Zeitzeuge Peter Hucker: „Wir saßen in der Falle.“ (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 43 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 29. Oktober 2021
VOLKSBOTE
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� Isergebirgsmuseum Neugablonz
Ministerin Trautner sorgt für neuen Glanz Als Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner am Sonntagabend am Rednerpult den Schalter umlegte, erstrahlte die Fassade des Isergebirgsmuseums in Neugablonz endlich in neuem Glanz.
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Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner weihte am Sonntagabend die neue Fassade des Isergebirgsmuseums in Neugablonz ein.
� Jana Maláčová
� Ermittlungen der Justiz, Rücktrittsforderungen und öffentliche Empörung: Vratislav Mynář, Büroleiter des Präsidenten, ist unter Beschuß
Unwürdiges Schauspiel mit einem schwerstkranken Staatspräsidenten
Ministerin kandidiert für ČSSD-Vorsitz Nach der historischen Wahlschlappe der ČSSD samt Rauswurf aus dem Abgeordnetenhaus und Rücktritt von Jan Hamáček als Parteichef will es jetzt eine Frau richten: Jana Maláčová, derzeit noch Ministerin für Arbeit und Soziales, hat angekündigt, für den Parteivorsitz zu kandidieren.
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ie wolle, so Maláčová auf Twitter, „die Partei vereinen, die Mitbestimmung der MitgliederMinisterin Jana basis stärken Maláčová und die Aktivi Foto: Vláda ČR täten auf Programmund Verbandsarbeit sowie politischen Aktivismus stützen“. Derzeit ist die 40-jährige Vizevorsitzende der tschechischen Sozialdemokraten. Der Parteitag soll am 10. Dezember stattfinden. Maláčová hat in London und Frankfurt Politische Wissenschaften studiert und spricht neben Englisch perfekt Deutsch. Vor ihrer politischen Karriere war sie Beamtin im Ministerium für Regionalentwicklung.
Foto: StMAS
oronabedingt war die eigentlich für November 2020 geplante Wiedereröffnung immer wieder verschoben worden, am vergangenen Sonntag hat es dann geklappt. „Die neue Fassade ist mit ihrer Beleuchtung ein architektonisches Highlight“, freute sich Bayerns Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales bei ihrem Besuch in Neugablonz, dem Vertriebenenstadtteil von Kaufbeuren im Allgäu. Trautner: „Ich bin vom Rundgang durch das Museum begeistert: Es lädt zu einem Dialog über Schicksal und Leistung un-
seres Vierten Stammes ein.“ Das Isergebirgsmuseum präsentiere 400 Jahre deutsche Kultur- und Industriegeschichte in Nordböhmen und zeige die leidvolle Geschichte von Flucht und Vertreibung. Zusammen mit dem Egerlandmuseum in Marktredwitz und dem Sudetendeutschen Museum in München lasse dieses Museum die Vielfalt der Kultur der Sudetendeutschen und ihrer regionalen Besonderheiten erleben, so Trautner. Die Ministerin weiter: „Alle drei sudetendeutschen Museen stehen in engem Austausch mit den Heimatregionen der Sudetendeutschen und pflegen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie einen intensiven Dialog mit der Tschechischen Republik. Auf diese Weise sind diese Museen wichtige Brücken für ein gutes und friedliches Miteinander.“
Die PR-Aktion, die der Leiter des Präsidentenbüros, Vratislav Mynář, zu verantworten hat, sollte ein Befreiungsschlag werden. Es wurde ein beispielloses PR-Desaster. Das von Mynář veröffentlichte Video, das den schwerstkranken Präsidenten Miloš Zeman im Krankenhausbett beim Unterschreiben eines Dokumentes zeigt, empört die tschechische Öffentlichkeit. Und jetzt ermittelt die Justiz.
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r habe nicht gewußt, daß er gefilmt werde, behauptet Radek Vondráček (Ano), der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses. Vondráček hatte Miloš Zeman am 14. Oktober im Militärkrankenhaus in Prag besucht und ein Dokument unterzeichnen lassen. In diesem Schreiben ordnete das Staatsoberhaupt die konstituierende Sitzung des neu gewählten Abgeordnetenhauses für den 8. November an. Eigentlich eine Formsache, aber die Umstände beschäftigen seit Tagen die tschechische Öffentlichkeit, und dies aus mehreren Gründen. Erstens, die Ärzte des Klinikums waren über den Gruppenbesuch nicht informiert und hät-
ten so ein Treffen nie genehmigt. Zweitens, keiner der Besucher trug auf der Krankenstation eine FFP2-Maske. Deshalb ermittelt jetzt die Polizei, und es drohen saftige Geldstrafen von bis zu 10 000 Euro pro Person. Und drittens mußte, so berichten mehrere tschechische Zeitungen übereinstimmend, der schwer angeschlagene Staatspräsident Zeman die Unterschrift vorher stundenlang üben. Selbst Premierminister Andrej Babiš geht mittlerweile auf Distanz. Der Noch-Regierungschef hat Mynář sogar ein Ultimatum gestellt. Entweder tritt Mynář umgehend als Leiter des Präsidentenbüros zurück oder er werde ihn nach Inkrafttreten des Artikels 66 selbst entlassen. Dieser Passus der tschechischen Verfassung regelt das Prozedere, wenn ein Staatsoberhaupt nicht mehr in der Lage ist, die Amtsgeschäfte zu führen. Demnach gehen diese Aufgaben zu einem Teil auf den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses und zum anderen auf den Regierungschef über. Ob Zeman als erster Staatspräsident in der Geschichte der Tschechischen Republik amtsun-
Ohne FFP2-Maske verfolgen Vratislav Mynář (Mitte) und Radek Vondráček , wie Präsident Miloš Zeman unterschreibt. Links: eine Pflegerin. fähig gesprochen wird, ist noch unklar. Dafür notwendig sind Mehrheiten sowohl im Senat als auch im Abgeordnetenhaus. Der Senat, so hat dessen Vorsitzender Miloš Vystrčil (ODS) am Sonntag erklärt, wird sich mit der Causa Zeman am 9. November befassen. Ursprünglich war das Thema für den 5. November terminiert gewesen. Das Abgeordnetenhaus muß zunächst die konstituierende Sitzung am 8. November abhalten und im Zuge einen Vorsitzenden
wählen sowie einen Mandatsprüfungsausschuß einsetzen. Demnach könnte über Zemans – zumindest zeitweiliger – Abberufung erst am 10. November abgestimmt werden. Im Vorfeld soll von den behandelnden Ärzten ein neues Gutachten eingeholt werden. Hierfür wurde ein Konsilium zusammengestellt, zu dem, wie die tschechische Zeitung Seznam Zprávy berichtet, auch Prof. Dr. Tomas Zima, der scheidende Rektor der Karls-Universität, gehört. Im Ge-
spräch war auch Prof. Dr. Vlastimil Válek. Da der TOP09-Politiker aber als künftiger Gesundheitsminister im Gespräch ist, hat er aus Compliancegründen abgesagt. Sollten Abgeordnetenhaus und Senat den Staatspräsidenten für nicht amtsfähig halten, wäre dies keine endgültige Entscheidung. Zeman kann jederzeit erklären, wieder amtsfähig zu sein. In diesem Fall würde dann das Konsilium erneut zusammentreten. Obwohl das Präsidentenbüro sich nach wie vor weigert, Details zu Zemans Erkrankung bekannt zu geben, hat der ehemalige Staatspräsident Václav Klaus bereits die Mauer des Schweigens durchbrochen. Klaus, der wegen Bluthochdrucks ein paar Tage ebenfalls im Militärkrankenhaus stationär behandelt werden mußte, hatte den Mit-Patienten Zeman besucht und dann in einem TV-Interview öffentlich dessen hohen Alkoholund Nikotinkonsum thematisiert sowie eine Lebererkrankung als Grund für den Krankenhausaufenthalt genannt. Torsten Fricke
� Allgemeinmedizinerin Prof. Dr. Milena Králíčková wird neue Rektorin
Erste Frau an der Spitze der Karls-Universität Zum ersten Mal in der fast 700-jährigen Geschichte der Karls-Universität übernimmt mit Prof. Dr. Milena Králíčková eine Frau die Leitung der weltbekannten Hochschule in Prag. Rektorin der Karls-Universität: Prof. Dr. Milena Králíčková. Foto: Wikipedia
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ie 49-jährige hat Allgemeinmedizin an der Pilsner Fa-
kultät der Karls-Universität studiert und seit 2011 das Institut für Histologie und Embryologie geleitet. Seit 2019 ist die zweifache Mutter zudem führend in der europäischen Universitätsvereinigung 4EU+ tätig, in der die Prager Hochschule unter anderem
mit der Pariser Sorbonne und der Universität in Heidelberg zusammenarbeitet. Nach ihrer Wahl erinnerte Králíčková daran, daß vor knapp 125 Jahren die ersten Frauen in Prag zum Studium zugelassen wurden. „Heute ist es so, daß Frauen in mehreren Fächern in
der Mehrzahl sind“, so die Professorin, die sich deutlich gegen einen männlichen Mitbewerber durchsetzen konnte. Die Karls-Universität wurde 1348 vom böhmischen König und römisch-deutschen Kaiser Karl IV. gegründet. Heute lernen hier mehr als 46 000 Studenten.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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enn der SL-Büroleiter Peter Barton das Wort „Landesversammlung“ hört, dann denkt er immer zuerst an den erfolgreichen Vorsitzenden des Bundes der Deutschen in Böhmen, Richard Šulko. Unvergeßlich bleibt Barton Šulkos Besuch in Prag am 6. September 2006: Gemeinsam mit der damaligen Vorsitzenden des Kulturverbands der Deutschen, Irene Novak, haben Barton und Šulko dazu beigetragen, daß es zwischen den beiden Dachorganisationen der Heimatverbliebenen, Landesversammlung und Kulturverband, zu ernsthaften Kontakten kam, die später in einem Vertrag gipfelten. Šulko ist für das Pra-
ger Sudetendeutsche Büro zu einem wirklich freundlichen Gesicht der Landesversammlung geworden, und diese Freundschaft verpflichtet das Sudetendeutsche Büro zu noch mehr Anstrengungen, damit das Verhältnis zu den heimatverbliebenen Deutschen weiter vertieft wird. Šulko lud Barton zu einem Besuch im Sitz seines Vereins in das westböhmischen Netschetin ein, und diese Einladung wurde gerne angenommen. Der Leiter der Sudetendeutschen Botschaft des guten Willens schätzt treue Freunde wie Šulko ganz besonders, die beiden arbeiten seit Jahren gut zusammen. Barton und Šulko haben bei ihrem PraTreffen weitere gemeinsame Projekte besprochen.
PRAGER SPITZEN Kommunisten mit neuer Führung
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ie Kommunistische Partei (KSČM) hat am Samstag auf einem Sonderparteitag eine neue Führung ernannt. Zur Vorsitzenden wurde mit großer Mehrheit die Europaabgeordnete Kateřina Konečná gewählt. Die 40-jährige kündigte in ihrer Rede einen Generationenwechsel an. Die KSČM hatte bei den Parlamentswahlen mit nur 3,6 Prozent der Stimmen eine historische Niederlage erlebt und ist nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertreten. Der bisherige Parteivorsitzende Vojtěch Filip ist daraufhin zurückgetreten. Er hat die Kommunisten 15 Jahre lang geführt.
Auf der Tagung der Seliger-Gemeinde wurde „Böhmen liegt nicht am Meer“ erstmals vorgestellt
Neue Wanderausstellung würdigt sudetendeutsche Sozialdemokraten Endlich wieder von Angesicht zu Angesicht: Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause hat sich die Seliger-Gemeinde erstmals in Bad Alexandersbad im dortigen Evangelischen Bildungszentrum zum Jahresseminar getroffen.
eder fünfte Beschäftigte in der Tschechischen Republik kommt mit seinem Lohn nicht aus, hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts NMS Market Research ergeben. Betroffen sind vor allem Frauen sowie jüngere Tschechen bis 35 Jahre mit niedriger Bildung und einem Bruttoeinkommen bis 40 000 Kronen (1555 Euro). Im Schnitt fehlen am Ende des Monats 2000 Kronen (78 Euro).
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m knapp 140 Prozent will Prag die Ortstaxe für Touristen erhöhen. Demnach soll sich die Abgabe pro Nacht und Person von 21 Kronen (0,82 Euro) auf 50 Kronen (1,95 Euro) mehr als verdoppeln. Zur Begründung erklärte der Prager Magistrat, die Einnahmen der Stadt aus dem Tourismus seien seit langem niedriger als die Ausgaben. Außerdem seien die Ortstaxen in vielen anderen europäischen Städten weitaus höher. So verlangt Wien 2,11 Euro und Budapest sogar 3,20 Euro pro Person und Übernachtung.
Weihnachtseinkäufe werden vorverlegt
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ie traditionelle Verleihung der Staatsorden wird vom 28. Oktober, dem tschechischen Nationalfeiertag, auf den 1. Januar 2022 verschoben, hat die Präsidentenkanzlei bekannt gegeben. Grund ist die Erkrankung von Präsident Miloš Zeman, der seit Wochen im Militärkrankenhaus von Prag stationär behandelt wird.
3-G-Regelung auch am Arbeitsplatz?
Hälfte der Frauen sexuell belästigt
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nig Vertrauen bei den WähRichard Reitzner schrieb dalern aber auch bei der eigenen mals: „Inmitten von VerwüMitgliedschaft geerntet hat. stung und Trümmern, umgeMehr als die Hälfte der vor ben von persönlicher Unsivier Jahren noch 25 000 Mitcherheit, suchen wir kleinen glieder habe die Partei verlasMenschen heute nach einer sen, selbst der vorletzte ParErklärung des uns so ungeteichef und erfolgreiche Miheur erscheinenden Geschenisterpräsident Bohuslav hens… Gemeinsam wollen Sobotka ist vor einigen Monawir versuchen, uns eine neue ten ausgetreten. Heimat aufzubauen und den Zwei Gründe nannte Grundstein zu legen für eine Rouček. Einmal sei die Partei neue und bessere Zeit.“ nicht imstande, mit Begriffen Christa Naaß vor der Tafel, die das Leben Daß dies gelang, war auch wie Vetternwirtschaft, Klien- von Olga Sippl würdigt.Fotos: Ulrich Miksch der Integrationsarbeit der SG telismus und Korruption offen und ihrer Mitglieder geschulumzugehen. Jeder wisse darta Berek vertreten. Alle hielten det. Im Blick auf die Zukunft über Bescheid, da? es in der Par- kurze Ansprachen. Auf ein Jubi- erinnerte Oellermann an die vietei existiert, aber man rede nicht läum kamen viele dabei zurück, len guten Dinge, die die SG als darüber. Und zweitens habe das daß die Seliger-Gemeinde näm- kleine Organisation in den letzBündnis der Partei mit dem Po- lich heuer das 70-jährige Jubilä- ten Jahren im sudetendeutschpulisten und ehemaligen Kom- um ihrer Gründung feiern kann. tschechischen Dialog geschafft munisten Andrej Babiš an den 1951 gründeten SPD-Mitglieder hat. Grundwerten der Sozialdemo- diesen Verein als Vertretung der Die Bundesversammlung kratie gerüttelt. So müsse er bi- sudetendeutschen Sozialdemo- der SG verabschiedete im Lichlanzieren: Er sei traurig, daß die kraten in Westdeutschland im te neuer Herausforderungen die ČSSD aus dem Parlament gefal- Postgewerkschaftsheim in Bran- jahrelang diskutierten und von len sei, aber auch froh, daß die nenburg. Peter Becher zusammengeführtschechische Demokratie geretDie Festrede hielt der in Prag ten neuen „Bad Alexandersbader tet wurde. Mit Babiš, Okamuras lebende Historiker Thomas Oel- Thesen“, die die „Brannenburger SPD und den Kommunisten in lermann. Unterbrochen von mu- Thesen“ von 1999 erneuern und einem Bündnis vereint, wäre die sikalischen Leckerbissen aus der ergänzen. Tschechische Republik auf dem Historie der Arbeiterbewegung, Und eine seit Monaten vorbeWeg nach „Budapest“, Orbans vorgetragen mit Akkordeons reitete neue Ausstellung der SeVerständnis von Demokratie. durch Peter Heidler aus Hof und liger-Gemeinde und ihrer GeDie erfolgreiche SPD in Herbert Schmid aus Weiden. schichte unter Federführung von Deutschland war neben Jörg Oellermann spannte in seinem Herbert Schmidt feierte PremieNürnberger auch mit der parla- Vortrag den Bogen von den An- re. „Böhmen liegt nicht am Meer. mentarischen Staatssekretärin fängen der böhmischen Arbeiter- Wege sudetendeutscher SozialRita Hagl-Kehl, mit Petra Ernst- bewegung 1863 in Asch, den Jah- demokraten“ porträtiert auf insberger vom Deutsch-Tschechi- ren der DSAP in der ersten tsche- gesamt 25 Roll-ups jeweils einen schen Zukunftsfond, mit Volk- choslowakischen Republik, der Lebensweg einer Sozialdemokramar Halbleib, dem vertriebe- Exil- und für viele auch Haftzeit tin oder eines Sozialdemokraten nenpolitischen Sprecher der bis hin zu dem schweren, aber zu- aus Böhmen, Mähren und SchleLandtagsfraktion, mit Reinhold kunftsoptimistischen Anfang in sien in deutsch und tschechisch. Strobl, dem ehemaligen MdB Westdeutschland. Sie soll alsbald diesseits und jenund MdL, mit dem MdL Klaus Bereits 1947 erschien die Brük- seits der deutsch-tschechischen Adelt und der Bürgermeiste- ke als Sprachrohr der sudeten- Grenze auf Wanderschaft gehen. rin von Bad Alexandersbad Ani- deutschen Sozialdemokraten. Ulrich Miksch
Prag will Ortstaxe mehr als verdoppeln
in Drittel der Tschechen will diesmal früher als in den vergangenen Jahren mit dem Kauf von Weihnachtsgeschenken beginnen, hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos ermittelt. Demnach wollen 28 Prozent der Befragten bereits ab Ende November die ersten Geschenke besorgen. Als Grund vermuten Experten die Medienberichte über weltweite Lieferengpässe. Das durchschnittliche Budget für die Weihnachtsgeschenke liegt bei 8000 Kronen (311 Euro). Fünf Prozent der Tschechen planen, auf Geschenke zu verzichten.
Keine Orden am Nationalfeiertag
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eben den turnusmäßigen Wahlen zum Bundesvorstand und zum Präsidium (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) wurde das Treffen vor allem dazu genutzt, „Perspektiven der Arbeit der SG für den deutschtschechischen Dialog“ zu thematisieren und die Wahlergebnisse in Deutschland und Tschechien zu analysieren. Warum in Deutschland die Sozialdemokraten sich als Wahlsieger feiern konnten, während die Genossen der ČSSD mit nur 4,7 Prozent aus dem tschechischen Abgeordnetenhaus flogen, dazu sprach der ehemalige Europaabgeordnete Libor Rouček. Rouček stellte außerdem seine bisher nur auf tschechisch erschienene Autobiographie „Meine und unsere Geschichte“ vor. In Auszügen gibt es eine Übersetzung von Wolfgang Schwarz vom Adalbert Stifter Verein. Daraus las Ulrich Miksch einige Passagen über Roučeks Begegnungen mit Bruno Kreisky in Wien, der ihm die Großeltern und die Mutter zu Besuch nach Wien brachte, und seine Arbeit als Sprecher der Regierung unter Miloš Zeman (1998-2002). Im Gespräch schilderte Rouček aber auch seine Zeit bei „Voice of America“, als er bei geschätzten drei Millionen Tschechoslowaken (von 15 Millionen) allabendlich im Radio zu Gast war. Dadurch war er nach der Samtenen Revolution im ganzen Land bekannt und wurde als professioneller Journalist von Zeman zum Regierungssprecher gemacht. Rouček schilderte diese Regierung als sehr erfolgreich und gut für das Land. Die Zemansche Präsidentschaft seit 2012 hingegen sei umgekehrt wenig hilfreich und schlecht für das Land gewesen. Doch auch als Ministerpräsident hatte er mitunter Aussetzer, bei denen er Journalisten beschimpfte. Das habe sicher mit seiner Liebe zum Becherovka zu tun. Die Analyse setzte Rouček am Sonntagvormittag im Gesprächsformat „Forum Bad Alexandersbad“ mit dem frischgewählten SPD-Bundestagsabgeordneten für Oberfranken Jörg Nürnberger, der mit einer Tschechin verheiratet ist und der deshalb auch in Prag lebt, fort. Unter der Moderation von Thomas Oellermann versuchte Rouček eine Antwort zu geben zu den Gründen, warum die ČSSD trotz guter Programmatik in den letzten vier Jahren so we-
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Jeder Fünfte hat zu geringen Lohn
grund ist die steigende Anzahl von Corona-Erkrankungen. So wurden am Montag 4264 neue Corona-Fälle vermeldet, und die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 217. Derzeit müssen 1055 Corona-Patienten stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Davon 156 auf einer Intensivstation. Auch die Zahl der Todesopfer steigt wieder an.
ie tschechische Regierung prüft, ob über eine Änderung des Arbeitsrechts die 3-GRegel eingeführt werden kann, hat Innenminister Jan Hamáček (Sozialdemokraten) nach einer Sitzung des Zentralen Krisenstabs erklärt. Demnach dürften neben Geimpften und Genesenen ungeimpfte Arbeitnehmer nur dann am Arbeitsplatz erscheinen, wenn sie einen gültigen negativen Testnachweis vorlegen können. Die Kosten für diese Tests müßten die Arbeitnehmer selbst tragen. Hinter-
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und 54 Prozent der Tschechinnen sind mindestens einmal sexuell belästigt oder sogar Opfer sexueller Gewalt geworden, hat eine Studie der Organisation proFem ergeben. Mit 33 Prozent am häufigsten waren Anspielungen oder verbale Belästigungen. Fast genau so oft wurden Frauen vorsätzlich angefaßt. In 17 Prozent wurden ihnen ungewollt erotische Fotos oder Videos zugeschickt. Von einer Vergewaltigung berichteten neun Prozent der befragten Frauen und zwei Prozent der Männer.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29.10.2021
Am 25. Januar 1946 erreichte der erste Zug mit 1200 Sudetendeutschen, die aus ihrer Heimat vertreiben worden waren, den Freistaat Bayern. Mit einer zentralen Gedenkfeier in Bayreuth erinnert die Landesgruppe Bayern am heutigen Freitag an die Geschehnisse von vor 75 Jahren. Bei dem Festakt, auf dem auch Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner und Syliva Stierstorfer, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, sprechen werden, berichtet Peter Hucker als Zeitzeuge, wie er damals im Lager neben dem Festspielhaus aufgewachsen ist.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Interview mit Peter Hucker, Zeitzeuge und langjähriger Schatzmeister des SSBW:
„Wir saßen in der Falle“
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err Hucker, Sie wurden am 21. Juni 1932 geboren. Wie war Ihre Kindheit? Peter Hucker: Die ersten fünf Jahre meines Lebens bin ich in Asch, im Dreiländereck zu Bayern und Sachsen, aufgewachsen. Asch war damals das Zentrum der böhmischen Textilindustrie. Mein Vater wurde dann zum Direktor einer großen Spinnerei ins nahe Thonbrunn berufen. Ich habe eine sehr schöne Kindheit mit viel Natur erlebt. Welches Ereignis aus der frühen Kindheit ist Ihnen besonders bewußt geblieben? Hucker: Im Oktober 1938 ist Adolf Hitler in Asch eingezogen. Ich stand damals als kleiner Bub mit meinem Vater an der Straße und habe gesehen, wie Hitler mit ernster Miene im offenen Wagen wie ein Roboter immer wieder den rechten Arm anwinkelte und Ein sudetendeutsches Paar: Peter und Christiane Hucker haben sich auf Foto: Stefanie von Wietersheim streckte, und die Masse jubel- dem Heiligenhof kennengelernt. te. Für dieses unwirkliche Schauspiel habe ich lange nach einer sche Milizen, 1946 folgte mit den weil die Streifen sofort geschosErklärung gesucht. Heute glau- Benes-Dekreten die staatlich or- sen hätten. Wir wurden Gott sei be ich, daß damals viele Punkte ganisierte Vertreibung, die zwar Dank nie erwischt. zusammen kamen. Im November als geordnet bezeichnet wurde, Sie waren damals noch ein 1920 waren zwei Sudetendeut- aber dennoch ein Verstoß gegen Kind. Mußten Sie auch arbeiten? sche, die den Sturz des Kaiser- die Menschenrechte war. Ihre FaHucker: Ja, mit meinem 15. Josef-Denkmals verhindern woll- milie ist davon verschont geblie- Geburtstag unterlag ich der Arte, von den Gegnern getötet wor- ben. Warum? beitspflicht. Ich sollte zunächst den, was immer noch nachwirkte. Hucker: Asch war bis zum auf eine Kolchose geschickt werGleichzeitig nahm der Tschechi- Spätherbst 1945 von den Ameri- den, wo ein ehemaliger Partisasierungsdruck insbesondere in kanern besetzt. Außerdem wohn- ne die Deutschen mit vorgehalden staatlichen Positionen mas- ten wir auf dem Betriebsgelände tener Pistole zum Arbeiten ansiv zu. So wurde am Bahnhof in der Spinnerei im Direktorenhaus trieb und auch vor Gewalttaten Thonbrunn, wo nur ein Tsche- und waren auch danach relativ nicht zurück schreckte. Aber dache lebte, der deutsche Fahrkar- sicher. Der von den Behörden als vor hat mich der Správce getenverkäufer plötzlich durch ei- Národní správce, also Betriebs- schützt, in dem er mich für die nen tschechischen abgelöst. Und leiter, eingesetzte Tscheche hat Spinnerei angefordert hat. Ich den Deutschen hat man nie mehr sehr schnell erkannt, daß er ohne habe dort sogar einen geringen gesehen. Hinzu kam die dramati- meinen Vater und ohne die ande- Lohn bekommen, allerdings wursche Verschlechterung der wirt- ren sudetendeutschen Fachkräf- de davon noch eine 20prozenschaftlichen Lage in den sude- te den Betrieb nicht führen kann. tige Deutschen-Steuer abgezotendeutschen Gebieten, während Als mein Vater dennoch verhaftet gen, worunter heute noch die sues direkt vor unserer Haustür im und in ein Lager gesteckt wurde, detendeutsche Minderheit in der Deutschen Reich, in Plauen, Hof saßen wir daheim schon auf un- Tschechischen Republik leidet, und Selb bergauf ging. Das we- serem Vertreibungsgepäck, aber weil dadurch deren heutige Rensentliche Motiv der Menschen der Správce hat Himmel und Höl- ten geringer sind. war aber die le in Bewegung Wie haben Sie sich gefühlt, Der Správce sagte: Sehnsucht gesetzt, bis mein nachdem viele Sudetendeutsche nach Frie- „Ohne die Deutschen Vater wieder bereits die Heimat verlassen hatden. So hat in den Betrieb ten? geht es nicht.“ die Ascher zurückkehren Hucker: Wir saßen in der Falle. Zeitung nach konnte. Wir hat- Wir haben versucht, eine Genehdem Münchner Abkommen nicht ten das Glück, daß unser Správ- migung zu erhalten, um zu meietwa getitelt „Wir kommen heim ce, der als staatlicher Verwalter ner Großmutter nach Österreich ins Reich“, sondern „Frieden, uneingeschränkte Macht über zu ziehen. Wir haben auch AnträFrieden, Frieden“. Daß die Ge- den Betrieb und alle Mitarbeiter ge gestellt, um in die Schweiz reischichte leider ganz anders aus- hatte, ein humaner Mensch war. sen zu dürfen. Oder nach Schwegehen sollte, haben die Men- Er hat sich außerdem sehr über den. Alles vergeblich. schen, die damals Hitler in Asch die tschechischen Mitarbeiter Im Juni 1948 hat es dann doch zujubelten, nicht geahnt. geärgert, die man ihm geschickt noch geklappt. Als der Krieg ausbrach, waren hatte. Was kein Wunder war, Hucker: Man brauchte damals Sie sieben Jahre alt und gingen denn in dieses nordwestliche En- zwei Genehmigungen, eine Auszur Schule. Wie haben Sie das En- de der Tschechoslowakei woll- reiseerlaubnis der tschechischen de des Zweiten Weltkriegs erlebt? te kein Tscheche freiwillig hin. Behörden und eine ZuzugsgeHucker: Mit Beginn der Gym- Der Správce hat dann immer wie- nehmigung des Aufnahmestaanasialzeit bin ich ab 1943 auf die der gesagt: „Ohne die Deutschen tes. Weil mein Vater sehr gute Internatsoberschule in Schnep- geht es nicht.“ Kontakte hatte, bekamen wir die fenthal in Thüringen gegangen. War das positiv oder negativ Freigabe von den tschechischen Dort habe ich auch das Kriegs- für Sie? Waren Sie froh, daß Sie Behörden und hatten später auch ende erlebt, als im April 1945 die bleiben durften? Oder mußten Sie keine Probleme an der Grenze, Amerikaner einrückten und an bleiben? weil mein Vater die Grenzer aus unserer Schule eine ArtellerieHucker: Sowohl als auch. Als seiner Tätigkeit in der Spinnerei batterie aufbauten, um den wei- Spezialist war mein Vater, der kannte und die ihm ein paar Geteren Vormarsch zu unterstützen. akzentfrei Tschechisch sprach, fälligkeiten schuldeten. Mein Vater hat mich dann im Ju- und unsere Familie zwar vor der Und die deutsche Erlaubnis? ni abgeholt, kurz bevor die Rus- Vertreibung geschützt, aber wir Hucker: Über einen weitläusen das Gebiet übernahmen. Wir waren den tschechischen Be- fig verwandten Rechtsanwalt aus sind dann drei Tage lang über hörden dennoch komplett aus- München erhielten wir eine ZuGotha, Erfurt, das Hermstor- geliefert und unterlagen der Ar- zugsgenehmigung, die der sufer Kreuz und Plauen zu Fuß bis beitspflicht. Außerdem konnten detendeutsche Sozialdemokrat nach Thonbrunn gelaufen. Als die Behörden meinem Vater je- Richard Reitzner einen Tag, beich daheim ankam, sah ich als er- derzeit den Spezialistenstatus vor er von den Amerikanern als stes die tschechische Fahne, die entziehen und uns für deportati- stellvertretender Staatssekretär am Rathaus wehte. onsfrei erklären. Wir haben des- für das Flüchtlingswesen in BayUnmittelbar nach Kriegsende halb vorgesorgt und Wertge- ern entlassen wurde, unterschriebegannen die wilde Vertreibung genstände immer nachts über ben hat. Unsere Bescheide waren und die Ermordung tausender Su- die Grenze nach Bad Elster ge- aber von den Amerikanern nicht detendeutscher durch tschechi- pascht. Das war hochgefährlich, legalisiert. Wir konnten zwar die
� Zur Person: Peter Hucker � Geboren
am 21. Juni 1932, aufgewachsen in Asch und Thonbrunn (Böhmen). � Verheiratet, Tochter Stefanie von Wietersheim. � 1948: Ausreise nach Bayreuth in Oberfranken. � 1959: Abschluß des Studiums als Diplom-Volkswirt. � 1978 bis 1988: Kaufmännischer Leiter der Loewe Druck Verlag GmbH. � Seit 1988: Selbständiger Unternehmensberater. � 1994 bis 2007: Schatzmeister des Sudetendeutschen Sozialund Bildungswerks (SSBW). � 1955: Großes Ehrenzeichen der SL. � 1968: Rudolf-Lodgman-Plakette. � 2004: Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Grenze passieren und wurden nicht zurückgeschickt, kamen aber wegen illegalen Grenzübertritts vors Gericht. Gott sei Dank hat der Amtsrichter dann das Verfahren eingestellt, und zwar mit der Begründung, daß eine Wiederholungsgefahr wohl ausgeschlossen sei. Ihr Ziel war Bayreuth. Warum? Hucker: Mein Vater wollte mit uns nach Bayreuth, weil es
ja zusammenhalten.“ Später habe ich als Lagerkind dann ein Stipendium von 70 Mark bekommen, von dem ich mir ein Fahrrad kaufen konnte, was meinen Bewegungsradius erheblich vergrößerte. Sie haben sich später sehr um die Sudetendeutsche Volksgruppe verdient gemacht. Sie übernahmen viele ehrenamtliche Funktionen und waren, bis auf ei-
Essensausgabe im Flüchtlingslager beim Bayreuther Festspielhaus: „Meist gab es nur Maissuppe.“ Foto: Peter Hucker dort ebenfalls Spinnereien gab, er also eine berufliche Perspektive sah. Nachdem wir am Bahnhof angekommen waren, sind wir den Festspielhügel hinaufgegangen, wo sich das Aufnahmelager war. Wie haben Sie sich damals gefühlt? Hucker: Endlich in Freiheit. Nach dreieinhalb Jahren durfte ich wieder zur Schule, allerdings mußte ich vorher eine Aufnahmeprüfung ablegen. Meine große Hürde war damals Latein. Aber ich hatte Glück. Mein Lehrer war Prof. Franz Josef Umlauft, ein Sudetendeutscher und bekannter Familienforscher. Er sagte dann: „Ich gebe dir eine Drei. Wir Sudetendeutschen müssen
ne krankheitsbedingte Ausnahme, auf jedem Sudetendeutschen Tag. Was war der Impuls, sich in diesem außergewöhnlichen Maße zu engagieren? Hucker: 1949 fand auf Initiative des Adalbert Stifter Vereins ein großes sudetendeutsches Treffen im Park der Eremitage bei Bayreuth statt. Die sudetendeutschen Lehrer an unserer Oberrealschule, dem heutigen Graf-Münster-Gymnasium, haben uns gesagt: „Ihr müßt da mit.“ Es kamen sehr viele Landsleute. Und für mich war das der Sudetendeutsche Tag 0. Der erste offizielle Sudetendeutsche Tag fand dann 1950 in Kempten statt. Aus diesem Treffen in Bayreuth entwickelte sich auch ei-
3 ne Ortsgruppe der Sudetendeutschen Jugend. Sie lebten damals im Lager. Wie muß man sich das vorstellen? Hucker: Die Baracke stand direkt neben dem Festspielhaus. Am Anfang lebten hier 470 Menschen, wovon die Hälfte, zu der auch wir gehörten, in Stockbetten im Saal schliefen. Bei der Essensausgabe mußte man bis zu eineinhalb Stunden anstehen, und meistens gab es nur Maissuppe. Weil es zunächst keinen Tisch gab und außerdem sehr laut war, habe ich mich meistens an die Steinfiguren im Park des Festspielhauses gesetzt, um zu lernen und die Hausaufgaben zu machen. Später, nach der Auflockerung im Lager, erhielten wir einen Tisch direkt am Fenster. An diesem Platz habe ich übrigens 2012 während der Aufführung von Parzival mit meiner Frau das Pausenmenü gegessen. 1950 hat mein Vater eine Anstellung in Kassel gefunden. Wir konnten endlich das Lager verlassen. In Kassel habe ich dann 1954 auch mein Abitur gemacht. Sie haben dann 1961 in Frankfurt Ihr Studium als DiplomVolkswirt abgeschlossen und schnell Karriere gemacht. Wo haben Sie Ihre Frau kennengelernt? Hucker: Auf dem Heiligenhof, 1959 bei einem Studentenseminar. Meine Frau Christiane war damals Abiturientin, und ich sollte einen Vortrag über das Studium der Wirtschaftswissenschaften halten. Sie stammte aus Schönlinde in Nordböhmen und ist mit ihrer Familie zunächst in die Sowjetische Besatzungszone vertrieben worden. 1952 ist die Familie meiner Frau dann nach Berlin (West) geflüchtet. Sie haben zunächst in Hessen gelebt und sich unter anderem als SdJ-Landesführer und Vorstandsmitglied im Bund der Vertriebenen engagiert. Sie haben dabei immer wieder den großen sudetendeutschen Sozialdemokraten Wenzel Jaksch getroffen, an dessen 150. Geburtstag dieser Tage gedacht wird. Wie waren diese Begegnungen? Hucker: Wenzel Jaksch hatte keinen Führerschein. Und ich habe ihn mehrfach nach Sitzungen nach Hause gefahren. Und es war immer hoch interessant, wenn er aus seiner Zeit als Parlamentarier in Prag erzählte. Eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Berufsbedingt sind Sie 1974 nach Bielefeld gezogen, wo Sie viele Jahre als Kaufmännischer Leiter der Loewe Druck Verlag GmbH tätig waren. Anschließend haben Sie eine Unternehmensberatung gegründet. Diese Expertise haben Sie in das Sudetendeutsche Sozial- und Bildungswerk eingebracht, dessen Schatzmeister Sie von 1994 bis 2007 waren. Man sagt, Ihr Beitrag sei wesentlich gewesen, um den Heiligenhof zu retten. Hucker: Der damalige Vorsitzende, Staatssekretär a. D. Wolfgang Egerter, sein Stellvertreter Reinfried Vogler und ich als Schatzmeister haben gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern dafür gekämpft, den Heiligenhof, der damals in sehr schwierigem finanziellen Fahrwasser war, zu sanieren und auf eine wirtschaftlich solide Grundlage zu stellen. Uns ist es dann auch gelungen, ein neues Seminargebäude samt Speisesaal zu realisieren. Das war in der Tat viel Arbeit, aber wir haben damit die Basis geschaffen, damit Steffen Hörtler den Heiligenhof zum Erfolg führen kann. Wann sind Sie das erste Mal wieder zurück in Ihre Heimat gefahren? Hucker: 1990, kurz nach der Samtenen Revolution. Mit welchem Gefühl? Vorbehalte, weil Ihnen und Ihrer Familie Unrecht angetan wurde? Hucker: Nein, ich habe überhaupt keine Ressentiments. Über all die Jahre geblieben ist mein großes Interesse an dem Land und an den Leuten. Torsten Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29.10.2021
Sonntag, 7. November bis Freitag, 12. November: Zweiteilige Seminarwoche am Heiligenhof
Ivana Danisch
Lorenz Loserth
16 Referenten über „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa“ lautet das Thema der Seminarwoche, das die Sudetendeutsche Landsmannschaft und der Heiligenhof in Bad Kissingen anbieten.
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Karel Halla
Isabelle Hardt
Bettina Hofmann-Käs
Dr. Jana Nosková
Christina Meinusch
Jaroslav Ostrčilík
ie Woche besteht aus zwei zusammengehörenden Seminaren, die auch einzelnd besucht werden können. Teil I, 7. bis 9. November: „Eine Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen“. Sonntag, 7. November, 19.00 Uhr: Eröffnung der Tagung (Steffen Hörtler, Hildegard Schuster); 19.30 Uhr: Begegnungen ohne Grenzen (Ivana Danisch, Projektmanagement Centrum Bavaria Bohemia Schönsee). Montag, 8. November, 9.00 Uhr: Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte – Praxisbeispiele (Online; Lorenz Loserth, Diplom-Biologe, München); 10.15 Uhr: Digitale Heimat – wie bringe ich offensichtlich Gegensätzliches in Einklang? (Karel Halla, Leiter des staatlichen Kreisarchivs Eger, Vorsitzender der tschechischen Archivgesellschaft); 14.00 Uhr: Die Macht der Worte – die Wirkung von Sprache auf Denken und Einstellungen (Isabelle Hardt und Bettina Hofmann-Käs,
Sprachwissenschaftlerinnen der Uni Gießen). Dienstag, 9. November, 9.00 Uhr: Das Familiengedächtnis – wie die Historie innerhalb einer Familie über Generationen weitergegeben wird (Dr. Jana Nosková, Institut für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik); 14.00 Uhr: Heimat analog in
Brünn“). Mittwoch, 10. November, 9.00 Uhr: Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Sichtweise eines Deutschen aus Deutschland (Steffen Hörtler, Direktor der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk); 10.00 Uhr: Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa: Sichtweise eines Deutschen aus Tschechien (Mar-
persönlicher Begegnung und Exponaten – Notwendigkeit oder Auslaufmodell? (Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen); 15.45 Uhr: Seminarnachbetrachung, Schlußdiskussion, Auswertung (Steffen Hörtler, Hildegard Schuster). Teil II: 9. bis 12. November: „Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte“ Dienstag, 9. November, 19.00 Uhr: Eröffnung der Tagung (Steffen Hörtler & Hildegard Schuster); 19.30 Uhr: Die Schatten der Vertreibung (Jaroslav Ostrčilík, Prag, Organisator des „Versöhnungsmarsches von
tin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik); 14.00 Uhr: Suche nach den gemeinsamen Wurzeln von Sudetendeutschen und Tschechen (Werner Honal, Beirat im Vorstand der Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher, Leiter des VSFF-Büro im Sudetendeutschen Haus). Donnerstag, 11. November, 9.00 Uhr: Grenzüberschreitende sudetendeutsch-tschechische Aktivitäten in der Geschichtsaufarbeitung (Josef Grimm, Heimatkreisbetreuer Neudek); 10.30 Uhr: Geschichtsvermittlung mo-
dern denken – aktuelle Ansätze im Internet und den sozialen Medien (Birgit Aldenhoff, Bonn, und Tomáš Randýsek, Berlin); 14.00 Uhr: Deutsche und tschechische Narrative in Gesellschaft und Literatur (Ralf Pasch, freier Journalist und Autor). Freitag, 12. November, 9.00 Uhr: Angemessener Umgang mit unserer Vertreibungsgeschichte? Die UN-Völkermordkonvention von 1948 und die Debatten um den deutschen Exodus aus dem Osten – vom Konventionsbeitritt der Bundesrepublik 1954 bis heute (Prof. Dr. Manfred Kittel, Historiker); 11.45 Uhr: Seminarnachbetrachtung, Schlußdiskussion, Auswertung (Steffen Hörtler, Hildegard Schuster). Der Kostenbeitrag einschließlich Übernachtung und Verpflegung beträgt: 35,00 Euro für Teil I, 45,00 Euro für Teil II, 80,00 Euro für die gesamte Woche im Doppelzimmer, jeweils zuzüglich 1,80 Euro Kurtaxe pro Nacht. Auskunft und Anmeldung: Der Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1, 97668 Bad Kissingen, Telefon (09 71) 7 14 70, Telefax (09 71) 71 47 47, eMail info@heiligenhof.de oder Hildegard Schuster Telefon (0 89) 48 00 03 54), eMail schuster@ sudeten.de
Steffen Hörtler
Martin Dzingel
Werner Honal
Josef Grimm
Birgit Aldenhoff
Tomáš Randýsek
Ralf Pasch
Prof. Dr. Manfred Kittel
VERANSTALTUNGSKALENDER
Schicksalsgemeinschaft Rußland und Serbien
Vinzenz Prießnitz
Maria Treben, Autorin des Buches „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“
Johann Schroth
Böhmischer Salon im Sudetendeutschen Haus
Naturheiler, Kräuterweiber, Wunderpfarrer Mittwoch, 24. November, 18.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München: „Naturheiler, Kräuterweiber, Wunderpfarrer…“. Veranstalter ist der Adalbert Stifter Verein in Kooperation mit der sudetendeutschen Heimatpflege. Bis in unser gesundheitsbewußtes Jahrhundert hinein
wird gern ein Buch mit dem Titel Gesundheit aus der Apotheke Gottes zu Rate gezogen. Wenig bekannt ist, daß die Verfasserin Maria Treben, die als Kräuterheilkunde-Expertin große Bekanntheit erreichte, aus dem böhmischen Saaz stammte und viele Jahre in Prag lebte. Als weitere Heiler aus den böhmischen Ländern, die sogar
zu Weltruhm gelangten, sind der „Wasserdoktor“ Vinzenz Prießnitz aus dem Altvatergebiet und sein Landsmann Johann Schroth, der „Semmeldoktor“, zu nennen, die bereits vor dem populären Sebastian Kneipp gewirkt haben. Aber auch weniger bekannte Naturheiler, Kräuterfrauen und Wunderpfarrer aus Böhmen und Mähren haben von sich reden ge-
Noch bis Sonntag, 21. No-
kreis Sudetendeutscher Akademiker: „Zwischen Integration und Abgrenzung – Flucht und Vertreibung in Film, Literatur und Gegenwart“. Der Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1, Bad Kissingen. Anmeldung und Informationen: eMail info@heiligenhof.de Sonntag, 7. November, 16.00 Uhr, BdV-Kreisverband Fulda: Totengedenken mit Generalvikar a.D. Prof. Dr. Gerhard Stanke. Gedenkstein der Heimatvertriebenen in den Frauenberg-Anlagen, Marienstraße, Fulda. Freitag, 12. bis Samstag, 13. November, SL-Bundesverband: Jahrestagung des Sudetendeutschen Heimatrates mit Neuwahl des Vorstandes. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefon (0 89) 48 00 03 54, eMail schuster@sudeten.de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemein-
de Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Donnerstag, 18. November, 18.00 Uhr: Online-Lesung der Heimatpflege der Sudetendeutschen. Peter Mainka liest aus seinem Roman „Das Barackenmädchen“. Anmeldung: eMail schmitzer@sudeten.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Jahreshauptversammlung. Gaststätte Moosing, Oberobsang 11, Bayreuth.
vember, Sudetendeutsches Museum: „Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch“. Alfred-Kubin-Galerie, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Freitag, 29. Oktober, 19.30 Uhr, Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband: „Böhmischer Abend mit der Gartenberger Bunkerblasmusik“. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 29. Oktober, 17.00 Uhr, Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich: Totengedenkmesse. Augustinerkirche, Augustinerstraße 3, 1010 Wien (Eingang Josefsplatz). Montag, 1. November, 11.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Totengedenken. Großes Friedhofskreuz am Stadtfriedhof, Bayreuth. Mittwoch, 3. November bis Freitag, 5. November, Arbeits-
macht. Ihnen allen soll in dieser Ausgabe des Böhmischen Salons nachgespürt werden. Referenten: Thomas Janschek, Wolf-Dieter Hamperl und Michael Popovic. Musik: Stefanie Januschko (Akkordeon). Moderation: Christina Meinusch und Anna Knechtel. Der Eintritt ist frei. Es gilt die 3-G-Regel. Samstag,
4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 8. Dezember, 13.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Bayreuth: Halbtagesfahrt zum Fichtelsee. Abfahrt Hauptbahnhof Bayreuth. Anmeldung: eMail manfred.kees@superkabel.de Samstag, 18. Dezember, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Weihnachtsfeier. Fischerheim, In der Aue 5, Wehringen. Obmann Kurt Aue präsentiert einen Film über das Sudetenland.
Dienstag, 2. November; 18.00 bis 20.00 Uhr: Onlineseminar „Rußland und Serbien. Geschichte und Aktualität einer schwierigen Schicksalsgemeinschaft“. Gespräch mit dem Dozenten und Autor Dr. Marc Stegherr. Rußland ist in aller Munde und fast ständig in den Schlagzeilen, während Serbien weitgehend ein Schattendasein fristet, es sei denn, die jugoslawischen Zerfallskriege und deren Folgen sind gerade ein Thema. Das Verhältnis zwischen dem großen Rußland und dem kleinen Serbien ist historisch und kulturell von besonderem Interesse. Man idealisiert(e) einander, erhoffte und erhofft sich besondere Unterstützung, eine Hoffnung, die nicht immer erfüllt wurde und wird. Serbien als historischer Partner Rußlands spielt im außenpolitischen und ideologischen Kalkül Moskaus seit dem Kosovo-Konflikt wieder eine besondere Rolle. Der Slawist Stegherr ist seit 2011 Repräsentant des internationalen Universitätsnetzwerks Politische Kommunikation netPol und Gastprofessor für Politik- und Europawissenschaften an der Babeș-Bolyai-Universität Cluj. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de
Podiumsgespräch
Erinnerung an Samuel von Brukenthal Donnerstag, 11. November, 19.00 Uhr: „300 Jahre später: Samuel von Brukenthal in unserer Zeit“. Podiumsteilnehmer mit Honorarprofessor Dr. Konrad Gündisch und Josef Balazs mit Autor Dr. Andreas Kossert. Samuel von Brukenthal (1721–1803) war zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. unter anderem Leiter der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien und zehn Jahre lang Gouverneur von Siebenbürgen, der einzige Siebenbürger Sachse in diesem Amt. Seinen Aufstieg verdankte er seinen intellektuellen Fähigkeiten, seinem einnehmenden Wesen, vermutlich auch seiner Zugehörigkeit zu
den Freimaurern. Brukenthal hat als Politiker, Kunstsammler und Mäzen, als Förderer der Wissenschaften und der Künste, nicht zuletzt als Stifter des nach ihm benannten Museums in Hermannstadt dazu beigetragen, daß Siebenbürgen im Zeitalter des Barocks und der Aufklärung den Weg hin zu einer europäischen Kulturlandschaft beschritten hat. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail poststelle@hdo.bayern.de.
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43| 29. 10. 2021
Gunthersteig von Niederalteich nach Blatna offiziell eröffnet
Von Bayern nach Böhmen auf den Spuren des Hl. Gunther Am 9. Oktober 1045 verstarb der Heilige Gunther, der noch heute als Brükkenbauer zwischen Bayern und Böhmen verehrt wird. Aus Anlaß des Gunthertages wurde jetzt der Gunthersteig eröffnet. Der 160 Kilometer lange Wanderweg führt von Niederalteich, wo Gunther seinen Weg zu Gott fand, quer durch den Bayer- und Böhmerwald über Gutwasser, wo der Heilige Gunther als Einsiedler lebte und verstarb, bis ins böhmische Blatna.
G
unther (siehe rechts) zog im 11. Jahrhundert durch den damals noch nicht besiedelten Nordwald und gründete den Ort Rinchnach. Alle Etappen des Gunthersteigs führen an Orte, die mit dem Leben des Mönchs verbunden sind. Das Markierungszeichen des
Weges ist deshalb auf deutscher Seite ein Hacke. Abgelöst wird diese auf tschechischer Seite durch ein goldenes V, das für Vintíř, den tschechischen Namen für Gunther, steht. Insgesamt umfaßt der Gunthersteig 160 Kilometer mit Tagesetappen zwischen 14 und 21 Kilometern. Gestartet wird am Kloster Niederaltaich an der Donau, Ziel ist Blatna in Böhmen. Die Etappen führen durch die Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald mit viel unberührter Natur. Entlang des Weges regen 24 Impulstafeln den Wanderer zum Innehalten und Reflektieren an. Sie geben einen kulturhistorischen Einblick in den Standort, Gunthers Leben und Wirken und stellen dabei einen Bezug zum heutigen Leben her. Nicola Fricke
Etappenziel der Pilger: die Heilquelle in Gutwasser.
Foto: Pilsen Krej
Geboren wurde Gunther um das Jahr 955 in Thüringen. Er war Sohn der Grafenfamilie von Schwarzburg-Käfernburg. Ritterliche Tugenden und der Umgang mit Waffen waren ihm durch seine adelige Herkunft mitgegeben worden. Als junger Mann war Gunther, so heißt es, „dem verschwenderischen Leben zugetan“.
E
rst im Alter von 50 Jahren entschloß sich Gunther, sein Leben zu ändern und sich gänzlich Gott zuzuwenden. Grund war die Untergangsstimmung, die zur Jahrtausendwende in der Bevölkerung herrschte. Man hoffte auf Versöhnung und Rettung durch Gott, solange man sein Leben ehrfürchtig ausrichte. Gunther beichtete seine Sünden und begann 1006 seine Novizenzeit in Niederalteich. 1008 bat er den Abt, sich im Lallinger Gebiet als Einsiedler niederlassen zu dürfen. Er baute sich schließlich am Ranzinger Berg eine kleine Zelle und errichtete eine Gedenkstätte zu Ehren Johannes des Täufers. Im Jahre 1011 gründete er den Ort Rinchnach, den Ausgangspunkt für zahlreiche Exkursionen in den Bayerund Böhmerwald und darüber hinaus. Seinen Lebensabend verbrachte er als Einsiedler in den Wäldern bei Gutwassser. Dort verstarb Gunther am 9. OktoNF ber 1045.
Eine Bronzeskulptur des Heiligen Gunther, die der niederbayerische Künstler Alexander Hintersberger aus Anlaß des 60-jährigen Jubiläums der Landvolkshochschule Niederalteich 2009 geschaffen hat, und die dort im Park aufgestellt ist.
160 Kilometer und 3696 Höhenmeter
Gunthersteig: Die neun Etappen Etappe 1 Niederalteich–Lalling (19 km): Der Pilgerweg beginnt am Guntherbrunnen Niederalteich, einer auffälligen Bronzearbeit, die charakteristische Szenen aus dem Leben des Mönchs, Einsiedlers, Missionars und Friedensstifters St. Gunther zeigt. Rechterhand ist die barocke Basilika zu sehen. Dann geht er vorbei an der byzantinischen St.Nikolaus-Kirche und den Außenanlagen der Benediktinerabtei St. Mauritius. Das nächste Ziel ist Euschertsfurth. Im Ortskern steht eine der ältesten und mächtigsten Linden Europas. Direkt gegenüber: Das älteste Wirtshaus des Landkreises Deggendorf, erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 1242. Etappe 2 Lalling–Rinchnach (19 km): Von Lalling führt der Gunthersteig zu einem in Steinmauern gefaßten Brunnen unter einem Holzkreuz. Seine Inschrift erzählt: „Von 1008 bis 1011 weilte hier am Fuße des Gunthersteins Niederaltaichs bekanntester Rodungsmönch St. Gunther als Einsiedler, bis er nach Rinchnach weiterzog.“ Der höchste Punkt der Etappe ist fast erreicht. Auf einer Hügelkuppe wird der Blick frei auf die Kirchberger Pfarrkirche, die bewaldete Bayerwald-Bergkette mit Lusen, Rachel, Falkenstein und Arber. Über Sommerberg und Ellerbach gelangt man
dann in den Gunther-Ort Rinchnach, die älteste Kulturstätte des Mittleren Bayerischen Waldes. Ein Wiesenpfad führt zur prächtigen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und den Gebäuden des alten Klosters. Etappe 3 Rinchnach–Zwiesel (15 km): Zu Beginn geht es rund um den Rinchnacher Klosterkomplex über den Pandurensteig in das Tal der Rinchnach. Von Frauenbrünnl führen wurzlige Waldpfade durch ausgedehnte Wälder in das tief eingekerbte Bachtal hinunter nach Zimmerau. Von Bärnzell geht es durch ein idyllisches Hügelland bis nach Zwiesel.
bis man beim Gsenget den kleinen, grünen Grenzübergang erreicht. Hier beser Etap-
pe durchquert man die Böhmerwald-Dominante, den südlichsten Teil des Böhmerwaldes. Das Naturreservat besteht aus 300 und 400 Jahre alten Bäumen. Von der St.-Maurenzen-Kirche hat der Wanderer einen Ausblick in das Tal der goldhaltigen Otava und auf die Burg Kašperk (Karlsberg). ginnt der gelb markierte tschechische Teil des Gunthersteigs.
Etappe 4 Zwiesel–Stubenbach/Prášily (21 km): Vom Stadtplatz führt der Gunthersteig über den Kirchplatz hinauf zur Pfarrkirche. Der Wanderer passiert eine Glasbläserei und das Bauernhausmuseum und gelangt zum Guntherbrunnen. Auf dem Böhmweg geht es durch die ausgedehnten Bergmischwälder den Grenzkamm hinauf,
Etappe 5 Stubenbach/Prášily–Hartmanitz/Hartmanice (14 km): Ein grünes Touristenschild führt den Wanderer auf einen Hügel, wo während der Ersten Republik die Brauerei Schwarzenberg stand, die später zu einer Herberge umgebaut wurde. Weiter führt der Gunthersteig über Hohenstegen und Marchbach/Prášilský potokzum zum Unter Guntherberg (Pod Březníkem) und dem Gipfel des Guntherbergs (1006 m ü. M.), wo der Heilige Gunther lange als Einsiedler gelebt hatte und am 9. Oktober 1045 verstorben ist, woran heute die St.-Gunther-Kapelle erinnert. Auf der weiteren Strecke erreicht man Gutwasser (Dobrá Voda). Neben der dortigen St.-Gunther-Kirche befindet sich eine Kapelle mit einer Heilquelle, die der Legende nach Krankheiten heilt. Etappe 6 Hartmanitz/Hartmanice– Schüttenhofen/Sušice (16 km): Auf die-
Etappe 7 Schüttenhofen/Sušice– Horaschdowitz/Horažďovice (22 km): Gleich zu Beginn der Etappe beginnt eib Kreuzweg mit vierzehn Stationen, der an der Schutzengelkapelle endet. In Zimitz/Čímice erinnert ein Denkmal an die Opfer der beiden Weltkriege. Etappe 8 Horaschdowitz/Horažďovice–Chanowitz/Chanovice (15 km): Vom Marktplatz in Horaschdowitz führt der Wegweiser bis zum jüdischen Friedhof, der sich auf der linken Seite befindet. Etappenziel ist das Schloß in Chanowitz. Etappe 9 Chanowitz/Chanovice– Blatna/Blatná (20 km): Die letzte Etappe führt am Teufelsarmband vorbei, einem einzigartigen Naturdenkmal aus Granitfelsen, das in der Eiszeit geformt worden war. In Kadov erwarten mehrere interessante historische Denkmäler die Wanderer, wie eine Festung oder das Grab der Familie Lincker. Den Schlußpunkt des Gunthersteigs bildet dann Blatna. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Schloß und die Kirche Mariä Himmelfahrt, die zwischen 1290 und 1390 errichtet wurde. Mehr Informationen über die einzelnen Etappen des Gunthersteigs unter www.gunthersteig.com NF
Mut tut gut
Im Himmel verwurzelt
K
ennen Sie das? Sie besuchen in den Tagen um Allerheiligen und Allerseelen einen Friedhof. Sie nehmen den üppigen Blumen- und Lichterschmuck der Gräber wahr. Und dann wird Ihnen die eigentümliche Verflochtenheit von Leben und Tod bewußt. Aber nicht bedrückend, wie vielleicht sonst während des Jahres, sondern in der Form sanfter und tröstlicher Gewißheit. Wir Menschen lieben unser Leben, und der Tod ist deswegen eine wenig liebsame Macht. Aber in der Stimmung, die Anfang November über unseren Friedhöfen liegt, verliert er ein wenig von seiner Unbeherrschbarkeit und Fremdheit. Dazu gehört auch das Gefühl, den Verstorbenen in dieser Zeit näher zu sein als sonst. Von Christian Morgenstern stammt der Satz: „Wer Lebendiges will versteh‘n, muß in das Land des Todes geh‘n.“ Wer also an Allerheiligen und Allerseelen einen Friedhof besucht und in dessen Stille hineinhorcht, dem mag sich das „Land des Todes“ ein Stückchen öffnen. Nicht, daß wir dieses Land mit unseren Schritten ganz durchmessen könnten. Das kann in dieser Welt noch nicht gelingen, und wir wollen das auch nicht. Niemand kennt den Tod aus eigener Erfahrung. Doch eine Vorausahnung können wir gewinnen, die nach dem Dichterwort auch ein Licht auf das Geheimnis des Lebens wirft. Spirituelle Meister haben zu allen Zeiten die Meditatio mortis, die Betrachtung des Todes, empfohlen. Das hat nichts mit Lebensmüdigkeit oder gar mit Todessehnsucht zu tun. Dahinter steht vielmehr die Überzeugung, daß wir zu einem anderen Verhältnis zum Leben gelangen, wenn wir uns vor Augen halten, daß uns hier auf Erden eine Grenze gesetzt ist. Die Wahrnehmung dieser Grenze bringt wichtige Konsequenzen mit sich. Chancen werden bewußter aufgegriffen, Entscheidungen gezielter gefällt, Beziehungen besser gepflegt. Zugleich wächst die Freude über alles Gelungene und Geglückte und auch über alles, was uns ohne eigenes Verdienst zuteil wurde. Der Gedanke an den Tod hilft, daß die Dinge des Lebens ein wenig ins Lot kommen, weil sie eine zielgerichtete Perspektive erhalten. Das ist eine lange Menschheitserfahrung. Im Buch der Psalmen steht: „Unsere Tage zu zählen lehre uns, dann gewinnen wir ein weises Herz.“ Aber zurück zu den Friedhöfen in der kommenden Woche. Sie werden mit Blumen und Kränzen geschmückt sein, und zwar in den kräftigsten Farben, die der Herbst zur Verfügung stellt. Oft sind sie von geradezu paradiesischer Schönheit. Damit sind sie auch ein Abbild jenes Lebensgartens, in den wir seit jeher eingepflanzt sind und in dem sich Gott wie ein sorgsamer Gärtner um uns kümmert. In diesem Garten reifen wir durch Zeit und Ewigkeit zu jenem „Leben in Fülle“ heran, welches uns von Beginn unserer Existenz zugedacht ist. Wir können dies auch mit dem Satz „Unsere Heimat ist im Himmel“ des Apostels Paulus ausdrükken. Für mich heißt das, die tiefste Wurzel meines Daseins ist im Himmel. Das gibt mir viel Trost angesichts mancher Entwurzelung, die ich auf der Erde erlebe. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
PERSONALIEN Eigentlich, so Milan Horáček, sei er kein Tscheche. Seine Mutter sei Deutsche gewesen und er in Groß Ullersdorf im Kreis Mährisch Schönberg zur Welt gekommen. Er sei also ein Mährer. Am morgigen 30. Oktober feiert dieser Mährer und KarlsPreisträger 75. Geburtstag.
M
ilan Horáček war Dissident, Häftling, Flüchtling, ExilMährer, Grünen-Gründungsmitglied, Herausgeber der tschechischen Exil-Zeitschrift „Lisy“, Bundestagsabgeordneter, im Beraterstab von Staatspräsident Václav Havel, Leiter des Prager Büros der Heinrich-Böll-Stiftung und Europaabgeordneter. Jetzt ist er Mitglied des DeutschTschechischen Gesprächsforums, in dem er und Volksgruppensprecher Bernd Posselt den Arbeitskreis „Dialog ohne Tabus“ gründeten, sowie Mitglied des BdV-Präsidiums. Beweggrund für all dies ist sein Kampf für die Menschenrechte. Sein Leben begann in Groß Ullersdorf, weil es dort eine Geburtsklinik gab. Seine deutsche Mutter Emilie Sieber und sein tschechischer Vater Alexander Horáček stammten aus Dörfern bei Mährisch Schönberg. Die
� Mährischer Kämpfer für Menschenrechte und Karls-Preisträger 2014
Milan Horáček 75 deutschen Großeltern wasie über den mährischen ren deutsche Sozis und die Ausgleich diskutierten. tschechischen Großeltern Als Horáček 2014 des Eutschechische Sozis. Deshalb ropäischen Karls-Preis erwaren wohl seine deutschen hielt, sagte er: „Wir müssen Vorfahren nicht vertrieben uns einmischen, wenn es um worden. Menschenrechte geht.“ DesEr war noch keine 20 Jahhalb habe er eine Petition re alt, als ihn die Kommugegen den Chodorkowskinisten – für ihre Ziele zu Prozeß eingereicht, deshalb Recht – als politisch unzusei er beim Gedenktag in verlässig einstuften und ihn Sebrenica den Särgen, hinzeitweise einsperrten. Die ter denen nur Frauen und Niederschlagung des Pra- Milan Horacek ist ein aufmerksamer Leser un- Kinder gegangen seien, geBild: Nadira Hurnaus folgt. „Da weiß man, warum ger Frühlings trieb auch ihn serer Zeitung. aus seinem Vaterland. Ein man für Menschenrechte arFreund führte ihn 1968 bei Znaim 1981 zog er mit seinen grü- beiten muß. Egal ob links oder über die Grenze nach Österreich. nen Fraktionskollegen in weißen rechts, egal ob arm oder reich: Der Posten an der deutschen Overalls mit Gasmasken in das Menschenrechte sind unteilbar.“ Grenze war ein Sudetendeut- Frankfurter Parlament ein. DaVolksgruppensprecher Bernd scher, der ein wenig tschechisch mals waren Erika Steinbach und Posselt beglückwünscht den sprach. Er bot Horáček und sei- Walter Wallmann entsetzt. Heu- Karls-Preisträger, mit dem er seit nem Freund an, in der – offenen te regiert Schwarz-Grün Hessen. Jahrzehnten auf vielfache Wei– Arrestzelle zu übernachten Als er 1983 zum ersten Mal den se zusammenarbeitet und der zu und am nächsten Tag den Papier- Bundestag in Bonn betrat, be- seinem engeren Freundeskreis kram zu erledigen. Horáček über grüßte ihn jemand tschechisch. zählt: „Milan Horáček zu gratuseine erste Nacht in der Freiheit: Das war der Mährisch Schönber- lieren heißt Eulen nach Athen „Wir bekamen belegte Brötchen, ger Hans „Johnny“ Klein. Klein tragen, denn man sollte ihm tägheißen echten Kaffee und einen und Peter Glotz nahmen ihn zum lich gratulieren, und zwar zu sich ,Playboy‘.“ bayerischen Stammtisch mit, wo selbst. Es gibt nur wenige Men-
schen, die so viel positive Energie verbreiten, wo immer sie auftreten. Milan hat kaum Feinde, und wenn er mit jemandem streitet, dann fast immer zu Recht. Er ist ein unbestechlicher, unbeugsamer Kämpfer für Frieden und Menschenrechte sowie gegen Nationalismus und Vertreibung. Dies tut er aber mit der Begabung, Wunden zu heilen und Menschen zusammenzuführen, mit Witz, Intelligenz und einem typisch mährischen Charme. Die Einzigartigkeit seiner Persönlichkeit wird schon daran deutlich, daß er nach seiner Flucht aus der kommunistischen Tschechoslowakei, gegen deren Regime er schon in frühester Jugend aufbegehrte, selbst im inneren Kreis der Frankfurter 68er ein kompromißloser Antikommunist blieb. Er engagiert sich für Volksgruppen und Minderheiten, nannte Vertreibung Vertreibung, verleugnete seine Wurzeln in der Sudetendeutschen Volksgruppe nicht und hielt unerschütterlich an der Idee der
� Der Retter von Maria Hilf
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Jiří Šnajdr †
Ich/wir bestelle/n zum Bezug per Postzustellung die m Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) m Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) m Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr)
Jiří Šnajdr, die in der Heimat maßgebliche treibende Persönlichkeit beim Aufbau der Wallfahrtsstätte Maria Hilf bei Zuckmantel im Altvatergebiet, ging mit 88 Jahren von uns.
J
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und wähle/n folgenden Zahlungszeitraum: m jährlich durch Lastschrift m halbjährlich durch Lastschrift m vierteljährlich durch Lastschrift
Die Fahnen von Bayern, Deutschland und der Europäischen Union sowie Adolf Markus, die Urkunde, die Verdienstmedaille und Joachim Herrmann.
� Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung in Silber Name, Vorname ________________________________________
Adolf Markus geehrt
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deutschen Wiedervereinigung fest. Nicht zuletzt deshalb führte ihn das, was seine Mitstreiter in der Gründergeneration der Grünen ,Marsch durch die Institutionen‘ nannten, in BdV und SL. Dort wird er ungemein geschätzt und kann beeindruckende Leistungen vorweisen. Wo immer ich mit ihm zusammenwirken durfte und darf – im Europaparlament, im DeutschTschechischen Gesprächsforum, wo er einen hervorragend wirkenden Arbeitskreis ,Dialog ohne Tabus‘ ins Leben rief, im Vertriebenenbereich und in der Paneuropa-Bewegung –, überall war es erfolgreich und angenehm zugleich, ihn mit sich zu wissen als Vorbild, als Mitstreiter und als Rückendeckung. Die Gespräche mit ihm und wie er zu seinem sehr vielgestaltigen Freundeskreis steht, zeichnen ihn als Menschen in besonderer Weise aus. Ich freue mich auf viele gemeinsame Erlebnisse und Ergebnisse im Streit für eine Aufgabe, die es wert ist, für sie zu kämpfen. Ihm, seiner Frau und seiner Tochter wünsche ich ein schönes Geburtstagsfest und gratuliere von ganzem Herzen als Sprecher unserer Volksgruppe und ganz persönlich.“ Nadira Hurnaus
Anfang Oktober verlieh Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Adolf Markus, seit vielen Jahren Stellvertretender Obmann der bayerischen SL-Bezirksgruppe Oberfranken und Obmann der SL-Ortsgruppe Naila, die Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung in Silber.
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ür mehr als 40 Jahre kommunalpolitisches Wirken auf Stadt- und Kreisebene erhielt Adolf Markus diese Medaille. Anfang Oktober überreichte sie ihm Joachim Herrmann in der Oberfrankenhalle in Bayreuth. Am Festakt nahm auch Nailas Erster Bürgermeister Frank Stumpf teil. Dieser gratulierte Markus zur Auszeichnung und dankte ihm für seinen unermüdlichen Einsatz mit einem Präsent. Bürgermeister Stumpf hatte Markus bereits mit der Goldenen Stadtmünze der Stadt Naila bei dessen Verabschiedung aus dem Stadt-
rat im vergangenen Dezember im Rahmen der „Lichtlasitzung“ des Stadtrates Naila geehrt. Herrmann lobte das vorbildliche Engagement von Markus, der sich mehr als vier Jahrzehnte ununterbrochen und mit großem Einsatz um die kommunale Gemeinschaft verdient gemacht und wertvolle Arbeit für die Stadt Naila geleistet habe. Er habe damit nachhaltig zu einer positiven Stadtentwicklung beigetragen. Als Zweiter Bürgermeister habe er die Geschicke der Stadt viele Jahre lang mitverantwortet. Während der langen Zeit seiner Zugehörigkeit zum Stadtrat habe Markus zahlreiche zukunftsorientierte Projekte mitgetragen, die das heutige Bild der Stadt prägten. Neben der Erschließung von Baugebieten und Investitionen in verschiedene Straßenbaumaßnahmen sowie in die Trinkwasseraufbereitungsanlage seien hier etwa die Umgestaltung der Altstadt, der Neubau der Grundschule, der
Umbau der Mittelschule und die Errichtung der Frankenhalle als kulturelles und sportliches Zentrum der Stadt zu nennen. Mit der von ihm unterstützten Einrichtung eines städtischen Kinderhorts sowie dem Neubau eines offenen Jugendtreffs sei in Naila zudem ein vorbildliches Betreuungswesen entstanden. Zudem habe sich Markus für das Städtische Leben und Miteinander in Naila stark gemacht. Dieses habe er vor allem durch seine jahrzehntelange Organisation der Altstadtfeste bereichert. Über sein kommunalpolitisches Engagement hinaus sei sein verantwortungsvolles Wirken für die Sudetendeutsche Landsmannschaft hervorzuheben. Markus sei eine in der Stadt Naila überaus geschätzte Persönlichkeit. Seine mehrmalige Wiederwahl in den Stadtrat belege dies eindrucksvoll. Adolf Markus habe sich um die kommunale Selbstverwaltung vorbildlich verdient gemacht.
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iří Šnajdr stammte aus der Olmützer Gegend und hatte sich in Niklasdorf unweit von Zuckmantel niedergelassen. Er träumte davon, daß das – 1973 gesprengte und mit Planierraupen eingeebnete – Heiligtum in Zuckmantel wiederaufgebaut werde. Nach 1989 arbeitete er zusammen mit seiner Großfamilie maßgeblich für den Wiederaufbau. Seine fünf Töchter und 30 Enkel halfen, sobald sie konnten. An dieser Sache wirkten außerdem noch weitere Angehörige mit. Šnajdr war darüber hinaus langjähriger Organist in der Nikolauskirche von Niklasdorf. Mit seiner schönen Stimme untermalte er maßgeblich den Gottesdienst vor Ort und später in Maria Hilf. Von deutscher Seite wurden als Unterstützer für den Wiederaufbau von Maria Hilf Pfarrer Adolf Schrenk und Pfarrer Johann Brauner tätig. Bei der großen Einweihungsfeier nach der Wiedererrichtung spielte Jiří Šnajdr die Orgel, Pfarrer Adolf Schrenk predigte in Deutsch und Pfarrer Johann Brauner – ein Neffe des Erzpriesters Vinzenz Brauner aus Zuckmantel – hielt eine Ansprache in perfektem Tschechisch. Die Maria-Hilf-Wallfahrtstätte liegt am Querberg über dem Tal des Golfbachs – auch Mieserichbach genannt – im ehemaligen und gegenwärtigen Kreis Freiwaldau. Dank Jiří Šnajdrs Einsatz bekam Sudetenschlesien eine seiner wichtigen Pilgerstätten wieder. Und für die Vertriebenen wurde Maria Hilf wieder Anlaufpunkt beim Besuch in der Heimat. Das gleiche gilt für die Schlesier, egal ob Polen oder Deutsche.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste hat im Sudetendeutschen Haus in München ihren Festabend 2021 veranstaltet. Den Festvortrag „Globale Erwärmung und Impfungen gegen neue Infektionskrankheiten“ hielt der Mediziner Emil C. Reisinger. Mit dem Adolf-Klima-Preis ausgezeichnet wurde die Flötistin Christine Müller, auf die Ursula Haas die Laudatio hielt. Mit Blumen verabschiedet wurde die Generalsekretärin der Akademie, Barbara Gießmann, die in den Ruhestand geht.
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is 2050 ist ein durchschnittlicher Anstieg der globalen Temperatur um mindestens eineinhalb Grad zu erwarten“, so Festredner Emil C. Reisinger bei seinem Bildervortrag. „Damit gehen auch verbesserte Wachstumsbedingungen einher für nach Europa neu zugewanderte Mücken und Zecken, die insbesondere oft gefährliche Viren übertragen“, betonte der anerkannte Spezialist, der an der Universität Rostock über diese Themen forscht und lehrt. Der Virologe und Tropenmediziner schilderte die Gefahren, die in Mitteleuropa durch Neozooten – also zugewanderte Tiere – aufgrund der Klimaerwärmung gefährlich zunehmen. „Die bereits bei uns heimische gewordenen Insektenarten wie Aedes albopictus, Culex und diverse Anopheles-Arten übertragen jeweils Denguefieber, Chikungunya, Zikafieber, das Westnilvirus und das Rifttal-Fieber-Virus.“ Freilich wird darüber geforscht, so auch an der Klinik Rostock, wo Reisinger seit 2006 als Dekan und wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin wirkt. Der Referent schilderte auch mit Kartenmaterial das schnelle Vordringen der Überträgertiere und die Zunahme der Infekte, gegen die in der bei uns lebenden Population noch keine Abwehrkörper oder Immunität herrscht. „Dagegen ist natürlich der Kampf schon aufgenommen!“
Das Parthe-Trio aus Fátima Poblete, Astrid Pfister und Christine Müller.
Bilder: Susanne Habel
� Festveranstaltung der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in München
Forschung und Flötistin
Akademiepräsident Professor Dr. Günter J. Krejs und Festredner Professor Dr. Emil C. Reisinger.
Klimapreisträgerin 2021 Christine Müller und Akademie-Vizepräsidentin Ursula Haas, die die Laudatio hält.
Menschen getestet. „Impfungen gegen Westnil- und Rifttal-Fieber-Virus sind für Tiere schon zugelassen“, freute sich der Forscher. Und Studien der Phase eins oder Phase zwei an Menschen würden laufen. Auch ein
te gedacht. Krejs bedauerte, daß die letzte Jahresversammlung wegen Corona habe ausfallen müssen, ebenso etliche Veranstaltungen der Akademie. Man habe auch ein Symposium für Altpräsident Herbert Zeman ver-
und mehrfach getestet sei. Der aktuelle und hochwissenschaftliche Vortrag war ein typisches Beispiel für die hochkarätigen Veranstaltungen der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. Eini-
nist Hermann Zeman mit dem Großen Kulturpreis und der Chemiker Franz Effenberger mit dem Preis für Wissenschaft. Auch habe die Vortragsreihe von Akademie-Vizepräsident Stefan Samerski fortgeführt wer-
Für die Gestaltung des Festabends bedankte sich Krejs bei allen Beteiligten, besonders jedoch bei der Generalsekretärin der Akademie, Barbara Gießmann. Die Diplom-Politologin hatte jahrzehntelang diesen Posten bekleidet und wurde mit Blumen und Geschenken in der Ruhestand entlassen. Ein besonderer Dank des Akademiepräsidenten galt auch dem Parthe-Trio aus Leipzig. Das kleine Ensemble aus Fátima Poblete an der Bratsche, Astrid Pfister am Kontrabaß und Christine Müller an Piccolo- und Querflöte umrahmte den Festabend mit Stücken des 1942 im Internierungslager umgekommenen Komponisten Erwin Schulhoff. Die drei Virtuosinnen spielten Schulhoffs „Concertino für Flöte, Viola und Kontrabaß“. Und die Musikerinnen erwartete noch ein spezielles Vergnügen. Eine von ihnen, die Flötistin Christine Müller, wurde mit dem Adolf-Klima-Preis 2021 ausgezeichnet. Sie freute sich sehr, als Präsident Krejs ihr gemeinsam mit der Preis-Stifterin Luitgard Klima die Anerkennungsurkunde überreichte. Die Laudatio auf die junge Musikerin hielt SL-Literaturpreisträgerin Ursula Haas. Da die Akademie-Vizepräsidentin selbst oft und erfolgreich als Librettistin tätig war, ging sie zunächst generell auf das Erleben von Musik ein. „Musik kann beflügeln, entspannen, aus Traurigkeit herausholen, Erinnerungen wachrufen, und sogar Schmerzen lindern.“ Wie in ihrem eigenen Lebn, so Haas, spiele auch bei der KlimaPreisträgerin Musik eine große Rolle. Geboren und aufgewachsen in Halle an der Saale, sei sie einen professionellen Musikerweg gegangen. Nach dem Master an der Musikhochschule in Hannover und dem Diplom an der Akademie des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks belege Müller regelmäßig Meisterkurse für Renaissance-, Barock- und zeitgenössische Musik. Die Mitbegründerin des
Stadtrat Andreas Babor (CSU), Luitgard Klima, Christine Müller, Ursula Haas und Günter J. Krejs.
Haas, Krejs, die scheidende Barbara Gießmann und Akademie-Vizepräsident Professor Dr. Stefan Samerski.
Moderne Impfstoffe wie jüngst gegen SARS CoV-2 würden als inaktivierte Virus- oder Peptid impfstoffe, DNA- oder RNAImpfstoffe oder mit Trägerviren wie Masern oder Adenoviren entwickelt. Ein Impfstoff gegen Dengue sei auf den Philippinen bereits 2016 zugelassen worden, Chikungunya- und Zika-Impfstoffe würden in Phase zwei beim
schieben müssen, so Krejs. Dennoch habe die Akademie kürzlich als Mitveranstalter ein Liederrezital mit SL-Förderpreisträgerin und Sopranistin Iris Marie Kotzian und Pianist Philipp Vogler geboten. Außerdem seien beim kleinen Sudetendeutschen Tag im Juli in München zwei Mitglieder der Akademie geehrt worden: der österreichische Germa-
Impfstoff gegen das Krim-Kongo-Virus werde derzeit in Phase eins getestet. „Die rasante Impfstoffentwicklung gegen SARS CoV-2 bringt auch für andere Impfstoffe eine Reihe technischer Innovationen“, betonte Reisinger. Er erklärte schließlich anschaulich, daß der mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 absolut sicher
ge erwähnte Akademiepräsident Günter J. Krejs in seinem Rückblick in dieser Jahresversammlung. Man hatte diesmal auch keine neuen Mitglieder auf die Plätze berufen, die seit der letzten Jahresversammlung im Herbst 2019 frei geworden waren. Der seitdem verstorbenen 13 Mitglieder wurde in einer Schweigeminu-
den können, teilweise auch im Internet. Bei den Publikationen habe es die Akademie nun auf 40 Bände gebracht, von denen der letzte mit seinen 450 Seiten gerade gedruckt worden sei. Krejs freute sich über die große Gästeschar, die unter Einhaltung der 3-G-Regeln gekommen waren und die Veranstaltung mit viel Enthusiasmus feierten.
„Parthe-Trios“ unterrichte am Konservatorium Georg Friedrich Händel in Halle und beschäftige sich jüngst besonders mit dem Prager Musiker Erwin Schulhoff. Christine Müller spielte zum Schluß auf ihrer Querflöte die „Fylgie für Flöte solo“ (1988) von Widmar Hader, der 1996 den Großen SL-Kulturpreis erhalten hatte. Susanne Habel
Anschauungsmaterial aus dem Festvortrag von Professor Dr. Emil Reisinger über neu vordringende Insekten und von ihnen übertragene Krankheiten sowie die Wirksamkeit von neuen Impfungen.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Das vielseitige „Duo Connessione“ aus Tomáš Spurný – hier mit Egerländer Dudelsack – und Carina Kaltenbach-Schonhardt auf der Bühne im Adalbert-Stifter-Saal. Rechts: Die Veranstalter, Heimatpflegerin Christina Meinusch und Dr. Andreas Wehrmeyer, der Direktor des Sudetendeutschen Musikinstuts in Regensburg, danken den Musikern. Die Heimatpflege der Sudetendeutschen veranstaltete im Sudetendeutschen Haus in München mit dem Sudetendeutschen Musikinstitut in Regensburg (SMI) ein Kammerkonzert. Im Adalbert-Stifter-Saar spielten Geigerin Carina KaltenbachSchonhardt und Pianist Tomáš Spurný Stücke aus der Volksmusik.
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as Konzertprogramm „Europäische Volksmusikinspirationen“ vereinte Werke von Komponisten, die sich von ihrer jeweiligen Volksmusik inspirieren ließen. Dazu zählten die Polen Henrik Wieniawski und Emil Mlynarski, die Böhmen Antonín Dvořák und Friedrich Smetana, der Spanier Manuel de Falla und der Ungar Béla Bartók. Ihre Werke waren zunächst zu hören.
Klassik und Volksmusik Die zweite Hälfte des Programms war böhmischen Volkstänzen und -liedern in tschechischer und deutscher Sprache vorbehalten. Traditionelle Volksmusikinstrumenten wie böhmischer Dudelsack, Geige und Kurzhalsgeige begleiteten sie. Das deutsch-böhmische Kammermusikduo „Duo connessione“ mit Carina Kaltenbach-
� Konzert in München
Das Volkslied als Basis Schonhardt an der Violine und Freiburg geboren. Nach dem Tomáš Spurný am Klavier konAbitur folgte ein Violinstudizentriert sich auf die Musik um an der Musikhochschudes 18. und 19. Jahrhunderts. le Karlsruhe, das sie mit dem Das Duo entstand nach einem Konzertexamen abschloß. Als Online-Konzert im letzten DeStipendiatin erweiterte sie ihzember, nach dem die beiden re Studien in Wien. Ihre AusSolisten schon seit 2016 musibildung ergänzte sie, auch in kalisch zusammen gearbeitet kammermusikalischer Hinhatten wie bei einem Adventssicht, durch die Teilnahme an konzert im Sudetendeutschen Meisterkursen für Neue und Haus (Ý SdZ 50/2020). Alte Musik wie bei der EnAußer den berühmten klassemble-Akademie des Freisischen und romantischen euburger Barockorchesters. ropäischen Komponisten widSo entdeckte sie ihre Begeimet sich das Duo der Wiesterung für die Barockvioderentdeckung vergessener line. Komponisten der Klassik und Das „Duo Connessione“ nutzt verschiedene Instrumente. Bilder: Sadja Schmitzer Der Pianist und MusikwisRomantik sowohl bei Konzersenschaftler Tomáš Spurný ten, als auch bei CD-Editionen. Duo zu besonderen Anlässen Die Musiker spielen sowohl wurde 1965 im mittelböhmischen Besondere Aufmerksamkeit wid- auch Salonmusik des 19. Jahr- auf modernen wie auf histori- Beraun geboren und wuchs in met das Duo der böhmischen hunderts und Unterhaltungsmu- schen Instrumenten. Zu den För- Strakonice in einer Musikerfaund deutschen Musik. Die Kon- sik anderer Genres wie Klezmer, derern des Konzerts gehörten milie auf. Er studierte Klavier am zerte und CD-Aufnahmen wer- Tango, Ragtime, Foxtrott, Blues der Adalbert-Stifter-Verein und Konservatorium in Prag und Muden auf modernen sowie auf hi- oder Irish Folk. Es widmet sich die Beauftragte der Bundesregie- sikwissenschaften an der Karlsstorischen Musikinstrumenten insbesondere den Werken ver- rung für Kultur und Medien. Universität Prag. Seine pianigespielt. gessener böhmischer und deutBeide Musiker sind erfolgrei- stische und musikalische AusNeben den großen Werken scher Komponisten der Klassik che Professionelle. Carina Kal- bildung vertiefte er in einem der klassischen Musik bietet das und Romantik. tenbach-Schonhardt wurde in Studium für Liedbegleitung. An-
schließend absolvierte er ein Studium für Alte Musik im Fach Fortepiano an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen in Baden. Von 1999 bis 2005 war Tomáš Spurný auch als Lehrer für das Fach Klavier an mehreren Musikschulen in der Tschechischen Republik. Zur gleichen Zeit wirkte er als Korrepetitor bei einigen musikalischen Meisterkursen in der Tschechischen Republik und im Ausland, zum Beispiel bei „Rencontres Musicales Internationales d´Enghien“ in Belgien oder „Jugend musiziert“ in Luxemburg. Als Liedbegleiter trat er bei verschiedenen Festivals und Konzerten in der Tschechischen Republik in Prag, in Deutschland in München, Regensburg, Dresden und bei Sudetendeutschen Tagen sowie in Großbritannien beim Musikfestival in Edinburgh auf. Er machte mit einigen Sängern und Sängerinnen Aufnahmen im Tschechischen Rundfunk Prag und CD-Aufnahmen. Seit 2005 lebt Spurný freischaffend in Denzlingen bei Freiburg. Seit 2015 leitet und beteiligt er sich aktiv auch an den Führungen durch die Sammlung der historischen Tasteninstrumente im Schloß in Bad Krozingen. sh
� Neuerscheinung auf dem Spielemarkt
Heitere Wanderfahrt durchs ganze Sudetenland Im Verlag Tschirner & Kosova erschien eine auf 500 Exemplare limitierte Replika-Edition von „Wanderfahrt durchs Sudetenland“. Bei einer Partie des Brettspiels kann die Familie spielerisch das Sudetenland erkunden.
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anderfahrt durchs Sudetenland“ ist ein klassisches Würfelspiel. Eigentlich können sich beliebig viele Spieler daran beteiligen. Am besten jedoch spielt es sich mit drei bis fünf Spielern. Die Regeln sind einfach zu erklären. Auf dem bunten Spielfeld befinden sich 70 Felder mit historisch-regionalen Fragen. Die Reise beginnt an der Moldauquelle und endet in Prag oder umgekehrt. In Eger, Reichenberg, Troppau und Brünn darf zweimal gewürfelt werden. Kommt der Spieler in seine oder seiner Vohrfahren Heimatstadt oder in die Kreisstadt seines Heimatkreises, darf zweimal gewürfelt werden. Ursprünglich erschien das Brettspiel „Wanderfahrt durchs Sudetenland“ 1950 im Fritsch-Landkartenverlag in Hof. Herausgeber waren die Deutsche Jugend des Ostens und die Sudetendeutsche Jugend. Das Verlegerpaar Jürgen Tschirner und Kateřina Kosová beschaffte sich aus Neugier antiquarisch ein Ex-
Oben: Vorder- und Rückseite der Schachtel mit dem Spiel. Unten: das Spielfeld und das in Handarbeit gefertigte Zubehör.
emplar. „Wir waren sofort davon begeistert“, sagt Jürgen Tschirner. Sein Verlag habe die Lizenz für eine exklusive Neuauflage beim Urheber erworben. „Wir haben eine limitierte Edition von 500 Exemplaren in sorgfältiger Handarbeit anfertigen lassen.“ Das geht soweit, daß das Stoffsäckchen für Holzfiguren und Würfel mit dem Wappen des Sudetenlandes verziert ist. Weiterhin liegt dem Spiel erfreulicherweise eine Leselupe bei, da die Erläuterungen zu Orten im Sudetenland sehr klein gedruckt sind. Der Verlag machte sich bereits einen guten Namen. Der Verlag Tschirner und Kosova hatte zuvor die große Dokumentation „Blutiger Sommer 1945 – Nachkriegsgewalt in den böhmischen Ländern“ von Jiří Padevět auf deutsch heraus gebracht. Dieses umfangreiche Werk fand bereits zahlreiche Leser in Deutschland und Österreich. Jetzt gibt es mit der „Wanderfahrt“ einen Ausflug in die Vergangenheit der Heimat. Susanne Habel „Wanderfahrt durchs Sudetenland“. 39,80 Euro. Bezug: Verlag Tschirner & Kosová, Zum Harfenacker 13, 04179 Leipzig, Mobil (01 76)20 74 99 08; eMail juergen.tschirner.leipzig@ gmail.com
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
� SL-Kreisgruppe Lauf-Heuchling/Nürnberg-Land/Mittelfranken
Gert Peter Schwank und Ines-Andrea Reinhold von Drüben. Bild: Susanne Marb
� SL-Ortsgruppe Aichach
Wenn das Bugrad platzt Anfang Oktober erzählte die aus Gera in Thüringen stammende Fürstenfeldbrucker Rechtsanwältin Ines-Andrea Reinhold von Drüben der bayerischschwäbischen SL-Ortsgruppe Aichach über Fluchtversuche ihrer Familie aus der „DDR“.
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as war eine Geschichtsstunde der besonderen Art“, kommentierte Ortsobmann Gert Peter Schwank die erste Veranstaltung nach Corona. Reinhold von Drüben berichtete spannend von einigen der 13 Fluchtversuche ihrer Familie aus der „DDR“. „Der Blick in die Vergangenheit ist wichtig für die Gestaltung der Zukunft, damit solch schreckliche Dinge, unter denen rund 17 Millionen Menschen leiden mußten, nicht mehr passieren“, sagte sie. Wegen anhaltender Unbotmäßigkeit sei ihre Familie im Sommer 1982 ausgebürgert und in die Bundesrepublik abgeschoben worden. Um ihre Herkunft zu dokumentieren, habe die Familie den Namenszusatz „von Drüben“ angenommen. Mit der Feststellung, daß es ihrer Familie materiell an Nichts gefehlt habe, hatte die Referentin ihren Vortrag eingeleitet. Dennoch hätten sie die Unterdrückung und Bespitzelung im kommunistischen Unrechtsstaat auf Dauer nicht mehr ertragen wollen. Besonders ihre Eltern hätten sich nach Freiheit gesehnt. Nach einem gescheiterten Versuch, in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Unterstützung für eine legale Übersiedlung zu finden, habe die Familie einen späteren Urlaub in das sozialistische Ausland zur Flucht nutzen wollen. Versuche, über Ungarn und Rumänien in den Westen zu gelangen, seien gescheitert. Ebenso gescheitert sei das Experiment, mit einem selbstgebauten und zerlegbaren Flugzeug Bayern zu erreichen. Eine Glasflasche habe das Bug rad platzen lassen. Schließlich habe die Familie den offiziellen Weg beschritten. Sie habe versucht, für den flugtauglichen Eigenbau ein Patent zu erhalten und zu weiteren Forschungszwecken einen Flugplatz zugewiesen zu bekommen. Der Bau eines Flugzeugs sei in der „DDR“ nicht verboten und die Patent- und Forschungserlaubnis gesetzlich verbrieft gewesen. Trotz Vernehmungen und Drohungen durch die Stasi habe die Familie fortan auf eine Welle von Petitionen gesetzt. Alle staatlichen Institutionen seien die Adressaten gewesen. Nach zwei Jahren habe der damalige Staatsratsvorsitzende Erich Honecker die Ausweisung der Familie verfügt. In drei Büchern seien die Erlebnisse der Familie mittlerweile veröffentlicht worden. „Wir haben unser Veranstaltungskonzept vorwiegend in Vortragsnachmittage umgestaltet, damit unsere Mitglieder und Gäste einen Mehrwert erhalten“, erklärte Schwank. Das habe dazu beigetragen, daß die Ortsgruppe mittlerweile die größte im Landkreis und vom BdV-Bezirksvorsitzenden Andreas Jäckel MdL gebeten worden sei, nächstes Jahr den Schwäbischen Vertriebenentag in Aichach auszurichten. Susanne Marb
Von der Kuhmagd zur Professorin anläßlich des 70jährigen Bestehens der SL-Ortsgruppe Rückersdorf sowie aus gleichem Anlaß der Landesgruppe in München wurden erwähnt. Für heuer sei noch eine Busfahrt mit den Nachkommen einiger Mitglieder zum Sudetendeutschen Museum in München vorgesehen. Auch eine Rundfahrt zu den Vertriebenen-Denkmalen im Landkreis sei geplant. Der detaillierte Bericht der Vermögensverwalterin Edith Würth informierte über die Finanzen der Gruppe. Die beiden Kassenprüferinnen Helga Gradl und Helga Dörre stellten eine einwandfreie Kassenführung
fest, so daß die Entlastung erteilt werden konnte. Da beide Kassenprüferinnen aus Alters- und Krankheitsgründen ausschieden, wurde eine Nachwahl erforderlich. Gewählt wurden Annemarie Völlmer und Karin Walz. Als besonders interessanter Programmpunkt war ein Vortrag reisobmann Helmut Reich und eine Kurzlesung von Profesverwies dabei auf die seit länsorin Christa Olbrich aus Berg gerem von Corona verursachten bei Neumarkt vorgesehen. In ihEinschränkungen. Aus diesem rer außergewöhnlichen BiograGrund habe im Jahr 2020 auch phie „Von der Kuhmagd zur Prokeine Jahreshauptversammfessorin“ erzählt Christa Olbrich lung durchgeführt werden könvom Leben als Kind sudetennen. Deshalb sei für die aktueldeutscher Heimatvertriebener le Veranstaltung ein besonderes aus Mährich Schönberg im nordGlanzlicht vorgesehen. mährischen Altvatergebiet, die Die Niederschrift des im August 1946 nach dem Protokolls von der VerLager im mittelfränkischen sammlung am 11. Mai 2019 Schwabach in einem fränlag zur Einsichtnahme vor. kischen Dorf strandete. Sie Nach dem Totengedenken wuchs dort in Armut und berichtete Reich auch von ohne Bildungschancen auf. der Sudetendeutschen BunZunächst wurde sie Krandesversammlung Ende Juni kenhaushelferin, schaffte in München. Darüber hindas Begabtenabitur und eiaus berichtete er von manne Doktorarbeit zur Pflechen Aktivitäten der Kreisgekompetenz und wurde gruppe und der Ortsgrupschließlich Professorin an pen, zum Beispiel über die einer Hochschule. Sie erFahrt nach Mähring an der zählte aus ihrer reichen Letschechischen Grenze und bensgeschichte, von Abennach Tirschenreuth, die teuern und Erfolgen. Das Busfahrt 2019 zum Sudetenstieß auf tiefe Anteilnahme deutschen Tag in Regens- Helmut Reich und Professorin Dr. Christina Ol- und echtes Intresse des AuBild: Carmen Barth ditoriums. burg. Auch die Feierstunde brich.
Helmut Reich, Obmann der mittelfränkischen SL-Kreisgruppe Nürnberg-Land, konnte Ende September zahlreiche Delegierte und Gäste zur SLJahreshauptversammlung der Kreisgruppe in Lauf-Heuchling begrüßen.
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� BdV-Kreisverband Waldeck-Frankenberg/Hessen
Stereotyp der Vertreibung rund 15 bis 20 Millionen deutschen Opfern von Flucht, Vertreibung und Deportation gewidmet sei. Man dürfe diese nicht in einen Topf werfen mit den aktuellen Fluchten aus aller Welt, die aus unterschiedlicher Motivation derzeit ihr Ziel vielfach in Deutschland fänden. „Gerade die Menschen aus as Foyer des ehemaligen den deutschen Ostgebieten, die Stabsgebäudes einer Kaser- im Zuge der wilden Vertreibunne war bis auf den letzten Platz gen sowohl seelisch als auch körbesetzt, als Bad Arolsens Erster perlich gelitten haben“, so RichStadtrat Udo Jost als Hausherr ter, „haben angepackt und das die Gäste begrüßte und vor einer zerschundene Deutschland wieder aufgebaut. Die ungezählten Toten, die den Gräueltaten der Siegermächte östlich von Oder und Neiße und mit Tolerierung der Westalliierten zum Opfer gefallen sind, dürfen niemals vergessen werden.“ Richter wies darauf hin, daß all diese Verbrechen bereits in sogenannten Friedenszeiten „Deutschland unteilbar“ mit Trauerkranz. zu beklagen gewesen seien. Mit einem Abstumpfung bei Vertreibungen Zitat von Georg Kardinal Ratzindurch die Allgegenwärtigkeit im ger kritisierte er gängiges politiFernsehen warnte. Die Vertriebe- sches Nivellieren und das Drännen der Jahre 1945/46 seien die gen, aus Gründen der Völkerverletzten Opfer des Zweiten Welt- ständigung und der Versöhnung kriegs gewesen. möglichst auf die Erwähnung des Anschließend erinnerte BdV- „Stereotyps der Vertreibung“ Kreisvorsitzender Rüdiger Rich- zu verzichten. „Eine Liebe, die ter daran, daß dieser Gedenktag den Verzicht auf die Wahraus Sicht des BdV vorrangig den heit voraussetzt, ist keine Liebe. Nach knapp zwei Jahren Coronapause hatte der hessische BdV-Kreisverband WaldeckFrankenberg zu einer Veranstaltung eingeladen. Er lud für Mitte September zum 8. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation nach Bad Arolsen ein.
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Heitere und nachdenkliche Gedenkgäste.
Sie hätte ein schlechtes Fundament. Aus der Psychologie wissen wir, daß Verschwiegenes und Verdrängtes im Menschen weiter wirkt und, wenn es keinen Ausweg findet, zur Vergiftung von Innen wird. Was im Leben des einzelnen gilt, das gilt auch für die Völker. Unterdrückte Wahrheiten werden zu gefährlichen Mächten, die den Organismus von innen vergiften und irgendwo ausbrechen. Nur die Annahme der Wahrheit kann heilen. Liebe braucht Wahrheit und darf nicht ohne sie sein!“ „Es geht um nichts weniger als die Wahrheit“, so Richter. Weitere Grußworte richtete Armin Schwarz MdL an die 60 Gäste im Historicum. Er weitete die Fluchtthematik ins Globale und Aktuelle, wies aber auch auf die großartigen Leistungen des BdV hin, der bereits 1950 mit seiner Charta den Verzicht auf Rache und Vergeltung sowie den Wunsch auf Versöhnung dokumentiert und schon vor der Bildung einer Europäischen Gemeinschaft wichtige Brücken gebaut habe. Abschließend wies Oberst a.D. Jürgen Damm in seiner Friedens andacht eindrücklich auf das Unentschuldbare jeder Vertreibung hin, das keinen Schlußstrich dulde, aber auch nicht aufgerechnet werden dürfe. Das Gedenken endete mit einer Kranzniederlegung am Denkmal „Deutschland unteilbar“ vor dem Historicum.
Fünf Egerländer, vier in Tracht mit weißen Batzerlstrümpfen, einer in Zivil: Dr. Herbert G. Papacek, Otto Riedl, Josef Plahl, Paul Heimerl und Albrecht Kauschat.
� BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg/Hessen
Wir verzichten berichteten, daß sie ebenfalls sudetendeutsche Vorfahren hätten, die gleichfalls vertrieben worden seien. Weihbischof Pieschl erzählte, sein Vater sei tschechoslowakischer Polizist gewesen und auf einem Lastwagen 1945 aus der reisvorsitzender Josef Heimat vertrieben worden. Plahl: „Die deutschen HeiHans-Peter Schick sagte, matvertriebenen verzichteten am 4. Februar 1946 sei der ervor dem Hintergrund des da- ste Transport Heimatvertriemaligen Leides 1950 im Wies- bener aus dem Sudetenland badener Abkommen und in und am 5. Juni 1946 der erste der Charta der deutschen Hei- Transport Heimatvertriebener matvertriebenen auf Rache aus Ungarn am Weilburger und Vergeltung, um einen Bahnhof angekommen. Beitrag zur Versöhnung und Nach dem Zweiten WeltEinigung Europas zu leisten“. krieg habe es weltweit mehr Angesichts von 80 Millionen als 150 Kriege gegeben. Flucht Flüchtlingen in der heutigen und Vertreibungen, Terror Wel, frage man sich: „Hat die und Gewalt hätten die MenMenschheit aus der Geschich- schenwürde mit Füßen getrete des letzten Jahrhunderts ten. Gegenwärtig hungerten nichts gelernt?“ mehr als 800 Millionen MenEhrengäste waren Michael schen, und mehr als zwei MilGahler MdEP, liarden MenTobias Eckert schen litten an MdL, Andreas MangelernähHofmeister rung. Der vom MdL, AltweihMenschen verbischof Gerhard ursachte KlimaPieschl, Pfarwandel zerstörer Hans Mayre immer mehr er, Erster KreisLebensräubeigeordneter me. 1950 hätJörg Sauer, die Hans Peter Schick ten 2,5 MilliarBürgermeister den Menschen Mario Koschel aus Weilmün- die Erde bevölkert, aktuell seister, Britta Löhr aus Weinbach en es 7,9 Milliarden und 2050 und Peter Blum aus Wald- würden es 9,7 Milliarden werbrunn, Erster Stadtrat Heinz den. Schweitzer, StadtverordneNach dem Zweiten Welttenvorsteher a. D. Bruno Götz krieg seien 20 Vertriebenenund Stadträtin Christine Zips transporte in den Landkreis aus Weilburg sowie Christian gekommen, so Schick. Seit 75 Wendel vom Kreistag. Jahren leisteten die VertriebeSL-Landesobmann Markus nen einen wesentlichen BeiHarzer, Wetzlars BdV-Kreis- trag zum Leben in der hessivorsitzender Manfred Hüber, schen Heimat, gestalteten sie Albrecht Kauschat, Vorsteher mit. „Ohne Sie wären wir deutder Egerländer Gmoi z‘ Lim- lich ärmer.“ Heimat sei ein hoburg, und SL-Kreisobmann hes Gut. Aber was werde in 25 Otto Riedl waren ebenfalls Jahren sein? 100 Jahre nach gekommen. Plahls besonde- der Ankunft der Heimatverrer Gruß galt Weilburgs Alt- triebenen in Hessen. Die Heibürgermeister und Festredner mat sei im Wandel. Hans Peter Schick. Otto Riedl „Verstehen wir Erinnern gedachte der Toten der Wil- nicht nur als Zurückdenken. helm Gustlof, des Brünner To- Wenn wir an die Vertreibung desmarsches, des Massakers und Flucht vor 75 Jahren denauf der Aussiger Elbebrücke ken, dann müssen wir heute und der über zwei Millionen gegen Vertreibung und Flucht Toten von Flucht und Vertrei- aufstehen. Dann müssen wir bung 1945/46. offensiv eintreten für die MenMario Koschel erzählte, sein schenrechte, müssen MenGroßvater sei Sudetendeut- schen auf der Flucht an- und scher gewesen und habe sich aufnehmen.“ hier ein neues Zuhause auf„Unser Grundgesetz, die gebaut. Michael Gahler merk- Heilige Schrift und die Charta te an, daß es in vielen Ländern der deutschen HeimatvertrieTerror und Verfolgungen ge- benen lehren uns, daß nicht be, dahinter stünden meistens Mauern und Zäune die richDiktatoren. Auch Eu ropa sei tigen Antworten für das Lenicht frei von Spannungen, ben sind, sondern Mitmenschdie Beziehungen zu Polen und lichkeit und Nächstenliebe, Ungarn seien problematisch. Respekt und Gemeinschaft,“ Jörg Sauer überbrachte die schloß Schick. Grüße der Kreisgremien und Die Egerländer Maderln sagte, viele Flüchtlinge und aus Mengerskirchen unter Heimatvertriebene seien im Heike Schlicht begleiteten die Kreis Limburg-Weilburg hei- Veranstaltung mit unvergessemisch geworden. Tobias Ec- nen Melodien aus dem Egerkert und Andreas Hofmeister land.
Mitte Oktober beging der hessische BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg im Bürgerhaus in Weilmünster den Tag der Heimat mit dem Leitwort „Vertreibungen ächten – Völkerverständigung fördern“.
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Mitte Oktober fanden in Prag die Konferenz der deutschen Minderheiten im Palais Czernin, also im tschechischen Außenministerium, und die Kulturelle Großveranstaltung der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik im Kulturzentrum Novodvorská statt. Unter den Gästen war eine 30köpfige Delegation der SL-Landesgruppe Bayern mit Obmann Steffen Hörtler. Auch Christina Meinusch, die neue Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, war gekommen.
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ie zweijährliche Konferenz im Außenministerium fand heuer bereits zum fünften Mal statt und trug den Titel „Euro- Außenminister Jakub Kulhanek, Martin Dzingel, Professor Dr. Bernd Fabritius und Botschafter Andreas Künne. päische Integration aus der Sicht der nationalen Minderheiten mit Schwerpunkt deutsche Minder- Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik heit“. Die Konferenz sei wichtig für die Deutschen hinsichtlich ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit, so Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung, und hinsichtlich der Themen Integration, Sprache und Identität. Jakub Kulhánek, Außenminister und mithin Gastgeber, betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit und die gemeinsame Geschich- gebauer, Leiter der 1992 von der ten Standards, weil auch eige- schöner Tag“, hallte Kinderge- derheit auch zu unterstützen, te seien. Landesversammlung gegründe- ne Mitgliedsstaaten der EU wie sang durch den Saal des Prager sollte die ANO in die OppositiAndreas Künne, seit Sommer ten gemeinnützigen und landes- Frankreich oder Griechenland Kulturzentrums Novodvorská. on gehen, wie es sich nach den Deutscher Botschafter in Prag, weit wirkenden Gesellschaft Bo- eben diesen Mindeststandard ei- Die jährliche Kulturelle Großver- kürzlichen Parlamentswahlen abunterstrich die Bedeutung der hemia Troppau, widmeten sich gentlich nicht erfüllen. Es ist na- anstaltung hatte coronabedingt zeichne. Ein Bekenntnis, das das Landesversammlung. „Brücken- der europäischen Integration. türlich immer gefährlich, wenn ein Jahr pausieren müssen. Publikum mit großem Applaus bauen ist eine aufnahm. Vom Kulturministeunserer wichtigrium, das ebenfalls die deutsten Aufgaben. sche Minderheit in verschieMauernbauen denen Bereichen unterstützt, und Gräbenziewaren Jana Gombárová und hen haben uns in Václav Appl gekommen. der Geschichte „Dieser Termin ist einer der nicht weitergeHauptanlässe nach Prag zu bracht.“ kommen“, sagte Fabritius. EiBernd Fabrine Herzensangelegenheit sei tius, Bundesbeihm, so Botschafter Andreas auftragter für Künne, an diesem NachmitAussiedlerfratag dabei sein zu dürfen. Er sei gen und natioüberzeugt, daß auch die neue nale MinderBundesregierung die deutheiten, Karin B. sche Minderheit unterstütSchnebel vom zen werde. Thomas FreundorKindergruppe aus dem Hultschiner Ländchen. Yvonne Deglau und Richard Šulko. Wissenschaftfer vom Prager Goethe-Institut lichen Institut betonte vor allem die JugendMünchen und Urban Beckmann Helena Válková: „Wir versu- Staaten auf dem Rücken ihrer „Kultur verbindet, pflegt und und Nachwuchsarbeit und stellvom Institut für Auslandsbezie- chen das zu unterstützen, was Minderheiten Politik betreiben.“ bildet Freundschaften, zerstört te als erfolgreiches gemeinsames hungen (ifa) in Berlin beschäftig- die deutsche Minderheit will „Die Minderheit“, so Neuge- Klischees und baut Brücken auf“, Projekt mit der Landesversammten sich mit Assimilation. und was sie fordert. Wichtig wird bauer, „muß einen eigenen Wil- begrüßte Martin Dzingel die Gä- lung das Sommercamp heraus, Bernd Fabritius lobte ein- das Ergebnis der Volkszählung len haben, um zu überleben, um ste und unterstrich damit, wie das heuer online stattgefunden leitend: „Daß diese Konferenz sein. Danach schauen wir, wel- zu zeigen, ich bin ein Deutscher, wichtig die kulturelle Begeg- habe. im Auswärtigen Amt unter der che Bedürfnisse der Staat fördern ich will ein Deutscher bleiben. nung für die verbliebenen DeutAuch die Delegation der SLSchirmherrschaft des Außenmi- kann.“ Am Schluß der Diskussi- Das ist natürlich schwierig, denn schen ist. Und so stand die Ver- Landesgruppe Bayern übernisters stattfindet, dokumentiert on, so Válková, habe sie das die Erfolgsgeschichte der Lan- Thema Jugend- beziehungsdesversammlung.“ Und: „Um weise Schüleraustausch interder Assimilierung zu entgehen essiert. Auch sie habe als junund dennoch integriert zu wer- ges Mädchen solch einen Ausden, brauchen Sie eine positi- tausch mitgemacht. Das dürfe ve Diskriminierung. Und zwar nicht erst mit den von der EU ganz genau durch das, was das geförderten Erasmus-Ausaktuelle Regelwerk des Europa- lands-Studienaufenthalten rates darstellt, nämlich das Kor- einsetzen. Vielmehr solle der rektiv zur Gleichgültigkeit einer Austausch bereits bei 12-, 13Mehrheitsgesellschaft.“ Karin B. oder 14jährigen Schülern beSchnebel gab zu bedenken, daß ginnen. „Super wäre, wenn positive Diskriminierung bei der das gelingen würde. In dieMehrheitsgesellschaft Wut an- se Richtung verspreche ich jestauen könne. Urban Beckmann: de Art von Hilfe. Ich bin über„Der Umgang eines Staates mit zeugt, daß dies zur deutschMinderheiten ist ein Seismo- tschechischen Verständigung graph dafür, wie demokratisch beitragen würde. Und es würund offen eine Gesellschaft ist. de das Leben der deutschen Minderheiten müssen ihren Be- Minderheit auf einem natürli- Nach dem Sonntagsgottesdienst vor der Kirche Sankt Nepomuk vor dem Felsen mit Pfarrer Thomas Hüsch. trag leisten können und dürfen chen Weg verbessern.“ nicht diskriminiert werden.“ Günther Rautz: „Die Europä- unter unseren Kindern gibt es anstaltung ganz im Zeichen des brachten ihre Grüße. „Ich fahHelena Válková, Beauftragte ische Union verlangt einen re- kein einziges, dessen beide El- Wiedersehens. re zu unseren Freunden, nicht für nationale Minderheiten und lativ hohen Standard des Min- ternteile Deutsch sprechen könKraft Amtes waren auch hier zur deutschen Minderheit“, sagMenschenrechte in der Tsche- derheitenschutzes beim Beitritt. nen. Aber eine Minderheit muß wieder die Minderheitenbeauf- te Steffen Hörtler, Stellvertrechischen Republik und Justizmi- Nach dem Beitritt können aber sichtbar sein.“ tragten Helena Válková und tender SL-Bundesvorsitzender nisterin a. D., Günther Rautz vom alle das auch wieder zurückNach der politischen Dusche Bernd Fabritius zugegen. Vál- und Bayerns SL-Landesobmann. Institut für Minderheitenrecht an nehmen. Die EU hat dann keine im Palais Czernin ging‘s ins kul- ková, Mitglied der Regierungs- Zum ersten Mal bei der Kultuder Europäischen Akademie Bo- Möglichkeit mehr einzugreifen. turelle Vollbad der Landesver- partei ANO, versprach in deut- rellen Großveranstaltung war zen (EURAC) und Richard Neu- Insofern gibt es diese doppel- sammlung. „Heut‘ ist so ein scher Sprache, die deutsche Min- Heimatpflegerin Christina Mei-
Ich bin ein Deutscher und will ein Deutscher bleiben
Minderheitenkonferenz im Palais Czernin.
Bilder: Richard Šulko (3), Anna Treutlein (1), Ulrich Möckel (1)
nusch. Sie lobte das Engagement der Landesversammlung und war sich sicher, daß sich an diesem Nachmittag durch Musik und Tanz alle verstünden. „Dafür braucht es keine gemeinsame Sprache“, sagte sie. Grüße überbrachte schließlich auch eine deutsche Minderheit aus einem anderen Land: Bogna Piter vom Verband der sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG). Christina Meinuschs Worte sollten sich bewahrheiten. Die deutsche Minderheit hatte ein fulminantes Programm mit Musik und Tanz auf die Beine gestellt, durch welches an diesem Nachmittag Ulrike Strigl und Michal Urban führten. Gleich zu Beginn heizte das „Check Accordion Trio“ mit Klängen vom Balkan die Stimmung im Saal an. Daran knüpfte der Kinderchor aus dem Hultschiner Ländchen mit seinem Auftritt „Kinder wollen glücklich sein“ an und brachte das Publikum zum Mitklatschen. Das Duo „Målaboum“ aus Richard und Vojtěch Šulko bot Egerländer Volkslieder wie „Es war einmal eine Müllerin“ oder „Heut‘ scheint der Mond so schön“. Moderne Tänze zeigte der Verband der Deutschen in den Regionen Reichenberg und Lausitz-Nordböhmen. Eine talentierte Kindergruppe hatte die Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung Prag aufs Podium geschickt. Mit Gesang und Spiel auf verschiedenen Instrumenten erfreute sie die Zuschauer. Starker Wind kam aus dem Erzgebirge. Der Kulturverband hatte das „Trio Dejavu“ nach Prag entsandt. Seine Sängerin Yvonne Deglau beherrschte mit großer Energie nicht nur das Podium, sondern auch den Raum vor der Bühne. Als sie merkte, daß der Måla Richard das „Vuaglbeerbaam-Lied“ mitsang, schnappte sie ihn sich, und gemeinsam wurde der Zusammenhalt der Deutschen bekräftigt. Schließlich trat die Egerländer Volkstanzgruppe „Die Målas“ aus Plachtin bei Netschetin unter der Führung vom Måla Richard Šulko auf. Nach den zwei Volkstänzen „Sternpolka“ und „Howansook“ blieb die Tanzgruppe auf dem Podium und bildete ein schönes Bild mit den Egerländer Trachten. Der Måla Richard stimmte dann das Schlußlied „Kein schöner Land“ an, und alle sangen mit. Am Abend konnten die Landsleute ein gemütliches Zusammensein genießen. Und bei Musik und Gesang vom Prager Hradschiner und dem Orchester Josef Kocureks schwang noch so manches Tanzbein im Viervierteltakt über das frisch gewienerte Parkett. Den Schlußsegen spendete Pfarrer Thomas Hüsch, Seelsorger der deutschsprachigen katholischen Pfarrei Prag, nach dem Sonntagsgottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Johannes Nepomuk am Felsen. nh/mr/ Landesecho
Kulturelle Großveranstaltung mit Steffen Hörtler und Christina Meinusch.
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Heimatlandschaft Altvaterland
Kurt Weese und der neue Altvaterturm Am 21. Dezember 2020 starb Kurt Weese in Ehringshausen im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Am 14. März 1929 war er in Freudenthal im Kreis Mährisch Schönberg zur Welt gekommen. Er war der Schöpfer des im Frankenwald auf dem thüringischen Wetzstein originalgetreu errichteten Nachbaus des Altvaterturms. Dieser 1912 auf dem Altvater eröffnete Turm war Habsburgwarte getauft worden und 1959 wegen Vernachlässigung in sich zusammengefallen.
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ihm, zunächst die Mittlere Reife zu machen und anschließend ein Bauhandwerk zu lernen. Der Bauer in Niedersachsen, bei dem er arbeitete, erlaubte ihm, in der Oberschule im westfälischen Rüthen die Mittlere Reife nachzuholen. Er meldete sich im Frühjahr 1947 dort an. Für den 17jährigen begann eine harte Zeit. Morgens mußte er 18 Kühe melken, um anschließend mit einem geliehenen Fahrrad acht Kilometer – meist bergauf – über den Haarstrang zur Schule zu fahren. An den Wochentagen hieß dies, morgens melken, abends Schularbeiten machen; an den Wochenenden nur melken.
urt Weeses Eltern waren der Koch Bruno Weese und Camila Weese/Schwarzer. In der Freudenthaler Neißer Straße betrieben sie das Gasthaus Zur Republik. Kurt Weese hatte drei Schwestern: die ältere Ingeborg und die jüngeren Christl und Traudel. Als er elf Jahre alt war, erlag sein Vater den Folgen einer Erkrankung aus dem Ersten Weltkrieg. Im Februar 1945 wurde er gemustert. Dem 1,82 Meter aufgeschossenen 15jährigen gelang, sich der Einberufung zur Waffen-SS zu entziehen. Als die Burschen des Jahrgangs 1929 ihre Ausbildung Karl Weese 2019. erhielten und am 20. April 1945 Adolf Hitlers 56. GeburtsTrotz allem ist sein Bericht voltag feiern mußten, war die Rote ler heiterer Schilderungen wie Armee vor Jägerndorf in heftige die Beschreibung seiner ErfahKämpfe verwickelt. rungen mit dem oft widerspenstiAuf dem Transport nach Rei- gen Hornvieh. Nach einem halchenberg bekam Weese Schar- ben Jahr Schulbesuch in Rüthen lach. Dies verhinderte seinen erhielt er Mitte 1947 das ZeugFronteinsatz. Das Ende des Krie- nis der Mittleren Reife. Nun beges erlebte er in Nordböhmen. gann die Suche nach einer LehrDanach begann ein Leidensweg stelle als Schreiner. Dies war vor mit Gefangennahmen, Flucht- der erlösenden Währungsreform versuchen, erneuten Gefangen- nicht einfach. nahmen, Mißhandlungen und Hier war der Meister gefallen, Zwangsarbeit. Weese beschreibt dort war der Meister noch in Geseine Erlebnisse in dieser chaotischen Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem detailgetreuen Bericht. Er wurde Zeuge schrecklicher Übergriffe und Vergeltungs-Maßnahmen unter sowjetischer, dann tschechischer und schließlich polnischer Verwaltung. Während seiner Odyssee durch Nordmähren, Nordböhmen und Schlesien erfuhr er, daß seine Mutter und seine beiden jüngeren Schwestern Christel und Traudel am 8. Mai 1945 ums Leben gekommen seien. Man hatte ihm damals verschwiegen, wie Mutter und Schwestern gestorben waren. Viele Jahre später wurde ihm offenbart, daß die Mutter mit ihren beiden jüngeren Töchtern angesichts des ihr damals ausweglos erscheinenden Schicksals den Freitod gewählt habe. Kurt Weese war jetzt 16 Jahre alt und Vollwaise. Er wurde Zwangsarbeiter im polnisch besetzten Schlesien. Ende April 1946 gelang ihm die Flucht. Er sprang auf einen Transportzug voller deutscher Vertriebener und gelangte mit ihnen nach West-Deutschland. Die Zugfahrt endete in Niedersachsen. Dort wurden die Insassen auf Orte verteilt. Weese landete zunächst auf einem Bauernhof bei Stotel nahe Bremerhaven. Dort wurde er zum Torfstechen eingesetzt. Später kam er zu einem anderen Bauern. Von einem Onkel in Wien erfuhr er, daß seine ältere Schwe- fangenschaft. Oder die Schreister Ingeborg den Krieg auch nerei hatte entweder keine Aufüberlebt habe und im westfäli- träge oder kein Holz. Die Wirtschen Bielefeld wohne. Er mach- schaft lag noch am Boden. Nach te sich auf dem Weg dorthin, um etwa 50 Versuchen fand er eine sie zu suchen. Zufall? Schicksal? Schreinerei in Steinhausen im Seine Schwester Ingeborg stieg Kreis Düren, die bereits wieder in Bielefeld in denselben Stra- arbeitete und ihn auch einstellen ßenbahn-Wagen, in den auch er wollte. eingestiegen war. Nach Jahren Nun suchte er ein Quartier. der Trennung lagen sich die Ge- Das war angesichts der Wohschwister in den Armen. Für die nungsnot ebenfalls schwierig. anderen Fahrgäste muß der An- Der Pfarrer des benachbarten Orblick bewegend gewesen sein. tes Langenstraße kannte die BauWeese wollte Architekt wer- ernfamilie Lammers, deren Söhden. Ein väterlicher Freund riet ne unbeschadet aus dem Krieg
nach Hause gekommen waren. Dafür wollten sie Gott danken und einen Vollwaisen bei sich aufnehmen. Kurt Weese wurde der Glückliche. Neben seiner Arbeit begann er auch wieder Geige zu spielen. Am Sonntag half er dem Bauern Lammers auf dem Feld. Eines Tages verspürte Weese heftige Schmerzen beim Atemholen. Als die Schmerzen tagelang anhielten, wurde er untersucht. Der Arzt stellte eine akute Tuberkulose fest. Er wurde zur Kur in ein Sanatorium eingeliefert. Dort erfuhr er, daß alle Kühe seines Bauern an TBC erkrankt waren und er sich offenbar bei ihnen angesteckt hatte. Seine Schwester Ingeborg war inzwischen von Bielefeld zu einer Tante nach Niederscheld bei Dillenburg in Hessen gezogen. Von dort bekam er einige Flaschen eines von Ingeborg selbst hergestellten Hausmittels geschickt: zwölf Eier einschließlich Schalen mit einem Liter Korn- verquirlt. Ob es die Kur war oder der Schnaps? Kurt Weese wurde gesund und machte die Gesellen-Prüfung. Nach seiner Genesung zog er ebenfalls zur Tante nach Niederscheld, durfte aber wegen der geschwächten Lunge zwei Jahre lang nicht arbeiten. Als er wieder völlig gesund war, fand er bei der Dillenburger Firma SELL-Einbauküchen eine Anstellung und arbeitete sich dort bald zu einem erfolgreichen Montage-Leiter hoch. Schließlich begann er in Gießen ein Bauingenieurs-Studium. Dort lernte er Elisabeth Rinker kennen, die als einzige Frau unter vielen Männern das selbe Fach studierte. Sie heirate-
des gleichnamigen Gebirges Heimat zu errichten. Kurt Weein Nordmähren, einen steiner- se war 1988 bis 2009 Vereinsvornen Turm zu errichten. Nach der sitzender. Zahllos waren die poÜberwindung vielerlei finanzieller und rechtlicher Schwierigkeiten begann 1904 der Turmbau. Der 32,5 Meter hohe und 14,5 Meter breite Turm wurde nach Plänen des Wiener Architekten Franz Ritter von Neumann im neogotischen Stil errichtet. Wegen ausbleibender Mittel kam der Bau einige Jahre ins Stocken. Erst 1912 wurde er eingeweiht. Der Turm erhielt damals den Namen Habsburgwarte. Bereits während des Baus entstanden erste Schäden durch Nässe und Frost. Auf dem 1491 Meter hohen Altvater sind nur etwa 120 Nächte im Jahr frostfrei. Aus Sparsamkeit hatte Kurt Weese neben seinem Turm. man das in der Nähe vorhandene Gestein, eine Grauwacke, litischen, rechtlichen und techverwendet, die sich wegen ihrer nischen Widerstände gegen die hydrophilen Eigenschaft als we- Realisierung des Vorhabens. Unnig geeignet erwies. Frost, Nässe ter anderem lehnten nicht weniund mangelnde Instandhaltung ge Politiker den Turm rigoros ab, während und nach dem Ersten weil er zum Symbol und AngelWeltkrieg setzten dem Gebäude punkt revisionistischer Bestreso stark zu, daß der Turm 1930 für bungen mißbraucht werden köneinige Jahre geschlossen werden ne. mußte. Nach einer Sanierung Kurt Keese machte indessen wurde er am 9. September 1934 dieses Projekt zu seinem Lebens– nun als Altvaterwarte – mit werk. Und damit bekam es Ereinem großen Feuerwerk wieder folgs-Aussichten. Zu dieser Zeit eingeweiht. Nach dem Anschluß näherte er sich bereits seinem Aldes Sudetenlandes an das Drit- ters-Ruhestand. te Reich im Oktober 1938 wurde Eine Begegnung — nach der die Altvaterwarte in Adolf-Hitler- Wiedervereinigung DeutschTurm umbenannt. In den Kriegs- lands — mit dem Bürgermeister jahren konnte sich niemand um Willi Rimpl der Thüringischen die Wartung des Turmes küm- Gemeinde Lehesten brachte die mern. Nach der Vertreibung der lange Suche nach einem geeigDeutschen verfiel das Gebäude neten Standort zu einer glücklimehr und mehr. Erst 1951 fand chen Lösung. Auf dem im Fransich die Turista Praha bereit, das kenwald in Thüringen gelegenen marode Bauwerk zu überneh- 788 Meter hohen Wetzstein suchmen. te man für den in der „DDR“-Zeit Der neue Altvaterturm auf dem Wetzstein im Winter 2020.
Der Altvaterturm auf dem Altvater im Winter 1930.
ten und bekamen die fünf Kinder Wilfried, Martin, Bernard, Heidrun und Wolfgang. Weese war in die Firma seines Schwiegervaters eingetreten und wurde schließlich Leiter der Baufirma Wilhelm Rinker. Kurt Weese näherte sich seinem Ruhestand, als er ein kühnes Lebenswerk konkret in Angriff nahm: Den Nachbau des in Mähren verlorenen Altvater-Turmes. Der Mährisch-Schlesische Sudeten-Gebirgs-Verein (MSSGV) beschloß 1897, auf dem Altvater, der höchsten Erhebung
Nach langem Zögern entschied man sich für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes. Am 3. Mai 1959 sollten die Sicherungsarbeiten beginnen, Dazu kam es nicht. Am 2. Mai 1959 war der Turm in sich zusammengefallen. Bereits 1976 schlossen sich in Langgöns bei Gießen einige dorthin vertriebene Mährer zu einem Altvaterturm-Verein zusammen. Ihr Ziel war, irgendwo im Westen Deutschlands einen Nachbau des im Osten verlorenen Turmes zum Gedenken an die verlorene
gesprengten Bismarck-Turm einen adäquaten Ersatz. Der neue Altvaterturm konnte dies werden. Ein idealer Standort mit herrlichem Fernblick. Von dem ursprünglichen Altvaterturm gab es zunächst nur Fotografien, aber keine Konstruktionspläne. In einem tschechischen Museum fand man jedoch die Originalpläne, die man fotografieren durfte. Auf deren Grundlage und unter Zuhilfenahme einer Lupe erarbeitete Kurt Weese die Konstruktion des neuen Turmes und berechnete
auch dessen Statik. Doch woher sollte man das Baumaterial beschaffen? Mancher erinnert sich vielleicht, daß bis zum Ende der „DDR“ und noch mehrere Jahre danach die Autobahn A 4 von Hersfeld nach Eisenach zwischen Obersuhl auf der hessischen und Herleshausen auf der thüringischen Seite unterbrochen war. Jahrzehntelang mußte man diese Strecke weiträumig durch mehrere Dörfer umfahren. Grund war, daß dort eine langgezogene Talbrücke aus Natursteinen während des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggebaut worden war. Nach der Wiedervereinigung wurde dieser Abschnitt der A 4 endlich geschlossen. Dabei wählte man allerdings eine etwas geänderte Trasse. Die aus Sandsteinen errichtete, aber nicht fertig gestellte Brücke wurde nicht mehr benötigt und abgerissen. Die Steinblöcke wurden zur Verwendung für andere Bauwerke freigegeben. Kurt Weese kaufte die Steine für seinen Altvaterturm. Sein Sohn Martin erinnert sich, daß 20 bis 30 Lastwagen-Ladungen der dortigen Blöcke zunächst auf den Bauhof der Firma Wilhelm Rinker nach Ehringshausen transportiert und dort gelagert wurden. Dort zerlegte der Rentner Kurt Weese mit Trennscheibe, Hammer und Meißel die Steinblöcke eigenhändig in einsetzbare Bruchsteine. Am 1. November 2000 begann der Bau. Und am 28. August 2004 wurde der neue Altvaterturm auf dem Wetzstein im Thüringischen Frankenwald eingeweiht Im Keller des Turms befindet sich eine Kapelle, die der heiligen Elisabeth geweiht ist. In dieser Kapelle hängen Gedenktafeln, die an die Städte und Gemeinden erinnern, aus denen die Sudetendeutschen nach Ende des Zweiten Weltkrieges aufgrund der Dekrete des damaligen Staatspräsidenten Edvard Beneš und der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz vom Sommer 1945 vertrieben wurden. Sie nennen die Zahl der Einwohner dieser Orte um 1939, die Zahl der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und die Zahl der durch Vertreibung umgekommenen Menschen. Im Erdgeschoß befindet sich eine Gaststätte, deren Wände mit Holz-Wappen der HeimatGemeinden geschmückt sind. Gedenktafeln in Nischen der Außenmauern verweisen auf besondere Ereignisse der Vertreibung. Die 16 Skulpturen auf den Zinnen des Turmes symbolisieren die etwa 16 Millionen während und nach dem Krieg vertriebenen Menschen. Im Treppenhaus stellen Doppelwappen sowohl die Ursprungsorte als auch die neuen Wohnorte dar. In den Obergeschossen werden Räume für Ausstellungen genutzt. Das KulturZentrum Ostpreußen betreut den Ostpreußen-Raum. In der obersten Etage befindet sich eine Ehrenhalle, deren Wände Votivkacheln schmücken. Darüber liegt die Aussichtsplattform. Vor dem Turm steht Amphitheater-Freilichtbühne. Mit dem neuen Altvaterturm, hinterließ Kurt Weese seinen Landsleuten ein einzigartiges Denkmal. Danke. Herbert G. Papacek Jedes erste August-Wochenende findet am Altvaterturm ein Treffen der Sudetendeutschen statt. 2020 fiel das Treffen Corona zum Opfer. Doch im Juni machte der Altvaterturm wieder auf. Internet www.altvaterturm.de und eMail info@altvaterturm.de
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AUS DER HEIMAT
Helenenthal: Volksschule nach 1912. Iglau war die Mitte der gleichnamigen deutschen Sprachinsel an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Zu denen, die das Gesicht der Stadt prägten, gehören Adolf und Carl Löw.
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on 1860 bis 1945 beschäftigten die aus Brünn stammenden Textilfabrikanten Löw Hunderte von Arbeitern in Helenenthal und Klein Beranau bei Iglau. Helenenthal, heute Stadtteil von Iglau, war eine Gründung der Löws. Sie bauten und finanzierten die dortige Schule, unterstützten arme deutsche, tschechische und jüdische Kinder, errichteten Fabriken und erweiterten das Betriebsgelände. Sie bauten Wohnhäuser und Straßen, bewaldeten die Umgebung und legten den Waldpark zur Erholung der Fabrikarbeiter an. Besuchen wir die Orte, an denen die Angehörigen Carl Löw der zahlreichen Familie Löw wirkten. Wie die Löws beginnen wir in Helenenthal. Hier dominiert das ausgedehnte Gelände der mehrmals umgebauten Fabrik, die nicht mehr der Textilproduktion dient. Auf dem Gelände stehen Mittelschulen, ein Schülerwohnheim und das Depot des Iglauer Museums. Anfangs stand am Fluß Igel nur eine leere Fabrik. Was lockte die Brünner Fabrikanten Adolf Löw und Friedrich Schmal, Löws Schwager und Miteigentümer der Firma Adolf Löw & Schmal, in das öde Tal der Großen Igel? Das nahe Iglau mit seinem traditionellen Tuchmachergewerbe bot qualifizierte und billige Arbeitskräfte. In Brünn herrschte dagegen starke Konkurrenz, und Arbeitskräfte waren rar. „Expansion“ war das Motto der Zeit und zeitigte die Prosperität der Iglauer Textilindustrie. Die industrielle Textilproduktion lockte neue Arbeitskräfte. Die Firma stellte erfahrene leitende Angestellte aus Brünn und Reichenberg sowie Arbeiter aus dem lokalen veralteten Tuchmachergewerbe an. In der Umgebung der Fabrik sprossen bald niedrige Arbeiterhäuser sowie höhere und größere Wohnhäuser für Meister und Angestellte aus dem Boden. Noch heute wohnen Iglauer in diesen Häusern. Die zuerst von Adolf Löw und Friedrich Schmal geleiteten Betriebe gingen später im Familienunternehmen Adolf Löw & Sohn auf. Dessen Produktion war außergewöhnlich hoch. Das Unternehmen war für die Qualität seiner Produkte und seine Liefertreue bekannt. Deshalb konnte sich Löw mit dem Brünner Produzenten Offermann in einem Konsortium an der Herstellung von Decken und Tuchen für die österreichische Armee beteiligen. Es belieferte den Binnenmarkt und exportierte nach Italien, auf den Balkan, in den Orient, nach Nord- und Südamerika sowie nach Australien. Laufend modernisierte die Löw‘sche Geschäftsführung die Fertigung. 1875 entstand ein Gaswerk auf dem Betriebsgelän-
Helenenthal: Familienvilla Löw heute.
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An die Villa schließt sich die Fabrik an, heute eine Mittelschule.
� Sprachinsel Iglau
schen zehn bis 20 Minuten für das Verlassen ihrer Wohnungen und Packen der nötigsten Sachen gewährt. Sie kamen ins Helenenthaler Lager, ins Lager im Stadtteil Altenberg/Staré Hory oder in andere Internierungslager. Über renbürger ernannten Mannes dem Tor zum Helenenthaler Lawaren Familie, Freunde, Beschäf- ger brachten Revolutionsgarden tigte und viele andere Trauergä- die Aufschrift „Konzentrationsste gekommen. Welch ein Kon- lager“ an. trast zur jetzigen am Grab herrAnfang Juni wurde Alma Löw schenden Stille. im Fußmarsch über die GemeinDer heutige Zustand der letz- de Stannern/Stonařov Richtung ten Ruhestätte von Karl und Fran- österreichische Grenze gehetzt. ziska Löw ist genauso trüb wie Sie und viele andere Vertriebene die letzten Jahre, die die L öws überlebten diesen Marsch nicht. im Igelland verbrachten. Das EnNach 1945 hatte sich alles verde der alten Zeiten kam mit dem ändert: die Haltungen der MenProtektorat Böhmen und Mähren schen, die traditionellen Bezieund der Ankunft der nationalso- hungen, die Atmosphäre in der zialistischen Besatzungsmacht. Gemeinde und deren UmgeEinige Familienangehörige, bei- bung. Die deutsche Vermögensspielsweise Alma Löw, Mitglied verwaltung der Firma Löw übervon Konrad Henleins Sudeten- nahmen Tschechen. Die wertvoldeutscher Partei und Bewerberin le Ausstattung des Familiensitzes für die NSDAP-Mitgliedschaft, verschwand. Der Gebäudeflügel begrüßten die neue Ordnung. mit Kinosaal wurde zum ArbeiAndere, insbesondere Löws terhaus, in dem im Winter 1946 Töchter als Miterbinnen der Fa- die Verstaatlichung der Fabribriken und des Gutshofs, rea- ken gefeiert wurde und wo später gierten zurückhaltend. Die neu- ausgelassene Tanzveranstaltunen Machthaber setzten nämlich gen stattfanden. Die Rote Armee einen Verwalter in das Unterneh- hatte den örtlichen Nationalausmen ein, der die Kriegsprodukti- schuß bei der Errichtung dieses on beaufsichtigte und mehr und Arbeiterhauses unterstützt. mehr Befugnisse an sich riß. Die Die Sojwetsoldaten besetzFirmenbesitzerinnen hielten sich ten die Fabrikwohnungen. Diese vorwiegend in Österreich und 200 Rotarmisten versorgten sich der Schweiz auf, der Anteil ei- nach Belieben mit den Lebensner Erbin wurde zudem wegen mitteln und weiteren Waren aus ihrer Emigratidem Firmenlaon in die USA ger. Im Garten enteignet. Eiweideten zwine weitere Entschen den exoeignungsweltischen Bäumen le sollte wenige 100 MilitärpferJahre später folde. Die Gemeingen. dewahlen 1946 Der Einfluß endeten mit eider Familie auf nem überwälden Geschäftstigenden Sieg gang und die der KommuniVermögensversten. Auch dies hältnisse nahm war ein Vorzeiab. Die Fabrik Carl Löws Grabplatte. chen für die Erund der Famieignisse des liensitz in Helenenthal waren Jahres 1948. nicht mehr Mittelpunkt der FaDie meisten Angehörigen der milie. Mit dem Kriegsende kam Familie Löw waren zu diesem auch das Ende der Familie Löw in Zeitpunkt nicht in Iglau oder Iglau. Im Mai 1945 wurde nicht Helenenthal. Das Bemühen um nur die Befreiung von der natio- die Wiederbelebung des Unternalsozialistischen Herrschaft ge- nehmens, insbesondere von Seifeiert, sondern es wurde auch mit ten der ausländischen Verwandden Deutschen abgerechnet. Die ten, endete mit den Dekreten des Bevölkerung der Iglauer deut- Staatspräsidenten Edvard Beneš, schen Sprachinsel wurde vertrie- und der Löw‘sche Besitz wurde ben. Diese Vertreibung erfolgte enteignet. oft gewaltsam und wild. Steht man vor der baufälligen Bereits Mitte Mai 1945 wur- Gruft der Familie Löw, die der de die Entstehung des ersten In- deutsche Bildhauer Felix Pfeifer ternierungslager für Deutsche in zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fabrik beschlossen. Ei- schuf, muß man an die feierliche ne Gruppe Deutscher soll- Bestattung vor 91 Jahren und die te hier das Internierungs- vielen Trauergäste denken. Heulagers unter tschechischer te zündet hier nur ab und zu jeAufsicht errichten. In die- mand pietätvoll eine Kerze an. sem Lager, dessen Bahn- Die häufigsten Grabgäste sind hofsnähe wichtig war, soll- die Eichhörnchen. ten die Iglauer Deutschen Keine Unternehmerfamilie vor ihrer Vertreibung nach prägte dermaßen das Stadtbild Österreich oder Deutsch- Iglaus wie die Löws. Was sie einst land konzentriert werden. schuf, dient bis heute der AllgeEs war nur ein kurzer Auf- meinheit. Warum trägt keine enthalt der Lagerinsas- Iglauer Straße den Namen Löw? sen vorgesehen, im Lager Auch der Zustand der als Ehrenherrschten katastrophale grab bezeichnete Familiengruft Hygieneverhältnisse und Löw zeugt von mangelndem ReAngst. An die 4000 Men- spekt gegenüber den Verdienschen wurden hier zusam- sten und dem Vermächtnis diemengepfercht. ser Familie. Soll sie aus der Ge14 Tage nach Kriegsende schichte Iglaus gelöscht werden? wurden den Iglauer Deut Zdeněk Geist
Viele Wohltaten, kein Respekt de, einige Jahre später ein BahnDie Löw‘sche Residenz war ei- sorgfältig darauf geachtet, daß anschluß an die Nordwestbahn ne Begegnungsstätte zeitgenös- seine Familie eine wichtige Pamit Laderampe. Anschließend sischer Prominenz. Dort trafen tenrolle im Leben der Arbeitnehwurden die Fertigungshallen sich nicht nur Iglauer Honora- mer spielte. in Helenenthal und Klein Bera- tioren wie der berühmte Café-InBis vor Kurzem war der Annau mit der Pferdebahn verbun- haber Rudolf Simader oder Vin- blick des heruntergekommeden. 1880 eröffnete ein betriebs- zenz Inderka, letzter deutscher nen Gebäudes bedrückend. Seieigenes Postamt in der Fabrik, Bürgermeister im Habsburger- ne hölzernen Zierelemente wadanach eine öffentliche Telegra- reich und Löws Schwager. Zu Be- ren morsch geworden, das rauhe fenstation. Während der Höchst- such kamen auch Schuhfabrikant Klima der Böhmisch-Mährischen konjunktur im Ersten Weltkrieg Tomáš Baťa aus dem südmähri- Höhe hatte das in dieser Gegend beschäftigte Löw schen Zlin oder Heldentenor rare Rohmauerwerk mitgenom1400 Arbeiter. Leo Slezak, der aus dem nord- men. Der neue Besitzer läßt das Die Produktion mährischen Mährisch Schönberg Gebäude zwar renovieren, seine wuchs, und Löw stammte. typischen Baumerkmale ersetzt investierte in die Unter dem Kommunismus lö- nun leider eine langweilige FasEntwicklung der ste Schuljugend die erlesene Ge- sade. Franz-Joseph-Kosellschaft im Rittersaal ab. DieAm Hang gegenüber der lonie, die am Ab- ser war umfunktioniert worden. Wohnkolonie ließ Carl Löw inhang über der Jahrzehntelang trieb die Schul- mitten des Ersten Weltkriegs die Fabrik entstan- jugend dort keine Ritterspie- Marienkapelle erbauen und späden war und spä- le, sondern Sport. Erst jetzt wird ter einweihen. Wir gehen an der ter zur Gemeinde der Raum im Zuge einer Reno- Kapelle vorbei und setzten unseHelenenthal wer- vierung in seinen Urzustand ver- ren Weg abseits der Hauptstraden sollte. Im Jahr setzt. Ob es gelingt, ihn als Kul- ße Richtung Iglau fort. Der Fuß1900 lebten hier tur- und Begegnungsstätte zu weg führt durch den angrenzenden Wald bis zu der einsamen mehr als 500 Einwohner. Deut- etablieren, bleibt fraglich. sche und Tschechen waren in der Die Villa in Helenenthal war Villa Weberschiffchen (Člunek). Fabrikbelegschaft gleicherma- nicht der einzige Zufluchtsort der Hier soll sich Carl Löw gelegentßen vertreten. Die Firmenbesit- Familie Löw. Wenn man die an- lich zu amourösen Rendezvous zer hielten sich bei den Streitig- grenzende Igelbrücke überquert eingefunden haben. Die Villa ist keiten zwischen den Volksgrup- und einen kleinen Hang hinauf- jetzt in Privatbesitz. Und weitere Andenken an die pen raus. Bei Einstellungen und geht, kommt man nach etwa eiEntlassungen der Arbeiter ach- ner halben Stunde nach Hein- Familie Löw? Man findet sie beiteten sie auf ein ausgeglichenes zendorf. Hier befand sich der spielsweise im unteren Teil des Verhältnis. Deshalb konnten sie ausgedehnte Landsitz der Fa- Iglauer Hauptplatzes, wohin Alsich mit den neuen Umständen milie. Hier wurden Landparti- ma Löw nach dem Tod ihres Manin der Tschechoslowakischen Re- en und Wanderungen zu Pferde nes am 19. April 1930 zog. Sie bepublik ab 1918 gut arrangieren. veranstaltet. Die Geschäftspart- saß hier zwei Nachbarhäuser und Zum Werksgelände in die- ner und Freunde aus den höhe- lebte in einem davon, in der sosem bewaldeten Tal gehörte der ren Gesellschaftskreisen wurden genannten Alten Post, bis zum Hauptfamiliensitz. Sein histori- zu Jagdpartien in die Wälder ein- Ende des Zweiten Weltkriegs. An diesem Hauptplatz kam stischer, dem britischen nach- geladen. Gast dieser Jagden zu es in den 1920er Jahren zu einer empfundener Baustil ist in die- sein, brachte auch Prestige. ser Gegend ungewöhnlich. 1900 Doch die sozialistische Land- stürmischen Zusammenrottung bis 1902 erweiterte Carl Löw den wirtschaft zerstörte die prospe- von mehreren tausend MenFamiliensitz um einen neugo- rierende Wirtschaft des Guts- schen, die vom betagten Carl Löw tischen Gebäudeflügel mit Rit- hofes. Die jetzigen Eigentümer die Fortsetzung der eingestellten tersaal. Der Rittersaal, in dem er renovieren das Anwesen allmäh- Fertigung verlangten. Während Gäste empfing, hatte einen eng- lich. Wer sich jedoch das da- der Wirtschaftskrise herrschte lischen Kamin, wertvolle Möbel malige Flair vorstellen möchte, große Angst vor Arbeitslosigkeit. Andererseits: 1930 fuhr ein Luund Wandteppiche. Die breiten bräuchte sehr viel Fantasie. Fenster gingen zum gepflasterKehren wir lieber nach Helen- xusmodell von Rolls-Royce vor ten Innenhof. Ein prismatischer enthal zurück. Geht man an der dem Rathaus vor. Das hatte die Turm verstärkte den romanti- Fabrik vorbei und entlang der Familie Löw der Stadtleitung für schen Eindruck. Außerdem be- Straße zu den Häusern im oberen deren Reise zum Staatspräsidenherbergte das Haus ein Kino mit Gemeindeteil, sieht man ein ein- ten Tomáš G. Masaryk geliehen. Wir beenden unsere WandeSchiebedecke, eine Galerie, eine stöckiges, am Waldrand stehenBibliothek und eine Kegelbahn. des Haus. Das war die Schule, in rung auf den Spuren der FamiIm Garten standen exotische der früher an die 200 Schüler un- lie Löw auf dem Iglauer ZentralBäumn, ein Glashaus mit Orchi- terrichtet worden waren. Sie wur- friedhof. Im April 1930 wurde der deen, Agaven und Palmen so- de auf Kosten der Fabrik in den in seinem 81. Lebensjahr gestorwie ein Springbrunnen mit einer 1870er Jahren erbaut und bis zur bene Carl Löw in der FamilienMädchenskulptur, die den Wid- Übergabe an den tschechoslowa- gruft neben seiner ersten Frau der als Symbol der Wollindustrie kischen Staat vom Unternehmen Franziska bestattet. Zur Beerdibei den Hörnern packt. Löw finanziert. Carl Löw hatte gung des 1917 zum Iglauer EhCarl Löw hatte zahlreiche Nachkommen. Mit seiner ersten Frau Franziska, Tochter des einstigen Teilhabers Friedrich Schmal, zog er sieben Kinder groß, die die Firma in der dritten Generation übernehmen sollten. Franziska unterstützte ihren sehr beschäftigten Mann nicht nur als Unternehmer. Sie begleitete ihn auch zu den Wohlfahrtsveranstaltungen in Helenental und Umgebung wie bei den Weihnachtsbescherungen in der Dorfschule. Nach ihrem Tod 1907 heiratete Carl Löw die beträchtlich jüngere Wiener Gouvernante AlDieser Gruß aus Helenenthal stammt vom Anfang des 20. Jahrhunderts. ma Bürger.
Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
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Kreis Friedland
Kreis Gablonz
Daten des Stifters auf dem Sockel unter dem Kreuz sowie ein Relief des Opferlamms.
Stoßgebet auf der Vorderseite des Sockels unter dem Wegekreuz. Bilder: Stanislav Beran
� Bärnsdorf an der Tafelfichte/Kreis Friedland
Orthodoxer Priester weiht restauriertes altes deutsches Wegekreuz Manchmal geschehen auch im Norden der Tschechischen Republik kleine Wunder. Zum Beispiel an einem Sonntag Mitte Oktober in Bärnsdorf an der Tafelfichte im ehemaligen Kreis Friedland. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Tschechen die deutschen Bewohner aus Bärnsdorf an der Tafelfichte vertrieben. Der tschechische Name des Ortes war bis 1949 Bernsdorf pod Smrkem, seitdem lautet er Horní Řasnice.
B
ei strahlendem Sonnenschein fand am Nachmittag dieses Sonntags in Bärnsdorf an der Tafelfichte eine Einweihungsfeier statt. Objekt der Weihe war ein altes dem Verfall entrissenes deutsches Wegekreuz. Der Verschönerungsverein Bärnsdorf und Wünschendorf hatte in Zusammenarbeit mit Jitka Tužová und Petr Zejkan das Kreuz restaurieren lassen. Nach einer langen Vorbereitungszeit weihte nun der russisch-orthodoxe Priester Michal aus Gablonz das in neuem Glanz erstrahlende al-
te deutsche Wegekreuz feierlich ein. Petr Zejkan ist Ukrainer und Mitglied der Russsisch-orthodoxen Kirche. Er hatte sich gewünscht, daß die Einweihung des renovierten Wegekreuzes von der Russisch-Orthodoxen Kirche durchgeführt werde. Das Wegekreuz zeigt den gekreuzigten Jesus Christus. Im Sockel steht die gemeißelte Inschrift: „O Mein Gott! Wenn mir die Kraft abgehet, verlasse Du mich nicht!“ Auf der Rückseite des Kreuzes sind der Name des Spenders Franz Neumann und das Jahr 1865 angegeben. In der Zukunft soll neben dem Kreuz eine Sitzbank aufgestellt werden. Wie mir die Bärnsdorfer Gemeindeverwaltung mitteilte, sei das historische Kreuz, das Franz Neumann bereits im Jahre 1865 gestiftet habe, kein registriertes Denkmal und stehe nicht unter Denkmalschutz. Über den Stifter Franz Neumann, dessen Namen auf dem Sockel steht, ist nichts bekannt. Das alte Wegekreuz ist angeblich Eigentum von Petr Zej-
kan. Er hat entschieden, und der Verschönerungsverein hat zugestimmt. Wer ihm dieses 156 Jahre alte deutsche Wegekreuz, das zu der geistlichen Geschichte des Ortes gehört, geschenkt hat, ist ebenfalls nicht bekannt. Interes-
sant und seltsam ist, was alles in diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten in der letzten Zeit geschehen ist. Das traurige Kapitel des zerstörten Kreuzes wandte sich zum Guten und ist hiermit beendet.
Der Wald frißt die Ruinen der Häuser der vertriebenen Sudetendeutschen.
� Hennersdorf/Heimatkreis Deutsch Gabel
Die Glocken Anton, Maria und Anna enden und neue Glocken anschaffen. Damals wurde die Bevölkerung um Spenden gebeten. Die Resonanz war groß, und die Hennersdorfer spendeten so großzügig, wie sie es vermochten. ann die ersten Glocken in 1923 wurden die neuen den Kirchturm kamen, ist Glocken eingeweiht mit der nicht bekannt. Aber 1916 – da- Fürbitte: „Die Glocken mömals wütete der Erste Weltkrieg gen nur in Friedenszeiten läu– wurden diese Glocken abge- ten.“ Das war ein großes Ereighängt und zu Waffen verarbeitet. nis. Doch 1939 herrschte wie- Auf der Glocke Anton steht: „Heiliger Anton, bitte für uns.“ Gewidmet von Wenige Jahre nach Kriegsende der Krieg. Und auch die neuen Anton Jaksch aus Haus-Nr. 133, später Haus Glanz. Auf der Glocke Maria lesen wollte man die stumme Zeit be- Glocken fielen wieder einem wir: „Maria, schirme Deine Pfarrgemeinde. 1923 wiedererstanden nach dem Krieg zum Weltkrieg aus Spenden von Ortschristen.“ Und die Anna-Glocke trägt die Inschrift: „Heilige Anna, bitte für uns, verkünde Friede und Freude. 1923“ Opfer. Die Glocken wurden Unser Heimatfreund Tonl Pat- Gußjahr. Bei frühen mittelaltererneut vom zelt (Haus-Nr. 119) schickte mir lichen Glocken können Gußjahr, Kirchturm kurz vor seinem Tod ein Foto mit Name des Gießers oder beide Angenommen, den vier Glocken aus dem Jahr gaben fehlen. Aufgrund der Zier sofort zer- 1923. Leider kann man den Text oder Form ist es allerdings mögtrümmert, auf den Glocken nicht mehr gut lich, die Glocke einem bestimmund zerstüc- lesen. Franz Pohl (Haus-Nr. 105) ten Gießer zuzuschreiben. Beim kelt als Ka- entzifferte die Inschriften auf den Fehlen des Gußjahres kann die nonenfutter Glocken. Danke. Glocke nach Form und KlangDie alten Glocken der 1701 geweihten Kirche Mariä Ge- abtransporDie Inschriften von Glocken struktur einem Jahrhundert oder burt. tiert. benennen den Gießer und das genauer zugeordnet werden. Rosl Machtolf, Ortsbetreuerin von Hennersdorf im Heimatkreis Deutsch Gabel, berichtet über die Kirchenglocken in der 1701 eingeweihten Hennersdorfer Kirche Mariä Geburt.
W
Die festliche Atmosphäre störten nur die Ruinen der umliegenden Häuser, in denen die deutschen Einwohner von Bärnsdorf bis zur Vertreibung gelebt hatten. Es ist eine Schande, wie es in der Umgebung des restaurierten
Kreuzes aussieht. Bärnsdorf wurde seinerzeit als ein schönes Dorf bezeichnet. Von der Schönheit ist heute wenig zu sehen. Schmerzlich ist auch der Anblick des zerstörten deutschen Friedhofs in Bärnsdorf, auf dem sich heute nur noch ein deutsches Grab befindet, Ebenso schmerzlich ist der Verlust der Häuser und Wirtschaftsgebäude. Im Jahr 1935 lebten in der Gemeinde Bärnsdorf 760 Menschen. Davon waren zehn Tschechen. Wohin sind die meisten Einwohner verschwunden? Sie waren Sudetendeutsche, die nach dem Krieg 1945 diesen Ort hatten verlassen müssen und vertrieben wurden. Heute gibt es in Bärnsdorf an der Tafelfichte nur noch 239 registrierte Einwohner. Wo früher Häuser der sudetendeutschen Einwohner standen, befinden sich noch heute an vielen Stellen Ruinen, die mittlerweile von hohem Gras und Bäumen umgeben sind. Vor den Ruinen der Häuser entstand ein zum Teil dicht bewaldetes Gebiet. Stanislav Beran
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen treuen Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im November Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Ereignis begehen, und wünschen alles Gute, Gesundheit, und Gottes Segen.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt ihrer Familie und ihren Landsleuten.
n Deutsch Gabel – Geburtstag: Am 21. Christina Krejci/ Vietze (Lange Gasse 119), Marienstraße 3a, 99894 Friedrichroda, 86 Jahre. Othmar Zinner/ Helga Hecht
n Petersdorf – Geburtstag: Am 21. Christa Krejci/Vietze (Haus-Nr. 152), Marienstraße 3a, 99894 Friedrichroda, 86 Jahre. Othmar Zinner
n Hennersdorf – Todesfall:
Am 28. September starb Annemarie Vogt/Bloßfeld, Kügelgenweg 1, 06406 Bernburg, Witwe vom Vogt Walter aus HausNr. 138, im Alter von 91 Jahren.
n Kriesdorf – Geburtstage: Am 8. Walter Wollmann (Oberdorf 173, Brettsäge), Flammweg 2, 79254 Oberried, 88 Jahre. Christian Schwarz
n Zwickau – Geburtstage: Am 14. Adolf Hoyer, HannsEisler-Straße 32, 10409 Berlin, 78 Jahre, und am 17. Waltraud Joist/Hanisch, Albert-Schweitzer-Straße 1, 76571 Gaggenau, 86 Jahre. Othmar Zinner
TERMINE n Donnerstag, 23. bis SonnJuni 2022, Kriesdorf: tag, 26. 65. Heimattreffen in Jonsdorf, Hotel Gondelfahrt, Großschönauer Straße 38. Zimmerreservierung: Telefon (03 58 44) 73 60,
info@hotel-gondelfahrt.de. Auskunft: Christian Schwarz, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, Dr.-Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, eMail chris@clcs.at
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Ullersdorf/Janegg/Teplitz-Schönau
Sockel gefunden und Wegkreuz rekonstruiert Vergangenes Jahr wurde das Bahnhofsgelände in Ullersdorf bei Teplitz-Schönau hergerichtet. Dafür waren umfangreiche Erdarbeiten bei den Gleisen nötig, wobei auch Bagger zum Einsatz kamen. Und bei diesen Erdarbeiten wurde ein großer Stein ausgehoben, der zunächst mit dem anderen Erdreich beiseitegeschafft wurde. Tatsächlich ist dieser Stein der Sockel eines früheren Wegkreuzes, welches man nun rekonstruierte. Am 2. Oktober wurde das erneuerte Wegkreuz eingeweiht.
V
ladimír Bittersmann ist ein Bauunternehmer aus Janegg, der sich bereits seit vielen Jahren mit der Chronik von Janegg befaßt. Zufällig wurde er auf diesen ausgehobenen Stein aufmerksam und entdeckte eine Inschrift. Er konnte die Jahreszahl 1769 entziffern und schloß daraus, daß dieser Stein eine gewisse Bedeutung haben könnte. Er bat Vít Honys von der Universität in Aussig, einen Experten für sakrale Barockkunst, um Hilfe. Dieser erinnerte sich, daß in Ullersdorf einst ein Wegkreuz
am Bahndamm gestanden sei. Dieses verschwand während der dortigen Bergbautätigkeit in den 1960er Jahren und endete wahrscheinlich bei der Erweiterung der Bahnlinie als Baumaterial. Die Jahreszahl 1769 weist auf eines der ältesten Wegkreuze in dieser Region hin. Heimatfreundin Gudrun Fuchsenberger hatte 2018 ihr Familiengrab in Janegg, im Gedenken an alle in Janegg geborenen Deutschen umwidmen lassen (Õ SdZ 43/2018). Sie fand in der Ortschronik einen Hinweis darauf, daß Franz
Sander, der in Ullersdorf Nummer 30/31 seinen Wirtschaftshof hatte, 1769 auf dem Schindanger das Wegkreuz hatte aufstellen lassen. Darau weisen auch die Initialen „F.S.“ eindeutig hin. Allerdings sind die näheren Gründe unbekannt, welche Sander dazu bewegt hatten, das Kruzifix gerade dort aufzustellen. Die Familie Sander war seit 1626 in Ullersdorf ansässig. Bauunternehmer Bittersmann, welcher sich auch für die Erneuerung der Nischenkapelle in Alt Wernsdorf eingesetzt hat-
Das rekonstruierte Wegkreuz, daneben Pfarrer Marek Dunda von der Missionsgemeinschaft Fatym in Frain an der Thaya, der das erneuerte Wegkreuz weiht, und Dr. Vít Honys von der Universität in Aussig.
te (Õ SdZ 43/ 2020), übernahm nun auch hier die Aufgabe, das Wegkreuz wieder rekonstruieren zu lassen. Dies tat die Restauratorin Helena Štěrbová aus Kozojed bei Kralowitz bei Pilsen. Sie richtete sich dabei nach einer historischen Fotografie eines Wegkreuzes in Kosten. Am 2. Ok- Nachher: Der restaurierte Sockel des Wegkreuzes mit den tober weih- Initialen „F.S.“ – wahrscheinlich für Franz Sander – und te nun der der Jahreszahl „1769“. Vorher: Der der Restaurierung harrende Sockel. katholische Pfarrer Marek Dunda dieses erneuerte Wegkreuz ein. Er gehört zu der Missionsgemeinschaft Fatym in Frain an der Thaya, der die Seelsorge in Janegg obliegt. Zu diesem feierlichen Akt erschienen viele Einwohner von Janegg und Umgebung. Honys von der Aussiger Universität, der versucht hatte, die Herkunft des Wegkreuzes festzustelSymbolisch steht dieses Kreuz len, sprach einführende Worte. nun bei der Brücke des KatzenZu der Weihe des Wegkreuzes baches genau am Ortsausgangswaren auch Erhard Spacek, Tept- schild von Ullersdorf und am litz-Schönauer Heimatkreisbe- Ortseingangsschild von Janegg treuer und Vorsitzender des Te- unterhalb der Bahngleise. Der plitz-Schönauer Freundeskrei- Fußweg neben der Straße führt ses, und Gerhard Tschunko, ein am Friedhof vorbei nach Janegg Mitglied des neu gegründe- und lädt am neu aufgestellten ten Teplitzer Vereins, gekom- Wegkreuz zum Innehalten ein. men. Jutta Benešová
Erhard Spacek, Teptlitz-Schönauer Heimatkreisbetreuer und Vorsitzender des Teplitz-Schönauer Freundeskreises, mit Gerhard Tschunko, einem Mitglied des neu gegründeten Teplitzer Vereins. Daneben die Gemeinde von Janegg, die vor dem rekonstruierten Kreu betet. Bilder: Jutta Benešová (5), Josef Bittermann (1)
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 43 | 29. 10. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Chronologie des Gedenkens
WIR GRATULIEREN
Von Allerheiligen bis Erster Advent Die Chronologie der Feierund Gedenktage im November stammt von dem Nemlowitzer Landsmann Josef Bernklau. Montag, 1. November – Allerheiligen: Das katholische Fest ist seit dem 9. Jahrhundert zum Gedenken an alle Heiligen eingesetzt. Laut „Fest-Kalender aus Böhmen“ (Prag 1962) trugen 56 Kirchen den Titel Allerheiligen. Unsere Horschauer feierten es in ihrer 1384 erstmals erwähnten Allerheiligenkirche, die nun wieder renoviert ist. Der egerländische Volksmund bekundete: „Zi Ållahaling kunat da Schnäi galing.“ Für Nicht-Egerländer: „Zu Allerheiligen muß mit Schnee in Bälde gerechnet werden.“ Allerheiligen ist in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland staatlicher Feiertag. Dienstag, 2. November – Allerseelen: Das Fest, 998 vom heiligen Odilo, Abt von Cluny, in den Klöstern seines Ordens eingesetzt, verbreitete sich über die ganze Christenheit. Papst Urban VI. bestimmte, wenn der 2. November auf einen Sonntag falle, das Fest am 3. November zu feiern. In Deutschböhmen, besonders auf dem Land, wurde Allerseelen mit großer Pietät begangen. Am Vorabend versammelte sich die Familie, sprach von den Verschiedenen, und die Kinder zündeten Lichtchen an. Danach verzehrten sie das eigentümliche Nachtmahl – Semmelmilch und gekochtes Backobst – und beteten. Am Allerseelentag gingen sie in die Messen für die Verstorbenen und auf den Friedhof zu den mit Blumen und Kränzen geschmückten Gräbern, wo sie kleine Kerzen entzünde-
Der Klub tschechisch-deutsche Partnerschaft/Klub českoněmeckého partnerství feierte in diesem Monat dritten Geburtstag.
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enka Šaldová, Kuratorin für Sammlungen und Ausstellungen im Nationalmuseum in Prag, ist reges Leitungsmitglied des Klubs. Im Landkreis Cham wurde sie bekannt, als sie an den Grenzübergang Eschlkam–Neumark gekommen war, um dort die Tafel der Freundschaft für das Nationalmuseum abzubauen. Die Tafel ist bis 28. November bei der Ausstellung „Grenze ist nur ein Wort“ im tschechischen Marionetten- und Zirkusmuseum in Prachatiz zu sehen. Der Verein Gäste- und Kulturführer Bayerwald wird mit der Gemeinde Neumark die Ausstellung Anfang November besuchen. Dort wird Lenka Šaldová die Besucher durch die Ausstellung begleiten. Ihr großes Anliegen ist, daß sich der Klub nicht auf das Gründungsgebiet um das Erzgebirge beschränkt, sondern auch Mitglieder in Bayern und Südböhmen gewinnt. Ab Oktober 2018 trafen sich Vladan Reňák, Karel Jiráček, Steffen von Brandau und Lars von Helbig regelmäßig in Leutensdorf im nordböhmischen Kreis Brüx, um sich gegenseitig die deutsche und tschechische Sprache beizubringen. Daraus wurde Freundschaft mit einer Facebook-Gruppe, die inzwischen mehr als 3000 Anhänger hat. Erste gemeinsame Ausflüge
ten und im Gebet Abschied nahmen. Mittwoch, 3. November – Hubertus: Dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, war 1862 in Böhmen nur eine Kirche geweiht, obwohl das
abendländische Kloster, wurde Bischof von Tours, starb um 400 und wurde im 5. Jahrhundert heilig gesprochen. Unter Chlodowech zum Schutzherren des christianisierten Frankenreiches erhoben, wurde er in England
Sankt-Martins-Kirche neu erbauen. Eine prächtige Sankt-MartinsKirche in Klentsch – eine Vorgängerin wird 1481 genannt – ließ Patronatsherr Philipp Stadion 1734 errichten. In ihr befindet
Die Sankt-Martins-Kirche in Blisowa und die Allerheiligenkirche in Horschau mit Umgebungsmauer und Tor. Land von jeher wegen seiner Jagden berühmt war und im vorigen Jahrhundert einen eigenen Hubertusorden besaß. Donnerstag, 11. November – Martini: Der Name geht auf den heiligen Martin von Tours zurück und bedeutet Mars-Sohn, Krieger. Geboren wurde er 336 in der römischen Provinz Pannonien, heute Ungarn. Der Legende nach teilte Martin seinen Mantel mit einen Bettler, gründete 370 bei Poitiers das erste
und Deutschland als Volksheiliger verehrt. Oswald von Wolkenstein bekannte: „Trink Martei wein und gens iß!“ So wurde die Martinsgans ins Brauchtum einbezogen. Fiel im Egerland am Martinstag Schnee, hieß es: „Zi Martine sågt da Schnäi: Dåu bin-e!“ Die 1384 erstmals erwähnte Pfarrkirche in Blisowa war wohl abbruchreif geworden. Deshalb ließ Herrschaftsbesitzer Kaspar Gottfried von Zbienitz 1556 die
sich die Gruft der Stadion unter dem Presbyterium. In ihr ist auch der „Lomikar“ Wolf Maximilian von Laminger beigesetzt. Sonntag, 14. November – Volkstrauertag: Er ist dem Gedenken an die Toten der Weltkriege gewidmet. Inzwischen werden auch die in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten einbezogen. Jeder Volkstrauertag läßt mich in Gedanken in meine Heimat zurückkehren, ferner an die Oderfront zwischen
Klub tschechisch-deutsche Partnerschaft
Wir verbinden Menschen wurden unternommen und Ver- jedes Jahr vom Mitglied selbst anstaltungen geplant. So lernten direkt überwiesen. Zur Anerkendie Gleichgesinnten Sitten, Tra- nung der aktiven Mitgliedschaft ditionen und Bräuche des jeweils bekommt jedes aktive Mitglied anderen Landes kennen. einen aktuellen Jahres-Button. Die Aktivitäten wurden unter Die Facebookgruppe ist natürdem Motto „Wir verbinden Men- lich immer noch da. Und für die schen!/Spojujeme lidi!“ breit ge- passiven Klubmitglieder wird es fächert. Einmal im Monat findet auch weiter alle anderen Angeein Klubtreffen statt, zu dem je- bote geben, aber zu Preisen, die der willkommen ist. Hier wird das aktive Mitglied nicht bezahdas Miteinander genossen und man tauscht ich über Probleme aus. Ferner geht es um Arbeit, Geschichte, Spaß und das allgemeine Leben. Vermittelt werden auch Arbeitsplätze, Dolmetscherleistungen, Übernachtungen, Partnerschaften, Wohnungen, Urlaubsplätze und alles, was es im zwischenmenschlichen Bereich so braucht. Man organisiert Veranstaltungen, geht wandern, besucht Orte und Städte beiderseits der Grenze. Die Leitung möchte den Erfolg des Klubs und seiner Aufgabe „Wir verbinden Menschen“ nicht von einem Internetriesen abhängig machen. Vorne rechts der bayerische Grenzstein Deshalb gründete sie die In- schaftstafel in Neumark/ Všeruby. teressengemeinschaft (IG), die heute 85 Mitglieder zählt. Je- len muß. Also Wanderungen, des aktive Mitglied kann sich für Reisen und Besuche ins Nacheinen Euro im Monat, also zwölf barland (Gasthäuser, kulturelEuro Jahresbeitrag, direkt an der le Höhepunkte), Vermittlung der IG-Entwicklung beteiligen. Die- Dolmetscherleistungen, Sprachser Beitrag ist freiwillig und wird kurse und vieles mehr.
Stark eingebracht hatte sich der Klub auch bei den Samstagen für eine gute Nachbarschaft, als die Grenzen wegen Corona dicht waren. Anfang Oktober wurde in der Klubzentrale in Leutensdorf – bis 1949 Ober Leutensdorf – der dritte Klub-Geburtstag gefeiert. Die Rockband „Melodica“ aus Teplitz-Schönau rockte mit vielen Gästen und Geburts-
Seelow und Küstrin. In Bischofteinitz hatte uns Deutsch- und Geschichtelehrer Viktor Sigwarth mit dem Gedicht „Die Dankesschuld“ von Walter Flex (1887–1917) „eingestimmt“. In Mogolzen ein Jugendführer. Der gebürtige Eisenacher Walter Flex war schon 1917 auf der Insel Ösel gefallen. Sigwarth und der Jugendführer mußten im Zweiten Weltkrieg ihr Leben opfern. Mittwoch, 17. November – Buß- und Bettag: Dieser evangelische Feiertag ist nur noch in Sachsen ein staatlicher Feiertag. In allen anderen Bundesländern wurde er 1995 zugunsten der Pflegeversicherung abgeschafft. Freitag, 19. November – Elisabeth: Der hebräische Name, den auch die Mutter von Johannes dem Täufer trug, bedeutet „Gott schwört“. Er zählt seit altersher mit Johannes zu den beliebten Vornamen. Dieser Gedenktag gilt jedoch Elisabeth von Thüringen (1207–1231), um die sich Legenden wie das Rosenwunder ranken. Donnerstag, 25. November – Katharina: Der Name kommt vom griechischen Aikaterine, die Reine. Namensvorbild ist seit den Kreuzzügen besonders die Märtyrerin Katharina von Alexandria, gestorben 307, Nothelferin, Patronin der Theologie und Philosophie. Der Volksmund sagt: „Kathrein stellt das Tanzen ein.“ Aber auch: „Zi Kathrei(n schaut da Schnäi ban Fenza ei(n.“ Am Sonntag vor dem Advent war Tanz, im Advent waren vor 1918 Tanzunterhaltungen verboten, wie unser Volkstumsforscher Karl Storch, gestorben 1973, überlieferte. Sonntag, 28. November – Erster Advent: Die erste Kerze brennt. Forum zum Freundschaftschließen. Eine Tafel am Rastplatz Göhrener Tor an der deutsch/tschechischen Grenze bei Neuhausen im Erzgebirge erinnert an die Zeit der coronabedingten Grenzschließung. Die Tafel war Mitte Oktober enthüllt worden. Auch der Ort ist symbolträchtig. Das Göhrener Tor, ein Wanderziel und Wandergrenzübergang am Erzgebirgskamm zwischen Neuhausen und Göhren/ Klíny, diente schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Verbindungsweg zwischen den beiden Ländern. Als im März 2020 die Grenzen geschlossen wurden, trafen sich die Bürgerinitiative Samstage für Nachbarschaft/ Soboty pro sousedství und die IG Klub der tschechisch-deutschen Partnerschaft/Klubu česko-německého partnerství regelmäßig entlang der Grenze, um ein Zeichen gegen die Grenzschließung zu setzen. Das Göhrener Tor wurde wieder zu einem Begegnungsort und einem Sinnbild einer Bewegung, die die Verbundenheit der beiden Länder manifestiert. Karl Reitmeier Deutsche Kontaktperson: Lars Helbig, Feldstraße 15, 09526 Olbernhau, Telefon (01 52) 51 60 67 68, eMail lars. helbig@klub-cz-de.com. Tschechische Kontaktperson: Lenka Šaldová, Machkova 1645/8, 14900 Praha 4, Telefon (0 04 20) 6 06 63 39 05, eMail lenka.saldova @klub-cz-de.com
in Eschlkam, hinten links die FreundBild: Karl Reitmeier tagstorte den Abend. Mitte Oktober besuchte man in Pilsen getroffen und dort die Brauerei und andere Sehenswürdigkeiten. Der Klub wartet mit immer neuen Aktivitäten auf und ist ein
Im November gratulieren wir herzlich folgenden treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes überreichen Segen. Pscheß. Am 21. Josef Zitzmann, 88 Jahre. Franz Vogl Ortsbetreuer Heiligenkreuz, Haselberg. Am 11. Marianne Jobst/Hubl (Bayer Marie), 84 Jahre. Peter Gaag Ortsbetreuer Tannawa. Am 28. Josef Brix (Brixen-Seff, Haus-Nr. 14), 90 Jahre. Claudia Jodl Ortsbetreuerin
Die Sankt-Augustinus-Säule und der Dorfweiher in Tannawa.
Ortsbetreuerecke
H
erzlich gratulieren wir im November Herbert Gagalick, Ortsbetreuer von Sadl, am 13. zum 83. Geburtstag; Franz Landkammer, Ortsbetreuer von Neid, am 23. zum 69. Geburtstag; Karl-Heinz Loibl, Ortsbetreuer von Altparisau und Neuparisau, am 25. zum 66. Geburtstag; Johanna Fabian, Ortsbetreuerin von Neubäu und Fuchsberg, am 27. zum 81. Geburtstag; Maria Schnobrich, Ortsbetreuerin von Kscheberscham, am 29. zum 88. Geburtstag; Margarete Lang, Ortsbetreuerin von Linz, am 30. zum 94. Geburtstag und Wolfgang Georg Liebl, Ortsbetreuer von Pössigkau und Zemschen, am 30. zum 68. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
VON BÖHMEN IN DIE ARDÈCHE
WERNER REINISCH – NEUE BILDER
Ausstellung 30.09. – 21.11.2021 Dienstag – Sonntag: 10 – 18 Uhr Hochstraße 10 · München www.sudetendeutsches-museum.de
Das Sudetendeutsche Museum in München wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.