwaltungsrat des DeutschTschechischen Zukunftsfonds war, beschrieb zuerst das vertraute Aussig, dem man von Dresden heraus sehr nahe sei. Doch gäbe es eine schwierige Geschichte zwischen Deutschen und Tschechen, wofür auch der 17. November 1939 stehe, als in der „Sonderaktion Prag“ von den Nazis 1200 Studenten inhaftiert und neun Studentenführer hingerichtet wurden sowie alle tschechischen Universitäten und Hochschulen geschlossen wurden. Kretschmer: „Wir sollten uns deshalb alle darüber freuen, daß diese Ausstellung ,Unsere Deutschen‘ heute wieder möglich ist. Die Geschichte verbindet.“ Der Oberbürgermeister der Stadt Aussig, Petr Nedvědický, (ANO) wünschte der Ausstellung, daß sie Deutsche und Tschechen zusammenbringen möge. Es sei die größte Investition der Stadt, und er dankte seinen beiden Vorgängern an der Stadtspitze, die dieses Projekt ebenfalls unterstützt hatten. Botschafter Andreas Künne, der erst seit dem Sommer Deutschland in Prag vertritt, war bereits fünf Mal in Aussig, davon drei Mal wegen der Ausstellung: „Diese Ausstellung ist eine wunderbare Chance, auf der Grundlage unserer gemeinsamen Geschichte an einem gemeinsamen Europa zu bauen, einem Europa, in dem wir all die Möglichkeiten,
Eröffneten die Dauerausstellung „Unsere Deutschen“ in Aussig (von links): Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer, Petra Ernstberger, die Mit-Direktorin des Deutsch-Tschechischen Zukunftfondes, der tschechische Kulturminister Lubomír Zaorálek und Aussigs Oberbürgermeister Petr Nedvědický. Foto: Collegium Bohemicum
die wir im 19. und 20. Jahrhundert ausgelassen haben, nutzen.“ Der Direktor des Collegium Bohemicum, Petr Koura, der seit 2017 an der Ausstellung arbeitet, erklärte, er habe beim Grundkonzept nur bei jüdischen Themen und dem frühen Mittelalter Veränderungen vorgenommen. Einen besonderen Akzent setzte Koura dabei mit der Vorstellung des Karikaturisten Jaz, der immer in der Verkleidung des Kaisers Sigismund von Luxemburg auftritt und tschechienweit äußerst populär ist. Jaz, dessen frecher historischer Comic „Bilder aus der tschechischen Geschichte“ im Nationalmuseum in Prag ausgestellt wurde und der auch den Brünner Todesmarsch thematisierte, gestaltete an den weißgepinselten Gängen des Museums karikierende Szenen zur böhmischen Geschichte mit blau-
Öffnungszeiten Die Ausstellung befindet sich im Gebäude des Stadtmuseums Aussig (Ulice Masarykova 1000) und ist dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen und ein Link zum Kauf von Eintrittskarten für eine geführte Tour, unter www. collegiumbohemicum.cz. Das Original Vintage Orchestra sorgte für Stimmung.
Dr. Stefan Planker und Sprecher Bernd Posselt. Foto: Kijas
Fotos: Miksch
Exponat in der Ausstellung.
Der Direktor des Collegium Bohemicum, Petr Koura (2.v.l.) führte die Ehrengäste durch die Ausstellung. Foto: Collegium Bohemicum
� Andreas Künne und Tomáš Kafka
Poetry-Slam der Botschafter Auch im Namen des erkrankten tschechischen Botschafters in Berlin, Tomáš Kafka, gratulierte Botschafter Andreas Künne mit einem gemeinsamen deutsch-tschechischen Poetry-Slam: Unsere Deutschen unsere Tschechen Das Possessive war kein Segen Sprechen wir miteinander Und von uns. Ihr gehört zu uns Und wir zu Euch In diesem Europa.
Dík výstavě Naši Němci V našem Ústí nad Labem Dostávám novou šanci Vidět sebe s nadhledem. Nejde tu o diferenci O zbabělce a hrdiny Při výstavě Naši Němci Jde o náš svět a rodiny.
Dank der Ausstellung Unsere Deutschen / In unserem Aussig / Ich bekomme eine neue Chance / Mich selbst mit Perspektive sehen. / Es geht nicht um Differenzierung / Es geht um Feiglinge und Helden / In der Ausstellung Unsere Deutschen / Es geht um unsere Welt und unsere Familien.
em Strich. Eine originelle Einladung an die tschechische Jugend sich den inhaltsschweren 20 Räumen und den 800 Jahren deutsche Besiedlung auf zwei Etagen zu widmen. Aber auch den deutschen Besuchern gibt die Ausstellung interessante Kost. Durchgängig tschechisch und deutsch beschriftet bietet sie eine Ergänzung der Geschichte des Zusammenlebens von Tschechen und Deutschen zum Sudetendeutschen Museum in München. Sie hebt das Spannungsreiche, aber auch das Gelingende am Zusammenleben heraus, sicher eine Lehrstunde für lange tabuisierte Zonen im tschechischen Geschichtsbild. Leider sind noch nicht alle Beschriftungen fertig, und vereinzelt fehlen noch Exponate, aber diese Lücken sollen demnächst geschlossen werden. Der musikalische Schlußpunkt mit der Prager Swingband „Original Vintage Orchestra“, die den Kaisersaal mit dem Glamour der 1920er Jahre füllte, einer Zeit also, in der Deutsche und Tschechen noch weitgehend friedlich und fruchtbar in Böhmen zusammenlebten, geriet zu einem Glanzpunkt. Die aufgeführten Lieder klangen zwar alle nach dem Swing von damals, waren aber häufig deutsche und tschechische Ohrwürmer unserer Tage. Wenn das mal nicht ein musikalischer Kommentar zur Ausstellung war? Ulrich Miksch
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er aufmerksame Leser der Sudetendeutschen Zeitung erinnert sich sicher an den bewegenden Artikel von Susanne Habel in Folge 29 vom 11. 6. 2021 mit dem Titel „Mit Puppe Emi im Lager“. Die hier erwähnte Sieglinde Vendolsky hat bereits zum zweiten Mal die Sudetendeutsche Botschaft des guten Willens an der Moldau besucht. Auch diesmal war ihr Mann Ivo, der frühere deutsche Diplomat und Berater des georgischen Politikers Eduard Schewardnadse dabei. Frau Vendolsky freut sich, daß ihre Erlebnisse aus dem Lager für
Deutsche in Rabstein, wohin sie mit fünf Jahren gekommen war, ein solches Interesse in der Tschechischen Republik ausgelöst haben. Bei ihrem Besuch schilderte sie dem Büroleiter Peter Barton, was sie als kleines Kind dort erlebt und wie schnell sie verstanden hatte, an welch schrecklichem Ort sie sich befand. Über diese Zeit konnte ihre Mutter kaum reden, es war zu schmerzhaft für sie. Aber für Sieglinde Vendolsky ist das anders. Das Gefühl, daß ihr jetzt, sogar am Ort des Geschehens, junge Menschen zuhören und daß sie fähig ist, zu erzählen, was ein kleines Kind erleben und innerlich verarbeiten
PRAGER SPITZEN musste, bereitet ihr große Freude. Wir wollen in diesem Bericht nicht allzu viel verraten, aber es besteht die Hoffnung, daß aus diesen Erlebnissen und der Erinnerung daran, mehr werden könnte. Auch deshalb besuchte Sieglinde Vendolsky das Prager Sudetendeutsche Büro und erklärte Barton, warum sie und ihr Mann die anstren-
Corona-Pandemie: Deutschland hilft
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gende Reise nach Tschechien auf sich nehmen. Wir melden uns in einer der nächsten Ausgaben mit weiteren Einzelheiten wieder.
eutschland hat Tschechien 10 000 Dosen des Medikamentes REGN-COV2 geschenkt, hat Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) via Twitter mitgeteilt. Das Medikament besteht aus der Kombination der beiden monoklonalen Antikörper Casirivimab und Imdevimab und wird bei Risikopatienten nach einer Corona-Infektion eingesetzt, um den Krankheitsverlauf abzuschwächen. Unterdessen ist die Sieben-Tage-Inzidenz Anfang der Woche auf 1029 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner gestiegen. Als Gegenmaßnahme fordert die tschechische Ärztekammer eine sofortige Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialwesen, unterstützt aber auch eine weitreichendere Impfpflicht für alle Personen über 18 Jahre.
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Weihnachtsbaum in Prag aufgestellt
n der Nacht zum Dienstag ist am Altstädter Ring der Prager Weihnachtsbaum aufgestellt worden. Die 21,5 Meter hohe Fichte kommt aus einem Wald bei Gablonz. Nachdem der Weihnachtsmarkt im Vorjahr coronabedingt hatte abgesagt werden müssen, sollen die Buden von diesem Samstag bis zum 6. Januar geöffnet haben.
Franz Login, Vorsitzender des Heimatrates (Mitte), und Stellvertreter Prof. Dr. Ulf Broßmann (rechts) mit den neuen Heimatlandschafts- und Heimatkreisbetreuern. Vorderer Reihe von links: Regine Löffler-Klemsche, Maria Anna Bittner, Christine Rösch und Susanne Häussler. Hintere Reihe: Markus Decker, Dirk Peschel, Franz Schneider, Christine Legner und Wolfgang Daberger. Fotos: Fricke
Neuwahl des Vorstands und Bestellung der neuen Heimatlandschafts- und Heimatkreisbetreuer
Heimatrat stellt die Weichen für die nächsten vier Jahre
Volles Programm für den Sudetendeutschen Heimatrat auf seiner zweitägigen Sitzung am Heiligenhof. Neben der Neuwahl des Vorstands und der Bestellung der neuen Heimatlandschafts- und Heimatkreisbetreuer wurde auch über aktuelle Themenfelder diskutiert.
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it überwältigender Mehrheit ist Franz Longin als Vorsitzender des Heimatrates für die nächsten vier Jahre im Amt bestätigt worden – auch wenn der engagierte Sudetendeutsche anschließend noch einmal deutlich machte, daß es irgendwann Zeit sei, sich nach einem Nachfolger umzusehen (siehe auch Sudetendeutsches Gespräche, Seite 3). Ebenfalls mit großer Mehrheit wurden Prof. Dr. Ulf Broßmann und Dr. Wolf-Dieter Hamperl als Stellvertreter gewählt. Außerdem wurde Markus Decker für den Bereich „Moderne Netzwerkarbeit und digitale Medien“ in den Vorstand kooptiert. Ein weiterer Höhepunkt waren die Bestellungen der neuen Heimatlandschafts- und Heimatkreisbetreuer (siehe Kasten), die mehrheitlich auch persönlich anwesend waren. In seinem Rechenschaftsbericht machte Franz Longin deutlich, wie sehr die anhaltende Corona-Pandemie mit Versammlungsverboten und Grenzschließungen die Arbeit des Heimatrates erschwert hat und weiterhin erschwert. Mit Online-Angeboten habe man es aber geschafft, den Kontakt weiter aufrecht zu erhalten. „Nur wenn wir miteinander im Gespräch bleiben, in unseren Heimatlandschaften und Heimatkreisen auf allen Ebenen, sind wir stark und handlungsfä-
Auch die Egerländer waren beim Heimatrat auf dem Heiligenhof stark vertreten. Heimatlandschaftsbetreuer Peter Pawlik (2. von links) mit (von links) Gerhard Hampl, Dr. Pia Eschbaumer, Wilhelm Rubick, Regine LöfflerKlemsche und Josef Grimm. Foto: Fricke Auf der Sitzung des Heimatrates wurden 14 Sudetendeutsche als neue Heimatlandschafts- und Heimatkreisbetreuer bestellt.
Altvater
Heimatlandschaftsbetreuer: Dirk Peschel. Heimatkreis Mährisch Schönberg: Dirk Peschel. Heimatkreis Freudenthal: Eduard Beutel.
Beskiden
Riesengebirge Heimatlandschaftsbetreuer: Markus Decker. Heimatkreis Trautenau: Markus Dekker.
Kuhländchen Heimatkreis Fulnek: Maria Anna Bittner. Heimatkreis Neutitschein: Christine Rösch.
Sprachinseln
Heimatlandschaftsbetreuerin Susanne Häussler.
Heimatkreis Prag: Dr. Jiri Wenzel Vidim. Heimatkreis Wischau: Christine Legner.
Egerland
Südmähren
Heimatkreis Eger: Helga Burkhardt. Heimatkreis Marienbad: Dr. Hans-Peter Sang. Heimatkreis Plan-Weseritz: Regine Löffler-Klemsche.
Heimatlandschaftsbetreuer Wolfgang Daberger. Heimatkreis Nikolsburg: Franz Schneider. Heimatkreis Znaim: Albert Kisling.
hig“, so Longin. Daß dies durchaus gelingen kann, hätten die digitalen Veranstaltungen gezeigt. Zum Beispiel, als Klaus Mohr vom Sudetendeutschen Museum und Thomas Konhäuser von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Anfang des Jahres über „digitale Heimatstuben und Heimatsammlungen“ berichteten. Oder die große Diskussionsrunde im Mai, an der unter anderem Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung, Dr. Jiri Wenzel Vidim, Vorsitzender des Kulturverbandes, und Christina Meinusch, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, teilnahmen. Obwohl die Herausforderung, digital in Kontakt zu bleiben, gemeistert worden ist, sei man doch froh, sich am Heiligenhof wieder persönlich treffen zu können – wenn auch unter Corona-Schutzbestimmungen –, so Longin, der auch Johann Böhm, den Altsprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und ehemaligen Präsidenten des Bayerischen Landtages, im Saal begrüßen konnte. Die Präsenzveranstaltung wurde dann auch dazu genutzt, um eine Reihe von Referenten einzuladen. So berichtete Peter Barton, Leiter des Prager Büros, über die aktuelle Lage in der tschechischen Politik nach den Wahlen. Markus Decker referierte über neue Entwicklungen bei Facebook und erklärte, wie die Sozialen Medien auch für die Vertriebenen genutzt werden können. Und Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums, zeigte an Hand der Ladiner in Südtirol auf, wie auch eine kleine Minderheit ihre eigene Sprache und Kultur bewahren kann. Torsten Fricke
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Literaturpreis für „Vertrieben“
um ersten Mal ist beim Literaturfestival „Šumava Litera“ in Winterberg die Kategorie „Bestes deutschsprachiges Buch über den Böhmerwald“ ausgelobt worden. Der Preis ging an Carina Feneis für das Werk „Vertrieben – Bilder und Geschichten gegen das Vergessen“. Mit dem Johann-Steinbrenner-Preis in der Kategorie Bildbänder wurde der dritte Teil der Serie „Zmizelá Šumava“ (Verschwundener Böhmerwald) gewürdigt, den Emil Kintzl und Regisseur Jan Fischer gestaltet hatten.
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Polizei verhört Andrej Babiš
er geschäftsführende Premierminister Andrej Babiš (Partei Ano) ist von der Polizei vorgeladen und zu Hintergründen der im Frühjahr geplanten Moskau-Reise von Innenminister Jan Hamáček (Sozialdemo-
kraten) befragt worden, hat die Zeitung Deník N. berichtet. Laut des Artikels habe Babiš der Polizei sämtliche SMS zur Verfügung gestellt, die er mit dem Innenminister zu diesem Thema ausgetauscht hatte. Hintergrund ist ein Bombenanschlag auf ein tschechisches Munitionsdepot, für das die Ermittler russische Agenten verantwortlich machen.
Babiš würdigt samtene Revolution
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n der zentralen Gedenktafel in Prag hat der geschäftsführende Premierminister Andrej Babiš am Nationalfeiertag für Freiheit und Demokratie den Sturz der kommunistischen Diktatoren gewürdigt. „Die Samtene Revolution hat uns vor 32 Jahren die größten Werte gebracht: die Meinungsfreiheit, die Reisefreiheit, freie Wahlen, die Möglichkeit, unternehmerisch tätig zu sein.“ Am 17. November wird außerdem an die Zwangsschließung der tschechischen Universitäten und die Verhaftungen von Studenten durch die Nazis im Jahr 1939 erinnert.
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Zwei Restaurants behaupten Sterne
n Prag gibt es weiterhin zwei Restaurants mit je einem Michelin-Stern. Das „Field“ und das „La Dégustation Bohême Bourgeoise“ konnten jeweils ihre prestigeträchtige Auszeichnung verteidigen. Sie sind im neuesten Guide Michelin auch die einzigen Restaurants in Tschechien mit einem Stern. Fünf weitere Prager Gaststätten werden für ihre „gute Qualität zu guten Preisen“ hervorgehoben. Erneut sind unter ihnen „Na Kopci“, „Divinis“ und „Eska“, hinzukamen „The Eatery“ und „Dejvická 34“. Aus dem Ranking herausgefallen ist hingegen das „Sansho“.
Adamová bleibt Top-09-Vorsitzende
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it 163 von 176 Stimmen ist Markéta Pekarová Adamová auf der Delegiertenversammlung für zwei weitere Jahre als Vorsitzende der Partei Top 09 bestätigt worden. Adamová, die vor wenigen Tagen zur Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses gewählt wurde, erklärte, die neue Koalitionsregierung werde die Epidemie-, die Energie- und die Klima- sowie die Vertrauenskrise der Bürger gegenüber dem Staat lösen müssen.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 25.11.2021
Seit Jahrzehnten engagiert sich Franz Longin als Angehöriger der Erlebnisgeneration für die Südmährer und gehört unter anderem dem Bundesvorstand der Sudetendeutschen Landsmannschaft an. Erst vor wenigen Tagen wurde Longin, der am Sonntag seinen 88. Geburtstag feiert, auf der Sitzung des Sudetendeutschen Heimatrates als Vorsitzender wieder gewählt. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erinnert sich Longin an die wilde Vertreibung und an den schweren Neubeginn in Baden-Württemberg.
� Franz Longin, Zeitzeuge, Sprecher der Südmährer und Vorsitzender des Sudetendeutschen Heimatrates
„Die Partisanen haben uns mit Schußsalven angetrieben“
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err Longin, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als Vorsitzender des Sudetendeutschen Heimatrates. Franz Longin: Vielen Dank, aber ich sehe das nicht nur mit einem lachenden, sondern vor allem mit einem weinenden Auge. Ich habe in der Sitzung klar gesagt, daß ich dieses Amt sofort übergebe, wenn sich ein geeignerter Nachfolger findet, der diese Arbeit fortsetzt. Sie sind ein Angehöriger der Erlebnisgeneration, der die Vertreibung selbst erlitten hat. Bevor wir zu dieser schweren Zeit kommen, wie war Ihre Kindheit in Südmähren? Longin: Ich bin in Wenkerschlag aufgewachsen, einem deutschen Dorf in der Nähe von Neuhaus, direkt an der Sprachgrenze. Meine Familie hat hier seit Jahrhunderten gelebt. Unser Stammbaum geht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Meine Eltern waren Kleinbauern. In den Sommermonaten ist mein Vater immer nach Wien gefahren, um dort als Maurer zu arbeiten. Hatten Sie in Ihrem Dorf oder später in der Schule Kontakt zu tschechischen Kindern? Longin: Nein, in Wenkerschlag lebten nur deutsche Familien. Und als ich eingeschult wurde, bin ich zwei Mal vor den Augen meiner Mutter aus der Schule geflohen. Warum das denn? Longin: Weil mein Lehrer ein Tscheche war. Ich erzähle dies deshalb, um zu zeigen, wie vergiftet das Klima zwischen den beiden Volksgruppen damals war. Und wie wir Kinder bereits manipuliert wurden, wobei das nicht von meinen Eltern kam. Nach der Grundschule war ich bis 1945 in Neuhaus im Gymnasium, aber auch hier gab es eine Trennung mit einem rein deutschen und einem tschechischen Gymnasium. Wie haben Sie den Krieg erlebt? Longin: Mein Vater wurde zur Wehrmacht eingezogen. Meine Mutter und wir Kinder haben immer BBC gehört. Unser ganzer Ort war zutiefst katholisch geprägt und nicht nazifiziert. Aber auch ich mußte 1945 als Zwölfjähriger die Panzersperren besetzen und wurde an der Panzerfaust ausgebildet. Gott sei Dank kam es dann aber nicht zu einem Gefecht. Was passierte nach dem Einmarsch der Russen im Mai 1945? Longin: Es waren Heerscharen von jungen Soldaten, die ins-
� Zur Person: Franz Longin � Geboren
am 28. November 1933 in Wenkerschlag, verheiratet, zwei Kinder, katholisch. � Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. � 1978 bis heute: Vizepräsident, Präsident und jetzt Ehrenpräsident der Steuerberaterkammer Stuttgart. � Von 1988 bis 1992: CDU-Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg. � Von 1991 bis 2011: Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe Baden-Württemberg. � 2000: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. � 2008: Ehrensenatorwürde der Berufsakademie Stuttgart. � 2019: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. � Ehrenvorsitzender des Südmährerbundes � Bundesverdienstkreuz 1. Klasse � Vorsitzender des Sudetendeutschen Heimatrates. besondere nachts, wenn sie keinen Dienst hatten, über die Dörfer hergefallen sind. Wir Kinder lagen immer in unseren Betten, während sich unsere Mütter in den Kornfeldern versteckten. Aber manchmal haben die Russen auch eine Frau erwischt. Die war dann dran und wurde vergewaltigt. Was hat Ihnen später Ihre Mutter über diese Zeit erzählt? Longin: Nichts. Darüber sprach man als Mutter nicht mit uns Kindern. Aber ich spürte, daß sie nicht belastet war, daß sie Glück gehabt hatte. Außerdem war sie eine sehr mutige Frau. Als die tschechischen Partisanen, die tagsüber in den Dörfern patroullierten, mich – ich war damals 12 Jahre alt – in ein Arbeitslager bringen wollten, habe ich meine Mutter das erste Mal Tschechisch reden hören. Sie hat die Männer angeschrieen und wie eine Löwin gekämpft, bis ich bei ihr bleiben durfte. Wie ging es dann weiter? Longin: Am 29. Mai 1945, abends um 17.30 Uhr, wurden wir plötzlich aufgefordert, uns in einer halben Stunde abmarschbereit auf der Straße zu versammeln. Wir mußten dann warten, bis die tschechischen Partisanen alle Häuser durchsucht und
die lokalen Nazi-Führer gefunden hatten, die dann brutal verprügelt wurden. Ich habe sogar gesehen, wie einem das Auge heraus hing. Einen dieser Männer haben sie sogar tot geprügelt und am Kriegerdenkmal verscharrt. Und dann ging der Treck los. Die tschechischen Partisanen haben uns, rund 600 Menschen, die sechs Kilometer bis nach Neuhaus getrieben. Gab es dabei Opfer? Longin: Die Partisanen haben uns immer wieder mit Schußsalven angetrieben, schneller zu gehen. Direkt vor mir brach ein älterer Nachbar auf der Straße zusammen. Er wurde dann von den Partisanen in den Graben getreten, wo er liegen geblieben ist. Ich weiß nicht, ob er tot war oder dort gestorben ist, ich habe ihn nie wieder gesehen. Wußten Sie, daß Sie Ihre Heimat verlassen müssen? Und zwar für immer? Longin: Nein. Uns wurde nur befohlen, das Nötigste zusammenzupacken, aber Schmuck und Wertsachen im Haus zu lassen. Wir wurden später an der Grenze noch einmal durchsucht. Und wer noch irgendetwas Wertvolles dabei hatte, dem wurde das abgenommen. In Neuhaus wurden dann alle Ortschaften der
Zwei Tage hat der Sudetendeutsche Heimatrat am Heiligenhof getagt. Tournusgemäß standen dabei auch die Vorstandswahlen auf dem Programm. Dabei wurde Franz Login mit einer überragenden Mehrheit im Amt als Vorsitzender des Heimatrates bestätigt. Foto: Torsten Fricke Umgebung auf dem Viehplatz zusammengetrieben. Das war grausam. Es war eng, man konnte nicht auf Toilette, es war kalt und es hat geregnet. Wir mußten die ganze Nacht im Freien verbringen und sind dann am nächsten Tag in Viehwaggons von Neuhaus nach Neubistritz transportiert worden. Von dort waren es dann noch drei bis vier Kilometer bis zur Grenze nach Österreich. Von was haben Sie gelebt? Longin: Als wir in Österreich waren, haben wir bei den Bauern gebettelt und in Heuschobern übernachtet. Waren Sie willkommen? Longin: Nein, natürlich nicht, zumal auch die Bauern in Niederösterreich von den Russen heimgesucht worden sind. Die hatten selbst nichts. Sie waren mit Ihrer Mutter und Ihrer drei Jahre jüngeren Schwester unterwegs. Ihr Vater war damals in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Italien. Wie haben Sie sich wieder getroffen? Longin: Wenn wir einen Bauern gefunden hatten, der uns Unterschlupf gewährte, haben wir dort ein paar Tage verbracht und auf dem Bauernhof mitgearbeitet, bis wir weiter mußten. Ich habe sogar ein paar Wochen eine Schule in Groß-Siegharts besucht. So haben wir uns über den Sommer bis November in Niederösterreich Richtung Wien bewegt, wo wir Verwandte hatten. Und eines Tages bin ich über ein Feld gegangen, und plötzlich kam mir mein Vater entgegen.
Woher wußte er, wo seine Familie war? Longin: Er war aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden und wollte eigentlich heim gehen, hat dann aber von anderen Flüchtlingen erfahren, daß unser ganzes Dorf nach Niederösterreich vertrieben worden war. Und da hat er uns gesucht und sich von Bauernhof zu Bauernhof durchgefragt. Wie war das Wiedersehen? Longin: Etwas unbeholfen. Mein Vater hat unmöglich ausgesehen. Statt eines Mantels hatte er sich mit einer Zeltplane umwickelt, aber er hat uns gefunden. Was einem Wunder gleichkam. Sie sind dann in Wien bei Ihren Verwandten untergekommen. Longin: Ja, aber die Behörden forderten dann alle Flüchtlinge auf, sich zu melden. Vom Westbahnhof wurden wir per Zug nach Deutschland transportiert. In Herbrechtingen bei Heidenheim war Endstation. Wir wurden dort in einem Auffanglager untergebracht. Eine schwierige Zeit, aber mein Vater war als gelernter Maurer beim Wiederaufbau sehr gefragt und konnte uns so durchbringen. Wie ging es nach der Schule für Sie weiter? Longin: Ursprünglich wollte ich in Tübingen studieren, aber ich konnte meine Familie nicht irgendwo hausen lassen. Ich habe dann eine kaufmännische Lehre begonnen. Wir haben alles zusammengelegt und haben
3 drei Jahre später in Heidenheim zu bauen begonnen. Ich kannte jeden Ziegelstein an diesem Haus. Danach bin ich nach Stuttgart und habe mich dort weiter fortgebildet und später sogar den Wirtschaftsprüfer gemacht. Warum sind Sie ausgerechnet Steuerberater geworden. Longin: Ich wollte unbedingt selbständig sein, und das ging damals am besten über eine eigene Steuerberatung. Sie haben auch als Politiker Karriere gemacht und waren von 1988 bis 1992 für die CDU Abgeordneter des baden-württembergischen Landtages. Longin: Ich habe mich schon immer für Politik und Gesellschaft interessiert und engagiert. Daß ein Flüchtling in den Landtag einzieht, war dann aber etwas Besonderes. Wann waren Sie das erste Mal wieder in Ihrem Heimatdorf? Longin: Nach der samtenen Revolution. Ich wollte meinen Eltern ihre Heimat zeigen, aus eigenem Antrieb wäre ich nicht gefahren. Als wir vor unserem Haus standen, wollte meine Schwester klopfen. Das habe ich ihr verboten. Unser Haus war das schönste im gesamten Ort, aber der Rest war heruntergekommen und verwahrlost. Dagegen habe ich zu Reingers, dem ersten Ort in Niederösterreich, der uns damals aufgenommen hat, eine seit daher positive Verbindung. Hier habe ich auch den Gedenkstein für die Südmährer besorgt, den wir jetzt im Rahmen unseres Bundestreffens in unserer Patenstadt Geislingen aufgestellt haben. In der Inschrift heißt es: „Zum Gedenken an unsere Heimat Südmähren und Südböhmen. An das Unrecht und die Toten der Vertreibung 1945/46. An die schweren Jahre der Integration. Dank für die Patenschaft der Stadt Geislingen an der Steige.“ Das klingt nicht so, als ob der Versöhnungsprozeß für Sie positiv abgeschlossen ist? Longin: Bevor jemand verzeihen kann, muß das Gegenüber um Verzeihung bitten. Ich sehe zwar, daß es in der Tschechischen Republik mittlerweile viele junge Menschen und lokale Initiativen gibt, die sich der Verantwortung aus der eigenen Geschichte stellen, aber was fehlt, ist, daß die maßgeblichen tschechischen Politiker den Versöhnungsprozeß fortsetzen, den Václav Havel einst begonnen hat. Sie haben aus dem Steinbruch bei Reingers nicht einen, sondern gleich zwei Granitsteine nach Baden-Württemberg gebracht. Longin: Ja, der zweite Stein wird mein Grabstein sein. Der steht bereits in Stuttgart an einem für 30 Jahre gekauften Grab. Es ist alles vorbereitet. Welche Persönlichkeiten haben Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt? Longin: Konrad Adenauer, John F. Kennedy und insbesondere Papst Pius XII. – zum einen wegen seiner asketischen Lebensweise, aber vor allem deshalb, weil er von vielen Menschen fehlinterpretiert worden ist. Torsten Fricke
� Unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“
Sudetendeutscher Tag an Pfingsten in Hof Unter dem Motto „Dialog überwindet Grenzen“ findet der 72. Sudetendeutsche Tag vom 3. bis 5. Juni 2022 über Pfingsten in der oberfränkischen Stadt Hof statt.
N Festlicher Einzug beim 71. Sudetendeutschen Tag 2021 in München (von rechts): Ministerpräsident Markus Söder, Staatsministerin Carolina Trautner und Volksgruppensprecher Bernd Posselt. Foto: Torsten Fricke
ach der dunklen Zeit der Schließungen ist endlich wieder Begegnung angesagt. Dies soll unser hoffnungsfrohes Ziel für das nächste Jahr sein“, erklärt Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Den Austragungsort Hof habe man bewußt gewählt, so Posselt: „Mit dem Motto und dem Tagungsort in der Euregio Egrensis setzen wir ein Signal der Öffnung und der Zusammenarbeit.“ Die Euregio Egrensis erstreckt sich auf rund 17 000 Quadratkilometern in Bayern, Thüringen, Sachsen und Böhmen zwischen Greiz und Plauen im Norden bis Schwandorf im Süden sowie von Kronach, Bayreuth und Amberg im Westen bis Tachau und Karlsbad im Osten. Gerade in dieser Region, in der rund zwei Millionen Menschen leben, hätten die
Grenzsperrungen während der Corona-Pandemie verheerende Wirkungen gehabt. Ursprünglich hatte Hof bereits in diesem Jahr Gastgeber des Sudetendeutschen Tages sein sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie und der hohen Inzidenzen in Oberfranken mußte das traditionelle Pfingsttreffen jedoch abgesagt werden. Stattdessen fand der 71. Sudetendeutsche Tag dann Ende Juli in München statt – allerdings in einer stark reduzierten Form. Mit dem 72. Sudetendeutschen Tag im oberfränkischen
Hof wird die große Tradition der Pfingsttreffen der Vertriebenen fortgesetzt, die 1950 mit dem ersten Sudetendeutschen Tag in Kempten im Allgäu begonnen hatte. Einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre war 2016 der Auftritt des damaligen Kulturministers Daniel Herman, der als erstes Mitglied einer tschechischen Regierung die Festrede auf einem Sudetendeutschen Tag hielt und in der auf Deutsch gehaltenen Ansprache sein Bedauern über die Vertreibung der Sudetendeutschen ausdrückte.
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26.11.2021
Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband präsentiert neue Broschüre
HeimatBilder aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien – die Böhmischen Länder – bilden eine einzigartige europäische Kulturlandschaft, in der Tschechen und Deutsche über Jahrhunderte eine gemeinsame Heimat fanden.
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urch die Vertreibung wurden die meisten Sudetendeutschen gewaltsam von ihren Wurzeln getrennt. Die Heimat war damit zu einem unerreichbaren Sehnsuchtsort geworden: Die Landschaften der Kindheit, der Geburtsort, das eigene Haus konnten nicht mehr betreten und nur noch aus der Ferne oder auf Abbildungen betrachtet werden. Bildlichen Darstellungen der Heimat kam damit ein ganz besonderer Wert zu. Sie wurden in Heimatstuben und Privatwohnungen ausgestellt, in Büchern publiziert, auf Heimattreffen präsentiert und teilweise wie Schätze gesucht und gehütet. Das Bild
war zu einer der letzten Brükken in die Heimat geworden. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs änderten sich die historischen Vorzeichen: Die Böhmischen Länder waren nun wieder uneingeschränkt zugänglich – eine Möglichkeit, von der viele Sudetendeutsche und ihre Nachkommen im Rahmen von Reisen regelmäßig Gebrauch machen.
Video-Collage
HeimatBilder auf YouTube
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n Form einer Video-Collage mit dem Titel „HeimatBilder“ sind die Aufnahmen auf dem YouTube-Kanal der Sudetendeutschen Landsmannschaft zu sehen. Link: www.youtube.com/DieSudetendeutschen.
Heimatbilder erlangten damit eine ganz neue Bedeutung: Halfen Sie einst dabei, große räumliche Distanzen gedanklich zu überwinden, so überbrücken sie heute eher die Jahrzehnte, die seit der Vertreibung vergangen sind. Die Heimat der Vorfahren muß von den Nachkommen erst wieder neu erlebt und erfahren werden. Ihre Spurensuche auch fotografisch zu dokumentieren, ist vielen ein wichtiges Anliegen. Bilder vom Wohnort des Großvaters, vom Geburtshaus der Mutter werden so wieder zu einem Teil der eigenen Identität. Ob klassisch in Gold gerahmt oder in der Cloud gespeichert – das Bild der Heimat erfährt nach wie vor hohe Wertschätzung. Das zeigt sich nicht zuletzt an der großen Beliebtheit des Sudetendeutschen Kalenders, den die Landsmannschaft jährlich herausgibt. Die darin gezeigten Städte- und Landschaftsaufnah-
men entstehen im Rahmen eines offenen Foto-Wettbewerbs. Daran beteiligen sich heute überwiegend die Nachkommen heimatvertriebener Sudetendeutscher, die ihre Reisen in die Heimat der Vorfahren fotografisch begleiten. Eine Auswahl von 52 Kalenderbildern aus den vergangenen Jahren – eines für jede Woche des Jahres – haben wir jetzt in einer Broschüre unter dem Titel „HeimatBilder aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien“ noch einmal publiziert. Sie verdeutlichen die beeindruckende Vielfalt und Schönheit, durch die sich die Heimatlandschaften der Sudetendeutschen auszeichnen. Die Broschüre „HeimatBilder“ ist ab sofort über die Sudetendeutsche Landesmannschaft – Bundesverband erhältlich. Bestellungen sind telefonisch zu den normalen Bürozeiten unter (0 89) 48 00 03 70 oder per eMail an info@sudeten.de möglich.
Die neue Broschüre „HeimatBilder“ ist ab sofort erhältlich.
VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Samstag, 15. Januar: Verblichen, aber nicht verschwunden. Eine Spurensuche im Böhmerwald. Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Öffnungszeiten: montags und mittwochs von 10.00 bis 17.00 Uhr, dienstags und donnerstags von 10.00 bis 19.00 Uhr sowie freitags von 10.00 bis 14.00 Uhr. Samstags auf Anfrage. Noch bis Montag, 31. Januar: Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundels-
Hinweis Corona-Pandemie
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ie sich verschärfende Corona-Pandemielage führt erneut zu Veranstaltungsabsagen oder zu strengeren Hygienerichtlinien. Diese Änderungen können auch kurzfristig erfolgen. Die Sudetendeutsche Zeitung rät deshalb, sich vor dem Besuch direkt beim Veranstalter über die aktuelle Lage zu informieren. heim. Glasmuseum, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Samstag, 27. November, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Jahreshauptversammlung. Gaststätte Moosing, Oberobsang 11, Bayreuth.
Samstag,
27. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Düsseldorf: Weihnachtsfeier. Gerhart-Hauptmann-Haus, Konferenzraum (EG), Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Anmeldung: Telefon (0 21 59) 73 75.
Sudetendeutscher Kalender 2022 SUDETENDEUTSCHER KALENDER
HEIMAT IN BILDERN
Mährisch Trübau / Moravská Třebová (Schönhengstgau)
In der Ranklau / Ranklov (Böhmerwald)
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Tag der Arbeit
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Ende des Zweiten Weltkrieges / Muttertag
Sudetendeutsche Landsmannschaft • www.sudeten.de
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Weseritz / Bezdružice (Egerland)
Park in Franzensbad / Františkovy Lázně (Egerland)
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Allerheiligen
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Heimatgeschichten in 25 großartigen Bildern. Wir freuen uns auf Ihre Bestellung. Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband – e. V. Hochstraße 8 . 81669 München
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Ab Sonntag, 28. November, Heimatpflegerin: Heimat im Ohr. Mundartsprecher aus Sudetendeutschen Regionen präsentieren Geschichten und Bräuche, Gedichte und Sagen – gesprochen in der Mundart ihrer Heimat. In den neuen Videos geht es auch um aktuelle Themen, wie die Nachhaltigkeit des Teetrinkens in Egerländer Kurbädern. Online unter www.youtube.com/ DieSudetendeutschen. Dienstag, 30. November, 18.00 bis 20.00 Uhr, Heiligenhof Online-Seminar: Fußball unterm gelben Stern in Theresienstadt. Gespräch mit dem Historiker Dr. Stefan Zwicker. Anmeldung: info@heiligenhof.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de Donnerstag, 9. und Freitag, 10. Dezember, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Workshop Heimatsammlungen und Museen – kommunale und regionale Kooperation und Integration. Veranstaltungsort: Godesberger Allee 72 bis 74, Bonn. Anmeldung und Informationen unter www.kulturstiftung.org Dienstag, 14. Dezember, 10.00 bis 12.00 Uhr, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Fördermöglichkeiten im Rahmen des Paragraphen 96 Bundesvertriebenengesetz. Online-Workshop. Anmeldung unter www.kulturstiftung.org Dienstag, 14. Dezember, 15.00 bis 17.30 Uhr, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Podcasts, Videos und Streams in der Öffentlichkeitsarbeit. Online-Workshop. Anmeldung unter www. kulturstiftung.org Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland. Ab Montag, 20. Dezember, Heimatpflegerin: duo connessione. Die Konzert-Aufzeichnung wird auf dem YouTube-Kanal der Sudetendeutschen Landsmannschaft unter www.youtube.com/ DieSudetendeutschen veröffentlicht.
Familienorchester Hubert live
Von Sibirien nach Franken Donnerstag, 2. Dezember, 19.00 Uhr: „Von Sibirien nach Franken: Das Familienorchester Hubert live“ im Adalbert-Stifter-Saal im Sudetendeutschen Haus (Hochstraße 8, München). Die Familie Hubert stammte aus der sibirischen Bergbaustadt Osinniki und siedelte im Juli 1993 nach Deutschland aus, um in Bayreuth eine neue Heimat zu finden. Hier knüpfte das Familienorchester nahtlos an die Auftritte und Erfolge in der ehemaligen Sowjetunion an und
spielte bereits in den ersten vier Jahren über 100 Konzerte. Mittlerweile haben die Huberts auch Tourneen unter anderem nach Sankt Petersburg und Kemerowo (Rußland) sowie nach Privas (Frankreich) absolviert. Die Geschichte der Huberts zeigt: Die Musikkulturen der Deutschen in den verschiedenen Ländern Europas, die sich fast 250 Jahre getrennt voneinander entwickelt haben, liegen dennoch eng beieinander. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
Bücher – Berge – Bäder Sonntag, 28. November bis Freitag, 3. Dezember, 15. Mitteleuropäische Nachwuchsgermanistentagung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa.
Die europäischen Bäder und Kurstädte waren in ihrer Hochzeit Treffpunkte und Begegnungsorte des Adels und des Bürgertums, von Künstlern, Musikern und Literaten. Goethe war allein 17 Mal in Böhmen, vor allem in den böhmischen Bädern im Egerland: Karlsbad (links) und Marienbad (rechts, Fotos: Czech Tourism). In letzterem hat er die „Marienbader Elegien“ verfaßt, Rilke schrieb in Duino bei Triest die „Duineser Elegien“. Einer der berühmtesten Romane der deutschen Literatur, Thomas Manns „Zauberberg“, spielt in einem Bergsanatorium. Es gibt im Themenschwerpunkt zahlreiche Anknüpfungspunkte und Verweise auf gewichtige Werke der deutschen Literatur. Für die Fachvorträge konnten einschlägige Germanisten aus Deutschland, Ungarn, Polen, Rumänien, der Tschechischen Republik und der Schweiz gewonnen werden. Es gibt auch die Möglichkeit, studentische Arbeiten vorzustellen. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
� Mut tut gut
Harte, zarte, starke Wartezeit
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Wo verlaufen die Grenzen des Egerlandes? Gehört der Schönhengstgau noch zu Böhmen? Wo liegt das Kuhländchen?
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nsbesondere den Angehörigen jüngerer Generationen steht die geographische Gestalt des sudetendeutschen Kulturraumes oft nicht mehr
� Neue Grafik
Unsere Heimatlandschaften klar vor Augen. Die kulturelle Vermittlungsarbeit der Sudetendeutschen ist deshalb in hohem Maße auf geeignetes Landkartenmaterial angewiesen.
Im Auftrag der Landsmannschaft hat Andreas Toscano del Banner deshalb eine neue Landkarte angefertigt, aus der die genaue Lage der 14 sudetendeut-
schen Heimatlandschaften hervorgeht.Zum Einsatz kommen soll die Karte insbesondere bei Veranstaltungen wie Vorträgen, Seminaren und Kursen. Dieses Projekt wurde über das Haus des Deutschen Ostens vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
� Seminarwoche am Heiligenhof „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“, Teil 2
Familienforschung: Die faszinierende Suche nach den eigenen Wurzeln Ahnenforschung, die Spuren der eigenen Vorfahren zu finden, ist angesagt. Bei den Sudetendeutschen führt die Recherche oft mitten in das Herz Europas.
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eferent Werner Honal vom Münchner Büro der Sudetendeutschen Familienforscher (VSFF), Schulberater und Philologe, konnte das mit Beispielen aus der eigenen Familienforschung eindrücklich belegen. Spannender und kniffliger als jedes Kreuzworträtsel könne die Familienforschung „mit den weltmeisterlich geführten Archiven in Tschechien ungeahnte Erfolge erleben lassen“. Die ersten Schritte seien auch ohne besondere Technik-Kompetenz zu bewältigen: sammeln, ordnen, vervollständigen. Dabei sei es wichtig, alle drei Ereignisse Geburt beziehungsweise Taufe, Heirat und Tod mit dem jeweiligen Datum und Ort festzuhalten. Am besten sei es, damit gleich morgen anzufangen, denn Tag für Tag geraten immer mehr dieser Daten in Vergessenheit. Wie die Wortwolke aus den spontanen Ideen der Teilnehmer zeigt, Familienforscher kann das RohgeWerner Honal. rüst der Daten mit Foto: Schuster weiteren Inhalten aus der Zeit der Vorfahren gut ergänzt werden. Das sei dann „das bunte Fleisch am grauen Daten-Gerippe“. Bereits in dieser ersten Stufe taucht die Bandbreite der Schreibweise der Namen auf. Wer heute Turnwald heißt, muß auch mit Vorfahren rechnen, die als Turtenwald, Dortenvald, Turtenbold oder Thurnwald vom Pfarrer in das Kirchenbuch eingetragen wurden. Standesämter gab es in Böhmen und Mähren erst ab 1938; bis dahin waren die Kirchenbücher die Urkunden. Erst ab etwa 1900 wurde dann die Namen fixiert, wie sie zuletzt im Kirchenbuch aufge-
Die Schlagwort-Wolke umreißt die Begriffe, die mit der Familienforschung verbunden sind. schrieben waren. Da aber im 17. und 18. Jahrhundert nur rund fünf Prozent der Menschen einigermaßen gut lesen und schreiben konnten, schrieb der Pfarrer auf, was er hörte. Wenn er tschechisch sprach, dann schrieb er zum Beispiel ‚„Pacák“ statt „Patzak“. Im 17. Jahrhundert wurde in der „Seelenliste nach dem Glauben“ von 1651 nicht „Patzak“, sondern „Paczackh“ und im mährischen Lahnenregister „Padczakh“ geschrieben. Von den ostböhmischen „Paczackh“ stammt die Bildhauer-Familie Patzak ab, deren gefährdete Barockfiguren und Marien-
säulen Orte wie Politschka/Polička und Schatzlar/Žacléř zieren. Vom DeutschMährer Padczakh stammt der weltbekannte Kammersänger Julius Patzak ab. Dessen Tochter habe dem Referenten, ohne das zu wissen, versichert: „die Patzak lebten immer schon in Wien“. Überraschungen gab es auch noch im 20. Jahrhundert, wenn aus dem westböhmischen Bauernbuben Andreas Thurnwald auf dem Weg über das Militär und ein Studium 1918 ein „Ritter von Thurnwald“ wurde. In der zweiten Stufe kommt dann der heimatliche Computer ins Spiel: die ge-
� Seminarwoche am Heiligenhof
Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa
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issen zu vermitteln war das Ziel des mehrtägigen Informationsseminars über „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ in der sudetendeutschen Bildungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen. Frauen und Männer mit familiären Wurzeln in Böhmen aus allen Teilen Deutschlands und der Tschechischen Republik zählten zu den Teilnehmern. Für viele von ihnen ist der Heiligenhof auch ein Stück heimatliche Atmosphäre, wo sie das Gefühl von Geborgenheit in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten erleben. Im Rahmen einer Serie stellt die Sudetendeutsche Zeitung die Ergebnisse vor.
sammelten Daten können dort in einem Ahnenprogramm gespeichert werden. Daraus lassen sich später Listen, aber auch wunderschöne Stammbaum-Diagramme erstellen. Erst in der dritten Stufe, die dann den Umfang der Daten stark erweitert, hilft das Internet weiter. Am Stand der Familienforscher am Sudetendeutschen Tag habe Werner Honal selbst erlebt, daß eine Großmutter, die Berge von Papier gesammelt und im Ordner mitgebracht hatte, dem Enkel an ihrer Seite sagte: „Paß gut auf, wie das geht. Zuhause mußt Du mir dann auch all diese Kirchenbücher aus dem Internet herausholen.“ Und damit sei die Großmutter wieder mitten in Europa, da der Enkel in dem passenden der acht tschechischen Gebietsarchive mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur deutschböhmische, sondern auch tschechische Vorfahren finden wird. Der Referent konnte zeigen, daß ihm dies gelungen ist, nicht nur bei den Patzak-Verwandten, sondern auch bei den Familien Honal und Stahl mit lebenden tschechischen Verwandten. DNAAnalysen, die in Zukunft die Familienforschung ergänzen werden, zeigen, daß Tschechen und Deutsche ein hohes Maß an genetischer Übereinstimmung haben – gemeinsame Wurzeln in Europa. Auch in den Urbarien, Grundbüchern, Volkszählungslisten, die vor der 100-jährigen Datenschutz-Sperre entstanden sind, finden sich immer wieder weitere, oft auch überraschende Belege. Sogar Transportunterlagen zur Vertreibung 1946 werden vermehrt in den tschechischen Archiven präsentiert, zum Beispiel Transportkarten im Digital Archiv Opava/Troppau. Die Teilnehmer nahmen die detaillierten Anregungen und Hilfestellungen begeistert auf. Im genealogischen Quiz konnten sie zeigen, daß sie auch schon vieles wissen. Dieses Wissen sollte, das wünschte der Referent, aber auch für die Nachkommen gespeichert werden. Honals Appell lautet deshalb: „Sudetendeutsche Familienforschung selbst betreiben und gleich anfangen!“
ieder ist ein Kirchenjahr um. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt im kirchlichen Kalender ein neues Jahr. Dessen erster Abschnitt hat es immer in sich. Der Advent ist nämlich die Wartezeit auf das Weihnachtsfest. Aber wer wartet schon gerne? Trotz der Corona-Einschränkungen oder möglicherweise gerade deswegen greift in vielen Teilen unserer Gesellschaft weihnachtliche Stimmung bereits jetzt um sich. Manche backen Plätzchen. Vielerorts stehen bereits beleuchtete Weihnachtsbäume. Wo es noch irgendwie geht, werden Weihnachtsmärkte und andere einschlägige Veranstaltungen abgehalten. Von den schon vor Wochen mit Weihnachtssüßigkeiten gefüllten Supermarkt-Regalen gar nicht erst zu reden. Alles Symptome dafür, daß das geduldige Warten auf Christi Geburt keine große Anziehungskraft hat und Wartezeiten insgesamt als lästig empfunden werden. Warten ist eine Last, für ungeduldige Menschen um so mehr. Eines der kostbarsten Güter unseres Lebens, nämlich die Zeit, verstreicht im Modus des Wartens scheinbar ungenützt. Für viele wird sie zur verlorenen Zeit. Selten anders als beim Warten spüren wir so nachdrücklich, daß wir unsere Zeit nicht in der Hand haben. Das erleben wir auch alltäglich bei Staus auf Straßen, bei Zugverspätungen oder in Warteräumen von Behörden und Arztpraxen. Besonders anstrengend und manchmal richtig bitter ist, wenn Erhofftes oder Ersehntes auf sich warten läßt: das Ende einer Krankheit, die Versöhnung mit einem Mitmenschen, der Besuch eines Freundes, die Einhaltung eines Versprechens. Von der religiösen Liedautorin Kathi Stimmer-Salzeder stammt ein Singspiel über den heiligen Franz von Assisi. Darin kommt das Lied „Wartezeit“ vor. Es handelt von der Zeit, in der der spätere Bruder der Armen noch ein junger und reicher Kaufmannssohn ist und um seinen Lebens- und Glaubensweg ringt, ohne daß sich Konturen abzeichnen. Seine Hoffnung, als Soldat in einem Städtekrieg Ruhm und Ansehen zu erlangen, fand keine Erfüllung: „Aus. Zu Ende. Gefangen. Eingesperrt. Wartezeit. Zwischenzeit. Nichtzeit. Aushalten. Standhalten. Sich selber ausgesetzt“, so wird diese Phase im Leben des Franz von Assisi charakterisiert. Und: „Harte Wartezeit, zarte Wartezeit, starke Wartezeit“. Als ich kürzlich bei einer Aufführung des Singspiels war, prägte sich mir dieser Gesang besonders ein. Vielleicht lag es daran, daß ich das Warten auf das Ende der Pandemie mittlerweile sehr mühsam finde. Wirklich: Diese Wartezeit ist hart und läßt mich meine eigenen Grenzen erfahren. Aber Wartezeiten sind auch zart, wie es bei Kathi Stimmer-Salzeder heißt. Im Warten wird sich der Mensch seiner Sehnsucht mehr als sonst bewußt und gewinnt eine besondere Sensibilität dafür. Und Wartezeiten sind stark: In ihnen kann sich eine Kraft entwickeln, die sich in der Oberflächlichkeit des Alltags kaum bilden könnte. Insofern haben Wartezeiten ihren Sinn. Der Advent sowieso, aber hoffentlich auch das mühsame Warten, dem wir derzeit schon zu lange unterworfen sind. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
PERSONALIEN � Erfolgreiche Unternehmerin aus dem Egerland
� Umtriebiger Ruheständler aus dem Egerland
Eleonore Meinel 100 den. Dafür hatte ihr Vater bereits einen Umbau des Elternhauses geplant. Noch vor der Vertreibung 1945 übersiedelte Eleonore Sandner ins benachbarte sächsische Klingen thal zu Bekannten und später von dort nach Köln. Nachdem sie Werner Meinel, ihleonore Meinel/Sandner ist immer ren Jugendfreund aus Klingenthal, genoch geistig rege, körperlich agil heiratet hatte, baute das Paar eine Sticund stolz auf ihre sudetendeutsche Her- kereifirma auf. Mangels Stickereifachkunft. Sie kam in Graslitz zur Welt. Dort kräften orientierten sich die Meinels besuchte sie die Volks- und Bürgerschu- in Richtung Nordost-Oberfranken, wo le. Nach der Ausbildung in der Sticke- es viele qualifizierte Stickereifachkräfreifachschule arbeite und eine bekanntete sie in verschiete Stickereifachschudenen Betrieben und le in Naila gab. Ganz vertiefte ihr Wissen wichtig war der Grasin den unterschiedlilitzerin, wieder nachen Sticktechniken. he ihrer WurzelheiIhre frühe Hilmat in Ostböhmen zu fe im Gasthof Leb sein. Mitte der fünfrecht ihrer Großelziger Jahre zählte die tern und im Geschäft Meinel-Fahnen- und ihrer Tante erweckte Stickereifabrik in der in der „Lebrecht ElVertriebenensiedli“ ihr selbständiges lung Marktleugastunternehmerisches Mannsflur immerHandeln. So wollte Helga Kudlich, Adolf Markus und Chri- hin 130 Mitarbeiter. sie sehr bald eine ei- stine Wala von der SL Kulmbach zu Höchste Qualitätsgene Stickerei grün- Gast bei der Jubilarin. arbeit und hochwer-
Am 31. Oktober feierte die aus dem Egerland stammende Eleonore Meinel, Gründerin und Inhaberin der Fahnenund Stickereifabrik Meinel, in Marktleugast-Mannsflur im oberfränkischen Kreis Kulmbach ihren 100. Geburtstag.
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oder ein reguläres Abo (Bezug per Postzustellung)
tige Fahnenstoffe steigerten das Renommee der weitbekannten Firma Meinel. Die Aufträge für die Faschingskappen im Rheinischen Karneval wurden mehr und mehr. Mit Stickereien für andere Vereine entfaltete sich eine breite Produktpalette. Für dieses große Lebenswerk zeichnete die Gemeinde Marktleugast die engagierte, sudetendeutsche Unternehmerin Eleonore Meinel 2004 mit ihrer Silbernen Bürgermedaille aus. Nach dem Tod ihres Mannes 2002 übergab sie den Betrieb 2006 ihrem Sohn, und die Firma wird nun von der AFW Creativ Stickerei weitergeführt. Die rüstige Jubilarin ist seit 1960 Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Sie fühlt sich in ihrem Bungalow mit „Gartenpark“ in Mannsflur sehr wohl. Sie versorgt Haushalt und Garten, unterstützt nicht zuletzt von sudetendeutschen Freunden, mit Elan und naturverbundener Freude. Wir wünschen Eleonore Meinel von ganzem Herzen Gesundheit und Gottes Segen für ihre weiteren Lebensjahre. Adolf Markus
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Rosemarie Dvořák-Krauss 80 Probe abo!
Am 12. November feierte die aus dem Elbetal stammende Rosemarie Dvořák-Krauss im mittelfränkischen Burgkunstadt 80. Geburtstag.
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osemarie trägt einen bekannten Namen. Ihr Urgroßvater František war ein Bruder des Komponisten Antonín Dvořák. Dieser Urgroßvater war wie sein Vater Fleischer und Koch, und wurde bei der Eisenbahn Bodenbach– Dux als Partieführer angestellt. Er leitete die Eisenbahnkantine beim Bau der Strecke von Bo-
Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift
denbach über Teplitz nach Hof. Franz kam so auch nach Kulm bei Aussig und lernte dort seine spätere Frau, die deutsche Helena Watzke, kennen. Bald nach der Rückkehr in die Heimat in der Nähe von Prag starb der Urgroßvater an den „Schwarzen Blattern“, den Pocken. Seiner Frau fehlte es bald an Geld. Deshalb zog sie zurück in ihre Heimat nach Kulm, 1945 wurde Rosemaries Großvater Franz als Neffe des berühmten Musikers Anton Dvořák von den Russen hochgeachtet. Er hätte sogar
bleiben können, aber nicht Enkelin Rosemarie und Schwiegertochter. So ging er mit ihnen auf den Transport über das Lager Schöbritz bei Aussig in die SBZ. Bald wurde Rosemarie mit Mutter vom aus der Gefangenschaft entlassenen Vater nach Lichtenfels in Oberfranken geholt. 1949 gelang es, die Großeltern ebenfalls nach Franken übersiedeln zu lassen. Rosemarie wurde zur Ausbildung in das Internat der Kreuzschwestern in Werneck geschickt. Dort erlernte sie das Orgel- und Geigenspiel. Sie sollte die Kirchenmusikschule in Re-
gensburg besuchen. Da erkrankte ihre Mutter schwer. Rosemarie mußte zurück zur Familie und arbeitete als Steuergehilfin. Sie hat zwei Töchter, einen Sohn und mehrere Enkel. Die musikalische Begabung hat sie ihnen weitervererbt. Bereits 2013 starb ihr Mann Johann Wendelin Krauss. Heute betreibt sie zwei große Aufgaben: Sie engagiert sich in der SL-Ortsgruppe Burgkunstadt und spielt in der Kirche Orgel. Die SL-Bezirksgruppe Oberfranken und die Ackermann-Gemeinde gratulieren Rosemarie von Herzen und wünschen alles Gute für den neuen Lebensabschnitt. al
� Langjähriger Kulturreferent der Ackermann-Gemeinde aus dem Egerland
Walter Klötzl †
Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort
Am 4. November starb der Egerländer Walter Klötzl, der über Jahrzehnte die Kultur- und Bildungsarbeit der AckermannGemeinde geprägt hatte, mit 87 Jahren in München.
Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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kurist einer großen Firma hätte er sich im Ruhestand ein behaglicheres Leben gönnen können, was er aus eigenem Antrieb und zum Wohl unserer Volksgrupanfred Baumgartl kam am Fuße des pe nicht tat. Erzgebirges in Sauersack im Kreis Seine Frau Gudrun, eine Saazerin, Neudek zur Welt. Als Späteinsteiger en- schenkte ihm einen Sohn und zwei Töchgagiert er sich seit etwa 15 Jahren lei- ter. Zu seinen Passionen zählt die Imkedenschaftlich für unserer Sudetendeut- rei. sche Volksgruppe. Er wurde aktives MitBei einer opulenten Geburtstagsfeier glied der regen SL-Ortsgruppe „Junge in einem noblen Lokal ließ er es wahrlich Generation“ Schwabach, übernahm bald krachen. Neben seinen vielen Angehödas Amt des Finanzverwalters der SL- rigen, seinen Kindern mit Ehepartnern, Bezirksgruppe Mittelfranken und wurde mehreren Enkeln, seiner Zwillingsschließlich in unsere Bundesversamm- schwester Hildegund und etlichen Belung gewählt. kannten wurde ein abwechslungsreicher Und er wurde zur unentbehrlichen Festtag mit Text- und Musikvorträgen Stütze von Bezirksobmann Eberhard freudig gefeiert. In Rahmen seiner LauHeiser. Stets datio überbereitwillig reichte Bebegleitet er zirksobmann den Bezirks Eberhard Heiobmann auf ser dem verTagungen dienstvollen nach MünJubilar Man chen oder zu fred BaumSeminaren auf gartl das groden Heiligenße Ehrenzeihof. Als ehe- Gisela Heiser, Manfred Baumgartl, Eberhard Heiser chen der SL. maliger Pro- und Gudrun Baumgartl. dr Am 10. November feierte der Egerländer Manfred Baumgartl im mittelfränkischen Schwabach 80. Geburtstag.
� Engagierte Landsmännin und Organistin aus dem Elbetal
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Manfred Baumgartl 80
47/2021
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ankbar blickt der Bundesvorsitzende der AckermannGemeinde, Martin Kastler, auf die vielen Initiativen und Impulse, die Walter Klötzl gerade auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gegeben habe. „Durch die Kultur hat Walter Klötzl Brücken zu unseren tschechischen Nachbarn gebaut, über die wir und andere weiter gehen und die deutsch-tschechischen Beziehungen pflegen können“, würdigt Kastler das Wirken des Verstorbenen. Walter Klötzl wurde am 1. Februar 1934 in Langlammitz im Kreis Luditz/Žlutice im Egerland – in der Nachbarschaft des Wallfahrsortes Maria Stock/Skoky – in eine bäuerliche Familie geboren. Den Zweiten Weltkrieg, sein Ende und die Vertreibung hat er schon bewußt erlebt und erlitten. Mit seiner Familie kam er zunächst nach Hessen, wo er nach einer eineinhalbjährigen Pause die Schulausbildung beenden konnte. Dem folgte die Ausbildung zum Feinmechaniker. Die schwierigen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt zwangen ihn zu mehrfachen Wechseln des
Arbeitsplatzes mit sehr unterschiedlichen Produktionen. Zeitlebens konnte er sich auf sein autodidaktisches Talent verlassen und so über Jahrzehnte eine beachtliche berufliche Laufbahn in der Ackermann-Gemeinde zurücklegen. Im Jahr 1962 wagte Klötzl einen großen Schritt und trat hauptamtlich in den Dienst der Ackermann-Gemeinde. Zunächst leitete er in Nürnberg als Diözesangeschäftsführer die Geschicke der Ackermann-Gemeinde in den Diözesen Bamberg und Eichstätt. Ab dieser Zeit war er ebenfalls als Referent der Erwachsenenbildung für ostpolitische und ostkirchliche Fragen unterwegs und behandelte auch Bildungs- und Erziehungsthemen in der offenen und verbandlichen Jugendarbeit. 1969 holte ihn Adolf Kunzmann, der damalige Generalsekretär der Ackermann-Gemeinde, in die Hauptstelle nach München. Dort nahm er sich der Geschäftsführung des sogenannten Exilbüros an, das später zum Internationalen katholischen Jugendwerk für Ost- und Mitteleuropa wurde. Gerade nach dem Scheitern des Prager Frühlings gewann diese Aufgabe an Bedeutung, da immer mehr Exulanten in die Bundesrepublik ka-
men. Es erwuchs ein enges Zusammenwirken mit Abt Anastáz Opasek, Erzabt von Břevnov und nach Jahren kommunistischer Gefangenschaft im westdeutschen Exil, und dem Verein Opus Bonum der tschechischen katholischen Exulanten. Im Jahr 1988 übernahm Klötzl in der Geschäftsstelle der Ackermann-Gemeinde die Verantwortung für den Kultur- und Bildungsbereich. Als Geschäftsführer des in den 1970er Jahren von Professor Ernst Nittner gegründeten Institutum Bohemicum setzte er wichtige Impulse, insbesondere in der Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Untrennbar verbunden mit seinen Namen sind in dieser Zeit die Kulturkongresse in Naumburg, Magdeburg und Karlsbad/ Karlovy Vary sowie die Kulturwochen „Rohrer Sommer“ und die Kultur- und Begegnungstage im Pfarrer-Hacker-Haus im Fichtelgebirge. Diese Aufgabe füllte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1999 aus. Da die damalige Bundesregierung die Position eines eigenen Kulturreferenten für die Ackermann-Gemeinde im Zuge großer Einschnitte im Vertriebenenbereich strich und Klötzls Stelle nicht mehr neu besetzt werden konnte, konnte das bis dahin um-
fangreiche Programm nicht mehr aufrechterhalten werden. Dank seines Pflichtgefühls und seiner tiefen Verbundenheit mit dem kulturellen Arbeitsfeld engagierte sich Klötzl als Rentner ehrenamtlich weiter. So fanden an vielen Orten Bayerns Lesereisen und literarische Cafés mit tschechischen und deutschen Autoren statt. Er pflegte weiter enge Kontakte mit dem Adalbert-Stifter-Verein und dem neu entstandenen Tschechischen Zentrum sowie zu Kultur- und Bildungseinrichtungen im Grenzgebiet zur und in der Tschechischen Republik. Bis vor wenigen Jahren liefen so bei ihm weiter viele Fäden zusammen. Als Ratgeber und mit seinem Netzwerk bereicherte er die Kulturarbeit der Ackermann-Gemeinde, die sich mit Unterstützung des Bayerischen Sozialministeriums neu aufstellen konnte, weiter. „Walter Klötzl hat stets mit starken Überzeugungen gedacht und gehandelt, die sich aus seinem gelebten Glauben speisten“, erinnert sich Kastler. „Über Jahrzehnte hat er zum Wohl vieler Menschen gewirkt, für die Ackermann-Gemeinde, die sudetendeutschen Landsleute und für die Menschen aus den östlichen Nachbarländern“, faßt der Bundesvorsitzende das Wirken von Walter Klötzl voll Dankbarkeit zusammen.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Detail aus einer Königsberger Krippenarbeit, Leihgabe aus Eger.
Bleikrippe, Leihgabe der Kunstsammlung des Bistums Regensburg.
� Neue Ausstellung im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel
Auftakt zum Advent mit großer Krippenschau Das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zeigt derzeit im Rahmen des Projektes „Kulturstadt Bayern-Böhmen Wunsiedel 2021“ des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) eine BayerischBöhmische Krippenausstellung.
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iel des Projekts „Kulturstadt Bayern-Böhmen“, das vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat sowie dem Landkreis und der oberfränkischen Stadt Wunsiedel gefördert wird, ist das kulturelle Leben der Nachbarregionen in einer Stadt auf die Bühne zu bringen. 2021 bis 2022 ist diese Stadt Wunsiedel Mit dieser Zielsetzung ist es den Verantwortlichen des Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, das mit der Umsetzung des Projekts betraut wurde, gelungen, aus jeder der teilnehmenden Regionen Ausstellungsexponate nach Wunsiedel zu bringen. Über die Grenze hinweg verbindet Bayern und Böhmen ein gemeinsamer Kulturraum und eine lang andauernde Krippentradition. Maria und Josef, das Jesuskind, Ochs und Esel, dazu die Heiligen Drei Könige – die klassische Weihnachtskrippe mit der Geburtsszene Jesu ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Weihnachtstradition unzähliger Familien in Bayern und auch im benachbarten Böhmen. Das zeigt die aktuelle Sonderausstellung im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel.
verschiedenen Materialien gefertigt. Ob aus Holz, Glas, Keramik, Porzellan, Blei oder Naturmaterialien, alle zeugen von der Kunstfertigkeit und der Religiosität der Krippenbauer. Es finden sich Rokoko-Kastenkrippen, historisierende Christbaumständer, große Figuren-Szenen und Miniaturen in Nußschalen oder Fläschchen. Das Spektrum reicht von der historischen bis zur modernen Künstler-Krippe. Detailreiche orientalische Szenen rund
um die Geburt von Jesus sind zu bestaunen. Vertreten sind Werke von Museen aus Bayern und Böhmen wie vom Krippenmuseum Baunach, dem Museum Eger/Muzeum Cheb, dem Stiftlandmuseum Waldsassen, den Kunstsammlungen des Bistums Regensburg, den Museen in Taus und Neuhaus (Muzeum Chodska v Domažlicích und Muzeum Jindřichohradecka) sowie Werke aus der Sammlung der Fich-
Detail einer Holzkrippe mit der heiligen Familie aus Südböhmen.
telgebirgsmuseen. Daneben reihen sich auch Privatleihgaben aus Niederbayern und der Oberpfalz ein. Die Krippen haben häufig einen regionalen Bezug und lassen ihren Ursprungsort erkennen. Die Krippenszene von Familie Pöllmann zeigt beispielsweise Maria und Josef bei der Herbergssuche in Regensburg. Und die Figuren der keramischen Weihnachtskrippe der Familie Raboch tragen die Klei-
dung aus der Region Südböhmen. Das Fichtelgebirgsmuseum ist ein Regionalmuseum in Wunsiedel, früher die „Hauptstadt“ des Sechsämterlandes und heute Kreisstadt im Fichtelgebirge. Die ehemals angesehenen Handwerksberufe wie Zinngießer und Töpfer wurden schon im 19. Jahrhundert von der Industrie verdrängt. Daher entstand bereits 1907 der Wunsch, die alten Fertigkeiten zu bewahren. Durch
Die heilige Familie und Engel, Rokoko Kastenkrippe, um 1750.
Dauerausstellung im Museum Im Südtrakt befinden sich die regional- und kulturgeschichtlichen Abteilungen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Möbelsammlung, die hauptsächlich bemalte Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem Fichtelgebirge umfaßt. Über den Autor Jean Paul (1763–1825) sowie den politischen Attentäter Karl Ludwig Sand (1795–1820) – beide sind in Wunsiedel geboren – geben Dokumentationen Auskunft. Die aktuelle Sonderausstellung bildet den Abschluß der Kulturstadt Bayern-Böhmen, die 2021 von Schwandorf nach Wunsiedel wanderte, auch wenn viele der geplanten Veranstaltungen der Pandemie zum Opfer fielen. Die Krippenschau ist hoffentlich noch bis zum offiziellen Ende im Januar zu besichtigen. sh
Grenzüberschreitende gemeinsame Tradition Passend zur Weihnachtszeit laden 62 Krippen aus den Nachbarregionen entlang der bayerisch-böhmischen Grenze zu einem „grenzenlosen Krippenweg“ ein. Bis zum 23. Januar wird diese Schau in Wunsiedel zu sehen sein. Die Sonderausstellung im Fichtelgebirgsmuseum, die am 12. November eröffnet wurde, zeigt Krippen aus drei bayerischen Regionen, drei tschechischen Regionen und drei Jahrhunderten. Die Stücke kommen aus Oberfranken, der Oberpfalz und Niederbayern und aus den tschechischen Regionen um Pilsen, Karlsbad und Südböhmen. Die traditionellen Krippen stammen aus elf Museen und Privatsammlungen. Die große Vielfalt, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten abzubilden, sei das Hauptziel der Ausstellung, sagt Kuratorin Christina Heydenreich. Zu sehen sind unterschiedliche Motive, Werkstoffe und Herstellungsarten von beiden Seiten der Grenze. Die Krippen sind aus
den Fichtelgebirgsverein wurde das Museum verwirklicht. Seit 1964 befindet es sich in einem Trakt des im 15. Jahrhundert gegründeten Sigmund-Wann-Spitals, welches die Aufgabe eines Hospitals erfüllte. In den 1980er Jahren wurden weitere Spitalgebäude umgebaut und dem Museum angegliedert, 2004 wurden die letzten beiden Häuser eröffnet. Im ersten neu dazugekommenen Gebäude sind die Abteilungen „Blaufärberei/Blaudruck“, „Kinderwelten/Spielwelten“ sowie ein für Besucher zugängliches Museumsdepot eingerichtet. Im zweiten neuen Gebäude befinden sich die Museumsbibliothek sowie Werkstätten und Funktionsräume. In nunmehr neun Häusern verfügt das Museum über weit mehr als 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Im Nordtrakt sind die Abteilungen Vorgeschichte, Geologie, Mineralogie und Bergbau untergebracht. Der Schwerpunkt liegt auf einer Mineraliensammlung mit etwa 2000 Einzelstücken, die hauptsächlich aus dem Fichtelgebirge, dem nördlichen Oberpfälzer Wald, der Münchberger Gneismasse und dem Frankenwald stammen.
Herbergssuche „Hinter der Grieb“, Privatleihgabe der Krippenbauer Familie Pöllmann aus Schwandorf. Rechts: Plakat der Ausstellung.
Bis Sonntag, 23. Januar: „Bayerisch-Böhmische Krippenausstellung“, Wunsiedel, Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel, Spitalhof 3. Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10.00–17.00 Uhr. Eintritt 3,00, ermäßigt 1,50, Familienkarten 6,00, Gruppenkarte Erwachsene 2,00, ermäßigt 1,50 Euro. 2-G-Regel: Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit FFP2-Masken.
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KULTUR
Dr. Petr Brod und Dr. Zuzana Jürgens, ASV-Geschäftsführerin.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Kristina Larischová, dTschechische Generalkonsulin in München, und Dr. Petr Brod.
� Gespräch im Sudetendeutschen Haus in München
Von Prag nach München und London Der Adalbert-Stifter-Verein (ASV) bot in seiner Reihe „Böhmische Spuren in München“ ein Gespräch mit dem Journalisten Petr Brod. Die Veranstaltung mit ASV-Geschäftsführerin Zuzana Jürgens und der Tschechischen Generalkonsulin Kristina Larischová fand in Präsenz im Münchener Sudetendeutschen Haus und online auf dem YouTube-Kanal statt.
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er Journalist Petr Brod kam 1969 mit seinen Eltern nach München“, leitete Zuzana Jürgens ein. „Das war jedoch keine hastige Emigration, sondern eine legale Ausreise, denn seine Eltern, beide jüdischer Herkunft, galten nach Gesetzen der Bundesrepublik als deutsche Spätaussiedler“, so die ASV-Geschäftsführerin. Brod habe nach dem Studium zuerst bei der BBC in London gearbeitet. Zwischen 1987 und 1993 sei er Redakteur bei Radio Freies Europa (RFE) gewesen. An-
schließend habe er für die „Süddeutsche Zeitung“ geschrieben, erst in München, später aus Prag. 2000 bis 2006 habe er das Prager Büro der BBC geleitet. „Seitdem ist er freier Journalist und Moderator“, stellte Jürgens vor. Mit ihr und mit Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, sprach Brod über sein Leben – alle drei in coronakonformem Abstand. Dabei erwähnte er viele, eher unbekannte biographische Fakten. Petr Brod wurde am 25. November 1951 in Prag in eine jüdische Familie mit komplexen ethnischen, sprachlichen, kulturellen und religiösen Wurzeln geboren. Dazu las er einen autobiografischen Text vor, der seine Herkunft beschreibt. Sein Vater habe aus Ungarisch Brod gestammt, woher vielleicht auch der Familienname komme. Seine Mutter stamme aus einer sogenannten gemischten jüdischen Familie, die während der Besat-
zungszeit einer erheblichen Verfolgung entgangen sei. Sie sei mütterlicherseits aus Franken und 1940 mit ihren Eltern nach Prag gekommen. Sie habe dort ein deutsches Abitur gemacht und sich bald verlobt. Während des Zweiten Weltkriegs sei sein Vater der Deportation in ein Konzentrationslager entkommen, indem er nach England emigriert sei, die Mutter sei in Prag geblieben. Nach Kriegsende habe das Paar vertrieben werden sollen, dann jedoch die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft erhalten. Petr Brod wuchs in Prag-Karolinenthal auf, war leidenschaftlicher Leser und interessierte sich schon bald für Politik. „Deutsch sprachen meine Eltern als ,Geheimsprache‘, bis ich es selbst gut konnte!“, erinnerte sich Brod. Sein Vater sei in den fünfziger Jahren als überparteilicher und jüdischer Intellektueller vom Anwalt zum Hilfsarbeiter degradiert worden. Im Zuge der begin-
nenden „Normalisierung“, als den Eltern klar gewesen sei, wohin die Tschechoslowakei führen würde, sei er im Juli 1969 als 17jähriger mit seinen Eltern in die Bundesrepublik Deutschland gezogen, auch wegen der Zugehörigkeit der Eltern zur deutschen Minderheit. Sie seien mit ihm schon 1958 in Deutschland gewesen, um Verwandte in Ingolstadt und München zu besuchen.
Spannende Biographie Für die Auswanderungspässe habe seine Mutter drei Büroschränke gegeben. „Mein Vater konnte in Deutschland auch als Spätaussiedler Rente beziehen, anders als in Österreich oder England, wohin ich als Anglophiler lieber ausgereist wäre.“ In München habe er das Erasmus-Grasser-Gymnasium besucht, da seine Eltern eine Wohnung im Fürstenried gefunden hätten. Dann habe er
an der Ludwigs-MaximiliansUniversität ein Studium der Politikwissenschaft, der osteuropäischen Geschichte und des Journalismus absolviert. Da die 68er geherrscht hätten, habe er in München bald Diskussionen mit Maoisten geführt. Während seines Studiums führten ihn auch zweijährige Stipendien an die London School of Economics und die Harvard University in den USA. Seinen Doktor habe er nicht gemacht, da er Journalist werden wollte. Nach seiner Rückkehr 1980 begann er, als Redakteur bei der BBC in London zu arbeiten und wurde nach sieben Jahren Redakteur bei RFE in München. Vor Ende 1989 kam er als erster ständiger Korrespondent von RFE ins nachrevolutionäre Prag. Nach zwei Jahren kehrte er nach München zurück und arbeitete später für die „Süddeutsche Zeitung“, zunächst in München, dann in Prag, wofür er wegen seiner Tschechischkenntnisse prä-
destiniert schien. Von 2000 bis zur Schließung des Prager Büros der BBC im Jahr 2006 war er deren Leiter. Heute arbeitet Brod als freier Journalist, ist Mitglied des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, des Stiftungsfonds und der Stiftung Jüdische Gemeinde in Prag. Darüberhinaus moderiert er politisch-historische Diskussionen, schreibt in Zeitschriften und referiert für die Öffentlichkeit über die Beziehungen zwischen Tschechen, Deutschen und Juden im Inund Ausland. 2012 zeichnete der ASV ihn und gleichzeitig Jürgen Serke mit dem Kunstpreis zur deutsch-tschechischen Verständigung aus. Auch darüber hätte es sicher viel zu erzählen gegeben, was aus zeitlichen Gründen nicht mehr ging. Durch das Gespräch mit zwei sachkundigen Partnerinnen erfuhren die Gäste sehr viel von diesem großartigen Journalisten. Susanne Habel
� Vortrag im Sudetendeutschen Haus in München
Das junge „Barackenmädchen“ aus Brünn Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen hatte zu einer Buchvorstellung im Internet eingeladen. Peter Mainka las aus seinem Roman „Das Barackenmädchen“ und diskutierte online mit den Zuhörern.
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rsprünglich hatte Peter Mainka Elektrotechnik studiert und 40 Jahre lang an der Technischen Hochschule Regensburg gearbeitet. In den achtziger Jahren absolvierte er eine Ausbildung in Medizin und Naturheilkunde, die er als Heilpraktiker abschloß. Seit 1991 engagiert er sich naturheilkundlich für die Gesundung von Patienten. „Der historische Hintergrund meines Romans basiert auf wahren Begebenheiten“, erklärte Peter Mainka. Der Autor, der eigentlich väterlicherseits aus Oberschlesien stammt, hatte einen packenden Roman über Brünn schreiben wollen. „Ich stieß auf ein Buch der Bruna mit Vertreibungsberichten und las diese traurigen und rührenden Geschichten.“ Darauf basiere sein eigener Roman über das „Barackenmädchen“, den er 2016 begonnen habe. Mainka las Passagen aus dem Roman. An ihrem 90. Geburtstag entscheidet sich die Brünnerin Helene, ihrer Enkelin Selina von ihrer bewegten und leidvollen Vergangenheit zu erzählen.
Auf Einladung der Heimatpflegerin Christina Meinusch liest Peter Mainka aus seinem Roman „Das Barackenmädchen“. Die Erinnerungen beginnen im Frühjahr 1945. Aus Angst vor Übergriffen der Roten Armee verläßt die 17jährige Helene ihre Heimatstadt Brünn. Als sie nach Kriegsende mit ihrem jüngeren Bruder Karl und ihrer Mutter zurückkehrt, drängt sich eine unerbittliche Wirklichkeit aus Erniedrigung und Ausgrenzung in ihr Leben, nachdem sie erst in den Baracken im Sammellager in Tabor gelandet ist. Es gibt gefährliche Begegnungen mit russischen Soldaten und mit tschechischen
Partisanen. Besonders die Frauen haben mit der Angst vor Vergewaltigung und dem Hunger zu kämpfen. Trotz aller Demütigungen unter dem neuen Regime in der Heimat kämpft sie um die Liebe zu ihrem Freund Jan und die Freilassung ihres inhaftierten Vaters. Dabei gerät das Mädchen in einen gefährlichen Strudel aus Heimtücke und Arglist. Schon bald entwickelt sich die brisante Lage zu einem aufreibenden Überlebenskampf. Deswegen
deklariert der Verlag den Roman auch als „Thriller“. Die düstere Szenerie des Buches mündet im Brünner Todesmarsch. Mehr sollte aus dem Inhalt des Kolportage-Thrillers nicht verraten werden. Aber in den 35 Kapiteln, die Mainka aus der Sicht der Protagonistin Helene erzählt, gibt es aufregende Szenen und spannende Dialoge. „Die Form des Buches erspart den Lesern die schlimmsten Dinge, die damals passierten“, betonte Christina Meinusch.
Unter den Zuhörern war auch der neue SL-Bundeskulturreferent Ulf Broßmann. Er meinte, daß das Buch sehr bedrückend sei. „Aber dieser Roman ist eine gute Möglichkeit, das Thema auch jungen Menschen nahezubringen.“ Mainka stimmte zu, denn er habe, wie er sagte, auch schon erfolgreich Lesungen etwa unter Jugendlichen und Studenten veranstaltet. Tatsächlich dürfte die Erzählung um die tapfere Helene, die als Identifikationsfigur
dienen kann, jugendliche Leser begeistern. Sie ist ein typischer Teenager, der seine Familie liebt, aber auch den jungen Tschechen Jan. Dadurch, daß die Heldin ihren Bericht mit 90 ihrer Enkelin erzählen kann, wissen auch ängstliche Jugendliche, daß sie die Schrecknisse überleben wird. Susanne Habel Peter Mainka: „Das Barackenmädchen“. Verlag BoD, Norderstedt 2019; 308 Seiten, 10,95 Euro. (ISBN 978-3-752860-283)
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
� SL-Kreisgruppe München-Stadt und Land/Oberbayern
Neuer Vorstand steht bereit Anfang November traf sich die oberbayerische SL-Kreisgruppe München-Stadt und -Land im Haus des Deutschen Ostens zur Hauptversammlung mit Neuwahlen.
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olkstrauertag in München. Nach der zentralen Veranstaltung für Bayern in der Münchener Residenz hielt der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Gedenkrede. Landtagspräsidentin Ilse Aigner sprach das Totengedenken (Þ SdZ 46/2021). Anschließend legte Paul Hansel, der Vorsitzende des BdV-Bezirksverbandes Oberbayern, mit seinem Stellvertreter Andreas Schmalcz für alle deutschen Heimatvertriebenen und Aussiedler eine Kranz nieder.
egen Corona hatte die Jahreshauptversammlung von 2020 auf 2021 verschoben werden müssen. Zunächst begrüßte Kreis obmann Hans Slawik die Landsleute und gedachte der Verstorbenen. Hans Slezak, Obmann der SL-Bezirksgruppe Oberbayern, lobte in seinem Grußwort die Arbeit der Kreisgruppe. Nach Hans Slawiks Rechenschaftsbericht sprach Bernd Posselt, SL-Bundesvorsitzender und Volksgruppensprecher. Sei-
ne Themen waren der heurige Sudetendeutsche Tag im Münchener Gasteig, die Eröffnung des Sudetendeutschen Museums in der Münchener Hochstraße, der Ausbau des sozialen Netzwerks der SL, das Sudetendeutsche Büro in Prag, dessen Leiter Peter Barton auch während der Pandemie im steten Einsatz gewesen sei, und Christi- Tagungsort HDO in München. na Meinusch, die neue Heimatpflegerin der Sudetendeut- mann und Susanne Häusler. Als schen. Posselts Ausführungen Finanz- und Büroverwalterinnen folgten die Rechenschaftsberich- wurden Renate Slawik und Birgit te der übrigen Amtswalter. Unfug einstimmig gewählt. BirBei den Neuwahlen wurde git Unfug wurde zudem SchriftKreisobmann Johann Slawik ein- führerin. stimmig im Amt bestätigt. SeiKassenprüfer wurden Ingene drei Stellvertreter sind Horst borg Milenovic und Edeltraud Wiedemann, Hildegard Broß- Höfer. Beisitzer wurden Mathil-
de Pollak, Christa Sehr, Jean McIntyre, Pia Eschbaumer und Rüdiger Stöhr. Hans Slawik, Hildegard Broßmann und Brigitte Wenzl wurden Delegierte zur Bezirks- und Landesversammlung der SL, Ersatzdelegierte sind Christa Wenzel, Birgit Unfug und Susanne Häussler. Zum Schluß ehrte Bernd Posselt Professor Ulf Broßmann, Jean McIntyre, Mathilde Pollak, Horst Provinsky, Christine Rösch, Christa Sehr und Hans Slawik mit dem Großen Ehrenzeichen der SL. Mit Dank und Anerkennung ehrte der Volksgruppensprecher Horst Wiedemann, Hermann Sehr und Thomas Schmid.
�SL-Landesgruppe Berlin
Berührende Nachdenklichkeit Seit mehr als zehn Jahren nimmt die SL-Landesgruppe Berlin auf Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) an der internationalen Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem ehemaligen Berliner Standortfriedhof Lilienthalstraße teil.
Vorgänger Reinhard Führer sowie als Ehrengast den aus dem Kosovo angereisten Gerichtsme-
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n Vertretung des SL-Bundesvorstandes legte Rudolf D. Fischer, Obmann der SL-Landesgruppe und Vorsitzender des BdV-Landesverbandes Berlin, zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft einen Kranz nieder. Das Heeresmusikkorps der Bundeswehr spielte das schottische Volkslied „The Water is Wide“. Dieses hatte der neue VDK-Generalsekretär Dirk Backen in den musikalischen Kanon aufgenommen. Nachdem die letzten Takte sanft ausgeklungen waren, senkte sich einen intensiven Moment lang berührende Nachdenklichkeit über den Friedhof. Den 200 Besuchern merkte man an, daß Backen mit „The Water is Wide“ den Ton getroffen hatte. Ein melancholischer und doch hoffnungsvoller Ton zog sich durch die Veranstaltung, zumal sie nach den strengen Corona-Eeinschränkungen von 2020 wieder mit deutlich mehr Besuchern stattfand, darunter Militärattachés aus 25 Ländern. Neben den Vertretern der Partnerländer begrüßte Dirk Backen auch den Berliner Innensenator Andreas Geisel, Bundeswehr-VizeGeneralinspekteur Markus Laubenthal, VDK-Präsident Wolfgang Schneiderhan und seinen
Kranz der SL, des Österreichischen Schwarzen Kreuzes und des VDK.
diziner Arsim Gerxhaliu. Explizit begrüßt und genannt wurde heuer auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft. Auch Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundestages, nahm diesen nachdenklichen und doch Mut machenden Ton auf, als sie ihre Rede den 59 in Afghanistan gefallenen Soldaten der Bundeswehr widmete. „Lange Zeit haben wir uns mit der Debatte aufgehalten, ob wir dort Krieg oder nur kriegsähnliche Zustände erleben“, sagte Högl. Spätestens mit dem sogenannten Karfreitagsgefecht 2010 aber, als deutsche Soldaten erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in hochintensive Gefechte verwickelt worden seien, sei deutlich geworden, daß sich die Bundeswehr in einem Kampf für Frieden und Freiheit befunden habe. Högl betonte besonders die Internationale Gemeinschaft, die in Afghanistan eingesetzt gewesen sei. „Aus Rivalen von einst wurden Verbündete.“ Mit Blick auf die Militärattachés, die unter anderem Länder wie Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Polen, Kanada und die USA repräsentierten, dachte Högl über die internationale Einsatzgemeinschaft nach: „Sie kämpften zusammen, sie fielen zusammen.“ VDK-Präsident Wolfgang Schneiderhan gedachte der Toten. Die Militärgeistlichen Bernd Schaller und Bernhard Felmberg sprachen ein gemeinsames Gebet. Dann senkte sich erneut eine berührende Nachdenklichkeit über den Friedhof an der Lilien thalstraße zu Berlin. fdr
� SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken
Von den Nazis mißbraucht Am Volkstrauertag gedachte das oberfränkische Naila mit der dortigen SL-Ortsgruppe der Opfer der Weltkriege und Vertreibungen, der Bürgerkriege und Verfolgten unserer Tage.
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ekan Andreas Maar sagte, den 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) vorgeschlagenen und 1925 eingeführten Volkstrauertag hätten die Nationalsozialisten als Heldengedenktag mißbraucht. Seit 1952 sei der Volkstrauertag als Gedenktag den militärischen, zivilen und rassistischen Opfern gewidmet. Einer der 30 Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg sei der weltwei-
te Krieg gegen Christen. Dessen Menschenrechtsverletzungen werde von vielen Politikern und Medien verschwiegen. Bürgermeister Frank Stumpf sagte, der von Adolf Hitler 1939 entfesselte Krieg habe 1941 den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Er erinnerte an die Taten der Geschwister Scholl und andere vergebliche Widerstandsaktionen. 60 bis 70 Millionen Opfer seien zu beklagen. Zu den zehn Millionen zwischen den 60 und 70 Millionen gehörten Vermißte und Totgeschlagene. Diese hätten oft keine identifizierbare letzte Ruhestätte. Ihrer solle das deutsche Volk an diesem Volkstrauertag gedenken.
VdK-Kreisvorsitzender Klaus Greim gedachte der Opfer von Gewalt und Krieg, die durch Gefangenschaft, Vertreibung, Massaker oder als rassistisch und religiös Verfolgte ihr Leben verloren hätten. Das deutsche Volk gedenke und trauere auch um die derzeitigen Opfer von Bürgerkriegen, Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und um gefallene Bundeswehrsoldaten. Stumpf dankte für die Teilnahme der Bürger und Vereine. Nicht zuletzt dankte er der SL-Ortsgruppe Naila unter ihrem Obmann Adolf Markus für die Fahnenpräsenz und ihren Kranz.
Professor Dr. Manfred Kittel, in der Mitte BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer, rechts Jutta Starosta und Anika Oster. Bild: Susanne Marb/BdV
� BdV-Landesverband Bayern
Intellektuell überzeugend Der BdV-Landesverband Bayern vergab bei einer Feierstunde Mitte November im Sudetendeutschen Haus in München seinen diesjährigen Kulturpreis und zwei mit ihm verbundene Ehrengaben.
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er mit 2000 Euro dotierte Hauptpreis ging an die Volkstanzgruppe im oberfränkischen BdV-Kreisverband Hof, Ehrengaben von je 500 Euro an den Gründungsdirektor der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Manfred Kittel, und an den Seniorenchor der Banater Schwaben in Augsburg. In seiner Laudatio würdigte BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer die Volkstanzgruppe aus Hof als leistungsstarke Gruppe, die sich durch eine generationenübergreifende Pflege der ostdeutschen Kultur auszeichne. „Hervorgegangen aus der Schlesischen Volkstanzgruppe Rehau, begeistert sie nicht nur in der Heimatregion, sondern auch im In- und Ausland. Leistungsstark präsentierte sich die Tanzgruppe in allen Altersgruppen, erfolgreich bei den Landeskinderspielen der djo–Deutsche Jugend in Europa, der Europeade oder beim Tanzworkshop mit der Gruppe ,Saga‘ aus Bartenstein in Ostpreußen. Neben deutschen Volkstänzen – die meisten stammen aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen – gehören auch internationale Volkstänze zu ihrem Repertoire.“ Mit der Auszeichnung würdige der BdV auch das über 40 Jahre lange Engagement der Leiterin Jutta Starosta sowie die
ausgezeichnete Arbeit seiner Jugendleiter. Durch Auftritte in den östlichen Nachbarstaaten und die Begegnungen seien sie Brückenbauer bei der Verständigung der Völker und der Schaffung eines rechtsstaatlichen und freiheitlichen geeinten Europas, schloß Knauer. Die erste Ehrengabe erhielt der Berliner Wissenschaftler Manfred Kittel. Dieser wurde vor allem für seine Forschungsarbeiten und Publikationen über Vertreibung und Eingliederung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg geehrt. Laudator Paul Hansel würdigte den Historiker als hochkompetenten, intellektuell überzeugenden und wissenschaftlich ausgewiesenen Mitstreiter an der Seite der Landsmannschaften. Obwohl er selbst keinen Vertriebenenhintergrund habe, hätten ihn auch die für den BdV einschlägigen Fragen sein bisheriges Berufsleben nicht mehr losgelassen. 2009 konnte Kittel für das vom BdV unter Erika Steinbach seit langem geforderte und von Peter Glotz und anderen unterstützte Dokumentationszentrum für Flucht und Vertreibung der deutschen Heimatvertriebenen als Gründungsdirektor gewonnen werden. Es bleibe, so Hansel, unbestritten Kittels Leistung, die Stiftung organisatorisch auf die Beine gestellt sowie den Umbau des Deutschlandhauses und die vom Stiftungsrat einstimmig verabschiedete Konzeption der Dauerausstellung auf den Weg gebracht zu haben. Dabei habe Kittel nie Zweifel aufkommen lassen, daß für ihn Flucht
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und Vertreibung der Deutschen den Schwerpunkt und nicht einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden müsse. Daran ändere auch sein Ausscheiden als Direktor, das wohl so manch unfairen Anfeindungen aus dem In- und Ausland geschuldet gewesen sei, nichts. Der Seniorenchor der Banater Schwaben in Augsburg erhielt die zweite Ehrengabe. Mit dessen Gründung 1985 habe die dortige Kreisgruppe der Landsmannschaft ein nachahmenswertes Projekt als Beispiel für die Einbeziehung aller Generationen in die Verbandsarbeit geschaffen, sagte Laudatorien Herta Daniel, Ehrenvorsitzende der Siebenbürger Sachsen. Mit vielen Auftritten bei gesellschaftlichen, kirchlichen und lokalen Veranstaltungen bereite der 25köpfige Seniorenchor seinen Zuhörern viel Freude. Er lege für jedermann sichtbar – egal ob bei Maiandachten, Wallfahrten, Kirchweihfesten, Tagen der Heimat oder bei bundesweiten Treffen der Banater Chöre – Zeugnis über eine gelungene Seniorenarbeit ab. Zu seinen Zielen gehöre die Fortführung der aus der Heimat mitgebrachten Tradition des Kirchenlieds und Messgesangs sowie das Singen auf Beerdigungen. Mit dem 2015 beim Bundestreffen der Banater Chöre in Gersthofen präsentierten neuen Konzept „Singen in der Spinnstube“ habe eine erfolggekrönte Zeit des Chores begonnen. Die Ehrengabe würdige auch die Verdienste der Chorleiter Werner Zippel und Anika Oster.
of. Der Vorstand der oberfränkischen SLKreisgruppe Hof gratulierte Landsmann Walter Zechel zum 93. Geburtstag. Zechel kam am 28. Oktober 1928 im Erzgebirge zur Welt, wurde nach der Vertreibung in Rehau seßhaft und gründete 1949 mit Landsleuten die SL-Ortsgruppe Rehau. Mehr als 60 Jahre ist er Kassier und Vorstandsmitglied. Der Vorstand dankte seinem treuen Mitglied, wünschte Gesundheit und Gottes Segen und überreichte ein Geschenk. Auf dem Bild Kreisobmann Adalbert Schiller, dessen Lebenspartnerin Brigitte Grabmann, der Stellvertretende Kreisobmann Jürgen Novakowitz, Walter Zechel und Wolfgang Kupferschmidt, Obmann der SL-Ortsgruppe Rehau.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Arbeitskreis Sudetendeutscher Akademiker
Lange Verschwiegenes findet Gehör Das Herbstseminar des Arbeitskreises Sudetendeutscher Akademiker (ASA) Anfang November auf dem Heiligenhof widmete sich der Bewältigung von Flucht und Vertreibung in Literatur und Film. Konrad Epple MdL, Iris Ripsam MdB a. D. und Thorsten Frei MdB. Bild: Helmut Heisig
UdVF der CDU Baden-Württemberg
Iris Ripsam bleibt Chefin Die neue politische Lage biete der Unions-Bundestagsfraktion die Chance, wieder verstärkt eigene christdemokratische Akzente zu setzen, ohne auf einen Regierungspartner Rücksicht nehmen zu ris Ripsam, UdVF-Landes- müssen. Es gebe genug Thevorsitzende und Stuttgarter men, bei denen sich die UniStadträtin, begrüßte Konrad on deutlich von der künftigen Epple MdL, die ehemaligen Ampelkoalition unterscheiLandtagsabgeordneten An- de. drea Krueger und Franz LonDie Beendigung der pandegin, Christoph Zalder, Stell- mischen Lage und die Verabvertretender Vorsitzender der schiedung des geänderten InOst- und Mitteldeutschen fektionsschutzgesetzes seien Vereinigung der CDU/CSU unverantwortlich. „Man muß (OMV), Klaus Hoffmann, Vor- eine Meinung, die man vor sitzender des UdVF-Bezirks wenigen Wochen noch vertreNordbaden, sowie Gastredner ten hat, auch revidieren könThorsten Frei MdB, Vize-Vor- nen, wenn dies steigende Inzisitzender der CDU/CSU-Bun- denzwerte verlangen“, schloß destagsfraktion. Thorsten Frei. Seit 2013 sitzt Frei im BunIn ihrem Rechenschaftsbedestag. „Heimat und Heimat- richt über die vergangenen politik werden mit der neuen drei Jahre blickte Iris Ripsam Regierungskonstellation wei- auf die zahlreichen Veranstalter an Bedeutung verlieren“, tungen des Landesverbandes sagte der engagierte Christ- zurück. Die alljährliche Chardemokrat. Er ta-Feier am befürchtet, daß 5. August und künftig nur soldie „Stuttgarter che FlüchtlinGespräche“ am ge gut seien, Gedenktag für die nichts mit die Opfer von Deutschland zu Flucht und Vertun hätten. Untreibung seiter der rot-grüen 2019 noch in nen BundesrePräsenz, 2020 gierung seien Der Stellvertretende UdVF- online und heuKlaus er hybrid veranzwischen 1998 Landesvorsitzende und 2005 die Hoffmann ist Obmann der staltet worden. SL-Landesgruppe Baden- Die AmtsperiFördermittel für die Kultur- Württemberg. ode hätten nicht einrichtungen zuletzt Wahlnach dem Bundesvertriebe- kampf-Aktivitäten geprägt. nengesetz zusammengestriIn der neuen Amtsperiode chen worden. Seit der Regie- bleibe, so Ripsam, die auch rungsübernahme von CDU Schatzmeisterin im OMVund CSU seien sie inzwischen Bundesvorstand ist, der diwieder verdreifacht worden. rekte Austausch mit dem BdV Frei bemängelte die über- und den Landsmannschaften fällige Novellierung des ein Schwerpunkt in der LanFremdrentengesetzes. Die et- desvorstandsarbeit. Außerwa 2,4 Millionen Spätaussied- dem wolle sie das Zeitzeuler seien wegen Kürzungen genprogramm weiter intensiim Fremdrentengesetz in den vieren, damit die Geschichten 1990er Jahren heute massiv der Einzelschicksale nicht vervon Altersarmut bedroht. „Lei- loren gingen. Zudem gehörten stungsempfänger und Renten- die Digitalisierung der Arbeit bezieher dürfen nicht gegen- der UdVF und die Fragen der einander ausgespielt werden.“ Renten für Spätaussiedler zu Als Vorsitzendem des Ku- den Themen, mit denen sich ratoriums der Bundeszentra- der neue Landesvorstand bele für Politische Bildung liegt fassen solle. Frei auch die geschichtliche Bei der Neuwahl des UdVFBildung in den Schulen am Landesvorstandes wurde Iris Herzen. Deshalb sagte er, daß Ripsam einstimmig als Landie Leistung der Vertriebenen desvorsitzende bestätigt. Ihbeim Wiederaufbau Deutsch- re Stellvertreter wurden Klaus lands nicht in Vergessen- Hoffmann, Christoph Zalder heit geraten dürfe und in den und Bärbel Häring. SchatzSchulbüchern unbedingt Ein- meisterin und Mitgliederbegang finden müsse. auftragte wurde Waltraud IllFrei ging auch auf die aktu- ner. Christoph Kapteina bleibt elle Lage der CDU als Opposi- Schriftführer und Norbert tionspartei ein und appellier- Strohmaier Internetreferent. te, gemeinsam und mit voller Fabian Ripsam, Andrea KrueKraft aus diesem Tal, in dem ger, Manfred Martin, Karin sich die CDU befinde, wieder Eckert, Reinhold Frank, Helherauszukommen. Auch wenn mut Heisig, Uta Christel Lütdie Union Opposition erst wie- tich, die Bezirksvorsteherin der lernen müsse, sei die Op- von Stuttgart-Nord, Sabine position ein wichtiger Be- Mezger, Ingrid Wessel, Ernst standteil im Parlament, ohne Strohmaier, Theodor Lazar die die Demokratie nicht funk- und Heinz Fuchs wurden Beitionieren würde. sitzer. tg Mitte November fand die Landesversammlung mit Wahlen der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge (UdVF) der CDU Baden-Württemberg in Stuttgart statt.
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ediale Aufmerksamkeit hätten Flucht und Vertreibung erstmals 1945 erfahren. Bis heute bestimmten Bilder von Geflüchteten immer wieder die Berichterstattung, unterstrich Philipp Seuferling von der Stockholmer Södertörn-Universität. Er sprach via Zoom über „Medientechnologien und Medienpraktiken in Lagern der Nachkriegszeit“. Nach dem Krieg habe es, so Seuferling, Millionen Heimatvertriebene und Displaced Persons, ehemalige Insasse der befreiten KZ und befreite Zwangsarbeiter gegeben. Das habe die Hilfsorganisationen und zuständige Behörden sowie die Betroffenen selbst vor riesige Herausforderungen gestellt. Derer habe man nur mit einer optimalen Nutzung der zur Verfügung stehenden Instrumentarien Herr werden können. Früher hätten die Lagerverwalter mit Karteikartensystemen und Laufkarten die gerechte Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln sicher gestellt. Heute bediene man sich trotz ethischer Fragwürdigkeit biometrischer Mittel. Zur Befriedigung der existenziellen Informations- und Mitteilungsbedürfnisse sei wie schon auf der Flucht ein Smartphone unerläßlich. In den Lagern der Nachkriegszeit seien die Menschen auf Briefpost oder Telefone angewiesen gewesen, um sich mit verstreuten Angehörigen auszutauschen oder um mit dem Suchdienst Kontakt aufzunehmen. Die Möglichkeit, Rundfunk zu empfangen oder Einsicht in Zeitungen zu nehmen, sei ebenso unverzichtbar gewesen. Kinotage hätten ein wenig Ablenkung in das triste Umfeld gebracht, das keinerlei Privatsphäre zugelassen habe.
Zeitzeugen kommen zu Wort Die Medien lassen mit Bildern oder Archivmaterial und Dokumenten allenfalls erahnen, was Geflüchtete einst wie jetzt erlebten und innerlich durchmachten. Doch erst die Zeitzeugenberichte vermitteln Lesern, Zuschauern wie Zuhörern die Erinnerungen vor allem aus subjektiver Perspektive. Die Wahrnehmungen der Wegmarken in den Beziehun-
gen zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen und Mähren 1918, 1938 und 1945/46 aus der Sicht der Betroffenen fallen zwangsläufig unterschiedlich aus. Dem Anspruch, sie gegenüberzustellen, um Gemeinsames für die Zukunft abzuleiten, will der erstmalig im November 2020 ausgestrahlte und auf dem Seminar besprochene Film „Vertreibung. Odsun. Das Sudetenland“ gerecht werden. Dazu leisten die Berichte über Antikomplex sowie die Erläuterungen des Historikers Matěj Spurný sowie des Schriftstellers und Publizisten Jiří Padevět einen wesentlichen Beitrag. In der zweiteiligen Gemeinschaftsproduktion Matthias Schmidts und Vít Polačeks mit den Sendern MDR, Arte und ČT kommen sowohl ein ehemaliger Angehöriger der „Revolutionsgarden“ als auch deutsche Vertreibungsopfer ausführlich zu Wort. In diesem Zusammenhang geht die Dokumentation auch näher auf den Brünner Todesmarsch und dessen literarische Verarbeitung in „Gerta. Das deutsche Mädchen“ der jungen tschechischen Autorin Kateřina Tučková ein.
Sprachbarrieren eigentlich keine Tradition haben. Das ging aus dem Vortrag „Deutsch-tschechische Nachbarschaft im Spiegel der Sprache“ der Pardubitzer Deutschlehrerin Lenka Matušková hervor. Tschechisch und Deutsch gälten zwar als entfernt verwandte Sprachen. Zahlreiche Lehnbeziehungen zeugten jedoch von seit Jahrhunderten bestehenden Sprachkontakten, die die Qualität eines Sprachbundes erreicht hätten. Nur vor-
Auslöser für sein literarisches Wirken, so Mainka, sei die Beschäftigung mit Zeitzeugenberichten gewesen. Eine mittlerweile 90jährige Brünnerin liefere das Vorbild für die Hauptfigur, die 17jährige Helene, führte er in seinen Zoom-Vortrag ein. Er las aus den Kapiteln, die mit der gewaltsamen Ausweisung der Deutschen aus ihren Häusern und Wohnungen beginnen und mit der Ankunft der Überlebenden in Pohrlitz enden. Was die Menschen insbesondere aus dem Blickwinkel Helenes und ihrer Familie erlitten hatten, ging den Zuhörern unter die Haut. Das lag auch an Mainkas nüchterner und deshalb eindringlicher Erzählweise, die Gewaltszenen nicht in letzter Direktheit beschreibt. Gleichzeitig stellt der Kunstgriff der Binnenerzählung insofern einen Gegenwartsbezug her, als nämlich die Ich-Erzählerin als Helene in der fingierten Großmutter im Prolog des Romans aufgeht. Er ist als Gespräch verfaßt, in dem sie sich gegenüber ihrer Enkelin erstmalig umfassend zu dem Thema äußert.
Vertreibung als psychologisches Erbe?
Vom Todes- zum Versöhnungsmarsch
Der langjährige ASAVorsitzende Helmut Mader Als Gründerin des Brünner sprach über „Krieg, Flucht Versöhnungsmarsches trug und Vertreibung. Zum UmTučková mit dessen Symbolgang mit den Erinnerungen wert der umgekehrten Richunserer Eltern und Großeltung viel dazu bei, daß aus tern“. Die verschiedenen AsHaß und Gewalt in der Ver- Am neuen Altvaterturm auf dem Wetzstein pekte der Weitergabe traugangenheit Frieden und Ver- in Thüringen erinnert diese Tafel an den matischer Erfahrungen der ständigung in der Gegenwart Brünner Todesmarsch. Erlebnisgeneration an ihre und Zukunft werden. KaKinder und Enkel seien oft ren Flöter war von dem Gemein- übergehend habe man nach dem prägend für deren Erziehung geschaftserlebnis des diesjährigen Krieg Deutsch als die Sprache wesen. Sie hätten bestimmte VerMarsches tief beeindruckt. Sie der Feinde betrachtet. Nach dem haltensauffälligkeiten ihrer Kinzeichnete anschaulich nach, wie Fall des Eisernen Vorhangs stei- der in Ausnahme- und Gefahrenaus einem guten nachbarschaftli- ge zumindest auf regionaler Ebe- situationen genauso hervorrufen chen Miteinander von Tschechen ne in Grenznähe wieder die Be- wie gesunde Widerstandskraft und Deutschen, für das Mäh- reitschaft, die Sprache des jewei- erzeugen können. ren mit seiner Landeshauptstadt ligen Nachbarn zu lernen. Nach der jahrzehntelangen Brünn kennzeichnend gewesen Schülern das Thema Vertrei- Schweigespirale, die die Traumasei, wegen der systematischen bung näher zu bringen, ist ein welt des Unterbewußtseins konZurückdrängung des Anteils der Anliegen Flöters. Im Zuge ihrer serviert habe, breche sich nun etdeutschsprachigen Bevölkerung Recherchen nach brauchbarer was Bahn, wie es Sabine Bodes während der Ersten Republik deutschsprachiger Literatur für „Vergessene Generation“ beund der Gewaltherrschaft des den Unterricht stieß sie auf „Das schreibe und die Rezeption der Protektorats gegenseitige Abnei- Barackenmädchen“ von 2018. Werke von Autoren wie Siegfried gung geworden sei. Die Angst Wie in Tučkovás „Gerta“ bil- Lenz und Günter Grass zeige. der in der Rüstungsindustrie tä- det auch in Peter Mainkas Ro- Daß sich heute die Jüngeren mit tigen Arbeiter, der Kollaborati- man das Geschehen vom 31. Mai der Vertreibung auseinanderon bezichtigt zu werden, habe zu 1945 einen wesentlichen Strang setzten, sei letztlich auf eine geden Exzessen im Mai 1945 beige- der Handlung. Diese nimmt mit wisse Wechselwirkung psycholotragen, derer nun Deutsche und dem Kriegsende in Böhmen und gischer Faktoren mit den MediTschechen gemeinsam gedacht Mähren, den Übergriffen von en zurückzuführen. Man spreche hätten. „Partisanen“ und den darauf fol- über lange Verschwiegenes und Bei solchen Ereignissen dürf- genden wilden Vertreibungen ih- finde nun auch Gehör. ten die zuweilen hinderlichen ren Anfang. Andreas Müller
SL-Kreisgruppe Bayreuth/Oberfranken
Fichtelgebirgler rücken zusammen Mitte November traf sich die oberfränkische SL-Kreisgruppe Bayreuth im Café Bär in Pegnitz zur Hauptversammlung mit Wahlen.
Bayreuths Ortsobmann Manfred Kees leitete die Wahlen. Es gab nur wenig Veränderungen. In den engeren Vorstand wurde
Dieter Piwernetz als Stellvertreter der Kreisobfrau gewählt. Die Stellvertreter Helmut Hempel und Rudolf Kiesewetter wurden
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er Bericht von Kreisobfrau Margaretha Michel war coronabedingt kurz. Im Herbst hätten noch einige Aktivitäten stattfinden können wie die Vertriebenenwallfahrt in Oberfranken und das große Gedenken der Landesgruppe Bayern in Bayreuth, sagte sie. Den Kassenbericht trug Helmut Hempel für seine Frau Gudrun vor. Hempel schloß auch die Kassenprüfung von Albrecht Schweingel und Hansjörg Nigrin ein, die für 2019 und für 2020 die Kasse geprüft hatten. Dem Antrag nach Entlastung der Schatzmeisterin und des Vorstands wurde einstimmig stattgegeben.
Für die SL-Versammlung hatten die Inhaber des Cafés Bär in Pegnitz Heringe mariniert, so wie sie von Mutter und Großmutter im Restaurant Lindner der Großeltern von Margaretha Michel in Kratzau gemacht worden waren. Sie schmecken so gut, daß die Landsleute von Heringen nach Reichenberger Art sprechen.
in ihren Ämtern bestätigt. Zur Unterstützung der Schatzmeisterin wurde Albrecht Schweingel erkoren. Neuer Kassenprüfer wurde Gert Piwernetz, Hansjörg Nigrin wurde bestätigt. Als Beisitzer bleiben Gerda Mühlbacher und Rita Tischler. Neu als Beisitzerin und Ersatzdelegierte war Anneliese Hennig gewonnen worden. Ein weiterer neuer Delegierter ist Dieter Piwernetz. Helmut Mürling und Manfred Kees bleiben Delegierte. Auf Anregung von Dieter Piwernetz wollen die Ortsgruppen des Fichtelgebirges enger zusammenarbeiten. Er selbst wird die Ortsgruppen Bindlach und Weidenberg kommissarisch betreuen. Die Koordination im Fichtelgebirge hat Helmut Hempel als BdV-Kreisvorsitzender übernommen. al
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AUS DER HEIMAT
� Kuhländler Heimatgruppe München
Archäologie der Zukunft am nächsten liegende Stockwerk Flucht und Vertreibung führen. Dort steht ein Leiterwagen, mit dem ein zehnjähriger Junge Mutter und Geschwisterchen über Hunderte von Kilometern zog. Einerseits fragt man sich, wie es möglich war, daß ein Zehnjähriger so viel Kraft aufbringen konnte; andererseits, wie sich dieser Leiterwagen mehr als 75 Jahre lang erhielt, um endlich in das Museum Eingang zu finden. nter anderem zeigte er Fotos von Durch diese Art des Ausstellens der Führung durch das neueröffne- kommt zur Geltung, daß auch Kultute Sudetendeutsche Museum, an der die ren möglich sind, in denen es keinen geKuhländler Heimatgruppe Mitte Okto- meinsamen Willen gibt, die Gebrauchsber unter Führung von Raiund Ziergegenstände frümund Paleczek teilgenomherer Zeiten zu sammeln. men hatte. Die Führung Sie zeigt, daß es in der Moging über die fünf Etagen, derne die Unstetigkeit im die verschiedenen Themen Gefolge des beständigen und Epochen gewidmet Wandels ist, eine Art von sind. Archäologie der Zukunft Die Mitglieder der Kuhins Leben zu rufen. ländler Heimatgruppe waDoch zurück zum Trefren natürlich stolz darauf, fen der Kuhländler Heimateinen Männerhut der Neugruppe. Annemarie Fischer titscheiner Hutfirma Hücaus Starnberg schilderte in kel in einer der Vitrinen zu einem Referat das Leben ihfinden. Auch eine Siegesrer sudetendeutschen Verplakette der Eiskunstläufe- Annemarie Fischer wandten, insbesondere das rin Christl Rösch war dem ihrer Mutter. Museum mit der Vorgabe geliehen worDer Aufhänger war eine Reise nach den, daß sie in den Räumen ausgestellt Neutitschein im Jahre 2019. Damals werde. konnte Fischer das Haus im nahegelegeEine Heimatstube war in Neutitschein nen Söhle besuchen, in dem ihre Mutter zuerst im Jahre 1909 von dem Maler Hu- geboren worden war. Fischer schilderte, go Baar (1873–1912) und seiner Frau wie ihre Mutter Hermine eine SchneiLeonie (1881–1945) eingerichtet wor- derlehre begonnen habe, wie sie danach den. Leonie Baar war von Beruf Hutma- als Luftwaffenhelferin in Lettland eincherin und Raumausstatterin. gesetzt worden sei und, nach Berlin zuVergleicht man die Art der Aus- rückgekehrt, erst einmal gar nicht verstellung von Gegenständen etwa mit standen habe, daß der Krieg bereits beder deutschen Stube im Museum von endigt gewesen sei. Odrau, wo mit von den Deutschen zuFischer schilderte, wie ihre Mutter rückgelassenen Gegenständen eine au- nach Flucht und Vertreibung ins oberthentische Wohnküche rekonstruiert bayrische Endorf gekommen sei. Dort wurde, so spielen im Münchener Muse- habe wo sie das erlernte Schneiderhandum, das allerdings sämtliche Heimatge- werk wieder gebrauchen können, da die biete der Sudetendeutschen umfaßt, die einheimischen Bauern meinten, SudeKuriosität und der Spleen des Einzelnen tendeutsche seien zu landwirtschaftlieine größere Rolle. Das Anekdotische cher Arbeit ungeeignet. Ihre große Liemancher Gegenstände kommt dadurch be, der Lange Hans, habe auf sie verzichtet, da die zukünftige Schwiegermutter zur Geltung. Als Kuriosität wurde etwa ein auf 2,90 in Aussicht gestellt habe, Hermine das Meter gelängtes Motorrad namens Böh- Leben auf dem Hof zu vergällen. Danach habe Hermine einen Schneimerland bestaunt, auf dem drei Personen Platz finden. Bei einer Iglau- der geheiratet und sei auf die Stör geer Fidel, die samt Bogen in einer Vitri- gangen, habe also mangels eigener ne ausgestellt ist, fragt man sich, ob das Werkstatt bei den Kunden gearbeikantige Instrument so klingt, wie es aus- tet. Die Bauern hätten jedoch ihren Anzug erst dann bezahlt, wenn sie schon sieht. Die oberste und dem Himmel am wieder einen neuen gebraucht hätten, nächsten liegende Etage ist dem Glau- so daß die Nachzahlung und der Vorben und dem Mittelalter gewidmet, in schuß in eins gefallen seien. Auch von dem die böhmischen Randgebiete oft Schneiderziegen und von wild gewordevon Vertretern der Kirche besiedelt wur- nen Truthähnen erzählte Fischer. Zum den. Begleitet von den Themen Kultur, Schluß berichtete sie, ihre Mutter habe Wirtschaft, Geschichte und Nationalso- sie gebeten, einmal in die Heimat zu reizialismus, ließen sich die Mitglieder der sen und sich die Stätte ihrer Jugend anHans-Karl Fischer Heimatgruppe in das unterste, der Hölle zusehen.
Beim Treffen der Kuhländler Heimatgruppe München Ende Oktober berichtete Obmann Ulf Broßmann über die Veranstaltungen, die in den letzten Wochen im Sudetendeutschen Haus und an anderen Orten stattgefunden hatten. Auf einem Diaprojektor zeigte er Bilder der jeweiligen Referenten und führte stichpunktartig in die jeweiligen Themen ein.
Die Seminaristen vor dem Marienbader Museum neben dem Goethedenkmal auf dem Goetheplatz.
� Bund der Deutschen in Böhmen
Vergessenes Schicht-Epos
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Dr. Raimund Palezcek führt die Kuhländler durch das Sudetendeutsche Museum. Oben rechts und unten links die ehemalige Eiskunstläuferin Christl Rösch.
Bild: Richard Šulko
Stadtrecht erhalten, 1277 sei es Reichsstadt geworden. 1322 habe Ludwig der Bayer die Stadt mit deren Zustimmung an den böhmischen König Johann von Luxemburg verpfändet. Der berühmte Kachelu diesem Seminar Filip Prekop, Martin Krsek und Richard Šulko mit 3-D-Brille und Mundschutz. ofen des Egerer Bildhauhatte der BdDB auch sers Willy Russ bekam den Verein der Deutschen-Region Pil- die Schichts sogar einen Prototypen ei- auch viel Raum. Außerdem erzählte Presen eingeladen, weil diese zwei Verbän- nes Automobils bauen, welcher aber kops, daß es einen Mondkrater namens de seit Jahren bei verschiedenen Pro- nicht in Serie hergestellt wurde. Die Fir- Cheb gebe. Eigentlich habe das offizieljekten eng zusammenarbeiten. Der Aus- ma wurde dann mit Unilever verbunden. le Egerland von 1135 bis 1751 gedauert, tragungsort war das Hotel Weißes Roß, Nach 1945 wurde die Firma enteignet als der Egerer Landtag aufgelöst worden in dem Johann Wolfgang von Goethe und der staatliche Betrieb Setuza. Ein sei. Seine Zentren seien Eger und Elboin den Jahren 1807, 1808, 1810, 1811, Teil der Firma war aber britisches Eigen- gen gewesen, schloß Prekop. 1818, 1819 und 1823 weilte. Das drei- tum, deshalb wurde dieser Teil entschätägige Programm war wieder reichhal- digt. Die Firma Schicht wurde bekannt Rezeptur vom Becherbitter tig und so interessant, daß ein Gast aus wie Alpa oder Baťa, hatte aber das viel Milan Augustin, Leiter des Karlsbadem mährisch-schlesischen Havířov und bessere Marketing. So diente der Flugeiner aus dem mährischen Troppau ge- Schichtpreis 1914 auch Werbezwecken, der Kreisarchives, referierte über das aber es starben dabei zwei Piloten. Die „Schicksal des Karlsbader Becherbitkommen war. ters“. Zunächst fragte er: Nachdem BdDB-Vorsitzender Ri Werbung auf Luftballons „Sie, die Verbliebenen, chard Šulko die Gäste begrüßt hatte, war auch sehr beliebt. Gesind ein Beispiel des Zusprach Martin Krsek vom Stadtmuseum org Schicht wurde zum Versammenlebens zwischen Aussig über: „Das deutsche und tsche- triebsleiter, seine Berater Deutschen und Tschechen. chische Epos des Fabrikanten Schicht kamen aus den USA. Der Bitte erzählen Sie mir, wie aus Aussig“. Eingangs zeigte er Ema- erste Tonfilm in der ČSR Sie das fühlen.“ Nach eiwar eine Werbung der Firner kurzen Diskussion kam ma Schicht. Und das Epos? Georg Omega, die koschere Augustin zum Kräuterlikör und Heinrich Schicht lie- Pflanzenmargarine der zurück. Das ganze Schicksal dieses nicht nur bei ßen 1928 zum zehnten Jah- Firma Schicht. den Egerländern beliebten restag der Gründung der ČSR große Bilder auf Leinwand malen: Trunks war aber noch viel interessanter, zwölf über die böhmische Geschichte, als dessen unter Androhung von Gewalt acht über die deutsche und zwei über gewonnene Rezeptur. Durch das Marienbader Stadtmusedie slowakische Geschichte. Anläßlich des 100. Gründungstags der Tschecho- um, in dem ein Zimmer an Johann Wolfslowakei wurde dieses halb vergesse- gang von Goethe und eines an König ne „Schicht-Epos“ – so nennt man es Edward VII. erinnert, führte dessen Diin Anlehnung an das berühmte Monu- rektor Jaromír Bartoš. Einem Spaziermentalwerk von Alfons Mucha – wie- gang durch Marienbad folgte ein geselJaromír Bartoš zeigt den Sessel, in dem der derentdeckt. In den Wirren der Zeit ver- liges Zusammensein im Weißen Roß in britische König Edward VII. saß. Von 1897 schwanden viele Bilder dieses Epos‘. Elbogen mit dem Duo „Bara und Adel“ bis 1919 kurte er regelmäßig in Marienbad Mal sehen, ob das Museum einmal die mit Karel Švec. Die Landsleute mischten sich mit einer Reisegruppe aus Gera, Sammlung vervollständigen kann. nuel Boháčs Bild von der Gründung und es wurde ein schöner Abend mit vor der Tschechoslowakei auf dem Wenallem alten deutschen Volksliedern. Das Unser Egerland zelsplatz. Danach schilderte er die GeSeminar endete mit einem SonntagsgotFilip Prekop hielt die zwei Vorträge tesdienst in die Sankt-Wenzels-Kirche schichte der Firma Schicht. Das Pflanzfett Ceres war zu seiner Zeit Nummer 1 „Náš (unser) Egerland“ und „Náš (un- und einem Mittagessen. MR in Österreich-Ungarn. Die Seife der Mar- ser) Egerland II“. Prekop ke Hirsch gibt es schon seit 1891. Ge- ist Archäologe. In seiorg Schicht gründete die Firma in Rin- ner Freizeit rettet er ein gelshain bei Reichenberg. Am Anfang mittelalterliches Haus in der Firma stand ein Fleischer, seit 1848 Sankt Joachimsthal. 1061 Seifensieder. Johann Schicht war der habe Heinrich IV., so Pregeschickteste Sohn, welcher die Firma kop, dem „Ministerial“ führte. 1882 baute Schicht in Schrecken- Otan einen Waldteil im stein die erste größere Fabrik. Johann bayerischen Nordgau an führte die Firma bis 1907, dann über- der Grenze zu Eger genahmen Georg und Heinrich Schicht widmet. Die „Ministerialis“ hätten große Liegendas Ruder. schaften zur Verwaltung bekommen. 1125 haDer höchste Schornstein be Diepold II. von Giender Monarchie gen und Vohburg die erDamals hatte die Firma Schicht in ste Burg aus Stein erbaut: Schreckenstein den höchsten Schorn- eine Neuheit. 1242 ha- Im Weißen Roß legen die Landsleute eine heiße Sohle auf‘s stein der Monarchie. 1929 ließen sich be Eger das Nürnberger Parkett. Bilder (5): Richard Šulko Vergangenes Wochenende veranstaltete der Bund der Deutschen in Böhmen (BdDB) mit finanzieller Unterstützung vom Bundesheimatministerium ein Bildungsseminar in Elbogen/Loket.
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� Bund der Deutschen in Böhmen
Corona-Lesungen Der Bund der Deutschen in Böhmen (BdDB) hat wie nur wenige Vereine der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik zwei Kulturgruppen.
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as sind die Egerländer Volkstanzgruppe „Die Målas“ und das Duo „Målaboum“. Das Duo besteht aus Måla Richard Šulko, dem letzten eghalan-
drisch-sprachigen Autoren auf tschechischem Boden, und seinem Sohn Vojtěch, der ihn auf der Zither begleitet. Måla Richard singt auch eghalandrisch. Um das Egerländer Kulturgut in der Heimat lebendig zu halten, treten Vater und Sohn auf. Dazu gehört eine jährliche Lesereise, die das Bundesheimatministerium mitfinanziert. 2020 mußten die drei
Lesestationen wegen Corona auf eine gekürzt werden. Um so mehr freuten sich die Künstler auf heuer. Im Frühjahr war die Corona-Lage immer noch angespannt. Der Juni-Termin mußte auf Herbst verlegt werden. „Wenn man die steigende Zahl der Geimpften sieht, können wir im November die Bitte umblättern
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AUS DER HEIMAT
� Fortsetzung von Seite 11
Corona …
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Das Außenministerium im Palais Czernin beherbergt alle zwei Jahre die Konferenz der Deutschen Minderheit.
Lesungen durchführen“, meinte Šulko. Doch in den Wochen vor den tschechischen Parlamentswahlen im Oktober tauchten die bizzarsten Gruppierungen auf, die sich den Kampf gegen das Impfen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Ab September stieg die Inzidenz-Zahl auf Höchstwerte.
Größte Kurstadt bleibt leer Die erste Lesung fand Anfang November in der Karlsbader Bezirksbibliothek statt. Šulko hatte mit 40 Besuchern gerechnet, aber nur drei waren gekommen. „Die Menschen haben Angst, weil so viele noch nicht geimpft sind“, sagte eine Bibliothekarin. Dennoch boten die Målaboum ihr eineinhalbstündiges Programm. Damit bereiteten sie der Bibliothekarin eine große Freude. Diese kannte Måla Richard als Autor des „Heimatbriefs“, und traf ihn nun persönlich.
Lesung in der Egerländer Stube Die zweite Lesung hielten die Målaboum in der Egerländer Stube im Marienbader Stadtmuseum – erneut vor nur drei Besuchern. Und auch hier war jemand, dem die Målaboum Freude bereiteten. Der Graslitzer Pfarrer Peter Fořt hörte ihnen mit geschlossenen Augen zu und sagte: „Ich höre jetzt meine Mama, die auch Zither spielte.“ Er stammt aus Ma- Richard und Vojtěch rienbad und ver- Šulko in der Mariensteht Eghaland bader Wandelhalle. risch. Er spielt selber Gitarre, singt und erzählt gerne Witze. Deshalb verstand er auch die Texte vom Måla Richard. Zum Abschied stärkte er die Målaboum mit einem Segen, „damit Ihr weiter spielt und singt“.
Menschen aus Stahl Zur Lesung im Komotauer Stadtmuseum waren trotz ebenfalls hoher Inzidenz-Zahl 15 Leute gekommen. Lag das daran, daß sich in Komotau die Mannesmann-Werke befanden und die Menschen so stark wie die dort produzierten Stahlrohre sind? Oder lag es daran, daß neben dem Museum auch der dortige Kulturverband der Deutschen mit A lice Hlaváčková an der Spitze die Organisation der Lesung übernommen hatte? In Komotau funktioniert es immer. Zwei Tage zuvor war im Museum die Übersetzung des Gert-Schrötter-Buches „Der Schlüssel. Geschichte einer Jugend in Nordböhmen“ vorgestellt worden. Übersetzer Milan Kostkan war auch zur Måla-Lesung gekommen. Er sagte Šulko: „Ich habe dieses Buch als Beitrag zur Versöhnung übersetzt.“ Auch die Lesungen der Målas dienen nicht nur dem Erhalt und der Entwicklung des Egerländer Kulturerbes. Sie dienen vor allem der Versöhnung zwischen unseren Völkern. Deswegen sind sie so wichtig. Trotz Corona und wenigen Zuschauern waren die Auftritte der Målas wieder gelungen.
Die Målaboum in Karlsbad …
… in Komotau …
… und in Marienbad. Bild (1): Jaromír Bartoš
� Deutscher Kulturverein Region Brünn
Debattierklub im Palais Cernin mitglieder des Deutschen Kulturvereins. Die Stellung der deutschen Minderheit regelt in der Tschechischen Republik das Gesetz Nr. 273 vom 10. Juli 2001. Im Unterschied zu der polnischen Minderheit, die nach der Volkszählung 2011 insgesamt 0,3 Prozent der Bevölkerung ausmacht und eher zentral angesiedelt ist, lebt die deutsche Minderheit (0,18 Prozent) eher verstreut und verfügt nur über eine private Grundschule und ein privates Gymnasium in Prag. Jetzt erwarten wir gespannt die Ergebnisse der Volkszählung von 2021, ob sich der altersmäßig bedingte Rückgang der Deutschen auf tschechischem Boden oder das Bekenntnis der jungen Generation zu ihren deutschen Wurzeln oder zur doppelten Identität stärker auswirken werden. Die Zahlen werden Ende
In Deutschland seien Türken und Po- nem invaliden Unteroffizier der Artillen, wie Harald Christian Scheu von der lerie zur Sinekure eines Zeugwartes zu Karls-Universität erklärte, keine an- verhelfen. […] So herrscht innerhalb der erkannten Minderheiten. Anerkann- Wälle gewöhnlich die tiefste Stille, die te Minderheiten seien Dänen, Lausitzer nur selten durch das Rollen eines WaSorben oder Friesen. Als nationale Min- gens, regelmäßig aber am frühen Morderheit seien die Sinti und Roma aner- gen, mittags und abends durch den Wakannt, die in Deutschland lebten und chetambour mit rasselnden Trommelsidie Shoa überlebt hätten, nicht aber – gnalen unterbrochen wird.“ Nach 1865, zugewanderte – Roma ausländischer dem Entstehungsjahr der Novelle, wurStaatsangehörigkeit. den der Friedhof, die neugotische KirLukáš Novotný von der Jan- che von Josef Mocker und die ParkanlaEvangelista-Purkyně Universität in Aus- gen zum tschechischen Ausflugsziel. sig, sprach von praktischen Aspekten Die von der Olmützer Österreichnläßlich des reichen Wochenenddes deutsch-tschechischen Zusammen- Lektorin Ulrike Strigl und Michal Urban programms der deutschen Minderlebens in Nordböhmen und von Pro- vom Jugendverband JUKON flott moheit Mitte Oktober in Prag war auch ein blemen bei der Umsetzung der Europä- derierte und abwechslungsreiche VerTreffen mit zwei Vertretern des Debatischen Charta hinsichtlich der regiona- anstaltung am Nachmittag reichte von tierklubs an der Universität Hohenheim, len oder Minderheitensprachen. Eine Kinderauftritten, Egerländer Volkstäneiner Campus-Universität im Stuttgarrege Debatte entstand vor allem über zen des Ensembles „Die Målas“ bis zu ter Stadtbezirk Plieningen, geplant. Die die Pflege der deutschen Gräber auf professionellen Auftritten des „Check Verschärfung der Rückreiheute tschechischen Fried- Accordion Trios“, das sich auch an Klezse-Regeln für Ungeimpfhöfen. Erfolge konnten aus mer-Töne oder Astor Piazzollas Tango te in Deutschland und die Mährisch Schönberg ver- Nuevo erfolgreich heranwagte. Krankheit eines Brünner meldet werden, wo in den Die deutsche Sonntagsmesse in der Mitglieds des Debattierletzten Jahren die Gruften Kirche Sankt Johannes von Nepomuk klubs führten dazu, daß die der Unternehmerfamilien am Felsen, die 1730 bis 1739 von der noch Gruppe auf die zwei StuChiari und Oberleitner re- zweisprachigen Johannes-von-Nepodentinnen Marie Kočicová stauriert wurden. Hoffent- muk-Bruderschaft finanziert und nach und Laura Kopriva und lich gelingt es zukünftig in Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer mich als Betreuer des DeBrünn auch auf dem jetzt erbaut wurde, bildete den Abschluß des battierklubs schrumpfte. aufgelassenen Brünner reichen Wochenendes. Die Messe war Das ganze FrühjahrsseGrab von Guido Glück, für gut besucht, und danach verabschiedemester hatten wir uns jeden den wir 2017 eine Gedenk- ten wir uns vom Bus der SudetendeutDienstag zu Online-Debattafel an der ehemaligen schen Landsmannschaft, vor allem von ten über politische und so- Dr. Zdeněk Mareček, Laura Kopriva, Marie Kočicová und Martin Dzin- Masaryk-Volkshochschule der Sudetendeutschen Heimatpflegerin ziale Themen getroffen. gel, der Präsident der Landesversammlung. enthüllten, ein neues Grab- Christina Meinusch, von Wigbert BauZum Abschluß hatten wir mal zu errichten. mann, dessen Sohn Yannick zwei JahMitte Juni eine lange Wanderung von des Jahres oder Anfang des kommenden Vor der Großveranstaltung der deut- re lang an der Brünner Masaryk-UniAdamsthal über Kiritein nach Jedownitz Jahres veröffentlicht. schen Minderheit im Kulturhaus Novod- versität Germanistik unterrichtet hatte, unternommen. Beim Mittagessen und Die Bedeutung der deutschen Min- vorská gelang es uns am Samstagvor- sowie vom Leiter der Landesgeschäftswährend des Marschs durch den mähri- derheit liegt heute schwerpunktmäßig mittag die Zitadelle von Wyschehrad zu stelle der SL Bayern, Andreas Schmalschen Karst konnten wir uns deutsch un- in ihrer aktiven und positiven Rolle bei besuchen, wo Ferdinand Saars autobio- cz, die wir zuletzt im August beim Brünterhalten und endlich die nur vom Bild- der Gestaltung der deutsch-tschechi- graphisch grundierte erste Novelle „In- ner Versöhnungmarsches getroffen hatschirm bekannten Gesichter aus der Nä- schen Beziehungen nach 1989. Deshalb nocens“ oder Franz Grillparzers Drama ten. he kennenlernen. Damals waren wir zu wurde die Konferenz von Außenminister „Libussa“ spielen. Saar erzählt von einer Unser Prag-Aufenthalt löste rege Disacht, diesmal leider nur zu dritt. Jakub Kulhánek eröffnet. Bernd Fabri- stillen Festung, die allerdings an die- kussionen über Prag und dessen Bild Wir drei mußten bereits um 5.30 Uhr tius, der Beauftragte der Bundesregie- sem sonnigen Samstag im Oktober von in der deutschsprachigen Literatur von mit dem Bus von Brünn losfahren. An- rung für Aussiedlerfragen und nationa- vielen Pragern besucht wurde und nicht Hugo Salus, Rainer Maria Rilke oder dernfalls wären wir nicht rechtzeitig im le Minderheiten, sprach die Stellung der wie zu Saars Zeiten verlassen wirkte. Franz Werfel aus. Die Stadt war angeAußenministerium in Prag angekom- Deutschen in der Tschechischen RepuSaar schreibt: „Die Kasematten und nehm ruhig, weil die Pandemie die üblimen. Außerdem mußten wir uns einer blik, in Ungarn und in Rumänien gleich Blockhäuser im Innern stehen leer und chen Scharen von Touristen verscheucht strengen Sicherheitskontrolle unterwer- mehrfach an. Für die tschechische Sei- verödet, und die spärlich gefüllten Pul- hatte. Restaurantbesitzer bedauern es fen. Doch all das schmälerte nicht unse- te würdigte die Regierungsbevollmäch- vermagazine scheinen wie die Belage- sicher, wir Prag-Besucher aus Brünn hare Neugier auf das geschichtsträchtige tige für Menschenrechte und nationale rungsgeschütze nur da zu sein, um ei- ben es eher begrüßt. Palais Czernin und auf die großen Na- Minderheiten, Helena men auf dem Konferenzprogramm am Válková, die Aktivitäten Freitag, auf die Präsentationen der Be- der deutschen Mindergegnungszentren der deutschen Min- heit und hob besonders derheit am Samstag und auf die deut- ihre gute Zusammensche Messe am Sonntag. arbeit mit Martin DzinAls vierte Vertreterin unseres Deut- gel, dem Präsidenten schen Kulturvereins war Lotte Procház- der Landesversammka gekommen, die die Studentinnen lung, hervor. Andreas nun kennenlernen konnten. Procház- Künne, seit Sommer ka ist Zweite Stellvertretende Vorsit- Deutscher Botschafter zende und Kassenführerin des KV. Am in Prag, sprach von VerSamstagnachmittag stieß auch noch Ha- diensten der heutigen na Hrochová zu uns. Sie ist Mitglied des deutschen Minderheit Brünner KV und KV-Delegierte in die als Brückenbauer zum Landesversammlung der deutschen Ver- größten Nachbarland eine in der Tschechischen Republik. So der Tschechen und zum zeigte das Gruppenbild der Brünner so- bevölkerungsreichsten Lotte Procházka, Andreas Schmalcz, Hana Hrochová, Laura Kopriva, Marie Kočicová und Dr. Zdeněk Mareček. wohl Studentinnen als auch Vorstands- EU-Staat. Im Bildungs- und Begegnungszentrum des Deutschen Kulturvereins (KV) Region Brünn gibt es auch einen Debattierklub in deutscher Sprache für Studierende, den Zdeněk Mareček vom Lehrstuhl für Germanistik an der Brünner Masaryk-Universität leitet. Mitte Oktober nahm der Brünner Debattierklub an der zweijährlichen großen Zusammenkunft der Deutschen Minderheit in Prag (Þ SdZ 43/2021) teil. Mareček, der auch Erster Stellvertretender KV-Vorsitzender ist, berichtet.
A
Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
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Kreis Friedland
Kreis Gablonz
Gablonz
Gleichgewicht finden Jüngst eröffnete das Gablonzer Glas- und Schmuckmuseum die Preßglasausstellung „Gleichgewicht finden“. Sie zeigt Preßglas aus der Nachkriegszeit, dem jeder schon einmal begegnete. Im August 1942 auf der Treppe vor Marianne Blums Elternhaus ihr Onkel Otto Peukert, ihre Schwester Hildegard, später verheiratete Gremm, ihre Tante Marie Peukert/Demuth, Marianne selbst, ihre Mutter Paula Watzlawik/Demuth und ihr Bruder Ernst Watzlawik. Rechts das Haus im Jahr 1982.
Bad Liebwerda/Kreis Friedland
Meine Gefühle fahren Achterbahn Marianne Blum kam am 1. Juli der Garten verwilderte. Unser tür öffnete sich, und ein junger 1941 als Marianne Watzlawik in Vater hatte einen großen Stein- Mann trat heraus, begrüßte uns Reichenberg zur Welt. Bis zu ih- garten vor dem Haus angelegt. und bat uns ein hereinzukomrem 4. Geburtstag lebte sie mit Er kam leider nicht mehr aus dem men. Seine Frau kam dazu. Sie ihrer Familie in Bad Liebwer- Krieg zurück. Unsere Großmut- luden uns auf einen Kaffee in die da. An diesem Tag, am 1. JuKüche ein, so als ob wir uns li 1945, vertrieben die Tscheschon ewig kennen würden. chen sie, ihre beiden GeDie Sonne strahlte durch schwister und ihre Mutter die kleinen Fenster. Die junaus ihrer Heimat. Die Famige Frau stand vor mir im Sonlie strandete in Hessen. Heunenlicht. Ich dachte, ich sei zu te lebt Marianne Blum in FulHause, unsere Mutter heiße da. Ihre Tochter Solvejg und uns willkommen und sage „Ich deren Mann Stefan Bolz orhabe auf Euch gewartet!“. ganisierten anläßlich ihres Ich zeigte diesen netten 80. Geburtstags eine Fahrt in neuen Eigentümern Bilder die Heimat. Unter dem Titel von früher, die bei meiner Tau„Meine Pilgerreise am 2. Juli fe gemacht worden waren. Ich 2021 nach Haindorf mit einem Die Riesenfaß-Baude im Winter 1931. erzählte vom Schicksal meigroßen Überraschungsbener Familie und bedauerte, die such nach 76 Jahren in unserem ter durfte bis 1946 darin wohnen. einzige Überlebende zu sein, die Elternhaus in Bad Liebwerda“ Dann kam sie mit einem Trans- das noch erleben dürfe. Die anschildert sie ihre Eindrücke. port nach Hünfeld und wurde in deren könnten nicht mehr sehen, Leibolz/Eiterfeld bei sehr netten wie schön sie, die neuen Eigentüie Freude auf die Wallfahrt Leuten namens Schuster-Vogt mer, das Haus hergerichtet hätnach Haindorf in meiner seßhaft. ten. Der Mann zeigte zum HimHeimat im Isergebirge wuchs. Nach der Wende bot uns die mel und sagte: „Ganz bestimmt Allerdings war eine Ungewißheit Gemeinde Bad Liebwerda unser sehen sie es.“ Meine Kinder verdabei: Wird Corona auch unse- Häuschen für 5000 DM zum Kauf ständigten sich auf Englisch mit re Fahrt vereiteln? Die Medien an. Jedes Jahr fuhren wir im Ju- ihnen. berichteten im Juni über offene li nach Haindorf zur Wallfahrt. Sie führten uns durch das ganGrenzen zwischen Deutschland Wir erfuhren, daß unser Eltern- ze Haus, in dem es sowohl innen und der Tschechischen Republik. haus an Geschäftsleute aus Prag als auch an den Außenanlagen Am 30. Juni ging die Fahrt mit verkauft worden war. Diese sind immer noch viel zu tun gibt. Das großer Freude los. Natürlich hat- leider nur am Wochenende zum Haus grenzt an das Grundstück ten wir alle Vorkehrungen ge- Restaurieren da. In diesem Jahr zu dem großen Haus der Famitroffen. Ich war zweimal geimpft, hatten wir das große Glück, daß lie Wildner, die nach der Vertreimeine Kinder hatten einen Co- die Wallfahrt auf ein Wochenen- bung in Leibolz wohnte. rona-Test gemacht. Das negative de fiel. Zu den Zimmern unserer Ergebnis wurde an der Rezeption Meine Kinder und ich gin- Großmutter gehen Treppenstuim Haindorfer Kloster nach Vor- gen den Weg und die Stufen zum fen hinauf. Ich stellte mir vor, wie zeigen der Papiere akzeptiert. Haus hinauf, meine Gefühle fuh- wir – Ernst, Hilde und ich – als Man hätte sogar an der Rezepti- ren Achterbahn. Wir machten kleine Kinder auf allen Vieren zu on einen Test machen können. uns Gedanken, ob wir von den ihr hochgekrabbelt waren. Vom Wallfahrtsgottesdienst Eigentümern freundlich aufgeOben stand eine ganz alte hatte Dechant Markus Blümel nommen werden würden, wenn Kommode, die der jetzige Eigenberichtet ( RZ 31/2021). wir sie ansprächen. tümer toll restauriert hatte. Von Mein größter Wunsch war, Als ich an der Haustür stand, den vorherigen Eigentümern mein Elternhaus in Bad Liebwer- dachte ich, mein Herz springe hatte sie keiner mitgenommen. da nach 76 Jahren das erste – aus mir heraus. Ich mußte meine Darauf stand zu unserer Zeit ein und vielleicht auch das letzte – Tränen zurückhalten. Die Haus- Grammophon, welches zum SpieMal von innen zu sehen. Mein Wunsch ging in Erfüllung. Die Fassade hatten wir regelmäßig in Augenschein genommen. Wir waren jedes Jahr an dem Haus vorbeigefahren und vorbeigelaufen. Und wir hatten es immer wieder fotografiert. Nach unserer Vertreibung am 1. Juli 1945 nutzten mehrere Familien das Haus als Ferienhaus. In dieser Zeit kam es sehr herunter. Unser Häuschen steht an der Hauptstraße am Hang in der Nähe des Kurparkviertels. Links vom Haus führt eine Treppe hoch zum Riesenfaß, die die Urlauber gerne hinaufsteigen. Meine Kinder und ich waren überrascht, was für ein Schmuckstück im vergangenen Jahr aus diesem Haus äußerlich geworden war. Es ist schon mehr als 450 Jahre alt, steht unter Denkmalschutz und durfte deshalb nicht abgerissen werden. Nachdem wir das Haus hatten verlassen müssen, verfiel es, und Anfang Juli 2021: Marianne Blums Elternhaus und sie vor dessen Haustüre.
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len angekurbelt werden mußte. Jedes Mal stritten wir Kinder, wer der erste Ankurbler sein durfte. Die Erinnerung kommt mir gerade wieder in den Sinn, während ich diese Zeilen schreibe. Ob es wohl noch irgendwo zur Dekoration steht? Danach schauten wir uns den Garten an. Der Abschied rückte näher. Wir mußten versprechen, wiederzukommen. Sie meinten, sie sprächen dann Deutsch und wir Tschechisch. Alle lachten. Danke, an unsere netten Eigentümer-Nachfolger für die Gastfreundschaft in unserem kleinen Elternhaus in Bad Liebwerda. Dort waren unsere geliebten Eltern mit uns drei Kindern und der Großmutter glücklich. Als ich die Haustür zum Abschied öffnete, die netten Eigentümer uns nach draußen begleiteten und ich mich noch einmal umdrehte, mußte ich meine Tränen zurückhalten. Sie winkten uns, bis sie uns nicht mehr sehen konnten. Ich dachte: „Hoffentlich war dies nicht der letzte Besuch zu Hause.“ Versöhnung gelingt nicht immer, doch wir wurden Freunde. Ich war traurig, daß ich diese Freude nicht mit meiner Mutter und meinen Geschwistern erleben konnte. Die liebevolle Erinnerung an die Heimat und mein Elternhaus lebt in meinem Herzen weiter. Daß ich die Erfüllung meines Herzenswunsches, den Besuch meiner Heimat, meiner heimatlichen Wallfahrt und meines Elternhauses erleben durfte, dafür danke ich meiner Tochter Solvejg und meinem Schwiegersohn Stefan. Ich wünsche uns allen, daß wir gesund bleiben und uns nächstes Jahr bei der Wallfahrt in Haindorf wiedersehen werden.
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ma der jüdischen Familie Inwald. Nach dem Krieg wurde er nicht vertrieben. Er lehrte junge tschechoslowakische Glasdesigner seine Kunst. Nach seinen Vorlagen wurde Glas auch in der Nachkriegszeit produziert. Für einen seiner letzten Entwürfe bekam er 1955 einen Preis. Das Museum zeigt 300 Glasprodukte, die meist 50 bis 70 Jahre lang nicht ausgestellt waren. Die meisten sind Leihgaben von Sammlern oder vom Museum in Haida. Viele erhielt das Gablonzer Museum sogar auf Dauer. Die Ausstellung ist in vier Epochen geteilt. Jede Epoche präsentiert ein Glas-Set oder ein typisches Produkt, das kommerziell erfolgreich war und die Zeit ästhetisch prägte. „Auch die Vorkriegszeit haben wir nicht vergessen. Sie ist wichtig, um Zusammenhänge richtig zu verstehen“, erklärte Nový. Glasstücke aus dem Kommunismus, die noch vor ein paar Jahren einfach weggeworfen worden seien, würden immer teurer. Vor allem in Deutschland, Großbritannien und den USA steige die Nachfrage. Die ersten Gegenstände, die der Definition von Preßglas entsprachen, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Dazu gehören Parfümfläschchen und Lüsterbehang. Preßglas wurde vor allem
er Museumskurator Petr Nový zum Kaffee einlädt, muß damit rechnen, daß ihm das Geschirr wichtiger ist als die Delikatessen, auf dem sie liegen. „Von dem Reichenberger Buchhändler Martin Fryč nahm ich nach einem Besuch einen Glasteller mit, der ein Meisterstück des Designers Vratislav Šotola ist. 1978 wurde es als ,Herausragendes Produkt des Jahres‘ ausgezeichnet“, erzählte er. Ähnliche Schätze aus der Zeit zwischen Kriegssende und Wende finde man bis heute in vielen tschechischen und deutschen Haushalten oder Gaststätten. Das Glas- und Schmuck-Museum zeigt nun diese kommerzielle Glaserfolge, aber auch Prototypen und Experimente des Preßglasdesigns aus den Jahren 1948 bis 1989. „Das Motto ,Gleichgewicht finden‘ beschreibt die ständige Suche nach einem Kompromiß zwischen Produktion, Handel und Kunst“, ergänzte Jaroslav Polanecký von der Universität Aussig. Gezeigt werden vor allem Vasen, Gläser, Bierkrüge und Aschenbecher. Sie stammen von berühmten Designern. Die bekanntesten Entwürfe für Biergläser stammen von Jiří Brabec, Václav Hanuš, Vratislav Šotola und dem Deutschen Rudolf Schröter. Das tschechoslowakische Preßglas wird auch ins Ausland verkauft. „Heute sind diese Gläser beliebte Sammel- Handgepreßte Glasvasen, Design von Rudolf und Forschungsobjek- Schröter 1955. te. Gleichzeitig handelt es sich um eine gute Investition“, in Mähren, in Nord- und Mitsagte Nový. telböhmen und in Prag produUnd: „Für die sächsischen ziert. Der Hauptproduzent von Besucher ist bestimmt interes- 1948 bis 1989 war das Glaskomsant, daß wir Entwürfe von Ru- binat Sklounion in Teplitz-Schödolf Schröter zeigen, der 1887 nau, zu dem mehrere Glasbeim sächsischen Freital zur Welt triebe gehörten. Preßglas wurde kam. Er war der deutsche Vater auch in der Glashütte Gablonz in des modernen tschechoslowa- Dessendorf produziert und von kischen Glasdesigns.“ Obwohl der Monopol-Exportgesellschaft man meistens die Schreibweise Skloexport weltweit vertrieben. „Schrötter“ findet, schrieb er sich Die Ausstellung begleitet ein „Schöter“. tschechisch-englischer Katalog. Schröter arbeitete ab 1912 in Sie läuft bis Ende Januar von der Rudolfshütte in Eichwald Dienstag bis Sonntag 10.00– bei Teplitz-Schönau für die Fir- 18.00 Uhr. Petra Laurin
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen treuen Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Dezember Geburtstag feiern, und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit, und Gottes Segen. Glasert – Geburtstag: Am 18. Reinhard Görner (Haus-Nr. 1), Im Borngarten 8, 36166 Haunetal, 89 Jahre. Othmar Zinner Deutsch Pankraz – Sterbefall: Am 5. November starb Rosa Rachow/Scholze (Haus-Nr. 31) mit 89 Jahren in Berlin. Den Hinterbliebenen gilt unsere Anteilnahme. Helga Hofmann Finkendorf – Geburtstag: Am 18. Ilse Redlinger (Witwe von Franz Redlinger, Schwarzpfütz Nr. 15), Schleiermacherstraße 21, 71229 Leonberg, 98 Jahre. Othmar Zinner Großmergthal – Geburtstag: Am 4. Anna Goth (Haus-Nr. 129), Witzenberger Straße 4a, 87764 Legau, 97 Jahre. Othmar Zinner Hennersdorf – Geburtstag: Am 18. Dr. Josef Gürlich (Haus-Nr. 137), Potsdamer Straße 7, 14669 Ketzin, 91 Jahre. Rosl Machtolf
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau – Teil I
Trauertage im Herbst – besondere Gräber In Teplitz-Schönau gibt es Gräber wichtiger Persönlichkeiten ohne Nachkommen, welche an Gedenktagen wie Allerseelen unbesucht vereinsamen. Doch die Stadtverwaltung widmete einigen dieser Gräber besondere Aufmerksamkeit. Jutta Benešová berichtet.
B
evor am Ersten Advent die Kerzen das Grau des spätherbstlichen Novembers mit Wärme erfüllen, gedenken wir unserer Lieben auf dem Friedhof. In der überwiegend katholischen Tschechischen Republik werden die Gräber Anfang November zu Allerseelen für den Winter vorbereitet. Die Tradition des Totensonntags kam schon 1816 aus
dem protestantischen Norden Deutschlands. Damals ordnete der preußische König Friedrich Wilhelm III. an, jeweils am letzten Sonntag des Kirchenjahres, also am Sonntag vor dem Ersten Advent, der Verstorbenen zu gedenken. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führte noch am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres den Volkstrauertag zum Gedenken an die Millionen Opfer des Ersten Weltkriegs ein. Die erste offizielle Feierstunde zum Volkstrauertag fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Somit gibt es also genug Anlaß, in diesen Tagen den Friedhof zu besuchen und auch vor Gräbern von Persönlichkeiten zu
verweilen, die zum Ansehen ihrer Heimatstadt beigetragen hatten und nun oft einsam und verlassen sind, weil niemand mehr an sie denkt. Eigentlich sollte es ein Anliegen der Stadtverwaltung sein, dieser Bürger unserer Stadt zu gedenken, deren Nachkommen durch die geschichtlichen Ereignisse nicht mehr in der Lage waren, diese Gräber aufzusuchen. Einigen Gräbern wurde diese Aufmerksamkeit vor einigen Jahren zuteil. Wir finden zum Beispiel das Grab von Edmund Eichler (geboren 1840 in Teplitz, gestorben 1892 in Meran) auf dem Teplitzer Kommunalfriedhof, genannt „Raps der Große“. Er war der Gründer verschiedener böhmischer Schlaraffia-Ver-
Das Grab der Familie Eichler.
eine, auch des „Reychs Teplicia“. Diese etwas skurrile Versammlung aus hoch angesehenen, deutsch-böhmischen Persönlichkeiten der Kunst- und Geschäftswelt traf sich in ihrer Freizeit im damaligen Lindenhof in TeplitzSchönau, um sich bei humorvollen Wortspielen zu amüsieren. Auf dem evangelischen Teil des Teplitzer Kommunalfriedhofs befindet sich die Grabstätte eines Geschäftsmanns von besonderem Format: Reginald Czermack-Warteck (geboren 1847 in Prag, gestorben 1929 in Graupen). Er gründete in Teplitz eine Fabrik für Feuerwehrspritzen und erwarb auf dem Gebiet des Brandschutzes zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen. Außerdem war er ein Verfechter der Vereinigung der Aufgaben Brandschutz und Sanitätsdienst. Die verschiedenen Abkommen mit dem Roten Kreuz in seiner Zeit führten dazu, daß im ganzen damaligen Österreich die Feuerwehr auch die Sanitätsdienste und Verletztentransporte, vor allem während des Ersten Weltkrieges, durchführte. Wir haben ihm auch das 1904 eröffnete Meteorologische Observatorium auf dem Milleschauer zu verdanken. Als Liebhaber der Alpenlandschaft beteiligte er sich 1886 an der Gründung der Teplitzer Sektion des Deutschösterreichischen Alpenvereins. Und er beteiligte sich aktiv an der Errichtung der Teplitzer Hütte in den Stubaier Alpen in Südtirol. Sie liegt am Ende des Ridnauntals auf 2586 Metern über dem Meeresspiegel. Fortsetzung folgt
Das Grab der Familie Czermack-Warteck.
� Janegg-Ullersdorf – Hilfeaufruf
Für die Erneuerung von Denkmalen werden Fotos gesucht Die Gemeinde Janegg-Ullersdorf will zwei Denkmale restaurieren lassen und sucht dafür nach historischen Fotografien. Jutta Benešová berichtet.
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ie Gemeinde Janegg-Ullersdorf bittet die ehemaligen Landsleute um Hilfe. Die Gemeinde möchte zwei Denkmale für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erneuern. l Das Denkmal in Janegg gegenüber dem Pfarrhaus ist in schlechtem Zustand. Die Tafel
mit den Namen der Gefallenen ist nicht erhalten. Bei den historischen Fotos, die noch existieren, ist die Inschrift der Namen nicht zu entziffern. Kann irgendjemand mit einem eventuell leserlichen, historischen Foto aushelfen? l Das Denkmal in Ullersdorf ist verschwunden. Die Namen der Gefallenen sind in einer Chronik erhalten. Aber niemand kann sich erinnern, wo das Denkmal stand. Kennt irgendjemand den Standort? Oder besitzt
jemand Fotos von dem Denkmal in Ullersdorf? Die Gemeinde Janegg-Ullersdorf ließ erst kürzlich das Wegkreuz von 1769 rekonstruieren (Õ SdZ 43/2021). Sie war auch an
Das Denkmal in Janegg für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und die Einweihung des Denkmals im Jahr 1937.
der Renovierung der kleinen Nischenkapelle in Alt Wernsdorf beteiligt. Neulich wurden Reste einer kleinen Kapelle und ein alter Brunnen im ehemaligen He-
geholz entdeckt. Auch dort hat die Gemeinde Janegg Interesse an einem Erhalt. Falls irgendjemand davon alte Fotografien oder Nachrichten in seinem Bestand hat, bittet die
Gemeinde um Zusendung über meine eMail jutta.benesova @volny.cz. Ich sorge für eine rasche Übersetzung der Texte und der Weiterleitung an die Gemeinde. Herzlichen Dank!
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Bischofteinitz
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
Ronsperg
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Aus der Region
Krypten in Klattau Eine Sehenswürdigkeit, die man eher in Ägypten vermuten würde, machte Chams böhmische Partnerstadt Klattau berühmt: die Mumien in den Klattauer Katakomben. 38 mumifizierte Körper liegen dort in Särgen mit Glasdeckeln. Unser Korrespondent Karl Reitmeier berichtet.
D
ie Katakomben liegen unter der Jesuitenkirche auf dem Stadtplatz, die der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Mariä und dem heiligen Ignatius von Loyola, dem wichtigsten Mitbegründer des Jesuitenordens, geweiht ist. Die Krypten für Mitglieder des Jesuitenordens, Adelige und verdiente Bürger wurden von 1656 bis 1676 gebaut. Von 1676 bis 1783 fanden dort mehr als 200 Tote ihre ewige Ruhe. 1784 verbot jedoch Kaiser Joseph II. Beisetzungen in den Krypten. Der letzte, der hier bestattet wurde, war Anton Weichs, der bekannteste Pater Vojtěch Chanovský aus Langendorf, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Missionar in Südwestböhmen war. Die Toten wurden auf Holzspäne in Eichensärgen gebettet und mit Hopfendolden umgeben. Jeder Sarg erhielt eine Identifizierungstafel aus Blei. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem ermöglichte das langsame Austrocknen der Leichen und damit deren natürliche Mumifizierung. Aufgrund der Mumifizierung wiegen die Körper jetzt nur noch zwischen acht und zehn Kilogramm. Das Lüftungssystem, das auf dem Kirchendach mündete, sicherte für die Katakomben eine verhältnismäßig beständige Lufttemperatur und -feuchtigkeit. Lange Jahre blieben die Körper unversehrt. Den völligen Garaus gemacht hätten den Mumien fast unvorsichtige Bauarbeiter. Während der Kirchendachreparatur in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hatten sie die durch Pfeilergemäuer bis zum Dachsims steigenden Lüftungsschächte und -kanäle mit Bauschutt verschüttet. Das veränderte die Luftverhältnisse, und die überwiegende Mehrheit der Mumien – 140 insgesamt – zerfiel. Diese wurden 1937 in einem Massengrab auf dem Jakobsfriedhof in Klattau beigesetzt. An dieser Grabstätte steht nun ein Gedenkstein. Inzwischen ist das Lüftungssystem völlig erneuert, und die mumifizierten Körper stehen zudem unter ständiger Pflege der Konservatoren. An einigen Stellen sieht man noch in die Öffnungen des ursprünglichen barokken Lüftungssystems.
Nach einer anspruchsvollen Rekonstruktion, bei der sich die Bürgerinitiative Klattauer Katakomben große Verdienste erworben hatte, wurden die erneuerten Räume vor zehn Jahren feierlich eröffnet. Der damalige Pilsener Bischof František Radkovský spendete den Segen. Die Bürgerinitiative wollte die altertümliche Grabstätte erhalten, pflegen und bewerben. Die Klattauer Katakomben verzeichneten im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung mehr als 50 000 Besucher, und auch in den Folgejahren konnten stets Zehntausende von Gästen gezählt werden. Obwohl die Katakomben jetzt als eine selbständige Einrichtung besucht werden können, waren sie immer Bestandteil der Kirche. Den ursprünglichen Eingang gab es im Kirchenschiff, und ein anderer Eingang war in der ehemaligen Lateinschule. Nun befindet sich der Eingang nahe des Stadtplatzes in der Straße Denisova. Im Rahmen der Rekonstruktion, die rund eine Million Euro verschlang, entstand auch eine Ausstellung. Diese befindet sich in den ursprünglichen, heute Katakomben genannten Krypten und in den Räumen des Jesuitengymnasiums. Sie zeigt historische Urkunden und historische Gegenstände, Modelle der Bauten und Dokumentarfilme. So ist hier ein Foto von der Wallfahrtskirche in Neukirchen beim Heiligen Blut. Laut Begleittext berichten alte Quellen, daß Klattau alljährlich eine Sammelwallfahrt in den oberpfälzischen MarienWallfahrstort veranstaltet habe, an der auch Pilger aus dem entfernten Pilsen teilgenommen hätten. Diese Wallfahrt dokumentiere die damals intensiven tschechisch-deutschen Kontakte. In den zugänglichen Krypten sieht man die Gruft des Geschlechts Kotz von Dobrz, eine Wasserzisterne und den Vorgang, wie man die Särge in ursprünglich unzugängliche Krypten brachte. Die Katakomben verbinden in ihrer Atmosphäre Ewigkeit mit Vergänglichkeit und erinnern nicht nur an die Geschichte der Stadt und der Jesuiten. Hier blickt man in das Antlitz jener Menschen, die an der bis heute sichtbaren Gestaltung Klattaus Teil hatten. Dazu gehören die Kirche, das Kolleg, das Seminar und das Gymnasium. Alle diese Gebäude hatten die Jesuiten errichtet. Damit veränderten sie die Architektur eines großen im Südwesten gelegenen Teiles der Stadt.
Die Mumien liegen in rot bespannten Särgen.
Bild: Karl Reitmeier
Volkstrauertag in Furth im Wald
Vater vergib
Heimatkreisbetreuer Peter Paw- der Bundeswehr und der alliierder Menschen, die durch lik, Bürgermeister Sandro Bauer, ten Streitkräfte, die in den letzKriegshandlungen oder Mitglieder des Stadtrates, Stadt- ten Jahren ihr Leben für Frieden danach in Gefangenschaft, als pfarrer Karl-Heinz Seidl sowie und Freiheit verloren hätten. Der Vertriebene und Flüchtlinge Angehörige und Hinterbliebene Volkstrauertag diene auch dazu, ihr Leben verloren. von Kriegsteilnehmern. dem Vergessen entgegenzuwir- Wir gedenken derer, die verfolgt eim Morgengottesdienst in Ziel des Ehrenzugs am Volks- ken, schloß Bertl. und getötet wurden, weil der Further Stadtpfarrkir- trauertag war heuer nicht der Danach betete Stadtpfarsie einem anderen Volk che Mariä Himmelfahrt gedach- Ehrenhain – das monumenta- rer Karl-Heinz Seidl die Versöhangehörten, einer anderen te die Soldaten- und Kriegerka- le Gefallenendenkmal an der nungslitanei von Coventry: Rasse zugerechnet wurden, meradschaft Furth im Wald der Hochstraße –, sondern die neue Teil einer Minderheit waren verstorbenen Vereinsmitglieder Gedenkstätte mit den Namen al- Alle haben gesündigt und oder deren Leben wegen einer sowie der Gefallenen und Ver- ler Further Gefallenen und Verermangeln des Ruhmes, den Krankheit oder Behinderung mißten der beiden Weltkriege. mißten des Ersten und Zweiten sie bei Gott haben sollten. als lebensunwert bezeichnet Der Volkstrauertag sei ein Feier- Weltkrieges auf dem Further Den Haß, der Rasse von Rasse wurde. Friedhof. Ludwig trennt, Volk von Volk, Klasse Wir gedenken derer, die Bertl, der Vorsitvon Klasse: Vater, vergib. ums Leben kamen, weil zende der Sol- Das Streben der Menschen und sie Widerstand gegen daten- und KrieVölker zu besitzen, was nicht Gewaltherrschaft geleistet gerkameradihr Eigen ist: Vater, vergib. haben, und derer, die den schaft Furth im Die Besitzgier, die die Arbeit der Tod fanden, weil sie an ihrer Wald, schilderte Menschen ausnutzt und die Überzeugung oder an ihrem nach seiner BeErde verwüstet: Vater, vergib. Glauben festhielten. grüßung die fast Unseren Neid auf das Wir trauern um die Opfer der unendliche GeWohlergehen und Glück der Kriege und Bürgerkriege schichte über die Anderen: Vater, vergib. unserer Tage, um die Suche nach ei- Unsere mangelnde Teilnahme Opfer von Terrorismus und nem würdigen an der Not der Gefangenen, politischer Verfolgung, um Standplatz für Heimatlosen und Flüchtlinge: die Bundeswehrsoldaten und Heimatkreisbetreuer Peter Pawlik und Bürgermeister die Tafeln der Vater, vergib. andere Einsatzkräfte, die im Sandro Bauer vor den Ehrentafeln und Gedenkkrän- Toten und Ver- Die Gier, die Frauen, Männer Auslandseinsatz ihr Leben zen. Bilder: Johann Dendorfer mißten des Erund Kinder entwürdigt und verloren. sten wie auch des an Leib und Seele mißbraucht: Wir gedenken heute auch derer, tag, an dem nur wenige feierten Zweiten Weltkriegs. Vater, vergib. die bei uns durch Haß und und noch weniger trauerten, sagLudwig Bertl dankte Bürger- Den Hochmut, der uns verleitet, Gewalt Opfer geworden sind. te Stadtpfarrer Karl-Heinz Seidl meister Bauer und dem Stadtrat auf uns selbst zu vertrauen und Wir gedenken der Opfer von in seiner Predigt. Wenige Men- sowie den Spendern, die die Annicht auf Gott: Vater, vergib. Terrorismus und Extremismus, schen würden sich an den Gefal- schaffung der Gedenktafeln so- Seid untereinander freundlich, Antisemitismus und Rassismus lenendenkmalen und Friedhöfen wie Errichtung dieser Gedenkherzlich und vergebet einer in unserem Land. zusammenfinden. stätte ermöglicht hätten. Gedem anderen, wie Gott euch Seidl erinnerte an die zwei Mil- denkstätten und Mahnmale, vergeben hat in Jesus Christus. Wir trauern mit allen, die Leid lionen toten Soldaten des Ersten sagte Bertl, leisteten einen nachtragen um die Toten und teilen Weltkriegs sowie an die fünf Mil- haltigen Beitrag zur dauerhafAnschließend segnete Stadtihren Schmerz. lionen Toten des Zweiten Welt- ten Erinnerung an die Opfer von pfarrer Seidl die neue Gedenk- Aber unser Leben steht im kriegs. Er gedachte aber auch der Krieg und Gewaltherrschaft als anlage auf dem Further Friedhof. Zeichen der Hoffnung auf getöteten deutschen Zivilisten, Mahnung zum FrieVersöhnung unter 760 000 im Ersten und 2,1 Millio- den unter den Völkern den Menschen und nen im Zweiten Weltkrieg. Nur und zur Achtung der Völkern, und unsere noch wenige Menschen trauer- Würde und Freiheit Verantwortung gilt ten um einen gefallenen Men- der Menschen. dem Frieden unter den schen, den sie selbst gekannt hätBertl erinnerte Menschen zu Hause ten. Pfarrer Seidl erinnerte aber auch an die unzähliund in der ganzen auch daran, daß auch heute Bun- gen Kriege und BürWelt. deswehrsoldaten und -soldatin- gerkriege in allen Teinen bei den verschiedenen Aus- len unserer Welt. Die Zum Musikstück landseinsätzen ums Leben kä- Soldatinnen und Sol„Der gute Kamerad“ men und Witwen und Waisen daten der Bundeswehr und dem dreimalihinterließen. In Frieden und oh- seien bei friedensbilgen Ehrensalut legten ne Krieg leben dürfen, sei auch denden Maßnahmen Heimatkreisbetreuer 76 Jahre nach Kriegsende nicht mittendrin und würPeter Pawlik, Bürgerselbstverständlich. den täglich unzählimeister Sandro BauNach dem Gottesdienst trafen gen Gefahren ausge- Peter Pawlik, die Heimatkreisfahne und Fahnenjunker Ge- er sowie die Vertreter sich auf dem Friedhof beim Trau- setzt. Manchen ihrer org Naujokas. der verschiedenen Orerhaus die Mitglieder der Further Aufträge bezahlten sie ganisationen Kränze Soldaten- und Kriegerkamerad- sogar mit ihrem Leben. Darauf folgte trug Ludwig Bertl nieder. schaft und die Mitglieder des Deshalb habe der Volkstrau- das Totengedenken zum VolksMit der Bayernhymne endete dieser besinnliche FestVolksbundes Deutsche Kriegs- ertag in der heutigen Zeit eine trauertag 2021 vor: akt. Im nächsten Jahr, so Ludgräberfürsorge (VdK) zusammen neue Bedeutung erhalten. Die wig Bertl, finde die Gedenkfeier mit den Fahnenabordnungen des Gedanken seien darum nicht nur Wir denken heute an die Opfer wieder beim Gefallenendenkmal Heimatkreises Bischofteinitz, des bei den Toten der beiden Weltvon Gewalt und Krieg, an an der Hochstraße statt mit AbVdK, der Feuerwehren Furth im kriege sowie bei den Opfern Kinder, Frauen und Männer schluß bei den Gedenktafeln auf Wald und Schafberg. Zu diesem von Krieg, Terror und Gewalt, aller Völker. dem Friedhof. Ehrenzug, den die Blaskapelle sondern insbesondere auch bei Wir gedenken der Soldaten, die Johann Dendorfer/nh Lecker anführte, gehörten auch den Soldatinnen und Soldaten in den Weltkriegen starben,
An der Gedenkfeier anläßlich des Volkstrauertags in der Bischofteinitzer Patenstadt Furth im Wald nahm auch der Heimatkreis Bischofteinitz teil.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 47 | 26. 11. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
WIR BETRAUERN
Elsch: glückliche Rinder auf einer riesigen Weide. Mitte Oktober fuhr Heimatkreisbetreuer Wolf-Dieter Hamperl mit der Fotografin Karin Wilck wieder einmal kreuz und quer durch die Heimat, den ehemaligen Kreis Tachau. Er berichtet.
Neumühle: immerhin dampft ein Kamin.
� Herbstfahrt durch den Heimatkreis
ne Bibliothek einrichten. Ein junger Mann kaufte den alten Verwaltungsbau des Gutes Elsch und die Kirchenruine. Auch das Dorf Ratzau hat sich nicht verändert. Die alte Dorfkirche hat wieder ein vollständiges Dach, das Innere wird wohl unverändert sein. Bei unserem letzten Besuch lag die abgestürzte Flachdecke auf dem Boden. Interessant, daß auch die zahlreichen Häuser am Hang hinter der Kirche noch Rohbauten sind. Die meisten Häuser haben Fenster, aber sonst nichts. Dem holländischen Investor ging wohl das Geld aus. In Sankt Apollonia entfernte man einige Bäume, so daß man die Anlage bes-
Kaiser Karl oder Karel?
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unächst besuchen wir das Grab Sägewerk und altem Wohnhaus ervon Monsignore Vladimír Born in kennt man, daß gearbeitet wird. Es liegt Pfraumberg. Schon fünf Jahre sind seit kein Holz auf dem Holzplatz, der Gatseinem Tod verstrichen, doch wir ver- ter steht still. Unten am geteerten Lagermissen ihn immer noch sehr. Das bewei- platz sind Paletten gestapelt, auch Bretsen auch die vielen Plastikblumen auf ter sind aufgeschichtet. Kein Mensch ist der Steinplatte. Heuer gelingt mir, auf zu sehen. Das grüne Transformatorhaus diesem fast 800 Meter hoch gelegenen gibt mir Orientierung, so verändert ist und windigen Friedhof ein Grablicht an- die Einöde. Von allen Gebäuden steht zuzünden. nur mehr das Wohnhaus, das ein Werk Unser nächstes Ziel ist die Antonius- raum ist und ein neues Blechdach hat. Kapelle in der Dorfmitte von Konraditz. Der Stauweiher, dessen Wasser früher Vor der Holztüre hat man ein Eisengitter die Turbinen antrieben, ist wieder sichtangebracht, damit gelüftet werden kann. bar, nachdem man die Sträucher und Die innere Türe war offen. So sehen wir, die kleineren Bäume entfernt hatte. Ein daß die alte Einrichtung noch vollstän- kleiner Hund bellt uns an. Ich bin zwar dig vorhanden ist. Mörtelstücke fallen hier geboren, aber meine Neumühle ist von der verputzten Empore. Blätter und das nicht mehr. die große Von dem Holzbank ehemaliim Gang gen Gut verraten, Mutzken daß die Kastehen nur pelle wohl zwei Häunicht mehr ser und horeligiös gehe Mauern. braucht Ein Mann wird. weißelt sie Rechts negerade. ben der Trucks steDorfkirhen im Inche steht Paulusbrunn: Informationstafel über Dr. Josef Carl Böttger. nenhof. ein HolzWir nehpavillon mit festen Holzbänken zum ge- men die Straße nach Zummern. Die Gasselligen Beisammensein am Abend. An- leitung bekam im Tal eine Pumpstation. sonsten ist das Dorf unverändert. Wir Die Rohre wurden vor zwei Jahren verfahren zurück zur Staatsstraße Rich- legt. In Zummern werden immer mehr tung Haid. Die Obstplantagen um das Häuser von in Deutschland arbeitenden Schloß Großmeierhöfen und in Rich- Tschechen renoviert. Trotzdem, auch tung Milles sind neu und die Kirschbäu- hier kein Mensch in den Gärten oder auf me teilweise mit Netzen überspannt und der Straße. geschützt. Mein nächstes Ziel ist das Wolf-Grab Die großen Kastanienbäume vor auf den Neustadtler Friedhof. Ich stelMutzken sind gefällt. Die alten Bäume le einen Topf mit Herbstpflanzen an den fehlen, die jungen Bäume stehen wie Grabstein, auf dem unter der Glasplatte Peitschen da. Wir fahren den schmalen „Familie Wolf“ steht. Meine GroßmutWeg zur Neumühle, meinem Geburts- ter wurde hier vor 90 Jahren begraben. ort. Am Rauch aus dem Kamin zwischen Die Glasplatte trägt den Namen „Ma-
rie Tesařová“. Wer den Bericht von Pfarrer Jaroslav Baštář aufmerksam las, fand ihren Namen unter den katholischen Kommunisten von Neustadtl. Der Friedhof ist gemäht, viele Plastikblumen und Porzellanfiguren schmücken die Gräber. Über Wurken geht es nach Bernartitz, wo zwei Männer an der Südseite der Kirche ein Stahlgerüst aufbauen. Die Kirchtüre steht offen. Der Verfall der Inneneinrichtung geht weiter. An einigen Stellen wurden an den Deckengemälden Klebebänder angebracht, um die Substanz zu festigen. Die Orgel ist mit einer blauen Plastikplane abgedeckt, weil sich der Putz darüber löst. Die Orgelempore ist abgestützt. Es muß schnell etwas passieren, will man das Innere der Kirche retten. Im Vorraum sehe ich frische Neustadtl: Dr. Wolf-Dieter Hamperl am Grab seiner GroßKupferdachrinnen, die mutter Marie Wolf. Die in den Grabstein gemeißelte Indie Männer wohl anbrin- schrift „Familie Wolf“ verdeckt eine schwarze Glasplatte, Bilder: Karin Wilck gen werden, damit das auf der „Marie Tesařová“ steht. Regenwasser die Wände nicht weiter schädigt. Diese schöne Kir- ser überblicken kann. Die gelb-orangen che mit ihrer barocken Ausstattung äh- Laubwälder erfreuen Auge und Gemüt. nelt sehr der in Haid. Die Fahrt führt uns dann nach TachIm ehemaligen Gut Elsch wurde be- au. Über das neu konzipierte Museum reits vor Jahren der barocke Getreide- Český les (Böhmischer Wald) wird ein speicher wieder hergerichtet. Er wirkt eigener Bericht erscheinen. Wir halwie ein Schloß. Die ehemaligen land- ten an der Böttgersäule in der Öde Pauwirtschaftlichen Gebäude liegen ma- lusbrunn und betrachten die neuen Tarode darnieder. Die vor Jahren neu er- feln. Sie informieren knapp und korrichtete große Scheune mit Stallungen rekt über die früher hier liegenden Orte steht leer. Auf der Wiese hinter dem Wittichstal, Vorder- und HinterpaulusSchüttboden weidet eine Rinderherde. brunn. Eine Tafel berichtet über die GolAn der dem Verfall nahen neuromani- dene Straße in der Zeit von „Karel IV.“. schen Schloßkapelle wird gearbeitet. In unserem Sprachgebrauch ist das KaiZwei Männer errichten ein neues Dach. ser Karl IV. Dieser war auch als Karel Im Inneren sind die Gewölbe noch sta- böhmischer König. Sein Taufname war bil, aber von der Feuchtigkeit gezeich- Wenzel, erzogen wurde er in Paris. Er net. Der Putz löst sich, grüner Schimmel sprach französisch, lateinisch, deutsch überzieht das Mauerwerk. Man will hier und tschechisch. Sein Vater war Johann einen Kulturraum für Konzerte oder ei- von Luxemburg.
n Tachau. Am 24. August starb Rudolf „Rudi“ Völkl mit 96 Jahren im württembergischen Essingen. Er war am 20. März 1925 in Tachau zur Welt gekommen. Seine Eltern waren Martin und Susanna Völkl, seine älteren Schwestern hießen Marie „Ritschi“ Pfeil und Ernestine „Erni“ Winkle. Die Familie wohnte in der Gärtnergasse und später in der Hohen Wacht Nr. 1011. Rudi war zehn Jahre alt, als sein Vater starb. Nach seinem Schulabschluß besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Mies. Heute würde man sie als Pädagogische Hochschule bezeichnen. Dank eines Stipendiums war die Finanzierung gesichert. Am 28. April 1945 geriet er in USAKriegsgefangenschaft. Dort erhielt er die traurige Nachricht aus der Heimat, daß seine Mutter am 26. April 1945 gestorben sei. Nach seiner Entlassung am 26. Juni 1947 fand er seine Schwester Erni wieder. Sie lebte mit ihrem kleinen Sohn bei ihrer Schwiegermutter in Faurndau bei Göppingen in Württemberg. Seine Schwester Ritschi hatte 1946 mit ihrer Familie nach der Vertreibung im mittelfränkischen Gunzenhausen Zuflucht gefunden – und Rudis Geige gerettet. So hatte Rudi ein Erinnerungsstück. Er war darüber sehr glücklich, denn Musik, Lesen und Wandern waren Rudolfs Leidenschaften. Rudis in der Heimat begonnene Lehrerausbildung wurde trotz zahlreicher Eingaben bei den Kultusministerien in Stuttgart und München sowie mehrfachen Anfragen bei mehreren Lehrerbildungsanstalten nicht anerkannt. So blieb ihm nur die Möglichkeit, eine Arbeitsstelle anzutreten. Er hatte Glück, weil er in einer örtlichen Lederwarenfabrik im Versand und in der Verwaltung gebraucht wurde. In dieser Firma lernte er Ruth Weiler kennen und lieben. Sie heirateten, bekamen zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Rudi prägte durch seine vielfältigen Interessen das Leben der Familie. Bis ins hohe Alter pflegte er auch Freundschaften zu Landsleuten. Immer wieder besuchte er mit seinem Freund Anton Kasseckert Tachau. Und er hielt enge Verbindung zu seinen Geschwistern und deren Familien. Um im Alter näher bei seiner Tochter wohnen zu können, zogen Rudi und Ruth Völkl von Uhingen nach Essingen bei Aalen. Auf dem dortigen Friedhof fand er neben seiner Ruth seine letzte Ruhestätte.
D Pfraumberg: Grab von Monsignore Vladimír Born.
Elsch: ausgeraubte Schloßkirche mit Wasserschäden.
Konraditz: Blick durch das Schutzgitter in die Ortskapelle.
as „Wunderbare Prager Jesulein“, das in unserem Tachauer Museum hängt, ziert das Titelblatt des Tachauer „Heimatkalenders 2022“. Die übrigen Kalenderblätter zeigen ebenso schöne wie interessante Motive. Wer den Kalender verschenken möchte, kann ihn für 20 Euro bei Heimatkreisbetreuer Wolf-Dieter Hamperl bestellen. Adresse Þ Impressum oben.