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Sudetendeutsche Zeitung 13. August 2021 Ausgabe 32 + 33

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Im Interview: Bayerns Staatsministerin Melanie Huml (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief

Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 32 + 33 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 13. August 2021

VOLKSBOTE

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B 6543

Putschsommer 1991

Bundestagswahl 2021 am 26. September

Das Kartenhaus zerbricht

Wahlprogramme: Was die Parteien zum Thema Vertreibung zu sagen haben

Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Der 17. August 1991 war selbst für pannonische Verhältnisse unbeschreiblich heiß. Papst Johannes Paul II. zelebrierte auf dem baum- und daher schattenlosen Rollfeld des Militärflughafens im südungarischen Fünfkirchen (Pecs) drei Stunden lang eine dreisprachige Messe für die Volksgruppen der Region: Ungarn, Kroaten und Donauschwaben. Europa müsse sich nach dem Sturz der kommunistischen Regime in Moskau und Belgrad friedlich neu ordnen, war seine Botschaft.

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ie Realität sah damals allerdings teilweise anders aus: Wenige Kilometer entfernt tobte der serbisch-jugoslawische Eroberungskrieg gegen Kroatien, und in der Sowjetunion brach ein vom Geheimdienst angezettelter Putsch gegen Michail Gorbatschow aus. Mein Flug von Ungarn in die estnische Hauptstadt Reval (Tallin) wäre daher beinahe storniert worden. In der MaschiMichail ne saß nur eine Gorbatschow winzige Schar, die am Zielort zutiefst erschrak, als uns dort ein Oberst in sowjetischer KGB-Uniform empfing. Von einem Passagier auf Russisch angesprochen, teilte er uns allerdings fast wütend mit, wir sollten mit ihm entweder Englisch oder Estnisch reden. Der Putsch zur Wiederherstellung der Sowjetunion begann also zu scheitern, auch wenn in der Stadt die Panzerschlacht um den Fernsehturm noch in vollem Gang war. Heute sind sowohl die drei baltischen Staaten als auch Ungarn und Kroatien Mitglieder von EU und NATO – ein Grund dafür, noch dreißig Jahre später Gott zu danken. In der Ukraine, in Weißrußland und in Rußland, die damals ebenfalls nach Freiheit strebten, seWladimir Putin hen die VerFotos: Wikipedia hältnisse allerdings nach wie vor anders aus. Wladimir Putin betreibt die Rückkehr hin zu einer Art neuer Sowjetunion. In Weißrußland wütet ein Diktator, in der Ostukraine ein Krieg. Auch in Belgrad ist das alte Denken nach wie vor tonangebend. Die deutsche Grüne Antje Vollmer nannte die Konflikte im zerfallenden Jugoslawien damals etwas überspitzt einen „Habsburgischen Erbfolgekrieg“. Die Erbfolge im Raum der früheren Sowjetunion dürfte uns Europäer noch auf viele Jahre existenziell herausfordern.

Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf: Im Vorfeld der Bundestagswahl am 26. September haben mittlerweile alle sechs im Bundestag vertretenen Parteien ihre Wahlprogramme verabschiedet und die wichtigsten Eckpunkte ihrer Politik dargelegt.

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as Schicksal der 15 Millionen deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge ist das größte Trauma der deutschen Nachkriegsgeschichte, wie das neue Dokumentationszentrum „Flucht Vertreibung Versöhnung“, das vor wenigen Wochen in Berlin eröffnet wurde, belegt. Auch im Bundestag ist Vertreibung nach wie vor ein Thema. So fand erst im Juni eine Plenardebatte zum „Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen zur Förderung der Kulturarbeit gemäß § 96 des Bundesvertriebenengesetzes in den Jahren 2019 und 2020“ statt (Sudetendeutsche Zeitung berichtete), in der alle Redner, mit Ausnahme von Simone Barrientos als Vertreterin

Die sechs im Bundestag vertretenden Parteien haben mittlerweile ihre Wahlprogramme verabschiedet. der Partei Die Linke, insbesondere die Aufbauleistung der Vertriebenen wertschätzten. In den Wahlprogrammen der im Bundestag vertretenden Parteien spielt das Thema Vertreibung dagegen keine Rolle. Nur die CDU/CSU widmet sich in ihrem „Programm für Stabilität und Erneuerung: Gemeinsam für ein modernes Deutschland“ ausführlich dem Thema. Unter der Überschrift „Vertriebene und Aussiedler wertschätzen“ heißt es im Wahlprogramm der CDU/CSU: „Wir bekennen uns zur Geschichte aller Deutschen – auch derer, die ein besonders schweres Kriegsfolge-

schicksal erleiden mußten. Das kulturelle Erbe der Heimatvertriebenen und Aussiedler ist ein selbstverständlicher und wertvoller Teil unserer Identität.“ Ohne die Heimatvertriebenen wäre der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg so nicht gelungen. Und Aussiedler seien „mit ihrem Können, ihrem Fleiß und ihrer kulturellen Tradition ein Gewinn für unser Land“, heißt es in dem 139 Seiten starken Programm. Vertriebene und ihre Nachkommen, Aussiedler und deutsche Minderheiten im Ausland hätten „Brücken der Verständigung in Europa“ gebaut. „Ein geeintes, friedliches und starkes

Europa ist eine entscheidende Grundlage für das vor uns liegende Modernisierungsjahrzehnt. Der Verständigungs- und Gestaltungswille der Vertriebenen und Aussiedler sind uns hierfür eine wichtige Leitschnur“, so das CDU/CSU-Programm. Man werde desalb „den verständigungs- und erinnerungspolitischen Einsatz der Vertriebenen- und Aussiedlerverbände, den Kulturerhalt und die Kulturarbeit durch eine zukunftssichere Förderung stärken“. Nötig seien außerdem Akzente in Bildung und Forschung, um durch moderne Vermittlungsmethoden das Wissen hierüber zu festigen.

„An der gesetzlich garantierten Aufnahme von Spätaussiedlern werden wir festhalten und weiterhin Eingliederungshilfen leisten. Fremdverschuldeter Altersarmut und rentenrechtlichen Benachteiligungen bei Aussiedlern und Spätaussiedlern werden wir entschieden begegnen“, kündigt die CDU/CSU an. Außerdem wolle man die deutschen Minderheiten und Volksgruppen in verschiedenen Ländern weiterhin darin unterstützen, ihre Sprache und Kultur zu pflegen, und das Thema Vertreibung noch stärker in der Bundesregierung verankern: „Uns ist wichtig, das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten in einer exponierten Stellung in der Bundesregierung zu stärken.“ – was als klare Rückenstärkung für Amtsinhaber Bernd Fabritius verstanden werden kann, der außerdem Präsident des Bundes der Vertriebenen und CSU-MdB ist. Torsten Fricke

Feierstunde auf dem Stuttgarter Schloßplatz. Unter den Gästen waren auch MdB Dr. Stefan Kaufmann sowie die CDU-MdL Raimund Haser und Konrad Epple sowie MdL a.D. Franz Longin.

Feierstunde der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge und des Bundes der Vertriebenen auf dem Schloßplatz in Stuttgart

Zukunftsweisend: die Charta der Heimatvertriebenen „Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ist ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte“, hat Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), in seiner Festansprache an die Verkündung am 5. August 1950 auf dem Schloßplatz in Stuttgart erinnert. Iris Ripsam, Landesvorsitzende UdVF, stellvertretende Landesvorsitzende BdV, CDU-Stadträtin und MdB a.D. Fotos: Helmut Heisig

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it dem Verzicht auf Rache und Vergeltung, dem Engagement für ein freies und geeintes Europa und der Beteiligung

am Wiederaufbau Deutschlands hätten die Vertriebenen bereits damals kurz nach dem Krieg Weitsicht gezeigt, so der CSUMdB Fabritius, der dazu aufrief, dieses Erbe weiterzutragen: „Die Jugend ist die einzige Brücke in die Zukunft.“ Reinfried Vogler, ehemaliger Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung und Vorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, sagte in seinem Grußwort, daß die damalige Vision von einem geeinten Europa heute weitestgehend Realität geworden sei. Ziel müs-

se aber weiterhin eine Partnerschaft aller Volksgruppen in einem freien und demokratischen Europa sein. „Mit der Unterzeichnung der Charta setzten die Heimatvertriebenen ein Zeichen der Versöhnung, des Friedens und der Zukunft“, hatte bereits zum Auftakt der Feierstunde die Initiatorin Iris Ripsam erklärt. Im Schlußwort unterstrich der CDU-Landtagsabgeordnete Raimund Haser die Wichtigkeit eines geeinten Europas, „in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können“.

Reinfried Vogler, Vorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, mit BdV-Präsident und MdB Dr. Bernd Fabritius.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32 + 33 | 13.8.2021

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Rudolf-Lodgman-Medaille für Hans Dethlefsen

Elf Medaillen bei Olympischen Spielen

Hohe Ehrung für treuen Unterstützer

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ir Sudetendeutsche sagen Danke für drei Jahrzehnte treue ehrenamtliche Dienste beim Sudetendeutschen Tag.“ Mit diesen Worten hat der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, am Sonntagabend Hans Dethlefsen gewürdigt und ihm die Rudolf-Lodgman-Medaille verliehen. Obwohl der gebürtige Berliner und Wahl-Münchner keine sudetendeutschen Wurzeln hat, war er drei Jahrzehnte lang zur Stelle, um den Sudetendeutschen

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s ist die beste Medaillenausbeute in der Geschichte der Tschechischen Republik bei Olympischen Spielen. Mit elf Medaillen sind die tschechischen Spitzensportler aus Tokio zurückgekehrt. Goldmedaillen gewannen Judoka Lukáš Krpálek, Slalom-Kanute Jiří Prskavec im Kajak-Einer, Jiří Lipták im TrapSchießen sowie die Tennisspielerinnen Kateřina Siniaková und Barbora Krejčíková im Doppel. Silber holten David Kostelecký im Trap-Schießen, Slalom-Kanute Lukáš Rohan im CanadierEiner, Tennisspielerin Markéta Vondroušová und Speerwerfer Jakub Vadlejch. Bronze ging an Alexander Choupenitch im Florett-Fechten, Josef Dostál und Radek Šlouf im Kajak-Zweier und Speerwerfer Vítězslav Veselý.

Tag vorzubereiten – „aus Spaß an der Freude und weil wir so ein gutes Team sind“, erklärt der DiplomIngenieur sein Engagement. Mit einem Blumenstrauß bedankte sich Andreas Schmalcz für die sudetendeutsche Heimatpflege bei Ehefrau Helga, die ihrem Mann immer an Pfingsten freigegeben habe. Für die musikalische Umrahmung der Ehrungsveranstaltung im Sudetendeutschen Haus hatten die Böhmerwälder Sing- und Volkstanzgruppe München gesorgt. Fotos: Torsten Fricke

Hälfte der Tschechen vollständig geimpft

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ber fünf Millionen der 10,5 Millionen Tschechen sind bereits vollständig gegen eine Covid19-Infektion geimpft, hat das Gesundheitsministerium bekanntgegeben. Demnach seien bis Sonntagabend 10 672 379 Dosen Impfstoff verabreicht worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit landesweit bei elf Fällen je 100 000 Einwohner, in der Hauptstadt Prag bei 23.

Nach der Aufnahme in das Weltkulturerbe hoffen die Egerländer Bäderorte auf ein Ende der Krise

Mehrwöchige Kuren: Karlsbad will zurück zu den alten Wurzeln

Die Eröffnung des Karlsbader Dvořak-Parks haben Politiker und Ehrengäste genutzt, um die Entscheidung der UNESCO zu würdigen, die Karlsbad sowie die Egerländer Nachbarkurorte Marienbad und Franzensbad in das Weltkulturerbe aufgenommen hat (Sudetendeutsche Zeitung berichtete).

Manuela Uhl singt beim Musikfestival

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it einem Konzert der deutschen Sopranistin Manuela Uhl und des litauischen Tenors Kristian Benedikt ist am Samstag im Schloßhof in Jameritz das internationale Musikfestival von Peter Dvorský eröffnet worden. Auf dem Programm standen Kompositionen von Giuseppe Verdi, Richard Wagner und Giacomo Puccini sowie Arien aus Antonín Dvořáks Oper Rusalka. Das Festival findet noch bis zum 21. August statt. Ein Höhepunkt ist das Konzert der Sakralmusik am 19. August in der St.-Prokop-Basilika in Trebitsch, die auf der Welterbe-Liste der UNESCO steht.

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ute Nachrichten kann Karlsbad wahrlich gebrauchen. Schon vor der Covid-Pandemie gingen Tourismus- und Investorströme vor allem aus Rußland zurück. Und die deutschsprachigen Besucher, sofern sie nicht aus den grenznahen Regionen für kurze Tagesausflüge kamen, sind seit Jahrzehnten immer weniger geworden. Einige große Hotels stehen nicht nur pandemiebedingt leer, sondern aktuell sogar zum Verkauf, wie das berühmte Imperial, das wie eine Gralsburg über der Stadt thront. Da kommt es wie ein Geschenk vom Himmel, daß Karlsbad gemeinsam mit Franzensbad und Marienbad in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden ist. Die Entscheidung der UNESCO bietet jetzt „die Möglichkeit einer neuen Präsentation der Stadt“, so die Karlsbader Oberbürgermeisterin Andrea Pfeffer Ferklová, die bis 2018 Managerin im Karlsbader Hotel Pupp gewesen war, also vom Fach ist. „Die Epidemie hat die Unterschiede zwischen den Regionen gefährlich verstärkt“, so Pfeffer Ferklová, aber mit der UNESCOEntscheidung gäbe es neue Hoffnungen für Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. Daß die Aufnahme ins Weltkulturerbe „zu einer Rückkehr zum normalen Leben beitragen“ könne, meinte auch der tschechische Kulturminister Lubomir Zaorálek in seiner Ansprache.

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Kreidekreuze gegen Babiš

m Vorfeld einer Wahlkampfveranstaltung von Premierminister Andrej Babiš (Ano) auf

dem Marktplatz in Pruhonitz bei Prag hat die Bürgerinitiative „Eine Million Augenblicke für Demokratie“ die Fläche mit weißen Kreuzen besprüht, um so gegen die Corona-Politik der Regierung zu demonstrieren. Doch Babiš führte seine Veranstaltung wie geplant durch, was unter anderem der Chef der Bürgermeisterpartei Stan, Vít Rakušan, scharf kritisierte. „Ein verantwortungsbewußter politischer Führer würde sich vor den Kreuzen still verbeugen, aber der gegenwärtige Premierminister spaziert skrupellos über die Kreuze.“

Feuerwehr hilft in Griechenland

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it 15 Fahrzeugen sind tschechische Feuerwehrleute nach Griechenland aufgebrochen, um dort beim Kampf gegen die Waldbrände zu unterstützen. Einen entsprechenden Beschluß hatten Innenminister Jan Hamáček und Außenminister Jakub Kulhánek (beide Sozialdemokraten) gefaßt. Der Einsatz ist zunächst auf zehn Tage befristet, kann jedoch verlängert werden.

Leitzins steigt auf 0,75 Prozent

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er Bankenrat der Tschechischen Nationalbank (ČNB) hat wie erwartet am Donnerstag beschlossen, den Leitzins um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent zu erhöhen. Die Nationalbank begründete die Entscheidung mit der Befürchtung, daß nach Aufhebung der Corona-Beschränkungen die Inflation anziehen könnte. Der Gouverneur der Zentralbank, Jiří Rusnok, sagte, man sei darauf vorbereitet, weitere Aufstockungen der Zinssätze in den kommenden Sitzungen zu beschließen.

Ethan Hawke kommt nach Karlsbad

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ollywood in Karlsbad: Der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Ethan Hawke wird Gast des diesjährigen Internationalen Filmfestivals in dem Egerländer Kurort sein. Hawke, der viermal für den Oscar-Preis nominiert wurde, wird mit dem Preis des Festivalpräsidenten geehrt. Zudem wird er den Film „First Reformed“ von Regisseur Paul Schrader beim Festival vorstellen. Das Filmfestival wird am 20. August eröffnet. Auf dem Programm stehen 32 Filmpremieren.

Sudetendeutsche Zeitung

Eröffnungszeremonie im Karlsbader Dvořak-Park (von links): Oberbürgermeisterin Andrea Pfeffer Ferklová, Franzensbads Bürgermeister Jan Kuchař, Kulturminister Lubomír Zaorálek, Karlsbads Kreishauptmann Petr Kulhánek und Marienbads Bürgermeister Martin Kalina. Hatte man jahrzehntelang den Tagestourismus von Seiten der Kommunen gefördert, so gehe es jetzt nach Ansicht der Lokalpolitiker darum, „neue Kundschaft zu gewinnen und eine andere Zielgruppe anzusprechen “, so Pfeffer Ferklová. Damit rückt eigentlich das über Jahrhunderte gepflegte Modell der mehrwöchigen Kuraufenthalte mit Anwendungen wieder in den Blick. Gerade die drei böhmischen Kurbäder hätten eine einzigartige, historisch gewachsene Architektur generiert und böten daneben ein breites Angebot an Kultur, sportlicher Betätigung und reichlich gestalteter wie unberührter Natur in ihrem Umfeld.

Kreishauptmann Petr Kulhánek mit Prof. Stefan Samerski . Allein Karlsbad nennt vier historische Kolonnaden sein eigen und unterhält neben Marienbad ein eigenes Symphonieorchester

mit Wurzeln bis in die k. u. k.Monarchie. Gerade das kompakte urbanistische Ganze der drei böhmischen Kurorte hatte die UNESCO bewogen, sie in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen. Alle drei Städte, die unzweifelhaft ihren Höhepunkt zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert erreichten, zeichneten sich außerdem durch einen kosmopolitischen Strom von Besuchern und Architekturformen aus, die wegen ihrer Qualität und in ihrer Authentizität als besonders schützenswert gelten. Sie sind Zeugnisse für die Bedeutung der Balneologie in der europäischen Gesellschaft. Stefan Samerski

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32 + 33 | 13.8.2021

Als erstes Mitglied des bayerischen Kabinetts ist Melanie Huml im Juli nach der Wiederöffnung der Grenzen nach Prag gereist (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Es war ihre erste offizielle Reise als Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales. Warum die CSU-Politikerin Prag als erstes Ziel gewählt hat, und warum sie Tschechisch in grenznahen Kindergärten und Schulen verstärkt anbieten will, berichtet Melanie Huml im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung. Frau Ministerin, seit Januar verantworten Sie in der Bayerischen Staatsregierung den Bereich Europa und Internationales. Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Wie gefällt Ihnen Ihr neuer Arbeitsbereich? Melanie Huml: Das ist eine wunderbare Aufgabe, weil ich für den Freistaat Bayern Kontakte knüpfen, den Austausch mit unseren Nachbarn voranbringen sowie wichtige Projekte umsetzen kann. Daß ich dieses Amt mitten in der zweiten Welle der Pandemie übernommen habe, also in einer Zeit, in der das persönliche Kennenlernen weitestgehend auf Videokonferenzen beschränkt war, hat den Start nicht einfacher gemacht. Umso mehr freue ich mich, daß es jetzt wieder einfacher möglich ist, sich persönlich zu treffen. Sie haben Medizin studiert und als Ärztin gearbeitet. Vor Ihrem Wechsel in die Staatskanzlei als Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales waren Sie eine sehr engagierte Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, die insbesondere von der Ärzteschaft hoch geschätzt wurde. Ihr Wechsel kam für viele überraschend. Huml: Ich war acht Jahre lang sehr gerne Gesundheits- und Pflegeministerin, aber in der Politik ist jedes Amt immer nur ein Amt auf Zeit. Ich habe damals das Gesundheitsministerium aufgebaut und viele Projekte umgesetzt, wie die Betreuung von Palliativpatienten oder die hausarztzentrierte Versorgung. Unser Ministerpräsident wollte im Januar einen Wechsel in seinem Kabinett, auch um nach der Pandemie die internationalen Kontakte wieder mit Leben erfüllen zu können, was für Bayern als Wirtschaftsstandort von enormer Bedeutung ist. Ich habe meine neue Aufgabe deshalb mit großem Engagement angenommen. Gerade das Menschenverbindende, das Knüpfen von Kontakten, etwas neues Anstoßen, was insbesondere mein jetziges Amt erfordert, liegt mir sehr. Wir haben in Bayern 112 offizielle Vertretungen ausländischer Staaten, darunter 42 Generalkonsulate. Das unterstreicht, wie wichtig Europa und die Welt für den Freistaat sind. Im Juli hat Sie Ihre erste offizielle Reise nach Prag geführt. Warum? Huml: Aus drei Gründen: Wir sehen uns in Bayern als Brücke zwischen Ost und West. Tschechien ist einer unserer direkten Nachbarn. Und uns verbindet eine gemeinsame wechselvolle Geschichte, die uns immer wieder mahnt, sich für Frieden, Versöhnung und Verständigung einzusetzen. Während des Lockdowns waren die Grenzen zwischen Bayern und der Tschechischen Republik weitestgehend geschlossen. Wie hat sich das auf das bayerischtschechische Verhältnis ausgewirkt? Huml: Auf politischer Ebene waren wir auch in dieser Zeit im ständigen Kontakt und haben unseren Partnern in Prag immer wieder unsere Unterstützung angeboten. Unsere Zusage, tschechische Intensivpatienten zu übernehmen, ist sehr positiv wahrgenommen worden, hat mir Außenminister Jakub Kulhánek bei unserem Treffen in

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� Interview mit Melanie Huml, Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales

„Über die Sprache kommt die Völkerverständigung“

� Zur Person: Melanie Huml �  Geboren am 9. September 1975 in Bamberg. �  Verheiratet, zwei Söhne, römisch-katholisch. �  Bis 2002: Studium der Medizin an der Friedrich-Alexander-

Universität Erlangen-Nürnberg. �  2002 bis 2004: Klinikum Bamberg sowie Kantonales Spital Grabs (Schweiz) �  2004: Approbation als Ärztin. �  2007 bis 2008: Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. �  2008 bis 2013: Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. �  2013 bis 2021: Staatsministerin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. �  Seit 2015: Mitglied im CSU-Landesvorstand. �  Seit 2017: Stellvertretende Parteivorsitzende der CSU. �  Seit 11. Januar 2021: Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales.

Prag noch einmal bestätigt, auch wenn Tschechien am Ende auf dieses Angebot verzichtet und alle Patienten im eigenen Land behandelt hat. Dennoch haben diese Grenzschließungen, die in der Pandemiebekämpfung notwendig waren, Spuren hinterlassen. Gerade Pendler waren von den Maßnahmen schwer betroffen. Das hat die Menschen auf beiden Seiten der Grenzen aufgewühlt. Mein Ziel ist es, daß diese Wunden möglichst schnell wieder verheilen. Sie hatten es schon erwähnt. In Prag haben Sie auch den neuen Außenminister Jakub Kulhánek getroffen. Wie ist Ihre Einschätzung? Huml: Wir hatten uns nach virtuellen Kontaktaufnahmen im April und Mai bereits Wochen vorher am Rande einer Veranstaltung in Marienbad kurz kennengelernt, aber in Prag erstmals Gelegenheit, uns intensiv auszutauschen. Jakub Kulhánek ist offen, zugewandt und möchte Projekte umsetzen. Ich kannte natürlich auch seinen Vorgänger Tomáš Petříček, mit dem ich ebenso eine gute, vertrauensvolles Gesprächsbasis hatte. Im Herbst bekommt die Tschechische Republik eine neue Regierung. Amtsinhaber Andrej Babiš von der Ano-Bewegung tritt erneut an, ist aber nicht unumstritten. Der Multi-Milliardär hat mit Agrofert ein weitverzweigtes Unternehmens-Konglomerat aufgebaut und steht insbesondere wegen EU-Subventionen an einigen Tochterfirmen in der Kritik. Huml: Es ist allein Sache der Bürgerinnen und Bürger der Tschechischen Republik, über

Historischer Ort: Melanie Huml auf dem Balkon der Deutschen Botschaft in Prag, von wo aus der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 den wartenden DDR-Bürgern die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland verkündete. Fotos: Bayerischer Staatskanzlei

ten, getroffen. Warum war Ihnen gerade dieses Treffen wichtig? Huml: Im Anschluß an Frankreich übernimmt Tschechien im zweiten Halbjahr 2022 die EU-Ratspräsidentschaft, also in dem Jahr, in dem das Klimaprojekt „Fit for 55“ zur Abstimmung steht. Mit diesem Paket an klima-, energie- und verkehrsbezogenen Rechtsvorschriften wollen wir in Europa die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindeihre neue Regierung zu entschei- stens 55 Prozent senken. Das ist den. Meine Hoffnung ist, daß wir ein sehr ambitioniertes Ziel. Alauch in Zukunft einen guten und le Lebensbereiche werden davon konstruktiven Austausch auf Au- betroffen sein. Und bis 2030 ist genhöhe pflegen, denn Tsche- es nicht mehr lange hin. Mir ist chien ist ein wichtiger Partner es wichtig, aus erster Hand einfür Bayern. Wünschenswert ist schätzen zu können, wie man in natürlich, aber das gilt für jedes Prag das Mega-Projekt „Fit for Land, daß nach der Wahl eine 55“ einschätzt, zumal mit Tschestabile Regierung im Amt ist. chien und Frankreich zwei LänDennoch sehen viele Beobach- der die EU-Ratspräsidentschaft ter in Andrej Babiš nicht gerade inne haben, die weiterhin auf einen Vorreiter für Europa. Atomkraft setzen, während es in Huml: Gerade aus seiner Zeit Deutschland das Ziel ist, sowohl als Unternehmer weiß Premier- aus der Kohle als auch aus der minister Babiš, wie wichtig die Atomkraft auszusteigen und vor EU für Frieden, Wachstum und allem auf erneuerbare EnergiWohlstand der Menschen ist. Au- en zu setzen. Hinzu kommt, daß ßerdem habe ich den Eindruck, das geplante Verbot von Verdaß sich die gesamte tschechiche brennungsmotoren massive AusRegierung ihrer Verantwortung wirkungen auf die Autoindustrie haben wird. Bayern und Tschechien haben hier als Standorte von Automobil-Herstellern und Zulieferbetrieben gemeinsame Interesse. Die entscheidene Zukunftsfrage wird es sein, wie wir die EmisStaatsministerin Melanie Huml im Gespräch mit sionen massiv reaber dem tschechischen Außenminister Jakub Kulhánek. duzieren, gleichzeitig Arfür Europa bewußt ist. Aber auch beitsplätze erhalten oder neu in Tschechien ist derzeit Wahl- schaffen können. kampf, und da spielen andere Tschechien ist ein sehr wichtiThemen derzeit eine wichtigere ger Partner, aber auch mit andeRolle. Die Grundstimmung bei ren Ländern hat Bayern gemeinden verantwortlichen Politikern same Interessen. Wie sehen Ihre und den Bürgern in Tschechien nächsten Schritte aus? ist aber ganz klar pro-europäisch. Huml: Selbstverständlich ist Sie hatten viele Gespräche in es meine Aufgaben auch zu anPrag. So haben Sie sich auch mit deren Ländern Kontakte zu halMilena Hrdinková, der Staatsse- ten. Wichtig sind mir drei Thekretärin für Europaangelegenhei- menbereiche: Erstens, das Klima

mit der Umsetzung des EU-Projekts „Fit for 55“ auf dem Weg zur CO2-Neutralität. Zweitens die Wirtschaft, also Arbeitsplätze, Handel und Digitalisierung. Und drittens die Pflege der Nachbarschaft, um Europa zu stärken. So habe ich mich sehr gefreut, daß sich direkt nach meiner Rückkehr aus Prag der polnische Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sęk gemeldet und gefragt hat, wann ich nach Warschau komme. Und erst vor ein paar Tagen hat mich USGeneralkonsul Timothy Liston in der Staatskanzlei besucht. Auch mit den USA haben wir wichtige gemeinsame Interessen, wie die Stärkung eines fairen und freien Welthandels und die Bewältigung des Klimawandels. Wann wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach Prag reisen? Huml: Bei meinen Gesprächen in Prag hat man mir immer wieder die besten Wünsche an unseren Ministerpräsidenten übermittelt und ihn auch herzlich eingeladen. Aber eine offizielle Reise eines Ministerpräsidenten, die auch zu konkreten Ergebnissen führen soll, benötigt eine noch intensivere Vorbereitung und läßt sich somit nicht innerhalb weniger Wochen umsetzen. Welche Projekte wollen Sie nach Ihrer Rückkehr umsetzen? Huml: Über die Sprache kommt die Völkerverständigung. Wir wollen deshalb in den bayerischen Grenzregionen in den Kindergärten verstärkt Tschechisch anbieten, und dies in den Grundschulen fortsetzen. Außerdem wollen wir in Bayern das Tschechisch-Angebot durch muttersprachliche Sprachassistenten auf fünf Schulen erweitern. Analog sollen in Tschechien Deutsche, zum Beispiel Studierende, an Schulen eingesetzt werden. Und auf politischer Ebene? Huml: Im November steht wieder die bayerisch-tschechischen Regierungskommission auf dem Programm. Bereits im Vorfeld haben mir Landräte aus den Grenzregionen den

Wunsch zugerufen, hier eingebunden zu werden. Alle kommunalen Vertreter dies- und jenseits der Grenze an den Beratungen zu beteiligen, würde den Rahmen sprengen, aber wir werden im Vorfeld ein Gremium schaffen, in dem sich die kommunalen Ebene grenzüberschreitend austauschen können. Die Ergebnisse sollen dann in die Beratungen der bayerisch-tschechischen Regierungskommission einfließen. Im Gespräch mit Vertretern bayerischer Unternehmen höre ich immer wieder, daß sie sich für ihre in Tschechien ansässigen Firmen mehr dual ausgebildeten Nachwuchs wünschen. Ich überlege, wie man hier einen Schritt vorankommen kann. Schon jetzt bieten wir über Tandem, das Koordinierungszentrum DeutschTschechischer Jugendaustausch, die Möglichkeit, daß Auszubildende in Bayern und Tschechien praktische Erfahrungen im jeweiligen Nachbarland machen können. Und am 5. Oktober, so haben Jakub Kulhánek und ich vereinbart, wollen wir uns auch mit Vertretern Österreichs auf dem Dreisessel im Bayerischen Wald treffen, um das Dreiländereck Tschechien, Bayern sowie Ober- und Niederösterreich voranzubringen. Inwieweit kommt Ihnen bei Ihrer jetzigen Tätigkeit die Erfahrung als ehemalige Gesundheitsministerin zugute? Huml: Bei meinen Gesprächen in Prag hat natürlich die Corona-Pandemie, die immer noch Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat, eine große Rolle gespielt. Aber manchmal sind es auch ganz persönliche Probleme. So hatte ich neulich ein Treffen mit dem Botschafter des Senegal. Am Ende unseres Gesprächs hat er mir dann berichtet, daß es in seinem Land einen eklatanten Mangel an Hebammen gibt. Ich habe daraufhin einen Kontakt zum internationalen Hebammenverband hergestellt, der vielleicht unterstützen kann. Auch das Thema „Ärzte ohne Grenzen“ interessiert mich sehr, zumal dies wiederum eng mit den Flüchtlingsbewegungen zusammenhängt. Ebenso die Frage, mit welchen Ländern Bayern kooperieren kann, um zum Beispiel den Bedarf an Pflegekräften zu decken. Die Themen sind also sehr vielfältig. Ihr neuer Dienstsitz ist direkt in der Staatskanzlei. Ist das ein Vorteil? Oder ein Nachteil, weil Staatskanzleiminister Florian Herrmann, zu dessen Aufgabengebiet vor Ihrem Amtsanttritt Europa und Internationales gehört hatte, im selben Haus sitzt? Huml: Eindeutig ein Vorteil. Ich finde es deshalb sehr gut, daß das Amt direkt in der Staatskanzlei angesiedelt ist, weil ich dadurch noch gezielter mit den anderen Ministerien zusammenarbeiten und kooperieren kann. So haben wir jetzt eine Bitte aus unserem Partnerland Tunesien um Unterstützung in der CoronaPandemie bearbeitet. In Tunesien liegt die Inzidenz bei über 400 und die Impfquote bei nur zehn Prozent. Wir werden hier jetzt unter anderem mit Masken und Beatmungsgeräten unterstützen. Wenn die Pandemie eines gezeigt hat, dann, daß viele Probleme nicht an Grenzen halt machen und nur international gelöst werden können. Was hat Ihre Familie dazu gesagt, daß Sie jetzt für Europa und Internationales zuständig sind und deshalb öfter reisen müssen? Huml: Mein Mann hat mir schon in meiner Zeit als Gesundheits- und Pflegeministerin den Rücken freigehalten – und tut das auch weiterhin. Und mein großer Sohn dokumentiert mit kleinen Flaggen auf einer Weltkarte, mit wem ich an dem Tag gesprochen habe. Die ganze Familie hofft jetzt, daß sie mich bald in meinem Büro besuchen kann, was pandemiebedingt bislang nicht möglich gewesen ist. Torsten Fricke


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32 + 33 | 13.8.2021

Gustav Binder führt auf historischen Spuren durch Bad Kissingen

Vom Heiligenhof zum Badkommissar

Hauptberuflich leitet Gustav Binder die politische, historische und kulturelle Bildungsarbeit auf dem Heiligenhof, aber seit Anfang August schlüpft er samstagabends in die Rolle von Alexander von Moreau, um als Badkommissar den interessierten Gästen die UNESCO-Weltkulturerbestadt Bad Kissingen näher zu bringen.

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ekleidet im eleganten Anzug samt Melone und Schirm führt Gustav Binder alias Alexander von Moreau die Gäste durch Bad Kissingen und gibt einen Überblick über die Geschichte und Sehenswürdigkeiten des Bayerischen Staatsbads. Der Weg führt die Teilnehmer von den historischen Kuranlagen über den Innenhof des Luitpoldbads durch die Altstadt und bis in den Rosengarten. Im Mit-

telpunkt der Führung stehen die Menschen, die Kultur und die Landschaft: Ob prominente Kurgäste, Förderer wie Fürstbischöfe, bayerische Könige, Baumeister und Architekten, die historischen Gebäude im Stadtgebiet wie Regenten- und Arkadenbau, Wandelhalle, Kurtheater, Hotels, Kirchen, Villen, Schlachthof, das musikalische und kulturelle Leben oder die Heilquellen und die Garten- und Parkanlagen – die Teilnehmer erfahren alles Wissenswerte zu Bad Kissingen. Dazu gehört auch, was sich in dem Begriff Badkommissar oder Badkommissär verbirgt, nämlich die frühere Bezeichnung für die heutigen Kurdirektoren. Für diese neue Führung dient Alexander von Moreau (1860 bis 1937) als Vorbild, der von 1906 bis 1927 Bezirksamtmann, Polizeipräsident und Badkommissar

war. „Auf Alexander von Moreau bin ich gekommen, weil er genau 100 Jahre vor mir geboren wurde und vor und nach dem Ersten Weltkrieg hier tätig war“, erklärt Gustav Binder. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die große Zeit Bad Kissingens. Die 1920er Jahre waren dann geprägt von äußerster Verarmung durch Kriegsfolgen und Spanische Grippe, vielen Versehrten, Hunger und Hyperinflation. „Die Führung mit dem Badkommissar erweitert unser Angebot um eine interessante Erlebnisführung“, sagt Kurdirektorin Sylvie Thormann. Eintrittskarten sind in der Tourist-Information Arkadenbau (Telefon (09 71) 8 04 84 44, eMail kissingen-ticket@badkissingen. de) erhältlich.

Gustav Binder alias Badkommissar Alexander von Moreau.

Foto: Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen

VERANSTALTUNGSKALENDER Donnerstag, 19. August, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Ausflug zum Sudetendeutschen Museum nach München. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Donnerstag, 26. August, 16.30 Uhr SL-Ortsgruppe Naila/ Oberfranken: Jahresversammlung. Gaststätte Froschgrün, Bergerstraße 4, 95119 Naila. Mittwoch, 25. bis Freitag, 27. August: 44. Tagung Sudetendeutsche Mundarten: Heimat – Identität – Mundart am Heiligenhof in Bad Kissingen. Am 26. und 27. August kann man auch online an der Tagung teilnehmen. Anmeldung per eMail an schmitzer@sudeten.de Samstag, 11. September, 14.30 Uhr, SL-OG Stuttgart-Weilimdorf: Jahreshauptversammlung. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Sonntag, 12. September, 15 Uhr, SL-Kreisgruppe Kassel: Gedenkveranstaltung „Flucht, Vertreibung, Deportation“. Kassel, Hauptfriedhof (Nähe Eingang Heckershäuser Straße), Anmeldung: Dietmar Pfütz, Obmann SL Anzeige

Kassel, Telefon: (05 61) 51 43 59. Sonntag, 12. September, 10.30 Uhr, Heimatverband der Falkenauer: 34. Bundestreffen. Oberpfalzhalle im Max-KunzSaal, Schwandorf. Die Heimatstube (Brauhausgasse) ist von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Nächste Ausgabe am 3. September

Sommerpause Wegen

der Sommerpause erscheint die nächste Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung erst am Freitag, 3. September. Redaktionsschluß für Veranstaltungshinweise ist Freitag, 27. August. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Sommerurlaub.

Donnerstag, 16. September, 10.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Augsburg-Land: Kreisdelegiertenversammlung im Sudetendeutschen. Haus in München, Hochstraße 8. Ehrengäste: Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner, Schwabens Bezirkstagspräsident Martin Sailer Die Sudetendeutschen

HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten­ deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.

Eine Jury wird dann aus den Bildern die­ jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.

Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land­ schaften, historische Gebäude und grenz­ überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor­ und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls E­Mail­Adresse.

Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs­ optionen des Betriebssystems oder E­Mail­Programms abschalten!) per E­Mail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USB­Stick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.

Die Fotografen gewährleisten ausdrück­ lich, dass sie das Urheberrecht an den ein­ gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SL­Bundesverband uneinge­ schränktes und unentgeltliches Nutzungs­ recht ein und erklären sich mit der Veröf­ fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

und Schwabens BdV-Bezirksvorsitzender MdL Andreas Jäckel. Es wird ein Bus eingesetzt, der über Meitingen, Gersthofen, Königsbrunn, Bobingen, Wehringen und Klosterlechfeld nach München fährt. Anmeldung bei Kreisobmann Kurt Aue, Telefon (08 21) 8 85 37 56, eMail sudetenaue@koenigsau.de Samstag, 18. September, 13.00 Uhr, Heimatkreis Budweis: Jahrestreffen. Hotel-Gasthof Soller, Bahnhofstraße 1, 85737 Ismaning. Anmeldung und Auskünfte: Heimatkreisbetreuer Josef Sailer, Telefon: (0 82 91) 6 88. Samstag, 18. bis Sonntag, 19. September, Adalbert Stifter Verein: Böhmerwaldseminar – Tagung zu den deutsch-tschechischen Beziehungen. Jesuitenkolleg in Klattau. Themen: Kollektive Gewalt während der NS-Herrschaft in Böhmen und in der Zeit der Vertreibung nach Ende des Zweiten Weltkriegs sowie die Wiederbesiedlung der Grenzgebiete. Podiumsgespräch mit dem Künstler Lukáš Houdek. Anmeldung und Informationen auf der Webseite www.stifterverein.de Sonntag, 19. September, 11.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Gedenkveranstaltung „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Mahnmal im Kurpark Bad Cannstatt. 14.00 Uhr: Volkstumsnachmittag in der Liederhalle (Beethovensaal); Festrede: Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 22. September, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Ausflug und Fahrt mit dem Apfelzügle. Abfahrt in Giebel (8.30 Uhr) und am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach (8.45 Uhr). Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud

Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Sonntag, 26. September, 14.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und die Heimatgliederungen Altvater Runde Stuttgart, Alte Heimat – Kuhländchen, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer: „Sudetendeutscher Kulturtag 2021“. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart. Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Sonntag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, Bund der Vertriebenen Kreisverband Limburg-Weilburg: Tag der Heimat. Bürgerhaus, Hauptstraße 19, Weilmünster. Festredner: Bürgermeister a.D. Hans-Peter Schick. Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Europäisches Volksmusikkonzert. Stadthalle Korntal, Martin-Luther-Straße 32, 70825 Korntal-Münchingen. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 23. Oktober,14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart. Zu Gast ist die Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de

Ausschreibung läuft bis 30. September

Kandidatenvorschläge für Sudetendeutsche Förderpreise Die Sudetendeutsche Landsmannschaft verleiht auch im Jahr 2022 wieder sechs Förderpreise an junge Menschen. Vorschläge für Kandidaten können noch bis zum 30. September eingereicht werden.

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efördert werden jungen Menschen auf den Gebieten Literatur und Publizistik, Musik, Bildende Kunst und Architektur, Darstellende und Ausübende Kunst, Wissenschaft sowie Volkstumspflege.

Die Förderpreise sind mit je 1000 Euro dotiert, die von der Sudetendeutschen Stiftung zur Verfügung gestellt werden. Die Preisträger sollten jünger als 35 Jahre sein, sudetendeutsche Vorfahren haben oder einen Beitrag mit sudetendeutschem Bezug geleistet haben. Vorschläge (mit Begründung und Beifügung entsprechender Unterlagen) bis 30. September an das Kulturreferat der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München.

Migration und Integration in der EU Montag, 30. August, bis Freitag, 3. September: „Die Europäische Union vor neuen Herausforderungen: Migration und Integration.“ Seminar für junge Erwachsene aus Deutschland und Rumänien sowie politisch Interessierte mit Planspiel und Exkursion. Die Europäische Union steht noch immer vor der komplexen Aufgabe, Regelungen für die Migrationsproblematik zu finden. Die Situation in den Herkunftsländern der Migranten hat sich nicht wesentlich verbessert, mit dem Covid-19-Virus ist eine weitere Bedrohung hinzugekommen. Der Migrationsdruck ist weiterhin vorhanden, Schlepper machen gute Geschäfte mit der Migration, die Europäische Union verschärft die Grenzbewachung. Wie kann eine europakonforme, aber auch menschenwürdige Regelung in dieser Frage aussehen? In einer Konferenzsimulation werden sich die Teilnehmer damit beschäftigen und die Schwierigkeiten einer Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene kennenlernen. Ergänzt wird die Veranstaltung durch eine Exkursion, die die Menschenrechte in den Mittelpunkt stellt. Anmeldung und weitere Informationen unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Studienreise nach Baden-Württemberg

Auf den Spuren der Siebenbürger Montag, 13. September, bis Mittwoch, 15. September: HDO-Studienreise „Auf Spurensuche in Baden-Württemberg: Schloß Horneck, Bad Wimpfen, Stuttgart“. Im September bietet das Haus des Deutschen Ostens eine kurze Studienreise nach Baden-Württemberg an. Neben Schloß Horneck, das heute ein siebenbürgisches Kulturzentrum sowie das Siebenbürgische Museum beherbergt und gleichzeitig als Schloßhotel auch zur Übernachtung dient, stehen ein Besuch in Bad Wimpfen mit Kaiserpfalz und Stiftskirche St. Peter (Führung durch HDO-Direktor Prof. Dr. Andreas Otto Weber) sowie ein Besuch des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart auf dem Programm. Die Schloßführung übernimmt Dr. Konrad Gündisch,

Vorsitzender des Vereins „Siebenbürgisches Kulturzentrum Schloss Horneck“. Die genauen Ursprünge der Burg Horneck sind unbekannt, Tatsache ist jedoch, daß sie um 1250 vom Deutschen Orden übernommen wurde. Über hundert Jahre diente Horneck als eine der Residenzen der Deutschmeister und wurde somit zum drittwichtigsten Ort des Ordens nach der Marienburg und Königsberg. Reisepreis: 340 Euro pro Person im Doppelzimmer (72 Euro Einzelzimmer-Zuschlag) für zwei Übernachtungen mit Halbpension, inklusive Eintritte und Führungen. Anmeldung bis spätestens 27. August per Post an Rapp Busreisen, Maienweg 26, 89358 Kammeltal-Ettenbeuren, per Fax unter (0 82 23) 9 05 11 oder per eMail unter info@rapp-busreisen.de.


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32 + 33 | 13. 8. 2021

5 � Mut tut gut

Heil aus dem Garten des Leben

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Als sicherbares Zeichen der verschwundenen Kultur der Deutschen in Böhmen wurden diese Grabsteine direkt vor dem Stadtmuseum in Aussig aufgestellt.

Fotos: Jiří Preclík

� Straße vor dem Stadtmuseum ist eine Monat lang für den Verkehr gesperrt

Grabsteine als Straßen-Installation: Aussig erinnert an „Unsere Deutschen“ Überraschung pünktlich zum Start des Berufsverkehrs: Die Brněnská-Straße, die direkt am Stadtmuseum von Aussig vorbei führt, ist gesperrt. Statt Autos im Stau stehen hier Grabsteine mit deutschen Inschriften. Mit dieser ungewöhnlichen Kunstaktion, die noch bis Ende August dauert, soll an die sudetendeutschen Landesleute erinnert werden, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben oder ermordet worden sind.

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as Ziel der Aktion ist es, auf den Verfall deutscher Gräber im nordböhmischen Grenzgebiet aufmerksam zu machen, erklärt Kurator Martin Krsko und warnt: „Auch die Grabsteine, die in den Nachkriegsjahrzehnten der gezielten Zerstörung entgangen sind, zerfallen und verschwinden jetzt langsam. Diese Grabsteine sind aber die letzten lesbaren Spuren der verschwundenen Kultur der Deutschen in Böhmen und spiegeln die Fähigkeit der heutigen Gesellschaft wider, mit ihrer kontroversen Vergangenheit umzugehen.“ Die Grabsteine stammen aus Saubernitz, wo die Gemeinde 1968 den Friedhof von verlassenen, meist deutschen Gräbern geräumt hat. Die Steine wurden anschließend hinter einer Mühle im Freien gelagert, nummeriert und jahrelang als Baumaterial angeboten, bevor sie für das Freilichtmuseum Saubernitz gerettet werden konnten. „Auf einigen Grabsteinen sind noch die roten Nummern zu sehen. Diese Ausstellung gibt den Grabsteinen ihre ursprüngliche Bedeutung zurück“, sagte Karel Konopka, Kurator der Ausstellung im Freilichtmuseum Saubernitz. Die Installation auf hellen Holzpaletten, die von den Künstlern und Dozenten der Fakultät für Kunst und Design

Mitten in der Nacht wurden die Grabsteine mit Gabelhubwagen in Position gebracht.

Wo sich sonst Autos stauen, betrachten Fußgänger über Nacht aufgestellten Grabsteine.

der Jagiellonen-Universität in Krakau, Jiří Bartoš und Robert Vlasák, geschaffen und mitten in der Nacht aufgebaut wurde, zeigt Grabsteine, denen man die Spuren der Vergangenheit ansieht. Dennoch blieben sie wichtige Zeugen der Vergangenheit, erklären die Initiatoren: „Man kann die Inschriften wie eine Chronik lesen und gleichzeitig den antiken Kunststil, das edle Material und die präzise Handwerkskunst bewundern. Auf den Friedhöfen im Grenzgebiet, wo es im Gegensatz zu Saubernitz keine systematische Schändung deutscher Gräber gegeben hat, blieben auch nach der Vertreibung der deutschen Landsleute mehr als 100 Jahre alte Grabsteine erhalten. Der Ausstellungort, direkt vor dem Eingang des Stadtmuseums von Aussig, war bewußt gewählt. Im Herbst soll hier nach jahrelanger Vorbereitung die Daueraustellung „Unsere Deutschen“ (siehe unten) eröffnet werden. Und mit der einmonatigen Straßensperrung wollte man außerdem testen, ob der Bereich vor dem Museum nicht generell autofrei gestaltet werden sollte. Das Stadtmuseum hat bereits mehrere Projekte zur Rettung von Friedhöfen umgesetzt. So unterstützt man die Sanierung der Friedhofskapelle im Stadtteil Schönpriesen und organisiert regelmäßig Gedenkveranstaltungen an den 1907 in Aussig verstorbenen Unternehmer Johann Schicht, dessen berühmte Hirschseife noch bis 2002 hergestellt wurde. Nach dem Ende der Straßen-Installation kehren die Grabsteine Anfang September ins Freilichtmueseum Saubernitz zurück. Dann wird auch die Inschrift auf der Straße verblichen sein: „Odpočívej v pokoji? – Ruhe sanft!“ Torsten Fricke

� Stadtmuseum in Aussig zeigt „Unsere Deutschen“

Dauerausstellung soll im Herbst eröffnet werden In diesem Herbst soll es endlich so weit sein: Nach ersten Überlegungen Mitte der 1990er Jahre sowie über zehn Jahren Planung, Engagement und Streit eröffnet das Stadtmuseum Aussig die Daueraustellung „Unsere Deutschen“.

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ezeigt werden soll das Leben der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern vom Frühmittelalter bis in die Gegenwart. Zusammengestellt hat die Ausstellung das Collegium Bohemicum, zu deren Gründern

die Stadt Aussig, die J. E. Purkyně Universität, die Gesellschaft für Geschichte der Deutschen in Böhmen und das Kulturministerium der Tschechischen Republik gehören. An der Konzeptarbeit beteiligt war ein breites Team aus tschechischen, deutschen und österreichischen Historikern und Museumsarbeitern. Die Ausstellung soll 20 Räume auf zwei Etagen des Museums umfassen. Das Collegium Bohemicum ist auch Veranstalter der Tschechisch-Deut-

schen Kulturtage, die in diesem Jahr vom 1. bis 17. Oktober in Aussig, Dresden und der Region Elbe/Labe stattfinden. Ziel dieses Festivals ist es, dem deutschen Publikum die tschechische Kultur sowie den tschechischen Gästen die deutsche Kultur zu vermitteln. Des Weiteren veranstaltet das Collegium Bohemicum noch die Filmschau „Kino Aussig”, Autorenlesungen, Konzerte, Theatervorstellungen und nicht zuletzt auch öffentliche Debatten.

Blick in einen noch nicht fertiggestellten Ausstellungsraum. F: Collegium Bohemicum

önigskerze, Schafgarbe, Johanniskraut, Ringelblume, Spitzwegerich: Diese und andere Kräuter werden zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel am 15. August zu Kräuterbüscheln gebunden und gesegnet. Der im deutschsprachigen Raum 1000 Jahre alte Brauch der Kräuterweihe erlebte eine erfreuliche Renaissance. Überall will der Brauch ausdrücken, daß es im christlichen Glauben um ein ganzheitliches Verständnis von Heil geht. Der Mensch ist hineingestellt und eingebunden in die Natur, die ihn umgibt. Sie ist Gottes Schöpfung, ein prachtvoller Garten des Lebens. Wenn wir diesen Garten in seiner Farbenfülle, in seinen Düften und Geschmäckern mit unseren menschlichen Sinnen wahrnehmen, erfahren wir uns als reich beschenkt. Indem wir uns an der Pflanzen- und Blütenpracht der Natur erfreuen, werden Geist, Herz und Seele gereinigt und gestärkt. Abgesehen davon dienen viele Kräuter auch als Heilmittel für den Körper. Und sie verweisen auf das ganzheitliche Heil. Bekanntlich sind die Gesundheit der Seele und die Gesundheit des Körpers eng miteinander verbunden. Das offizielle kirchliche Segensgebet für die Kräuterweihe am 15. August formuliert diese Gedanken schön und prägnant: „Herr, unser Gott, du hast Maria über alle Geschöpfe erhoben und sie in den Himmel aufgenommen. An ihrem Fest danken wir dir für alle Wunder deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst du uns Gesundheit und Freude. Segne diese Kräuter und Blumen. Sie erinnern uns an deine Herrlichkeit und an den Reichtum deines Lebens. Schenke uns auf die Fürsprache Mariens dein Heil. Laß uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir gelangen und dereinst einstimmen in das Lob der ganzen Schöpfung, die dich preist durch deinen Sohn Jesus Christus in alle Ewigkeit. Amen.“ Die zu Büscheln gebundenen Kräuter und Heilpflanzen werden nach der kirchlichen Segnung nach Hause getragen und getrocknet. Dann werden sie im Herrgottswinkel oder an anderen besonderen Orten in der Wohnung aufgestellt. Sie sind mehr als bloße Dekoration. Nach dem Sommer kommen der Herbst und der Winter. Draußen wird die Natur allmählich ersterben. Ihre Kraft wird sich in die Wurzeln unterhalb der Erde zurückziehen. Der hellen Jahreszeit folgt eine dunkle. Doch auch in den dunklen Zeiten des menschlichen Lebens soll die Erinnerung an Gottes Herrlichkeit und den Reichtum seines Lebens weiterblühen. Dafür kann ein Kräuterbüschel selbst in getrocknetem Zustand ein wertvolles Zeichen sein. Aber auch den Brauch, daß das gesegnete Kräuterbüschel nach dem Trocknen wieder in seine einzelnen Bestandteile aufgelöst wird, gibt es. Im Laufe der Zeit soll das Kräuterbüschel Speisen und Getränken zugefügt werden. So verbindet sich der Segen vom hochsommerlichen Feiertag mit unserem Essen und Trinken. Das wäre dann neuerlich ein Hinweis darauf, daß wir Christen es mit einem Gott zu tun haben, dem unser ganzheitliches Heil ein Anliegen ist. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Egerländer Kulturpreis Johannes von Tepl 2020+2021

Jury gibt Preisträger bekannt Der Egerländer Kulturpreis Johannes von Tepl ist eine Stiftung des Bundes der Eghalanda Gmoin (BdEG) und des Arbeitskreises Egerländer Kulturschaffender (AEK). Er wird seit 1995 alljährlich verliehen. Wolf-Dieter Hamperl berichtet.

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andemiebedingt fiel die Preisvergabe im vergangenen Jahr ins verseuchte CoronaWasser. Doch am 17. Juli kürten die Jurymitglieder des Egerländer Kulturpreises Johannes von Tepl endlich die Preisträger der Jahre 2020 und 2021. Der Kulturpreis des Jahres 2020 ging an den emeritierten Universitätsprofessor Herwig

Baier. Baier kam 1935 in Lubenz im Egerländer Kreis Luditz zur Welt. Den Kulturpreis des Jahres 2021 erhielten die Trachtenbeauftragten des BdEG unter der Leitung von Elke Trübswetter aus Ingolstadt und Ingrid Hammerschmied aus Geretsried für die Pflege und Bewahrung des Egerländer Trachtenwesens über Jahrzehnte hinweg. Den Förderpreis 2021 erhielt Carina Feneis für ihr Buch „vertrieben. Bilder und Geschichten gegen das Vergessen“. Die Preise werden bei den Kulturtagungen von AEK und BdEG in der letzten Oktoberwoche in Marktredwitz übergeben.

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

PERSONALIEN Prager Deutsche kontrolliert Weltkonzern

Maria-Elisabeth Schaeffler 80 Am 17. August feiert die aus Prag stammende Deutsche Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann im mittelfränksichen Herzogenaurach 80. Geburtstag. Mit ihrem Sohn Georg F. W. Schaeffler ist sie Gesellschafterin der Schaeffler AG, des weltweit zweitgrößten Wälzlagerherstellers.

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ls Maria-Elisabeth Kurssa kam sie in Prag zur Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet und flüchtete mit ihr – „mit einem Rucksack, in dem Zwieback war“, so Schaeffler – nach Wien, wo sie aufwuchs. Noch heute ist sie auch österreichische Staatsangehörige, und ihr Wienerisch ist nicht zu überhören. Erzogen wurde sie konservativ und katholisch. Maria-Elisabeth begann ein Medizin-Studium. Auf einer Feier lernte die 21jährige Studentin den 25 Jahre älteren deutschen Industriellen Georg Schaeffler kennen. Der war nach dem Krieg aus Oberschlesien vertrieben worden und hatte in den Nachkriegsjahren mit seinem Bruder Wilhelm ein Unternehmen für Kugellager aufgebaut, das Industriewerk Schaeffler Nadellager (INA). Acht Monate später hieß sie Elisabeth-Maria Schaeffler und war statt einer Studentin in Wien eine Unternehmersgattin in Herzogenaurach, das bis 1972 zu Oberfranken gehörte. Doch auch sie hat Unternehmer-Gene. Einer ihrer Urgroßväter war daran beteiligt, als die Fahrrad-Werkstatt Laurin & Klement in Jungbunzlau zum größten Automobilproduzenten der k. u. k. Monarchie wurde und später im ŠkodaKonzern aufging. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität ErlangenNürnberg. Die Schaefflers hatten zwei Söhne, von denen der jüngere bei einem Unfall ums Leben kam. Nach dem Tod ihres Mannes 1996 erbten Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg F. W. ein prosperierendes Familienunternehmen. „Viele haben darauf gewartet, daß wir verkaufen“, sagt sie später. Doch anstatt zu verkaufen, holte sie sich Berater an Bord und krempelte die Konzernstrategie um. Auf einmal hieß es: „Wir wachsen durch Zukäufe.“ Es entstand ein Industrieriese mit den Marken INA, LuK und FAG. Ohne die

Werkstücke der Schaeffler-Gruppe würde heute kein Auto fahren, kein Flugzeug abheben. Begleitet von einem unvergleichlichen Medienspektakel griff Schaeffler 2008 nach dem deutschen Fahrzeugzulieferer Continental. Mit dem Konzern aus Hannover wurde die Gruppe weltweit der zweitgrößte Autozulieferer. Das Familienunternehmen stellt allein in Herzogenaurach 8000 der 16 000 Arbeitsplätze. „Die Stärke des Unternehmens liegt darin begründet, daß es im Familienbesitz ist und stets diskret agiert“, meint Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker. „Sie müssen nicht sklavisch auf Aktienindizes schauen und können somit längerfristig planen.“ Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn halten 100 Prozent der stimmberechtigten Anteile der Schaeffler AG. Sie gehören zu den reichsten Menschen der Welt. Schaeffler ist sozial engagiert wie nur wenige. Sie hilft dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, den Bamberger Symphonikern, unterstützt Kindergärten und Universitäten. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und des Großen Silbernen Ehrenzeichens mit Stern um Verdienste für die Republik Österreich. 2014 heiratete sie den früheren BDI-Präsidenten Jürgen Thumann, der am selben Tag wie sie geboren wurde. Ihre Verbundenheit zu den Sudetendeutschen stellt sie regelmäßig mit Inseraten in der Sudetendeutschen Zeitung unter Beweis. Doch nicht nur dafür sind die Sudetendeutschen ihrer großen Landsmännin dankbar. Nadira Hurnaus

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olksgruppensprecher Bernd Posselt gratuliert der berühmten Unternehmerin, die sich immer zu ihren Wurzeln in Böhmen bekannt hat: „Maria-Elisabeth Schaeffler ist nicht nur wirtschaftlich ungemein erfahren und durch alle Wechselfälle hindurch erfolgreich, sie ist auch hochgebildet, eine großzügige Mäzenin, eine kluge Europäerin mit großer kultureller und persönlicher Ausstrahlung und hat gleichzeitig nie die Bodenhaftung verloren. Es ist mir eine Ehre, ihr zu diesem besonderen Geburtstag zu gratulieren und ihr zu danken.“

Wolfgang Hennig, Manfred Kees: „Wer war Hockewanzel? Eine Spurensuche“. Verlag Scherzer, Passau 2021; 89 Seiten, 24,80 Euro. (ISBN 978-3-00069462-2)

Neuerscheinung

Wer war Hockewanzel? Fast jeder Sudetendeutsche kennt Hockewanzel (1732– 1808), kennt lustige Geschichten von ihm und über ihn. Peter Rosegger (1843– 1918), der k. u. k. Poet aus der Steiermark, nennt ihn den nordböhmischen Eulenspiegel im Priestergewand.

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ber wer ist Wenzel Hokke, im Volksmund liebevoll Hockewanzel genannt? Wolfgang Hennig, der Urururururenkel von Wenzel Hockes Bruder Franz – die Gebrüder stammten aus Neustadtl bei Böhmisch Leipa – begab sich mit Manfred Kees auf Spurensuche. Das Ergebnis ihrer mehrjährigen Arbeit ist mit zahlreichen Bildern illustriert, unterhaltsam und kurzweilig. Kunstdruckpapier, Hardcover und Fadenbindung machen ihr Werk zu einem edlen Buch. Erhältlich ist es in jeder Buchhandlung oder via Internet bei info@suedostservice.de und manfred.kees@superkabel.de.

LESERBRIEFE

Name, Vorname ________________________________________ Straße, Hausnummer ____________________________________

Langjährige WHG-Geschäftsführerin aus dem Schönhengstgau

Hannelore Preisenhammer 80

Postleitzahl, Ort ________________________________________ Telefon _______________________________________________ eMail ________________________________________________ Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________

Datum, Unterschrift ____________________________________ Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit. Kontobezeichnung (Kontoinhaber) _______________________ _____________________________________________________ Kontonr. oder IBAN ____________________________________ Bankleitzahl oder BIC ___________________________________

Datum, Unterschrift ____________________________________

Alle Preise inklusive 7 % Mehrwertsteuer und Versand. Abbestellungen mit einer Frist von einem Monat zum Vierteljahresschluß schriftlich an die SVG. Sie sind berechtigt, die Bestellung des Abonnements ohne Angabe von Gründen innerhalb 14 Tagen nach Absendung dieses Auftrages schriftlich gegenüber der Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft, Hochstraße 8, 81669 München (auch per eMail an svg@sudeten.de), zu widerrufen. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Bitte gescannt oder abfotografiert mailen oder in ausreichend frankiertem Umschlag (80 Cent) einsenden an die

32+33/2021

Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München eMail svg@sudeten.de

Am 17. August feiert Hannelore Preisenhammer, langjähriges Vorstandsmitglied der Walther-Hensel-Gesellschaft (WHG) aus dem Schönhengstgau, 80. Geburtstag

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annelore Preisenhammer kam in Zwittau als zweite Tochter von Franz Schwalb und Albine Schwalb/Kopisch zur Welt. Nach der Vertreibung kam die Mutter mit ihren Töchtern Gerlinde und Hannelore bei einem Bauern in einem Weiler bei Bartenstein im Hohenlohischen unter. Der Vater fand nach französischer Gefangenschaft im Herbst 1946 zu seiner Familie. Im Januar 1950 verunglückte er tödlich. Die Mutter stand nun mit drei Mädchen im Alter von zwei, neun und zwölf Jahren allein da. Trotz kleinster Rente besuchten alle drei Töchter die höhere Schule und erhielten eine fundierte Ausbildung. Hannelore schloß ihre Ausbildung zur MTA mit großem Erfolg ab. Im Stuttgarter Spielkreis lernte sie Helmut Preisenhammer kennen, der aus Neutitschein im Kuhländchen stammt. 1966 heirateten sie, drei Töchter wurden ihnen geschenkt. Glücklich ist sie heute mit ihren sieben Enkeln. Zuvor hatte sie lange Jahre ihre Mutter und Schwiegereltern gepflegt. Die Familie hält die Erinnerung an die Heimat hoch. So erforschte Hannelore die alten Trachten aus dem Schönhengstgau und dem Kuhländchen beispielsweise in Brünn im Fundus des Mährischen Landesmuseums bei Miroslava Ludvíková. Für die Internetseiten der Sudetendeutschen Heimatpflegerin erarbeitete sie den Teil über die Schönhengster Tracht.

Ein großes Anliegen ist ihr die Dokumentation von Bildstöcken und Wegkreuzen im Schönhengstgau und im Kuhländchen. In keiner anderen Landschaft gibt es eine so große Vielfalt von Skulpturen und besonders von Dreifaltigkeitsdarstellungen wie im Schönhengstgau. Bei jedem Besuch in der Heimat wurde durch Fotografie und Entzifferung der Inschriften ein kleines Stück dazugewonnen. 1985 wurde sie als Stellvertretende Geschäftsführerin in den WHG-Vorstand berufen. Seit 1987 ist sie Geschäftsführerin. Mit ihrem Mann organisierte sie Singwochen und -fahrten für die WHG in den Schönhengstgau nach Mährisch Trübau und in andere Gebiete und Länder. Handarbeiten machte sie mit den Teilnehmern der Oster- und Frühlingssingwochen der WHG auf dem Heiligenhof. Dabei versuchte sie, alte Muster aus verschiedenen Heimatregionen weiterzugeben wie Schürzenmuster aus dem Schönhengstgau oder Kuhländler Spinnen. Für die Morgenkreise hat sie über verschiedene Persönlichkeiten Lebensbilder ausgearbeitet. Dazu zählten Werner Gneist, Otfried Preußler, Marie von Ebner-Eschenbach, Herbert Wessely und Walther Hensel, „Der mit den Bäumen sprach“. Wir danken Hannelore für ihren unermüdlichen und vielseitigen Einsatz für die Walther-Hensel-Gesellschaft und für die sudetendeutschen Heimatgebiete und wünschen ihr noch viele ausgefüllte Jahre in guter Gesundheit. Der Vorstand der Walther-Hensel-Gesellschaft

Wolfgang Henning und Manfred Kees.

Fragen über Fragen

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u dem Artikel „Pame Paketo. Bitte melde Dich“ über das aus dem Schluckenauer Zipfel vertriebene Kriegskind Peter Konstantin Schlegel, das seinen Vater suchte und dank einer der griechischen Suchsendung „Pame Paketo“ seine griechische Schwester fand ( SdZ 7/2021). Schlegel ist Ortsbetreuer von Lobendau und Einsiedel im Schluckenauer Zipfel. Nachdem ich von meiner griechischen Schwester Panagiota das Arbeitsbuch unseres Vaters geschenkt bekommen hatte, suchte ich nach weiteren Informationen aus der Vergangenheit meines Vaters. In dem Arbeitsbuch stand, daß er im Steinbruch der Firma Knobloch in Hilgersdorf, bei der Kunstharzpresse Pohl in Wölmsdorf und beim Holzschuh- und Pantoffelproduzenten Fürst in Hilgersdorf gearbeitet hatte. Gibt es Nachfahren dieser Familien oder Firmen, die mir bestätigen oder weiterhelfen können, ob es tatsächlich in diesen Firmen Zwangsarbeiter oder Fremdarbeiter gab? Erzählten Großeltern oder Eltern Nachgeborenen jemals etwas von diesen Zwangsarbeitern/ Ausländern im Schluckenauer Zipfel? Ich weiß, daß in jener Zeit auch Griechen, Italiener, Franzosen und Russen bei deutschen Firmen im Schluckenauer Zipfel arbeiteten. Ich würde mich freuen, wenn ich weitere Informationen bekäme. Meine Telefonnummer lautet (09 11) 41 66 29, Vielleicht hilft es mir weiter, das Leben dieser Menschen Erstes Treffen der Geschwister zu verstehen. im griechischen Fernsehen. Wie und warum kamen sie in diese Gegend? Wie wurden sie behandelt? Vielleicht gab es nicht nur bei meiner Mutter diese Liebe zu einem Ausländer, einem Griechen, der mein Vater wurde? Peter Konstantin Schlegel Nürnberg


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

� Neuerscheinungen

Geheimtips für Saitenfreunde Für Liebhaber von Gitarren aus dem böhmischen Musikwinkel oder dem fränkischen Zentrum des Saiteninstrumentenbaus der Geigenbauergemeinde Bubenreuth kommen hier neue Geheimtips.

D Framus‘ Attila-Zoller-Gitarre AZ 10 ist ein begehrtes Sammlerobjekt.

Zwei Gitarren der Beatles, im Hintergrund John Lennon. Bilder: Heinz Reiß

Die Black Rose De Luxe ist ein frühes FramusJazzgitarrenmodell.

� Geschichten aus Bubenreuth

Von der Schlag- zur E-Gitarre Ein musikalisches Hobby kann das Sammeln von deutschen Elektrogitarren sein. Heinz Reiß erklärt historische Hintergründe der Herstellung dieser Instrumente, die ein Zentrum in der Instrumentenbauersiedlung Bubenreuth in Mittelfranken hat. Dort landeten Schönbacher Instrumentenbauer nach ihrer Vertreibung aus dem Egerland.

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ie Entwicklung der deutschen Elektrogitarre ist untrennbar verbunden mit der Schlaggitarre, der Gitarrenbauart mit gewölbtem Korpus, zwei F-Löchern und Stahlsaiten. Die Schlaggitarre war zuerst da. Sie wurde anfänglich rein akustisch gespielt. Tonabnehmer und Verstärker kamen erst später. Wer im deutschsprachigen Raum als erster Schlaggitarren gebaut hat, läßt sich nicht mehr genau feststellen. Wahrscheinlich war es der Kieler Wenzel Rossmeisl. Der ließ seine Roger genannten Gitarren in Schönbach bauen. Diese Egerländer Stadt mit ihrer alten Musikinstrumentenbauertradition war die Heimat vieler großer Geigenund Gitarrenbauer. Bis 1918 gehörte sie zum Kaiserreich Österreich-Ungarn, nach dem Ersten Weltkrieg zur Tschechoslowakei. Die Instrumentenbauer entstammten alle dem deutschsprachigen Bevölkerungsanteil. 1938 wurde das Gebiet an das Deutsche Reich angegliedert. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs brachte die Instrumentenproduktion zum Stillstand. Die Männer, die nicht zur Wehrmacht eingezogen wurden, mußten vor allem Waffen produzieren. Wieviele Schlaggitarren in der Vorkriegszeit hergestellt worden waren, ist unbekannt. Viele können es nicht gewesen sein. Nach 1945 wurden die Deutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben. Die Musikinstrumentenbauer blieben zusammen und fanden mit staatlicher Unterstützung in Bubenreuth bei Erlangen ein neues Zuhause. Dort errichteten sie Werkstätten. Gegen Ende der vierziger Jahre kam die Produktion allmählich wieder in Gang. Die amerikanischen Besatzungstruppen hatten den Jazz in Westdeutschland populär gemacht. Bis 1945 hatte er als „entartet“ gegolten. Doch nun wurden Schlaggitarren ein begehrtes Gut. Für die erfahrenen Gitarrenund Geigenbauer aus dem böhmischen Musikwinkel war die Herstellung solcher Instrumente nicht schwierig, die Anfertigung von hochwertigen Resonanzkörpern war ihnen lange genug vertraut. Die neuen Gitarren erreichten bald ein hohes Quali-

tätsniveau, und der Ort Bubenreuth wurde zum fränkischen Zentrum des Saiteninstrumentenbaues. In den USA hatte sich zu dieser Zeit die elektrisch verstärkte Gitarre bereits weitgehend durchgesetzt. Die deutschen Hersteller begannen daraufhin ebenfalls, ihre Instrumente mit Tonabnehmern auszustatten. Die Blüte dieser vollakustischen Elektrogitarren lag in den fünfziger Jahren. Mit Aufkommen der Beat-Ära in den sechziger Jahren ging die Nachfrage wieder zurück. Nun waren eher halbakustische Modelle gefragt. Gleichzeitig entstanden die ersten E-Gitarren

den Originalen fast bis zur letzten Schraube glichen, hielt sich die nächste Generation der deutschen E-Gitarren auch enger an die Vorbilder. Die Japaner, deren Gitarren Anfang der siebziger Jahre noch eine dürftige Qualität hatten, waren äußerst lernfähig und wurden von Jahr zu Jahr besser. Dank großindustrieller Massenproduktion und niedriger Arbeitslöhne konnten sie die deutschen Hersteller, die noch überwiegend nach alter Manier in kleinen Handwerksbetrieben arbeiteten, im Preis erheblich unterbieten. Ihr Marktanteil stieg schnell. Der USA-Anteil stieg

Der in Schönbach geborene Gerold Karl Hannabach († 2015), ein Vater des Bubenreuther Museums, mit einer Klira-Jazz-Gitarre aus der Zeit um 1970. mit Massivkorpus. Die anfangs noch recht bescheidenen billige Instrumente waren vorwiegend für Anfänger. Der musikalische Stilwandel vom Beat zu Blues und Hardrock gegen Ende der Sechziger brachte den Durchbruch für die Massivkörper-Gitarre. Halb- und vollakustische Gitarren waren nicht mehr gefragt. Die Bubenreuther paßten sich dem Trend an und entwickelten neue, bessere Instrumente, die den angesehenen, aber wegen ihrer stolzen Preise noch wenig gekauften USA-Spitzenmodellen ähnelten. Zunächst waren sie diesen nur ungefähr nachempfunden. Als dann jedoch die Japaner mit Kopien auf den Markt kamen, die

ebenfalls. Einerseits, weil der Dollarkurs sank, andererseits, weil die Musiker höhere Ansprüche stellten und eher bereit waren, für ihre Instrumente mehr Geld auszugeben. Eine echte Fender oder Gibson verkörperte ein viel besseres Statussymbol als irgend ein Nachbau. Für die deutschen Kunsthandwerker wurden die Zeiten schwerer. Da sie sich weder profilieren noch mit der Preis- und Vertriebspolitik der Japaner mithalten konnten, schrumpfte ihr Marktanteil in den siebziger Jahren bis auf einen verschwindenden Rest zusammen. Für manchen blieb nur der Konkurs, andere reduzierten ihr Personal, die restlichen verlegten sich schwer-

punktmäßig auf akustische Gitarren und schränkten die Produktion von E-Gitarren stark ein oder gaben sie auf. Ende der Siebziger wendete sich das Blatt. Immer mehr Musiker waren der „Stangenware“ überdrüssig. Statt der konfektionierten Massenwaren wollten sie lieber etwas Seltenes, Ausgefallenes, mit Liebe ganz nach ihren persönlichen Wünschen in Handarbeit Gebautes. Dieser Trend begann in den USA und faßte auch in der Bundesrepublik Fuß. Damit entstanden für die hiesigen Hersteller neue Chancen. Die Zeit der Massenproduktion von mittelmäßigen Instrumenten war vorbei, stattdessen baute man kleine Stückzahlen, vielfach nach Sonderwünschen von Musikern, mit äußerster Sorgfalt in Handarbeit. Zu den wenigen alten Herstellern, die übriggeblieben waren, gesellten sich neue. Im Gegensatz zum Briefmarkensammler, der auf umfangreiche Kataloge zurückgreifen kann, ist das Problem für einen Gitarrensammler eine Übersicht über die Vielzahl der Instrumente zu erhalten. Im Laufe von mehr als sechs Jahrzehnten sind einige hundert verschiedene Modelle auf den Markt gekommen, einige in großen Stückzahlen, andere nur in wenigen Exemplaren. Während es über die amerikanischen Gitarren eine ganze Reihe von Büchern gibt, in denen jedes Modell genau aufgeführt und beschrieben ist, existieren über die deutschen Gitarren wenige Dokumente. Als Grundlage für eine Sammlung deutscher Gitarren dienen alten Kataloge, die zum Teil nicht mehr vollständig sind. Sie tragen selten ein Datum, und viele Gitarren haben keine Seriennummern. Die meisten alten Modelle haben auch keinen besonderen Namen. Die Hersteller kennzeichneten sie nur mit Bestellnummern. Kleinere Details wurden im Laufe der Produktionszeit oft mehrfach geändert. Wann welche Änderung durchgeführt wurde, läßt sich nur noch in den seltensten Fällen feststellen. Mitunter ist noch feststellbar, wann mit der Produktion eines bestimmten Modells begonnen, jedoch nicht mehr, wann die Produktion eingestellt wurde. Auch über die hergestellten Stückzahlen ist es schwer Genaueres zu erfahren. Die Aussagen reichen von „ein paar Dutzend“ bis „einige tausend“. Wie bereits erwähnt, gibt es für deutsche Elektrogitarren noch keinen Katalog. So sind Publikationen wie die von Christian Hoyer (Õ rechts) für Musikfreunde und Sammler eine Hilfe.

historischen Aufnahmen machen das Buch nicht nur lesens-, sondern auch ansehenswert. Das zweite Werk „Framus – Built in the Heart of Bavaria. Die Geschichte eines deutschen Musikinstrumentenherstellers 1946 bis 1977“ beschreibt eine Weltfirma. Die legendäre Bubenreuther Marke Framus schrieb im europäischen Musikinstrumentenbau ab 1946 Geschichte. Triumphoder Star Baß, Hollywood, Jan Ackermann oder AZ-10 – diese Modelle sind zu Begriffen in der Musikwelt geworden. Das Buch beschreibt das Lebenswerk von Fred Wilfer, der 1917 in der Nähe der Musikstadt Schönbach zur Welt kam und die Fränkische Musikinstrumentenerzeugung Fred A. Wilfer K.  G (Framus) 1946 gründete. Damit dokumen-

er promovierte Historiker Christian Hoyer mit Egerländer Wurzeln brachte zwei interessante Bücher heraus. Mit dem Buch „Musikinstrumentenbau in Bubenreuth und Umgebung. Von 1945 bis heute“ dokumentiert er nicht die einzelnen Meister, sondern ein Saiteninstrumentenbauzentrum, dessen Werdegang sich vom böhmischen Schönbach im Kreis Eger ins fränkische Bubenreuth im Kreis Erlangen-Höchstadt vollzog. In diesem Buch wird auch die Geschichte der deutschen Jazz- und Elektrogitarren dokumentiert. Die Typenbezeichnungen, Bauzeiten und Beschreibungen aller Modelle sind hier erfaßt. Die vielen, zum Teil unveröffentlichten Fotos machen das Buch nicht nur für Sammler interessant. Hoyer machte in Erlangen Abitur und studierte in Marburg, Keele, London und Erlangen Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropakunde. 2006 promovierte er über die britische Außenpolitik im 19. Jahrhun- Bild aus Hoyers Buch „Musikinstrumentenbau dert. Seit 1996 ist er in Bubenreuth und Umgebung“. freiberuflicher Journalist und Historiker. Als promo- tiert es ein Stück deutscher Wirtvierter Historiker war er bis 2006 schaftsgeschichte. In zweieinwissenschaftlicher Mitarbeiter halb Jahren Recherchearbeit haam Lehrstuhl für Britische Kultur ben die Autoren Christian Hoyer in Bamberg und Lehrbeauftrag- und Framus-Vintage-Experte ter für Neuere und Neueste Ge- Volkmar Rudolph Bilder und Geschichte in Erlangen. Anschlie- schichten zusammengetragen, ßend übernahm er bis 2007 die um die Historie des einst größLeitung des Framus-Museums in ten europäischen MusikinstruMarkneukirchen in Sachsen. Seit mentenherstellers von 1946 bis 2014 ist er Stellvertretender Lei- 1977 darzustellen. Heinz Reiß ter des Stadtarchivs und Stadtmuseums in Herzogenaurach. Er Christian Hoyer: „Musikinist auch Vorsitzender des Muse- strumentenbau in Bubenreuth umsverein Bubenreutheum, des und Umgebung. Von 1945 bis ehemaligen Geigenbau-Muse- heute“. Bubenreuth 2020; 288 Seiums. Seine Dokumentationen ten, 60 Euro. Erhältlich im Bubensind einzigartig und nicht nur für reuther Rathaus und beim VerMusiker interessant. ein. Bestellungen unter eMail Herausgeber des Buches ist c.hoyer@bubenreutheum.de oder der Verein Bubenreutheum. Be- info@bubenreuth.de. achtenswert ist die MusikinstruChristian Hoyer/ Volkmar Rumentenbau-Ballung von Buben- dolph: „Framus – Built in the reuth und Umgebung. In die- Heart of Bavaria“. Framus Editisem portraitiert Hoyer mehr als onsverlag, Markneukirchen 2020; 60 Meister und Betriebe in Wort 292 Seiten, 59 Euro. (ISBN 978-3und Bild. Die rund 500 zum Teil 940448-00-2)

Dr. Christian Hoyer im Geigenbaumuseum des Bubenreutheums. Bild: Heinz Reiß


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

� Ehrung für tschechischen Archivar im Passauer Rathaus

Bayerischer Janus 2021 für Petr Hubka möglichkeiten von Porta fontium verbessern. „Die fruchtbare Zusammenarbeit tschechischer und bayerischer Archivarinnen und Archivare wird also weitergehen,“ freute sich Jungk. Aktuell sei ein Anschlußprojekt in Planung, das die Pilotierung einer digitalen Heimatkunde zum Gegenstand habe. „Eine tragende Säule dieser er Gott Janus mit seinem Kooperation war Direktor MagiDoppelgesicht galt den Röster Hubka.“ Der 1955 in Kralomern als ein Symbol für die Zuwitz/Kralovice bei Pilsen geborekunft und die Vergangenheit“, ne Leiter des Gebietsarchivs Pilso Rolf-Dieter Jungk. „Er ist dessen habe die Weiterentwicklung halb auch ein eindringliches Bild von Porta fontium zusammen mit für das Archiv als Gedächtniseinden bayerischen Archiven entrichtung“, meinte er. „Das eine scheidend und mit hohem perGesicht wendet sich der Vergansönlichen Einsatz vorangetriegenheit zu, die es zu bewahren ben. Das Gebietsarchiv Pilsen hagilt. Das andere Gesicht blickt in Petr Hubka, Direktor a. D. des Staatlichen Gebietsarchivs Pilsen/Státní oblastní archiv v Plzn, mit dem Bayerischen be in allen bisherigen Projekten Janus 2021 und der Verleihungsurkunde. Bilder: Fotoservice Peter Geins, Salzweg bei Passau die mit hohem Arbeitsaufwand die Zukunft.“ Archive würden es heutigen einhergehende Rolle des „Leadund kommenden Generationen gangenheit und tradierten Ge- ler Geschichtsquellen“ begon- schaftler hätten systematisch In- partners“ übernommen. erlauben, ihre Fragen an die Ge- schichtsbildern auseinanderzu- nen, das von der EU gefördert formationen erfaßt und inventaAuch abseits der festen Proschichtsquellen zu stellen. Die setzen.“ worden sei. Initiator und leiten- risiert – über Quellenbestände jektstrukturen herrsche ein beForscherinnen und Forscher Vor mehr als zehn Jahren hät- der Partner sei das Staatliche Ge- bayerischer Archive zur tsche- ständiger fachlicher und persowollten verstehen, wie die Men- ten Archivare in Bayern und der bietsarchiv Pilsen gewesen, das chischen Geschichte, die „Bohe- neller Austausch zwischen den schen der Vergangenheit die Tschechischen Republik eine in- die Arbeit der Partner koordi- mica“, sowie bayerischen Aufgaben ihrer Zeit gemeistert tensive Zusammenarbeit begon- niert und gegenüber den Dritt- über Quel- Petr Hubka rückt Bayern und und tschechihätten oder eben an ihnen ge- nen. Das Ergebnis sei das In- mittelgebern verantwortet ha- lenbestänschen ArchiBöhmen näher zusammen scheitert seien. „Historische For- formations- und Forschungsan- be. Im Zuge der Zusammenarbeit de tschechiven. „Dieser schung ist somit auch Orientie- gebot auf dem gemeinsamen seien für die Geschichte des ge- scher Archive zur bayerischen ist Herrn Magister Hubka immer rung für die Gegenwart und Ide- Webportal Porta fontium, also meinsamen Grenzraums bedeut- Geschichte, die „Bavarica“. am Herzen gelegen und er hat In der dritten Phase des EU- ihn stets befördert“, betonte der engeber für die Gestaltung der Tor zu den Quellen, das im Inter- same Archivbestände digitaliZukunft.“ net unter www.­portafontium.eu siert, virtuell zusammengeführt Kooperationsprojekts werde die Laudator. Hubka habe also nicht Der Gott Janus sei bei den Rö- zu finden sei. „Ein passender Na- und auf der gemeinsamen Ho- Plattform um das Modul „Mo- nur tschechische und bayerimern jedoch auch für Türen und me für dieses Internetangebot.“ mepage Porta fontium präsen- derner Zugang zu historischen sche Archivquellen zusammenQuellen“ erweitert. Dieses biete geführt. „Er hat auch Bayern und Tore zuständig gewesen. Und Ar- Das Portal biete deutschen und tiert worden. chive seien offene Tore für die hi- tschechischen Forschern Zugriff Das von der EU geförderte Ko- historische Karten und Pläne der Böhmen näher zusammenrücken storische Forschung in all ihren auf digitalisierte Quellen aus operationsprojekt „Tschechisch- bayerisch-tschechischen Grenz- lassen.“ Facetten. Die offenen Tore der bayerischen und tschechischen Bayerischer Archivführer“ ha- region. Ferner würden IT-geDer Bayerische Janus, mit Archive würden dazu einladen, Archiven. be diese Zusammenarbeit fort- stützte Werkzeuge zur Recher- dem Magister Hubka ausgeeigene Fragen an die ZeugnisDer Aufbau der gemeinsamen geführt. Dabei sei Porta fontium che und Darstellung wie Geo-Re- zeichnet werde, symbolisiere se der Vergangenheit zu stellen. Plattform habe 2009 mit dem Ko- um eine Datenbank zur bestän- ferenzierung und Texterkennung so auch ein Tor zwischen Bay„Archive sind eine Einladung, operationsprojekt „Bayerisch- deübergreifenden Recherche implementiert. Diese würden die ern und der Tschechischen Resich kritisch mit der eigenen Ver- Tschechisches Netzwerk digita- erweitert worden. Die Wissen- Auswertungs- und Recherche- publik, „ein Tor, dessen Flügel auch dank Petr Hubka weit offenstehen“, schloß Jungk. Er überreichte Hupka die Urkunde und den Bayerischen Janus. Strahlend nahm Hubka den Preis entgegen. Der ehemalige Archivdirektor freute sich sichtlich über die Bronzestatuette in Form eines Doppelgesichts, die von der in Passau lebenden Künstlerin Monika Jokiel geschaffen wurde. Auch sie war zu der Feier gekommen. Sie gratulierte dem Preisträger ebenso herzlich wie die vielen anderen Die Passauer Künstlerin und Janus-Schöpferin Monika Jokiel, Ministerialdirektor Dr. Rolf-Dieter Jungk, Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Dr. Ehrengäste im Passauer Rathaus. Margit Ksoll-Marcon, Generaldirektorin der Staatlichen Archive von München (GDA). Susanne Habel

Im Passauer Rathaus überreichte Rolf-Dieter Jungk den Bayerischen Janus 2021 an Petr Hubka, den ehemaligen Direktor des Staatlichen Gebietsarchivs Pilsen. Der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst war in Vertretung von Staatsminister Bernd Sibler MdL zur feierlichen Ehrung gekommen.

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Das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München (HSA) feierte am 16. Juli mit einem Festakt seinen 100. Geburtstag. Seit 2007 sind dort auch die Schriftgutbestände des Sudetendeutschen Archivs verwahrt. Beim Festakt eröffnete außerdem eine Ausstellung über die 100jährige Erfolgsgeschichte des Hauses.

� Jubiläum des Bayerischen Hauptstaatsarchivs

Zentrales Gedächtnis des Freistaates

Und jedes Jahr kommt die Strecke von der Feldherrnhalle zum Siegestor an papierener Überas HSA kann eine stolze Bi- lieferung hinzu. Die Mitarbeiter lanz vorweisen. 100  Jahre sind nicht nur für die Sicherung und noch immer im Wachstum. der digitalen und analogen ÜberIm Vergleich zum Alter der ver- lieferung des Freistaates verantwahrten Archivalien – die äl- wortlich. Jährlich beantworten teste Urkunde stammt aus dem sie mehr als 10 000 Anfragen von Jahr 794 – ist das Haus gerade Bürgern und Behörden. Anläßden Kinderschulich des 100. Juhen entwachsen. Mehr als acht Millionen biläums betonte Mit der ArchiBayerns Kunstdigitale Info-Objekte vierung digitaler minister Bernd Unterlagen steht es vor der gro- Sibler: „Das Hauptstaatsarchiv ßen Herausforderung, alle Infor- ist die zentrale Gedächtnisinstimationen für Generationen les- tution des Freistaats.“ bar und nachvollziehbar zu halSchon vor dem 16. Juli 1921 ten. und der Verordnung, die das Zum Jahresbeginn war das HSA begründete, gab es zentrale HSA für 813 362 069 digitale In- staatliche Archive in Bayern. Die formationsobjekte im Digitalen Geschichte der Vorgänger reicht Archiv des Freistaates Bayern bis ins späte Mittelalter zurück. verantwortlich, Hinzu kommen Das älteste bekannte Verzeichvier Millionen analoge Archiva- nis aus dem Archiv des Herzoglieneinheiten, die aneinander ge- tums Bayern-München stammt reiht mit 55 laufenden Kilome- aus dem Jahr 1438. tern die Distanz von München Mit der Gründung des HSA bis zum Tegernsee oder nach Ro- entstand in Bayern erstmals ein senheim spielend überbrücken. Zentralarchiv im modernen Sinn.

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Die vier in München damals bestehenden staatlichen Archiveinrichtungen Allgemeines Reichsarchiv, Geheimes Staatsarchiv, Geheimes Hausarchiv und Kreisarchiv München wurden als Abteilungen zu einer Institution zusammengefaßt. Schriftgut bayerischer Behörden und Gerichte, Unterlagen über auswärtige Angelegenheiten und sogar das Archiv des bis 1918 regierenden Königshauses der Wittelsbacher waren nun organisatorisch unter einem Dach vereint. Bis zur räumlichen Zusammenführung der einzelnen Abteilungen dauerte es jedoch nochmal rund 55 Jahre. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekam das HSA einen eigenen Gebäudekomplex an der Ludwigund Schönfeldstraße mit einem damals modernen Magazinbau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwer beschädigte ehemalige Kriegsministerium für die Staatlichen Archive Bayerns wieder aufgebaut und erweitert. Bild: GDA, Fotosammlung

Die Errichtung des HSA markiert gleichzeitig einen fundamentalen Wandel im archivischen Selbstverständnis. Als neues Leitprinzip bei Bildung und Abgrenzung von Beständen setzte sich das Provenienzprinzip durch, also die Bewahrung des ursprünglichen Herkunftszusammenhangs im Gegensatz zur Umordnung nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Gleichzeitig öffneten sich die Archive über die wissenschaftliche Forschung hinaus für die Heimat- und Familienforschung und damit für alle Bürger. Aus der Schatzkammer des Königreichs Bayern wird im demokratischen Freistaat eine der Rechtsstaatlichkeit und der Transparenz verpflichtete Gedächtnis- und Forschungsinstitution von internationaler Bedeutung. Eine erhebliche Lücke im

Bayerischer Janus S

eit 2001 vergibt der Bayerische Archivtag alle zwei Jahre den Archivpreis Janus für Leistungen im Archivwesen, damals an Angela Toussaint, die ehemalige Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs. Preisträger waren unter anderem der frühere Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (2019), Hans Kratzer, Redakteur der Süddeutschen Zeitung (2017), Helmut Hey, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf, (2011), Martin Geiger, Alt-Bürgermeister der Stadt Wasserburg am Inn (2005) und Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter (2003). Die Verleihung des Preises erfolgt normalerweise im Rahmen des Bayerischen Archivtages, der diesmal pandemiebedingt auf 2023 verschoben wurde. Bayerischer Janus bezieht sich auf den römischen Gott Janus mit seinem Doppelgesicht. Er steht als Wächter der Türen und Tore für die Vergangenheit und Zukunft. Der Name symbolisiert die Archive, die historische Quellen der Vergangenheit für die Zukunft bewahren.

Beständeprofil des Bayerischen Hauptstaatsarchivs wurde 1946 mit der Eingliederung des bayerischen Kriegsarchivs geschlossen. 1977 entstand eine eigene Abteilung für Sammlungsgut wie Flugblätter, Plakate oder Fotos, für Nachlässe sowie Verbandsund Vereinsschriftgut. Seit 2007 gehört dazu auch das Sudetendeutsche Archiv, als Archiv im Archiv, und ist über die bayerischen Landesgrenzen hinaus für die Bewahrung des Erbes der Vertriebenen aus den sudetendeutschen Gebieten zuständig. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv ist auch ein bedeutendes Parlamentsarchiv mit den Unterlagen der bayerischen parlamentarischen Körperschaften der Monarchie und der Zwischenkriegszeit. Susanne Habel Bis Freitag, 29. Oktober: „100 Jahre Bayerisches Hauptstaatsarchiv“ in München, Schönfeldstraße  5. Montag bis Donnerstag 8.30–16.00 Uhr. Telefon (0 89) 2 86 38 25 96, eMail poststelle@ bayhsta.bayern.de, Internet www. gda.bayern.de, Katalog: „100  Jahre Bayerisches Hauptstaatsarchiv“. Staatliche Archive Bayerns, Kleine Ausstellungen 66, München 2021, 160 Seiten, 6,00 Euro. (ISBN 9783-938831-75-5)


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 87. 2021

� SL-Bundesfrauenarbeitskreis

Spitzentrio tritt in neuer Formation an An den ersten drei Augusttagen traf sich der SL-Bundesfrauenarbeitskreis auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen zur seiner Jahrestagung.

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achdem Bundesfrauenreferentin Gerda Ott alle begrüßt hatte, gedachte ihre Stellvertreterin Brigitta Gottmann der seit der letzten Tagung verstorbenen SL-Frauen. Dazu gehörten die langjährige Heimatpflegerin und Bundesfrauenreferentin Walli Richter, Hessens Landesfrauenreferentin und Klöppelgruppengründerin Ilse Kölbl, Friedel Vobis, Landesfrauenreferentin der Böhmerwaldfrauen in Baden-Württemberg, sowie Rosemarie Kretschmer, Stellvertretende Bundesfrauenreferentin und Hessens BdV- und SL-Landesfrauenreferentin. In Vertretung von Stiftungsdirektor Steffen Hörtler hieß dessen Assistent Nino Schmitt die Gäste willkommen und informierte über das Haus und die organisatorischen Abläufe. Maria Werthan, Vorsitzende des Frauenverbandes im BdV, wünschte der Tagung einen guten Verlauf. Die folgende Vorstellungsrunde bezeugte, daß die Frauenarbeit eine tragende Säule der SL ist. Nach einem Tagesimpuls, den ein von Urd Rothe-Seeliger in Mundart vorgetragenes Gedicht von Hans Kleinert gab, informierte Hans Pieke über „Betreutes Wohnen“. Pieke ist Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins für das Adalbert-Stifter-Seniorenwohnen im oberbayerischen Waldkraiburg. Die Einrichtung habe gegenwärtig 230  Bewohner und 170 Mitarbeiter, so Pieke Sie biete ambulante Pflege, Tagespflege, betreutes Wohnen, stationäre Pflege und ein Hospiz. Für ihn sei betreutes Wohnen ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft. „Ich kann mich zurückziehen, aber ich bekomme Angebote, um mit anderen Menschen etwas zu erleben. Dazu gehören Fixpunkte, wie sich einmal am Tag ,herauszuputzen‘ und gemeinsam Mittag zu essen.“ Das Haus biete abgeschlossene Wohnungen mit Kochnische und Bad. Jede Wohnung habe einen rund um die Uhr besetzten Schwesternnotruf. Einmal in der Woche werde das Apartment gereinigt. Das Haustier dürfe mit einziehen. Für Besucher stünden Zimmer zum Übernachten bereit. Begegnungsinseln lüden zum Kartenspiel oder Zeitunglesen ein. Ein Besinnungsraum sei Ort für Gottesdienste unterschiedlicher Konfessionen. Regelmäßig fänden Konzerte oder Aufführungen statt, jeden Monat werde ein Fest wie Fasching oder Nikolaus gefeiert. Es gebe Handarbeits- oder Kochgruppen, Gedächtnistraining oder Sturzprophylaxe.

Ein weitläufiger Park lade zum Tagen. Gerda Otts „Spurensuspazieren und garteln ein. Das che! Eine sudetendeutsche KriStadtzentrum sei 20  Minuten mistunde“ widmete sich der Fraentfernt, die Bushaltestelle vor ge, was die Dinge seien, die man der Tür. Der hauseigene Bus fah- 75 Jahre nach der Vertreibung im re auch Rollstuhlfahrer zwei Mal Alltag finde. Die Vorschläge wie die Woche zum Markt. Die Be- Arpelgasch, Hosensack, Schuwohner könnten den Bus auch bertmesse, Tippel, Pischpern, darüber hinaus nutzen. Wetzels Karlsbader Oblaten oder Das Haus habe eine eigene Otfried Preußler wurden den RuKüche, der Heimbeirat erstelle briken Speisen, Kleidung, Muden Speiseplan. Zum Betreuer- sik, Gegenstände, Tätigkeiten, stab gehörten der Therapiehund Industrie und Persönlichkeiten Goofy und seit neuesten Pepper, zugeordnet. Sie sollen zur weiteein Roboter der Dienstleistungen ren Spurensuche anregen. ausführe. Die Senioren seien beBrigitta Gottmann berichtegeistert von ihm. „Unser Produkt te über die Digitalisierung der heißt Wohlfühlen“, schloß Pieke. von ihr betreuten HeimatsstuIlse von Freyburg, Klöppelex- be im sauerländischen Lüdenpertin und Frauenreferentin der scheid, die bald auf www.heimatSL Baden-Württemberg, sprach stuben.de zugänglich sein werde. übers Klöppeln. Das sei wohl vor Außerdem stellte sie ihren Zeit500 Jahren in Italien entstanden. zeugenbericht über ihre KindDas Mutterland der deutschen Klöppelspitze sei das Erzgebirge, aber auch im Böhmerwald und in der Ober­pfalz sei – vor allem in ärmeren Familien – geklöppelt worden 1888 habe Josef Wartha in BöhmischSchwarzach einen Klöppelhandel gegründet. Er sei einer der größten Spitzenhändler der Region geworden, habe 25 Spitzenaufkäufer und Urd Roth-Seeliger, Gerda Ott und Dr. Zuzana Finger. bis zu 15  000 Klöpplerinnen beschäftigt. Nach heit in Großpriesen, das Masdem Zweiten Weltkrieg habe die saker in Aussig am 31. Juli 1945 Firma ihren Spitzenhandel nach und die Wilde Vertreibung vor. Bayerisch Schwarzach verlegt, da Den habe ihre Tochter Astried der böhmische Ortsteil zerstört 2019 am Tag der Heimat in Iserworden sei. lohn vorgelesen. Gottmann war Nach der Vertreibung habe von der Gedenkfeier in Aussig sich die Handwerkskunst über direkt zur Tagung auf dem Heiganz Deutschland ausgebreitet. ligenhof gekommen. Nun beJeder der geklöppelt habe, ha- richtete sie über ihren Einsatz be im Vertreibungsgepäck sei- für die Kirche des heiligen Jane Klöppelrolle mitgebracht kobus des Älteren in ihrem Geund geholfen, die Familie zu er- burtsort Schwaden und die von nähren. 1983 sei im oberfränki- ihr initiierten deutsch-tschechischen Nordhalben der Deutsche schen Gottesdienste. 2020 sei anKlöppelverband entstanden. läßlich ihres Aufenthaltes in der Zum jährlichen Kongreß kämen Tschechischen Republik ein ZeitKlöppler aus der ganzen Welt. zeugenvideo entstanden, das auf Nach dem Vortrag zeigte eine https://www.pametnaroda.cz/de Ausstellung Spitzen für Kragen, /gottmann-brigitta-1939 angeseManschetten oder Tischdecken, hen werden könne. Schals, Fensterschmuck und vieZuzana Finger, bis vor weniles mehr gen Monaten Heimatpflegerin Da die Stellvertretende Bun- der Sudetendeutschen, stellte desfrauenreferentin Ingeburg zwei Projekte des Vereins OmniAlesi nicht hatte kommen kön- um auf den deutschen Friedhönen, teilte sie schriftlich mit, daß fen in Böhmisch Bokau bei Aussie 20 Jahre lang bei den SL-Frau- sig und Hermanitz bei Trautenau en aktiv gewesen sei und die- vor. In beiden Fällen ist sie als se Zeit nicht missen wolle. Alesi Projektpartnerin tätig. Via Internet meldete sich kam 1938 im Altvatergebirge zur Hoffmann, Obmann Welt und wuchs im Elbetal auf. Klaus Seit 2007 betreute sie mit Toch- der SL-Landesgruppe Badenter Ulrike den Stand Obstland El- Württemberg. Er sagte, daß ein betal an den Sudetendeutschen regelmäßiger Austausch auch

mit technischen Mitteln notwendig sei. Im Rückblick auf den gelungenen Sudetendeutschen Tag bedauerte er, daß wegen Corona nur wenige hätten kommen können. Neue Themen – auch politische – sollten in den Heimatund Arbeitskreisen der SL weiter entwickelt werden. Kultur und Politik, Arbeit und Soziales sollten vorrangig sein. Wichtig wäre interessierte Menschen zu finden, die auch in der Zukunft gerne mitarbeiteten. Deshalb sollten Jüngere, deren Wünsche, Interessen und Schwerpunkte thematisiert werden. Da Inge Alesi und Brigitta Gottmann bei der anstehenden Wahl nicht mehr kandidieren wollten, dankte Gerda Ott ihren scheidenden Stellvertreterinnen. Gottmann erzählte nun über ihre langjährige Tätigkeit bei der Frauengruppe. 1939 in Schwaden im Kreis Aussig geboren, lebt sie seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Lüdenscheid. Sie gab einen kleinen Einblick in die ersten Jahre in der „DDR“, wohin sie nach der Vertreibung gekommen, Vertreibung aber tabu gewesen sei. Nach der Wende seien dort viele neue Gruppen und Heimatstuben gegründet worden. So lange es noch möglich sei, sollte das Wissen von den dortigen Zeitzeugen dokumentiert werden. 2010 wurde sie Landesfrauenreferentin in Nord­ rheinWestfalen und Stellvertretende Bundesfrauenreferentin, 2012 Mitglied der Bundesversammlung. Seit vielen Jahren ist sie Ortsbetreuerin von Schwaden, Kreisbetreuerin von Aussig und Obfrau der SL-Kreisgruppe Lüdenscheid. Sie betreut seit 1995 die Heimatstube Lüdenscheid, die Lüdenscheider Tafel und den Gedenktag an das Massaker in Aussig. Jedes Jahr organisierte sie mit immer neuen Ideen den Stand der Frauen beim Sudetendeutschen Tag. Christina Meinusch, Zuzana Fingers Nachfolgerin als Heimatpflegerin, stellte sich nun auch diesem Gremium vor. Sie habe, so Meinusch, ebenfalls einen Vertriebenenhintergrund. Ihre Eltern stammten aus Schlesien. Studiert habe sie in Würzburg Volkskunde und Dipompädagogik. Über die Jugendarbeit und den Braunauer Heimatkreis sei sie als Praktikantin zur Museumsarbeit gekommen. Sie plane und organisiere Ausstellungen.

Bereits seit der Grundschule interessiere sie sich für Heimat beziehungsweise Vertreibung. Zur Heimatpflege gehörten Erhalt, Pflege und Entwicklung von Kulturgut, Brauchtum und Mundart sowie die Denkmalpflege. Ein Projekt sei die Instandsetzung der Kirche und des Friedhofs in Merkelsdorf. Zum Thema Mundart zeigt sie den Film „Der Jahreslauf der Bräuche“, in Mundart gesprochen von Ulf Broßmann, dem neuen aus dem Kuhländchen stammenden Bundeskulturreferenten. In München und Umgebung gebe es noch Menschen, die in Mundart vorlesen könnten. Wegen des kürzeren Weges zu den Aufnahmen werde dieses Einzugsgebiet für die Archivierung bevorzugt. Es könnten sich aber auch andere beteiligen. Ende August finde eine Mundarttagung auf dem Heiligenhof statt. Ein besonderes Anliegen sei ihr, Zeitzeugen zu befragen und ihre Erzählungen zu dokumentieren. Teilnehmen könne jeder über die digitale Medien wie YouTube. Außerdem organisiere sie Kulturveranstaltungen und Autorenlesungen. Mit einigen, wie mit einer Erzählung von Kateřina Kovačková, sei sie in den neuen Medien bereits erfolgreich. Angestrebte Ziele seien Ausstellungen in einer Autobahnkirche, Broschüren zu Ausstellungen zu erstellen, öffentliche Heimatpflegeseiten in der Presse, Öffentlichkeitsarbeit durch Plakate. Weitere Ziele für die nahe Zukunft seien ein Konzert und der Adventsmarkt im Sudetendeutschen Haus. Auch SL-Bundesgeschäftsführer Andreas Miksch meldete sich online, um sich vorzustellen. Er sei 41 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Seit 2010 sei er ehrenamtlich, seit 2012 hauptberuflich für die SL tätig und seit 2019 im Vorstand. Er wolle die SL in die Zukunft führen, eine Verbindung zwischen Enkel- und Erlebnisgeneration sowie zwischen alter und neuer Heimat herstellen. Er wünsche sich weiter gute und interessierte Mitarbeiter. Für den Sudetendeutschen Tag wünsche er sich ein Gleichgewicht, in dem sich alle Gruppen wiederfinden und mit der SL identifizieren könnten. Die Neuwahl der Bundesfrauenreferentin und ihrer beiden Stellvertreterinnen leitete Hans Pieke. Ott wurde im Amt bestätigt, ihre Stellvertreterinnen wurden Zuzana Finger und Urd Rothe-Seeliger. Otts letzte Frage: „Wie können wir junge Frauen für unsere Arbeit begeistern und gewinnen?“ Ihre Antwort: „Ich werde die ,Neuen‘ in der Bundesversammlung ansprechen, Kontakte in den Gruppen ausbauen und pflegen.“

� UdVF-Kreisverband Stuttgart/Baden-Württemberg

Kretschmer verleiht Wieland Verdienstorden Der Kreisverband Stuttgart der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge (UdVF) gratuliert dem CDU-Europaabgeordneten Rainer Wieland zur Verleihung des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg.

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er 64jährige Europapolitiker, der sich mit den Vertriebenen und Aussiedlern besonders verbunden fühlt, wurde im Rahmen der Verleihung des Verdienstordens von BadenWürttemberg für sein Wirken, Kindern und Jugendlichen den europäischen Gedanken frühzeitig bekannt zu machen und eine

Ministerpräsident Winfried Kretschmann überreicht Rainer Wieland MdEP Orden. Bild: Staatsministerium Baden-Württemberg

Beziehung zu Europa aufzubauen, von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Neuen Schloß in Stuttgart mit der höchsten Auszeichnung des Landes geehrt. Rainer Wieland, Rechtsanwalt und verheirateter Familienvater, begann 1975 in der Jungen Union als Ortsvorsitzender der JU Gerlingen, war in den 80er und 90er Jahren auf Bezirks- wie auf Landesebene in der Jungen Union als Stellvertretender Vorsitzender aktiv und leitete 1985 bis 1994 die CDU Gerlingen. Seit 1993 Kreisvorsitzender der CDU Ludwigsburg und seit 1994 Mit-

glied der Regionalversammlung des Verbandes Region Stuttgart, gehört der überzeugte Europäer seit 1997 dem Europäischen Parlament an und ist dort seit zwölf Jahren Vizepräsident. Rainer Wieland, der dank seiner ungarndeutschen Schwiegereltern einem angeheirateten Vertriebenen-Hintergrund hat, pflegt auch eine besondere Verbundenheit mit der UdVF und deren Engagement für Vertriebene und Aussiedler. Im vorpolitischen Raum engagiert sich Rainer Wieland im Förderverein Schwäbischer Dialekte. Helmut Heisig

Hildegard Weber und Kriemhilde Bergmann. Bild: Horst Bergmann

� SL-OG Wehringen

Weber geehrt Die bayerisch-schwäbische SLOrtsgruppe Wehringen ehrte ein treues Mitglied.

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ildegard Weber war 20 Jahre jung, als in die SL-Ortsgruppe Wehringen bei Augsburg eintrat. Nun überreichte ihr die Stellvertretende Ortsobfrau Krimhilde Bergmann im Auftrag von Orts - und Kreis­obmann Kurt Aue einen Blumenstrauß und die Ehrenurkunde für 70 Jahre Treue zur SL.

� SL-Ortsgruppe Passau

An Klein erinnert Anläßlich seines 90.  Geburtstages am 11. Juli erinnerte die niederbayerische SL-Ortsgruppe Passau bei ihrem ersten Treffen seit März 2020 an den aus Mährisch Schönberg im Altvatergebirge stammenden Journalisten, Diplomaten und Politiker Hans „Johnny“ Klein.

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unächst erinnerte Ortsobfrau Helga Heller an die wenigen Veranstaltungen des vergangenen Vereinsjahres. Vermögensverwalter Horst Jorde berichtete über die dennoch guten Vermögensverhältnisse. Kreisobmann Peter Ponz dankte für die gute Arbeit und bat um Entlastung. Die wurde einstimmig erteilt. Eva Seiler führte in Leben und Werk von Hans „Johnny“ Klein ein. Er sei Journalist, Presseattaché an den Deutschen Botschaften in Amman mit Damaskus und Bagdad sowie Jakarta, Pressepolitischer Referent bei Bundeskanzler Ludwig Erhard, Pressesprecher der Olympischen Sommerspiele 1972 in München, CSU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis München-Mitte, außenpolitischer Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, als Bundesminister für besondere Aufgaben Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung während der Wendezeit und bis zu seinem Tod am 26. November 1996 Vizepräsident des Deutschen Bundestages gewesen. Mit verteilten Rollen lasen Horst Jorde und Peter Seiler ein Interview, das der Siebenbürger Sachse Dankwart Reißenberger 1986 mit Klein geführt hatte. Thema war der 8. Mai 1945 in Mährisch Schönberg. Klein erzählte von der Wilden Vertreibung mit seiner Mutter, vom Tod seiner Mutter, von seiner Zeit als 14jähriger Zwangsarbeiter bei einem tschechischen Bauern und von der „Humanen Vertreibung“ 1946. Er erzählte aber auch von seiner ersten Rückkehr 1968 und von seiner Hoffnung auf zukünftige versöhnliche Verhältnisse.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

� Kulturverband der Deutschen in Eger

Corona schafft neue Freunde Wilhelm Simeon vom Kulturverband der Deutschen in Eger schildert die Zeit der wegen Corona geschlossenen Grenzen zu Deutschland.

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Auf dem Bild oben: Links unten Obfrau Bärbel Anclam, rechts außen Helmut Reich, Altlandrat, Kreisobmann und Vizepräsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung. Auf dem Bild darunter Bürgermeister Johannes Ballas, daneben Vizeobmann Otmar Anclam.

� SL-Ortsgruppe Rückersdorf/Mittelfranken

Regularien und Häkerbrotzeit Pandemiebedingt fiel vergangenes Jahr die Hauptversammlung der mittelfränkischen SL-Ortsgruppe aus. Deshalb war die Hauptversammlung Ende Juli ein besonderer Tag, an dem sich die Landsleute wiedersahen.

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bfrau Bärbel Anclam hieß Helmut Reich, Obmann der SL-Kreisgruppe Nürnberger Land, sowie Bürgermeister Johannes Ballas herzlich willkommen. Der Zweite Vorsitzende Otmar Anclam gedachte mit ehrenden Worten der seit April 2019 verstorbenen Mitglieder und verstärkte diese Erinnerung in einer Gedenkminute. Seit vielen Jahren hatte diese Aufgabe Kulturreferent Johann Scharnagl, der jetzt aber altersbedingt mit seiner Gattin in einer Seniorenresidenz wohnt. Bürgermeister Ballas, welcher auch Mitglied der SLOrtsgruppe ist, richtete Grußworte an die Versammelten. Er gab einen Überblick über das aktuelle Geschehen und erörterte die Coronalage. Mit den besten Grüßen von der Gemeinde überreichte er ein Kuvert zur Kostendeckung. Da die Obfrau an diesem Tag Geburtstag hatte, animierte er alle zu einem Geburtstagsständchen. Kreis­ obmann Reich überbrachte Glückwünsche von der Kreisgruppe und berichtete in seiner Begrüßungsrede über den besonderen Sudetendeutschen Tag und die Verleihung des Karlspreises. Er hob auch hervor, daß die Bundesversammlung in München das höchste Gremium der Sudetendeutschen sei, welches auch den Volksgruppensprecher wähle. In seiner Vorschau verwies er auf die Kreishauptversammlung am 20. September. Die Niederschrift der letzten Jahreshauptversammlung von Erika Kunstmann lag auf. In ihrem umfassenden Bericht erwähnte die Vorsitzende zahlreiche Veranstaltungen mit unterschiedlichen Programmen wie Vorträge, Filmvorführung, Schlachtschüssel­ essen, Kirchweihtreffen, Weinfest oder Adventsfeier. Besonders hob Anclam die Tagesfahrten und die FünfTage-Reise nach Abtenau im Tennengebirge hervor. Der Höhepunkt sei die 75-JahrFeier der Ortsgruppe gewesen. Ab April 2020 hätten alle Aktivitäten coronabedingt abgesagt werden müssen. Die Obfrau dankte ihrer Stellvertreterin Karin Walz, welche

zahlreiche Geburtstagsglückwünsche persönlich überbracht habe. Otmar Anclam, ein weiterer Stellvertreter der Obfrau, erinnerte eindrucksvoll an die durchgeführten Fahrten. Über die Fahrt nach Abtenau werde Edwin Heger im November einen Film präsentieren. Anclam: „Im September startete die Landsmannschaft zu einer Stadtführung nach Marktbreit. Danach erfolgte der Besuch des Knauf-Museums in Iphofen. Abschließend stärkte man sich mit einer Häckerbrotzeit in Ipsheim. Im November besuchte die Ortsgruppe Michelfeld. Dort besichtigte sie die RegensWagner-Stiftung, ein Heim für Menschen mit Behinderung. Anschließend folgte ein kulinarisches Erlebnis in Steinamwasser mit Gänsen aus dem Backofen.“ Dagmar Hess, die Vermögensverwalterin, berichtete über eine geordnete Kassenlage, welche die Rechnungsprüferinnen Helga Dörre und Anne Völlmer kontrolliert hatten. Da Dörre aus gesundheitlichen Gründen dieses Amt abgibt, und Völlmer derzeit in Urlaub ist, bestätigte Irmtraut Wiemer in deren Auftrag die vorschriftsmäßige Kassenführung. Dann folgten die einstimmige Entlastung und die Bestätigung im Amt. Obfrau Bärbel Anclam bedankte sich bei Helga Dörre für ihr langes Wirken mit einem Präsent. Irmtraut Wiemer erklärte sich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Kreisobmann Helmut Reich übernahm die Ehrung langjähriger Mitglieder. Er betonte, daß die Tugenden Treue und Beständigkeit ausgezeichnet würden. Als Dank und Bitte überreichte er folgenden Mitgliedern Urkunde und Präsent: Für zehn Jahre Treue Angela Schenk, für 20 Jahre Treue Philomena Neumann, für 25 Jahre Treue Vera Lierl und Ottmar Ederer, für 30 Jahre Treue Liselotte Boß und für 35 Jahre Treue Hermine Eichenmüller. Helga Ott, Hannchen Scharnagl und Christa Heulander hatten nicht kommen können. Obfrau Bärbel Anclam dankte allen, die zum Gelingen des Vereinslebens beigetragen hätten. Abschließend umriß sie die künftigen Aktivitäten in diesem Jahr. Zum Ausklang spendierte sie anläßlich ihres Geburtstages Prosecco. Judith Will

ls die tschechische Regierung am 14. März die Schließung ihrer Grenzen und den Pandemie-Notstand bekannt gab, machten sich einige zum Grenzübergang Waldsassen–Heiligenkreuz auf. Auf beiden Seiten der Grenze hatte die Polizei bereits Schranken und Straßensperren errichtet. Unter den Menschen beiderseits der Grenze herrschte eine seltsame Einigkeit. Ein etwa 70jähriger Mann, der den Vorgang dokumentierte, seufzte: „Ich erinnere mich an die Zeit vor 1989, als die Grenzen hermetisch dicht waren. Die Grenzschließung ist traurig, aber ich glaube, daß sich bald alles zum Guten wendet.“ Da waren auch Menschen, die auf beiden Seiten der Grenze Familie haben. Wann würden sie ihre Lieben wiedersehen? Das konnte niemand sagen. Damals hatten wir alle nur wenige Informationen. Kein Wunder also, daß wir große Bedenken hatten. Überraschend ist, daß einige grenzübergreifende Projekte – wenn auch ohne persönliche Kontakte – fortgesetzt wurden, besonders die subventionierten. Wenn es irgendwelche Angelegenheiten zu besprechen gab, dann nur mittels Videokonferenzen. Einige Tage nach der Grenzschließung konnte man – besonders in den sozialen Medien – Nachrichten darüber lesen, wie sehr die Nachbarn vermißt würden. Das war nicht nur an der Grenze zu Deutschland so, sondern auch an zu Polen, zur Slowakei und zu Österreich. Dennoch fanden wir einen Weg, um mit unseren Lieben, unseren Freunden oder Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze in Kontakt zu bleiben. Die Menschen begannen Pakete zur „Schranke“ zu bringen, die der Empfänger auf der anderen Seite entgegen nahm. Über die Grenze wurden selbstgenähte Gesichtsmasken geschickt, weil es zu we-

als ideale Verständigungsform. Das beweisen auch die zufriedenen Besucher, die immer wieder gerne kommen. Die Sankt-Anna-Kirche in Palitz/Palič ist beispielsweise ein Ort häufiger Treffen nicht nur von gebürtigen Palitzern, sondern auch von Unterstützern der deutsch-tschechischen Freundschaft. Die Kirche besuchen nicht nur die Gäste des Musikfestivals „Lebendes Grenzland / Živé pohraničí“, die regelmäßig aus vielen tschechischen und deutschen Orten anreisen, sondern auch vertriebene Palitzer. 2019 kam Bernd Posselt, der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, mit Senator Miroslav Balatka und dem Marienbader Bürgermeister Martin Kalina zu Besuch. Der Ort hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Die Kirche war seit Jahrzehnten baufällig. Seit 70 Jahren wurde hier keine Messe mehr gelesen. Das änderte sich aber 2016 am Fest der heiligen Anna, der die Kirche geweiht ist. Die Messe zelebrierten der gebürtige wegen der Pandemie durch die sein dreijähriges Bestehen fei- Lindenhauer Ferdinand Kohl aus Grenze getrennt wurden. Eines ert. „Musik heilt und versöhnt“ Klingenthal und Peter Fořt aus dieser Treffen fand Mitte Mai bei ist das Motto. Seine Mission ist Graslitz in deutscher und tscheder Ackerl-Kapelle zwischen Lie- laut Veranstalter das Treffen von chischer Sprache. Für den Geistlichen Ferdinbenstein/Libá und Selb statt. Es Menschen aus dem deutschgab noch elf weitere Treffen ent- tschechischen Grenzgebiet mit and Kohl war der Gottesdienst lang der sogenannten grünen ihren Nachbarn, die Verbesse- eine persönliche Angelegenheit. Grenze. Ziel war, die negativen rung ihrer Beziehungen und der „In dieser Kirche wurde ich geFolgen geschlossener Grenzen Versuch, das in der Vergangen- tauft und hatte hier meine Erstaufzuzeigen. So sagte die Lie- heit begangene Unrecht zu korri- kommunion. Im Februar 1946 feibensteiner Bürgermeisterin Věra gieren. Und weil Musik eine in- erten hier meine Großeltern ihre Votíková bei dieser Gelegenheit: ternationale Sprache ist, die die Goldene Hochzeit.“ Die Bürgerinitiative Leben am „Unsere Freunde aus Hohen- meisten Menschen verstehen, erberg und den anderen Grenz- scheint den Veranstaltern Musik Tillenberg oder Život na Dyleň rettete die baufällige Kirche städten fehlen uns, denn sie vor der völligen Zerstörung. sind echte Freunde, mit denen Das Gebäude und seine Umwir uns regelmäßig treffen und gebung werden nach und nach gerne Zeit verbringen. Ich hofrestauriert. Davon konnten fe, daß die Situation so schnell sich die Besucher des diesjähwie möglich bewältigt wird rigen Musikfestivals in Palitz und wir einander wieder besuüberzeugen. Das ist eine der chen können.“ Aktivitäten, die mir beweist, Teilnehmer dieser Aktion daß sich die deutsch-tschewaren der Ascher Bürgermeichischen und – wie ich glauster Dalibor Blažek, Liebenbe – auch die tschechischsteins Bürgermeisterin Věra deutschen Beziehungen verVotíková mit ihren Stellvertrebessern. Ich freue mich, daß tern Pavel Klepáček und Ludnicht einmal Covid uns trenmila Danylcová, Hohenbergs Bürgermeister Jürgen Hoff- Wilhelm Simeon bei den Marienbader Ge- nen konnte. Wir haben etwas, Bild: Nadira Hurnaus worauf wir aufbauen können. mann, sowie Selbs Stellver- sprächen. nige davon gab. Und plötzlich war die Grenze nicht mehr trennend, sondern verbindend. Es betraf uns alle gleich. Die neue internationale Bürgerinitiative Samstage für Nachbarschaft oder Soboty pro sousedství rief eine Reihe von Treffen mit Nachbarn, Freunden und Verwandten ins Leben, die

tretender Bürgermeister Carsten Hentschel. Aber nicht nur die Vertreter der Städte trafen sich, sondern auch Freunde und getrennte Familien. Eine weitere beliebte deutschtschechische Aktion ist das Internationale Musikfestival „Lebendes Grenzland“ oder „Živé pohraničí“ in Palitz , das heuer

� Ackermann-Gemeinde

Propaganda-Ghetto Theresienstadt Der Themenzoom der Ackermann-Gemeinde (AG) Anfang August widmete sich dem KZ Theresienstadt. Dort leisten Jannis Völlering und Tobias Hollinetz gegenwärtig einen einjährigen Freiwilligendienst mit der Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF). Sie führten virtuell durch die Gedenkstätte.

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atthias Dörr, AG-Bundesgeschäftsführer und diesmal Moderator, und stellte die Referenten vor. Der 19jährige Jannis Völlering komme aus Münster, der 20jährige Tobias Hollinetz habe an der Höheren Bundeslehranstalt für künstlerische Gestaltung Linz maturiert. Sie hätten in ihrem Freiwilligendienst digitale Führungen durch Theresienstadt entwickelt. Dörr befürwortete diese Herangehensweise fernab der Erlebnisgeneration, da dadurch andere Sichtweisen und Perspektiven deutlich würden. Zudem sei es angesichts der Pandemie kein einfaches Jahr für die Freiwilligen. Völlering und Hollinetz zeigten zunächst den durch die Eger

getrennten Gesamtkomplex, bestehend aus der Kleinen Festung und der Garnisonsstadt, die Hauptteil ihrer Ausführungen war. Sie informierten über die Geschichte der Stadt mit der Grundsteinlegung 1780 durch Kaiser Joseph II. als Bastion gegen die Preußen. „Aber Theresienstadt war nie in eine Kriegshandlung verwickelt“, stellten die Referenten fest. Aufgrund der zentralen Lage – auch im Hinblick auf die Deportationswege – und der Struktur sei The-

48 500. Damit sei es hoffnungslos überfüllt gewesen. Die katastrophalen Bedingungen habe viele Leben gekostet. Das Lager habe mehrere Besonderheiten gehabt. Es sei ein Alters- und Prominentenghetto mit jüdischer Selbstverwaltung gewesen, die aber den Weisungen und Befehlen der SS untergeordnet gewesen sei. In seinem Kinderheim hätten die Buben und Mädchen singen, zeichnen und Gedichte schreiben dürfen. Eine möglichst gute Bildung ha-

resienstadt im Herbst 1941 von den Nationalsozialisten als Lager ausgewählt worden. Vor 1941 habe Theresienstadt 7000 Einwohner gehabt, zur Ghettozeit 30 000 bis 40 000, im September 1942 gar

be den Kindern vermittelt werden sollen. Viele Kinder seien später in andere Konzentrationslager deportiert und dort ermordet worden. Die Kinderzeitung „Vedem“ sei entstanden und die

Kinderoper „Brundibar“ mehr als 50 mal aufgeführt worden. Eine Sonderstellung habe die Bildende Kunst gehabt. Tausende Werke seien erhalten, die auch den Alltag im Ghetto zeigten. „Das war nicht Gutmütigkeit, sondern reines Kalkül“, relativierten die zwei jungen Männer die Erlaubnis für diese Aktivitäten. Neben diesen Bildern hätten die Lagerinsassen auch Propaganda-Bilder schaffen müssen. Christen und Juden seien für die Ausübung ihres Glauben Betstuben zur Verfügung gestanden. Völlering und Hollinetz machten auch deutlich, daß sich die Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes bei einer Visite von der NS-Inszenierung total hätten täuschen lassen. Zusammenfassend charakterisierten sie Theresienstadt als Sammel-, Durchgangs- und Sterbelager. Zum Schluß zeigten sie den Grabstein-übersäten Friedhof sowie das Krematorium. Natürlich sei es auch ein Kulturghetto gewesen, insbesondere aber ein Vorzeigelager zu Propaganda- und Vertuschungszwecken. Markus Bauer


Neudeker Heimatbrief

Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek

Abertham

Bärringen

Folge 624 · 8/2021

Frühbuß

Platten

Patenstadt Augsburg

Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 625 (9/2021): Mittwoch, 15. September.

Jubiläum einer Online-Zeitschrift

100. Ausgabe „Grenzgänger“ Im August 2010 versandte unser Heimatfreund Ulrich Mökkel aus Sachsen die erste Ausgabe der Online-Zeitschrift „Der Grenzgänger“ an Freunde und Bekannte. Mit der Ausgabe im Juli 2021 sind es nun 100 Nummern geworden. Wir beglückwünschen Möckel zu seiner großartigen ehrenamtlichen Leistung und hoffen, daß er weiterhin Zeit und Muße findet, den „Grenzgänger“ zu erstellen und herauszugeben.

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as Hauptaugenmerk der Zeitschrift richtet sich auf das westliche Böhmische Erzgebirge, ohne das mittlere und östliche Böhmische und auch das Sächsische Erzgebirge auszugrenzen. Auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen in der Tschechischen Republik werden in jeder Ausgabe beleuchtet. Für Möckel ist es nicht immer einfach, neben den Aufgaben in Familie und Beruf die nötige Zeit zu finden, im Sommer monatlich und in den Wintermonaten alle zwei Monate die Zeitschrift zu erstellen und online zu versenden. Zu dem zeitlichen Aufwand kommen zahlreiche Kilometer mit dem eigenen Auto dazu, um bei vielen Heimattreffen, kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen – vor allem im böhmischen Teil des Erzgebirges – präsent zu sein. Zu den historischen und aktuellen Berichten,

die Möckel selbst schreibt oder in historischen Zeitschriften ausfindig macht, ist inzwischen erfreulicherweise eine Reihe von Autoren dazugekommen, die ihre Text- und Bildbeiträge dem „Grenzgänger“ zur Verfügung stellen. Für eine künftige Zusammenarbeit der drei Zeitschriften konnte in Neudek im Dezember 2013 anläßlich einer Buchvorstellung des dortigen Vereins „Jde o Nejdek (JoN) – Es geht um Neudek“ eine kollegiale Vereinbarung zwischen mir für den Neudeker Heimatbrief, Jiří Kupilík für die tschechische Zeitschrift „Krušnohorský Herzgebirge Luft“ und Möckel für den „Grenzgänger“ getroffen werden ( Neudeker Heimatbrief, Nr. 532, 1/2014). „Der Grenzgänger“ ist somit keine Konkurrenz für den Neudeker Heimatbrief. Vielmehr bezieht der Neudeker Heimatbrief regelmäßig Artikel aus dem „Grenzgänger“. Dieser erscheint außerdem nicht in gedruckter Form, sondern ist ein reines Online-Magazin. Der Bezug des „Grenzgängers“ ist kostenlos. Man kann sich bei Möckel über dessen eMailAdresse anmelden: wirbelstein@ gmx.de. Alle bisherigen Ausgaben des „Grenzgängers“ lassen sich von der Internetseite https:// dh7ww6.wix.com/grenzgaenger herunterladen. Josef Grimm

Auf der Titelseite der Ausgabe 100 sehen wir Anton Günther Lehmann, den Enkel Anton Günthers, am Grab seines Großvaters in Gottesgab.

Freund des Erzgebirges aus Ungarn

Ádám Sonnevend 80 Ádám Sonnevend kam am 4. August 1941 als drittes Kind einer katholischen Familie mit sieben Kindern in Szombathely/Ungarn auf die Welt. Nun feierte er seinen 80. Geburtstag.

N

ach Volksschule und Gymnasium studierte er in Budapest Wirtschaftswissenschaften. 1961 fand in Rostock-Markgrafenheide ein Studentenaustausch zwischen Budapest und Leipzig statt. Dort lernte er Heide kennen, die aus der Altmark in Sachsen-Anhalt stammt. Sie studierte an der Universität Leipzig und war Betreuerin der ungarischen Studentengruppe. 1964 heirateten die beiden in Budapest. Anschließend wanderte Sonnevend in die „DDR“ aus und zog zu seiner Frau nach Leipzig. Dort arbeitete er als Gruppenleiter in einem volkseigenen Industriebetrieb. 1966 und 1968 kamen die beiden Söhne des Paares auf die Welt. 1970 zog die junge Familie nach Rostock, wo Sonnevend die Stelle des Referatsleiters für Planung und Statistik an der dortigen Universität übernahm. 1983 promovierte er an dieser Universität. Nach der Wende bekleidete er in Rostock neben seiner Berufstätigkeit mehrere verantwortungsvolle politische, kommunalpolitische und Vereinsämter.

Seit den 1970er Jahren betrieb die Universität Rostock mit der Technischen Hochschule Pilsen, heute Westböhmische Universität Pilsen – einen Urlauberaustausch. In diesem Rahmen konnten Mitarbeiter der Universität Rostock und deren Familien im Winter jeweils zehn Tage in einem Ferienhaus der Pilsener in Bärringen verbringen. Währenddessen konnten die Pilsener im Sommer des selben Jahres zehn

Dr. Ádám Sonnevend. Bild: Ulrich Möckel Tage in Studentenheimen der Universität Rostock an der Ostseeküste genießen. Sonnevend reiste ab 1980 zuerst mit seiner Familie, später

auch mit den Familien seiner Söhne, Jahr für Jahr im Winterurlaub zum Skilanglauf nach Bärringen. Die Liebe zum Erzgebirge ist ihm und seiner Frau Heide geblieben, wobei sie in den letzten Jahren zu einem Feriendomizil in Hengstererben wechselten. Sonnevend erkundete das ganze umliegende Böhmische Erzgebirge und wurde auf viele verfallende Zeugnisse der deutschen Vergangenheit aufmerksam. Der Verfall ließ ihm keine Ruhe. Deshalb gründete er 2010 den gemeinnützigen „Verein der Freunde und Förderer von Kupferberg/Měděnec“. Allerdings mußte dieser wegen der ablehnenden Haltung der dortigen Gemeindeverwaltung bald seine Tätigkeit einstellen. 2016 erfolgte die Umbenennung in „Verein für Freunde und Förderer des Böhmischen Erzgebirges“, dessen Vorsitzender Sonnevend bis heute ist. Der Verein hat seit 2010 mehr als 15 000 Euro Spenden gesammelt. Davon flossen in Kupferberg 1200 Euro in die Schaffung eines Bildkalenders, 2500 Euro in die Restaurierung eines Kirchenfensters, 2700 Euro in die Sanierung und Entwässerung der Kapelle auf dem Kupferhübel sowie in Schönlind, Oberhals und Neugeschrei 2000 Euro in die Sanierung der dortigen Kirchen, in Bärringen 600 Eu-

ro in die Sanierung der Marienkapelle, 1000 Euro in die Restaurierung der Christusstatue vor der Kirche, 1000 Euro in die Restaurierung und Komplettierung des zentralen Friedhofskreuzes, der Priestergräber und des Treppenzugangs und 600 Euro in den Neuguß der gestohlenen Tafel „Seehöhe 902,347 Met. ü. N.N.“ am Bahnhof. Der Verein durfte im Bärringer Stadtpark mit der Bürgermeisterin Jitka Tůmová im Rahmen eines Gemeindefestes eine für das Erzgebirge typische Eberesche als Baum der tschechisch-deutschen Freundschaft pflanzen. Sonnevend schreibt über seine Beziehung zum Erzgebirge: „Das Sudetenland, die Gegend um Bärringen ist mir neben Ungarn und Deutschland zur dritten Heimat geworden. Ich habe hier bisher fast ein Jahr meines Lebens verbracht. Ich komme hierher immer wieder wie nach Hause zurück. Kaum verlasse ich die Gegend, habe ich schon wieder Sehnsucht nach ihr. Ich glaube, an diesem Gefühl wird sich nie mehr etwas ändern.“ Sonnevend hat sich große Verdienste um unsere erzgebirgische Heimat erworben. Dafür danken wir ihm herzlich. Wir wünschen ihm alles Gute, vor allem Gesundheit, und daß ihm sein Elan und seine Schaffenskraft noch lange erhalten bleiben mögen. md/fm

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uch bei Bärringen blühen die sommerlichen Blumenwiesen in bunter Vielfalt. Bild: Ludmila Anderle

WIR GRATULIEREN Heimatkreis, Heimatgruppe „Glück auf“ und Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 13. August bis 23. September Geburtstag haben. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit. Rostock. Dr. Ádám Sonnevend (geboren in Ungarn), 18069 Rostock, Beethovenstraße 16, 4. August 1941. Abertham. Margarete Grimm, Reicholzrieder Straße 25, 87463 Dietmannsried, 28. August 1932. Bärringen. Adalbert Spieler (Lessighäuser), Bonhoefferstraße 16, 97078 Würzburg, 20. August 1933. Neuhammer. Annl Schippl/Faßmann Rosenstraße 2, 86465 Welden, 13. September 1926; Horst Rölz, Pestalozzistraße 12a, 64739 Höchst, 22. September 1931. Trinksaifen. Rudolf Schreiber (Rabenberg 20), Am Schmiedanger 10, 82346 Andechs, 20. August 1936.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

� Erfolgreiche Musikerin aus Neudek

Berta Růžička 90 Berta Růžička, geborene Dotzauer, kam am 17. Juli 1931 in Thein, einem Ortsteil von Lanz im Kreis Falkenau, als zweites von vier Kindern auf die Welt. Nun feierte sie ihren 90. Geburtstag.

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ie Eltern hatten einen Bauernhof. Und weil dieser für den Lebensunterhalt nicht ausreichte, arbeitete der Vater zusätzlich als Bergmann in der Grube Georg“ in Lanz. Berta Dotzauer ging dort in die Volksschule, und die Eltern wünschten, daß sie für die in jeder Familie übliche Hausmusik das Zitherspielen erlerne. Als der Krieg vorbei war und die Deutschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden, behielt man die Familie zurück. Der Vater arbeitete im Schacht, und die Tschechen wollten den Betrieb des Bergwerks aufrechterhalten. Dazu brauchten sie Fachleute, da die neu zugezogenen Tschechen

Berta Růžička.

Bild: privat

und Slowaken noch nie im Bergbau gearbeitet hatten. Die Familie verlor ihren Bauernhof an slowakische Neusiedler. Heimatverbliebene Deutsche durften damals keine weiterführende Schule besuchen oder in eine Lehre gehen. Deshalb trat Berta als Hilfsarbeiterin in die Zwodauer Textilfabrik ein. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen, einen Tschechen, der aus Neudek stammte und den die Neudeker Wollkämmerei als

Maschinenschlosser nach Zwodau abgeordnet hatte. Nach der Heirat zogen sie nach Neudek und bekamen drei Kinder. Berta Růžička vervollkommnete ihre Kenntnisse im Zitherspiel und sang zusätzlich im Kirchenchor. Zusammen mit zwei anderen heimatverbliebenen deutschen Frauen gründete sie im Jahr 1957 ein Gesangsund Zithertrio, das bald zu reisen begann und öffentliche Konzerte gab. Das war der Anfang ihrer weit über Neudek hinaus bekannten Karriere als Zitherspielerin und Sängerin. Den Lebensunterhalt für ihre Familie verdiente sie, zusätzlich zu dem Einkommen ihres Mannes, als Lebensmittelverkäuferin in Neudek. Diesen Beruf übte sie bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand aus. Wir beglückwünschen sie und würdigen ihre 31 Jahre lange Zusammenarbeit mit den „Kindern von damals“. Josef Grimm

Neuhammer.

� Neuhammer – Ein Dorf und seine Geschichte

Im 13. Jahrhundert Neuhammer liegt auf einer Höhe von 693 Metern über dem Meeresspiegel im Tal der Rohlau und des Weißen Baches. Die Gemeinde bestand aus den Ortsteilen Fritzenberg, Hofberg, Faunsberg, Schneebergergasse, Zenkelgasse, Wolfswinkel, Fladererberg, Ober-Neuhammer und Grund.

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ie Gemeinde war ein wichtiges Bergbau- und Industriezentrum der Region. Die mündliche Überlieferung des Bergbaus reicht bis ins 13. und 14. Jahrhundert zurück. Siedler, die aus Franken, Bayern, Sachsen und Thüringen gekommen waren, suchten im Tal der Rohlau und des Weißen Baches eine neue Existenz durch Abbau von Silber,

Berta Růžička mit ihrer Zither.

Zinn, Eisen und anderen Metallerzen. Auf dem Hofberg befand sich eine Glashütte namens Eulenhütte. Um die Glashütte herum entstanden die Anfänge einer dörflichen Siedlung, die erstmals 1582 in der Kirchenmatrik von Neudek erwähnt wurde. Aus der Siedlung wurde das Dorf Glashütten. Für die Errichtung einer Glashütte war der Abbau von Quarz sowie ausreichend Holz zum Brennen von Holzkohle wichtig. David Hausmann oder Christoph Schürer, der als erster in der Region Glas mit blauem Kobalt gefärbt haben soll, gründeten die Glashütte. Eine weitere Siedlung wurde um den alten Hammer in der

Ortschaft Am Hammer errichtet. Nach dem Bau eines neuen Hammers (aufgezeichnet im Jahr 1602) tauchte der Name Neuer Hammer auf, der bis heute erhalten blieb. Bei der Volkszählung der Einwohner im Jahr 1651 unterschied man noch zwischen letzterem Namen und Eulenhütte. Während des Dreißigjährigen Krieges verlor die Glasproduktion an Bedeutung. Gleichzeitig wuchs die Hammersiedlung dynamisch, und die Eulenhütte ging in ihr auf. Die Zinnmine befand sich am Fluß Rohlau. Zu den hiesigen Bergwerken gehörte die Grube Sankt Gregorius-Zeche, die bereits 1560 am Fuß des Peindl erwähnt wurde. Sie war bis zur

Bild: Anita Donderer

� Ein Pfeiler der Brücke der Verständigung

31 Jahre mit „Bertl“ Im Jahr 1990 fand in Neudek/ Nejdek das erste „Fest des guten Willens“ statt. Gleichzeitig wurde dort auch das Museum eröffnet. Das bayerisch-schwäbische Busunternehmen ProbstZenker bot eine Fahrt in die Heimat an, für die sich Anita Donderer und deren Eltern spontan anmeldeten. Donderer berichtet von ihren Begegnungen mit Berta „Bertl“ Růžička:

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n Neudek angekommen, begrüßte man uns mit über die Straße gespannten Bannern mit der Aufschrift „Fest des guten Willens“. Unser erster Besuch galt der Kirche und dem neu eröffneten Museum. Zwei heimatverbliebene deutsche Frauen, noch dazu gebürtige Neudekerinnen, die sehr erfreut über uns deutsche Besucher schienen, sangen dort und spielten auf der Zither. Eine der Künstlerinnen war Berta Růžička. Das war meine erste Begegnung mit „unserer Bertl“, wie wir sie mittlerweile nennen. Ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, daß sie inzwischen die Schwiegermutter des nach der Wende ersten demokratisch gewählten Bürgermeisters von Neudek, Jiří Bydžovský, war. Zuhause angekommen, entwickelte sich bei der Aufarbeitung des in der Heimat Erlebten die Idee, mit einigen Gleichaltrigen unseren Geburtsort zu besuchen. Aus dieser Idee entstand

im April 1991 unsere erste offizielle Fahrt nach Neudek. Wir, das heißt Herbert Götz und ich – man nannte uns inzwischen „die Kinder von damals“ –, wurden mit unserer Reisegruppe im Rathaus derart herzlich und freundschaftlich begrüßt, daß sich da­ raus eine bis heute bestehende Freundschaft entwickelte. Bei dem Empfang im Rathaus war Růžička als Mitglied des Stadtrats und auch als Dolmetscherin anwesend. Bei dem auf der Schönen Aussicht anberaumten Heimatabend erfreute sie zusammen mit zwei Sanges-Kolleginnen unsere Besuchergruppe mit Erzgebirgsliedern. So wurde Růžička Bestandteil unserer vielen Neudek-Besuche, die wir fast jährlich im Programm hatten. Sie war für uns nicht nur musikalisch, sondern auch als Mittlerin und Dolmetscherin eine wertvolle Stütze. Sie durfte auch bei dem Gemeinschaftskonzert im Jahr 2016, unter dem Motto „Musik verbindet – Hudba spojuje“, zusammen mit Künstlern aus Augsburg im Neudeker Kinosaal nicht fehlen. Růžička war stets einer der Höhepunkte unserer Begegnungen. Alle schienen sich zu freuen und lauschten ihrem Zitherspiel. Sogar ein Filmteam machten wir auf sie aufmerksam. Jörg Peter Schilling besuchte sie in ihrer Wohnung und machte Aufnahmen für seinen Film „Das Erzgebirge von Graslitz bis zum Keilberg“. 2020 begab sie sich in das

Seniorenheim nach Bärringen, in dem ich sie zusammen mit Götz besuchte. Da dieses Seniorenheim saniert oder neu gebaut werden sollte, mußten die Bewohner in das frühere Neudeker Krankenhaus umziehen. Dort konnte ich sie heuer Anfang Juli wiederum besuchen. Sie bewohnt nun – wieder zurück in Neudek – ein kleines Zimmer. Auf einem kleinen Tisch neben der Küchenzeile entdeckte ich ihre geliebte Zither, mit der sie, solange ich sie nun kenne, den Menschen viel Freude bereitet hat. Am 17.  Juli dieses Jahres konnte sie im Kreis ihrer Familie im Hotel Anna ihren 90. Geburtstag begehen. Im Namen der „Kinder von damals“ ist es mir eine Herzensangelegenheit, ihr dazu alles Gute zu wünschen, verbunden mit einem herzlichen Dank für all die vielen, schönen Stunden, die sie uns mit ihrer Zithermusik geschenkt hat. Wenn wir im Oktober das 30jährige Jubiläum unseres ersten offiziellen Besuches an unserem Geburtsort nachholen können, werden wir Růžička auf jeden Fall in unserer Mitte wissen wollen. Wir hoffen, daß uns dieser Wunsch trotz Corona-Pandemie erfüllt wird, damit wir uns nochmals persönlich bei ihr für alles bedanken können. Sie ist einer der Pfeiler unserer Verständigungsbrücke zwischen Augsburg und Neudek.

Ober-Neuhammer.

Wolfswinkel.

Bilder: Archiv Pavel Andrš, Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg-Göggingen


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NEUDEKER HEIMATBRIEF

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Klöpplerinnen an der Straße nach Platten.

begann der Bergbau in diesem Dorf Abwanderung der Bergleute, 1626 während der Gegenreformation aktiv. Später betrieb man an derselben Stelle die ergiebige Zinngrube Paul-Bären-Zeche. 1748 gründete man den SanktJohannes-Stollen, um das Bergwerk zu entwässern. Die neue Bergbaugesellschaft eröffnete 1763 einen Stollen. Sie begann, den Bergbau erfolgreich zu entwickeln, bis es zu einem verhängnisvollen Einsturz infolge des Abbaus in den ertragreichen Parzellen kam. Die Sankt-Gregorius-Zeche war bis 1765 in Betrieb, dann wurde sie aufgegeben. Der Abbau in der Paul-Bären-Zeche wurde wieder aufgenommen und dauerte bis 1820. Zu den weiteren Gruben gehörte die Zinnzeche „auf der Kutten“, ebenfalls im Gebiet des Peindl. Die Reste dieser Mine beseitigte man bei dem Bau des Neuhammer Bahnhofs Ende des 19. Jahrhunderts. Die Grube hinterließ an der Oberfläche einen Streifen aus Pingen – Vertiefungen im Boden – und Halden, der bei Kilometer 26,9 die Bahnlinie kreuzt und sich durch einen Graben mit Erhebungen auf beiden Seiten bis zu dem Haus Nummer 58 fortsetzt. In historischen Quellen wird auch die Dreispannenzinnzeche im Kaiserwinkel erwähnt. In der Nachbarschaft befand sich das Dreikärnische Zinnbergwerk an der Schneebergergasse im Tal der Rohlau oberhalb der Kurve der Eisenbahn bei Haus Nummer 28. Die Geschichte des Eisenerz-(Hämatit-)Abbaus reicht sogar bis in das Jahr 1556 zurück. Auf dem Bärringer Berg war die Stockbrunnenzeche in Betrieb. Aber der Abbau wurde wegen Unrentabilität um 1860 eingestellt. Auf demselben Hügel wurde auch der Schacht Fundgrube Sankt Michael angelegt. Eine weitere Eisenerz-Häma-

tit-Mine soll nur wenige JahNeuhammer gehörte ur- 1920er und 1930er Jahren wurre im 18. Jahrhundert am Nord- sprünglich zu der Pfarrei Neu- den zwei weitere Klassen eingehang des Peindl aktiv gewesen dek. Die Kirche des Heiligen richtet. sein, wo lange nach Nordosten Johannes von Nepomuk wur1870 eröffnete ein eigenes ausgerichtete Gräben und zahl- de 1789 erbaut, ihr Turm mit Sa- Postamt in der Gemeinde. Die reiche Pingen erhalten sind. Das kristei wurden erst 1810 errich- Postdienste wurden von Postilgeförderte Eisenerz wurde wahr- tet. Das ursprüngliche Pfarrhaus lionen gewährleistet, die täglich scheinlich in lokalen Hämmern stammt aus dem Jahr 1790 und auf der Strecke Karlsbad–Neuund Drahtmühlen, möglicher- wurde 1912 wegen Baufälligkeit dek–Hirschenstand–Eibenweise in Neudek, verhüttet und abgerissen und durch ein neues stock verkehrten. Im Mai 1899 weiterverarbeitet. ersetzt. eröffnete man in Sachsen die EiManganerzgruben erwähnten Im Jahr 1771 richtete man ei- senbahnlinie von Karlsbad nach Fachkreise in der zweiten Hälf- nen örtlichen Friedhof ein. Der Johanngeorgenstadt. Ab dem te des 19. Jahrhunderts. Wahr- lag oberhalb des heutigen Fried- 1. Januar 1906 wurde in der Gescheinlich war es die Bora-Zeche hofs und wurde mit dem Bau der meinde eine Gendarmeriestation zwischen Neuhammer und Hir- Kirche angelegt. Der bestehende betrieben, welche drei Polizisten schenstand, die ab 1842 Mangan- Friedhof wurde 1910 erweitert. besetzten. erz abbaute. Seit 1787 existiert in NeuhamAuch die sozialen AktivitäNach dem Theresianiten nahmen zu. Bereits schen Kataster von 1775 1875 wurde ein Kriegsverdienten die Einwohveteranenverein gegrünner ihren Lebensunterdet. 1882 schloß sich halt mit Bergbau, Holzder Männergesangsverbearbeitung, Viehzucht ein „Eichenkranz“ an. und Spitzenklöppeln. Und ab dem Ende des Neuhammer ist auch für 19. Jahrhunderts gab es die Produktion von Zinndort eine Feuerwehr. Die löffeln bekannt, die An1898 gegründete Kreditdreas Möschl 1797 eingenossenschaft hatte bei führte. Die erste Löffelfaihrer Gründung 22 Mitbrik sei, wie es heißt, im glieder. böhmischen Teil des ErzEine große Entwickgebirges gewesen. lung des Dorfes wurde in Später gründete man der Zwischenkriegszeit in Neuhammer zwei Löfverzeichnet. Bald nach felfabriken. In der Foldem Ende des Ersten gezeit entstanden in der Weltkriegs wurde die unmittelbaren UmgeElektrifizierung des Dorbung weitere Löffelfafes realisiert, welche die briken, zum Beispiel in Gemeinde umgerechNeudek, Bergstadt Platnet 14  488  Euro kosteten, Hirschenstand und te. Das erste elektrische Hochofen. 1865 waren in Licht wurde im Winter Neuhammer zwischen 40 Das Atelier des im westlichen Erzgebirge bekannten 1920 eingeschaltet. Erund 50 Arbeiter mit der Fotografen Rupert Fuchs. hebliche Investitionen Herstellung von Zinnwurden in den Bau und löffeln beschäftigt, die monatlich mer eine Schule. 1857 begann die Instandsetzung von Gemein72 000 Löffel aller Art produzier- man im Haus Nummer 81 mit destraßen und allgemeinem Geten. dem Unterrichten von Schülern. meindeeigentum getätigt. Das 19.  Jahrhundert brachte Ende 1859 wurde aus der einklasDas städtische Wasserversorder hiesigen Bevölkerung weite- sigen eine zweiklassige Schule. gungssystem, das in den 1930er re Beschäftigungsmöglichkeiten, 1874 wurde eine dritte Klasse er- Jahren realisiert wurde, kostete die sie in den Neudeker Fabriken öffnet, und im Januar 1879 folg- umgerechnet 11  811  Euro. Viefanden wie in der Wollspinnerei, te eine vierte Klasse. Zehn Jahre le neue Häuser wurden gebaut. dem Walzwerk (später Eisenhüt- später wurde die Schule um eine Im Juli 1924 wurde das Postte) und der Papierfabrik. weitere Klasse erweitert. In den amt um den Telegrafen- und Te-

Die winterliche Ortsmitte von Neuhammer mit dem Hotel Rohm, dem späteren Hotel Seifert.

lefondienst erweitert. Und fünf Jahre später wurde der Ort zum Sitz der Finanzwache (Zoll). Aufgrund einer namhaften tschechischen Minderheit wurde dort im September 1936 eine tschechische Gemeindeschule eröffnet. Im März 1937 erreichte die Gesamtbevölkerung von Neuhammer 2035 Einwohner. Neuhammer wurde ein beliebter Ort für Touristen, wovon mehrere Hotels und andere Unterkunftseinrichtungen zeugen, unter anderem die Hotels Seifert und Rohm. Rupert Fuchs (1892–1962), der berühmteste Fotograf des westlichen Erzgebirges, verbrachte einen Teil seines Lebens an diesem Ort und richtete sich im Haus Nummer 264 ein Atelier ein. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu einem Austausch der Bevölkerung. Die deutschen Einwohner wurden in die alliierten Besatzungszonen Deutschlands vertrieben, aber es blieben doch vergleichsweise viele Deutsche zurück. Nach Neuhammer kamen Tschechen aus dem Landesinneren und zu einem großen Teil auch Rückwanderer aus Oberschlesien, vor allem kamen auch Wiener Tschechen. Nach 1945 verwalteten die örtliche Verwaltungskommission und das örtliche Nationalkomitee das Dorf. In der örtlichen einklassigen Schule im Haus Nummer 81 wurde ab Herbst 1945 tschechisch unterrichtet. Am 29.  November 1945 waren es 35 Jungen und Mädchen. Die erste Lehrerin und Verwalterin der Schule war Josefa Pilátová, die von Jan Chorazy abgelöst wurde. Später arbeitete dort lange Zeit Otmar Pawlita. Der Kindergarten unter der Leitung von Naděžda Skálová nahm seine Tätigkeit am 1. September 1946 auf. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wuchs

Die Kirche in Neuhammer in den 1930er Jahren.

die Gemeinde dank der Eröffnung eines chemischen Erzverarbeitungswerkes zwischen Neudek und Neuhammer in den frühen 1950er Jahren, bei dem viele Einwohner Arbeit fanden. Die Schließung des Werkes 1965 trug zur allmählichen Entvölkerung des Dorfes bei. Noch in den 1960er Jahren zog die Bevölkerung hauptsächlich in das nahe Neudek oder entschied sich für die Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. Die Schließung der chemischen Erzaufbereitungsanlage wirkte sich auch auf den Bahnverkehr aus. Im örtlichen Bahnhof zog man den Bahnhofsvorsteher und die Fahrdienstleiter ab, aber der Fahrkartenschalter wurde bis 1997 betrieben. Die Grundschule für die Klassen eins bis fünf wurde in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre geschlossen. Der Wohnungsbestand erlitt nach 1945 große Verluste, viele Häuser wurden abgerissen oder zu Ferienhäusern umfunktioniert. Ende 1975 verlor Neuhammer seine Selbständigkeit. Und ab Januar 1976 wurde es zusammen mit Hirschenstand in die Stadt Neudek eingegliedert. Nach den veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen nach 1989 bemühten sich die Bürger von Neuhammer um die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit, die sie im März 1990 bekamen. Seitdem hat sich die Zahl der ständigen Einwohner erhöht, die Bautätigkeit wurde durch den Bau von Häusern unterstützt, und eine Reihe von Projekten wurde zum Wohl des Dorfes umgesetzt. Dabei besteht kein Zweifel, daß die kommunale Autonomie der Gemeinde zugute gekommen ist. Pavel Andrš Aus „Krušnohorský Herzgebirge Luft“ vom Juli und von Josef Grimm aus dem Tschechischen


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Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

Teplitz-Schönau und Pirna

Zeit gezeichnet – Eulenspiegeleien von Peter Dittrich Mitte Juni eröffnete im Stadtmuseum im sächsischen Pirna die Galerieausstellung „Zeit gezeichnet – Eulenspiegeleien von Peter Dittrich“. Anlaß war der 90. Geburtstag des in Teplitz-Schönau geborenen Karikaturisten.

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m 31. Juli 1931 kam Peter Dittrich als Sohn eines Lithographen in TeplitzSchönau zur Welt. Die Familie siedelte zwischen 1936 und 1945 mehrfach zwischen Aussig und Dresden hin und her. Ab 1940 wuchs er in Dresden auf, kehrte allerdings 1945 vorübergehend in seine Heimat zurück. Nach Kriegsende vertrieben die Tschechen ihn und seine Familie. Nun begann eine Odyssee durch mehrere Internierungslager bis nach Ribnitz-Damgarten in Mecklenburg.

Blick auf die und Blick aus der Riesenburg.

Landeskunde – Teplitz-Schönau – Teil I

Burgen und Schlösser Mit der Gebietsreform 1965 kamen die ehemaligen Bezirke Dux und Bilin größtenteils zum Kreis Teplitz-Schönau. Nur an den Rändern wurden einige Gemeinden an die Nachbarkreise Aussig und Brüx abgegeben. Nach der Reform erschien ein Faltblatt in deutscher Sprache, welches Burgen und Schlösser des neuen Kreises Teplitz-Schönau vorstellt. Herbert Ring berichtet.

Bereits im Mittelalter thronten über der hiesigen Landschaft sechs Burgen. Deren Existenz im Grenzgebiet des Erzgebirges

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as Gebiet von TeplitzSchönau ist im Norden durch den gewaltigen Kamm des Erzgebirges begrenzt und auf der gegenüberliegenden Seite durch die vulkanisch geprägten Kegel und den Rükken des Böhmischen Mittelgebirges. Dieses gehört zu den sehenswürdigsten Gebieten Nordböhmens. Und dies liegt nicht nur an der Lage im Zentrum einer umfangreichen Industriezusammenballung, sondern auch an der vielgestaltigen Bedeutung der dort konzentrierten Werte.

hatte auch eine wichtige strategische Bedeutung, vor allem als Schutz gegen die Eroberungen der sächsischen Fürsten. Umgekehrt gab es auch Besitzun-

gen böhmischer Geschlechter in Sachsen. Allein der Name Riesenburg verrät den großartigen Bau, den

bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts. Oft spielte sie mit ihren Besitzern eine Schlüsselrolle in der Geschichte Böhmens. Eine weitere mittelalterliche Burg ist die Geiersburg. Deren Ruine oberhalb von Hohenstein erinnert nur noch entfernt an den einstigen Ruhm ihres Besitzers. Die Burg wurde anstelle der alten Schutzburg Kulm während der Herrschaft von Johann von LuLinks Trumreste der Geiersburg, oben Blick xemburg erbaut. Sie dienins Innere und unten ein Wohnraum im te dem Schutz des GrenzNordtrakt. übergangs nach Sachsen. Sie war im Besitz mehrerer bedeutender Geschlechter, unter anderem im Besitz von Ernst von Pardubitz, Bischof von Prag, und von Johann von Jenstein, Bischof von Meißen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde ebenfalls die nahe gelegene Burg Graupen errichtet. Diese ist mit der Geschichte des sächsischen Geman damals nur mit der Grö- schlechts der Kolditz verbunden. ße der königlichen Burgen mes- Damals nahm dieses Geschlecht sen konnte. Ihr Begründer war eine bedeutende Stellung am Borso I. aus dem Geschlecht der Hof der böhmischen Könige ein. Hrabischitze. Die Burg entstand Fortsetzung folgt

erschienenen Satirezeitschrift ,Eulenspiegel‘ und zählte zu den produktivsten und vielseitigsten Grafikern seines Metiers. Sein über 40jähriges Schaffen war einerseits geprägt von der politischen Karikatur in Zeiten des Kalten Krieges, weltweiter Umweltzerstörung und der Kritik am Kapitalismus. Andererseits hielt er geradezu dokumentarisch dem ,DDR‘-Alltag mit seiner Nischenkultur, Mangelwirtschaft und den Tücken des täglichen Lebens den Spiegel vor. Er thematisierte detailversessen den oft fragwürdigen Umgang mit Geschichte und Baudenkmalen, prangerte den modernen Städtebau, die mißratene Kunst am Bau, die kitschige Konsumgüterproduktion oder die verordnete Kulturpolitik an. Als scharfsinniger Beobachter der Gesellschaft war er nicht nur ein gefragter Pressezeichner, sondern arbeitete auch für das Trickfilmstudio in Dresden sowie für den Deutschen Fernsehfunk. Die Umbruchzeit Anfang der 1990er Jahre begleitete er mit kritischem Blick. Seine aktuellen Tageskarikaturen für die ,Sächsische Zeitung‘ 1990/1991 zeigen ihn erneut als scharfsinnigen Augenzeugen auch in dieser geschichtsträchtigen Periode fernab vom allgemeinen ,HurraGeschrei‘. Weiterhin illustrierte Peter Dittrich Jugendbücher für den Kinderbuchverlag Berlin.“ Immerhin soll er laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia die „DDR“-Staatsauszeichnung Vaterländischer Verdiensorden erhalten haben. Nadira Hurnaus

Erst im Sommer 1947 erhielt die Familie eine Zuzugsgenehmigung nach Dresden. 1948 begann er an der dortigen Hochschule für Bildende Künste bei Erich Fraaß (1893–1974) und Otto Dix (1891–1969) zu studieren. Der Weggang vieler fähiger Lehrkräfte führte 1951 zum Wechsel an die Hochschule für Angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Nach Beendigung der Ausbildung 1952 war er freiberuflicher Buchillustrator, Pressezeichner, Karikaturist und Trickfilmgestalter. 1993 erschienen seine letzten Arbeiten im „Eulenspiegel“ über die Wiedervereinigung Deutschlands. Seit jenem Jahr lebte er zurückgezogen in Petershagen/ Eggersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg. Dort starb er am 10. August 2009 an Krebs. Das Stadtmuseum Pirna zeigt in seiner Ausstellung bis 3. Oktober einen Querschnitt von Dittrichs vielseitigem Schaffen. Auf der Internetseite des Stadtmuseums steht: „Er war Mitbegründer der ab 1. Mai 1954 https://youtu.be/pcFhUQr76EU lautet die Internetadresse, über die man zum Video der Vernissage kommt. wöchentlich

KORREKTUR

Z

Tor zur und …

… Anlage der Burgruine Graupen.

um Artikel „Vergangenheitsbewältigung“ über die Idee eines Denkmals für die örtlichen Kriegsgefallenen von Vilém Barák aus Groß Steurowitz/ Starovice im südmährischen Kreis Nikolsburg an der Grenze zu Niederösterreich ( HR 29/2021).

Daß dieser Artikel über einen Ort in Südmähren unter der Dachzeile „Warnsdorf/Tetschen“ auf der Seite des Heimatrufs für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau im Böhmischen Mittelgebirge erschien, ist natürlich ein Versehen, das wir bedauern. Die Redaktion


HEIMATBOTE

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Bischofteinitz

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Ronsperg

15 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Alex nord

Haltestellen

Die Wucht des Aufpralls schiebt den ersten Waggon des tschechischen Triebwagens an die Lokomotive des Alex.

Endlich sind die Züge getrennt. Das tschechisch-deutsche Einsatzkommando hilft, die Schrecken dieses Mittwochmorgens zu lindern.

Nun versuchen die Rettungskräfte, die Verunglückten aus den verkeilten Zügen zu bergen. Bilder: Karl Reitmeier

Die aufgerissene die Lokomotive des Alex, ein herauskatapultiertes Zugteil und die völlig zerstörte Fahrerkabine des tschechischen Triebwagens.

Mit dem Alex von München nicht nach Prag und nicht zurück

Zugunglück erschüttert Grenzregion chen Knall, der sie erschreckt habe. Schnell war klar, daß etwas Schreckliches passiert sein mußte. Sofort eilten die alarmierten Rettungskräfte, Polizei und Feu-

worden, mehr als 30 Personen Kreisverbandes Cham, Tobias werde alles getan, um zu helfen. hätten leichtere Verletzungen Muhr, sagte, daß man mit sechs Man unterstütze die tschechiwie Schürfwunden und Prellun- Rettungswagen, vier SEG-Trans- schen Kollegen der České dráhy gen erlitten. portern, vier Krankentransport- nach besten Kräften. Den VerPressesprecherin Brožová wagen und zwei Notärzten nach letzten wünsche er eine schnelle mußte ständig Interviews ge- Milawetsch gekommen sei. SEG Genesung. ben, da viele tschechische steht übrigens für SchnelleinFür Fahrgast- und Angehöund deutsche Fernsehteams satzgruppe. Auch der Rettungs- rigenfragen richtete die ČD die m 7.40 Uhr hatte der aus gekommen waren. Während hubschrauber Christoph 19 war Hotline (00 42) 09 50 33 03 30 München kommende die Schwerverletzten entwe- angefordert worden, um die ein. Die Länderbahn schaltete Schnellzug Alex der Länderder mit Rettungshubschrau- tschechischen Kollegen zu un- die Kontaktrufnummer (03 41) bahn den Grenzbahnhof Furth bern oder Rettungswagen in terstützen. 91 35 40 40. im Wald passiert. Kurz nach die Krankenhäuser abtransInsgesamt war der BRK-KreisDer Alex-Zug war nach bisacht Uhr stieß er am Eingang portiert wurden, wurden die verband Cham mit rund 40 Ret- herigen Erkenntnissen mit etder Ortschaft Milawetsch/ Leichtverletzten zunächst in tungskräften vor Ort, was die wa 20 Reisenden aus DeutschMilavče rund fünf Kilometer das Kulturzentrum von Mila- einheimische Bevölkerung mit land am Grenzbahnhof Furth im östlich von Taus mit dem Rewetsch gebracht und dort not- anerkennenden Worten quittier- Wald an die České dráhy (ČD) gioshark genannten Regionalärztlich versorgt. Danach wur- te. Die Rettungskräfte aus dem zur Weiterfahrt nach Prag überzug der Tschechischen Bahn/ Tobias Muhr, Katastrophenschutzleiter den über die weiteren Maß- Landkreis Cham halfen auch im geben worden. Die Länderbahn České dráhy (ČD) zusammen. der BRK-Kreisverbandes Cham, weist ei- nahmen für die Verletzten verantwortet den Betrieb der Die Wucht des Aufpralls war nen Rettungswagen ein. entschieden. Züge nur im deutschen Strekso stark, daß beide Züge etwas Eine Tschechin, die auch kenabschnitt. Im tschechizurückgeschleudert wurden. Of- erwehrleute an die Unglücks- die deutsche Staatsangehörigschen Streckenabschnitt zwifenbar hatte einer der Lok-Führer stelle, wo sich ihnen ein Bild des keit besitzt und bei Treffen von schen Taus und Stankau ist ein Haltesignal übersehen. Beide Grauens mit schreienden und Senioren aus Taus und Furth der Zugverkehr des Alex auf Lokführer bezahlten die Kollisi- schockierten Verletzen bot. Wie im Wald öfters dolmetscht, der Linie München–Prag unon mit dem Leben. Verletzt wur- sich im Verlaufe des Vormittags stand völlig unter Schock. „So terbrochen. Die Alex-Züge aus den nach ersten Angaben sieben herausstellte, hatten beide Lok- etwas kenne ich nur aus dem Deutschland enden bereits in Personen schwer, während 40 mit führer keine Chance, den Auf- Fernsehen. Und jetzt war ich Furth im Wald. Die Strecke leichteren Verletzungen davon- prall zu überleben. Auch eine selber in diesem Unglücksbleibt voraussichtlich längekommen. An der Unglücksstel- Frau kam bei dem Unglück um. zug.“, Zum Glück hatte sie re Zeit gesperrt. Die Tschechile waren auch Rettungskräfte aus Laut Pressesprecherin der Po- es nicht schlimm erwischt, da Der Rettungshubschrauber Christoph 19 sche Bahn bietet gegenwärtig dem Landkreis Cham im Einsatz. lizei in Taus, Dagmar Brožová, sie im Zug weiter hinten saß. trifft an der Unglücksstelle ein. einen Schienenersatzverkehr Der Alex war um 4.44 Uhr konnten zunächst keine genau- Sie wollte an diesem Tag nach zwischen Furth im Wald und am Hauptbahnhof in München en Angaben über die Unglücks- Prag fahren. Kulturzentrum bei der Versor- Stankau. mit dem Ziel Prag gestartet und ursache gemacht werden. Doch Bewährt hat sich das grenz- gung der Verletzten. Unter den An die Unglücksstelle waren pünktlich in Furth im Wald im tschechische Medien berichteten überschreitende Rettungszen- Fahrgästen hatten sich auch ei- sofort auch Verkehrsminister Kaoberpfälzischen Landkreis Cham sehr bald, daß der tschechische trum in Furth im Wald. Eine Ab- nige Deutsche befunden, von de- rel Havlíček und Regionspräsiangekommen, wo weitere Fahr- Lok-Führer des Alex ein Warnsi- schnittsleiterin dieses Zentrums nen ebenfalls einige verletzt wa- dentin Ilona Mauritzová gekomgäste zustiegen. Dort wechsel- gnal übersehen habe. koordinierte den Einsatz der ein- ren. Sie wurden später vom BRK- men. „Die Situation ist ernst“, te wie immer das Personal. PerBrožová teilte mit, daß es sie- treffenden Rettungskräfte aus Kreisverband nach Deutschland sagte Havliček. Er lobte die Resonal der Tschechischen Bahn ben Schwerverletzte und rund dem Landkreis Cham. Der Ka- zurückgebracht. Nach ersten aktion der Rettungskräfte, die übernahm dort den Alex. Näch- 30 Leichtverletzte gegeben ha- tastrophenschutzleiter des BRK- Schätzungen beläuft sich der schnell vor Ort gewesen seien. ster Halt war dann schon auf der be. Diese Sachschaden Erst vor einem Jahr war es auf tschechischen Seite in Taus, wo Zahlen wurauf umge- der Strecke zwischen Klattau und weitere Passagiere zustiegen. den später rechnet vier Taus bei Neugedein zu einem Von dort setzte sich der Alex wie- noch etwas Millionen Zugunglück gekommen. Damals der in Bewegung. nach oben Euro. wurden 18 Personen verletzt. Auf Wenige Kilometer später ge- korrigiert: Wolfgang den Tag genau vor sechs Jahren schah das Unglück an der Stel- Zehn MenPollety, Ge- waren am Bahnhof in Horaschdole, an der die beiden Gleise wie- schen seien schäftsführer witz im Bezirk Pilsen zwei Hochder in eine Fahrspur überge- mit schweder Länder- geschwindigkeitszüge kollidiert, hen. Genau zu diesem Zeitpunkt ren bis lebahn, sprach bei denen es 50 Verletzte gegekam der tschechische Regios- bensgefährvon schreck- ben hatte. Der Unfall ist das trahark dem deutschen Alex ent- lichen Verlichen Bil- gischste Zugunglück in Europa gegen, und die Züge stießen mit letzungen in dern aus der seit zweieinhalb Jahren. Damals unglaublicher Wucht zusammen. tschechische Tschechiwaren in Dänemark acht MenBewohner des Ortes Milawetsch Krankenhäu- Die Tauser Polizeisprecherin Dagmar Brožová im Dauereinsatz und Regions- schen Repu- schen bei einem Zugunglück sprachen von einem fürchterli- ser gebracht präsidentin Ilona Mauritzová im Gespräch vor Ort. blik. Vor Ort umgekommen. Zu einem schrecklichen Zugunglück kam es am Mittwochmorgen der vergangenen Woche bei Taus nahe der bayerischen Grenze auf tschechischem Boden. Unser Korrespondent Karl Reitmeier berichtet.

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WIR GRATULIEREN Im August gratulieren wir herzlich folgendem treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten und wünschen ihm alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes überreichen Segen: Kleinsemlowitz. Am 30. Manfred Malzer (Haus-Nr. 13), 79 Jahre. Marianne Maurer Ortsbetreuerin

Ortsbetreuerecke

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erzlich gratulieren wir im August Angela Rybka, ehemalige Ortsbetreuerin von Pössigkau und Zemschen, am 6. zum 94. Geburtstag; Sigmar Mahal, Ortsbetreuer von Schiefernau, am 8. zum 82. Geburtstag; Andreas Zuber, ehemaliger Ortsbetreuer von Schiefernau, am 10. zum 90. Geburtstag; Manfred Maschauer, Mitarbeiter des Heimatboten, am 12. zum 83. Geburtstag; Anna Hitzler, Ortsbetreuerin von Murchowa, am 16. zum 91. Geburtstag; Walter Schröpfer, Ortsbetreuer von Rindl und Kreisrat, am 20. zum 81. Geburtstag sowie Johanna Heitzer, Ortsbetreuerin von Vollmau, am 21. zum 81. Geburtstag. Wir wünschen den Landsleuten alles Gute, Gottes Segen sowie noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 32+33 | 13. 8. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil XI

Priester unter kommunistischer Lupe

Im Osten der Stadt an der Straße nach Haid liegt an einer Heilquelle die 1525 erbaute Heiliggeistkirche. Die ursprüngliche Kapelle wurde im Laufe der Zeit zu einer Wallfahrtskirche vergrößert und 1915 im Barockstil renoviert. Die Heiligkreuzschwestern betreuten die Wallfahrt bis zu ihrer Internierung 1950. Danach verfiel die Kirche. Die Bilder von der Empore und der Kanzel entstanden 1988, die Außenansicht wurde 2017 fotografiert. Bilder: Rich Hein (2), MiPi (1) Aktion, der Landwirtschaftli- ihm vom Bezirk geschickt, und Die Kirche war gänzlich un- der Mittel nicht ziemperlich und chen Produktionsgenossenschaft er muß das jetzt vorlesen.‘“ Wöll- terjocht, die Tätigkeiten lahmge- schreckten auch vor Drohungen (LPG) und der Friedensbewe- ner verzog sein Gesicht. Aber be- legt. Das war aber nicht genug. und Demagogie nicht zurück. gung. vor er etwas sagen konnte, rief Die Priester sollten zum SchweiEs gab Fälle, bei denen die Eines Tages nach der Rück- der Vertreter des Schulministe- gen gebracht und gleichgeschal- Anmeldungen einfach in den Pait verschiedenen Devisen, kehr von der Schule warteten riums: „Ja, Sie haben recht. Ich tet werden. Deshalb wurde gleich pierkorb geworfen wurden. Ein Demagogie, bombastischen vier Männer auf mich im Bünach 1951 das Internatsschu- anderes Mal ordnete der LehMeine Welt waren Bücher, Phrasen und Terror versuchte ro. Persönlich kannte ich nur lungswesen wieder aufge- rer an, die Anmeldungen alle auf die Kommunistische Partei ihre das Kreisnationalausschuß- Studium, Geschichte und Farben nommen. Diese politischen einmal am letzten Tag zu bringen „bessere Welt“ zu schaffen und mitglied Hutta. Nun habe ich 14tägigen Schulungen fan- – und an diesem Tag erschien ihre materialistische und athe- František Wöllner vom Bezirks- kenne das.“ Und fügte hinzu: den in Prag im Seminargebäu- der Lehrer nicht. So kam es daistische Ideologie zu verbreiten. nationalausschuß sowie Vertreter „Ich hörte, daß Sie mit dem Tach- de in Dejwitz statt. Nach einem zu, daß die Frist verstrich und Zahllose Konferenzen, Sitzun- der Abteilung für Kirchenange- auer Museum zusammenarbei- festgelegten Plan wurden Prie- die Anmeldungen nicht mehr gen oder Besprechungen präg- legenheiten des Schulministeri- ten, das bald öffnen soll. Das ist ster aus verschiedenen Diözesen angenommen werden konnten. ten diesen langen Zeitraum. Die- ums, deren Namen ich überhör- auch höchst erforderlich.“ Und nach Prag einbestellt. Täglich Die Lehrer hatten oft mit grose wurden mindestens einmal im te, kennengelernt. Nach einem seitdem hat mich niemand mehr gab es zwei bis drei ätzende und ben Methoden die religiöse EinMonat einberufen. Meistens fan- längeren und nichtssagenden mit den Problemen der Genos- trockene Vorträge. Eine Diskus- stellung der Eltern vor den Kinden sie am Sitz des Kreisnatio- Gespräch erhielt ich von einem senschaft belästigt. sion und Fragen folgtn. Schein- dern lächerlich gemacht, katholinalausschusses statt. Vorsitzen- die direkte Frage, wie ich mich Ja, Bücher, Studium und vor bar zeitigte dieses Unternehmen sche Kinder wurden vor anderen der war und das Hauptwort führ- in die Aktion und vorbereitenden allem Geschichte – das war mei- nicht die erwarteten Früchte. Die Schülern erniedrigt, so daß einite der Kreiskirchensekretär. Oft Arbeiten für die Gründung der ne Welt. Und dann Farben und Schulungen wurden plötzlich ge Kinder aus Angst die Anmelnahmen der Priester und kom- LPG eingebracht hätte. Und wie Pinsel. In dieser nervenrauben- eingestellt. dungen in der Schule erst gar munistische Funktionäre teil, ich mich an der Umgestaltung den Zeit schrieb ich viel, und Zu dieser tristen Zeit traf die nicht abgaben. fast regelmäßig der Vorsitzen- der ländlichen Gegend beteilige. manchmal malte ich. Die Bil- Seelsorge ein weiterer schmerzSo kam es zu Konflikten zwide des KreisnationalausschusIch sagte klar und deutlich, der sind zwar keine Kunstwer- hafter Schlag. Der Religions- schen Eltern und deren Kindern. ses. Obwohl es Kirchenversamm- daß diese Probleme gänzlich au- ke, es sind Bilder eines Autodik- unterricht von Kindern bedurf- Die Schule und die Lehrer hatlungen mit Priestern sein sollten, ßerhalb des priesterlichen Wir- taten, aber ich schätze sie aus ei- te nunmehr der Unterschrift bei- ten die ganze pädagogische und waren Fragen der Politik, Land- kens seien, außerdem verstün- nem anderen Grund. Jedes Bild der Elternteile. Die Anmeldung proklamierte Zusammenarbeit wirtschaft und später auch des de ich nichts von Landwirtschaft, hat ein Datum, und jedes Datum wurde direkt dem Schuldirek- mit den Eltern auf den Kopf ge„Weltfriedens“ die einzigen The- da ich aus der Stadt stamme. Die weckt Erinnerungen an ein Er- tor oder dem Klassenleiter zuge- stellt. In den Seelen der Kinder men. Siedler wüßten dies gut und er- eignis. stellt. Den Priestern war es strikt zerstörten sie die Autorität der In dieser düsteren Zeit leb1954 begann ich, an der verboten, diese Aktion irgendwie Eltern. Die Konsequenz dieses te jeder Priester wie unter ei- Mein Forum ist die Kanzel in der Geschichte des Tachauer zu beeinflussen. Selbst die Eltern brutalen Drucks der Schule war Kirche. Dort lege ich Moral aus Umlandes zu arbeiten. Mit durften nicht unterwiesen wer- die zweigleisige Erziehung der ner Lupe. Jeder seiner Schritte wurde beobachtet, jedes dem Sammeln von Quellen den – sie mußten abseits stehen. Kinder: zu Hause religiös, in der seiner Worte analysiert. Unter warteten deshalb von mir keiner- und dem Studium alter Matri- Obwohl behauptet wurde, daß Schule atheistisch. Der CharakKontrolle war auch seine Korre- lei Ratschläge. Sie wandten ein, ken ab dem Jahr 1588 verbrachte die Religionsfreiheit hierdurch ter der Kinder wurde gewalttäspondenz. daß ich gerade als Priester alle ich viel Zeit. Die Matriken hatte nicht eingeschränkt oder verletzt tig gespalten. Was würde Johann Wir wußten dies und hatten zur Gewissenhaftigkeit und bes- ich, noch bevor sie aus der Pfarrei werde, war das Gegenteil wahr! Amos Comenius dazu sagen, dafür auch handfeste Beweise. seren Arbeitsmoral führen sol- entfernt wurden, gründlich stuDie Priester mußten zusehen, dessen Andenken gerade LehEinige Briefe wurden gar nicht le. Ich wies darauf hin, daß mein diert. Heute ist die Arbeit been- wie die Schulleitung oder ande- rer jährlich feiern und unter sich zugestellt, andere kamen mit Forum die Kanzlei sei, und von det und für den Druck vorberei- re Organisationen alle Bemü- die Auszeichnung „Vorbildlicher Verspätung. Ich war einmal Zeu- dort aus hätten die Menschen die tet. Ich hatte Gelegenheit noch hungen unternahmen, daß die Lehrer“ verteilen? Was würde ge, wie bei der Sortierung der Möglichkeit, jeden Sonntag mei- mit einigen Quellen zu arbei- Anzahl der Anmeldungen auf Comenius dieser Verunstaltung Post einige Briefsendungen zur ne Auslegung von Moral zu hö- ten, die heute entweder vernich- ein Minimum reduziert wurde. von Kinderseelen sagen? Seite gelegt wurden. Die Post ren. Aber das war immer noch tet oder für Historiker unerreich- Es ist nachgewiesen – und die Eltern in Neustadtl, die bereit hatte Anweisungen und befolgte nicht das, was sie hören wollten. bar sind. Lehrer hielten es nicht sonder- waren, für ihre religiöse Überdiese. Die Postzustellerin Anna Wöllner meinte, daß nur ein Später haben sich Begrifzeugung Opfer zu bringen, Charakter und Seele der Kinder gab es wirklich wenig. Fast Hroudová war im Kern nicht bö- kleiner Teil der Genossenschaft fe wie „Friedenskonferenz“ wurden gewalttätig gespalten se, sie war nur sehr naiv. in die Kirche gehe, und es für oder „Aussprache“ eingebürwie ein plumper Scherz erDie andauernde verdächti- die Sache ein großer Beitrag wä- gert. Die Stimmung der Anscheinen vor diesem Hintergende Aufsicht der Bezirks- und re, wenn ich zum Beispiel jeden wesenden war regelmäßig be- lich geheim –, daß es selbstver- grund die Worte des VorsitzenKreisnationalausschüsse, dazu Samstagabend über die Themen drückt, angespannt, verängstigt ständlich war, die Anmeldung den des Örtlichen Nationalausderen Versuche, die Priester in im Ortsrundfunk sprechen wür- und die Diskussion unfrucht- der Kinder mit allen Mitteln zu schusses im Schreiben von 1947: ihre Interessen einzubeziehen, de – das würden dann alle hö- bar, phrasenreich und praktisch erschweren und zu verhindern. „An den hiesigen Schulen ist der die der priesterlichen Berufung ren. Ich wußte, worauf er hinaus gleich null. Die Teilnahme war Die Eltern wurden eingeschüch- Bedarf eines Priesters sehr dringund der Seelsorge fremd waren, wollte, deshalb sagte ich direkt: streng kontrolliert, und über den tert, die Kinder dem Gespött aus- lich … Religion wird nicht unterdas alles erschwerte die Arbeit „Und wissen Sie, was das Ergeb- Verlauf der Konferenz wurden gesetzt. Die Lehrer überzeugten richtet, wodurch die Jugend auf und erschlug einen geistig. Ihr nis wäre? Alle hier in Neustadtl Informationen an übergeordnete die Eltern auf verschiedene Ar- die schiefe Ebene gerät.“ Fortsetzung folgt Interesse galt der Katholischen würden sagen: ,Das haben sie Amtsstellen weitergeleitet. ten, dabei waren sie bei der Wahl In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie Priester drangsaliert und Religionsunterricht verhindert werden.

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TERMINE n  Sonntag, 15. August, 11.00 Uhr, Kladrau: Deutschsprachiger Mariä-Himmelfahrts-Gottesdienst mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in der Klosterkirche. n  Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. n  Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Ober­ pfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-SchumacherAllee; 10.15  Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse  3a; 12.00  Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: Wolf-Dieter Hamperl, Adresse siehe Impressum. n  Freitag, 10. bis Sonntag, 12. September, Haider Loretofest: Freitag 17.00 Uhr Heilige Messe und Primizsegen mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus. Samstag 10.00 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen in der Loreto; anschließend Prozession mit der schwarzen Muttergottes durch den Park zur Schloßkapelle; 19.00 Uhr deutsche Pilgermesse mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Sonntag 8.00 Uhr Heilige Messe mit Pater Martin Duchoslav in der Kirche Sankt Nikolaus.

WIR GRATULIEREN Wir gratulieren folgenden treuen Abonnenten des Tachauer Heimatboten, die im August Geburtstag feiern, von Herzen und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen. n  Maschakotten. Am 20. Luitgard Puhr/Wurdack (Räs‘n, Haus-Nr. 12), 85 Jahre. Reinhold Wurdak Ortsbetreuer n  Strachowitz. Am 29. Josef Hermann (Gauchala), 80 Jahre. Werner Schlosser Ortsbetreuer

Ortsbetreuerecke

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erzlich gratulieren wir im August Helga Ernst, Stellvertretende Ortsbetreuerin von Ratzau, am 3. zum 60.  Geburtstag und Manfred Maschauer, Ortsbetreuer von Neuzedlisch, am 12. zum 83. Geburtstag. Wir wünschen Gesundheit sowie Gottes Segen und danken für alle Arbeit für unsere Heimat. Sieglinde Wolf Stellvertretende Heimatkreisbetreuerin


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