Brandenburg erinnert an Schicksale von Vertriebenen und Flüchtlingen (S. 2)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 37 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 17. September 2021
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Prag
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Parteitag in Nürnberg
Zeman und Klaus im Krankenhaus
Vier Landsleute im CSU-Parteivorstand
Staatspräsident Miloš Zeman und der Ex-Staatspräsident Václav Klaus werden derzeit im Zentralen Militärkrankenhaus in Prag stationär behandelt.
Auch im neuen Parteivorstand der CSU sind die Heimatvertriebenen weiterhin stark vertreten.
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m Dienstag wurde Staatspräsident Miloš Zeman eingeliefert, bestätigte eine Sprecherin des Krankenhauses. Weitere Details gab die Präsidentenkanzlei nicht bekannt. Der 76 Jährige leidet an einer fortschreitenden Nervenkrankheit, einer Neuropathie, sowie an Diabetes und absolviert seit Monaten auch öffentliche Termine im Rollstuhl. Bereits seit dem Wochenende wird der ehemalige Präsident Václav Klaus behandelt. Der Grund, so sein Sprecher, seien gesundheitliche Probleme in Folge eines hohen Blutdrucks.
VOLKSBOTE
Auf dem CSU-Parteitag: Bernd Posselt, Josef Zellmeier, Sylvia Stierstorfer, Steffen Hörtler und Stephan Mayer.
uf dem Parteitag in Nürnberg wurden die Landtagsabgeordneten Sylvia Stierstorfer und Josef Zellmeier sowie der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer in das Führungsgremium der CSU gewählt. Stierstorfer, die sudetendeutsche Wurzeln hat, ist seit März 2018 Beauftragte für Aussiedler und Vertriebene der Bayerischen Staatsregierung. Zellmeier ist Vorsitzender des wichtigen Haushaltsausschusses und leitet die CSU-Arbeitsgruppe Vertriebene, Aussiedler, Partnerschaftsbeziehungen. Und Mayer, dessen Familie aus Böhmen stammte, ist seit März 2018 Par-
lamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat. Als Vorsitzender der Union der Vertriebenen gehört Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, dem Parteivorstand erneut kraft Amtes an. Außerdem wurden die Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, Bayerns Familien-, Arbeits- und Sozialministerin Carolina Trautner, und MdB Bernd Fabritius in den Parteivorstand kooptiert. Fabritius ist zudem Präsident des Bundes der Vertriebenen sowie Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.
Es geht um EU-Subventionen, eine angebliche Entführung auf die Krim und die geistige Gesundheit des Juniors
Premierminister Andrej Babiš: Schlammschlacht mit dem Sohn Neuer Tiefpunkt in der öffentlichen Schlammschlacht zwischen Andrej Babiš Senior und
Andrej Babiš Junior – und dies mitten im Wahlkampf. Am Montag hat der Sohn des tschechi-
schen Premierministers sechs Stunden bei der Polizei gegen seinen Vater ausgesagt, nach-
dem er bereits am Donnerstag mehrere Stunden lang vernommen worden war.
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ch möchte nicht Teil eines Betrugs sein“, sagte Babiš Junior nach der Vernehmung zu den Journalisten, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Aus dem Umfeld des Vaters heißt es dagegen, der Junior leide an einer psychischen Erkrankung. Die Schlammschlacht zwischen Vater und Sohn schwelt seit Jahren. Auslöser sind Ermittlungen rund um EU-Subventionen für das Wellness-Ressort Storchennest in der Nähe von Prag. Babiš und ein früheres Mitglied des Storchennest-Vorstandes stehen im Verdacht, für den Bau des Luxusressorts im Jahr 2008 unbefugt EU-Subventionen in Höhe von knapp zwei Millionen Euro angenommen zu haben – Geld, das eigentlich für kleine und mittelständische Unternehmen bestimmt war. Die tschechischen Ermittler vermuten, daß das Storchennest auch damals zum Großkonzern Agrofert gehört hat, der von Multi-Milliardär Babiš gegründet worden ist. Ist dem so, wären die Subventionen illegal gewesen. Seit Jahren wird in dieser Causa ermittelt. Und erst vor wenigen Tagen hatte ein als Zeuge befragter ehemalige Manager des Storchennestes seine früheren Aussagen aus den Jahren 2017 und 2018 revidiert und jetzt erklärt, das Luxusressort sei von 2009 bis 2011 direkt von Babiš, der damals Vorstandschef seines Konzerns Agrofert war, geleitet worden. Allerdings geht es bei dem angeblichen Subventionsbetrug um das Jahr 2008. Der heute 38jährige Babiš Junior, der eine Zeitlang als Beschuldigter geführt worden ist,
Das Wellness- und Konferenzhotel Storchennest in der Nähe von Prag. erklärte in einem Radio-Interview, das vor seinen Vernehmungen ausgestrahlt worden ist, sein Vater habe ihn als Strohmann mißbraucht, um die Subventionen zu erhalten. Er habe, so Babiš Junior, einen mehrseitigen Vertrag unterschreiben müssen, dessen Inhalt er nicht verstanden habe. Um an die EU-Subventionen zu kommen, soll der Senior die Immobilie pro forma aus dem Besitz seines Großkonzerns Agrofert auf ihn und seine Schwester, die ebenfalls aus der ersten Ehe stammte, sowie auf die zweite Ehefrau übertragen haben. Nach dem Ende des EU-Monitorings für diese Subvention sei das Storchennest wieder zurück in die Agrofert-Holding eingegliedert worden.
Als es dann zum Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn kam, habe man ihn, so der Junior, „aus dem Verkehr gezogen“ und auf die Krim gebracht. Er sei, so erzählt der Junior, von Leuten seines Vaters vor die Wahl gestellt worden, entweder in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen zu werden oder eine Weile „in Urlaub“ zu gehen. Da habe er sich für den Urlaub entschieden. Begleitet worden sei er dabei von einem Angestellten seines Vaters, der wiederum der Ehemann der Psychiaterin ist, die beim Sohn eine psychische Erkrankung diagnostiziert hatte. Ein Anruf von Babiš Junior bei der tschechischen Polizei wegen dieser angeblichen Entführung hatte damals keine Ermittlungen ausgelöst, da Babiš Junior in
Fotos: Čapí hnízdo/ Vláda ČR/Twitter Genf lebt und Schweizer Staatsbürger ist. Während der Sohn dem Vater dennoch immer wieder eine Entführung“ vorwirft, zeigen Bilder den Sohn, wie er auf der Krim wasserpfeifenrauchend die Abende verbrachte Die erste Ehefrau und Mutter des Juniors, Beatrice Babišová, bestritt dagegen, daß ihr Sohn von dessen Vater entführt worden sei. „Er wurde sicher nicht entführt“, sagte die in Genf lebende Frau gegenüber Journalisten. Babiš Junior sei auf die Krim gereist, weil zu jener Zeit Journalisten in Prag starken Druck auf ihn ausgeübt hätten. Die Mutter: „Wir mußten einen Ort finden, an dem er neue Kraft gewinnen konnte. Mein Sohn steht unter Druck, was seine ohnehin fra-
gile Gesundheit beeinträchtigt. Ich habe Angst, daß sich sein Zustand verschlechtert.“ Babiš Junior, der zuvor als Berufspilot eine Boing 737 im Frachtverkehr geflogen ist, sei deshalb eine Zeitlang in einer Spezialabteilung des Universitätsspitals Genf behandelt worden: „Heute ist sein Zustand stabil, er wird ambulant behandelt. Er möchte ganz aufrichtig ein neues, normales Leben beginnen und friedlich in Genf arbeiten“, so die Mutter. Dennoch hatte Babiš Junior erst vor wenigen Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung seines Vaters in Aussig für einen weiteren Eklat gesorgt. Gefilmt von einem TV-Team des Reporters Vít Klusák stürmte der Junior die Bühne, stellte seinen Vater öf-
fentlich zur Rede und behauptete, gesund zu sein: „Papa, hallo, Vater, das ist Andrej Junior. Ich komme gerade vom Psychologen und habe einen gerichtlichen Sachverständigen, der mich untersucht hat. Wie ist es, mich zu sehen?“ „Wir wissen, wer ihn mißbraucht, aber ich möchte nicht darüber sprechen“, sagte Babiš anschließend und fügte hinzu, er habe sich immer gut um seinen Sohn gekümmert, habe ein reines Gewissen und bedauere die Situation. Unterstüztung bekam der Premierminister dabei auch von Staatspräsident Miloš Zeman. „Der Präsident der Republik, Miloš Zeman, verurteilt die Aktivitäten des TV-Reporters Vít Klusák, der einen Auftritt des psychisch kranken Sohnes des tschechischen Ministerpräsidenten organisiert hat“, twitterte Präsidentensprecher Jiří Ovčáček am Samstag. Dies wiederum brachte Babiš Junior so in Rage, daß er den Präsidenten über Twitter öffentlich beleidigte und ihn der Lüge bezichtigte. Und auch TV-Reporter Klusák ging in den Angriff über und bestritt, für den Eklat in der Wahlkampfveranstaltung verantwortlich zu sein. Das Aufeinandertreffen von Vater und Sohn sei „ein reiner Zufall“ gewesen, behauptete TV-Reporter Klusák und sagte: „Ich organisiere in keiner Weise etwas. Und für den Sohn des Premierministers gibt es unabhängige Gutachten, die besagen, daß er nicht an einer psychischen Störung leidet.“ Fortsetzung folgt... Torsten Fricke
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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chnell fotografieren, bevor es verschwindet!“, sagt sich SL-Büroleiter Peter Barton jedes Mal, wenn er irgendwelche deutschen Spuren in der Hauptstadt Böhmens findet. Eine Bewohnerin des Hauses Nr. 5/578 in der Melniker Straße im Prager Stadtviertel Smichow erzählte ihm von der bevorstehenden Hausrenovierung. Die deutsche und
PRAGER SPITZEN
tschechische Inschrift einer früheren Weinstube wird dadurch wahrscheinlich verschwinden, wie alles, was die Fassade „schmutzig“ macht. Dieses Foto erinnert an vergangene Zeiten einer kleinen Prager Weinstube, die vielleicht schon zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie den durstigen Besuchern Wein und Wasser angeboten hat.
Drastische Zunahme an Sterbefällen
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Portrait-Galerie „Losgehen und Ankommen“ auf der Dominsel an der Havel
Brandenburg dokumentiert Schicksale von Vertriebenen Mitten auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel findet der Besucher eine im Freien aufgestellte Portrait-Galerie mit insgesamt zehn Biografien von Vertriebenen und Flüchtlingen, die zwischen 1945 und heute Aufenthalt oder sogar Heimat in der Stadt gefunden haben. Darunter ist auch eine Sudetendeutsche.
Absatzeinbruch bei Škoda
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eil Halbleiter-Chips auf dem Weltmarkt derzeit Mangelware sind, muß der Autohersteller Škoda in diesem Jahr seine Produktion um rund 100 000 Autos reduzieren, hat Firmenchef Thomas Schäfer in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung erklärt. Zuvor hatte der Volkswagen-Konzern berichtet, daß der Absatz von Škoda-Wagen im August im Jahresvergleich um 34,3 Prozent eingebrochen ist.
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igentlich sollte die Ausstellung „Losgehen und Ankommen“ bereits im vergangenen Jahr zur Ausführung kommen, aber Corona machte auch hier einen Strich durch die Rechnung des Ausstellungsprojektes der Evangelischen Kirchengemeinden der Region Brandenburg, das in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Brandenburg an der Havel e.V., der Flüchtlingsnetzwerkkoordination, dem Förderverein Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e. V. und synopsisfilm entstand. Die Stadt Brandenburg hat das Projekt großzügig unterstützt und auch den Druck eines Katalogs ermöglicht. Sie tat gut daran, denn wie die federführende Organisatorin, Historikerin, Fotografin und Filmemacherin Marion Schütt in ihrem Nachwort zum Katalog schreibt, lebten im April 1949 rund 655 000 Vertriebene im Land Brandenburg, was damals ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachte. Stellvertretend für diese werden drei Frauen aus Posen, Galizien und aus Böhmisch Kamnitz vorgestellt. Doch auch 2015 kamen Menschen auf der Flucht in der Stadt Brandenburg an, aus Afghanistan, dem Iran und Syrien, was wohl der Auslöser für die Besinnung auch auf ein Kapitel der Stadtgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg war. Die Ausstellung stellt außerdem einen vietnamesischen Facharbeiter, eine Familie wolgadeutscher Aussiedler, eine Schwäbin und eine Brandenburgerin aus der Uckermark vor, die den Weg in die Domstadt fanden. Der Ort der Ausstellung ist dabei besonders. Gleich neben dem Brandenburger Dom, dessen Bau 1165 begann und als Wiege der Mark Branden-
m ersten Halbjahr 2021 sind in Tschechien insgesamt 76 300 Menschen gestorben – 33 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die höchste Zahl an Sterbefällen verzeichneten die Statistiker in den ersten drei Monaten dieses Jahres, als Tschechien unter der bisher stärksten Corona-Welle litt. Damals forderte die Pandemie zwischen 100 und 200 Tote pro Tag. Insgesamt sind in Tschechien über 30 000 Menschen an oder mit einer Covid19-Infektion verstorben. Die Zahl der Erkrankten liegt bei rund 1,7 Millionen.
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Inflation auf Rekordwert
euer Negativrekord: Die Inflationsrate ist im August auf 4,1 Prozent angestiegen, den höchsten Wert seit November 2008. Ein Preistreiber ist das Wohnen. So stiegen die Mieten
um 2,5 Prozent, die Wasser- und Abwassergebühren um 5,5 Prozent, die Strom- und Gaskosten um 3,4 Prozent beziehungsweise 4,7 Prozent. Auch für die allgemeinen Lebenshaltungskosten müssen die Bürger deutlich tiefer ins Portemonaie greifen. So stiegen die Kraftstoffpreise im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent. Bier wurde 6,3 Prozent teurer, Tabakwaren 9,9 Prozent und Bekleidung 5,2 Prozent.
Tschechische Bahn fährt Verluste ein
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n der ersten Hälfte dieses Jahres haben die Tschechischen Bahnen auf Grund der Corona-Maßnahmen mit 217 Millionen Kronen (8,3 Millionen Euro) deutliche Verluste eingefahren. Die Zahl der Fahrgäste sank im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2020 um 9,5 Millionen auf 50,3 Millionen Reisende.
Bergsteiger hoffen auf baldige Rettung
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wei tschechische Bergsteiger und deren pakistanischer Begleiter, die am Freitag auf dem Rückweg vom 7788 Meter hohen Gipfel des Rakaposhi in einer Höhe von 6900 Metern hängen geblieben sind, konnten am Dienstag ihren Abstieg fortsetzen, nachdem sie von der pakistanischen Armee mit Seilen, Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt worden. Die Bergsteiger sollen jetzt auf mindestens 6000 Meter absteigen, da nur bis zu dieser Höhe eine Bergung mit einem Hubschrauber möglich ist.
Sudetendeutsche Zeitung
Die im Freien aufgestellte Porträt-Galerie zeigt zehn Biografien von Vertriebenen und Flüchtlingen. burg gilt, steht recht unscheinbar die Kapelle Sankt Petri, die noch vor dem Dom als kleiner Sakralbau aus der Anfangszeit der christlichen Herrschaftsperiode stammt. In dessen Vorgarten stehen nun die zehn biografischen Tafeln, die die schwierigen Lebenswege der heutigen Brandenburger dokumentieren. Die sudetendeutsche Elisabeth B., die im Katalog zitiert wird, daß sie angekommen, aber nicht verwurzelt sei, schildert ihre Herkunft aus dem kleinen Dorf Hasel, dem „Schatzkästlein“ – wie ihre ältere Schwester zu sagen pflegte. Dann die Umstände der Vertreibung. Sie hätten zunächst ihr Haus auf Anordnung verlassen und in ein Lager bei Pilsen umziehen müssen, wo sie ein ganzes Jahr Zwangsarbeit in der Landwirtschaft leisten mußten. Schließlich wurden sie im Herbst 1946 in die sowjetische Besatzungszone abgeschoben,
wo sie in Aschersleben (SachsenAnhalt) landeten. Dort starb ihre Mutter früh an Krebs, und die Familie mit sieben Kindern lebte unter schwierigen Umständen. Sie selbst ging aber einen selbstbewußten Weg, machte die Mittlere Reife, absolvierte eine Lehre zur Zahntechnikerin, holte das Abitur nach und studierte schließlich Zahnmedizin und promovierte 1974. Als frischgebackene Zahnärztin kam sie nach Brandenburg an der Havel, wo sie noch heute lebt. In ihrem Unruhestand seit 2005 befasse sie sich besonders mit ihren böhmischen Wurzeln, sei Mitglied der christlich orientierten Ackermann-Gemeinde. All diese Umstände eines Vertriebenenschicksals sind für die Brandenburger Öffentlichkeit ungewohnt, das machte die Aufnahme der Ausstellung in der lokalen Presse deutlich, die sie vor allem verschwieg. Obwohl doch
Foto: Miksch
1991 bei der Gründung der Kreisgruppe der SL Brandenburg und Umgebung anfangs 45 Landsleute zusammenkamen und innerhalb von zwei Jahren ihre Zahl auf 205 Mitglieder anwuchs. Seit 1995 erschien auch ein Heimatblatt: der Brandenburger Sudetenland Anzeiger. Doch die Beschränkung auf die Erlebnisgeneration, die keine Ausweitung erfuhr, veranlaßte die Kreisgruppe 2014 zur Selbstauflösung. Dann kam die Flüchtlingskrise 2015, und plötzlich stand Brandenburg wieder vor der Aufnahme von hilfesuchenden Menschen. Die inneren Bilder vieler Brandenburger, die nach 1945 hierher vertrieben wurden, waren wieder lebendig. Diesem Schicksal nachzuspüren, widmet sich „Losgehen und Ankommen“ auch mit Begleitveranstaltungen noch bis Ende Oktober dieses Jahres. Ulrich Miksch
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
Foto: Maximilian König
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Aus der Geschichte lernen. Flucht und Vertreibung ächten. Europäische Aussöhnung gestalten. Lebendige Erinnerung und kulturelles Erbe bewahren. Für die Menschen da sein, gute Rente und gute Pflege sichern.
26.09. m a b l a Desh h O lz c S f a l O hlen. ä w D P S und die me ist m i t s t i e w z timme! s r e l z n a K
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17.9.2021
Bis zu drei Millionen Sudetendeutsche sind nach Ende des Zweiten Weltkriegs gewaltsam aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden. Zu den Opfern gehört auch Friederike Purkl, die damals als Kind mit ihren Eltern die Heimat verlassen mußte und heute in München lebt. Als Zeitzeugin berichtet sie von diesem Trauma und von der nicht immer freundlichen Aufnahme in der neuen Heimat. Frau Purkl, erzählen Sie uns von Ihren Wurzeln. Friederike Purkl: Ich bin am 20. Dezember 1945 als letztes von vier Kindern in Eger geboren. Meine sechsköpfige Familie wohnte in einem Fachwerkhaus in der Bahnhofstraße in Sandau bei Eger, das mein Vater Anton Purkl gekauft und renoviert hatte. War Ihre Familie in der Heimat verwurzelt? Purkl: Ja, meine Familie war dort fast tausend Jahre heimisch. Mein Großvater Johann Purkl war Schmiedemeister. Er hatte das Handwerk in der Ober-TorSchmiede in Eger gelernt und war dann mit meiner Großmutter Anna, geborene Kind, am 2. November 1894 nach Sandau gezogen. Der Bruder meiner Großmutter war Dr. Franz Kindl, der Leiter der Chirurgischen Abteilung in Prag. Die Familie meiner Mutter, Maria Purkl, besaß in Lusading bei Tepl über zwanzig Hektar. Und die Tante meiner Mutter, die in Tepl lebte, war mit über 50 Hektar sogar Großgrundbesitzer. Welchen beruflichen Weg hat Ihr Vater eingeschlagen? Purkl: Mein Vater hat an der Karls-Universität in Prag Deutsch, Latein, Griechisch und Sport studiert. Im Ersten Weltkrieg mußte er als Soldat an die Front und geriet in Kriegsgefangenschaft. Dort, in Sibirien, gelang ihm im Mai 1918 die Flucht – was einem Wunder gleichkam. Mein Vater erzählte immer, daß er Monate davor während eines Fronturlaubs mit seiner Schwester Katharina unserer Kirche St. Michael ein Herz-Jesu-Fenster gestiftet hatte, und daß daraufhin der liebe Gott dafür gesorgt hätte, daß er zu Fuß aus Sibirien über Kainsk, Omsk, Semipalatinsk, Bijsk, Novo-Nikolajewsk-Sibirsk und Petersburg bis zu nach Hause flüchten konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg war mein Vater dann Gymnasial-Professor in Mies, Pilsen und ab 1928 in Eger. Außerdem bewirtschaftete meine Familie 13 Hektar Land. Wie erlebten Ihre Eltern die Machtergreifung durch die Nazis? Purkl: Nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Frühjahr 1939 war ein ordentlicher Schulbetrieb nicht mehr möglich. Viele Lehrer wurden von den Nazis verhaftet und in ein KZ verschleppt, zum Beispiel, weil sie sich geweigert hatten, „Heil Hit-
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� Interview mit Friederike Purkl, die als Kind mit ihren Eltern aus dem Egerland vertrieben worden ist
„Wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht“
� Zur Person: Friederike Purkl � Geboren am 20. Dezember 1945 in Sandau an der Eger � Mai 1946: Vertreibung mit der Familie nach Donau-Ries � Ausbildung zur staatlich geprüften Lehrerin, Diplom-Über-
setzerin für Englisch und Italienisch sowie Erstes juristische Staatsexamen ler“ zu rufen. Mein Tauf-Pfarrer gen per Fuhrwerk zum Bahnhof Franz Lenz (siehe unten) kam ins Bad Königswart bei Marienbad KZ Dachau, weil er die Heilige verfrachtet wurden. Die Tiere im Messe gelesen hatte. Und Pfarrer Stall schrien vor Hunger. Den Raimund Klofatt, der am 26. De- Schlüssel an der Haustüre mußzember 1936 meine Eltern Anton te man stecken lassen, damit die und Maria Purkl in Marienbad Vertreiber die Häuser sofort in getraut hatte, Besitz nehwurde ebenfalls men konnten. verhaftet. Mein Vater, Wann wurde der fließend Ihre Familie verTschechisch trieben? sprach, wollte Purkl: Am 8. persönliche Mai 1946. Ich Bilder und war damals fünf DokumenMonate alt und te mitnehsaß noch im Kinmen, was ihm derwagen. Meiein tschechine Eltern haben scher Bewamir später becher mit den richtet, wie die Worten verVertreibung abbot: „Du, entgelaufen ist. In Das vom Vater und dessen Schwe- weder fallen der Stadt wur- ster gestiftete Herz-Jesu-Fenster. lassen oder de per Aushang ich schievermeldet, daß sich alle Deut- ße!“ Trotz Todesdrohung konnte schen mit jeweils etwa 40 Kilo- mein Vater aber noch etliche Urgramm Gepäck pro Person am kunden retten. Am Bahnhof Bad Marktplatz unter der Kirche Königswart wurden wir zu jeSankt Michael einfinden muß- weils 30 Personen in einen Wagten, von wo sie am nächsten Mor- gon hineingepfercht, wo wir ste-
Friederike Purkl wohnt in einer kleinen Wohnung im ersten Stock eines Hinterhauses im Münchner Stadtteil Haidhausen. Foto: Torsten Fricke hend ohne Wasser, ohne Fenster tiert, wo niemand einziehen wollund ohne Toilette die Nacht ver- te, weil hier ein früherer Nazifühbringen mußten und nicht wuß- rer wohnte. ten, wann und wohin der Zug mit Wovon haben Sie gelebt? insgesamt 30 Waggons abfuhr. Purkl: Mein Vater bekam Wann ging es dann weiter? Gott sei Dank in Nördlingen am Purkl: Am nächsten Mor- Gymnasium wieder eine Anstelgen fuhr unser Zug nach Bay- lung. Damit war zwar die Zeit des ern, der Zug meiner Tante, Ju- Hungerns vorbei, doch für meilie Purkl, nach Hessen, und der ne Mutter kam diese Wende zu Zug unserer Nachbarin fuhr in spät. Sie war auf 40 Kilogram abden Osten, in die spätere DDR. In gemagert und erholte sich nie Augsburg wurwieder von den die Wagdiesen Strapagons wieder zen. Sie starb getrennt. Die am 20. Juni Familie meiner 1956, im Alter Tepler Großvon nur 46 Jahmutter, Maria ren. Kurz bevor Muschik, kam mein Vater am nach Krum26. Mai 1962 bach, während für immer die unser Waggon Augen schloß, ins Donau-Ries sagte er gerafuhr. Dort sind dezu prophewir zunächst in tisch voraus, das Auffangdaß wir Kinder Lager Heuberg unsere Heimat bei Nördlingen Das erste Familienfoto in der neuen wiedersehen Heimat mit Friederike in der Mitte. eingewiesen werden. So worden und erwar es auch! hielten dann am 14. Juni 1946 für Wann waren Sie zum ersten ein paar Wochen eine verschim- Mal wieder im Egerland? melte Wohnung in der NonnenPurkl: Nach der Wende konngasse zugewiesen. Anschließend te ich mit meiner Schwester, meiwurden wir in einem Haus in der nem Vetter und weiteren VerJohannes-Kähn-Straße einquar- wandten erstmals in unsere Hei-
mat reisen. Dort war alles so, wie es unsere Eltern immer wieder erzählt hatten. Sogar die Namen in der Kirche St. Michael in Sandau waren noch auf Deutsch lesbar. Man hätte meinen können, unsere Vorfahren wären erst gestern dort in der Kirche versammelt gewesen. Auch der Taufstein, wo ich ein paar Monate vor der Vertreibung am 6. Januar 1946 von Pfarrer Franz Lenz getauft wurde, war noch vorhanden. Der Anblick des Herz-JesuFensters links über dem Altar, das mein Vater Anton Purkl mit seiner Schwester Katharina einst gestiftet hatte, war im wahrsten Sinne des Wortes herzzerreisend! Es fehlen einem die Worte, um all das auszudrücken, was man beim Anblick der alten Heimat empfindet, in der unsere Vorfahren fast tausend Jahre lang gelebt hatten. Vor der Kirche stand eine Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk, die dort 1728 errichtet worden ist. Fast dieselbe Statue wurde zur selben Zeit 20 Kilometer hinter Nördlingen in dem kleinen Dorf Dornstadt errichtet, wo mein Vater am 13. August 1949 ein kleines altes Häusel für 800 Deutsche Mark kaufen konnte. Anscheinend war der Hl. Johannes Nepomuk unser Nothelfer. Wie waren die Anfänge in der neuen Heimat? Purkl: Wir konnten an Allerheiligen 1949 einziehen. Damit war zwar das Wohnungsproblem gelöst, aber das Haus war in einem schlechten Zustand. So mußten wir Wasser in Eimern vom Dorfbrunnen holen, und im Winter bildete sich Eis an den Zimmerwänden. Aber wir fühlten uns wieder als freie Menschen, auch wenn die Einheimischen nicht sehr freundlich waren und uns Flüchtlinge unter anderem als „Zigeuner“ beschimpften. Da wir nichts zum Anziehen hatten, mußten wir oft die Schuhe oder Jacken abwechselnd tragen, so daß man uns Flüchtlinge schon an der dürftigen Kleidung erkannte. Von den Feldern wurden wir verjagt, wenn wir Kartoffeln „nachlesen“ wollten, und es wurde uns ausdrücklich verboten, im Wald Brennholz zu sammeln. Und dies, obwohl der Forst dem Fürsten von Oettingen gehörte, dessen Frau, Fürstin Elisabeth, selber eine Vertriebene aus Görlsdorf war. Wir Flüchtlinge waren immer die „Schuldigen“ und wurden auch demgemäß wie „Schuldige“ behandelt. Warum ist es für Sie persönlich wichtig, daß solche Geschichten nicht in Vergessenheit geraten? Purkl: Das Schicksal der Vertriebenen ist ein wesentlicher Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir sollten deshalb die Erinnerungen der Zeitzeugen für die kommenden Generationen sichern. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl hat einmal gesagt: „Wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht!“ In diesem Satz steckt sehr viel Wahrheit. Nicola Fricke
� Monate nach der Rückkehr aus dem KZ Dachau wurde Franz Lenz aus seiner Heimat vertrieben
Der aufrechte Pfarrer von Sandau Pfarrer Franz Lenz, der auch Friederike Purkl getauft hatte, war der letzte Pfarrer von Sandau. Auch er wurde vertrieben und wirkte anschließend bis zu seinem Tod im Unterallgäu.
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Dieses historische Bild zeigt die Kirche Sankt Michael in Sandau.
wischen 1938 und 1945 verfaßte Pfarrer Lenz noch acht Einträge in der Pfarrchronik: 1938, 9. Oktober: Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Einzug Hitlers in Eger. In den Tagen des Umsturzes auch etwas Ramisouri in Sandau, jedoch ohne rechte Begeisterung: ein Häuflein gegen 50 Personen zieht über den Marktplatz und singt das Deutschlandlied mit Müh und Not.
1940: Der Seelsorger erhaelt am 14. November „Schulverbot“, er unterrichtet die Kinder in Seelsorgestunde in Sandau in der Kirche, in Amonsgruen und in Markusgrün in den Kapellen der Orte, in Obersandau im Haus Nr.11 und in Zeidlweid in Franks Gasthaus. 1941: Die Bittprozessionen auf Königswart und Maiersgrün fanden in diesem Jahr nicht statt. Christmette wegen Verdunkelung im Pfarrsaal, welcher als Kapelle eingerichtet wurde.
1942: Am 13. Maerz wurde die mittlere Glocke für Kriegszwecke requiriert (die Große fiel 1917 zum Opfer). Christi Himmelfahrt und Fronleichnam werden zu Wochentagen degradiert, so daß kein Hochgottesdienst an diesem Tag stattfinden darf. Christmette in diesem Jahr ohne Beleuchtung in der Kirche. 1943: Der Seelsorger hält am Fest Christi Himmelfahrt am Abend einen Festgottesdienst als Vorbereitung auf die Firmung. Gestapo wird auf ihn deshalb gehetzt. Nach einer Erholungsreise nach Tirol wurde der Seelsorger am 31. August verhaftet und in Karlsbad als Haeftling interniert. 1944: Der Seelsorger wird am
31. Januar nach Dachau in das Konzentrationslager transportiert. 1945: Am 6. April wird der Seelsorger aus dem Konzentrationslager in Dachau entlassen und kehrt am Sonntag, den 8. April wieder heim in seine Pfarrgemeinde. Am 5. Mai ziehen die Amerikaner in Sandau ein. Überall machen sie sich breit, auch im Pfarrsaal nisten sie sich ein. 1946: Auch der Seelsorger verläßt unter dem Druck der Zeitverhältnisse seine Pfarrgemeinde, in der er 32 Jahre gewirkt, mit schwerem Herzen. Alles möge geschehen in des Herren Willen. Hier endet die Pfarrchronikvon Sandau. NF
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17.9.2021
� Mut tut gut
Heraus aus der Burg! P
Wenzl Meinl: Nach der Vertreibung aus Graslitz wurde das Unternehmen in Geretsried südlich von München wieder aufgebaut. Fotos: Gerhard A. Meinl, Haus der Bayerischen Geschichte (2)
� Neue Ausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg würdigt die Aufbauleistung der Sudetendeutschen
„Ohne die Vertriebenen wäre Bayern heute ein anderes, ärmeres Land“
„Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ ist der Titel der Sonderausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte, die am Mittwoch in Regensburg eröffnet worden ist.
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as Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) beschäftigt sich seit langem intensiv mit dem Thema „Flucht und Vertreibung“. In seinem Museum hat es vor allem die Seite der Integration in den Vordergrund gestellt. Schließlich galt es in den Jahren nach Kriegsende, Hunderttausende von Sudetendeutschen und andere deutschstämmige Vertriebene und Flüchtlinge in das noch stark agrarisch geprägte Bayern einzubinden. Gerade die ländlichen Regionen, in die wegen der Wohnungsnot der zerstörten Städte zuerst der Zustrom erfolgte, leisteten dabei Pionierarbeit. Umgekehrt brachten viele Vertriebene insbesondere aus den böhmischen und mährischen Wirtschaftsstandorten technisches und industrielles Know-how in den Freistaat und erwarben sich erhebliche Anteile am wirtschaftlichen Aufschwung der
Sylvia Stierstorfer
Dr. Richard Loibl
1950er Jahre. „Das Wirtschaftswunder als Gemeinschaftsleistung der alten und neuen Bayern begünstigt dabei den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und die dauerhafte Integration“, erklärt Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, den Anlaß für die Sonderausstellung. Bei der Eröffnung am Mittwoch stellte auch die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer, diese besondere Aufbauleistung heraus: „Ohne die Ver-
triebenen wäre Bayern heute ein anderes, ärmeres Land“, sagte Stierstorfer, die auch Schirmherrin der Ausstellung ist. Die Vertriebenen haben aber auch unsere Gesellschaft verändert und moderner gemacht. Obwohl die Vertriebenen alles verloren und viel Leid erfahren hatten, hätten sie nicht nur angepackt, sondern von Anfang an versucht, sich in Bayern zu integrieren. Sie hätten sich nicht abgekapselt, sondern wollten Teil ihrer neuen Heimat werden. Nicht immer seien sie dabei auf Gegenliebe gestoßen. Insgesamt sie die Eingliederung aber gelungen, so die CSU-Abgeordnete, die selbst sudetendeutsche Wurzeln hat. Anhand von exemplarischen Firmengeschichten zeigt die Ausstellung, wie die Vertriebenen in Bayern nicht nur Fuß gefaßt, sondern auch zu Motoren des Wirtschaftswunders wurden.
Alois Chiba Das böhmische Abertham war einst Zentrum der europäischen Lederhandschuhindustrie. Alois Chiba gründete dort vor über 160 Jahren den ersten Betrieb. Die schwäbische Manufaktur seines Ururenkels ist heute ein Geheimtipp in Sachen Sonderanfertigungen, etwa fürs Theater. Ganz anders geht es im oberbayerischen Tei-
sendorf zu: In der Firma der Verwandtschaft entstehen High-Tech-Sporthandschuhe für den Weltmarkt. Ihre Handschuhe kommen Anfang der 1970er Jahre sogar bei Himalaya-Expeditionen der Bergsteiger Karl M. Herrligkoffer und Albert Bitterling zum Einsatz.
Klira Gitarren
� Der Eintritt ist frei
Öffnungszeiten der Ausstellung Die Sonderausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“ wird bis zum 15. April 2022 im Projektzentrum des Hauses der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt in Regensburg gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags von 9.00 bis 15.00 Uhr, samstags und sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen finden Sie unter: www.hdbg.de/neuanfaenge
Glashütte Phönix, gegründet 1886. Elvis, die Beatles oder die Rolling Stones: Alle kaufen ihre Gitarren in Bubenreuth bei Erlangen. 1949 ziehen rund 2000 Heimatvertriebene aus Schönbach (Luby) im Sudetenland in die 700-Seelen-Gemeinde.
Das Besondere: Die meisten von ihnen sind begnadete Musikinstrumentenbauer, die den Ort ab den 1950er Jahren zu Weltruhm führen. Zu den bekanntesten Firmen zählt Klira. Nach dem Neustart in Bubenreuth wechselt der Produktionsschwerpunkt von Geigen auf Gitarren. Die Erfolgsgeschichte endet Anfang der 1980er Jahre wegen zunehmender Konkurrenz aus Asien.
Glashütte Phönix Die 1886 gegründete Glashütte Phönix aus dem schlesischen Penzig (Pieńsk) wagt nach dem Zweiten Weltkrieg den Neustart im damals mittelfränkischen Konstein/Wellheim. Für die Menschen im Umkreis wird sie zu einem der wichtigsten Arbeitgeber.
Wenzel Meinl Bis zum Zweiten Weltkrieg ist Graslitz (Kraslice) im Sudetenland Teil des Musikwinkels, dem globalen Zentrum des Musikinstrumentenbaus. Hier betreibt Wenzel Meinl seit 1929 eine Instrumentenwerkstatt. Nach der Vertreibung nimmt die Familie Meinl den Instrumentenbau in Bayern wieder auf. Zwischenzeitlich wächst das Unternehmen auf mehr als 2000 Beschäftigte an. Bis heute werden in dem ehemaligen Militärbunker in Geretsried Instrumente in Handarbeit gefertigt.
apst Franziskus, wie er leibt und lebt: Bei seinem jüngsten Besuch in der Slowakei sprach er in der Preßburger Sankt-Martins-Kathedrale vor Bischöfen, Priestern und Ordensleuten. Er war sichtlich fröhlich, mehrmals wich er von seinem Redemanuskript ab. Mit einem verschmitzten Lächeln sagte er: „Hier in Preßburg gibt es bereits eine Burg. Es ist deswegen nicht notwendig, die Kirche auch noch zu einer Festung auszubauen.“ Der Satz klingt wie ein kurzgefaßtes Programm des lateinamerikanischen Papstes. Und er hat weit über die Slowakei hinaus Bedeutung. Die Kirche ist eine lebendige Gemeinschaft auf dem Weg durch die Zeit, konfrontiert mit manchen inneren und äußeren Herausforderungen. Niemals darf sie sich aber gegenüber den konkreten Anforderungen der Zeit verschließen. Wenn sie eine Abwehrmentalität entwickelt oder allein auf Traditionen beharrt, wird sie starr. Sie würde an Lebendigkeit und Dynamik, an Freude und Hoffnungskraft einbüßen. Burgen sind heute oft Museen. Ebenfalls eine Versuchung, unter der die Kirche als Glaubensgemeinschaft schon oft stand und die auch heute gegeben ist: einfach ein Museum der Vergangenheit zu sein, aber nicht ein Laboratorium der Frohen Botschaft für die Gegenwart und die Zukunft. Dem Episkopat und dem Klerus der Slowakei gab Papst Franziskus drei programmatische Stichworte mit auf den Weg: Freiheit, Kreativität und Dialog. Hoffentlich finden diese Wegmarken ebenfalls weit über die Slowakei hinaus Beachtung. Freiheit, so der Papst, sei keine einmalige Eroberung, sondern eine Reise, manchmal auch eine schwierige Reise. Sie fordere heraus, Verantwortung zu übernehmen, Unterscheidungen zu treffen und die Prozesse des Lebens zu vollziehen. Das könne durchaus auch Angst machen, so der Papst, aber ohne Freiheit gebe es keine wahre Menschlichkeit. Franziskus lud die Kirche ein, schöpferisch neue Formen und neue Räume für die Botschaft des Glaubens zu entdecken, ebenso eine neue Sprache. Als Beispiel erinnerte er an die Slawenapostel Kyrill und Method aus dem frühen Mittelalter. Die große christliche Tradition dürfe nicht bloß eine Erinnerung sein, die keinem mehr etwas sage. Vielmehr müsse sie weiterhin für das Leben der Menschen in der Gegenwart relevant bleiben. Und genau dazu brauche es eben die neuen Formen und Räume sowie die neue Sprache. Schließlich müsse die Kirche mit der Gegenwart dialogfähig bleiben, auch mit solchen Menschen, die nicht glaubten oder noch auf der Suche seien, von denen sie aber ebenfalls lernen könne. Mir gefiel diese Rede. Vielleicht hing es auch damit zusammen, daß ich sie via Internet unmittelbar nach meinem Urlaub am Beginn eines neuen Arbeitsjahres hörte. Sie bestärkte mich nicht nur in meiner Herangehensweise in der Seelsorge, sondern gab mir zuletzt auch Impulse für mein persönliches Leben. Denn ohne Freiheit, ohne Kreativität und ohne Dialog wäre mein Leben um so vieles ärmer. Danke, Papst Franziskus! Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
TERMINE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17.9.2021
VERANSTALTUNGSKALENDER Samstag,
18. September 9.00 Uhr, SL Kreisgruppe RothSchwabach, Busrundfahrt zu den Vertriebenendenkmälern im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach: Beginn in Schwabach, Am Vogelherd. Anmeldung bei Kreisobmann Dieter Heller, Telefon (0 91 71) 6 00 85.
Samstag, 18. September,
10.00 Uhr, SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen: Landesversammlung mit Neuwahlen des Landesvorstands. GerhartHauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 18. September, 13.00 Uhr, Heimatkreis Bud-
Großes Programm am 26. September
Tag der offenen Tür zum HDO-Jubiläum Sonntag, 26. September, 11.00 bis 19.00 Uhr. Tag der offenen Tür im Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Die zentrale Festveranstaltung des Jubiläumsjahres mußte im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden, jetzt wird das 50jährige Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür nachgeholt. Beim Zutritt ins HDO gilt die 3G-Regel, außerdem besteht Maskenpflicht. Das Programm: 11.00 bis 19.00 Uhr: Ausstellung „Wer bin Ich? Wer sind Wir? Zu Identitäten der Deutschen aus dem östlichen Europa“ (keine Anmeldung nötig). 12.00 und 13.30 Uhr: Führungen durch die Ausstellung mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber und Lilia Antipow (Anmeldung nötig). 14.30 Uhr: Gespräch in der Ausstellung mit Renate BeckHartmann, Maria Schefner und Lukas Moj (Anmeldung nötig). 11.00 bis 15.30 Uhr: Bibliothek des Hauses des Deutschen Ostens – Anmeldung, Ausleihe und Informationen (keine An-
meldung nötig ab 11 Uhr: Gaststätte „Zum alten Bezirksamt“ (keine Anmeldung nötig). 11.00 bis 15.30 Uhr: Handwerkliche Vorführungen und Handwerksmarkt (keine Anmeldung nötig). 11.00 bis 15.30 Uhr: Bücherflohmarkt zu Gunsten des Vereins der Förderer des Hauses des Deutschen Ostens e.V. (keine Anmeldung nötig). Lesungen aus Werken deutschsprachiger Autoren aus dem östlichen Europa (Anmeldung nötig): 12.00 Uhr mit Prof. Dr. Andreas Otto Weber, 12.45 Uhr mit Dr. Enikő Dácz, 13.30 Uhr mit Lilia Antipow, 14.15 Uhr mit PD Dr. Heinz Starkulla und 15.00 Uhr mit Dr. Zuzana Jürgens. 16.30 bis 19.00 Uhr: Festakt mit Konzert „Crossing Life Lines“ und Gespräch mit Mulo Francel und Philipp Schiepek (Anmeldung nötig), Veranstaltungsort: Adalbert-Stifter-Saal im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, 81669 München Anmeldung: Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder eMail poststelle@hdo.bayern.de
Samuel von Brukenthal & Maria Theresia Dienstag, 21. September, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Samuel von Brukenthal und Maria Theresia. Zum 300. Geburtstag eines siebenbürgischen Europäers.“ Gespräch mit dem Historiker Prof. Dr. Konrad Gündisch (Foto), Honorarprofessor der Babes-Bolyai-Universität Klausenburg. Veranstaltung für Multiplikatoren und historisch-politisch Interessierte. Samuel von Brukenthal war in der Regierungszeit von Maria Theresia (1740–1780) unter anderem Leiter der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien und – als einziger Siebenbürger Sachse – Gouverneur von Siebenbürgen (1774– 1787). Seinen Aufstieg verdankt er seinen herausragenden intellektuellen Fähigkeiten, seinem einnehmenden Wesen, vermutlich auch seiner Zugehörigkeit zu den Freimaurern. Brukenthal hat als Politiker, Kunstsammler und Mäzen, als Förderer der Wissenschaften und der Künste, nicht zuletzt als Stifter des nach ihm benannten Museums in Hermannstadt, mit dazu beigetragen, daß Siebenbürgen im Zeitalter des Barocks und der Aufklärung eine europäische Kulturlandschaft von europäischem Rang geworden ist. Am Maria-Theresia-Denkmal ist er zusammen mit den wichtigsten Mitarbeitern und Ratgebern der Monarchin abgebildet. Der Vortrag schildert diese außerordentliche Karriere und geht auf die Wertschätzung ein, deren sich der evangelisch-lutherische Freiherr durch die „allerkatholische Majestät“ erfreute. Anmeldung und weitere Informationen unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
weis: Jahrestreffen. Hotel-Gasthof Soller, Bahnhofstraße 1, Ismaning. Anmeldung: Heimatkreisbetreuer Josef Sailer, Telefon (0 82 91) 6 88. Samstag, 18. bis Sonntag, 19. September, Heimatbezirksgruppe Wigstadtl: Heimatreffen der Wigstadtler aus Stadt und Bezirk in der „heimlichen Patenstadt“ Göppingen. Samstag, 18.00 Uhr: Totengedenken mit anschließendem Beisammensein. Sonntag, Haupttag des Treffens. Gasthof Hirschkeller in Göppingen-Jebenhausen, Wasenstraße 15. 10.00 Uhr: katholische Wortgottesfeier. 11.00 Uhr: offizielle Eröffnung mit Ansprachen. Informationen unter www.troppau-opava.de Sonntag, 19. September, 11.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Gedenkveranstaltung „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Mahnmal im Kurpark Bad Cannstatt. 14.00 Uhr: Volkstumsnachmittag in der Liederhalle, Berliner Platz 1-3; Festrede: Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 22. September, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Ausflug und Fahrt mit dem Apfelzügle. Abfahrt in Giebel (8.30 Uhr) und am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach (8.45 Uhr). Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Freitag, 24. September, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen: Landesfrauentagung mit Neuwahlen des Landesvorstands. GerhartHauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 25. September, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Aktuelle Entwicklungen im sudetendeutschtschechischen Verhältnis“, Vortrag von Christoph Lippert, Café Rathsstift, Rathsberger Straße 63, Erlangen. Samstag, 25. September, 10.00 Uhr, SL-Bezirksgruppe Oberfranken: Jahreshauptversammlung mit MdB Martin Schöffel und Landrat Peter Berek, Egerlandhaus, Marktredwitz. Sonntag, 26. September, 14.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und die Heimatgliederungen Altvater Runde Stuttgart, Alte Heimat – Kuhländchen, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer: „Sudetendeutscher Kulturtag 2021“. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal, Schloßstraße 92, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Donnerstag, 30. September, 19.00 Uhr, Kulturreferat für die böhmischen Länder in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum, Vortrag und Diskussion: „Mein Weg zu unseren Deutschen“ mit Pavel Polák, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt frei. Freitag, 8. Oktober, 14.30 Uhr, SL KG Roth-Schwabach Kreishauptversammlung. Restaurant-Cafe Waldblick, Ostring 28, Roth. Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick. Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Das Europäisches Volksmusikkonzert in der Stadthalle Korntal mußte abgesaggt werden und fällt aus! Information: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Tod am Eisernen Vorhang
PERSONALIEN
Vor
Preis der Stadt Brünn
Hanna Zakhari geehrt Anfang Dezember erhielt Hanna Zakhari, Vorsitzende des Deutschen Kulturvereins Region Brünn und Leiterin des dortigen Begegnungszentrums, den Preis der Stadt Brünn Cena města Brna.
D
ieser Preis ist die höchste Auszeichnung, der Stadt Brünn für zivile herausragende Leistungen, die einen oder mehrere Bereiche des öffentlichen Lebens maßgeblich betreffen und zum überregionalen Ansehen der Stadt Brünn beitragen.
Der Preis 2020 wurde wieder in 15 Bereichen jeweils einmal vergeben. Die Entscheidung über die eingegangenen Vorschläge treffen der Stadtrat und die Bürgervertretung. Heuer empfing Hanna Zakhari die Ehrung aus den Händen der Brünner Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková für ihren Einsatz und ihre Leistungen im Bereich der internationalen Beziehungen der Stadt Brünn. Die Zeremonie fand im Festsaal des Brünner Rathauses statt. Sichtlich bewegt dankte Zakhari für die Anerkennung und die herzlichen Worte von Vaňková.
Hanna Zakhari, Oberbürgermeisterin Markéta Vaňková und der Text der Urkunde.
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37/2021
Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München eMail svg@sudeten.de
Der gelernte Maurer Wenzel Jaksch als sozialdemokratischer Redakteur an seiner Schreibmaschine.
Der Bundestagsabgeordnete Wenzel Jaksch beim Tag der Deutschen im September 1965 in der Berliner Waldbühne mit Berlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt. Bild: BdV-Archiv
Zum 125. Geburtstag von Wenzel Jaksch
Wir heischen Gehör demokrat“ der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP). Aus dieser Zeit stammen Sozialreportagen über die sudetendeutschen Gebiete, die 2017 auf tschechisch und 2018 auf deutsch verlegt wurden. „Verlorene Dörfer, verlassene Menschen“ erschien beim Sabat-Verlag in Kulmbach. 1929 gewann Jaksch für die DSAP einen Sitz für das Pilsener Umland in der Tschechoslowakischen Nationalversammlung und regierte fortan mit, denn die sozialdemokratischen Parteien traten in die Regierung ein. 1935 wurde er Stellvertretender Parteivorsitzender und löste im März 1938 den bis dahin führenden Ludwig Czech als DSAP-Parteivorsitzenden ab. Zwar mühte er sich auch als einer von drei Jungaktivisten, mit dem Feber-Abkommen von 1937 den berechtigten Forderungen der Deutschen um Gleichberechtigung zum Durchbruch zu verhelfen, doch alles kam zu spät und reichte nicht weit genug. Mit dem Anschluß Österreichs im
mende Sozialdemokrat, spätere Bundestagsabgeordnete und SL-Mitbegründer Richard Reitzner (1893–1962). Dessen Sohn Almar sollte nach dem Krieg und dem Umzug nach Bayern BR-Redakteuer werden. Schon im Juli 1945 schickte Jaksch Almar Reitzner in einer Royal-Air-Force-Uniform nach Prag und erhielt so genaue Schilderungen der Vertreibung. Die Denkschrift „Wir heischen Gehör“ aus dem Londoner Exil an ie Welt, in die Wenzel Jaksch die neugegründeten Vereinten hineingeboren wurde, war Nationen bezeugt die Bemühunder abgelegene und schwierigen sudetendeutscher Sozialdege Lebensbedingungen bietenmokraten um die Rechte ihrer de sowie überwiegend von DeutVolksgruppe. schen besiedelte Böhmerwald. Nach Westdeutschland kam Aber das Kraftzentrum Wien, Jaksch erst 1949, wurde Minidie Hauptstadt der Habsburger sterialbeamter in Hessen und Monarchie, lag in erreichbarer war wesentlich am großen „HesEntfernung. Der Vater und eisen-Plan“ beteiligt, der die soziner seiner Brüder waren Maurer. ale Integration der Vertriebenen Sie arbeiteten die meiste Zeit des in Hessen förderte. 1953 wurJahres auf Wiener Baustellen. de er für die SPD in den DeutDie Mutter starb, aufgezehrt von schen Bundestag gewählt, dem der täglichen Arbeit als Häuser bis zu seinem Tod angehörte. lerfrau und von zwölf Geburten, Dort kümmerte er sich vor allem 1905 mit 50 Jahren. um die Integration der VertrieZur Volksschule im benachbenen, wurde aber auch schnell barten Strobnitz ging zu einem Antreiber für eiJaksch nicht einmal acht ne neue friedliche AußenJahre, obwohl er äußerst politik zu den mittel- und talentiert war. Im Frühjahr osteuropäischen Nach1910 folgte er der Familibarn. entradition – er war noch Der Jaksch-Bericht keine 14 Jahre alt –, und 1961 vor dem Deutschen ging als Maurerlehrling Bundestag und seine Bronach Wien. Dort wohnte schüre „Westeuropa, Oster bei einer Tante in Ottaeuropa, Sowjetunion – kring, die sich seiner nach Perspektiven wirtschaftdem Tod seiner Mutter licher Zusammenarbeit“ angenommen hatte. Das von 1965 stehen dafür. Haus steht nicht mehr, 3. Nordmarktreffen der SL und 15-Jahr-Feier des Als Jaksch bei einem Veraber an dessen Stelle gibt Verbands der Heimatvertriebenen (VdH) mit VdH- kehrsunfall am 27. Noes ein genossenschaftsge- Landesvorsitzendem Josef Domabyl und Wenzel vember 1966 ums Leben führtes Haus. Seit 1988 er- Jaksch 1963 in der Ostseehalle in Kiel. kam, stand Willy Brandt innert eine Gedenktafel als frischgebackener Vizean dem Haus an Jaksch. März 1938 obsiegte die Sudeten- kanzler und Außenminister der Die Lehrzeit brachte enorme deutsche Partei mit Konrad Hen- ersten Großen Koalition am Sarg Bildungsfortschritte. Er las die lein. Die drohende Kriegsgefahr und würdigte genau diese bei„Arbeiterzeitung“ und lernte so beantwortete Jaksch mit seinem den Taten, die für eine konstrukautodidaktisch weiter. Er besuch- DSAP-Aufruf: „Mitbürger, es tivere Ostpolitik standen. te Bildungsabende, an denen geht um alles!“ Die 1951 gegründete Seligerauch Universitätsstudenten teilDas Münchener Abkommen Gemeinde, die Gesinnungsgenahmen, und er schloß sich der beendete den Kampf um das meinschaft sudetendeutscher österreichischen Sozialdemokra- Überleben der Demokratie in der Sozialdemokraten, hatte nicht tie an. Mit dem Gesellenbrief in ČSR. Jaksch organisierte mit sei- ohne Grund Jaksch als letzten der Tasche hätte das normale Be- nen Parteifreunden eine riesige DSAP-Vorsitzenden in der ČSR rufsleben beginnen können. Ausreisewelle von Parteifunktio- auch zu ihrem ersten VorsitzenDoch der Erste Weltkrieg nären mit ihren Familien, die ins den in Westdeutschland gebrach aus. Jaksch wurde einberu- Exil gehen wollten. Er schonte macht. Er blieb es bis zum Tod. fen und schwer verwundet. Nach sich dabei nicht und saß am 15. Sie ehrte ihn zum 50. Todestag dem Krieg war seine Heimat von März 1939 beim Einmarsch Adolf 2016 mit dem Pflanzen einer LinWien getrennt und ein Auskom- Hitlers in der Falle. Zuerst ret- de vor dem abgerissenen Elternmen schwierig. Darüber berich- tete er sich in die Britische Bot- haus in Langstrobnitz im Beisein tete Jaksch auf einer regiona- schaft in Prag. Von dort türmte er der örtlichen Bevölkerung. Mittlen Versammlung der Sozialde- als Handwerker verkleidet. Spä- lerweile ist sein Lebensweg auch mokratie in der neugegründeten ter floh er als Ski-Tourist über die Bestandteil der DauerausstelTschechoslowakei. Dort entdeck- Beskiden nach Polen. Schließlich lung „Gemeinsame Wurzeln – te ihn der gebürtige Wiener Karl gelangte er über Schweden und gemeinsame Zukunft. Die GratCermak, der Generalsekretär der Norwegen nach London. zener Berge erzählen“ in der KaPartei unter Josef Seliger, der aus Im Londoner Exil rang er mit pelle von Langstrobnitz. Teplitz-Schönau im Böhmischen dem Exilpräsidenten Edvard An dem Haus in Wiesbaden, Mittelgebirge gekommen war, Beneš um die Wege nach dem in dem heute sein Sohn George und lud ihn zu einem Probevor- Krieg und der Wiederherstellung lebt, erinnert eine Tafel auch an trag nach Nordböhmen ein. der Tschechoslowakei. Vor allem den BdV-Vorsitzenden, zu dem Diese Bewährungsprobe be- aber rang er um die sich bald ab- Jaksch 1964 gewählt wurde. Die stand Jaksch. Fortan war er Re- zeichnende Vertreibung der Su- Straße, in der das Haus steht, dakteur in Teplitz-Schönau, dann detendeutschen. Er verlor. trägt seit seinem Tod seinen Nain Komotau und schließlich in Ebenfalls im Londoner Exil men. Wenzel Jaksch bleibt unPrag beim Zentralorgan „Sozial- war der aus Marienbad stam- vergessen. Ulrich Miksch
Vor 125 Jahren am 25. September 1896 kam Wenzel Jaksch, sozialdemokratischer Politiker in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, im Exil in London und in der Vertreibung in Westdeutschland, in Langstrobnitz im Kreis Kaplitz im Böhmerwald zur Welt. Seine Eltern gaben ihm bei der Taufe am 28. September den Namen des Patrons jenes Tages, des heiligen Wenzels von Böhmen.
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Die Uhr schlug zehn, als am Abend des 8. August 1986 Hartmut Tautz, ein am 10. Februar 1968 in Plauen geborener Abiturient aus Magdeburg in Sachsen-Anhalt, versuchte, über die tschechoslowakische Staatsgrenze bei Engerau/Petržalka, einem Stadtteil der heutigen slowakischen Hauptstadt Preßburg, nach Österreich in die Freiheit zu fliehen.
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wei Zäune an der Grenze hatte der 18jährige Hartmut Tautz bereits überwunden. Er schnitt die Drähte mit einer Zange durch, zwängte sich durch das Loch im Zaun und rannte in das Maisfeld, hinter dem Österreich beginnt. Er ahnte nicht, daß an der Grenze Alarm ausgelöst worden war, den er durch das Durchtrennen der Drähte verursacht hat. Es war 22.16 Uhr. Die Reaktion erfolgte sofort. Der Kommandant der Truppe schickte zwei Grenzsoldaten des Grundwehrdienstes – Ivan H. und Oldřich K., die den „Eindringling“ fangen sollten. Sie hatten nicht nur Maschinenpistolen, sondern auch die Diensthunde Roby und Ryša zur Hilfe. Die speziell ausgebildeten Deutschen Schäferhunde wußten, was sie bei einem Angriff zu tun hatten. Paarweise oder im Rudel konnten sie einen Menschen fangen und verletzen oder sogar töten. Die Grenzsoldaten gaben den Hunden die einschlägigen Befehle, und die Hunde rasten in das Maisfeld und verfolgten den Flüchtling. In der Zwischenzeit überwand der junge Mann weitere Hindernisse. Nur 22 Meter vor der Grenze holten ihn die zwei Schäferhunde ein. Der schlanke und unbewaffnete Hartmut hatte keine Chance. Als die zwei Grenzsoldaten den Ort des Geschehens erreichten, lag Hartmut Tautz auf dem Boden und blutete stark. Nach den Unterlagen, die zur Verfügung gestellt wurden, hatte er zahlreiche Wunden am ganzen Körper. Die angreifenden Hunde hatten ihn skalpiert und ihm an Beinen und am Kopf schwere Verletzungen zugefügt. Er wurde buchstäblich zerfleischt. Nach der Attacke leisteten die Soldaten keine Hilfe. Sie fragten den jungen Mann, ob er allein geflüchtet sei. Dann durchwühlten sie erst mal seine Taschen und suchten seinen Ausweis. Er war fast bewußtlos. Mit schwacher Stimme konnte er nur um Hilfe bitten. Wenn ihm schneller geholfen worden wäre, hätte er überleben können. Seine Mutter, bei der er bis zu seinem Fluchtversuch gelebt hatte, wußte nichts von seinem Vorhaben. Hartmut hatte ihr erzählt, daß er eine Reise nach Leningrad machen werde. Statt dessen fuhr er in die Tschechoslowakei und übernachtete mehrere Nächte im Studentenheim Družba in Preßburg. Tagsüber versuchte er, den besten Weg über die Grenze zu finden.
Hartmut Tautz Bild: Plattform für das Gedächtnis Europas
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
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FORUM
35 Jahren von Schäferhunden zerfleischt Hartmut Tautz sah für sich in der „DDR“ keine gute Zukunft. An der Universität, an der er Musik studieren wollte, wurde er nicht zugelassen, weil er ein schlechtes Kaderprofil hatte, das heißt Verwandte in der Bundesrepublik Deutschland. In ein paar Wochen sollte er zum Militärdienst in die Volksarmee eingezogen werden. Das war für ihn eine schreckliche Vorstellung. Sein Vater arbeitete als Zahnarzt und widmete sich in seiner Freizeit dem Operngesang. Hartmut hatte sein musikalisches Talent geerbt und fand Gefallen an Klarinettenspiel. Doch weil seine Verwandten in der Bundesrepublik lebten, wurde er nicht einmal in die Musikkapelle aufgenommen, um an der vierwöchigen Übung in seinem letzten Schuljahr teilnehmen zu können. Kurz darauf mußte er den Tod seines geliebten Vaters verkraften, der einem Herzinfarkt erlag. Er hatte keine Ahnung von dem Risiko, das er bei der Flucht einging. Er wußte nichts von den ausgeklügelten technischen Sicherheitsvorkehrungen des Eisernen Vorhangs. Er wußte nicht, daß die Grenzsoldaten Kampfhunde gegen Flüchtlinge einsetzen. Und die wurden ihm zum Verhängnis. Hartmut Tautz zahlte vor genau 35 Jahren den höchsten Preis für seine Unerfahrenheit. Er zahlte mit seinem Leben. Rechtsanwalt Lubomír Müller, der seinen Fall bearbeitet hatte, sagte: „Leider hat er nicht alle Konsequenzen seines Handelns bedacht. Selbst während der Perestroika zeigte das unmenschliche System, wie zynisch es war. Damals wurde nicht gezögert,
wurde zu spät gerufen. Sein Leben konnte nicht gerettet werden. Er hatte in der Zwischenzeit zu viel Blut verloren. Erst um 23.50 Uhr, etwa eine Stunde und zwanzig Minuten nach dem Vorfall, wurde er in das Militärkrankenhaus nach Preßburg gebracht. „Kaum wahrnehmbarer Blutdruck. Puls kaum zu spüren“, schrieb der behandelnde Arzt in seinen Bericht, nachdem Hartmut Tautz ins Krankenhaus gebracht worden war. Hartmut Tautz, der heuer 53 Jahre alt geworden wäre, starb am 9. August 1986 um 1.15 Uhr, drei Stunden nach seinem Fluchtversuch, weil ihm nicht rechtzeitig geholfen wurde. Auf Drängen seiner Mutter wurde Hartmuts Leichnam nach Magdeburg überführt und auf dem dortigen Waldfriedhof beigesetzt. Die Hinterbliebenen durften den Sarg jedoch nicht öffnen. Wie Tautz starb, wurde seiner Mutter bis einen Tag vor der Beerdigung verheimlicht. Gesagt wurde ihr: „Ihr Junge ist von Hunden zerrissen worden, so schwer verletzt, daß er an diesen Verletzungen gestorben ist.“ Daß seine Verletzungen nicht tödlich waren und er nur wegen des späten Transports nicht überlebt hat, wurde damals von den Ärzten des Militärkrankenhauses festgestellt. Die damalige kommunistische Staatsanwaltschaft stellte den Fall jedoch mit der Begründung ein, daß niemand einen Fehler begangen habe, für den er belangt werden könne. Der Beschluß wurde von Tibor Gaplovský unterzeichnet. Gaplovský wurde nach der Wende Chef der Bahnpolizei und stieg zum Polizeigeneral auf. Nach seinem Wechsel ins Zivilleben wurde er Mitglied der Grünen und kandidierte für das Parlament. Kurz nach dem Fall Tautz Lubomír Štrougal (* 1924), Miloš Jakeš (1922–2020), Pe- ereignete sich ter Colotka (1925–2019) und Vratislav Vajnar (* 1930). ein ähnlicher Todesfall in Böhmen, der eine so große Wirkung hatte, daß dieses System der Grenzüberwachung abgeschafft wurde. Dies war auch eine Reaktion auf Proteste internationaler Organisationen, die das Einsetzen von auch gegen junge Menschen wie Kampfhunden gegen FlüchtlinHartmut Tautz Gewalt anzuwen- ge als unmenschlich bezeichneden. Hartmut erhielt nicht ein- ten. mal rechtzeitig Erste Hilfe und Wer ist für den Tod des junstarb unnötigerweise. Sein Fall gen Mannes verantwortlich? Erist ein Memento des kommuni- stellt wurde eine Liste mit 22 Perstischen Unrechts.“ sonen. Sie beginnt mit den MitObwohl Hartmut schwer ver- gliedern des Präsidiums der letzt war, hatte er eine Chance Kommunistischen Partei der zu überleben. Das Militärkran- Tschechoslowakei. Dazu zählen kenhaus war nur 20 Minuten mit der ehemalige Generalsekretär dem Krankenwagen vom Ort des der Kommunistischen Partei der Anschlags entfernt. Der Verwun- Tschechoslowakei, Miloš Jakeš, dete wurde jedoch in ein Militär- der Ministerpräsident bis 1988, fahrzeug verladen. Den dama- Lubomír Štrougal und Peter Coligen Berichten zufolge machte lotka, slowakischer Ministerpräder verantwortliche Offizier zu- sident bis 1988. Weiter geht es nächst eine „Erkundung des Or- mit dem ehemaligen Innenmites“, bevor der „Eindringling“ – nister Vratislav Vajnar, dem der wie die verzweifelten Menschen, kommunistische Grenzschutz die versuchten in den Westen zu unterstellt war. gelangen, genannt wurden – Sie alle wußten von den unvom Maisfeld gebracht wurde. menschlichen Vorfällen an der Er wurde zunächst zu einer Grenze, bei denen Rudel von agMilitäreinheit gebracht, wo ein gressiven Hunden auf unbewafförtlicher Arzt versuchte, ihn zu nete Männer, Frauen und Kinbehandeln. Ein Krankenwagen der losgelassen wurden. Ende
Kittsee im Burgenland: Österreichische Grenze bei Preßburg in der Slowakei heute.
2019 wurde ein Strafverfahren wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt gegen Vratislav Vajnar (*17. September 1930), Lubomír Štrougal (*19. Oktober 1924), Miloš Jakeš (*12. August 1922) und Peter Colotka eröffnet. Ihnen wurde vorgeworfen, die Straftat vor 1989 begangen zu haben, als sie als hohe Staatsbeamte Schießereien an der tschechoslowakischen Staatsgrenze geduldet hätten, bei denen Flüchtlinge von Grenzsoldaten erschossen oder von Hunden zerfleischt worden seien. Im Mai entschied die Staatsanwaltschaft Prag, daß Vratislav Vajnar und Lubomír Štrougal, die als psychisch krank bezeichnet wurJenseits der österreichischen den, nicht verfolgt werden Grenzstation Kittsee beginnt der könnten. Miloš Jakeš war am Preßburger Vorort Engerau/Petržalka. 10. Juli 2020 im Alter von 97 Jahren in Prag und Peter Colotka bereits am 20. April 2019 im der Einheit war Viliam Švirk, der Alter von 94 Jahren in Preßburg 1963 zur Welt gekommen war. gestorben. Das Gerichtsverfah- Heute arbeitet er in einem der ren wurde eingestellt. Kundenzentren des InnenminiLubomír Müller, der Rechts- steriums in der Region Preschau. anwalt einiger Angehörigen der Er wollte auch nicht über den Opfer, reichte eine Beschwerde Fall sprechen und beantwortet gegen die Einstellung der Straf- nicht die Frage, warum Tautz erst verfolgung ein. Er stellte auch nach fast anderthalb Stunden ins die Sachverständigengutach- Krankenhaus gebracht worden ten in Frage, die zur Einstellung sei. „Das ist schon sehr lange her. des Verfahrens geführt hatten. Er Daran kann ich mich nicht erinwies darauf hin, daß beide Gut- nern“, sagte er. achter während des kommuniIn der Vergangenheit war es stischen Regimes Offiziere der auch möglich, mit dem ehemaArmee und Mitarbeiter der mi- ligen Grenzsoldaten Ivan H. zu litärischen Abwehr gewesen sei- sprechen, der den Schäferhund en. Einer von ihnen war an der direkt auf Hartmut Tautz losLuftüberwachung der Grenze be- gelassen hatte. „Ich war jung, teiligt. „Mir wurde gesagt, daß ich habe gedient, ich habe jeder einzige Grund für Befan- mandem etwas geschworen, mir genheit die Mitgliedschaft beim blieb nichts anderes übrig“, sagGrenzschutz gewesen sei“, sagte te er und fügte hinzu, daß er sich Rechtsanwalt Müller. für das, was 1986 geschehen sei, Auf der Liste der Schuldigen nicht schuldig fühle. steht auch der heute im RuheAuch nach 35 Jahren wurde stand lebende Befehlshaber der niemand für den sinnlosen Tod 11. Kompanie der Grenzwach- von Hartmut Tautz bestraft. Über brigade Preßburg, Viktor Gal- seine Geschichte wurde in vielo, der nur wenige len, vor allem deuthundert Meter von schen Medien beder Grenze, die er richtet. Hartmut als Berufssoldat beTautz und viele weiwachte, wohnt. „Jetere „DDR“-Flüchtder, der dabei war, linge dachten daist für sich selbst mals, daß es leichter verantwortlich. sei, aus der TscheUnd ich habe kein choslowakei in den Interesse daran, Westen zu fliehen. mich da einzumiSie dachten, daß schen“, sagte er auf der tschechoslowadie Frage nach dem kische Eiserne VorTod von Tautz und hang nicht so gut legte den Hörer Gegenwärtig verfolgt die bewacht sei wie auf. Colotka nahm Staatsanwaltschaft nur die Berliner Mauden Hörer nicht ab. Jan Fojtík, geboren am 1. er oder die innerEiner der drei März 1928, wegen Mordes deutsche Grenze, leitenden Offiziere von Republikflüchtlingen. die von den Kom-
vor Ort waren und den Jungen haben sterben lassen, bis hin zu den obersten Befehlshabern, je für diese Tat vor Gericht stand. Wir können beweisen, daß das Politbüro genauestens informiert war über das, was an der Grenze passiert ist. Wir haben einige dieser Beschlüsse gefunden, komplett auch mit Anwesenheitslisten. Praktisch alle Richter aus dem kommunistischen Staat wurden in die neue Demokratie übernommen. Zweitens gab es auch keinen richtigen Wechsel der Eliten nach der Wende. Und drittens: Vielleicht fehlt einfach Mut, sich in der neuen demokratischen Gesellschaft offen mit diesen Fragen zu beschäftigen.“ Seit mehr als 76 Jahren werden wir fast täglich auf die Verbrechen der Nazis aufmerksam gemacht, aber die Verbremunisten und ihrem gefürchte- chen des Kommunismus, die oft ten Stasi-Geheimdienst kontrol- ebenso abscheulich oder noch liert wurde. Für einige von ihnen abscheulicher sind, scheinen verendete der Fluchtversuch über gessen zu sein. die ČSSR tödlich. Viele von ihLubomír Müller war der ernen erlitten schwere Verletzun- ste Rechtsanwalt in der ehemagen. ligen Tschechoslowakei, dem es „Für die Grenzsoldaten hat- am 13. März 2017 gelang, daß ein te der Schutz der Staatsgren- am Eisernen Vorhang ums Leze einen höheren Wert als das ben gekommenes Opfer rehabiMenschenleben. Die zuständi- litiert wurde und die Hinterbliegen Behörden behaupten wei- benen eine Entschädigung beterhin, niemand kamen. Im Fall sei schuld“, sagdes „DDR“-Bürte Rechtsanwalt gers Hartmut Lubomír Müller. Tautz gelang ihm Ihm war vor vier ein historischer Jahren gelungen, Durchbruch, ein daß Tautz als erPräzedenzfall. ster Flüchtling Dies war der erste Fall dieser vor dem BezirksArt. Doch Hartgericht in Preßmut Tautz war burg rehabilitiert nur ein Opfer von wurde. Auch eivielen. An der mit ne EntschädiStacheldraht gegung für das den sicherten Grenze Hinterbliebenen zwischen der Slozugefügte seeliwakei und Östersche Leid wurde geltend gemacht. Rechtsanwalt Lubomír Müller. reich starben in der Zeit des KomSelbst nach seiner Rehabilitierung habe keiner munismus 127 Menschen beim die Schuld eingestanden, sagte Fluchtversuch. Die Mutter und die Schwester der Rechtsanwalt. Keiner fühle sich schuldig, keiner sei vor Ge- von Hartmut Tautz denken stänricht gestellt worden. Für die Er- dig an ihren Sohn und ihren Brumordung von Tautz sei niemand der, der in der Tschechoslowakei am Eisernen Vorhang durch bestraft worden. Neela Winkelmann, Direkto- das unmenschliche System des rin der Plattform für das Gedächt- kommunistischen Regimes umnis Europas, sagte dazu: „Dies ist kam. Die Tränen der Trauer ein Fall, der das ganze Unrecht sind auch nach 35 Jahren noch des kommunistischen Systems nicht getrocknet. Im August bildhaft darstellt. Und außer- 2016 wurde in der Nähe seiner dem ist der Fall auch noch des- gescheiterten Flucht ein Denkhalb wichtig, weil kein einziger mal für Hartmut Tautz enthüllt. Stanislav Beran von den Tätern, beginnend von den Wehrdienstleistenden, die
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Die Familie van Beethoven in Iglau: Schilderung von Zdeněk Geist – Teil I
Ludwig van Beethoven und sein Erbe Karl
Dieser alte Stahlstich von Iglau stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei Ludwig van Beethoven und den böhmischen Ländern denkt man an Orte wie Prag, Grätz/Hradec nad Moravicí beziehungsweise an die Kurorte Teplitz, Karlsbad oder Franzensbad. Der gefei-
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er damals 20jährige Karl, zu dessen Vormund und fürsorglichem Betreuer Ludwig van Beethoven (* 17. Dezember 1770 in Bonn, † 26. März 1827 in Wien) bestellt wurde, kam zu der Iglauer Garnison aus Wien. Dies ist den Beethoven-Kennern bekannt, weniger bekannt sind vielleicht die näheren Umstände, unter denen Karl van Beethoven in Iglau lebte. Interessant ist auch, warum er gerade nach Iglau gelangte, das für ihn nicht nur zu einem Zufluchtsort für mehrere Jahre wurde, sondern auch sein Leben in bedeutender Weise prägte. In der Uniform des örtlichen Infanterie-Regiments machte sich hier Karl van Beethoven mit Karoline Barbara Naske, der Tochter eines hiesigen Stadtrats außer Dienst, bekannt. Sie wurde zu seiner Frau und brachte fünf Kinder zur Welt, womit sie zum Fortbestehen des Familiennamens van Beethoven wesentlich beitrug. Die Bemühung um die Vermittlung der Erkenntnisse über die Lebensumstände und Familienangehörigen Karl van Beethovens in Iglau führte mich zu Recherchen in den zugänglichen Archivquellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Verbindung zwischen dem Namen Beethoven und der Stadt Iglau vollzog sich am Ende des Jahres 1826. Damals, einige Monate nach dem Selbstmordversuch Karl van Beethovens, wurde eine klare Entscheidung getroffen. Karl wurde nicht zum Künstler, Akademiker oder Kaufmann, sondern er trat dem Militär bei. Wie oftmals früher half auch diesmal der vertraute Freund Ludwig van Beethovens, der Hofrat Stephan von Breuning. Er nutzte dabei seine guten Kontakte zum Feldmarschalleutnant und Hofkriegsrat Joseph von
erte Komponist besuchte diese Städte, gab dort Konzerte, nahm Heilbäder, traf sich mit bedeutenden Persönlichkeiten oder seinen Anhängern und komponierte. Iglau/Jihlava gehörte zwar
nicht zu den Lieblingsorten Beethovens, trotzdem wurde die Stadt in den letzten Monaten seines Lebens zum Ort eines regen Brief- und Gedankenwechsels zwischen dem sterbenden Meister und
seinem geliebten, jedoch in mancher Hinsicht ungeratenen Neffen und Erben Karl, dem Beethoven ein besseres, geordnetes Leben sicherstellen wollte.
Stutterheim, einem einflußrei- satzort. Er blieb am Anfang sei- sollten sie sich nicht mehr tref- truhe der böhmischen Könige chen Militärbefehlshaber. nes neuen Lebenskapitels sei- fen. Daß Ludwig van Beethoven geworden war, war längst vorDieser veranlaßte die Aufnah- nem Onkel relativ nahe. seinen letzten Willen ausschließ- bei. Doch das Flair dieser Blüteme Karl van Beethovens in das 8. Durch sein Wohlwollen ge- lich zugunsten seines „gelieb- zeit war noch nicht vollkommen Infanterie-Regiment des Erzher- genüber der Familie Beetho- ten Neffen als Universalerben“ verflogen und in verschiedener zogs Ludwig, der in der mähri- ven verdiente Joseph von Stut- verfaßte, beweist, daß ihr letztes Hinsicht stets vorhanden. Die schen Stadt Iglau stationiert war. terheim Dankbarkeit des großen Treffen harmonisch verlief. ansehnlichen Häuser in der InDiese militärische Formation, de- Komponisten. Er ist in die MusikIglau wird in der Beetho- nenstadt, die den ungewöhnlich ren sogenannter zweiter Inhaber geschichte eingegangen, indem ven-Literatur als eine Stadt „ir- großen Hauptplatz säumten, deder Feldmarschalleutnant war, sein Name für immer mit einem gendwo in Mähren“ bezeich- monstrierten eine gewisse patriwurde nicht durch Zufall ausge- der meist geschätzten Spätwerke net. Welches Bild kann man sich archalische Würde. wählt. Es war in gewissem Sin- Beethovens, seinem Streichquar- machen, wenn man Iglau näher anNach den Josephinischen Rene ein Familienregiment Joseph tett in cis-Moll verbunden bleibt, schaut? formen wurde das Militär in Iglau von Stutterin einem geheims, in dem räumigen Baauch sein Varockensemble ter und sein stationiert, das jüngerer Brusich in unmitder Franz dientelbarer Näten. Er selbst he des Hauptbegann dort platzes befand seine militäriund früher das sche Laufbahn Jesuitenkolleg als Kadett. und die angeIglau sollte schlossene Dozum Ort der erminikanerkirsten selbstänche umfaßte. digen LebensDie ersten phase Karl Eindrücke Karl van Beethovan Beethovens werden. vens von dem Die schützenAufenthalt in de Hand seiIglau sind in nes schwäseinem Brief cher werdenvom 13. Januden Onkels ar 1827 festgesollte durch eihalten, der an ne andere Kuseinen Onkel ratel abgelöst Ludwig gerichwerden: die Militär-Schematismus des österreichischen Kaisertumes, das 8. Infanterie-Regiment des Erzherzogs Ludwig 1832. tet war. Dienstaufsicht „Der Hauptdes Militärs. Karl van Beethoven das ihm der Komponist widIn dieser nach Brünn und Ol- mann, unter dem ich stehe,“ wurde auf diese Weise problem- mete. mütz damals drittgrößten Stadt schreibt Karl, „ist ein sehr gebillos in die Armee aufgenommen Als Karl van Beethoven am Mährens lebten im ersten Vier- deter Mann, mit dem ich recht und konnte auch mit seinem Be- 2. Januar 1827 von seinem On- tel des 19. Jahrhunderts etwa wohl auszukommen hoffe.“ Dastimmungsort zufrieden sein. kel Abschied nahm, konnte er 15 000 Menschen, die sich über- mit war wohl Bruno de MontluiSeine Garnison befand sich nicht ahnen, daß diese Momen- wiegend mit der Tucherzeugung sant gemeint, der den neuen Annicht an einem entlegenen Ort te vor dem Beginn seiner neuen befaßten und in der Mehrzahl gehörigen der Iglauer Garnison der großen Donaumonarchie. Lebensphase zugleich die letz- deutschsprachig waren. Das Le- beaufsichtigen sollte. Mit MontAus dieser Sicht war Iglau, das et- ten Momente waren, in denen er ben verlief in einem gemächli- luisant verband ihn auch die gewa 22 Fahrtstunden mit der Post- seinem Onkel Ludwig die Hand chen Tempo. Der Ruhm der mit- meinsame Musikliebe. kutsche von Wien entfernt lag, drücken und in die Augen schau- telalterlichen Silberlagerstätten, Aus dem Brief kann man auch ein durchaus annehmbarer Ein- en konnte. Im irdischen Leben durch die Iglau einst zur Schatz- die Zufriedenheit mit den neu-
en Lebensumständen herauslesen. Die Unterkunft fand Karl van Beethoven wahrscheinlich in einem Bürgerhaus, die Verpflegung wurde in örtlichen Gaststätten angeboten. Zur persönlichen Bedienung wurde ihm ein Offiziersbursche zugewiesen. Er war auch in kultureller Hinsicht zufrieden. In Iglau wurden Theatervorstellungen veranstaltet, die er mit Erlaubnis des Hauptmanns besuchen durfte. Im zitierten Brief befand sich noch eine interessantere Episode. Karl bat seinen Onkel um „die freundliche Zusendung“ der Partitur für ein Klavierkonzert Beethovens, dessen Aufführung vor den Offizieren der Iglauer Garnison vorgesehen war. Es verwundert nicht, daß sich die hiesigen Offiziere in Sachen Musik gern an Karl van Beethoven wandten, nicht nur wegen seiner Verwandtschaftsbeziehung zu dem großen Komponisten, sondern auch wegen seiner Kenntnisse über die neuesten Konzertwerke in Wien und wegen seiner musikalischen Bildung. Die Militärmusik hat mehrere Jahrzehnte lang das Iglauer Musikleben geprägt. Es liegt nahe, daß ein Offizier, der den Namen van Beethoven trug, durch seine Präsenz zum entsprechenden gesellschaftlichen Glanz der musikalischen Aufführungen beitrug. Damals gab es in Iglau zahlreiche gesellschaftliche Veranstaltungen. Viele, einschließlich der regelmäßigen „Musikakademien“ im gymnasialen Festsaal, wurden vom hiesigen Musikverein veranstaltet. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Karl van Beethoven die vorgenannte Partitur gerade für eine dieser „Musikakademien“ bei seinem Onkel Ludwig besorgte. Fortsetzung folgt
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
� Ackermann-Gemeinde
Ringen um Geschichte Hier verwies er auf andere Entwicklungen und Diskussionen etwa in Polen über Konzentrationslager. „So etwas ist kein brennendes Thema bei uns, was aber ein Thema der Politik wäre – wir haben keine Politisierung der Geschichte.“ l „Geschichtliches Ringen spielt sich auf immer kleineren Feldern ab, um so heftiger kann es jedoch werden. Die Heftigkeit der Kontroversen ist dann vielen unverständlich und stößt die mehrheitliche Gesellschaft ab.“ Auch diese These vertiefte er. „Kontroversen, auch wenn sie medial sichtbar sind, interessieren nur einen kleinen Kreis von
17. November 2009 hin. „Viele Fragen aus der Vergangenheit werden nicht angesprochen. Es gibt noch viele offene Fragen. Das führt aber zu Gleichgültigkeit oder Aggression. Die Gleichgültigkeit ist unser großes Problem.“ Als zweites Exempel zeigte er Plakate von fünf Filmen der letzten vier Jahre mit historischen Bezügen und Inhalten. „Themen aus der Geschichte sind beliebt uch neue Leute sind dabei“, in Filmen und Büchern. Aber freute sich Moderator Raikritische Fragen zur Geschichte ner Karlitschek, der erstmals werden nicht immer gestellt.“ aus Bern, seinem neuen berufAls weiteres Beispiel nannlichen Wirkungsort, zugeschalte er den Roma-Holocaust, was tet war. Das Thema bezeichnein den zurückliegenden drei bis te er als „Dauerbrenner“ oder fünf Jahren stärker themati„urtypisches Ackermann-Thesiert worden sei. Anhand eima“, wobei jedoch die aktuelnes Bildes, das einen tschechile Sicht aus der tschechischen schen Polizisten vor einem InPerspektive interessant sei. ternierungslager zeigt, machte Zwar ist Ondřej Matějka gut Matějka auf die Beteiligung bekannt bei der Ackermannder tschechischen Behörden Gemeinde, dennoch stellte aufmerksam. Auch ein früheKarlitschek ihn kurz vor. res Lager für Roma, das lange Viele Jahre war Matějka bei als Schweinemastbetrieb diender tschechischen Bürgerverte und in eine Gedenkstätte einigung Antikomplex aktiv umgebaut werden sollte, führund gab als deren Geschäftste er als Beispiel dafür an, daß führer in der Tschechischen Tschechen nicht nur Opfer der Republik wichtige Impulse NS-Machthaber waren. Bild: Nadira Hurnaus für die Reflexion über die Ge- Ondřej Matějka. Ein heikles Thema sei die schichte der Deutschen in den Beziehung zu Rußland. AnBöhmischen Ländern und die Personen.“ Er verwies dabei auf hand eines beseitigten Denkmals Vertreibung der Deutschen nach das Bildungsbürgertum. Er kriti- des sowjetischen Marschalls dem Zweiten Weltkrieg. Nun ist sierte zudem, daß die Teilnehmer Iwan Stepanowitsch Konew steller Stellvertretender Direktor des der Gefechte, also der Diskussio- te Matějka fest, daß es keine DeInstituts zur Erforschung tota- nen, ihre Meinung nicht an die batte über Konews Rolle gegelitärer Regime (ÚSTR) in Prag, Bevölkerung zu vermitteln ver- ben habe. Zur Erinnerung: Koder tschechischen Gauck-Behör- suchten. new war im April 1945 einer der l „Es wird viel erinnert, we- Befreier Berlins, erreichte am 9. de, mit 300 Mitarbeitern. Diese forscht über die Zeit der natio- nig reflektiert.“ Mai 1945 mit sowjetischem MiMit einigen Beispielen un- litär Prag, war mitverantwortlich nalsozialistischen Besatzung und des kommunistischen Regimes termauerte Matějka die Aussa- für die Niederschlagung des Aufund verwaltet das Archiv der gen seiner Thesen. So die 2019 stands in Ungarn 1956, für den tschechoslowakischen Staatssi- erfolgte Ergänzung des Denk- Mauerbau in Berlin und beteiligt mals zur Erinnerung an den Zu- an den Vorbereitungen des Eincherheit Stb. Mit vier Thesen beschrieb sammenstoß zwischen Studenten marsches der Truppen des WarMatějka den tschechischen Um- und der Polizei am 17. Novem- schauer Paktes 1968 in die Tscheber 1989 mit ähnlichen künstleri- choslowakei. Die fehlende Disgang mit der Geschichte. l „Wir haben keinen ge- schen Motiven. Diese wiesen auf kussion oder das Entfernen des schichtlichen Kulturkrieg.“ die Verhaftung und Ermordung Denkmals habe die antirussische l „Die Geschichte des 20. tschechischer Studenten durch Stimmung befeuert und nicht zur Jahrhunderts ist zwar immer wie- die Nazis am 17. November 1939 Klärung beigetragen. der präsent, spielt aber nur eine und die Stinkefinger-Rede von Ähnlich bewertete der Refegeringe Rolle in der Politik.“ Staatspräsident Miloš Zeman am rent den Versuch eines StadtteilDie Ackermann-Gemeinde hatte auch für den ersten Dienstag im September via Internet zum Themenzoom eingeladen. Diesmal verfolgten die tschechischen und deutschen Teilnehmer an 68 Bildschirmen die Ausführungen Ondřej Matějkas zu der Frage „Wie umgehen mit den historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts? Ringen um Geschichte in Tschechien“.
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bürgermeisters von Brünn, im Rahmen der Renovierung eines Denkmals für gefangene Rotarmisten das Hammer-und-SichelSymbol zu entfernen. „Mir wäre es lieber, solche Dinge anders zu lösen.“ Abschließend ging er auf die Geheimdienstakte des tschechischen Premiers Andrej Babiš ein, in der „nicht viel Neues über Babiš zu erfahren“ gewesen sei. „Es gehörte zum Beruf, er wollte für seine Karriere alles machen. Somit ist dies ein typisches Beispiel für eine wirkungslose Debatte.“ Heute sei eine neue Definition oder Herangehensweise hinsichtlich der historischen Fakten nötig. Man müsse aus der historischen Erfahrung zu neuen Fragestellungen kommen und damit zu einer tieferen Reflexion. Die Diskussionsbeiträge zielten auf die Bedeutung und den Stellenwert von historischen Romanen, die Erstellung von Forschungskriterien durch das Institut im Blick auf das Abdriften in den Totalitarismus und auf die heutige Rolle der tschechischen Kommunistischen Partei. Entsprechende Literatur habe zwar viele Leser, so Matějka, aber bestimmte Fragen und Zusammenhänge würden oft fehlen und damit keine Diskussionen anregen. Da das ÚSTR von den Ursprüngen her als Mittel des Kampfes gegen den Kommunismus und die Kommunisten gegründet worden sei, werde die Aufgabe als Frühwarnsystem unterschiedlich gesehen. Nichtsdestotrotz sei der Schutz der Freiheit eine wichtige Aufgabe und damit auch die Einführung politischer Bildung in die Institutsarbeit. Ein Verbot der kommunistischen Partei sei unmittelbar nach der Wende schlicht nicht möglich und angebracht gewesen. „Mit einem Verbot verschwindet das Problem nicht.“ Zudem sei die ČSSD entstanden, die Kommunisten würden bald keine große Rolle mehr spielen, schloß Matějka. Markus Bauer
� Ackermann-Gemeinde
Hinter den Kulissen eines Schattentheaters Anhand mehrerer Ausschnitte aus der Präsentation in Prag erläuterten Boehm sowie Kai Kocher (Flötenspieler) und der neunjährige Elias Ullmann die einzelnen Arbeitsschritte bis hin zur Aufführung: Umschreiben des Textes oder Inhalts zu einem passenden Konzept, Suche nach Musik und Arrangieren für das Flötenensemble, Erstellen von Heften mit Text und Musik. Während diese Aufgaben im Vorfeld der Tagung liefen, würden in Rohr die Figuren gebaber 46 zugeschaltete Com- stelt, die spezielle Aufführungsputer freute sich Moderato- praxis bei einem Schattentheater rin Sandra Uhlich und hieß be- sowie die Musikstücke und der sonders Jutta Boehm, die Regis- Textvortrag einstudiert. Es komseurin und Hauptverantwortliche me natürlich auch vor, daß ein des Schattentheaters, willkom- Teilnehmer – wie Elias Ullmann men. Boehm stellte die traditio- – bei zwei Aufführungen unternell im Kloster Rohr stattfinden- schiedliche Aufgaben oder Rolde Kulturtagung der Ackermann- len habe. Gemeinde vor. Bei dieser würden So sei er bei der ersten Aufeine gute Woche lang kulturelle führung für zwei Fische, bei der Inhalte für alle Generationen an- zweiten für einen Wassermann verantwortlich gegeboten – mit Präwesen. Elias: „Ich sentationen bei eihatte zuvor von dem nem Konzert oder Buch gehört, die GeBunten Abend. Seit schichte aber erst vielen Jahren sei beim Rohrer Somdas Schattentheamer kennengeter, musikalisch von lernt.“ Nach der Taeinem Flötenengung in Rohr und semble begleitet, feElias Ullmann. den Aufführungen ster Bestandteil. Eine nicht alltägliche Form des Theaters stand beim jüngsten Kulturzoom der AckermannGemeinde im Mittelpunkt: das Schattentheater, das zum regelmäßigen Angebot beim jährlichen Rohrer Sommer gehört. Zusätzlich erlebte die als Schattentheater inszenierte Geschichte „Der kleine Wassermann“ von Otfried Preußler Aufführungen bei den Feiern zum 75. Geburtstag der Ackermann-Gemeinde Anfang August in Prag.
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in Prag las er Preußlers Erzäh- ren. Im Gegensatz zu Elias Ulllung im Original. manns Möglichkeit, mehrere „Wie sollen die Figuren aus- Figuren darzustellen, sind Kosehen?“ Das ist für Jutta Boehm chers Einsatzwechsel begrenzt. eine der zentralen Fragen, die Er kann höchstens eine andere es dann zu lösen gilt – nicht selten mit komplizierten handwerklichen Aspekten, wenn etwa neben den Stäben auch noch Gelenke die Figuren gut beweglich machen sollten. „Zum Teil ist das Halten der Figuren anstrengend für die Kinder – aber sie sind mit Aufführung in Prag mit dem Flötenensemble und Begeisterung da- der Bühne mit dem Schattenspiel. bei.“ Außerdem helfen viele Tagungsteilnehmer. Flötenstimme spielen und gegeVon einer „Herausforderung benenfalls eine Sprechrolle überfür die Flötenspieler“ sprach Kai nehmen. Kocher. Und er wies auf eine anMit Blick auf den Rohrer Somdere Sache hin. „Als Mitglied mer 2022 will Boehm nochmals des Flötenensembles bekommen den „Kleinen Wassermann“ aufwir nicht viel von der Bühne und legen und das eine oder andedem Stück mit. Das Zusammen- re Detail verbessern beziehungsspiel muß klappen, Proben sind weise anders gestalten. „Man nötig.“ sieht erst jetzt, wie viel ehrenamtSpeziell bei diesem Schatten- liche Arbeit hier dahintersteckt“, theater war unter anderem neben faßte Moderatorin Uhlich zusamdem Volkslied „Es klappert die men und wünschte dem „Kleinen Mühle am rauschenden Bach“ Wassermann“ noch viele öffentauch das Hauptthema aus Fried- liche Aufführungen. rich Smetanas „Moldau“ zu hö Markus Bauer
Ernst Langs spielt 2016 die Orgel in der Andreaskirche. Links das Duo Ernst und Paula Lang. Bilder: Heinz Reiß
� Schönbach, Bubenreuth
Ernst Lang † Am 8. September starb Ernst Lang, langjähriger Organist der Andreaskirche in Schönbach im Egerland, mit 90 Jahren im mittelfränkischen Bubenreuth.
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ls im August 2016 die Gemeinde Bubenreuth eine Fahrt zum Grenzfest nach Schönbach organisierte, war es ein großer Wunsch von Paula und Ernst Lang, ihre Heimat zu besuchen. Einen noch größeren Wunsch habe ihr Mann Ernst, erzählte mir Paula Lang. Er wolle noch einmal die Orgel in seiner 1184 erbauten Stadtpfarrkirche Sankt Andreas spielen. Mehr als 31 Jahre lang stieg er die hölzernen Stufen zur Orgelempore hoch, um mit seinem musikalischen Können den Gesang seiner Schönbacher Landsleute zu unterstützen. Noten benötigte er auch 2016 keine. „Mir reicht die Nummer aus dem Gesangbuch“, war sein Kommentar. Die Reiseteilnehmer, überwiegend aus dem Schönbacher Ländchen stammend oder mit Wurzeln aus dem Böhmischen Musikwinkel behaftet, spürten, daß dieses Orgelkonzert ein Lebensrückblick war. Ernst Lang lernte seine spätere Frau auch mit der Musik kennen. Er und Paula Prüller spielten Tanzmusik, jedoch in verschiedenen Ensembles. Beide Familien waren im Musikinstrumentenbau tätig. Ernst Langs Vater Rudolf baute Geigen und Bratschen. Paulas Vater Andreas Prüller besaß eine Firma, die Einlagen für Geigen, Celli und Gitarren herstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die tschechische Regierung mit der Verstaatlichung der Produktionsstätten. Die Eltern von Paula und Ernst wurden für die Volkseigene Kooperative Cremona in Schönbach rekrutiert. Auch Ernst und Paula traten schließlich in das Unternehmen ein. Am 20. September 1958 traute Pfarrer Josef Binder das Paar in der Andreaskirche. Als Spätaussiedler kam das Paar 1968 nach Bubenreuth. Noch bevor das Caritasheim Sankt Franziskus eingeweiht wurde, begann sein soziales Engagement. Ernst und Paula spielten bei runden Geburtstagen, bei Weihnachtsfeiern, beim Sommerfest, bei den Senioren im Pfarrsaal, in der Bubenreuther Caritas-Sozial-Station und weiteren sozialen Einrichtungen. Anläßlich ihrer Diamantenen Hochzeit 2018 fragte ich Paula und Ernst Lang, was sie denn bewege, so viel ehrenamtliches Engagement aufzubringen? Ernst Lang antwortete mir: „Wenn wir hier ins Caritasheim kommen, blicken uns zahlreiche, erwartungsvolle, zum Teil aber auch ausdruckslose oder abwesende Gesichter entgegen. Wir spüren aber, daß wir eine
sehnlichst erwartete Abwechslung. Unsere Auftritte mit Akkordeon und Klavier sollen helfen, sich über die Lieder an alte Zeiten und die dazugehörenden Erlebnisse zu erinnern. Wenn wir beginnen, fangen die Gesichter an zu strahlen. Die Bewohner sprechen und singen, ihre Lippen bewegen sich, ihre Füße wippen im Takt. Das allein motiviert uns, immer wieder hierher zu kommen. Manchmal gehen uns die Erlebnisse auch sehr nah. Wenn wir Bewohner bemerken, welche wir mit unserer Musik nicht erreichen, die in sich gekehrt sind, man könnte sagen, die durch uns hindurch sehen. Dann wird uns die eigene Vergänglichkeit und die Schicksalshaftigkeit des Seins bewußt. Unser Ziel ist, auf die Bewohner einzugehen. Wir spielen Kinder- und Volkslieder oder wir machen ein Programm, das unter einem Thema steht wie ,Wiener Walzer‘, ,Operettenmelodien‘, oder – da im Bubenreuther Heim viele aus unserer Heimat, der Schönbacher Gegend, sind – widmen wir uns den heimatlichen Melodien. Beim ,Vugelbeerbaam‘ wissen wir sofort, wer aus dem böhmischen Musikwinkel Schönbach, Graslitz oder Ursprung kommt. Bei diesen Melodien brauchen die alten Menschen keine Textbücher oder -blätter mehr, die sie sowieso kaum halten oder lesen können. Sie singen einfach mit. Da fühlt sich manche Seniorin wöi dahoim und singt auch eghalåndrisch mit. Das läßt sie aufleben. Sie sprechen miteinander und mit uns: ,Wißt ihr noch, damals?, Könnt ihr «Man Eghaland, man Hoimatland» spielen?‘ Und manche 90jährige singt uns auch den Text noch vor: ,Man Eghaland, man Hoimatland, sun traut u vulla Pracht, dich haut za meina Lust u Freid da Herrgott seiwa gmacht. Mogh nuh sua weit in d‘ Welt eingäihn, s is nengreng wöi dahoim sua schäin, u wüll me aa koan Mensch vastäihn. Man Eghaland vagiß e nöin!‘ Manchmal denken wir an die hoffentlich noch weit entfernte Zukunft, wenn einer von uns sich an ihrer Stelle befindet. Ich hoffe, daß es dann auch noch jemanden gibt, der gut Akkordeon oder Klavier spielt. Die Zeit, die wir im Heim spielen, ist schnell vorbei,w und sehnsüchtig fragen viele: ,Wann kommt Ihr wieder? Es war so schön.‘“ Helga Raabs, die Leiterin des Cafeteria-Teams, nannte das aufmunternde Duo, welches immer ehrenamtlich spielte, einmal einen musikalischen Schatz, bei dem die Spielfreude dominiere. Mit Ernst Lang hat Schönbach seinen langjährigen Organisten und Bubenreuth einen Menschen verloren, der viele seiner Landsleute an die Heimat erinnerte. Heinz Reiß
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
� Heimatort Palitz/Kreis Eger
Palatschinken mit alles Wilhelm Rubick berichtet vom Patrozinium der Sankt-AnnaKirche in Palitz/Kreis Eger Ende Juli.
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Die Delegation aus Braunau mit den deutschen Freunden vor dem Braunauer Heimatmuseum im oberfränkischen Forchheim.
� Heimatkreis Braunau
Vertraute Partnerschaft stieg im Glockenkeller des Forchheimer Kellerwaldes, dem mit 23 Kellern auf rund 20 000 Quadratmetern wohl größten Biergarten der Welt, statt. Das süffige fränkische Bier stillte nicht nur den ersten Durst, sondern förderte auch sofort die regen Gespräche – in welcher Sprache auch immer. Bei schmackhaftem Essen wurden dann nicht um 20jährigen Bestehen nur Vergleiche zwischen der der Städtepartnerschaft fränkischen und böhmischen zwischen Forchheim und Brau- Küche gezogen, sondern auch nau hatte Forchheims Ober- Möglichkeiten der Zusambürgermeister Uwe Kirsch- menarbeit bei der Bewerbung stein Delegationen der Stadt der Stadt Braunau zur EuropäBraunau mit Bürgermeister ischen Kulturhauptstadt 2028 erörtert. Der Heimatkreis hatte zu einem Besuch des Braunauer Heimatmuseums in Forchheim eingeladen. Dort begrüßte Erik Buchholz Bürgermeister Bitnar mit seiner Delegation, Oberbürgermeister Kirschstein mit Kulturamtsleiter LoDr. Uwe Kirschstein, Jaroslav Bitnar und renz Deutsch, GiseErik Buchholz im Glockenkeller. la Schwanse, die Witwe des kürzlich verJaroslav Bitnar an der Spitze storbenen Ehrenmitglieds des und des Heimatkreises Brau- Heimatkreises Alfred Schwannau mit Heimatkreisbetreu- se, mit Tochter Elvira, sowie er Erik Buchholz an der Spitze den Pädagogen und Zeitgenach Forchheim eingeladen. schichtler Manfred Franze. Die Zehn-Jahres-Feier hatte in Dabei unterstrich Buchholz, der Heimat Braunau stattge- daß der Heimatkreis Braufunden. Die jetzige Jubelfei- nau ein integrativer Teil dieer war eine Festveranstaltung ser Städtepartnerschaft sei, mit gegenseitigen Informa- die auf Anregung des Heimattionen und vertrauten Begeg- kreises entstanden sei. Nenungen, aber – für sudeten- ben der Dauerausstellung im deutsche Verhältnisse völlig Obergeschoß galt das Interungewohnt – ohne Reden. esse aller Besucher der neuen Zu Beginn des Programms Sonderausstellung im Erdgeerfolgte am Samstag eine Füh- schoß über das unterschiedlirung durch den Kern der Stadt che Schicksal der „BauernhäuForchheim. Stationen waren ser im Braunauer Land“, die die Kaiserpfalz, die Bastei und von der tschechischen Vereidie darunter befindlichen Ka- nigung Omnium in enger Kosematten, die Sankt-Martins- operation mit der HeimatpfleKirche und schließlich das seit gerin der Sudetendeutschen fünf Jahren in kompletter Re- und dem Heimatkreis Braunovierung befindliche histori- nau entwickelt worden war. sche Rathaus. Zum Schluß dankte Uwe Der eigentliche Festakt auf Kirschstein allen Gästen für Einladung der Stadt Forch- ihr Kommen und freute sich heim wurde nicht in einem auf seinen nächsten AufentVeranstaltungssaal mit Red- halt in Braunau mit dessen nerpult, Blumenschmuck und wunderschöner Umgebung. Streichquartett zelebriert. Die habe er bei seinem AnEr fand vielmehr nach ei- trittsbesuch im Herbst 2016 nem schweißtreibenden Auf- besonders liebgewonnen. Mitte September feierte die oberfränkische Stadt Forchheim, seit 1955 Patenstadt der Stadt und des Kreises Braunau im Riesengebirge, den 20. Geburtstag ihrer Partnerschaft mit der heute tschechischen Stadt Braunau/Broumov. Der Stellvertretende Heimatkreisbetreuer Günter Reichert berichtet.
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ie Mittelgebirgslandschaft Böhmischer Wald-Ober pfälzer Wald erstreckt sich 80 Kilometer zwischen dem Egerbecken und der Cham-Further Senke. Der größte Teil des Oberpfälzer Waldes liegt in Bayern. Der höchste Berg Schwarzkopf liegt im südlichen Teil der Gebirgslandschaft auf tschechischem Boden. Der Tillenberger Wald bildet ihren nördlichen Teil, und der Tillenberg ist mit 940 Metern der zweithöchste Berg des Oberpfälzer Waldes – ebenfalls auf heute tschechischem Boden. Am Fuß des Tillen lag einst der Ort Ulrichsgrün. Jetzt zählt dieser Ort zu den verschwundenen sudetendeutschen Orten. Auf westlicher Seite liegt über einer Anhöhe das bayerische Bad Neualbenreuth. Wandert man nach Nordwesten, gelangt man über etliche Hügel nach Palitz. Zur Kirchengemeinde Palitz zählte neben Palitzhübel, Lindenhau, Oberund Unterlosau sowie Taubrath auch Ulrichsgrün, mein Geburtsort. Meine Eltern Engelbert und Theresa Rubick/Brücher von der oberen Buchamühle wurden in der Palitzer Sankt-Anna-Kirche getraut. Meine beiden älteren Schwestern Anni und Marianne sowie ich wurden dort getauft. Die Pfarrkirche wurde 1751 bis 1756 gebaut. Sie entstand aus dem Umbau einer älteren Schloßkapelle. Bereits 1840 wurde die Kirche umgebaut und vergrößert. 1905 erhielt der Kirchturm ein hohes pyramidenförmiges Dach. Nach der Vertreibung der deutschen Bewohner verfiel die Kirche und wurde 1966 aus dem Denkmalschutz genommen. Die Bemühungen, in den siebziger Jahren Gottesdienste zu veranstalten, scheiterten an der niedrigen Zahl der Bevölkerung und an ihrem Desinteresse. Nachdem die Kirche 1994 wieder in die Denkmalliste eingetragen worden war, sollte sie umfangreich renoviert und einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Die vorgesehene Rekonstruktion wurde leider nicht
durchgeführt, und die Kirche verwüstete immer mehr. Die Rettung der Kirche begann erneut im Herbst 2014. Damals nahm die Bürgerinitiative Leben zu Tillenberg die Palitzer Kirche in ihre Obhut. Ihr Ziel war, die Kirche zu retten und sie allmählich zu renovieren. „Sie soll geistiger Mittelpunkt der Gemeinde werden, in dem sich Menschen aller Nationen treffen können“, sagte Jiří Maliňák von der Bürgerinitiative. Die Renovierung der Kirche ist bereits so weit fortgeschritten, daß dort wieder Messen gefeiert werden können. Für Pfarrer Ferdinand Kohl, der jetzt im Ruhestand in Klingenthal im sächsischen Vogtland lebt, hat diese Kirche eine besondere Bedeutung. In Lindenhau geboren, wurde auch er in der Sankt-Anna-Kirche getauft, ging dort zur Ersten Heiligen Kommunion und wurde dort gefirmt.
so viel erzählte, das Treffen von lieben Landsleuten und der Gottesdienst in der Kirche immer wieder. Und so manche Träne rollt die Wange herunter. Bereits eine Stunde vor Beginn der Messe trafen sich an jenem Tag die Landsleute mit Pfarrer Kohl und Monsignore Fořt auf dem Friedhof am Grab von Pfarrer Konstantin Loch aus Palitz zum Gedenken an die Verstorbenen und die noch Lebenden. Ebenso gedachten die Teilnehmer der kürzlich in Hafenlohr verstorbenen Anneliese Kömm/ Wilfling, die am 11. November 1933 in Palitz zur Welt gekommen war. Sie war das zweite Kind von Josef und Margarete Wilfling. Zu Beginn der anschließenden Deutschen Messe von Franz Schubert mit deutschen und tschechischen Liedern freute sich Pfarrer Kohl, auch heuer wieder einen Gottesdienst in der Heimat
Totengedenken am Grab von Pfarrer Konstantin Loch. Auch heuer fand am 26. Juli das Patronatsfest mit einer ansehnlichen Zahl an tschechischen und deutschen Teilnehmern statt. Zelebriert wurde die Messe vom Pfarrer Ferdinand Kohl und Monsignore Peter Fořt aus Graslitz. Mit angereist waren meine Frau Bruni und Marianne Kleisinger von der unteren Buchamühle. Ich bin mir sicher, daß ich nach meiner Taufe 1940 nie mehr in einem Gottesdienst in der Sankt-Anna-Kirche gewesen bin. Schließlich war der Weg von Ulrichsgrün nach Palitz doch recht beschwerlich, und ich war bei der Vertreibung noch keine sechs Jahre alt. Dennoch berührt mich die Begegnung mit der Heimat, mit dem Ort, von dem meine Mama
zu feiern. In seiner Predigt stellte er die Kircheneinrichtung mit den Altären vor und hob mit Unterstützung von Monsignore Fořt die Bedeutung der Sankt-AnnaKirche hervor. Fořt begleitete die Messe am Keyboard. Außerdem dolmetschten er und ein tschechischer Kirchenbesucher. Am Ende der Messe dankten beide Geistliche Jiří Maliňák für seinen Einsatz zum Erhalt der Kirche. Beim anschließenden Treffen im Garten der ehemaligen Schule, die mittlerweile eine Gaststätte ist, gab es noch viel und manch Kurioses aus der Heimat zu erzählen. Der krönende Abschluß dieses Kirchenfestes war – wie jedes Jahr – der „Palatschinken mit alles“ im unteren Gasthaus in Kinsberg.
Jochen Hückel neben der Büste seines Ururgroßvaters Augustin Hückel im Neutitscheiner Hückelpark.
� Kuhländchen
Hückels Wiedergeburt Anfang September traf sich die Heimatgruppe Kuhländchen München im Haus des Deutschen Ostens (HDO).
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bmann Ulf Broßmann begrüßte viele Mitglieder und Gäste, die selbstverständlich die geltenden Hygienemaßnahmen des HDO einhielten. Die für diesen Termin geplante KulturWallfahrt zum Bogenberg unter dem Motto „Bayern–Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ hatte auf kommendes Jahr verschoben werden müssen. Aus diesem Grund war ein Alternativprogramm für diesen Nachmittag vorbereitet worden. Beim letzten Treffen Ende Juli hatte unser Mitglied Hans-Karl Fischer einen Vortrag über seine Verwandte Valerie Endlicher gehalten. Sie stammte aus Neutitschein und war die Frau des bayerischen Schriftstellers und Arztes Hans Carossa. Während seines Vortrags zeigte Fischer ein historisches Foto von Valerie mit einer spektakulären Hutschöpfung. Nun wollten wir wissen, woher solche Kreationen stammten. Da Valerie Modistin war und als Direktrice bei der Firma Hückel in Neutitschein gearbeitet hatte, bot sich ein Vortrag über
� SL-Ortsgruppe Weilimdorf/Baden-Württemberg
Endlich wieder präsent anstaltungen mehr möglich gewesen. Auch die wenigen Veranstaltungen auf Kreis- und Landesebene hätten nur unter strengen Auflagen verwirklicht werden können. Die Chartafeier auf dem Stuttgarter Schloßplatz und ie Ortsgruppe Weilimdorf ist das 70jährige Jubiläum der Chardie mitgliederstärksten Orts- ta der deutschen Heimatvertriegruppe der SL im Kreis Stuttgart. benen am 5. August 2020 hätObfrau Waltraud Illner schilder- ten nur virtuell stattgefunden. te in ihrem Rechenschaftsbericht Um den Kontakt zu den Mitgliedie schwierige Zeit der Pandemie dern nicht zu verlieren, sei Weihfür die Ortsgruppe, die keine ei- nachten und Ostern eine Schogenen Veranstaltungen in Weil koladenaktion veranstaltet worimdorf durchführen konnte. So den. seien 2020 nach der JahreshauptHeuer sei es dank des fortversammlung keine Präsenzver- schreitenden Impfstatus‘ in Deutschland und den damit verbundenen Erleichterungen im Alltag, wieder möglich gewesen, einen Tagesausflug zu unternehmen, der die Ortsgruppe WeilimSabine Mezger, Helga Löffler, Heinrich Dreßler und Wal- dorf mit der traud Illner. Bild: Helmut Heisig Kreisgruppe
Mitte September traf sich die baden-württembergische SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf seit März 2020 erstmals wieder zu einem Monatsnachmittag und zur Hauptversammlung im Haus der Begegnung.
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Stuttgart in das Sudetendeutsche Museum nach München geführt habe. Für die letzten drei Monate des Jahres kündigte Waltraud Illner dann noch den Tag der Heimat am 19. September in der Stuttgarter Liederhalle, den Sudetendeutschen Kulturtag am 26. September und die Jahresabschlußfeier der Sudetendeutschen am 27. November im Haus der Heimat als Präsenzveranstaltungen an. Aber auch auf den Tagesausflug am 22. September nach Überlingen zur Fahrt mit dem „Apfelzügle“ wies die Weil imdorfer Obfrau abschließend hin. Nach dem Kassenbericht und dem Bericht des Kassenprüfers Otfried Janik konnte Illner wieder zahlreiche Mitglieder der Ortsgruppe ehren. So wurden Helga Löffler und Gunther Schwarz für 55 Jahre, Gertraud Merkl für 50 Jahre, Ruth Heining und Werner Merkl für 40 Jahre, Reinhold Sorger für 35 Jahre sowie Maria Anna Jäschke, Heinrich Dreßler und Christoph Zalder für zehn Jahre Treue zur SL mit Nadel und Urkunde ausgezeichnet. Helmut Heisig
Valerie Carossa/Endlicher 1906. die Entwicklung der Hutmacherfamilie Hückel bis zur Weltfirma in Neutitschein an. Nach den Regularien und Berichten über Veranstaltungen der SL und Neuigkeiten aus dem Kuhländchen sprach Broßmann bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen über die „Wiedergeburt von August Hückel“. 1647 wanderte der Würzburger Hutmacher Gottfried Hückel nach Fulnek aus. 1799 übersiedelten seine Urenkel Johann und Augustin nach Neutitschein. Damit war der Grundstein für die dortige Hutherstellung gelegt. 1865 setzte sich die maschinelle Hutfertigung durch, und die Firma Hückel konnte expandieren. In der Zwischenkriegszeit stieg sie zu einer Weltfirma mit mehreren Dependancen auf. Nach 1945 wurde sie unter dem Namen Tonak verstaatlicht. Das Denkmal des Firmengründers Augustin Hückel im Hückelpark wurde in den 1950er Jahren Lesen Sie auf Seite 11 weiter
� BdV-Kreisgruppe Limburg-Weilburg/Hessen
� Fortsetzung von Seite 10
Hückels … zerstört. Nun deutete nichts mehr auf die große deutsche Unternehmensvergangenheit hin. Erst anläßlich des 220jährigen Firmenjubiläums Hückel/Tonak gelang es dem Neutitscheiner Altbürgermeister Pavel Wessely mit Hilfe einer noch vorhandenen Büste von Augustin Hückel im Kuhländler Archiv in Ludwigsburg, die gescannt wurde, ein neues Denkmal im Hückelpark zu errichten. Die „Wiedergeburt“ von Augustin Hückel am 7. September 2019 konnten viele Kuhländler während der Kulturfahrt des Landschaftsrats miterleben. Zur Enthüllung war auch der Ururenkel des Firmengründers, Jochen Hückel, aus Kanada gekommen. Professor Dr. Ulf Unser MitBroßmann. Bild: glied Wolfram Nadira Hurnaus Finfera stellte uns in einem Vortrag seine hervorragende Dokumentations-CD mit vielen Fotos und Texten über die Veränderungen der Stadt Neutitschein von 1900 über die Vertreibung bis heute vor. Er hatte sie in langjähriger Recherche und Detailarbeit zusammengestellt. Alle Texte wurden auch ins Tschechische übersetzt, so daß die transnationale CD sowohl die Neutitscheiner als auch die tschechischen Bewohner, Archive und Museen erreicht. Die CD beantwortet ebenso Fragen der Wolfram Finfera Jugend beider Seiten über die Entwicklung von Neutitschein über 100 Jahre. Der Nachmittag endete mit einer Diskussion über die beiden aufschlußreichen, heimatkulturellen Vorträge sowie unterhaltsamen Gesprächen. Anfang September feierte die oberfränkische SL-Ortsgruppe Warmensteinach das Aufstellen eines Gedenksteins für den Isergebirgsdichter Gustav Leutelt vor 50 Jahren.
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75 Jahre katholisch Josef Plahl, der sudetendeutsche Vorsitzende des hessischen BdV-Kreisverbandes LimburgWeilburg, berichtet über die Errichtung der katholischen Seelsorgestelle Weilmünster vor 75 Jahren.
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as Fest begann vielversprechend mit Sonnenschein. Zuvor hatte der Bauhof Rückersdorf Zelte, Biertische und -bänke auf der Wiese des Schmidtbauernhofes aufgestellt. Die Helfergruppe schmückte die Tische, belegte Brötchen und Brezen und verpackte diese coronakonform in Tüten. Und schon füllten sich die Zelte. Mit einer launigen Ansprache eröffnete Ortsobfrau Bärbel Anclam das Fest und begrüßte die
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Die heimatvertriebenen Wallfahrer vor der Basilika in Gößweinstein.
� Vertriebenenwallfahrt in Oberfranken
Danke, daß du es mit uns wagst Anfang September führte die Vertriebenenwallfahrt in die Wallfahrtsbasilika zur Heiligen Dreifaltigkeit im oberfränkischen Gößweinstein.
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a die Vertriebenenwallfahrt vergangenes Jahr hatte ausfallen müssen, wollte man heuer wieder einen Festgottesdienst – wenn auch in kleinerem Rahmen – feiern. Das wollte auch Monsignore Herbert Hautmann, seit 2006 Vertriebenenseelsorger des Bistums Bamberg. Seit mehr als 70 Jahren führte diese Wallfahrt in die Basilika Vierzehnheiligen. Nun bot sich an, am Wohnort des beliebten Geistlichen zu bleiben, und in der wunderschönen Wallfahrtsbasilika Gößweinstein zu feiern. Es gibt auch einen Bezug zu Vierzehnheiligen, denn dem Egerer Baumeister Johann Balthasar Neumann, einem der bedeutendsten Baumeister des Barock und des Rokoko in Süddeutschland, verdanken Vierzehnheiligen und Gößweinstein ihre einzigartigen Gotteshäuser. Zunächst zogen die Fahnenund Trachtenabordnungen der Sudetendeutschen, Schlesier, Donauschwaben und der Egerländer Gmoin aus Nürnberg mit ihrer Vorsteherin Ingrid Deistler und aus Forchheim mit Ulri-
ke Baier ein. Allen voran schritt rüstig Monsignore Hautmann mit den Ministranten durch das Hauptportal der Basilika. Regionalkantor und Organist Georg Schäffner sowie die aus dem sudetenschlesischen Ostrau stammende Sängerin Hildegunt Kirschner begleiteten die Messe musikalisch. Kirschners Solo, das „Ave Maria“ von Camille SaintSaëns, war ein Geschenk für alle. Als Volksgesang wurden aus dem Liederbüchlein, das Monsignore Hautmann erstellt hatte, mit großer Inbrunst die bei den Heimatvertriebenen beliebten Lieder der Deutschen Messe von Franz Schubert gesungen. Margaretha Michel, Vizeobfrau der SL-Landesgruppe Bayern und Obfrau der SL-Bezirksgruppe Oberfranken, war mit Adolf Markus und Rudolf Hüttner, ihren Stellvertretenden Bezirksobleuten, gekommen. Sie begrüßte alle Gruppierungen mit ihren Vorständen, alle Gottesdienstbesucher und insbesondere den Zelebranten Monsignore Hautmann. Dieser habe sich spontan bereit erklärt, der Feier vorzustehen. Michel freute sich über die große Verbundenheit der Heimatvertriebenen. In seiner zu Herzen gehenden Predigt stellte Hautmann
� SL-Ortsgruppe Warmensteinach/Oberfranken
50 Jahre Leutelt-Stein schule. An dieser Schule kam er in Kontakt mit Glasarbeitern und -veredlern, deren Handwerk er
zu seinem Lebensstudium erkor. 1946 wurde der 85jährige vertrieben. Ein Jahr später starb er im
napp 5000 Leute seien 1971 zur Einweihung gekommen, erinnerte sich Ortsobmann Helmut Hempel in seiner Begrüßung. Der Gablonzer Heimatverein und die SL hätten den Gedenkstein errichtet. Gustav Leutelt wurde in Josefsthal bei Gablonz im Isergebirge als Sohn eines Lehrers geboren. Er wurde ebenfalls Lehrer und übernahm als Oberlehrer im nahen Untermaxdorf die Volksschule, später auch die Fortbildungs- Warmensteinach feiert 50 Jahre Gustav-Leutelt-Gedenkstein.
Anfang September fand das traditionelle Weinfest der mittelfränkischen SL-Ortsgruppe Rückersdorf nach zwei Jahren coronabedingter Abstinenz endlich wieder statt.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
� SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken
Coronakonformes Weinfest lokale CSU-Vorsitzende Inge Thron. Das Einmann-Orchester
Sebastian Schödel übernahm die musikalische Umrahmung.
Die Landsleute verkosten Silvaner, Bacchus und Rotling aus Franken.
das Herrenwort der Feindesliebe und der Dankbarkeit in den Mittelpunkt. Viel sei getan worden, insbesondere von der Ackermann-Gemeinde, um Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen herbeizuführen. Der Glaube gebe Kraft und Motivation, zu dem Ja zu sagen, das im Leben nicht zu ändern sei. Wenn man so sein Leben überdenke, habe man neben dem Leid auch viele gute und beglückende Erfahrungen gemacht. In vielen Dingen könne man das Positive sehen, und dafür müßten wir von Herzen dankbar sein. Unsere Zeit brauche gläubige dankbare Menschen, sagte der Geistliche und schloß mit dem schönen Lied aus dem Gotteslob: „Herr, gib uns Mut zum Hören auf das, was du uns sagst. Wir danken dir, daß du es mit uns wagst.“ Am Ende des Gottesdienstes ehrte Margaretha Michel als Landesvizeobfrau Christoph Lippert und dessen Frau Ursula, die auch die Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum Bamberg ist. Für deren unermüdliches Engagement zeichnete sie das Ehepaar mit der Medaille und Urkunde „Dank und Anerkennung“ der SL aus. Damit endete ein schöner Gottesdienst. Bernhard Kuhn thüringischen Seebergen, wo seine Grastätte ist. Leutelts Werk war nicht vom Nationalitätenkonflikt in Böhmen dominiert. Wie Adalbert Stifter Böhmerwald-Schicksale schilderte, schilderte Leutel Isergebirgs-Schicksale. Warmensteinachs Bürgermeister Axel Herrmann hielt eine kurze Ansprache. Unter den Gästen waren Christina Mei nusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Oberfrankens SL-Bezirksobfrau Margaretha Michel sowie einige Gemeinderäte. Die Veranstaltung endete mit einem Stehempfang im Freizeithaus Warmensteinach und einem Besuch des FichtelgebirgsGlasmuseums. Manfred Kees Dem Wein des fränkischen Weingutes Behringer wurde gut zugesprochen. Neben Silvaner und Bacchus gab es Rotling zu verkosten, der alsbald zum Liebling der Gäste avancierte. Zwischenzeitlich war Bürgermeister Johannes Ballas eingetroffen. Er hielt eine kurze Rede. Danach widmete er sich den Gästen. Zwei Sketche mit Karin Walz, Irmtraud Wiemer und Bärbel Anclam sowie der Familie Kuphal und Otmar Anclam sorgten für ausgelassene Heiterkeit. Als Zauberer präsentierte sich Georg Teleki und zeigte, wie man auch im hohen Alter noch sicher auf Stelzen laufen kann. Dank gebührt unseren vielen Helfern. Gabi Waade
sucht. Das Allerheiligste bewahrte er mit bischöflicher Zustimmung im Schreibtisch auf. Kubek war bis 1974 Pfarrer in Weilmünster. Er starb 1985. Bis zu drei Gottesdienste feierte er an Sonntagen; Vorabendmessen waren damals nicht erlaubt. Der Hauptgottesdienst wurde in der evangelischen Kirche gehalten, zwei Gottesdienste auf den Außenstationen, teils in evangelischen Gotteshäusern, teils in Schulgebäuden. Autos gab es nicht; die Wege mußten geradelt werden. Kubeks größtes Anliegen war, in Weilmünster eine katholische Kirche zu bauen. Das Grundstück war schon vorhanden, denn bereits 1909 waren drei Parzellen Land am Pfaffenberg gekauft worden. Die Inflation der 1920er Jahre und der Krieg verhinderten das Bauvorhaben. 1950 begann der Bau des Pfarrhauses, 1951 wurde es bezogen. Der Bau der Kirche begann 1953. Architekt war Wilhelm Braunsdorfer aus Wiesbaden, die Baufirma stammte aus Elz. 1953 wurde der Grundstein gelegt. Am 10. Oktober 1954 weihte der Generalvikar des Bistums Limburg, Prälat Berthold Merkel, den Altar und benefizierte das Gotteshaus auf den Titel der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Große Freude herrschte unter den katholischen Vertriebenen, hatten sie doch mit der Weihe der Kirche ein Stück Heimat zurückerhalten. Die Glockengießerei Rinker in Sinn im Dillkreis schenkte der Kirche die Chri-
m 1. September 1946 wurde in Weilmünster im damaligen Oberlahnkreis eine katholische Seelsorgestelle errichtet. Damit hatte nach der Reformation ein katholischer Priester seinen ständigen Wohnsitz im Marktflecken genommen. Mit der Seelsorge war Pfarrvikar Alfons Klambt aus der Erzdiözese Breslau beauftragt worden; er wohnte am Ende der Weilstraße in Richtung Weilburg. In Weilmünster wurde 1217 erstmalig ein Pfarrer Germandus genannt. Der letzte katholische und erste evangelische Pfarrer war Johann Schorbrand, der 1516 bis 1536 als Geistlicher wirkte. Die Reformation in der Grafschaft Nassau-Weilburg wurde 1526 eingeführt. Der 1867 gegründete Oberlahnkreis war Diasporagebiet. Von den 65 Gemeinden hatten nur zehn eine katholische Mehrheit. Für Weilmünster und Umgebung war die Errichtung einer katholischen Seelsorgestelle notwendig geworden, da ab Februar 1946 immer mehr meist katholische Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Sudetenland aufgenommen wurden. Ihre Zahl stieg auf über 2000 Personen. Zur neuen Seelsorgestelle gehörten Weilmünster, Audenschmiede, Dietenhausen, LanDreifaltigkeitskirche in genbach und Weilmünster. Rohnstadt (früher Pfarrei Haintchen), Altenkirchen, Aulenhausen, Ernsthausen, Laimbach, Lützendorf und Möttau (früher Pfarrei Weilburg). Ende der siebziger Jahre wurde Altenkirchen der Pfarrei Braunfels zugeteilt, Laubuseschbach und Wolfenhausen wurden nach Weilmünster eingepfarrt. 1958 stusglocke. Und an Mariä Lichtwurde Weilmünster Pfarrvikarie meß am 2. Februar 1958 weihte Domkapellmeister Monsignore und 1963 selbständige Pfarrei. Vor und während des Zwei- Georg Pabst die Dreifaltigkeits-, ten Weltkrieges gab es katholi- die Marien- und die Josefsglocsche Gottesdienste in der Simul- ke. Die Glocken der evangelitankapelle des Krankenhauses schen und der katholischen KirWeilmünster. Dazu kam ein Ka- che sind klangvoll aufeinander plan aus der Dompfarrei in Wetz- abgestimmt. Wenn alle Kirchenlar. Einem Kaplan wurde damals glocken am Samstagnachmitvon der Anstaltsleitung ein Ver- tag den Sonntag einläuten, ist es bot ausgesprochen, weil er einen ein Erlebnis, diese Klangfülle auf Hirtenbrief der katholischen Bi- sich einwirken zu lassen. Die Orgel stammt aus dem schöfe verlesen hatte, in dem die Bischöfe die Krankenmorde ver- Schloß Engers im Rheinland. Sie urteilten. Bis zur Errichtung der war vorher in der Karlskirche Seelsorgestelle in Weilmünster und in der Heilig-Kreuz-Kirche hielt auch Pfarrer Norbert Frei- in Weilburg. Nicht nur in Weilmünster wurburg als Koadjutor Gottesdienste de eine katholische Kirche gein der Krankenhauskapelle. Pfarrvikar Alfons Klambt war baut, sondern auch in Löhnberg, bis 1948 Seelsorger in Weilmün- Runkel, Weilburg, Aumenau und ster. Seine wichtigste Aufgabe Gräveneck. Wegen der Aufnahwar, die Sakramente zu spenden me Vertriebener in Mengerskirund Kinder mehrerer Jahrgänge chen und Langhecke wurden auf die Erste Heilige Kommuni- neue Kirchen errichtet. Da Anfang der 1950er Jahon vorzubereiten, wo dies in der Heimat nicht mehr möglich ge- re die Seelsorgeaufgaben für eiwesen war. Mehr als 50 Kinder nen Priester zu groß waren, denn gingen am Pfingstmontag 1948 das Krankenhaus Weilmünster in der evangelischen Kirche zur war seelsorglich mitzuversorgen, kam ein zweiter Priester, später Ersten Heiligen Kommunion. Im Mai 1948 übernahm Pfar- Kaplan, nach Weilmünster. Der rer Josef Kubek aus Groß-Aupa bekannteste Kaplan war Hans Jaim Bistum Königgrätz die Seel- min. Der letzte Pater Herman Hosorgestelle. Er wohnte auf dem stens übernahm 1974 die Pfarrei Klapperfeld. Die Sonntagsmes- Weilmünster. 2011 verabschiesen fanden anfangs noch in der dete er sich nach 42 Jahren in Krankenhauskapelle statt, wur- den Ruhestand. Die Pfarrei Weilden aber dann in die evangeli- münster wurde von da ab von sche Kirche verlegt. Die Werk- Weilburg mitversorgt. Seit 2019 tagsgottesdienste zelebrierte ist Weilmünster ein Kirchort der Kubek am Schreibtisch seines Ar- Pfarrei Heiligkreuz Oberlahn mit beitszimmers. Sie waren gut be- Sitz in Weilburg.
Reicenberger Zeitung
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Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Robert Hemmrichs Franz-Josephs-Bäder in Neustadt an der Tafelfichte im Vordergrund und in Gablonz.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Kreis Friedland
Kreis Gablonz
Josef Zasches Herz-Jesu-Kirche in Gablonz und der Rüdiger-Brunnen in Neugablonz.
� Gablonz ehrt zwei berühmte deutsche Söhne der Stadt
Robert Hemmrich und Josef Zasche ten den Höhepunkt einer Reihe krieg das traurige Schicksal der hensten österreichischen Archi- geladen, war Mitglied des Kuvon Veranstaltungen, die dem meisten Sudetendeutschen nicht tekten und Lehrer. 1892 schloß ratoriums der deutschen Sekti150. Geburtstag der beiden Be- erspart. Am 14. August 1945 wur- er sein Studium ab, gewann den on der Modernen Galerie in Böhrühmtheiten aus Gablonz gewid- den er, seine Frau Alma und seine Haggenmüller-Preis und absol- men, Mitglied der Deutschen met waren. Die Gedenktafel für Tochter Alma im Aussiedlungsla- vierte seine praktische Ausbil- Gesellschaft der Wissenschaften Josef Zasche, der unter anderem ger in Reinowitz interniert. Auf dung im Konstruktionsbüro von und Künste in der Tschechosloor einer Woche enthüllte zwei Kirchen für seine Geburts- die schriftliche Anordnung der Friedrich Schachner. 1895 zog er wakei und Vorsitzender der Geder Gablonzer Bürgermeistadt entwarf, befindet sich seit lokalen Verwaltungskommission nach Prag, wo er sich dauerhaft sellschaft deutscher Architekten ster Jiří Čeřovský unter Fanfa1999 an der Südseite der Herz- vom 14. September 1945 wurde niederließ. in Böhmen. Außerdem war Jorenklängen eine Gedenktafel für Jesu-Kirche auf dem Oberen Robert Hemmrich am 2. Novem1906 wurde er zum Baurat er- sef Zasche Sozialdemokrat und Robert Hemmrich. Die GedenkMarktplatz. ber 1945 aus dem Internierungs- nannt und begann, sich in Prag Gegner der Nationalsozialisten. tafel hängt an der Fassade der Der Veranstaltung am vergan- lager entlassen und gezwungen, zu etablieren. Er hinterließ in vie- Nichtsdestotrotz internierten die Kunstgrundschule in der Podgenen Freitag folgte am Sams- für das städtische Bauamt mehr len tschechischen Städten un- Tschechen ihn am 7. Mai 1945. horská-Straße alias Gebirgsstratag der Europäische Tag des of- als 1000 Baupläne zu sortieren. Als die Vertreibung 1946 bevergeßliche Spuren. Seine ersten ße. Dieses 1924 von Hemmrich fenen Denkmals, an dem man „Er ist für die Stadt Gablonz wichtigen Bauprojekte realisier- vorstand, intervenierten seine entworfene Gebäude ist auch auch einige Räume des Ga- unabkömmlich“, stand in dem te er in Nord- und Westböhmen. tschechischen Kollegen mit eiheute noch für die Öffentlichkeit blonzer Rathauses besichtiner Petition für den Verbleib zugänglich, da es die Schule begen konnte. Diejenigen, die des mittlerweile 75jährigen herbergt. sich nicht scheuten, die Trepsudetendeutschen Pensionärs Jan Strnad ist ein Künstler, pe zu erklimmen, konnten im in seiner Heimat. Erfolglos. Im Galerist und Kurator der GaRathausturm ein nagelneuZuge der Vertreibung strandeblonzer Städtischen Galerie MY. es Modell des Aussichtsturms te Josef Zasche im sachsen-anEr schuf die bronzene GedenkSchwarzbrunnwarte ansehen, haltinischen Schackensleben tafel für Robert Hemmrich. Dardas die Gablonzer Modellnahe Magdeburg inmitten der auf stehen ein tschechischer und bauer des Vereins Admiral erSowjetischen Besatzungszone. ein deutscher Text. Der deutsche schaffen hatten. Zu seinen tschechischen Text lautet: Die Ausstellung zum 150. Kollegen hatte er freund„Robert Hemmrich. 1. Mai Geburtstag von Zasche und schaftliche Beziehungen ge1871 bis 15. April 1946. Ein ArchiHemmrich war bereits Anpflegt. Mit vielen tschechitekt, der maßgeblich das Antlitz fang Juni eröffnet worden und schen Architekten war er beseiner Geburtsstadt mitprägte. richtete sich an alle, die mehr Die zweisprachige Gedenktafel für den Architekten Robert Hemmrich sowie Ge- freundet gewesen. Doch er war Bilder (4): Stanislav Beran ein Deutscher, und die tscheNach seinen Entwürfen wurden über die beiden Architekten denkredner und Bürgermeister Jiří Čeřovskýs. öffentliche und Fabrikgebäuund die von ihnen entworfechoslowakische Nachkriegsde, Geschäftshäuser, das Stadtnen Gebäude erfahren wollten. Brief an die Kommandantur des Er entwarf die Sparkasse in Asch, maschinerie fegte nachsichtslos bad, Wohnhäuser und Villen erSie erhielten die Möglichkeit, Lagers. Kurz nach seiner Entlas- die Blaue Villa für den Bildhau- alle Deutschen aus dem Land. baut. Er ist Urheber von Aussich mit der Architektur ausein- sung starb er am 15. April 1946. er Karl Wilfert junior sowie den Zasche akzeptierte seine sichtstürmen und vieler weiterer anderzusetzen und einen Blick Seine letzte Ruhestätte fand er in Palast der Prager Eisengesell- schwierige Situation in SachBauten in der Region des Isergehinter die Kulissen zu werfen. der Familiengruft auf dem städ- schaft, das Haus Zu den drei Rei- sen-Anhalt nicht. Er versuchte birges.“ Neben historischen Fotos und tischen Friedhof. Seine geliebte tern in der Prager Neustadt und trotz seines fortgeschrittenen AlRobert Hemmrich kam als älBauplänen wurden auch Gebäu- und halbblinde Frau Alma und das Geschäftshaus für den Wie- ters, auch in der Fremde mit seitester Sohn des Schlossermeidemodelle von Hemmrichs Aus- seine Tochter Alma Neumann ner Bankverein in der Prager Alt- ner Expertise Geld zu verdienen. sters Franz Hemmrich zur Welt. sichtstürmen in der ursprüngli- wurden enteignet und mußten stadt. Für dieses Haus erhielt er Vergeblich. Im Laufe seines Lebens entstanchen Form gezeigt. Die Modelle Gablonz verlassen. Am 23. Ok- die Auszeichnung für das beste Er wandte sich an die tscheden 981 Gebäude nach seinen tober 1946 wurden sie vertrie- Gebäude in Österreich-Ungarn choslowakischen Staatsbehörden Entwürfen. Davon befanden und versuchte zu beweisen, daß ben. im Zeitraum 1900 bis 1910. sich etwa 500 in Gablonz und Josef Zasche kam am 9. No1930 bis 1931 entstand nach er sich in keiner Weise gegenseiner Umgebung. Die übrivember 1871 in Gablonz als Zasches Plänen die römisch-ka- über der Tschechoslowakischen gen Gebäude befinden sich in zweites Kind des Glasschlei- tholische Herz-Jesu-Kirche in Republik schuldig gemacht hatSachsen und Österreich. fers Josef Zasche und dessen Gablonz. Dabei bezog er die Rü- te. Trotz all dieser Bemühungen Prestigewerke waren das Frau Franziska zur Welt. Sei- diger-Skulptur des bereits ver- wurde ihm nicht gewährt, sein 1910 fertiggestellte Stadtbad ne Schwester hieß Amalia. storbenen böhmischen Bildhau- Werk fortzusetzen. Vergessen von Kaiser Franz Joseph in Leider wurden die Geschwi- ers Franz Metzner ein, die er als und verarmt starb Josef Zasche Gablonz und das Jubiläumsster bereits im Kindesalter zu Hauptfigur eines Brunnens vor am 11. Oktober 1957 in der kombad von Kaiser Franz Joseph Waisen, da zuerst die Mutter der Kirche aufstellte. Nach der munistischen „DDR“. in Neustadt an der Tafelfichte Sein Geburtshaus steht imund dann der Vater 1881 mit Vertreibung wanderte diese alaus dem Jahr 1911. Vergleicht 51 Jahren starb. Josefs Vor- lerdings zu den im bayerisch- mer noch in der Kreuzstraße in man die beiden Gebäude, so mund wurde sein Onkel Anton schwäbischen Kaufbeuren ge- Gablonz und ist ein geschützfällt sofort eine große ÄhnlichPfeiffer, ein Glaswarenexpor- strandeten Gablonzer Landsleu- tes Kulturdenkmal. Alle von ihm keit auf. in Gablonz errichteten Gebäude teur. ten. Das Stadtbad in Neustadt Nach dem Besuch der BürZasche entwarf die Volks- sind ebenfalls erhalten gebliewar bescheidener. Aber im gerschule in Gablonz stu- bibliothek Weinmanneum in ben. Sein Nachlaß – sein Prager Gegensatz zu dem in Gadierte er 1885 bis 1889 an der Aussig, die nach Jacob Eduard Atelier und das außergewöhnblonz blieb seine ursprüngli- Josef Zasches Geburtshaus und sein Portrait. staatlichen Gewerbeschule Weinmann benannt wurde, das liche persönliches Archiv einche Form erhalten. Und es erfür Bauwesen in Reichenberg, Bezirks-Armen- oder Kaiserin- schließlich seiner Bibliothek und füllt noch immer seinen Zweck. ein Robert Hemmrich gewidme- waren eine Leihgabe des Techni- wo Adolf Loos sein Kommilitone Elisabeth-Haus in Komotau, das aller Unterlagen – war bereits In den 1960er Jahren wurde das tes Jubiläumskonzert statt. Das schen Nationalmuseums in Prag. war. Nachher ging er nach Wien, Geschäftshaus für den Asseku- während seiner Internierung Am Samstag bestand die letz- wo er ab 1889 an der Akademie ranzverein der Zuckerindustrie 1945 geplündert und zerstört städtische Bad in Gablonz einer Dvořák-Klavierquartett spielte ausgesprochen bedauerlichen Werke von Gustav Mahler und te Gelegenheit, die Ausstellung der bildenden Künste bei dem in der Prager Neustadt, die altka- worden. Modernisierung unterzogen, bei Robert Schumann. Die Veran- „Architektur für die Bergstadt bedeutenden österreichischen tholische Kreuzkirche in Gablonz Heute steht Josef Zasche auf der die ursprüngliche, wertvol- staltung hatte der Verein Musi- Gablonz“ in der Städtischen Ga- Architekten des Historismus und und den Ausstellungspavillon der Liste der 50 bedeutendsten le Fassade zerstört wurde. Jetzt ca Varia in Zusammenarbeit mit lerie MY zu besichtigen, die dem Hochschullehrer Karl von Hase- Haus der Kunst auf der Deutsch- Persönlichkeiten des Kreises ReiBöhmischen Ausstellung in Rei- chenberg. Er ist einer der bedeuwartet das baufällige Gebäude der Stadt Gablonz und der Städ- Lebenswerk Zasches und Hemm- nauer studierte. tischen Galerie MY vorbereitet. richs gewidmet war. auf eine neue Nutzung. tendsten deutschen Architekten Später wurde Zasche Mitar- chenberg. Die Enthüllung der GedenkEr wurde als Jurymitglied bei der Vor- und Zwischenkriegszeit Hemmrich und seiner Fami- beiter und Assistent bei FriedAuch das Hotel Schienhof am ein- in Böhmen. Altstädter Platz in Reichenberg, tafel und das Festkonzert bilde- lie blieb nach dem Zweiten Welt- rich Ohmann, einem der angese- Architekturwettbewerben Stanislav Beran
Heuer jähren sich die Geburtstage der berühmten Gablonzer Architekten Robert Hemmrich und Josef Zasche zum 150. Mal. Das feierte die Stadt.
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das von dem Reichenberger Baumeister Julius Keil im Auftrag des Reichenberger Kaufmanns und Fabrikanten Ignaz Schien aus Reichenberg-Rosenthal 1906 errichtet wurde, wurde nach den Plänen Hemmrichs gebaut. Viele Gebäude sind als Kulturdenkmale geschützt, während andere in der städtischen Schutzzone in Gablonz unter Denkmalschutz stehen. Robert Hemmrich, der häufig Aussichtsturm-Architekt genannt wurde, entwarf vier Aussichtstürme im Isergebirge. l Der stolze Bau der Schwarzbrunnwarte mit dem steinernen Aussichtsturm und dem Restaurant wurde schon am 14. August 1905 eröffnet. Den Turm mit der wunderbaren Aussicht hatte sich der Gablonzer Gebirgsverein 100 000 Kronen kosten lassen. Er gehört zu den bekanntesten Türmen im Isergebirge. l Am 4. Juli 1909 wurde die Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumswarte auf dem 831 Meter hohen Tannwalder Spitzberg eröffnet. l 1912 entstand der 21 Meter hohe Aussichtsturm neben der Brambergbaude auf dem 787 Meter hohen Bramberg bei Wiesenthal. l 1932 wurde der 27 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Proschwitzer Kamm fertiggestellt. 2003 beschädigte ihn ein Brand, 2009 wurde er renoviert. Nach der feierlichen Gedenktafel-Enthüllung fand im Konzertsaal der Kunstgrundschule
REICHENBERGER ZEITUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
� Reichenberg
� Reichenberg
Der grüne Hügel und ein Bariton
Die alte deutsche Schrift ist wieder da Das historische Eingangstor zum Tiergarten in Reichenberg erhielt seine einstige deutsche Inschrift wieder.
Anfang September eröffnete auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die Ausstellung „Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945“. Thema der Ausstellung ist auch der aus Reichenberg stammende Bariton Richard Breitenfeld.
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n diesem Jahr wurde die ursprüngliche deutsche Inschrift „Zum Tiergarten“ an dem ehemaligen Eingang am Gondelteich zum ältesten Tiergarten in der Tschechischen Republik angebracht. Das Tor ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Architektur der damaligen Zeit. Es vervollständigt das einzigartige Aussehen der Masarykstraße
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ichard Breitenfeld kam am 13. Oktober 1869 in Reichenberg zur Welt. Er machte eine kaufmännische Lehre und arbeitete in einer Fabrik. Gleichzeitig nahm er Unterricht bei Stimmlehrer Johann Reß. 1897 gab Breitenfeld sein Debüt am Kölner Stadttheater mit dem Graf Luna in Giuseppe Verdis „Il trovatore“. 1901 trat er erstmals während Musikfestspielen in Magdeburg auf. 1902 wechselte er ans Stadttheater in Frankfurt am Main. 1903 nahm er zum ersten Mal an den Bayreuther Festspielen teil. Nebenberuflich war er Musikpädagoge und Konzertsänger. 1905 heiratete er die gebürtige Wienerin Olga. Um 1910 wohnte das Paar in der Praunheimer Straße 8. 1912 machte er Furore mit seiner Mitwirkung in der Welturaufführung von Franz Schrekers „Der ferne Klang“. Zur selben Zeit, in den letzten vier Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, nahm Breitenfeld für die Firmen Odeon und His Master‘s Voice Schallplatten auf. Sein 25jähriges Bühnenjubiläum 1927 feierte die Lokalpresse überschwenglich. Breitenfelds wichtigste Gesangspartien in 36 Jahren Bühnentätigkeit wurden der Rigoletto, der Figaro und der Tannhäuser. Breitenfeld mußte seine Karriere 1932 wegen seiner starken Kurzsichtigkeit beenden. Seinen Bühnenabschied feierte er mit der Oper „Bajazzo“ von Ruggiero Leoncavallo. Danach lebte er bescheiden als Pensionär und Gesangslehrer in Frankfurt. Da er Jude war, änderte sich sein Leben nach 1933 dramatisch. Olga und Richard Breitenfelds Vermögen unterlag nun einer Sicherungsanordnung der Devisenstelle, die ab November 1938 den monatlichen „Freibetrag“ auf 300 RM festlegte und im September 1941 auf 50 RM reduzierte. Im Februar 1942 wurde auch die Pension gekürzt. Die Eheleute Breitenfeld mußten ihr Mobiliar verkaufen, ihre Wohnung in der Eschersheimer Landstraße 79 verlassen und im September 1941 zwangsweise in die Hansa Allee 7/III ziehen, wo sie als Untermieter lebten. Am 1. September 1942 wurden die Eheleute nach Theresienstadt deportiert, wo sie bald darauf starben. Der Todestag von Richard Breitenfeld ist der 16. Dezember 1942 . Veranstalter der Ausstellung „Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945“ in der Reihe „Verstummte Stimmen“ sind die Stadt Bayreuth und die Richard-Wagner-Stiftung unter der Federführung des RichardWagner-Museums. Die Ausstellung befaßt sich mit dem Mißbrauch der Bayreuther Festspiele als Propagandamittel vor und während des Dritten Reichs sowie der bereits vor 1933 praktizierten Ausgrenzung jüdischer und anderer mißliebiger Künstler und deren Schicksalen als Opfer des NS-Regimes. Sie läuft unterhalb des Festspielhauses als Freiluftinstallation. nh
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in Reichenberg, die zu den wertvollsten Teilen des Naturschutzgebietes der Stadt gehört. Der deutsche Schriftzug an dem alten Eingangstor erinnert an den Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Tiergarten wurde 1919 im Reichenberger Volksgarten gegründet. Das Eingangstor wurde während der Amtszeit von Direktor Erich Sluwa, dem Gründer des Reichenberger Tiergartens, errichtet. Erich Sluwa war der erste Direktor des Tiergartens und blieb bis Juni 1945 im Amt. Stanislav Beran
Bischof Jan Baxant und seine Konzelebranten vor dem frisch gesegneten Kreuz neben der Kirche Mariä Empfängnis. Bild: Stanislav Beran
� Bärnsdorf/Kreis Friedland
Wallfahrtsgottesdienst Mitte August fand in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria in Bärnsdorf an der Tafelfichte ein Wallfahrtsgottesdienst statt.
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m Rahmen dieses Gottesdienstes wurde der Altar, der zehn Jahre lang renoviert worden war, eingeweiht. Der letzte Teil der Renovierung galt der Darstellung des Jesuskindes in den Armen des heiligen Josefs. Finanziert wurden die Renovierungsarbeiten von dem ge-
meinnützigen Verein zur Renovierung der Kirche in dem nordböhmischen Bärnsdorf bei Friedland, Verschönerungsverein Bärnsdorf-Wünschendorf, der Gemeinde Bärnsdorf an der Tafelfichte, der katholischen Gemeinde Neustadt an der Tafelfichte und dem Bistum Leitmeritz. Die Heilige Messe zelebrierte der Leitmeritzer Bischof Monsignore Jan Baxant mit einigen lokalen Konzelebranten. Anschließend segnete er auch das neu re-
staurierte Kreuz, das sich an der Friedhofsmauer in der Nähe der Kirche befindet. Das Kreuz ist somit ein weiteres von mehreren restaurierten Kreuzen in diesem Ort. An der Zeremonie nahmen hochrangige Gäste teil. Zu diesen zählten der Bezirkshauptmann der Region Reichenberg, Martin Půta, der Bürgermeister von Bärnsdorf, Radek Haloun, und Vertreter der beiden Vereine Věra Honysová und Jana Doub ková. Stanislav Beran
Tor zum Tiergarten in deutscher Zeit.
� Musikfestival Leipa Musica
Heimat als Inspiration den“, sagte Tomáš Cidlina, der angesehene Historiker des Heimatmuseums in Böhmisch Leipa. Er beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der Vertreibung der Deutschen. Aus diesem Grund wurde er beauftragt, das Libretto zu schreiben. „Als Historiker muß ich mich immer streng an den Fakten halten, diesmal habe ich freie Hande gehabt“, freute sich Cidlina. Als Inspiration nahm er das Schicksal von zwei ehemaligen Bewohnerinnen von Böhmisch Leipa, die am 15. Juni 1945 ihre Heimat gemeinsam mit weiteren 5000 deutschen Stadtbewohnern hatten verlassen müssen. Die eine war damals sieben Jahre alt, die andere war ein 17jähriges Mädchen. Die Herausforderung für die Künstler war die Tatsache, daß die bisherigen Bemühungen um ein Verstehen all dessen, was im Sudetenland im 20. Jahrhundert geschehen war, mehr als einmal scheiterten. Und dort, wo der Verstand nicht genügt, könnten – so die Musiker – Sinne und Gefühle helfen. Die Musik komponierte die international erfolgreiche slowakische Komponistin Ľubica Čekovská. Für die Aufführung war das Pavel-Haas-Quar-
tett in Zusammenarbeit mit dem Kammerchor Martinů Voices unter der Leitung von Lukáš Vasilík verantwortlich. Und Anna Knechtel vom Adalbert Stifter Verein übersetzte das Libretto. Die Uraufführung in Böhmisch Leipa nahm der Tschechische Rundfunk auf. Das Konzert lief auch auf dem Kulturfernsehsender ČT Art. Der deutsche Notenverlag Bäedes Jahr eine ungewöhnliche renreiter hat die Rechte an der Dramaturgie: Das ist typisch Komposition und wird eine CD für das Internationale Musikfeherausgeben. Mit der Unterstütstival Leipa Musica. Den heurizung des Deutsch-Tschechischen gen Jubiläumsjahrgang krönte Zukunfsfonds wurde auch ein die im Auftrag des Festivals entHeft mit den Texten von Cidlistandene Komposition „Domov“ na und Illustrationen von Pavel oder „Heimat“, die den tscheKraus gedruckt. Geplant ist auch chisch-deutschen Dialog und die eine Ausstellung, die im komimmer noch heiße Sudetenframenden Jahr in der Euroregion ge akzentuierte. Premiere feierte wandern sollte. die Komposition beim GeburtsDas Festival Leipa Musica ertagskonzert in der Allerheiligeninnert heuer auch den 180. GeBasilika des Augustinerklosters burtstag des tschechischen GiAnfang September. Das Werk ganten Antonín Dvořák. Es über die komplizierten tschebegann am 4. September in Böhchisch-deutschen Beziehungen misch Leipa und gibt an mehr lockte hunderte Besucher. als einem Dutzend weiteren Or„Die Spuren der hiesigen alten ten Konzerte. Zu den KonzertsäKultur sprechen deutlich die heu le sind in diesem Jahr zwei neue tigen Bewohner an. Erst wenn wir dazugekommen, die neu renodie gegenseitigen Traumata vervierte Kirche in Oberpolitz und stehen, können wir Freunde werdas Schloß in Lomnitz an der Popelka. Nach Deutschland kommt das Festival zweimal. Am 3. Oktober mit einem Orgelduett von Pavla Salvová und Jan Rotrekl in der evangelisch-lutherischen Kirche in Großschönau, die eine außergewöhnliche, neue Orgel mit 34 Registern hat. Im Zittauer Rathaussaal stellen sich die Klavier- und KlarinettenSpieler Ivo Kahánek und Irvin Venyš am 15. Oktober vor. Am 19. November endet das Festival im Kulturhaus in Böhmisch Leipa mit Josef Špaček an der Die Komponistin Ľubica Čekovská und der Historiker Tomáš Cidlina. Violine und Miroslav Sekera Bild: Martin Špelda am Klavier. Petra Laurin/nh
Anfang September begann in Böhmisch Leipa zum 20. Mal das Musikfestival Leipa Musica. Inspiriert war es nicht zuletzt von der kürzlichen Ausstellung „Kus Domova“ oder „Ein Stück Heimat“, die auf dem Marktplatz alte Fotographien der einst in Böhmisch Leipa lebenden Deutschen zeigte (Þ RZ 24, 26, SdZ 34+35).
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Tor zum Tiergarten heute.
Bild: Stanislav Beran
� Kreis Reichenberg
BdV sucht Zeitzeugen Der Bund der Vertriebenen (BdV) bat den Heimatkreis Reichenberg um Hilfe bei der Suche nach Zeitzeugen, die etwas über verschwundene Dörfer ihres Heimatkreises wissen.
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abei handelt es sich um das heutige Gebiet Geopark Ralsko – deutsch Geopark Rollberg – zwischen Reichenberg und Niemes. Dort fielen nach dem Zweiten Weltkrieg 20 Dörfer dem Truppenübungs-
Burgruine auf dem Rollberg/Ralsko.
platz Ralsko zum Opfer. Sie verschwanden von der Landkarte. Die Dörfer hießen Schiedel/ Židlov, Straßdorf/Strážov, Jesowai/Jezová, Neudorf/Vrchbělá, Prositschka/Prosička, Haidedörfl/Boreček, Plauschnitz/ Ploužnice, Hultschen/Holičky, Schwabitz/Svébořice, Gablonz/ Jabloneček, Gablonz/Jablonec, Obergruppai/Horní Krupá, Kridai/Křída, Wolschen/Olšina, Böhmisch Neuland/Česká Novina, Schwarzwald/Černá Novina, Woken/Okna, Heide/Dolní Okna, Heide/Postka, Kratzdorf/ Kracmanov, Proschwitz/Proseč, Kosteritz/Kostřice, Neumühl/ Nov Mln und Hühnerwasser/ Kuřívody. Wer etwa weiß, möge sich bei Heimatkreisbetreuerin Urd Rothe-Seeliger melden: Troppauer Straße 28, 84478 Waldkraiburg, Telefon (0 86 38) 6 53 14, Mobilfunk (01 71) 6 41 32 72, eMail urd_juergen.rothe@t-online.de
TERMINE n Donnerstag, 23. bis Sonntag, 26. Juni 2022, Kriesdorf: 65. Heimattreffen in Jonsdorf, Hotel Gondelfahrt, Großschönauer Straße 38. Zimmerreservierung: Telefon (03 58 44) 73 60, eMail info@hotel-gondelfahrt. de. Das eigentlich für dieses Wo-
chenende anberaumte Treffen wurde wegen Corona auf kommendes Jahr verschoben. Auskunft: Christian Schwarz, Dr.Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@clcs.at
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau
Der neue Teplitzer Verein setzt sich ein Am 30. August 2021 war die Sitzung des neuen Teplitzer Vereins, welcher sich für verschiedene Aktivitäten einsetzt.
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m 19. Februar 2021 gründeten 21 Leute einen neuen Teplitzer Verein. Der neue Verein orientiert sich an dem Konzept des Georgendorfer Vereins zur Belebung der Erzgebirgsregion. Beide Vereine knüpfen frei an die Tätigkeit des Verbandes der Bergvereine des Erz- und Mittelgebirges an, welcher 1882 in Karlsbad gegründet wurde. Seit 1885 hatte er seinen Sitz in Brüx und Oberleutensdorf und ab 1887 in Teplitz-Schönau. Diese Vereine, die in dem Verband tätig waren, vereinte das Interesse an der historischen Vergangenheit und an dem Kulturerbe der Region, an dem Naturreichtum, dem Fremdenverkehr und nicht zuletzt auch an einer Unterstützung des hiesigen Wirtschaftslebens. Die „Erzgebirgs-Zeitung“/ „Krušnohorské noviny“ ist eines der Produkte, welche die neuzeitlichen Vereine und den historischen Verband verbinden. Diese heimatkundliche Zeitschrift für das Erzgebirge und das Böhmische Mittelgebirge gab der nordböhmische Verband der Bergvereine in seiner Redaktion in Teplitz-Schönau bis 1943 heraus. Für die Erneuerung der Ausgabe dieses historischen Titels sorgt seit Mai 2015 der Georgendorfer Verein gemeinsam mit seinem sächsischen Partner, dem Heimatgeschichtsverein Rechenberg-Bienenmühle, und nun auch gemeinsam mit dem Teplitzer Verein. Eva Kardová aus Moldau ist die Vorsitzende des neu gegründeten Vereins. Sie engagiert sich seit langen Jahren für die Aktivitäten zur Erhaltung der Eisenbahnlinie Teplitzer Semmering und setzt sich für die erneute Anbindung von Moldau an die Bahnlinie auf deutscher Seite nach Freiberg ein.
Bei der Sitzung des Teplitzer Vereins am 30. August 2021: Dr. Jiří Wolf vom Museum der Stadt Dux, Dr. Miloš Vater, Naturwissenschaftler aus Teplitz-Schönau, Lucie Kittlová, Vorsitzende der Prüfungskommission des Teplitz-Schönauer Vereins, Dr. Ivan Beneš, Naturwissenschaftler aus Teplitz-Schönau, Dagmar Lechová aus der Gastwirtsfamilie Dykast, die seit 1890 Inhaber des berühmten Restaurants im Grenzbahnhof Moldau ist, Ehrenpräsident des Bergsteigerklubs TJ Lokomotive Teplitz-Schönau, Gerhard Tschunko, und Vlasta Mládková von der Komenský-Schule in Wien. Der Teplitzer Verein hat in seine Satzung ein Wappen aufgenommen, das frei aus dem historischen Wappen der Stadt Teplitz hervorgeht. Der Heraldiker Jan Tejkal ist der Urheber des Vereinswappens. Der Teplitzer Verein möchte bei seiner heimatkundlichen Tätigkeit an die Arbeit von Persönlichkeiten erinnern, die sich viele Jahre um die Wiederbelebung und Entwicklung dieser Region verdient machten. Das erste dieser Projekte ist dem Teplitzer Pfarrer Benno Beneš SDB gewidmet, der 1938 in Ossegg zur Welt kam und im Dezember 2020 starb. Er wirkte viele Jahre in Teplitz-Schönau und Umgebung und setzte sich intensiv für eine
Das Wappen des neuen Teplitzer Vereins.
Vertiefung der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen ein. Die Aufzeichnungen zu einem Dokumentarfilm über Pater Beneš begannen am 26. Juli im Erzbistum Prag und wurden am 15. August in Böhmisch Zinnwald fortgesetzt. Erster Befragter war der Prager emeritierte Bischof und Salesianer Karel Herbst SDB direkt im Prager erzbischöflichen Palast auf dem Hradschin. Weitere Aufnahmen wurden dann am 15. August mit Teplitzer Heimatfreunden aus Deutschland in der Mariä Himmelfahrtkirche in Böhmisch Zinnwald fortgesetzt. Hieronymus Fürst von Clary und Aldringen, der Zweite Vorsitzende des deutschen Teplitz-Schö-
Einige Mitglieder des deutschen Vereins Teplitz-Schönau Freundeskreis vor der Mariä Himmelfahrtkirche in Böhmisch Zinnwald: Vereinsmitglied Jan Kittl, Gräfin Maria von Clary und Aldringen, das Ehepaar Sigrid und Hermann Kautzner und Hieronymus Fürst von Clary und Aldringen. Bild: Petr Fišer
nauer Freundeskreises, Hermann Kautzner, der Komponist und Organist Walter Gleißner und der in Sächsisch Zinnwald geborene Wolfgang Mende erinnerten sich vor der Kamera an Pater Beneš. Der Film entsteht in Zusammenarbeit mit der Euroregion Elbe/Labe, Partner des Projekts ist das evangelische Pfarramt in Altenberg. Das bisher jüngste Projekt des Teplitzer Vereins ist die Wiederbenennung der sogenannten Humboldt-Anlagen. Vor 1945 trug eine Parkanlage zwischen Steinbad und dem ehemaligen Hotel Neptun in Teplitz-Schönau den Namen des berühmten deutschen Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldt (1769–1859). Im Jahr 1994 hatte sich die Stadtversammlung von Teplitz-Schönau in einem Beschluß verpflichtet, diesem Park den Namen „Humboldtanlage“ zurückzugeben. Leider ist es nie dazu gekommen, und der Beschluß geriet in Vergessenheit. Der Teplitzer Verein erinnerte nun die Stadtleitung mit ihrem stellvertretenden Oberbürgermeister Jiří Štábl an ihr Versprechen. Als erste Maßnahme erscheint mit sofortiger Wirkung auf dem Internetserver Mapy. cz ein erneuter Hinweis auf die Humboldt-Anlagen in TeplitzSchönau. Das Anbringen einer Gedenktafel mit dem entsprechenden Hinweis wird nun in der Stadtversammlung besprochen und sicher bald realisiert. Die Enthüllung dieser Gedenktafel wäre ein willkommener Anlaß, damit sich beide Teplitzer Vereine, der deutsche und der tschechische, zu einem Gedankenaustausch treffen könnten. Der Vorsitzende des deutschen Teplitz-Schönauer Freundeskreises, Erhard Spacek, nahm bereits erste Kontakte auf. Jutta Benešová
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Handbuch über die Geschichte der Region Weißensulz
Das zarte Herz des Böhmischen Waldes Anläßlich des 900jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Weißensulz, tschechisch Bělá nad Radbuzou, findet heute Abend in den frisch renovierten Räumen der Scheune des Ortes die Taufe des Handbuchs der Geschichte der Region Weißensulz statt.
F
ür das Handbuch zeichnet die Historikerin des Chodenmuseums in Taus, Kristýna Pinkrová, verantwortlich. Sie machte sich schon mit dem Buch „Achtung Grenze – Pozor Hranice“ einen Namen. An der Erstellung des Werkes waren auch Ladislav Ptáček, Radka Kinkorová und Karl Reitmeier beteiligt. Im Rahmen der Buchtaufe wird auch eine Ausstellung mit vielen alten Fotos eröffnet, zu der Nachkommen von ehemaligen Bewohnern von Weißensulz, aber auch Besucher aus dem bayerischen Grenzraum herzlich eingeladen sind. Herausgeber des Buches, das unter anderem auch vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert wird, ist der Verein für Kultur und Entwicklung Chodsko Žije!, deutsch Das Chodenland lebt! So sieht die Kirche Zur Schmerzhaften Muttergottes im Zentrum der Stadt Weißensulz heute aus.
So wie sich unser Leben in Phasen und Etappen entfaltet, verändert sich auch die Land-
Buch hat nicht den Anspruch, dem Leser ein eindeutiges und zusammenhängendes Bild von
chen. Es erinnert an das Schicksal von Menschen, die nicht mehr leben, und an die Form einer Landschaft, die es nicht mehr gibt, die aber bei genauer Betrachtung mit einem Rucksack auf dem Rücken entdeckt werden kann. Gleichzeitig wagt sich das Buch aber auch über den Horizont des alten – deutschen – Weißensulz‘ und seiner Umgebung hinaus. Es versucht nämlich auch, die Konturen des Aufbaus des neuen – tschechischen – Weißensulz‘ sowohl in der Nachkriegszeit des Sozialismus als auch in den Zeiten des Kapitalismus und der Demokratie der letzten 30 Jahre zu dokumentieren. Die Autoren erforschten die historischen schriftlichen Quellen und die Erinnerungen von Zeitzeugen sehr gründlich. WieDas Handbuch enthält auch viele historische Fotos von Weißensulz und sei- derholt erwanderten sie sich die ner Umgebung. Landschaft der verschwundenen Dörfer, der ehemaligen Glasschaft. Sie reagiert auf Verände- Weißensulz zu vermitteln. Viel- hütten, der verlassenen Grenzrungen in der Natur und in der mehr will es einen Raum für den schutzkompanien sowie der remenschlichen Gesellschaft. Sie Dialog, den Austausch von Er- parierten oder neu gebauten verändert sich und trägt gleich- fahrungen, das Teilen von Ge- Häuser und nahmen sie in sich zeitig die Spuren dieser Verän- fühlen und die Entwicklung von auf. Mit dem Buch wollen sie derungen. Sie ist eine lebendi- Meinungen schaffen. nun, anderen in Wort und Bild ge Aufzeichnung Das Buch soll in erster Linie eine Botschaft über die Vergander Reise, die ei- Menschen ansprechen, die ihre genheit, die Gegenwart und vielne Gemeinschaft Lebensgeschichte mit Weißen- leicht sogar die Zukunft einer von Menschen in sulz verbunden haben, die in der Region vermitteln, die es wert einem bestimm- hiesigen Landschaft verankert ist, besser kennengelernt zu ten Gebiet unter- sind und eine emotionale Ver- werden. nommen hat. bindung zu ihr herstellen könDie Leser sollten aber gewarnt Das neue nen. Sie spüren ihre pure Einzig- sein. Diese Region entspricht Buch „Unter- artigkeit, die sich nicht der vorgewegs durch die zwar über die gänfertigten VorstelRegion Weißen- gigen Schönheitslung von „universulz. Po pěšinách standards hinwegseller Schönheit“, Bělskem“ ver- setzt, aber durch die man aus tourisucht den nie ihre authentische stischen Publikaendenden Atmosphäre eintionen kennt. Sie Kampf zwischen zigartig und origiist schon schön, Mensch und Na- nell ist. aber auch brutal tur, Mensch In der strenvon der Geschichund Geschichte, gen Sprache der te gezeichnet. Sie Landschaft und Fakten spannt das ist ein Ort, an dem Zeit zu erfassen. Buch den historiman den ganzen Im Titel des Bu- schen Bogen von Tag spazieren geches haben die der mittelalterlihen kann, ohne Autoren das Mo- chen Besiedlung Kristýna Pinkrová,, Ladis- jemandem zu betiv eines Fußwe- des Böhmerwal- lav Ptáček, Radka Kinko- gegnen, ein Ort, ges eingeprägt, des und der Regi- rová, Karl Reitmeier: „Un- an dem man geauf dem die Men- on Weißensulz bis terwegs durch die Region zwungen ist, eischen wandern ins äußerste zwan- Weißensulz. Po pěšinách nen Dialog mit und auf dem sie zigste Jahrhundert Bělskem“. Verlag Chodsko der umgebenden offen ihre Er- mit all seinen hi- Žije!, Taus 2021; 304 Seiten, Landschaft und fahrungen tei- storischen und so- 250 Kronen. (ISBN 978-80- sich selbst zu fühlen können. Das zialen Widersprü- 11-00101-8) ren. lr
WIR BETRAUERN Sadl. Am 21. Mai schlief Karl Gagalick nach langer, mit viel Geduld ertragener Krankheit im Alter von 81 Jahren in Reicholzheim im Main-Tauber-Kreis in seinem Zuhause friedlich ein. Josef Helget, der langjährige, 1929 geborene Sadler Ortsbetreuer, hatte noch alle Sadler persönlich gekannt und unzählige Kontakte gepflegt. Nach seinem Tod im Jahr 2002 übernahmen seine beiden Neffen Karl und Herbert Gagalick – auf seinen Wunsch – gemeinsam diese Aufgabe. Dieser versuchten sie mit all ihren Möglichkeiten gerecht zu werden. Beide sind in Sadl geboren, Herbert 1938 und Karl 1940. Sie verbrachten ihre ersten unbeschwerten Kinderjahre mit den Eltern und Verwandten in ihrem böhmischen Heimatort – bis zur Vertreibung im Juli 1946. Nach
der Vertreibung kam Karl Gagalick, mit seiner Mutter und seinem Bruder, nach Dörlesberg im badischen Main-Tauber-Kreis. Aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, kam 1949 auch der Vater zur Familie. 1950 zog die Familie nach Reicholzheim, wo der Vater Arbeit gefunden hatte. Diese Gemeinde im „lieblichen Taubertal“ war für Karl seither seine neue Heimat geworden. Hier ging er zur Schule und in die Lehre. Hier baute er mit seinen Eltern ein Haus. Und hier schloß er 1968 mit der Reicholzheimerin Roswitha Birkenfeld den Bund fürs Leben. Das Ehepaar konnte sich über drei Kinder und später auch über deren Familien, aus denen sechs
Enkelkinder hervorgingen, freuen. Nach vierjähriger Beschäftigung bei der Firma Bauknecht in Schorndorf im Rems-Murr-Kreis arbeitete Karl Gagalick bis zum Ruhestand 2001 bei der Firma Schuller in Wertheim im MainTauber-Kreis. Sein Lebensmittelpunkt war die Familie: Gemeinsam arbeiten, gemeinsam feiern, gemeinsam beten, gemeinsam die Freizeit gestalten. Karl war ein zutiefst gläubiger und zufriedener Mensch. Wenig für sich selbst fordern, stets bereit, anderen zu helfen; niemanden drängen, dies oder jenes zu tun, sondern Zeit geben. Auch sein farbenfroh blühender Garten, den er mit Freude und Können pflegte, profitier-
te von dieser besonnenen Haltung. Er gab jeder Pflanze eine Chance, schön zu werden. In seiner tauberfränkischen Heimatgemeinde Reicholzheim war er ein angesehener und beliebter Mitbürger. Zwei Amtszeiten lang übernahm er Verantwortung als Pfarrgemeinderat. Seine Bereitschaft zu helfen wurde in der Dorfgemeinschaft hoch geschätzt, so beispielsweise beim örtlichen Heimatverein, den er tatkräftig unterstützte. Als aktives Mitglied der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) setzte er sich für die Ziele des Verbands, vor allem für soziale Gerechtigkeit, ein. Zur Beisetzung hatte sich eine ansehnliche Trauergemeinde im Reicholzheimer Friedhof versammelt, um Abschied von Karl Gagalick zu nehmen. tk
Herbstzeitlose unter einem abgeernteten Apfelbaum.
September-Reminiszenzen
Wenn die Herbstzeitlosen blühen Tag schönes Wetter, bleibt es noch vier Wochen lang.“ Am 23. September beginnt der Herbst mit der Tag- und Nachtgleiche. Von nun an werden die Tage kürzer und die Nächte länger. enn der 1. Am WenSeptemzelslei erber nicht auf scheint am einen Sonntag 28. September fiel, begann im „Festkalenbis vor dem der“ der heiliAnschluß ans ge Wenzel als Reich an dieLandespatron sem Tag das von Böhmen. neue SchulSein Fest ist jahr. In den Hauptfest und Kriegsjahren wird in ganz 1939 bis 1945 Österreich mit erfolgte wegen Václav Ignác Leopold Markovský doppeltem Ri(1789–1846): „Borschiwojs Taufe“. Erntehelfens tus begandie Verlegung gen. Als Envon Mitte Juli bis Mitte Septem- kel des ersten christlichen Herber. Trotzdem wurden auch da- zogs Borschiwoj wurde er von nach noch Schüler und Schüle- seiner Großmutter Ludmila errinnen zum Kartoffelernten auf zogen. Seine Mutter Drahomiden Äckern eingesetzt. ra und sein Bruder Boleslaw hatAm 8. September bekunde- ten aber mit dem Christentum te unser Volksmund: „Maria nichts im Sinn. Boleslaw brachGeburt flöign d‘ Schwålm wie- te Wenzel am 28. September 939 da furt!“ Laut „Festkalender aus mit seinen Hofleuten in AltbunzBöhmen“ (Prag 1862) reicht das lau um. Wenzels Grab befindet Fest – wenn es nicht schon frü- sich in der Sankt-Wenzels-Kaher gefeiert wurde – zurück ins pelle im Veitsdom zu Prag. 1373 siebte Jahrhundert, wo es bereits schuf ihm Peter Parler ein würdiin Kalendern vorkommt. ges Denkmal. Und der 12. September ist der Festtag Maria Namen. An diesem Tag wurde allen Marias mit Glückwunschkarten zum Namenstag gratuliert. Denn landläufig gab es bei uns bis zum Anschluß nur Glückwünsche zu den Namenstagen und nicht zu Geburtstagen. Das glaubte mein Luftwaffenhelferkamerad Günther Kramer aus dem sachsen-anhaltinischen Merseburg nicht. Doch in einer Kantine in Stolpmünde in Pommern – ich war selbst erstaunt – konnte ich ihm eine Namenstagskarte zeigen. Am 21. September Das von Peter Parler im 14. Jahrhundert gefeierten wir Matthä- schaffene Standbild Wenzels im Prager Veitsus. Der Volksmund: dom. Der Kopf der Statue stimmt mit den tat„Gibt es an diesem sächlichen Maßen von Wenzels Schädel überein. Josef Bernklau erinnert an den heimatlichen September und seine Bräuche, an den Monat, der den Sommer zum Herbst wandelt und in dem die Herbstzeitlosen blühen.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 37 | 17. 9. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
wort auftauchte, weckte es an verschiedenen Stellen allerhand Reaktionen. Bei mir natürlich Freude, bei einigen Menschen Neid – und die Hoffnung, daß der Kreisnationalausschuß das er Verkehr – oder besser geFahrzeug ihnen zuteile. Und die sagt das Verkehrsmittel – Staatssicherheit war offenbar völwurde für mich zu einem erstranlig überrascht. Und schöpfte Vergigen Problem in dem Moment, dacht. Bewegte Gemüter motials ich Verwalter von Pfraumvierten wohl das nachfolgende berg und Umgebung wurde. An Geschehen. ein neues Motorrad war nicht Ich ermittelte die Vorschrifzu denken. Aus der Zwickmühten bezüglich einer Schenkung le half mir Jaroslav Roboch, davon Fahrzeugen aus dem Ausmals Verwalter der Autowerkland und meldete mich zu einem statt. Er überließ mir eine 98er Autofahrkurs in Haid an. Die anNSU, eine sogenannte Quick. deren hatten mich mit ihren BeDas war ein kleines NSU-Momerkungen und Hoffnungen datorrad mit 98 Kubikzentimetern zu gebracht, daß ich mich direkt Hubraum. Dafür zahlte ich Roan das Innenministerium in Prag boch 5000 Kronen. wandte. Das sollte Klarheit schafDas Motorrad hatte keinen fen und vermeiden, daß Fliegen Fahrzeugschein, es war nicht einnicht dort gesucht werden, wo mal im Register des Verkehrsinfrische Luft weht. spektorats aufgeführt. Dies zeigt Daß die Staatssicherheit den deutlich, welche chaotischen ZuFall aufmerksam beobachtestände damals im Grenzgebiet te, war spätestens dann sonnenherrschten. Ich ahnte nicht, daß klar, als Professor Eigermann die es eigentlich ein Schwarzhandel Nachricht schickte, daß er nach des Nationalfonds war. Damals Marienbad fahre und um ein Trefwar Roboch beim Kreisnationalfen mit mir im Hotel Continenausschuß noch ein einflußreicher tal bitte. Termin war der 28. AuMann und hatte um sich viele gegust 1957, ein Sonntag. Den nauso einflußreiche Kumpane. ganzen Tag über wurde ich von Ein Wort reichte, und mir wurzwei Staatssicherheits-Fahrzeude in Tachau ohne Zögern nicht gen aus Pilsen beobachtet, und nur der Fahrzeugschein ausgedas bereits in der Früh in Haid stellt, sondern auch ein Führerund vormittags in Neustadtl. Am schein, ohne daß ich irgendeine Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XII Nachmittag folgte die ÜberwaPrüfung machen mußte. Nebenchung auf der Strecke von Neubei bemerkt: Dieser Führerschein stadtl nach Marienbad. Auf dem berechtigte mich auch zum FahWeg erwischte uns ein heftiger ren eines Traktors, hinter dessen Sturm mit starkem Regen. UnSteuerrad ich nie in meinem Leser Taxi hielt unter einem großen ben saß. Baum in der Allee. Unmittelbar Die Quick war das erste Mo- Anton Stehlík abgewiesen, daß de später wieder nach Neustadtl erdigung nach Pfraumberg. Man keit. darauf überholten uns zwei Fahrtorrad in meinem Leben. Es soll- das Kirchenamt nicht über Mittel zurückzukehren und am Nach- kann nur schwer glauben, daß 1956 kam ich in Briefkontakt zeuge. Gleich danach kamen sie te mir viele Sorgen bereiten. Der für solche Zwecke verfüge. War mittag wieder über Pfraumberg ich zwölf Eigentümer von Fahr- mit dem gebürtigen Pfraum- wieder zurück. Die StaatssicherMotor war sehr gebraucht und es Härte? Interessenlosigkeit? in eine andere Pfarrgemeinheit hatte nicht vor, uns aus alt. Die täglichen Fahrten bei je- Auf jeden Fall eine bejammerns- de zu fahren. Es gab Tage, an den Augen zu lassen. dem Wetter im Sommer wie im werte Realität. denen ich umkehren mußte, An diesem Tag habe ich Winter über schlechte Straßen Die Erinnerungen an die weil die Straße verweht und mich mit Professor Eigermit großen Steigungen – das al- Fahrten bei jedem Wetter, über absolut nicht befahrbar war. mann nicht getroffen. Er traf les beanspruchte den alten und Schneeverwehungen, Glatteis, So zum Beispiel am 10. Februerst spät in der Nacht ein. kurzatmigen Motor auf das Äu- Matsch, bei Wirbelsturm oder ar 1953. Das Benehmen von Am 1. September besuchte er ßerste. Am schwierigsten war der Gewitter werden aus meinem Pater František Ličík und seiPfraumberg. Nach meinen ErWeg nach Pfraumberg – und Gedächtnis nie verschwinden. nem Schwiegervater Dvořák fahrungen mit der Staatssiweil alle meine Pfarreien hinter Das war das Martyrium der Seel- läßt sich nur schwer begreifen. cherheit wollte ich mich nicht Pfraumberg lagen, mußte ich oft sorge im Grenzland. Als lästerli- Sie fuhren vormittags mit dem mit ihm in Pfraumberg trefdas ermüdete Motorrad den Berg che Ironie erschien mir Stehlíks Zug nach Neustadtl und fragfen. Die Richtigkeit dieser Enthinaufschieben. Heute ist das Aussage bei einer Konferenz in ten verärgert nach, warum in scheidung wurde mir später nur noch eine Erinnerung. Pilsen zur selben Zeit, daß es ihn der Früh keine Messe in Haid beim Kreisnationalausschuß Oft erschwerte Nebel die erfrische, wenn er mit dem Auto gewesen sei. Wie oft habe ich in Tachau bestätigt, wo mir der Fahrt nach Pfraumberg. Im Win- durch Prag fahre und Geschäf- das kaputte Motorrad kilomenaive Vorsitzende ein Prototer mußten Schnee und Verwe- te besuche. Was kümmerte ihn, terweit geschoben, manchmal koll über den Besuch von Prohungen überwunden werden. Oft daß zu dieser Zeit viele Priester sogar die mehr als zwölf Kilofessor Eigermann in Pfraummußte ich das Motorad über die- im Grenzgebiet bei Gewitter ih- meter von Sankt Katharina bis berg zu lesen gab. Die Notiz sen Schnee und die Verwehun- re Gesundheit aufs Spiel setzten nach Mutzken. hatte sehr ausführlich und miDas Quick genannte Leichtkraft- oder Motorgen tragen. Schmerzhaft waren und damit kämpften, um überDas Motorrad hatte ausgenutengenau jede Bewegung fahrrad baute NSU von 1936 bis 1953. Es war Fälle, bei denen ich nach einer haupt in Kirche oder Schule zu dient. Auch repariert werden des Professors aufgezeichein Kraftrad mit Tretkurbeln. Heute fahren wir erschöpfenden Fahrt feststellen kommen? konnte es nicht mehr. Es war net und alle Personen aufPedelecs oder eBikes. mußte, daß ich umsonst gekomEs gab Tage, an denen ich mit gerade um die Weihnachtsgeführt, mit denen der Promen war. Die Menschen waren größter Anstrengung und aller- zeit. Sehr oft half mir der Kranfessor gesprochen hatte. Am bei anderen Feiern und Veran- letzten Kräften das Motorrad kenwagen, ein andermal das Au- zeugen gebeten habe – gegen berger Josef Eigermann, einem Ende des Protokolls stand der staltungen, und für die Kirche über Schneeverwehungen schob, to von Benda aus Neustadtl oder Entgelt natürlich. Überall hörte ehemaligen Religionsprofessor Vermerk: „Der örtliche Adminiblieb ihnen keine Zeit. Das waren mich – nur mit einer Souta- von Pater Kára aus Haid. In die- ich nur Ausreden, und schließ- in Brüx. Dieser war nach dem strator des Pfarramtes war nicht keine Einzelfälle. Schwierigkei- ne bekleidet – erschöpft in den ser Zeit gab es in Neustadtl ei- lich fuhr schließlich keiner. Zum Krieg nach Deutschland vertrie- anwesend.“ ten bereiteten auch Eheschlie- Beichtstuhl der eiskalten Kirche ne Reihe an privaten Fahrzeu- wiederholten Mal half Karel Kára ben worden. Nun wandte er sich Nach dem Besuch in Pfraumßungen und Begräbnisse. Trau- setzte, zum Altar ging und auf gen. Die Menschen aber waren aus Haid. an mich als den Pfarradministra- berg verstummte Eigermann für ungen gab es vorwiegend im die Kanzlei, nur um eine Stun- hart. Ich mußte mal zu einer BeIm März 1954 kaufte ich in Ra- tor von Pfraumberg – zumindest lange Zeit. Erst später erhielt Winter und an Fasching. Überdotin ein gebrauchtes, aber hatte er sein Schreiben an mich ich die Nachricht, daß er schwer all Nebel und Schnee. Auf gut erhaltenes Motorrad der adressiert. krank in einem Krankenhaus lieTrauungen mußte man regelbritischen Marke BSA mit 350 In diesem Schreiben bat er um ge. In der Zwischenzeit, als ich mäßig lange warten. Das waKubikzentimetern Hubraum. die Erlaubnis des Kirchenamtes, keine Nachrichten über den Proren bittere Zeiten in der eisiEs hatte einen starken Mo- eine Messe in Pfraumberg zele- fessor hatte, überraschten mich gen Kirche – und die Pfraumtor, der das Tachauer hügelige brieren zu dürfen, falls er ein Vi- zwei Beamte der Staatssicherberger waren oft rücksichtslos. Land locker bezwang. Aber bei sum für die ČSSR erhalte. Nach heit – einer aus Prag, der andeDie NSU gab langsam ihren Fahrten auf Glatteis oder in ho- dieser Gefälligkeit schrieben wir re aus Tachau – und informierGeist auf. Und für ein neues hem Schnee war große Acht- uns ab und zu Briefe. Nach einer ten sich detailliert über alle UmMotorrad hatte ich kein Geld. samkeit gefragt. Diese Fahr- Weile bemerkte er überrascht, stände und vor allem über das Ohne Verkehrsmittel war die ten waren anstrengend. Auch daß ich sieben Pfarreien verwalte Motiv der Schenkung. Sie glaubSeelsorge undenkbar. Ich wenn das Motorrad verläßlich und dafür nur über ein altes Mo- ten mir – oder auch nicht – wer stellte deshalb einen Kreditwar, so schützte es nicht vor torrad verfüge. Um mir die Seel- weiß. Sie fuhren weg und versiantrag an das Kirchenamt, den Unwetter. An ein Auto konnte sorge in seiner Heimat, die er cherten mir, daß sie wiederkomich während einiger Monate ich allerdings nicht einmal im sehr liebte, zu erleichtern, wollte men würden, um sich das Fahrabbezahlen wollte. Der Antrag Traum denken. Und doch ver- er mir ein Auto besorgen. zeug anzusehen. Sie tauchten wurde mit den kargen Worten wandelte sich diese MöglichSobald in der kontrollierten aber nie wieder auf. des damaligen Kapitularvikars Die BSA ist Jaroslav Baštárs zweites Motorrad. keit eines Tages in Wirklich- Korrespondenz dieses ZauberFortsetzung folgt In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář die immer beschwerlicher werdenden Besuche in den Pfarreien seines Seelsorgegebietes.
Die Pfraumberger Pfarrkirche Sankt Georg mit der Sankt-Johannes-von-Nepomuk-Statue davor. Links die Statue im Detail.
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Motorrad zum Fahren tragen