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Sudetendeutsche Zeitung 8. Oktober 2021 Ausgabe 40

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Interview mit dem sudetendeutschen Künstler Werner Reinisch (S. 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 40 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 8. Oktober 2021 Bessere Zusammenarbeit

Trilaterales Gespräch am Dreisessel Zu einem trilateralen Gespräch haben sich am Dienstag die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml (CSU), der tschechische Außenminister Jakub Kulhánek (Sozialdemokraten) und die österreichische Bundesministerin für EU und Verfassung, Karoline Edtstadler (ÖVP), am Dreisessel im Bayerischen Wald getroffen.

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irekt an der Grenze zwischen Bayern und der Tschechischen Republik stand das Thema grenzüberschreitende Zusammenarbeit nach der Corona-Pandemie auf dem Programm. Weitere Themen waren der Jugendaustausch sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kommunalverwaltung. In einem Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung hatte Melanie Huml dieses Treffen bereits im August angekündigt. Außerdem steht im NoMelanie vember wieder Huml die bayerischtschechische Regierungskommission auf dem Programm. Bereits im Vorfeld sollen dabei erstmals kommunale Jakub Vertreter aus Kulhánek dem bayerischtschechischen Grenzgebiet in die Vorbereitung mit eingebunden werden. Als großes Projekt soll außerdem die duKaroline ale Ausbildung Edtstadler verbessert und Auszubildenen mehr Möglichkeiten geboten werden, im jeweiligen Nachbarland nicht nur praktische Erfahrungen zu sammeln, sondern auch die Sprachkompetenz zu verbessern. Melanie Huml: „Über die Sprache kommt die Völkerverständigung.“

VOLKSBOTE

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Enthüllungen direkt vor den tschechischen Parlamentswahlen

Pandora Papers: Druck auf Premierminister Andrej Babiš Die neuen Vorwürfe gegen Premierminister Andrej Babiš (Ano) kommen für ihn zur Unzeit: Am heutigen Freitag und morgigen Samstag finden in der Tschechischen Republik die Parlamentswahlen statt.

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nter dem Namen Pandora Papers hatte das Internationale Konsortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) knapp zwölf Millionen geheime Dokumente ausgewertet, die dubiose Geldflüsse über Offshore-Konten aufdecken. Unter den Personen, denen zweifelhafte Geldtransaktionen vorgeworfen werden, ist auch Andrej Babiš.

2009, also zwei Jahre bevor Babiš die Bewegung Ano gründete und acht Jahre vor seiner Wahl zum Premierminister, hatte der Multi-Milliardär über ein kompliziertes Konstrukt aus Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln, in den Vereinigten Staaten und in Monaco für 15 Millionen Euro ein Landgut im Süden Frankreichs gekauft. Auch wenn diese Enthüllung kurz vor der Wahl in der Tschechischen Republik hohe Wellen schlägt, gibt es derzeit noch keinen Beleg, daß diese Transaktion illegal war. „Ich habe nichts geklaut, die Gelder waren versteuert“, wehrte sich Babiš postwendend in einem

TV-Interview und sprach von einer gezielten Kampagne kurz vor der Wahl. Auch die tschechische Investigativ-Plattform Investigace.cz weist ausdrücklich darauf hin, daß es keinen Beweis dafür gebe, daß Babiš eine Straftat begangen habe, und daß man daher auch keinen solchen Vorwurf erhebe. „Das ist wie aus einem Lehrbuch für Geldwäsche“, zitiert dagegen die Süddeutsche Zeitung, die an der Auswertung der Pandora Papers beteiligt war, einen anonymen ehemaligen Finanzermittler, der die Unterlagen geprüft hatte. Für Babiš ist das nicht der erste Skandal. Um EU-Subventio-

nen für sein Wellness-Ressort Storchennest zu erhalten, hat er kurzzeitig die Immobilie aus seinem Konzern Agrofert ausgegliedert und unter anderem an seinen Sohn überrschrieben. Auch in diesem Fall steht noch nicht fest, ob eine Straftat vorliegt. Seit 2017 ermittelt die tschechische Justiz, ohne bislang Anklage erhoben zu haben. Ärger hat Babiš auch mit der EU. Der von ihm gegründete Milliarden-Konzern Agrofert erhielt allein 2014 und 2015 von der Europäischen Union Fördergelder in Höhe von insgesamt 92 Millionen Euro. Pikant: Zu der Zeit war Andrej Babiš Finanzminister. Die anschließende Übertra-

gung der Agrofert-Firmenanteile auf zwei Treuhand-Fonds sei, so seine Kritiker, nur fingiert. Babiš habe weiterhin faktisch die volle Kontrolle über Agrofert. Die Causa beschäftigt mittlerweile sogar die neugegründete EUStaatsanwaltschaft. Die tschechischen Wähler scheinen die vielen Skandale nicht abzuschrecken. Nach wie vor liegt die Babiš-Partei Ano in den Umfrage vor dem MitteRechts-Bündnis Spolu und der Mitte-Links-Koalition aus Piraten und Bürgermeisterpartein Stan. Allerdings: Der Vorsprung ist in den vergangenen Monaten deutlich geschrumpft. Torsten Fricke

Erstmals ist auch das Sudetendeutsche Museum dabei

Die lange Nacht der Münchner Museen Zum ersten Mal nimmt das Sudetendeutsche Museum an der traditionellen „Langen Nacht der Münchner Museen“ teil. Ebenfalls dabei sind das Haus des Deutschen Ostens und das Tschechische Zentrum.

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Lange Nacht der Münchner Museen: Das Tschechische Zentrum zeigt die Ausstellung UNES-C0 (oben), die den Massentourismus am Beispiel der Weltkulturerbestadt Krummau thematisiert. Mit dabei ist auch das Haus des Deutschen Ostens (unten links) und zum ersten Mal das Sudetendeutsche Museum. Fotos: Lubomír Stiburek/Fricke/HDO

ie „Lange Nacht der Münchner Museen“ hat seit über 20 Jahren ihren festen Platz im jährlichen Kalender der bayerischen Landeshauptstadt und findet in diesem Jahr am Samstag, 16. Oktober, statt. Von 18.00 bis 1.00 Uhr laden über 60 Museen, Sammlungen, Galerien, Kirchen, architektonische Schmuckstücke und besondere Orte zum nächtlichen Streifzug durch Kunst, Kultur, Naturwissenschaft und Technik. Das Sudetendeutsche Museum in der Hochstraße präsentiert neben der Dauerausstellung die Sonderausstellung „Von Böhmen in die Ardèche – Werner Reinisch – Neue Bilder“ (siehe auch Seite 3 und 7). Als besonderen Höhepunkt steht außerdem um 21.00 und 23.00 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses eine Perfor-

mance der Tänzerin und Choreografin Anastasia Kostner auf dem Programm. Unter dem Titel „Frauen schreiben Geschichte(n)“ lädt das Haus des Deutschen Ostens (Am Lilienberg 5) zu Lesungen mit den Autorinnen Sigrid Katharina Eismann (19.00 Uhr, „Das Paprikaraumschiff“), Ilse Hehn (20.30 Uhr „Roms Flair in flagranti“) und Ulrike Schmitzer (22.00 Uhr, „Die gestohlene Erinnerung“) ein. Das Tschechische Zentrum (Prinzregentenstraße 7) beteiligt sich mit der Ausstellung UNESCO der tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá, die sich mit den negativen Auswirkungen des Massentourismus am Beispiel der Weltkulturerbestadt Krummau beschäftigt. Das Lange-Nacht-Ticket kostet 15 Euro zuzüglich Vorverkaufs- und Systemgebühren und gilt als Eintrittskarte für eine Person in alle beteiligten Häuser und als Fahrkarte für den MVV im Gesamttarifgebiet und die Sonderbusse. Das ganze Programm unter www.muenchner.de/ museumsnacht

Initiative des Volksgruppen-Sprechers Bernd Posselt zum 85. Geburtstag des 2011 verstorbenen Brückenbauers

Straßen nach Václav Havel benennen Tschechische Überschrift in der SdZ

Positive Resonanz in den Medien Breite Resonanz auf die tschechische Überschrift über ein Václav-Havel-Portrait in der Sudetendeutschen Zeitung.

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ogar die tschechische Nachrichtenagentur ČTK griff das

Thema auf, und mehrere Zeitungen berichteten ebenfalls positiv. Aus Anlaß des 85. Geburtstags von Václav Havel war erstmals in der Geschichte der Sudetendeutschen Zeitung eine Überschrift in Tschechisch erschienen.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, hat am 5. Oktober aus Anlaß des 85. Geburtstages des 2011 verstorbenen tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel gefordert, in deutschen Städten Straßen nach dem Bürgerrechtler und Brükkenbauer zu benennen.

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avel habe, so Posselt, als Bürgerrechtler entscheidend zum Sturz der kommunistischen Diktaturen beigetra-

gen, die deutsch-tschechische und sudetendeutsch-tschechische Aussöhnung vorangetrieben sowie kräftige Impulse für die europäische Einigung gesetzt. Zehn Jahre nach seinem Tod sei er noch so etwas wie der „ungekrönte König einer europäischen Bürgergesellschaft, die grenzüberschreitend friedlich und kreativ zusammenlebt“. Insbesondere München ist nach Ansicht Posselts „verpflichtet, eine Straße, die dieser großen Persönlichkeit würdig ist,

nach Havel zu benennen“. Der bayerischen Landeshauptstadt habe 1990 der erste Auslandsbesuch des neu geVaclav Havel wählten Dichterpräsidenten gegolten, hier sei während der Zeit der Teilung Europas die Hauptstadt des tschechischen Exils gewesen, darunter viele Verwandte und Freunde von Ha-

vel, und nirgends sonst lebten so viele aus den böhmischen Ländern vertriebene Sudetendeutsche und ihre Nachkommen. In Bonn ist bereits 2019 ein Platz nach Václav Havel benannt worden. Als erste Stadt weltweit hatte Danzig nur vier Tage nach dem Tod des Dichterpräsidenten am 19. Dezember 2011 eine Straße auf den Namen Václav Havel getauft. Und in Prag trägt seit Oktober 2012 der internationale Flughafen den Namen dieses großen Europäers.


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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er bekannte tschechische Hornist Radek Baborák (rechts), der 1976 in Pardubitz geboren wurde, war von 19962000 als Solohornist bei den Münchner Philharmonikern und von 2002-2011 bei den Berliner Philharmonikern engagiert. Seit September 2021 ist er Chefdirigent des Westböhmischen Symphonieorchesters, dessen Direktor Milan Muzikář (links) mit seinem Ensemble an mehreren Sudetendeutschen Tagen aufgetreten ist. Der SL-Büroleiter Peter Barton ( 3. von links) besuchte in Marienbad eine kleine Feier anläßlich der wiederhergestell-

PRAGER SPITZEN

ten Cellisten-Statue, die vor einigen Jahren beschädigt und entfernt wurde. Neben Barton, Baborák und Muzikář, nahm auch der Künstler Marek Dobeš (2. von links) daran teil, der zusammen mit seinem Kollegen Karel Aubrecht an der Entstehung des Logos für das Marienbader Festival „Lebendes Grenzland“ beteiligt war. Partner dieses alljährlichen Festivals ist auch das SL-Büro. Die Feier fand kurz vor dem Eröffnungskonzert zur 200. Spielzeit des Westböhmischen Orchesters in Marienbad statt. Besonders begeistert reagierte das Publikum auf die 2. Symphonie von Johannes Brahms, unter der Leitung von Baborák.

Bundespräsident ehrt Jaroslav Rudiš

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undespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Steinmeier bezeichnete Rudiš als Brückenbauer. Der Schriftsteller zeige den Menschen die gemeinsame Historie aus unterschiedlichen Perspektiven. Er kämpfe unermüdlich gegen mangelndes Geschichtsbewußtsein, das Populisten wiederum die Verbreitung von Haßund Zank erleichtere, so der Bundespräsident.

Dr. Ortfried Kotzian entdeckt in einem alten Buch die Stadtgeschichte neu

Was Brünn alles auslösen kann Der Versöhnungsmarsch 2021 von Pohrlitz nach Brünn ist seit einigen Wochen Geschichte. Torsten Fricke und Andreas Schmalcz haben darüber in der Sudetendeutschen Zeitung ausführlich und eindrucksvoll berichtet, garniert mit einer Vielzahl von Farbbildern, welche den Ernst dokumentieren, mit dem die Sudetendeutschen aus Bayern und anderen Gegenden der Bundesrepublik Deutschland und Österreich die Erinnerung an den Brünner Todesmarsch nehmen.

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ie Geschichte, die ich erzählen will, hat nur am Rande mit dem realen Ereignis von Anfang August zu tun. Bei der Vorbereitung auf die viertägige Fahrt nach Brünn suchte ich in meinen übervollen Bücherregalen in Augsburg nach Materialien, welche mir als Gedächtnisstütze bei dieser Reise dienen könnten. Neben dem unerläßlichen Sudetenland-Lexikon aus früherer Zeit fiel mir ein unscheinbarer Band in die Hände, der den sperrigen Titel trägt: Gesamtbericht zur BRUNAVeranstaltung ‚Hundertjahrfeier Mährischer Ausgleich‘ im Jahre 2005. Die Veranstaltung wurde gefördert durch die Robert-BoschStiftung GmbH. Zusammengestellt im November 2005 von Hanns Hertl, Gerd Hanak, Markwart Lindenthal, Dr. Zdenek Moravcik, Dr. Erich Pillwein, Hanna Zakhari, Karl Walter Ziegler und anderen. Unter Verwendung der ursprünglichen Gesetzestexte des Buches von Horst Glassl, vorbereitender Beiträge im Brünner Heimatboten, der amtlichen Parlamentsniederschriften, der Vorträge bei der Hundertjahrfeier und Pressemitteilungen verschiedener Verfasser. – So einen Buchtitel muß erst einmal jemand erfinden. Da ich unter den Inhalten der „Pressemitteilungen“ auch die „Zusammenfassung der Tagungsergebnisse“ der Internationalen Studientagung „100 Jahre Mährischer Ausgleich“ des Internationalen Instituts für Nationalitätenrecht und Regionalismus (INTEREG) München, des Hauses des Deutschen Ostens München, des Südtiroler Volksgruppeninstituts (SVI) Bozen, des Hauses der Heimat Stuttgart und der Gesellschaft zur Förderung nationaler Minderheiten in Europa (SENCE) Zürich aus meiner Feder fand, war ich neugierig und ein wenig neidisch auf die BRUNA geworden, die es geschafft hatte, die Inhalte ihrer Tagung in Brünn innerhalb weniger Monate zu publizieren, während die Dokumentation der fünf Groß-Institutionen bis heute auf sich warten läßt. Der Unterschied bestand wohl darin, daß die Publikation für die BRUNA eine Verpflichtung, die anderen Institutionen aber eine lästige Pflichtübung darstellte. Im Nachgang zu den wunderschönen Tagen in Brünn ent-

schloß ich mich, das Buch mit dem langen Titel nun von Anfang bis Ende zu lesen. Ich wollte noch einiges Neues über den Mährischen Ausgleich von 1905 erfahren, der im Brünner Landhaus (Landtag) beschlossen wurde. Das habe ich nun einige Wochen später tatsächlich geschafft. Mühe kostet es, die ersten 103 Seiten des Buches mit den originalen Gesetzestexten zu überwinden. Dann sollte es jedoch spannend werden: Die Protokollauszüge des Mährischen Landtages vermittelten ein Bild der Konfliktlage zwischen Tschechen und Deutschen in der damaligen Zeit. Auch wenn heute Sätze wie jener von damals wohl etwas seltsam anmuten: „Im Übrigen denke ich, es genügt , wenn man ein guter Patriot ist. Ich glaube an

wart äußerst facettenreich. Ein weiteres zeitübergreifendes Thema bearbeitet Prof. Dr. Jan Mlynárik, besser bekannt unter dem Pseudonym „Danubius“: „40 Jahre nach dem ‚Mährischen Ausgleich‘. Aussiedlung der Deutschen – Bilanz für den tschechischen Staat?“ Dabei weist Mlynárik nach, wie sehr sich der tschechische Staat mit der Vertreibung der Deutschen selbst geschadet hat, in ökonomischer, ökologischer und auch demografischer Hinsicht. Die Tschechoslowakei erreichte nämlich erst im Jahre 1980 wieder die Bevölkerungszahl des Jahres 1930. Ansonsten wird viel Spannendes und Interessantes über das Brünn vor, nach und während des Mährischen Ausgleichs er-

wart Lindenthal stellte anhand eines umfangreichen Quellenmaterials den genialen Brückenkonstrukteur Dr. Gustav Lindenthal vor, dem wir zahlreiche weltberühmte Brückenbauten in der Neuen Welt Amerika verdanken, wie etwa die Kentucky-Brücke, die Ohio-Brücke oder die Hellgate-Brücke, die den East River überspannt (S. 195–222). Schließlich stellte Dr. Martin K. Bachstein „Auszüge aus der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie und ihres politischen Umfeldes“ vor (223–238). Beim Lesen all dieser Beiträge wurde das Brünn der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebendig. So lebendig, daß ich mich genötigt sah, allen Lesern der Sudetendeutschen Zeitung von diesem Bü-

Freie Fahrt auf der Autobahn D1

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ach neun Jahren Bauzeit kann der Verkehr auf der ältesten und längsten Autobahn in Tschechien wieder ungestört fließen. Die Autobahn beginnt in Prag und führt über Brünn und Wischau bis nach Ostrau an die Grenze zu Polen. Es wurden 160 Autobahnkilometer erneuert, einschließlich 95 Brücken und 35 Ausfahrten. Außerdem wurden die Fahrspuren verbreitert. Die Kosten für den Ausbau belaufen sich auf insgesamt 860 Millionen Euro.

Reliquiar der Heiligen Zdislava

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laskünstler der Firma Pačinek Glass in Kunnersdorf haben ein Reliquiar der Heiligen Zdislava hergestellt. Der Heiligenschrein aus Kristallglas mit den Überresten der böhmischen Heiligen und Schutzpatronin der Region Reichenberg ist ein Geschenk der Tschechischen Bischofskonferenz und der Gläubigen aus Böhmen, Mähren und Schlesien für Papst Franziskus. Am Samstag hat der päpstliche Nuntius Charles Daniel Balvo einen feierlichen Gottesdienst in Kunratice zelebriert. Die Monstranz blieb während der Messe unter einem Schleier versteckt. Das Reliquiar wird im November dem Papst übergeben, bis dahin bleibt sein Aussehen geheim.

Mehr Geld für Staatsbedienstete

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as durchschnittliche Monatsgehalt von Staatsbediensteten soll im nächsten Jahr um durchschnittlich 1491 Kronen (59 Euro) pro Monat auf 41561 Kronen (1641 Euro) stei-

gen. Dies sieht der Staatshaushaltsentwurf für das nächste Jahr vor, den die Regierung dem Abgeordnetenhaus vorgelegt hat. Außerdem sollen 7000 zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Preis für den besten Dokumentarfilm

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it dem Pavel-KouteckýPreis für den besten Dokumentarfilm des Internationalen Filmfestivals Elbe Dock ist in Aussig der tschechische Dokumentarist Pavel Záruba ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte damit seinen Film „Jan Jedlička. Spuren der Landschaft“, eine Hommage an den tschechischen Künstler Jan Jedlička, der 1969 in die Schweiz emigriert ist.

Weiter Streit um Tagebau Turów

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er Vertrag zwischen Tschechien und Polen, der den Weiterbetrieb des Tagebaus Turów sowie dessen Auswirkungen auf die tschechischen Gemeinden regeln soll, sei fertig ausgearbeitet, aber noch nicht unterschrieben, sagte der tschechische Umweltminister Richard Brabec (Partei Ano) und erklärte, es sei noch keine Einigung über die Laufzeit des Vertrages erzielt worden. Dagegen kommentierte der polnische Minister zum Schutz von Luftqualität und Umwelt, Michal Kurtyka, Polen habe ein „sehr gutes Angebot“ vorgelegt, aber der Vertrag sei wegen der „gestiegenen tschechischen Anforderungen gescheitert“.

Notenbank dreht an der Zinsschraube

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m 0,75 Prozentpunkte hat die Tschechische Nationalbank am Donnerstag den Leitzins auf 1,5 Prozent deutlich erhöht. Das ist die höchste Anhebung seit 1997. Wirtschaftsexperten hatten im Vorfeld nur eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte erwartet.

Preis der deutschen Schallplattenkritik

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it dem Preis der deutschen Schallplattenkritik 2021 wurden die Mezzosopranistin Anna Lucia Richter, die Bamberger Symphoniker und Jakub Hrůša ausgezeichnet. Sie wurden für die Aufnahme von Gustav Mahlers Wunderhorn-Symphonie Nr. 4 G-Dur (Accentus Music) geehrt.

Sudetendeutsche Zeitung

Auch in diesem Jahr nahmen Tschechen und Sudetendeutsche im Gedenken an die Opfer der Vertreibung gemeinsam am Lebensmarsch vom Massengrab in Pohrlitz nach Brünn teil. Foto: Fricke meinen alten Kaiser und an mein liebes Vaterland. Und infolgedessen, wenn ich so sagen darf, glaube ich auch an Gott.“ (S. 111) Irgendwann beginnt dann nach einem Grundsatzbeitrag des unvergessenen Professors für Osteuropa-Geschichte, Friedrich Prinz, „Der ‚Mährische Ausgleich‘ von 1905. Historisches Kuriosum oder zukunftsträchtiges Modell?“ (S. 126–138) die Dokumentation der Brünner Tagung mit allen Vorträgen und sogar den Fürbitten im deutschtschechischen Gottesdienst im Dom zu Brünn. Dabei erfährt man außerordentlich viel über Brünn und seine Spezifika, aber doch relativ wenig über die Analyse der politischen Wirkungen und Erfahrungen mit dem Mährischen Ausgleich und seine Übernahmen in weitere Kronländer wie etwa die Bukowina, Galizien oder Bosnien-Herzegowina. Einzig der Festvortrag von Prof. Dr. Rudolf Grulich ist nahe am Thema und bis zur Gegen-

zählt. So befaßt sich Prof. Dr. Miloš Štědroň mit dem „Musikalisch-künstlerischen Brünn in der Epoche des ‚Fin de siècle‘“ (S. 150–161) und widmet sich dabei hauptsächlich dem Werk von Leoš Janáček. Dr. Erich Pillwein berichtet über die deutschen Bürgermeister von Brünn und ihren Beitrag zur Infrastruktur der Stadt im 19. Jahrhundert (S. 162– 179). In dem reich bebilderten Beitrag legte er einen besonderen Schwerpunkt auf die Leistungen des Brünner Bürgermeisters Christian d’Elvert (1861–1864 und 1870–1876). Unter seinem Stadtregiment wurde der Brünner Spielberg bepflanzt. Architekt Jaroslav Klenovský berichtete „über die jüdische Minderheit in Brünn und ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung“ (S. 180–185). Dr. Amadeus Sobotka referierte über „Persönlichkeiten und Leistungen der tschechischen Ärzte der Stadt Brünn“ (S. 186– 194). Diplom-Ingenieur Mark-

cherfund zu berichten, der 15 Jahre unscheinbar in meinen Regalen auf den entscheidenden Tag wartete, an dem ihn jemand herausnehmen würde und darin zu lesen beginnen wollte. Das alles hat die Brünn-Fahrt im Jahre 2021 verursacht. Wenn Sie, lieber Leser, Geschmack daran gefunden haben, dann nehmen Sie sich zu Herzen, was im Impressum zu finden ist: „Das Buch wird nur auf Bestellung gedruckt. Darum bitten wir um ca. 2 Wochen Geduld! Der gesamte Text ist im PDF-Druckformat enthalten auf der DateiCD „BINH“, die auf gleichem Wege für 15 Euro bestellt werden kann. Die CD enthält außerdem das gesammelte Inhaltsverzeichnis der BHB seit 1948, alle Texte und Bilder des BHB seit 2000, die Bücherliste des BRUNA-Literatur-Archives und einige wertvolle andere heimatkundliche Datensammlungen mehr.“ Die eMail-Adresse: BHB-Vertrieb@Bruenn.org. Dr. Ortfried Kotzian

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: N. N. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Seine Bilder sind voller Ausdruckskraft und eine Hommage an seine sudentendeutsche Heimat. Noch bis zum 21. November präsentiert das Sudetendeutsche Museum aktuelle Werke von Werner Reinisch (siehe Seite 7). Der heute in Südfrankreich lebende Künstler wurde 1930 in Jokes bei Karlsbad geboren und hat die Vertreibung als Jugendlicher erlebt.

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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8.10.2021

� Interview mit Werner Reinisch, dessen Kunst derzeit im Sudetendeutschen Haus gezeigt wird

„Meine verlorene Heimat hat mich geprägt“

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err Reinisch, als Sie vertrieben wurden, waren Sie 15 Jahre alt. Wie war Ihre Jugend in Böhmen? Werner Reinisch: Ich wurde in Jokes bei Karlsbad geboren. Mein Vater war ein junger Lehrer und hatte noch keine Festanstellung. Als ich noch sehr klein war, sind wir zunächst nach Ober Wernersdorf ins Riesengebirge gezogen, wo ich dann auch Skifahren gelernt habe. Später haben wir in Georgswalde direkt an der Grenze zu Sachsen gelebt. Viele Sudetendeutsche waren bereits seit Jahrhunderten in Böhmen und Mähren ansässig. Welche Wurzeln hat Ihre Familie? Reinisch: Mein Vater war Hobby-Ahnenforscher und hat herausgefunden, daß er holländische Wurzeln hatte und meine Mutter ungarische. Mein Großvater mütterlicherseits war Zigeuner und hat sich um die Pferde des Fürsten von Lobkowitz gekümmert. Daher habe ich wohl meine Liebe zu den Pferden. In Ihren Werken spielen Pferde als Motiv eine große Rolle. Sind Sie selbst Reiter? Reinisch: Ja, in Eberswalde durfte ich dann das Reiten lernen. Mein Reitlehrer war ein Tscheche, ein ehemaliger Offizier der österreichisch-ungarischen Armee. Später habe ich in Frankreich das Dressurreiten betrieben. Und noch heute habe ich einen Hengst. Welche Erinnerungen haben Sie an das Kriegsende? Reinisch: Im Frühjahr 1945 sagte meine Mutter plötzlich: „Hörst du die Kanonen? Das sind die Russen. Die kommen jetzt, und wir müssen fort.“ Wir sind dann zu meiner Tante und meiner Oma geflüchtet, die in Radonitz wohnten. Dort haben wir das Kriegsende und den Einmarsch der Russen erlebt. Und hier hat meine Liebe zu den Franzosen ihren Ursprung. Die franzöischen Kriegsgefangenen, von denen einige als Zwangsarbeiter auf dem Hof meiner Großmutter eingesetzt waren, aber die von ihr wie Verwandte behandelt worden sind, haben uns vor den Russen beschützt. Das habe ich nie vergessen. Sie haben die Frauen davor bewahrt, von den russischen Soldaten vergewaltigt zu werden. Warum sind Sie nicht weiter Richtung Westen zu den Amerikanern geflüchtet? Reinisch: Alle haben damals gehofft, „daß es wieder gut wird“. So hat mir eine Bäuerin kurz vor ihrer Vertreibung Wertsachen gegeben, damit ich sie unter einem Misthaufen verstecke. Alle hatten gedacht, daß sie bald wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Niemand hatte geahnt, daß es ein Abschied für immer sein wird. Ihre Mutter hat Sie dann zu Verwandten geschickt. Warum? Reinisch: Als man sich im Dorf erzählte, daß die Tschechen Jungen in meinem Alter in Lastwagen gesteckt und fortgeschafft haben, hatte meine Mutter Angst um mich. Sie hat mich dann zu einem Onkel in einem Nachbardorf geschickt, der einen großen Hof hatte und dort Bürgermeister war. Eines Tages erhielten wir dann die Nachricht, daß meine Tante Paula ausgewiesen wird. Wir sind dann sofort zu ihr gelaufen. Dort waren bereits vier Tschechen, davon drei in Uniform, um sie abzuholen. Es war mitten im Sommer, aber sie hat sich ganz viele Kleider übereinander angezogen, um möglichst viel mitzunehmen. Ihre drei kleinen Kinder haben sich an sie ge-

klammert, beim Abtransport hat meine Tante geweint. Im Dorf Ihres Onkels konnten Sie auch nicht lange bleiben. Reinisch: Eines Tages erhielten wir den Befehl, wir sollten nicht aus dem Haus gehen. Das Dorf sei umzingelt von russischen Soldaten. Dann gingen die tschechischen Polizisten von Haus zu Haus. Ich erhielt einen Passierschein, um zu meiner Mutter zurückzugehen. In Radonitz wurde ich dann gewarnt, ich solle mich in Acht nehmen, da ich noch die Hose der Hitlerjugend trug. Kurze Zeit später wurde ich prompt entdeckt, und ein Soldat rief „Halt“. Ich bin sofort geflüchtet, und da ich mich gut auskannte, bin ich unter einer Brücke in Deckung gegangen, anschlie-

polizist endlich die Waggontür geschlossen hat, ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen. In Gerolsheim in Baden-Württemberg haben wir Gott sei Dank unseren Vater wieder getroffen. Von was haben Sie in der Zeit gelebt? Reinisch: Mein Vater durfte zunächst nicht als Lehrer arbeiten und hat unter der Woche bei der Bahn Schienen verlegt. An den Wochenenden hat er sich seine Wehrmachtsuniform angezogen – er war Gefreiter gewesen – und ist übers Land gegangen und hat den Bauern gesagt, daß er gerade aus Rußland aus der Kriegsgefangenschaft zurück komme. Da haben ihm die Bauern immer ein bißchen Brot, Butter, Speck und Kartoffeln ge-

� Zur Person: Werner Reinisch

�  Geboren am 16. Dezember 1930 in Jokes bei Karlsbad. �  1946: Vertreibung nach Deutschland. �  Ab 1952: Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden

Künste in Karlsruhe. �  1962: Umzug nach Frankreich. �  1999: Aufnahme ins internationale Künstlerlexikon Benezit. �  2007: Herausgabe des ersten Reinisch-Kalenders. �  2008: Aufnahme in den Bundesverband der Bildenden Künstler. �  2017: Orden „Ritter der Ehrenlegion“. ßend am Fluß weitergelaufen. Ich habe noch einen Pistolenschuß gehört, aber ich konnte fliehen. Meiner Mutter und mir war aber danach klar, daß ich in dem Dorf nicht bleiben konnte. Ich wurde daraufhin bei einem Bekannten in dem Nachbarort Rosengarten untergebracht. Rosengarten, das Dorf meines Onkels und viele weitere Gemeinden in der Umgebung gibt es heute nicht mehr. Sie wurden alle ab 1949 für den Truppenübungsplatz Hradiště niedergerissen. Wie lief Ihre Vertreibung ab? Reinisch: Wir kamen in ein Lager. Und von dort wurden meine Mutter, mein drei Jahre jüngerer Bruder und ich in einem Viehwaggon nach Eisenach gebracht. Da mein Vater in amerikanischer Kriegsgefangenschaft war, erhielten wir dort die Genehmigung, von der sowjetischen in die amerikanische Zone wechseln zu dürfen. Wir mußten dafür wieder in ein Lager. Hier wurden wir entlaust, was eine häßliche Prozedur war. Ich mußte mit den vielen anderen Männern nackt in einem Raum stehen. Bereits sehr früh sind wir am Morgen zum Bahnhof gegangen, um noch einen Platz zu bekommen. In dem Viehwaggon gab es Bänke. Und kurz nachdem wir uns dort niedergesetzt hatten, kam ein Mann, krabbelte unter die Bank und bat uns: „Verratet mich bitte nicht.“ Als dann der Volks-

geben. Und dadurch mußten wir in dieser schlechten Zeit nie hungern. Später durfte mein Vater in Brühl wieder als Lehrer arbeiten. Wie war Ihre Schulzeit? Reinisch: Die Schulzeit war schön. Ich konnte sogar eine Klasse überspringen und habe Fußball gespielt, was für einen sudetendeutschen Jungen ungewöhnlich war. Bei uns daheim hatten nur die Tschechen Fußball gespielt, und dies meinstens sehr gut. Wie kamen Sie zum ersten Mal mit der Kunst in Berührung? Reinisch: In Bad Mergentheim hatte ich einen Kunstlehrer, der uns mit großer Begeisterung die Kunst nahe brachte, die die Nazis einst als entartet verboten hatten, insbesondere den Expressionismus. Ich habe damals angefangen Aquarelle zu malen, die mein Lehrer dann im Klassenzimmer ausgestellt hat. Da habe ich zu meinem Vater gesagt, ich will Maler werden. Aber er bestand darauf, daß ich erst das Abitur mache. Nach Ihrem Abitur 1951 in Schwetzingen haben Sie an der Staatlichen Akademie der bildenen Künste in Karlsruhe studiert, wo Erich Heckel, Mitbegründer der Künstlergruppe Brücke, lehrte. Reinisch: Erich Heckel hat mich geprägt. Durch ihn habe ich verstanden, was Malerei eigentlich ist. Diese Art zu malen habe

ich bei Heckel aufgesogen. Als junger Künstler kann man in der Regel nicht von der Kunst leben. Wie haben Sie diese Zeit durchgestanden? Reinisch: Ich habe viele Jobs gemacht, um mir die Malerei leisten zu können. Ich habe bei den Amerikanern als sogenannter Heavy-Worker gearbeitet und schwere Lasten getragen, bis ich nicht mehr konnte. Ich bin als Model über den Laufsteg gegangen, habe unter anderem im Bergwerk gearbeitet und in der chemischen Industrie, wo ich dann einen schweren Unfall hatte. Was ist passiert? Reinisch: Beim Öffnen eines Behälters habe ich einen Schwall Schwefelsäure abbekommen. Die Kollegen haben mir dann sofort die Kleider heruntergerissen und mich unter eine Dusche gestellt. Ein Auge ist dabei aber beschädigt worden, deshalb konnte ich nicht Pilot werden. Sie wollten Pilot werden? Reinisch: Ja, ich war drei Monate bei der Luftwaffe als Offiziersanwärter. Aber nachdem ich mit dem einen Auge schlechter sah, konnte ich nicht Kampfpilot werden. Wie ging es dann weiter? Reinisch: Nach der Entlassung habe ich in Stuttgart bei der USArmee Plakate gemalt. Von mei-

nem Ersparten bin ich dann nach Hamburg gereist und habe dort ein wunderschönes Mädchen kennengelernt – Doris Gallert, die damals schon als Schauspielerin erste Erfolge hatte. Sie hat organisiert, daß mir Richard Münch, der unter Gustav Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gearbeitet hatte, kostenlos Schauspielunterricht gab. Ich habe dann Jürgen Roland kennengelernt, der mich in vielen Filmen eingesetzt hat. Er war bis zu seinem Tod ein guter Freund. Aber leider habe ich mich dann verheiratet und meine liebe Doris verlassen. Leider verheiratet? Reinisch: Ich habe vor der Kamera einen Playboy in einem weißen Smoking gespielt und bin dafür besonders von der Bildmeisterin gelobt worden. Wir haben uns verliebt, geheiratet und zwei Kinder bekommen, aber ich rede nicht gerne über diese Zeit. Das ist mein großer Kummer, daß alles so schief gegangen ist. Sie wollte unbedingt, daß ich Schauspieler werde. Ich aber wollte Maler sein. Für mich war die Schauspielerei nur Mittel zum Zweck, um Geld zu verdienen. Ich bin dafür geschaffen, allein in meinem Atelier zu sein, nicht auf einer Bühne oder vor der Kamera zu stehen. Anfang der 60er Jahre haben wir uns dann getrennt. Als

Scheidungsgrund hielt das Gericht damals fest: „... weil er bildener Künstler sein will“. Sie sind dann nach Paris? Reinisch: Ja, in einem kleinen VW Käfer und meinem Hund. In Paris habe ich als Straßenkünstler Kupferkunstwerke geschlagen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Den ersten Großauftrag habe ich von dem damals sehr bekannten Modeschöpfer Jacques Esterel erhalten. Durch das Kupferschlagen habe ich sehr viel für meine Kunst gelernt, aber eines Tages konnte ich nicht mehr aufstehen, war praktisch gelähmt. Der Arzt hat mir dringend geraten, daß Kupferschlagen wegen der einseitigen Bewegung aufzugeben. Sie haben anschließend Paris verlassen und sind nach Tauriers ins südfranzösische Departement Ardèche gezogen. Reinisch: Ja, mit einer sehr jungen Frau. Sie hat mich unterstützt und meine Kunst verkauft. Leider ist sie in den Drogensumpf abgeglitten. Wie haben Sie wieder zurück gefunden? Reinisch: Gerettet hat mich Maryse, die wichtigste Person in meinem Leben. Ich habe sie in Montpellier an der Universität kennengelernt. Mit ihr bin ich dann 1969 in die Ardèche gezogen. Wir waren bis zu ihrem Tod 55 Jahre zusammen. Sie war Professorin und kannte eine Zeichenlehrerin, die unbedingt Schmuck machen wollte. Annette ist dann zu uns gezogen und hat das Kupferschlagen von mir übernommen. Welcher Künstler hat Sie beeinflußt? Reinisch: Paul Klee. Für mich ist er der Maler, der zwischen dem Hier und dem Anderswo eine einzigartige Verbindung herstellt Wie würden Sie Ihren eigenen Kunststil beschreiben? Reinisch: Dr. Peter Spielmann, der in der Gegend von Aussig geboren wurde und viele Jahre das Kunstmuseum Bochum geleitet hat, hat mich einmal durch eine Ausstellung der CoBrA-Gruppe geführt, die 1948 in einem Café in Paris gegründet worden ist, und in der sich Künstler – wie Karel Appel – sowie Künstler aus Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam zusammen gefunden haben. Dr. Spielmann hat zunächst kein Wort gesagt, aber ich habe sofort verstanden, daß er mich in der Tradition der CoBrA sieht. Und ich glaube, das trifft es am besten. CoBrA steht für die Abkehr vom Surrealismus und für eine Wiederbelebung des Expressionismus mit den Stilmitteln des Informel, was sich in der Tat deutlich in Ihren Werken widerspiegelt. Reinisch: Hinzu kommt in meinen Werken noch der Einfluß von Omraam Mikhaël Aïvanhov, einem spirituellen Meister. Und natürlich hat mich meine verlorene Heimat geprägt, obwohl mich mein Leben zunächst in Deutschland und jetzt in Frankreich nur bereichert hat. Haben Sie Ihre ursprüngliche Heimat jemals wieder besucht. Reinisch: Nein, mein Bruder ist mit unserer Mutter hingefahren. Sie waren sehr enttäuscht. Ich wollte aber meine schönen alten Erinnerungen nicht zerstören. Ich habe sie in meinem Buch „Clownsnase und Adlerschnabel“ 2012 aufgeschrieben. Dort heißt es: „Ein böhmischer Leierkasten hält vor einem Briefkasten an, holt die Briefe heraus, spricht die Köpfe der Briefmarken an und macht dann mit der Lochzange eines Schaffners der Eisenbahn Löcher in die verschlossenen Briefumschläge, damit er die Briefgeheimnisse leise leiern kann. Klingt aber trotzdem ein Geheimnis heraus, schämt er sich sehr und wischt sich die Ohren gleich im böhmischen Meer.“ Torsten Fricke


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TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8.10.2021

1916 eingeschmolzen und jetzt wiederbeschafft: Nun fehlt nur noch das Geld für die Inbetriebnahme

Das lange Warten auf die Kirchenglocke von Tuschkau

Die Bürgergemeinschaft der Stadt Tuschkau im ehemaligen Bezirk Mies hat den Nationalfeiertag zum Heiligen Wenzel auf besondere Weise gefeiert: Mit einem Volksfest begrüßte sie die Ankunft ihrer neuen, dem Heiligen Benedikt geweihten Glocke, die 105 Jahre lang im Turm der Stadtkirche gefehlt hatte.

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Noch fehlt das Geld für die Inbetriebnahme, aber geplant ist, daß das Geläut im Frühjahr wieder vollständig ist – nach über einhundert Jahren.

m Jahr 1916 war die BenediktGlocke dem ungeheuren Bedarf an Metallen für Kriegszwekke zum Opfer gefallen und eingeschmolzen worden. Sinnlos, wie jetzt Prinz Vladimír Lobkowicz, Freund und Förderer der Tuschkauer Pfarrei aus dem benachbarten Pilsen-Krimice anmerkte, denn der Erste Weltkrieg sei trotzdem verloren worden. Zehn Jahre später scheiterte der Versuch des damaligen Stadtpfarrers Josef Resl, unter seinen damals überwiegend deutschen Pfarrkindern genügend Geld für eine neue Glocke

zu sammeln. So blieb das Geläut der Tuschkauer Kirche auch über den Zweiten Weltkrieg und die Vertreibung der Deutschen hinweg unvollständig. Es blieb dem 2019 gegründeten Bürgerverein „Náš Touškov“ (Unser Tuschkau) vorbehalten, im Juni 2020 eine Initiative zur Wiederbeschaffung der fehlenden Glocke in die Wege zu leiten. Über eine Million

tschechische Kronen, also etwa 40 000 Euro, waren für das Projekt zu beschaffen. Ein Drittel davon steuerte die Region Pilsen bei, 200 000 Kronen kamen vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, und auch die umliegenden Gemeinden beteiligten sich an den Kosten. Und private Spender und Förderer wurden um ihre Beiträge gebeten. Eine gezielte Werbung für das Pro-

Mit einem Pontifikal-Gottesdienst am Nationalfeiertag zum Heiligen Wenzel wurde die Ankunft der neuen Glocke in Tuschkau gefeiert. Fotos: Lippert

jekt unter den Nachkommen der heimatvertriebenen Pfarrkinder scheiterte, und so blieb die deutsche Beteiligung an der Spendenaktion weitgehend auf die Nachkommen des 1940 verstorbenen Senators Andreas Lippert aus dem benachbarten Wenussen beschränkt. Umso größer war das Interesse der tschechischen Bevölkerung, die am St.-Wenzels-Tag ihre neue Benedikt-Glocke mit einem Volksfest am Kirchenplatz in Empfang nahm. Mit einem Pontifikal-Gottesdienst unter Leitung des Pilsener Bischofs Tomáš Holub fand der Festtag seinen Abschluß. Bis zum Frühjahr 2022 wird es nach der Planung von Petr Komanec, Initiator des Vereins „Náš Touškov“ und der GlockenAktion, noch dauern, bis er das Geld für die notwendigen Arbeiten zur Installation der Glocke im Turm zusammen hat. Christoph Lippert

VERANSTALTUNGSKALENDER Noch bis Sonntag, 21. November: „Von Böhmen in die Ardèche – Ausstellung von Werner Reinisch“, Sudetendeutsches Museum, Alfred-Kubin-Galerie. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Öffnungszeitung: dienstags bis sonntags, 10.00 bis 18.00 Uhr. Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick. Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Das Europäisches Volksmusikkonzert in der Stadthalle Korntal mußte abgesaggt werden und fällt aus! Information: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Dienstag, 12. Oktober, 18.30 Uhr, Kulturreferat für die böhmischen Länder: „Verblichen, aber nicht verschwunden.“ Eröffnung der Ausstellung über Spuren der deutschsprachigen Bevölkerung im Böhmerwald. Repräsentanz des Freistaats Bayern in der Tschechischen Republik, Michalská 12, 110 00 Praha 1. Anmeldung unter https:// veranstaltungen-prg.stk.bay-

ern.de/Events/Register/ 67b81b46-6927-4ffc-a9b0540e67bfdc60 Freitag, 15. Oktober, 18 Uhr und Samstag, 16. Oktober, 17.00 Uhr: Adalbert Stifter Verein: „Heimaten in Böhmen“. Es lesen und finden sich im Gespräch die Autorin und Fotografin Wolftraud de Concini und der Autor und Journalist Vratislav Maňák. Pilsen verbindet die zwei Schreibenden, die die Rückkehr zum Ort ihrer Kindheit thematisieren. Die Abende moderiert Renate Zöller. Freitag: GoetheInstitut, Königsbrücker Straße 84, 01099 Dresden, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich. Samstag: Parkhotel Band Schandau, Rudolf-Sendig-Straße 12, Band Schandau. Eintritt: 7 Euro. Samstag, 16. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Roth, Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen. Restaurant-Café Waldblick, Ostring 28, Roth. Samstag, 16. Oktober, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Film „Musical: Tisa – Eine Liebe ohne Grenzen“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Samstag, 16. Oktober, 12.30 bis 18.15 Uhr. Adalbert Stifter Verein: „Kulturelle Integrationsprozesse zwischen Flüchtlin-

Online-Seminar: Mihai I. von Rumänien Dienstag, 12. Oktober, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar „Mihai I. von Rumänien und seine historische Bedeutung“. Gespräch mit der Historikerin und Slawistin Dr. Edda Binder-Iijima, Lehrbeauftragte an den Universitäten Heidelberg und Göttingen Veranstaltung für Multiplikatoren und historisch Interessierte König Mihai I. von Rumänien (1921–2017) verkörpert wie kaum eine andere Persönlichkeit die Dramatik und Tragik des 20. Jahrhunderts, vor allem für die Länder in Ost- und Südosteuropa. Zweimal zum König berufen, um dynastische und politische Krisen zu lösen, spielte er eine zentrale Rolle im Zweiten Weltkrieg bei dem Seitenwechsel Rumäniens 1944 zu den Alliierten, ohne damit die Sowjetisierung Rumäniens aufhalten zu können. Ende 1947 ins Exil gezwungen, konnte er erst ab 1996 wieder eine Rolle für Rumänien übernehmen, diesmal als Botschafter für die Integration des Landes in europäische Strukturen. Mihai gilt heute als eine wichtige historische Persönlichkeit, und er steht vor allem für eine historische und personelle Alternative von Selbstbestimmung und Integrität, die Rumänien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert verwehrt blieb. Auch ein Thermenbesuch, eine Führung durch die Weltkulturerbestadt Bad Kissingen sowie eine Tagesexkursion mit Besuch von Kirchenburgen und Natur in der Rhön sind vorgesehen. Anmeldung unter eMail hoertler@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

gen, Vertriebenen und Alteingesessenen seit dem Zweiten Weltkrieg – sprachwissenschaftliche Befunde im interdisziplinären Kontext“. In dem Workshop werden qualitative und quantitative Befunde aus dem Forschungsprojekt zur sprachlichen Integration Vertriebener in einem interdisziplinären Kreis von Kulturwissenschaftlern, Historikern und Ethnographen diskutiert. Der Workshop findet online über Zoom statt. Einwahllink über die Webseite www.stifterverein.de Samstag, 16. Oktober, 18.00 bis 01.00 Uhr, Die lange Nacht der Münchner Museen (Auszug). Sudetendeutsches Museum: Performance der Tänzerin und Choreografin Anastasia Kostner um 21.00 und 23.00 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal. Museum und Werner-ReinischAusstellung „Von Böhmen in die Ardèche“ sind geöffnet. Haus des Deutschen Ostens: „Frauen schreiben Geschichte(n), Lesungen und Literaturtalk. 19.00 Uhr: „Das Paprikaraumschiff“ (2020) mit Sigrid Katharina Eismann. 20.30 Uhr: „Roms Flair in flagranti“ (2020) mit Ilse Hehn. 22.00 Uhr: „Die gestohlene Erinnerung“ (2015) mit Ulrike Schmitzer. Mittwoch, 20., bis Sonntag, 24. Oktober, Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender: Egerland-Kulturwoche. Egerlandhaus, Marktredwitz. Programmauszug: Mittwoch: Außerordentliche AEK-Mitgliederversammlung im Bairischen Hof; Donnerstag, 10.00 Uhr: Eröffnungsveranstaltung im Egerlandhaus. Eröffnung durch Oswin Dotzauer, 1. Vorsitzender des AEK; 11.30 Uhr: Festrede Johann Böhm, Bayerischer Landtagspräsident a.D. und Altsprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe; 13.30 bis 17.00 Uhr: Vorträge von Hubert Franz Schweitzer, Dr. Ralf Heimrath, Gernot Facius, Alexaner Friedl und Prof. Dr. Erich Zettl; 20.00 Uhr: Festabend „In der Eghalanda Hutzastu(b)m“; Freitag, 10.00 Uhr: Vorträge von Reinhard M. Steiner und Graf Franz Erwein Nostitz-Rieneck. Freitag, 22. Oktober, 18.00 Uhr, vhs Holzkirchen-Otterfing in Kooperation mit dem Kulturrefererat für die böhmischen Länder: Mährischer Abend. vhs Holzkirchen-Otterfing, MaxHeimbucher-Straße 1, Holzkirchen. Anmeldung unter: Telefon (0 80 24) 4 67 89 10. Samstag, 23. Oktober,14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag.

Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Donnerstag, 28. Oktober, 15.00 Uhr, AckermannGemeinde: Böhmische Spuren in München. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Eintritt 5 Euro für Kaffee und Kuchen, Anmeldung erforderlich unter www.ackermann-gemeinde.de Sonntag, 7. bis Dienstag, 9. November, Stiftung SSBW und SL-Bundesverband: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Eine Spurensuche für Sudetendeutsche und Tschechen“. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefax (09 71) 71 47 47, eMail hoertler@ heiligenhof.de oder schuster@ sudeten.de Dienstag, 9. bis Freitag, 12. November, Stiftung SSBW und SL-Bundesverband: „Wurzeln in Böhmen – Wege nach Europa. Die Erben der Vertreibung und ihr Umgang mit der Geschichte“. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Anmeldung: Telefax (09 71) 71 47 47, eMail hoertler@ heiligenhof.de oder schuster@ sudeten.de Freitag, 12. bis Samstag, 13. November, SL-Bundesverband: Jahrestagung des Sudetendeutschen Heimatrates mit Neuwahl des Vorstandes. Bad Kissingen, Heiligenhof, Alte Euerdorfer Straße 1. Auskunft und Anmeldung: Telefon (0 89) 48 00 03 54, eMail schuster@sudeten. de Samstag, 13. November, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Autorenlesung. Dr. phil. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Vorweihnachtliche Feier. Café Rathsstift,

Sudetendeutsches Haus

„Prag empfing uns als Verwandte“ Dienstag, 26. Oktober,

19.00 bis 21.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München: „Prag empfing uns als Verwandte“, Buchpräsentation mit Peter Lange. Im Dezember 1936 verkündete der NS-Staat die Ausbürgerung von Thomas Mann (auf dem Foto links mit Bruder Heinrich). Aber dieser Schlag ging ins Leere – der Literaturnobelpreisträger und prominenteste deutsche Schriftsteller ist bereits Bürger der Tschechoslowakei, und mit ihm auch Bruder Heinrich und die meisten Angehörigen der Familie. Mit vielen bislang unbekannten Details schildert der Journalist Peter Lange das Verhältnis der Familie Mann zu den Tschechen, er stellt die tschechischen Schwägerinnen des Nobelpreisträgers vor, analysiert die politischen und kulturellen Beziehungen zu

Prag und zeichnet die Reisen in die Tschechoslowakei nach. Der Autor Dr. Peter Lange ist ARD-Korrespondent in Prag und wurde für seine Forschung zum Thema mit dem Deutsch-tschechischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Veranstalter ist das Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Eintritt frei, Anmeldung erforderlich über https://eveeno.com/ familie-mann

Podiumsgespräch mit Pomona Zipser

Literatur im Scherenschnitt Dienstag, 19. Oktober, 19.00 Uhr „Literatur im Scherenschnitt – Pomona Zipser (Foto) und Heinke Fabritius über das Arbeiten mit Papier“, Podiumsgespräch in Kooperation mit der Kulturreferentin für Siebenbürgen. Pomona Zipser ist Bildhauerin. An diesem Abend wird sie im Gespräch mit Dr. Heinke Fabritius aber über einen anderen Teil ihres Werks berichten: ihre erzählfreudigen Arbeiten auf und mit Papier – Collagen, Scherenschnitte, Pinsel- und Bleistiftzeichnungen. Inspiration ist ihr dabei die Literatur, und zwar durchaus gegensätz-

liche Strömungen, die sie in ihrer Kunst zu balancieren weiß. So wird es um die rumänische literarische Avantgarde, namentlich: Urmuz, gehen, aber auch um Theodor Fontane und den deutschen Realismus.


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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Zum 125. Geburtstag gedenkt die Seliger-Gemeinde des großen Sudetendeutschen

Wenzel Jaksch: Sozialer Demokrat kämpfender Humanist, Europäer Versöhnung. Er sagte klar Nein zu jeschaften. Was das politische Gewicht der Form des Totalitarismus und zu naWenzel Jakschs betraf, erinnerte Naaß tionalistischen Irrwegen, war aber auch an die Trauerrede Willy Brandts im Deein herausragender Brückenbauer. Ohzember 1966. Brandt nannte den Jakschne ihn wäre die Volksgruppe nach der Bericht von 1961 und die Broschüre Katastrophe der Vertreibung niemals zu „Westeuropa, Osteuropa, Sowjetunion“ eben der Ko-Vorsitzenden der SG jener demokratischen Einheit in Vielfalt von 1965, die als Elemente einer neuen Helena Päßler, der Präsidentin der geworden, die sie heute zu einem wertOstpolitik bleiben werden. Aber auch sudetendeutschen Bundesversammlung vollen Faktor im Herzen Europas macht. seinen Einsatz für die HeimatvertriebeChrista Naaß und dem ehemaligen Lan- Wenn wir den Weg von Wenzel Jaksch nen und seine sudetendeutschen Landsdesvorsitzenden der SG Hessen, Leon- konsequent weitergehen und uns gegen leute, der zum Aufbau und Ausbau der hardt Maniura, sprach auch der Gene- den neuen Nationalismus und die FremBundesrepublik beigetragen hat, würralsekretär der Hessen-SPD, Christoph denfeindlichkeit unserer Tage wenden, digte damals Brandt. Und Christa Naaß Degen, und legte einen Gedenkkranz können wir mit Gottes Hilfe für die Zuendete mit Brandts Schlußworten: Wennieder. Außerdem meldete sich Wen- kunft all die Schrecken verhindern, die zel Jaksch wird für uns immer bleiben: zel Jakschs Sohn Georg Jaksch in Ver- unsere Vorfahren erleiden mußten.“ Patriot und Europäer, sozialer Demokrat tretung der Familie zu Wort. Und auch Christoph Degen, der die Fraktionsund kämpferischer Humanist. Und Bernd Posselt hatte ein Grußwort ge- vorsitzende der SPD im Hessie fügte hinzu: „Er hat schickt, das der SL-Vorsitzende Hessens sischen Landtag Nancy sich für seine und unund SG-Mitglied Markus Harzer verlas. Faeser vertrat, erinsere politische GeMit dem Böhmerwaldlied, gespielt nerte an den Ausmeinschaft bleiauf einem Akkordeon durch Dieter spruch von Minibende VerdienLochschmidt, indem es heißt: „Tief d’rin sterpräsident Geste erworben. Wir im Böhmerwald/Da liegt mein Heimat- org-August Zinn, verneigen uns ort/Es ist gar lang‘ schon her/Daß ich mit dem Jaksch vor ihm!“ von dort bin fort/Doch die Erinnerung/ eng zusammenLeonhardt Die bleibt mir stets gewiß/Daß ich den arbeitete: „HesManiura erinBöhmerwald/Nie ganz vergiß. Es war im se ist, wer Hesnerte nur kurz Böhmerwald/Wo meine Wiege stand…“ se sein will.“ an das Jahr begann passend die Gedenkveranstal- Hier sei deut1998: Als er tung für den in Langstrobnitz tief im lich geworden, vor dem Grab Böhmerwald am 25. September 1896 Ge- wie Integration stand, kam borenen. gelingen konndie FriedhofsHelena Päßler begrüßte die 30 Anwe- te und kann. gärtnerin, die senden im Namen der Seliger-GemeinDann sprach er gut kannde und schilderte ihre eigene Beziehung Christa Naaß. te, und sagte zu Jaksch, dessen politisches Wirken ei- Sie erinnerzu ihm, daßgentlich in Teplitz-Schönau begann, wo te an viele bald geplant die Deutsch-Böhmische Parteileitung Lebenssei, das unter Josef Seliger ihren Sitz hatte. statioGrab einzuDort ist auch Helena Päßler geboren, nen, die ebnen. Die ihre 91-jährige Mutter, die Mitte der sie ausAlarmglok1960er Jahre mit der ganzen Familie von drücklich ken schrillTeplitz-Schönau nach Wiesbaden über- auch der ten, und ein siedelte, gehörte auch zu den Gästen WürdiAntrag bei der des Gedenkens. Das schönste Geburts- gung in der Stadt, sowie ein tagsgeschenk für Wenzel, sagte sie, sei SudetendeutSchreiben des sicher das gute Abschneiden der SPD schen Zeitung Vorstandes der bei der Bundestagswahl, die ja nur ei- (37/2021) entSG bewirkten die nen Tag nach seinem Geburtstag statt- nahm, und nannUmwandlung in ein fand. Dann ergriff Markus Harzer das te heutige GedenkEhrengrab der Stadt Wort und leitete umgehend zum Gruß- orte in Österreich, Wiesbaden. wort Bernd Posselts über: Posselt dank- Deutschland und in Dann sprach Gete der SL und der SG, daß sie gemein- seinem Geburtsort in „Verlorene Dörfer, verlassene Menschen“: Buchcover einer Sammlung von Reporta- org Jaksch. Er dankgen, die Wenzel Jakschs in den Jahren 1924 bis 1928 für das Zentralorgan der Deut- te im Namen der Fasam einer der ganz großen Persönlich- Langstrobnitz/Horni keiten unserer Volksgruppe gedenken. Stropnice im Böhmer- schen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Sozialdemokrat geschrieben hat. milie, daß noch an „Dieser Sohn des Böhmerwaldes war ge- wald – wo eine Linde seinen Vater gedacht prägt von entschiedenen moralischen ihm zu Ehren gepflanzt wurde und eine merkte an, daß Jaksch von 1959 bis 1964 werde. Er empfinde als Sohn eine tiefe Maßstäben, die wir heute noch dringend Dauerausstellung über „Gemeinsame diesem höchsten Gremium der Sudeten- Dankbarkeit für das, was er uns mitgegebrauchen: dem Streben nach sozialer Wurzeln – gemeinsame Zukunft“ auch deutschen vorsaß, bevor er zum BdV- ben hat. Er sei in den letzten Jahren öfGerechtigkeit, dem leidenschaftlichen über seine Biografie auf tschechisch und Vorsitzenden gewählt wurde. Einer Or- ter in Langstrobnitz gewesen. Er sei den Bekenntnis zur Demokratie, dem kämp- deutsch informiert. ganisation, die damals mit 2,5 Millionen Schulweg seines Vaters nachgegangen, ferischen Einsatz für ein geeintes EurDie Präsidentin der Sudeten- Mitgliedern, die zweitstärkste in West- den er damals im Sommer barfuß, im opa sowie der Hingabe an Frieden und deutschen Bundesversammlung deutschland war, hinter den Gewerk- Winter mit Holzschuhen beschritt. Und er erinnerte sich an Erzählungen seines Vaters, daß nach dem Ersten Weltkrieg, als die Grenze nach Österreich verschlossen war, er sich seinen Lebensunterhalt mit Schmuggel von Zigaretten verdienen mußte. Er denke heute vor allem an seinen Mut – mit seinen Genossen sich der faschistischen Gefahr entgegenzustellen, seine Weitsicht – die Kriegsgefahren zu erkennen und sich schon früh als Europäer zu verstehen, seinen Einsatz, seine Lebensenergie, seinen Pragmatismus – Lösungen über den Eisernen Vorhang in Europa hinweg zu suchen, und an seine Sprache, die die Auf dem Dotzheimer Waldfriedhof in Wiesbaden hat Wenzel Jaksch Am Grab: Helena Päßler, Christoph Degen, Christa Naaß, Georg Menschen erreichte. Jaksch und Albrecht Schläger. Fotos: Miksch seine letzte Ruhestätte gefunden. Ulrich Miksch Am 30. September 2021 hat sich die Seliger-Gemeinde am Grab Wenzel Jakschs auf dem Dotzheimer Waldfriedhof in Wiesbaden versammelt, um seines 125. Geburtstags zu gedenken.

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Empfang in der Hanns-Seidel-Stiftung zum 80. Geburtstag von Edmund Stoiber

„Einer der großen Ministerpräsidenten“ Mit einem Empfang in der Hanns-Seidel-Stiftung hat die CSU am Freitag den 80. Geburtstag ihres Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber gefeiert. Unter den Gratulanten war auch der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, der als Vorsitzender der Union der Vertriebenen kraft Amtes dem CSU-Parteivorstand angehört.

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dmund Stoiber ist eine der ganz großen, prägenden Figuren des modernen Bayern“, würdigte Markus Söder, Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, den doppelten Amtsvorgänger.

Stoiber sei „einer der großen Ministerpräsidenten des Freistaats“, sagte Söder und führte aus: „In seine Amtszeit fallen grundlegende Weichenstellungen für unser Land. Den ausgeglichenen Haushalt hat er als einer der ersten in ganz Deutschland angestrebt und umgesetzt. Die Entwicklung Bayerns mit der Hightech-Offensive zu einem modernen Hightech-Land ist ganz eng mit seinem Namen verbunden. Zudem hat er den Grundstein dafür gelegt, daß heute die beiden Münchner Universitäten die ersten und besten ExzellenzUnis in Deutschland sind. Er hat sich um

Bernd Posselt gratuliert Edmund Stoiber. Mit dabei: Armin Laschet. Foto: CSU

Bayern außerordentlich und dauerhaft verdient gemacht.“ Stoibers Stimme habe Gewicht, sein Rat und seine Meinung seien auch heute noch gefragt und geachtet. Unter den zahlreichen Ehrengästen war auch der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet. Er hätte, so Laschet selbstironisch in seiner Rede, „Edmund Stoiber gern ein anderes Geburtstagsgeschenk mitgebracht als dieses Wahlergebnis“. Anschließend lobte Laschet den Jubilar als einen Mann, der Loyalität geübt und Kritik immer nach innen gerichtet habe.

Mut tut gut

Ruhepause für die Seele

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as Gebet des Rosenkranzes ist gerade für das überanstrengte und so vielfach geschädigte Seelenleben unserer Zeit überaus wichtig.“ So lautet ein Zitat, welches von Romano Guardini stammt. Der berühmte Münchener Theologe mit deutsch-italienischer Abstammung brachte auf diese Weise seine Überzeugung über das Rosenkranzgebet zum Ausdruck, und zwar im Jahre 1940. Ich meine, daß das Zitat nichts an Aktualität eingebüßt hat. Wenn Guardini das Seelenleben seiner Zeit als „überanstrengt“ und „vielfach geschädigt“ bezeichnet, dann waren damit unter den dunklen Wolken der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs sicher andere Erfahrungen als heute verbunden. Doch die beiden Begriffe lassen sich ohne Zweifel auch auf unsere Gegenwart anwenden. Das innere Leben vieler Menschen ist belastet und müde, nicht zuletzt von den Auswirkungen der Pandemie, aber auch von vielen anderen Faktoren, zum Beispiel von der Schnelllebigkeit, dem Konkurrenzdruck, der Individualisierung und der Vereinsamung in unserer Zeit. Mir ist die Aussage von Guardini jetzt im Oktober untergekommen, als ich nach einem passenden Gedanken zum Rosenkranzgebet suchte. In der katholischen Kirche wird ja der Oktobermonat seit jeher als Rosenkranzmonat begangen und gefeiert. Zugleich aber wissen viele Menschen nicht mehr wirklich etwas mit dieser besonderen Gebetsform anzufangen. Das Rosenkranzgebet mit seinen vielfachen Wiederholungen des „Gegrüßet seist du, Maria“ erscheint als außerordentlich mechanisch und monoton. Die Versuchung ist groß, den Rosenkranz herunterzuleiern. Ich kenne das selbst auch ganz gut: den Rosenkranz beten und mit den Gedanken abschweifen. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, daß sich meine Gedanken dann irgendwie doch mit dem Gebet verbinden. Sie gewinnen eine Leichtigkeit, die sie ohne die monotone Gebetsbegleitung nicht hätten. Die Sorgen drücken dann nicht mehr so schwer, und die Erinnerung an die Vielzahl der bevorstehenden Aufgaben löst weniger Streß aus. So liegt also gerade in der mechanischen Gebetsform auch eine spezifische Chance. Ich habe den Eindruck, Guardini meinte genau das, wenn er den Rosenkranz als bedeutsam für unser Seelenleben bezeichnete. Vor Jahren sagte mir einmal eine Schülerin: „Ich habe von meiner Großmutter einen Rosenkranz geschenkt bekommen. Sie hat mir aber nicht beigebracht, wie man ihn betet. Können Sie mir das erklären?“ Bevor ich es tat, hakte ich nach und fragte, warum sie meine, daß diese Gebetsform wichtig sein könnte. Die Antwort der Schülerin habe ich seither nicht vergessen: „Manchmal, wenn eine Klassenarbeit bevorsteht oder ich irgendwelche Schwierigkeiten habe, halte ich den Rosenkranz einfach in der Hand und habe dabei bemerkt, daß ich innerlich ruhiger werde.“ Mir bleibt diese Antwort deshalb unvergeßlich, weil sie eine Erfahrung zum Ausdruck brachte, nach der wir uns alle sehnen. Es ist das Bedürfnis nach Ruhe in der Überanstrengung. Daß der Rosenkranz ein Instrument dafür sein kann, davon bin ich mit Romano Guardini überzeugt. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

PERSONALIEN � Adalbert-Stifter-Medaille

Walter Hecht geehrt Für sein jahrzehntelanges Wirken als Redakteur des inhaltlich und gestalterisch hervorragenden „Braunauer Rundbriefs“ sowie als Autor der Bücher über das Theater in Braunau und die Trachten im Braunauer Land verlieh der SL-Bundesvorstand Walter Hecht die Adalbert-Stifter-Medaille.

G

ünter Reichert, Mitglied des Bundesvorstands, überreichte die Auszeichnung mit der vom Bundesvorsitzenden Bernd Posselt und vom Bundeskulturreferenten Ulf Broßmann unterzeichneten Urkunde im Rahmen der Tage der Begegnung in Braunau. Erste Gratulanten waren Brau-

naus Bürgermeister Jaroslav Bitnar und der Braunauer Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz. Beide würdigten ausdrücklich die Verdienste von Walter Hecht für die Dokumentation der kulturellen Leistungen der früheren deutschen Bevölkerung im Braunauer Land. Jakub Bachoríks Zeichnung „Wie der Rhabarber schmeckt“ gehört zur Geschichte von Franz Gruß aus Ostrau.

Jindřich Janíčeks Zeichnung „Rothenbaum“ gehört zur Geschichte von Emil Baierl aus dem Böhmerwald.

Františka Loubats Zeichnung „Jonglieren ohne Worte“ gehört zur Geschichte von Annelies Hennig aus Reichenberg.

� Neuerscheinung

Vertriebene Kinder Jaroslav Bitnar, Walter Eichler, Erik Bucholz und Dr. Günter Reichert.

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Das neue Buch „Vertriebene Kinder“ ist eine altersgerechte Botschaft an heutige Kinder. Zuzana Finger hat es angesehen und gelesen.

Loubat (* 1986) zur Seite gestellt. Emil Baierls (* 1933) Erinnerung an das untergegangene Rothen-

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er tschechische Publizist Jan Blažek (* 1977), der den Lesern der Sudetendeutschen Zeitung von mehreren ZeitzeugenGesprächen als Interviewer bekannt ist, tritt nun auch als Autor des druckfrischen Buches „Vertriebene Kinder“ in Erscheinung. Aus dem reichen Fundus der von ihm in Oberfranken und Niederbayern geführten Interviews wählte er fünf sudetendeutsche Zeitzeugen aus, deren Erinnerungen in Form eines Comicbuchs festgehalten wurden und sich an junge tschechische Leser Jan Blazek, Marek Toman: „Odsunuté děti“. Verlag Post Bellum, Prag wenden. Marek Toman (* 1967), Schrift- 2021; 132 Seite, 360 Kronen. (ISBN steller und Publizist, brachte 978-80-907404-7-1) die Lebensberichte in die Textform der Comicgeschichten. Je- baum im Böhmerwald trägt die des der fünf Lebensdokumente zeichnerische Handschrift von wurde von einem anderen jun- Jindřich Janíček (* 1990). Das Ingen tschechischen Zeichner dar- dividuelle und Unverwechselgestellt. Jakub Bachorík (* 1994) bare der fünf Zeitzeugenschickzeichnete die Geschichte von sale als Kinder findet eine hochFranz Gruß (* 1931) aus Ostrau gelungene Entsprechung in der unter dem Titel „Wie der Rhabar- graphischen Kunst. ber schmeckt“. Magdaléna RutoJan Blažek stellt jeder Gevá (* 1988) fühlte sich grafisch in schichte eine persönlich gehaldas Lebensschicksal von Rose- tene Einführung voran. Danach marie Kraus (* 1941) aus Kulm bei Aussig, der Ururgroßnichte des Komponisten Antonín Dvořák, ein und zeichnete die Geschichte „Puppe im Rucksack“. „Hier stinkt es wie in der Hölle“ heißt die Bildergeschichte von Kurt Kempe (* 1932) mit Erinnerung an das Massaker in Postelberg, die von Stanislav Setinský (* 1985) künstlerisch festgehalten wurde. Annelies Hennig (* 1939) aus Reichenberg, die in die Sowjetische Besatzungszone vertrieben worden war, wurde für ihre Geschichte „Jonglie- Stanislav Setinskýs Zeichnung „Hier stinkt es wie ren ohne Worte“ die in der Hölle“ gehört zur Geschichte von Kurt KemZeichnerin Františka pe aus Postelberg.

folgt ein gut und während seiner spannend aufbeTätigkeit als Interreiteter geschichtviewer gefragt halicher Zusammenbe, warum er sich hang der geschilals junger Tschederten Ereignisse. che für die VertreiBesonders schön bung der Sudetenist, daß es von jedeutschen interdem Zeitzeuessiere. Im ersten gen ein KinderfoMoment habe er to gibt. Dadurch darauf nichts antwird die durch die worten können, Bildgeschichte erweil ihm sein Inschaffene Nähe teresse ganz naeindrucksvoll ver- Annelies Hennig, Zeitzeu- türlich und selbststärkt. Zu jedem gin aus Reichenberg, enga- verständlich vorZeitzeugen wird giert sich mittlerweile in der gekommen sei. ein Link angege- SL-Bezirksgruppe Oberfran- „Ich interessieBild: Nadira Hurnaus re mich dafür als ben, unter dem ken. seine GeschichMensch“, habe er te auf Deutsch und Tschechisch anschließend schüchtern gesagt. auf dem Portal von Post Bellum Daß dies eine wahrhaftige zu finden ist. Folgende Links füh- Antwort war, bezeugt Jan Blažek ren zu den Zeitzeugeninterviews mit seiner hier vorgestellten Puin deutscher Sprache: blikation. „Die vertriebenen Kinwww.memoryofnations/eu/ der“ ist ein berührendes und de/gruss-franz-1931 eindrucksvolles Buch für junwww.memoryofnations/eu/ ge geschichtsinteressierte tschede/kraus-rosemarie-1941 chische Leser. Und es zeigt einwww.memoryofnations/eu/ fühlsam und historisch komde/kempe-kurt-1932 petent die damaligen Kinder, www.memoryofnations/eu/ denen großes Leid zugefügtworde/hennig-annelies-1939 den war. Für die Entstehung der www.memoryofnations/eu/ Interviews und des Buches dankt de/baierl-emil-1933 der Herausgeber unter anderen Eingangs hatte Jan Blažek er- ausdrücklich Margaretha Mizählt, daß ihn eine Zeitzeugin chel, Vize-Obfrau der SL-Landesgruppe Bayern. Das Buch gab der Prager Verein Post Belllum heraus. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds sowie das Kulturministerium und das Außenministerium der Tschechischen Republik förderten es. Ich wünsche ihm viele Leser, denen es die Geschichte in authentischen Erinnerungen der Landsleute vermitteln wird. Schön wäre, wenn es eines Tages auch in deutscher Sprache erscheinen würde. Denn auch in der Bundesrepublik würde es einen wichMagdaléna Rutová s Zeichnung „Puppe im Ruck- tigen Beitrag für die sack“ gehört zur Geschichte von Rosemarie Kraus Geschichtsbildung aus Kulm bei Aussig. leisten.

KURZ NOTIERT n  Freizeit. Die Tschechen reisten in diesem Sommer wieder mehr als im vergangenen Jahr. Ihr Lieblingsziel war Kroatien mit mehr als 750 000 tschechischen Urlaubern. Zweitbeliebtestes Ziel war Griechenland mit 200  000 tschechischen Besuchern. In Bulgarien machten 120 000 Tschechen Urlaub. Und

in der Türkei erholten sich immerhin 100 000 Tschechen. n  Erntezeit. Die tschechischen Obstbauern glauben, daß die heurige Apfelernte unterdurchschnittlich war. Mit einem Ertrag von 111 500 Tonnen dürfte sie um fünf Prozent unter dem Mittel der vergangenen fünf Jah-

re liegen. Die Birnenernte dürfte hingegen mit 7000 Tonnen um 21 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen. n  Steinzeit. Bei Ausgrabungen nahe Kuttenberg in Mittelböhmen fanden Archäologen Reste von Siedlungen aus mehreren Epochen. Die ältesten Fundstüc-

ke stammen von Bauten aus der Kupfersteinzeit zwischen 5500 bis 2200 vor Christus. Nicht weniger bedeutend sind Gräber der Aunjetitzer Kultur aus der Frühbronzezeit zwischen 2300 und 1600 vor Christus. Die jüngsten Funde werden der späten Bronzezeit und der Zeit der römischen Besiedlung zugeordnet.


Leoš Frahnke brillierte am Akkordeon. Rechts: Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung. Zum ersten Mal ist in der neuen Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus eine Ausstellung eröffnet worden. Noch bis zum 21. November zeigt das Sudetendeutsche Museum unter dem Titel „Von Böhmen in die Ardèche“ neue Werke des sudetendeutschen Künstlers Werner Reinisch, der seit den 1960er Jahren in Frankreich lebt und arbeitet.

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KULTUR

Sudetendeutsch“e Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Kurator Günther Moschig diskutierte mit Prof. Andreas Kühne, Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, über die Reinisch-Bilder.

Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums, begrüßte die Gäste zur ersten Sonderausstellung in der Alfred-Kubin-Galerie.

„Von Böhmen in die Ardèche“: Ausstellung mit Werken von Werner Reinisch im Sudetendeutschen Haus

Ausdrucksstarke Premiere

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erner Reinisch ist eine echte Entdeckung für mich“, lobte Kurator Günther Moschig bei der Eröffnungsveranstaltung am Mittwochabend. Und Prof. Andreas Kühne sagte über den Künstler, der sich in keine Stilrichtung einordnen lassen will, daß Expressionismus unabhängig vom Malstil in seiner ursprünglichen Wortbedeutung „ausWerner drucksstark“ Reinisch bedeutet, was die Werke des Künstler ohne Frage seien. „Die Ausstellung zeigt mit rund 40 Werken schwerpunktmäßig neueste Arbeiten Werner Reinischs aus den letzten drei Jahren. Immer wiederkehrende Motive, wie das Kreuz, Pferde, Engel oder Vögel, bleiben bis heute Konstanten seiner individuellen Ikonografie“, erklärte Dr. Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums und Gastgeber der Sonderausstellung. Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, erinnerte in seiner Rede daran, daß im Sudetendeutschen Haus mit dieser Ausstellung bereits zum zweiten Mal Werke von Werner Reinisch gezeigt werden. Bereits 2010, zum 80jährigen Geburtstag des großen sudetendeutschen Künstlers, hatte es eine Werner-Reinisch-Ausstellung gegeben. Hinzu komme, so Dr. Kotzian, „der schöner Brauch, daß das Werner-Reinisch-Institut

In der Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus werden noch bis zum 21. November 40 Werke des sudetendeutschen Künstlers Werner Reinisch gezeigt. Außerdem werden grafische Arbeiten und frühe Schmuckproduktionen ausgestellt. Fotos: Torsten Fricke in München alljährlich vor Weihnachten einen großen WernerReinisch-Kalender“ herausbringe. Werner Reinisch, der älteste noch aktive Künstler in Frankreich, hat nach der Vertreibung aus seiner nordböhmischen Heimat (siehe auch Seite 3) zunächst in Deutschland gelebt

und dann Anfang der 1960er Jahre in Frankreich eine neue Heimat gefunden. Der Titel der Ausstellung „Von Böhmen in die Ardèche“ verweist auf diese persönliche Lebensgeschichte, aber stellvertretend auch auf ähnliche Schicksale zahlreicher Sudetendeutscher seiner Generation. Die Erinnerung an seine frühe Hei-

mat bleibt in Werner Reinischs Malerei bis heute lebendig und allgegenwärtig. Das Sudetenland ist ihm, wie er selbst immer wieder betont, auch in seiner neuen Heimat in der französischen Ardèche ein ewiger Sehnsuchtsort geblieben. Werner Reinisch ist Mitte der

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1960er Jahre in Frankreich mit seiner Kunst erstmals öffentlich aufgetreten. Mit den Erfahrungen der europäischen Moderne, insbesondere des frühen Expressionismus der Künstlergruppe „Die Brücke“, aber auch der surrealistischen Methode des Automatismus hat er bis Anfang der 1980er Jahre abseits des geschäftigen Kunstbetriebes zeitgleich mit der europäischen Bewegung der Malerei der „Neuen Wilden“ im südlichen Licht der Ardèche zu einem spontan gesetzten, figurativen Expressionismus gefunden. Das führt ihn aus dem Kanon der klassischen Moderne heraus in eine künstlerische Zeitgenossenschaft, die sich ihre Frische bis heute erhalten konnte. Ein immer wiederkehrendes Motive in Reinischs Bildern sind Pferde. Diese Liebe zu den Pferden und zum Reiten hatte in der böhmischen Heimat ihren Ursprung gefunden und hält bis heute an. Das Pferd zieht sich als Motiv durch das gesamte Schaffen Werner Reinischs. Anhand der Pferdebilder verdeutlicht die Ausstellung Reinischs künstlerische Entwicklung und macht sie für den Betrachter sichtbar: von einer verdichteten expressiven zu einer offeneren, der Kraft der Linie vertrauenden Malerei. Wie die Zeichnung als direkteste Form der Bildenden Kunst auch eine wichtige Quelle für Reinischs einfallsreiche Bildwelt ist, zeigt eine Auswahl seiner grafischen Arbeiten. Hier werden Radierungen, Zeichnungen und Lithografien gezeigt). In einem Schaukasten sind Schmuckgestaltungen aus Reinischs künstlerischen Anfängen in Frankreich zu sehen – aus seiner Zeit als Straßenkünstler in Paris.

Öffnungszeiten hof Rosenheimer

ie Ausstellung „Werner Reinisch – Von Böhmen in die Ardèche“ ist noch bis zum 21. November in der Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutschen Haus (Hochstraße 8, München, S-Bahn-

Platz) zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18. Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.sudetendeutschesmuseum.de

Preisverleihung im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung am Donnerstag in Berlin

Georg-Dehio-Kulturpreise vergeben Mit dem Georg-Dehio-Kulturpreis 2021 des Deutschen Kulturforums östliches Europa sind die Stiftung und Kulturgemeinschaft Borussia, Allenstein/ Olsztyn, sowie das Institut für angewandte Geschichte – Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V. Frankfurt (Oder), am Donnerstag im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin ausgezeichnet worden.

D

ie siebenköpfige Jury sprach den Hauptpreis der Stiftung und Kulturgemeinschaft Borussia zu für ihr über drei Jahrzehnte währendes Engagement zur Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes in der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Die Borussia-Gründer Kazimierz Brakoniecki und Prof. Robert Traba. „Die von den Mitgliedern von Borussia gemeinschaftlich entwickelte Form des zivilgesellschaftlichen Engagements ist besonders nachhaltig, weil darin Bürgerinnen und Bürger die Verantwortung für ihre unmittelbare Umgebung und darüber hinaus für ihre Region wahrnehmen“, heißt es in der Begrüdung der Ju-

ry. Man erkenne damit die Arbeit einer großen Gruppe von Menschen an, die sich zusammengeschlossen haben, um Ermland und Masuren neu zu denken und dabei den Widerspruch zwischen deutschen und polnischen Zeitschichten zu überwinden. „Diese Arbeit von unten hat Vorbildcharakter weit über das historische Ostpreußen hinaus und ist besonders in einer Zeit erneut angespannter Beziehungen zwischen Deutschland und Polen wichtig.“ Der Förderpreis geht an das Institut für angewandte Geschichte - Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V. „Es handelt sich dabei um eine Institution, die sich vor 20 Jahren aus dem Engagement von Stu-

dierenden der Europa-Universität Viadrina entwickelte“, lobt die Jury. Das Institut setze sich hauptsächlich aus Studierenden, Promovierenden und Postdocs der Geschichte und der Kulturwissenschaft zusammen. „Dem kulturwissenschaftlichen Ansatz und der Grenzregion verbunden, greifen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Themen auf, die sich auf die schwierigen Verflechtungen von Deutschen, Polen, Juden oder Ukrainern im gesamteuropäischen Kontext beziehen“, erklären die Juroren. Die Georg-Dehio-Kulturpreise sind aufgeteilt in einen mit 7000 Euro dotierten Hauptpreis und einen mit 3000 Euro dotierten Förderpreis.

Zum ersten Mal wurden am Donnerstag im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung die Georg-Dehio-Kulturpreise vergeben.


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KULTUR

Vor dem Trachtenmuseum, dem einstigen Wirtschaftsgebäude von Schloß Sbraslawitz, sammeln sich die Eröffnungsgäste.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Bilder: Christina Meinusch (6)

Auch die Musiker sind in Tracht.

� Eröffnung des Volkstrachtenmuseums in Wostrau/Ostrov

Die Tracht verrät alles – ein Blick genügt Anfang September eröffnete ein privates Trachtenmuseum in der mittelböhmischen 206-SeelenGemeinde Wostrau/Ostrov im Kreis Chrudim. Eva Hanzelková und Rosina Reim berichten.

H

eute braucht man viele Fragen und Gespräche, um zu erfahren, ob die gegenüberstehende Person eine Frau oder ein Mann ist, ledig oder verheiratet, zu welcher sozialen Schicht sie gehört oder von welchem Ort sie kommt. Früher war das einfacher, man brauchte keine Fragen zu stellen. Die Tracht verriet alles – ein Blick genügte. In Wostrau entstand die erste und einzige Ausstellung in der Geschichte der böhmischen Länder, die alle Volkstrachten aus den Regionen Böhmen, Mähren und Sudetenschlesiens zeigen will. Museumsgründer Jan Mičánek glaubt, Trachten verdienten besondere Aufmerksamkeit. Er investierte erhebliche Summen, um dieses Volkstrachtenmuseum zu verwirklichen.

Von 260 ganzen Trachten sind 40 deutsche Bereits in den 1990er Jahren hatte er den ehemaligen Meierhof gekauft. Nun beherbert Mičáneks Schlößchen 260 vollständige Trachten. 190 sind Frauentrachten, 40 sind Männertrachten und 30 sind Kindertrachten. 40  Figurinen tragen deutsche Trachten. Unter den fast 4000 Exponate findet sich auch eine umfangreiche Sammlung von 64 Frauenhauben, 300 Frauentüchern, 100 Paar historische Schuhe, 30 Paar Strümpfe und 750 historischen Spitzen. Interessant sind auch Ausstellungsobjekte, die die Herstellung, Pflege und Lagerung von Textilien zeigen wie Webstühle, Spinnräder, Truhen oder andere historische Gegenstände.

Martin Šimsa, der Direktor des Nationalinstituts für Volkskultur im südmährischen Straßnitz), betonte, daß das Museum eine Vision sei, denn man könne hier eine Zeitreise erleben. Der Ethnograph und Museumskurator Jan Kuča referierte über das die Ausstellung begleitende Buch „Atlas der Volkstrachten der Tschechischen Republik“. Buch und Ausstellung seien ein Versuch, Trachten aller Regionen in der Tschechischen Republik einschließlich der Trachten der Vertriebenen zu erfassen. Etwas Vergleichbares gebe es auf tschechischem Boden nicht. Damit sei quasi eine Marktlücke gefüllt worden. „Das Museum wünscht sich viele Besucher, die Wissen und viel Freude mit nach Hause nehmen können“, schloß Kuča. Er hatte die Museumsidee bereits vergangenes Jahr im Sudetendeutschen Haus in München vorgestellt (Ý SdZ 39/2020). Bis in den Abend hinein herrschte vor dem Museum reges Treiben. Verschiedene Musikkapellen und Singgrupostrauer Museum der pen boten ein Volkstrachten/Muzeabwechslungsum Ostrov lidových krojů. reiches ProOstrov 3, 28522 Zbraslavice. gramm. Und Dienstag bis Sonntag 9.00– an mehreren 17.00 Uhr. Informationen Ständen konnauf Tafeln und Beschreite man Essen bungen über QR-Codes ste Generatiund Getränke auf tschechisch, englisch on zu bewahaus der Region und deutsch. Der „Atlas der ren. Mičáneks genießen. Volkstrachten der TschechiDank ging Für die schen Republik“ ist an der auch an eine deutschen Kasse erhältlich. Malerin, die Landsleute war jede Figuridieser Tag unne von Hand gemein anabzeichnete. Die Künstlerin be- regend. Viele guten Gespräche gründete ihren Einsatz damit, bahnten nicht selten neue Kondaß junge Leute inspiriert wer- takte an. Man spürt, daß die völden sollten, sich in die Trachten kerverbindende Idee des Muzu verlieben und die Pracht zu seumsgründers Jan Mičánek an fühlen, wenn sie die Ausstellung diesem Ort mit Freude gelebt besuchten und bewunderten. wird.

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Die Iglauer Harry und Edeltraud Höfer sowie die Wischauer Schwestern Christine Legner und Rosina Reim. In jeder Hinsicht war das Museum eine große Herausforderung. Mičánek lag am Herzen, auch alle Volkstrachten der ehemals deutschen Bewohner in der Ausstellung zu dokumentieren. Bei der Eröffnung des Trachtenmuseums verbrachten die geladenen Gäste in Wostrau einen ganz besonderen Tag. Die Sonne schien vom blauen wolkenlosen Himmel, und auf dem Schloßgelände tummelte sich eine bunte Palette von Besuchern, viele trugen Tracht.

Egerländer, Iglauer, Kuhländler und Wischauer Trachtengruppen waren in ihren Originalgewändern vor Ort. Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, war ebenfalls eigens aus Deutschland gekommen. Auch sie wollte dieses besondere Museum besuchen und sich ein persönliches Bild von den Exponaten machen. Jan Mičánek begrüßte die Gäste und ließ seine zweieinhalb Jahre dauernden Arbeiten Revue passieren. Er betonte, daß

Christine Legner und Rosina Reim nehmen die Kuhländlerin Eva Hanzelková in ihre Mitte …

er alle Arbeiten von Firmen aus der Region habe ausführen lassen: „Fünf Frauen arbeiteten unermüdlich, besserten vieles aus, wuschen die Teile nach alten Methoden und ließen die Wäsche sogar wie früher auf dem Gras in der Sonne bleichen und trocknen.“ Er dankte allen Mitarbeitern, die mit Liebe, Sachverstand und Enthusiasmus zusammengearbeitet hätten, um diese Pracht und Mannigfaltigkeit perfekt zu präsentieren und für die näch-

… und mischen sich unter tschechische Trachtler.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

� SL-Kreisgruppe Roth-Schwabach/Mittelfranken

Ein Tag und sieben Gedenkstätten Christina Meinusch Bild: Waltraud Illner

� SL-Landesgruppe BW

Wie man Heimat pflegt Ende September veranstalteten die SL-Landesgruppe BadenWürttemberg und ihre Heimatgliederungen den 5.  Sudetendeutschen Kulturtag im Haus der Heimat in Stuttgart.

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ize-Landesobfrau Waltraud Illner begrüßte Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Dieter Bruder, Vorsitzender des Vereins Alte Heimat-Verein heimattreuer Kuhländler, und Albert Reich, BdV-Landeskulturreferent und Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Stuttgart. Bei Kaffee und Kuchen stand der von Herbert Preisenhammer musikalisch umrahmte Kulturtag im Zeichen der Heimatpflege. Meinusch, seit April Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, beleuchtete ihre Arbeit und deren Bedeutung für die Volksgruppe. Sie widme sich dem Erhalt, der Pflege und der Entwicklung der sudetendeutschen Kultur. Das geschehe in Bayern für die Heimatvertriebenen und nachfolgenden Generationen und in der Tschechischen Republik für die jetzige Bevölkerung in den einst deutsch besiedelten Gebieten, die sich für Geschichte und Kultur ihrer jetzigen Heimat interessiere, sich für diese Kultur einsetze und sie vor Ort bewahre. Dabei arbeiteten Einrichtungen, Fachleute und Zeitzeugen in den einzelnen Bereichen wie Brauchtum und Trachten, Mundart und Musik sowie Kunsthandwerk und Denkmalpflege eng zusammen. Zu ihren Aufgaben, so Meinusch, gehöre das Mitgestalten des Sudetendeutschen Tages, wenn es um den Volkstumsabend, den Einzug der Trachten und Fahnen, das Offene Singen und das Tanzfest gehe. Ebenso würden die Mundartlesung und das beliebte Böhmische Dorffest des Pfingsttreffens von ihr mitbetreut. Zum Alltagsgeschäft gehörten das Planen und Organisieren von Kulturveranstaltungen und Ausstellungen, zu denen bei Kunsthandwerk und Brauchtum heuer ein Adventsmarkt oder eine Krippenführung mit Bischof Rudolf Voderholzer in Regensburg zählten. Sie veranstalte Mundarttagungen, Vorträge, Lesungen und Konzerte, berate aber auch sudetendeutsche Kulturgruppen und Einzelpersonen, wenn es um sudetendeutsche Heimatpflege gehe. Natürlich sollten die Landsleute und die Öffentlichkeit von ihrer Arbeit erfahren. Deshalb würden in ausgiebiger Öffentlichkeitsarbeit via Publikationen, Postkarten, Plakate, Presseartikel in der Sudetendeutschen Zeitung und den Heimatzeitschriften die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen der Heimatpflege dokumentiert. Für 2022 plant Meinusch Kleinprojekte mit Schulen als Partner und eine Studienwoche mit Zeitzeugenaufnahmen über die Erinnerungskultur in der SBZ, der „DDR“ und der Heimatverbliebenen in der Tschechischen Republik. Helmut Heisig

die Toten der Heimat am Eingang der Marienkirche angebracht worden. Dort werde an Allerheiligen ein Kranz niedergelegt. Gegenüber dem Vogelbeerbaum befinde sich der Gedenkstein des Heimatkreises Saaz. Bürgermeister Ralph Edelhäu­ ßer bezeichnete das Engagement der Sudetendeutschen vor allem als Friedensarbeit. Zugleich hob er die Bedeutung der SL als Sozialverband für ihre Mitglieder hervor. Er sei immer sehr

noch eine Tafel mit Inschrift angebracht werden. Vize-Bürgermeister Rainer Just verwies auf seine sudetendeutschen Wurzeln und die Schilderungen seiner Oma, die über das Flüchtlingslager Vogelreisobmann Dieter Heller: herd in Schwabach zunächst in „Vor 75 Jahren wurden mehr den Landkreis Weißenburg weials drei Millionen Sudetendeuttergeleitet worden sei. Die Susche vertrieben. Heute, 75 Jahdetendeutschen hätten sich hier re später, werden die Zeitzeuschnell wohlgefühlt, aber ihre algen immer weniger. Übrig bleite Heimat im Herzen getragen, ben bald nur noch die stummen ihre Kultur, ihre Identität, ihre Zeugen in Gestalt von DenkmaTradition und ihr Brauchtum bis len, Gedenkheute bewahrt. l  Gedenkstätten und Gestein an der Kirdenksteinen. che Sankt PeManche wurter und Paul in den bereits weThalmässing. nige Jahre nach Ortsobmann der Vertreibung Wilhelm Rubick von den Landserinnerte an die mannschafEinweihung des ten – in BayDenkmals am ern vorwiegend 10. Juni 1956 von den Sudeder SL mit dem tendeutschen Schlesierverein. – errichtet. Die Gedenksteine in Schwabach-Vogelherd und Georgensgmünd. Während des SL-KreisgrupGedenkens umpe Roth-Schwarahmten zwei Fackelträger das bach besucht im 75. Jahr der VerDenkmal. Vize-Bürgermeister treibung diese Gedenkstätten Michael Kreichauf erklärte, die und schenkt ihnen mit einem GeGedenkstätten der Vertriebenen denken ihre Aufmerksamkeit.“ seien eine wichtige Aufgabe für An jedem Ort begrüßte Heljetzige und künftige Generatioler im Schatten der sudetendeutnen. „Sie erinnern daran, wohin schen Fahne die Gäste, stellKrieg, Haß und Gewalt führen.“ te der jeweilige Ortsobmensch l  Gedenkstein am Friedhof das Denkmal vor, sprach der jein Spalt. Bezirksobmann Eberweilige Bürgermeister ein Grußhard Heiser sagte, der Stein sei wort, bot Alison Marsh aus Nürn1957 aufgestellt worden und traberg einen Trompetenruf, wurge auf einer Tafel die Inschrift den Blumen niedergelegt und „Den Toten der Heimat“. Bei der der Toten still gedacht. Dann erEinweihung habe er als Fackelklangen die Glocken der Kirche Gedenkkreuz in Allersberg. träger dabei sein dürfen. Seine von Iglau. l  Gedenkstein am Vogelherd Familie sei nach der Vertreibung in Schwabach. Der Gedenkstein, nach Spalt gekommen. so Hannelore Heller, sei das Landrat Herbert Eckstein jüngste Denkmal der Kreisgrupsprach sich für die unbedingpe und 2018 von Landtagsvizete Erhaltung der Denkmale aus, präsident Karl Freller MdL und denn sie seien bedeutende Orte Volker Bauer MdL mit der Stadt der Trauer. Zugleich würdigte er Schwabach geschaffen worden. den Einsatz der SL in der ErinneDer Granitstein trage eine Bronrungsarbeit. Spalts Vize-Bürgerzetafel mit Inschrift. Ihn ummeister Dieter Selz versicherte, rahmten zwei fränkische Apfeldaß die Stadt das Denkmal in Ehbäume, die mit Reisern aus dem ren halten werde. l  Gedenkstein am FriedElbetal und dem Banat bepfropft hof in Georgensgmünd. Laut worden seien. Er stehe am RanOrtsobmann Manfred Schneider de des ehemaligen Flüchtlings- Vogelbeerbaum und Stele in Roth. errichtete die SL das Denkmal lagers, durch das die meisten der 1998. Es trägt die Inschrift „Wir anwesenden Landsleute 1946 gedenken aller Toten des Kriegeschleust worden seien. 1946 ges und aller Opfer der Vertreisei der Bahnhof Endstation von bung 1945 bis 1946“. Vize-Bür46 Transporten mit je 1200 Vergermeister Georg Schiffermüller triebenen gewesen. dankte für die bisherige Pflege Karl Freller und Oberbürgerdes Gedenksteins und betonte, meister Peter Reiß sprachen vor daß die Gemeinde im Bedarfsfall rund 60 Teilnehmern. Dabei erdie Gedenkstätte pflegen werde. innerten sie an die Schrecken l  Gedenkstätte im Waldder Vertreibung und die Intefriedhof in Schwabach. Diese grationsleistung der Gestrandehätten, so Ortsobmann Manfred ten und der Einheimischen. Die Baumgartl, 1952 die vereinigten Denkmale seien insbesondere eiLandsmannschaften in Schwane Mahnung für die Zukunft, keibach errichtet. Die Inschrift laute ne Kriege mehr zu führen. l  Vogelbeerbaum mit Stele Gedenkstätte auf dem Waldfriedhof „Den Opfern und Toten der Heiin Roth. Ortsobmann Dieter Hel- in Schwabach. matvertriebenen“. „So wollen wir ler bezeichnete heute hier unter diese Gedenkdem Kreuz verstätte als auweilen, an die ßergewöhnlich. an Seele und Der VogelbeerLeib geschädigbaum sei bei ten Menschen der 60-Jahr-Feidenken und für er der Ortsgrupein gerechtes, pe Roth 2010 gegemeinsames pflanzt worden. und friedliches Der Schriftzug Europa werauf einer Bronben.“ zeplatte an der Die DenkmalStele daneben Gedenksteine in Thalmässing und in Spalt. reise endete mit erinnere an die dem gemeinsam Gründung der Ortsgruppe Roth gerne bei den SL-Veranstaltun- gesungenen Feierabendlied von am 1. Dezember 1950. Am Vogel- gen. Anton Günther, begleitet auf der l  Gedenkstätte am Friedhof Gitarre von Eberhard Heiser, Bebeerbaum fänden seit Jahren eine Maiandacht, ein Vogelbeer- in Allersberg. 1955, so Ortsob- zirksobmann von Mittelfranken, baumfest und eine Waldweih- mann Helmut Müller, habe die und Gerhard Tschapka. nacht mit Vogelbeerpunsch aus SL das Gedenkkreuz errichLandrat Herbert Eckstein, die dem Erzgebirge und Dresdner tet. Die Inschrift auf der Steinta- Sparkasse Mittelfranken-Süd, fel vor dem Kreuzsockel laute: der Adalbert-Stifter-Verein und Christstollen statt. Seit 1990 sei außerdem eine „Ihren Toten, die Sudetendeut- die Sudetendeutsche Stiftung Bronzetafel zum Gedenken an schen“. Neben dem Kreuz solle unterstützten die Aktion. er Mit einer Denkmalreise stellte die mittelfränkische SL-Kreisgruppe Roth-Schwabach ihre sieben Vertriebenen-Denkmale im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach in Szene.

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Christina Meinusch und Volker Dittmar vor dem Eingangsfresko im Egerland-Museum. Bilder: Nadira Hurnaus

� SL-Bezirksgruppe Oberfranken/Bayern

Keine Ent-Schuldigung vorbildlich gelungen. Die Pflege der Mundart sei ihm wichtig. Mundart fördere die Intelligenz der Kinder und das Erlernen von Fremdsprachen. Sein Vater sei Schlesier, erzählte Peter Berek. Dessen Heimat sei Lassowitz in Oberezirksobfrau Margaretha schlesien gewesen, von wo er Michel berichtete über die vertrieben worden sei. ZeitleBrünnfahrt, die UdV-Wah- bens habe er nach seinen Wurlen, die Vertriezeln gesucht, so benenwallfahrt Berek. Er habe nach Gößweinviel darüber gestein, das Leulesen, was Schleteltgedenken in sien früher und Warmensteinach heute sei. Dabei und das Requiem habe ihn immer für Franz Pany in die Frage umMünchen. getrieben: „WaGünter Wohlrum entsteht rab ist Obmann Günter Wohlrab Schuld?“ Dabei der SL-Kreisgrupgehe es ihm nicht pe Wunsiedel, darum, jemanStellvertretenden oder etwas der BdEG-Bunzu ent-schuldidesvüarstäiha gen, sondern die und BdEG-BunZusammenhänge desschreiwa sound Hintergrünwie Vüarstäiha de zu begreifen. der All-Eghalan„Wir müssen die da Gmoi Rawetz. Schuld ergrünEr berichtete von Martin Schöffel MdL den.“ der Teilnahme Berek wies an der Eröffnung auf die Bedeudes Volkstrachtung der Arbeit tenmuseums in der LandsmannWostrau und von schaften und auf der 700 000 Euro ihre Pflege von teuren energetiBrauchtum und schen Sanierung Kultur als wichtiund Modernisiegen Bestand der rung des Egerdeutschen Kultur Peter Berek land-Kulturhauhin. Insbesondeses in Marktredre sei die Pflege witz. Diese begann 2015 und des Kontaktes in die ehemaliendete heuer. ge Heimat wichtig, die von der Auch vor diesem Gremium Euregio unterstützt werde. stellten Heimatpflegerin ChriThema des aus dem Altvastina Meinusch und ich als tergebiet stammenden Karl Mitglied der Chefredaktion Heider war der Radiosender der Sudetendeutschen Zeitung BR  Heimat des Bayerischen unsere jeweilige Arbeit vor. Rundfunks. Er berichtete von Der lokale Landtagsabgeord- seinem bisher vergeblichen nete Martin Schöffel und der Einsatz, von diesem Sender Wunsiedler Landrat Peter Be- als Vierter Stamm Bayerns mit rek, der auch der Präsident der seinem Liedgut gleichberechEuregio Egrensis ist, erzählten tigt wahrgenommen und vervon ihöffentlicht zu werden. ren faEin Heimat-Schmankerl miliwar der Besuch im Egerären land-Museum zwei StockWurwerke höher. Dort führte zeln. Museumsleiter Volker DittSein mar nicht nur die Exponate, Museumsfilm über die sondern auch die sie auf TaUrgroßva- Geheimfächer eines Ege- blets begleitenden Informater sei, rer Kabinetts mit Re- tionen, Zeitzeugenberichte, so der liefintarsien. Musik und Filme vor. Ein 44jähFilm ist die von Schauspierige Martin Schöffel, in der lern nachgestellte Geschichte Gemeinde Oschelin im Kreis der Harfenmädchen. Mies im Egerland zur Welt ge Nadira Hurnaus kommen. Angesichts der drohenden Vertreibung habe der Urgroßvater heimlich Eigentum über die nahe Grenze nach Bayern gebracht. Damit habe er ebenfalls einen Vertriebenenhintergrund. „Vertreibung ist Unrecht. Und Unrecht bleibt Unrecht.“ Nun sei er sehr froh über die gegenwärtige deutsch-tschechische Aussöhnung. Außerdem habe er sich für die Modernisierung des Egerland-Kulturhauses be- Margaretha Michel neben einer Litsonders eingesetzt. Die en- faßsäule mit Werbeplakaten der ergetische Renovierung sei Kurhotels.

Ende September fand die Jahreshauptversammlung der bayerischen SL-Bezirksgruppe Oberfranken im Egerlandkulturhaus in Marktredwitz statt. Hier der zweite Teil der Berichterstattung.

B


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Graupen

Niklasberg

�  Böhmisch-Zinnwald/Aussig

Denkmal für Grenzwächter

Der Aussiger Bahnhof um 1905 …

… und der Teplitzer Bahnhof vor 1900 auf alten Ansichtskarten.

�  Teplitz-Schönau

Rekonstruktion des Bahnhofes Nun scheint es ernst zu werden mit der lang erwarteten Rekonstruktion des Teplitzer Bahnhofes. Mitte September fand im Versammlungssaal des Rathauses in Teplitz eine öffentliche Vorstellung des Projektes statt. Jutta Benešová berichtet:

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ie erste Bahnlinie Teplitz– Aussig eröffnete 1858. Der Teplitzer Bahnhof, einst der angeblich schönste in ÖsterreichUngarn, wurde nach einem Entwurf von Joseph Turba 1876 bis 1878 im Rundbogenstil errichtet. Er war auch Sitz der Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft. Vier Säulen tragen die dekorative Eingangshalle. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch den Teplitzer Architekten Hermann Rudolph noch um ein weiteres Stockwerk erhöht. Das Bahnhofsrestaurant war wegen seiner Größe und Eleganz bekannt. Der Teplitzer Bahnhof ist Knotenpunkt mehrerer Linien: l  Linie U1: Tetschen, Aussig, Teplitz, Most/Brüx, (Komotau); l  Linie U6: Teplitz, Auperschin, Lobositz; l  Linie U24: Teplitz, Oberleutensdorf; l  Linie U51: Aussig, Teplitz, Most/Brüx, Komotau (als Verstärkung im Spitzenverkehr für U1); l  Fernverkehrslinie D5: Prag, Aussig, Teplitz, Most/Brüx, Komotau, Karlsbad, Eger. Aber in den letzten Jahrzehnten war das Gebäude in einem beklagenswerten Zustand. Schon lange wird eine Rekonstruktion geplant. Die letzten Reparaturen erfolgten 2005. Damals entstand eine Unterführung zu den Bahnsteigen. Manche Fresken in der Eingangshalle wurden ausgebessert und kleinerer Geschäfte ausgebaut.

Der Teplitzer Bahnhof.

Bilder (2): Jutta Benešová

Luftaufnahme des Teplitzer Bahnhofes. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, galt es zunächst, die historisch und künstlerisch wertvollen Elemente des Gebäudes zu erfassen und ein Projekt der Rekonstruktion zu erstellen. In einer öffentlichen Versammlung stellte nun der Leiter des Projektes, Václav Brejška, dieses Vorhaben vor. Gemeinsam mit

Das Bahnhofsrestaurant in Teplitz-Schönau um 1933.

Bild: Teplický deník

weiteren Mitarbeitern, Städteplanern, Geologen, Verkehrsingenieuren und Ökonomen entstand das Projekt in zwei Etappen, in sogenannten Horizonten. Der 1. Horizont bis 2030 umfaßt die Rekonstruktion des Bahnhofsgebäudes mit einer umfassenden Anpassung der Grundstücke vor und hinter dem Bahnhof. Vor allem das Gelände hinter dem Bahnhof, als Brownfield und Lagerhaus bezeichnet, birgt, trotz der starken derzeitigen Verwahrlosung, ein starkes Potential zur Schaffung von Parkplätzen und zur Versorgung der zukünftigen Nutzer des Bahnhofsgebäudes. Dazu ist auch eine Verbindung in Form einer Unterführung unter den Gleisen geplant. Das Gelände vor dem Bahnhof mit der stark befahrenen Hauptverkehrsstraße soll durch

Verbreiterung der Gehwege eine gewisse Beruhigung erfahren. Hauptanliegen des 1. Horizonts ist aber zunächst die Rekonstruktion des Gebäudes selbst, die von 2022 bis 2024 geplant ist. Allein für diese Rekonstruktion sind mehr als umgerechnet 32 Millionen Euro veranschlagt. Der 2. Horizont bis 2050 legt sein Hauptaugenmerk wiederum auf das Gelände hinter dem Bahnhof, das nun vorrangig als zukünftiges Bauland gesehen wird. Man rechnet mit etwa 950 neuen Wohneinheiten und den dazugehörigen Einrichtungen wie Schulen, Kindergarten und Versorgungseinheiten. Auch soll mit dem jetzigen Besitzer des heutigen Busbahnhofes gegenüber des Bahnhofes verhandelt werden, um diese Grundstücke in eine Erweiterung des Baugeschehens einzubeziehen. Dieses weit gesteckte Ziel kann man vorerst nur als Entwurf ansehen. Denn es hängt verstärkt von der weiteren urbanen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt ab. Finanziell trägt das gesamte Projekt das Ministerium für regionale Entwicklung der Tschechischen Republik sowie die staatliche Verwaltung der Tschechischen Bahn (SŽDC). Weitere Garanten des Projektes sind der Bezirk Aussig, die Statutarische Stadt Teplitz und die staatliche Straßen- und Autobahndirektion (ŘSD), wobei letztere für die Hauptverkehrswege der Stadt und Anbindung an die Autobahn D8 verantwortlich ist. Für die Nutzung des Projektleiter Vác­ Gebäudes kann auch die lav Břejška. Stadt Teplitz selbst Vorschläge einbringen. Geplant ist die Erneuerung des Bahnhofsrestaurants sowie die Entstehung von Konferenzräumen zur allgemeinen Nutzung in der ersten Etage. In den weiteren Räumen entstehen eventuell auch ärztliche Ordinationen und ähnliche Dienstleistungs- und Versorgungseinheiten. Zunächst erwarten die Teplitzer mit Spannung die Rekonstruktion des Bahnhofsgebäudes. Denn der Bahnhof ist das Eingangstor zu dem ältesten Kurort Böhmens, dessen historisches Zentrum nur wenige Minuten von dem Bahnhof entfernt ist.

Auf einem Privatgrundstück in Böhmisch Zinnwald nahe der Grenze zu Deutschland stellte der Klub der tschechischen Grenzschützer die Figur eines Soldaten mit Maschinengewehr und Hund auf. Diese Statue weist auf die Zeit hin, als die Grenzen scharf bewacht und mit Stacheldraht umgeben waren. Das stört jedoch viele Menschen, für die dies eine Erinnerung an die Grausamkeiten des kommunistischen Regimes ist.

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stischen Schlendrians und Drills infolge von Unfällen oder Selbstmord ums Leben kamen“, meinte dazu Kučera. Die Aufstellung der Grenzsoldatenstatue sei eine Beleidigung aller Bürger der Aussiger Region. Böhmisch Zinnwald gehört zu Eichwald, dessen Bürgermeister, Petr Pipal, dieser Angelegenheit neutral gegenübersteht. Schon früher hatte er darüber gesagt, daß es Aktivitäten auf einem Privatgrundstück seien. „Noch dazu befindet sich die Statue auf einem Grundstück außerhalb des öffentlichen Raumes. Die Mitglieder des Klubs haben kein Gesetz übertreten, eine Bau-

ald wollen die Mitglieder des Klubs der tschechischen Grenzschützer die Statue eines Grenzsoldaten mit Hund anläßlich des 70.  Jahrestages des kommunistischen Grenzschutzgesetze, feierlich enthüllen. Dazu soll die Nationalhymne und ein Hussitenchoral erklingen. Gegen die Installierung der Statue protestierten am 20. September die Politiker der Koalition Verbündete für die Region/Spojenci pro kraj. „Das Töten der eigenen Bürger an der tschechoslowakischen Grenze hält dieser bizarre Verein für eine Eh- Das Denkmal „Zur Erinnerung an die gefallere der damaligen Grenz- nen Grenzwächter“. soldaten. Eine solche Verdrehung der Geschichtsaus- genehmigung brauchen sie dalegung gehört nicht in die heu- zu nicht“, fügte er hinzu. „Jeder tige Zeit“, gab der Stellvertreten- kann dazu seine Meinung haben, de Bezirkshauptmann der Aussi- aber sie sind ein Verein wie jeder ger Region und Beauftragte für andere.“ Damit erklärte der VerKultur und Touristik, Jiří Řehák, treter von Eichwald, warum die zu bedenken. Er weist darauf hin, Stadt in dieser Sache nichts undaß das Innenministerium den ternehmen werde. Klub der tschechischen GrenzDer Klub der tschechischen schützer zu den extremistischen Grenzschützer ist ein Verein eheOrganisationen zählt. Mit seinen maliger Grenzsoldaten. NostalAktivitäten befaßt sich die zivile gisch erinnern sie sich an die ZeiSpionageabwehr. ten, als die Grenzen der TscheDas Bezirksratsmitglied der choslowakei von Stacheldraht Koalition, Michal Kučera, über- umgeben waren und Leute mit prüft bereits rechtliche Möglich- Maschinengewehr und Hund keiten, wie man diese Statue, die diese, unter Einsatz ihres Lebens, auf ein Verbrecherregime hin- verteidigten. Vor 70 Jahren hatte weist, entfernen könne. „Die das kommunistische Regime das Platzierung des Grenzsolda- Gesetz zum Schutz der Staatsten ist eine Verunglimpfung der grenze erlassen. Auf dessen 282 getöteten Zivilisten, die ver- Grundlage entstanden die Einsucht haben, aus dem Totalita- heiten der Grenzwächter, die das rismus in die Freiheit zu fliehen. Territorium des Eisernen VorUnd gleichzeitig entehrt die Auf- hangs schützten. Petr Málek stellung dieser Statue auch die Grenzsoldaten, die an den GrenÜbersetzung aus dem Tschezen meist wegen des kommuni- chischen von Jutta Benešová.

WIR GRATULIEREN Unseren treuen Heimatruf-Abonnenten herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im Oktober: n  Bilin. Wolfgang Hilgers, Schreiberweg 5, A-1090 Wien, 26. Oktober 1931. n  Heimatkreis Dux. Gretl Förtsch/Klausnitzer, Ortsbetreuerin von Ullersdorf-Strahl, Seniorenzentrum Löwenquell, Max-RoeslerStraße 7, 96476 Bad Rodach, Telefon (0 95 64) 6 61 01 00, 4. Oktober 1927. n  Klostergrab, Grundmühlen, Janegg-Krinsdorf, Janegg-Wernsdorf/Kreis Dux. Christa Dedek/Löwe, Zschernitzer Weg 6a, 04509 Wiedemar, 11. Oktober 1941. n  Tischau/Kreis Teplitz-Schönau. Gretl Hofmann/Andörfer, Philipp-Müller-Straße 57, 15344 Strausberg, 31. Oktober 1932.


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

11 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Johannes von Schüttwa

Beamter, Dichter, Mythos Schüttwa, Münchs- nem großen Applaus. Mit diesem dorf und Walters- zweisprachigen Buch wird der grün. Namens aller Bekanntheitsgrad von Johannes Schüttwaer dankte von Schüttwa weit über die GrenMetschl für die auf- zen der Tschechischen Republik opfernden Arbeiten. hinausgetragen. Er sagte, mit der Metschl glaubte, daß damit eiBuchvorstellung sei ne Brücke geschlagen werde. Mit ein weiterer Höhe- dieser Brücke solle ein Dialog punkt dazugekom- über die Grenzen hinweg entstemen. Das Buch sei hen und in Schulen Einzug halhochinteressant. Da- ten. Johannes von Schüttwa habe er einst völfür gebühre den Au- die Prosa „Der Ackermann aus lig verwilderte toren unter Leitung Böhmen“ in neuhochdeutscher Friedhof mit einem von Jiři Stoĉes ein Sprache geschrieben. Es gehe in zerstörten Denk- Ivo Dubský spricht, Eva besonderes Lob. dieser Dichtung um die Würde mal für die Gefalle- Dubský präsentiert das Ivo Dubský mode- des Menschen und das Geheimnen des Ersten Welt- neue Buch des Autorenkollektivs unter Jiří Stočes: „Jan ze rierte die Buchvor- nis des Todes, welche nicht nur kriegs von 1914 bis Šitboře. Úředník, literát, mýtus. Johannes von Schüttwa. Be- stellung. Zum Rah- im 15. Jahrhundert, sondern bis 1918 wurde in einer amter, Dichter, Mythos“. Verlag des Böhmischen Waldes, Taus menprogramm ge- in unsere Zeit herein ihresglei2021; 265 Seiten, 250 Kronen. (ISBN 978-80-87316-99-3) bewundernswerten hörte gefühlvoll chen suche. Weise wieder in eigespielte KammerSchließlich endete die gelunnen ordentlichen Zustand ver- Ivo Dubský sowie bedeutender musik aus verschiedenen Jahr- gene und aufschlußreiche Buchsetzt. Der berühmteste Sohn des Personen wie Architekt Jan Sou- hunderten, passend abgestimmt vorstellung, aber nicht die VerOrtes, Johannes von Schüttwa, kup, Jaroslav Šindelář, die Bür- auf die Präsentation. Den Dia- anstaltung. Nun gab es nicht nur bekannt für sein Werk „Der Ak- germeister Hynek Říha und Mar- log „Der Ackermann aus Böh- für die Ehrengäste, sondern auch kermann aus Böhmen“ oder „Der tin Kopecký mit dem Stadtrat men“ aus dem Buch trugen Jana für die Ehrenamtlichen MandatsAckermann und der Tod“, erhielt von Ronsperg. Mittlerweile sei Kubátová und Josef Nechutný, träger und Helfer einen Sektein sehenswertes Denkmal. Dubský der Vorsitzende des Ver- Schauspieler des Josef-Kajetán- umtrunk. Der Wiederaufbau der Sankt- eins. Metschl Nikolaus-Kirche, die nur noch ei- verwies aber ne unansehnliche Ruine war, ist auch auf viein vollem Gange. Der Kirchturm, le fleißige Helversehen mit einer Sonnenuhr, fer und Sponerstrahlt in neuem Glanz. Gegen- soren des Prowärtig wird das Presbyterium der jekts Schüttwa. Kirche renoviert. Besonders Und nun machte der Verein stellte er Eva Nikolaus mit seinem Vorsitzen- Dubský und den und unermüdlichen Antrei- einige ehrenber Ivo Dubský mit dem zwei- amtliche Helsprachigen Buch „Johannes von fer heraus, Schüttwa. Beamter, Dichter, My- die den urthos“ auf sich aufmerksam. Mit waldähnlidem „Ackermann aus Böhmen“ chen Friedhatte er um 1401 eine der bedeu- hof von Dor- Kammermusik aus verschiedenen Jahrhunderten begleitet die Buchvorstellung. tendsten deutschsprachigen Pro- nen, Gestrüpp sadichtungen des späten Mittel- und weiterem Unrat befreit und Tyl-Theaters in Pilsen, vor. MetAls Ortsbetreuer der ehemaalters verfaßt. wieder ansehnlich gestalten hät- schl war etwas befremdet, da die ligen Bewohner von Schüttwa Die Buchvorstellung fand ten. Dabei seien viele umgewor- Passagen des Todes eine Frau dankte Franz Metschl allen Bekürzlich bei Kaiserwetter im Park fene und geschändete Grabstei- vortrug. Man erklärte ihm nach teiligten des Projektes Schüttwa bei der Kirche statt und ein weit- ne zum Vorschein gekommen. dem ausdrucksvollen und ergrei- aufrichtig und herzlichst. Er hat hallendes Echo. Eine große Büh- Diese habe man aufgerichtet und fenden Rezitat, daß der Tod in weiterhin die Hoffnung, daß das ne war aufgebaut, und die Besu- die dazugehörenden, abgeschla- der tschechischen Sprache weib- große Kirchenbauwerk, das nun cher konnten auf den lich sei. als nächstes in Angriff genomBänken sitzen, die daJiří Stočes von der men werden solle, bis 2025 abgevor aufgestellt waren. Universität Pilsen und schlossen sein werde. Das Zitat Ivo Dubský begrüßleitender Autor sprach von Václav Havel, das er bei der te Senator Vladislav über das Buch und Denkmalseinweihung für JohanVilímec, Ronspergs stellte einige Mitau- nes von Schüttwa sagte, wiederBürgermeister Martoren vor. Stellvertre- holte Metschl gerne noch einmal: tin Kopecký, Detend für die Autoren „Hoffnung ist nicht die Überzeukan Miroslaw Giersprach Milada Krau- gung, daß etwas gut ausgeht, ga und Generalvikar sová. Metschl hatte sondern die Gewißheit, daß etem. Emil Soukup aus den Eindruck, daß vie- was sinnvoll ist, egal, wie es ausTaus, Architekt Jan le Gäste gerne gekom- geht.“ Diese Hoffnung und den Soukup, den akade- Jana Kubátová und Josef Nechutný, Schauspieler des Josef- men seien, um mehr Glauben habe er, Metschl, daß mischen Maler Jaros- Kajetán-Tyl-Theaters in Pilsen, tragen Passagen aus „Der über den berühmten dieses Kulturprojekt in Schüttwa lav Šindelář, der das Ackermann aus Böhmen“ vor. Sohn ihres Heimator- ein Leuchtturm sein könne, und Johannes-von-Schütttes zu erfahren. ein Beispiel für eine grenzüberwa-Denkmal schuf, und Ortsbe- genen Eisenkreuze auf die pasZum Programm gehörte auch schreitende, harmonische Zutreuer Franz Metschl. senden Grabsteine geschweißt. die Segnung des Buches durch sammenarbeit für Frieden und Metschls Eindruck war, daß Die Eisenkreuze seien zuvor ge- Dekan Miroslaw Gierga. Zum Freiheit in unserer hektischen sich die jetzigen Einwohner von reinigt und mit Silberbronze an- Schluß beteten alle das Vater- und turbulenten Zeit. Schüttwa und Umgebung für das gestrichen worden. „Mit großer unser. Das war für Metschl ein Das Buch kann man im CenProjekt in ihrem Ort interessier- Hingabe und aufopfernder Ar- würdiges, ein rundes Ende einer trum Bavaria Bohemia in Schönten und engagierten. Das sei ein beit wurde dies in kürzester Zeit denkwürdigen Veranstaltung. see oder im Infocentrum in Ronsgroßes Verdienst des Nikolaus- geleistet und fast vollendet“, so Das Publikum, das die Buchprä- perg kaufen. Der Erlös kommt vereins unter der ehemaligen Metschl. Das zeuge auch von ei- sentation aufmerksam verfolgt der Restaurierung der Kirche in Doppelspitze Václav Kohout und ner Ehrfurcht vor den Toten aus hatte, bedankte sich dafür mit ei- Schüttwa zugute.

Der Verein Nikolaus (Spolek Mikuláš) läßt Schüttwa, mittlerweile ein Ortsteil von Ronsperg, wieder aufleben. Was dort seit 2016 alles geschah, erstaunt nicht zuletzt Ortsbetreuer Franz Metschl.

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Der Flurplan zeigt 1 Gegen Meeden, 2 Peintwiesen, 3 Der Hurka, 4 Hammerfeld, 5 Hofacker und Wiesen, 6 Steigacker, 7 Deutschacker, 8 Gegen Schüttarschen, 9 Lehmgrube, 10 Turm, 11 Schlattiner Felder, 12 Louh (Lohe), 13 Hennaberg (Hühnerberg), 14 Gegen Sankt Georgen, 15 Schmiedakker, 16 Am Weißenstein, 17 Spitzackerl, 18 Gartacker, 19 G‘steiß, 20 Semlowitzer Acker, 21 Trenkacker, 22 Steckacker (Steckwiesen).

Sadl im Bezirk Hostau

Ferien im Kurort Im vom Hostauer Ortsbetreuer Stefan Stippler herausgegebenen Buch „Bezirk Hostau – Heimat zwischen Böhmerwald und Egerland“ schildert Georg Feierfeil den Ort Sadl, als er noch deutsch war.

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ie kleine Gemeinde Sadl liegt 450 Meter über dem Meer in der sogenannten Sadler Mulde. Zentrum war das „Dorf unten“. Nördlich stieg der Felsund Steinhügel Hurka an, südlich ein wesentlich niedrigerer Hang. In der Ortschaft lagen der Dorf- und der Schützenweiher. Nicht jedes Gehöft hatte eine eigene Trinkwasserpumpe, aber es gab die drei Gemeinschaftsbrunnen Dorfbrunnen, Wenzerlpumpe und Hanka-Brünnl. Das Brünnl lieferte das beste Wasser. Nach der Volkszählung 1939 hatte Sadl 49 Hausnummern und 191 Einwohner. Es gehörte zum Kirchspiel Sirb, wohin auch die Kinder zur Schule gingen. Dann wurde am Ortsende Richtung Schüttarschen ein Schulgebäude errichtet, in dem als Expositur der Mutterschule Sirb mit 1. September 1926 der Unterrichtsbetrieb begann. Sadl war von Sirb vier Kilometer entfernt. Aber die Wege dorthin waren schlecht. 1930 entstand die Freiwillige Feuerwehr Sadl mit 28 Mann. Die Wehr war ursprünglich mit einer von Ronsperg gekauften Handspritze, seit 1937 mit einer Motorspritze ausgestattet. Am Dorfplatz wurde ein Gerätehaus mit Turm errichtet, was am 6. Juni 1938 gefeiert wurde. Die meisten Sadler waren Landwirte mit kleinen Höfen. Ihre Gründe waren fünf bis sechs Hektar groß. Die Felder hatten nicht den besten Boden. Jeder Hof hatte acht bis zehn Rinder, die Hälfte Jungvieh, Zugtiere waren die Kühe. Vier Höfe hatten auch ein oder zwei Pferde.

Die Sadler waren Mitglieder des Ronsperger Lagerhauses. Die Männer – gelernte Maurer und Zimmerer – arbeiteten im Sommer auf dem Bau, im Winter fällten sie im Schlattiner Revier Holz. Auch die Ronsperger Ziegelei Kraus beschäftigte viele Sadler. Winterzeit war Klöppelzeit. Die Frauen waren Spitzenklöpplerinnen von Format, sogar einige Männer widmeten sich dieser Heimarbeit. Die Spitze fand reißenden Absatz und, trug zum Lebensunterhalt bei. Beim Klöppeln ging es nicht nur um den Verdienst. Die Zusammenkünfte der jungen und alten Klöppeler boten an den langen Winterabenden Gelegenheit zur Unterhaltung und waren eine Neuigkeitenbörse. Es gab zwei kleine Gemischtwarenhandlungen, eine Wagnerei, eine Schmiede, einen Pumpenmacher, ein Gasthaus und eine Annahmestelle für Spitzen. Abnehmer der Spitzen war hauptsächlich die Firma Warta in Muttersdorf. Der Bahnhof Sadl war Ronsperg, aber die nächste Bahnstation war Kleinsemlowitz, die Postsendungen brachte der Briefträger aus Hostau. Vom Hof Nr. 37 (Unternschmied) stammten zwei katholische Priester, die Gebrüder Kaas. Sie gehörten zur Diözese Leitmeritz und wirkten im Teplitzer Raum. Der langjährige Ortsbetreuer von Sadl, Anton Raab aus Haus-Nr. 44 (Glöckl), erzählte: „Wir Sadler waren glücklich und zufrieden mit unserem Dasein. Wir liebten unsere Heimatgemeinde. Für einen Urlaub und Urlaubsreisen im Sinn des heutigen Wohlstandes hatten wir weder die Zeit noch das Bedürfnis. Unsere Gemeinde war ja selber ,Luftkurort‘, wir konnten jedes Jahr unsere ,Feriengäste‘ begrüßen.“

Ortsbetreuerecke

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Rund 200 Leute sind Gäste der Buchpräsentation.

Bilder: Karl Reitmeier

erzlich gratulieren wir im Oktober Josef Johann Mayer, Ortsbetreuer von Haschowa und Zwingau, am 1. zum 88. Geburtstag; Karl Weidner, ehemaliger Ortsbetreuer von Tannawa, am 19. zum 90. Geburtstag; Gita Reiter, Ortsbetreuerin von Amplatz, am 30. zum 94. Ge-

burtstag und Erwin Brix, ehemaliger Mitarbeiter von Muttersdorf, am 31. zum 92. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 40 | 8. 10. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XIII

Goldgräber fallen ein zug nach Neustadtl, und vom Bahnhof begleitete ich ihn zur Pfarrei. Während er frühstückte, ging ich zur Post. Am Weg warte­ te František Syrový auf mich und machte mich darauf aufmerksam, daß mit Roppert auch einige Be­ amte der Staatssicherheit ange­ reist seien, die die Aufgabe hät­ ten, alles zu beobachten. Die In­ formationen habe er von seinem Schwiegersohn Veleta, der früher bei der Polizei gewesen sei. Wie interessant! Roppert äußerte den Wunsch, alleine auf den Spuren seiner Kindheit zu gehen. Er wolle kei­ nen Begleiter und mit seinen Ge­ danken alleine sein. Er besuch­ te die Teufelsmühle – fast ei­ ne Ruine –, in der damals Kosík

jemand darauf, daß ich aufkreu­ ze, so wartete er vergebens. Die Pfarrei wurde permanent beobachtet, jeder Schritt – da lagen die Nerven blank. Aber wir hatten uns mit der Zeit daran ge­ wöhnt. In dieser Zeit war es nicht möglich sich zu überzeugen, wer Offenheit und Freundschaft nur vortäuscht und auf wen man sich verlassen kann. Wir haben uns abgekapselt. Ab und zu kam ein Hinweis, eine Warnung. Ich kann nicht sagen, daß die Menschen in Neustadtl gegen uns waren – bis auf ein paar Einzelne – aber für die Pfarrei oder den Pfarrer ein­ treten? Dazu hatten alle weder Lust noch Mut. Wir waren einzig und allein auf uns gestellt. Aller­ dings war die fremde Umgebung

dere fanden sich, die uns darauf aufmerksam machten, daß in der Villa beim Friedhof Nr. 248 Tref­ fen stattfanden, bei denen Bra­ benec, Kubát, Spilka und ihres­ m 9. Dezember 1957 kam die gleichen über die Pfarrei rede­ Depesche, daß das Fahrzeug ten. am 11. Dezember an der Staats­ Wir wurden von verschiede­ grenze übergeben werde. An die­ nen Seiten beobachtet, und ver­ sem Nachmittag fuhr ich mit Ka­ schiedene Menschen erstatte­ rel Kára und seinem Freund nach ten Berichte über uns. Es gab Roßhaupt. Wir warteten gan­ Menschen, deren feindliche Ein­ ze Stunden. Und endlich, kurz stellung klar war: Sýkora, Hrou­ nach 19.00 Uhr, kam das Auto. da, Lacina, Šťastný, Němec, der Wir setzten uns in den Mercedes Korps für die Nationale Sicher­ heit und weitere. Oft machte uns und fuhren zurück nach Neu­ der Zahntechniker Josef Šulc auf stadtl. Das Auto diente treu – die Aufsicht und Gefahren auf­ und dient bis heute. merksam. Šulc hatte nämlich Wenn ich über die Schwierig­ Kontakte zur Staatssicherheit. keiten und die Verdächtigungen Die Gefahr lauerte überall. In rede, die mit dem Besuch von der Kirche, in der Schule, un­ Professor Josef Eigermann zu­ ter den Menschen. Jedes Wort sammenhingen, so kann ich wurde aufgegriffen. Zweifa­ den Besuch eines anderen che Vorsicht war zum Beispiel Ausländers nicht auslassen: auf der Kanzel in der Kirche Frank Roppert aus New York. oder auf dem Friedhof gebo­ Im Frühjahr, am 4. März 1956, ten. Diese Spannung saugte ging in Neustadtl ein Brief die Nerven geradezu aus. Das ein, welcher an das Pfarramt war ein Dauerzustand. Jedes in Pernartitz adressiert war. sich nähernde Fahrzeug, jeder Den Brief hatte ein gewisser unbekannte Besucher wühlte Frank Roppert abgeschickt, die Nerven auf. Und doch be­ der schrieb,daß er in der Teu­ wirteten wir in dieser Zeit viele felsmühle bei Walk zur Welt Gäste, was die Einträge in un­ gekommen sei. serem Gedenkbuch belegen. Der Verfasser bat um eine Einige Besuche waren erfri­ Mitteilung, in welchem Zu­ schend – andere ermüdend. stand die Gräber seiner Vor­ Ich sprach über die Besied­ fahren auf dem Pernartit­ lung des Grenzgebiets, über zer Friedhof seien und ob das die Vertreibung der Deutschen Kreuz unweit seiner Geburts­ und über die Ereignisse nach mühle noch stehe. Ich suchte dem Jahr 1948. Das Bild wäre die Gräber und das Kreuz auf, aber nicht komplett, wenn ich um mich über den Zustand zu informieren, und gab ihm ei­ Blick auf die Pernatitzer Sankt-Peter-und-Paul-Kirche, auf deren Friedhof die to- nicht die „Wirtschaft“ und die Mentalität der Menschen er­ ne kurze Notiz davon. Rop­ ten Walker einst beerdigt wurden, auch die der Familie von Frank Roppert. wähnen würde, besonders die pert hatte sich mit einem Päck­ chen revanchiert. Bald wurde ei­ mit seiner Familie wohnte. Die­ damit noch beklemmender. Daß Haltung gegenüber der Religion, ne Reihe Briefe ausgetauscht und ser hatte ihm grundlegende In­ die Pfarrmitglieder apathisch wa­ wie sich diese über die Jahre ent­ auch einige inhaltlich sehr will­ formationen geliefert. ren – bloße Statisten –, erfuh­ wickelte. Wenn ich die Schäden kommene Paketsendungen zu­ Erst später erfuhren wir, daß ren wir klar und deutlich, als ei­ zusammenzählen müßte, die in gestellt. Roppert von dem Interesse und nes Tages am Sonnabend vor der dieser verrückten Zeit angerich­ Die Gräber waren freilich zu­ der Anwesenheit der Staatssi­ Pfarrei ein Fahrzeug anhielt und tet wurden, bräuchte ich ganze gewachsen und vernachlässigt. cherheit wußte, über die Zustän­ die Staatssicherheit in die Pfarrei Papierstapel. Bereits 1945 tauchten „Gold­ Ich ließ sie erneuern, das Kreuz de war er besser informiert, als eintrat. Ich erinnere mich nicht stand, war aber vom Rost beschä­ wir ahnten. Am Abend teilten uns mehr genau, was der Grund des gräber“ auf. Sie plünderten, stah­ digt. Und da passierte etwas In­ noch Leute mit, wie die Staatssi­ unerwünschten Besuchs war. len, schafften Sachen weg. Sie teressantes. Das Kreuz, dem die cherheit – zwei Männer und ei­ Aber die Fenster des Wirtshau­ nahmen nur Wertgegenstände. ganzen Jahre über keiner Be­ ne Frau – jeden Schritt des Ame­ ses von Němec waren dicht be­ Sie trugen ganze Häuser ab, sie achtung geschenkt hatte, wur­ rikaners verfolgten. Roppert ging setzt. Kopf an Kopf. Als das Auto transportierten Teppiche, Porzel­ de abgebrochen. Es bestand kein täglich spazieren, sprach mit wegfuhr, konnten sie im Dunkeln lan, Schmuck, Bilder und so wei­ Zweifel, daß sich jemand für die­ Menschen – soweit er sich ver­ nicht erkennen, wer wegfährt. ter ab. Neustadtl war reich! Alles se Angelegenheit interessierte. ständigen konnte – und gewann Niemand hatte es aber gewagt, wurde ins Landesinnere gefah­ Mithilfe des Haider Totengrä­ durch seine Biederkeit das Ver­ sich der Pfarrei zu nähern. Sie ren. Sie kamen und gingen. Dann kam die zweite Wel­ bers wurde das Kreuz wieder re­ trauen aller. Es kam schließlich warteten bis zum nächsten Mor­ pariert und angestrichen. Auch dazu, daß ich mit ihm zum Örtli­ gen, ob die Glocken zur Heiligen le. Menschen, die sich auf Dau­ er niederlassen wollten. Sie ris­ um das Kreuz herum wurde alles chen Nationalausschuß ging, wo Messe läuteten oder nicht. hergerichtet. ihn der Sekretär Stupka um ei­ Womöglich waren die Men­ sen alles an sich, was möglich Am Sonntag, 23.  Juni 1957 nen Eintrag ins Gedenkbuch bat. schen nicht im Kern böse. Sie war. Sie trugen Sachen aus ei­ nachmittags tauchte unerwartet Die Anstrengungen der Staatssi­ waren nur von der Angst gefes­ nem Haus ins andere, auch Vieh. im Pfarrgebäude Frank Roppert cherheit waren zwecklos und völ­ selt. Andere hatten kein Interes­ Getreidekammern wurden ein­ auf. Er war sehr jovial und ge­ lig vergeblich. Ich erfuhr später, se. Aber nicht alle. Auch in Neu­ genommen, ganze Höfe und Ge­ sprächig. Gegen Abend beglei­ daß das Kreuz gründlich unter­ stadtl gab es genug solcher, die werbe übernommen. Dabei wa­ tete ich ihn in Richtung Haid, wo sucht wurde und die Umgebung Hand in Hand mit der Staatssi­ ren die ursprünglichen Bewoh­ er untergebracht war. Am näch­ des Kreuzes noch einige Zeit un­ cherheit zusammenarbeiteten. ner noch in Neustadtl. Fortsetzung folgt sten Tag kam er mit dem Früh­ ter Beobachtung stand. Wartete Wir kannten sie. Aber auch an­ In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie er von der Staatssicherheit beobachtet, kontrolliert und verfolgt wird.

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Ortsbetreuerecke

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erzlich gratulieren wir im Oktober Johann Marschick, Orts­ betreuer von Ratzau, am 8. zum 89. Geburtstag; Sybille Bräuner, Ortsbetreuerin von Purschau, am 21. zum 43. Geburts­ tag; Erwin Klotz, ehemaliger Ortsbetreuer von Reichen­thal, am 27. zum 90. Geburtstag und Felix Marterer, Stadtbetreuer von Haid, am 28. zum 86. Geburtstag. Wir wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit sowie Got­ tes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf

WIR GRATULIEREN Wir gratulieren unseren treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten, die im Oktober Geburtstag feierten oder feiern, und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen.

n  Pfraumberg. Am 1. Dr. Karl König (Mann von Eigermann Guste, Haus-Nr.  124) und am 11. Rosa Pertl (Spitzner Wenzl, Haus-Nr. 230), 86 Jahre. Christine Obermeier Stellvertretende Stadtbetreuerin

n  Tachau. Am 2. Kurt Mayer (Vorstadt), 91 Jahre. Gernot Schnabl Stadtbetreuer

n  Speierling. Am 9. Erich Wirl (Haus-Nr. 41) in Biesdorf, 91 Jah­ re. Stefan Heller Ortsbetreuer

Frisch restauriert: die Johannes-von-Nepomuk-Statue und ein Engel. Bilder (3): Ingrid Leser

� Bruck am Hammer

Bayern, Böhmen, Barock lich warteten sie, bis sie wieder an ihrem angestammten Platz sein dürften. Der Deutsch-Tschechische Zu­ kunftsfonds und das Denkmal­ samt Pilsen hatten die Restaurie­ an Šichá, der sich mit seiner Fa­ rung der Heiligen-Statuen und milie federführend um die Kir­ der Engel sowie die Freilegung che kümmert, und Pater Jiří Maj­ des gemauerten Sanctuariums kov, der neue bezuschußt. Ortspfarrer von Die Gemein­ Plan, begrüßten de Bruck, allen die Gäste. Pfar­ voran der neue rer Maj­kov, der Bürgermeister das erste Mal Eric Mara, hatte die Kirche be­ einen Steinmetz suchte, freute beauftragt, die sich über den Johannes-vonzahlreichen Nepomuk-Sta­ Konzertbesuch tue an der Brüc­ und dankte al­ ke am Ham­ len für ihr Kom­ merbach zu men und das In­ restaurieren. teresse. Zunächst be­ „Bayern. freite er sie von Böhmen. Ba­ den häßlichen rock“ war das Das freigelegte Sanctuarium. Farben. Mitt­ Thema des Kon­ lerweile ist er zertes. Das Ensemble „Alcinel­ schon fast mit dem Abstocken le“ mit Felicitas Schroeter an der fertigt. Bei Regenwetter widmete Traversflöte, Waltraud Schlag­ er sich dem Inneren der Kirche. berger an der Viola da Gam­ Auf eine Vermutung hin fand er ba und Ursula Stöckl am Spinett ein gemauertes gotisches Sanc­ spielten Stücke von Johann Cas­ tuarium, legte es frei und stieß par Ferdinand Fischer (1656– dabei auf die ursprüngliche Ma­ 1746), Hans Leo Haßler (1564– lerei Es tut sich wirklich was in 1612), Wilhelmine von Bayreuth dem kleinen Ort Bruck am Ham­ (1709–1758) und Samuel Capri­ mer vor den Toren Plans. cornus (1628–1665). Ingrid Leser Leider blieb für Pfarrer Majkov nach dem Konzert keine Zeit für Gespräche. Er meinte allerdings, es werde sich sicher eine Gelegenheit bieten, dies nach­ zuholen. Er scheint Humor zu haben, denn er sagte, er ha­ be auch die alten En­ gel im neuem Glan­ ze begrüßt und sie etwas an den Fü­ ßen gekitzelt. Doch sie hätten nicht rea­ Das Ensemble „Alcinelle“ ist auf Barockmusik Bild: Korbinian Thiel giert. Wahrschein­ spezialisiert.

Ende September fand in der Sankt-Jakobus-Kirche in Bruck am Hammer ein Benefizkonzert mit Barockmusik zur Erhaltung der Kirche statt.

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TERMINE n  Samstag, 16. Oktober, 14.00 Uhr, Bärnau: Feierliche Überga­ be des Böttgerwegs, des Grenz­ landwanderwegs zwischen Böh­ men und Bayern und durch das verschwundene Paulusbrunn, an

die Öffentlichkeit in der Aula der Grundschule. Anmeldung: In­ grid Leser, Telefon (0 96 35) 3 29, oder Rainer Christoph, Vorsit­ zender der ARGE Paulusbrunn, Mobilfunk (01 79) 7 59 27 81.


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Sudetendeutsche Zeitung 8. Oktober 2021 Ausgabe 40 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu