Interview mit Vertreibungsopfer Prof. Dr. Gottfried Konecny (S. 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 41 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 15. Oktober 2021
VOLKSBOTE
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Regierungsbildung nach den tschechischen Parlamentswahlen
Klares Ergebnis, unklare Zukunft: Warten auf den kranken Präsidenten Mit diesem Foto suchte die Polizei zwei Tage nach Julia (8). Foto: Polizei
Böhmerwald
Das Wahlergebnis ist für tschechische Verhältnisse selten deutlich. Mit 108 von 200 Sitzen werden die Koalitionen Spolu sowie Piraten und Stan eine klare Mehrheit im Abgeordnetenhaus haben. Doch bis Noch-Premierminister Andrej Babiš mit seiner Ano-Bewegung auf der Oppositionbank Platz nehmen muß, ist es noch ein weiter Weg.
Vermißtes Mädchen D wohlauf „Wir suchen weiter und setzen alle uns zur Verfügung stehenden Kräfte ein, um das Mädchen zu finden“, hat die tschechische Polizei am Montag via Twitter versprochen. Am Dienstag, 13.51 Uhr, twitterte dann die tschechische Polizei elf Worte in Tschechisch, die den 1400 Einsatzkräften dies- und jenseits der Grenze die Tränen der Freude in die Augen trieben: „Gute Nachrichten – das Mädchen wurde ausfindig gemacht und wird nun in die Obhut von medizinischem Personal übergeben.“
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m Sonntag Nachmittag war die achtjährige Julia aus Berlin beim Wandern mit ihrer Familie im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet verschwunden. Die Eltern hatten das Mädchen, seinen Bruder und einen Cousin aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen. Bruder und Cousin wurden schnell gefunden, aber Julia blieb in dem bewaldeten Gebiet zwischen Waldmünchen, Furth im Wald und Taus in Böhmen verschollen. Bei Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt fürchteten die Einsatzkräfte das Schlimmste. Doch am Dienstag dann das Wunder: Ein tschechischer Förster entdeckte das Mädchen und informierte sofort die Polizei. „Julia ist nicht verletzt, aber stark unterkühlt und wird im Krankenhaus behandelt. Es besteht aber keine Lebensgefahr“, bestätigte das Polizeipräsidium Oberpfalz die Rettung. Ein Polizeisprecher: „So eine Erleichterung habe ich in meiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt.“
ie Bilder, die am Sonntag in allen tschechischen Nachrichtensendungen als Dauerschleife liefen, waren verstörend. In einem speziellen Rettungswagen für Intensivpatienten wird Staatspräsident Miloš Zeman von seiner Sommerresidenz Schloß Lana bei Kladen in das rund 30 Kilometer entfernte Militärkrankenhaus nach Prag gefahren, wo er bereits Tage zuvor behandelt werden mußte. Zeman ist offensichtlich nicht bei Bewußtsein, als die Trage aus dem Krankenwagen gehoben und er auf die Intensivstation verlegt wird. Später heißt es in einer knappen Erklärung, der Zustand des Präsidenten sei „stabil“, von „Besserung“ ist nicht die Rede. Vor seinem erneuten Zusammenbruch hatte Zeman noch den amtierenden Premierminister Andrej Babiš empfangen. Details aus dem Gespräch sind nicht bekannt. Klar ist jedoch, daß die ernsthafte Erkrankung des Staatsoberhauptes für die Tschechische Republik zur Unzeit kommt. Anders als in Deutschland hat in der Tschechischen Republik der Präsident nach der Wahl eine starke Stellung. Er entscheidet, wen er mit der Regierungsbildung beauftragt. Zeman hatte vor dem Urnengang wiederholt erklärt, er werde der stärksten Partei den Auftrag geben – und nicht dem stärksten Bündnis. Dies würde bedeuten, daß der klare Wahlverlierer Andrej Babiš maximal zweimal 30 Tage Zeit hätte, eine Mehrheit für eine neue Regierung zu suchen – was alle Beobachter als aussichtloses Unterfangen einstufen. Erstens haben die beiden Koalitionen Spolu sowie Piraten und Stan bereits klar erklärt, keine Gespräche mit Babiš füh-
Mit 27,7 Prozent ist die Spolu-Koalition der klare Wahlsieger: Die Parteiführer Markéta Pekarová Adamová (Top 09), Petr Fiala (ODS) und Marian Jurečka (KDU-ČSL) jubeln nach den ersten Hochrechnungen. Foto: Twitter
Lange Schlangen auch vor dem Tschechischen Generalkonsulat in München. Die Wahlbeteilung war mit 65,4 Prozent deutlich höher als 2017, als nur 60,8 Prozent der Tschechen ihre Stimme abgaben. Fotos: Mediaservice Novotny
Spolu sowie Piraten und Stan kommen auf 108 von 200 Mandaten und haben damit im neuen tschechischen Abgeordnetenhaus eine klare Mehrheit. Grafik: Sudetendeutsche Zeitung/Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0
ren zu wollen. Und zweitens sind dem Ano-Chef bei der Wahl zwei Koalitonspartner abhanden gekommen. Die sozialdemokratische ČSSD, bislang Juniorpartner in der Babiš-Regierung, ist mit nur 4,65 Prozent krachend an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Und die kommunistische Partei KSČM ist mit dem historisch schlechtesten Wahlergebnis von 3,6 Prozent ebenfalls hochkant aus dem Abgeordnetenhaus geflogen. Sowohl Sozialdemokrat Jan Hamáček als auch Kommunist Vojtěch Filip traten noch am Samstag als Parteichefs zurück. Bleibt noch die rechtsextreme Verbindung SPD des in Tokio geborenen Unternehmers Tomio Okamura, die aber mit 20 Sitzen nicht genügend Abgeordenete stellt, um der Ano zu einer Mehrheit zu verhelfen. Angesichst des klaren Wahlergebnisses will Spolu-Spitzenkandidat und Bürgerdemokratenchef Petr Fiala, der die besten Aussichten hat, neuer Premierminister zu werden, den Staatspräsidenten bitten, ihm den Regierungsauftrag zu erteilen. „Man darf sich keiner Illusionen hingeben, daß Präsident Zeman dies leicht machen werde“, sagt dagegen Petr Šabata, Kommentator des Tschechischen Rundfunks. Dennoch gehen alle Beobachter davon aus, daß es dem Präsidenten am Ende nicht gelingen wird, gegen eine klare Mehrheit im Abgeordnetenhaus einen Premierminister wider Willen durchzusetzen. Bis Weihnachten, so wird in Prag geschätzt, wird die neue Regierung die Amtsgeschäfte übernehmen. Doch auch nach einer Wahl von Petr Fiala zum Premierminister müßte Andrej Babiš seine politischen Ambitionen nicht unbedingt begraben. In Prag wird bereits darüber diskutiert, was passiert, wenn der schwerstkranke Zeman stirbt oder sein Amt niederlegt. Dann könnte Babiš als Präsidentschaftskandidat ins Rennen gehen. Mit den 27,1 Prozent aus der Parlamentswahl hätte er eine breite Unterstützerbasis. Und ein potentieller Gegenkandidat aus dem bürgerlichen Lager ist derzeit noch nicht in Sicht. Torsten Fricke
Treffen der drei Minister Melanie Huml, Jakub Kulhánek und Karoline Edtstadler am Dreisessel im Bayerwald
Grenzregionen werden eingebunden
Bayerns Europa-Ministerin Melanie Huml mit der österreichischen EU-Ministerin Karoline Edtstadler und dem tschechischen Außenminister Jakub Kulhánek am Dreisessel im Bayerischen Wald. Foto: Blöchinger/Euregio
Dreiländertreffen am Dreisessel: Direkt an der bayerisch-tschechischen Grenze haben Bayerns Europa-Ministerin Melanie Huml, der tschechische Außenminister Jakub Kulhánek und die österreichische EU-Ministerin Karoline Edtstadler über den Neustart der Beziehungen nach Corona gesprochen.
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ie bereits in der Sudetendeutschen Zeitung berich-
tet, ging es bei dem Treffen vor allem um Themen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. „Unsere freundschaftlichen Beziehungen haben in der Pandemie nicht gelitten. Wir waren immer in engem Kontakt und Austausch – auch auf politischer Ebene“, so Melanie Huml. Bei dem politischen Austausch der drei Länder am Dreisesselberg hatten erstmals auch Ver-
treter der Grenzregionen Gelegenheit, über ihre Erfahrungen zu berichten und ihre Anregungen für die künftige Zusammenarbeit vorzubringen. Mit den Regionalvertretern vereinbarten die beiden Ministerinnen und deren tschechischer Kollege eine gemeinsame Konferenz der Rettungsdienste, eine Kommunalkonferenz der drei Länder als regionales Austauschforum und Vernetzungstreffen
sowie eine gemeinsame Kulturveranstaltung im Grenzgebiet. Des Weiteren wurde vereinbart, zukünftig auch übergeordnete europäische Themen zur Zukunft Europas oder eines Green Deal stärker in den Grenzregionen zu erörtern. Hierzu soll dieses Dreiländertreffen verstetigt werden. Auch eine verstärkte Zusammenarbeit bei wissenschaftlichen Themen sei absolut denkbar, so Huml.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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m Prager Stadtviertel Smichow am Platz vor der St.-WenzelsKirche befindet sich zur Zeit eine Ausstellung mit dem Titel „Unter fremdem Himmel – Das Schicksal meiner Familie“, die von litauischen Historikern und der Botschaft ihres Landes vorbereitet wurde. Der SL-Büroleiter Peter Barton schaute sich die eindrucksvollen Fotos und Dokumente über die Vertreibung Tausender „unbequemer“ Litauer an, die in der Sowjetunion in den Jahren 1945-50 stattfand. Erst 1958 durften einige von den nach Sibirien vertriebenen Litauern in ihre Heimat zurück. Auch Deutsche, die in Litauen lebten, waren unter den Opfern.
PRAGER SPITZEN
Etwa 3000 Litauendeutsche fielen im Krieg, etwa ein Viertel der Deutschen aus Litauen hat Krieg, Flucht und Vertreibung nicht überlebt. Die meisten Überlebenden fanden in Westdeutschland Aufnahme, wo sie 1953 ihre Landsmannschaft gründeten, über die die Stadt NeheimHüsten 1959 und nach Gebietsreform in deren Rechtsnachfolge 1975 die Stadt Arnsberg die Patenschaft übernahm. Es wäre schön, wenn es in einer tschechischen Stadt unter freiem Himmel eine ähnliche Ausstellung auch über das Schicksal der vertriebenen Sudetendeutschen geben würde. Das Schicksal dieser Volksgruppe in den Nachkriegsjahren war mindestens genauso grausam, wie das der Litauer.
Inflationsrate steigt auf Rekordwert
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Sudetendeutscher Rat appelliert an das EU-Parlament, den Bundestag und das tschechiche Abgeordnetenhaus
Resolution für den Schutz von Volksgruppen und Minderheiten Eine Sechs-Punkte-Resolution zum Schutz von Volksgruppen und Minderheiten hat der Sudetendeutsche Rat auf seiner Sitzung am Sonntag in München verabschiedet. Der Sudetendeutsche Rat wendet sich an die neugewählten Volksvertretungen Bundestag und tschechisches Abgeordnetenhaus sowie an das Europäische Parlament und die europäischen Institutionen mit dieser Resolution: Erstens: Mehr als 60 Millionen EU-Bürger gehören traditionellen Volksgruppen und Minderheiten an, die meist schon vor der Entstehung der Nationalstaaten in ihren Heimatgebieten und -regionen gesiedelt haben. Sie alle, ob sie noch in der Heimat leben oder das Schicksal der Vertreibung erlitten, haben einen Anspruch auf gesicherte Existenz und Bewahrung ihrer gewachsenen Identität. Deshalb ist die Durchsetzung eines Europäischen Volksgruppen- und Minderheitenrechtes in den Mitgliedstaaten und auf EUEbene von überragender Bedeutung.
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er Appell richtet sich vor allem an das Europäische Parlament sowie an die neu gewählten Volksvertretungen im Bundestag und im tschechischen Abgeordnetenhaus. Der Su-
detendeutsche Rat besteht zur Hälfte aus Abgeordneten des Bundestages und zur anderen Hälfte aus Mitgliedern der Sudetendeutschen Bundesversammlung. Die Resolution initiiert hat-
Resolution des Sudetendeutschen Rates im Wortlaut
Sechs Forderungen an die Politik
Zweitens: Wir fordern den neuen Deutschen Bundestag auf, ebenso wie die Abgeordneten in der letzten Legislaturperiode den Volksgruppen und Minderheiten im In- und im Ausland jeden erdenklichen Schutz und eine umfassende Förderung zu gewähren. Drittens: Wir appellieren an das Europäische Parlament und an den Deutschen Bundestag, auch weiterhin die Europäische Bürgerinitiative „Minority Safepack“ zu unterstützen, die die erforderliche Zahl von Unterschriften erhalten hat und auch von der Europäischen Kommission sowie vom Europäischen Rat respektiert werden muß. Viertens: Wir fordern die Eu-
ropäische Kommission dazu auf, ihre bisherige restriktive Haltung in dieser Frage zu ändern und mit den Vertretern von Minority Safepack konkret und detailliert über die darin vorgeschlagenen Maßnahmen und Gesetzesvorhaben zu sprechen. Die EU darf nicht weiterhin minderheitenblind bleiben, sondern muß sich den Verpflichtungen, die sich aus den gültigen Verträgen und den berechtigten Anliegen der Volksgruppen und Minderheiten ergeben, endlich stellen. Fünftens: Wir begrüßen, daß die tschechische Regierung Mitte Oktober im tschechischen Außenministerium eine Dialogveranstaltung mit der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik abhält, und appellieren
te der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, der auch dem Präsidium des Sudetendeutschen Rates angehört. (Ausführlicher Bericht in der nächsten Ausgabe). an das künftige tschechische Parlament und die künftige tschechische Regierung, den noch in der Heimat lebenden Angehörigen unserer Volksgruppe eine angemessene Unterstützung zu gewähren, insbesondere auf sprachlichem, kulturellem und schulischem Gebiet. Dabei kommt es nicht nur auf eine weiterhin umfassende finanzielle Förderung der beiden deutschen Verbände und ihrer Aktivitäten an, sondern auch auf die Heilung der Wunden, die eine schwierige Geschichte auf beiden Seiten auch den heutigen Generationen hinterlassen hat. Sechstens: Der Sudetendeutsche Rat bekräftigt seinerseits seinen Willen zu einem konstruktiven, zukunftsgerichteten Dialog mit den Repräsentanten des tschechischen Volkes sowie allen in der Tschechischen Republik lebenden Minderheiten.
Staatsministerin Melanie Huml eröffnet Wanderweg im Grenzgebiet
Europas Werte zweisprachig erwandern Es ist im doppelten Sinne eine Wanderausstellung: Die deutsch-tschechischen Tafeln, die im Kurpark von Bad Kötzting im Bayerischen Wald aufgestellt wurden, sollen Wanderer animieren, sich mit den europäischen Werten zu beschäftigen. Allerdings nur für vier Wochen. Dann soll die Wanderausstellung erstmals jenseits der nahen Grenze in der Tschechischen Republik gezeigt werden.
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uropa ist das größte Friedensprojekt der Neuzeit. Der Europa-Werte-Wanderweg im Kurpark setzt ein für alle Generationen erlebbares Zeichen für ein gemeinsames Europa und für unsere gemeinsamen Werte“, sagte Melanie Huml, Bayerns Staatsministerin für Europa und Internationales, bei der Eröffnung. Vorausgegangen war diesem Termin ein Workshop mit Jugendlichen aus Bayern und der Tschechischen Republik. „Ich finde es ganz wichtig, daß wir diese Nachbarschaft pflegen. Gerade nach der Corona-Zeit ist es umso wichtiger, daß wir wieder in den Dialog kommen“, so Huml. In seiner Begrüßung erinnerte Bürgermeister Markus Hofmann an das Jahr 1991, als Kötz-
Die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, Bayerns Europa-Ministerin Melanie Huml und Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann verfolgen die Präsentation von Dr. Ute Hartenberger. Foto: Staatskanzlei ting Gründungsmitglied der inzwischen auf 28 Mitgliedsstädte angewachsenen Douzelage war, und erwähnte die seit 1995 bestehende Partnerschaft mit dem böhmischen Schüttenhofen, mit dem gerade erst das Projekt „Grenzenlos fit“ initiiert wurde. Unter den ersten Europa-Werte-Wanderern waren auch die Bundestagsabgeordnete Marian-
ne Schieder (SPD), der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp (CSU) und Schüttenhofens stellvertretende Bürgermeisterin Vera Marešova. Präsentiert wurden die Tafeln von Dr. Ute Hartenberger, der Landesgeschäftsführerin der Europa-Union, die die Wanderausstellung organisiert hat. Wie wichtig eine gute Nachbarschaft auch aus wirtschaftli-
chen Gründen ist, belegte Staatsministerin Huml mit Zahlen: „Rund 3000 bayerische Firmen pflegten Geschäftsbeziehungen zu Tschechien. Und Bayern profitiert von 22 000 tschechischen Pendlern, die eine wichtige Säule für die ostbayerische Wirtschaft darstellen, unverzichtbar in Handel, Handwerk, Gastronomie und Industrie.“
euer, teurer, Tschechien: Den dritten Monat in Folge ist die Inflationsrate in der Tschechischen Republik gestiegen und betrug im September 4,9 Prozent. Dies sind 0,7 Prozentpunkte mehr als im August und der höchste Wert seit 2008. Inflationstreiber, so das Tschechische Statistikamt, sind unter anderem die gestiegenen Energiepreise, was sich mittlerweile sogar auf das Bier auswirkt. So hat Pilsner Urquell, das seit 2017 im Besitz der japanischen Asahi-Gruppe ist, am Freitag die Preise für seine Marken um durchschnittlich drei Prozent erhöht. Erstmals seit 2018 wird dabei auch gezapftes Bier teurer.
„And the Oscar goes to ... Zátopek?“
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ür das Rennen um den Oscar für den besten ausländischen Film hat die Tschechische Akademie für Film und Fernsehen die Filmbiographie „Zátopek“ der Regisseurs David Ondříček nominiert. Die Lebensgeschichte des vierfachen Olympiasiegers und tschechischen Nationalhelden Emil Zátopek war im Sommer auf dem Karlsbader Filmfest als Weltpremiere vorgestellt worden und führte anschließend mehrere Wochen die tschechischen Kinocharts an. Die 94. Oscar-Zeremonie wird am 27. März 2022 stattfinden.
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Theaterpreise Thália vergeben
m historischen Gebäude des Nationaltheaters in Prag sind am Samstag die Thália-Preise für die besten Leistungen auf den tschechischen Theaterbühnen vergeben worden. Von den sechs Auszeichnungen im Bereich Schauspiel ging unter anderem eine an die beliebte Theater- und Filmschauspielerin Iva Janžurová. Die Thála für sein Lebenswerk erhielt der Tänzer Jaroslav Slavický.
Deutsche Filme bei Prager Festival
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eim Festival deutschsprachiger Filme werden dem tschechischen Publikum über dreißig Streifen präsentiert. Eröffnet wird das Filmfest am 20. Oktober im Kino Lucerna mit dem Film „Curveball“. Mit dabei sind dann auch die Hauptdarsteller Se-
bastian Blomberg und Michael Wittenborn. Das Filmfest bietet seit 2006 jeweils im Herbst eine Auswahl der aktuellen Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Festival findet vom 20. bis 26. Oktober in Prag und anschließend vom 2. bis 7. November in Brünn statt.
Bergsteiger dürfen nach Hause reisen
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ie beiden tschechischen Bergsteiger Jakub Vlček und Petr Macek, die vor einem Monat am Berg Rakaposhi in Pakistan gerettet wurden, kehren nach Tschechien zurück, hat Außenminister Jakub Kulhánek (Sozialdemokraten) berichtet. Die beiden Bergsteiger waren nach der Rettung vom 7788 Meter hohen Rakaposhi verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen, ohne offizielle Genehmigung den Berg bestiegen zu haben. Pakistan fordert von ihnen die Erstattung der Kosten für den Rettungseinsatz. Örtliche Zeitungen schätzen diese auf bis zu einer halben Million Kronen (20 000 Euro). Die betroffene tschechische Versicherung lehnte eine Deckung der Kosten ab. Laut Kulhánek gingen der Rückkehr schwierige Verhandlungen mit den pakistanischen Behörden voraus.
EU-Bürgerpreis für Forscherteam
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in Forscherteam des Tschechischen Instituts für Informatik, Robotik und Cybertechnik der Technischen Hochschule in Prag ist mit dem Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Die IT-Experten hatten während der Corona-Pandemie Atemschutzmasken per 3DDrucker hergestellt. Geehrt wurde auch das Freiwilligenzentrum der Masaryk-Universität in Brünn, das während der Pandemie den Hilfseinsatz von 3800 Freiwilligen koordiniert hatte.
Anstieg bei den Corona-Patienten
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it 1345 Coronafällen lag die Zahl der Neuinfektionen am Montag um 60 Prozent über dem Wert der Vorwoche, hat das tschechische Gesundheitsministerium bekannt gegeben. Dies sei außerdem der höchste Stand seit Anfang Mai. In den Krankenhäusern des Landes werden derzeit 373 Corona-positive Menschen behandelt, 68 von ihnen benötigen eine Intensivpflege.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15.10.2021
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Dr. Sc. h.c. – allein die akademischen Titel zeigen, daß Gottfried Konecny zu den Großen seines Fachs gehört. Das Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste ist Professor Emeritus für Photogrammetrie und Ingenieurvermessungen an der Technischen Universität Hannover sowie Ehrenprofessor an der Wuhan Technical University of Surveying and Mapping. 2019 wurde Konecny für sein Lebenswerk mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis ausgezeichnet. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erinnert sich der 1930 in Troppau Geborene an seine Kindheit und die Vertreibung.
SUDETENDEUTSCHE GESPRÄCHE � Interview mit Zeitzeuge Prof. Dr. Gottfried Konecny über seine Jugend in Böhmen und die Vertreibung
„Wer wet Rundreisen, wet in 24 Stunden tot“
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err Professor Konecny, an was können Sie sich in Ihrer frühesten Kindheit noch erinnern? Prof. Dr. Gottfried Konecny: Meine Eltern haben beide in der Finanzdirektion in der Herrengasse in Troppau gearbeitet. Deshalb kümmerte sich Thesi, eine Cousine meiner Großmutter, tagsüber um mich. Sie war eine sehr religiöse Frau und wohnte direkt gegenüber der Pfarrkirche. Ich hatte zwei Geschwister, meine Schwester Gerlinde, sie war 13 Jahre jünger, und meinen Bruder Ewald. Er kam 1935 zur Welt. Als mir meine Eltern sagten, daß ich einen Bruder bekomme, wollte ich damals nur wissen, ob er deutsch oder tschechisch spricht. Sie wurden auch Tschechisch erzogen? Konecny: Ja, meine Eltern wollten, daß ich Tschechisch lerne. 1934, im Alter von vier Jahren, kam ich in den tschechischen Kindergarten und 1936 in die tschechische Volkschule. Wir waren drei deutsche und zwanzig tschechische Schüler. Wir erlebten die Trauer über den Tod von Präsident Tomáš Garrigue Masaryk im Jahre 1937 und den Besuch des neuen Präsidenten Edvard Beneš an unserer Schule. 1938 eskalierte der Konflikt zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Waren Sie davon auch betroffen? Konecny: Wir drei deutschen Schüler wurden auf der Schultoilette verhauen. Und die gesamte politische Entwicklung war spannungsgeladen. Tschechische Soldaten hatten um unseren Heimatort Troppau Befestigungsanlagen errichtet und es stand zu befürchten, daß Troppau in einen Krieg verwickelt werden würde. Daher entschieden meine Eltern, uns Kinder bei Onkel Rudolf unterzubrigen, der in Weidenau direkt an der deutschen Grenze wohnte. Kaum waren wir dort, erhielt mein Onkel die Aufforderung sich dem deutschen Freikorps anzuschließen. Als ein paar Tage später ein tschechischer Soldat unser Haus betreten wollte, sah mein Vetter Wolfgang eine Handgranate in dessen Hand und rief sofort „Achtung, Handgranate!“. Als der Soldat das Gebäude schließlich betrat, tötete ihn ein Freikorpsmitglied ebenfalls mit einer Handgranate. Was haben Sie dann gemacht? Konecny: Aus Angst vor Rache mußten wir sofort das Haus verlassen und dabei über den Toten steigen. Traumatisiert haben wir die Nacht bei unseren Nachbarn verbracht. Am nächsten Morgen mußten wir Weidenau verlassen und sind per Bahn nach Bad Polzin in Pommern evakuiert worden, wo wir die Münchner Konferenz abwarteten. Das Ergebnis war, daß die Tschechoslowakei das Sudetenland an das Deutsche Reich abtreten mußte. Am 1. Oktober begann dann der Einmarsch der Wehrmacht. Wie hat sich das für Sie angefühlt? Konecny: Bei unserer Rückreise hatte ich in Ottmachau, nahe der Grenze zwischen Polen und Böhmen, den ersten unangenehmen Kontakt mit den Nazis. Wir begegneten einem Bus ge-
� Zur Person: Prof. Dr. Gottfried Konecny
Prof. Dr. Gottfried Konecny mit Ehefrau Lieselotte. füllt mit Sträflingen, die von den Wächtern angebrüllt und gemaßregelt wurden. Das war etwas, was ich vorher noch nicht erlebt hatte. Man sagte uns, es wären internierte Kommunisten und Sozialdemokraten. Zurück daheim haben wir dann am 9. November 1938 mitansehen müssen, wie in der Reichsprogromnacht auch die Synagoge von Troppau niedergebrannt wurde. Hatten Sie Kontakt zu Juden? Konecny: Unser Hausarzt, Dr. Friedetzki, war Jude. Er hatte mir, als ich im Alter von sechs Jahre an Scharlach erkrankte, die Einweisung in ein Quarantänekrankenhaus mit vielen Diphterie- und Scharlachpatienten erspart, wofür ich ihm sehr dankbar war. Um so schlimmer war es, als Dr. Friedetzki nach der Reichsprogromnacht vor den Nazis flüchten mußte. Er bot meinem Vater einige Schmuckstücke an, die er nicht mitnehmen konnte, die mein Vater, da Beamter, aber nicht annahm. Für mich war das als Kind ein Schlüsselerlebnis, und ich fing an, die NaziHerrschaft zu hinterfragen. Trotzdem bedeutete das Münchner Abkommen zumindest für die Deutschen in Böhmen zunächst eine Entspannung. Konecny: Das stimmt, auch wenn das die Ruhe vor dem Sturm, oder besser vor dem Untergang war. Mit dem Anschluß des Sudetenlandes ans Deutsche Reich konnten wir reisen. Meine Eltern buchten für uns alle eine Kraft-durch-Freude-Reise an die Ostsee. Das war natürlich für uns Kinder sehr aufregend. Wann änderte sich das? Konecny: Nach Troppau zurückgekehrt, sahen wir viele Kraftwagen und Bahntransporte, die in Richtung polnischer Grenze unterwegs waren. Und am 1. September 1939 begann dann der Zweite Weltkrieg. Aber trotz des Krieges ging Ihr Alltag weiter? Konecny: Ja, von Krieg und Zerstörung war in Troppau noch nichts zu spüren. 1940 schaffte ich den Übertritt ins Gymnasium. Als Schüler waren wir dann verpflichtet, dreimal in der Woche bei der Hitler-Jugend zum Dienst anzutreten. Ich ging zum Spielmannszug und spielte die preußischen Märsche auf der Querflöte. Mit unserem Spiel-
Foto: privat
mannszug gewannen wir mehrere Wettbewerbe und durften sogar nach Aussig fahren. Wann änderte sich die Lage? Konecny: 1944. Wir erhielten täglich gegen 11 Uhr die Meldung vom Anflug amerikanischer Flugzeuggeschwader aus Ungarn. 20 Minuten später flogen die silbern glitzernden Flugverbände über uns nach Oberschlesien, wo sie die Hydrierwerke von Heydebreck bombardierten, damit den deutschen Truppen das Benzin ausgeht. 1945 konnten wir uns dann freiwillig als Luftschutzkräfte melden. Und Sie haben sich gemeldet? Konecny: Ja, denn als Melder brauchte ich nicht in den Luftschutzkeller zu gehen, sondern konnte die überfliegenden Geschwader ungestört beobachten. Wenn allerdings ein Flieger von der Flak angeschossen wurden, lösten die Piloten sofort alle Bomben aus, bevor sie mit dem Fallschirm absprangen und dann meist in deutsche Kriegsgefangenschaft kamen. Mehrere Stadtteile von Troppau gerieten so in einen Bombenhagel. Wie erging es Ihren Mitschülern? Konecny: Mein Freund Goletz war Jahrgang 1929. Als 16-jähriger wurde er Ende Januar 1945 zum Volkssturm nach Oberschlesien einberufen. Dort ist er gefallen. Dorit, seine Freundin und Tochter eines SS-Offiziers, starb im Februar beim Spielen mit Waffen. Als ich im Frühjahr 1945 im Rundfunk von Greueltaten der Roten Armee im Zuge der Besetzung von Ostpreußen hörte, wollte ich mich auch an die Front melden, aber meine Mutter konnte das verhindern, weil ich erst 15 Jahre alt war. Unsere Familie ist dann vor den anrückenden Russen von Troppau ins 100 Kilometer entfernte Römerstadt geflüchtet, wo uns Onkel Gangolf, ein Verwandter unserer Großmutter, eine leerstehende Wohnung in seinem Haus zur Verfügung stellte. Während der Fahrt im unbeheizten Zug war es extrem kalt. Meine Mutter fing sich dabei eine Lungenentzündung ein und hat nur knapp überlebt. Wie haben Sie das Kriegsende erlebt? Konecny: Onkel Gangolf, der immer noch ein Auto be-
� Geboren am 17. Juni 1930 in Troppau. � Verheiratet, zwei Kinder. � 1946: Vertreibung nach Bayern. � 1950 bis 1954: Studium des Vermessungswesens
an der Technischen Hochschule München (heute Technische Universität München). � 1959: Promotion zum Dr.-Ing. an der TH München. � 1965 bis 1971: Full Professor an der University New Brunswick, Kanada. � 1971 bis 1998: ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Photogrammetrie an der Universität Hannover. � Auszeichnungen (Auswahl): Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1990), Dr. h.c. Moskauer Staatsuniversität für Geodäsie und Kartographie (2004), Ehrenmitglied Tschechische Gesellschaft für Geodäsie und Photogrammetrie (2014), Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften (seit 2009). saß, brachte uns und seine Familie nach Reschen bei Bergstadt. Hier, in einem leer stehenden Bauernhaus, weit weg von den Fernstraßen, fühlten wir uns sicher vor den Russen. Doch schon am ersten Abend standen russische Soldaten vor unserer Tür, die zunächst Wasser und später Wodka verlangten. Das war beängstigend. Aus Angst vor Vergewaltigungen hatte sich meine Mutter schnell wie eine 80-jährige angezogen und uns lautstark in tschechischer Sprache verteidigt. Spät in der Nacht machte sich dann doch ein betrunkener Russe an mich heran, bis ich ihm klar machen konnte, daß ich kein Mädchen war. Wie liefen die nächsten Tage mit den russischen Soldaten ab? Konecny: Ein Erlebnis hat meine Einstellung verändert. Eines Morgens sammelten die Besatzer alle Burschen und Greise des Dorfes ein, um gemeinsam eine Kanone aus dem Schlamm zu ziehen. Es war ein friedliches Miteinander. Ich verständigte mich in Tschechisch mit einem Russen, der dann mit mir sein Speckbrot teilte. Das Schreckensgespenst, die Russen würden alle deutschen Männer und Jungen erschießen, war vorbei. Wann mußten Sie Ihren Zufluchtsort Reschen verlassen? Konecny: Kurz darauf. An einem Baum war eine tschechisch -deutsche Verlautbarung angenagelt, die alle Geflüchteten aufforderte, an ihre Wohnsitze zurückzukehren. In schlechtem Deutsch stand dort: „Wer wet Rundenreisen, wet in 24 Stunden tot.“ Also machten Sie sich mit Ihrer Mutter auf den Weg nach Troppau? Konecny: Ja, aber da das Auto meines Onkels beschlagnahmt worden war, blieb uns nur der Fußmarsch. Mitten durch russi-
sche Marschkolonnen sind Mutti und ich an einem Tag 56 Kilometer bis nach Troppau gegangen. Als wir erschöpft ankamen, sahen wir, daß unser Haus durch Artilleriebeschuß im ersten Stock beschädigt war, aber das Erdgeschoß war bewohnbar. Wir haben aufgeräumt, um dann den Rest der Familie samt Großmutter und meiner kleinen Schwester im Kinderwagen zu holen. Dabei wurden wir von der tschechischen Miliz entdeckt, die uns alle Wertgegenstände geraubt hat. Von was haben Sie gelebt? Konecny: Wir haben uns am nächsten Morgen – wie vorgeschrieben – bei der Verwaltung, der Narodni Vybor, gemeldet. Meine Großmutter war Tschechin und erhielt Bezugsscheine für tschechische Bürger. Meine Mutti, mein Bruder Ewald, meine Schwester Gerlinde und ich wurden dagegen als Deutsche registriert und mußten das NZeichen für Nemec tragen. Damit war es uns noch nicht einmal erlaubt, Fußwege zu benutzen. Und wir erhielten Lebensmittelkarten für Deutsche, was kein Fleisch und kein Zucker bedeutete. Wann begann die Vertreibung? Konecny: Ab Juni gab es immer wieder Aufrufe, daß alle Deutschen ihre Wohnungen verlassen müssen und nur das Nötigste mitnehmen dürfen. Als deutsch-tschechische Familie waren wir von dieser „wilden Vertreibung“ verschont. In den offenen Bahnwaggons, in denen die Menschen nach Sachsen transportiert wurden, gab es immer wieder Typhus-Ausbrüche mit vielen Toten. Wie ging Ihr Leben weiter? Konecny: 1946 hatten wir einen heißen Sommer. Wir gingen deshalb zum Fluß Oppa, um uns abzukühlen, aber plötzlich schwamm direkt neben uns eine
3 Leiche im Wasser. Später bin ich dann mit meinem tschechischen Mitschüler Ruzicka ins wiedereröffenete Stadtbad gegangen. Dort erkannte mich ein anderer Mitschüler und melde mich sofort der Polizei. Wir wurden dann von dem Polizisten und 20 weiteren Jugendlichen verprügelt. Davon haben wir uns erst nach Tagen erholt. Leider haben daraufhin Ruzickas Eltern ihrem Sohn den Umgang mit mir verboten. Anfang August erhielten wir dann die Nachricht, daß auch wir vertrieben werden und maximal 25 Kilogramm Gepäck pro Person mitnehmen dürfen. In einem Viehwaggon ging es dann über Prag und Pilsen bis zur deutschen Grenze. Am frühen Abend erreichten wir dann Furth im Wald, um anschließend bis nach Pegnitz in Oberfranken weiter transportiert zu werden. Wir waren in der Freiheit angekommen. Wann haben Sie Ihren Vater wieder gesehen? Konecny: Mein Vater war ab 1943 als Soldat in Griechenland, am Balkan, in Ungarn und schließlich in Österreich eingesetzt, bevor sich seine Einheit den Amerikanern ergab. Wir hatten also Hoffnung, ihn wiederzusehen. Durch einen Bekannten aus Wien erfuhren wir, daß mein Vater inzwischen bei einem Kameraden in Pollanten in der Oberpfalz aufgenommen worden sei und in Mühlhausen an der Sulz in einer Spielzeugfabrik arbeitet. Bereits am nächsten Wochenende kam unser Vater per Bahn. Wir hatten ein glückliches Wiedersehen. Nur meine dreijährige Schwester sagte: „Der Soldat soll wieder gehen“. Wie ging es Ihnen im Flüchtlingslager? Konecny: Alles in allem nicht schlecht. Es gab täglich Dosenwurst mit Brot und einen warmen Eiscreme-Brei. Wir Jungen gingen auf die Felder in der Fränkischen Schweiz, um Äpfel zu stehlen und die Kost mit Vitaminen anzureichern. Dann wurden wir in der Pegnitzer Nachbarschaft unter den Bauern aufgeteilt, was nicht jedem Einheimischen gefiel. Als man uns in Schnabelwaid mit unserem Gepäck vor dem Bauernhof stehen ließ und die Bäuerin keine Anstalten machte, uns ins Haus zu lassen, fingen meine Mutter und meine Großmutter an, laut zu weinen. Nach einer halben Stunde wurde uns Einlaß in einen Raum oberhalb der Scheune gewährt, wo wir alle fünf unterkamen. Knapp eine Woche später erhielten wir von unserem Vater die Nachricht, das er eine Unterkunft für uns alle gefunden hat. Wir konnten nachkommen. Meine Eltern und meine Geschwister schliefen im Schlafzimmer, ich in der Küche und meine Großmutter in der Nachbarschaft in dem ehemaligen Zimmer meines Vaters. Die Enge störte uns nicht, wir waren ja wieder zusammen. Wie und wo begann Ihre berufliche Karriere ? Konecny: Der Vermieter meiner Großmutter war Gewerbelehrer in München gewesen. Ich zeigte ihm ein paar Bauzeichnungen von mir, und er schrieb mir ein Empfehlungsschreiben für den Bürgermeister von Neumarkt in der Oberpfalz. Dort wurde ich dann im Dezember 1946 im Bauamt angestellt. Sie waren 16 Jahren alt und hatten kein Abitur. Welchen Weg haben Sie dann eingeschlagen? Konecny: In der Familie war man sich zunächst nicht einig, wie sich meine Karriere weiterentwickeln sollte. Ich hatte ja einen guten Arbeitsplatz als Zeichner, und der Bürgermeister wollte mich als Mitarbeiter behalten. Allerdings insistierte wiederum Mutti, daß ich mein Abitur abschließen mußte. Und dies tat ich auch mit einem „sehr gut“. Und dann begann der Ernst des Lebens, und ich schrieb mich in München für Vermessungswesen ein. Nicola Fricke
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15.10.2021
Paneuropa-Union
Langjährigen Vorsitzenden zum Ehrenvorsitzenden ernannt
Landesverein für Heimatpflege bedankt sich bei Johann Böhm
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in Kladrau. Foto: Bauer
Bischof Voderholzer
Banner gesegnet Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat in der Schloßkirche von Kladrau, dem Heimatort seiner Mutter, das neue Banner der Marianischen Männer-Congregation im Bistum Pilsen gesegnet.
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as neue Banner fügt sich gut ein in die Gruppe der Paten aus dem Bistum Regensburg“, sagte der Bischof und dankte mit Ortspfarrer Miroslav Martiš den elf Sodalen, die im vergangenen Jahr aufgenommen worden sind, für ihr Zeugnis und das christliche Engagement. MB
Mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden hat der Bayerische Landesverein für Heimatpflege das Wirken seines langjährigen Vorsitzenden Johann Böhm auf der Mitgliederversammlung in Regensburg gewürdigt. 21 Jahre lang, bis zum Jahr 2020, stand der frühere Präsident des Bayerischen Landtags und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe an der Spitze des Landesvereins.
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öhms Weitsicht, bisweilen Hartnäckigkeit und großes Herz erwähnte der Oberpfälzer Bezirkstagspräsident Franz Löffler, der auch Präsident des Bayerischen Bezirketages ist, in seinem Grußwort. All diese Eigenschaften habe Böhm, so Löffler, für Bayern eingebracht. Böhm stehe für Einsatz, Herzenswärme und Engagement, sagte dessen Nachfolger beim Landesverein, Dr. Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident von Nie-
Ehrung für den langjährigen Vorsitzenden: Prof. Dr. Günter Dippold, Elke und Johann Böhm sowie Dr. Olaf Heinrich. Foto: Bauer derbayern. Die offizielle Laudatio oblag dem Bezirksheimatpfleger und Kulturreferenten von Oberfranken, Prof. Dr. Günter Dippold. Er gab zu bedenken, daß Ende der 1990er Jahre der Begriff „Heimat“ fast noch verpönt, gestrig und mit der Adenauer-Ära verbunden gewesen sei. „Heute ist ‚Heimat‘ in aller Munde“, erläuterte der Bezirks-
heimatpfleger. Mit Blick auf Johann Böhm, der als Kind seine Heimat in Daßnitz verloren hat und eine neue Heimat finden mußte, beschrieb der Laudator Heimat auch als „Ort der Geborgenheit und Platz für Verantwortung“. „Johann Böhm hat sich für den Erhalt der Heimat und für die Weiterentwicklung mutig und
tatkräftig eingesetzt, er hat persönlich Position bezogen, Verhandlungen geführt, Freiheit und Rückhalt gegeben und gegen ganz konkrete Fehlplanungen gefochten – in der Überzeugung von der Wichtigkeit der Heimatpflege“, charakterisierte Dippold. Die Ernennungsurkunde zum Ehrenvorsitzenden las Vorsitzender Dr. Olaf Heinrich vor, der auch die Medaille „Für vorbildliche Heimatpflege“ überreichte. Diese Würdigung sah Johann Böhm als Ausdruck dafür, daß er nicht alles falsch gemacht habe, ja seine Arbeit geschätzt worden sei. Dieses Ehrenamt habe ihm „nicht Spaß, vielmehr Freude“ bereitet. Denn „Freude“ spüre man besonders, wenn man etwas bewältigt, ja geschafft habe, so der Geehrte. Zudem habe er immer den Spruch von Papst Johannes XXIII. beherzigt: „Johannes, nimm dich nicht zu wichtig!“ Markus Bauer
Andechser Europatag Unter der Leitung von Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und langjähriger Münchener Europaabgeordneter, findet am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Oktober der 56. Andechser Europatag im Festsaal des Andechser Klostergasthofes statt.
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otto des zweitägigen Treffens ist die Frage „Lieben Sie die Freiheit?“. Am Samstag werden dazu aus verschiedenen Blickwinkeln Prof. Dr. Veit Neumann, Dr. Johannes Modesto, Dr. Beate Beckmann-Zöller, Blanka Mouralová und Bernd Posselt sprechen. Mit einem „Abend der Freiheit“ wird das Thema dann musikalisch aufgearbeitet. Am Sonntag findet nach dem Gottesdienst in der Wallfahrtskirche eine Podiumsdiskussion statt. Über „Freiheit und Mut – Motoren für ein lebenswertes Europa“ reden Prof. Zdzisław Josef Kijas, Consuelo Gräfin Ballestrem, Johannes Belling, Dr. Jan Šícha, Johannes Volkmann, Sven Simon und Dr. Dirk H. Voß.
VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Sonntag, 21. November: „Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch“, Sudetendeutsches Museum, Alfred-Kubin-Galerie. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Öffnungszeitung: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Freitag, 15. Oktober, 18.00 Uhr und Samstag, 16. Oktober, 17.00 Uhr: Adalbert Stifter Verein: „Heimaten in Böhmen“. Lesung und Diskussion mit Autorin und Fotografin Wolftraud de Concini, Autor und Journalist Vratislav Maňák und Moderatorin Renate Zöller. Freitag: Goethe-Institut, Königsbrücker Straße 84, 01099 Dresden, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich. Samstag: Parkhotel Band Schandau, Rudolf-Sendig-Straße 12, Band Schandau. Eintritt: 7 Euro. Samstag, 16. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Roth, Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. Samstag, 16. Oktober, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Film „Musical: Tisa – Eine Liebe ohne Grenzen“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Samstag, 16. Oktober, 12.30 bis 18.15 Uhr. Adalbert Stifter
Verein: „Kulturelle Integrationsprozesse zwischen Flüchtlingen, Vertriebenen und Alteingesessenen seit dem Zweiten Weltkrieg – sprachwissenschaftliche Befunde im interdisziplinären Kontext“. In dem Workshop werden qualitative und quantitative Befunde aus dem Forschungsprojekt zur sprachlichen Integration Vertriebener in einem interdisziplinären Kreis von Kulturwissenschaftlern, Historikern und Ethnographen diskutiert. Der Workshop findet online über Zoom statt. Einwahllink über die Webseite www.stifterverein.de Samstag, 16. Oktober, 18.00 bis 01.00 Uhr, Die lange Nacht der Münchner Museen (Auszug). Sudetendeutsches Museum: Performance der Tänzerin und Choreografin Anastasia Kostner um 21.00 und 23.00 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal. Museum und Werner-ReinischAusstellung „Von Böhmen in die Ardèche“ sind geöffnet. Haus des Deutschen Ostens: „Frauen schreiben Geschichte(n), Lesungen und Literaturtalk. 19.00 Uhr: „Das Paprikaraumschiff“ (2020) mit Sigrid Katharina Eismann. 20.30 Uhr: „Roms Flair in flagranti“ (2020) mit Ilse Hehn. 22.00 Uhr: „Die gestohlene Erinnerung“ (2015) mit Ulrike Schmitzer.
Podiumsgespräch mit Pomona Zipser
Literatur im Scherenschnitt Dienstag, 19. Oktober, 19.00 Uhr: „Literatur im Scherenschnitt – Pomona Zipser (Foto) und Heinke Fabritius über das Arbeiten mit Papier“, Podiumsgespräch in Kooperation mit der Kulturreferentin für Siebenbürgen. Pomona Zipser ist Bildhauerin. An diesem Abend wird sie im Gespräch mit Dr. Heinke Fabritius aber über einen anderen Teil ihres Werks berichten: ihre erzählfreudigen Arbeiten auf und mit Papier – Collagen, Scherenschnitte, Pinsel- und Bleistiftzeichnungen. Inspiration ist ihr dabei die Literatur, und zwar durchaus gegensätz-
liche Strömungen, die sie in ihrer Kunst zu balancieren weiß. So wird es um die rumänische literarische Avantgarde, namentlich: Urmuz, gehen, aber auch um Theodor Fontane und den deutschen Realismus.
Mittwoch, 20., bis Sonntag, 24. Oktober, Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender: Egerland-Kulturwoche. Egerlandhaus, Marktredwitz. Programmauszug: Mittwoch: Außerordentliche AEK-Mitgliederversammlung im Bairischen Hof; Donnerstag, 10.00 Uhr: Eröffnungsveranstaltung im Egerlandhaus. Eröffnung durch Oswin Dotzauer, 1. Vorsitzender des AEK; 11.30 Uhr: Festrede Johann Böhm, Bayerischer Landtagspräsident a.D. und Altsprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe; 13.30 bis 17.00 Uhr: Vorträge von Hubert Franz Schweitzer, Dr. Ralf Heimrath, Gernot Facius, Alexaner Friedl und Prof. Dr. Erich Zettl; 20.00 Uhr: Festabend „In der Eghalanda Hutzastu(b)m“; Freitag, 10.00 Uhr: Vorträge von Reinhard M. Steiner und Graf Franz Erwein Nostitz-Rieneck.
Donnerstag, 21. Oktober, 18.00 Uhr, Konzert des Kammermusikduos „duo connessione“ (Carina Kaltenbach-Schonhardt und Tomas Spurny, Foto). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Veranstalter: Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in Kooperation mit dem Sudetendeutschen Musikinstitut. Anmeldung: eMail schmalcz@sudeten.de Freitag, 22. Oktober, 18.00 Uhr, vhs Holzkirchen-Otterfing in Kooperation mit dem Kulturrefererat für die böhmischen Länder: Mährischer Abend. vhs Holzkirchen-Otterfing, MaxHeimbucher-Straße 1, Holzkirchen. Anmeldung: Telefon: (0 80 24) 4 67 89 10. Samstag, 23. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Dienstag, 26. Oktober, 19.00 bis 21.00 Uhr, Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechi-
schen Zentrum: „Prag empfing uns als Verwandte“, Buchpräsentation von Dr. Peter Lange über Thomas Mann und dessen tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei, Anmeldung über https://eveeno.com/ familie-mann Donnerstag, 28. Oktober, 15.00 Uhr, AckermannGemeinde: Böhmische Spuren in München. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Eintritt 5 Euro für Kaffee und Kuchen, Anmeldung erforderlich unter www.ackermann-gemeinde.de Sonntag, 7. bis Dienstag, 9. November, Stiftung SSBW und SL-Bundesverband: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Eine Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen“. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefax (09 71) 71 47 47, eMail hoertler@ heiligenhof.de oder schuster@ sudeten.de Dienstag, 9. bis Freitag, 12. November, Stiftung SSBW und SL-Bundesverband: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte“. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefax (09 71) 71 47 47, eMail hoertler@ heiligenhof.de oder schuster@ sudeten.de Freitag, 12. bis Samstag, 13. November, SL-Bundesverband: Jahrestagung des Sudetendeutschen Heimatrates mit Neuwahl des Vorstandes. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefon (0 89) 48 00 03 54, eMail schuster@sudeten.de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und AckermannGemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de
Gartenberger Bunkerblasmusik
Böhmischer Abend im Sudetendeutschen Haus Freitag, 29. Oktober, 19.30 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München: „Böhmischer Abend mit der Gartenberger Bunkerblasmusik“. Veranstalter ist die Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband. Nach der Begrüßung durch den Bundeskulturreferenten Prof. Dr. Ulf Broßmann spielt die Gartenberger Bunkerblasmusik Musik aus den böhmischen Ländern. Die Bunkerblasmusik ist weit über die Grenzen von Geretsried hinaus bekannt. Sie wurde 1992
von Roland Hammerschmied gegründet, der zweiter Vorsitzender der Egerländer Gmoi Geretsried ist. Hammerschmieds Sohn Marius spielt bereits seit frühester Kindheit Schlagzeug bei den Blasmusikern und wurde in diesem Jahr beim Sudetendeutschen Tag für sein herausragendes Engagement im Bereich der Egerländer Kultur und vor allem der Musik mit dem Förderpreis für Volkstumspflege geehrt. Durch den Abend führt Ludwig Schmid. Der Eintritt ist frei. Foto: Torsten Fricke
Online-Seminar: Ladinien und die ladinische Sprache Dienstag, 19. Oktober, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar „Ladinien und die ladinische Sprache: Maßnahmen zum Schutz einer sprachlichen Minderheit in Südtirol“. Gespräch mit Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums in München. Ladinien bezieht sich auf fünf Täler, in denen noch heute die ladinische Sprache lebendig ist: das Gadertal und das Grödnertal in Südtirol, das Fassatal im Trentino sowie Buchenstein und Ampezzo in Venetien. Diese uralte Sprache ist lateinischen Ursprungs. Nach der Eroberung des Alpengebietes durch Drusus und Tiberius im Jahr 15 v. Chr. übernahm die einheimische Bevölkerung mit der Zeit die Sprache der römischen Soldaten, Beamten und Händler. Man begann somit ein lokal sprachlich gefärbtes Volkslatein zu sprechen, welches sich mit den Eigenheiten der autochthonen Sprache der Räter vermischte. Die ladinische Sprache wird daher auch als rätoromanische Sprache bezeichnet und ist mit der rätoromanischen Sprache der Graubündner in der Schweiz sowie mit der friulanischen Sprache in Friaul-Julisch Venetien eng verwandt. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
� Vize-Premierminister Karel Havlicek: „Wenn Europa den Klimakampf gewinnen will, braucht es die Kernenergie“
Tschechien und Frankreich starten europäische Atomkraft-Initiative
Die Tschechische Republik und Frankreich haben eine Allianz für den Einsatz von Kernenergie als klimaneutrale Energiequelle (siehe unten „Erklärung im Wortlaut“) geschmiedet und fordern die EU auf, den Ausbau der Atomkraft zu unterstützen. Der Initiative angeschlossen haben sich bereits Bulgarien, Kroatien, Finnland, Ungarn, Polen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien.
Es steht so viel auf dem Spiel: Haben wir wirklich den Ehrgeiz, gegen den Klimawandel anzukämpfen und eine energiewirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen, oder nicht? Werden wir uns dabei auch auf unsere besten Ressourcen verlassen, um unsere Wirtschaft zu entkarbonisieren oder nicht?
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er Klimawandel passiert nicht irgendwann in der Zukunft, sondern stellt hier und heute unsere größte Herausforderung dar. In seinem jüngsten Bericht zum Klimawandel hat es der Weltklimarat (IPCC) ganz klar formuliert: Unser Ziel, die Welterwärmung bis zum 21. Jahrhundert auf 1,5 bis zwei Grad Celsius zu beschränken, kann nicht erreicht werden, wenn in den kommenden acht Jahren keine wirklich tiefgreifende Reduzierung der Treibhausgasemissionen erfolgt. Auch die Verteuerung der Energiekosten ist ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, in Bezug auf die Energieversorgung unsere Abhängigkeit von Drittländern so schnell wie möglich zu reduzieren. Es wird immer häufiger zu Versorgungsengpässen kommen, also können wir gar nicht anders, wir müssen unsere Versorgung diversifizieren. Vor allem sollten wir darauf achten, daß wir unsere Abhängigkeit vom Energieimport aus nichteuropäischen Ländern nicht noch vergrößern. Um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu senken, müssen sofortige und tiefgreifende Veränderungen in unserer Produktion und in
Willkommen in Brünn Zum Artikel „Was Brünn alles auslösen kann. Dr. Ortfried Kotzian entdeckt in einem alten Buch die Stadtgeschichte neu“, Sudetendeutsche Zeitung vom 8. Oktober 2021, Seite 2.
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n der gemeinsamen Erklärung, die von den zehn zuständigen Ministern unterschrieben worden ist, heißt es, daß Europa die Kernenergie brauche, wenn es den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wolle. Atomkraft sei „eine wichtige und zuverlässige Ressource für die Sicherung einer kohlenstoffarmen Zukunft“. „Frankreich und Tschechien haben ähnliche Interessen, wir sind nuklear orientierte Länder, also haben wir uns auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Wir Vize-Premierminiwollen, daß Brüsster Karel Havlicek sel Atomkraft und Gas als nachhaltige Energiegewinnung im Sinne der Taxonomie anerkennt. Dies wird den Weg für eine günstigere Finanzierung und den Bau neuer Kernkraftwerke ebnen“, sagte Tschechiens stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Industrie und Handel, Karel Havlicek (parteilos), am Montag. Nachdem es in der tschechischen Politik einen breiten, parteiübergreifenden Konsens pro Kernenergie gibt, ist davon auszugehen, daß diese Initiative auch von der neuen Regierung fortgeführt wird. Der Zeitpunkt ist deshalb strategisch geschickt gewählt. Ab Januar übernimmt Frankreich die EU-Ratspräsidentschaft, ab Juli folgt dann die Tschechische Republik. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Nuklear-Allianz wolle man ein Konzept vorlegen, das den Bau von Kernkraftwerken einfacher und billiger mache. „Wenn Europa den Klimakampf gewinnen will, braucht es die Kernenergie. Sie ist eine wesentliche und zuver-
� Leserbrief
Die tschechische Regierung setzt weiter auf Kernkraft, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Bereits geplant ist der Ausbau des Atomkraftwerkes Dukovany nahe Mährisch Kromau um einen weiteren Reaktorblock. Foto: ČEZ lässige Ressource für alle, um eine kohlenstoffarme Zukunft zu sichern“, zitiert Havlicek aus der Erklärung der Nuklearallianz und erklärt: „Als stabile und kohlenstoffarme Energiequelle ist die Kernenergie ein Pfeiler des Nationalen Energiekonzepts. Erstens schützt es die Verbraucher vor den Preisschwankungen, die wir derzeit beim Erdgas erleben. Zweitens leistet sie einen entscheidenden Beitrag zur Unabhängigkeit unserer Strom- und Energieversorgung. Sie ist eine erschwingliche Quelle für kohlenstofffreien Strom, die eine große Menge an wettbewerbsfähigem Strom liefern kann, ohne unsere Abhängigkeit von Energielieferungen aus Drittländern zu erhöhen.“ „Es ist zwingend notwendig, daß die Kernenergie bis Ende 2021 in den europäischen Rahmen für nachhaltige Finanzierung aufgenommen wird. Die von der Europäischen Kommission angeforderten wissenschaftlichen Bewertungen der Kernenergie sind identisch: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise da-
für, daß die Kernenergie weniger umweltfreundlich ist als andere in der Taxonomie aufgeführte Energiequellen“, betont Tomas Ehler, stellvertretender Minister für Industrie und Handel, zuständig für Kernenergie. René Neděla, stellvertretender Minister für Industrie und Handel, und zuständig für Energie, ergänzt: „Obwohl erneuerbare Energiequellen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielen, können sie nicht genügend kohlenstoffarmen Strom produzieren, um den Bedarf der Tschechischen Republik, geschweige denn Europas, zu decken.“ „Die Kernenergie ist eine Chance für die Europäer, Industrien mit hoher Wertschöpfung weiterzuentwickeln, Tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen, die Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu stärken und sicherzustellen, daß Europa über genügend Energie verfügt, und das in einer Zeit, in der der Strombedarf im Rahmen der Elektromobilität steigen wird und gleichzeitig die Emis-
� Gemeinsame Nuklear-Initiative der zehn EU-Staaten
Erklärung im Wortlaut unserem Verbrauchsverhalten vorgenommen werden, um sie weniger kohlenstoffintensiv zu machen. Das bedeutet eine massive Umstellung auf mehr Elektrizität und die Entwicklung von kohlenstoffarmen Energieträgern wie Hydrogen, was ebenfalls eine gesteigerte Stromerzeugung erfordert. Kernenergie muß ein Teil dieser Lösung sein. Auch wenn erneuerbare Energiequellen eine Schlüsselrolle bei unserer Energiewende spielen, brauchen wir doch noch weitere emissionsfreie Energiequellen, um unseren Bedarf zu decken, und das auf einem ausreichenden und konstanten Niveau. Und da ist Kernkraft unverzichtbar. Schon jetzt erzeugt sie fast die Hälfte des kohlenstofffreien Stroms in Europa. Kernenergie ist eine bedeutende, kostengünstige, stabile und unabhängige Energiequelle. Erstens, weil sie verhindert, daß die europäischen Verbraucher Preisschwankungen ausgesetzt sind, wie wir sie derzeit bei den Gaspreisen erleben. Zweitens, weil sie entscheidend zur Unabhängigkeit unserer Energie- und Stromversorgung beiträgt. Sie bietet eine verfügbare, kohlenstoffreie Energie, die uns eine bedeutende Menge an wettbewerbsfähigem Strom liefert, oh-
ne dabei die Abhängigkeit durch eine Stromversorgung aus Drittländern zu erhöhen. Kernenergie ist sicher und innovativ. In mehr als 60 Jahren hat die europäische Nuklearindustrie bewiesen, daß sie zuverlässig und sicher ist. Sie gehört zu einem der am stärksten reglementierten Wirtschaftszweige der Welt, mit 126 in Betrieb befindlichen Kernkraftreaktoren in 14 EU-Mitgliedstaaten. Der ständige Austausch von Know-how und Erfahrungen ermöglicht es dieser Industrie, die höchsten Sicherheitsstandards der Welt zu gewährleisten. Und das gilt vor allem für die Entsorgungsmethoden. Die europäische Kernkraftindustrie ist eine weltweit führende und in Bezug auf Technologie sehr intensive Branche. Die Entwicklung dieses Sektors könnte in naher Zukunft hoch qualifizierte Arbeitsplätze für über eine Million Menschen in Europa garantieren. Und da die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten wächst, werden wir bald auch neue, modernere Reaktoren bauen können wie das Projekt Small Modular Reactor (SMR, Kernspaltungsreaktoren, die kleiner sind als herkömmliche Reaktoren). Aus diesem Grund muß die Kernenergie wie alle anderen kohlenstoffarmen
sionen sinken“, ergänzt Martina Tauberová, stellvertretende Ministerin für Industrie und Handel und zuständig für die Themen EU und Außenhandel. Gegenwind kommt bereits aus Deutschland, wo Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird. „Atomenergie ist weder klimaneutral noch nachhaltig – Atomenergie ist eine Risikotechnologie“, sagt Anne Spiegel. Die Grüne Umweltministerin von Rheinland-Pfalz kündigt postwendend einen Antrag an, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, sich für einen möglichst schnellen Atomausstieg in der gesamten EU einzusetzen. „Es ist an der Zeit, der Atomenergie in ganz Europa den Stecker zu ziehen“, so Spiegel. „Es ist eine Sache“, so kontert die tschechische Vize-Ministerin Tauberová, „den Ausbau der erneuerbaren Energien in unserem Energiemix zu unterstützen, und eine andere, unsere Energiesicherheit durch die Ablehnung anderer Quellen grundlegend zu untergraben.“ Torsten Fricke Energiequellen behandelt werden. Die europäischen Abkommen erlauben es jedem Mitgliedstaat, seinen eigenen Energiemix festzulegen. Unsere Rechte müssen garantiert und alle kohlenstoffarmen Technologien zur Stromerzeugung gleichwertig beurteilt werden. Es ist daher absolut notwendig, daß Kernenergie bis Ende 2021 in die Taxonomie-Verordnung Europas einbezogen wird. Alle wissenschaftlichen Gutachten, die von der Europäischen Kommission bezüglich der Umwelteinflüsse der Kernkraft verlangt wurden, kamen zum selben Ergebnis: Es gibt keinerlei wissenschaftlich fundierte Hinweise darauf, daß Kernenergie weniger klimafreundlich ist als irgendeine der anderen Energiequellen, die in der Taxonomie enthalten sind. Wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen, brauchen wir Kernenergie. Sie ist für uns alle ein unverzichtbarer und verläßlicher Faktor für eine kohlenstoffreie Zukunft. Kurz gesagt: Kernenergie ist eine saubere, sichere, unabhängige und wettbewerbsfähige kohlenstoffarme Energiequelle. Für uns Europäer bedeutet die Kernenergie eine Chance, eine starke, ausgesprochen rentable Industrie zu entwickeln, Tausende von qualifizierten Arbeitsplätzen zu schaffen, unsere Führungsrolle in Sachen Klimaschutz zu stärken und Europas strategische Autonomie und EnergieUnabhängigkeit zu sichern. Wir sollten diese so entscheidende Chance nicht ungenutzt lassen.
ehr geehrter Herr Dr. Kotzian, mit großer Überraschung, ja Verblüffung entdeckte und las ich Ihren Artikel „Was Brünn alles auslösen kann“ in der aktuellen Sudetendeutschen Zeitung. Der Grund ist einfach. Die gesamte Organisation der damaligen Konferenz zum „Mährischen Ausgleich“ in 2005, vor allem aber das Gewinnen aller Referenten und der Unterstützung der Robert-Bosch Stiftung, hatte ich (damals stellvertretende BRUNA Bundesvorsitzende) zu verantworten. Es war nicht ganz einfach, in Brünn für die Vertriebenen eine solche Konferenz zu veranstalten, vielfach waren Ressentiments vorhanden, es ist mir zunächst noch nicht einmal gelungen, für die BRUNA auch nur einen der festlicheren Tagungsräume in Brünn anmieten zu können. Das Kompendium, also das Buch, das Sie in Ihrem Bücherschrank fanden, erstellte nach der Konferenz Markwart Lindenthal, Nachkomme des berühmten Brünner Brückenbauers Dr. Gustav Lindenthal (1860-1935), nach dem heute noch eine hohe Auszeichnung für innovativen Brückenbau vergeben wird. Lindenthal war es ziemlich alleine, der damals nicht nur alle Themen präzise zusammenfaßte und sie in Texte und eine Fotodokumentation verarbeitete, sondern auch noch dafür sorgte, daß die Dokumentation innerhalb kürzester Zeit fertiggestellt wurde – was Sie wohl ganz besonders beeindruckte. Aber das Wichtigste für mich persönlich ist etwas, das damals unter den vielen Informationen und Gästen und dem gesamten Rummel leider völlig untergegangen ist. Es war die Teilnahme des damaligen Vorstehers der Brünner Jüdischen Gemeinde, Pavel Fried, eine Begegnung, die aus meiner ganz persönlichen Sicht eine hohe Anerkennung verdient. Fried war die ganzen zwei Tage der Konferenz unser Ehrengast. An der Konferenz nahmen etwa 200 Personen, überwiegend aus dem in Deutschland ansässigen Vertriebenenbereich teil. Am zweiten Tag der Konferenz fragte Herr Fried ganz unvermittelt, ob er ein paar Worte sagen dürfte. Als er am Podium stand, sagte er etwas völlig Überraschendes: „Ich habe die Vorträge sehr aufmerksam verfolgt. Nur eines habe ich vermißt: Geehrte Damen und Herren – seid willkommen in Brno.“ Danach sprach Herr Fried sehr einfühlsam über sein Empfinden gegenüber denjenigen, die ihr Land und ihre Stadt unfreiwillig verlassen mußten, über Vergebung und Neuanfang. Persönlich bin ich immer wieder sehr bewegt bei der Erinnerung daran, daß es gerade ein Mitglied der jüdischen Gemeinde gewesen ist, der als erster – ein ganzes Jahrzehnt vor dem ersten offiziellen „Versöhnungsmarsch“ der Stadt Brünn – gegenüber den ehemals Brünner Deutschen, den 1945 Vertriebenen, die ersten Willkommens- und Versöhnungsworte sprach. Ich freue mich außerordentlich, daß die Arbeit, die wir in die Organisation einer Tagung vor mehr als 15 Jahren hineingesteckt haben, eine solche Anerkennung findet, wie es Ihr Artikel widergibt. Haben Sie herzlichen Dank dafür. Hanna Zakhari Stuttgart
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
PERSONALIEN � Karls-Preisträger und unermüdlicher Kämpfer für die Menschenrechte
Landrat Peter Berek zeichnet Albrecht Schläger für seine Arbeit in der Politik, im Natur- und im Umweltschutz mit der Goldenen Ehrenmedaille des Landkreises aus. Bild: Herbert Scharf
Petr Uhl 80 Beim Sudetendeutschen Tag 2008 in Nürnberg erhielt P etr Uhl den Europäischen KarlsPreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Am 8. Oktober feierte er 80. Geburtstag.
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� Bürgermedaille des Landkreises Wunsiedel/Oberfranken
Albrecht Schläger geehrt Mitte September zeichnete Peter Berek, Landrat des oberfränkischen Kreises Wunsiedel und Präsident der Euregio Egrensis, Albrecht Schläger mit der Goldenen Ehrenmedaille des Landkreises aus.
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lbrecht Schläger ist einer der profiliertesten Vertreter der Vertriebenen. Er war als Abgeordneter des Bayerischen Landtages lange Jahre der Vertriebe-
nenpolitische Sprecher der SPDFraktion, Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde, BdV-Vizepräsident und Verwaltungsratsmitglied des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Für all dies ehrte ihn der Wunsiedeler Landrat Peter Berek allerdings nicht. „Schläger hat die Ehrung mehr als verdient“, begann Berek. Seit rund 50 Jahren sei er in der Politik. 1972 habe die politische Laufbahn des späteren
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Landtagsabgeordneten mit der Wahl in den Stadtrat von Hohenberg an der Eger begonnen. Dort sei er zunächst zum Zweiten und dann zum Ersten Bürgermeister gewählt worden. 36 Jahre lang sei er Mitglied des Kreisrates gewesen. Schließlich sei er für die SPD in den Landtag gewählt worden. „Außerdem war er in vielen weitern Ämtern für die Allgemeinheit tätig. Als Forstmann habe der Natur- und Umweltschutz seine Arbeit nachhaltig geprägt. Albrecht Schläger gründete den Bund Naturschutz im Landkreis und gab dem Naturpark Fichtelgebirge an vorderster Stelle seine Form.“ Beim Kampf gegen das Waldsterben habe er Zeichen gesetzt. So habe er zu jenen gehört, die veranlaßt hätten, daß Monokulturen von Mischwäldern hätten ersetzt werden müssen. Darüber hinaus habe er sich um die Mülltrennung sowie die Einführung von Glascontainern und der Papiertonne im Landkreis Wunsiedel verdient gemacht. „Auch der Aufbau der Ökologischen Bildungsstätte Burg Hohenberg geht auf Albrecht Schläger zurück.“ So berücksichtige das jährliche Programm die intensive deutsch-tschechische Zusammenarbeit vor allem bei den Schulen. „Schon immer war Schläger ein Verfechter der guten Nachbarschaft zur Tschechischen Republik“, sagte Berek. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe er zahlreiche Beziehungen zum tschechischen Nachbarn geknüpft. Und er habe sich für grenzüberschreitende Naturschutzgebiete eingesetzt. Berek verwies auf Schlägers Mitarbeit im Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, dem er 15 Jahre lang angehört habe. Und er erinnerte an Schlägers Tätigkeit als Bundesvorsitzender der Seliger-Gemeinde. Mit dem Stellvertretenden Landrat Wolfgang Kreil kämpfe er nach wie vor um einen guten Verkehrsanschluß des Fichtelgebirges. „Das alles ist nur eine kleine Auswahl seines öffentlichen Wirkens“, unterstrich der Landrat. Und er bescheinigte Schläger, daß dieser in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur seine Heimatstadt Hohenberg, sondern den ganzen Landkreis Wunsiedel mitgeprägt habe. Schließlich überreichte Peter Berek die Goldene Ehrenmedaille an den Politiker Albrecht Schläger. Schlägers Frau Ingrid Schläger/Kasper war nach dem Zweiten Weltkrieg aus TetschenBodenbach im Elbetal vertrieben worden. Ihr überreichte Berek Blumen. Danach blickte Schläger auf so manche Maßnahme des Naturschutzes zurück. „Heute“, merkte er an, „ist der Naturschutz leider oft mit Fundamentalismus verbunden.“ Alle seine Erfolge seien nur in einer funktionieren Demokratie möglich gewesen. Schläger mahnte: „Unsere Demokratie ist an den Rändern nach links und rechts gefährdet. Dem gilt es entschlossen entgegenzutreten.“ Herbert Scharf/nh
er gebürtige Prager ist Publizist und war einer der führenden Dissidenten nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. In der Tschechischen Republik genießt Petr Uhl nicht nur wegen seiner besonders langen und harten Haftzeit hohes Ansehen. Er studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Prag und wurde Diplomingenieur. Nach einigen Besuchen in Frankreich fing er an, mit dem Trotzkismus und der Vierten Internationale zu sympathisieren. Damals beeinflußten ihn die Ideen des marxistischen Ökonomen Ernest Mandel. Nach dem Prager Frühling gründete er im Untergrund die Bewegung der revolutionären Jugend, eine kleine Gruppe von nur einigen Dutzend Personen. Bereits im Dezember 1969 wurde die Gruppe zerschlagen, einige Mitglieder, darunter er und seine damalige Gefährtin Sibylle Plogstedt aus West-Berlin, verhaftet und in einem Schauprozeß zu Gefängnisstrafen verurteilt. Seit 1974 ist Petr Uhl mit der Historikerin und Philosophin Anna Šabatová verheiratet. 1977 gehörte er zu den ersten Unterzeichnern der Charta 77. Er gab auch das Informationsbulletin der Charta 77 heraus. Im April 1978 gründete er mit Václav Havel und anderen das Komitee zur Verteidigung von zu Unrecht Verfolgten. Im Oktober 1979 wurde er wieder verurteilt. In den Nachwendejahren bezog er häufig und deutlich Stellung gegen die Vertreibung der Sudetendeutschen. So sagte er: „Die Entwürdigung und das Unrecht, von dem die deutsche und die ungarische Bevölkerung in der Tschechoslowakei insbe-
sondere in den Jahren 1945 und 1946 betroffen waren, müssen offen und schrittweise und schließlich vollständig anerkannt werden. Damit meine ich eine Anerkennung durch die tschechische Regierung und das tschechische Parlament. Außerdem plädiere ich für die Aufhebung von etwa 15 Gesetzen neben etwa 140 anderen Gesetzen, die bis zum 28. Oktober 1945 als Anknüpfung an die Präsidialdekrete erlassen wurden.“ Volksgruppensprecher Bernd Posselt verglich Petr Uhl in seiner Laudatio bei der Karls-Preisverleihung mit Karl IV., den Revolutionär mit dem Kaiser: „Beide sind gewissermaßen Inkarnationen Europas.“ Beide seien tolerant und unfanatisch. Nur in einem Punkt seien sie Fanatiker, nämlich Fanatiker des Rechts. Das Recht diene den Schwachen und sei deshalb eine soziale Errungenschaft. Karl IV. habe in Nürnberg mit der Goldenen Bulle ein beispielhaftes Rechtswerk geschaffen. P etr Uhl habe sein ganzes Leben dem Kampf gegen das Unrecht gewidmet. Schon als junger Mensch habe er für sein Eintreten für das Recht schwer büßen müssen: Neun Jahre sei er in tschechoslowakischen Kerkern und Gefängnissen gesessen. Er sei führend bei der Gründung der Charta 77 und des Komitees zu Unrecht Verfolgter gewesen. Anders als prominente Mitstreiter wie Václav Havel sei er stets geradlinig und unbeirrt geblieben. Uhl habe entscheidend daran mitgewirkt, daß aus einer tschechischen eine europäische Menschenrechtsbewegung geworden und 1989 endlich zum Durchbruch gekommen sei. Nach der Wende sei Uhl Chefredakteur der ČTK geworden, sozusagen von der Untergrundpublizistik an die Spitze der größten staatlichen Nachrichtenagentur, und vor allem Menschenrechts-
und Minderheitenbeauftragter der tschechischen Regierung. Volksgruppensprecher Bernd Posselt gratulierte dem KarlsPreisträger und persönlichen Freund telefonisch: „Als ich dieser Tage Petr Uhl anrief, um ihm die besten Wünsche der Sudetendeutschen zu übermitteln, war er zwar von seiner schweren Krankheit gezeichnet, aber voller Tatendrang und Lebensfreude. Seine Frau Anna und er berichteten begeistert, daß alle drei Kinder mit ihren Familien für den nächsten Tag erwartet würden – zu einem fröhlichen Fest. Petr Uhl ist einerseits eine große geschichtliche Persönlichkeit, als Mitbegründer der Freiheitsbewegung Charta 77, als Menschenrechtspolitiker und als Publizist von hohem internationalen Ansehen – andererseits aber auch der Mittelpunkt einer großen Familie, in der sich mehrere Generationen politisch und gesellschaftlich engagieren. Charakteristisch für ihn sind sein kämpferischer, streitbarer Geist, seine intellektuelle Unbestechlichkeit und sein Mut in allen Lebenslagen. Daß er unseren Europäischen Karls-Preis annahm, war ein Signal der Verbundenheit mit den ehemaligen Landsleuten zu einer Zeit, in der die nationalistische Hetze gegen uns wieder einmal einen Höhepunkt erreichte. Seine Treue gegenüber unserer Gemeinschaft, die er durch den Besuch von Sudetendeutschen Tagen bekundete, ließ auch manchen seiner Mitstreiter auf der politischen Linken umdenken. Es ist für uns eine Ehre, daß eine Persönlichkeit wie Petr Uhl an unserer Seite steht. Und ich bin stolz darauf, zu seinen Freunden zählen zu dürfen. Ihm und seiner Familie wünsche ich von ganzem Herzen jedes erdenkliche Glück und viel Kraft auch in schweren Stunden.“
� Verdienstvoller Vorsitzender des Sudetendeutschen Archivs aus dem Böhmerwald
Richard Grill † Am 23. September starb der aus dem Kreis Kaplitz im Böhmerwald stammende Historiker und Pädagoge Richard Grill in seinem Haus in München-Solln im Alter von 90 Jahren. In schwieriger Zeit hatte er sich von 2000 bis 2006 als Vorsitzender des Sudetendeutschen Archivs für den Erhalt der zentralen sudetendeutschen Sammlungs- und Dokumentationsstelle eingesetzt.
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ichard Grills Wiege stand im Böhmerwald. In Mühlnöd bei Friedberg, das einst zur Herrschaft Rosenberg der Grafen Buquoy gehörte, wurde er am 13. Februar 1931 als jüngstes von neun Kindern auf einem Bauernhof geboren. Nach der Grundschulzeit in Friedberg kam er 1941 ins Internat einer höheren Schule nach Wien. Mit zehn Jahren verlor Richard Grill im Januar 1942 seine geliebte Mutter. Seine gestrenge Tante übernahm den Haushalt im heimatlichen Mühlnöd. Die Schulzeit war kriegsbedingt im Februar 1945 in der 5. Oberschulklasse – das entspricht heute der 9. Klasse – vorübergehend beendet. Das Kriegsende verbrachte Richard allein mit seinem Vater, der Tante sowie mit dem ältesten Bruder zu Hause. Im Juni
1946 erfolgte die Vertreibung aus seiner Heimat Böhmen. Die Familie wurde in Eggmühl in Niederbayern angesiedelt. Die Brüder kamen nach und nach aus der Gefangenschaft dazu. Nach einer ungewissen Übergangszeit als Lehrling bei einem Sattler ohne Vertrag konnte Richard Grill im Februar 1947 als Heimschüler den gymnasialen Schulbesuch in Neumarkt in der Oberpfalz fortsetzen und 1951 mit dem Abitur abschließen. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Geographie an der Übergangsuniversität Regensburg und in Erlangen konnte er bereits 1955 mit dem ersten Staatsexamen sein Studium erfolgreich beenden. Seinen Unterhalt und die Studienkosten finanzierte Grill mit Semesterferienarbeiten als Werkstudent am Bau. Seine Familie konnte ihn nicht unterstützen, da sie selbst nichts hatte. 1957/58 absolvierte er den Referendardienst für das Lehramt an Gymnasien in München, Weilheim und Pfarrkirchen. Während der Referendarzeit promovierte Grill 1958 an der Universität Erlangen mit einer Arbeit über die Deutschordens-Kommende Ellingen. Im selben Jahr heiratete der frischbackene Dr. phil. Jo-
hanna Kraus. Den Eheleuten wurden 1958, 1960 und 1962 die drei Töchter Magdalena, Dorothea und Katharina geboren. Seine berufliche Hauptwirkstätte fand Grill als Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde am Albert-Einstein-Gymnasium in München, wo er bis zu seiner Berufung 1977 als Studiendirektor an das bayerische Kultusministerium blieb. 1994 ging er als Ministerialrat in den Ruhestand. Die Treue zur böhmischen Heimat zeigte sich in seinem großen Engagement bei den sudetendeutschen Lehrern und Erziehern und im Sudetendeutschen Archiv. Trotz seiner zahlreichen Bemühungen mußte Grill mit 75 Jahren alle hauptamtlichen Mitarbeiter des Archivs entlassen, da der Freistaat Bayern die institutionelle Förderung eingestellt hatte. Auch privat blieben Richard Grill Schicksalsschläge nicht erspart. 1999 starb Tochter Dorothea mit nur 39 Jahren. Nach langer Krankheit ging ihm am 16. Februar 2015 auch seine Ehefrau Johanna in die Ewigkeit voraus. Bis zu seinem Tod konnte sich Richard Grill in seinem Eigenheim in München-Solln selbständig versorgen. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Münchener Waldfriedhof. Raimund Paleczek
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
KULTUR
Das Jubiläumskonzert „Crossing Life Lines“ mit Mulo Francel (Mitte) and Friends im Adalbert-StifterSaal. Seit 50 Jahren kommt das Haus des Deutschen Ostens in München (HDO) nun als dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales nachgeordnete Kulturbehörde seinen Aufgaben nach. Über all die Jahre entwickelte sich das HDO zum überregionalen Kompetenz- und Vermittlungszentrum für die Kultur- und Bildungsarbeit unter den Deutschen aus dem östlichen Europa sowie für die gesamte Gesellschaft in Bayern und in der Bundesrepublik. Jetzt wurde in einer Nachholveranstaltung zum Tag der Offenen Tür das Jubiläum feierlich begangen.
Brunhilde Reitmeier-Zwick, Lilia Antipow, Rosina Reim, Andreas Otto Weber, Dr. Heinz Starkulla, Christine Legner und Renate Beck-Hartmann. Dahinter Philipp Schiepek, D. D. Lowka, Bernd Lhotzky, Stefan Noelle und Mulo Francel.
� Jubiläumsfeier des Hauses des Deutschen Ostens in München
Brücke zwischen Völkern
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m vergangenen Jahr feierte das Haus des Deutschen Ostens München sein 50jähriges Jubiläum. Rund um dieses Datum im November 2020 hatten damals im HDO zahlreiche Veranstaltungen im Live- und Online-Format stattgefunden (Ý SdZ 47/2020). Die zentrale Festveranstaltung des Jubiläumsjahres 2020 mußte aufgrund der Corona-Pandemie
Podiumsgespräch mit Philipp Schiepek, HDO-Direktor Professor Dr. Andreas Otto Weber und Mulo Francel. Bilder: Lilia Antipow, Tobias Weger, Hans Peter Schuster, Josef Balazs, Annette Hempfling, Rosina Reim
Auf dem Programm des Tages der Offenen Tür standen Lesungen aus Werken deutschsprachiger Autoren aus dem östlichen Europa. Dr. Heinz Starkulla las aus den Werken von Johann Gottfried Herder und Victor Kaluza, Dr. Enikő Dácz aus den „Maghrebinischen Geschichten“ von Gregor von Rezzori, Dr. Zuzana Jürgens aus dem „Prager Triptychon“ von Johannes Urzidil und Lilia Antipow aus „Atemschaukel“ von Herta Müller. Seit April ist Christina Meinusch neue Heimatpflegerin der Sudetendeutschen als Nachfolgerin von Zuzana Finger. Am 30. September war die Pädagogin und Volkskundlerin zu Gast im Erzählcafé des Hauses des Deutschen Ostens (HDO). Die Rundfunkjournalistin Renate von Walter unterhielt sich mit ihr.
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lles begann“, so Christina Meinusch gegenüber ihrer Interviewerin, „mit dem Studium der Volkskunde sowie der Soziologie und der Pädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg“. Nach dem Abschluß sei sie jedoch auf ihrem beruflichen Weg zunächst zur Erwachsenen- und Jugendbildung gekommen. Nach einigen Jahren habe sie gemerkt, daß dies doch nicht ganz ihre Sache sei. Sie habe wieder zurück zu ihrem Lieblingsfach – zur Volkskunde – zurückgewollt. Wie alle Geisteswissenschaften kein einfaches Berufsmetier, doch Christina Meinusch wagte den Wechsel. Denn die Volkskunde biete im Unterschied zur traditionellen Geschichtswissenschaft einen Zugang zur Kulturgeschichte von unten und setze sich mit dem Alltagsleben, Volksglauben, Brauchtum und den Trachten der einfachen Menschen auseinander – fernab der großen Politik und deren großen Persönlichkeiten.
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abgesagt werden. An ihrer Stelle fand nun ein „Tag der offenen Tür“ als Fest unter dem Motto: „Brücke zwischen den Menschen – Brücke zwischen den Völkern“ statt. Dabei lobte Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten: „Das Portfolio des HDO mit seiner Bibliothek und mannigfaltigen Tagungen, Studienwochen, Seminaren, Lesungen und Ausstellungen ist umfangreich und beeindruckend.“ Höhepunkt war das Konzert „Crossing Life Lines“ von Mulo Francel and Friends im Sudetendeutschen Haus. Zuvor hatte HDODirektor Andreas Otto Weber ein Podiumsgespräch mit den aus Böhmen stammenden Musikern Mulo Francel und Philipp Schiepek über Identität, Heimat und Musik moderiert. Zur Feier gab es ferner beim Tag der Offenen Tür im HDO auch viele gutbesuchte Vorträge, Lesungen und Ausstellungen in diesem traditionsreichen Haus. Susanne Habel
Handwerkliche Vorführungen bestachen durch die Vielfalt und Farbenpracht der präsentierten Erzeugnisse und die Kreativität der Künstlerinnen. Brunhilde Reitmeier-Zwick, Rosina Reim und Christine Legner am Stand mit dem Wischauer Handwerk. Rechts „Riechen“ – Gürtel, die die Leinwandschürze der Wischauer Frauentracht schmücken.
In diesem neuen Berufsrah- � HDO-Erzählcafé mit der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen trag des Heimatkreises übermen konnte Christine Mei nahm Meinusch die fachliche nusch schließlich auch das unErschließung der Bestände terbringen, was bis dahin für des Braunauer Heimatmusesie eine rein private Angeleums, das seit 1959 ebenfalls in genheit war: die BeschäftiForchheim besteht. Diese Kogung mit der Geschichte ihrer operation sollte sich auf lange Familie. Mit dem Satz: „Tue Sicht als fruchtbar erweisen. dann etwas für die Vertriebe2018 wurde im tschechinen!“, habe einst Meinuschs schen Broumov die deutschVater ihren Fachwechsel von tschechische Ausstellung einem Studium des Bauwe„(Nicht) gekommen um zu sens zur Volkskunde „abgebleiben. Braunau – Forchsegnet“. heim – Broumov. VertreiDenn ihre beiden Eltern bung – Patenschaft – Partkamen aus Schlesien, jedoch nerschaft“ eröffnet. Christina nicht gleich nach Kriegsende Meinusch war sowohl an der als Vertriebene, sondern erst Erstellung des Ausstellungseinige Jahre danach. Ihre Kinkonzepts als auch bei der Herder wuchsen zwar im Mainausgabe der Begleitpublikatifränkischen, aber mit Schleon federführend beteiligt. Im sien auf, mit dem „erzählten Mittelpunkt steht der Weg der Schlesien“, versteht sich, das HDO-Direktor Professor Dr. Andreas Otto Weber, Dr. Renate von Walter als Mode- Braunauer aus Böhmen nach Bild: Hildegard Schuster Oberfranken – ein Weg von aus den Gesprächen am Fami- ratorin und Christina Meinusch. lientisch entstanden war. Doch der Vertreibung über die Ausnicht nur in den ErinnerunDie Erfahrung des Anders- bunden. Christina Meinuschs grenzung zur Integration. gen „an früher“ wurde die Hei- seins war jedoch auch eine ku- Berufsweg als Volkskundlerin Die Ausstellung erzählt damat von Christinas Meinuschs linarische. Wenn bei den Mei hatte dann allerdings mit Schle- bei zugleich ein Kapitel aus der Eltern vergegenwärtigt. Schlesi- nuschs die schlesische Kraut- sien nichts mehr zu tun. Er hatte neuesten Geschichte von Forchen sei bei ihnen eigentlich über- suppe gekocht wurde, aßen die jedoch etwas zu tun mit der deut- heim, das sich von einer Aufall gewesen, so Meinusch. Frü- fränkischen Mitschüler zwar mit; schen Geschichte im östlichen nahmestadt für Vertriebene und hestens in den Speisen, die ih- gekannt hatten sie das Gericht Europa. Flüchtlinge zu einer Paten- und re Mutter gekocht habe, oder in jedoch nicht. Nichtsdestotrotz Als Freiberuflerin kam sie dann zur Partnerstadt von Brauspeziellen schlesischen Ausdrüc- fühlte sich Christina Meinusch zum Heimatkreis Braunau/Rie- nau entwickelte und damit auch ken. Sobald ein Wort wie „Posyp- schon als Fränkin – mit einem sengebirge im oberfränkischen wichtige Zeichen in der deutschka” gefallen sei, was auf Polnisch „Touch of Silesia“ in der Biogra- Forchheim. 1952 war der Hei- tschechischen Verständigung so viel wie „Streusel” heiße, sei phie eben. Ihre Heimat liege in matkreis von deutschen Vertrie- setzte. Anfang 2020, kurz bevor man in Schlesien gewesen. Ein Lohr am Main, meinte sie zu Re- benen gegründet worden, die es die Corona-Krise ausbrach, war Franke aus der Würzburger Ge- nate von Walter. Ihre historische aus dem nordböhmischen Brau- die Ausstellung im HDO gezeigt gend habe damit nichts anfangen Heimat sei jedoch Schlesien, und nau/Broumov nach Oberfran- worden (Ý SdZ 4/2020). Im April können. ihr fühle sie sich ebenfalls ver- ken verschlagen hatte. Im Auf- 2021 eröffneten sich für Christina
OffeneVolkskultur
Meinusch weitere berufliche Perspektiven: Sie wurde Heimatpflegerin der Sudetendeutschen und setzt seitdem ihre Beschäftigung mit dieser Region auf einer neuen Ebene fort. Obwohl die Zeit des Corona-Lockdowns für einen Start auf diesem anspruchsvollen und vielseitigen Berufsfeld alles andere als günstig war, gelang ihr, bereits einiges auf die Beine zu stellen. Das Projekt „Heimat im Ohr – Mundart im Herz“ dokumentiert die sudetendeutschen Mundarten in Form von Videoaufzeichnungen mit Muttersprachlern auf dem YouTube-Kanal der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Die traditionellen Mundarttagungen werden fortgesetzt. Beim Gespräch verriet sie auch einiges über ihre weiteren Pläne. Für das nächste Jahr sind Tagungen zur Erinnerungskultur geplant. Eine Ausstellung in der Alfred-Kubin-Galerie des Sudetendeutschen Hauses wird sich außerdem mit „Heimat im Bild“ beschäftigen, mit dem Sudetenland im Werk bildender Künstler, die mit dieser Region biographisch verbunden sind. Privat bleibt Christina Meinusch immer noch in Mainfranken zu Hause. Und die schlesische Krautsuppe kommt weiterhin ab und zu auf den Tisch. Jetzt kocht sie sie für ihren Sohn und dessen Freunde. An Feiertagen. Lilia Antipow
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Der CC-Vorsitzende Professor Dr. Martin Schulze Wessel begrüßt. Judith Brehmer moderiert den Institutstag. Dr. Florian Ruttner stellt die CC-Außenstelle in Prag vor. Gemeinsam mit Dr. Martina Niedhammer stellt Professor Dr. Volker Zimmermann seine umfangreiche Studie über „Die Kriminalität der Anderen“ vor. Ganz rechts: Dr. Jan Arend präsentiert den Tagungsband „Science and Empire“. Ende September veranstaltete das Collegium Carolinum (CC) in München Institutstag. Die Forschungsstelle für die Geschichte der Tschechischen Republik und der Slowakei stellte dabei ihre Zweigstelle in Prag, die Wissenschaftliche Bibliothek in München und aktuelle Forschungsvorhaben vor. Als Höhepunkt vergab das CC erstmals seinen neuen „Aufsatzpreis“ an den slowakischen Historiker und Germanisten Miloslav Szabó (Ý unten).
� Institutstag des Collegiums Carolinum
Forschung und Verständigung
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as Collegium Carolinum ist eine leistungsstarke Forschungs- und Serviceeinrichtung“, hieß es nach der Begrüßung durch den CC-Vorsitzenden Martin Schulze Wessel. Das Zitat stammte aus einem eingespielten Film, in dem die im September 2018 errichtete CC-Außenstelle in Prag vorgestellt wurde. Die Außenstelle des Collegium Carolinum in Prag wird geleitet von Florian Ruttner, der auch online beim Institutstag zugeschaltet war. Sie hat die doppelte Funktion, Forschungsprojekte in Kooperation mit tschechischen Partnern anzustoßen und deutsche Forschungen in der Tschechischen Republik zu vermitteln. Die Außenstelle in der Valentinská 91/1 wendet sich an die Prager historische und kulturwissenschaftliche Gemeinde. Mit der Außenstelle hat es inzwischen auch ein „Schaufenster“ in Prag. Fester Bestandteil der Tätigkeit ist eine regelmäßige Vortragsreihe, in der Historiker und Historikerinnen aus Deutschland ihre Themen, die nicht aus dem Bereich der ostmitteleuropäischen Geschichte sein müssen, vorstellen. In wechselnden Kooperationen mit wis-
Ende September veranstaltete das Collegium Carolinum (CC) in München seinen Institutstag. Als Höhepunkt vergab das CC erstmals seinen neuen „Aufsatzpreis“ an den slowakischen Historiker und Germanisten Miloslav Szabó.
Das Plenum des Institutstags im Lesesaal der Wissenschaftlichen Bibliothek im Sudetendeutschen Haus. senschaftlichen und kulturellen Einrichtungen veranstaltet die Außenstelle des CC in ihren Veranstaltungsräumen auch Arbeitsgemeinschaften und Tagungen.
„In den letzten Jahren boten wir gut 25 größere Veranstaltungen an, zuletzt auch im technisch neu aufgerüsteten Seminarraum“, so Ruttner. Positive Stimmen aus der internationalen For-
schergemeinde über die Außenstelle rundeten das Film-Portrait der Prager Außenstelle ab. Zusätzlich arbeitet das CC auch eng mit einer Außenstelle des Deutschen Historischen Instituts War-
schau zusammen, mit der sie sich auch die Büroräume teilt. Beide Einrichtungen kooperieren überdies eng mit der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.
Dr. Jana Osterkamp, Dr. Franziska Mayer, Dr. Raimund Paleczek und Projektmitarbeiterin Anna Simon stellen Aspekte der Bibliothek vor.
� Aufsatzpreis 2021
Brandaktuelles Thema
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n diesem Jahr geht der mit 1000 Euro dotierte Preis an den slowakischen Historiker und Germanisten Miloslav Szabó für seinen Aufsatz „From Protests to the Ban: Demonstrations against the ,Jewish‘ Films in Interwar Vienna and Bratislava“, der 2019 im „Journal of Contemporary History“ erschienen war.
Neuer Preis In dem Aufsatz untersucht der am Lehrstuhl für Germanistik, Niederlandistik und Skandinavistik der Comenius-Universität Preßburg/Bratislava lehrende Miloslav Szabó vergleichend die Geschichte des Antisemitismus in Österreich und in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit aus einer kommunikationshistorischen Perspektive. Miloslav Szabó zeigt in seiner Studie, daß nicht allein nationale Rahmenbedingungen für die Verbreitung von Antisemitismus ausschlaggebend waren. Die virulent antisemitischen Diskur-
Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, der Preisträger, Dr. Miloslav Szabó, und Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus. se entstanden vielmehr in einer grenzüberschreitenden transnationalen Dynamik. „Szabó betritt mit seiner Studie in mehrfacher Hinsicht Neuland. Er hat nicht nur wichtige neue Quellen erschlossen, sondern der Forschung auch in me-
thodischer Hinsicht neue Wege gezeigt“, heißt es in der Laudatio von Elena Mannová von der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Die Laudatorin sprach begeistert bei der Verleihung über den Preisträger: „Szabó ist nicht nur ein klu-
ger und kühner Wissenschaftler, sondern hat sich auch als literarischer Übersetzer verdient gemacht“, lobte sie. Szabó habe beispielsweise die „Essays“ von Thomas Mann und „Die Kritik der zynischen Vernunft“ von Peter Sloterdijk übertragen.
Auch Bernd Sibler betonte in seinem Grußwort: „In Europa blicken wir auf eine wechselvolle gemeinsame Geschichte zurück. Uns eint aber auch ein gemeinsames Wertefundament.“ Die Geschichtswissenschaft könne dieses Fundament stabilisie-
CC-Forschungskoordinatorin Judith Bremer, die den Institutstag moderierte, leitete über zum nächsten Programmpunkt, „Bibliothek neu denken: Aufgaben und Aufbruch“. Denn international anerkannt ist auch die Bibliothek, die jetzt nach den CoronaEinschränkungen seit Ende Mai wieder zugänglich ist und dies seit Anfang September unter der 3-G-Regel. Diese wissenschaftliche Bibliothek des Collegiums verfügt über mehr als 170 000 Titel. „Das ist eine beeindruckende Zahl und ein einmaliger Fundus für Forscherinnen und Forscher“, betonte der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler in seinem Grußwort beim Institutstag. Bibliotheksreferentin Jana Osterkamp stellte den Buchbestand vor. Da die Bibliothek eine vom CC verwaltete Gemeinschaftsbibliothek von mehreren Organisationen ist, referierten auch Franziska Mayer vom Adalbert-Stifter-Verein, wo mehr als 6000 kunst- und literaturwissenschaftliche Bände stehen, und Raimund Paleczek vom Sudetendeutschen Institut. Den Abschluß des Programms bildete die Vorstellung aktueller Forschungen. Volker Zimmermann stellte im Gespräch mit Martina Niedhammer seine Studie über „Die Kriminalität der Anderen“ vor. Bei dem DFG-Projekt am Colegium Carolinum geht es um die ethnische Zuschreibung von Kriminalität in den preußischen Ostprovinzen und den böhmischen Ländern von 1871 bis 1914. Jan Arend präsentierte den Tagungsband „Science and Empire“ über die Rolle der Wissenschaft im Russischen Zarenreich und im Habsburgerreich. Susanne Habel ren, so der Bayerische Wissenschaftsminister. „Und das gelang dem Preisträger Miloslav Szabó auf hervorragende Weise!“ Da derzeit antisemitische und rassistische Einstellungen wieder zunähmen, sei die aktuelle Auszeichnung auch ein wichtiges Signal gegen Antisemitismus. „Szabó greift ein Thema auf, das leider wieder brandaktuell ist.“ Auch Ludwig Spaenle, der mit dem Fahrrad gekommen war, pries in seiner Rede die Studie des Preisträgers über antisemitische Strömungen in ÖsterreichUngarn und der Slowakei vor und zwischen den beiden Weltkriegen. Ihn als Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus habe der frisch ausgezeichnete Aufsatz sehr interessiert und bereichert. Details stellte Miloslav Szabó selbst in einem längeren, spannenden Vortrag dar. Es habe in Österreich, Ungarn und der Slowakei ähnliche, wenn auch unterschiedlich ausgeprägte Tendenzen vom christlichen bis zum völkischen („Rasse“-) Antisemitismus gegeben. Mit Hilfe historischen Vergleichens widerlegte er die irreführende Legende von einer Ost-West-Spaltung. „Antisemitismus und Rassismus waren transnationale Erscheinungen“, lautete Szabós Fazit. Susanne Habel
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
� Sommersingen auf dem Heiligenhof
Füße, die tanzen wollen Euphorie, Abschiedsweh und Übernächtigung. Den Kopf voller Melodien und Füße, die immer noch tanzen wollen: Als nach vier Tagen Sommersingen auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen die 46 Teilnehmer aus-
einandergingen, war alles wie immer. Wie in den vielen Jahren vor der Corona-Pandemie, in denen sich Musikbegeisterte aus drei Generationen zum Ostersingen und Adventssingen trafen. In den Jahren 2020 und
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ie Organisatoren Steffen stimmen fehlte. Alle gewöhnten Hörtler, Bernhard Goldham- sich aber rasch daran, ganz allein mer und Gisela Muschiol waren Verantwortung für die Stimmüberrascht von den vielen Anmel- führung zu übernehmen und sich dungen. Trotz Sommerferien und nicht auf die Nebenleute zu verZurückhaltung bei Gruppentref- lassen. So lobte auch die Chorfen füllte sich die Teilnehmer- leiterin Astrid Jeßler-Wernz: „Ihr liste von Tag zu Tag. Angemel- singt so kultiviert dieses Jahr. det wurden auch acht Kinder Das muß der Abstand sein.“ und zwei Babys. „Ich komme mit Doch viele Elemente der Kultder Geige!“, „Ich komme mit der Singwochen konnten beibehalFlöte!“, „Wir bringen das Baby ten werden wie das morgendlimit!“ – hieß es zuvor freudig in che Wecken auf den Fluren mit der eigenen WhatsApp-Grup- Live-Musik. Dort tanzten dann pe. So gestalteten Musiker vom manche Damen spontan im Kindergarten- bis ins hohe Alter Nachthemd. Ebenfalls beibehalmit mehr als 80 Jahren ein neues ten wurde das Singen des SchützFormat: das „Fritz-Jeßler-Som- Chorsatzes „Aller Augen warten mersingen“, benannt nach dem auf Dich, Herre“ vor dem Essen Gründer der Heiligenhofer Sing- und die Gespräche bei Frankenwochen. wein in der Weinstube. Die vier Tage wurden zu einer Auch das ganz organische jubilierenden Zusammenkunft Hineinwachsen der neuen Genach einer belastenden, oft iso- neration in die Gruppe zeigte lierten Zeit, da besonders Chöre sich wieder in schöner Form. So unter den Coronawar ein Baby vieBeschränkungen le Stunden auf gelitten hatten. der KrabbeldecUnter der Leitung ke ganz brav bei von Astrid Jeßlerden Proben daWernz erarbeitete bei und wurde der Chor drei- und vom Chor von Muvierstimmige Liedsik umhüllt – eisätze, vor allem ne wunderbare Eraus der Musikbifahrung, die viele bliothek Fritz Jeßheute Erwachselers mit ostdeutne der Gruppe als schem SchwerKinder vor Jahrpunkt. Aber sie zehnten gemacht erarbeiteten sich Professor Dr. Dirk Kaesler hatten. auch das aus BelaParallel zum rus stammende Volkslied „Kupa- Singen der Erwachsenen leitete linka“, das zu einem Gesang der Carina Jochheim mit ihrem Team aktuellen politischen Oppositi- ein Programm für die Kinder mit on geworden ist, das „Tebe Po- Musizieren, Spielen, Basteln und em“ des bulgarischen Kompo- Malen und stellte ihre Lieder am nisten Dori Hristov und ein als Abschlußabend vor. Am FreitagTango vertontes Ringelnatz-Ge- abend hielt einer der Baß-Sändicht. Denn musikalisches Ziel ger, der Marburger Soziologe der Singwochen ist nicht nur, be- Dirk Kaesler, einen Vortrag über stehendes Chorwissen aufzufrischen, sondern immer wieder neues Repertoire zu erarbeiten. Corona verpflichtet: Nicht unanstrengend, aber machbar war das Tragen von FFP2Masken, das im ganzen Haus vorgeschrieben war. Die Masken durften nur am Singstuhl und am eigenen Platz im Speisesaal abgenommen werden, eine Vorsichtsmaßnahme, die jedoch alle befolgten. Ungewohnt waren auch die weit auf Abstand stehenden Stühle im Probenraum: Manche Sänger kamen sich zu Beginn der Übungsstunden ein wenig verloren vor, da das nahe Singegefühl in den Einzel-
2021 hatte das legendäre gemeinsame Singen ausfallen müssen. Doch Anfang August ergab sich die Gelegenheit, unter strengen Corona-Auflagen doch zu Musiktagen zusammenzukommen. Endlich!
das Thema „Wie Max Weber den ten Tonaufnahme der gelernten modernen Kapitalismus in Ost- Lieder und einer Puppentheaterelbien entdeckte und zu seiner Aufführung der „Holzwürmer“ ‚Großen Erzählung’ von der uni- durch Antje Carl und Martina versalen Rationalisierung erwei- Blankenstein, die die Erlebnisse terte“, der auf des Sommergroßes Intersingens Reesse stieß und vue passieren dem eine länließen, gingere Diskussigen die Sänon folgte. ger auseinanZusätzder. Sie hoffen, lich zum Sinsich am Ersten gen bildete Advent zum sich ein kleiWeihnachtsnes Kammersingen wieder orchester aus zu treffen. vier Violinen, Besonders Tuba, Quergefreut hat die flöte und TamHeiligenhofer burin, das fünf Musiktruppe, Antonia Goldhammer und Astrid daß die virtuKontertänze von Wolfgang Jeßler-Wernz. elle OrganisaAmadeus Motion der Osterzart unter der Leitung von Stefa- singwochen 2020 und 2021 mit nie von Wietersheim einstudier- dem Preis für Kunst und Kultur te – natürlich mit Abstand. Aber im Wettbewerb „Ehrenamt ohwie tanzt man unter Corona-Auf- ne Grenzen – mit Abstand aktiv lagen? Ohne sich anzufassen? sein“ der Organisation „Jugend Die langjährige Tanzleiterin ohne Grenzen“ ausgezeichnet Martina Blankenstein hatte sich wurde. darauf vorbereitet und Abstands Namentlich wurde dabei die tänze wie Reihentänze vorberei- ehrenamtliche Arbeit von Antje tet und sogar die letzte Kehre der Carl, Sarah von Loh, Carina JochFledermaus-Quadrille umcho- heim und Leopold von Wietersreographiert. Ein besonderer Hö- heim anerkannt. Der Preis würhepunkt war die Live-Musik beim digt in der Begründung der Jury, Tanzen, gespielt von Erika Girol- daß das Team zu Corona-Zeiten let, Hans-Peter Germann, Domi- eine kulturelle Traditionsvernik, Matthias und Heinz-Michael anstaltung in die virtuelle Welt Richter. Am internen Abschluß- überführt habe. Dennoch hoffen abend, bei dem die Chorleiterin die Heiligenhofer Sänger, daß mit von den Kindern gebastelten die künftigen Musikwochen steRiesen-Pompons gefeiert wurde tig wieder real stattfinden könund das erarbeitete Programm nen – und sei es mit Abstand präsentierte, wollten die Musi- und Masken. Mit Abschiedsker aller Generationen gar nicht weh, Euphorie und Übernächtimehr aufhören zu tanzen! gung, den Kopf voller Melodien Nach einer von Antonia Gold- und Füßen, die immer noch tanhammer professionell organisier- zen wollen. enm
Chorprobe mit Kindern und Abstand.
� SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken
Kräuterknäcke und Kräuterschnaps Beim Oktobertreffen der mittelfränkischen SL-Ortsgruppe Rückersdorf sprach die Kräuterpädagogin Birgit Lehmeier.
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bfrau Bärbel Anclam hieß die zahlreichen Gäste willkom-
men. Sie sagte, daß zeitgleich die Trauerfeier des langjährigen SLMitglieds Helga Ott stattfinde. Mit ehrenden Worten gedachte sie der Verstorbenen. Birgit Lehmeiers Thema war „Bitter? Aber lecker und ge-
Die Rückersdorfer verkosten Bitterkräuter.
sund“. Die Naturkraft der Bitterstoffe, so Lehmeier, sei schon vor Jahrhunderten genutzt worden. Hildegard von Bingen habe sie bei Beschwerden empfohlen. Reichlich Bitterstoffe steckten in Kräutern wie Baldrian, Wilder Hopfen, Löwenzahn, Pfefferminze, Schafgarbe oder Wegwarte. Sie könnten bei schwachem Immunsystem, bei Magen-Darm-Beschwerden, bei Leber- oder GallenProblemen helfen. Lehmeier informierte umfassend und fundiert in Wort und Bild. Amüsante eigene Erlebnisse machten ihren Vortrag kurzweilig. Die Zuhörer fanden ihr eigenes Bild: Judith Will Kräuterwissen bestätigt
und freuten sich über zusätzliche Neuigkeiten. Sie staunten, wie viele Kräuter eßbar sind oder für Tees, Salben und Tinkturen Verwendung finden. Mit Beispielen erklärte Lehmeier anschaulich die Verwendung von bitterstoffhaltigen Pflanzen. So könne man aus Schafgarbe eine leckere Kräuterbutter machen oder Beifuß in Pfannkuchenteig geben. Nach der Theorie kam die Verkostung von Wildkräuterknäcke und Flüssigem aus und mit Bitterpflanzen. Einige kannten bereits manches Produkt und waren angetan. Die Produkte konnte man auch bei Lehmeier kaufen. Viele suchten anschließend das persönliche Gespräch mit ihr. Freude bereitete nicht zuletzt eine vierseitige Rezeptesammlung zum Mitnehmen. Judith Will
SL-Landesgruppenmitarbeiter Andreas Schmalcz, BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer, Alfred und Margret Kipplinger, SL-Landesobmann Steffen Hörtler und Dorith Müller, Nachfolgerin Kipplingers als Stellvertretende BdV-Landesvorsitzende aus der SL.
� Goldene Ehrennadel des BdV
Alfred Kipplinger geehrt Bereits im Oktober 2020 wurde auf dem Heiligenhof der neue Vorstand des BdV-Landesverbandes Bayern gewählt. Einige Mitglieder kandidierten damals nicht wieder.
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ach vielen Monaten Ausgangssperre konnten sie nun bei einem festlichen Abend in der Gaststätte Zum alten Bezirksamt im Haus des Deutschen Ostens in München geehrt werden. Zum Auftakt besuchte der gesamte BdV-Landesvorstand das Sudetendeutsche Museum.
Zu den Geehrten gehörte auch Unterfrankens SL-Bezirksobmann Alfred Kipplinger. 2007 bis 2020 vertrat er die Interessen der Volksgruppe im BdV-Landesverband Bayern, seit 2011 als Stellvertretender Landesvorsitzender. BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer überreichte ihm die Goldene Ehrennadel des BdV, verliehen vom BdV-Präsidenten Professor Bernd Fabritius. Knauer würdigte Kipplingers Wirken in all den Jahren und dankte ihm herzlich. Andreas Schmalcz
� Bruna
Dank an ÖSK Rudolf Landrock, Vorsitzender der Bruna, der Heimatgemeinschaft der deutschen Brünner, berichtet.
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as Österreichische Schwarze Kreuz (ÖSK) kümmert sich seit Jahrzehnten um Gräber in Mittel- und Osteuropa. Kriegsaber auch Zivilgräber, die im Zuge oder im Gefolge der Weltkriege sowie durch Flucht und Vertreibung entstanden, hält es in Stand, pflegt und betreut sie. Die meisten Brünner kennen das Mahnmal über dem Massengrab von Pohrlitz. Weniger bekannt sind die Brünner Massengräber in Mistelbach mit 131 Toten oder in Drasenhofen mit 186 Toten, die ebenfalls das ÖSK betreut. Um die Kosten zu decken, wird alljährlich um Spenden geworben. Öffentlichkeitswirksame Aktionen sollen auf die Kriegs- und Zivilgräberfürsorge aufmerksam machen. Dies wurde in Zeiten von Corona schwierig. Der beträchtliche Spendenrückgang beeinträchtigt die Arbeit massiv. Nun überlegte die Bruna, wie man helfen könne. Grundsätzlich kann sie angesichts der Dimensionen solche Finanzlöcher nicht schließen. Sie kann aber zur Linderung der Finanznot beitragen und ihre Achtung vor der Gräberfürsorge zeigen. Dies soll zugleich die Überwindung der Spendenkrise anspornen. Anfang August fand ein Treffen statt. Zu dem Treffen kamen ich als Bruna-Bundesvorsitzender, die Bruna-Bundesvorstandsmitglieder Eva Singer und David Heydenreich, von der Bruna Wien Obfrau Ulrike Tumberger
und Schriftführerin Christiane Tumberger sowie vom ÖSK Präsidiumsmitglied Otto Jaus und Landesgeschäftsführer Reinhard Wildling. Ich dankte für die aufopferungsvolle stete und treue ÖSKArbeit. Als Zeichen des Danks übergab ich vor dem Eingang zur Wiener Deutschordenskirche und vor der 1989 dort errichteten Gedenktafel an den Brünner Todesmarsch einen Spendenscheck. Dabei bat ich das ÖSK, bei der Gräberfürsorge nicht nachzulassen. Ulrike Tumberger erinnerte an die jährlichen Erinnerungsfahrten der Bruna Wien zu den Massengräbern in Drasenhofen, Poysdorf (122 Tote), Mistelbach, Wolkersdorf (27 Tote), Bad Pirawarth (zwölf Tote), Wilfersdorf (32 Tote), Erdberg (82 Tote), Wetzelsdorf (14 Tote), Steinebrunn (55 Tote), Hollabrunn (67 Tote), Stammersdorf (105 Tote), Purkersdorf (194 Tote) und Eisenerz (46 Tote). Das sind 1081 tote Brünner in 14 Massengräbern, welche die entwürdigende Behandlung durch die tschechischen Bewacher, Ruhr, Hunger, Durst und Überanstrengung nicht überlebten. Seit 1955 wird am Fronleichnamstag der deutschen Brünner Vertreibungsopfer gedacht, werden Blumen niedergelegt, wird gebetet, werden defekte Laternen ausgetauscht. Manchmal wird beim Strauchschnitt selbst Hand angelegt. Otto Jaus dankte der Bruna für die Spende und lobte die gute Zusammenarbeit. Dabei gab er seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Zusammenwirken auch zukünftig gut und vertrauensvoll sein werde.
Vor dem Eingang zur Wiener Deutschordenskirche und vor der 1989 dort errichteten Gedenktafel an den Brünner Todesmarsch gab Bruna-Bundesvorsitzender Dr. Rudolf Landrock (Mitte) die Spende an Otto Jaus (links neben Landrock) und Dr. Reinhard Wildling (rechts neben Landrock).
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Ackermann-Gemeinde
Tanz auf der Rasierklinge Ein zumindest im kirchlichen Bereich aktuell heißes Eisen stand beim Themen-Zoom der Ackermann-Gemeinde Anfang Oktober im Mittelpunkt: die Entwicklung des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland. Seine Eindrücke – auch von der kürzlich in Frankfurt am Main stattgefundenen Synodalversammlung – schilderte der 21jährige Lukas Nusser, der zu den jüngsten Synodalen gehört, unter dem Titel „Aus gegebenem Anlaß: Aktuelles vom Synodalen Weg. Der jüngste Teilnehmer berichtet“.
Buntes Treiben auf dem Hof vor dem Volkstrachtenmuseum.
Eghalanda Gmoi z‘ Rawetz/Oberfranken
Trachten tummeln sich auf Meierhof Günther Wohlrab, Vüarstäiha der oberfränkischen Eghalanda Gmoi z‘ Rawetz, berichtet über die Eröffnung des Volkstrachtenmuseums in der mittelböhmischen 206-SeelenGemeinde Wostrau/Ostrov im Kreis Chrudim Anfang September.
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un stand wieder einmal eine „Dienstreise“ in die Tschechische Republik an. Eingeladen hatte Alois Rott, Vorsitzender des Bundes der Deutschen–Landschaft Egerland. An diesem Samstag trafen sich um sechs Uhr früh Alois Rott, Jaroslawa Arendášová und ich bei Georg Pötzl in Eger, der an jenem Tag unser Fahrer war. Da es ein schöner und sonniger Tag war, bereitete die Fahrt trotz ihrer Länge FreuBochdanetscher Kirche Mariä Verkündigung.
de, und ich lernte wieder einige schöne Regionen unseres Sudetenlandes kennen. Gegen zehn Uhr waren wir am Ziel unserer Reise, wo wir Bruno Püchner von der Eghalanda Gmoi z‘ München trafen. Das kleine, aber feine Privatmuseum, in einem ehemaligen gräflichen Meierhof untergebracht, machte einen feudalen und gepflegten Eindruck. Da wir selbstverständlich in Tracht unterwegs waren, wurden wir auch gleich als Egerländer erkannt. Empfangen wurden wir dort von dem aus der Region stammenden Volkskundler Museumskurator Jan Kuča, der uns auch gleich in die Museumsräume mit den Egerländer Trachten führte. Da die dort ausgestellten Trachten von den uns bekannten doch ziemlich abwichen, erklärte uns Jan Kuča, daß alle gezeigten Trachten aus dem gesamten Raum von Böhmen, Mähren und Schlesien des frühen 19. Jahrhunderts stammten. Er bedauerte, daß es ihm nicht gelungen sei, eine historische Chotieschauer Tracht zu bekommen. Die offizielle Eröffnung des Museums begann um elf Uhr.
Zu diesem Zeitpunkt waren schon weit mehr als 100 Besucher auf dem Meierhof. Darunter waren zahlreiche Trachtenträger aus den verschiedenen Heimatregionen der Sudetendeutschen und von regionalen Gruppen. Jan Kuča selbst trug eine Westmährische Tracht. Leider verpaßten wir unsere neue Heimatpflegerin Christina Meinusch, die laut Kuča aber ebenfalls gekommen war. Nach einem kleinen Imbiß und vielen interessanten Gesprächen mußten wir am Nachmittag wieder die Heimreise antreten. Die Ausstellung wäre bestimmt auch für die Trachtenwartinnen des Bundes der Eghalanda Gmoin hochinteressant. Ich will natürlich auch einiges Wissenswerte über Wostraus Nachbarort Bochdanetsch berichten, der zum Kreis Kuttenberg im Bezirk Mittelböhmische Region gehört. Wostrau wiederum gehört zum Kreis Chrudim in der Pardubitzer Region. Diese Region liegt in Ostböhmen, umfaßt aber auch historische Anteile Mährens. Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes Bochdanetsch erfolgte 1233 im Zuge eines Verkaufs durch den Hochmeister der Kreuzherren mit dem Roten Stern an ein nahes Kloster. In der Mitte des 14. Jahrhunderts kauften Edelleute das Dorf und die umliegenden Gebiete des Klosters und errichteten dort einen Herrensitz. 1514 erhob Vladislav II. das Dorf zu einer Minderstadt. Es wird angenommen, daß zu dieser Zeit eine Pfarrschule bestand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besuchten nach der Einführung der Schulpflicht 100 Kinder, die auch aus den umliegenden Dörfern kamen, die Bochdanetscher Schule. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurde Bochdanetsch 1850 zu einer selbständigen Gemeinde. Östlich des Dorfes wird in einem Steinbruch Amphibolit gewonnen. Der Bruch ist in seinen teuferen Abbauen zu einem Steinbruchsee abgesoffen. Betreiber ist seit 1971 die heutige Silnice ČáslavHolding. Im westlich des Ortes gelegenen Steinbruch wird ein dolomitischer Marmor gefördert. Laut Volkszählung vom Januar 2021 hat Bochdanetsch 431 Einwohner.
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oderator Rainer Karlitschek begrüßte die an 51 Computern, Smartphones oder Telefonen zugeschalteten Teilnehmer, eine Zuschaltung kam aus Brasilien. Das Thema sei ein Dauerbrenner, denn bereits im Mai 2020 sei der Synodale Weg Inhalt des Themen-Zooms gewesen – damals mit dem Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Professor Thomas Sternberg. Diesmal stand mit Lukas Nusser, der aus dem Schwarzwald stammt und im Herbst 2020 an der Universität Mannheim ein Studium zum Unternehmensjuristen begann, der jüngste Synodale Rede und Antwort. Ehrenamtlich ist Nusser seit 2018 Diözesanleiter der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in der Erzdiözese Freiburg. Er hatte sich für den Synodalen Weg um einen der 15 Plätze für unter 30jährige beworben und wurde aus mehr als 200 Bewerbern ausgewählt. Auf der ersten Synodalversammlung wurde er zudem in das Forum Macht und Gewaltenteilung gewählt. Gleich zu Beginn wurde Nusser deutlich. Er sei frustriert, der Synodale Weg werde als das verkauft, was er nicht sei. Seiner Ansicht nach werde zu viel geredet und würden zu wenig die vorliegenden Dokumente bearbeitet. Oft kämen Themen in die Diskussion, in denen man sich dann verliere. Er stellte fest, daß mit dem Synodalen Weg auch keine exekutive Gewalt verbunden sei und es keine Rechenschaftspflichten gebe. Die Bischöfe müßten nur dem Papst berichten. Ihm sei eine gewisse Geistlichkeit des Prozesses und der einzelnen Veranstaltungen oder Schritte wichtig. Positiv an der jüngsten Zusammenkunft in Frankfurt sei, daß sich nun auch die Bischöfe
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an den Gesprächen und Debatten beteiligt hätten. Die ersten Treffen seien noch stark von Laien geprägt gewesen. „Das sind erste Schritte in der Richtung eines richtigen Gesprächs.“ Zu den aktuellen Entwicklungen gehört auch das vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Synodalforum 1 „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“ erst kurz vor der Sitzung vorgelegte Alternativpapier. „Wie soll man damit umgehen?“, drückte Nusser sein Unverständnis mit dem Zeitpunkt aus. Zu Beginn des Prozesses habe man sich nämlich auf bestimmte Regeln geeinigt.
Etwas provokant fragte Professor Bernhard Dick, ob in der Kirche alles akzeptabel sein müsse, was in der Gesellschaft akzeptabel sei, und ob die Diskussion über die Attraktivität der Kirche, ihre Glaubwürdigkeit und Zukunftsfähigkeit öffentlich sein müsse. Nusser verwies nochmals auf die Ungleichbehandlung der Geschlechter. Er meinte, die Frauenordination sei ein wichtiges Thema, um Mißbrauch nicht mehr zu begünstigen. „Die Kirche muß ihre Strukturen mit ihrer Lehre legitimieren. Da muß Demokratie möglich sein. Demokratie und Wahrheitsfindung sind keine Gegensätze.“ Die weltkirchliche Dimension brachte Rainer Karlitschek in die Diskussion. Nusser verwies auf rund 20 internationale Beobachter, Kleriker und Laien verschiedener Religionen und Konfessionen. „Der Synodale Weg „Der alternative Text ist kein ist ein Tanz auf der Rasierklinfaires Verfahren, das sind Gas- ge, die Themen sind überall relighting-Methoden.“ Nusser levant, auch in anderen Ländern. sprach von „Sprengen und Sa- Die Reform schwächt eher Rom, botieren des Synodalen We- weniger die Weltkirche.“ Nusser ges“. Die in Voderholzers Text verhehlte nicht, daß Antworten erwähnte Evangelisierung sei für aus dem Vatikan mitunter lange ihn kein Grundanliegen des Syn- auf sich warten ließen. odalen Weges. „Wir haben die Den von Papst Franziskus inPflicht, die systemischen Fakto- itiierten weltweiten Synodaren von Mißbrauch zu verhin- len Weg und dessen Bezug zum dern.“ deutschen Procedere sprach Jean Nussers relativ kompaktes Ritzke Rutherford an. „Wenn Statement brachte mehr Zeit Papst Franziskus etwas dagegen für Fragen und die Diskussion. hätte, müßte er es klar sagen. Er Karlitschek interessierten die versucht, den Machtverlust der GrundpfeiKirche noch etler der Kirwas hinauszuche, die mit zögern. Synodader Gegenle Wege gibt es wart abgegliauch in anderen chen werden Ländern. Die müßten. NusWeltsynode hat ser verwies ein anderes Ziel, auf die Frühdie Synodalität jahrs-Vollverinsgesamt“, sagsammlung te Nusser. der DeutNussers schen Bi- Lukas Nusser auf einem Plakat des Wahrnehmung BDKJ Freiburg. Bild: BDKJ Freiburg des Klerus inschofskonferenz 2019 im teressierte Proniedersächsischen Lingen. Da- fessor Michael Danzer, konkret nach sei mit dem Zentralkomi- die Frage nach einer Kirchentee der deutschen Katholiken spaltung oder eher ein Aussitzen entschieden worden, die mit den und Reden lassen, so daß sich Mißbrauchsfällen zusammen- die Dinge wieder verliefen. „Die hängenden Fakten und Fragen Leute merken, daß etwas passieanzugehen, aus denen viele an- ren muß. Aber es besteht wohl dere Aspekte abzuleiten seien. kein zeitlicher Druck“, beschrieb Ein Beispiel sei die Ungleichbe- der junge Synodale die Situatihandlung der Geschlechter. Zum on. Zusammenfassend meinte er, Thema „Demokratische Struk- daß die Grundtexte in eine gute turen“ meinte Nusser, paradox Richtung gingen und zu einem sei, daß diese in der Kirche nicht reflektierten Verständnis über möglich sein sollten. Macht beitrügen. Markus Bauer
udetendeutscher Volkstanzkreis Lauf/Eckental. Wie gut das neue Sudetendeutsche Museum ankommt, zeigte sich beim Besuch einiger Mitglieder des Sudetendeutschen Volkstanzkreises Lauf/Eckental aus Mittelfranken Anfang Oktober in München. Jung und alt fanden die Darstellung der Kultur und des Lebens der Sudetendeutschen ebenso hochinteressant wie die Aufbereitung historischer Fakten. Besonders beeindruckend sind die moderne Gestaltung und die zeitgemäße mediale Aufbereitung der Inhalte. Ein Besuch im Museum lohnt sich – nicht nur einmal.
Heimataltar in der Wallfahrtskirche Maria im grünen Tal. Bild: Hans-Peter Dörr
Vertriebenenwallfahrt
Mixas roter Faden Die letzte der jährlichen Wallfahrten im September zu Maria im grünen Tal in Retzbach im unterfränkischen Kreis MainSpessart ist traditionsgemäß die Vertriebenenwallfahrt.
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eit 1982 kommen die in der Diözese Würzburg gestrandeten Vertriebenen hier zusammen. Heuer begrüßte der ehrenamtliche Diözesan-Vertriebenenseelsorger Pfarrer Adam Possmayer Alt-Bischof Walter Mixa als Hauptzelebranten und Prediger. Leider verhinderte Corona die Fußwallfahrt von Thüngersheim durch die Weinberge und die Lichterprozession um die Kirche. Man wird sehen, was nächstes Jahr beim 40. Wallfahrtsjubiläum möglich sein wird. Hinter den Fahnen- und Trachtenabordnungen der Landsmannschaften und der Akkermann-Gemeinde zogen die Ministranten, darunter zwei Oberschlesier in Bergmannstracht, ein. Vor Bischof Mixa reihten sich die Konzelebranten Pfarrer Josef Zwickl und Michael Rompf ein. Pastoralreferentin Barbara Stockmann hieß die Gläubigen willkommen. Pfarrer Possmayer dankte Mixa für sein Kommen. In seiner Predigt sagte Bischof Mixa: „Je mehr die Menschen Maria verehren, desto größer wird die Hingabe und Verbundenheit mit Jesus Christus.“ Jesu und Mariä Leben zog sich wie ein roter Faden durch die Predigt. Bei der Schilderung der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten ließ Mixa seine Vertreibung einfließen. Er beklagte, daß in den Familien heute kein Zusammenhalt mehr bestehe und so die Jugendlichen nicht mehr so leicht in die Freundschaft mit Jesu hineinwachsen könnten. Maria sei uns als großes Glaubenszeugnis, als Mutter, gegeben. In der Taufe seien wir in das Leben Jesu hineingenommen. Während der Fürbitten brannten am Altar der Heimat die Kerzen mit den Wappen der Landsmannschaften vor den Bildern ihrer Schutzheiligen. Die Fürbitten widmeten sich den Sorgen und Nöten der Menschen in der alten und neuen Heimat. Während des Pontifikalgottesdienstes stand das Wander-Nagelkreuz als Versöhnungszeichen auf dem Altar. Dieses war der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Würzburg von der ökumenischen Nagelkreuzbewegung Würzburg für zwei Jahre anvertraut worden. Statt der üblichen Lichterprozession um die Kirche zogen die Geistlichen mit den Fahnenträgern der Landsmannschaften durch die Kirche und sangen das Retzbacher Wallfahrtslied und die Grüssauer Marienrufe. Vor dem Schlußsegen von Bischof Mixa beteten die Wallfahrer das für diese Wallfahrtssaison gestaltete Gebet an Maria. Dieses endete mit der Bitte: „Bewahre auch uns in deinem Herzen, und laß unser Herz deinem ähnlich sein.“ Hans-Peter Dörr
� Karlsbad/Egerland
� Sprachinsel Olmütz
Marsch für Dauerwelle Am 6. Februar jährte sich zum 140. Mal der Geburtstag von Josef Mayer, einem der Großen im Friseurhandwerk.
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osef Mayer erlebte Armut und das Ringen um die Existenz sowie Reichtum und Prominenz. Aber vor allem war er ein Mann, der seinen Beruf über alles liebte. Als Vollender der Nessler-Dauerwelle ging er in die Geschichte ein. Ohne seinen Erfindergeist wären die heutigen DauerwellenTechniken nicht denkbar. Als er am 5. Januar 1952 starb, hinterließ er keine materiellen Reichtümer. Aber Friseure rund um die Welt traten sein Erbe an. Josef Mayer kam 1881 in Parabutsch zur Welt. Das liegt in der damals zu Ungarn gehörenden Batschka. Die meisten Einwohner waren Deutsche. Heute ist der Ort serbisch. Mayer verließ schon früh seine Heimat, um als frischgebackener Geselle auf seiner Wanderschaft Budapest, Triest, Wien, Paris und London kennenzulernen. Mit 25 Jahren bekam er in Nizza den Titel Professor der Haarkunst. 1906 ließ er sich in Karlsbad nieder. Hier fand 1909 die schicksalhafte Begegnung mit dem in London lebenden Badenser Karl „Charles“ Nessler statt. Dieser hatte eine Methode entwickelt, nach der er das Haar mit einer speziellen Flüssigkeit benetzte, danach straff auf Metallstäbchen wickelte und das Ganze mit Hilfe glühender Zangen so lange erhitzte, bis das Haar sich kräuselte. Mayer erkannte, daß dieses Konzept weiter entwickelt werden mußte. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine Forschungsarbeiten. Er diente in einem ungarischen Regiment an der Ostfront. 1924 stellte er einen Dauerwellenapparat mit seiner neuen Flachwelltechnik vor. Nach anfänglicher Skepsis begann schon bald die Zeit eines ungeahnten Erfolges. Beim DauerwellenMayer in die Schule zu gehen, war bald das Ziel von Fachleuten aus aller Herren Länder. Unzählige Ehrungen wurden dem Meister zuteil. Ein Karlsbader Musikdirektor schrieb für ihn den „Dauerwellenmarsch“, die Amerikaner benannten eine Straße in Cincinneti nach seinem in Amerika patentierten System. Karlsbad bedeutete für Josef Mayer die Krönung seines schaffensreichen Lebens. Viele Prominente gaben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Sogar die serbische Königin und die Königinmutter von Rumänien ließen sich von ihm verschönern. Der Zweite Weltkrieg machte all dem ein Ende. Nach dem Krieg wurde Josef Mayer mit seiner Familie vertrieben, seine Salons blieben zurück. Im unterfränkischen Oerlenbach bei Bad Kissingen fand er ein neues Zuhause. Georg und Karl Ströher, die Erben des Darmstädter Wella-Konzerns, holten ihn später nach Darmstadt. Dort starb er 1952. Ulrike Baier
Josef Mayer
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Bischof Bruno Jiří Gangur, Erik Flöter und Erik Buchholz bei der Stele in Johnsdorf. Rechts Štěpánka Šichová, Yannick Meinusch, Andrea Winter, Erik Flöter und Quillana Schwanse an der Gedenkstätte auf dem Buchenberg.
� Heimatkreis Braunau/Heimatlandschaft Riesengebirge
Die Zukunft im Blick Die im vorigen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abgesagten Tage der Begegnung zwischen dem Heimatkreis Braunau im Riesengebirge und der Stadt Braunau/Broumov sowie weiteren Gemeinden im Braunauer Land wurden in den ersten Oktobertagen nachgeholt.
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achdem im Jahr 2020 ein zentrales Gedenken für die im Mai 1945 im Braunauer Ländchen ermordeten Deutschen Corona zum Opfer gefallen war, wurde dies Anfang Oktober eindrucksvoll nachgeholt. Bei dem Sammelgrab auf dem Braunauer Friedhof, in dem die Erschossenen aus der Sandgrube in Dittersbach beigesetzt sind, wurde in einer einfachen Zeremonie ein Blumenstrauß niedergelegt. Zum Buchenberg oberhalb von Wekels- Denkmal auf dorf waren da- berg. gegen außer der 20köpfigen Delegation des Heimatkreises Braunau mehrere Einwohner und die Repräsentanten der Stadt gekommen. Am 30. Juni 1945 holten der tschechische Stabskapitän Václav Svoboda und seine Soldaten im Zusammenwirken mit dem Vorsitzenden des örtlichen Nationalausschusses, Miroslav Rýdl, im Zuge der Wilden Vertreibung 23 Menschen aus ihren Häusern in Wekelsdorf. Diese trieben sie zunächst nach Niederschlesien. An der Grenze wiesen die polnischen Milizen den Treck zurück. Daraufhin erschlugen und erschossen Svoboda und seine Mannen die elf Frauen, darunter eine Tschechin, acht zumeist ältere Männer sowie vier Kinder unmittelbar an der Grenze. 2002 wurde am Buchenberg unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit eine Gedenkstätte errichtet. Sie besteht aus einer im Wald am Ort des Massakers aufgestellten Stele mit einer aus dem Stein herausgearbeiteten kreuzförmigen Blume und der zweisprachigen Inschrift „Den Opfern des Unrechts“. Von dort führt ein etwa 300 Meter langer stilisierter Kreuzweg mit 23 grob behauenen 80 Zentimeter hohen Steinen bis an den Waldrand. Dort steht ein vier Meter hohes Denkmal aus zwei eng nebeneinander stehenden Sandsteinblöcken ungleicher Höhe. Der dazwischenliegende Spalt symbolisiert die Silhouette eines zwischen den Steinen eingezwängten Menschen. Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz und Braunaus Bürgermeister Josef Bitnar stellten ihre Ansprachen unter das Motto „Gegen das Vergessen“ und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß solche Ereignisse nie wieder passieren dürften. Symbolisch legten die vier jüngsten Mitglieder der Heimatkreis-Delegation
mit Štěpánka Šichová, Leiterin triebenen zu ihrer Heimat und des Vereins für deutsch-tschechi- den Blick von tschechischen Persche Verständigung Riesengebir- sönlichkeiten aus dem Braunauge, der auch das Begegnungs- er Land und der Universität Parzentrum in Trautenau betreibt, dubitz auf die Vertreibung und Blumen nieder. die Wiederbegegnung der verBei dieser Gelegenheit wur- triebenen Deutschen mit ihrer den die frühere Wekelsdorfer Herkunftsregion berichtet. Bürgermeisterin Věra Vítová soBuchholz ist freischaffender wie Irena Pospíšilová, die Toch- Maler im thüringischen Gera. ter der bei dem Massaker ermor- Zur Vernissage einer Ausstellung deten Tschechin Marie Wicht- mit seinen Bildern fand im eherei, für ihre Verdienste bei der maligen Oberen Schloß – dem Entstehung und der Pflege die- jetzigen Rathaus – in Wekelsser Gedenkstätte dorf in dessen überfülltem Foyer mit der Braunau- eine Kulturveranstaltung statt. er Medaille ausge- 1897 bis 1944 lebte in diesem zeichnet. Schloß die Lyrikerin Gertie HemDas übrige um- pel-Faltis. Die vielseitige Musifangreiche Pro- kerin Sandra Siegmeier hatte degramm war vor al- ren Gedichte vertont und trug ihlem Zukunftspro- re eindrucksvolle Interpretation jekten gewidmet. vor. Einfühlsam steuerte Helga Nach der tradi- Buhl die tschechische Übersettionellen Begrü- zung bei. ßung bei einem Zum Schluß führte eine festlichen Abend- deutsch-tschechische Freundessen durch den schaftswanderung von BischofBürgermeister Bit- stein über Dreiborn nach Ober nar gab es inten- Wernersdorf. Auch die Bürgersive Gespräche meister Bitnar aus Wekelsdorf über die Einbin- und Jiří Gangur aus Jibka wandem Buchen- dung des Heimat- derten mit. Dabei konnten viele kreises Braunau Kulturdenkmale im Gemeindeund des Braunau- gebiet von Jibka in ihrem höchst er Heimatmuseums in Forchheim unterschiedlichen Zustand bein die Ausgestaltung der Bewer- trachtet werden. Das Denkmal bung der Stadt Braunau als Euro- für die Opfer des Ersten Weltpäische Kulturhauptstadt 2028. kriegs in Dreiborn harrt noch der Auch Jan Školník, Gründer Renovierung; eine in der Nähe und Vorsitzender der Agentur stehende Statue mit den Heilifür die Entwicklung des Brau- gen Drei Königen zeigt sich danauer Ländchens, war gekom- gegen stolz im besten Zustand. men. Mit ihm wurden Projekte Die Kirche Sankt Maria Magerörtert, die wichtig sind für die dalena in Ober Wernersdorf wurBewahrung von Kulturdenkma- de nach der Vertreibung der len aus der deutschen Vergan- Deutschen weder zerstört noch genheit wie das Benediktinerklo- ausgeraubt, aber in ihr finden ster in Braunau. Ebenso wurden keine Gottesdienste mehr statt. Projekte erörtert, die helfen, die Sie dämmert in ihrem seit 76 JahStadt weiterzuentwickeln, wie ren unveränderten Zustand dadie Wiederherstellung des rui- hin. Auf einem Hügel oberhalb nösen Stadthotels am Ringplatz des Kerns von Jibka konnte eioder der Neubau ne in Privatinitiaeines Museums, tive prächtig remöglicherweistaurierte Dreifalse unter Einbezietigkeits-Statue hung von Exponabesichtigt werden. ten des Braunauer In Johnsdorf Heimatmuseums. steht seit weniMit Vertregen Jahren eine in tern der GemeinZusammenarbeit de Märzdorf/Marzwischen den von tínkovice wurdort vertriebenen de die von der in Deutschen und Deutschland leden neu in diebenden und aus sem Ort lebenden dem BraunauTschechen enter Land stammenworfene Stele. Auf den Tschechin deren drei Seiten Dagmar Heeg besteht die gesamte treute tschechiGeschichte dieser sche Übersetzung Gemeinde und ihdes vom Heimat- Dreifaltigkeitssäule ober- rer jeweiligen Bekreis Braunau halb von Jibka. wohner in tscheherausgegebechischer, deutnen Gemeindebuchs „Märzdorf“ scher und englischer Sprache. weiterentwickelt. Besondere AufBesonders erfreulich bei diemerksamkeit fanden die Brau- sen Tagen der Begegnung war nauer Gymnasiastin Kateřina das Zusammentreffen junger Židová und der in Wekelsdorf le- Menschen aus beiden Nationen. bende und in Pardubitz studie- Sie fanden sich nicht nur manchrende Ondřej Valchář. Židová be- mal zu eigenen Gesprächsrunden treibt ein Interview-Projekt mit zusammen, sondern schmiedeTschechen und Deutschen über ten bereits Pläne für ein eigenes ihre Verbindung zum Braunauer Begegnungs-Projekt. Vielleicht Land. Valchář hatte gerade einen treffen sie sich bald auf dem HeiFilm mit deutschen Untertiteln ligenhof in Bad Kissingen. fertiggestellt, der über die Bezie Günter Reichert hung von Braunauer Heimatver-
Der vor 740 Jahren gestorbene Bruno von Schaumburg wird als der zweite Begründer des Bistums Olmütz und als der vergessene Pionier des deutschen Ostens bezeichnet. Er reformierte und reorganisierte das nach den Mongoleneinfällen Anfang der 1240er Jahre schwer getroffene Bistum Olmütz. Und er förderte den Landausbau in Schlesien und Mähren und gründete an die 200 neue Dörfer und Städte.
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ls dritter und jüngster Sohn des Grafen Adolf von Schaumburg und Holstein und dessen Gattin Adelheid von Hassel kam Bruno im Jahre 1205 in Schaumburg im Weserbergland zur Welt. Die Grafschaft Schaumburg erstreckte sich damals über das gesamte Gebiet zwischen dem Steinhuder Meer, Minden, Hameln und dem Deister. Als Nachgeborener wurde er, gemäß der damaligen Gewohnheit der Adelsgeschlechter, für den geistlichen Beruf bestimmt. Schon mit 24 Jahren bekleidete er ein hohes Amt am Lübecker Domkapitel, wurde Dompropst. Als Domprobst wirkte er auch in Hamburg und Magdeburg, wo er sich mit dem Magdeburger Stadtrecht vertraut machte und auf seine künftige Reformarbeit vorbereitete. Weil er in Magdeburg in Streitereien verwickelt war, zog er nach Rom, um sich zu rechtfertigen. Dort gewann er das Vertrauen von Papst Innozenz IV. und erhielt die Bestellung zum Bischof für das erledigte Bistum von Olmütz. Bruno mußte erst noch die Zustimmung des Böhmenkönigs Wenzel I. gewinnen, um sein Amt antreten zu können. Ihm gelang, seine Interessen mit dem König abzustimmen und nach dessen Tod auch in seinem Sohn Ottokar einen verständnisvollen Förderer zu finden. Bruno verfolgte eine papstkritische Kirchenpolitik. Bischof und König arbeiteten so gut Hand in Hand, daß spätere Historiker sie ein „gut funktionierendes Tandem“ nannten. Zeitgenössische Chroniken rühmen am Bischof sein Verhandlungsgeschick, seine Sprachenkunde und sein Organisationstalent. Brunos Amtsantritt in Olmütz fiel in eine ungünstige Zeit. Die Mongolen hatten weite Landstriche verwüstet und entvölkert, mithin die kirchlichen Strukturen vernichtet. „Das Raubgesindel hat viele tausend Christen getötet, unzählige sind auf der Flucht umgekommen, andere wurden gefangen genommen und in die Fremde geführt, weder Alter noch Geschlecht wurde geschont“, liest man in den „Jahrbüchern von Prag“. Erste Maßnahme des Bischofs war der Wiederaufbau des kirchlichen Lebens. Er legte neue Pfarreigrenzen fest, hielt regelmäßig Synoden ab und richtete Archidiakonate ein, an deren Spitze ein Archidiakon stand. Dieser hatte gegenüber den Geistlichen disziplinäre Vollmachten und kontrollierte deren korrekte Amtsführung.
Mit großem Eifer ging Bischof Bruno an den planmäßigen Landausbau seines Bistumsgebiets vor allem in den weitgehend unbewohnten Grenzregionen zu Polen und Ungarn. Hier traf er sich mit dem Bestreben König Ottokars, weitere feindliche Überfälle in Zukunft durch die Errichtung von Befestigungsanlagen zu verhindern. Der Bischof holte Ritter und Reisige – das sind Soldritter oder Berittene niederen Standes – aus dem heimischen Weserbergland und anderen deutschen Regionen und überführte sie in das Dienstmannenverhältnis der Olmützer Kirche. Mehrere dieser Männer sind uns namentlich bekannt wie Brunos Truchseß Herbord mit seinen drei Söhnen, sein Marschall Helembert, der Schenk Nikolaus, Johann von Vrolenwezen, Ulrich von Hohenbüchen, Dietrich von Rottorf oder Achilles von Heimsen. In einer Urkunde ist von mehr als 50 Personen die Rede, die vom Bischof in seine Beamtenschaft aufgenommen wurden. Die erhielten den Auftrag, den Landausbau zu organisieren, Bauern, Kaufleute und Handwerker als Siedler anzuwerben, das Land zu vermessen und Lokatoren zu gewinnen. Die schwierigste Arbeit lag auf den Schultern der Lokatoren. Sie stellten eine Siedlergruppe zu einem Treck von mehreren Dutzend Familien zusammen und machten sich mit ihnen mit Sack und Pack, mit Saatgut, Haustieren und Ackergeräten auf den Weg ins Unbekannte. Der Bischof führte in den neuen Siedlungen das deutsche Lehnswesen und das Magdeburger Vasallenrecht ein. Allein im Olmützer Bistum wurden etwa 200 deutsche Städte und Dörfer angelegt, das slawische Gebiet wurde ausgebaut und an die 25 000 Siedler aus allen deutschen Stämmen herangezogen, wie man durch Untersuchung ihrer Mundart feststellte. Im 13. Jahrhundert hatte Mähren die größte Pfarreidichte Europas. Ein Ziel hat Bischof Bruno nicht erreicht. Er wollte Olmütz zum Metropolitansitz für die gesamten österreichischen und böhmischen Länder sowie für Preußen und das Baltikum erheben. Das scheiterte aber am Einspruch des Papstes. Schwer muß den Bischof der plötzliche Tod seines Mitstreiters und Freundes König Ottokar getroffen haben. Der starb 1278 auf dem Schlachtfeld. Er begann zu kränkeln und folgte dem König am 17. Februar 1281 im Alter von 76 Jahren in die ewige Heimat. Deutsche Sprache, deutsches Rechtswesen und deutsche Kultur des Ostsudetenlandes, des angrenzenden Oberschlesiens und Nordmährens gehen zum großen Teil auf das Wirken von Bischof Bruno von Schaumburg zurück und prägten jahrhundertelang diese Regionen. Erst die Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg setzte diesem Zustand ein bedauerliches Ende. Julius Bittmann
Reicenberger Zeitung
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Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Kreis Friedland
Kreis Gablonz
David Černýs bronzene Kunstobjekte „Quo Vadis“ und „Bushaltestelle“ mit der Detailaufnahme der Konservendose und zwei Reichenberger Räucherwürsten mit Senf auf einer Pappschale. Bilder: Stanislav Beran
� Reichenberg
Neues Kunstwerk vor dem Rathaus Seit dem Jahr 2005 werden an der Ecke beim Rathaus im Zentrum der 104 000-Seelen-Stadt Reichenberg für die Dauer eines Jahres Kunstwerke verschiedener Künstler ausgestellt. Seit Anfang Oktober steht ein neues Kunstwerk vor dem Rathaus.
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orher glänzten blaue Glasblasen an der Rathausecke. Die Glasskulptur „Sublima“ wurde jetzt durch die 1990 entstandene Skulptur „Quo Vadis“, die einen Trabant mit vier Beinen darstellt, des Bildhauers David Černý ersetzt. David Černý (* 15. Dezember 1967 in Prag) ist ein tschechischer Künstler, der vor allem als Schöpfer kontroverser und provokativer Werke bekannt ist. „Quo Vadis“ ist sein erstes Werk, das größere öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Für dessen Produktion lieh sich Černý angeblich Geld von seinem Vater. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Skulptur kaufte er sich ein Auto. Am 7. November 1957, dem 40. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, begann in der sächsischen Stadt Zwickau die Produktion ei-
ner Probeserie von 50 Kleinwagen. Ihre Bezeichnung P 50 änderte sich bald in den bekannten Namen Trabant. Das Wort Trabant ist ursprünglich die deutsche Übersetzung des russischen Wortes „Sputnik“. Das Auto trug den Spitznamen „Rennpappe“. Man konnte es buchstäblich „auf dem Knie“ reparieren. Außerdem war es für viele das erste erschwingliche Auto überhaupt. Die Wartezeit für diesen Kleinwagen betrug zwölf bis 15 Jahre. Der Fall des Eisernen Vorhangs bedeutete sein Ende. Am 30. April 1991 lief der letzte Trabi vom Band. Die Bronzeskulptur des „DDR“-Autos, die anstelle von Rädern vier robuste Beine hat, ist eine originelle und zugleich traurige Erinnerung an die Ereignisse vom September 1989, als die Deutsche Botschaft in Prag zu einem vorübergehenden Zufluchtsort für mehr als 4000 Bürger aus der „DDR“ wurde, die in die Botschaft geflohen waren, bevor ihnen die Ausreise in die Bundesrepublik erlaubt wurde. Dabei ließen viele von ihnen ihre in den Straßen von Prag geparkten Trabis, das damalige Sym-
bol für die „DDR“, zurück. Die Beine der Skulptur symbolisieren die Flucht der Bürger aus der „DDR“. Zwei identische Abgüsse wurden angefertigt. Reichenberg hat sich die Kopie ausgeliehen, die letztes Jahr in Potsdam anläßlich der 30-JahrFeier der deutschen Wiedervereinigung ausgestellt wurde. Das Kunstwerk erinnert an den Zusammenbruch des kommunistischen Systems in der „DDR“. Eine Kopie steht in der Deutschen Bot- David Černý schaft in Prag. Das Original befindet sich in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. Nicht weit entfernt – hinter dem Theatergebäude – ist ein weiteres Černý-Kunstwerk zu sehen. „Bus haltestelle“ von 2005, im Volksmund „Fest der Giganten“, erinnert an die Vergangen-
heit der Stadt. Während „Bus haltestelle“ Reichenberg dauerhaft schmücken wird, bleibt „Quo Vadis“ nur bis zum nächsten Herbst vor dem Rathaus. Alles, was sich an der „Bus haltestelle“ befindet, ist mit der Vergangenheit und Gegenwart der Region Reichenberg verbunden. Nach Ansicht des Künstlers symbolisieren die Bronzeobjekte die ehemalige tschechisch-deutschjüdische Gemeinschaft. Die Grundform der Bushaltestelle ist ein riesiger Tisch aus Bronze mit einer Tischdecke, der als Dach dient und stilistisch an das in dieser Region im späten 19. Jahrhundert gebräuchliche Mobiliar erinnert. Die fünf Stühle für die wartende Fahrgäste unter dem Dach zeigen eine ähnliche Quelle der Inspiration.
Auf dem gedeckten Tisch stehen ein deutscher Bierkrug mit kunstvollem Metalldeckel, ein umgeworfener jüdischer Kerzenständer, der an die niedergebrannte Synagoge, die in der Nähe stand, erinnert, ein tschechisches Bierglas, eine Blumenvase, die einem historischen Gefäß aus dem Reichenberger Museum nachempfunden ist, eine fleischfressende Pflanze, die sich in der Blumenvase befindet und auf die einzigartige Sammlung im Reichenberger Botanischen Garten verweist, und eine historische Bierflasche, die der Künstler angeblich irgendwo in der Gegend von Friedland fand. In der Mitte des Tisches befindet sich ein Kopf mit Brille, aufgespießt auf eine Gabel. Der soll für alle ein Rätsel sein. Neben der Bushaltestelle steht ein Abfalleimer in Form einer Konservendose. Zwischen Bus haltestelle und Abfalleimer liegen zwei Reichenberger „Rej cherwörschte“ mit Senf auf einem Pappteller auf dem Boden. Dieses Ensemble ist ebenfalls aus Bronze. Auf der Tischdecke, der fleischfressenden Pflanze und dem Messer krabbeln-
de Fliegen vervollständigen das Kunstwerk. Für dieses bezahlte das Kulturministerium mehr als vier Millionen Kronen. Weitere Gelder steuerten Sponsoren und die Stadt Reichenberg bei, die auch den angrenzenden Bürgersteig renovierte. Das neu installierte Kunstwerk vor dem Rathaus, der mehr als drei Tonnen schwere Trabi auf Beinen, ist 3,8 Meter hoch, 4,2 Meter lang und 1,6 Meter breit. Sein Aussehen entspricht dem Aussehen der Trabis im Jahr 1989. Der Transport von Deutschland nach Reichenberg und die anschließenden Aufstellungsarbeiten der Bronzefigur waren nicht kompliziert. Die Transportfirma, die sich auf die Beförderung schwerer Lasten spezialisiert hat, stellte sie an der Ecke vor dem Rathaus auf und verhüllte sie. Die gigantische Bronze-Skulptur mit dem außergewöhnlichen lateinischen Namen „Quo Vadis“ – „Wohin gehst du“ – wurde am 5. Oktober um 16.00 Uhr vor dem Rathaus in Reichenberg von Oberbürgermeister Jaroslav Zámečník und David Černý feierlich enthüllt. Stanislav Beran
� Rabstein bei Böhmisch Kamnitz/Kreis Tetschen-Bodenbach/Elbetal
Jugend-Arbeitslager in ehemaligem KZ Ende August bis Anfang September fand auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiter- und Konzentrationslagers Rabstein (Þ Reichenberger Zeitung 15/2020, Heimatruf 44/2020 und 45/2020) bei Böhmisch Kamnitz im ehemaligen Kreis Tet-
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ie Gruppe bestand aus zwei Spaniern und einer Spanierin aus Katalonien, die in Barcelona studieren, einem Italiener vom Gardasee, der in Mailand studiert, einem Franzosen, der in Lyon studiert, einem Sachsen, der in Dresden studiert, und zwei Niederbayern, die das Gymnasium in Pfarrkirchen besuchen, sowie einer deutschen und einer
Die Arbeitsgruppe mit Zeitzeugen.
schen-Bodenbach in der Heimatlandschaft Elbetal ein internationales Jugend-Work-Camp – Work ist das englische Wort für Arbeit und Camp für Lager, mithin ein Jugend-Arbeitslager – statt. Initiator war der Böhmisch Kamnitzer Bürgermei-
tschechischen Betreuerin, die IBG stellte. Untergebracht waren die Teilnehmer in Zwei-Mann-Zelten, die auf einer Wiese neben einem ehemaligen Fabrikgebäude standen. Dort gab es einen improvisierten Aufenthaltsraum, in dem sie auch gemeinsam kochen und essen konnten. Das trug natürlich sehr zum Zusammenhalt der
Gruppe bei. Das Essen war international, jeder leistete einen Beitrag aus seinem Heimatland. Die Umgangssprache war Englisch. Helmut Schmidt begleitete und unterstützte die Gruppe. Er kam in Böhmisch Kamnitz zur Welt und lebt heute in Berlin. Dank seiner Ortskenntnisse und seiner didaktischen Erfahrungen als Hochschulprofessor machte er die jungen Leute mit der Geschichte des KZ und der Umgebung vertraut. Bei den praktischen Tätigkeiten packte er sogar selbst an. Dank der Förderung aus dem Bundesinnenministerium konnte er auch Fahrten in die nähere und weitere Umgebung organisieren. Mit den jungen Leuten legte er einen ehemaligen Folterkeller, dessen Mauerreste Pflanzen überwuchert hatten, mit sei-
ster Jan Papajanovský. Die Organisation Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten/ Workcamps (IBG) hatte das Unternehmen ausgeschrieben und ausgerichtet. Zur Teilnahme aufgefordert waren junge Menschen ab 18 Jahren, nen Zugängen frei und entfernte Schutt und Erde. In diesem Keller sind laut Gerichtsakten des Kuhn-Prozesses in Bremen 1949/51 zahlreiche Deutsche zu Tode gequält worden. Eine Gedenkstätte an dieser Stelle rechtfertigt das Motto des Arbeitseinsatzes, einen Ort der Verständi-
die bereit waren, unter persönlichem Einsatz historisch bedeutende Stätten zu pflegen, freizulegen und so einen Beitrag zur Versöhnung der Völker im Sinne der europäischen Einigung zu leisten.
gung zu schaffen, der auch der inhaftierten und der zu Tode gequälten Deutschen nach dem 8. Mai 1945 gewidmet ist. Die Freizeitaktivitäten waren vielseitig. Neben Ausflügen in die weitere Umgebung organisiserten die jungen Leute selbst Unternehmungen wie den Be-
Schüler des English College in Prag zu Gast bei der Arbeitsgruppe in Rabstein.
such des „Water Parks“ in Tetschen-Bodenbach, eine Zugreise nach Prag, die Erkundung des nahen Nationalparks Böhmisch-Sächsische Schweiz sowie die Stadt Böhmisch Kamnitz mit ihrem gut erhaltenen, barocken Stadtzentrum. Lesen Sie auf Seite 13 weiter
REICHENBERGER ZEITUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Fortsetzung von Seite 12
Ein Isergebirgler mit Herz, Geist und Seele
Arbeitslager … Ein Höhepunkt war das Treffen mit Schülern des English College in Prag (ECP). Diese widmen sich ebenfalls der Aufarbeitung der Geschichte dieser Gegend, besuchen regelmäßig Böhmisch Kamnitz mit dem KZ Rabstein und führen Gespräche mit Zeitzeugen. Vier Zeitzeugen schilderten ihre persönlichen Erfahrungen und stellten sich den Fragen der jungen Leute. Schulleiter Nigel Brown sagte, der Wert dieser Begegnungen liege darin, den Schülern lebendige Geschichte zu vermitteln, die mehr wert sei als Geschichtsbücher lehren könnten. Nach einem Empfang des Bürgermeisters im ehemaligen, schön restaurierten Rathaus, einem Stadtrundgang und den Dialogen mit den Zeitzeugen wurde das Gelände des ehemaligen KZ Rabstein besucht. Hier konnte die Arbeitsgruppe stolz die Ergebnisse ihrer Arbeit zeigen: die Pflege des antifaschistischen Mahnmals und die Freilegung und Säuberung eines Folterkellers des tschechischen KZ. Eine Ehrung der in der NS-Zeit umgekommenen Zwangsarbeiter am tschechischen Ehrenmal und am freigelegten Folterkeller für die dort bis zum Tod gequälten Deutschen nach 1945 schloß den Besuch ab. Die Schüler legten an beiden Orten Blumen nie-
Arbeitseinsatz in Rabstein: ein Zelt für zwei Mann. der und entzündeten Kerzen. Die Zeremonie, an der Bürgermeister Jan Papajanovský und Schulleiter Nigel Brown teilnahmen, wurde von einem tschechischen Zitterspieler mit sudetendeutschen Wurzeln, Michal Muller, begleitet. Er ist in der Umgebung von Böhmisch Kamnitz aufgewachsen und schilderte lebendig und anschaulich seine Erlebnisse und die Lebensumstände, denen er und seine Familie seit 1945 ausgesetzt sind. Auch dies war ein wertvoller Beitrag zum gegenseitigen Verständnis. Die jungen Menschen konnten Erfahrungen für ihr Leben sammeln, die ihnen die Bedeutung des europäischen Gedankens deutlich machten. So wächst Europa von der Basis her zusammen mit dem Ziel: „Erinnern – Verstehen – Versöhnen.“ Sieglinde Vendolsky
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Franz Neumann 80 Am 12. Oktober feierte der aus Mildenau im Kreis Friedland stammende Franz Neumann in München 80. Geburtstag.
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eichenberg. Seit dem 5. Oktober schmückt ein großformatiges Foto des Künstlerpräsidenten Václav Havel die Fassade des historischen Reichenberger Rathauses. Der Grund für diese Aktion ist leicht ersichtlich. Am 5. Oktober hätte Václav Havel seinen 85. Geburtstag gefeiert. Und am 18. Dezember jährt sich sein Todestag im Jahr 2011 bereits zum zehnten Mal. Am Tag dieses traurigen Jubiläums wird sein Porträt abgenommen. Rechts David Černýs „Quo Vadis“ zwischen zwei Trabis ( Seite 12). Text und Bild: Stanislav Beran
Isergebirge
Wittighaus verschwindet Das Wittighaus/Horská chata Smědava, ein beliebter Einkehrort für Wanderer, Radfahrer und Skilangläufer in Weißbach/ Bilý Potok, ist fast weg. Dach und erste Etage der Berghütte wurden in diesen Tagen abgerissen. Und der Abriß geht weiter.
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dem Weg vom Friedländer Zipfel nach Harrachsdorf dringend einer Sanierung bedarf. Laut dem Weißenbacher Bürgermeister Pavel Šercl bewilligte das Haindorfer Bauamt bereits den Abriß. „Der Besitzer hat bestimmt auch die Zustimmung des Naturschutzgebietes Isergebirges gebraucht. Die beiden Entscheidungen konnte die Gemein-
er schlechte technische Zustand und der Holzwurmbefall waren die Hauptgründe, warum die zuständigen Behörden den Abriß der berühmten Berghütte Wittighaus bewilligten. „Die Hütte hätte bereits im März abgerissen werden sollen. Das verzögerte sich bis jetzt“, bestätigte Jaroslav Postkarte vom Wittighaus in deutscher Zeit. Demčák, Bürgermeister von Haindorf. de, auf deren Gebiet die BergAuf dem Grund solle eine baude liegt, nicht beeinflussen“, neue moderne Hütte mit vielen ergänzte Šercl. Selbst die HütFenstern entstehen, die den heu- tenmitarbeiter wissen nicht viel tigen Bedürfnissen der Touri- über die Pläne der Eigentümer sten besser entspräche. „Die ur- der Bergdominante. „Der Imbiß sprünglichen Pläne und Visio- auf der Terrasse ist und bleibt ofnen von 2017 mußte der Besitzer fen. Und auch im Winter finden ändern, trotzdem fällt das neue uns die Skiläufer da“, versicherte Vorhaben etwas größer aus“, be- eine langjährige Kellnerin. merkte er. Zu Beginn des 19. JahrhunAlle Liebhaber des Isergebir- derts gründeten Holzfäller, Köhges kritisieren zwar den Abriß. ler und Viehhirten den Ort. WähDoch die meisten wissen, daß die rend der Marienwallfahrten Hütte auf 847 Metern Höhe auf zogen Pilger aus Tannwald, de-
ren Ziel die Wallfahrtskirche in Haindorf war, an ihm vorbei. Früher befand sich dort auch eine Zollwache. Die erste Bergbaude wurde 1841 errichtet, sie brannte 1932 ab. Die heutige Baude wurde 1935 nach einem Entwurf des Architekten František Zajdl errichtet. Mehrmals wurde sie teilweise renoviert. Heute suchen den Ort Wanderer nicht nur wegen der einzigartigen Aussicht und Lage, sondern auch wegen Heidelbeerknödeln auf, die dort die ganze Sommersaison angeboten werden. Eigentümer des Wittighauses ist Jindřich Řehák. Er besitzt auch das Hotel Montania bei der Darretalsperre im Isergebirge und das Hotel Antonie in Friedland. Für dieses Hotel erhielt er den dritthöchsten EU-Zuschuß für ein privates Hotel in der Tschechischen Republik. Er wurde auch im Bestechungsfall des Politikers David Rath aktenkundig. Er verließ das Gericht mit einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren ohne Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Kronen. Nichtsdestotrotz baut er im Isergebirge munter weiter. Petra Laurin
chon im Kindesalter von zehn Jahren schrieb Klein-Franzi einen rührenden Artikel, der 1951 im „Friedländer Heimatbrief“ erschien. In kindlichen Versen drückte er seine Liebe zu Großmutters Haus in Mildenau aus, und diese Treue zu seinem Geburtsort begleitet ihn sein ganzes Leben. Über die Jahre hinweg schrieb Franz Neumann viele bemerkenswerte Artikel über interessante Themen aus der Isergebirgs-Region im „Friedländer Heimatbrief“.
Heimatkundler und Heimat-Pfleger Franz Neumann kennt sich bestens aus in seiner Region, in der Geschichte seiner Heimat. Seit den 1960er Jahren bereiste er regelmäßig seine Wurzel-Heimat, machte sich ein Bild über die Veränderungen der Ortsstrukturen und der lokalen Gesamtsituation. Immer trug er Fachliteratur für seine umfangreiche Bibliothek zusammen. Und er besitzt eine eindrucksvolle Sammlung historischer Postkarten. Mit großem ehrenamtlichen Engagement setzt er sich für die Pflege und für die Vermittlung des deutschen Kulturerbes von Nordböhmen ein. Er initiiert Renovierungen und Erneuerungen von beschädigten oder verlorenen Denkmalen für bedeutende Heimatsöhne wie den Maler Wenzel Franz Jäger, den Bauernbefreier Hans Kudlich oder für den Kuraufenthalt des Musikers Carl Maria von Weber sowie für weitere Persönlichkeiten mit Bedeutung für die Region zwischen Reichenberg und Friedland. Der Reisende, der sich heute auf die Spuren der ehemals deutschen Kultur in Nordböhmen begibt, kann Denkmale, Gedenktafeln, renovierte Gräber, Kapellen und Gedenksteine namhafter Personen der Geschichte jetzt wieder in neuem Glanz bewundern. Die Mühen, Aufwendungen und Kosten, die Franz Neumann zur Wiedererweckung vieler verlorener Monumente der Geschichte investierte, kann nur derjenige erahnen, der selbst solche Aktivitäten geleistet hat.
Wallfahrts-Manager Das ganze Herzblut unseres Jubilars steckt vor allem in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung der alljährlichen Wallfahrt zu Mariä Heimsuchung in Haindorf. Die weithin berühmte barocke Wallfahrtskirche mit ihrem illusionistischen Hauptaltar und der beeindruckend ausgemalten Kuppel zog schon unDie Isergebirgsbaude Wittighaus, tschechisch Horská chata Smědava, vor drei Monaten.
Bild: Pavel Sedláček
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren den treuen Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Oktober Geburtstag feiern oder einen Verstorbenen beklagen, und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Deutsch Gabel – Geburtstage: Am 2. Margit Dengler/Konschinsky (Stadtgraben 296), Sindelsdorfer Straße 52, 82377 Penzberg, 90 Jahre, und am 26. Burgl Krippner/ Kretschmer (Niemeser Straße 195), Eisenmannstraße 13, 87730 Bad Grönenbach, 86 Jahre. Othmar Zinner und Helga Hecht Groß Herrendorf – Sterbefall: Am 14. September starb der langjährige Ortsbe-
treuer Heinz Scholze mit 92 Jahren im baden-württembergischen Plochingen. „Lieber Gott, erhalte mir meine guten Ausreden“, steht unter seinem Bild auf der Parte. Wir werden unseren immer fröhlichen Landsmann fröhlich in Erinnerung behalten. Othmar Zinner
Schneckendorf, Joachimsdorf – Geburtstage: Am 18. Margit Pelda (Joachimsdorf Haus-Nr. 7), Istelstraße 19, 97828 Marktheidenfeld, 82 Jahre, und am 28. Rosemarie Fuhltritt/Nittel (Joachimsdorf HausNr. 3), Korower Chausee 211, 13125 Berlin, 79 Jahre. Johanna Gering
Hennersdorf – Geburtstag: Am 13. Christa Trappmann/Glathe (Haus-Nr. 20), Feldstraße 82, 47918 Tönisvorst, 85 Jahre. Rosl Machtolf
Zwickau – Sterbefall: Am 18. Juni starb Elisabeth Franke/Knespel, Odf-Straße 9, 06231 Bad Dürrenberg. Sie war am 27. September 1935 in Zwickau zur Welt gekommen und wohnte bis zur Vertreibung am Marktplatz 84. Um Elisabeth Franke/Knespel trauern ihr Mann Manfred Franke und ihre gemeinsamen Kinder mit Familien. Othmar Zinner
Seifersdorf – Geburtstag: Am 5. Gertrud Starke/Linke (Haus-Nr. 36), Südbergstraße 5, 73485 Unterschneidheim im Ostalbkreis, 85 Jahre. Othmar Zinner
sere Vorfahren in einen ehrfürchtigen Bann. Seit 1998 mit Rudolf Bergmann und seit 2008 ohne Bergmann legt sich Franz Neumann Jahr für Jahr so richtig ins Zeug, um den Wallfahrern einen perfekt organisierten Festgottesdienst und ein abwechslungsreiches Veranstaltungs- und Ausflugsprogramm für die Wallfahrtswoche zu bieten. An den Heimatabenden erfreut er sein Publikum mit eigenen MundartDarbietungen, Akkordeon- und Mundharmonika-Spiel. Corona warf alle liebgewonnen, gewohnten Traditionen über den Haufen. Franz Neumann leidet sehr darunter.
Fest verwurzelt in der SL Franz Neumann ist seit 54 Jahren Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft, war bei fast allen Sudetendeutschen Tagen, arbeitet seit seinen Studientagen mit Vorträgen und Aktivitäten für die Heimat. Im Arbeitskreis Sudetendeutscher Studenten war er Pressereferent. Später wurde er Kreisrat und Kulturreferent im Heimatkreis Friedland. Auch während seines langen Berufslebens als DiplomIngenieur der Elektrotechnik verlor er das Isergebirge nie aus dem Sinn. Franz Neumann ist Stiftungsrat in der Stiftung Isergebirgs-Museum. Täglich verfolgt er die Nachrichten in den nordböhmischen Medien. Er pflegt seine zahlreichen Kontakte zu den tschechischen Nachbarn. Und er berichtet weiterhin über aktuelle Themen und über seine Lebenserinnerungen im „Friedländer Heimatbrief“.
Franz und Friedrich Eine weitere Spezialität unseres Jubilars sind seine profunde Kenntnis und seine Liebe zum großen deutschen Dichter und Denker Friedrich von Schiller. In seiner Kindheit und Jugend wohnte Franz ganz in der Nähe von Friedrich Schillers ehemaligem Wohnhaus im schwäbischen Marbach am Neckar, wohin das Schicksal ihn und seine Familie nach der Vertreibung und einer Zwischenstation im mecklenburgischen Bützow gelenkt hatte. Nachbarschaftlich inspiriert und fasziniert von Schillers Werken, entwickelte er tiefes Interesse und große Bewunderung für dessen Leben und Werk. Wir wünschen dem Jubilar Gottes Segen, noch viele erfüllte Jahre und Freude mit seiner Familie, mit seinem Garten, mit seinen Hobbys und mit seinem Vierbeiner, der ihn regelmäßig in die schönen bayerischen Landschaften zum Spazierengehen und zum Fotografieren lockt. Uwe Beck Renate Beck-Hartmann
TERMINE Mittwoch, 20. Oktober, 18.00 Uhr, Galerie Franz Rieger: Šárka Coganová eröffnet die Ausstellung „Die zwei“ mit Bildern der Amateurkünstlerinnen Gabriela Sýkorová und Hanka Samková im Haus der deutschtschechischen Verständigung in Gablonz-Reinowitz. Auskunft: Petra Laurin, Telefon (00 42) 72 02 482 15, eMail info@laurin. cz Freitag, 22. Oktober, 18.00 Uhr, Galerie Franz Rieger: Pianist Jiří Pokorn spielt Jazzimprovisationen auf die Melodien tschechischer Volkslieder im Haus der deutsch-tschechischen Verständigung in Gablonz-Reinowitz. Auskunft: Petra Laurin, Te-
lefon (00 42) 72 02 482 15, eMail info@laurin.cz Mittwoch, 27. Oktober, 18.00 Uhr, Galerie Franz Rieger: Glasperlenwerkstatt „Im Zeichen der Trikolore“ mit Lída Dutá im Haus der deutsch-tschechischen Verständigung in Gablonz-Reinowitz. Auskunft: Petra Laurin, Telefon (00 42) 72 02 482 15, eMail info@laurin.cz Donnerstag, 23. bis Sonntag, 26. Juni 2022, Kriesdorf: 65. Heimattreffen in Jonsdorf, Hotel Gondelfahrt, Großschönauer Straße 38. Zimmerreservierung: Telefon (03 58 44) 73 60, eMail info@hotel-gondelfahrt. de. Auskunft: Christian Schwarz, eMail chris@clcs.at
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Ein Bild der Kirche des heiligen Johannes des Täufers, als sie noch in Fleyh stand.
Niklasberg
Bleiglasverbundfenster der Frankfurter Malerin Gerlinde Fritsch.
� Georgendorf – Teil I
Neue Statue für Fleyh Eine neue Statue soll bald die Kirche des heiligen Johannes des Täufers der ehemaligen Gemeinde Fleyh schmücken. Bei dem Fleyher Treffen wollte man die Statue des Heiligen Johannes des Täufers enthüllen. Doch wegen Verzögerungen durch die Corona-Pandemie wurde die Enthüllung nun auf den Herbst des nächsten Jahres verschoben. Jutta Benešová berichtet.
S
Andreas Schmalcz von der Sudetendeutschen Heimatpflege vor dem österreichischen Denkmal in Teplitz-Schönau: „Arbesau am 17. September 1813“.
� Teplitz-Schönau
chon im Jahr 1928 begann die Gemeinde Fleyh im Erzgebirge mit dem Bau einer Wasserleitung für die Trinkwasserversorgung von Teplitz-Schönau. Ein Vierteljahrhundert später mußte die Gemeinde Fleyh einem Stausee weichen, der heute die
Regionen Teplitz, Most/Brüx und Aussig versorgt. Die im Mittelalter gegründete Gemeinde Fleyh ging damit für immer unter. Die Kirche des heiligen Johannes des Täufers aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konnte man 1969 komplett durch Überführung nach Georgendorf retten. Sie ist eine Holzkirche, die nun als Beispiel der Volksarchitektur unter Denkmalschutz steht. Der Georgendorfer Verein hält schon viele Jahre Kontakt mit den Bewohnern der untergegangenen Gemeinde Fleyh und deren Nachkommen, die heute in Deutschland wohnen. In Zusammenarbeit mit diesen Lands-
Berühmte Bäderstadt spendet Inspiration Anfang September lud der Teplitz-Schönauer Heimatkreisbetreuer Erhard Spacek Andreas Schmalcz von der Sudetendeutschen Heimatpflege nach Teplitz-Schönau ein. Schmalcz berichtet.
W
ährend meines traditionellen Sommerurlaubs bei meinen Eltern in Dresden traf ich mich auch wieder mit Heimatkreisbetreuer Erhard Spacek, der seit einigen Jahren in Pirna wohnt. An einem Sommertag
zeigte er mir seine Heimatstadt Teplitz-Schönau. Auf dem Hinweg besuchten wir die prächtigen Denkmale zur Erinnerung an die Schlacht bei Kulm im Jahr 1813. Damals standen österreichische, preußische und russische Soldaten den Truppen Napoleons gegenüber. Spacek, der erst 1964 seine Heimat, damals unter kommunistischer Herrschaft, verlassen hatte, zeigte mir stolz die Schönheiten der weltberühmten, altehrwürdigen Kurstadt. Die Parkanlagen
Andreas Schmalcz bei seinem Rundgang durch Teplitz-Schönau.
mit unzähligen Denkmalen, im habsburgischen Stil erbaute Kurhäuser, Gasthöfe und Hotels zeugen von der alten Pracht. Inzwischen hat sich wieder eine lebendige Kurkultur etabliert. Beim böhmischen Mittagessen besprachen wir neue Projekte. So sollen Musiker der Nordböhmischen Philharmonie Teplitz die Tradition eines Neujahrskonzertes im Sudetendeutschen Haus in München fortführen. Außerdem plant Spacek eine Ausstellung, bei der er Kunstgegenstände und Gemälde aus dem Familienbesitz in der neugestalteten Alfred-Kubin-Galerie zeigen möchte. Auch die Gespräche mit Bad Kissingen über die Aufnahme einer Städtepartnerschaft der beiden berühmten europäischen Kurstädte gestaltet sich positiv. Am Nachmittag fuhren wir auf den Mückenberg, auf dem sich uns ein phantastischer Ausblick auf das Erzgebirge und das Böhmische Mittelgebirge bot. Auf dem Rückweg kamen wir noch in Eichwald vorbei, wo sich unter anderem das Geburtshaus des Sozialdemokraten Volkmar Gabert (1923–2003) befindet. Der schöne und interessante Tag ging rasant vorbei und gab mir wieder Inspiration für meine Tätigkeit im Sudetendeutschen Haus.
Vitrinen mit historischen Aufnahmen der Gemeinde Fleyh.
Die Holzkirche in Georgendorf.
leuten konnte man den ehemaligen Standort Fleyh durch einige künstlerische Werke bereichern. Eines davon ist die Statue des heiligen Johannes von Nepomuk, die seit 2015 am Rand des Stausees auf dem Gelände der untergegangenen Gemeinde steht. Ein weiteres ist ein hölzernes Kreuz, welches man 2020 auf dem von der Gemeinde Georgendorf sanierten Fundament der geretteten Kirche errichtete. Aber auch die Kirche selbst erhielt einige Kunstwerke. 2013 wurden, nach einer graphischen Vorlage der Frankfurter Malerin Gerlinde Fritsch, zwei Bleiglasverbundfenster angefertigt. Fortsetzung folgt
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Neuern/Nachbarkreis Markt Eisenstein
Transmissions-Stationen Blut. Ferner waren die Leiterin des Wall- Zeugnis dafür sein, daß schwierige Zeifahrtsmuseums Maria-Luise Segl, der ten durch guten Willen und Vergebung Betreuer des Neuerner Heimatmuseums in Freundschaft und gegenseitige FreuMaximilian Utz, eine Abordnung der de verwandelt werden können. Heimatgemeinde Rothenbaum mit OrtsSteinbrenner dankte dem Bischof mit betreuer Oswald Meier, seinem Stellver- einem Präsent und lobte die Neuerner treter Emil Baierl und Kassier Friedrich Firma JSF stavební für die RestaurieReithmeier und der Ortsbetreuer von rung. Er schilderte den Verlauf der ArHammern, Erwin Wierer, gekommen. beiten, bei denen vom Fundament an alMiloslav Rubáš entschuldigte sich les habe erneuert werden müssen. Der dafür, was hier in der Vergangenheit Sandstein sei durch Granit ersetzt wor„durch Generationen vor uns“ gesche- den. Gegen Ende der Arbeiten habe hen sei. Rubáš erinnerte daran, daß in die durchgerostete Christus-Figur Proden 1980er und 1990er Jahren auf dem bleme bereitet. Experten hätten ihr nur alten Friedhof die Grabsteine entfernt noch zwei Jahre gegeben. Aber auch ie Feierlichkeiten begannen mit worden seien und dieser Platz vernach- hier hätten Jiří Svejkovský und seine einem Festgottesdienst, den Bi- lässigt worden sei. Dafür könne er sich Mitarbeiter eine Lösung gefunden. Mit schof Tomáš Holub und Pfarrer Ryszard als Vertreter der Stadt Neuern nur ent- einer Kunststoff-Metallmasse sei der Potęga in der Pfarrkirche Sankt Tho- schuldigen. Ferner dankCorpus für die Zukunft gemas zelebrierten. Pfarrer Potęga hieß te er den Leuten, die hier sichert worden. Steinbrendie zahlreichen Gläubigen herzlich will- früher gelebt und sich bis ner dankte Svejkovský mit kommen. Ein gut gelaunter Bischof zum Zweiten Weltkrieg einer Urkunde. Tomáš Holub nannte es eine große Freu- an der Entwicklung der Anschließend segnete de, bei diesem Fest sein zu können. Die Stadt beteiligt hätten und Bischof Holub das Kreuz Neuerner Pfarrkirche sei die einzige in auf diesem Friedhof lägen. in der Hoffnung, „daß es der Diözese, die seinem Namenspatron Damals seien 90 Prozent eine rettende Hilfe für Thomas geweiht sei. Seine Predigt wid- der rund 3000 Einwohner uns alle wird“. Auch Jana mete der den Schutzengeln. Deutsche gewesen. ZuBečvářová dankte allen, die Als er im Kommunismus zum Militär rückblickend stellte er fest, zu Erneuerung des Kreueinberufen worden sei, habe er Angst daß die früheren Generazes beigetragen hätten. Begehabt. Dann sei ihm klar geworden, tionen sehr gute Bausteiwegt schilderte sie, warum daß er trotz aller Ängste nicht allein sei. ne für die Entwicklung der sie eine so enge Beziehung Eine wichtige Wahrheit sei, „daß wir Stadt gelegt hätten. zu diesem Kreuz habe: Dort nicht alleine sind, wenn wir vor der ZuWaltraut Senninger seien ihre Vorfahren bekunft Angst haben“. Nach der Predigt freute sich, daß das Kreuz Das restaurierte Stol- erdigt worden. Außerdem wurde das Vaterunser in der jeweili- so schön geworden sei. Sie lowsky-Kreuz. dankte sie Sepp Steinbrengen Landessprache gemeinsam gebetet. dankte allen, die dazu beiner, die Restaurierung verDie Fürbitten trugen die Heimatortsbe- getragen hätten. Dann rief sie zu einem anlaßt zu haben. treuerin Waltraut Senninger und Ja- Gedenken mit einem Vaterunser für alAnschließend sagte Steinbrenner, na Bečvářová, Vorsitzende des Völker- le auf diesem Friedhof ruhenden Men- daß dieses Kreuz so fantastisch dastekundlichen Vereins, vor. Der Chor „Gos- schen auf. he, weil Karolina Čermáková und Japel Time“ der Kunstschule Josef Klička Jana Bečvářová und Neuerns Stell- na Bečvářová die Restaurierungsarbeiaus Klattau unter Jaroslav Pleticha be- vertretender Ortsbetreuer Sepp Stein- ten so unterstützt hätten. Er bezeichnete gleitete die Messe und die Segnung mu- brenner lasen ein Grußwort von Soňa die beiden Frauen als die Transmissisikalisch. Dederová vom Deutsch-Tschechischen ons-Stationen der an der Restaurierung Die Lautschimer Bürgermeisterin Ja- Zukunftsfonds vor. Hinter der Restau- Beteiligten. Beide hätten sich bei dem na Dirriglová begrüßte die vor dem re- rierung stehe, so Dederová, nicht nur der Projekt verdient gemacht. Steinbrenner staurierten Kreuz versammelten Gäste. Wunsch, das kulturelle Erbe der einst verwies auf die direkte Beziehung der Außerdem half sie als glänzende Dol- deutschen Bewohner, die in der Vergan- Frauen zu diesem Kreuz, seien doch in metscherin. Unter den Gästen waren genheit zum Aufblühen des Ortes bei- dessen unmittelbarer Umgebung ihre Neuerns Bürgermeister Miloslav Rubáš getragen hätten, wieder herzustellen. Großeltern beziehungsweise Urgroßelund dessen Amtskollege Markus Mül- Die Restaurierung zeige auch, daß die tern bestattet. Für ihren Einsatz wurden ler mit Drittem Bürgermeister Franz Alt- deutsch-tschechische Freundschaft und sie zu Ehrenmitgliedern des Heimatormann und Altbürgermeister Sepp Ber- Zusammenarbeit heute ganz natürlich tes Neuern ernannt. Mit dem gemeinlinger aus Neukirchen beim Heiligen sei. Das Gedenkkreuz solle ein lebendes sam gesungenen Böhmerwald-Lied endete die Einweihung. Für die Restaurierung des Stollowsky-Kreuzes brachte die Heimatgemeinde Neuern 5000 Euro auf. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds beteiligte sich mit 7690 Euro. Die Spenden beliefen sich auf 10 500 Euro. Bis auf eine Spende über 1000 Euro von der Familie Čermáková/ Bečvářová kamen die restlichen Geldmittel von den Vereinsmitgliedern sowie Jana Dirriglová, Dr. Jana Bečvářová, Waltraut Senninger, Franz Altmann, Miloslav Rubáš, Pfarrer Ryszard aus dem Bekanntenkreis Potęga, Karolina Čermáková, Bischof Tomáš Holub, Sepp Berlinger, Markus Müller und Dr. Sepp Stein- von Sepp Steinbrenner. brenner. Bilder: Karl Reitmeier Karl Reitmeier Anfang Oktober segnete der Pilsener Bischof Tomáš Holub das mehr als 130 Jahre alte, frisch restaurierte Stollowksy-Kreuz auf dem alten Friedhof der Neuerner Pfarrkirche Sankt Thomas. Das war ein Freudenfest für den Heimatortsverein Neuern und den Neuerner Völkerkundlichen Verein (Národopisný Spolek). Die Oberpfälzer Marktgemeinde Neukirchen beim Heiligen Blut ist übrigens die Partnergemeinde von Neuern und beherbergt im obersten Stock des Rathauses das Museum der Heimatortsvereins Neuern.
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WIR BETRAUERN Heilgenkreuz-Rosenmühle. Am 25. August starb Maria Oehrlein/Roith, die Rosenmühl-Marie, friedlich im Beisein ihrer Familie. Am 21. Januar 1928 war sie in der Rosenmühle in Rosendorf als zweites Kind von Franz und Maria Roith/Kroha zur Welt gekommen. Ihre Eltern besaßen die Rosenmühle, zu der ein kleines Sägewerk und eine Bäckerei gehörten. Ihr vier Jahre älterer Bruder Josef ist seit dem Krieg vermißt, vermutlich fiel er in Rumänien. Maria besuchte die Volksschule in Schmolau, die Bürgerschule in Weißensulz und eine Hauswirtschaftsschule in Bischofteinitz. Ab 1944 lebte sie gut umsorgt im Elternhaus. Direkt nach dem Krieg wurde der tschechische Müller Josef Bartak Herr der Mühle. Dank einer mütterlichen Bekannten in Unterfranken bekam Maria das Angebot, im Haushalt der Bäcke-
rei Götz in Margetshöchheim zu arbeiten. In der Nacht von 20. auf den 21. Januar 1946 – das war ihr 18. Geburtstag – führte sie ein Ortskundiger über die Grenze nach Bayern. Ihre Eltern wurden im Mai vertrieben und im nahen Gissigheim bei Tauberbischofsheim einquartiert. 1953 heiratete Maria Roith Reinhold Oehrlein, geboren am 27. Juli 1927. Das Paar bekam die Kinder Klaus und Brigitte. Klaus wurde Priester, und Brigitte heiratete, danach kamen die Enkel Stephan und Angela. Im August 2003 feierten Maria und Reinhold Goldene Hochzeit, im Dezember starb Reinhold. Sie lebte weiter im eigenen Haus neben dem ihrer Tochter. Nach einem Kreislaufkollaps Weihnachten 2019 zog sie zu Brigitte. Das 40jähri-
ge Priesterjubiläum ihres Sohnes Klaus im Juni in Würzburg-Grombühl konnte sie noch mitfeiern. Doch dann schwanden ihre Kräfte. Beerdigt wurde sie am 1. September im Familiengrab neben ihrem Mann und ihren Eltern in Margetshöchheim. Zu ihrer Heimat hielt sie bis zuletzt die Verbindung. Bis vor einigen Jahren besuchte sie auch immer wieder ihre Cousine Anna Komarková/Roith in Rail im Nachbarkreis Tachau und verbrachte Aufenthalte im dortigen Wochenendhaus und Obstgarten ihres Sohnes Klaus. Sie beteiligte sich bei Arbeitseinsätzen zum Wiederherrichten des alten Friedhofs ihrer Heimatpfarrei Heiligenkreuz, auf dem sich noch die Gräber ihrer Großeltern befinden. Peter Gaag
Junge Frauen präsentieren auf der Schloßtreppe Kostüme aus der Oper „Madame Butterfly“ und im Schloßpark eine Tanzshow. Bilder: Karl Reitmeier
Ronsperg
Zen-Garten feiert fünften Geburtstag Der Japanische Garten in der Bischofteinitzer Patenstadt Furth im Wald blickte heuer auf sein 20jähriges Bestehen zurück, was mit einem Treffen der Ideengeberin Masumi Böttcher-Muraki verbunden war. Wir berichteten. 2015 entstand – ebenfalls auf Initiative von Böttcher-Muraki – der Ronsperger Schwester-ZenGarten. Dessen fünfter Geburtstag fand vergangenes Jahr im kleinen CoronaKreis statt. Doch vor wenigen Tagen holten die Ronsperger die große Jubiläumsfeier nach. Karl Reitmeier berichtet.
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ie Stadt, die Schloß-Kommission un- mals von einem „Brückenschlag zwiter Leitung von Eva Vondrašová und schen Bayern und Böhmen in der Mitdas Kulturamt hatten eine große Fei- te Europas“ gesprochen. Weitere Gäste er im Rahmen eines tschechisch-japani- der Feier damals waren der japanische schen Festes organisiert. Unter den Gä- Botschafter in Tschechien, Tetsuo Yamasten war auch Furths Stadtgärtner Ste- kawa, der ehemalige tschechische Aufan Ege, der in der Anfangszeit bisweilen ßenminister Karel Schwarzenberg und nach Ronsperg geKatharina Coudenkommen war, um die hove-Kalergi, deren Anlage zu pflegen. Urgroßmutter die Die Veranstalter Gräfin Mitsuko aus hatten eine gelunJapan war. Mitsuko gene Jubiläumsfeiwar bekanntlich die er auf die Beine geGattin des Diplomastellt. Die derzeitige ten Heinrich CouLeiterin des städtidenhove-Kalergi, schen Kultur- und die dann auf Schloß InformationszenRonsperg wohnten. trums (MKIS), Jitka Die Steine im JapaMolnárová, hieß die nischen Garten in Besucher willkomPoběžovice symbomen. Ihr besonde- Bürgermeister Martin Kopecký und lisieren die Familie rer Gruß galt Masu- Masumi Böttcher-Muraki. von Heinrich Coumi Böttcher-Muraki denhove-Kalergi und der ehemaligen MKIS-Leiterin Ja- und seiner japanischen Gemahlin, die na Podskalská, die sich beide bei der Er- sieben Kinder hatten. richtung der Anlage große Verdienste Ein Grußwort sprach auch Bürgermeierworben hatten. Ferner galt ein Gruß ster Martin Kopecky, der sich über den Ronspergs Bürgermeister Martin Ko- guten Besuch freute. Er dankte Masumi pecký. Böttcher-Muraki und Jana Podskalská Jitka Molnárová ließ die Entste- mit Blumensträußen. hung des Ronsperger Zen-Gartens des Während der Jubiläums-FeierlichFriedens Revue passieren. Dabei stell- keiten sorgte Kenya Sato auf der Shamite sie Masumi Böttcher-Muraki und Ja- sen für japanische Klänge. Ferner gab na Podskalská sowie die japanischen es eine kleine fernöstliche Liturgie-FeiGartenbau-Architekten besonders her- er mit Robin Heřmann. Zum Programm aus. Bei der damaligen Realisierung ha- gehörten auch ein rituelles japanisches be der Further Bauhof Ronsperg fehlen- Bogenschießen, eine atemberaubende de Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Tanz-Show und ein Kreativ-Workshop Bei der Gartenpflege seien in der Folge für Kinder, der viel Freude bereitete. wiederholt Stadtgärtner Stefan Ege oder Höhepunkt war eine Kostümschau Ex-Bauhof-Chef Sepp Hastreiter mit Rat aus Giacomo Puccinis Oper „Madame zur Seite gestanden. Beide hätten Masu- Butterfly“. Die prächtigen Kleider mi Böttcher-Muraki bereits bei den Vor- stammten aus der Kostüm-Kammer des bereitungsarbeiten geholfen. Unter der Pilsner Theaters. Bei diesem Auftritt auf Leitung von Gartenarchitekt Kanji No- den Stufen, die zum Ronsperger Schloß mura und mehreren japanischen Gar- führen, überkam die Besucher das Getenbau-Ingenieuren mit Unterstützung fühl, daß in das Schloß wieder Leben von Tschechen und Deutschen sei der eingekehrt sei. Aufgebaut war auch eiGarten innerhalb von 14 Tagen angelegt ne interessante Fotoausstellung mit Bilworden. dern über den Bau und die Eröffnung Bei der offiziellen Eröffnungsfeier des Ronsperger Zen-Gartens. Ein Vorhatte Bürgermeister Sandro Bauer da- trag über Japan rundete die Feier ab.
Jana Podsalská mit Familie, Kenya Sato mit Shamisen, Robin Heřmann mit Räucherwerk.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 41 | 15. 10. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XIV
„Unsere Deutschen“ der Aufmerksamkeit von Ausbeutern. Das Inventar der Pfarrei war kläglich. Kaum eine Möglichkeit, sich niederzulegen. Dazu waren zwei Stuben im Obergeschoß als Privateigentum der ehemaligen deutschen Wirtin versiegelt. Die Möbel im Büro waren mit Zetteln des „Nationalen Fonds“ beklebt. Wir ließen beide Zimmer „amtlich“ öffnen. Vollzieher dieses „wichtigen Aktes“ waren der
ge. Wir mieteten den Lastwagen von Jaromír Baculík aus Neustadtl. Wir ahnten nicht, welch großes Abenteuer uns da bevorstehen sollte. Wir hatten geplant, Neudorf, Sankt Katharina, Roßhaupt und Neuhäusl abus den Eigentümern wurden vorzufahren. Den Lastwagen hatte ich für übergehend geduldete Untermieter die Früh bestellt, damit wir alles an ei– „unsere Deutschen“ –, von denen nem Tag schaffen konnten. Der MietwaKnechtsarbeit erwartet wurde. Die Mengen war in Wirklichkeit eine Klapperkischen überkam das „Goldfieber“, der ste, ein „Oldtimer“. Wir hatten aber Hunger nach Eigentum, Neid und das keine Wahl. Stunde verging um Stunalles versteinerte die Herzen. de, es wurde Nachmittag, drei Uhr, In dieser Zeit ging vieles zu Grunund das Fahrzeug war immer noch de. Hegte zum Beispiel jemand Neid nicht fahrtüchtig. Um fünf Uhr fuhren gegenüber dem anderen, weil diewir endlich los. Die Fahrt war wie im ser einen Teppich hatte, so mußte Film „Lohn der Angst“. Jeden Augender in zwei Hälften zerschnitten werblick erwarteten wir, daß das Fahrden, damit beide einen Teil hatten. zeug auseinanderbricht oder stehen Daß der Perserteppich dadurch entbleibt. wertet wurde? Wen kümmert‘s? Die Wir erreichten Neudorf. Von dort Menschen kannten den Wert der Geging es nach Sankt Katharina. Spät genstände nicht. Meißner Porzellan abends kamen wir nach Roßhaupt und lag in Scherben auf dem Müllhaufen. luden auf. Nun blieb noch der Weg Bemalte Truhen, Möbel – alles vernach Neuhäusl. Endlich kamen wir lor seinen Wert. Aus den verlassenen auch dort an. Überall war es dunkel, Häusern wurden Schränke hinausgeund im Dorf herrschte tiefe Stille. Wir worfen – ein Teil zerspalten, der Rest hielten vor der Pfarrei. Die elektrische zerfiel. Leitung war unterbrochen. In dem Viele Einwanderer kamen mit einzigen bewohnten Haus schimmernur einem Ranzen und wurden über Das Schloß in Haid. Sein Archiv fällt bereits vor te ein leichtes Licht im Fenster, aber Nacht zu Eigentümern von Häusern 1948 Mistgabeln zum Opfer. niemand kam heraus. Wahrscheinlich samt Einrichtung. Doch später verdachten sie, daß „Goldgräber“ wiegaßen sie nie, Besuchern zu erzählen, Vorsitzende des Örtlichen Nationalaus- der auf der Suche nach Beute seien. Wir sie hätten die Möbel aus dem Landesin- schusses Jan Klečka und Matěj Zeman. hatten nur Streichhölzer. Wie Geister neren herbeigeschafft. Dabei schrie der Die Türen wurden geöffnet – und her- gingen wir deshalb in die verdunkelcharakteristische und einheitliche Stil aus kam dumpfiger Gestank. Und das te Kirche, um Kerzen zu holen. Gegen der Möbel geradezu, daß das „aus dem versiegelte Inventar? Ungleichartige Mitternacht waren wir mit der Arbeit Landesinneren mitgebrachte Eigentum“ Teile alter Möbelstücke. Hier hatte je- fertig. in Tachau hergestellt worden war – aus mand rechtzeitig „Stück gegen Stück“ Wir drängten auf eine rasche Abdem Holz, das jahrelang die Kolowrater getauscht. Wir haben sofort alles ent- fahrt. Baculík war aber immer noch mit Säge in Dianaberg geliefert hatte. Mei- fernen lassen. Alles, was im Büro war, der Reparatur des Wagens bei Kerzenstens war es Lärche. weckte keine Bedenken, daß es sich um schein beschäftigt. Ab und zu setzte er Um Gegenstände historischen Werts eine typische alte Büroeinrichtung han- sich in die Kabine und schlief. Das waren wie Archivalien und Bücher – welch delt: Matrikenschränke, Archivschrän- schreckliche Stunden in einem verlasseReichtum! – kümmerte sich niemand. ke, Schreibtische mit Vordrucken. Es nen Dorf einige Meter von der StaatsGanze Stapel an Büchern wurden ins dauerte eine Weile, bis ich den Örtli- grenze entfernt. Baculík zögerte aus unAltpapier gefahren: „Das ist doch von chen Nationalausschuß überzeugte, daß bekannten Gründen die Abfahrt hinaus. Hitler, germanisch.“ Noch größere Men- es sich um Pfarreigentum handelte. Sie Die Grenze zog ihn an! Wartete er wohl gen lagen in verlassenen Wohnungen, wollten, daß ich die Möbel abkaufe, da auf jemanden? Wer weiß? auf Innenhöfen, bei Müllhalden. Feuch- dieses auf deren Listen als Eigentum des Langsam wurde es Tag. Endlich betigkeit, Unwetter und Schimmel zerstör- Nationalfonds stand. gaben wir uns auf den Rückweg über ten sie. Das Neustädtler Stadtarchiv war Am Anfang gab es viele Sorgen mit Pfraum berg und Zummern. Um fünf wie eine Müllhalde. Pergamente, Sie- der Einrichtung der Wohnung. Man Uhr morgens standen wir vor der Pfarrei in Neustadtl. Die Odyssee hatte zwölf Stunden gedauert. Zwölf Stunden Unsicherheit auf der Fahrt und zwölf schreckliche Stunden zu Hause, wo sie sich Sorgen machten. Ein Autounfall und die Folgen – der kleine Jarina schlief zeitweilen auf der Ottomane in der Küche – und Mama mit Papa hofften, bald das Rumpeln des sich nähernden Fahrzeugs zu hören. Um fünf Uhr morgens war es für sie endlich so weit. Das Kircheneigentum war überwiegend in Neustadtl und in Sankt Katharina versammelt. Teilweise wurde es gestohlen. Das passierte in Neudorf und später auch in Roßhaupt. Im Haus, das in Neudorf als provisorische Die Katharinenkirche in Sankt Katharina heute. Pfarrei diente, hatten wir Paramente und andere gel, Lumpen, Töpfe, nasses Papier – al- mußte sich aber um die Sicherstellung Textilien zum Abtransport bereitgestellt. les auf einem Haufen. Aus dem Haider des Eigentums und der Kircheninven- Einige Tage später kamen wir zur „PfarSchloß luden sie einen Teil des Archivs tare der administrierten Pfarreien küm- rei“, konnten aber die Türe nicht öffnen. mit Mistgabeln auf Wägen. Wir kamen mern. Manches mußte nach Neustadtl Wir fanden heraus, daß der hochgehobe1948, als das Zerstörungswerk bereits gefahren werden, anderes wieder nach ne Kellerdeckel die Türe verbarrikadiergrößtenteils vollendet war! Sankt Katharina. Es gab Probleme mit te. Wir ließen die Türe mit Gewalt öffObwohl am Pfarrgebäude die Auf- dem Transport. Manchmal half Bäc- nen. Die leeren Schränke erklärten alles. schrift „Kircheneigentum“ hing, ent- ker Sedláček mit seinem Lieferwagen Jemand war schneller gewesen. ging auch die unbewohnte Pfarrei nicht aus. Nötig waren aber weitere Fahrzeu Fortsetzung folgt In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie die Tschechen nach Kriegsende sich den Besitz der Deutschen aneigneten und diese zu Knechten machten.
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Das Denkmal-Ensemble mit Gedenkstein, Infotafel, Sitzbänken im Freien und überdacht sowie Fahrradständern. Bilder: Hans-Jürgen Seidl
� Neues Denkmal in Labant
400 Jahre Schlacht auf dem Blutacker Labant erhielt ein neues Denkmal, das an die Schlacht am Blutacker am 16. Juli 1621 während des Dreißigjährigen Krieges erinnert.
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ei unserem letzten Besuch in Labant berichtete einer unserer wichtigsten Ansprechpartner über die Schwierigkeiten bei der Aufrichtung eines sehr schweren Steines für das neue Denkmal und zeigte einige Bilder. Milan Dulovec,
Der Dreißigjährige Krieg und ein Gedenkstein. inzwischen im Ruhestand, betreibt ein kleines Bauunternehmen und hilft mit seinen zwei Baggern, wo immer Hilfe gebraucht wird. So auch in diesem Fall. Wer von Waidhaus kommt, fährt mit Sicherheit vorbei. Die Gedenkstätte befindet sich etwa 500 Meter hinter der Grenze. Aus Richtung Roßhaupt kommend, sieht man links den großen Stein an der Einfahrt zur Autobahnmeisterei. Leider fehlen ein Hinweisschild sowie ein Parkplatz. Die Straße ist mit einem Verbotszeichen versehen. Es empfiehlt sich das Parken gegenüber bei dem Geschäft Travel Free. Worum geht es? Als Teil des böhmisch-pfälzischen Krieges (1618–1623) – der wiederum ein Teil des Dreißigjährigen Krieges war – war die Verteidigung des Waidhauser Passes wichtig, um einen möglichen Einfall der Mansfeldischen Streitkräfte nach Böhmen zu verhindern. Nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag im November 1620 formierten sich die Unterlegenen neu und fanden mit Ernst von Mansfeld (1580–1626) einen entschlossenen Heerführer, der bereit war, Prag zurückzuerobern. Das Heer der katholischen Liga führte Johann T‘ Serclaes von Tilly (1559–1632). Die Gedenkstätte erinnert an die Schlacht am Blutacker am 16. Juli 1621
und die Kämpfe bei Roßhaupt. Erstmals war eine Feldschlacht in einen Stellungskrieg übergegangen. Das Geschehen wird mit korrekter Darstellung zweisprachig präsentiert. Interessant sind auch die archäologischen Untersuchungen mit zahlreichen Funden nach 400 Jahren. Zwischen der Schlacht am weißen Berg und den Ereignissen bei Roßhaupt lag das sogenannte Blutgericht von Prag mit der Verurteilung und Hinrichtung der Hauptschuldigen am Aufstand gegen Kaiser Ferdinand II. (1578–1637). Bis heute verschweigen die Tschechen, daß unter den Hingerichteten auch einige Deutsche waren. Die Stadt Tachau war durch ihr zweideutiges Verhalten und ihr Wegbleiben von Prag beim Kaiser in Ungnade gefallen, verlor ihre königlichen Privilegien und wurde verpfändet. Der gesamte Bezirk Tachau wurde aufs Schwerste heimgesucht und die bäuerliche Bevölkerung nahezu ausgerottet. Für die einfachen Menschen waren Religionsverhältnisse und Ziele der Kriegsparteien sicher bedeutungslos. Insgesamt hatte Böhmen, teilweise auch Mähren, im Dreißigjährigen Krieg schwer zu leiden gehabt und ein zweites Mal seine Blüte eingebüßt. Auch die Oberpfalz war verwüstet worden. Dennoch ist es erstaunlich, wie nach relativ kurzer Zeit eine Auffri-
Die Info-Tafel in Labant. schung der Bevölkerung durch Neubesiedlung erfolgen konnte. Die Errichtung dieser Gedenkstätte, zu deren Einweihung auch Vertreter aus Waidhaus gekommen waren, ist ein weiteres positives Zeichen der Verständigung. Besonders freuen wir uns, daß auch Labant einen kleinen und durchaus schwergewichtigen Anteil hatte. Hans-Jürgen Seidl
TERMINE n Samstag, 16. Oktober, 14.00 Uhr, Bärnau: Feierliche Übergabe des Böttgerwegs, des Grenzlandwanderwegs zwischen Böhmen und Bayern und durch das verschwundene Paulusbrunn,
an die Öffentlichkeit in der Aula der Grundschule. Anmeldung: Ingrid Leser, Telefon (0 96 35) 3 29, oder Rainer Christoph, Vorsitzender der ARGE Paulusbrunn, Mobilfunk (01 79) 7 59 27 81.