75 Jahre Ackermann-Gemeinde: Happening für Europa auf der Moldau (S. 4)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
VOLKSBOTE
Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Jahrgang 73 | Folge 34 + 35 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 3. September 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de
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� Staatsbesuch des Bundespräsidenten in der Tschechischen Republik:
Falls Energiewende mißlingt: Zeman bietet Steinmeier Atomstrom an
� Mit 64 verstorben
Trauer um Franz Pany
Der ehemalige Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist am 27. August, drei Wochen nach seinem 64. Geburtstag, verstorben. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft gestaltet am Donnerstag, 16. September, ein Requiem (Ort und Zeit standen bei Redaktionsschluß noch nicht fest) für den Verstorbenen. Einen Nachruf lesen Sie auf Seite 6..
Diesen Seitenhieb konnte sich der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman beim Besuch seines deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier nicht verkneifen: Während der Bundespräsident nach dem Treffen die deutsch-tschechischen Beziehungen lobte, nutzte Zeman die anschließende Pressekonferenz, um seine kritische Haltung zur deutschen Energiewende kundzutun.
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ie Beziehungen könnten kaum besser sein, hatte Steinmeier nach seinem Gespräch mit Zeman erklärt und geschwärmt: „Das ist ein Schatz, den wir pflegen müssen, gerade auch für die künftigen Generationen.“ Eine Einschätzung, die Zeman grundsätzlich teilte. „Unsere Beziehungen waren noch nie so gut wie in der Gegenwart“,
Präsident Miloš Zeman und Ivana Zemanová begrüßen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender vor der Prager Burg.
so das tschechische Staatsoberhaupt, das sich besonders für die deutsche Hilfe während der Corona-Pandemie bedankte. Dennoch gäbe es Themen, wo man sich nicht einig sei, stellte Zeman fest. Als der tschechische Präsident dann als ein Beispiel die Energiewende nannte, machte allein schon seine Körpersprache deutlich, was er von dem deutschen Doppelausstieg aus Kohle und Atomkraft hält: Absolut gar nichts. Man werde
von Prag aus beobachten, welche Folgen das Auslaufen von Atomenergie und Kohleverstromung in Deutschland verursache, sagte Zeman und machte dann Steinmeier ein für deutsche Kernkraftgegner unmoralisches Angebot „Wenn es zu einem Mangel an Elektrizität kommt, wird Tschechien als bedeutender Exporteur sehr gerne bereit sein, Strom in die Bundesrepublik zu liefern – zu einem vernünftigen Preis.“ Zumindest finanziell könn-
� UdV und BdV
Tschechische Repbulik über 37 Prozent ihres Stroms aus Atomkraftwerken. Neben Frankreich, das über 70 Prozent des Stroms aus Kernenergie gewinnt, sind vor allem die mitteleuropäischen Staaten Slowakei (53,1 Prozent), Ungarn (48), Bulgarien (40,8) und Slowenien (37,8) auf die Atomenergie angewiesen. Frankreich, Polen, Ungarn, Rumänien, Tschechien, die Slowakei und Slowenien haben deshalb im Frühjahr eine gemeinsame Initiative gestartet, um eine EU-Förderung der Atomkraft durchzusetzen. Atomstrom leiste einen „unabdingbaren“ Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel, heißt es in einem Schreiben der Siebener-Gruppe an die Europäische Kommission. Die Unterzeichnerstaaten fordern darin „faire Bedingungen für die Kernenergie in der EU“. TF
� Großes Lob für Kranzniederlegung:
Landsleute in wichtigen Positionen
„Eine starke Geste der Freundschaft“
Beim Bund der Vertriebenen und bei der Union der Vertriebenen und Aussiedler in der CSU wurden Sudetendeutsche in Führungspositionen gewählt.
Als erstes deutsches Staatsoberhaupt hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Prag einen Kranz für die Widerstandskämpfer der Operation Anthropoid niedergelegt.
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uf der Landesversammlung der Union der Vertriebenen und Aussiedler der CSU (UdV) ist Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und SL-BunBernd Posselt desvorsitzender, mit 97,5 Prozent der Stimmen als UdVVorsitzender bestätigt worden. (Bericht Seite 2). Auch beim Bund der Vertriebenen übernehmen weiterhin namhafte Sudetendeutsche Verantwortung (Bericht Seite 5). So wurde Stephan Mayer (CSU, MdB), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, am Freitag in Berlin zum Vizepräsidenten Stephan Mayer gewählt. Außerdem gehören mit Steffen Hörtler, stellvertretender SLBundesvorsitzender, Rita Hagl-Kehl Steffen Hörtler (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, sowie Siegbert Ortmann weitere Sudetendeutsche dem BdV-Präsidium an.
te die Rechnung aufgehen. Derzeit zahlen private Haushalte in der Tschechischen Republik 17,48 Cent pro Kilowattstunde. In Deutschland müssen die Bürger dagegen mit 30,88 Cent fast das Doppelte hinlegen. Deutschland ist damit Spitzenreiter in der EU. Allein in den vergangenen zehn Jahren sind hierzulande die Stromkosten um 27 Prozent gestiegen. Während Deutschland dennoch bis Ende nächsten Jahres die letzten Kernkraftwerke abschalten will, plant die Tschechische Republik, das Atomkraftwerk Dukovany um einen weiteren Reaktorblock zu erweitern. Ähnliche Pläne hatte es in der Vergangenheit auch schon für den Standort Temelin gegeben. Hier wurde der Ausbau 2013 aus Kostengründen endgültig auf Eis gelegt. Derzeit produziert die
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ach dem erfolgreichen Anschlag am 27. Mai 1942 auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich hatten sich die sieben Widerstandskämpfer in der Kyrill-und-Method-Kirche versteckt, bevor sie verraten und von den Nazis entdeckt wurden. Die Kranzniederlegung wurde in Prag mit großer Sympathie wahrgenommen. So lobte Staats-
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verneigt sich vor den tschechoslowakischen Widerstandskämpfern.
präsident Miloš Zeman seinen deutschen Amtskollegen mit den Worten: „Ein wahrhaft historischer Moment! Danke, lieber Freund, für diese wunderbare Geste!“ Und Premierminister Andrej Babiš erklärte, er schätze es sehr, daß das deutsche Staatsoberhaupt sich vor den tschechoslowakischen Fallschirmjägern verbeugt habe: „Das ist eine starke Geste der Freunschaft.“ An der selben Stelle hatten bereits 2010 der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, und der bayerische Unterrichts- und Kultusminister Ludwig Spaenle Kränze niedergelegt.
Premierminister Andrej Babiš begrüßt den Bundespräsidenten in Prag.
� Zwischenstopp auf der Rückreise in Aussig an der Elbe
Bundespräsident besucht „Unsere Deutschen“ Auf seiner Bahnfahrt von Prag zurück nach Berlin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch in Aussig Station gemacht, um die noch nicht eröffnete Ausstellung „Unsere Deutschen“ zu besichtigen.
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egleitet wurde Steinmeier bei seinem Rundgang vom tschechischen Außenminister Jakub
Direktor Petr Koura führt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender durch die Ausstellung. Links: Außenminister Jakub Kulhánek.
Kulhánek, dem tschechischen Botschafter in Berlin, Tomáš Kafka, und dem deutschen Botschafter in Prag, Andreas Künne. In der Ausstellung, die im Herbst offiziell eröffnet werden soll, wird auch die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs thematisiert. „Ich bin überzeugt, daß das
Präsidentenehepaar länger in unserer Ausstellung geblieben wäre, wenn es nicht ein anderes Programm gehabt hätte“, sagte Petr Koura, Direktor des Collegium Bohemicum. Zeit, einen Kranz am nahegelegenen Mahnmal für die deutschen Opfer des Aussig-Massakers niederzulegen, fand Steinmeier dagegen nicht.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 34 + 35 | 3. 9. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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as gemütliche, aber auch sehr fruchtbare Treffen des Leiters der Prager Sudetendeutschen Botschaft des guten Willens, Peter Barton, mit dem Visitator der Sudetendeutschen, Monsignore Dieter Olbrich, im August in einem Münchner Lokal hat Peter Bartons Urlaub auf eine sehr angenehme Weise beendet. Barton stellte dabei Olbrich
PRAGER SPITZEN
seine weiteren Pläne zur Verständigung zwischen den früheren und jetzigen Bewohnern der sudetendeutschen Gebiete in der Tschechischen Republik vor und fand dafür bei seinem Gesprächspartner volle Unterstützung. Die beiden Landsleute vereinbarten für die nahe Zukunft ein weiteres Treffen, diesmal vielleicht in Prag, der Hauptstadt Böhmens.
Papst schickt Kardinal Schönborn
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Arbeitsgemeinschaft der CSU wählt mit einem Jahr Pandemie-Verspätung den neuen Vorstand
Union der Vertriebenen bestätigt Bernd Posselt als Vorsitzenden Pandemiebedingt mit einem Jahr Verzögerung hat die Union der Vertriebenen und Aussiedler der CSU (UdV) am Samstag, 21. August, in Ingolstadt ihre Landesversammlung mit der Neuwahl des Landesvorstands abgehalten.
Im Lockdown mehr Geld für Alkohol
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eben fast vollzählig anwesenden Delegierten waren die Bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml, der Generalkonsul Kroatiens, Vladimir Duvnjak, sowie der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedler und Nationale Minderheiten, Prof. Dr. Bernd Fabritius, zu Gast und nahmen am Internationalen Forum „Bayerns Rolle in Mitteleuropa – Volksgruppen als Brücke“ teil. Der Landtagsabgeordnete und Ingolstädter CSU-Kreisvorsitzende Alfred Grob hielt ein Grußwort. Unter den weiteren Gästen der Veranstaltung befand sich zudem die designierte Bot- Landesversammlung der Union der Vertriebenen und Aussiedler der CSU (von links): Landtagsabgeordneter Alschafterin Rumäniens in Berlin, fred Grob, Melanie Huml, Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Bernd Posselt, alter S.E. Adriana Stanescu. und neuer Vorsitzender der UdV, sowie die Landtagsabgeordneten Josef Zellmeier und Prof. Dr. Gerhard Waschler. UdV-Vorsitzender Bernd Posselt blickte in seinem Bericht auf ander hervor und lobte den hoch Ausland. Ein besonderer Punkt, Verband für weitere zwei Jahre. die Entwicklungen der vergan- engagierten politischen Einsatz dem man Augenmerk schen- Zu seinen Stellvertretern wurden genen drei Jahre zurück. Dabei der UdV als Fürsprecher der Ver- ken wolle, war der Einbezug von die ehemalige Landtagsabgeordlag ihm besonders die europapo- triebenen, Aussiedler und Spät- Deutschen aus Rußland. Ebenso nete Christa Matschl, der Bunlitische Perspektive auf die Be- aussiedler. Die Ministerin schloß wolle man sich mit dem Themen- desbeauftragte Prof. Dr. Bernd lange von Heimatvertriebenen, mit der Überzeugung: „Bay- komplex Volksgruppen, Minder- Fabritius, der Parlamentarische Aussiedlern und Spätaussiedlern ern als Mittler zwischen Ost und heiten und Kommunalpolitik be- Staatssekretär Stephan Mayer, am Herzen. Bernd Posselt hielt West und die Heimatvertriebe- fassen. Rechtsanwalt Stefan Heinl sofest: „Die UdV ist das europapo- nen und Aussiedler als BrückenDie anschließende Neuwahl wie die ehemalige Landesschriftlitische Kompetenzzentrum der bauer sind wichtige Mitstreiter des Landesvorstands wurde vom führerin Margaretha Michel geCSU.“ für ein geeintes Europa.“ oberbayerischen CSU-Bezirks- wählt. Staatsministerin Huml unterDas Internationale Forum, un- geschäftsführer Thomas LemIm UdV-Vorstand sind zudem strich in ihrem Vortrag die be- ter Leitung von Bernd Posselt, ke geleitet. Bernd Posselt wur- unter anderem die Landtagsdeutende Rolle der Vertriebenen diskutierte die gegenwärtige La- de von den Delegierten mit 97,5 abgeordneten Staatssekretär a. als europäische Brückenbauer. ge und die Bedeutung der Volks- Prozent der Stimmen in seinem D. Josef Zellmeier und Prof. Dr. Sie hob diese besondere Pionier- gruppen in Deutschland sowie Amt als Landesvorsitzender der Gerhard Waschler als Beisitzer arbeit für ein friedliches Mitein- der deutschen Minderheiten im UdV klar bestätigt und führt den vertreten. Anzeige Die Sudetendeutschen
HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.
Eine Jury wird dann aus den Bildern die jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.
Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land schaften, historische Gebäude und grenz überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls EMailAdresse.
Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs optionen des Betriebssystems oder EMailProgramms abschalten!) per EMail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USBStick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.
apst Franziskus hat den Wiener Kardinal Christoph Schönborn zu seinem Sondergesandten für die Feiern zum 1100. Jahrestag des Martyriums der heiligen Ludmilla in Böhmen ernannt. Wie der Vatikan mitteilte, ist die Gedenkfeier an die erste böhmische Heilige für 18. September in Tetin bei Prag geplant. Der Wiener Erzbischof, Träger des Europäischen KarlsPreise der Sudetendeutschen, soll den Papst dort vertreten. Tetin, 40 Kilometer südwestlich von Prag, ist einer der ältesten Wallfahrtsorte im heutigen Tschechien. Bekannt ist er vor allem als Wohn- und Zufluchtsort Ludmillas, die hier 921 gewaltsam starb. Ludmilla war die Großmutter des böhmischen Nationalheiligen Wenzel oder Wenzeslaus von Böhmen.
Die Fotografen gewährleisten ausdrück lich, dass sie das Urheberrecht an den ein gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SLBundesverband uneinge schränktes und unentgeltliches Nutzungs recht ein und erklären sich mit der Veröf fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Bewerbungsfrist endet am 30. September
Johnny-Klein-Preis: Ausschreibung läuft In Erinnerung an den großen Sudetendeutschen Hans „Johnny“ Klein wurde 2016 erstmal der „Johnny-Klein-Preis für die deutsch-tschechische Verständigung“ verliehen. Zum 90. Geburtstag und zum 25. Todestag startet nun die dritte Bewerbungsrunde.
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esucht werden journalistische, publizistische oder populärwissenschaftliche Beiträge in allen Medien, die die Kenntnisse von Deutschen und Tschechen übereinander erweitern, das gegenseitige Verständnis in Europa fördern und dabei die Brückenfunktion der deutschen Minderheit in Tschechien würdigen. Die Ausschreibung richtet sich an deutsche, österreichische und tschechische Journalisten, Publizisten, Wissenschaftler sowie anerkannte Akteure der Zivilgesellschaft beider Länder. Es werden ein erster und ein zweiter Preis vergeben (dotiert mit 5000 Euro bzw. 2500 Euro) sowie ein Förderpreis für Nach-
wuchs (1500 Euro). Die Preise werden im Rahmen eines Festaktes am 27. November in Mährisch Schönberg/Šumperk, dem Geburtsort von Hans „Johnny“ Klein vergeben. Bewerbungsschluß ist der 30. September. Weitere Informationen unter eMail info@landesversammlung.cz Der „Johnny-Klein-Preis“ wurde erstmals im Jahre 2016 von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik e.V. organisiert, in enger Kooperation mit der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland, der Sudetendeutschen Stiftung und dem Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), der Stadt Šumperk und dem Begegnungszentrum Mährisch Schönberg. Des Weiteren fördern heute auch die Deutsche Botschaft Prag, sowie die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen den „Johnny-Klein-Preis“.
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eil im Lockdown viele Freizeitmöglichkeiten geschlossen waren, haben die Tschechen im vergangenen Jahr 2,2 Prozent weniger Geld für Konsum ausgegeben, hat das tschechische Statistikamt ermittelt. So sanken die Pro-KopfAusgaben von 153 000 Kronen im Jahr 2019 auf 149 810 im Jahr 2020. Noch deutlicher waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie bei den einzelnen Produkten. So stiegen die Ausgaben für Gesundheitsartikel um fast neun Prozent, für Alkohol und Tabak um sieben Prozent und für Lebensmittel um fünf Prozent. Dagegen sanken die Ausgaben für Bildung um 20 Prozent, für Verpflegung und Unterkunft um 17 Prozent und für Freizeit und Kultur um 12 Prozent.
Flüchtlingsdrama gewinnt Festival
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as 55. Internationale Filmfestival von Karlsbad ist am Samstagabend mit einer Abschlußgala und der feierlichen Preisverleihung zu Ende gegangen. Den Hauptpreis erhielt das Flüchtlingsdrama „Strahinja Banović“ („As far as I can walk“) des serbischen Regisseurs Stefan Arsenijević. Der Film handelt von Strahinja und seiner Frau Ababuo, die Ghana verlassen, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Hauptdarsteller Ibrahim Koma wurde als be-
ster Schauspieler ausgezeichnet. Der deutsche Regisseur Dietrich Brüggemann gewann mit seiner Tragikomödie „Nö“ den Preis für die beste Regie. Die Preise des Festivalpräsidenten gingen an den US-Schauspieler und Drehbuchautor Ethan Hawke sowie den tschechischen Regisseur Jan Svěrák.
Deutschland jetzt Hochrisikogebiet
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eit Montag gelten wieder strengere Regeln für die Einreise von Deutschland in die Tschechische Republik, nachdem das tschechische Gesundheitsministerium Deutschland als Hochrisikogebiet eingestuft hat. Verpflichtend sind jetzt ein PCR-Test sowie eine Selbstisolation, bis das negative Testergebnis vorliegt. Ausnahmen gelten für Menschen mit abgeschlossener Impfung oder bei überstandener Corona-Infektion innerhalb des vergangenen halben Jahres.
Bestnoten von den Wirtschaftsexperten
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ls Produktionsstandort ist die Tschechische Republik bestens aufgestellt, hat eine Studie des Immobilienberatungsunternehmens Cushman & Wakefield ergeben. In keinem europäischen Land seien Wirtschaftsfaktoren wie Betriebskosten, Arbeitskräfte, politische und wirtschaftliche Risiken oder auch die Befähigung zum Neustart nach der Corona-Krise so günstig. Weltweit liegt die Tschechische Republik als perfekter Produktionsstandort hinter China, Indien, den USA und Kanada auf dem fünften Platz.
Industriepalast wird wieder aufgebaut
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er 2008 bei einem Brand zerstörte Flügel des Prager Industriepalastes soll wieder aufgebaut werden. Ein entsprechender Vertrag mit einem Baukonsortium soll in den nächsten Tagen unterschrieben werden. „Ich rechne damit, daß der Wiederaufbau noch in diesem Jahr beginnen wird“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Pavel Vyhnánek (Praha Sobě). Die Bauzeit wird mit 30 Monaten veranschlagt. Anschließend soll das Gebäude nicht nur für Messen, sondern auch für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen genutzt werden.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
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Die Sudetendeutsche Volksgruppe trauert um
Franz Norbert Pany von 2008 bis 2014 Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft von 2011 bis 2015 Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung * 4. August 1957 in Heidelberg † 27. August 2021 in München Franz Pany war eine der prägenden Persönlichkeiten unserer Volksgruppe. Er hat ihr in vielen Funktionen gedient, als Bundesgeschäftsführer, stellvertretender Bundesvorsitzender und schließlich als Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, als Vorsitzender des Heimatverbandes Marienbad und als Vorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung. Franz Pany hat mit seinem jahrzehntelangen Einsatz die sudetendeutsche Geschichte mitgeschrieben. Dr. h. c. Bernd Posselt, MdEP a. D. Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
Dr. Ortfried Kotzian Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung
Christa Naaß, MdL a. D. Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung
Dr. Günter Reichert Stellvertretender Vorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung
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Es nimmt der Augenblick, was Jahre gaben. (Johann Wolfgang von Goethe)
Die Landesgruppe Bayern der Sudetendeutschen Landsmannschaft trauert um
Franz Norbert Pany Landesobmann Bayern der Sudetendeutschen Landsmannschaft 2002 – 2014 * 4. August 1957 † 27. August 2021 Für den Landesvorstand und die Landesgruppe Bayern Steffen Hörtler Landesobmann Margaretha Michel – Eberhard Heiser – Alfred Kipplinger – Dietmar Heller – Leonhard Schleich Stellvertretende Landesobleute Hannelore und Dieter Heller Landesfinanzreferenten
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75 Jahre Ackermann-Gemeinde: Würdiges Jubiläum auf dem Prager Vysehrad
Eine Wette, die der Minister gerne verlor
Stolz und erhaben thront die Basilika Sankt Peter und Paul auf dem Prager Vysehrad-Hügel, steil über dem rechten Ufer der Moldau.
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Der tschechische Außenminister Jakub Kulhánek (Mitte) wird von Daniel Herman (links), Vorsitzender der Sdruźení Ackermann-Gemeinde, und Martin Kastler, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde begrüßt. Fotos: Thilo Wunschel
uf eben diesem Vysehrad hat die katholische Ackermann-Gemeinde unter dem Motto „Dialog – Kultur – Begegnung“ im August ihren 75. Geburtstag gefeiert. Die Akkermann-Gemeinde widmet sich seit 1946 der Aussöhnung zwischen Deutschen, Tschechen und Slowaken. Eingeleitet wurde der festliche Tag durch einen deutschtschechischen Gottesdienst mit dem Pilsener Bischof Tomas Holub als Hauptzelebranten, der anschließend mit Stefan Vesper, ehemaliger Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Äbtissin
Francesca Simuniová, OSB von der Abtei Venio München/Prag, an der Podiumsdiskussion über „Christen in Deutschland und Tschechien – Worte oder Taten?“ debattierte. Dabei ging es unter anderem um Kirchensteuer, Frauen in der Kirche und Sexualmoral. Am Nachmittag stand dann ein gemeinsames Picknick auf einer verwunschenen Wiese zwischen dem Aussichtsplateau mit dem angeblich besten Blick auf Prag und der Basilika auf dem Programm. Im dort aufgestellten Gotteszelt berichtete Pfarrer Michael Martinek über seinen Werdegang vom Salesianer zum Gefängnisseelsorger. Im Zeitzeugenzelt kam mit Jiří Pitín ein Überlebender des Massakers von Lidice zu Wort. Tags zuvor hatte es bereits ein Happening auf der Moldau
gegeben, bei der es der Ackermann-Gemeinde gelang, 27 Boote, versehen mit den Fahnen der 27 EU-Mitgliedsländer, auf das Wasser zu bringen. Der tschechische Außenminister Jakub Kulhánek hatte dies nicht für möglich gehalten und damit eine Wette um ein Faß Bier verloren. Der Politiker nahm es mit Fassung. „Ich habe verloren, und ich habe gerne verloren“, meinte Kulhánek und war sich mit den Gastgebern Daniel Herman, Vorsitzender der Sdruźení Akkermann-Gemeinde, und Martin Kastler, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde, einig: Klarer Sieger war am Ende Europa, und das vor der märchenhaften Kulisse der Prager Karlsbrücke. Einer historischen Brücke im Herzen Europas. Thilo Wunschel
VERANSTALTUNGSKALENDER Samstag, 4. September, 13.00 Uhr, Heimatkreisgemeinschaft Troppau, Gedenkfeier zum „Tag der Heimat“. Troppaustein am Troppauplatz in Bamberg. Weitere Informationen unter www.troppau-opava.de Sonntag, 5. September, 12.00 Uhr, SL-Bezirksgruppe Oberfranken und Ackermann-Gemeinde: 76. Vertriebenenwallfahrt mit Monsignore Herbert Hautmann in der Gößweinsteiner Basilika Zur Heiligen Dreifaltigkeit. Anmeldung: Margaretha Michel, Comeniusstraße 40, 91257 Pegnitz, Telefon (0 92 41) 36 54, eMail mail@familie-michel.net Freitag, 10. September, 16.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Warmensteinach: Gedenkfeier anläßlich 50 Jahre Gustav-LeuteltGedenkstein am Gedenkstein. Anschließend Stehempfang im Freizeithaus, Oberwarmensteinacher Straße 420, und Gelegenheit zum Besuch des Fichtelgebirge-Glasmuseums. Samstag, 11. September, 14.30 Uhr, SL-OG Stuttgart-Weilimdorf: Jahreshauptversammlung. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 11. September, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe
Hessen: Landesversammlung. Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35, Wiesbaden. Tagesordnung: Wahl des gesamten Landesvorstands. Samstag, 11. September, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Krefeld. Versammlung. Restaurant Lus Bell, Nieper Straße 242, Krefeld. Sonntag, 12. September, 10.30 Uhr, Heimatverband der Falkenauer: 34. Bundestreffen. Oberpfalzhalle im Max-KunzSaal, Schwandorf. Die Heimatstube (Brauhausgasse) ist von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Sonntag, 12. September, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Kassel: Gedenkveranstaltung „Flucht, Vertreibung, Deportation“. Kassel, Hauptfriedhof (Nähe Eingang Heckershäuser Straße), Anmeldung: Dietmar Pfütz, Obmann SL Kassel, Telefon: (05 61) 51 43 59. Donnerstag, 16. September, 10.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Augsburg-Land: Kreisdelegiertenversammlung. Sudetendeutsches Haus in München, Hochstraße 8. Ehrengäste: Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner, Schwabens Bezirkstagspräsident Martin Sailer und Schwabens BdV-Bezirksvorsitzender MdL Andreas Jäckel. Es wird ein Bus eingesetzt, der über Meitingen, Gersthofen, Kö-
Vortrag von Dr. Peter Becher
Die dunklen Jahre der sudetendeutschen Literatur Donnerstag, 16. September. „Die dunklen Jahre der sudetendeutschen Literatur 1938–1945“, Vortrag von Dr. Peter Becher. Veranstaltungsort: Online und Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland polarisierte sich die deutschsprachige Literatur der Tschechoslowakei von Jahr zu Jahr mehr. Nach dem Anschluß der Sudetengebiete im Herbst 1938 und der Errichtung des Protektorats im Frühjahr 1939 vollzog sich die Gleichschaltung auf allen Ebenen der Kulturpolitik, durch Förderungen und Verbote, Buchausstellun-
gen, Preise, Dichtertreffen und Kulturzeitschriften. In seinem Vortrag behandelt Peter Becher die Etablierung des nationalsozialistischen Literaturbetriebs. Exemplarisch werden einzelne Werke sowie die Behandlung der NS-Zeit bei sudetendeutschen Autoren nach 1945 vorgestellt. Dr. Peter Becher (geb. 1952) ist Schriftsteller und Literaturhistoriker. Von 1986 bis 2019 war er Geschäftsführer des Adalbert Stifter Vereins in München, seit 2019 ist er dessen Vorsitzender. Anmeldung (wegen Pandemie erforderlich): Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder eMail poststelle@hdo.bayern.de
nigsbrunn, Bobingen, Wehringen und Klosterlechfeld nach München fährt. Anmeldung bei Kreisobmann Kurt Aue, Telefon (08 21) 8 85 37 56, eMail sudetenaue@koenigsau.de Samstag, 18. September 2021, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen: Landesversammlung mit Neuwahlen des Landesvorstands. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 18. September, 13.00 Uhr, Heimatkreis Budweis: Jahrestreffen. Hotel-Gasthof Soller, Bahnhofstraße 1, 85737 Ismaning. Anmeldung und Auskünfte: Heimatkreisbetreuer Josef Sailer, Telefon: (0 82 91) 6 88. Samstag, 18. bis Sonntag, 19. September, Heimatbezirksgruppe Wigstadtl, Heimatreffen der Wigstadtler aus Stadt und Bezirk in der „heimlichen Patenstadt“ Göppingen. Samstag, 18.00 Uhr: Totengedenken in den Mörike-Anlagen mit anschließendem Beisammensein der Teilnehmer im Gasthof „Hirschkeller“. Sonntag, Haupttag des Treffens. Gasthof Hirschkeller in Göppingen-Jebenhausen, Wasenstraße 15. 10.00 Uhr: katholische Wortgottesfeier. 11.00 Uhr: offizielle Eröffnung mit Ansprachen. Informationen unter www.troppau-opava.de Samstag, 18. bis Sonntag, 19. September, Adalbert Stifter Verein: Böhmerwaldseminar – Tagung zu den deutschtschechischen Beziehungen. Jesuitenkolleg in Klattau. Themen: Kollektive Gewalt während der NS-Herrschaft in Böhmen und in der Zeit der Vertreibung sowie die Wiederbesiedlung der Grenzgebiete. Podiumsgespräch mit dem Künstler Lukáš Houdek. Anmeldung und Informationen auf der Webseite www.stifterverein.de Sonntag, 19. September, 11.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Gedenkveranstaltung „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Mahnmal im Kurpark Bad Cannstatt. 14.00 Uhr: Volkstumsnachmittag in der Liederhalle (Beethovensaal); Festrede: Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 22. September, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Ausflug und Fahrt mit dem Apfelzügle. Abfahrt in Giebel (8.30 Uhr) und am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach (8.45 Uhr). Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de
Freitag, 24. September 2021, 10.00 Uhr, SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen: Landesfrauentagung mit Neuwahlen des Landesvorstands. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Samstag, 25. September, 10.00 Uhr, SL-Bezirksgruppe Oberfranken: Jahreshauptversammlung mit MdB Martin Schöffel und Landrat Peter Berek im Egerlandhaus in Marktredwitz. Sonntag, 26. September, 14.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und die Heimatgliederungen Altvater Runde Stuttgart, Alte Heimat – Kuhländchen, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer: „Sudetendeutscher Kulturtag 2021“. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal, Schloßstraße 92, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick. Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Europäisches Volksmusikkonzert. Stadthalle Korntal, Martin-Luther-Straße 32, Korntal-Münchingen. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 23. Oktober,14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, Stuttgart. Zu Gast ist die Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de
Seminar: „Europäische Perspektiven – Deutschland und seine östlichen Nachbarn“ Sonntag, 12. bis Freitag, 17. September: Seminar: „Europäische Perspektiven – Deutschland und seine östlichen Nachbarn“. Dieses Thema war nach der „Zeitenwende“ von 1989/1990 und der deutschen Wiedervereinigung von großen Hoffnungen und Erwartungen geprägt. In ganz Ostmitteleuropa entstanden offene, demokratisch legitimierte Gesellschaften. Es bildeten sich neue Parteien, eine freie Presse und Wissenschaftslandschaft sowie zivilgesellschaftliche Strukturen. Nach rund anderthalb Jahrzehnten dauernder und bereits vom Westen unterstützter Transformation wurden 2004 acht ostmitteleuropäische Staaten in die Europäische Union aufgenommen. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierungsprozeß nahm Fahrt auf. EU-Fördermittel zur Modernisierung der Infrastruktur, Bildung, Justizwesen, Umwelt etc. flossen, und auch der persönliche Wohlstand wuchs, wenn auch nicht bei allen. Jedoch zeigten sich nach einem weiteren Jahrzehnt Bruchlinien zwischen „alten“ und „neuen“ EU-Mitgliedern. Erstmalig in der EU-Geschichte wird über Sanktionen wie Mittel- und Stimmrechtsentzug für Polen und Ungarn nachgedacht. Die Verhältnisse zwischen der EU sowie Polen und Ungarn sind so problematisch wie noch nie. Ein Ausweg mit Hilfe von Dialog und Kompromissen ist nicht in Sicht. Derzeit sind eher Verhärtung der Positionen und Entfremdung festzustellen. Die Perspektiven werden skeptisch beurteilt.
Neben den aktuellen politischen Ereignissen werden aber auch historische und kulturelle Verbindungen zwischen den Deutschen und ihren östlichen Nachbarvölkern in Vorträgen und einschlägigen Filmen aufgezeigt. Als Referenten haben zugesagt: Michael Lingenthal (Meine): „Was verbindet Polen und Deutsche?“; Magdalena Oxfort M.A. (Warendorf): „Das Bildgedächtnis der Heimatlandschaften in der Vermittlungsarbeit an die Heimatverbände“; Prof. Dr. Michael Schwartz (Berlin): „Retrospektiven auf belastete Zeiten im deutsch-polnischen Verhältnis“; Herbert Danzer (Bad Kissingen): „Rußland, ein schwieriger Nachbar“; Dr. Marcin Wiatr (Braunschweig): „Die deutsch-polnische Schulbuchreihe Europa – Unsere Geschichte“; Frank Erb (Bad Königshofen): „Entwicklungslinien der Europäischen Union“; Maria Kosmacz (Dirschau/Tczew): „Berichte aus den Verbänden der deutschen Minderheit in Westpreußen“; Prof. Dr. Thomas Wünsch (Passau): „Deutsche und Slawen“. Die Tagung beginnt am Sonntagabend um 18.00 Uhr mit dem gemeinsamen Abendessen und ist am folgenden Freitag nach dem Frühstück zu Ende. Die Teilnahme kostet für Teilnehmer aus Deutschland 150,00 Euro zuzüglich Kurtaxe (9,00 Euro) und ggf. EZ-Zuschlag (50,00 Euro für den gesamten Zeitraum) und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Teilnehmer aus den östlichen Nachbarländern gilt ein Sonderpreis von 50,00 Euro. Es können Fahrtkostenzuschüsse gewährt werden. Bitte melden Sie sich umgehend, spätestens bis zum 6. September, an. Anmeldung und weitere Informationen unter eMail hoertler@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34 + 35 | 3.9.2021
5 � Mut tut gut
Wem künd‘ ich mein Entzücken?
W Neues Präsidium des Bundes der Vertriebenen (v.l.): Raimund Haser MdL, Dr. Maria Werthan (kraft Amtes), Milan Horáček, Egon Primas, Dr. Bernd Fabritius MdB, Steffen Hörtler, Stephan Grigat, Brunhilde Reitmeier-Zwick, Stephan Mayer MdB, Christian Knauer, Siegbert Ortmann und Johann Thießen. Es fehlen: Rita Hagl-Kehl MdB und Editha Westmann MdL.
� Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen
Vertreibung und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern
Nach dem coronabedingten Ausfall im vergangenen Jahr hat der Tag der Heimat dieses Mal wieder am gewohnten Platz, im großen Saal der Urania in Berlin, stattgefunden.
E
inen Tag nach den Wahlen zum neuen Präsidium der BdV-Bundesversammlung (siehe auch Seite 1) konnte der frisch wiedergewählte Präsident des BdV, Bernd Fabritius, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Festredner und den Weihbischof Reinhard Hauke für das Geistliche Wort und das Totengedenken herzlich begrüßen. Ausgehend von der Charta der Heimatvertriebenen von 1950, die Menschenrechte einforderte – vor allem das Recht auf Heimat –, für grenzüberschreitende Verständigung in einem freien Europa warb und ganz christlich orientiert Rache ausdrücklich ausschloß, leitete Fabritius zum heurigen BdV-Leitwort: „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“ über. Ein Jahrestag spielte dabei eine überragende Rolle, sowohl in der Rede des BdV-Präsidenten, als auch bei der Kranzniederlegung an der Ewigen Flamme am Theodor-Heuss-Platz im Anschluß an die Veranstaltung in der Urania. Vor 80 Jahren hatte Stalin den „unglückseligen Erlaß“ verabschiedet, der das Schicksal einer dreiviertel Million Rußlanddeutscher besiegelte. Sie wurden verbannt oder in Zwangsarbeit deportiert.
Milan Horáček MdEP a.D. mit den Stellvertretenden SL-Bundesvorsitzenden Klaus Hoffmann und Steffen Hörtler. Im Hinblick auf die am 26. September 2021 bevorstehende Bundestagswahl hat die Bundesversammlung des Bundes der Vertriebenen sämtliche zur Wahl stehenden Parteien aufgefordert, die Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler und ihrer Verbände als Teil der bundesdeutschen Gesellschaft sowie der deutschen Minderheiten in deren Heimatgebieten weiterhin in ihrer politischen Arbeit zu berücksichtigen bzw. diese mit in ihre politische Arbeit einzubeziehen. Die Entschließung im O-Ton:
S
iedlungs- und Schicksalsgeschichte der Deutschen in Ostmittel-, Ostund Südosteuropa sowie Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebieten und die aus diesem Gesamtkomplex erwachsenen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge sind ein prägender Teil unserer gesamtdeutschen Geschichte und Erinnerungslandschaft. Der erinnerungs- und der grenzüberschreitende verständigungspolitische Einsatz sowie der lebendige Kulturerhalt durch die Kulturträger und ihre Verbände, durch nachkommende Generationen und durch eine Vielzahl an Menschen, die sich die-
Tag der Heimat: BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius und Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder hielten die Festreden. Dann erinnerte CSU-MdB Fabritius an die Bundestagswahlen, bei dem er als höchster Repräsentant des Bundes der Vertriebenen anmahnte, daß eigentlich nur im Wahlprogramm der Union die Heimatvertriebenen ausführlich und zukunftsorientiert benannt werden. Söder, der auch Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist, beglückwünschte seinen Parteifreund Fabritius zu dessen Wiederwahl und bezeichnete dessen Ansprache als eine regelrechte Regierungserklärung der Heimatvertriebenen. Es sei ihm eine Ehre und Freude, keine Pflicht, am Tag der Heimat sprechen zu dürfen. Nachdem er viele persönliche Verbindungen zu Vertriebenen, gerade auch zu Sudetendeutschen Revue passieren ließ und deren Rolle beim Aufbau Deutschlands, aber besonders Bayerns hervorhob, forderte er, „es ist unsere Aufgabe, das Verständnis für Mittel-
und Osteuropa wieder zu fördern, denn das sind unsere Nachbarn. Wir brauchen die Zusammenarbeit und es ist ein gemeinsamer Kulturraum gewesen und ist es bis heute. Lassen Sie uns daran arbeiten und den Bund der Vertriebenen als eigentlichen Botschafter dafür mit nutzen.“ Und zum lange Zeit schwierigen Verhältnis zum Nachbarn Tschechien, dankte er Horst Seehofer für dessen Leistung zur Verbesserung der Beziehungen unter tatkräftiger Mitwirkung von Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudendeutschen Volksgruppe. Auch während der coronabedingten Grenzschließungen habe es eine Standleitung zwischen München und Prag geben. Er, Söder, sei im ständigen Kontakt mit dem tschechischen Premierminister Babiš gewesen. Zu den Rußlanddeutschen und ihren Schwierigkeiten bei der Integration beginnend in den 1990er Jahren hob Söder
� Bundesversammlung des Bundes der Vertriebenen
Forderungen an die Politik sem kulturellen Erbe aus Überzeugung verpflichtet fühlen, sind daher gesamtgesellschaftlich relevante Anliegen, die eine zukunftssichere Förderung benötigen. Gerade die Bundesförderung der Vertriebenen-Kulturarbeit nach Paragraph 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes hat daran einen wesentlichen Anteil. Hier gilt es, den partizipativen Ansatz weiter zu stärken sowie sämtlichen geförderten Institutionen, insbesondere der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, eine dauerhafte Perspektive zu bieten. Kultur- und Erinnerungsarbeit muß in ihrer gesamten Vielfalt, von den zentralen Erinnerungsorten hervorgehobener Relevanz bis hin zu den lokalen Kleingruppen vor Ort, Wertschätzung und Förderung erfahren. Dezentrale Strukturen sind ein wesentliches Merkmal in der Arbeit der deutschen Vertriebenen und ihrer Verbände. Angesichts der besonderen Geschichte und des Kriegsfolgenschicksals der Rußlanddeutschen müssen zukünftige Bundesregierungen auch an
der gesetzlich garantierten Aufnahme von Spätaussiedlern festhalten. Diese Volksgruppe wurde vor 80 Jahren, nach dem Überfall der Nationalsozialisten auf die Sowjetunion, aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit unter Generalverdacht gestellt und stellvertretend in Haftung genommen. Hunderttausende haben durch Verbannung und Deportation, Trudarmee und Zwangsarbeit aufgrund des sogenannten Stalin-Erlasses bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat und vielfach ihr Leben verloren. Bis heute wirken diese Ereignisse nach, zumal die Rußlanddeutschen von Rußland nach wie vor nicht vollständig rehabilitiert wurden. Bis heute nutzen Jahr für Jahr viele Rußlanddeutsche die Möglichkeit, als Spätaussiedler und somit als Deutsche nach Deutschland zu übersiedeln. Mit ihrer Eingliederungsbereitschaft, ihrem Fleiß und ihren Familienstrukturen sind sie ein wirtschaftlicher kultureller und demografischer Gewinn für unser Land. Daher ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, rentenrechtliche Benachteiligungen endlich zu beseitigen und
Fotos: BdV
die Anstrengung seiner Landesregierung hervor, wie die Unterstützung für das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Rußland, das 2019 in Nürnberg eröffnet wurde. Die Botschaft, so Söder, sei klar: Die Rußlanddeutschen seien zwar spät gekommen, „aber dennoch sind sie Landsleute, die zu uns gehören“. Ulrich Miksch
Kranzniederlegung am zentralen Mahnmal der deutschen Heimatvertriebenen mit Berlins Innensenator Andreas Geisel. gesetzliche Regelungen dahingehend zu verbessern, daß auch Aussiedlern und Spätaussiedlern in Deutschland trotz langer und harter Erwerbsbiografien beim Renteneintritt nicht automatisch Grundsicherung und Altersarmut drohen. Darüber hinaus brauchen die zu uns Kommenden eine verläßliche Zusage, daß sie auch weiterhin in ihrem Bemühen unterstützt werden, in Deutschland heimisch zu werden. Eine besondere Verpflichtung hat Deutschland außerdem für deutsche Minderheiten in unseren östlichen Nachbarländern sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Die dort lebenden Deutschen sind das verständigungspolitische Gegenstück zu den Vertriebenen und Spätaussiedlern in Deutschland und natürliche Erben einer oft jahrhundertealten Kultur- und Siedlungsgeschichte. Daher ist es uns wichtig, daß diese Minderheiten weiterhin in ihrem Sprach- und Kulturerhalt gefördert und stärker in die Auswärtige Kulturpolitik einbezogen werden. In all diesen Anliegen war und ist das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten stets ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner. Daher setzen wir uns für den Fortbestand und die Stärkung dieses Amtes ein.
ohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken? Wem künd‘ ich mein Entzücken, wenn freudig pocht mein Herz? Zu dir, zu dir, o Vater, komm ich in Freud‘ und Leiden. Du sendest ja die Freuden, du heilest jeden Schmerz.“ Seit meiner Kindheit kann ich diese Liedstrophe auswendig. Der Eingangsgesang der Deutschen Messe von Franz Schubert hat sich mir aber nicht bloß als ein kirchenmusikalischer Ohrwurm eingeprägt, er hat auch meine religiöse Haltung und mithin meine Vorstellung von Gott geprägt. Eine überaus vertrauenserweckende Vorstellung ist bis heute für mich, daß ich mit allem Frohen, aber auch mit allem Leidvollen in meinem Leben zum himmlischen Vater kommen kann. Für das Frohe danke ich Gott, für das Leidvolle erhoffe ich mir heilsamen Trost. Leider führt Schuberts Deutsche Messe im kirchlichen Leben heute ein Schattendasein. In den allgemeinen Teil des katholischen Gesangsbuchs „Gotteslob“ haben es gerade einmal der zitierte Eingangsgesang sowie die Lieder zum Gloria und zum Sanctus geschafft: „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe“ und Heilig, heilig, heilig – heilig ist der Herr“. Manch andere Gesänge aus der einst so populären Messe finden sich allenfalls in dem einen oder anderen Diözesananhang des Gesangsbuches. Wie schön war es deshalb für mich beim heurigen Sudetendeutschen Tag in Sankt Michael in München, einen größeren Teil von ihnen zu hören und trotz Mundschutz aus voller Kehle mitsingen zu können. Die Texte ersann Johann Philipp Neumann. Der Zeitgenosse Schuberts stammte aus dem mährischen Trebitsch und war neben seiner Tätigkeit als Dichter im Hauptberuf Professor am Wiener Polytechnischen Institut. Nach dem Eingangsgesang der Deutschen Messe klingt mir von seinen Liedstrophen besonders der Gesang zum Evangelium im Ohr: „Noch lag die Schöpfung formlos da, nach heiligem Bericht. Da sprach der Herr: Es werde Licht! Er sprach‘s, und es ward‘ Licht. Und Leben regt und reget sich, und Ordnung tritt hervor, und überall, all überall tönt Preis und Dank empor, tönt Preis und Dank empor.“ Hier ist in wenigen Sätzen ausgedrückt, daß sich die Natur in ihrer Ordnung Gott verdankt und daß sie in ihrer Schönheit zum Lobpreis ihres Schöpfers anstiftet. Schließlich möchte ich den Gesang zum Agnus Dei zitieren. In ihm drückt sich wunderbar die große Sehnsucht nach Frieden aus: „Mein Heiland, Herr und Meister, dein Mund so segensreich sprach einst das Wort des Heiles: Der Friede sei mit euch. O Lamm, das opfernd tilgte, der Menschheit schwere Schuld, send‘ uns auch deinen Frieden durch deine Gnad‘ und Huld.“ Wer möchte sich dieser Bitte nicht anschließen? In fünf Jahren, 2026, wird es 200 Jahre her sein, daß Schubert seine Deutsche Messe auf Grundlage der Texte von Neumann komponierte. Deshalb sollten wir diesem musikalischen und literarischen Werk endlich wieder mehr Raum in den katholischen Gottesdiensten gönnen. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
PERSONALIEN Am 27. August siegte der Krebs über Franz Pany, 2002 bis 2014 Obmann der SL Bayern und 2008 bis 2014 SL-Bundesvorsitzender.
A
m 4. August vor 64 Jahren kam Franz Pany in Heidelberg zur Welt. Der studierte Jurist und Politikwissenschaftler war hauptberuflich Vorstandsmitglied der Katholischen Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern. Ehrenamtlich engagierte er sich für die SL, in Sonderheit für die Egerländer und die Marienbader. Weniger bekannt ist die fröhliche Seite des Franz Pany, für die er 2010 mit der EibanesenPerle geehrt wurde. Bei meiner Berichterstattung über die Perlen-Prämierung lernte ich einen vor Frohsinn überschäumenden Landsmann kennen. 1956 hatte die Nürnberger SLOrtsgruppe Eibach die Eibanesen, die erste sudetendeutsche Faschingsgesellschaft gegründet. Der Egerländer und Spiritus rector Roman Müller war lange ihr Präsident. Er erfand die Eibanesen-Perle als Auszeichnung und Sinnbild für eine um die verlorene Heimat vergossene Träne. 1978 verliehen die Eibanesen ihre Perle zum ersten Mal. Der 33. Perlenträger war Franz Pany.
� SL-Bundesvorsitzender mit Wurzeln in Marienbad
Franz Pany † In seiner launigen Dankesrede sagte Pany 2010: „Diese Veranstaltung und das mehr als 50jährige Wirken der Eibanesen als sudetendeutsche Speerspitze in der fränkischen Fastnacht zeigen: Aus Böhmen kommt nicht nur die Musik, sondern auch der Frohsinn. Zudem hat Joachim Ringelnatz einmal gesagt: ,Humor ist der Knopf, der verhindert, daß einem der Kragen platzt‘. Wer also bräuchte den Humor dringender als unsere Volksgruppe? Fasching, Fasnacht oder Fasnet – wie immer wir auch die fünfte Jahreszeit in den Dialekten unserer ,neuen‘ Heimat bezeichnen – ist deshalb mehr als eine Zeit des ausgelassenen Feierns oder des übermütigen Klamauks. Es ist eine Zeit der Lebensfreude, eine Zeit der Besinnung auf das Brauchtum der Heimat und eine Zeit des Zusammenhalts gerade in unserer Volksgruppe. Und Zusammen-
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halt brauchen wir.“ Franz Pany trug seine für die Heimat vergossene Träne nicht versteckt im Knopfloch, sondern stolz als Kette um den Hals. Möge ihm die heitere Träne auch in der ewigen Heimat Geleit sein. Nadira Hurnaus
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olksgruppensprecher Bernd Posselt trauert um einen Weggefährten, mit dem er jahrzehntelang eng zusammengearbeitet hat: „Mit Franz Pany hat uns eine der prägendsten Persönlichkeiten unserer Gemeinschaft nach langer, schwerer Krankheit verlassen. Er hat ihr in sehr vielen Funktionen gedient: Als Vorsitzender im Arbeitskreis Sudetendeutscher Studenten (ASSt), als Bundesgeschäftsführer, Stellvertretender Bundesvorsitzender und schließlich als Bundesvorsitzender der SL, als Vorsitzender des Heimatverbandes Marienbad und als Vor-
sitzender der Sudetendeutschen Stiftung. Franz Pany entstammte einer bekannten sudetendeutschen Familie, die schon in der Heimat eine wichtige Rolle gespielt hatte. Sein Großvater war der von diesem sehr verehrte Lehrer des jungen Franz Neubauer, sein Vater führend im Sudetendeutschen Sozialwerk. Seine Mutter kümmerte sich mit viel Herzblut um den Heimatkreis Marienbad und dessen Heimatzeitung. In diese Tradition stellte Franz Pany die Fülle seiner Begabungen und sein großes Wissen. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Jüngere und Mittlere Generation, um die verbandliche Erneuerung der Volksgruppe, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie um das Sudetendeutsche Museum. Eine historische Leistung war seine Beendigung der Auseinandersetzungen um den Egerer Stadtwald durch eine vorbildliche Stiftungslösung. Seine besondere Leidenschaft galt der juristischen Fundierung zentraler sudetendeutscher Anliegen. Wir danken Franz Pany aus tiefstem Herzen und sind seiner Frau Gabi und seinem Sohn Norbert in Trauer und im Gebet verbunden.“
� Europäerin, Christin und böhmische Patriotin
Marie von und zu Liechtenstein † Am 21. August starb Fürstin Marie von und zu Liechtenstein, eine in Prag geborene Gräfin Kinsky, mit 81 Jahren in Grabs in der Schweiz.
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ürstin Maries Eltern waren Graf Ferdinand Carl Kinsky von Wchinitz und Tettau und Gräfin Henriette, geborene Gräfin von Ledebur-Wicheln. Im Zuge der Vertreibung strandeten die Kinskys auf Schloß Ering in Niederbayern bei den befreundeten Familien Sedlnitzky und Esterhazy. Sie wurde DiplomGebrauchsgraphikerin und arbeitete in einer Druckerei in Dachau. 1967 heiratete sie den späteren Fürsten Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein. 1968 kam Erbprinz Alois, 1969 Prinz Maximilian, 1972 Prinz Constantin und 1973 Prinzessin Tatjana zur Welt. Sie war Ehrenpräsidentin des Liechtensteinischen Roten Kreuzes und Präsidentin des Vereins für Heilpädagogische Hilfe. Am 28. August fand die Trauerfeier in der Vaduzer Kathedrale Am 25. Juli starb Helmut Hellmessen, einer der bedeutendsten sudetendeutschen Künstler und Graphiker der Gegenwart, mit 96 Jahren in Frankfurt am Main.
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Sankt Florin statt. Nun ruht sie in der Fürstlichen Gruft zu Vaduz. Auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt trauert um die Verstorbene: „Fürstin Marie war eine aufrechte Europäerin, eine überzeugte und überzeugende Christin und eine böhmische Patriotin. Mit ihrer Herzlichkeit, ihrer Menschlichkeit und ihrem Humor war sie für Liechtenstein und darüber hinaus das Musterbild einer Landesmutter. Obwohl schon als kleines Kind vertrieben, sorgte sie sich wie ihr im November verstorbener Bruder Ferdinand Graf Kinsky um die Zukunft Mitteleuropas, die sie im Aufbau einer gerechten Völkerund Staatenordnung sah. Ihr besonderes Augenmerk galt der Familie als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. So war sie auch für ihre Familie fester Anker und Mittelpunkt. Unsere Anteilnahme gilt in dieser schweren Stunde ihrem Gemahl, unserem Karls-Peisträger Fürst HansAdam, dem Erbprinzen Alois und der fürstlichen Familie sowie dem liechtensteinischen Volk.“
� Vorzeige-Landsmann aus Prag
Werner Nowak 90 Am 27. August feierte Werner Nowak, ein im Egerland geborener, aber in Prag aufgewachsener Vorzeige-Landsmann, im baden-württembergischen Plochingen 90. Geburtstag.
I
m Jahr des Sommermärchens 2006 zog ich mit meiner Familie nach Baden-Württemberg. Ein Fahnenmeer in schwarz-rot-gold wogte über das Land. Schwarzrot-gold auch auf den Gesichtern und Armen der Menschen. Sie wollten ein weltoffenes, ein sympathisches Deutschland zeigen, das Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft in jenem Sommer war. Deutschland wurde nur Dritter, aber das Sommermärchen ging weiter. Warum beginne ich meinen Geburtstagsgruß für Werner Nowak, langjähriger Landesobmann der SL in Baden-Württemberg und langjähriger Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, mit dem Fußballsommer 2006? Weil mein Umzug 2006 für uns beide im Laufe der Zeit große Bedeutung erlangen sollte. Als Mitglied der Bundesversammlung wird man zu den Vorstandssitzungen der Landesverbände eingeladen, in denen man wohnt. Und so fand auch ich den Weg in den Vorstand der SL-Landesgruppe Baden-Württemberg. An deren Spitze stand Nowak bereits seit 1986. Doch schon 1976 war er als Beisitzer in den Landesvorstand gewählt worden. Außerdem war er seit Mitte der 1970er Jahre beruflich mit Fragen der Heimatvertriebenen im Innenministerium beschäftigt und damit an der Schaltstelle des politischen Wirkens in Baden-Württemberg. 2004 wurde der promovierte Jurist Präsident der Bundesversammlung. Mitglied dieses Parlaments der Sudetendeutschen war er seit 1987. Aus dieser Zeit im Parlament kannte ich ihn. Die SL hatte gerade ihr Sudetendeutsches Büro in Prag eröffnet. Die Verständigung mit den tschechischen Nachbarn lief an, und in unserem Parlament wurde heftig über den richtigen Weg diskutiert. Doch Parlamentspräsident Werner Nowak hatte schon früh für sich erkannt und entschieden, daß der Weg der Verständigung der einzig richtige sei. In einem Interview hatte er einmal gesagt: „Von dem Augenblick an habe ich mich für die Verständigung voll eingesetzt.“ Und das hat er in all den Jahren auch immer getan.
� Ein feiner Mensch und ein großer Landsmann
In Baden-Württemberg formte er einen schlagkräftigen Landesvorstand und lenkte damit die Geschicke. Politisch verankert, kulturell verwurzelt und sozial verantwortungsvoll, so führte Nowak die Landsmannschaft. Immer wieder wies er darauf hin, daß der Kontakt zu den Landsleuten in den Herkunftsgebieten einerseits und Gespräche mit den politisch Verantwortlichen andererseits wichtig seien, um die Verständigung voranzubringen. Gleichzeitig pochte er darauf, die offene sudetendeutsche Frage nicht aus den Augen zu verlieren. Dies tat er bei jeder Gelegenheit, sei es bei direkten Gesprächen oder in der Bundesversammlung. 2012 legte er das Amt des Präsidenten und 2014 das Amt des Landesobmanns in jüngere Hände. Mich hatte er früh in die Arbeit des Landesobmanns eingebunden, so daß der Übergang nahtlos verlief. 26 Jahre lang stand er an der Spitze der tatkräftigen und über die Grenzen des Bundeslandes wirkenden Landesgruppe. Die Landesversammlung wählte ihn daher voller Dank zum Ehrenlandesobmann. Eng verwurzelt mit der SL und dem BdV ist er bis heute ein angesehener Ansprechpartner geblieben und bleibt es hoffentlich noch lange. Im Namen des Landesvorstands und aller Sudetendeutscher in Baden-Württemberg gratuliere ich Werner Nowak und wünsche Gesundheit, Wohlergehen und alles Gute, verbunden mit herzlichem Dank für das Geleistete. Klaus Hoffmann
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ernd Posselt, der mit Werner Nowak jahrzehntelang zusammenarbeitet, gratuliert aus vollem Herzen: „Dieser kluge Jurist, in dem das sensible Rechtsempfinden, die mitteleuropäische Weltläufigkeit und das höfliche Taktgefühl als Erbe des alten Böhmen und der Habsburgermonarchie weiterleben, ist ein typischer Prager. Tschechen rühmen, wie wunderbar er ihre Sprache in einem klassischen Sinn beherrsche, den sie im eigenen Volk kaum noch fänden. Sudetendeutsche schätzen sein wohlklingendes Prager Deutsch, in dem er auch Kritik so verpackt, daß sie nicht verletzt. In all seinen Funktionen war er mir ein wertvoller, wenn auch zuweilen kritischer Weggefährte. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm namens der Volksgruppe Glück, Gesundheit und Gottes Segen.“
matiger Fries über Terror und Vertreibung. Er hinterläßt Spuren und lebt in seinen Werken weiter. Im Sudetendeutschen Museum in München hängt in der Sze nerie über die Vertreibung seine legendäre Lederjacke, kann man ihn in einem Kurzvideo erleben und seine Vertreibungsbilder sehen. In der Egerländer Kunstgalerie in Marktredwitz, die er mitgestaltete, hängt sein imposantes Bild „Ikarus“ und die Ostdeutsche Galerie in Regensburg verwahrt eine große Sammlung seiner Graphiken. Natürlich finden sich seine Werke auch in Kunstgalerien in Darmstadt, Frankfurt am Main oder Maintal. Mit Helmut Hellmessen haben wir einen feinen und gebildeten Menschen und großen Landsmann verloren. Mein Mitgefühl gilt seinen Kindern. Der Herr gebe ihm die ewige Ruhe. Wolf-Dieter Hamperl
Helmut Hellmessen †
elmut Hellmessen kam am 9. Dezember 1924 in Karlsbad zur Welt. Wegen des Berufs seines Vaters verbrachte er seine Kinder- und Jugendzeit auch in Prag und Aussig in Nordböhmen. Sein Großonkel Anton Hellmessen leitete bis 1904 die Prager Kunstgewerbeschule, pflegte deshalb auch engen Kontakt zu den deutsch-böhmischen Prager Künstlern der Jahrhundertwende. Ein Gästebuch mit den Namen dieser Künstler war im Besitz von Helmut Hellmessen. Ein Brandmal hinterließen die Zwangsarbeit im Straflager in Maltheuern bei Brüx 1945/46 und die Vertreibung 1946. Seine Wahlheimat wurde der Frankfur-
ter Raum, an der Werkkunstschule in Offenbach machte er eine Ausbildung zum Diplom-Designer, und schon in den 1950er Jahren war er Leiter des De signbüros einer großen deutschen Illustrierten. Mit Mut und Optimismus packte er alles an und schuf als Designer, Illustrator und Graphiker ein großes Werk. Für sein Können und seine humanistische Gesinnung ehrten ihn die Sudetendeutschen schon 1981 mit ihrem Kulturpreis für Bildende Kunst und 2017 mit ihrem Großen Kulturpreis für sein Lebenswerk. 1999 wurde er in die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaf-
ten und Künste berufen, 2010 erhielt er die Adalbert-Stifter-Medaille. Die Egerländer ehrten ihn 2004 mit ihrem Kulturpreis „Johannes von Tepl“. Wie kein anderer vor ihm leitete er über lange Jahre die Sektion „Bildende Kunst“ in der Arbeitsgemeinschaft Egerländer Kulturschaffender und gestaltete unvergessene Ausstellungen in Marktredwitz und Eger. 2011 ehrte ihn seine Heimatstadt Maintal mit der Ehrenbürgerschaft. Im Alter standen Gewalt, Terror, Angst und Ohnmacht im Mittelpunkt seines Schaffens. So entstanden das „Skizzenbuch der Vertreibung“ und ein großfor-
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Der Gasthof Zum blauen Stern mit Biergarten im Innenhof, wo man in der warmen Jahreszeit zwischen den Geranien gemütlich sitzen kann. Nach langen Entbehrungen durch Ausgangsbeschränkungen und Lokalschließungen kann man dank Corona-Impfungen nun auch wieder die Gas tronomie besuchen, auch in der Tschechischen Republik. So hat auch die Pilsener Autorin, Übersetzerin und Herausgeberin Kateřina Kovačková sich an einem Lokalbesuch im Blauen Stern in Dobřany erfreut. Die SLFörderpreisträgerin für Publizistik schildert hier ihre Erlebnisse mit Bier und Kunst.
Bilder: Sven Künkel (4), Karel Weber/Brauerei Zum blauen Stern (1)
� Ausflugsziel in Westböhmen
Zum Blauen Stern
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nde Juli in Böhmen: Die Ferien sind in vollem Gang, und sonst ist eigentlich nichts los. Für die einen ein herbeigesehntes Ereignis, dem sie mindestens ab März entgegengefiebert hatten – zumal, wenn sie schulpflichtige Kinder haben und diese Distanzunterricht zu Hause erlebten –, für die anderen, die Arbeitssüchtigen, ein Graus. Alle Typen jedoch treffen sich in Böhmen gerne beim goldenen Gerstensaft. Auch wenn ich Gefahr laufe, als Nestbeschmutzerin zu gelten, wenn ich nun als Pilsener Kind einen Lobgesang auf ein Bier singe, das nicht aus Pilsen kommt, wage ich es dennoch. Dobřany, auf deutsch Wiesengrund oder früher auch Dobrzan genannt, ist heute unser Ziel. Die kleine Stadt liegt im ehemaligen Kreis Mies in Westböhmen, etwa zwölf Kilometer südwestlich von Pilsen entfernt. Die Entfernung von Pilsen ist nicht allzu groß, und daher kann das hiesige Bier mit einer gewissen Großzügigkeit auch als Pilsener bezeichnet werden. Wer von der westböhmischen Metropole Pilsen aus mit dem Zug in Richtung bayerische Grenze fährt, kommt auch an Wiesengrund/Dobřany vorbei. Obwohl das dortige Bier einmalig ist, wie noch näher erörtert
Autorin Kateřina Kovačková mit ihrem Bruder Sven Künkel. wird, ist Dobřany im böhmischen Teil des Landes für etwas ganz anderes bekannt. „Du bringst mich noch nach Dobřany!“, hörte ich in meiner Kindheit nicht allzu selten. In Dobřany gibt es nämlich eine bekannte Nerven-
Hinter der Karte mit Schmankerln der böhmischen Küche und vielen Bierspezialitäten kann man sich sogar verstecken.
heilanstalt mit einer langen Tradition. Wer sich in deren schöner, großzügigen Parkanlage vom Ende des 19. Jahrhunderts ergehen möchte, dem empfehle ich den Besuch. Davor oder danach kann man das erlesene Bier im Blauen Stern, tschechisch Modrá Hvězda, einem Gasthof mit Brauerei und Hotel auf dem Marktplatz in Dobřany, genießen. Der Blaue Stern wird als Privat-Minibrauerei beworben, aber so mini kommt sie mir nicht vor. Die Auswahl an Biersorten ist imposant. Von zehn Grad Stammwürze aufwärts bis etwa 23 Grad: das Höchste der dortigen Gefühle. In Böhmen wird nach wie vor die Bierstärke in StammwürzeGrad, nicht in Alkoholprozenten ausgedrückt. Wer weise ist und etwas von Bier versteht, beginnt bei einer Kostprobe mit den unteren Stammwürze-Zahlen. Jeder, der in Böhmen etwas auf sich hält, beginnt jedoch mindestens bei elf oder zwölf Grad. Da ich jedoch an jenem Tag zum Autofahren verurteilt war, durfte ich es nur bei einem kleinen Nippen am Bierglas der Nicht-Autofahrer bewenden lassen und begnügte mich mit dem hauseigenen alkoholfreien Bier. Welch angenehme Überraschung: Ein so gutes Alkoholfreies hatte ich noch nie getrunken.
Dazu muß ich sagen: Das Bier war fast zum Kauen, nahrhaft, voller Hefe und Malz, süffig, weniger Getränk als Nahrungsmittel. Wer auf Hefeweißbier steht, dem sage ich: Welch ein Genuß! Der Geschmack geht in eine ähnliche Richtung, obwohl die Brauart eine andere ist. Da die Flüssigkeit nicht erwärmt werden darf, um die Gärung und im Zuge dessen Alkoholbildung zu vermeiden, muß das künftige Bier im kalten Zustand mit Hopfen angereichert werden. Bis dahin hatte ich geglaubt – da ich als Autofahrerin zwangsweise auch mit den alkoholfreien Biersorten in der Tschechischen Republik Bekanntschaft machte–, daß das beste Alkoholfreie jenes aus Kuttenplan bei Marienbad sei. Ist es auch, aber erst nach dem Alkoholfreien vom Blauen Stern, das seinen Genießer buchstäblich zu den Sternen schickt, ohne ihn zu alkoholisieren. Wiesengrund/Dobřany und das Hotel Zum Blauen Stern sind auch immer gut besucht, zumal in den Ferien, wenn das Wetter schön ist. Der Weg dorthin ist angenehm und führt über eine nicht allzu hügelige, aber auch nicht zu flache, malerische Landschaft, daher ist es das Ziel vieler Radfahrer. Wie ich im Biergarten im Hinterhof des Blauen Sterns feststellte, waren wir beinahe die
einzigen Nicht-Radfahrer. Dieser Ort ist ein Geheimtip, den ich hier nun über die Grenzen hinweg öffentlich preisgebe. Köstlich ist nicht nur das Bier, sondern auch das Essen aus der nicht überbordenden Speisekar-
te. Ich wählte die Svíčková, also Lendenbraten vom Rind, mit Hefeknödeln und Preiselbeeren Außerdem gab es etwa Gulasch oder panierte Olmützer Quargel, also aromatischen ausgebackenen Sauermilchkäse. Wiesengrund ist zwar nicht Prag – das gerade mal 100 Kilometer entfernt ist –, aber es ist wunderschön auf seinem alten, großzügigen Marktplatz. Wiesengrund oder Dobrzan besaß seit dem 13. Jahrhundert das Marktrecht. Der Ort hat noch eingeschossige Gebäude, wie sie in Pilsen spätestens im 17. Jahrhundert abgerissen oder aufgestockt wurden. Man trifft dort fast keinen Menschen außer den Einheimischen und ein paar eisschleckende Kinder. Es gibt auch eine Konditorei auf dem Marktplatz. Gegenüber der Pfarrkirche Sankt Nikolaus steht die runde Kirche Sankt Veit mit einem zweiseitigem Altar in der Mitte. Eine Brücke aus dem 16. Jahrhundert führt, nur einige Schritte vom Marktplatz entfernt, über den Fluß Radbusa, der dann ein paar Kilometer weiter östlich in Pilsen mit der Mies die Beraun bildet. Die kurze Strecke lohnt sich. Auf der Brücke wird der Gast ganz still. Da ist nichts vom Trubel einer Großstadt zu spüren. Hier herrscht das Idyll einer gutmütigen Kleinstadt, das Pittoreske, das Liebliche. Ich ermutige alle, gerade die deutschen Nachbarn: Fahrt in die westböhmischen Gefilde, und geht auf die Einheimischen zu. Zeigt Interesse, versucht, deutsch zu sprechen und nicht englisch, und testet ein paar Brocken Tschechisch. Wenn ihr „Dobrý den, jak se máte?“ sagt oder „Jedno pivo prosím“ und „mockrát děkuji“, dann habt ihr die tschechischen Herzen gewonnen.
In Kühlschränken im Flur stehen die hauseigenen Gerstensaftsorten, die man auch gut gekühlt mit nach Hause nehmen kann.
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ders wirken. Denn der Autor verknüpfe sie mit Menschen, die für die heutigen (sudeten) deutsch-tschechischen Beziehungen von großer Bedeutung seien wie etwa Jaroslav Šonka, Thomas Oellermann, David Stecher, Václav Petrbok, Angelika Ridder, Ivan Binar, Harald Salfellner, Lydie Holinková, Václav Maidl, Peter Brod oder Joachim Bruss. „Hinter jedem dieser Namen öffnet sich eine Tür in die Welt des Zusammenwirkens, des Forschens und Schaffens über böhmische Themen.“ Mit „großer sprachlicher Eleganz“ erzähle Peter Becher“, so befindet Finger, „von der vor unseren Augen und in den ZusamDie alte Empfangshalle des Prager Hauptbahnhofs mit den als Königinnen bezeichneten Statuen fasziniert den Autor ebenso wie ein Mann, der Bohumil Hrabal ähnelt, auf einer Bank vor dem menkünften mit seinen Prager südlichen Springbrunnenrondell des Prager Karlsplatzes. Rechts das Titelbild des Buches mit Blick auf die Prager Burg. Bilder: Peter Becher, Jan Salomon (Cover) Freunden erlebbaren und erlebten Geschichte.“ Auf seinen mäandernden SpaIm Prager Vitalis-Verlag ist kürzlich cher dem Leser die schöne Stadt an der � Tagebuch eines Dichters neugieriger Flaneur bewegt sich Pe- ziergängen durch Prag zieht es Becher das „Prager Tagebuch“ von Peter Be- Moldau aus einer völlig neuen Perspekter Becher frei durch die Stadt, die noch immer wieder zum Hauptbahnhof, wo cher erschienen. Der Vorsitzende des tive nahe. Denn Becher bettet seine heunicht von der Corona-Geißel erreicht ist, er sich verguckt, wie Finger erläutert: Adalbert-Stifter-Vereins schildert hier tigen, aktuellen Prag-Erlebnisse immer und notiert Erlebnisse, Impressionen „Wie einen zeitgeschichtlichen Ankerdie Zeit April 2019 bis Frühjahr 2020, in eine kultur- und historische Perspekund Gedanken. Leider gibt es kein Per- punkt erwählt Becher im alten Empals er Stipendiat des Prager Literatur- tive ein: An allen Ecken und Enden der sonen- oder Ortsregister, was die ganze fangssaal des Prager Hauptbahnhofs eihauses deutschsprachiger Autoren war. Stadt begegnet er im Geiste wichtigen Bandbreite des Buches besser erschlie- ne von den Königinnen als Favoritin, Persönlichkeiten der Geschichte, von ßen könnte. und zwar die ,dritte von links‘.“ Diese n seinem „Prager Tagebuch“ nimmt den böhmischen Nationalheiligen WenErfreuen kann Bechers „Tagebuch“ Steinfiguren haben alles, was hier in den uns der Germanist Peter Becher in ei- zel und Adalbert über Antonín Dvořak jeden Kultur- und Pragfreund, selbst letzten 100 Jahren passiert ist, gesehen ne Wirklichkeit jenseits touristischer und Bohumil Hrabal bis hin zu Sir Nidiejenigen, die die böhmische Haupt- und gehört. Die lockige Königin, die BeFassaden mit. Nicht nur zu verborge- cholas Winton, der jüdischstämmige stadt schon gut kennen. So erläutert Zu- cher an seinem letzten Tag in Prag noch nen oder wenig bekannten Plätzen führt Kinder rettete und dem ein Denkmal am zana Finger, die frühere Heimatpflege- einmal besucht, spricht ihn an und prouns der feinsinnige Chronist und aus- Prager Hauptbahnhof errichtet wurde. rin der Sudetendeutschen: „In seinem phezeit gewissermaßen, daß er wiedergewiesene Sprachmeister. Er stellt uns „Wie doch die Vergangenheit unter ,Prager Tagebuch‘ führt Peter Becher die kommen werde in diese „unbegreifliche auch deutsche und tschechische Schrift- jedem Schritt und Tritt rumort und vib Leser zu Orten, die jedem Prag-Reisen- Stadt“. steller, Künstler und Intellektuelle vor, riert“, befindet Becher. „Wäre es überden zumindest vom Vorbeigenen schon Zuzana Finger freut sich: „Mit diedie sich um den deutsch-tschechischen haupt möglich, vergangenheitsblind lange bekannt zu sein scheinen.“ Die sem romantischen Ausklang darf man Austausch verdient gemacht haben. Das durch die Stadt zu laufen...?“ Dennoch vertrauten Orte wie die Eingangshalle sich auf eine Fortsetzung des Tagebuchs Buch ist kein Fremdenführer oder Tou- ist der Autor nicht „gegenwartsblind“ des Prager Hauptbahnhofs mit dem Fan- freuen.“ Dem schließen sich bestimmt ristenguide, sondern eine literarische und trifft natürlich auch viele heutige ta-Café, das Hlahol-Haus und das Má- alle Leser des „Prager Tagebuchs“ an. Liebeserklärung an eine Stadt, die der Zeitgenossen, die teilweise selbst schon nesgebäude an der Moldau, der Veits Susanne Habel Verfasser seit mehr als 35 Jahren immer Legenden sind wie den früheren Botdom, das Czernin-Palais, das StadtmuPeter Becher: „Prager Tagebuch“. Viwieder besucht. schafter František Černý, Dominik Karseum, das Literaturhaus, Vyšehrad oder Mit seinem sehr persönlichen Prag- dinal Duka, den Eisenbahn-Poeten Ja- Bechers Lieblings-Königin ist für ihn Anker- das Klementinum würden bei der litera- talis Verlag, Prag 2021; 104 Seiten, 14,90 Journal und eigenen Fotos bringt Be- roslav Rudiš und viele andere mehr. Als punkt in Prag. rischen Wieder-Begegnung jedoch an- Euro. (ISBN 978-3-89919-763-1)
In Prag
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� Entdeckungsreise von Autorenduo
Schön deutsch In einer Zeit, in der Deutschland als erstrebenswertes Ziel für Millionen Menschen aus der ganzen Welt gilt und in der viel über deutsche Identität diskutiert wird, haben sich zwei Autoren die Frage gestellt, ob sich „Deutschsein“ – was auch immer das sein soll – in speziellen Objekten, Ritualen, Orten und Absonderlichkeiten manifestiert und worin deren Schönheit liegt.
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u vielfältigen Themen aus Alltag und Umwelt liefert jeder der beiden Autoren jeweils einen brillanten Essay, wobei sich schnell zeigt, daß die Vorstellung von Schönheit immer auch von Herkunft und Erfahrung geprägt wird. Der 76jährige Soziologe Dirk Kaesler, ein Protestant aus Bayern, und die mehr als 20 Jahre jüngere Autorin Stefanie von Wietersheim, eine aus Böhmen und Schlesien stammende Katholikin, sind keine Ausnahme. Somit bietet schon das Autoren-Duo eine gute Grundlage für einen anregenden, nicht immer nur gegensätzlichen Austausch, bei dem die Suche nach Schönheit in deutschen Landen auf breiter Basis geführt wird: Wie steht es mit deutscher Männermode und wie mit Körperbehaarung bei deutschen Frauen? Was macht das klassisch-deutsche Frühstück aus? Wie steht es mit dem deutschen Essen überhaupt? Gerade bei diesen Themen liefern die weitgereisten Autoren interessante Einblicke. Und gibt es einen schönen Duft aus Deutschland? Hier schlägt die autobiographische Note besonders durch. Kaesler als einst armer Münchener Bub schwärmt vom Aroma von Speick-Seife, die Schriftstellerin aus einer Vertriebenenfamilie vom Geruch von Braunkohle und Brühwürstchen, die sie mit einstigen Interzonenzugfahrten verbindet. Ähnlich ist
es mit dem deutschen Porzellan, bei dem jedem eben das schön vorkommt, was im eigenen Leben früh vorkam. Eine sehr deutsche Frage, die sich in manch anderen Sprachen so nicht stellt, ist diejenige nach der schöneren Anrede, ob „du“ oder „Sie“. Hierzu, wie zur Tradition des deutschen Handkusses, weiß der Soziologe mehr sachliche und historische Fakten zu berichten. Er ist jedoch viel hilfloser der Schönheit der deutschen Frau ausgeliefert – von Helene Fischer bis zur „German Beauty“ generell – als seine Ko-Autorin, die dafür den kenntnisreicheren Beitrag über Potsdam bietet. Neben diesem Ort setzen beide sich auch noch mit München, Hamburg, Hiddensee und deutschen Schlössern auseinander, und dies immer pointiert, amüsant und lesenswert wie bei allen Beiträgen. Schade ist nur, daß es in einem Buch über „Schönheit“ kein einziges Bild gibt – obwohl Wietersheim sehr schön fotografiert, wie auf Instagram zu sehen ist. Susanne Habel
Dirk K aesler, Stefanie von Wietersheim: „Schön deutsch“. Verlag Literaturwissenschaft, Marburg an der Lahn 2021; 324 Seiten, 22 Euro. (ISBN 978-3-936134-79-7)
Der Titel „75 Jahre Seelsorge für die Deutschen aus der Tschechoslowakei“ täuscht ein wenig, denn in diesem Jubiläumsband geht es auch um die katholische Vertriebenenseelsorge überhaupt.
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� Jubiläumsband
as zeigt schon das erste von 47 Fotos mit dem Bild des ermländischen Bischofs Maximilian Kaller, der nach Kriegsende der erste Päpstliche Sonderbeauftragte für die deutschen Vertriebenen wurde. Er erwartete eine empathische Seelsorge und mehr Bereitschaft der westdeutschen Bischöfe, Priester für die Arbeit in der Ostzone zur Verfügung zu stellen. Unter schwierigen Bedingungen schuf Kaller den Grundstock für das theologische Zentrum der Vertriebenen in Königstein. „Versöhnung – Urwort der Seelsorge“ sei sein Leitmotiv gewesen, so Vertriebenenbischof Pieschl zu Kallers 50. Todestag. Autor Rainer Bendel ist ein Kenner der Situation von Heimatvertriebenen, denen er bereits viele Publikationen gewidmet hat. Er ist aplombierter Professor für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Vertriebenenorganisationen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa. Der Untertitel des Buches „… daß sie Boten der Versöhnung und Boten des Friedens seien“ stammt von dem Augustinerpater Paulus Sladek (1908– 2002), dem ehemaligem Leiter der kirchlichen Hilfsstelle Süd in München, einem begnadeten Prediger. Im Sprachduktus der fünfziger Jahre sollten die Vertriebenen „nicht Sprengstoff, sondern Baustein sein, ein Elitebataillon im Weltbürgerkrieg“. Für die katholischen Sudetendeutschen galt das für die Ackermann-Gemeinde (AG). Bendel gliedert sein Buch in zehn Kapitel: Ausgangssituation für die Integration, Diaspora als Chance und Gefahr, Nothilfe
75 Jahre Seelsorge der Caritas, Strukturen für eine Stimmrecht genommen wurde. Sonderseelsorge, Vertriebenen- Bendel verzichtet darauf, die Frabischöfe und Visitatoren, Publi- ge anzuschneiden, wer für den kationsorgane, zentrale Themen, Ausschluß der Visitatoren verdie Vertriebenen und der Eiser- antwortlich war: Rom oder die ne Vorhang, Aspekte zur Einord- DBK, die jeweils die Verantwornung und Perspektiven für die tung auf den anderen schoben. zukünftige Arbeit . Eine Reise der Visitatoren in den Ein kompaktes Kapitel über Vatikan brachte keine Klärung. die AG, deren 75jähriges Beste- Die Desavourierung der Vertriehen Anlaß für dieses Buch war, benen ging weiter. Kein Heimatfehlt. In einer vertriebener Fußnote weist Ein Dreivierteljahrhundert gehörte den Zeitgeschichte Bendel allerersten Gremidings darauf en von Renohin, daß dies keine Geschich- vabis an, Pieschl wurde kein Mitte der AG sein sollte. Geholfen glied der Deutsch-Polnischen Bihätte eine Zeittafel, und vor al- schofskommission und bei den lem fehlt ein Personenregister. ersten direkten Kontakten zur Mußte das Gendern sein? Uner- tschechischen Bischofskonferenz klärlich ist auch, warum das ver- nicht berücksichtigt. Der Katholidienstvolle Wirken von Franz Ol- sche Flüchtlingsrat wurde bei der bert, dem Generalsekretär der Besetzung des Stiftungsrats von Ackermann-Gemeinde von 1976 „Flucht, Vertreibung, Versöhbis1998 und Brückenbauer, nicht nung“ zugunsten von Pax Chriberücksichtigt wurde. Olbert war sti von der DBK umgangen. Der über Jahrzehnte das Gesicht der Ackermann-Gemeinde und legte die materielle Grundlage dafür, daß die Seelsorge an den Deutschen aus der ČSSR überhaupt möglich wurde. Schon im Vorfeld der „Charta der Heimatvertriebenen“ von 1950 gelobten die Vertriebenen auf ihrer Wallfahrt in Altötting 1947 den „Verzicht auf Rache und Vergeltung“. Eigene Veranstaltungen wie diese Wallfahrt sollten den zögernden, ja abweisenden Bischöfen die Notwendigkeit einer Sonderseelsorge verdeutlichen. Hinweise auf Spannungen der katholischen Vertriebenenseelsorge mit der Bischofskonferenz (DBK) durchziehen das Buch. So wurde der „Vertriebenenbischof“, Weihbischof Gerhard Pieschl (1983–2009), von seinen Mitbrüdern als „störende Stim- Rainer Bendel: „75 Jahre Seelsorge me“ empfunden, genauso wie für die Deutschen aus der Tschechodie Visitatoren, denen – schon slowakei“. Aschendorff Verlag, Münbevor sie 1998 die Bischofskon- ster 2021; 346 Seiten, 24,80 Euro. ferenz verlassen mußten – das (ISBN 978-3-402-24812-6)
Hinweis darauf fehlt bei Bendel. Ebenso, daß Weihbischof Pieschl mit den Visitatoren und dem Katholischen Flüchtlingsrat auf eigene Faust in die Nachbarländer reiste und dort – wie der Rezensent bezeugen kann – von den Bischöfen verständnisvoll und herzlich empfangen wurde. P ieschl wollte die Versöhnung, fragte aber zum Unwillen seiner bischöflichen Mitbrüder: „Was ist mit Versöhnung gemeint?“ Noch heute wartet nicht nur Pieschl, der von „Versöhnung als dem Urwort der Seelsorge“ sprach, auf eine Aufarbeitung des Verhaltens des polnischen/tschechischen/slowakischen Klerus gegenüber den deutschen Priestern nach 1945. Hatte sich Papst Pius XII. an die Seite der Heimatvertriebenen gestellt, wurde es später anders. Bendel zitiert aus einem Artikel des Königsteiner Weihbischofs Adolf Kindermann nach der Neuregelung der Bistumsgrenzen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten 1972: „Es besteht die Gefahr, daß nicht wenige ihr großes Vertrauen auf den Heiligen Stuhl verlieren.“ Denn mit keinem Wort war das Unrecht der Vertreibung von Millionen Deutscher erwähnt worden. Von Anfang an – so Bendel – sei der Europagedanke eine wichtige Orientierung für die Vertriebenen gewesen. In diesem Sinne sollten Jugendliche länderübergreifend für den Austausch über die Europa fundierenden und auszeichnenden Werte begeistert werden. Bendel erwähnt den Rohrer Sommer als Begegnungstreffen und Fahrten des Hochschulrings der AG nach Prag. Es sei darum gegangen, „Haß abzubauen und somit eine Basis zur Lösung der strittigen politischen Fragen herzustellen“. Neben den Begegnungen mit tschechischen und slowakischen Jugendlichen und deren Gruppen bei gemeinsamen Treffen habe in den Sechzigern die Mitarbeit im Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde und das Kennenlernen der Situation der Katholischen Kirche in der ČSSR im Vordergrund gestanden. Norbert Matern
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VERBANDSNACHRICHTEN
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Eisgrub: Steffen Hörtler auf dem Schloßbalkon und die Neudeker, die Wischauer sowie Marie-Luise und Ortfried Kotzian im Schloßpark.
� SL-Landesgruppe Bayern
Südmähren – eine Kulturlandschaft im Herzen Europas Andreas Schmalcz, Leiter der Geschäftsstelle der SL-Landesgruppe Bayern, berichtet über die Teilnahme der Landesgruppe am Versöhnungsmarsch am letzten Juliwochenende in Brünn und deren anschließende Südmährenreise.
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edes Jahr gibt es Tage, an denen wichtiger historischer Ereignisse gedacht und an das Glück des Falls des Eisernen Vorhangs erinnert wird. Dieser Fall bescherte unserem Kontinet das Überwinden einer unnatürlichen Teilung und das Wiederzusammenwachsen eines großen historischen Kulturraums mitten in Europa. Der 13. und der 21. August waren solche Gedenktage. Leider läuft es in Europa auf politischer Ebene gegenwärtig nicht gut mit seiner vielbeschworenen Einheit. Ganz schnell war man wieder bei Grenzschließungen, deren Öffnungen über Jahrzehnte unter Opfern erkämpft worden waren. Um so wichtiger ist, daß wir Sudetendeutsche und alle anderen deutschen Heimatvertriebenen und Aussiedler dieses vereinte Europa mitgestalten. Dabei geht es um unsere gemeinsame Heimat. Ein Höhepunkt dieser Arbeit war die Teilnahme einer großen Delegation unter Federführung der Landesgruppe Bayern mit Steffen Hörtler an der Spitze am diesjährigen Brünner Versöhnungsmarsch (Ý SdZ 31/2021). Neben vielen Bayern waren heuer auch Teilnehmer aus Baden-Württemberg, Sachsen, Hes-
Ende Juli ehrte die SL-Landesgruppe Bayern Dieter und Hannelore Heller, verdienstvolle SLAktivisten aus Mittelfranken, auf Schloß Ratibor bei Roth.
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m Normalfall ist es kein Problem, in der mittelfränkischen SL-Kreisgruppe Roth-Schwabach kurzfristig eine Veranstaltung anzusetzen. Man ruft nur den Kreisobmann Dieter Heller und seine Frau Hannelore an, und mit Sicherheit kommt jeder, wenn er nicht gerade verreist ist. Schwierig wird es allerdings, wenn man den genannten Protagonisten nur sagen kann, daß ein wichtiger Termin wahrzunehmen sei, weil eine Überraschung geplant werde. Trotz leichten Nieselregens kamen sehr viele Landsleute in den Ratiborer Schloßhof und staunten, daß außer Landesobmann Steffen Hörtler auch noch Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer, Landrat Herbert Eckstein und der Landtagsabgeordnete Volker Bauer gekommen waren. Und natürlich das Ehepaar Hannelore und Dieter Heller, beide übrigens in Festtracht, worum die Landesgeschäftsstelle
sen, Böhmen und Österreich in der SL-Bayern-Delegation. Mit Christina Meinusch (Heimatpflegerin), Reinfried Vogler (Altpräsident der Bundesversammlung), Ortfried Kotzian (Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung), Torsten Fricke (Sudetendeutsche Zeitung) und Stefan Planker (Museumsdirektor) waren zahlreiche Spitzenvertreter der Volksgruppe an Bord der
Der Samstag stand im Zeichen des Marsches. Viele Delegationsteilnehmer marschierten die ganzen 32 Kilometer. Unter ihnen waren eine Abordnung der SdJ mit ihrem Bundesvorsitzenden Mario Hierhager. Andere erkundeten die Schönheiten der mährischen Metropole. Die zentrale Lage des Hotels lud dazu ein, nach dem Abendessen etwas zu flanieren. Die Stadt
Die Konzelebranten der Sonntagsmesse in der Brünner Sankt-Jakobs-Kirche mit Pfarrer Klaus Oehrlein (rechts) aus Würzburg, dessen Wurzeln im Egerland liegen. Bilder: Hannelore Heller (2), Monika Ofner-Reim (1) zwei Busse aus München. Andere kamen mit dem Zug oder ihrem Auto am Freitagabend in die mährische Landeshauptstadt. Das Hotel International im Stadtzentrum unterhalb der Festung Spielberg erwartete die Gäste bereits mit einem mährischen Buffet.
mit ihrem südmitteleuropäischen Flair sprühte voller Leben – eine Wohltat nach den Monaten der Ausgangssperre. Am Sonntagmorgen ging die Gruppe zur nahen Kirche Sankt Jakob, einem prächtigen Bau, der 1228 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden war. Der von der
Ackermann-Gemeinde gestalte- rück. Die Synagoge ist die letz- symbolisieren sollen, fuhr die te tschechisch-deutsche Gottes- te tschechische Synagoge des Gruppe nach Asparn an der Zaya dienst war ein geistig-musika- Typus Lemberg. Über lange Zeit im niederösterreichischen Weinlischer Genuß. Das gleichzeitig war in Nikolsburg die größte jü- viertel. Bei den sudetendeutschen Landsleuten der FaTschechisch und Deutsch milie Hans, die seit Gegebetete Vaterunser zeugnerationen Weinbau und te vom Christentum als Kellerwirtschaft betreiben Kitt zwischen den Völkern und sich nach der VertreiEuropas. bung auf österreichischer Heuer fuhren die bayeriSeite wieder eine neue schen Busse nach der sonnExistenz aufgebaut hatten, täglichen Messe nicht wiekehrten wir zum Heurider zurück nach Bayern, gen ein. Neben sehr gutem sondern blieben in SüdWeiß- und Rotwein gab es, mähren. Als erstes stand gerade auch für die beiden Schloß Eisgrub auf dem Busfahrer, einen hervorProgramm. Das prachtvolragenden eigenen Traule Schloß mit seiner üppi- Die Synagoge in Nikolsburg. bensaft. Auch Speck, Kägen Parkanlage im TudorStil war über Jahrhunderte im dische Gemeinde Mährens an- se und Paprika kamen aus örtliBesitz des Hauses Liechtenstein. sässig. Auch für die gesamteuro- chem Anbau. Nebenbei gab es Nach dem Zweiten Weltkrieg päische Geschichte war Nikols- eine Kellerführung mit Verkowurde es im Rahmen der Beneš- burg ein wichtiger Schauplatz. stung und Informationen über Dekrete enteignet. Das Fürsten- Nach der verlorenen Schlacht bei die Geschichte des Weinanbaus tum Liechtenstein hatte bereits Königgrätz im deutschen Bru- der Gegend. Ein Akkordeonspieler bot ein mehrere vergebliche politische derkrieg handelten die Österreiund juristische Anläufe unter- cher hier einen Waffenstillstand breites Repertoire vom Böhmerwaldlied bis zu Wiener Heurinommen, um es zurück zu erhal- mit den Preußen aus. gengesängen. Spät in der ten. Bei blendendem Sonnenschein konnte sich die Reise- Trauben, weißer und roter Wein, Nacht kehrten beide Busse wohlbehalten nach Brünn zugesellschaft ein Bild von der Speck, Käse und Paprika rück. Pracht vergangener liechtenDanach trennten sich die beiAm Montagmorgen spielte steinscher Zeiten machen. Bei der Weiterfahrt nach Ni- den deutschen Mächte. In der Eberhard Heiser, Obmann der kolsburg konnte man vom Bus Folge entstand die Doppelmon- bayerischen SL-Bezirksgruppe ein weiteres Liechtensteiner Ju- archie Österreich-Ungarn, die Mittelfranken, ein Abschiedswel bewundern: das Schloß in den zwar nur 50 Jahren ihres ständchen. Die SL-LandesgrupFeldsberg. Die Stadt Nikolsburg Bestehens aber für alle Landes- pe Bayern dankt der Sudetenwar über Jahrhunderte ein be- teile eine immense wirtschaftli- deutschen Stiftung, dem Haus deutendes Zentrum der Region. che und kulturelle Entwicklung des Deutschen Ostens (aus MitViele architektonische Schön- brachte. Diese legte den Grund- teln des Bayerischen Staatsminiheiten mit dem Schloß über der stein auch für heutige Höchstlei- steriums für Familie, Arbeit und Soziales) und dem BundesminiStadt zeugen von einer reichhal- stungen in diesen Ländern. Um zu demonstrieren, daß sterium des Innern, für Bau und tigen Entwicklung. Nikolsburg blickt auch auf ei- Grenzen nicht mehr Trennung, Heimat für die finanzielle Unterne lange jüdische Tradition zu- sondern Zusammengehörigkeit stützung der Fahrt.
� SL-Landesgruppe Bayern
Ehre, wem Ehre gebührt unter einem Vorwand gebeten hatte. Als Hörtler mit seiner Rede begann, schwante ihnen etwas. Hörtler würdigte ihr jahrelanges Wirken für die Volksgruppe. Zum Einem vor Ort in ihrer Kreisgruppe. Regelmäßig veröffentlichten sie ein eigenes Mitteilungsblatt, ebenso regelmäßig treffe sich die Kreisgruppe zu Versammlungen, zum kulturellen Austausch und im Kochkreis. Vor wenigen Jahren hätten sie ein Buch über das Flüchtlingslager Vogelherd in Schwabach erarbeitet. Genauso gehörten Maiandachten und Fahrten in die Heimat zum Programm.
res für Stadt und Landkreis und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, diese fruchtbare Zusammenarbeit fortsetzen zu können. Hannelore Heller in ihrer Dankesrede: „Wir halten zusammen und werden bei der Sache bleiben.“ Mittelfrankens Bezirksobmann Eberhard Heiser und mehrere Landsleute hatten die Ehrung musikalisch begleitet. Anschließend trafen sich alle im Gasthaus Waldblick. Andreas Schmalcz
pe einerseits solvent bleibe, an- gen – die Hellers waren dabei dienstmedaille der SL-Landesdererseits aber auch eine aktive – der scheidende Deutsche Bot- gruppe verleihen dürfe. Beide heimatpolitische Arbeit – auch schafter in Prag, Christoph Is- waren äußert überrascht und gein der Tschechischen Republik rang.“ (Ý SdZ 29/2021). ehrt, daß sie wenige Tage nach – leisten könne. Immer wichUm so mehr, so Hörtler, freue der Ehrung in Prag nun auch tiger werde auch die Unterstüt- er sich, daß er in diesem histori- sie diese hohe Ehrung erhielten. zung der Orts- und Kreiskas- schen Ambiente Hannelore und Auch die örtlichen Politiker würsierer. Durch ständig neue bun- Dieter Heller die Goldene Ver- digten das Wirken des Ehepaades- und europapolitische Vorgaben werde die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht einfacher. Wichtig sei Hannelore und Dieter Heller die Erfassung aller Vertriebenendenkmale im Freistaat, um ihren Erhalt langfristig zu gewährleisten. Hörtler: „In meiner Amtszeit seit 2014 habe ich erst drei Persönlichkeiten die höchste Auszeichnung Heimatküche, solide Finanzen der Landesgruppe Bayern und registrierte Denkmale überreicht. Das waren Sigrid Leneis, die jahrzehnAußerdem engagiere sich das telang in verschiedenen PoPaar auf Landesebene. Seit vie- sitionen die Volksgruppenarlen Jahren verwaltete es die Fi- beit maßgeblich mitgestaltet nanzen der Landesgruppe, sorge hat, die damalige Schirmherr- Hinten von links Herbert Eckstein, Volker Bauer MdB, Steffen Hörtler, Ralph Edelhäuser und Eberhard Heiser. Vorne in mit einer soliden Haushaltsfüh- schaftsministerin Emilia Mül- Festtracht Hannelore und Dieter Heller mit Medaille und Urkunde, rechts daneben Margaretha Michel, Stellvertretenrung dafür, daß die Landesgrup- ler und erst vor wenigen Ta- de Obfrau der SL-Landesgruppe.
10 � SL-Ortsgruppe Passau/Niederbayern
Eine Ausstellung und ihr Macher tet auch ein Faltblatt, das man auch von der Passauer SL erhalten kann. Wenzel hatte Cidlina ebenso darin bestärkt, unabhängig von der Stadtverwaltung von Böhmisch Leipa, die nun bereits vorbereitete Ausstellung in eigener Verantwortung zu organisieren. So brauche er er charismatische junge keine Angst vor RepressaliHistoriker Tomáš Cidli- en zu haben. Dennoch hätten na ist Vater dreier noch klei- einige wenige Leute in Böhner Kinder und seit zehn Jah- misch Leipa die Ausstellung ren beim Heimatkundemuse- für problematisch gehalten, um. „Bis dahin hatte ich keine berichtete Cidlina. Ahnung, wie die Menschen in Diese kleine Gruppe haBöhmisch Leipa vor dem Krieg be publikumswirksam degelebt hatten. Das alles wurde monstriert. Dazu sei gekombei uns in der Schule nicht be- men, daß die Vernissage zuhandelt.“ fällig auf den tschechischen Er habe nichts von der Ge- Gedenktag für die Opfer von schichte dieser Menschen ge- Lidice gefallen sei. Diese Opwußt. Deshalb gehe es ihm fer von nationalsozialistischer heute um deren Geschich- Willkür und Brutalität waren ten. Er sammle Geschichten, Opfer des Vergeltungsschlasammle die Erinnerungen der ges nach dem mutigen tscheMenschen, die vor dem Krieg choslowakischen Attentat in Böhmisch Leipa gelebt hät- auf den Nazistatthalter Reinten. Mittlerweile habe er viele hard Heydrich. Daß die KomErinnerungen zusammenge- munisten gegen die Aussteltragen. Diese habe er kürzlich lung demonstriert hätten, soltrotz Corona der Öffentlich- le er als Kompliment nehmen, keit zugänglich machen kön- habe ein Freund gesagt. Den nen, und zwar auf 18 Foto- Politikern sei lediglich an ihStellwänden auf dem Markt- ren Stimmen gelegen. Cidlina: platz von Böhmisch Leipa „Die jüngeren, hier geborenen unter dem Ausstellungstitel Menschen hatten aber über„Ein Stück Heimat – Plätze haupt kein Problem mit unseund Menschen“ (Ý RZ in der rer Ausstellung.“ SdZ 26/2021). Was Cidlinas Vortrag so 2019 hatte ihm Helga Hel- bereichernd und wohltuend ler, die 1927 in Böhmisch Lei- machte, war sein friedfertipa geborene Obfrau der SL- ger, völkerverständigender Orstgruppe Passau, sieben Ansatz. Der junge tschechiFotoalben sche Wisanvertraut senschaftmit den Erler brachte innerungen sogar eigeverschiene lyrische dener SuTexte mit detendeutein, welche scher. Wie er auf Bitten eine Verräeines Muterin an der sikerfreunSache der des für ein Sudetentraditionell deutschen völkerversei sie sich ständigenHelga Heller mit einem Bild der Aus- des unmittelFestibar danach stellung in Böhmisch Leipa und val in BöhTomáš Cidlina mit dem zweisprachi- misch Leipa vorgekommen, be- gen Ausstellungsprospekt. geschrieben kannte Helhatte. Dega Heller nun. Schließlich ha- ren Rezitation gestaltete sich be sie das kostbare Gut quasi so unprätentiös wie der ganin tschechische Hände gege- ze Vortrag. Dem Liedtext lag ben. Doch als sie gesehen ha- eine vierteilige Kompositibe, was Tomáš Cidlina damit on über den Böhmerwald zufertiggebracht habe, habe sie grunde, über dessen Natur, das großartig gefunden. Cidli- den technischen Fortschritt, na: „Diese Fotografien waren die Vertreibung und die Gewirklich ein Schatz für uns.“ genwart. Cidlina las „LandDoch der Weg, diesen Schatz schaft der sieben Schmerzen“, angemessen präsentieren zu den ersten Teil des komplexen können, sei auch auf Wider- Werk-Zyklus‘ über die Natur stand gestoßen seitens der des Böhmerwaldes und die Stadt Böhmisch Leipa. Die ha- ökologische Verantwortung be keinerlei politische Inten- des Menschen. tion der Ausstellung, sondern Die empathische, versöhlediglich sinnfreie Ästhetik nende Art und Weise dieses gewünscht, die den Kopf nicht Vortrags hatte zur Folge, daß allzu sehr belaste. auch die Teilnehmer der VerMenschengruppen, Thea- anstaltung sich öffneten und teraufführungen, Straßenan- begannen, weit zurückliegensichten, Geschäfte, Gebäude, de Reminiszenzen preiszugeLandschaften sind auf den Fo- ben. Die heutigen Menschen tografien zu sehen. Die Aus- in Böhmisch Leipa restaustellung mit dem Wort „Hei- rierten alte Häuser, berichtemat“ zu betiteln, dazu habe te Tomáš Cidlina, sie sorgten ihn, so Cidlina, der Regens- für saubere Luft, ließen hoffen, burger Ulf Wenzel ange- daß liberale Positionen zu doregt. Dieser habe ihm näm- minieren begännen. lich Bilder und Texte seines Und die Teilnehmer der aus Böhmisch Leipa vertriebe- Veranstaltung im Rosencanen Vaters, des Allgemeinarz- fé lauschten aufmerksam, als tes Fritz Wenzel, anvertraut. Tomáš Cidlina bekräftigte: Fritz Wenzel sei in die SBZ „Heute wächst eine ganz anvertrieben worden, die dann dere Generation heran.“ Und: zur „DDR“ geworden sei. Von „Ich habe über dies alles bedort aus habe er mitunter sei- richtet, damit Sie eine Vorstelne geliebte Heimatstadt besu- lung haben, wie wir Tschechen chen können. Die zweisprachi- heute über dieses Leben dengen Texte zur Ausstellung bie- ken.“ Marita Pletter Beim jüngsten Treffen der niederbayerischen SL-Ortsgruppe Passau im Rosencafé Aschenberger war der tschechische Historiker Tomáš Cidlina zu Gast. Cidlina ist Mitarbeiter des Heimatkundemuseums in Böhmisch Leipa in Nordböhmen.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
� Sudetendeutsches Priesterwerk
Urlaub in der Oberpfalz Zeit des Hochbarock war noch nicht von der Seuche des Nationalismus geplagt. In der Kunst des Barock war Europa als einheitlicher Kulturraum zu erfahren. Ein schönes Signal ist, daß wir im Zeichen der Apostelfürsten, der Heiligen Familie und des heiligen Johannes von Nepomuk hier zusammen sind.“ Voderholzer ging auf einen weiteren mit Johannes von Nepomuk verbundenen Aspekt
Geistlichen Eucharistie. Haupt- Prior die über dem Altar dargezelebrant Rudolf Zbožínek wür- stellte Szene der Auffahrt Maridigte in seiner Predigt Rohr als ens in den Himmel und verriet einen Ort lebendiger Geschich- technische und handwerkliche te und ging auf die Historie der Geheimnisse. Auf dem Friedhof hier ansässigen Benediktiner neben der Kirche mit den Gräein. Diese aus ihrem Kloster in bern der verstorbenen Patres und Braunau in Böhmen vertriebe- Fratres der Rohrer Benediktinernen Mönche fanden mit Zustim- Abtei beteten die tschechischen mung des damaligen Regensbur- Priester für diese. ger Bischofs Michael Buchberger Am Nachmittag standen eiährend der drei Urlaubstaein neues Zuhause im ehemali- ne Schiffahrt von Kelheim nach ge wohnten die Priester im gen Augustinerchorherren-Klo- Weltenburg durch den DonauSchloß Spindlster in Rohr. „Sie durchbruch sowie die ebenhof in Regen sind mit Abt Do- falls von den Brüdern Asam gestauf, einem Bilminik Prokop schaffene Klosterkirche in Weldungshaus des gekommen. Eine tenburg auf dem Programm. Bei Bistums Regensviele Jahrzehnte sommerlichen Temperaturen burg. Am ersten währende gute wurde im Biergarten das WeltenTag feierte DiöZeit folgte.“ Auf- burger Bier gekostet. zesanbischof Rugrund fehlender Zum Schluß besuchten die dolf Voderholzer Berufungen ge- tschechischen Priester die früheim Chorraum des he diese leben- re Oberpfälzer Hauptstadt AmRegensburger dige Geschich- berg. In der hoch über der Stadt Doms mit den Bischof Rudolf Voderholzer mit den zwei tschechischen Konzelebran- te langsam zu gelegenen Wallfahrtskirche MaBilder: Markus Bauer Ende. Zbožínek ria Hilf feierten sie Gottesdienst. Priestern Eucha- ten beim Hochgebet. ristie – größwies auch auf Nach der Kirchenführung und tenteils in tschechischer oder la- ein, der auch mit der Familie sei- den 1968 nach Rohr gekomme- dem Mittagessen gab es eine teinischer Sprache. Die Begrü- ner in Kladrau geborenen Mut- nen und bis 1990 hier im Exil le- Stadtführung. ßung und Predigt waren deutsch, ter Maria Voderholzer/Schill zu- benden Abt Anastáz Opasek, Der Urlaub sollen für die Klegedolmetscht von Rebecca sammenhängt. Der heilige Jo- Erzabt des Klosters Breunau, hin riker ein Zeichen der Würdigung hannes habe sich gegen die von – und damit auf das Wirken der ihres Einsatzes trotz widriger Kopřivová. Voderholzer: „Gerne bin ich König Wenzel IV. beabsichtigte Ackermann-Gemeinde und der Umstände sein. In ihren ersten der Einladung gefolgt, mit Ihnen Verkleinerung des Bistums Prag von Opasek gegründeten Verei- Priesterjahren oder -jahrzehnten die Messe zu feiern und den Tag durch die geplante Gründung ei- nigung Opus Bonum. Eine weite- hatten sie die Benachteiligunzu verbringen. Unsere Völker nes Bistums Kladrau mit der dor- re Verbindung seien die Brüder gen und Repressionen seitens verbindet eine große gemeinsa- tigen Schloßkirche als Bischofs- Cosmas Damian und Egid Quirin des kommunistischen Regimes me Geschichte, aber auch die sitz gewandt. Johannes habe dies Asam, die neben dem Gotteshaus in der ČSSR am eigenen Leib Weitergabe der Botschaft Chri- verhindern können – mit der in Rohr auch in den sti.“ Er erinnerte an die Taufe von Folge seiner Gefangennahme Klöstern in Kladrau 14 böhmischen Fürsten 845 am und letztlich dem Martyrium. und in Prag tätig geSeit vielen Jahren fahre er wesen seien. „Die Hof des ostfränkischen Königs in Regensburg, die Gründung des zum Patrozinium Mariä Himmel- Brüder Asam schuBistums Prag durch den Regens- fahrt Mitte August zur Schloßkir- fen ein unglaubliburger Bischof Wolfgang 973, che. „Diese Begegnung aus vie- ches Werk.“ die Gründung des Bistums Pilsen len Himmelsrichtungen war und Die kunstge1993 und die freundschaftliche ist wie eine Brücke zwischen un- schichtlichen InhalVerbindung zwischen den Bis- seren Völkern.“, sagte er, bat um te der Kirche vertümern Pilsen und Regensburg. die Fürsprache der heiligen Bar- tiefte Prior Frater Angesichts des Tagesgedenkens tholomäus und Johannes und er- Franziskus Neuhauan den heiligen Bartholomäus innerte an das Motto des Deut- sen OSB. Zunächst Monsignore Martin Holik, Gründer und Direktor blickte der Bischof gedanklich schen Katholikentags 2014 in Re- nannte er jedoch das des christlichen Radiosenders Proglas, Pfarrer Ruauf die Kathedrale in Pilsen mit gensburg „Mit Christus Brücken Jahr 1803, als im Zu- dolf Zbožínek und Pfarrer František Slavíček zelebauen“. eben jenem Patronat. ge der Säkularisa- brieren die Messe in Rohr. In zwei Gruppen erhielten die tion in Bayern alDie Eucharistiefeier im Chorraum erlaube, so Voderholzer, ei- Priester eine Domführung, und le Klöster – auch das in Rohr und bei der Ausübung ihres Benen optimalen Blick auf den ba- Bischof Voderholzer zeigte ihnen – aufgehoben worden und das rufes erlebt. Die Betreuung und rocken Hochaltar. Dieser zeige einige seiner Weihnachtskrip- Gebäude 143 Jahre lang leer ge- Begleitung hatte dem Ehrenvorneben den Apostelfürsten Petrus pen. Mit einer Führung in Re- wesen sei. Mit der Übernahme sitzenden des Sudetendeutschen und Paulus sowie Maria und Jo- gensburg endete der erste Tag. durch die vertriebenen Benedik- Priesterwerks, Monsignore Karl Einem (sudeten)deutsch- tiner aus Braunau sei 1946 neu- Wuchterl, und dem Beisitzer im sef auch das Martyrium des Heiligen Johannes von Nepomuk. tschechischen Kapitel war auch es Leben ins Kloster gekommen Sudetendeutschen Priesterwerk, Kurz nach dessen Heiligspre- der Mittwochvormittag gewid- – mit dem Gymnasium, dem In- Pfarrer Alois Schmidt, Seelsorger chung 1729 sei er hier auf diese met. In der Asam-Kirche Mariä ternat und vielen weiteren Akti- in Bernhardswald, oblegen. Weise gewürdigt worden. „Die Himmelfahrt in Rohr feierten die vitäten. Detailliert beschrieb der Markus Bauer
Nach einem Jahr Corona-Pause fand Ende August wieder der vom Sudetendeutschen Priesterwerk mit der Bayerischen Bischofskonferenz, dem Präses der Sudetendeutschen und der Ackermann-Gemeinde organisierte Urlaub für 18 Geistliche ab 60 Jahren aus allen tschechischen Bistümern statt.
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� Förderverein Maria Kulm
Ein Hochfest der Liebe trum seiner Begrüßung. Wie seine eigene Familie hätten alle am Abend vor der Vertreibung in der Wallfahrtskirche Maria Kulm für eine erfolgreiche Zukunft in der neuen Heimat jenseits des Egerlands gebetet. Der Glaube sei für viele Egerländer Quelle der Kraft und des Erfolgs. Über die Kraft des Glaubens predigte auch der Probst Kučera. Nur wer Gott liebe, werde wie Maria emporgehoben und erlebe seelische und körperliche Heilung. Als einfache, aber tief gläubige Frau habe Maria Wunder erlebt. Ihre unbefleckte Empfängnis, ihre körperlich unversehrte Aufnahme in den Himmel seien Zeugnis dieser Kraft des Glau-
bens, aus dem wir alle schöpften. Die schlimmste Erkrankung unserer Zeit sei das vertrocknete Herz von Menschen ohne Liebe zu Gott, deren Seele verdurste. Heilung gebe es für jeden. Man müsse Gott nur suchen und lieben. Luis-Andreas Hart vom Fördervereinsvorstand griff diesen Leitgedanken in seinem Schlußwort auf. Genau diese Liebe zu Gott, der Glaube, seien ihm und seinen Eltern stets Quelle der Kraft gewesen. So habe sein Vater Anton Hart als gläubiger Marienverehrer den Wiederaufbau der nahen und mit Maria Kulm verbundenen Wallfahrtskirche Maria Loreto in Altkins-
berg aus einer Ruine nur mit Hilfe des Glaubens bewältigen können. Und auch seine Mutter habe daraus immer wieder Kraft geschöpft und mehrfach die Wunder einer Genesung erfahren. Mit einem Präsent aus der Klosterstadt Waldsassen dankte Hart Milan Kučera, der mit seiiesen Egerländer Gebetsnem österreichisch-böhmischen tag hatten alle Wallfahrer Hintergrund – er wirkte über sehnsüchtig erwartet. Zahlreiche ein Jahrzehnt an der Karlskirche bayerisch-böhmische, deutschin Wien – genau das völkervertschechische Pilger waren gebindende Element ist, auf das die kommen und füllten die ehrwürWallfahrt baut. Dem neuen Madige Wallfahrtskirche. ria Kulmer Bürgermeister Karel Propst Milan Kučera und der Slobodník überreichte Hart eiFörderverein hatten beschlossen, nen bayerisch-böhmischen Krug der diesjährigen Mariä-Himmelals Zeichen der Verbundenheit. fahrts-Messe einen besondeDiese Verbundenheit äußerren Rahmen zu geben. Zute sich darin, daß Bürgernächst zog die Egerländer meister Slobodník die TraFahnendelegation mit der dition weiterführte, die PilMünchenreuther Blaskager auf dem Kirchplatz mit pelle ein. böhmischen Spezialitäten Helmut Eikam, Vorsitzu verköstigen. Gleichzeizender des Fördervereins, tig spielte die Münchenbegrüßte die Pilger mit dem reuther Blaskapelle wie jeLeitspruch des Förderverdes Jahr auf dem Vorplatz eins: „Maria Kulm liegt in Egerländer Musik an dieder Mitte Europas, Maria sem Hochfest der Liebe Kulm ist im Herzen EuroMariens und zur Freude alpas und Maria ist in unseler bayerisch-böhmischen, rem Herzen.“ Er stellte die deutsch-tschechischen Bedeutung Maria Kulms Karel Slobodník, Dr. Helmut Eikam, Claudia Königer vom Förderverein, Hochwürden Mi- Wallfahrer. Claudia Königer für die Egerländer ins Zen- lan Kučera, Luis-Andreas Hart und ein Egerländer Fahnenträger. Bild: Herbert Baumann Nach einem Jahr Corona-Pause veranstaltete der Förderverein Maria Kulm wieder den Egerländer Gebetstag zu Mariä Himmelfahrt Mitte August in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt und Sankt Maria Magdalena zu Maria Kulm.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
� Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
Vertriebene im analogen Dialog Anfang August veranstaltete die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen die Tagung „Kultureinrichtungen im Dialog“.
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ls Kommunikator und Vernetzer der Einrichtungen der Vertriebenen und Spätaussiedler mit der Forschung, Wissenschaft und Verwaltung setze die Stiftung auf ständigen Dialog, sagte Vorstandvorsitzender Reinfried Vogler. Tagungen wie diese stellten sicher, daß alle Akteure im Gespräch blieben. „Mit dem Wort ‚Begegnung‘ läßt sich die Kulturstiftung treffend umschreiben“, erklärte Geschäftsführer Thomas Konhäuser. Gundula Bavendamm, Direktorin der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, stellte via Internet das neue Dokumentationszentrum im Berliner Deutschlandhaus vor. Man habe sich bewußt für eine zurückhaltende, nüchterne Darstellung und gegen Inszenierungen entschieden, erklärte sie. Lilia Antipow vom Haus des deutschen Ostens in München (HDO) schilderte die Herausforderungen des Aufbaus einer virtuellen Ausstellung in Pandemiezeiten. Mit nur drei Personen habe das HDO die Jubiläumsausstellung „Wer bin Ich? Wer sind Wir? Zu Identitäten der Deutschen aus dem östlichen Europa“ virtuell begehbar gemacht. Birgit Aldenhoff, wissenschaftliche Referentin für Kunstgeschichte der Kulturstiftung, informierte über den dramatischen Rückgang der öffentlich zugänglichen Heimatsammlungen. Als Leiterin des KulturstiftungsLeuchtturmprojekts „Virtuelle Heimatsammlungen“ für Nord rhein-Westfalen habe sie erlebt, daß Sammlungen kurz vor ihrer Digitalisierung geschlossen worden und ihre Exponate im Depot gelandet seien. Eindringlich plädierte sie für den Erhalt dieser Orte der Erinnerung. Ob in ein Stadtmuseum integriert oder selbstverwaltet an prominenter Stelle im Stadtbild, die Kulturstiftung unterstütze Heimatsammlungen bei ihrem Weg. Das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ stellte anschließend Ernst Gierlich, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung und Initiator des Projekts, im Detail vor. Die Projektwebseite www.heimatsammlungen.de
biete neben einem wachsenden Glossar und Informationen über Heimatmuseen auch Panorama-Ansichten der digitalisierten Heimatstuben und virtuelle Räume mit dreidimensionalen Exponaten. Beim Thema „Öffentlichkeitsarbeit in Pandemiezeiten“ beschrieb Ulrich Rümenapp, Bildungsmanager am Heiligenhof, die Schwierigkeiten und Lösungsansätze der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk. Auch die seit vielen Jahrzehnten bestehende Bildungseinrichtung Heiligenhof habe neue Wege beschreiten müssen und sei an den Aufgaben gewachsen. Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, betonte die Chancen, der digitalen Öffnung. So sei das erste digitale Schlesiertreffen im Juni unter dem Motto „Schlesien verbindet“ auf große Resonanz gestoßen. Dies nutze man nun für
des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) bei der Landesversammlung, aktuelle grenzüberschreitende Projekte vor. Sie hoben das diesjährige Sommercamp der deutschen Minderheiten hervor, das online Kinder und Jugendliche aus Mittel- und Osteuropa sowie aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zusammengebracht und ihnen geholfen habe, ihre Deutschkenntnisse im Austausch zu verbessern. Erste Ergebnisse dokumentiert www. sommercamp.online Auch Heimatpflegerin Christina Meinusch präsentierte viele neue Projekte, die grenzüberschreitend angelegt sind. Ein wichtiges Thema sei, so Meinusch, die Pflege und Restauration von deutschen Denkmalen und Friedhöfen beim tschechischen Nachbarn. Mit engagierten Menschen und Vereinen vor Ort hätten verfallene Friedhöfe gerettet oder zumindest mit Gedenktafeln ins kollektive Gedächtnis zu-
Der Heiligenhof in Bad Kissingen.
das Filmprojekt „360 Grad Schlesien“, das im September auf Youtube Premiere feiern werde. Bei der Podiumsdiskussion kamen Antipow, Meinusch, Rauhut, Jolanta Lemm, Geschäftsführerin des BdV-Landesverbandes Hessen, und Dietmar Schulmeister, Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Landesgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland ins Gespräch mit Tomáš Randýsek, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Kulturstiftung. Die Diskutierenden waren sich einig, daß die Pandemie den Digitalisierungsdruck erhöhe, er aber auch neue und alte Zielgruppen zusammengeführt habe. Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, stellte mit Maximilian Schmidt, Kulturmanager
rückgeholt werden können. Die Erinnerung an die deutsche Kultur in Mittel- und Osteuropa trage die Sudetendeutsche Landsmannschaft zudem auch in die Schulen. In der anschließenden Diskussion standen Christina Meinusch, Martin Dzingel und Ewa Czeczor, wissenschaftliche Assistentin und Koordinatorin des Projekts Archivierung und Dokumentation der Geschichte der deutschen Minderheit in Polen, HDO-Direktor Andreas Otto Weber und Vitalij Brodhauer von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) mit Matthias Lempart, Referent der Kulturstiftung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, über internationale Kooperationen, Rede und Antwort. Direktor Weber berichtete nicht nur über seine Arbeit für
das HDO, sondern auch über seine Erfahrungen mit Universitätsseminaren, die bayerische und tschechische Wissenschaftler zusammenbringen. Ewa Czeczor stellte das neue Forschungszentrum der deutschen Minderheit mit Sitz in Oppeln in Polen vor. Thomas Konhäuser und Kathleen Beger, wissenschaftliche Referentin der Kulturstiftung, zeigten anhand der beiden Initiativen der Kulturstiftung „Junges Netzwerk Zukunft“ und „JUWOST – Nachwuchsnetzwerk Junge Wissenschaft West-Ost“ Wege der Vernetzung auf, die in die Zukunft weisen. Mitglieder beider Netzwerke waren per Zuschaltung in Bad Kissingen dabei und luden weitere Interessierte zum Mitmachen ein. Einen genaueren Blick auf die bereits etablierte Wissenschaft rund um das deutsche kulturelle Erbe bot der letzte Themenblock „Dialogtagung“. Nun sprachen Professor Manfred Walter, Professor Frank-Lothar Kroll und Professor Manfred Kittel über gegenwärtig laufende Publikationsprojekte und neue Ideen für Reihen wie „Widerstand im Widerstreit“ oder „Literarische Landschaften“, die in Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen erscheinen. Gemeinsam wiesen sie darauf hin, daß diese Publikationen Impulse zu aktuellen Debatten bieten könnten und ein größeres Publikum verdienten. Bei zeitgemäßen Formaten und der immer wichtiger werdenden Medienarbeit seien aber auch die Verlage gefragt. Mit ihrer nun jährlich stattfindenden Tagung „Kultureinrichtungen im Dialog – Landsmannschaften und Kultureinrichtungen der Vertriebenen im Dialog mit Bund, Ländern und Wissenschaft“ war die Kulturstiftung zum ersten Mal im Heiligenhof in Bad Kissingen zu Gast und unterstrich damit ihre bundesweite Arbeit. Zum Abschluß der zwei informativen Tage unterstrich Geschäftsführer Thomas Konhäuser nochmals die Bedeutung der Vernetzung und Zusammenarbeit aller Akteure. Nur gemeinsam könne es gemäß § 96 BVFG gelingen, das vielfältige Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewußtsein der Deutschen und des Auslands lebendig zu erhalten und das in seiner Tradition stehende kulturelle Schaffen zu fördern.
� Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
Ein virtuelles Leuchtturmprojekt Das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen besuchte Mitte August die Sammlung ostdeutscher Trachtenpuppen im hessischen Weilburg. Dabei wurden ausgewählte Exponate fotografiert und die Heimatstube für eine 360-Grad-Rundumsicht aufgenommen.
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it der Digitalisierung der Weilburger Trachtenpuppensammlung feierte die Kulturstiftung nach Nordrhein-Westfalen nun auch in Hessen Premiere. Dank der Unterstützung vom Hessischen Innenministerium und von Margarete ZieglerRaschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, konnten dafür Stellen bei der Kulturstiftung geschaffen werden. Lydia Tosses leitet das
Projekt, Barbara Kämpfert ist für BdV-Kreisverbandes Limburg- chen, die sich für den Erhalt der die wissenschaftliche Begleitung Weilburg. Sammlung einsetzen, und dankverantwortlich und Marc Stengel Anläßlich der Digitalisierung te Plahl und Otto Riedl, Obmann für die technische Umsetzung informierte sich Weilburgs Bür- der SL-Kreisgruppe Limburgder Aufnahmen zuständig germeister Johannes Hanisch vor Weilburg, für ihr Engagement. Die nun digitalisierte Trach- Ort über die Arbeit der HeimatDie Vertriebenen und ihre Getenpuppensammlung, die ihren sammlung und das Leuchtturm- schichte gehörten zu Weilburg, analogen Sitz heute im Weilbur- projekt. Dabei würdigte er die betonte Hanisch. Der Trachtenger Komödienbau hat, besteht Lebensleistung der Ehrenamtli- puppensammlung, die sich diseit 1998 und zeigt rekt neben dem Rat48 Puppen vor allem in haus befindet, sicherte traditioneller Kleidung der Bürgermeister seider Vertreibungsgene Unterstützung zu. biete. Die meist handSo solle nach einem gefertigten Figuren Umbau des Hauses eine und Trachten stammen neue Glasfront helfen, zum größten Teil aus die Sammlung noch den 1980er und 1990er attraktiver zu machen Jahren. An den Wänund neue Besucher anden um sie herum hänzulocken. Auch die Digen Gemälde und Kargitalisierung durch die ten. Die Weilburger Kulturstiftung sei ein Sammlung betreut der wichtiger Schritt für sudetendeutsche Josef Josef Plahl und Lydia Tosses präsentieren ein Gemälde, mehr ÖffentlichkeitsPlahl, Vorsitzender des das die Trachtenpuppensammlung begleitet. wirkung.
Robert Markus, Jürgen Nowakowitz, Michael Quecke, Adolf Markus, Edeltraud Schötz, Maria Kraus, Horst Kaschel, Marianne Kraus und Werner Peter vom neuen Vorstand der SL-Ortsgruppe Naila.
� SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken
Positive Geste Bei der Hauptversammlung der oberfränkischen SL-Ortsgruppe Naila blickte Obmann Adolf Markus auf einige bedeutende Ereignisse seit Ende der beiden Weltkriege zurück, die sich heuer jähren.
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dolf Markus: „75 Jahre nach Vertreibung, Flucht und Massakern hält die SL Naila es für überfällig, neben den Verbrechen von Adolf Hitler die millionenfachen Verbrechen von Josef Stalin und seinem Verbündeten Edvard Beneš an 14 Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen vor UN- und EU-Menschenrechtsgerichten aufzuarbeiten wie im Falle der Balkankriegsführer.“ Auch laut Alfred de Zayas, Völkerrechtler und Träger des Menschenrechtspreises der SL, sei die Vertreibung der Sudetendeutschen ein völkerrechtswidriges Verhalten. Schließlich warnte Adolf Markus, auch Stellvertretender Bezirksobmann, vor Verharmlosung und Verschweigen mancher Politiker und Medien damals wie heute. Die Teilnehmer kritisierten, daß Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem zweiten Staatsbesuch in Prag wieder nicht die menschenrechtsverletzenden Massaker und Vertreibungen und die immer noch bestehenden Beneš-Dekrete angesprochen habe im Gegensatz zu Altbundespräsident Joachim Gauck. In den letzten Jahren seien erfreulicherweise etliche eindrucksvolle Gesten des wachsenden tschechischen Respekts vor den sudetendeutschen Opfern festgestellt worden. Beispiele seien die Gedenkfeiern der Städte Brünn und Aussig. Das Sudetenproblem hüben wie drüben in der öffentlichen Diskussion zu forcieren, so Markus, müsse den Problemlösungsdruck auf Politik und Medien vor allem auf die tschechische Regierung erhöhen, damit sie Deutschland und die EU nicht nur als Fördergeldgeber sähen. Durch gezielt volksdiplomatische und ständige Arbeit der SL-Gremien unter Volksgrup-
pensprecher Bernd Posselt und bayerischen Regierungspolitikern sei gerade in den letzten zehn Jahren viel Bewegung in die deutsche und die innertschechische Debatte zum Thema Vertreibung der Sudetendeutschen „Landsleute“ gekommen. Zu erinnern sei an die positive Ausstrahlung der Sudetendeutschen Tage, die deutschtschechischen Kontakt-Besuche der Regierungschefs und weiterer Politiker und Öffentlichkeitsvertreter mit SL-Vertretern, die Festlegung der VertriebenenGedenktage, das Sudetendeutsche Museum in München, das Vertriebenen-Dokumentationszentrum in Berlin, die Zwangsarbeits-Entschädigung, die Unterstützung und Kulturförderung durch München und Berlin und das erfolgreiche Sudetendeutsche Büro in Prag. Das alles sei notwendig gegen das Vergessen. Markus berichtete noch über viele kulturelle Veranstaltungen der Ortsgruppe Naila wie Maibaum-Aufstellen, Maiandacht, Vertriebenen-Wallfahrten, Heimat- und Adventfeiern und begrüßte die zwei neuen jungen Mitglieder der Ortsgruppe, Maria Kraus und Simone Buckreus. Nach dem Bericht des Kassenverwalters Andreas Schiller und der Entlastung durch die Kassenprüfer folgte die Aussprache über die Berichte. Für zehn Jahre treue und aktive Mitgliedschaft wurde Maria Marko geehrt. Die Neuwahl des Vorstands der SL-Ortsgruppe Naila brachte folgendes Ergebnis: Adolf Markus bleibt Obmann, seine Stellvertreter sind Jürgen Nowakowitz und Michael Quecke. Schriftführerin ist Maria Kraus, Kassenverwalter Andreas Schiller. Kassenprüfer sind Robert Markus und Marianne Kraus, Beisitzer Horst Kaschel, Werner Peter und Edeltraud Schötz. Mit der Terminierung der nächsten Veranstaltungen, einer zeitgeschichtlichen Fotound Film-Dokumentation über das Sudetenproblem und einem Imbiß beendete Obmann Adolf Markus die Versammlung.
� Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge
Bundestreffen? Christian Eichmann, Heimatkreisbetreuer von Hohenelbe im Riesengebirge, denkt über ein Bundestreffen im kommenden Jahr nach.
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a die Pandemie abflacht, hoffen wir, das ausgefallene Bundestreffen 2020 so bald wie möglich nachzuholen. Natürlich wollen wir uns bald wiedersehen und über die Pläne des Heimatkreises sprechen. Verschiedene Überlegungen sind zu berücksichtigen, wenn wir über ein Bundestreffen 2021 nachdenken. Eine neue Pandemiewelle könnte erneut strengere Maßnahmen provozieren. Unsicher bleibt, was wir fest vorbereiten könnten. So ist die Abstimmung mit den Patenstädten zeitlich – nach den Ferien – nicht mög-
lich. Die Kosten sind daher auch nicht abwägbar. Außerdem sind zur Zeit in Bayern immer noch Versammlungen mit mehr als 50 Personen verboten. Im März übergab ich die Betreuung der Heimatlandschaft an Markus Decker, Heimatkreisbetreuer von Trautenau. Die damit verbundenen Veränderungen sollten intern besprochen oder in unser Programm aufgenommen werden. Dies wird 2022 der Fall sein. Der Vorstand des Heimatkreises wird im nächsten Halbjahr eine Sitzung in Marktoberdorf abhalten. Die Einladung wird zeitnah verschickt. Aufgrund der obigen Anmerkungen sollte es realistisch sein, das nächste Bundestreffen im Zeitraum April bis Juni 2022 zu veranstalten.
Reicenberger Zeitung
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Stadt und Kreis Reichenberg
Nordböhmi[e Um[au
Kreis Deutsch Gabel
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
Kreis Friedland
Kreis Gablonz
Vor dem Zisterzienserinnen-Kloster Marienthal an der Neiße. Auch heuer veranstaltete die SLLandesgruppe Baden-Württemberg mit der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV) ein Bildungsseminar. Es fand am Wochenende Ende Juli bis Anfang August in Reichenberg statt. Richard Šulko berichtet.
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achdem LV-Präsident Martin Dzingel die Landsleute begrüßt hatte, sprach Waltraud Illner, Obfrau der SL-Kreisgruppe Stuttgart und Stellvertretende Obfrau der SL-Landesgruppe Baden-Württemberg, ein Grußwort. Ehrengast war Helga Löffler, langjährige Geschäftsführerin der SL Baden-Württemberg. Nach der Erklärung der Beschränkungen in den Projektanträgen für 2022 zeigte Martin Dzingel die derzeit gültigen An-
� Reichenberg
Der sorbische Unterschied tragsformulare. Das löste eine lebendige Diskussion aus. Nach der Arbeit folgte eine Überraschung: Im Garten des Begegnungszentrums (BGZ) in Reichenberg schmiß der berühmte Fleischer Andreas Wagner aus Mittelherwigsdorf in Sachsen seinen Grill an. Der Samstagmorgen war dem Besuch des Nordböhmischen Gewerbemuseums gewidmet. Die Sonderausstellung „Liberec kontra Reichenberg“ zeigte die Entwicklung dieser Region von kleinen Dörfern bis zur Großstadt. Das wohl interessanteste Exponat war ein Pianola, eine Selbstspielapparatur für Kla-
viere. Sehr viele der technischen Wunderwerke im Museum sind funktionsfähig. Jana Vančatová, Stellvertretende Vorsitzende des Vereins Societas Amicum Liberec (SAL), stellte die Lausitzer Sorben vor. Zu diesem Verein gehören Lausitzer Sorben. Es gibt zwei geographische Gebiete, auf denen die Elbeslawen leben: die Oberlausitz und die Unterlausitz. Die Unterlausitzer sind meistens Protestanten. Deshalb ist ihre Assimilierung zur deutschen Bevölkerung stärker ausgeprägt. Oberlausitzer sind strenge Katholiken. Damit für diese Region auch katholische Priester zur
Verfügung stehen, wurde 1724 in Prag das Wendische Seminar gegründet. In diesem Gebäude ist heute das sächsische Kontaktbüro untergebracht. Nach 1918 gab es Bestrebungen, die Lausitz an den neuen Tschechoslowakischen Staat anzuschließen, was aber nicht gelang. Dasselbe wiederholte sich nach 1945. Jana Vančatová: „Damals sagte Staatspräsident Edvard Beneš, daß die Sorben sowieso alle Kollaborateure gewesen seien.“ Zumindest sei im Norden Böhmens, in Böhmisch Leipa, in Warnsdorf und in Reichenberg, ein sorbisches Schulwesen entstanden. Inter-
essant war die Information, daß die Trachten der Lausitzer Sorben immer gleich sind. Es gibt vier lebendige Trachtengebiete und eine Trachtenverleihstelle. Nach dem Vortrag führte Ondřej Ulihrach die Teilnehmer durch die Sonderausstellung „Liberec kontra Reichenberg.“ Nach dem Mittagessen fuhren die Teilnehmer in die Oberlausitz in ein ganz besonderes Kloster. Das Zisterzienserinnen-Kloster Marienthal an der Neiße hatte die böhmische Königin Kunigunde von Staufen 1234 gegründet. Dabei hatte sie ihr Ehemann, der böhmische König Wenzel I., unterstützt. Nach der informativen
Führung folgte eine kleine Kaffeepause, während der Pater Helmut Brzezan aus der Sicht eines Pfarrers seine Erfahrungen mit dem Sorbischen schilderte. Interessant war, daß es sogar sorbische Kirchentexte gibt und damit die Gottesdienste in dieser Minderheitensprache möglich sind. Das Abendessen im Rathauskeller war ausgezeichnet. Am Sonntag folgten noch die Auswertung des Seminars und der Gedankenaustausch der Teilnehmer. Dann ging es wieder nach Hause, wo man sich schon langsam auf die Antragstellung einstellte. Einige tapfere Bergsteiger hatten noch den Jeschken erstiegen. Das Ministerium des Innern, für Digitalisierung und Kommunen in Baden-Württemberg sowie die SL-Landesgruppe BadenWürttemberg hatten das Seminar finanziell gefördert.
� Heimatkreis Reichenberg
Heimatstube erhält 121 Jahre alten Reiseführer Heimatkreisbetreuerin Urd Rothe-Seeliger berichtet über einen Neuzugang für die Reichenberger Heimatstube in Augsburg.
I
m April erreichte mich ein Brief von Klaus Porsche aus Hessen. Er schrieb: „Die Information, daß es in Augsburg eine Reichenberger Heimatstube gibt, habe ich
aus einem Bericht, der vor kurzem in der Sudetendeutschen Zeitung erschienen ist. Kurz zu meiner Person und meinem Anliegen: Ich bin Jahrgang 1937 und in Grünwald bei Gablonz geboren. Bis vor Corona habe ich nahezu jedes Jahr nach der Wende mindestens einmal in Reichenberg eine Woche Urlaub gemacht, um Bekannte zu besu-
Rück- und Vorderseite des Reichenberger Führers von 1900.
chen und um im dafür zu sorgen, daß dieses hiIsergebirge zu storische Kleinod für die zuwandern. künftige Generation erhalten So habe ich bleibe. auch viele Jahre So kam mir der Gedanke, an dem alle zwei daß es möglicherweise bei IhJahre in Reichennen in der Reichenberger Heiberg stattfindenmatstube in guten Händen den Treffen ehewäre. Zur Vorabinformation maliger Schüler Ingund Preußler anbei drei Kopien von Deckaus Harzdorf teilblatt und dem genommen, das die 1938 in Rei- Inhaltsverzeichchenberg geborene Isa Engel- nis.“ mann organisierte. Das Treffen In einer weifindet wegen des Alters der Teil- teren eMail nehmer und Todesfällen seit vier schreibt Klaus Jahren leider nicht mehr statt. Porsche: „AnAus diesem Kreis war ich auch bei Bilder von eimit Ingund Preußler, die 1938 nem Stadtplan in Alt Harzdorf bei Reichenberg von Reichenberg zur Welt gekommen war, eng be- und einer Merkfreundet. Die Eltern von Ingund tafel für die Reiwaren Ärzte in Harzdorf und se sowie einer wohnten in einem heute noch Merktafel für die recht stattlichen Haus mit Gar- Damen und der ten. Das Haus hatte Ingund ein Werbung einer Jahr vor ihrem Tod 2020 in Freu- Weinhandlung. denstadt im Schwarzwald zum Bitte teilen Abschied noch einmal besucht. Sie mir kurz mit, Kurz vor ihrem Tod überreich- ob Ihrerseits date sie mir das von ihren Eltern für Interesse begeerbte Büchlein ,Führer durch steht. Ich würReichenberg und Umgebung‘ de mich darüber aus dem Jahr 1900 mit der Bitte, sehr freuen und
Ihnen das Büchlein dann zur weiteren Verwahrung im Sinne von Ingund übereignen.“ Ein kurzes Telefonat und dann hielt ich das Kleinod in den Händen. Sogar ein Straßenverzeichnis war in diesem „Bichl“. Im Begleitbrief schreibt Porsche: „So bleibt dieses Büchlein als Erinnerungsstück an unsere Heimat der
Nachwelt erhalten.“ Dem Schreiben und „Bichl“ hatte Klaus Porsche auch noch ein Foto von Ingund Preußler beigelegt. Wenn ich mir das Bild so ansehe – ich glaube, sie freut sich, daß der „Führer durch Reichenberg und Umgebung“ nun in der Heimatstube angekommen ist. Danke, Ingund, für dieses Kleinod.
Teil des Stadtplans und die Reise-Merktafel für Herrn in dem Reiseführer, der Dr. med. Gerthold Schmeiser gehörte.
REICHENBERGER ZEITUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
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� Unter Maxhof
Patron baut Waldkapelle Dort, wo die Wiesen mit Aus blick auf Unter Maxhof, Josefs thal und Antoniewald enden und der Wald beginnt, stand einst eine kleine Waldkapelle. Der Verein Patron will sie wie der errichten.
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ahrelang spendete das kleine Heiligtum oberhalb von Josefsthal den Menschen in der Umgebung Hoffnung und Trost. Zwei Weltkriege hat die Kapelle überstanden, ebenso die Vertreibung der deutschen Mitbürger und die Neubesiedelung der Grenzregion durch die Tschechen. Ungeachtet der religions-
Doch die „Normalisierung“ der 1970er Jahre setzte dem ein jähes Ende. Die Kapelle wurde ausgeplündert und verwüstet. „Dies leitete den endgültigen Verfall ein. Nach 1978 brach das Dach ein, es blieb nur noch eine Ruine übrig, die bald darauf verschwand“, erzählt Oliver Scholze. Jetzt nahmen sich die Mitglieder des Isergebirgsvereins Patron vor, diese Kapelle wiederherzustellen. „Eigentlich wußte niemand mehr, wie die Kapelle ausgesehen hatte. Von unseren ehemaligen Landsleuten aus dem bayerischen Kaufbeuren-
Der Aufbau der Waldkapelle ist ein Gemeinschaftswerk. feindlichen Staatspolitik nach 1948 suchten die Gläubigen die Kapelle weiter auf, zündeten die Kerzen an, gossen die Blumen und hielten den Raum und die Ausschmückung in Schuß.
Neugablonz erhielten wir sieben alte Bilder, die uns nun als Vorlage dienten“, sagt Scholze, der hiesige Lehrer und Hauptinitiator des Vorhabens. An der Wiederherstellung beteiligen
sich rund 50 Mitbürger, darunter auch Kinder. Sie sind vorwiegend Einheimische oder Besitzer von Wochenendhäuschen. Aber auch einige Freunde aus Deutschland machen mit. „Zwei haben hier kleine Häuser, die sie als Sommerfrische nützen“, ergänzt Scholze. Manche legen selbst Hand an, andere helfen mit Spenden, einer steuerte ein altes Foto bei. Und so nimmt die kleine Kapelle langsam wieder Gestalt an an ihrem ursprünglichen Standort am Weg zwischen Josefsthal und Maxhof. Dieser „Maxwaldweg“ führt durch den Wald, den
und am 17. Mai 1885 geweiht wurde“, erklärt Scholze. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde sie vom Maler Dominik Brosick abgebildet, die Zeichnung erschien in der Publikation „Heimatkunde für den Bezirk Gablonz“. Mehr als 60 Jahre später wurde sie vom neuen Bürgerverein Patron zum Hauptmotiv seines Logos erkoren. Aus der finsteren Zeit des Totalitarismus stammt die Geschichte des mutigen Straßenarbeiters Josef Urban, der hier viele Jahre gearbeitet hatte. Das traurige Schicksal der Kapelle sah er voraus. Deshalb faßte er eines Abends den riskanten Entschluß, bei Unwetter im Schutz der Dunkelheit aus dem Heiligtum eine etwa ein Meter hohe Kalvarienberg-Skulptur zu holen. Damit rettete er sie vor Dieben und Kunsthehlern. Diese barocke Passionsgruppe war dort der eigentliche Altar. „Solche Skulpturen schmückten früher Hausaltäre wohlhabender Familien und dienten als Altäre in kleinen ländlichen, aber auch in schuleigenen Kapellen“, berichtet Lenka Kluková vom Erzbistum Prag. Petr Novotny, der Stiefenkel von Josef Urban, stiftete schließlich diese Skulptur dem Museum in Josefsthal, wo sie auch an die unrühmlichen Zeiten und die tapfere Tat seines Großvaters erinnern soll. Im Museum, das vor Jahren der sudetendeutsche Landsmann Gerhard Kutnar gegründet hatte, befindet sich bereits eine Porzellanstatuette des heiBild: Oliver Scholze ligen Antonius von Padua, die ebenfalls aus jener Kapelman früher Pfockepusch nannte. le stammen soll. Schon bald wird „Wann die ursprüngliche Holz- sich eine Vitrine mit der Passikapelle errichtet wurde, ist nicht onsgruppe und einer Infotafel zu überliefert. Wir wissen jedoch, ihr gesellen. Die neue Kapelle daß sie später durch eine Stein- soll bis Winter fertig sein. kapelle von Adolf Zenker ersetzt Petra Laurin
� Riesengebirge
Denkmal für Bergopfer wird renoviert Die Verwaltung des National parks Riesengebirge (KRNAP) hat mit der Renovierung des Denkmals für die Bergopfer im Riesengebirge begonnen.
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as Denkmal für die Opfer des Riesengebirges befindet sich in dem zauberhaften Tal Blaugrund zwischen dem Hochwiesenberg und dem Brunnberg auf dem Weg von der Tannenbaude zur Wiesenbaude befindet. Der Steinbau ist den härtesten klimatischen Bedingungen in der Tschechischen Republik ausgesetzt. Gegenwärtig wird die Dachkonstruktion renoviert. Die Renovierungsarbeiten sollen im Herbst beendet werden. Das Betondach an dem kleinen Steinbauwerk war undicht, und es war nicht mehr möglich, es für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. An vielen Stellen ist Wasser durch das beschädigte Dach in das Innere des Gebäudes eingedrungen. Wegen der Korrosion an der Stahlbetonbewehrung wird jetzt die alte Dachkonstruktion abgerissen und ein neues Dach errichtet. Mit ihrer Höhe von 1509 Meter über dem Meeresspiegel ist diese Bergkapelle die höchstgelegene Kapelle in der Tschechischen Republik. Im Inneren befinden sich Tafeln mit Daten über tragische Ereignisse und mit den Namen der Opfer. Für die Dauer der Renovierungsarbeiten bleibt die Bergkapelle
für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Inneneinrichtung wurde vorübergehend abgebaut und außerhalb der Baustelle gelagert. Die Kosten der Dachsanierung sind der Nationalparkverwaltung noch nicht bekannt. Die Höhe der Kosten hängt davon ab, wie anspruchsvoll die Rekonstrukti-
gischen Tod von Wenzel Renner aus der Wiesenbaude errichtet. Er kam im Jahr 1798 in der Nähe der Wiesenbaude beim Holztransport von den Lahrbauden ums Leben. Später wurde diese Kapelle, die auch „Gewitterkapelle“ genannt wurde, weil dort Unwetter öfters Opfer forderte,
Kreuz markiert die Stelle, an der ihr Vater Jakob Renner starb, als er sich am 11. April 1868 um die Mittagszeit in einem Schneesturm verirrte. Jakob Renner war der Eigentümer der Wiesenbaude und Bruder des erwähnten Wenzel Renner. 1925 fand an dieser Stelle ein Wintertourist
Seit 1957 dient die Bergkapelle als Gedenkstätte für die Opfer, die im Riesengebirge ums Leben kamen.
Schilder warnen vor Schüssen der Wildschweinjäger.
Bild: Stadt Gablonz
� Gablonz
Achtung Wildschweine Seit 1. August hört man Schüs se aus den Wäldern von Ga blonz. Jäger machen nämlich Jagd auf die sich explosionsar tig und unaufhaltsam vermeh renden Wildschweine. Die Bor stentiere haben sich vor allem in der Sportanlage nahe der Stadt niedergelassen. Der Zugang zu dem großen Natursportgebiet wurde eingeschränkt, um Ver letzungen der Besucher zu ver meiden.
W
dem sowohl Vereinsmitglieder als auch normale Besucher gerne ihre körperliche Fitness verbessern. Derzeit gibt es etwa 30 bis 40 Wildschweine in dem Sportareal. Die normale Zahl liegt bei etwa zehn. Die Schweine halten sich in der Nähe menschlicher Behausungen auf, weil die Menschen große Mengen von Lebensmitteln wegwerfen und die Tiere leichten Zugang dazu haben. Anfangs konnten die Jäger die Schweine nicht abschießen, weil der beliebte Ort tagsüber und nachts von Menschen besucht wurde. Die Jagd auf Wildschweine steht nicht nur in Gablonz auf dem Programm. Bereits vor einiger Zeit hat die Veterinärverwaltung vor der Afrikanischen Schweinepest gewarnt, die in Polen und Deutschland gleich hinter der Grenze aufgetreten war. Die Krankheit, die für den Menschen ungefährlich ist, verläuft bei Wild- und Hausschweinen in der Regel tödlich.
egen der übermäßigen Vermehrung des Schwarzwilds und der drohenden Afrikanischen Schweinepest verhängte die Stadtgemeinde Gablonz für August, September und Oktober ein nächtliches Betretungsverbot von neun Uhr abends bis 6 Uhr morgens für das gesamte Sportareal. Das Jagdgebiet ist mit Warn- und Hinweisschildern gekennzeichnet. Eine Karte mit den Grenzen des Gebiets zeigt die Internetseite der Stadt Gablonz. Das Verbot muß strikt eingehalten werden. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von bis zu 10 000 Kronen geahndet. Die Sport- und Freizeitanlage „Sportareal“ ist in ihrer Lage inmitten der Natur unter den tschechischen Sportstätten einmalig. Sie wurde 1976 bis 1978 dank zahlloser Sportliebhaber, die hier Tausende von Arbeitsstunden einbrach- Blick auf Gablonz und das Isergebirge. ten, errichtet. Auch in der Tschechischen Hier gibt es Laufbahnen, mehrere Sportplätze, eine Hoch- und Republik wurden bei den WildWeitsprung- sowie Speerwurfan- schweinen mehrere Fälle dielage und sogar eine Anlage zum ser Infektion bekannt. Da deren Diskus- und Hammerwerfen. Vermehrung nicht aufzuhalten Der Waldsportplatz, zu dessen ist, sind die Jäger auch zwiEinrichtung sich die Gründer in schen Harrachsdorf und HerrnsFinnland hatten inspirieren las- kretschen sowie in den Regiosen, war der Stolz der Gablonzer nen Tannwald, Gablonz, ReiSportler. Obwohl das Areal einer chenberg, Deutsch Gabel, Haida gründlicheren Renovierung be- und Tetschen-Bodenbach mit der darf, ist es immer noch ein ange- Jagd intensiv beschäftigt. Stanislav Beran nehmer Ort mitten im Wald, an
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebe treuer gratulieren allen treu en Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Septem ber Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Er eignis feiern, und wünschen al les Gute, Gesundheit, und Got tes Segen. n Heimatkreis – Geburts tag: Am 19. Helga Hecht/Görner (Haus-Nr. 3), Ortsbetreuerin von Markersdorf, Breite Straße 2, 06642 Nebra, 90 Jahre. Herzlich gratulieren wir und danken für die Mitarbeit. Othmar Zinner
n Deutsch Gabel – Geburts tage: Am 6. Heinz Tippmann (Witwer von Doris Tippmann/ Welzenberg), Phantasiestraße 19, 81827 München, 96 Jahre, und am 13. Rudolf Richter (Sohn von Baumeister Josef und Marie Richter/Schäfer, Webergasse 70), Oberwarlins 27, 87736 Böhen, 82 Jahre. Othmar Zinner n Schneckendorf – Geburts tag: Am 11. Margit Bande/Trostel (Joachimsdorf), Jänickendorfer Straße 54b, 14943 Lukkenwalde, 91 Jahre. Johanna Gering
TERMINE on sein wird. Seit 1957 dient die Bergkapelle als Gedenkstätte für die Bergopfer. Die ursprüngliche kleinere Steinkapelle wurde an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zur Erinnerung an den tra-
aus Glimmerschiefer-Platten erneuert. Im Jahr 1856 wäre Monika Renner hier fast erfroren, aber zum Glück konnte ihr Sohn Johann sie vor dem Erfrieren retten. Das nahe gelegene Renner-
den Erfrierungstod. Am 22. August 1939 wurde bei dieser Kapelle ein Mädchen aus Gablonz vom Blitz erschlagen. Diesen Toten wurde ein Jahr später ein Gedenkstein gesetzt. Stanislav Beran
n Donnerstag, 23. bis Sonn tag, 26. Juni 2022, Kriesdorf: 65. Heimattreffen in Jonsdorf, Hotel Gondelfahrt, Großschönauer Straße 38. Zimmerreservierung: Telefon (03 58 44) 73 60, eMail info@hotel-gondelfahrt. de. Das eigentlich für dieses Wo-
chenende anberaumte Treffen wurde wegen Corona auf kommendes Jahr verschoben. Auskunft: Christian Schwarz, Dr.Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@clcs.at
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Landeskunde/Teplitz-Schönau – Teil II und Ende
Burgen und Schlösser Mit diesem zweiten Teil endet die Schilderung heimatlicher Schlösser von Landsmann Herbert Ring.
Kerzenschein-Degustation im Weinkeller des Lobkowitzer Schlosses.
Bilder: Heidelinde Obermann
� Teplitz-Schönau – Teil I
Heimattreffen 2021 unsere jährlichen Heimattreffen das Böhmische Mittelgebirge ererfolgten. schien auch auf der Autobahn Freudige Begrüßungssze- eindrucksvoll. Bald winkte der nen prägten das Abendessen im Georgsberg als sein letzter AusPrince de Ligne, denn an den läufer. Der Sage nach hatte Urruppenfahrten zu organi- seit 2014 stattfindenden Tref- vater Tschech auf dessen Gipsieren, so daß für jeden et- fen nehmen viele regelmäßig fel einst beschlossen, sich in dem was dabei ist, kostet viel Mühe. teil. Stets dabei sind Graf Chri- Tal, in dem „Milch und Honig Deswegen gilt unser besonde- stian und Gräfin Maria von Clary fließen“, für immer niederzulasrer Dank Erhard Spacek, der ver- und Aldringen. sen. Von weigangenes Jahr wegen Corona Ebenso konntem war auch das Heimattreffen zweimal ver- te man diesmal bald die Silgeblich vorbereitet hatte. Doch Fürst Hieronyhouette von er ließ sich nicht entmutigen und mus von Clary Melnik zu sestellte auch heuer ein gelunge- und Aldringen hen, ebenso nes Programm zusammen. begrüßen. das Schloß mit Die Anreise erfolgte, wie geBei dem der Sankt-Pewohnt, individuell. Dabei zwang letzten Trefter-und-Paulder unangemeldete Streik der fen 2019 zeigte Kirche hoch Deutschen Bahn einige, doch mit Walter Gleiß- Gudrun Rosch/Miksch und ihr Bru- über dem Zudem Auto zu kommen. Der erste ner, Kompo- der Ulrich Miksch im prächtigen sammenfluß Abend begann mit der Vereins- nist und Or- Speisesaal des Lobkowitzer Schlos- von Elbe und versammlung des Freundeskrei- ganist aus ses. Ihr Vater Willibald war 1929 in Moldau. Wisterschan zur Welt gekommen. ses Teplitz-Schönau in einem der AschaffenDie FühSalons des Hotels Prince de Li- burg, in der Ulrich Miksch ist Berlin-Korrespon- rung durch gne am historischen Schloßplatz. Brüxer Kirche dent dieser Zeitung. das Schloß erZunächst begrüßte Vorsitzen- sein Können folgte in deutder Erhard Spacek die Landsleu- auf den verschiedenen Orgeln. scher Sprache. Zuvor hatte Erte. Nach einer Gedenkminute für Er war auch in diesem Jahr in Be- hard Spacek allen eine kurze den Anfang des Jahres verstorbe- gleitung seiner Tochter gekom- Beschreibung von Schloß und nen Karl Hulbe ergriff Vize-Vor- men, obgleich er heuer bereits Kirche gegeben, so daß jeder in sitzender Hermann Kautzner das seinen 90. Geburtstag feiert. groben Zügen informiert war. Wort. Ein treuer Gast unserer Tref- Das Schloß ist seit 1992 wieder Die Ziele des Freundeskreises fen war auch stets der Abtei- in Privatbesitz des Fürsten Joseien: lungsleiter der Bayerischen hann Georg von Lobkowitz alil die Förderung von kultur- Staatsbibliothek, Klaus Kempf, as Jiří Jan Lobkowicz und enthält geschichtlicher Bildung und Er- der heuer hatte absagen müs- wertvolle Möbel-, Porzellan-, Geziehung der Jugend; sen. Auch Gisela Tscherpel, un- mälde- und Landkarten-Samml die Erhaltung von Kunst ermüdliche Chronistin der Stadt lungen. Auch der Weinanbau und Kultur; Eichwald, mußte auf das Treffen gehört seit dem 14. Jahrhundert l Engagement in der Heimat- verzichten. Herzliche Grüße ge- zum Schloß, seit Karl IV. dort erpflege; hen an alle treuen Freunde, die folgreich Weinreben aus Burl Versöhnungsaktivitäten. nicht kommen konnten. gund anpflanzen ließ. Die WeinZur Unterstützung der VerAuch neue Teilnehmer konn- sorte Rote Ludmilla erinnert an einszwecke würden auch Spen- te man begrüßen, die durch ih- die erste Bewohnerin der Burgden gesammelt. Vergangenes re Vorfahren eine Bindung zu Te- anlage im 10. Jahrhundert, die Jahr habe er, Kautzner, die Inter- plitz-Schönau haben. Heidelinde heilige Ludmilla, die Großmutter netseite www.teplitz-schoenau. Obermann hielt wieder die Hö- des heiligen Wenzel aus dem Gecom eröffnet. Auf der könne je- hepunkte fotografisch fest. schlecht der Přemysliden. der die zahlreichen Aktivitäten Der nächste Tag führte uns Anschließend fand im grodes Vereins nachlesen. Kautz- zum Schloß Melnik. Schloßher- ßen Weinkeller des Schlosses die ner erinnert auch an die eigenen ren waren einst und sind wieder Verkostung von vier Weinsorten Geschichtsreflexionen, die durch die Lobkowitz. Die Fahrt über statt. Als guter Gastgeber verfügt Fürst Lobkowitz auch über einen geräumigen Speisesaal mit Der Renaissanceflügel des Melniker Schlosses. breiter Fensterfront, welche das Tal mit dem Zusammenfluß der Ströme Elbe und Moldau zeigt. Wie die Elbe entspringt auch die deutsch-böhmische Moldau im Riesengebirge. Die Moldau entspringt aus der als Hauptquellfluß geltenden Warmen Moldau in der Nähe von Außergefild im Böhmerwald und aus der Kalten Moldau in der Nähe von Haidmühle im Bayerischen Wald, in dem sie auch kleine Zuflüsse aus Bayern aufnimmt. Die Moldau ist mit 430 Kilometern der längste Fluß in der Tschechischen Republik und der größte Nebenfluß der Elbe. Beim Zusammenfluß ist sie länger und wasserreicher als die Elbe, was sie zum hydrologischen Hauptfluß des Elbeflußsystems macht. Fortsetzung folgt Jutta Benešová berichtet über das Heimattreffen von 38 Teplitz-Schönauern Mitte August. Hier der erste Teil.
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ie vierte mittelalterliche Burg ist Kostenblatt, fälschlicherweise Sukoslav genannt. Dies ist eine der malerisch gelegenen Burgen. Ihre Entstehung ist mit dem Geschlecht der Hrabischitze, damals schon von Riesenburg genannt, verbunden. Ihr bedeutsamster Besitzer war der böhmische König und deutsche Kaiser Karl IV.
Die Daubersburg Die Daubersburg entstand erst am Ende des 15. Jahrhunderts, im Jahr 1478, auf Veranlassung des Böhmenkönigs Ladislaus Jagiello. Sie wurde im Laufe von mehreren Jahren erbaut und bis ins 17. Jahrhundert bewohnt. Nachdem sie 15 Mal die Besitzer wechselte, wurde sie im 17. Jahrhundert zu einer Ruine. Heute befindet sich oben auf dem Teplitzer Schloßberg ein bekanntes Restaurant.
Schloß Bilin und die Lobkowitze
Humprecht von Czernin errichtete, erfuhr zahlreiche Umbauten. Der italienische Architekt Marcello Ceresola war an dessen jetzigem Aussehen beteiligt.
Schloß Schwaz Dem ehemaligen Schloß in Schwaz ging ein mittelalterliches Kloster der Borromäerinnen voraus. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts baute es der Erzbischof von Prag in ein zweistöckiges Barockgebäude um.
Schloß Dux Das ehemalige Gräflich Waldsteinsche Schloß in Dux ging bereits 1920 in staatlichen Besitz über. 1675 begann der Bau des Barockschlosses in Dux, wofür Graf Johann Friedrich von Waldstein den französischen Architekten Jean Baptiste Mathey beauftragte. Die baulichen Arbeiten fanden unter der Leitung des Italieners Marc Antonio Canevale statt. Die bildhauerische Ausstattung ist das Werk des Barockmeisters Matthias Bernhard Braun unter der Mitwirkung von Maximilian Brokoff und Wenzel Lorenz Reiner, welcher auch für
Das ehemalige Schloß in Teplitz Das ehemalige Schloß in Teplitz scheint als architektonisches Kleinod über andere Werke erhaben zu sein wie der Pestoder Dreifaltigkeitssäule von Braun. Daneben scheint es in Teplitz keine bedeutenden Barockdenkmale mehr zu geben. Obwohl auch das Schloß in Teplitz, welches seit dem Dreißigjährigen Krieg im Besitz der Fürsten von Clary und Aldringen ist, einen barocken Umbau erfahren hat, beruht seine Bedeutung auf der darauffolgenden Stilepoche Klassizismus. Dieser brachte nach dem Brand 1793 der Stadt Teplitz ihr unnachahmliches Aussehen. Heute ist in dem Schloßgebäude das Regionalmuseum des Kreises Teplitz-Schönau untergebracht.
Das Ledebur-Schloß in Kremusch Auch das im Renaissancestil erbaute Schloß in Kremusch mit seiner prachtvollen Stirnseite aus dem Jahr 1801 erfuhr einen klassizistischen Umbau. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte es in
Bei der Aufzählung der Burgen fehlt noch eine der bedeutsamsten: Bilin. Ihre Reste bezog man bei der Errichtung des Schlosses mit ein, vor allem den spätgotischen Saal und einen Teil des Kellergewölbes. Wenzel Ferdinand von Lobkowitz gab das neue Schloß im Barockstil in Auftrag. Die Architektur stammte von Giovanni Pietro Tencalla. Den Bau führte der italienische und in Leitmeritz schaffende Baumeister Antonio della Porta aus. Mit dem Geschlecht der Lobkowitze ist auch das nahegelegene Schloß mit dem Gut Mireschowitz verbunden, Gedenktafel beim Schloß Dux: „Jakob Casanova, Venedig 1725, Dux 1798.“ das sich in vielem den Charakter des ursprünglichen Renais- die Fresken der Hospitalkirche staatlichen Besitz. Zuvor war es Mariä Himmelfahrt verantwort- im Besitz des Grafen Eugen Lesancebaus bewahrte. Die meisten unserer Schlösser lich war. Diese rettete man beim debur-Wicheln. Dieser letzte Begingen bereits aus ehemaligen Abbruch der Kirche. Man kann sitzer starb an den Folgen seiner befestigten Burgen hervor. Das sie in einem Pavillon im Duxer Verhaftung in der Festung Theresienstadt in Leitmeritz. Dessen Schloß in Kostenblatt, welches Schloßgarten besichtigen. Familie mußte das Land verlassen.
Resümee Das 1986 von der sozialistischen Regierung herausgegebene Faltblatt bemerkt am Schluß, welche Auswirkungen die vom Staat requirierten Gebäude für die damalige Gesellschaft hatten: „Die ehemaligen Herrensitze werden heute von der sozialistischen Gesellschaft genutzt. Bei ihrer Präsentation wird der Anteil des einfachen Volkes an der Schaffung der besonderen baulichen sowie künstlerischen Werke hervorgehoben. Einige dienen direkt dem Wohl.“
Das Ledebur-Schloß in Kremusch.
WIR GRATULIEREN Wir wünschen unserem treuen Heimatruf-Abonnenten sehr herzliche Glück- und Segenswünsche zu seinem Geburtstag im September: n Sobrusan, Schellenken/Kreis Dux. Erhard Reichel, Raiffeisenring 14, 63928 Bürgstadt, 30. September 1940.
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3.9. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Schloß Ronsperg
Kommission sammelt Geld für Renovierung Mitte August eröffnete die Ronsperger Schloß-Kommission unter Eva Vondrašová im Festsaal des Rathauses die Fotoausstellung „Ronsperg/Ronšperk/ Poběžovice“.
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Informationen über die Ausstellung, die bis Ende August lief. Für die Unterstützung bei der Vorbereitung überreichte Adamcová dem Castellan des Schlosses Bischofteinitz, Jan Rosendorfský, ein Präsent. Die Ausstellung zeigte auch das Vorkriegsleben auf Schloß
Ronsperg, wie man das vorher noch nie gesehen hatte. So gab es zum Beispiel Bilder von Erntefesten, die einst zu den beliebtesten Feierlichkeiten des Jahres in Ronsperg gehörten. Interessant waren auch historische Fotografien von der Stadt und den Schloßbauten. Die größte Attraktion wa-
ren jedoch Leihgaben des Nationalen Instituts für Denkmale in Budweis (ÚPS), die ursprünglich aus Ronsperg und dem Schloß stammen. Auch einige private Besitzer historischer Objekte hatten zur Ausstellung beigetragen.
Partner der Ausstellung waren das ÚPS, das Staatliche Regionalarchiv in Pilsen, das Staatliche Bezirksarchiv Taus mit Sitz in Bischofteinitz, das Nationale Denkmalinstitut in Pilsen und das Tschechische Nationalmuseum.
ie Ausstellung zeigte historische Fotos und alte Pläne, von denen manche der Öffentlichkeit noch nicht bekannt waren. Ferner wurden einige Leihgaben des Schlosses Bischofteinitz aus der Zeit des Adelsgeschlechtes Coudenhove-Kalergi präsentiert, die dort aufbewahrt werden. Mit einem Gedicht eröffnete Dominka Adamcová die Vernissage. Alena Zitková führte in die Ausstellung ein, Bürgermeister Martin Kopecký würdigte in seinem Grußwort die Arbeit der Schloß-Kommission. Und Eva Vondrašová gab weitere Der Bär Michael und Ronspergs Bürgermeister Martin Kopecký, ein Helm der Ronsperger Feuerwehr und Eva Vondrašová, die die Vernissage-Gäste begrüßt.
Schüttwa
Bilder: Karl Reitmeier
WIR GRATULIEREN
Jubiläumsgedenken in Seckach Vor 75 Jahren wurden die Schüttwaer aus ihrer Heimat vertrieben. Viele fanden im baden-württembergischen Seckach Zuflucht und ein neues Zuhause. Aus Anlaß des Vertreibungsjubiläums hatte Ortsbetreuer Franz Metschl zu einer Gedenkfeier geladen. Liane Merkle berichtet.
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Am Wochenende nach der Ausstellungseröffnung feierte Ronsperg Kirchweih. Zum Programm gehörte ein Halbmarathon von Waier nach Ronsperg. Die Kirchweih endete mit einem Benefizkonzert des „Swing Melody Orchestras“ für die SchloßSanierung. Karl Reitmeier
or 75 Jahren wurden sie aus ihren Häusern in Schüttwa, tschechisch Šitboř, vertrieben. Viele strandeten in Seckach. Längst sind sie hier zu Hause und von den Seckachern geachtet. Und sowohl Altbürgermeister Ekkehard Brand als auch sein Nachfolger Thomas Ludwig bestätigten, daß die positive Entwicklung der Gemeinde Seckach viel mit der Ansiedlung der Vertriebenen zu tun habe, die beim Wiederaufbau kräftig mit angepackt hätten. Ludwig mahnte an, diese schlimme Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, damit unsere erste langanhaltende Friedensperiode noch lange bestehen möge. Ekkehard Brand erinnerte voller Hochachtung an den Grundstein der Patenschaft SeckachSchüttwa, der 1981 gelegt worden sei. Damals sei der Veranstaltungsort Lamm-Saal fast aus allen Nähten geplatzt, weil Schüttwaer aus allen Himmelsrichtungen, sogar aus Australien und England, zum ersten der vielen, später zweijährigen Treffen nach Seckach gekommen seien. Wie wichtig der Zusammenhalt auch über Grenzen hin-
weg für die Menschen ist, mach- gens um sieben Uhr mußte das be den Ankömmlingen Mut und te mittels einer herzigen En- Dorf geräumt sein. Es war eine Hoffnung zugesprochen. Pfargelsgeschichte auch die Predigt Nacht, die sich ein Unbeteiligter rer Heinrich Magnani und Hetvon Pfarrer Kurt Wolf zum Ge- kaum vorstellen kann. Am näch- tinger Bürger hätten sich um das denktag deutlich. Nach dem sten Tag um sechs Uhr morgens Lager gekümmert. Verpflegung Gottesdienst begrüßte Ortsbe- zelebrierte Pfarrer Josef Maurer und Betreuung seien für die datreuer Franz Metschl Schütt- die letzte Heilige Messe und um maligen Verhältnisse so gut gewaer, Landsleute und Freunde sieben Uhr setzte sich ein Zug wesen, daß sich die Angst der am Schüttwaer Gedenkmeisten gelegt habe, und stein auf dem Seckacher sie auch frohe Stunden Friedhof ausdrücklich ohhätten genießen können. ne Haß und RachegefühNoch seien alle beisamle. Was nach Kriegsenmen gewesen, aber das hade von den Siegermächbe sich bald geändert. Wie ten festgelegt worden sei, Metschl weiter berichtete, bleibe menschenverachseien die Familien nach eitend. Millionen Menschen nem kurzen Aufenthalt im seien aus ihrer Heimat – Lager auf die umliegenvon Ostpreußen, Schlesiden Orte verteilt worden. en und dem Sudetenland Auch Zwangseinquarüber Ungarn bis zur Krim tierungen hätten zu Spanam Schwarzen Meer aus nungen zwischen Einheiihrer Heimat vertrieben mischen und Flüchtlingen und nach Westen in Vieh- Die neue Sonnenuhr am Schüttwaer Kirchturm. geführt. „Man kann das Bild: Ivo Dubský heute verstehen, wir wurwaggons abtransportiert worden, obwohl sie schon den in ein Land versetzt, hunderte von Jahren dort ver- von landwirtschaftlichen Fuhr- das selbst nicht viel hatte. Aber wurzelt gewesen seien. werken, beladen mit Kindern, al- es gab auch Menschen, die VerAm 18. Juli 1946 wurde der ten und kranken Menschen so- ständnis für die NeuankömmlinDorfgemeinschaft von Schüttwa wie einigen Habseligkeiten, in ge hatten.“ Manche hätten bei um 19.00 Uhr von einem tsche- Bewegung. Erschütternde Sze- Bauern auf dem Hof mitgearbeichischen Offizier das Auswei- nen spielten sich ab beim Ab- tet, andere in größeren Städten sungsprotokoll bekanntgege- schied von Haus und Hof und wie Mannheim oder Stuttgart Arben und sogleich das Standrecht vom Heimatdorf.“ beit gesucht. Nach diesen harüber das Dorf Schüttwa verhängt. Das Ziel sei ungewiß gewe- ten Erinnerungen dankte MetFranz Metschl zitierte aus dem sen, so Metschl, doch die Vieh- schl allen Menschen, besonders Heimatbuch von Gretl Riehl: waggons, beladen mit mehr als Pfarrer Magnani, der Gemeinde „Minutenlang schien es, als 1200 Personen, seien am 26. Ju- Seckach und den umliegenden wäre das ganze Dorf erstarrt. li um 15.00 Uhr in Seckach ange- Gemeinden mit ihren VerwaltunDoch dann begann ein hekti- kommen. Franz Xaver Schmer- gen, die damals Heimatvertriesches Treiben. Es blieben nur beck, der damalige Landreat des bene in der größten Not aufgezwölf Stunden, um ein Gepäck- damaligen Kreises Buchen, ha- nommen hätten. stück von 50 Kilogramm und ein be die Flüchtlinge im jetzigen Gemeisam gedachten alle der Handgepäck von 15 Kilogramm Jugenddorf Klinge, die damali- Verstorbenen in der alten und pro Person zu richten, denn mor- ge Teufelsklinge, begrüßt. Er ha- neuen Heimat, beziehungsweise
derer, die während der Vertreibung ums Leben gekommen waren. Dankbar erkannte der Ortsbetreuer: „Wir Heimatvertriebenen haben gegenüber denen, die zurückbleiben mußten, ein neues Leben in Freiheit bekommen. Wir können nur hoffen, daß unsere Kinder und Enkel diese Freiheit und Demokratie weiterleben können und dafür auch einstehen. Möge Krieg, Flucht und Vertreibung ihnen erspart bleiben und sie nie entrechtet und heimatlos werden. Ein Zurück wird es für uns nicht mehr geben, daher liegt die Zukunft für uns und die westliche Welt in einem gemeinsamen Haus Europa!“ Darüber hinaus galt seine Bewunderung und sein Dank dem 2013 im heute tschechischen Schüttwa gegründeten und sehr regen Heimatverein Nikolaus (Spolek Mikuláš), der unter der Regie von Ivo Dubský bereits Unglaubliches bewirkt habe. Dazu gehörten die Total-Renovierung der Dorfkirche, die Sanierung des Friedhofs und die Errichtung einer wunderschönen Gedenkstätte, die auch die deutsche Geschichte von Schüttwa beleuchte und nicht mehr unter den Teppich kehre. Ekkehard Brands Anregung, mit der Gemeinde eine Rundfahrt durch die Heimat der Schüttwaer zu organisieren, fiel auf offene Ohren. Unterdessen gibt es weitere gute Nachrichten aus Schüttwa. Am Kirchturm wurde eine neue Sonnenuhr installiert, eine sehr künstlerisches und ansprechendes Werk.
Die Landsleute mit Ortsbetreuer Franz Metschl, Altbürgermeister Ekkehard Brand und Bürgermeister Thomas Ludwig vor dem Schüttwaer Gedenkstein in Seckach.
Bild: Liane Merkle
Im September gratulieren wir folgenden treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. Sichrowa. Am 25. Josefine Vogl/Gumpp in Augsburg, 85 Jahre. Franz Vogl Ortsbetreuer Berg. Hans Streit (Ehemann der Fleischhacker Hilde) in Hilpoltstein, 89 Jahre. Franz Schnobrich Ortsbetreuer Bischofteinitz. Helga Neudecker, Ravensburger Ring 61, 81243 München, 82 Jahre. Heidrun Böttinger Ortsbetreuerin Kleinsemlowitz. Am 21. Günter Lehanka (Haus-Nr. 30), 69 Jahre. Marianne Maurer Ortsbetreuerin Schmolau. Am 17. Hilde Grojer/Liebl (Draxler), Marienstraße 3, 86462 Langweid, 86 Jahre. Anneliese Seidl Ortsbetreuerin
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im September Waldemar Hansl, Ortsbetreuer von Eisendorf am 10. zum 53. Geburtstag, Sonja Pawlik, Kreisrat, am 13. zum 58. Geburtstag, Franz Schnobrich, Ortsbetreuer von Berg, am 19. zum 89. Geburtstag, sowie Josef Schröpfer, ehemaliger Ortsbetreuer von Muttersdorf, am 26. zum 89. Geburtstag. Wir wünschen den Landsleuten alles Gute, Gottes Segen sowie noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 34+35 | 3. 9. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Plan
32. Wallfahrt zur Sankt Anna Die 32. Sankt-Anna-Wallfahrt nach Plan mußte wie im Vorjahr unter Einschränkungen stattfinden. Auch die Fußwallfahrt fiel in diesem Jahr aus. Dennoch waren mehr als 100 tschechische und deutsche Gläubige, darunter auch zehn Rad-Wallfahrer aus Tirschenreuth, in die Barockkirche auf dem Annaberg in Plan gekommen.
R
egionaldekan Holger Kruschina aus dem oberpfälzischen Roding war heuer der Anführer der Wallfahrt. Kruschina ist der Vorsitzende des Sudetendeutschen Priesterwerks. Seine Konzelebranten waren Pfarrer
Blick auf die Planer Wallfahrtskirche. Bilder: Klaus Windisch Jaroslav Šašek aus Plan, Pfarrer Armin Meierhofer aus Mähring, Regionaldekan Georg Flierl und Pater Paul aus Kenia. Herbert Konrad, Vorsitzender des Fördervereins Sankt Anna, begrüßte zudem den künftige Pfarrer von Plan, Pater Jiří Majkov. Die Sängerin Ewa Pankowska und die Tirschenreuther Organistin Kornelia Chichon begleiteten die Messe musikalisch. In seiner Predigt informierte Pfarrer Kruschina über das Sudetendeutsche Priesterwerk. Dies sei ein Zusammenschluß von Priestern, die 1945/46 die angestammte Heimat hätten verlassen müssen. Aktuell engagierten sich noch rund 90 Mitglieder für den Brückenschlag zwischen der deutschen und der tschechischen Kirche. Kruschina spannte einen weiten Bogen von seiner persönlichen Biographie zum SanktAnna-Fest. Seine beiden Großmütter, sowohl die auf der bayerischen, als auch die auf der böhmischen Seite, würden An-
Fresko in der Sankt-Anna-Kirche.
na heißen. Sein Vater stamme aus einem kleinen Dorf zwischen Prag und Brünn an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren. Bei einem Besuch in Ostböhmen sei ihm der Gedanke gekommen: „Ohne Flucht und Vertreibung gäbe es mich nicht. So ist aus Not und Elend durch die Liebe zwischen Böhmen und Bayern mein Leben entstanden.“ Zum Abschluß des Gottesdienstes ging Fördervereinsvorsitzender Konrad auf die Geschichte der einst bedeutendsten Wallfahrtsstätte im westböhmischen Raum ein. Daß diese Wallfahrt vor mehr als 30 Jahren wieder zum Leben habe erweckt werden können, sei vielen Spendern zu verdanken. Rund 400 000 Euro habe der Förderverein bisher investiert, damit die Wallfahrtskirche wieder für Gottesdienste, Hochzeiten und Konzerte genutzt werden könne. Besonders am Äußeren habe der Zahn der Zeit genagt, erinnerte sich Konrad. Im Innern sei die Kirche noch gut erhalten gewesen, obwohl die letzte Restaurierung schon mehr als 120 Jahre zurückliege. Zwei Personen hätten sich besonders aufopferungsvoll um die Kirche gekümmert. Tirschenreuths ehemaliger Stadtpfarrer Georg Maria Witt habe Kontakte über die Grenze geknüpft und Spendengelder organisiert. Einen unermüdlichen Gleichgesinnten habe er im Tirschenreuther Architekten Klaus-Peter Brückner gefunden. So habe die Sankt-Anna-Kirche wieder ein würdiges Äußeres erhalten. Mit einer Gedenktafel an der Nordseite im Kirchenschiff, die Pfarrer Kruschina nach dem Gottesdienst segnete, wird nun das außergewöhnliche Engagement der beiden mittlerweile verstorbenen Wohltäter gewürdigt und in dankbarer Erinnerung gehalten. Zum Abschluß der 32. SanktAnna-Wallfahrt galt der besondere Dank dem scheidenden Planer Stadtpfarrer Jaroslav Šašek. Er begleitete die Wallfahrt über fast zehn Jahre als „Hausherr“ und Brückenbauer zwischen den tschechischen und deutschen Pfarrgemeinden. Die Vorsitzende des Heimatkreisvereins PlanWeseritz, Regine Löffler-Klemsche, und der Vorsitzende des Fördervereins Sankt Anna bedankten sich bei ihm mit Erinnerungsgeschenken.
TERMINE
Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Altsattel.
n Freitag, 10. bis Sonntag, 12. September, Haider Loretofest: Freitag 17.00 Uhr Heilige Messe und Primizsegen mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus. Samstag 10.00 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen in der Loreto; anschließend Prozession mit der schwarzen Muttergottes durch den Park zur Schloßkapelle; 19.00 Uhr deutsche Pilgermesse mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Sonntag 8.00 Uhr Heilige Messe mit Pater Martin Duchoslav in der Kirche Sankt Nikolaus. n Sonntag, 17. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto mit Bischof em. Friedhelm Hofmann aus Würzburg; anschließend Kirch kaffee in der Sakristei.
WIR GRATULIEREN � Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XII
Heldenhafte Gläubige dieser Pfarrei beauftragt. Dazu gehörten auch Groß Wonnetitz, Klein Wonnetitz und Elsch. Gottesdienst feierte ich regelmäßig alle 14 Tage. Obwohl die Kirche in einem guten Zustand war, diie bekamen einen tschechi- rekt auf dem Dorfplatz und von schen Priester und haben ihm den Siedlungen auch gut erreichseine Tätigkeit unterbunden. bar, war die Besucherzahl auch Sehr lächerlich war die Ausre- an hohen Feiertagen mehr als de einiger Eltern, mit der Anmel- jämmerlich. Manchmal kamen dung zum Religionsunterricht nur fünf oder sechs Menschen. werde ihren Kindern der Zugang Nur bei Begräbnissen war die zu höheren Schulen verwehrt. Kirche voll. In Elsch ist eine FiWahr ist, daß gerade mit diesem lialkirche der heiligen Anna, ein Argument Lehrer am Häufigsten schöner und gut erhaltener Bau. operierten. Aber Die Heilige Meswie viele Eltern se gab es nur zur in Neustadtl und Wallfahrt. Umgebung hat1956 wurden ten tatsächlich vor, mir noch Hollezihre Kinder zum rich mit den daStudium zu schiczugehörigen Ortken? Was für Beschaften Gossau fürchtungen hatund Turban zuten sie also? Daß geteilt sowie in sie aus der GenosRichtung Mies die senschaft ausgeSiedlung Beneschlossen werden? schau. Hollezrich 1954 wurden war, was die Redie Pfarreien hinligiosität angeht, ter Pfraumberg, sehr halbherzig, das waren Sankt aus der Siedlung Katharina, Roß- Das Dorfkreuz in Gossau. kamen nur wenige haupt und NeuMenschen. Anders häusl, an Alt Zedlitsch überge- war dies in Turban und Gossau. ben. Mir wurde Altsattl aus der Die Gläubigen aus diesen OrtBudweiser Diözese zugeteilt. Bei schaften waren durchwegs regelmeinem Amtsantritt in Neustadtl mäßig in der Pfarrkirche. Freude war Pater Joesf Lang Pfarrer in bereitete auch die Arbeit in der Altsattl. Er ging auf eigenen Turbaner Schule. Wunsch nach Deutschland. Der Die Turbaner und Gossauer junge Administrator Pater Jaros- feierten ostentativ die Wallfahrt. lav Lilák übernahm die verwaiste Weil diese Siedlungen keine eiPfarrei. Mit aller Mühe versuchte genen Kapellen hatten, handeler, die brach liegende Pfarrei zu ten sie mit dem Kreisnationalretten. Pater Lilák wurde gleich ausschuß die Zustimmung aus, darauf nach Budweis versetzt. die heilige Wallfahrt auf dem Nun stand die Pfarrei wieder Dorfplatz unter freiem Himleer. Die Räume im Pfarrgebäude mel feiern zu dürfen. Natürlich waren bereits früher an den Ört- schockierte dieser Antrag des lichen Nationalausschuß vermie- Örtlichen Nationalausschusses tet worden, und der Seelsorge und der Bürger in einer Zeit, in wurden zwei kleine, dunkle und der alle religiösen Feiern unterfeuchte Zimmer überlassen. Seit- bunden wurden, die Funktionädem wurde Altsattl von Pfarrern re des Kreisnationalausschusses aus den benachbarten Pfarreien in Tachau. Die Menschen wußder Budweiser Diözese verwal- ten aber, was sie wollen: „Geben tet. Da aber Neustadtl mit sieben sie uns keine Zustimmung, so geKilometern Entfernung der Ort- ben wir kein einziges Ei, kein einschafft Altsattl am nächsten lag, ziges Kilogramm Fleisch.“ Es ist wurde ich mit der Verwaltung fast unglaublich, aber der Kreis-
In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář die wachsende Größe seines Seelsorgegebietes und die unzulänglichen Verkehrsverbindungen.
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nationalausschuß erteilte die erforderliche schriftliche Zustimmung. Auf dem Dorfplatz wurde beim Kreuz ein provisorischer Altar mit Birken errichtet. Aus der Schule wurden Bänke und das Harmonium hinausgetragen. Musik und Lärm des Karussells verstummten, und die Heilige Messe mit Predigt wurde gefeiert. Das war eine heldenhafte und schöne Geste der Gläubigen. Die ganze Zeit über – zwölf Jahre lang – verwaltete ich sieben Pfarreien, die ziemlich entfernt voneinander lagen. Am Sonntag gab es Gottesdienste an drei, manchmal auch an vier Orten. An Werktagen gab ich täglich Unterricht in den Siedlungen. Der Tachauer Bezirk ist sehr hügelig, die Straßen kaputt und staubig. Bei Regen verwandelt sich alles in bodenlosen Matsch und Pfützen mit schmutzigem Wasser. Im Herbst verhüllt dichter Nebel die Landschaft. Im Winter gibt es viel Schnee, Verwehungen und Glatteis. Es ist leider die harte Wahrheit, daß das Kirchenamt einen Priester ins Grenzland schickte, ihn mit der Verwaltung gleich einiger Pfarreien beauftragte, aber nicht das Mitgefühl zeigte zu fragen oder sich nur annähernd dafür zu interessieren, wie er überhaupt ankommt und wie er in die weit entfernten Kirchen und Schulen gelangt. Im Tachauer Land gab es nach dem Krieg nicht viele öffentliche Verkehrsmittel, außer der Zugstrecke Plan–Taus. Die Siedlungen um Pfraumberg, die Ortschaften an der Grenze – und das war der Kern der verwalteten Region – das alles war praktisch ohne Verbindung. Diese Region war von der Welt abgeschnitten. Zu dieser Zeit gab es in Tachau nicht viele private Fahrzeuge, überdies gab es Benzin nur auf Zuteilung. Für ein Motorrad hatte ich nicht das Geld. Als ich in Neustadtl ankam, hatte ich nicht einmal ein Fahrrad. In die Schulen ging ich zu Fuß, nach Neudorf gelangte ich mit dem Zug oder dem Pritschenwagen. Fortsetzung folgt
Wir gratulieren folgenden treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten, die im September Geburtstag feiern, und wünschen von Herzen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. n Roßhaupt. Altarbild der RoßAm 25. haupter Kirche. Gerhard Bild: Siegfried Zeug Kraus, 79 Jahre. Helga und Heribert Kett Ortsbetreuer n Maschakotten. Am 4. Josef Endres (Sohn von Hildegard Endres/Windirsch, Wirt, HausNr. 23), 58 Jahre. Reinhold Wurdakt Ortsbetreuer n Neuzedlisch. Am 12. Ernst Wurdak (Sperlweber-Ernst), 93 Jahre. Christine Harinko Schriftführerin n Godrusch. Am 14. Dr. Maria Zenz/Magerl (Warta, HausNr. 18), 86 Jahre, und am 25. Josef Magerl (Warta Seff, HausNr. 18), 85 Jahre. Franz Josef Schart Ortsbetreuer
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im September Stefan Riederle, Ortsbetreuer von Altsattel, am 8. zum 59.; Ernst Adler, Ortsbetreuer von Drißgloben, am 17. zum 89. und Marianne Paeger/ Bäuml, ehemalige Ortsbetreuerin von Godrusch, am 20. zum 84. Geburtstag. Wir wünschen Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin