Prof. Manfred Kittel: Vertreibung erfüllt den Tatbestand des Völkermords (S. 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
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Jahrgang 73 | Folge 46 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 19. November 2021 Regierung von Petr Fiala
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Der zukünftige Premierminister Petr Fiala ist mit seiner Regierungsbildung auf der Zielgeraden
Koalitionsvertrag: Was die neue tschechische Regierung plant
Favoriten für ein Ministeramt Finanzen: Zbyněk Stanjura (ODS). Erster stellvertretender Vorsitzender der ODS (ab 2020). Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, war Verkehrsminister (2012–13). Von 2002 bis 2010 Bürgermeister von Troppau. Justiz: Pavel Blažek (ODS). JuraStudium an der Masaryk-Universität in Brünn. Er ist seit 1996 als Rechtsanwalt tätig und war 2012 bis 2013 Justizminister. Verteidigung: Jana Černochová (ODS). Bürgermeisterin von Prag 2, Master-Abschluß in internationalen Beziehungen und europäischen Studien an der Metropolitan University in Prag. Im Unterhaus war sie die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Verkehr: Martin Kupka (ODS). Journalismusstudium, Moderator beim Tschechischen Rundfunk, Sprecher des Prager Rathauses sowie kurzzeitig Regierungssprecher. Kultur: Martin Baxa (ODS). Lehrer, Bürgermeister von Pilsen. Innen: Vít Rakušan (Stan). Vorsitzender der Stan-Bewegung. Favorit für das Amt des stellvertretenden Premierministers. Er war Bürgermeister von Kolin (2010–19) und Erster Stellvertreter des Gouverneurs der Region Mittelböhmen (2016–17). Wirtschaft: Věslav Michalík (STAN). Bürgermeister von Unter Breschan. Davor Forscher an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften am Institut für Kernphysik und am Institut für Strahlendosimetrie. Bildung: Petr Gazdík (STAN). : Mitbegründer der STAN-Bewegung und Ex-Vorsitzender. Europa: Radim Sršeň (STAN). Ph.D. in Internationalen Politischen Beziehungen. Präsident der Europäischen Vereinigung für ländliche Entwicklung. Gesundheit: Vlastimil Válek (TOP 09). Studium der Allgemeinmedizin, Einsatz für das Internationale Rote Kreuz, Leiter der Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum in Brünn. Wissenschaft und Forschung: Helena Langšádlová (TOP 09). Masterstudium in Politikwissenschaften. Von 2004 bis 2010 Mitglied des EU-Ausschusses der Regionen. Landwirtschaft: Zdeněk Nekula (KDU-ČSL). Bürgermeister von Töstitz. Arbeit/Soziales: Marián Jurečka (KDU-ČSL). Vorsitzender der KDU-ČSL. Studiums an der Mendel-Universität in Brünn. Landwirtschaftsminister unter Bohuslav Sobotka (ČSSD). Umwelt: Anna Hubáčková (KDU-ČSL). Senatorin. Regionale Entwicklung und Digitalisierung: Ivan Bartoš (Piraten). Vorsitzender der Piratenpartei. Experte für Datenbanken. Auswärtiges: Jan Lipavský (Piraten). War stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsund des Auswärtigen Ausschusses, hat unter anderem bei McKinsey gearbeitet. Legislative: Noch unbekannt.
VOLKSBOTE
Schritt für Schritt nimmt der Regierungswechsel in Prag Formen an. Als letzter Bündnispartner haben am Dienstag auch die Piraten dem Koalitionsvertrag zugestimmt, nachdem sich bei einer Mitgliederbefragung 82,1 Prozent dafür ausgesprochen hatten.
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n der vergangenen Woche hatte Staatspräsident Miloš Zeman Wahlsieger Petr Fiala (ODS) offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt. Bereits am Dienstag vergangener Woche hatten die Koalitionäre ODS, KDU-ČSL, TOP 09, Piraten und STAN ihren Koalitionsvertrag unterschrieben, die Piraten allerdings nur unter Vorbehalt ihrer Mitgliederentscheidung (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Am Mittwoch vergangener Woche hat das neugewählte Abgeordnetenhaus Top-09-Chefin Markéta Pekarová Adamová zu seiner Vorsitzenden gewählt. Die 37-jährige ist erst die zweite Frau, die diesen Posten innehat. Am Montag dieser Woche hat der noch amtierende Premierminister Andrej Babiš (Ano) das Staatsoberhaupt im Prager Militärkrankenhaus besucht, um den bereits per Brief eingereichten Rücktritt seiner Regierung formell zu bestätigen. Am Mittwoch war dann Fiala im Militärkrankenhaus, wo Zeman seit dem 10. Oktober stationär behandelt wird, um die personelle Zusammensetzung seines Kabinetts vorzustellen (Ergebnis war zum Redaktionsschluß noch nicht bekannt).
Auf dem Weg ins Premierministeramt: Petr Fiala (ODS) hat die Ergebnisse des Koalitionsvertrages vorgestellt. Links: Top-09-Chefin Markéta Pekarová Adamová, neu gewählte Präsidentin des Abgeordnetenhauses. Foto: ODS Im Koalitionsvertrag üben die zukünftigen Regierungsparteien heftige Kritik an der Vorgänger-Regierung: „Die Tschechische Republik hat die schwierigste Zeit in ihrer postsowjetischen Geschichte hinter sich. Unser Land muß sich nicht nur mit den Folgen einer globalen Pandemie auseinandersetzen, sondern auch mit den Folgen einer rücksichtslosen Verantwortungslosigkeit der vorherigen Regie-
rung. Die Vorgängerregierung hinterließ ein Land mit der höchsten Verschuldung seiner Geschichte und stark steigenden Preisen, insbesondere für Energie und Immobilien.“ Der Streit, der das Land gespalten habe, sei „durch eine populistische Politik angeheizt“ worden. Man wolle, so heißt es im Koalitionsvertrag „die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ausbauen“ und Grenzbewohnern
ermöglichen, Krankenhäuser auf beiden Seiten der Grenze zu nutzen. Die Zusammenarbeit mit EU und Nato solle gestärkt werden. „Wir betrachten die Mitgliedschaft in der Europäischen Union als wesentlich und vorteilhaft für die Tschechische Republik. Die Außenpolitik wird eine unbestreitbare euro-atlantische Ausrichtung haben. Wir werden unsere Beziehungen zu Rußland
und China überprüfen“, schreiben die Koalitionäre und kündigen an, daß sich die neue Regierung dafür einsetzen werde, die Verteidigungsfähigkeit der Nato an der Ostgrenze zu stärken. Gleichzeitig werde man „nicht-demokratischen Staaten keinen Zugang zur tschechischen Infrastruktur gewähren“. Auch die neue Regierung setzt beim Thema Energie auf Atomkraft. „Wir nehmen die Wende zu erneuerbaren Energien ernst, aber wir weigern uns, auf Energiesicherheit, Selbstversorgung und Unabhängigkeit zu verzichten. Die Zukunft des tschechischen Energiemixes liegt in einer Kombination aus Kernkraft und dezentralen erneuerbaren Energien.“ Ziel sei ein Kohleausstieg bis 2038. Wie berichtet, haben Frankreich und die Tschechische Republik, die 2022 nacheinander die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen, mit weiteren EU-Ländern eine Initiative gestartet, damit Atomkraft als CO2-freie und klimafreundliche Energiequelle anerkannt und von der EU subventioniert wird. Konfliktstoff mit der neuen deutschen Regierung könnte auch das Thema Migration bergen. „Die EU muß ihre Außengrenzen wirksam schützen. Wir lehnen die Lösung von Migrationskrisen durch eine Politik der verbindlichen Quoten ab“, heißt es im Prager Koalitionspapier. Stattdessen wolle man sich für Auffanglager außerhalb der EU einsetzen. Torsten Fricke
Zwölf-Punkte-Programm der neuen tschechischen Regierung
Deutliches Bekenntnis zur EU und zur Nato In einem 42-seitigen Koalitionsvertrag haben ODS, KDU-ČSL, TOP 09, Piraten und STAN die Schwerpunkte ihrer Zusammenarbeit definiert. Die Sudetendeutsche Zeitung dokumentiert den Zwölf-Punkte-Plan in Auszügen.
1. Stabilisierung der Staatsfinanzen Unser Land braucht eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik, die die sinnlose Verschwendung eindämmt. Der Weg zur Stabilität führt über die Reform der öffentlichen Ausgaben, Maßnahmen gegen Interessenkonflikte und Korruption sowie eine effiziente Verwendung der Steuereinnahmen, und nicht über die Erhöhung der Steuerlast.
2. Ausrichtung auf die EU und die Nato
Die Tschechische Republik muß im Interesse ihrer Bürger ein aktives Mitglied der Europäischen Union und der Nato sein. Die Außenpolitik wird eine unbestreitbare euro-atlantische Ausrichtung haben, die auf stabi-
le Partnerschaften mit demokratischen Ländern in der ganzen Welt und dem Schutz der Menschenrechte setzt.
3. Rentenreform Es sind die Menschen, die den Wohlstand in unserem Land schaffen. Deshalb verdient es jeder, Sicherheit im Alter zu haben. Die Reform des Rentensystems wird auf einem gesamtgesellschaftlichen Konsens beruhen und eine langfristige Perspektive gewährleisten.
4. Bildung Die Zukunft hängt von der Bildung unserer Kinder und dem lebenslangen Lernen ab. Das Bildungssystem muß in der Lage sein, sowohl die Schwächsten als auch die Talente zu fördern.
5. Regionaler Zusammenhalt
Die wachsenden Ungleichheiten zwischen den Regionen unseres Landes sind eine große gesellschaftliche Herausforderung. Der Wohnort darf keinen grundlegenden Einfluß auf die Quali-
tät der Bildung oder der Gesundheitsfürsorge haben. Die Regierung wird Lösung erarbeiten, um die Entvölkerung der ländlichen Gebiete und der Grenzregionen zu stoppen.
6. Förderung des freien Marktes
Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie gezielte Investitionsbeihilfen sind der Weg, um den Wohlstand unseres Landes zu sichern. Wir werden kreative und innovative Maßnahmen unterstützen, um Wachstum und gesunden Wettbewerb zu schaffen. Öffentlichen Mitteln dürfen nicht dazu dienen, die Gewinne und den Einfluß des Großkapitals zu erhöhen.
7. Umwelt Der Klimawandel ist unbestreitbar. Diese Regierung ist entschlossen, Lösungen zu finden, um den menschlichen Einfluß auf den Klimawandel zu begrenzen. Wir werden nach realistischen Lösungen suchen, die zum Schutz von Umwelt, Wasser,
Luft, Boden, Wäldern und Landschaften beitragen. Und wir werden all dies unter Beachtung der Verantwortung für den Wohlstand unseres Landes tun.
8. Familie und Wohnen Die Stabilität der Familien ist wichtig für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Wir helfen Familien bei der Bewältigung der Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind. Wir werden flexiblere Arbeitszeitmodelle unterstützen, ein breiteres Angebot an Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen sowie eine bezahlbare Gesundheitsversorgung realisieren.
9. Digitalisierung Vereinheitlichung und Digitalisierung von Prozessen sind der Weg zu einer freundlicheren, effizienteren und kostengünstigeren Regierungsarbeit.
10. Wissenschaft und Forschung
Unser Land ist voll von gebildeten, talentierten und innovativen Menschen. Wir werden Wis-
senschaft und Forschung unterstützen, weil wir darin die Chance sehen, die Tschechische Republik noch erfolgreicher zu machen.
11. Moderne staatliche Verwaltung
Der öffentliche Dienst muß modern, schlank und flexibel sein. Wir werden die Verwaltung auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereiten, die besten Talente einzustellen, um den Bürgern hervorragende Dienstleistungen zu bieten.
12. Rechenschaftspflicht gegenüber den Wählern
Wir werden uns für eine bessere politische Kultur einsetzen. Wir werden ehrliche, kompetente Menschen für Führungspositionen auswählen und vertrauenswürdige Persönlichkeiten einsetzen, die die Interessen der Tschechischen Republik vertreten und sich nicht in einem Interessenkonflikt befinden. Wir werden miteinander sowie mit der Opposition konstruktiv zusammenarbeiten.
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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er Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesinnenminister für Bau und Heimat, Stephan Mayer, gehört zu jenen Freunden des Prager Sudetendeutschen Büros, die diese Institution von Anfang an fest unterstützten. Der 1973 in Burghausen geborene Politiker ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags und seit 2008 stellvertretender UdV-Landesvorsitzender sowie Präsidiumsmitglied des BdV. Bereits während der schwierigen Entstehungszeit der Prager
Sudetendeutschen Botschaft des guten Willens stellte er sich immer solidarisch hinter diese Institution. Am 4. Oktober 2007 sprach er als Hauptredner bei einer öffentlichen Veranstaltung des SL-Büros in Prag zum Thema: „Das deutsch-tschechische Verhältnis aus Sicht eines Bundestagsabgeordneten“. Jetzt besuchte Mayer erneut das Prager Büro, um sich über die sudetendeutsche Sicht der aktuellen politischen Lage nach der Parlamentswahl zu informieren. Zugleich versicherte er Büroleiter Peter Barton, diese wichtige Institution an der
PRAGER SPITZEN Moldau weiterhin zu unterstützen. Stephan Mayer überreichte Peter Barton als Dank für die Arbeit des Sudetendeutschen Büros ein Geschenk in Form von wertvollen Manschettenknöpfen.
Corona-Inzidenz steigt auf 739
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Seminarwoche am Heiligenhof „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“, Teil 1
Digitalisierung eröffnet neue Wege für die Heimatforschung Wissen zu vermitteln war das Ziel des mehrtägigen Informationsseminars über „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ in der sudetendeutschen Bildungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen. Frauen und Männer mit familiären Wurzeln in Böhmen aus allen Teilen Deutschlands und der Tschechischen Republik zählten zu den Teilnehmern. Für viele von ihnen ist der Heiligenhof auch ein Stück heimatliche Atmosphäre, wo sie das Gefühl von Geborgenheit in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten erleben.
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ie Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen und die Wege nach Europa zogen sich wie ein roter Faden durch die Vorträge der motivierten Referenten und die Diskussionsbeiträge der interessierten Teilnehmer. Nach der durch Krieg und Vertreibung belasteten Geschichte eine Brücke zu schlagen von der gemeinsamen Vergangenheit zur gemeinsamen Zukunft sowie Anregungen und Hilfen für gemeinsame Projekte und Initiativen zu beiderseitigem Nutzen sollten die beherrschenden Themen sein. Für Begegnungen ohne Grenzen steht das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im oberpfälzischen Schönsee, dessen Aktivitäten Ivana Danisch vorstellte. Die in Neuhaus (Jindřichův Hradec) geborene Kulturmanagerin hat in Regensburg, Prag und Brünn studiert und ist beim CeBB, der Koordinierungsstelle für die bayerisch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit, unter anderem für zahlreiche Projekte zuständig. So konnte sie über eine unglaubliche Vielzahl grenzüberschreitender Initiativen und Aktivitäten im deutsch-tschechischen Nachbarraum berichten: Konzerte, Ausstellungen, Kulturreisen, Brauchtumsveranstaltungen, Deutsch-Tschechische Stammtische, Projekte im Zusammenhang mit der Kulturstadt Bayern-Böhmen und dem Grünen Band gehörten zur beeindruckenden Vorstellung. Die Menschen diesseits und jenseits der Grenze zueinander führen, um vom Nebeneinander zum Miteinander zu gelangen, ist die Motivation für ihren völkerverständigenden Einsatz. Unter dem Titel „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte – Praxisbeispiele“ referierte am Folgetag Lorenz Loserth aus München, der online zugeschaltet wurde. Die familiären Wurzeln des Gymnasiallehrers liegen im Kreis Jägerndorf in der Heimatlandschaft Altvater. Seine Vorfahren stammen aus Lobenstein (Úvalno), wo er sich auch als Ortsbetreuer engagiert. Interesse für die Heimat seiner sudetendeutschen Vorfahren, ihre Kultur und die Geschichte haben ihn veranlaßt,
uch in der Tschechischen Republik verschärft sich die Corona-Lage deutlich. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium 11 514 Neuinfektionen, und damit 2250 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der Patienten, die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, ist innerhalb einer Woche um knapp 25 Prozent auf 4300 Menschen gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag 739 Neuerkrankungen je 100 000 Einwohner lag. Deutschland hat die Tschechische Republik mittlerweile wieder als Hochrisikogebiet eingestuft. Einreisen nach Deutschland sind demnach nur für Genesene und vollständig Geimpfte ohne Quarantäne möglich. Trotz der dramatischen Lage hat die Regierung in ihrer Kabinettssitzung am Dienstag sich nicht auf eine weitere Verschärfung der Corona-Regeln einigen können.
Standfest gegen China und Rußland
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Karel Halla, Leiter des staatlichen Kreisarchivs Eger und Vorsitzender der tschechischen Archivgesellschaft, berichtete über Porta fontium. Das bayerisch-tschechische Netzwerk digitaler Geschichtsquellen wird vor allem von Tschechen genutzt (links). Fotos: Schuster aktiv zu werden. Und so sorgte er mit seinem neuen Internetauftritt www.heimatlandschaftaltvater.eu dafür, daß über die Heimatregion weltweit zu lesen ist. Die Bandbreite der dort behandelten Themen umfaßt nicht nur Geschichte und Kultur, sondern auch Erläuterungen grundlegender Begriffe wie zum Beispiel Ortsbetreuer, Heimatbrief, Heimatkreis, Heimatlandschaft, Heimatstuben und wo man sie finden kann. Daß die Geschichte der Vorfahren auch heute noch junge Menschen begeistern kann, stellte Loserth mit seiner Präsentation eindrucksvoll unter Beweis. „Ich bin ein Freak“, sag-
für eine vereinfachte Suche, wie zum Beispiel Volltextsuche nach Lokalitäten, Handschriften, gedruckten Quellen (zweisprachig) sowie ein neues Modul für Karten und Pläne an. Darüber hinaus möchte die digitale Heimatkunde Interessierten aus den Bereichen der Kommunalarchive, Heimatgeschichte, Schulen und Universitäten eine Plattform zur Verfügung stellen, auf der eigene Bestände präsentiert, an der Erschließung bisher unbekannter Bestände mitgearbeitet, der Einstieg in die grenzüberschreitende Heimatforschung erleichtert und die Vernetzung der Heimatfor-
Ivana Danisch ist beim CeBB, der Koordinierungsstelle für die bayerischtschechische kulturelle Zusammenarbeit, für viele Projekte zuständig. te er scherzhaft über sich selbst. Aber Loserth outete sich zudem als begnadeter Wissensvermittler, der anspornt, es ihm gleichzutun. Viel Neues über Porta fontium präsentierte Karel Halla, Leiter des staatlichen Kreisarchivs Eger (Cheb) und Vorsitzender der tschechischen Archivgesellschaft, anschaulich mit zahlreichen Beispielen unterlegt bei seinem Vortrag „Digitale Heimat – Wie bringe ich offensichtlich Gegensätzliches in Eingklang?“. Das bayerisch-tschechische Netzwerk digitaler Geschichtsquellen hat sein Angebot weiter ausgebaut und bietet neue Möglichkeiten der Archivrecherchen
schung verstärkt werden können, so Halla. Zudem soll nach gedruckten heimatkundlichen Quellen recherchiert und diese gedruckten Heimatkunden digitalisiert und auf Porta fontium verfügbar gemacht werden. Aktuell befinde sich als jüngstes Segment der Archivpartnerschaft das Projekt „Moderner Zugang zu historischen Quellen“ in Arbeit. Einbezogen werden dabei Kommunalarchive, Geschichtsvereine, Schulen, Bibliotheken und Staatsarchive. Derzeit konzentrierten sich zahlreiche Bürgerinitiativen und verschiedene Plattformen und Gruppen in sozialen Netzwerken auf die Geschichte bestimm-
ter Regionen oder Orte, führte er aus. Das Interesse fokussiere sich dabei hauptsächlich auf Orts- und Topografiekommentare und -befunde, die von einer großen Menge historischen Bildmaterials begleitet werden. Eine Vielzahl historisch wertvoller Dokumente, die das Leben und den Alltag des 19. und 20. Jahrhunderts abbilden und dokumentieren, werden für die jeweiligen Orte gesammelt. Diese Sammlungen sind aber von existenziellem Verlust bedroht, obwohl sie durchaus als Ergänzung zu denen der offiziellen Institutionen dienen könnten. Ende des 19. und im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts entstanden gedruckte Heimatkundeberichte einzelner Orte, in denen historische Tatsachen unter anderem anhand eines Blickes in die Vergangenheit dokumentiert werden. Diese werden im Rahmen des Projekts gesucht und eingescannt und dienen dann als Informationsquelle für die neu entstehenden groß angelegte Digitale Heimatkunde, die im nächsten Folgeprojekt entstehen soll. Im Rahmen dieser Aktivität werden Inhalte analysiert und ein Konzept für eine neue digitale Geographie erstellt, bei der auch die Einbeziehung externer Beiträge von Nutzern der oben genannten Bürgerinitiativen, Plattformen oder Gruppen in sozialen Netzwerken vorausgesetzt wird. Dadurch wird eine moderierte Geografiedatenbank, ähnlich der Wikipedia-Plattform, als „citizen-science“-Plattform für einzelne Websites im Fördergebiet erstellt. An der Konzeptentwicklung werden auch Bildungseinrichtungen und deren pädagogische Mitarbeiter mitwirken. Ihre Hauptaufgabe wird neben der aktiven Teilnahme an Arbeitssitzungen und fachlichen Beratung die Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Informationsstrukturen der digitalen Heimatkunde sein. So sollen die Ergebnisse museumspädagogisch und vor allem im Unterricht der Regionalgeschichte an Schulen in den Grenzregionen genutzt werden können. Hildegard Schuster
nter acht Staaten Mittelund Osteuropas gehört die Tschechische Republik zu den Ländern, die am wenigsten anfällig sind für eine Einflußnahme seitens Rußland und China sind, hat die neueste Studie der slowakischen Nicht-Regierungsorganisation Globsec ergeben, die am Montag vorgestellt worden ist. Untersucht wurden unter anderem die Politiklandschaft und die öffentliche Meinung in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, Ungarn, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien sowie Serbien. Tschechien erreichte gemeinsam mit Rumänien das beste Ergebnis von 29 Punkten. Am anfälligsten ist hingegen Serbien mit 55 Punkten. Die Untersuchung fand vor den tschechischen Wahlen statt. Erwartet wird deshalb, daß sich diese Widerstandsfähigkeit mit der neuen Regierung noch verstärkt.
Prager Hradschin: Renovierung fertig
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ach fast acht Jahren ist die sechs Millionen Euro teure Restaurierung der Obersten Burggrafschaft auf dem Prager Hradschin beendet worden. In der nächsten Zeit sollen dort ein Café, ein Foto-Museum sowie ein Kino mit einem Veranstaltungssaal eröffnet werden. Bereits wie-
der geöffnet ist das Spielzeugmuseum. Die Restaurierung umfaßte alle historischen Gebäude des Areals und ihre Innenräume sowie den romanischen Schwarzen Turm. Unter anderem wurden die Malereien und die Fachwerk-Decke im Gerichtssaal des Hauses unterhalb des Schwarzen Turmes erneuert.
Staatsbesuch aus der Slowakei
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ie slowakische Staatspräsidentin Zuzana Čaputová hat am Dienstag Prag besucht. Erste Station war das Militärkrankenhaus, wo sie Präsident Miloš Zeman ihre Genesungswünsche überbrachte. Anschließend wurde Čaputová im Senat des tschechischen Parlaments empfangen und vom Vorsitzenden Miloš Vystrčil (Bürgerdemokraten) mit der Silbermedaille des Senatspräsidenten ausgezeichnet.
Kritik an der Klimakonferenz
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ls „verpaßte Chance“ haben tschechische Umweltorganisationen die UN-Klimakonferenz COP26 kritisiert, die am Wochenende im schottischen Glasgow zu Ende gegangen ist. Abgesehen von einigen Teilerfolgen habe sie die Zukunftsaussichten für das Weltklima nicht verbessert, heißt es in einer Presseerklärung der Plattform Klimakoalition. Demnach ist es der Weltgemeinschaft nicht gelungen, ambitionierte Zusagen zur Bekämpfung des Klimawandels zu machen. Die Abschlußerklärung gebe den Staaten einzig vor, bis zum Ende nächsten Jahres ihre jeweiligen Klimaziele bis 2030 zu formulieren, so die Umweltschützer.
Theaterfestival deutscher Sprache
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och bis zum 6. Dezember findet das am Montag gestartete 26. Theaterfestival deutscher Sprache in Prag statt. Ein traditioneller Höhepunkt ist eine tschechisch-deutsche CoProduktion, die in diesem Jahr das Prager Theater am Geländer (Na zábradlí) übernommen hat. Aufgeführt wird Peter Handkes Stück „Zdeněk Adamec – Eine Szene“, die die politisch motivierte Selbstverbrennung eines 18-jährigen in Prag thematisiert. Desweiteren sind Ensembles aus Hamburg, Köln, Wien und Berlin bei dem Festival zu Gast.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19.11.2021
Von einem „Verbrechen ohne Namen“ hatte noch Winston Churchill gesprochen, bis der polnische Holocaust-Überlebende Raphael Lemkin aus dem griechischen Wort „genos“ für „Volk“ und dem lateinischen Verb „cidere“ für „töten“ den Begriff für eine der schlimmsten Greueltaten prägte: Genocid – Völkermord. Daß in Deutschland die Begriffe Völkermord und Holocaust oft als Synonym verwendet werden, hat Prof. Dr. Manfred Kittel in einem Vortrag auf dem Heiligenhof problematisiert und dargelegt, warum auch die Vertreibung Völkermord war.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE Prof. Dr. Manfred Kittel, Gründungsdirektor der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Vertreibung erfüllt den Tatbestand des Völkermords
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err Professor, warum war es für Raphael Lemkin so wichtig, dem Verbrechen ohne Namen einen Namen zu geben? Prof. Dr. Manfred Kittel: Vor dem Zweiten Weltkrieg war Lemkin Rechtsanwalt in Warschau und Staatsanwalt an einem Bezirksgericht. Nicht zuletzt die Erfahrung antisemitischer Pogrome im östlichen Europa ließ ihn schon früh zu einem Verfechter des Schutzes ethnischer und religiöser Gruppen und Minderheiten werden. Nach 1933 erkannte er die Bedrohung durch das Naziregime und veröffentlichte Abhandlungen über massenhafte Greueltaten, die er damals „Verbrechen der Barbarei“ nannte. Nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf Polen gelang Lemkin die Flucht über Schweden in die USA. Erst 1945 erfuhr er, daß seine Eltern und 49 weitere Familienmitglieder zu den sechs Millionen Juden gehörten, die von den Nazis während des Holocausts ermordet worden waren. Lemkin sah fortan seine Lebensaufgabe darin, Völkermord weltweit zu ächten.
Vater der Völkermordkonvention: Raphael Lemkin Foto: UN Wie hat Lemkin seine Mission erfolgreich umgesetzt? Kittel: Bevor im November 1945 der Prozeß gegen die NSHauptkriegsverbrecher begann, reiste Lemkin nach Nürnberg und versuchte die alliierten Ankläger davon zu überzeugen, den Völkermord in die Liste der Anklagen gegen die Naziführung aufzunehmen. Nach dem Prozeß setzte Lemkin seine Mission fort und reiste um die ganze Welt, um sich in die Debatte um eine UN-Völkermordkonvention einzubringen. Er machte es sich zur Lebensaufgabe, Menschen vor solchen Verbrechen zu bewahren und zu schützen. Nicht zuletzt dank seiner Bemühungen konnte Ende 1948 die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes verabschiedet werden. Lemkin wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert, aber seiner Arbeit blieb zu Lebzeiten die verdiente Würdigung versagt. Er starb 1959 arm und einsam in New York. Heute erinnert man sich an ihn als eine der Schlüsselfiguren im Kampf gegen Völkermord und staatliche Greueltaten. Wie hat Lemkin Völkermord definiert? Kittel: In Artikel 2 der UNVölkermordkonvention heißt es: „In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören: Tötung von Mitgliedern der Gruppe; Verursachung von schwerem körperlichen oder seeli-
Zur Person: Prof. Dr. Manfred Kittel
Prof. Dr. Manfred Kittel referierte am Heiligenhof im Rahmen der Seminarwoche „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ über das Thema „Angemessener Umgang mit unserer Vertreibungsgeschichte? Die UN-Völkermordkonvention von 1948 und die Debatten um den deutschen Exodus aus dem Osten – vom Konventionsbeitritt der Bundesrepublik 1954 bis heute“ . Fotos: Torsten Fricke schen Schaden an Mitgliedern der Gruppe; vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen; Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.“ Es geht also nicht um die Ermordung von einzelnen Menschen? Kittel: Es geht um die Zerstörung von Gruppen. Völkermord kann also nach der UN-Konvention sogar dann vorliegen, wenn kein einziger Mensch getötet worden ist. In Deutschland wird in der politischen Diskussion Völkermord vor allem als Synonym für den Holocaust verwendet. Wird mit dieser Ausweitung des Begriffs Völkermord nicht der Holocaust verharmlost? Kittel: Eine derart systematische und teilweise auch fabrikmäßige Ermordung von Menschen war ein in der Geschichte präzedenzloses Verbrechen, daran ändern auch Debatten um die Definition des Völkermords nichts. Im Gegenteil. Aufgabe der Wissenschaft ist es aber, anhand von Fakten zu argumentieren, zumal die weite UN-Definition 1954 auch vom Deutschen Bundestag parteiübergreifend von der CDU bis zur SPD akzeptiert und über den Paragraphen 220a Strafgesetzbuch in deutsches Recht überführt wurde. Als Beleg haben Sie ein Memorandum von Lemkin aus dem Jahr 1954 an den Bundestag entdeckt. Was steht in diesem Schreiben? Kittel: Anlaß war die Einladung der UN an die Bundesrepublik Deutschland, der Völkermordkonvention beizutreten. Der damalige FDP-Bundesjustizminister Fritz Neumayer übernahm die Völkermord-Definition von Lemkin und erklärte, man müsse nicht nur die „eigentliche Ermordung“ international unter Strafe stellen, sondern bereits Handlungen, die in der Absicht unternommen wurden, „eine Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. In den ersten deutschen Gesetzesentwurf, der die UN-Konvention in nationales Recht überführen sollte, schlich
sich allerdings ein Übersetzungsfehler ein. Das Verb „destroy“ wurde mit „auslöschen“ statt mit „zerstören“ übersetzt. Demnach läge Völkermord erst nach der Auslöschung einer Gruppe vor, eine Haltung, die etwa auch der sowjetischen Position während der Konventionsdebatten im Jahr 1948 entsprach. Der stark antikommunistisch gesinnte Lemkin warnte damals, daß diese Einengung es unmöglich machen würde, Vertreibung als Völkermord zu sanktionieren. Laut Lemkin reichte für den Tatbestand des Völkermords bereits die teilweise Zerstörung einer Gruppe aus. Lemkin schrieb in seinem Memorandum, er habe den Begriff Zerstörung speziell für den Zweck eingeführt, um die Beschädigung des soziologischen Gefüges der Gruppe „als solche“ hervorzuheben. Lemkin stand also auf dem Standpunkt, daß Vertreibung Völ-
Geboren am 2. Februar 1962 in Großhaslach (Mittelfranken), verheiratet, zwei Kinder, evangelisch. 2002: Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Romanistik in Erlangen und München. 1992: Promotion bei Prof. Dr. Horst Möller an der FAU Erlangen-Nürnberg. Von 1992 bis 2009: wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München 1999: Habilitation an der Universität Regensburg. 2005: Berufung zum außerplanmäßigen Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Regensburg. Von 2009 bis 2014: Direktor der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin. 2015: Menschenrechtspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. 2020: Veröffentlichung einer Studie zur Geschichte des Lastenausgleichs unter dem Titel „Stiefkinder des Wirtschaftswunders?“
seien, so Lemkin, zwar nicht ausgerottet worden, aber als nationale und ethnische Gruppe in ihrer Geschlossenheit und in ihrer Einheit zerstört worden. Jetzt kann man argumentieren, daß sich Sprache und Wortbedeutungen im Laufe der Zeit verändern und sich der Begriff Völkermord zum Synonym des Holocaust entwickelt hat. Wenn man jetzt Vertreibung unter dem Tatbestand Völkermord subsummiert, könnte das nicht als Revanchismus oder Verharmlosung des Holocaust mißverstanden werden? Kittel: Darauf würde ich mit der Gegenfrage antworten, ob
Prof. Dr. Manfred Kittel präsentierte bei seinem Vortrag auf dem Heiligenhof erstmals das Memorandum von Lemkin an den Bundestag. kermord ist. Hat er dabei auch die Vertreibung der Sudetendeutschen im Blick? Kittel: Ja. In einem zweiten Memorandum an den Bundestag thematisierte Lemkin sogar ausdrücklich die Vertreibung der Sudetendeutschen und warnte, die Beneš-Dekrete würden die „böswillige Absicht“ der tschechoslowakischen Regierung unterstreichen und deren „strafrechtliche Verantwortung“ gemäß der Völkermordkonvention belegen. Zwischen dem klaren Wortlaut der UN-Konvention und den Beneš-Verbrechen, so Lemkin, sollte ein deutsches Gesetz im Nachhinein keine „unklare und unzulängliche Formel“ einschieben. Die deutschen Vertriebenen
bei der Vertreibung der Deutschen unhistorische Relativierungen nur ein Kavaliersdelikt darstellen. Richtig ist doch Folgendes: In Deutschland, im Land des Holocausts, ist der Begriff Völkermord über lange Zeit, von den 1970er Jahren bis in die jüngste Gegenwart hinein aufs allerengste vor allem mit der Vernichtung der europäischen Juden in der NS-Diktatur verknüpft gewesen. Wer in meinem Alter oder jünger ist, kannte das lange gar nicht anders. Das heißt, es gab lange Zeit eine – verständliche – Scheu, den Begriff Genozid auch auf andere Verbrechen gegen die Menschheit anzuwenden. Die Scheu galt vor allem auch für die Vertreibung der
Deutschen aus dem Osten. Wann hat sich das geändert? Kittel: Es begann – und auch das muß man eben zur Kenntnis nehmen – in den 1990er Jahren mit dem Horror in Ruanda und Srebrenica, die beide weithin als Völkermord eingestuft wurden. 1999 verurteilten deutsche Gerichte zum ersten Mal einen Täter aufgrund von Paragraph 220a StGB, also wegen Völkermords. Dieser Paragraph wurde übrigens 2002 in ein eigenes Völkerstrafgesetzbuch überführt. Der Täter war ein bosnischer Serbe, der 1992 auf dem Balkan schwerste Verbrechen an Muslimen verübt hatte. Sein Pflichtverteidiger hatte argumentiert, dem Angeklagten sei es lediglich „um eine Vertreibung der Muslime gegangen, nicht um ihre Vernichtung“. Vertreibung, so der Verteidiger, reiche aber nicht aus, um jemanden wegen Völkermords zu bestrafen, denn dann würde, so der Anwalt, „auch die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei „unter Völkermord fallen“. Der Bundesgerichtshof hat höchstrichterlich diese Argumentation zurückgewiesen und sich auf die weite UN-Konvention gestützt. Völkermord, so der BGH, liege bereits dann vor, wenn man die Gruppenmitglieder der bosnischen Muslime in alle Welt zerstreue, da dann die Gruppe nicht mehr existiere. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Sichtweise 2000 bestätigt und eine Verfassungsbeschwerde zurückgewiesen, unter anderem deshalb, weil für den Tatbestand des Völkermords nicht unbedingt eine Tötung von Menschen vorliegen müsse. In der Begründung des Bundesverfassungsgerichts hieß es damals: „Die in Paragraph 220a StGB vorausgesetzte Absicht, eine Gruppe zu zerstören, ist schon nach dem Wortsinn umfassender als die der physisch-biologischen Vernichtung der Gruppe.“ „Vertreibung ist Völkermord“ hieß analog zu diesem höchstrichterlichen Urteil des BGH das Mot-
3 to des Sudetendeutschen Tages im Jahr 2006. Ein Historiker warf, womöglich ohne den Bundestagskonsens von 1954 zu kennen, den Sudetendeutschen daraufhin öffentlich eine „revisionistische Übertreibung“ und die Gleichsetzung der Begriffe Vertreibung und Holocaust vor. Kittel: Selbstverständlich können sich Begriffsdefinitionen ändern. Wir haben darüber auch in der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in den Jahren 2011/12 intensiv diskutiert. In der Ausstellungskonzeption haben wir vor dem Hintergrund eines damals noch ganz am Holocaust orientierten Genozidbegriffes in Deutschland Vertreibungen beziehungsweise ethnische Säuberungen vom Völkermord abgegrenzt und diesen als „Ermordung möglichst aller Angehörigen einer Gruppe“ definiert, also weitaus enger als in der UN-Konvention. Wie kam es dann zur Rückbesinnung auf die ursprüngliche Definition nach Lemkin? Kittel: Man muß sehen, daß es nach 2012 eine entscheidende Zäsur in der Begriffsdebatte gegeben hat: Der Bundestag hat zunächst 2016 die Verbrechen des Osmanischen Reiches an den christlichen Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord eingestuft. Im Mai 2021 hat dann das Hohe Haus in einer weiteren Resolution erklärt, die Herero in der deutschen Kolonie Südwestafrika seien ab 1904 Opfer eines Völkermordes geworden. Das kann man – wie übrigens schon Raphael Lemkin – so einschätzen, aber eben nur, wenn man einen weiten Genozidbegriff zugrunde legt. Und dann kommt man, wenn man keine sub-wissenschaftlichen Fake News produzieren will, um eine Schlußfolgerung nicht herum: Die Zerstörung der Gruppe als solcher ging etwa bei den Donauschwaben in der Wojwodina oder bei den Sudetendeutschen in Böhmen nach 1945 bestimmt nicht weniger weit als bei den Herero. Was raten Sie als Wissenschaftler der Politik? Kittel: Es wäre gut gewesen, wenn die Abgeordneten sich im Kontext ihrer jüngsten Herero-Resolution klar gemacht hätten, wie sie generell zu der Völkermord-Definition des Bundestages aus dem Jahr 1954 stehen. Man sieht hier, wohin Geschichtspolitik nach Konjunkturlage führen kann – in diesem Fall wohl vor allem der Blick auf die boomende KolonialismusBewältigung. Es wäre jedenfalls nicht gut, wenn die Vermutung aufkäme, aus Gründen der politischen Korrektheit könne von Völkermord tendenziell nur dann die Rede sein, wenn Deutsche auch Täter waren oder wie im armenischen Fall zumindest Mitwisser, während in Fällen, in denen Deutsche Opfer waren, aus Prinzip – oder wegen der Versöhnung oder aus welchen Gründen auch immer – nie ein Genozid vorgelegen haben dürfe. Man sollte schließlich auch eines nicht vergessen: Ein weites Genozidkonzept hat – jenseits rein historischer Einordnungen – große Vorteile für die Gegenwart. Man kann mit der moralischen Wucht des Völkermordbegriffes weltweit, von Darfur bis zu den Uiguren, die viel zu vielen Versuche auch heute anprangern, ethnische oder religiöse Gruppen zu zerstören. In der Rechtswissenschaft gilt der Grundsatz „Nulla poena sine lege – keine Strafe ohne Gesetz“. Der Völkermord-Paragraph ist in Deutschland 1954 in Kraft getreten, also nach der Vertreibung in den Jahren 1945 und 1946. Damit können die Täter von damals nach deutschem Recht nicht zur Verantwortung gezogen werden. Kittel: Es geht in der Tat nicht um eine strafrechtliche Verfolgung, sondern um eine faktenbasierte Aufarbeitung der Geschichte. Torsten Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19.11.2021
Beauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf zu Gast bei der Landeskulturtagung der SL-Hessen
Hessen startet Initiative zur Bewahrung der Heimatstuben Den Schwerpunkt der SL-Landeskulturtagung in Bad Nauheim haben die Heimatsammlungen der sudetendeutschen Heimatvereine und Kreisgruppen in Hessen und deren Zukunftsperspektive gebildet.
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L-Landesobmann Markus Harzer stellte in einer Präsentation hessische Heimatstuben vor, die er besucht hatte, und erläuterte ihre spezifischen Gegebenheiten. Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf nahm an der Kulturtagung teil und sicherte in ihrem Grußwort ihre Unterstützung und die der Hessischen Landesregierung bei der Zukunftssicherung der Heimatsammlungen zu. Sie berichtete von dem Projekt des Bundes der Vertriebenen (BdV), Landesverband Hessen, welches aktuell aus Kulturmitteln nach Paragraph 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) gefördert werde. Inhalt dieses Projektes, welches der BdV gemeinsam mit dem Hessischen Museumsverband durchführe, sei die Identifizierung, die Inventarisierung, Katalogisierung und schließlich Digitalisierung der noch rund 40 hessischen Heimatsammlungen der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge. Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf erklärte: „Hierfür besteht dringender Handlungsbedarf, da sich zuständige
BdV-Kreisvorsitzender Josef Plahl und Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf mit Trachtenpuppen aus der Heimatsammlung in Weilburg. Foto: LBHS Heimatkreise auflösen oder Betreuerstrukturen schwinden. Ich freue mich sehr darüber, daß dieses Thema auch von Landesobmann Markus Harzer für die SL-Hessen in Angriff genommen wird. Einige Heimatstuben befinden sich in gutem Zustand, bei anderen sind die Räumlichkeiten durch Kündigung in Gefahr oder auch Eigentumsverhältnisse an Ausstellungsstücken ungeklärt.“ Insoweit müsse bei jeder Hei-
matsammlung die Situation individuell und gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort betrachtet und geklärt werden. Den Kommunen komme dabei ebenfalls eine besondere Aufgabe zu, ihre ihnen zuwachsende Verpflichtung für die Heimatsammlungen wahrzunehmen. „Wenn Heimatsammlungen nicht mehr selbständig bestehen können, ist es der Königsweg, wenn die Kommune die Verantwortung für
die Sammlung übernimmt. Dabei kann das Land Unterstützung leisten. So wie die Heimatvertriebenen nach dem Krieg in den Städten und Dörfern auf- und angenommen wurden, wäre es ein Abbild des endgültigen Angekommen-Seins, wenn auch deren Sammlungen in den Museen der jeweiligen Orte ihren dauerhaften Platz finden und so zum selbstverständlichen Teil der örtlichen Geschichte werden“, so die Landesbeauftragte. Sie verwies außerdem auf ein Projekt der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zur Virtualisierung besonderer Ausstellungsstücke in einzelnen Heimatstuben, das seit Sommer 2021 mit Unterstützung des Landes in Hessen durchgeführt werde und auch in 2022 fortgeführt werden solle. Künftig könne man auf diese Weise aus allen Gegenden der Welt digital auf die hessischen Heimatsammlungen zugreifen und sich die Ausstellungen online erschließen. Die Trachtenpuppensammlung des BdV Limburg-Weilburg war durch das Team der Kulturstiftung als erste hessische Heimatstube virtualisiert worden. BdV-Kreisvorsitzender Josef Plahl stellte Trachtenpuppen aus dieser Heimatsammlung des BdV-Kreisverbandes Limburg-Weilburg vor und freute sich sichtlich über die Dokumentierung und Sicherung der Sammlung.
VERANSTALTUNGSKALENDER
Podiumsgespräch
Der verhängnisvolle Erlaß und seine Folgen Dienstag, 23. November, 19.00 Uhr: „Der verhängnisvolle Erlaß und seine Folgen. Zum 80. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der UdSSR“. Referent: Dr. Viktor Krieger. Am 28. August 1941 begann das schwärzeste Kapitel in der Geschichte der Rußlanddeutschen: An diesem Tag wurde der Erlaß von Stalin (Foto: Wikipedia) verkündet, aufgrund dessen alle Sowjetbürger deutscher Herkunft aus ihren historischen Siedlungsgebieten
nach Sibirien und Zentralasien verbannt wurden. Referent Dr. Viktor Krieger (geboren 1959 in Kasachstan) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Rußland e. V. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
Adventssingen auf dem Heiligenhof Donnerstag, 25. bis Sonntag, 28. November, Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk: Adventssingen. Nach einjähriger, pandemiebedingter Pause treffen sich zum 58. Mal auf dem Heiligenhof bei Bad Kissingen Alt und Jung, um mit dem traditionellen Adventssingen die Weihnachtszeit einzuläuten. Unter der Leitung von Astrid Jeßler-Wernz werden mit Schwerpunkt auf Böhmen und Mähren Chorsätze alter und neuer Meister und Lieder zur Weihnachtszeit gesungen. Auch Instrumentalgruppen werden sich zusammenfinden, wenn viele ihre Instrumente mitbringen. Volkstanz steht ebenfalls auf dem Programm – immer corona-konform. Um musikalische Erinnerungen mitzunehmen, wird das Chorprogramm zusätzlich aufgenommen werden. Alle, die gerne singen, musizieren und tanzen, sind herzlich willkommen. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Noch bis Sonntag, 21. November, Sudetendeutsches Museum: Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch. Alfred-Kubin-Galerie, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Noch bis Samstag, 15. Januar: Verblichen, aber nicht verschwunden. Eine Spurensuche im Böhmerwald. Ausstellung in der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Öffnungszeiten der Ausstellung: montags und mittwochs von 10.00 bis 17.00 Uhr, dienstags und donnerstags von 10.00 bis 19.00 Uhr sowie freitags von 10.00 bis 14.00 Uhr. Samstags auf Anfrage, sonn- und feiertags geschlossen. Noch bis Montag, 31. Januar November: Zerbrechliche Heilige – Rumänische Hinterglasikonen aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim. Glasmuseum Rheinbach, Himmeroder Wall 6, Rheinbach. Samstag, 20. November, 10.00 bis 16.00 Uhr, Sudetendeutsche Landsmannschaft Baden-Württemberg und weitere Verbände: 1. Ostdeutscher Adventsmarkt. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Dienstag, 23. November, 18.00 bis 20.00 Uhr, Heiligenhof Online-Seminar: Schicksal zwischen Böhmen und Bonn: Wenzel Jaksch zum 125. Geburtstag. Gespräch mit dem Historiker Dr. Thomas Oellermann und dem Journalisten Ulrich Miksch. Anmeldung: info@heiligenhof.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de
Samstag, 27. November, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Jahreshauptversammlung. Gaststätte Moosing, Oberobsang 11, Bayreuth. Samstag, 27. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Düsseldorf: Weihnachtsfeier. Gerhart-Hauptmann-Haus, Konferenzraum (EG), Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Anmeldung: Telefon (0 21 59) 73 75. Sonntag, 28. November, 15.00 Uhr, Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich: Traditionelles Adventsingen. Haus der Heimat, Steingasse 25, Wien. Bereits ab 12.00 Uhr ist der traditionelle Adventsmarkt der SdJÖ, der Sudetendeutschen Jugend und mittleren Generation, im 2. Stock des Hauses der Heimat geöffnet. Dienstag, 30. November, 18.00 bis 20.00 Uhr, Heiligenhof Online-Seminar: Fußball unterm gelben Stern in Theresienstadt. Gespräch mit dem Historiker Dr. Stefan Zwicker. Anmeldung: info@heiligenhof.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland.
Die bewährte Vorstandschaft der Seeliger-Gemeinde München, vordere Reihe von links: Gerti Bock (Ältestenrat), Herta Langosch und Gerhard Barenbrügge (Vorsitzende), Walburga Steffan (Kasse), Waldemar Deischl (Bildungsreisen); hintere Reihe von links: Gisela Hüttisch, Edi Göttlicher (Revisor) und Peter Friedl (Schriftführung).
Seliger-Gemeinde München
Viel Programm fürs Jahr 2022
Die Neuwahl des Vorstands und die Planung der Aktivitäten für das Jahr 2022 sind die wichtigsten Themen auf der Jahreshauptversammlung der SeligerGemeinde München im Haus des Deutschen Ostens gewesen.
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Für die Mittwochsrunde am 30. März 2022 ist ein Dia-Vortrag von Gisela Hüttisch zum Thema „Bauernkriegspanorama des Malers Werner Tübke“ (frühbürgerliche Revolution in Deutschland um 1525) geplant. Für das Wochenende vom 22. bis 24. April 2022 steht die Beteiligung am Frühjahrsseminar in Bad Alexandersbad und vom 2. bis 6. Mai 2022 die Pragreise der Regionalgruppe München/ Dachau auf dem Programm. Im Verlauf des Jahres sind außerdem ein Besuch des Hauses der bayerischen Geschichte in Regensburg und das Sommerfest im Biergarten bei der Gruppe Dachau geplant. Im Anschluß stellte Rainer Pasta, Ausstellungsbeauftragter der Seliger-Gemeinde, das Konzept der neuen Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ der Versammlung vor. Im Weiteren wies Pasta die Regionalgruppe München/ Dachau auf die neue Homepage der Seliger-Gemeinde und die Möglichkeit sich als Untergliederung hier einzubinden hin. „Gerade die Seliger-Gemeinde München/Dachau mit ihren vielfältigen und interessanten Aktivitäten muß den Schritt
ach den Berichten des Vorstandes und der Kassiererin wählte die Versammlung die neue Vorstandschaft. Die bewährten Vorsitzenden Herta Langosch-Schecker und Gerhard Barenbrügge wurden in ihrem Amt für weitere zwei Jahre einstimmig bestätigt. Auch die Kasse bleibt in den bewährten Händen von Walburga Steffan und Mathilde Pollak. Als Revisoren wurden Eduard Göttlicher und Herbert Schlumperger bestimmt. Die Aufgaben der Schriftführung übernehmen erneut Monika Feist und Peter Friedl. Auch die Beisitzer wurden erneut bestätigt. Die Verbindung zur Gruppe Dachau halten auch zukünftig Wera Assmann und Hans Otte, für die Kulturund Inforeisen zeichnen Waldemar Deischl und Bärbel Chiari verantwortlich. Die Mittwochsrunde wird weiterhin von Herta Langosch-Schecker und Gerhard Barenbrügge organisiert. Als Ältestenrat beraten Gerti Bock sowie Gerti und Karl Garscha die Vorstandschaft. Bei den Planungen für 2022 zeigten sich die Stärken der RG München/ Dachau. Die Weihnachtsfeier der Gruppe Dachau am 28. November sowie die Weih- In der Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ wernachtsfeier der den berühmte Vertreter der Seliger-Gemeinde, wie der Gruppe Mün- Sudetendeutsche Volkmar Gabert, vorgestellt. chen/Dachau im Augustiner mit Tombola sind in die Öffentlichkeit gehen. Die zwei feste Termine im Jahresver- Präsenz in der Tagespresse zu lauf, auf die sich die Mitglieder erreichen, ist in München sehr freuen. Geselligkeit spielt in der schwierig, deshalb ist es unumSG München/Dachau eine große gänglich über eine Homepage Rolle. Dazu kommt die regelmä- und in den sozialen Medien über ßige Auseinandersetzung mit ak- die eigenen Aktivitäten zu infortuellen gesellschaftspolitischen mieren“, so Pasta. Themen, die in den sogenannViele SG-Untergliederungen ten Mittwochsrunden monatlich wären froh, ihre Mitglieder so stattfinden. nah und eine interessierte ÖfAm 26. Januar 2022 steht eine fentlichkeit so vielfältig um sich Diskussion zum Thema „Situati- zu haben. Dieses Potential gelon des Bundesverbandes und die te es zu nutzen. „Die Werte und Auswirkungen auf die Regional- Ziele der Seliger-Gemeinde sind gruppe“ auf dem Programm. heute so aktuell und interessant Am 23. Februar 2022 wird in wie vor 70 Jahren. Das Interesder Mittwochsrunde der nostal- se an der Geschichte der Sudegische Film unseres Mitglieds tendeutschen Sozialdemokratie Horst Herz über das Seminar in und den Aktivitäten der Seligerder Burg Hohenberg 2008 und Gemeinde interessiert auch vieden Besuch der Stadt Aussig ge- le Nicht-Mitglieder“, schloß Pazeigt. sta seinen Appell.
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
� Mut tut gut
Kindheit, Königreich und Krone A
Namhafte Brückenbauer diskutierten auf dem Deutsch-Tschechischen Gesprächsforum in Brünn (von links): Libor Rouček, Pavel Fischer, Tomáš Petříček, Bernd Posselt, Milan Horáček und Lubomir Zaorálek. Fotos: Wikipedia/Czech Tourism
� Deutsch-Tschechisches Gesprächsforum tagte in Brünn
Europa bedeutet Verantwortung für die gemeinsame Geschichte Es mag der Geist des Mährischen Ausgleichs von 1905 sein, der Tschechen und Deutsche immer wieder in der alten mährischen Landeshauptstadt Brünn zusammenführt – sei es bei den jährlichen Tagungen der AckermannGemeinde, sei es beim Brünner Friedensmarsch und der großen Begleitveranstaltung „Meeting Brno“, die aus diesem erwachsen ist und an der sich Jahr für Jahr viele Sudetendeutsche beteiligen.
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un tagte in der zweitgrößten tschechischen Stadt schon zum zweiten Mal das 1998 von den Regierungen in Prag und Berlin eingerichtete DeutschTschechische Gesprächsforum. Dieses begann wie meist mit der Arbeitssitzung des alle Aktivitäten koordinierenden Beirats, dem jeweils 15 von den beiden Regierungen benannte Mitglieder angehören. Dies sind derzeit von sudetendeutscher Seite Volksgruppensprecher Bernd Posselt, die Co-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde, Helena Päßler, der Bundesgeschäftsführer der AckermannGemeinde, Matthias Dörr, Karls-Preisträger Milan Horáček, zugleich Mitglied des BdV-Präsidiums, und die Geschäftsführerin des Adalbert-Stifter-Vereins, Zuzana Jürgens. Die deutsche Minderheit in der Tschechischen Republik repräsentiert der Vorsitzende von deren Landesversammlung, Martin Dzingel. Die Leitung dieses Gremiums, zu dem auch Abgesandte aller wichtigen politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen in beiden Ländern zählen, hatte diesmal neben dem früheren tschechischen Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes Libor Rouček von deutscher Seite Bernd Posselt inne, da er als Gründungsmitglied seit 1998 von allen Seiten respektiert wird und der eigentliche Leiter, Bundesminister a.D. Christian Schmidt, als Hoher Beauftragter der internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina länger als geplant in Sarajewo festgehalten wurde. Von den Arbeitsgruppen des Beirates hatte nur die von Milan Horáček und
Bernd Posselt geführte, die den Titel chologischen Nachwirkungen der Pan„Dialog ohne Tabus“ trägt und sich ohne demie, insbesondere die damit verbunScheuklappen auch mit brisanten sude- denen Grenzschließungen, um europätendeutschen Themen befaßt, trotz Co- ische Werte in einer sich wandelnden rona in Haindorf im Isergebirge getagt Welt, um eine bessere Zusammenarbeit und einen umfangreichen Bericht vor- zwischen den Grenzregionen, um gegelegt. Erfreulich war, daß sich die bei- meinsame Initiativen für die EU-Konfeden neuen Vorsitzenden des Deutsch- renz zur Zukunft Europas, um die miseTschechischen Jugendforums, Marie rablen Verkehrsverbindungen insbesonBělohoubková aus Prag und Felix Hä- dere bei der Eisenbahn sowie um eine ring aus Vilshofen, sehr interessiert für bessere grenzüberschreitende Vernetdie Mitarbeit in dieser Sektion melde- zung in Sachen Digitalisierung und Kliten, obwohl zuvor ältere Teilnehmer die mapolitik. Geschichte vehement für erledigt hatUnter der Leitung des tschechischen ten erklären wollen. Nächstes Jahr soll Senators Pavel Fischer, eines der schärfder Beirat des Gesten Kritiker von sprächsforums im Staatspräsident Frühling im neuMiloš Zeman, legen Museum für ten das Institut für die Deutschen der Demoskopie in AlBöhmischen Länlensbach und die der in Aussig zutschechische Partsammentreten, nereinrichtung die Jahrestagung Stem Ergebnisse ist dann für den einer MeinungsHerbst in Bayern umfrage über die geplant. deutsch-tschechiDer langjährige Marie Bĕlohoubková und Felix Häring, hier schen BeziehunKulturminister Da- bei einem Gespräch mit Bundespräsident gen vor, die belegniel Herman, Trä- Frank-Walter Steinmeier. te, daß in beiden ger des Europä- Foto: Bundespresseamt/Archiv Ländern die Zuischen Karls-Preistimmung zur Euses der Sudetendeutschen 2021, verwies ropäischen Einigung wieder wächst und darauf, daß die Paneuropa-Union als äl- die dunklen Seiten der gemeinsamen teste europäische Einigungsbewegung Geschichte weniger als früher als bela2022 ihr hundertjähriges Bestehen feie- stend eingestuft werden. re. Da sie von Böhmen ausgegangen Im Gesprächsforum herrscht ein sehr sei, gelte es auch bei der Jahreskonfe- weitgehender Konsens, daß dies mit eirenz und während der parallel dazu ver- ner immer intensiveren Aufarbeitung laufenden tschechischen EU-Ratspräsi- auch von heiklen Themen wie der Verdentschaft auf dieses Jubiläum, das so- treibung einhergeht, die auch der Vorwohl für die Zukunft Europas als auch sitzende Libor Rouček in seinen beiden für dessen Wertefundament von großer Reden ohne jede Scheu aufgriff. Bedeutung sei, einzugehen. Der scheidende tschechische KulturDie eigentliche Jahreskonfe- minister, Lubomir Zaorálek, legte in eirenz, an der auch der stellvertreten- ner tiefgründigen Ansprache dar, daß de SL-Bundesvorsitzende Steffen Hört- der ehemalige Osten und der ehemaliler teilnahm, fand am zweiten Tag im ge Westen nach wie vor „in sehr unter„Haus der Herren von Podiebrad und schiedlichen Geschichten leben“. GeKunstadt“ (Schmetter-Haus) in der Do- linge hier keine Annäherung durch Diaminikanergasse statt. Es ging um die log, könne dies desintegrierend auf schwerwiegenden politischen und psy- Europa wirken: „durch eine Rückkehr zu
rigidem Nationalismus und einer zerstörerischen Vergangenheit“. Ein leidenschaftliches europäisches Plädoyer legte der noch bis vor kurzem amtierende junge Außenminister Tomáš Petříček ab, der diesen Sommer auch persönlich am Brünner Friedensmarsch teilgenommen hat. Er kritisierte scharf Tendenzen in den EU-Mitgliedstaaten zur Renationalisierung. Das europäische Wiederaufbauprogramm zur Überwindung der Coronakrise müsse für Gemeinschaftsprojekte genutzt werden, die wirklich ganz Europa voranbringen, statt lauter einzelstaatliche Vorhaben ohne Koordination zu finanzieren. Gerade die Förderung des Europäischen Schnellbahnnetzes könne Deutsche und Tschechen enger zusammenbringen. Ähnlich äußerten sich auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt und der tschechische Vizeminister für Verkehr, Jan Sechter, vielen Sudetendeutschen aus seiner Zeit als Gesandter in Berlin und als Botschafter in Wien bekannt. Bernd Posselt nutzte die Tagung in Brünn für ein weitergehendes Besuchsprogramm. Dazu gehörten ein Treffen mit zwei jüngeren Politikern der christdemokratischen Partei KDUČSL, nämlich dem Vize-Regionalhauptmann von Südmähren, Jan Zámečník, und dem stellvertretenden Oberbürgermeister von Brünn, Petr Hladík, sowie ein fröhlicher Abend beim ehemaligen Senator Zdeněk Papoušek, der mehrfach Gast bei Sudetendeutschen Tagen war und sich nach seinem Ausscheiden aus der Politik den Traum erfüllt hat, ein sehr schönes Brünner Beisl zu eröffnen. Als Schlußpunkt des Brünn-Aufenthalts besuchte der Sprecher – freundlich begrüßt von Pfarrer František Vavruša, Karel Pažourek und Miriam Kolařová – in der Vorstadt Lesna die vor zwei Jahren dort errichtete und noch nicht ganz vollendete, aber sehr beeindruckende Kirche, die der von den Nationalsozialisten ermordeten Ordensfrau Restituta Kafka geweiht ist, die Tschechen und Sudetendeutsche verbindet.
� Bayerns Innenminister Joachim Hermann zum Volkstrauertag
„Brauchen eine lebendige Erinnerungskultur“ Bei der zentralen Landesfeier zum Volkstrauertag hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann als Vertreter des Ministerpräsidenten der Opfer von Krieg, Haß und Gewalt gedacht.
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n der Münchner Residenz mahnte der Staatsminister, gerade in der heutigen Zeit die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte –
den Nationalsozialismus – aufrecht zu erhalten: „Nur wer sich erinnert, kann aus dem Vergangenen lernen. Wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur.“ Der Frieden in Europa sei das wohl kostbarste Geschenk an die hier lebenden Menschen und von unschätzbarem Wert. Sorge bereiten dem Innenminister daher die Negativentwicklungen in der
Gesellschaft: „Haß, Verrohung und Gewaltbereitschaft nehmen leider zu. Und auch Links- und Rechtsextremismus verzeichnen deutliche Zuwächse.“ Laut Herrmann haben sich im Schatten der Corona-Pandemie neue demokratiefeindliche Strömungen gebildet, die bisweilen sogar zum ‚Systemsturz‘ aufrufen. „Hier gilt: Wehret den Anfängen. Wir dürfen dieser Entwick-
lung nicht tatenlos zusehen“, so Joachim Herrmann. Der Innenminister rief deshalb dazu mit Leidenschaft für Frieden und Freiheit einzutreten: „Zeigen wir den Feinden unserer Gesellschaftsordnung: Wir sind eine wehrhafte Demokratie – fest entschlossen, Toleranz, Freiheit und Frieden in unserem Land mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen.“
nläßlich hoher runder Geburtstage besuche ich als Pfarrer immer wieder Angehörige meiner Kirchengemeinde. Neulich war ich bei einer 90-jährigen Frau. Es war – wie häufig – von der ersten bis zur letzten Minute eine schöne Begegnung. Im Gespräch führte mich die Jubilarin zurück in die Kindheit. Sie erzählte vom Aufwachsen in einer großen Geschwisterschar, von ihren Eltern, die den Kindern eine Atmosphäre der Geborgenheit vermittelt hätten, von den religiösen Gebräuchen in der Familie und im Dorf sowie von der Mitarbeit in der Landwirtschaft und dem damit gegebenen unmittelbaren Bezug zur Natur. Zufrieden lehnte sie sich zurück und sagte: „Meine Kindheit war ein Königreich.“ Diese Aussage klingt seither in mir nach. Sie hat mich dazu angeleitet, im Gedanken auch das Königreich meiner eigenen Kindheit aufzusuchen. Zugleich erinnere ich mich an einen Heimatbesuch vor wenigen Wochen, bei dem ich in das Königreich meiner Nichten und Neffen eintreten durfte. Besonders als ich mich mit der jungen Verwandtschaft ins gemeinsame Spiel vertiefte, war alles Schwierige und Belastende, wie es in jedem Menschenleben vorkommt, weggefegt. Es zählte nur mehr der Augenblick und das unbeschwerte Miteinandersein. Eine erfüllte und erfüllende Zeit. Im Markusevangelium, das in katholischen Gottesdiensten als Leittext im zu Ende gehenden Kirchenjahr diente, eröffnet Jesus von Nazareth sein öffentliches Wirken mit der Erklärung: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ Im griechischen Originaltext steht an dieser Stelle nicht bloß „Reich“, sondern „Königreich Gottes“. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, meine ich, daß wir durchaus bei ganz persönlichen Königreich-Erfahrungen ansetzen können. Mehr noch: Was wir in unserem Leben als königlich erfahren, worüber wir uns königlich freuen, was wir wie die Könige genießen, das vermittelt uns zugleich auch eine Vorahnung und einen Einblick in das große Königreich, das Jesus verheißen und zu dem er eingeladen hat. Noch etwas fällt mir hier ein. William Shakespeare läßt in seinem berühmten Königsdrama Richard III. ausrufen: „Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!“ Vielleicht sollten wir den Satz besser umdrehen: „Ein Königreich, mein Pferd für ein Königreich!“ Momente erfüllter und erfüllender Zeit sind ein Geschenk. Dafür lassen sich aber auch Vorbedingungen schaffen. Das Pferd steht als Symbol für Kampf und Konkurrenz. Diese Komponenten menschlichen Strebens gilt es zurückzustellen, um den lichten königlichen Sehnsuchtsort unserer Seele zu erreichen. Dann kann sich erfüllen, was in Psalm 21 geschrieben steht: „An deiner Macht, Herr, freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut. Du hast ihm den Wunsch seines Herzens erfüllt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten. Du kamst ihm entgegen mit Segen und Glück. Du kröntest ihn mit einer goldenen Krone.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
73. Verbandstag des BdV-Landesverbandes Hessen
PERSONALIEN
Ortmann bleibt Chef Die Deutsche Botschaft in Prag, Botschafter Andreas Künne und Landrat Franz Löffler.
Cham und Prag
Landrat bei Botschafter Franz Löffler, Landrat des Oberpfälzer grenznahen Landkreises Cham, besuchte Andreas Künne, den Deutschen Botschafter in Prag.
T
hemenschwerpunkt war, den Dialog der bayerischen Landkreise an der Grenze mit den angrenzenden tschechischen Regionen besser zu gestalten. Wichtig ist Künne und Löffler, einen gemeinsamen Wirtschaftsund Lebensraum mit ungehindertem Austausch zu schaffen.
Trotz der steigenden CoronaInzidenzen wollen Löffler und Künne Grenzschließungen möglichst vermeiden. Einig waren sie sich, daß das Erlernen der tschechischen Sprache auf deutscher Seite noch mehr gefördert werden müsse. Künne betonte, daß der grenzüberschreitende Austausch für die Botschaft wichtig sei. Er versprach, die Entwicklung des grenzüberschreitenden bayerisch-böhmischen Wirtschafts- und Lebensraumes zu unterstützen.
Hiermit abonniert man diese Zeitung Ich/wir bestelle/n zum Bezug per Postzustellung die Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr)
Mitte Oktober versammelten sich Delegierte aus den hessischen BdV-Kreisverbänden und den Landsmannschaften zu ihrem 73. ordentlichen Landesverbandstag im Wilhelm-KempfHaus, der Tagungsstätte des Bistums Limburg, in Wiesbaden-Naurod.
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ei der Neuwahl des Vorstandes wählten die Delegierten Siegbert Ortmann erneut zu ihrem Vorsitzenden. Rose-Lore Scholz und Wilhelm Beer sind seine Stellvertreter. Zuvor hatte Ortmann Margarete Ziegler-Raschdorf, die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, begrüßt. Sie ging auf die vergangenes Jahr erhöhten finanziellen Zuwendungen der Landesregierung für den BdV-Landesverband ein. Diese Mittel seien im Vergleich mit anderen Bundesländern in ihrer Höhe einzigartig und die Voraussetzung für die Erfüllung der umfangreichen Aufgaben gemäß § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG). Ziegler-Raschdorf freute sich, daß trotz mancher Corona-Einschränkung zahlreiche Projekte gemeinsam erfolgreich durchgeführt worden seien. Dabei verwies sie auf die baldige Vergabe des 6. Hessischen Landespreises „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ und auf die kürzliche Präsentation über den aktuellen Stand des Ausstellungsprojektes „Vertriebene in Hessen“ im Freilichtmuseum Hessenpark. Ortmann zählte die zahlreichen Aktivitäten des BdV-Landesverbandes im vergangenen Jahr auf. „Den Anstoß zu solchen neuerlichen Verbandsaktivitä-
Kultur sowie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gewesen. So sei es der BdV-Landesgeschäftsstelle gelungen, trotz spürbarer Einschränkungen zahlreiche Impulse aus der Vertriebenenszene als Projekte in den sozialen Medien zeitnah umzusetzen. „Damit stellen sich für mich die sozialen Netzwerke zunehmend als bestens funktionierende Transmissionsriemen bei der Umsetzung der Verbandsarbeit dar.“ Seit seiner Amtsübernahme als BdV-Landesvorsitzender 2012 habe er, so Ortmann, eine präzise Zukunftssicherung immer als Herausforderung für den hessischen Landesverband betrachtet. Mit dem Dreiklang „Bewahren, Erinnern, Versöhnen“ habe er für ein einheitliches Verständnis über das verbandspolitische Wirken geworben und seine Aktivitäten darauf ausgerichtet.
Bewahren, Erinnern, Versöhnen Unter Bewahren sei eine möglichst umfassende Sicherung des mannigfachen Kulturgutes der Vertriebenen in Form von traditionellem Brauchtum und musealen Darstellungen zu verstehen. Dazu gehörten aber auch die Pflege und Unterstützung sowie Weiterentwicklung des deutschen Kulturgutes und der deutschen Sprache in den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten. Erinnern stehe für den Erhalt der Erinnerungskultur mit dem Bekenntnis zur geschichtlichen Wahrheit über die europäischen Vertreibungstragödien nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesen Zusammenhang gehörten auch die
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und wähle/n folgenden Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift
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Siegbert Ortmann dankt für die Wiederwahl. ten hat uns übrigens die Zeit der Covid-Pandemie gegeben, in der wir trotz erheblicher Einschränkungen im In- und Ausland neue Wege für unsere Verbandstätigkeit über die digitalen Medien mit gutem Erfolg gefunden haben.“ Dies sei vor allem bei der
brutalen Menschenrechtsverletzungen auf allen Seiten. Erinnern müsse deshalb auch heißen, nicht nur der eigenen inneren Stimme zu folgen, sondern auch andere wahrheitsgemäße Ansichten zu respektieren. Es müsse also in die Erinnerung an die
eigenen Leiden und Opfer auch die andere Seite mit ihrem Leid und verbunden mit Schuld und Scham eingebunden sein. Als Vorstufe zum Versöhnen gelte eine vertrauensvolle Verständigung, die nur im Geiste eines regelmäßigen Dialogs aufgebaut werden könne. Der hessische BdV mit dem von ihm gegründeten Deutsch-Europäischen Bildungswerk führe auf diesem Sektor seit Jahrzehnten Bildungs- und verständigungspolitische Seminarreisen erfolgreich in die ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete durch. Auch in Zukunft werde man als anerkannter Brückenbauer den Dialog über die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft mit den osteuropäischen Nachbarn und den dortigen deutschen Minderheiten vor Ort im Rahmen der staatlich geförderten Seminarreisen intensivieren. Ortmann: „Der Orientierungsrahmen macht deutlich, daß sich der BdV in Hessen als anerkannte relevante Gruppe inmitten unserer Gesellschaft auch in Zukunft zur Bedeutung des ostdeutschen Kulturerbes und dessen zukünftiger Sicherung und Weiterentwicklung bekennt und einbringt. Unser Landesverband wird deshalb weiterhin zielstrebig die Sicherung des Geschichts- und Kulturerbes der Heimatvertriebenen sowie das Gedenken an Flucht, Vertreibung und Deportation im öffentlichen Bewußtsein, und zwar unabhängig vom Vorhandensein einer Erlebnisgeneration, gewissermaßen als Alleinstellungsmerkmal voranbringen. Zukünftiges erfolgreiches Wirken des Bundes der Vertriebenen in Hessen braucht kreatives Handeln, Initiative und Mut zur Veränderung in eine neue Zeit. Der BdV-Hessen muß die eigentliche Ideenschmiede für neue Projekte im gesamten Vertriebenenspektrum sein. Und er muß sich immer wieder den damit verbundenen Herausforderungen stellen. Der aufgezeigte Orientierungs-Dreiklang weist uns dazu den richtigen Weg in eine gesicherte Zukunft.“ Ortmann dankte der Landesregierung und dem Landesparlament für die Unterstützung. Diese sei selbst unter Hinweis auf § 96 BVFG keineswegs selbstverständlich. Dies bewiesen die entsprechenden Haushaltsrahmen im Ländervergleich.
Neuerscheinung
45 Jahre und eine Nacht Kürzlich erschien Gernot Maria Grohs‘ Novelle „45 Jahre und eine Nacht“.
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er promovierte Musikwissenschaftler Gernot Maria Grohs ist Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste sowie Träger des Sudetendeutschen Kulturpreises für Musik 2010. Seine sudetendeutschen Wurzeln liegen im Altvaterland in Nordmähren. Sein Vater German war 1932 in Braunsdorf im Kreis Jägerndorf zur Welt gekommen und hatte das Gymnasium in Troppau besucht. Im Zuge der Vertreibung mit seiner Mutter und seiner Großmutter – der Vater war noch im Krieg – erlebte er wie so viele Schicksalsgefährten unglaublich Böses. In Leipzig studierte er Veterinärmedizin. Erst gegen Ende seines Lebens – er starb 2003 – erzählte er davon.
Schließlich war die Vertreibung dungsbürgertum detailgetreu zu Zeiten der „DDR“ ein Tabu. und packend zu zeichnen. Die Grohs ist auch Komponist, Mu- Charaktere dieser Novelle wersikpädagoge, Cellist und Buch- den in Grohs‘ Schilderung so leautor. Der Direktor des Zweck- bendig, als würde man neben ihverbandes Musikschule Johann nen am Tisch sitzen. Nepomuk Hummel in Weimar Leseprobe: „Dann brachist Mitautor einiger Musiklexika ten wir alles zur SERO-Annahund -Enzyklopädien wie „Musik mestelle alias Altwarenhändler, in Geschichte und auch RumpelmännGegenwart“. Sein chen genannt. Kein jüngstes Werk ist alMensch weiß heulerdings eine Novelte noch, was SERO le. bedeutete, SekunEine unbedachdärrohstoffe. Ich te Äußerung verurlach‘ mich noch sacht ein zwischenjetzt schief über diemenschliches Bese komischen Wortben, das schließlich schöpfungen von eine schmerzliche damals. Oder kennt Lebenslüge offenihr noch den Slobart. Gernot Magan ,Max braucht ria Grohs versteht Gernot Maria Grohs: „45 Schrott‘? Wo ist sie es, auf wenigen Sei- Jahre und eine Nacht“. hin, diese verrückte ten Lebensläufe von Rosenfeld-Verlag, Wei- Zeit und diese aufMenschen aus dem mar 2021, 148 Seite, 9 geblasene DDR?“ ostdeutschen Bil- Euro. (9 783980 607513) Nadira Hurnaus
Andreas Schmalcz, seine Ehrenurkunde und Bayerns BdV-Vorsitzender Christian Knauer. Bild: Susanne Marb/BdV
Ehrennadel des BdV
Andreas Schmalcz geehrt Anfang November zeichnete der BdV Andreas Schmalcz im Rahmen der Klausurtagung des BdV-Landesausschusses Bayern in München mit seiner Silbernen Ehrennadel aus.
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er am 4. Mai 1965 im thüringischen Weimar geborene Andreas Schmalcz hat ungarndeutsche Wurzeln. Er lernte Restaurant- und Veranstaltungsfachmann und war als Wehrpflichtiger der Nationalen Volksarmee in der „DDR“ folgerichtig im Verpflegungsdienst tätig. 1987 verließ er die „DDR“ Richtung Ungarn in der berechtigten Hoffnung, dort sei das kommunistische Regime etwas verträglicher. Zunächst fand er Arbeit in Bad Bük, deutsch Wichs. Bad Bük gehört zu den größten Thermalbädern Ungarns und liegt in Westungarn an der Grenze zum österreichischen Burgenland. Anschließend arbeitete Schmalcz in der Donau-Metropole Budapest. Im Februar 1990 – kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und wenige Monate vor der Deutschen Wiedervereinigung – lockte ihn eine gut dotierte Arbeitsstelle an die Isarmetropole München. Fünf Jahre später wurde er Mitglied der CSU. Schon bald engagierte sich der ungarndeutsche Abkömmling bei der Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV), der ältesten Arbeitsgemeinschaft der CSU. Wenig später begann er, ehrenamtlich beim Bund der Vertriebenen und bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft mitzuarbeiten. Seit 2007 half er bei der SL-Bezirksgruppe Oberbayern, seit 2013 engagierte er sich bei der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Doch 2014 hatten seine landsmannschaftlichen Aufgaben ein solches Ausmaß angenommen, daß er von der SL fest angestellt wurde. Heute leitet er die Geschäftsstelle der SL-Landesgruppe Oberbayern und arbeitet für die Heimatpflegerin. Für CSU und BdV ist er weiter ehrenamtlich im Einsatz. Bei der Auszeichnung mit der Silbernen Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen würdigte BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer in seiner Laudatio das langjährige Engagement von Andreas Schmalcz in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und im Landesvorstand des BdV Bayern. Letzterem gehört er seit Mai 2011 an. Seit 2010 arbeitet er zudem als Stellvertretender Vorsitzender im BdV-Bezirksverband Oberbayern mit. Schmalcz, so Knauer, habe sich in all den Jahren als engagierter Mitstreiter gezeigt und dabei die Heimatund Brauchtumspflege stets als Herzensangelegenheit betrachtet. Nadira Hurnaus
Der Adalbert-Stifter-Verein (ASV) hatte zu eine Autorenvorstellung eingeladen. Thema war der Schriftsteller und Wissenschaftler Wolfgang Schmidt (1923–2013). Die Romane nach Kanada emigrierten Autors spielen fast immer im südböhmischen Krummau, wo er aufwuchs. Der Literaturwissenschaftler Ralf Höller stellte Schmidt und speziell dessen Roman „Die Geschwister“ vor.
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olfgang Schmidt ist ein heute fast unbekannter Schriftsteller aus Böhmen“, erklärte Ralf Höller. Doch noch Mitte der neunziger Jahre sei Schmidt in den großen Feuilletons präsent gewesen. „Mit seinem Namen kann man ihn auch schwer im Internet finden“, schmunzelt der Anglist und Literaturwissenschaftler. Er selbst habe zufällig in einem Antiquariat eine erste Ausgabe von Schmidts erstem Erfolg „Die Geschwister“ entdeckt, der 1993 im Scherz Verlag erschienen sei. Schmidt habe erst damals begonnen zu schreiben. Ein halbes Leben habe er bis dahin in Kanada verbracht, die längste Zeit als Suchtforscher des Addiction Research Centers in Toronto. Doch habe er sich wohl sehr gut an seine Kindheit und Jugend erinnert und daraus geschöpft. Denn in seinen Büchern werde Krummau wieder lebendig. „Schmidt wurde 1923 in Passau geboren“, stellte Höller richtig, da vielfach behauptet werde, er sei schon in Krummau/Český Krumlov zur Welt gekommen. Er sei sechs gewesen, als die Familie
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KULTUR
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� Vortrag im Sudetendeutschen Haus in München
Von Krummau nach Kanada größten Volksgruppen schien dennoch mehr ein Neben- als ein Miteinander!“ Es falle auf, daß in Schmidts Romanen so gut wie keine Tschechen vorkämen. Das gelte auch für sein Debüt „Die Geschwister“. Höller faßte nun dieses Werk zusammen, wobei er auch Passagen vorlas und passende Bilder zeigte. „Die Geschwister“ sei die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft im Jahr 1935. Der Ort der Handlung werde nicht genannt, doch würden die Hinweise auf Krummau deuten. „Das Leben in der südböhmischen Provinz beschreibt Schmidt so präzise, als wäre dies noch seine Heimat.“ Schmidt schildere eine Dreiecksgeschichte mit ungewöhnlicher Konstellation: Hans Wild, der passive, jugendliche Ich-Erzähler, verehrt seinen hochgebildeten, aus einfachsten Verhältnissen stammenden Mitschüler Jordan Tahedl. Er begehre zwar auch dessen Schwester Therese, aber die Beziehung bleibe platonisch. Als Partner würde Hans das miteinander intime Geschwisterpaar nur stören. Es sei jedoch nicht das inzestuöse Verhältnis zwischen Jordan und Therese, das im Roman nur angedeutet werde, was das Unheil heraufbeschwöre.
Ralf Höller referiert im Adalbert-Stifter-Saal.
Bild (1): Susanne Habel
Verblüffendes Gedächtnis
Dr. Wolfgang Schmidt (* 17. November 1923 in Passau/Niederbayern, † 2. April 2013 in Toronto/Kanada). nach Krummau gezogen sei, wo der Vater trotz Wirtschaftskrise eine Arbeitsstelle in der Papierfabrik im Vorort Wettern gefunden habe. Auch die Großeltern hätten in Krummau gelebt, wo in der Zwischenkriegszeit die Deutschen die Bevölkerungsmehrheit gestellt hätten. Während sich bei der Volkszählung 1930 zwei Drittel der 14,7 Millionen Einwohner des Landes als Tschechen, Slowaken oder Tschechoslowaken bezeichneten – gegenüber 22,5 Prozent Deutschen – bekannten sich fast drei Viertel der Krummauer zum Deutschtum. „Das Zusammenleben der beiden
Zur Katastrophe komme es erst, als Rochus, ein verbrecherischer Junge, mitmische und Therese wegen ihrer Beziehung zum Sex erpresse. Rochus wird von seinem Nachhilflehrer Jordan daraufhin in einem Hochmoor umgebracht. Der Fall wird nie aufgeklärt, auch weil Hans Wild, der Mitwisser, im Verhör stillhält. „Zuvor hat er seinem Gewissen abgerungen, mit der ,Tat, die gängigen Maßstäben nicht unterworfen war‘, Frieden zu schließen.“ „Der Roman wurde geschrieben, als mehr als ein halbes Jahrhundert gegenüber den beschriebenen Ereignissen verstrichen war.“ Doch Schmidts Gedächtnis habe gut funktioniert, seine Ortskenntnis verblüffe. Gelegenheit, sie aufzufrischen, habe er selten gehabt: Einmal im Jahr habe er seine Verwandten in Mannheim besucht und Reisen unternommen, meist nach Italien, ebenso Niederbayern und, seltener, nach Krummau. Manchmal hätten das andere getan. Lilly Höfer, seine Cousine, habe 1977 Krummau eine Woche lang von Wien aus bereist und der Familie einen zehnseitigen Brief darüber geschrieben. Schmidts Nachfolgeroman „Albertines Knie“ hat eine lesbische Liebe zum Gegenstand, mit dem mal mehr, mal weniger involvierten Ich-Erzähler Willy, einem Jurastudenten, als Protago-
Schauplätze in „Die Geschwister“: Das damalige Gymnasium und ...
geschrieben: „Ich habe den Hedonisten als Charakter aus folgendem Grund gewählt: Die Hauptgestalt in diesem Buch ist die Stadt, also Krummau, und die damalige Welt, nicht so sehr eine Person. Um diese Atmosphäre einzufangen, benötigte ich jemanden, der dauernd neue Beziehungen aufnimmt und einen sehr großen Bekanntenkreis um sich hat.“ Das Manuskript liege weiterhin in der Schublade, so Höller. Ob es zum 100. Geburtstag des Autors am 17. November 2023 einen Verleger finden werde? Immerhin hätten es Teile aus dem Buch zur Veröffentlichung geschafft. In Thomas Reches bibliophilem Verlag, früher in Passau, inzwischen im ober pfälzischen Neumarkt beheimatet, seien drei größere Passagen daraus als Geschichten im Druck erschienen. Alle seien, wie fast der komplette Roman, in Krummau angesiedelt. Reche habe Schmidt auch noch im Jahr 2000 in Toronto besucht und interviewt. Die Familie sei auch nicht vertrieben worden, sondern geflohen, wobei Wolfgang Schmidt nach dem Zweiten Weltkrieg in der Steiermark gelandet sei. In Graz habe er seine Jugendfreundin Marianne wiedergefunden und geheiratet. Eine Emigration nach Kanada sei einfacher gewesen als nach Amerika. Der fertige Jurist habe noch Soziologie studiert, und dann in der Forschung gearbeitet. In Toronto habe er eine erfolgreiche berufliche Laufbahn in der Suchtforschung eingeschlagen.
2013 wählte Schmidt den Freitod, in den er gemeinsam mit seiner ebenfalls schwerkranken Frau Marianne ging.“ Er selbst habe sich öfter mit Schmidts Sohn Tom unterhalten, der freilich als Kanadier die deutschsprachigen Krummau-Romane seines Vaters nicht habe lesen können. Dennoch hatte Höller sehr viel recherchiert und über den heute vergessenen Dichter herausgefunden. Der Journalist befragte dazu die Böhmerwäldler Ivan Slavik und Manfred Pranghofer, die Ex-Lektorin beim ScherzVerlag Rachel Gratzfeld oder Schmidts Nichte Karin Bohaumilitzky, die ihren Onkel mehrfach in Kanada besucht hatte. So konnte er auch die autobiografischen Spuren der Schauplätze in „Die Geschwister“ untersuchen und Fotos der Örtlichkeiten heute machen, die er mit alten Ansichten kontrastierte. Damit regte der Referent auch viele Nachfragen aus dem Publikum im Adalbert-Stifter-Saal an. Die Diskussion leitete Franziska Mayer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des ASV, die Höller auch vorgestellt hatte. Höller studierte Anglistik, Geschichte und Pädagogik in Bonn und Edinburgh. Er arbeitete für mehrere Nichtregierungsorganisationen und lebt heute als freier Autor und Journalist in Bonn. Fokus seiner Arbeit sind die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas. In seinen Werken befaßt sich Höller mit Außenseitern und Minderheiten und betrachtet historische Ereignisse aus deren Perspektive; etwa die frühneuzeitlichen Bauernkriege, die Rä-
Drei Karrieren
Mehrfach aufgelegt: Oben die alten Taschenbücher, unten Neuausgaben.
nisten. Hier werde es am Ende, politisch als das Münchener Abkommen mit seinen Folgen alle Energie aus den handelnden Personen ziehe. Zur sich abzeichnenden historischen Katastrophe geselle sich die persönliche Resignation. „Ich habe Albertine nie wiedergesehen“, schreibe Willy im letzten Satz. Schmidts letzter Roman, „Sie weinen doch nicht, mein Lieber?“ (1997) schildere die Beziehung zwischen einem jungen Künstler und einem Mädchen aus schwierigem Elternhaus. Die Mutter des Mädchens verfalle dem Alkohol und drifte in eine Geisteskrankheit, der Vater lebe seine Sexualität an ihr aus. Schmidt beschreibt die Handlung des Romans wie folgt: „Da
haben wir also zwei Menschen, bei denen man annehmen würde, daß sie ein auswegloses Leben führen, und trotzdem, fast unbegreiflicherweise, kommen diese beiden zusammen und finden einen Bezug zueinander, der in meinen Augen eine der schönsten Beziehungen ist, die ich in meinen Büchern dargestellt habe, nämlich, daß Menschen, welche extrem belastet sind, zusammenfinden und beieinander bleiben.“ „Sie weinen doch nicht, mein Lieber?“ war kein Erfolg beschieden. Danach sei nichts mehr von Schmidt erschienen, jedenfalls kein ganzer Roman. Bis jetzt sei sein letztes literarisches Werk „Der Hedonist“ ein Manuskript geblieben. Schmidt habe dazu
Die Schriftstellerei war seine dritte Karriere. „Dabei war die Lektorin Rachel Gratzfeld vom Scherz-Verlag entscheidend.“ Sie habe das Manuskript von „Die Geschwister“ mit nach Hause genommen. „,In einem Zug durchgelesen‘, begann die Lektorin ihr Gutachten, an dessen Ende sie ,unbedingt zur Veröffentlichung‘ riet“, so Höller. Schmidts Eltern seien nach der Flucht aus Krummau nach Passau, mit der die Familie ihrer Vertreibung zuvorgekommen sei, zunächst im niederbayerischen Aholming gestrandet, wo die Mutter zwei Jahrzehnte später gestorben sei. Schmidts Bruder Hans sei in Mannheim gelandet, wo er mit seiner Frau gelebt habe, die sich ebenfalls um seine Bücher verdient gemacht habe. Schmidts Erfolgszeit sei, nachdem keine Veröffentlichungen mehr erfolgt seien und auch die Presse den Mantel des Schweigens über seine Werke gebreitet habe, zu Ende gewesen: „Zumindest seine Gesundheit war ruiniert.“ Die Augenkrankheit, an der er litt, habe zur vollständigen Erblindung geführt. „Am 2. April
terepublik in Bayern 1918/19, die Kolonialkriege in Südamerika und Nordostafrika oder die Revolutionen und Bürgerkriege in Mexiko, Spanien und der Ukraine. Sein Buch „Das Wintermärchen“, in dem Schriftsteller über die Bayerische Revolution und Räterepublik 1918/19 erzählen, lag im Otto-von-HabsburgFoyer zum Signieren bereit. Susanne Habel Ralf Höller: „Das Wintermärchen. Schriftsteller erzählen die Bayerische Revolution und die Münchner Räterepublik 1918/19“. Edition Tiamat, Berlin 2017; 320 Seiten, 20 Euro. (ISBN: 978-3-89320-221-8)
... ein Brunnen mit Wasserkreaturen im Krummauer Schloßpark.
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KULTUR
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Die Preisträger und Laudatoren in der alten Markthalle am Krautmarkt in Brünn. Die Preise in sind schwere Betonquader mit einem Glasprisma. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds verlieh am Freitagabend in Brünn den Deutschtschechischen Journalistenpreis 2021. Bei einer feierlichen Inszenierung in der alten Markthalle am Krautmarkt wurden in Anwesenheit zahlreicher Journalisten, Ehrengäste und der breiten Öffentlichkeit 13 deutsche und tschechische Autorinnen und Autoren mit acht Preisen ausgezeichnet. In einer Direktübertragung des Tschechischen Fernsehens konnte das Ereignis nicht nur von tschechischen Zuschauern, sondern auch von deutschen Zuschauern des Fernsehsenders MDR mitverfolgt werden
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eit 2016 zeichnet der DeutschTschechische Zukunftsfonds gemeinsam mit den Journalistenverbänden in Deutschland (DJV) und der Tschechischen Republik (Syndikát novinářů) alljährlich Journalistinnen und Journalisten aus, die durch differenzierte, hintergründige und einordnende Berichterstattung zum besseren Verständnis zwischen Deutschen und Tschechen beitragen. Prämiert werden herausragende deutsche sowie tschechische Beiträge aus den Kategorien Text, Audio und Multimedia sowie zwei Sonderpreise.
Grenüberschreitende Arbeit Pavel Rychetský, der Vorsitzende des Verfassungsgerichts der Tschechischen Republik, eröffnete die Preisverleihung mit einer Ansprache. „Ich weiß es sehr zu schätzen, daß wir seit langem, über mehrere Jahrzehnte, mit unseren deutschen Nachbarn in Freundschaft zusammenleben und in guter Zusammenarbeit verbunden sind. Das begleitet uns bei unseren gemeinsamen Bemühungen um eine bessere Welt. Heute sind wir Zeugen bei der Verleihung des Deutschtschechischen Journalistenpreises. Es handelt sich um eine Auszeichnung für Journalisten, deren Arbeit zur Verbesserung der Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen beiträgt“, sagte Rychetský. „Eine Auszeichnung, die nicht nur für die jetzigen Preisträger von herausragender Bedeutung ist, sondern ich glaube auch fest daran, daß sie darüber hinaus für die zukünftigen Beziehungen zwischen unseren Ländern und zwischen deutschen und tschechischen Journalisten von großer Bedeutung sein wird.“ Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek, die Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der den Preis auslobt, betonten: „Im vergangenen Jahr wurde der natürliche grenzüberschreitende Kontakt zwischen Tschechen und Deutschen erheblich eingeschränkt. Die Corona-Pandemie und die entsprechenden Maßnahmen gegen ih-
re Ausbreitung haben das unterbunden, woran wir uns so sehr gewöhnt haben und was uns als selbstverständlich erscheint: alltägliche Begegnungen zwischen Deutschen und Tschechen. In solchen Krisenzeiten ist vielleicht mehr denn je Qualitätsjournalismus gefragt, der wertungsfrei und unvoreingenommen über das aktuelle Geschehen bei unseren Nachbarn berichtet und sich darum bemüht, dieses der Öffentlichkeit im eigenen Land so wahrheitsgetreu wie möglich zu vermitteln. Bei der Vorstellung der Preisträger wurde deutlich, daß die ausgezeichneten Produktionen mehr als je zuvor grenzüberschreitend erstellt wurden, oft auch von zweisprachigen, deutsch-tschechischen Teams. Fast alle Beteiligten lobten immer wieder die gute Zusammenarbeit und bedauerten die Kontaktabbrüche und -schwierigkeiten wegen Corona.
Kategorie Text In der Kategorie Text wurde Renate Zöller für ihren Artikel „Prags Großstadtwinzer“ der Gründerzeit ausgezeichnet, in dem sie das kulturhistorische Erbe des deutschsprachigen Prager Industriellen Moritz Gröbe vorstellt. „Was der Jury besonders gefallen hat, sind die vielen Bögen, die sie im Text immer wieder höchst souverän und elegant schlägt: Zwischen der Familiengeschichte der Gröbes und der Wirtschaftsgeschichte Böhmens; zwischen dem ehrwürdigen historischen Erbe der Königlichen Weinberge und den sehr entspannten Kelter-Experimenten, die der Winzer Pavel Bulánek heute auf dem Weinberg anstellt“, sagte Jurymitglied Anneke Hudalla vom internationalen Journalistennetzwerk n-ost in ihrer Laudatio. Den tschechischen Preis in der Kategorie Text bekam Tomáš Lindner für seine Reportage „Zvládli to?“ („Haben sie es geschafft?“). Fünf Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise begab sich der Autor ins Nachbarland, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie Deutschland die Flüchtlingsströme und vor allem die Integration dieser Menschen bewältigt hat. „Eine der grundlegenden Regeln des Journalismus lautet: Du kannst nicht alles schreiben, aber du darfst nichts auslassen. Und Tomáš Lindner läßt nichts aus, er hört aufmerksam zu, schreibt es sorgfältig auf – und ist vor allem nicht auf Antworten erpicht, die ihm einfach gut in den Kram passen“, begründet Adam Černý vom tschechischen Journalistenverband die Entscheidung der Jury. Den deutschen Preis in der Kategorie Audio erhielt Markéta Kachlíková für ihr Radiofeature „Sancta Familia: Ein Weihnachtsgeschenk nach 80 Jahren“. Darin rekonstruiert sie das
� Deutsch-tschechischer Journalistenpreis
Breite Skala
thentisch, wie engmaschig inzwischen das deutsch-tschechische Beziehungsgeflecht in der Grenzregion geworden ist. Es ist einfach eine coole Idee und professionell gekonnt umgesetzt”, sagte Libuše Černá vom Deutschen Journalistenverband Bremen in ihrer Laudatio.
Kategorie Multimedia
Die Geschäftsführer Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek. Bilder: Ondřej Staněk Schicksal der Familie jüdischstämmigen Wels – und zugleich den Untergang der multiethnischen Normalität der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit.“
Kategorie Audio Markéta Kachlíková hat sich in 15 Radiominuten auf das konzentriert, was die Geschichte dieser Familie so stark macht: ihre Pläne, Hoffnungen und Träume, die mit der Vorahnung einer dunklen Zukunft konfrontiert werden. Das aufmerksame Publikum erhält so die Gelegenheit, die Geschichte dieser Familie nicht nur anzuhören, sondern auch zu erleben“, unterstreicht
Jurymitglied Lída Rakušanová. Mit dem tschechischen Preis in dieser Kategorie wurden Václav Jabůrek und Ladislav Novák für ihre Reportage „Zaostřeno na uzavřené česko-saské hranice“ („Im Fokus: An der geschlossenen deutsch-tschechischen Grenze“) geehrt. Die Autoren machten sich auf dem Höhepunkt der Coronakrise und zur Zeit der geschlossenen Grenzen auf, um vor Ort zu beleuchten, was die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit an der Grenze in politischer, rechtlicher und vor allem menschlicher Hinsicht bedeuten. „Die beiden Journalisten zeigen in ihrer gemeinsamen Reportage überzeugend und au-
� Verleihung in Brünn
Die Preisträger Kategorie Text (CZ) Tomáš Lindner: „Zvládli to?“, Respekt, 31. August 2020.
„Odsun. Vertreibung. 2. část“, Česká televize, 20. Oktober 2020.
Kategorie Text (DE) Renate Zöller: „Prags Großstadtwinzer der Gründerzeit“, Kulturkorrespondenz, 1. März 2021.
Kategorie Multimedia (DE) Danko Handrick, Christian Gramstadt: „Heute im Osten“Reportage „Das Geschäft mit der Sucht. Tschechiens Kampf gegen Crystal Meth“, MDR, 13. März 2021.
Kategorie Audio (CZ) Václav Jabůrek, Ladislav Novák: „Zaostřeno na uzavřené česko-saské hranice“, Český rozhlas Plus, 28. Februar 2021. Kategorie Audio (DE) Markéta Kachlikova: „Sancta familia – Ein Weihnachtsgeschenk nach 80 Jahren“, Radio Prague International, 25. Dezember 2020. Kategorie Multimedia (CZ) Matthias Schmidt, Vít Poláček:
Sonderpreis Milena Jesenská Karolína Kripnerová, Janek Rous, Vojtěch Sigmund: „Architektura Soužití“, Artyčok. tv, 17. Juli 2020. Sonderauszeichnung für langjährige herausragende journalistische Tätigkeit Steffen Neumann, Chefredakteur „Landesecho“ und Sachsen-Korrespondent in Prag.
In der Kategorie Multimedia wurden Danko Handrick und Christian Gramstadt für ihre Reportage „Das Geschäft mit der Sucht – Tschechiens Kampf gegen Crystal Meth“ ausgezeichnet, die im Rahmen der Reportage-Reihe „Heute im Osten“ gezeigt wurde. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschechischen Schmugglermilieus, um tschechisches Crystal nach Deutschland zu bringen, sondern auch die Kooperation der Polizeikräfte beider Länder im Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner. „Danko Handrik und Christian Gramstad plädieren letztlich für eine tabulose Debatte um die Droge Crystal Meth. Sachlich und unaufgeregt. Genau das macht den Film auch so sehenswert“, begründete Michael Hiller vom Deutschen Journalistenverband die Juryentscheidung.
Preis für das doppelt nominierte „Odsun“ In dieser Kategorie gewannen zudem das deutsch-tschechische Autorenduo Matthias Schmidt und Vít Poláček, der leider verhindert war. Ihre Dokumentation war überdies auch in der deutschsprachigen Rubrik nominiert gewesen war. In ihrer zweiteiligen Doku „Vertreibung – Odsun“, einer Koproduktion vom Tschechischen Fernsehen, MDR, ORF und Arte, stellen sie die Vertreibung der ursprünglichen deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei in den Mittelpunkt – und schildern Ereignisse, über die die Mehrheitsgesellschaft oftmals schwarzweiß denkt, in außergewöhnlicher Farbig- und Lebendigkeit, Vielfalt und Vielseitigkeit. Stellvertretend für die Jury begründete Vojtěch Berger vom Watchdog-Portal Hlidacipes.org die Vergabe des Preises folgendermaßen: „Matthias Schmidt und Vít Poláček betrachten die Vertreibung konsequent mit den Augen ,der Anderen‘. Denn alles ist eine Frage der Perspektive. Die beiden Autoren machen die Vertreibung weder zu einem allein deutschen noch zu einem allein tschechischen Thema, sondern genau zu dem, was sie auch wirklich ist: einem gemeinsamen.“
Sonderpreis „Milena Jesenská“ Den Sonderpreis „Milena Jesenská“ erhielt ein Autorentrio
aus dem Studio artyčok.tv und dem Verein Architekten ohne Grenzen (Architekti bez hranic): Karolína Kripnerová, Janek Rous und Vojtěch Sigmund. Das Thema ihres Beitrags „Architektura soužití“ („Architektur des Zusammenlebens“) ist zivilgesellschaftliches Engagement, das öffentliche Räume schafft, die auf die aktuellen Bedürfnisse der Gesellschaft reagieren und versuchen, praktische, sinnvolle Alternativen zu alten, eingefahrenen Strukturen zu finden. Dies wird am Beispiel der BedřiškaSiedlung in Mährisch Ostrau und des Münchener Kulturzentrums Bellevue di Monaco veranschaulicht. „Es ist ein überzeugendes Plädoyer für die Schaffung autonomer und menschenwürdiger Lebensräume“, begründet Christoph Scheffer vom Hessischen Rundfunk die Auswahl der Jury.
Sonderauszeichnung für journalistische Tätigkeit Die Sonderauszeichnung für langjährige herausragende journalistische Tätigkeit 2021 ging an Steffen Neumann. Er pendelt als Journalist regelmäßig zwischen Dresden, Prag und dem deutschtschechischen Grenzgebiet und berichtet über das Geschehen in der Region. Dank seines Pendelns steht er in ständigem Kontakt mit beiden Seiten. Er ist in der Lage, das Geschehen bei den einen Nachbarn unverzerrt einzufangen – und bei den anderen Nachbarn auf eine Art und Weise darüber zu berichten, die mit Sicherheit deren Interesse und Neugier weckt. Die Bandbreite seiner Arbeit ist nicht nur räumlich, sondern auch thematisch weitreichend. „Auf seine unnachahmliche Art, durch sein Vernetzt-Sein, durch seine Aktivitäten und seine Beiträge hat Steffen Neumann sozusagen die Annäherung beider Länder, von der Tschechischen Republik und Deutschland, außergewöhnlich nachhaltig und intensiv begleitet und dazu verholfen, daß sich Deutsche und Tschechen mittlerweile so nah sind, wie kaum zuvor“, würdigt Jurymitglied Bogna Koreng aus der Sorbischen Redaktion des MDR Neumanns Leistungen. Die Jury des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises setzt sich aus Journalisten zusammen, die langjährige Erfahrungen mit den Beziehungen beider Länder haben und deren Sprachen sprechen: Vojtěch Berger, Peter Brod, Daniel Brössler, Libuše Černá, Adam Černý, František Černý, Michael Hiller, Anneke Hudalla, Karel Hvížďala, Bogna Koreng, Peter Lange, Lída Rakušanová, Christoph Scheffer, Frank Überall und Blanka Závitkovská. Einige traten auch als Laudatoren auf. sh https://deutsch-tschechischerjournalistenpreis.de/
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VERBANDSNACHRICHTEN
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Ackermann-Gemeinde Totengedenken am Vertriebenenkreuz.
Duo Bohemico Musikalisch – und das in höchster Qualität – wurde es einmal mehr beim jüngsten Kulturzoom der Ackermann-Gemeinde am Abend von Allerseelen. Einige Kostproben gab nämlich das „Duo Bohemico“ zum Besten. Dahinter verbirgt sich das Ehepaar Anna und Pavel Cuchal, das natürlich auch im Gespräch mit Moderatorin Sandra Uhlich Auskunft über sich und seine Musik gab.
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en an 43 Rechnern versammelten Kulturfans stellte Sandra Uhlich das Musiker-Ehepaar vor. Als „Duo Bohemico“ treten Anna und Pavel Cuchal seit September 2010 auf. Sie lernten sich an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar kennen. Während des dortigen Studiums waren sie Stipendiaten bei der Stiftung Yehudi Menuhin Live Music Now Weimar. Beide wurden vom tschechischen Kulturministerium gefördert. Sie waren zudem Finalisten des Fanny-Mendelssohn-Förderpreises 2015 und wurden zur Zusammenarbeit mit dem Sender WDR 3 Köln, mit der DeutschTschechischen Gesellschaft, der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung in Leipzig sowie mit der Auslandsgesellschaft Nordrhein-Westfalen eingeladen. Gemeinsam gewannen sie mehrere Preise wie zum Beispiel beim XII. Europäischen Wettbewerb für klassische Gitarre „Enrico Mercatali“ den ersten Preis. Die Besonderheit des Duos liegt in der Entdeckung von vergessenen oder selten gespielten Kompositionen, die in ihrer
tschechischen Heimat entstanden oder mit der Geschichte der böhmischen Länder verbunden sind. Somit weitet das Duo das Standardrepertoire für Flöte und Gitarre aus und stellt einzigartige Programmvorschläge zusammen. Seit September 2019 ist Anna Cuchal (* 1989) Soloflötistin des Philharmonischen Orchesters Erfurt, einem Theater- und Sinfonieorchster, und unterrichtet am Musikgymnasium Schloß Belvedere, Hochbegabtenzentrum der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Pavel Cuchal (* 1986) unterrichtet an der Kreismusikschule Louis Spohr in Go-
tha und an der Musikschule in Erfurt. Im Rahmen seiner Masterarbeit suchte er tschechische Musiker für Gitarre und Flöte nach 1945 und damit auch Komponisten, die für diese Besetzung Musik schufen. Und dieses Thema beziehungsweise Sujet blieb bis heute, so daß es gegenwärtig bisweilen ein gegenseitiges Suchen und Finden oder Entdecken zeitgenössischer Komponisten ist und das Repertoire sich kontinuierlich erweitert. Ein erstes Beispiel war der erste Satz aus der „Suite Populaire“
des 1942 in Troppau geborenen und nun in München lebenden Komponisten Robert Paul Delanoff. Das aus dem Jahr 1976 stammende Werk ist ursprünglich für Gitarre und Altflöte, die Kombination aus Gitarre und Querflöte bringe, so Sandra Uhlich, eine besondere Klangfarbe. Pavel Cuchal machte deutlich, daß es vor allem in der Klassik viele Werke gebe, die auch mit Gitarre und Querflöte gut umzusetzen seien, weniger jedoch aus der Romantik. Schwerer zugänglich und zum Teil das Publikum überfordernd seien viele zeitgenössische Stücke. Trotzdem hatten sie einen Romantiker, nämlich Antonín Dvořák, als zweites Beispiel auf dem Programm. Und als inzwischen in Thüringen lebendes und arbeitendes MusikerPaar durfte natürlich ein Thüringer nicht fehlen: Johann Sebastian Bachs dritter Satz „Andante“ aus der Sonate in e-Moll. In diesem Zusammenhang berichtete Pavel Cuchal auch von den Bemühungen und Projekten in Erfurt, Bachs Musik näher an die Bevölkerung zu bringen. Hier könnten kleine Ensembles gut aktiv werden. Den Abschluß bildete wieder ein zeitgenössischer Komponist, nämlich Jaroslav Pelikán (* 1970). Von ihm spielten sie einem Auszug aus seinen Opus „Agua e Vinho – variation for flute and guitar“. Als Mischung von Jazz und neuer Musik charakterisierte Pavel Cuchal die Stilrichtung, Anna Cuchal erklärte ihren speziellen Ansatz bei solchen Werken. Markus Bauer
Gedenkkreuz mit Fahnen, Kranz und Blumenschmuck.
SL-Kreisgruppe Cham/Oberpfalz
Totengedenken im Stadtpark Ende Oktober trafen sich die oberpfälzische SL-Kreisgruppe Cham und der Chamer Kreisverband der Landsmannschaft Schlesien (LS) zum Totengedenken beim Vertriebenenkreuz im Chamer Stadtpark.
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or 75 Jahren wurden die Sudetendeutschen aus ihrer Heimat vertrieben. Das Gedenken daran hält die SL aufrecht. Vize-Kreisobfrau Elke Pecher erinnerte daran. Am 25. Januar 1946 hätten die ersten 1200 Vertriebenen Furth im Wald erreicht. „Mehr als drei Millionen Menschen fanden eine ,zweite‘ Heimat in Deutschland, vor allem in Bayern.“ Die meisten hätten geahnt: „Es gibt kein Zurück.“ SL-Kreisobmann und Diakon Alois Hiebl spendete dem sanierten Hochkreuz für die Vertriebenen und den drei Gedenksteinen den kirchlichen Segen. Daß die Gedenkstelle nun so schön ist, ist einem Gespräch zwischen Hiebl und ÖDP-Stadtrat Florian Gruber zu verdanken. Er unterbreitete dem Stadtrat die Anregung Hiebls, die in die Jahre gekommene Gedenkstelle dringend zu sanieren. Der Chamer Bauhof kümmerte sich darum. „Daß das so schnell umgesetzt wird, hätten
wir uns nie gedacht“, freute sich Pecher. Auch der neue Kiesweg zum Gedenk-Ensemble gefällt den Landsleuten. Beim Totengedenken sagte Pecher, daß die Wunden der Vertreibung nur schwer verheilt seien. Als Zeichen dafür hätten die Landsleute in der Vertreibung Gedenksteine, Totenbretter und Erinnerungsstätten geschaffen. „Wir alle wollen das Andenken wahren.“ „Errichtet von den Heimatvertriebenen 11. September 1955“, steht auf einem Stein. Zehn Jahre nach der Vertreibung hatten die Vertriebenen endlich eine Stätte der Erinnerung auf dem Chamer Galgenberg gehabt. Seit 1984 befindet sich diese in einer Ecke des Chamer Stadtparks. „Das ist ein schöner Platz für Erinnerung
Diakon Alois Hiebl spendet den Segen. Bilder: Melanie Schmid
und stilles Gedenken“, sagte Pecher. 1998 kam ein dritter Stein anläßlich 50 Jahre SL und LS hinzu. Stadtrat Gruber sagte, wichtig sei, Erinnerungsorte zu bewahren und die Inhalte in die Gegenwart zu tragen. Er sprach von einem guten Signal, daß im Stadtpark Plätze zum stillen Gedenken einlüden. Hiebl segnete Kreuz und Gedenksteine. Und er rezitierte Rosa Tahedls Gedicht „Zum Gedenken an die Toten“. „Wenn über Wälder und Fluren / ein herbes Lüftchen zieht, / bringt es in unsere Reihen / ein stilles Erinnern mit. / Wir denken an all unsere Freunde, / mit denen uns Liebe verband, / an jeden, der unserem Herzen / daheim einst so nahe stand. / Ob auch ihre sterbliche Hülle, / vergangen wie Sand im Wind, / uns allen bleibt die Gewißheit, / daß sie im Geist bei uns sind. / Sie stehen uns wieder zur Seite, / und reichen im Geist uns die Hand. / Wir fühlen auch jetzt so wie einstmals, / was uns mit ihnen verband. / Denn Liebe kann niemals sterben. / Sie siegt über Tod und Leid, / und schlingt ein Band um uns alle, / das uns hält bis in Ewigkeit.“ Melanie Schmid/nh
SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken
Reise nach Abtenau Anfang November traf sich die mittelfränkische SL-Ortsgruppe Rückersdorf auf dem Schmidtbauernhof.
V BdV-Ortsgruppe Weilheim/Hessen
Wie Tote mit blinden Augen Zu Allerheiligen gedachte der hessische BdV-Ortsverband Weilburg am Vertriebenenkreuz auf dem Friedhof der Toten.
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it dem Lied „Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken“ aus der Deutschen Messe von Franz Schubert wurde die Gedenkfeier eröffnet. Pfarrer Hans Mayer sagte, die heutige Generation wolle alles ergründen, mit einfachen Antworten gebe sie sich nicht zufrieden. Für alle Fragen habe Gott den Menschen seinen Sohn gesandt. Er, der Gottessohn, habe sich am Kreuz für uns bis zum Tod geopfert. Er sei aber vom Tod auferstanden und nicht der Verwesung anheim gefallen. Gottes Sohn sei unser Heil. Pfarrer Mayer gedachte der Toten, die auf dem hiesigen Friedhof und auf anderen Friedhöfen ihre letzte Ruhe gefun-
Josef Plahl und Pfarrer Hans Mayer. den hätten, sowie der Toten von Flucht und Vertreibung. Gebete, Fürbitten und die Segnung der Gräber mit Weihwasser folgten. Josef Plahl, Vorsitzender des BdV-Ortsverbandes, las Verse des seligen Paters Ruppert Meyer, der schwer verletzt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt und am 1. November 1945 gestorben war: „Es gehen Lebende umher wie Tote mit blinden Augen und mit
leerem Sinn. Sie zehren nur vom äußeren Brote und trachten nur nach äußerem Gewinn. Doch Tote gibt es, die noch bei uns weilen, als hätte jetzt ihr Leben erst Gewicht. Sie heben alle Trennung auf, sie heilen in uns den unerträglichen Verzicht. Die erste Trauer will nicht mehr gelingen in ihrer Gegenwart, die uns genügt. Sie helfen täglich uns den Sinn vollbringen, mit dem sie selbst ihr Menschliches besiegt.“ Schließlich gedachte Josef Plahl der Toten der Wilhelm Gustlof, der ums Leben gekommenen Flüchtlinge bei der Bombardierung Dresdens, der Toten des Massakers auf der Elbebrücke in Aussig sowie der zwei Millionen Toten von Flucht und Vertreibung. Namens des Bundes der Vertriebenen legte er einen Kranz am Vertriebenenkreuz nieder.
noch einmal von Rückersdorf mit Zwischenstops in Fürholzen und an der Wallfahrtsbasilika Maria Plain nach Abtenau. Hier wurden die Gäste bereits zu Kaffee und Apfelstrudel erwartet. Danach gab es noch eine Ortsbegehung mit wissenswerten Details. Der Tag endete mit einem Galadinner. Am nächsten Tag stand ein Ausflug „Rund um den Dachstein“ auf dem Programm. Vorbei an grünen Wiesen und Seen mit den Bergen im Hintergrund und vielen Erläuterungen ging die Fahrt bis zur Waldhäusl-Alm. Hier wurde gerastet. Der Abend verging in bester Unterhaltung mit Spielen und Sketchen. Am dritten Tag startete der Bus ins Salzkammergut zu einer Seenrundfahrt. Vom Gossauer See mit Blick auf den Gossauer Gletscher ging es zum Hallstätter See und Hallstatt. Dann zum Wolfgangsee mit seinem Hausberg Schafsberg und dem Ho-
iele Landsleute und Freunde waren gekommen, um den Film über unsere Reise 2019 nach Abtenau am Tennengebirge im Salzburger Land noch einmal im Rückblick oder auch neu zu genießen. Bereits im Vorfeld hatte der Vorstand eine 2 G-Regelung für den Einlaß zu dieser Veranstaltung beantragt, die auch konsequent umgesetzt wurde. Obfrau Bärbel Anclam eröffnete den Nachmittag und wünschte allen schöne Stunden. Damit der angebotene Zwiebelkuchen auch gut vertragen wurde, gab es vorab einen kleinen medizinischen Umtrunk von unserer Kräuterfrau aus Rüblanden, die im September bei uns zu Gast gewesen war. Dann hieß es Film ab. Unzählige Stunden hatten Otmar Anclam und Edwin Heger zusammen verbracht, um den Film zu schneiden, zu besprechen und mit Musik zu unterlegen. Herausgekommen war ein toller Beitrag, der bei allen Begeisterung hervorrief. In der Retrospektive ging es Filmvorführung im Schmidtbauernhof.
tel Weißes Rössl. In Sankt Wolfgang erlebten alle eine Schiffahrt über den Wolfgangsee bis nach Sankt Gilgen. Am Abend gab es ein Bauernbüfett mit Freibier im Hotel. Der vierte Tag führte über Filzmoos nach Ramsau zur Sonnenalm. Hier erwartete die Gäste nach dem Essen ein zünftiger Hüttenzauber. Der Wirt erzählte Witze und spielte auf seiner Steyrischen auf. Am letzten Abend im Hotel konnten die Gäste noch einmal zu zünftiger Musik Polonaise tanzen, und einige übten sich an verschiedenen lustigen Musikinstrumenten. Am nächsten Morgen stand leider schon wieder die Heimfahrt an. Bei den musikalischen Einlagen sangen alle kräftig mit und spendeten den Filmvorführern einen Riesenapplaus. Schließlich dankte Bärbel Anclam Bürgermeister Johannes Ballas für sein Kommen. Edwin Heger dankte sie für seinen Einsatz mit einem Geschenk. Ein besonderes Dankeschön gebührt unseren vielen Helfern, ohne deren unermüdlichen Einsatz eine solche Veranstaltung gar nicht möglich wäre. Gabi Waade
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
SL-OG Weilimdorf
SL-Landesgruppe Hessen
In froher Runde
Die Zukunft der Heimatstuben gewesen. Deren Heimatmuseum habe 2004 geschlossen. Nach dem Mittagessen berichtete Landesobmann Harzer über seine Heimatstubentour durch Hessen ( SdZ ulturreferentin Marga- 36/2021). Mittlerweile war rethe Mau hatte ein ein- auch Margarethe Zieglerdrucksvolles Programm ge- Raschdorf, die Landesbeaufstaltet. Doch zunächst begrüß- tragte für Heimatvertriebete Landesobmann Markus ne und Spätaussiedler, eingeHarzer Bürgermeister Klaus troffen, die in ihrem Grußwort Kreß. Dabei stellte Harzer fest, viel Lob und Motivation losdaß die SL nahtlos an die Zeit werden konnte und Grüße der vor Corona anknüpfe. Denn hessischen Landesregierung vor genau zwei Jahren habe überbrachte. die Kulturtagung ebenfalls in Die Sudetendeutschen seiBad Nauheim stattgefunden. en eben nach wie vor die größKreß hob hervor, daß er müt- te Gruppe der Heimatvertrieterlicherseits auch sudeten- benen in Hessen, ihre Bedeudeutsche Vorfahren habe. In tung sei ungeschmälert. Viele seinem Grußwort ging er aus- Bekannte konnte sie persöndrücklich auf die Bedeutung lich begrüßen und schilderte der Heimatvertriebenen für eindrucksvoll ihre Arbeit und Bad Nauheim ein. Seine moti- die ihrer Mitstreiterinnen im vierenden Worte wärmten die Ministerium. Mitstreiter brauHerzen der Zuhörer, wofür die che sie auch bei den VertriebeKulturreferentin dankte und nenverbänden und hob dabei dem Bürgermeister ein klei- noch einmal die SL ausdrücknes Geschenk machte. lich hervor. Auch auf die BeMargarethe Mau mußte ei- deutung der Neuausrichtung nige gesundder Heimatstuheitsbedingben ging sie ein te Absagen verund spielte dakünden. Unter mit dem Landen Kranken desobmann den waren auch die Ball zu. allseits bekannHarzer vollten und beliebzog bei seiten Lokalmatanem Bericht eidoren Norbert nen Parforceund Erika Quairitt durch ser. Hessen und seiDen Reigen ne Sammlunder Vorträge er- Margarethe Ziegler-Rasch- gen, Stuben öffnete die Kul- dorf und Museen turreferentin in zum Thema. Die Vertretung der Bärner HeimatBundesvorsitstube in Langzenden der Segöns sei bereits liger Gemeindigitalisiert und de, Helena Päßstelle einen Anler, mit einer fang der NeuWürdigung von gestaltung dar. Wenzel Jaksch, Hier konnte einer der traHarzer auch auf gischsten Gedie hervorrastalten der sugende Zusamdetendeutschen menarbeit mit Geschichte, der Margarethe Mau der Kulturrefeheuer 125 Jahrentin des BdV re alt geworden wäre. Mau un- Hessen, Agnes Brügging-Laterstrich die Bedeutung die- zar, hinweisen. Daneben aber ses Ausnahmepolitikers, der zeigte der Landesobmann schon in der Tschechoslowa- Licht und Schatten auf. kei große Bedeutung gehabt, Manche Sammlungen in Hessen beispielsweise am und Heimatstuben seien nur großen Hessenplan mitge- schwer oder gar nicht zu retwirkt habe und 1966 bei einem ten. Ziegler-Raschdorf forVerkehrsunfall in seiner neu- derte eine verstärkte Mitwiren Heimat Wiesbaden ums Le- kung der Kommunen ein. Hier ben gekommen sei. müsse die Politik aktiv werJosef Plahl erläuterte an- den. Größte Bedeutung für hand eines erfrischenden Vor- die Zukunft räumte Harzer in trags die Bedeutung der sude- diesem Zusammenhang dem tendeutschen Trachten. Vor Haus Mährisch Schönberg in allem der Huasnoudouerer Bad Hersfeld unter der Ägide hatte es ihm angetan, der so- von Dirk Peschel ein sowie der genannte Hosenanzieher der Initiative aus SchwalmstadtEghalanda. Als bildhaftes Bei- Trutzhain. Dort habe sich anspiel hatte er Trachtenpuppen gesichts der Tatsache, daß im mitgebracht, die bei der Kreis- ehemaligen RAD-Lager eigruppe Limburg-Weilburg in ne reine VertriebenensiedVerwahrung sind. lung entstanden sei, die SiWeitere Trachtenpuppen, tuation ergeben, daß hier ganz die aus dem Hessenpark we- neue und vielversprechengen der Neuausrichtung ge- de Wege eingeschlagen werradezu gerettet worden waren, den könnten. Vor Ort stünden konnte Manfred Hüber prä- mit Markus Heidenreich, Jürsentieren. Die wunderschönen gen Altenhof und Horst GömPuppen harren einer weiteren pel schon wesentliche Macher Verwendung. in den Startlöchern. Ein erstes Mau übernahm dann wie- Projekt sei bereits angelaufen. der das Ruder mit einer SchilNach einer fruchtbaren Disderung des mondänen Bade- kussion begann der kulturelorts Teplitz-Schönau, dessen le Teil. Rudi Mohr und Karin Geschichte sie gekonnt immer Liedtke luden geradezu zum wieder mit ihrer eigenen Le- Tanz ein. Böhmische Musik bensgeschichte – sie stammt mit Akkordeon und Gesang selbst daher – verknüpfen machten noch einmal richkonnte. Frankfurt am Main sei tig Stimmung. Damit klang einst die Patenstadt der ver- ein rundum gelungener Tag triebenen Teplitz-Schönauer aus.
Anfang November fand in Bad Nauheim die Landeskulturtagung der SL-Landesgruppe Hessen nach einem Jahr Corona-Pause wieder statt.
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Lothar Streck, Frank Dittrich, Reinfried Vogler, Präsident der Landesversammlung, Margarethe Mau, Landesobmann Markus Harzer und Julian Klötzl.
SL-Landesgruppe Hessen
Ehre, wem Ehre gebührt Aus Anlaß der Landesversammlung der SL-Landesgruppe Hessen in Wiesbaden wurden einige verdiente Mitglieder mit dem Großen Ehrenzeichen der SL ausgezeichnet. Landesobmann Markus Harzer hielt die Laudationes.
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rank Dittrich wurde für seine hervorragende Tätigkeit als langjähriger Vermögensverwalter geehrt. Das schließe, so Harzer, auch seine zahllosen Tätigkeiten für den BdV und für die SL auf Bundesebene ein. Dittrich gehöre zu den Treuesten der Treuen, wenn es um die SL gehe. Margarethe Mau sei seit einigen Jahren Landeskulturreferentin und habe die Kulturarbeit mit vielversprechenden Akzenten bereichert. Sie gehöre zum SLAltkreis Schlüchtern, nach wie vor das Maß aller Dinge für die
Zukunft der Sudetendeutschen in Hessen. „Grethis“ offener und ehrlicher Charakter beschere auch der SL viel Sympathie. Lothar Streck habe keineswegs nur den BdV-Kreisverband Hanau in die Phase der Erneuerung gebracht. Mit seinen frischen Ideen könne die SL Hessen gestärkt in die Zukunft gehen. Als Schnittstelle zwischen SL und BdV sei er ein unermüdlicher, kritischer, vor allem aber ehrlicher Arbeiter für die Erneuerung. Peter Jurenda sei bereits über die Organisation der Heimatlandschaften mit dem großen Ehrenpreis gewürdigt worden. Er habe federführend die Neugestaltung der Bärner Heimatstube in Nachfolge von Alfred Herold organisiert. Rudolf Riedel konnte nur noch posthum geehrt werden. „Unser
Rudi“, so Harzer, „war die wichtigste Stütze im Betrieb der SL in Wiesbaden. Seine Kontakte waren unerschöpflich. Seine Arbeit vor Ort fruchtbar. Er bleibt unersetzlich und unvergessen. Mit seiner ausgleichenden Art konnte er immer wieder Gemüter beruhigen. Mit ihm hat die SL einen Teil ihrer Seele verloren.“ Die SL hatte Julian Klötzl bereits mit ihrem Kultur-Förderpreis für seine Forschungsarbeit über Geschichte und Ahnenforschung hauptsächlich über den Herkunftstort Langlammitz bei Karlsbad ausgezeichnet. Mit seiner Arbeit über die Familiengeschichte, sagte Harzer, präsentiere er sich als wichtiger Baustein bei der Verbindung mit der Jugend. Erfreulicherweise sei er bereits in die Verbandsarbeit in der Kreisgruppe Limburg-Weilburg eingebunden.
Ackermann-Gemeinde
Politische Stolpersteine Die tschechische Journalistin Bára Procházková erklärte beim November-Themenzoom der Ackermann-Gemeinde unter dem Titel „Tschechien nach der Wahl. Ein Spaziergang zwischen politischen Stolpersteinen“ das Wahlergebnis und versuchte, es einzuordnen. Bekanntlich besiegte das Bündnis Spolu aus ODS, KDU-ČSL und TOP 09 mit dem Bündnis aus STAN und Piraten die Bewegung ANO des bisherige Premiers Andrej Babiš.
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oderator Rainer Karlitschek begrüßte die an 69 Computern zugeschalteten Deutschen, Österreicher und Tschechen. Bára Procházková habe, so Karlitschek, Politikwissenschaft und Osteuropakunde an der Universität Hamburg studiert. „Sie war unter anderem Redakteurin beim Tschechischen Rundfunk ČRo und beim Magazin ,Respekt‘. Seit einigen Jahren ist sie Chefin vom Dienst des Internetportals ČT24.cz, des Nachrichtensenders des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens ČT.“ Die Niederlage von Andrej Babiš und seiner ANO sei eine Riesenüberraschung gewesen, sagte Procházková. Das Scheitern Andrej Babiš der Kommunisten habe viele gefreut. „Die beiden demokratischen Koalitionen haben zusammen die Mehrheit, 108 von 200 Abgeordneten.“ Für die neue Konstellation nannte die Journalistin mehrere Gründe: Das neue tschechische Wahlgesetz habe in Parteienbündnissen zusammengeschlossenen kleinen Parteien erlaubt, die bisherigen Hürden zu überspringen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung.
Babišs Fehleinschätzung, die Piraten als Hauptgegner zu attackieren. Das habe das Bündnis Spolu gestärkt und vor allem die jungen Leute zwischen 18 und 34 Jahren mobilisiert. In dieser Altersgruppe sei die Wahlbeteiligung um elf Prozent gestiegen, erklärte Procházková. 64 Prozent der 18- bis 34jährigen hätten die Parteien der Bára Procházková zwei Bündnisse gewählt. Auf diese sei auch in den Großstädten die Mehrheit der Stimmen gefallen, während Babišs ANO vor allem im einstigen Sudetenland vorne gelegen habe ( SdZ 45/2021). „Andrej Babiš hat sehr friedlich reagiert und das Wahlergebnis anerkannt“, schilderte die Referentin. Immerhin stelle ANO die meisten Abgeordneten im neuen Parlament. Der erkrankte Staatspräsident Miloš Zeman habe zuvor erklärt, mit der Regierungsbildung die stärkste Partei zu beauftragen. Ungeachtet dieses Aspekts hätten die beiden Bündnisse aber Gespräche zur Regierungsbildung aufgenommen, wobei, so Procházková die Rolle der Piraten, die bei der Wahl von 20 auf vier Abgeordnete geschrumpft seien, noch unklar sei. Doch eine Mehrheit von gegebenenfalls 104 Abgeordneten gäbe es immer noch. „Die Verhandlungen laufen derzeit auf Hochtouren. Es gibt aber noch keine inhaltlichen Punkte bekannt“, faßte die Journalistin den aktuellen Stand zusammen. Aber sie versuchte, diese mögliche künftige tschechische Re-
gierungskoalition ein wenig zu beschreiben, ja zu charakterisieren. Pro-europäisch – die Tschechische Republik als ein mitteleuropäisches Land mit westlichen Standards –, antichinesisch und Anti-Kreml seien die auf den ersten Blick sich darstellenden Eigenschaften. Allerdings hätten diese Parteien das Bild eines Europas der 1990er Jahre im Auge. „Die Europäische Union hat sich in den letzten Jahren geändert. Diese Änderungen der EU werden kritisch gesehen“, relativierte Procházková. Dies betreffe unter anderem das Klima bezeihungsweise den Klimawandel und die damit verbundenen Pläne der EU, die Position zur gleichgeschlechtlichen Ehe, zur Gleichheit von Mann und Frau, die Einführung des Euro und den Umgang mit Corona. Weitere schwierige Themen seien die Schuldzuweisung an die EU-Kommission für den Brexit, viele Donald-Trump-Befürworter und die Präsenz von ODS-Europaabgeordneten in der EU-skeptischen Fraktion des Europaparlaments. Auch die Positionierung in der Visegrád-Gruppe könne zum Stolperstein werden. Zudem gebe es wenig Kontakte zu Deutschland, zu politischen Stiftungen und auf der Ebene des Europaparlaments, nannte Procházková abschließend weitere Defizite. Die zuletzt staatsmännischen Auftritte von Andrej Babiš würden auf dessen Ambition hindeuten, Staatspräsident werden zu wollen. 2023 stehe die nächste Wahl an. Mit einer Regierung der Parteien aus den zwei Bündnissen ist zu rechnen, auf die inhaltliche Ausrichtung darf man gespannt sein. Markus Bauer
Der Monatsnachmittag Ende Oktober der baden-württembergischen SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf im Haus der Begegnung in Stuttgart-Giebel hatte das Motto „Unterhaltung in froher Runde“.
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bfrau Waltraud Illner berichtete zunächst über Aktuelles aus der landsmannschaftlichen Arbeit, die nach den Lockerungen im Zusammenhang mit Corona weiter an Aktivität gewinne. So sei die sudetendeutsche Ortsgruppe Weilimdorf, die inzwischen mit der Ortsgruppe Zuffenhausen verschmolzen sei – deren ehemaliger Ortsobmann Klaus Weis war mit seiner Frau Klara auch zu diesem Nachmittag gekommen –, bereits im August mit einem Ausflug nach München ins Sudetendeutsche Museum wieder in ihr aktives Programm eingestiegen, habe sich im September zu ihrer Jahreshauptversammlung getroffen und habe eine Tagesfahrt an den Bodensee unternommen, die mit einer Fahrt mit dem „Apfelzügle“ in Überlingen verbunden gewesen sei. Aber auch auf Landes- und Kreisebene kehre die Sudetendeutsche Landsmannschaft nach langer Corona-Pause wieder zu ihrem Programmangebot für ihre Mitglieder und Freunde zurück. Dabei hätten sich im September die Sudetendeutschen aus Stuttgart zu einer Kreisversammlung und der sudetendeutsche Landesverband zu einem Sudetendeutschen Kulturtag im Haus der Heimat in Stuttgart getroffen. Dort habe Christina Meinusch, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, über ihre heimatpflegerischen Aufgaben berichtet. Obfrau Waltraud Illner informierte aber auch über den Verlauf von zwei Landestagungen im Bereich der Heimatvertriebenen, auf denen wieder neue Vorstände gebildet wurden. War es bei der Landestagung der Sudetendeutschen Landsmannschaft Baden-Württemberg Landesobmann Klaus Hoffmann, der in seinem Amt bestätigt wurde und in dessen Vorstand mit seiner Stellvertreterin Waltraud Illner auch die Ortsgruppe Weilimdorf vertreten ist, so war es bei der BdV-Landestagung die Landesvorsitzende, Stadträtin Iris Ripsam MdB a. D., die wiedergewählt wurde und in deren Vorstand ebenso die Weilimdorfer Obfrau Waltraud Illner jetzt als Schriftführerin tätig ist. Zur langsamen Rückkehr in die Normalität beim Programm der Sudetendeutschen sollen aber auch die Jahresabschlußfeier im Haus der Heimat in Stuttgart am 27. November und die Adventsfeier am 4. Dezember im Haus der Begegnung in Stuttgart-Giebel beitragen. Und vorausschauend auf das kommende Jahr kündigte Obfrau Waltraud Illner bereits einen Tagesausflug nach Baden-Baden an. Helmut Heisig
Die SL-Ortsgruppe Weilimdorf beim herbstlichen Monatsnachmittag im Haus der Begegnung in StuttgartGiebel. Bild: Helmut Heisig
AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
„Heimat ist nicht nur ein Land, Heimat ist alles beieinand.“ So klingt es in unserem Wischauer Lied. Und so war es auch auf unserer Reise in die ehemalige Sprachinsel Wischau Mitte September mit dem damaligen Aalener Oberbürgermeister Thilo Rentschler, dessen Frau Brigitte und einigen Aalener Stadträten.
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ie Reise war bereits für das Frühjahr 2020 perfekt vorbereitet gewesen. Dann kam Corona. Als das Aalener Rathaus nun mitteilte: „Wir können starten“, war die Freude riesengroß. Seit 1980 ist das württembergische Aalen im Osten der Schwäbischen Alb Patenstadt der vertriebenen Wischauer, und ihre Oberhäupter sind Patenbürgermeister. Seit 2011 beherbergt die Reinhard-von-Koenig-Schule im Stadtteil Fachsenfeld das Wischauer Informations- und Begegnungszentrum. Auf der Hinfahrt besuchten wir das Museum Insel der Volkstrachten in der Adelsresidenz Wostrau in Mittelböhmen (Ý SdZ 41/2021). Die Geschichte dieser Residenz, die häufig ihre Besitzer wechselte, beginnt 1257. 2005 kaufte die Unternehmerfamilie Mićanek das Gebäude, restaurierte es und brachte es in seine aktuelle Form. „Die acht Jahrhunderte lange Geschichte dieses Ortes atmet einen unverwechselbaren und berauschenden Genius loci“, wirbt eine Broschüre. Über die Eröffnung des Trachtenmuseums im September berichtete die Sudetendeutsche Zeitung bereits. Es zeigt alle Trachten der böhmischen, mährischen, schlesischen und auch der ehemals deutschsprachigen Regionen. Das Museum ist Mitglied der Fachorganisation Verband der Museen und Galerien der Tschechischen Republik. Seine Sammlung ist im Zentralen Sammlungsregister des Kulturministeriums der Tschechischen Republik eingetragen. Wie schon öfter erwähnt, sind auch wir Wischauer mit unserer Trachtenvielfalt vertreten. Die Delegation aus Aalen war voll des Lobes über so viele unterschiedliche Exponate, Dokumentationen und Sammlungen von Spitzen, Knöpfen, Bändern oder Hüten. Historische Objekte dokumentieren die Herstellung von Textilien wie Spinnen, Weben und Nähen. Auch das Verzieren von Kleidung sowie ihre Pflege und Aufbewahrung lernt man kennen. Basislager war das Hotel Atrium in Wischau. Unser Dolmetscher und Reiseleiter war Jan Kuča, der seit der Pandemie in Wostrau arbeitet. Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler und Jürgen Opferkuch, den ehemaligen Ortsvorsteher von Fachsenfeld, zeichneten wir Wischauer am ersten Abend mit der Wischauer Ehrenmedaille aus. Der Sprachinseltag begann mit einem Vortrag über die DreiKaiser-Schlacht am 2. Dezember 1805 bei Austerlitz, denn hier wurde Geschichte geschrieben. Andreas Weißenborn, Oberstleutnant der Bundeswehr und stationiert im Bayerischen Wald, beschäftigt sich seit langem intensiv mit diesem Thema. Er schilderte den Ablauf in allen Einzelheiten, und die Besucher staunten über sein Wissen. Die drei Kaiser waren Kaiser Napoleon I., der seine Truppen vom Hü-
� Sprachinsel Wischau
Heimat ist alles beieinand gel Žuráň aus kommandierte, Zar Alexander I. und Kaiser Franz I. Allerdings war Franz I. im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Napoleon I. und seinem Verbündeten Alexander I. lieber nicht persönlich auf das Schlachtfeld gekommen. In Gundrum, tschechisch Ko mořany, empfingen uns Bürgermeister Jan Kachlík und seine Mitarbeiter und baten uns in die neogotische Kirche Sankt Barbara. Die Kirche war 1804 auf den
tauschten sich die Bürgermeistern kurz, aber intensiv aus. Am Abend fand das Wiedersehen aller Bürgermeister der ehemaligen Sprachinseldörfer statt, wo die Gespräche fortgeführt wurden. Kutscherau war das größte aller Sprachinseldörfer. Bei dessen Sankt-Peter-und-Pauls-Kirche trafen wir Pfarrer Jan Hanák und Bürgermeisterin Marie Lokajová. Der Pfarrer führte uns durch die Kirche. Deren erste schriftli-
11 tigen Aura, die dieses alte Haus ausstrahle, und daß sie hier sehr gerne wohne. In beiden Häusern trügen die Wände den alten, aber erneuerten ganz besonderen Straimelputz. Die Objekte sind sehr gepflegt, und alle Mitreisenden fanden große Lobesworte für die Besitzer wegen ihrer Freundlichkeit und Loyalität. Für sie schien es selbstverständlich, die vielen Fremden in ihren Privathäusern zu empfangen. Rosternitz war unsere letzte Station. Wir parkten den Bus vor dem Gemeindehaus und machten einen ausgedehnten Spaziergang über Swonowitz, damit die Besucher auch einen Eindruck von den Angerdörfern erhielten. Die meisten Häuser sind bewohnt und renoviert. Obwohl es später Nachmittag war, traf man nur wenige Dorfbewohner, denn das bäuerliche Leben ist mit unserer Vertreibung verschwunden. Viele Anwesen sind Zweitwohnsitze oder Ferienhäuser. Der Dorfmittelpunkt von Rosternitz mit Gemeindehaus – früher Volkshaus –, den drei Sölderhäusern Nr. 51, 52 und 53, sowie dem Bushäuschen, einem Söldereingang nachgebaut, geben dieser Denkmalzone ein besonderes Flair. 2002 bis 2004 hatte man das Gemeindehaus renoviert. An der Fassade wurde nur ein kleiner Teil ein wenig umgebaut, innen blieb alles original, wurde aber renoviert. Unsere Ausstellung im ersten Stock ist seit der Eröffnung 2004 allen zugänglich, die sich für das alte Rosternitz interessieren. Das Treffen aller Bürgermeister im Gemeindehaus ver-
de Kutscherau finanzierten das meindeleben bereichert und das Projekt. Und wir freuten uns dar- Alte mit dem Neuen verbindet. über. In Lissowitz besuchten wir alDurchs „Kiragassl“ gingen wir te Sölderhäuser. Unser erster Beanschließend ins Dorfwirtshaus. such galt dem Haus Nr. 72 der Dort war bereits eine schöne Ta- ehemaligen deutschen Besitzer fel für uns gedeckt. Wir wurden Josef und Elisabeth Kutmit landestypischen Spezialitä- scherauer. Heute wohnt ten verwöhnt: kräftige Rinder- das tschechisch-österreichisuppe mit verschiedenen Einla- sche Ehepaar Sedlák in dem gen, Lendenbraten, Hefeknödel Haus. Bereitwillig öffneten sie uns ihre Haustür, und alund Gemüsesoße. Nach dieser heimatlichen Stär- le Besucher sahen, wie man kung besuchten wir das benach- früher in einem echten Sölbarte Gemein- derhaus wohnte. Das Haus dehaus. Dieses war nie zweckentfremdet, steht mitten im sondern durchgehend von Dorf und er- Familien bewohnt worden. hielt 2020 den Die ursprüngliche Einrichzweiten Preis tung ist noch erhalten. Lebeim Wettbe- diglich Details, die dem werb „Unser Zahn der Zeit nicht standgehalten hatten, waren reeuropäisches Projekt“ für noviert oder erneuert wordie erstklas- den. In der guten Stube sige Renovie- fand man vor ein paar Jahrung des ehe- ren Malereien an Decke maligen al- und Wänden. Diese legte ten, deutschen der tschechische Denkmalschutz frei. Jetzt kann man Kutscherau: Die neue zweisprachige Tafel Gasthauses. Aus dem al- sie besichtigen. Die Dec- erklärt den Kinderfriedhof. ten, renovie- ken- und Wandfarben sehen nach der Renovierung gut hieß ein spannendes Ende dierungsbedürfLissowitz: Das Sölderhaus Nr. 33 um 1930. Links Edita Vlčková und Rosina tigen Haus und frisch aus. Auch der alte Ka- ses Sprachinselbesuchs. Im Saal heute vor dem renovierten Sölderhaus. wurde ein su- chelofen erstrahlt wieder in neu- war bereits unter Leitung des Roem Glanz, und ein Lehmofen sternitzer Bürgermeisters Roman permodernes Grundmauern che Erwähnung stammt aus dem Gemeindezentrum. Am Eingang wurde neu eingebaut. Stana Sed- Petřík eine Tafel für uns gedeckt. eines aus dem Jahr 1235, als es eine zum Klo- wurde die deutsche Inschrift lák verwöhnte uns mit selbstge- Bald trafen alle Gäste und die an14. Jahrhunster Doubrawnik gehörende Kir- „Gasthaus“ wieder angebracht. backenen Flecken, Kuchen und deren Bürgermeister ein. Wir baten František Brtník, dert stammen- che gab. 1725 wurde die Kirche Auf meine Frage „Warum?“, be- Kaffee. Im gegenüberliegenden Söl- ehemals Tschechen, Martin Ha den Vorgänger- umgebaut und erhielt 1892 ei- kam ich die Antwort: „Das muß ček, ehemals Tschechen, Irebaus errichtet worden. Dort ga- nen Anbau. Die letzte vollstän- sein, denn es war ja einmal ein derhaus Nr. 33 des ehemaligen ná ben uns zwei Brünner Musiker dige Renovierung, insbesonde- deutsches Gasthaus.“ In einem deutschen Besitzers Franz Fi- na Hradilová/Schickl, ehemals und Sänger ein kleines Konzert. re der Innenräume, fand 1924 bis Teil des Gebäudes ist auch die scher erwartete uns bereits die Gundrum, und Eva Vernerová/ Die Akustik in dieser Dorfkirche 1925 statt. Besonders stolz war Dorffeuerwehr untergebracht. Eigentümerin Edita Vlčková. Sie Babek, ehemals Hobitschau, uns ist überwältigend. Als das deut- der Pfarrer auf den neuen Volks- Bürgermeisterin Lokajová ist hieß uns willkommen und ge- zu erzählen, wie sie als Nachsche „Heilig, heilig, heilig“ er- altar, der 2020 eingebaut worden richtig stolz auf dieses Gebäu- stattete jedem, sich von der al- kommen deutscher Eltern hier klang, floß so manche Träne. war. Er zeigt auf allen vier Seiten de, in dem sie ihre Arbeiten sehr ten Bauweise und der Aufteilung lebten. Als sie das taten, herrschNach diesem erbaulichen Mosaike mit unterschiedlichen ernst nimmt und dabei die ganze des ehemaligen Bauernhofs ein te absolute Stille und hochkonEmpfang ging es in das 1821 er- christlichen Motiven. Gemeinde einbezieht. Schön, wie Bild zu machen. Die Eigentüme- zentrierte Aufmerksamkeit. Die lockerten dann gute Gebaute und 2011 restaurierte PfarrAm Weg zum Kinderfried- man sich hier engagiert, das Ge- rin erzählte uns von der einzigarspräche und die zünfhaus. Im obersten Stock sahen hof war einen Tag vor untige Musik von Hardl wir eine kleine Ausstellung über serem Besuch eine neue Schmiedt auf seiner Ziehdie ehemals deutschen Bewoh- Tafel aufgestellt worden. harmonika auf. Schließner. Beim anschließenden Buffet Der Text ist deutsch und lich verabschiedeten wir war die Begegnung mit den ver- tschechisch. Bis in die früuns von den tschechibliebenen Deutschen im Dorf ein hen 1920er Jahre waren schen Freunden und hofbesonderes Erlebnis. Rentsch- 20 Prozent männlicher fen auf ein Wiedersehen. ler traf mit seinen Gesten und Verstorbener jünger als Auf der Rückreise beWorten genau die Herzen dieser ein Jahr, bei den Frauen suchten wir in Krems die Landsleute, die sich sehr freuten. waren es 15 Prozent. Bis Landesgalerie Nieder Bei dem Freundschaftsbesuch in 1955 wurden Verstorbeösterreich. Dort bewunGundrum erfuhren wir, daß die ne unter zwölf Jahren auf derten wir unter fachmänGundrumer ihren Bürgermeister dem Kinderfriedhof beinischer Führung nicht liebevoll „unser König“ nennen. gesetzt. Vergangenes Jahr nur die spektakuläre ArHobitschaus Bürgermei- wurden die 52 erhaltenen chitektur der 2019 eröffster Antonín Kopřiva erwarte- deutschen Kindergräber neten Galerie. Damit ente uns bereits am Ortseingang. aus den Jahren 1920 bis dete eine so berührenWir wählten diesen Platz für ein 1955 unter der Obhut der de wie anregende Fahrt Gruppenfoto, weil hier das drei- Gemeinde sorgfältig rezu den Wurzeln unserer sprachige Ortseingangsschild: konstruiert und restauWischauer Vorfahren. „Welcome! Willkommen! Vítás riert. Die Südmährische Rosina Reim vás obec Hlubočany“ steht. Hier Region und die Gemein- Kutscherau: Pfarrer Jan Hanák erklärt den Volksaltar und seine Mosaike.
Neudeker Heimatbrief
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Bärringen
Folge 627 · 11/2021
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 628 (12/2021): Mittwoch, 8. Dezember.
Die Augsburger Freunde Neudeks auf ihrem Weg ins Egerland.
Bilder (4): Ulrich Böck
Jubiläumsfahrt anläßlich 30 Jahre Freundschaft zwischen Augsburg und Neudek
Freundschaft und Versöhnung sind besser als Haß – Přátelství a usmíření jsou lepší než nenávist Mitte Oktober brachen 35 Teilnehmer zu der verschobenen Jubiläumsfahrt nach Neudek auf. Vor 30 Jahren hatte die Freundschaft zwischen Augsburg und Neudek begonnen.
I
m Neudeker Heimatbrief Nummer 620 (4/2021) berichteten wir ausführlich über 30 Jahre Freundschaft, die bei der ersten offiziellen Begegnung im April 1991 zwischen den „Kindern von damals“ – das waren Anita Donderer und Herbert Götz – und dem nach der Wende ersten demokratisch gewählten Bürgermeister Neudeks, Jiří Bydžovský, im Neudeker KinoCafé begann. Im April 2021 wäre genau das 30jährige Jubiläum gewesen. Doch zu diesem Termin war wegen Corona eine Reise in die Tschechische Republik unmöglich. So waren wir gezwungen, die Jubiläumsfahrt zu verschieben. Am Freitag, den 15. Oktober, war es dann soweit: Mit einem Bus der Biburger Firma Nußbaum startete die 35köpfige Freundesgruppe aus Augsburg in Richtung Neudek. Das Programm wurde dem vor 30 Jahren nachgestaltet. Der erste Programmpunkt war die wunderschöne, barocke Stiftsbasilika in Waldsassen. Ein besonderer Anziehungspunkt ist dort der „Ge-
schändete Heiland“, der auch als verlas sie die Namen der inzwiSymbol für die Vertreibung ver- schen Verstorbenen. Und jeder ehrt wird. Doch warum? konnte im Gedenken an eine ihm Nach dem Zweiten Weltkrieg nahestehende Person – ob Vawurde in dem nahen böhmischen ter, Mutter, Tante oder BekannOrt Wies die Kirche abgerissen. te – eine Kerze entzünden. DaEin deutscher Grenzbeamter be- bei erklang leise das „Ave Maria“ obachtete, wie ein tschechischer von Franz Schubert. Soldatentrupp den Heiland geNach dieser einfühlsamen und waltsam von dem Kreuz riß, ihm stimmungsvollen Station war dabei beide Ardas nächste Ziel me abriß und ihn wie 1991 der bein ein Feuer warf. kannte böhmiIn einem unbesche Wallfahrtsobachteten Moort Maria Kulm. ment retteten Dort erwartedeutsche Grenzte Pfarrer und beamte den CorProbst Milan pus und brachten Kučera bereits ihn in die Pfardie Reisegruprei Waldsassen. pe. Er erläuterDort ist er nun te die Bedeutung an einer Säule von Maria Kulm, als Gnadenbild sprach aber auch angebracht und über die ProbleZiel vieler Wallme. Vieles sei fahrten derer, Roman Kloc dolmetscht. seit der Wendenen im Zuge de in der Kirder Vertreibung auch vieles ent- che mit Spenden wieder restaurissen worden war. riert worden. Jedoch werde sie, Deshalb hatte Donderer, Or- so Kučera, nie wieder so werden, ganisatorin der Jubiläumsfahrt, wie sie einst gewesen sei. An dem diesen Ort für ein kurzes Geden- Ort würden auch die Gläubigen ken an diejenigen ausgewählt, fehlen, die zum Gottesdienst kädie vor 30 Jahren bei der ersten, men. Manchmal sei nur er selbst emotionalen Busfahrt ins Unge- und sein Hund bei einer Messe, wisse dabei gewesen waren und bedauerte er. Trotz allem waren heute nicht mehr unter uns sind. alle von dem Glanz der Kirche Anhand der damaligen Busliste beeindruckt.
Probst Milan Kučera erläutert die Bedeutung der Gnadenkapelle von Maria Kulm.
Gegen Abend erreichten wir zender Andrš eröffnete die Verunser Ziel Hotel Anna in Neu- anstaltung und begrüßte die Gädek. Zum Abendessen gesellten ste. Erfreulicherweise folgten sich auch die inauch viele Neuzwischen angedeker Bürger der reiste Zweite BürEinladung, so daß germeisterin von der Kinosaal mit Augsburg, Marrund 70 Personen tina Wild. Eine besetzt war. Abordnung von Neudeks BürNeudek/Nejdek, germeisterin JoN-VorsitzenLudmila Vocelder Pavel Andrš, ková schloß sich Stadtrat Miroslav dem WillkomDrobný mit Ehemensgruß an und frau Iveta und eisagte, sie freue nige Mitglieder sich sehr über der Bürgerorgadie freundschaftnisation JoN (Jde lichen Kontako Nejdek – Es te. Im Namen geht um Neudek) der Reisegruppe begrüßten die dankte DondeGäste aus Augsrer als eines der burg. Und so kam „Kinder von daes zu einem regen mals“. Sie wolGedankenausle aber – wie vor tausch und zu ei30 Jahren – mit nem gemütlichen den Worten von Beisammensein. Herbert Götz beDie Jubiläumsginnen und sich veranstaltung be- Der „Geschändete Heiland“ in für die freundgann am Sams- der Basilika von Waldsassen. liche Aufnahme tagvormittag im bedanken. Der Kinosaal. Schon im Vorraum größte Dank gebühre dem damades Kinos war eine kleine Aus- ligen Neudeker Bürgermeister stellung über die 30 Jahre wäh- Jiří Bydžovský, den sie als „Gerende Völkerverständigung und burtshelfer“ der freundschaftliFreundschaft aufgebaut, die auf chen Begegnungen bezeichnereges Interesse stieß. JoN-Vorsit- te. Sie wünsche – auch im Sin-
Bild: Josef Grimm
Feierstunde im Kinosaal.
ne von Götz –, daß die Brücke, deren Bau im Jahr 1991 begonnen habe, auch von den nächsten Generationen weiter beschritten werde. Götzes und ihr Motto sei stets gewesen: „Wir wollen eine Brükke sein, eine Brücke von Land zu Land, eine Brücke von Stadt zu Stadt, eine Brücke von Mensch zu Mensch, aber vor allem eine Brücke von Herz zu Herz.“ Die Aktionen der letzten 30 Jahre bewiesen, daß die Brücke inzwischen auf festen Pfeilern stehe. In Vertretung von Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber sprach Martina Wild, Augsburgs Zweite Bürgermeisterin, lobende Worte über die Patenschaft zwischen Augsburg und Neudek. Diese sei im Jahr 1972 aufgrund der Eingemeindung Göggingens von der Stadt Augsburg übernommen worden. Mit Anerkennung betonte sie, daß im Jahr 1991 Neudek/Nejdek die erste Stadt in der Tschechoslowakischen Republik gewesen sei, die ihre früheren Bürger eingeladen habe. Gerne lade sie nun die gegenwärtige Neudeker Bürgermeisterin ein, die Stadt Augsburg im nächsten Jahr zu besuchen. Heinz Münzenrieder, Augsburger Stadtdirektor a. D., verlas das Grußwort von Sylvia Stierstorfer MdL, Beauftragte der
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NEUDEKER HEIMATBRIEF � Sankt-Josefs-Kirche in Schönlind
Die Renovierung schreitet voran Josef Grimm, Vorsitzender der Heimatgruppe „Glück auf“, Dr. Heinz Münzenrieder, Augsburger Stadtdirektor a. D., Regina Bydžovsková, Witwe des früheren Neudeker Bürgermeisters Jiří Bydžovský, Augsburgs Zweite Bürgermeisterin Martina Wild, Anita Donderer, Mitbegründerin der Initiative „Die Kinder von damals“, Neudeks Bürgermeisterin Ludmila Vocelková und Dr. Pavel Andrš, Vorsitzender des Bürgervereins JoN. Bild: Sonja Bourová
Die Erinnerungstafel im Neudeker Rathaus.
Die Renovierungsarbeiten an der Sankt-Josefs-Kirche in Schönlind im Kreis Neudek werden fortgesetzt. Spenden sind willkommen und notwendig. Reinhold Erlbeck berichtet.
M
onsignore Petr Fořt aus Graslitz teilte in seinem Pfarrbrief vom 18. Juli 2021 mit: „An der Sankt-Josefs-Kirche in Schönlind gehen die Renovierungsarbeiten weiter. Auf der rechten Seite des Daches werden neue Naturschiefer gelegt. Insgesamt werden dafür in diesem Jahr 1 280 000 Tschechische Kronen, umgerechnet rund 51 200 Euro, verwendet.“ Das Kulturministerium Prag stellt 1,1 Millionen Tschechische Kronen bereit. Die Gemeinde Schindlwald, tschechisch
Im Felsenbierkeller in Kuttenplan.
Bayerischen Staatsregierung von einem Künstler aus Schlac- verlaufen war. Einige der damafür Aussiedler und Vertriebene. kenwerth angefertigt und gra- ligen Teilnehmer hatten ihren Stierstorfer würdigte vor allem viert worden war. Auch sie soll an Heimatort nach 45 Jahren das erdas beispielhafte freundschaftli- die 30 Jahre lange Verbindung ste Mal wieder gesehen, und alle che Verhältnis beider Städte, in- erinnern. Sie wird im Rathaus vor schwelgten in Erinnerungen. itiiert schon im Jahr 1991 Nach dem Mittagesvon den „Kindern von sen, zu dem die Stadt damals“, und bedankNeudek eingeladen hatte sich bei den Brückente, stand ein Besuch der bauern. Kurstadt Karlsbad auf Als Dolmetscher fundem Programm. Auch gierte hervorragend Roden Bus für den Nachman Kloc aus Prag, der mittagsausflug stellte sudetendeutsche Wurdie Stadt Neudek. Im rezeln in Trinksaifen hat. nommierten Hotel ImpeJosef Grimm, Erster Vorrial fand die Kaffeestunsitzender der Neudeker de statt. Danach fuhr die Heimatgruppe „Glück Gruppe mit der Standauf“, erinnerte in tscheseilbahn in das Kurvierchischer und deuttel. Ob mit Kutsche oder scher Sprache noch einzu Fuß, Karlsbad zeigte mal an all die vielen Unsich in seinem schönsten ternehmungen in den herbstlichen Kleid. Bevor zurückliegenden 30 es wieder zurück nach Jahren wie Benefiz-FußNeudek ging, durfte ein ballspiele, KrankenhilfsBesuch im Becherovkamittel-Transporte oder Museum mit Verkostung die gemeinsame Beteinicht fehlen. ligung bei den SudeAm Abend unterhielt tendeutschen Tagen. Er Franz Severa, ein heiwünschte der in den letzmatverbliebener Sudeten Jahren gewachsenen, tendeutscher, die Gruperfolgreichen Zusampe mit böhmischen Liemenarbeit aus den „Kin- Das Grabkreuz für Herbert Götz steht nun auf dem dern. Auch verriet er dern von damals“, der Neudeker Friedhof neben dem Gedenkstein: „Zum einiges aus seinem beneuen Neudeker Hei- Gedenken an alle bis 1946 Verstorbene aus Neudek wegten Leben, welches matgruppe „Glück auf“ und Umgebung, die hier in der Heimaterde ruhen.“ er als Kleinkind vier Jahund der Bürgerorganisare lang auch in Bergtion JoN dauerhaften Bestand. dem Sekretariat der Bürgermei- heim bei Augsburg verbracht haGrimm: „Freundschaft und Ver- sterin aufgestellt werden. be. Mit seinen Liedern, darunter söhnung sind besser als Haß – Zwischen den Reden erinner- auch „Vugelbeerbam“ oder „Of Přátelství a usmíření jsou lepší ten Videoaufzeichnungen an die da Barch do is hålt lustig“, aninež nenávist.“ erste Begegnung im April 1991 mierte er die Gäste zum MitsinAls Überraschung stellte Bür- im Kino-Café. Noch einmal er- gen. germeisterin Vocelková zusam- lebten alle, wie emotional dieAm Sonntag hieß es Abschied men mit Andrš eine Tafel vor, die se erste Reise in die alte Heimat nehmen. Doch bevor wir noch ei-
nen letzten Blick auf die Kirche und auf die Schöne Aussicht warfen, besuchten wir auf dem Friedhof den Gedenkstein für alle, die bis 1946 in der Heimaterde ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Der Gedenkstein war im Oktober 2016 eingeweiht und vom damaligen Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl, vom damaligen Neudeker Bürgermeister Lubomír Vítek und Herbert Götz enthüllt worden. Neben dem Gedenkstein steht jetzt auch ein Gedenkkreuz für Götz. Außer dem Namensschild hatten unsere Neudeker Partner und Freunde noch eine kleine Gedenktafel mit folgendem Text angebracht: „Zum Gedenken an Herbert Götz, gebürtig in Bernau, einem bekannten Augsburger Bürger und großzügigen Gönner und Unterstützer der Stadt Nejdek“. Die Heimfahrt wurde zu einem kurzen Besuch im Weihnachtsschlößchen bei dem Karlsbader Ortsteil Aich/Doubí genutzt. Ein Abstecher über Marienbad mit Besichtigung der Singenden Fontäne durfte auch nicht fehlen, bevor es zu dem obligatorischen Abschieds-Mittagessen in den Felsenkeller nach Kuttenplan/ Chodová Planá ging. In Augsburg waren sich alle einig, drei schöne Tage in Neudek erlebt zu haben, die sicher noch lange in Erinnerung bleiben würden. Als Rückblick über die gesamte Reise fertigte Helmut Günther eine DVD an, welche allen Reiseteilnehmern bald bei einem Filmabend in Göggingen vorgeführt wird. ar
Die eingerüstete Sankt-Josefs-Kirche in Schönlind Anfang November. Bild: Petr Rojík
WIR GRATULIEREN Der Heimatkreis, die Heimatgruppe „Glück auf“ und die Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 19. November bis 16. Dezember Geburtstag feiern. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit. n Abertham. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, 9. Dezember 1942. n Bärringen. Liesl Schraut, Liegnitzer-Straße 9, 74722 Buchen, 23. November, 1942. n Kohling. Ewald Friedl, Höhenweg 16, 92284 Poppenricht, 13. Dezember 1926. n Trinksaifen. Emil Herold, Diebelbachstraße 14, 86199 Augsburg, 30. November 1929.
A Im Café des Hotels Imperial in Karlsbad.
Šindelova, steuert 30 000 Tschechische Kronen bei. Die restlichen 150 000 Tschechischen Kronen stammen aus unserem Spendenaufkommen über die Sudetendeutsche Stiftung.“ Ich teilte Monsignore Fořt mit, daß ich bereit sei, die weiteren Schritte der Renovierung zu unterstützen. Dazu gehört auch die Renovierung des Altarbildes, der Orgel und des Innenraumes. Spenden für unsere Kirche können auf das Konto der Sudetendeutschen Stiftung beim Postgiroamt München überwiesen werden; IBAN DE96 7001 0080 0000 9188 00; BIC PBNKDEFF; Verwendungszweck Kirche Schönlind. Ich danke schon jetzt allen Unterstützern, die für unsere Kirche spenden wollen.
Bilder (4): Ulrich Böck
uch im Erzgebirge zieht Väterchen Frost langsam ein. In Gottesgab, der Heimatstadt unseres Erzgebirgsdichters und -sängers Anton Günther (1876–1937), fiel Anfang November der erste Schnee. Bereits 1529 verlieh der sächsische Kurfürst Johann Friedrich I. der Bergbausiedlung Gottesgab das Stadtrecht. Die alte Bergstadt ist ein bedeutendes Wintersportzentrum und gilt als die höchstgelegene Stadt in der Tschechischen Republik und in Mitteleuropa. Die Stadt liegt auf einer Hochebene auf dem Erzgebirgskamm in einer Höhe von 1028 Metern über dem Meeresspiegel. Bild: Západ.cz
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
Streetart-Eichhörnchen im Park beim ehemaligen Freibad in Teplitz-Schönau und Streetart am ehemaligen Schmejkalplatz in Teplitz-Schönau: Goethe, Lindenhof, Mühlig-Villa.
� Teplitz-Schönau
Streetart und Graffiti im Stadtbild Begriff Streetart in Verbindung gebracht werden, die sich vor allem nach 2005 verbreitete. Artisten aus der StreetartSzene wollen nämlich ihre Meinung kundtun. Sie wollen mit den Menschen in der Stadt kommunizieren und große Werke erschaffen, ihren Gefühlen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen und gewisse Botschaften und Geschichten hinterlassen. Mittlerweile akzeptiert die Gesellschaft auch diese Art von Kunst. Streetart-Künstler setzen ihr Hauptaugenmerk auf den großen Bildanteil in ihren Werken.
inhaltlich erkennen. Mit beiden Arten der Selbstverwirklichung können wir uns auch in TeplitzSchönau bekannt machen. Nach 1989 wurde in TeplitzSchönau der gesamte stark heruntergekommene, städtische Immobilienbesitz durch Beschluß des Stadtrats in Auktionen in Privatbesitz überführt. Damit füllte sich nicht nur auf beträchtliche Weise die Stadtkasse – Teplitz-Schönau ist auch heute noch eine der wenigen schuldenfreien Städte in der Tschechischen Republik –, sondern es begann auch eine rasche Er-
as herkömmliche Straßengraffiti ist oft eine reine Reviermarkierung. Bunte, oft vulgäre Wandsprüherei, die Außenstehende häufig als störend, schädigend und gesetzeswidrig ansehen. Viele solcher Maler haben als Ziel Irritierung und Provokation. Sie wollen sich sowohl politisch als auch gesellschaftlich äußern. Graffiti-Künstler verewigen sich und ihre Handschrift auf diversen Untergründen, um damit zu sagen: „Ich war hier!“ Der GraffitiKünstler hin- Streetart-Denkmal für Kurt Taussig in der Unterführung nach Settenz. terläßt seinen Namen oder seinen Künstler- Die künstlerischen Abbildun- neuerung der bisher tristen Fasnamen in einer kunstvollen und gen bestehen meist aus pracht- saden. Denn die Renovierung auffälligen Schreib- und Mal- vollen und aussagekräftigen Bil- der Gebäude war als Bedingung schrift. Während Graffiti-Wri- dern und Kleingeschichten mit mit dem Kauf städtischen Eigenter ebenfalls Kunst auf die Straße großer Wirkung. Sie regen unter tums verbunden. Und dabei entbringen, möchten viele dieser an- anderem auch zum Nachdenken stand auch das Betätigungsfeld onymen Künstler nicht mit dem an. Und sogar Laien können sie für die durchweg jungen Leute,
die ihre neu gewonnene Freiheit auf ihre Art kundtun wollten. Das zwang die Stadtverwaltung zum Handeln. Der damals frisch gewählte Oberbürgermeister von TeplitzSchönau, Jaroslav Kubera, ließ deshalb in einer Nacht- und Nebelaktion mit Hilfe der Stadtpolizei diese „Schmierer“ einsammeln. Aber statt einer Strafe, versuchte er, mit ihnen zu kommunizieren. „Ihr dürft in unserer Stadt malen, aber nur dort, wo wir es euch gestatten“, verkündete Kubera damals. Und er stellte ihnen zahlreiche Flächen wie Unterführungen, Schallmauern und andere kaum erneuerbare Flächen zur Verfügung. Das Ergebnis dieser Aktion zeigt sich bis heute: Teplitz-Schönau gehört zu den wenigen Städten, die im Wesentlichen nicht von wilden Graffiti verschandelt wird. Dafür entstanden an unansehnlichen Flächen mitunter Kunstwerke, zu denen man geteilter Meinung sein kann. Aber auch das gehört nun zu unserer „neuen“ Welt. Stadtoberhaupt Kubera hatte bis zu seinem Tod 2020 eine po-
Steetart bei der Unterführung Alleestraße, linke …
… und rechte Seite des langgestreckten Kunstwerkes.
Der englische Begriff Streetart – seltener Street Art – heißt übersetzt Straßenkunst, welche verschiedene Kunstformen im öffentlichen Raum umfaßt. Dabei grenzt sich stilvolle Streetart von einfachem Graffiti ab. In Teplitz-Schönau verschönerten Streetart-Künstler sogar im Auftrag der Stadt öffentliche Plätze.
D
Oberbürgermeister Hynek Hanza, Streetart-Künstler Kamil Vacek und Vizebürgermeister Jiří Štábl beim Streetart-Kunstwerk zum Gedenken an Ludwig van Beethoven. sitive Einstellung zu diesem neuen Trend. Und die jungen Leute akzeptierten ihn. Auch die neue Stadtführung beauftragte in den beiden letzten Jahren bekannte Streetart-Künstler mit bestimmten Themen. Der Name Kamil Vacek ist unter der Teplitzer Bevölkerung kaum bekannt, aber viele kennen seine großflächigen Malereien. Seit 1995 belebt der bereits 43jährige Streetart-Künstler unter dem Spitznamen Camo, in Vereinbarung mit dem TeplitzSchönauer Rathaus unansehnliche Flächen in der Stadt. Beispiele davon waren an den Mauern des alten Kaufhauses am Markt zu sehen. Diese verschwanden durch den Abriß des Objekts um 2012, was sogar die älteren Teplitzer Bürger bedauerten. Auch die Staffagen des Portraits Ludwig van Beethovens,
anläßlich seines 250. Geburtsjubiläums gehören zu seinen Werken. Diese stehen nun in der Nähe des Kurhauses Beethoven. Und an der Unterführung Richtung Settenz setzte dieser Künstler im Auftrag der Stadt dem Ehrenbürger von Teplitz, Kurt Taussig (geboren 1923 in Teplitz-Schönau, gestorben 2019 in London), ein Denkmal. Taussig kämpfte in der britischen Royal Air Force als Pilot im Zweiten Weltkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland. Während unsere Stadtväter früher Park- und öffentliche Anlagen mit Statuen, Glorietten und kleinen Tempelbauten verschönerten, gewöhnt sich der heutige Bürger an Graffiti und Straßenkunst, solange sie unser moralisches Empfinden und politische Toleranz nicht verletzen. Jutta Benešová
HEIMATBOTE
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Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
In Pferdekutschen nehmen die ältesten Absolventen des Gymnasiums am Umzug durch die Stadt teil.
Die einzelnen Absolventen-Jahrgänge treffen sich auf dem Platz vor der Chodenburg, was einer großen Demonstration gleicht.
JDann treffen sich alle im Rathaus. Das Tauser Gymnasium Jindřich Šimon Baar feierte zu Beginn des neuen Schuljahres eine Woche lang 150jähriges Bestehen.
E
igentlich hätte das Jubiläum bereits im Juni gefeiert werden sollen, da die Gründungsurkunde das Datum Juni 1871 trägt. Doch da ließ Corona keine Jubiläumsfeier zu. Da die ersten Schüler am 4. Oktober 1871 im Gymnasium eintrafen, das sich damals noch gegenüber dem Chodenmuseum und der Freiheitsstatue befand, wurde die Veranstaltung kurzerhand in den Herbst verlegt. Heute ist das ehemalige Gymnasium eine Mittelschule für medizinische Ausbildung. Direktorin Jana Stenglová, die mit Deutschlehrer Kamil Jindřich – er war früher Tauser Kulturamtsdirektor – über das Ereignis informierte, erwähnte, daß die Vorbereitung kompliziert, streßvoll und unsicher gewesen sei. Doch die Organisationsmühen hatten sich gelohnt, denn die Jubiläumsveranstaltungen wurden zu einem unvergeßlichen Erlebnis. So gab es zum Auftakt gleich ein Nostalgie-Café, das im Stil der Ersten Republik eingerichtet war und die ganze Woche geöffnet hatte. Auf die Besucher warteten nostalgische Zeitungen mit
Bilder: Karl Reitmeier
150 Jahre Jindřich-Šimon-Baar-Gymnasium in Taus
Die Arbeit hat sich gelohnt vielen historischen Fotografien bekannten Architekten Adolf Gymnasiums im Spiegel wichti- solventen, Lehrern und heutigen aus der alten und jüngeren Ge- Loos beschäftigten. Mit diesen ger Ereignisse in der Geschichte Schülern durch die Innenstadt, schichte des Gymnasiums. Das Werken hatten sich die Schüler Böhmens, Europas und der Welt der am historischen Gebäude Interesse war groß, denn neben bereits drei Jahre zuvor in Pil- betrachtete. des einstigen Gymnasiums auf Kaffee gab es auch diverse Lek- sen vorgestellt. Die Schüler boBürgermeister Zdeněk Novák dem Platz bei der Chodenburg kereien. Als Servicekräfte fun- ten auch Führungen durch die und seine Stellvertreter Stanis- endete. Dort hielten der ehegierten natürlich die Schüler. Schule, wobei sich viele ehema- lav Antoš und Radek Wiesner malige Direktor Jaroslav Tobiáš Ab Montag lief ein umfang- lige Absolventen an ihre eigene empfingen heutige und ehemali- und dessen Nachfolgerin Jana reiches Sportprogramm mit Bas- Schulzeit erinnerten. ge Gymnasiallehrer sowie ande- Štenglová Ansprachen und legketball, Volleyball und FußIm Saal des Kulturzentrums re Gäste im Festsaal des Rathau- ten einen Gedenkkranz nieder. ball. Außerdem war ein virtuel- fand eine einmalige Schulauffüh- ses. Dieser Zeremonie folgte ein Die ältesten Absolventen durften ler Wettkampf im Gehen, Laufen rung statt, die die Geschichte des unglaublicher Umzug von Ab- auf zwei Wagen teilnehmen, die und Radfahren von Pferden ausgeschriegezogen wurben, bei dem den. An der die TeilnehSpitze des Ummer ihre Leizugs gingen stungsaufSchüler, die zeichnungen die Flagge und elektronisch das Emblem übermittelten. der Schule truEbenfalls am gen. Montag wurWie Štengde im Kulturlová informierzentrum Galete, seien minrie Pivovar eidestens 1000 ne Ausstellung Menschen zum von SchülerUmzug geKunstwerken kommen. Dieeröffnet, die Direktorin Jana Štenglová mit ihrem Vorgänger Jaroslav Tobiáš am Denkmal vor dem ehemaligen Gymnasium se Zahl war gesich mit dem und mit ihrem Stellvertreter Václav Kozina am Grab von Jindřich Šimon Baar. waltig und eine
schöne Überraschung. Zuvor hatte – nicht zuletzt wegen Corona – Nervosität geherrscht, denn man wußte nicht, wie viele Leute kommen würden. Und dann seien alle Erwartungen weit übertroffen worden, freuten sich Jana Štenglová und Kamil Jindřich. Zu den seltenen Gästen hatten Absolventen gehört, die 1946 ihr Studium abgeschlossen hatten. Der letzte Tag der Feier war hauptsächlich geistlicher Natur. Am Morgen fand in der Kirche des Augustinerklosters eine Gedenkmesse statt. Danach fuhren Interessierte mit dem Bus nach Klentsch, um des Schulpatrons Jindřich Šimon Baar an seinem Grab zu gedenken. Zum Jubiläum wurde auch ein Jahrbuch herausgegeben, das während der Feierwoche angeboten wurde und schnell ausverkauft war. Nun wird eine Neuauflage gedruckt. Neben dem Almanach konnten Interessierte auch verschiedene Souvenirs erwerben, die an das Jubiläum erinnern. Aufgrund der großen Resonanz, auf die die 150-Jahr-Feier des Jindřich-Šimon-BaarGymnasiums in Taus gestoßen war, konnte Direktorin Jana Stenglová zufrieden feststellen: „Die Arbeit hat sich gelohnt.“ Karl Reitmeier
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 46 | 19. 11. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Pfraumberg
Mutters Ehering im Sauerkraut Der Krautanbau hatte in Pfraum berg eine überaus lange Tradition.
A
Fahrkarte der Deutschen Reichsbahn vom 26. April 1947 von Waidhaus nach Karlshafen und der Begleiterausweis.
� Labant: Erinnerung an 75 Jahre Vertreibung
Wer will nach Sonderhausen? tung Bayern Die Vertreigestattet wurbung führte de, baten meizwei Labanter ne Eltern, sie Familien nach mögen doch Sondershauunseren Handsen in Thürinwagen nach gen. Die Stadt Waidhaus mitwar im Zuge nehmen und der vorrückenin einem beden Amerikastimmten Haus ner noch am abgeben. Ge8. April 1945 nau das taten bombardiert sie auch. Man worden. Durch staune über die die WohnungsEhrlichkeit in knappheit war dieser schweder Zuzug an Ludwig Seidl lebte von 1903 bis strenge Bedinren Zeit. Mein Vater 1970. gungen geLudwig Seidl knüpft. Hier hatte zum Kriegsende großes gab Ludwig Seidl Maurer als Glück. Mit der unvorstellbar gro- Beruf an. Sein Onkel, ebenfalls ßen Zahl an Gefangenen waren Maurer, bekam auch eine Wohdie Alliierten total überfordert. nungszuweisung und fand trotz
was auf den Handwagen gepaßt hatte, hatten sie zunächst mitnehmen können. Alles andere war bei Verwandten zurückgeblieben. Mit der Bahn ging es weiter, erschwert durch Ausladen und wieder Einladen beim mehrmaligen Umsteigen. An der Grenze zu Thüringen fragte ein Bahnbeamter meinen Vater, wo er denn mit dem Krempel hinwolle? Auf m Mittelpunkt steht natürlich die Antwort „Nach Sondershaueine Person, mein Vater Ludsen in Thüringen“ erwiderte der wig Seidl, 1903 in Labant geboBahner: „Da bist du der Einzige.“ ren. Der Erste Weltkrieg verhinLange wurde die Frage diskuderte den Weg zu einer höhetiert, warum die Familie nicht in ren Bildung, auch der Wunsch, den Westen geholt worden sei. Tischler zu werden, ging nicht Erstens glaubten fast alle an eiin Erfüllung. Blieb also das Baune baldige Rückkehr in die Heihandwerk als einzige Möglichmat, zweitens verfügte Sonderskeit. Sehr schnell entwickelte hausen über eine hervorragenLudwig Seidl ein besondertes Tade Schullandschaft, was für die lent zum Bauen und Gestalten, Kinder wichtig war. Und drittens blieb aber dem Werkstoff war eine Spaltung des Holz besonders verbunverbliebenen Deutschden. So wird verständland damals unvorstelllich, daß auch sein überbar. aus geliebter Handwagen Durch die langjährige in Eigenbau entstand. EtNutzung waren die Räder was größer als üblich ausdes Handwagens brüchig geführt, denn zum 1930 geworden. Ludwig Seidl neuerbauten Haus gehörzeigte den Kollegen der te auch eine kleine LandBaufirma, in der er Arbeit wirtschaft, die ein Transgefunden hatte, wie man portmittel verlangte. mit einfachen Mitteln ein Gegen Ende des KrieRad anfertigen kann. Das ges hatte Labant zahllöste Erstaunen aus, baureiche Evakuierte aufte das Mißtrauen gegengenommen, darunter eiüber den Vertriebenen ne größere Gruppe aus ab und führte zur umfasSchlesien, denn Teisenden Anerkennung als le Schlesiens wurden als Baufachmann. TätigkeiKampfgebiet vorbereitet ten als Maurer, Fliesenleund die Menschen nach ger, Polier und Bauleiter Westen geschickt. Die führten gesundheitsbeSchlesier waren sehr bedingt ins Büro als techniliebt, brachten sie doch scher Angestellter. Leider mit ihren Fuhrwerken Der Seidlsche Handwagen kommt ins Tachauer Heimatmuseum in Weiden in der Oberpfalz. erlebte ich meinen Vater reichlich Nahrungsmittel überwiegend als kranken ins Dorf. Die Engländer handelten ganz fortgeschrittenen Alters noch Ar- Menschen, dem Ärzte und Kuren Die Ausweisung der ersten La- in ihrem Interesse und selektier- beit. nicht helfen konnten. Noch heubanter 1946 brachte die Tsche- ten alle Bauhandwerker heraus. Im Frühjahr 1947 fuhr mein te ist beeindruckend, was ein bechen auf eine unglaubliche Idee. Ludwig Seidl gab vorausschau- Vater mit seiner Schwester Ma- freundeter Tischler nach seinem Den in Labant weilenden end als Beruf Landwirt an und rie, die inzwischen mit Familie Tod 1970 schrieb: „Die Nachschlesischen Flüchtlingen wur- wurde daraufhin dem deutschen und weiteren Labantern in Lip- kriegsjahre hatten in ihm tiefe de vorgelogen, sie könnten mit Arbeitsamt überstellt. Nach vier poldsberg an der Weser gestran- Wunden hinterlassen, von denen ihrem Treck nach Schlesien zu- Wochen Arbeit auf einem Bau- det war, nach Waidhaus. Marie er sich auch nie erholen konnrückkehren. Sie packten ihre ernhof konnte er, mit Entlas- hatte ebenfalls viel vermeintlich te.“ Fuhrwerke, verabschiedeten sich sungspapieren ausgestattet, in Brauchbares über die Grenze geAuch nach dem Ableben freudig und verließen den Ort in die Heimat zurückkehren. schafft, selbst von Möbelstücken von Ludwig Seidl leistete unöstlicher Richtung, kamen aber Inzwischen hatte sich alles wurde berichtet. ser Handwagen noch wertvolle nur bis zur Kreuzung. Dort wur- verändert. Da die bevorstehenSie fanden ihr Eigentum un- Dienste bei verschiedenen Transden sie angehalten und völlig de Ausweisung feststand, schaff- versehrt vor, mieteten einen Ei- porten und Wohnungswechseln. ausgeraubt. Traurig und um al- te mein Vater in 18 Grenzgän- senbahnwagon und fuhren mit Letztmalig von mir restauriert, le Wertgegenstände gebracht, gen den wichtigsten Hausrat dem geretteten Besitzstand nach soll er jetzt nach Absprache eikehrten sie nach Labant zurück. nach Waidhaus zu einer bekann- Bad Karlshafen, da Lippoldsberg nen würdigen Platz in unserem Auch in unserem Haus war ei- ten Familie, wo später auch der keinen Bahnhof hatte. Die Fahr- Tachauer Museum in Weiden in ne Familie einquartiert. Als we- Handwagen abgegeben worden karten dieser abenteuerlichen der Oberpfalz finden. nig später die Ausreise Rich- war. Tour sind noch vorhanden. Nur Hans Jürgen Seidl Die Zeitzeugen werden weniger. Zunehmend gehen auch geret tete Gegenstände verloren, die noch zu uns sprechen könnten. Im allgemeinen gelten Rucksäc ke, Koffer und Handwagen als Synonyme für Flucht und Ver treibung. Daß ein Handwagen der Vertreibung vorausgeeilt ist, dürfte große Ausnahme, wenn nicht sogar einmalig sein.
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us alten Berichten erfahren wir, daß am Schloßbergabhang zur Stadtseite ein schönes Weißkraut gedieh, als dort noch kein Waldbestand vorhanden war. Im Herbst konnte man in den fruchtbaren Mulden des Abhangs die Krauternte einbringen. Das Kraut hatte für die Pfraumberger eine medizinische Bedeutung. Mit ihm mußten sie im Winter ihren Vitaminbedarf decken. Außerdem ist Sauerkraut gut gegen Magen- und Darmbeschwerden und eine Wohltat für die Verdauung. Die Ackerbauern der Stadt bauten das Kraut selbst an, die anderen Pfraumberger kauften das Sauerkraut in den Lebensmittelläden der Stadt. So war es selbstverständlich, daß wir im Spätherbst Sauerkraut herstellten, um es im Laden zu verkaufen. Das prächtige Weißkraut, auch Häupelkraut genannt, kam bei uns meist von Bauern aus Maschakotten im Nachbarkreis Tachau. Von den Krautköpfen wurden so lange die äußeren Blätter abgezogen, bis das Häupel rein und sauber war. Große Krautköpfe, die keine Seltenheit waren, mußten zum Einhobeln geviertelt werden. Man stellte das sauber ausgewaschene Krautfaß mit den Krautbrettern und dem Stampfer bereit und begann mit der Arbeit. Die gehobelten Krautköpfe wurden Schicht für Schicht mit Essig und Salz vermengt, Zwiebeln, Wacholderbeeren und Kümmel kamen dazu und so wurde es eingestampft, bis das Krautwasser zu sehen war. Schließlich deckte man das gefüllte Krautfaß mit den hölzernen Krautbrettern ab und beschwerte diese mit Steinen. Dann schöpfte man einen Teil des Krautwassers ab. Nachdem das Gärwasser aufgehört hatte zu sprudeln, wurde dem Kraut ein halber Liter Weißwein zugesetzt. Nach zehn bis 15 Tagen kam, nach der Gärung, die neue Delikatesse als Krautsalat
oder als Sauerkraut zum Probieren auf den Tisch. Das war immer ein voller Erfolg, und der Verkauf in unserem Laden konnte beginnen. Meine Mutter half als fleißige und tüchtige Geschäftsfrau wieder einmal im überfüllten Laden aus, als Josef, der Sohn der Familie Götz aus Pfraumberg Nr. 66, ein Kilogramm unseres guten Sauerkrautes verlangte. Meine Mutter füllte seine mitgebrachte Schüssel mit der begehrten Ware mittels einer hölzernen Gabel. Dabei muß es passiert sein, daß der gelockerte Ehering meiner Mutter mit dem Sauerkraut in der Schüssel verschwand. Josef bezahlte und brachte die mit Sauerkraut gefüllte Schüssel rasch nach Hause, denn für den Sonntag war Schweinefleisch mit Sauerkraut angesagt. Am Abend vermißte meine Mutter den Ehering, konnte ihn aber selbst nach längerem Suchen nicht finden. Mit Genuß und großem Appetit verzehrte die Familie Götz das Sonntagsessen. Doch plötzlich – da war noch etwas – kam ein goldener Ehering im gekochten Sauerkraut zum Vorschein. Große Aufregung machte sich breit, tatsächlich hatte der Ring den Kochvorgang unbeschadet überstanden. Wie kam der goldene Ring ins gekochte Sauerkraut? Das große Rätselraten begann, Frau Götz, die Hausfrau, trug ihren Ehering ja noch am Ringfinger der rechten Hand. Also konnte er es nicht sein. Da – die Innenseite des Rings trug die Gravur: „Josef 13. Juni 1922“. Das war das Hochzeitsdatum meiner Eltern, und Josef der Name meines Vaters. Freudestrahlend kamen Frau Götz und ihr Sohn Josef am Montag in unser Geschäft, um das Erlebnis vom Ehering im Sauerkraut zu erzählen. Schließlich wurde nur noch gelacht. Meine Mutter entschuldigte sich und war heilfroh über diesen glücklichen Ausgang. Und sie dankte Mutter und Sohn Götz mit einem großzügigen Finderlohn. Josef Hüttl
Der Krautstampfer, die Krautbretter, das Krautfaß und der Krauthobel.