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Sudetendeutsche Zeitung 30. Juli 2021 Ausgabe 30

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Sylvia Stierstorfer: Vertriebenenpolitik ist gelebte Verständigungspolitik (Seite 3)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

VOLKSBOTE

Postvertriebsstück · Deutsche Post AG · Entgelt bezahlt Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH · Hochstraße 8 · D-81669 München · eMail zeitung@sudeten.de

Jahrgang 73 | Folge 30 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 30. Juli 2021

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Erfolg für die europäische Initiative von führenden Kurorten

Volker Jobst, Bundesvüarstäiha des Bundes der Eghalanda Gmoin e.V.

Eghalanda Gmoin:

Gemischte Gefühle Die Ernennung der drei Egerländer Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad zum Weltkulturerbe ist von den Eghalanda Gmoin mit Freude, aber auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden.

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ir Egerländer sind natürlich erfreut über die Auszeichnung dieser drei weltberühmten Kurstädte und die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO“, sagt Volker Jobst, Bundesvüarstäiha des Bundes der Eghalanda Gmoin, zur Sudetendeutschen Zeitung. Die Aufnahme ins Weltkulturerbe sei mehr als nur eine Auszeichnung. „Die Städte gehen damit auch die Verpflichtung ein, diese Kulturschätze nachhaltig zu schützen, um den UNESCOStatus nicht wieder aberkannt zu bekommen. Und dies wiederum kann nur im Interesse der Egerländer sein“, so Jobst. Nicht aus den Augen verloren werden dürfe aber bei aller Freude, „daß diese Bäder mit ihrer einzigartigen Bäderarchitektur von Deutschen errichtet wurden“, erklärt Jobst. Insbesondere für Nichtegerländer würden die drei Weltbäder des Bäderdreiecks neben Eger zu den bekanntesten und beliebtesten Reisezielen im Egerland gehören, erklärt der Bundesvorsitzende. „Die Egerländer der Bekenntnis- und Erlebnisgeneration zieht es bei Reisen in unser Egerland primär in die eigenen Geburtsstädte beziehungsweise in die der Eltern und Großeltern. Dann folgen aber schon schnell die nun ausgezeichneten Weltbäder Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, wobei jedes dieser Weltbäder einen eigenen und unverwechselbaren Charakter hat“, sagt Jobst und fügt erklärend hinzu, daß bereits Johann Wolfgang von Goethe alle drei Orte besucht hatte.

UNESCO zeichnet drei Kurorte im Egerland als Weltkulturerbe aus Erfolg für die europäische Initiative „Great Spas of Europe“: Am Samstag hat die UNESCO elf Kurorte als Weltkulturerbe ausgezeichnet, darunter mit Karlsbad, Marienbad und Franzensbad drei Heilbäder aus dem Egerland.

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Karlsbad

ie Heilwirkung der Karlsbader Thermalquellen war bereits im 14. Jahrhundert bekannt. 1370 erhob der römische Kaiser und böhmische König Karl IV. den später nach ihm benannten Ort zur Königsstadt. 1711 wurde in Karlsbad das erste Kurhaus errichtet. Zu den prominenten Kurgästen gehörten Zar Peter der Große , Ludwig van Beethoven, Fréderic Chopin, Johannes Brahms, Robert Schumann, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe, der auch in Marienbad und Franzensbad weilte. Karlsbad ist heute der meistbesuchte Kurort in der Tschechischen Republik.

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owohl das böhmische Bäderdreieck als auch die Mathildenhöhe bei Darmstadt (siehe unten) gehören zu den herausragenden Blüten sudetendeutscher Kultur. Wir sind stolz, daß diese Orte als Weltkulturerbe anerkannt sind“, kommentierte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, die Entscheidung der UNESCO. Die Auszeichnung, so Posselt, sei auch eine Verpflichtung, diese besonderen Orte für kommende Generationen zu erhalten. „Die erfolgreiche Bewerbung ist ein hervorragendes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit zwischen Ministerien und Institutionen sowie Experten aus sieben europäischen Ländern“, freut sich der tschechische Kulturminister Lubomír Zaorálek (ČSSD). Neben den drei böhmischen Kurorten wurden auch BadenBaden, Bad Ems und Bad Kissingen (siehe unten) in Deutschland, Baden bei Wien, Spa in Belgien, Vichy in Frankreich, Montecatini Terme in Italien und Bath in England als Weltkulturerbe anerkannt. „Es war ein langer Prozeß, der mehr als zehn Jahre gedauert hat“, stellte die Karlsbader Bürgermeisterin Andrea Pfeffer Ferklová (ANO) fest. Ihr Marienbader Kollege Martin Kalina (Piraten) erklärte, man erwarte jetzt mehr Touristen, wolle aber den Fokus darauf richten, daß die Gäste länger blieben. Und der Bürgermeister von Franzensbad, Jan Kuchar (STAN), sagte, dies sei eine große Verpflichtung für die Städte, aber auch eine Chance, insbesondere für die lokalen Unternehmer. Mit der Entscheidung hat sich die Zahl der Orte in der Tschechischen Republik, die zum UNESCO-Kulturerbe gehören, auf 15 erhöht. Torsten Fricke

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Marienbad

uf Initiative des Abtes Reitenberger wurde 1818 Marienbad gegründet. Um die 40 Quellen für unterschiedliche Heilanwendungen zu nutzen, legten Mönche des Prämonstratenser-Ordens den Sumpf trokken und begannen Parkanlagen anzulegen. Benannt ist der Ort nach der Marienquelle, deren Wasser sehr viel Kohlendioxid beinhaltet, was wiederrum die Wundheilung fördert. Aufgrund der reinen Luft und der Gelenkschmerzen lindernden Heilwasser wird Marienbad derzeit zur Behandlung von Long-CovidPatienten genutzt. Fotos: Czech Tourism

Franzensbad

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ereits im Mittelalter wurde Wasser aus den Heilquellen von Franzensbad als „Egerwasser“ oder „Egerer Sauerbrunn“ exportiert. 1793 ließ dann der Habsburger Kaiser Franz II. den später nach ihm benannten Kurort anlegen. Die charakteristischen gelb-weißen Fassaden stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Berühmt ist Franzensbad auch für seine schwefel- und eisenhaltigen Moorbäder. Behandelt werden hier Patienten mit Herz- oder Gefäßerkrankungen, orthopädischen Beschwerden oder gynäkologischen Problemen.

Steffen Hörtler freut sich mit Marienbads OB Martin Kalina über das££ UNESCO-Votum Sudetendeutsche Kunst

„Die Daumen gedrückt“

Weltkulturerbe Mathildenhöhe

ganz besonders freut es mich als Sudetendeutscher, daß unsere Stadt diese Ehrung gemeinsam mit unseren Egerländer Kurbädern Karlsbad, Marienbad und Franzensbad erringen konnte.“ Hörtler, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Landesobmann der SL Bayern ist, hatte OB Kalina am Wochenende am Rande der Ma-

Auch die Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe ist am Wochenende von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Doppelt hält besser: Gemeinsam haben Martin Kalina, Oberbürgermeister von Marienbad, und Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor der Begegnungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen, für ihre Städte die Daumen gedrückt – mit Erfolg. Drückten die Daumen: Steffen Hörtler, Stiftungsdirektor des Heiligenhofs in Bad Kissingen, und Martin Kalina, Oberbürgermeister von Marienbad.

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ch freue mich sehr über die Ernennung Bad Kissingens zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und

rienbader Gespräche (siehe Seite 6 und 7) in Marienbad getroffen. „Die Entscheidung der UNESCO ist ein Grund mehr, Bad Kissingen und den Heiligenhof zu besuchen“, freut sich Hörtler und verweist darauf, daß erst vor wenigen Wochen die Planung für den weiteren Ausbau der Begegnungsstätte der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

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aßgeblicher Erschaffer der Kolonie war der in Troppau geborene Architekt Joseph Maria Olbrich, der von Großherzog Ernst Ludwig nach Darmstadt geholt worden war.


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TERMINE · AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30.7.2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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ie St.-Clemens-Kirche in Prag-Holeschowitz ist das älteste bis heute erhaltene Bauwerk dieses Stadtteils. Die erste Erwähnung dieser kleinen Kirche auf dem Gebiet eines überschaubaren früheren Friedhofs geht bis in das Jahr 1234 zurück. Das oft umgebaute und ursprünglich romanische Gotteshaus hat eine lange und bewegte Geschichte, es wurde später zur Filialkirche der großen Pfarrei St. Antonius von Padua im Zentrum von Holeschowitz, und ist es bis heute. Die Clemenskirche war wahrscheinlich die einzige Kirche der Hauptstadt Prag, in der fast ausschließ-

PRAGER SPITZEN

lich deutschsprachige Gottesdienste gefeiert wurden, was bis 1945 der Fall war. Die Gespräche mit einigen Zeitzeugen der Pfarrei vor etwa zehn Jahren haben mir allerdings auch andere Informationen geliefert, angeblich fanden hier noch vor dem Zweiten Weltkrieg einige Maiandachten auch in tschechischer Sprache statt. Heutzutage wird die etwas verborgene St.-Clemens-Kirche in der kurzen Frindstraße/Kostelní nur wenig genutzt. Sie steht aber allen Interessenten jeden ersten Donnerstag des Monats von 15 bis 17.30 Uhr offen und gehört seit 1964 offiziell zum Prager Kulturerbe.

VW und LG planen Batterieproduktion

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olkswagen und das südkoreanische Unternehmen LG wollen gemeinsam mit dem tschechischen Energiekonzern ČEZ eine Produktion von Batterien von Elektroauts aufbauen, hat Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (parteilos) in Prag bekannt gegeben. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde bereits unterzeichnet. Als Standort der „Gigafactory“ ist das Gelände des ehemaligen Braunkohlekraftwerks Brunnersdorf im Gespräch.

VERANSTALTUNGSKALENDER Freitag, 30. Juli, bis Montag, 2. August, SL-Landesgruppe Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit der Möglichkeit zur Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch am Samstag, 31. Juli. Samstag, 31. Juli, 15.00

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Uhr: Gedenkveranstaltung auf der Elbbrücke an das Massaker in Aussig von 1945. 18.00 Uhr: Andacht in der Pfarrkirche. Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de. Donnerstag, 5. August, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stutt-

gart: Feier zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen im Vorhof des Neuen Schloßes. Begrüßung: Iris Ripsam (Landesvorsitzende BdV und MdB a.D.); Festrede: Dr. Bernd Fabritius (MdB, Präsident BdV, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und Sozi-

ale Minderheiten); Grußwort: Reinfried Vogler (Vorsitzender der Kulturstiftung der Vertriebenen); Schlußwort: Raimund Haser (MdL und stv. BdV-Landesvorsitzender); Musikalische Umrahmung: Bläserquartett Feuerbach. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 7. August, Akkermann-Gemeinde: „Deutschtschechisches Picknick auf dem Vyšehrad. Dialog – Kultur – Begegnung“ in Prag. Anmeldung und weitere Informationen auf der Webseite https://www.ackermanngemeinde.de/picknick. Donnerstag, 19. August, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Tagesausflug zum Sudetendeutschen Museum nach München. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Mittwoch, 25. bis Freitag, 27. August, 44. Tagung Sudetendeutsche Mundarten: Heimat – Identität – Mundart am Heiligenhof in Bad Kissingen. Am 26. und 27. August kann man auch online an der Tagung teilnehmen. Anmeldung per eMail anschmitzer@sudeten.de Samstag, 11. September, 14.30 Uhr, SL-OG Stuttgart-Weilimdorf: Jahreshauptversammlung. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 18. September, 13 Uhr, Heimatkreis Budweis, Jahrestreffen. Hotel-Gasthof Soller, Bahnhofstraße 1, 85737 Ismaning. Anmeldung und Auskünfte: Heimatkreisbetreuer Josef Sailer, Telefon: (0 82 91) 6 88.

Bayern beim Festival in Brünn

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nter dem Motto „Die Wahrheit siegt“ ist am Montag in Brünn das Kulturfestival „Meeting Brno“ als Plattform für den Dialog zwischen den Kulturen, Völkern und Religionen eröffnet worden. Höhepunkt des Festivals, das bis zum 1. August stattfindet, ist der Versöhnungsmarsch von Pohrlitz nach Brünn, an dem sich auch in diesem Jahr eine Delegation der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus Bayern mit Landesobmann Steffen Hörtler beteiligt.

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Corona: weitere Lockerungen

m Sonntag werden die Corona-Beschränkungen in der Tschechischen Republik weiter gelockert, hat die Regierung beschlossen. So sind bei Sportund Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel bis zu 7000 Besucher, in Hallen bis zu 3000 Besucher erlaubt. Außerdem dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete erstmals auch wieder in den Discotheken die Tanzfläche benutzen. Außerdem hat Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) angekündigt, die Impf-Kampagne bei Schülern zu beschleunigen. Bislang sind nur zehn Prozent der 12- bis 15jährigen zumindest einmal geimpft.

Premierminister geht in die Offensive

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ie Stadtverwaltung von Cernositz ist von Premierminister Andrej Babiš (Partei Ano) verklagt worden. Der Grund: Die Behörde hatte gegen den Regierungschef zum zweiten Mal ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen eines möglichen Interessenskonflikts eingeleitet. Das er-

ste Verfahren aus dem Jahr 2019 hatte die übergeordnete Kreisbehörde eingestellt. Cernositz bei Prag ist der Wohnort von Andrej Babiš. Bereits in erster Instanz gewonnen hat Babiš eine juristische Auseinandersetzung mit der Organisation Transparency International. Für die Behauptung von Babiš, die Organisation sei korrupt, müsse sich der Regierungschef nicht entschuldigen, entschied das Gericht.

Wiederaufbau der zerstörten Kirche

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as vom Tornado zerstörte Pfarrhaus in Mährisch Neudorf ist einen Monat nach der Katastrophe wieder mit Dachziegeln bedeckt. Pfarrer Marián Kalina war bei dieser Reparaturmaßnahme von zwanzig Freiwilligen unterstützt worden. Damit ist auch der Saal, in dem derzeit die Gottesdienste stattfinden, vor Regen geschützt. Der Tornado hatte außerdem das Fachwerk und das Dach der angrenzenden Kirche komplett zerstört. Hier wird der Wiederaufbau noch Monate oder Jahre dauern. Aus dem eingestürzten Dachbalken der Kirche wird ein sechs Meter hohes Kreuz errichtet, das beim Besuch von Papst Franziskus in der Slowakei auf der Bühne aufgestellt werden soll.

„Oberste Priorität hat die Atomkraft“

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enn wir eine stabile Energieversorgung haben wollen, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß in Temelín zwei neue Reaktorblöcke entstehen“, hat der Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (parteilos), angekündigt. Der geplante Ausstieg aus der Kohleförderung werde sich bis weit in die 2030er Jahre hinziehen und eine Lücke von 10 000 Megawatt verursachen, die mit dem geplanten Ausbau des Atomkraftwerks Dukovany nur teilweise geschlossen werden könne. Havlíček: „Oberste Priorität hat die Atomkraft.“

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Prag startet Bonusprogramm

n Prag wie Zuhause“ so lautet der Slogan, mit dem die tschechische Hauptstadt wieder mehr Reisende aus dem Ausland anziehen will. Gestartet wurde jetzt ein Bonusprogramm für Touristen, die pro Übernachtung vergünstigte Eintrittskarten für Attraktionen erhalten.

Sudetendeutsche Zeitung

Afrika – Krisen, Konflikte, Kriege Dienstag, 3. August, 18.00 bis 20.00 Uhr auf Zoom: „Zwischen Krisen, Konflikten und Kriegen – Der afrikanische Kontinent unter dem Damoklesschwert vielfältiger sicherheitspolitischer Herausforderungen“, Gespräch mit der Politikwissenschaftlerin Ricarda Steinbach. Seit Jahrhunderten ist Afrika ein konfliktreicher Kontinent mit zahlreichem Gefahrenpotential. In einer Lageanalyse werden die Länder und Konfliktszenarien des afrikanischen Kontinents betrachtet. Thematisiert werden der ausweglose „Teufelskreislauf der Armut “ und das aktionsreiche Interesse der Welt an Handelsrouten und Ressourcen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung per eMail bis zum Vortag 15.00 Uhr unter hoertler@heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

Am Mittwoch hat die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Sylvia Stierstorfer, gemeinsam mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in München das Themenheft „Flucht und Vertreibung“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist die erste umfassende Dokumentation dieser Art in Deutschland. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung erklärt die CSU-Landtagsabgeordnete, warum dieses Thema auch über 75 Jahre nach Kriegsende von hoher Relevanz ist, wie sie sich inbesondere an die Enkelgeneration wendet, und welche Projekte sie derzeit plant.

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rau Stierstorfer, wie kamen Sie auf die Idee, das Thema „Flucht und Vertreibung“ in einem Themenheft umfassend aufarbeiten zu lassen? Sylvia Stierstorfer: Im vergangenen Jahr stand das große Thema „75 Jahre Flucht und Vertreibung“ auf der Agenda. Leider konnten wir auf Grund der Corona-Pandemie keine Präsenzveranstaltungen durchführen, um an dieses Trauma zu erinnern. Ich habe mich dann mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit zusammengesetzt, um mit dem Themenheft „Flucht und Vertreibung“ eine umfassende Dokumentation herauszugeben. Es ist die erste Dokumentation dieser Art in Deutschland. Warum mußten dafür 75 Jahre vergehen? Stierstorfer: Aus drei Gründen. Das Thema „Flucht und Vertreibung“ ist nicht mehr so emotional aufgeladen, was einer sachlichen Auseinandersetzung in der Vergangenheit oft im Weg gestanden hatte. Zweitens, in der alten Bundesrepublik hatte die Gesellschaft den Blick fast ausschließlich gen Westen ausgerichtet und sich kaum für die Vertriebenen und für das, was östlich von uns, hinter dem Eisernen Vorhang, passierte, interessiert. Und drittens gibt es jetzt mit der Enkelgeneration viele junge Frauen und Männer, die mehr über das Schicksal ihrer Großeltern erfahren möchten. Das Thema Flucht und Vertreibung ist in Deutschland in der politischen Öffentlichkeit viel zu lange totgeschwiegen worden. Woher kommt Ihre Erkenntnis, daß sich gerade junge Menschen für diesen Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte interessieren? Stierstorfer: Bei meinen vielen Schulbesuchen erlebe ich hautnah das wachsende Interesse der Schüler an der eigenen Familiengeschichte. Mit dem Themenheft „Flucht und Vertreibung“ wollen wir deshalb das große Bild aufzeigen und insbesondere Lehrern und anderen politisch Interessierten Informationen zur Verfügung stellen. Die Beschäftigung mit Flucht und Vertreibung ist ein junges Thema, ein Zukunftsthema. Nur wer seine eigenen Wurzeln kennt und aus der Geschichte lernt, kann Zukunft gestalten. Blicken wir in Ihre eigene Geschichte zurück. Wie wurden Sie Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene? Stierstorfer: Am 16. März 2018 ist Markus Söder vom Bayerischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Er hat dann, ohne daß irgendwelche Namen in die Öffentlichkeit gelangten, sein Kabinett zusammengestellt. Ich bin mitten in einer Sitzung des Petitionsausschusses, die ich geleitet hatte, von der Staatskanzlei angerufen worden, da der Ministerpräsident mit mir sprechen wollte. Für mich kam das völlig überraschend, aber natürlich ist diese Aufgabe eine große Ehre für mich. Haben Sie gleich zugesagt oder erst den Familienrat befragt? Stierstorfer: IIch wollte den

AKTUELL Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene

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und Vertreibung. Außerdem bieten wir Lehrern entsprechende Fortbildungen an. Als Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte muß dieses Thema aber noch stärker im Lehrplan verankert werden. Jeder dritte Deutsche hat einen Vertriebenenhintergrund. Wie bereits gesagt: Gerade mit Blick auf ein vereintes Europa können wir unsere Zukunft nur dann gut gestalten, wenn wir unsere Wurzeln kennen. Welche konkreten Projekte stoßen Sie an den Schulen an? Stierstorfer: Ein Beispiel: Mit dem Haus der Bayerischen Geschichte haben wir Konzepte entwickelt, wie wir das Thema Flucht und Vertreibung insbesondere für die Jugend verständlich und interessant aufbereiten können. Und über die Schulen wollen wir verstärkt Schüleraustausch und Tschechisch als Fremdsprache fördern. So wird das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in München-Bogenhausen zentral für die Münchner Schüler Tschechisch-Unterricht anbieten. Dieses Projekt haben wir übrigens gemeinsam mit der tschechischen Generalkonsulin Kristina Larischová umgesetzt. Und umgekehrt bemühen wir uns darum, daß in Eger eine Schule Deutsch-Unterricht anbietet. Es ist gar nicht so einfach, entsprechende Lehrer zu finden, zumal dies auch noch in die Kompetenz des Bundes fällt. Nach Ihrer Ernennung als Beauftragte hat Sie Ihre erste Auslandsreise Zur Person: Sylvia Stierstorfer Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebenach Prag gene und Mitglied des Bayerischen Landtags. Foto: Maria Klinke führt. Warum? Geboren am 22. Februar 1963 in Regensburg Stierstorfer: Verheiratet, eine Tochter, römisch-katholisch. Ministerpräsidenten natür- hat die wichtigen Unterlagen Bayerns stark Neben zahl Ausbildung zur Bankkauffrau. lich nicht warten lassen. Ich ha- mitgenommen, vor allem das Fa- verankert. reichen Tref Seit 2003 Mitglied des Bayerischen Landtags für den Stimmbe sehr zeitnah zugesagt. Mein milienstammbuch. Der Nach- Ministerpräfen mit wichtikreis Regensburg-Land. Mann hat es im Nachgang erfah- bar hat meine Großeltern und die sident Margen Gesprächs Von 2008 bis 2013 im Landtag stellvertretende Vorsitzende ren, aber klar gesagt, daß er mei- drei kleinen Kinder mit dem Lei- kus Söder ist partnern in und von 2013 bis 2018 Vorsitzende des Ausschusses für „Eingane Entscheidung mitträgt und terwagen an die rund 60 Kilome- der SchirmPrag war ich ben und Beschwerden“. mich zu hundert Prozent unter- ter entfernte Grenze gefahren. herr der SudeSchirmherrin Von 2008 bis 2018 im Landtag Mitglied des Präsidiums und stützt. Auf dem Weg zur Grenze haben tendeutschen. einer AusstelLandessportbeirätin. Die Entscheidung des Mini- dann junge Tschechen, die mein Sozial-, Arlung von Anti Seit 2011 Mitglied im CSU Parteivorstand. sterpräsidenten, Sie auszuwäh- Opa nicht kannte und die nicht beits- und Fakomplex, einer Seit März 2018 Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung. len, scheint auf der Hand zu lie- wußten, wer er war, meiner Fami- milienminigemeinnützigen, da Sie selbst sudetendeut- lie das letzte Hab und Gut abge- sterin Carogen Organisatische Wurzeln haben. nommen. Nur den Rucksack mit lina Trautner on in der TscheStierstorfer: Ob dies eine Rol- dem Familienstammbuch durf- ist die Schirmchischen Rele gespielt hat, weiß ich nicht, ten sie behalten. Das Wichtigste herrschaftsministerin. Melanie ne ist im Sozialministerium ver- publik, die sich mit der eigenen aber ich habe in der Tat sudeten- war aber, daß meine Familie zu- Huml verantwortet als Ministerin ankert. Insofern ist es für mich Nachkriegsgeschichte kritisch deutsche Wurzeln. Mein Groß- sammen und unbeschadet ge- die europäischen und internatio- als Beauftragte zielführend, in auseinandersetzt. Ich hoffe, daß vater stammte aus Blatnitz im blieben ist. Aus vielen Gesprä- nalen Kontakte und war erst kürz- diesem für meine Arbeit maß- diese Ausstellung demnächst Landkreis Mies, meine Großmut- chen mit Zeitzeugen weiß ich, lich in Prag. Und Gesundheits- geblichen Ausschuß aktiv zu auch einmal in Bayern zu sehen ter aus Tuschkau. Die beiden hat- daß dies damals keine Selbstver- und Pflegeminister Klaus Holet- sein. Außerdem bin ich die direk- sein wird. ten einen großen Hof, der übri- ständlichkeit war. In der Nacht schek hat selbst sudetendeutsche te Abgeordnete des WahlkreiSie sind auch selbst aktiv, um gens heute noch steht, und mein ist dann meine Familie uner- Wurzeln. Wie grenzen Sie Ihre Ar- ses Regensburg-Land mit knapp die Vertreibungsgeschichte aufOpa war bis zur Vertreibung Bür- kannt über die Grenze nach Bay- beit insbesondere gegenüber der 196 000 Einwohnern. Diese Auf- zuarbeiten und zu dokumentiegermeister von Blatnitz. Aus vie- ern geflüchtet und zu Fuß zum Schirmherrschaftsministerin ab? gabe ist sehr anspruchsvoll, denn ren – was für eine Politikerin eher len Erzählungen weiß ich, wie Bruder meines Großvaters gelauStierstorfer: Mein Schwer- ich vertrete diese Menschen im ungewöhnlich ist. sehr meine Familie die Heimat fen, den man nach dem Krieg ge- punkt ist das Thema Aussiedler Landtag. Stierstorfer: Das Thema vermißt und wie viel sie ihnen be- warnt hatte, er solle unbedingt in und Vertriebene. Frau Trautner Die Position der Beauftragten Flucht und Vertreibung läßt deutet hat. Bayern bleiben und nicht in seine hat als Staatsministerin für Fami- für Aussiedler und Vertriebene mich nicht los und ist ein HerHeimat zurückgehen. zensanliegen von mir. Ich mache Wann waren Sie das erste Mal gerade einen Podcast und interin der Heimat Ihrer Eltern und viewe dafür 60 Angehörige der Großeltern? Erlebnisgeneration. Es ist wichStierstorfer: Ich war damals tig, die Augenzeugenberichsieben oder acht Jahre alt. Mein te dieser Zeitzeugen für spätere Opa wollte noch einmal die HeiGenerationen zu bewahren. Die mat sehen. Weil wir Sudetenersten Ausgaben dieses Podcasts deutsche waren, haben die tschesollen dann ab September veröfchischen Grenzbeamten am fentlicht werden. Übergang bei Furth im Wald das Sie sind gelernte Bankkaufganze Auto auseinandergenomfrau und kennen den in der Wirtmen. Ich werde das nie vergesschaft weiter verbreiteten Elevasen, wie die Grenzer mit Maschitor-Pitch, bei dem eine Idee, ein nenpistolen vor mir standen. Ich Projekt oder eine Bewerbung in möglichst kurzer Form zusamhatte damals richtig Angst. Als mengefaßt wird. Deshalb in ein wir dann in Blatnitz waren, hat paar Worten: Wofür braucht Bayman gemerkt, wie schwer dies ern eine Beauftragte für Aussiedemotional für meinen Opa war. ler und Vertriebene? Vor allem, als ältere EinwohDas Themenheft „Flucht und Ver- ner ihn mit dem Satz begrüßten: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erhält von Sylvia Stierstorfer und Stierstorfer: Der Freistaat Baytreibung“ der Bayerischen Landes- „Unser Bürgermeister ist wieder Rupert Grübl, Leiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungs- ern braucht einen Beauftragten zentrale für politische Bildung wur- da.“ Als wir am Hof vorbeigefah- arbeit, das erste Exemplar des Themenhefts „Flucht und Vertreibung“. für Aussiedler und Vertriebene de am Mittwoch vorgestellt. Foto: Jörg Koch, Bayerische Staatskanzlei für die Wertschätzung der Leiren sind, den wir damals nicht stungen der Vertriebenen und besuchen konnten, hatte mein Wie wurde Ihre Familie vertrie- Opa Tränen in den Augen. Mei- lie, Arbeit und Soziales natürlich wurde 2018 neu geschaffen. Sie Aussiedler, die Würdigung ihres ben? ne Oma war zu diesem Zeitpunkt ein viel breiteres Aufgabenfeld. konnten also auf keine Strukturen Schicksals, und dafür, deutlich Stierstorfer: Mein Opa war ein bereits verstorben. Sie hatte bis Insofern sprechen wir uns regel- zurückgreifen. Wie haben Sie Ih- zu machen, daß Vertriebenenpolitik keine Sache der Verganausgleichender Mensch und kam zum Schluß gehofft, daß sie ir- mäßig ab und ergänzen uns. Als ren Bereich aufgebaut? auch mit den Tschechen gut aus. gendwann wieder zurück in ihre Beauftragte habe ich mein Büro Stierstorfer: Da ich die erste genheit ist, sondern gelebte VerInsbesonEr selbst konnte zwar nur wenig Heimat kann, und wollte deshalb zwar im Sozialministerium, bin Beauftragte bin, habe ich bei mei- ständigungspolitik. Tschechisch sprechen, verstand nie auf Besuch dorthin. Erst nach aber dem Ministerpräsidenten nem Amtsantritt bei Null ange- dere den Sudetendeutschen, als aber, was gesagt wurde. Am 22. ihrem Tod konnte deshalb mein direkt verantwortlich. fangen. Ich habe viele Gespräche Viertem Stamm Bayerns, ist BayOktober 1945, einen Tag nach Großvater diese Reise machen. Sie sind außerdem stellvertre- geführt, und es hat sich schnell ern das schuldig. Ohne die AufKirchweih, hat ein tschechischer Wir haben dann auch noch den tende Vorsitzende des Sozialar- herausgestellt, daß wir vor al- bauleistung der SudetendeutNachbar meinen Opa gewarnt. Geburtsort meiner Oma besucht. beitskreises der CSU-Fraktion im lem die Jugend für das Thema schen nach dem Zweiten Welt„Bürgermeister, die kommen, ihr In der Bayerischen Staatsregie- Bayerischen Landtag. Warum? gewinnen müssen. Ich gehe des- krieg hätte der Freistaat Bayern müßt gehen.“ Mein Vater war da- rung sind die Anliegen der SudeStierstorfer: Der gesamte Be- halb oft in die Schulen und re- diesen Aufschwung nie realisieTorsten Fricke mals sieben Jahre alt. Mein Opa tendeutschen als Vierter Stamm reich Aussiedler und Vertriebe- de mit den Schülern über Flucht ren können.

„Vertriebenenpolitik ist gelebte Verständigungspolitik“


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71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021 � Festrede von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen (Auszug):

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30.7.2021

Wenn man etwas lernen will über das Ganze, dann geht man wenige Meter entfernt in das Sudetendeutsche Museum. (...) ieber Bernd Posselt, lieber Ich glaube, alle, die es gesehen Preisträger Daniel Herman, haben, sind schon sehr beeinmeine sehr verehrten Damen und druckt, weil es nämlich genau Herren, liebe Gäste und alle, die diese Komplexität erfüllt, die wir zuschauen, es ist mir erneut eine erwartet haben: Erinnerungen an große Ehre und Freude, heute bei die Kultur, Tradition, aber schon Ihnen sein zu können. Jeder Bayauch mahnend gegen den Natioerische Ministerpräsident weiß, nalismus. (...) es gibt einen Termin, der ist unWas diesen Tag heute natürverzichtbar im Jahr. Dies ist ein lich noch so schön macht: die Termin, der keine Pflicht, sonVerleihung des Karls-Preises. Ich dern eine Freude ist: die Schirmfinde die Verleihung des Europäherrschaft über den Sudetenischen Karls-Preises der Sudedeutschen Tag. tendeutschen immer beeindrucIch freue mich wirklich sehr, kend, aber heute an Daniel Herdaß ich heute erneut dabei sein man ist sie besonders wichtig. kann. Es ist mir eine Ehre. Es hat Sie sind eine ganz beeindruckenmir gefehlt. Auch wenn es heute de Persönlichkeit. Es ist leicht, zu etwas kleiner ist, wenn die FahHause populär zu sein. Ich erinnenabordnungen fehlen, wenn nere mich noch an den Sudetendie Musik weniger ist, als wir sie deutschen Tag 2016, damals in sonst kennen, dafür umso kräftimeiner Heimatstadt. Da haben ger, so ist es doch ein Fortschritt. Sie, sehr geehrter Daniel HerMeine sehr verehrten Damen man, die Hand ausgestreckt. Ein und Herren, wir haben eineinbeeindruckender Auftritt. Sie hahalb schwere Jahre hinter uns. ben als erster tschechischer PoliIch weiß, daß es viel Beschwertiker auf dem Sudetendeutschen nis gab, ich weiß, daß viele leiden Tag gesprochen. Ich kann mich mußten, aber ich will Ihnen auch übrigens noch in den 1990ern an sagen: Ich glaube, wir haben unmanchen Sudetendeutschen Tag ter dem Strich unser Land gut beerinnern. Wenn da das Wort Prag schützt. (...) fiel, war nicht überall eine La-olaWas ist das Besondere an dieWelle zu erwarten. Und es war sem Tag? Nun, es ist einerseits auch umgekehrt nicht so, daß eine politische Veranstaltung nicht schon im Vorfeld einige Simit hoher Dimension, das sehen gnale der tschechischen Regiewir heute an unserem Preisträrung gekommen wären, die die ger. Oft wurden vom SudetenStimmung auch etwas angeheizt deutschen Tag europäische Prohaben. Sie waren als erster tschezesse angestoßen – manchmal chischer Politiker auf diesem Suein bißchen gerumpelt, manchdetendeutschen Tag und haben mal sehr harmonisch, aber imdie Vertreibung als Unrecht bemer beachtet und immer mit gro- Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen, bei seiner Festrede auf dem Sudetendeutschen Tag in München. Foto: Fricke zeichnet. Unvergessen ist Ihre ßer Aufmerksamkeit verbunden. Begrüßung zu Beginn Ihrer ReAber es ist viel mehr: Es ist ein Man hilft sich, wenn der andere diese Berge nie besteigen. Nur me Taten. Das wollen wir nie wie- es jemanden gibt, der den Frie- de: „Liebe Landsleute“. Dieses Familientreffen, es ist ein Kultur- in Not kommt. Man fragt nicht, wenn man Mut, Vertrauen, Zu- der im Herzen Europas erleben! densnobelpreis endlich verdient „Liebe Landsleute“ drückt eine treffen, es ist die Erinnerung an was zu leisten ist – wenn Hil- versicht, Gottvertrauen und auch Die Vertreibung war eine hat, dann sind es die Vertriebe- Verbundenheit, eine menschlidie Heimat, die Erinnerung an fe am Mann gefragt wird, an der Optimismus hat, kann man et- schwere Wunde, eine tiefe Ver- nen. (...) che Nähe aus, die Sie in die HerVerantwortung, aber gleichzei- Frau, dann leisten wir sie. Des- was bewegen. Ich glaube, die letzung, ein schlimmer Stich. Die Wir brauchen die Sudeten- zen der Sudetendeutschen getig ein Blick in die Zukunft. Eines wegen möchte ich auch diese Sudetendeutschen sind auch in New York Times schrieb vor 75 deutschen auch in der Zukunft. bracht hat. Herzliches Dankesteht für mich fest: Es gibt kaum Zusammenarbeit fortsetzen. Für der Zukunft gut aufgestellt, weil Jahren: „Vertreibung ist ein Ver- Wir sind noch nicht am Ende der schön dafür. eine größere Friedenskundge- mich ist die Zusammenarbeit die Volksgruppe und die Lands- brechen, für das die Geschich- europäischen Entwicklung. (...) Wir haben noch viel vor. Die bung in unserem Land, kaum ei- mit Tschechien, ist die Nachbar- mannschaft vital, stark, mutig te eine grausame Vergeltung for- Es wird eine große Aufgabe sein Sudetendeutschen sind noch ne größere europäische Identi- schaft zu Tschechien eine der sind. Mit einer guten Jugend hat dern wird.“ So hat man damals einer neuen Bundesregierung, in nicht im letzten Kapitel – ganz tätsbewegung als die Sudeten- zentralen Aufgaben, die wir als man immer eine gute Zukunft. gedacht. So war es übrigens fast diesem Europa wieder mehr zu- im Gegenteil. Bayern braucht deutschen. Dafür sage ich auch Freistaat Bayern haben. Herzliches Dankeschön an Euch! immer in der Geschichte. Nach sammenzubringen. Es ist auch in Sie, Deutschland braucht Sie, als Ministerpräsident ein herzliBayern, die bayerische StaatsIst jetzt einfach alles schön und einer solchen Tat gab es Revan- Europa – so ist mein tiefes Ge- Europa braucht Sie. Wir haben ches Vergelt‘s Gott. regierung, ist seit jetzt nunmehr gut? Ist jetzt nur ein bißchen Er- che, Rache, Vergeltung, erneu- fühl – eine Schnoddrigkeit ent- da noch so viel vor. Ich bin der feDie Sudetendeutschen sind 67 Jahren Schirmherr. Diese innerung und einfach ein Famili- ten Konflikt. So ging es über standen: Entweder bist Du mei- sten Überzeugung, es gibt noch Vorbilder für Frieden und Frei- Schutzherrfunktion ist etwas, das enfest? Nein! Es ist schon mehr. Jahrhunderte auf unserem eu- ner Meinung oder ich höre Dir viele Möglichkeiten. (...) Aber heit in Europa. In der Tat sind die mit Respekt und Dankbarkeit er- Trachten, Schmuck, Fahnen sind ropäischen Kontinent zu: Einer nicht mehr zu. Wir müssen uns unabhängig davon, darf ich Sie Sudetendeutschen (...) auch eine füllt ist. Ich muß Ihnen aber sa- schon auch Erinnerungen, die schlägt den anderen, der andere einander wieder mehr Mühe ge- noch einmal meiner nicht nur Klammer, ein Bindeglied gerade gen, ich bin schon sehr beein- mit Wehmut verbunden sind. schlägt zurück, der eine erobert ben in Europa und Zeit nehmen einfach staatlichen Solidarität zu unseren Freunden und Part- druckt immer wieder gewesen, Das gehört zur Wahrheit dazu. dieses, der andere erobert jenes. zuzuhören. Wir können nicht zu- versichern. Das ist ja klar. Nicht nern aus Tschechien. Ich bin sehr was Sie geleistet haben und was Wir können und wollen das Ver- Es ist sehr beeindruckend, was lassen, daß bestimmte Teile von nur einfach sagen, daß der Freifroh, daß der damalige Minister- Sie für unser Land geleistet ha- gangene nie ganz abschütteln, es wir gelernt haben. War es für alle Europa auseinander gehen zwi- staat Bayern Sie weiter institutiopräsident, mein Vorgänger Horst ben. (...) Bayern ist ohne die Su- ist Teil der Identität. Wer die Ver- gleich leicht? Nein. Es war für ei- schen Ost und West. Ja, es gibt nell fördern wird. Das ist ja klar. Seehofer, begonnen hat, die Tür detendeutschen nie mehr vor- gangenheit ignoriert, meine Da- nige ganz besonders schwer. Ich Dinge, die man diskutieren muß. Wir haben mit Carolina Trautner aufzustoßen. Wir sind noch lan- stellbar. Dankeschön für diese men und Herren, verliert seine glaube nicht, daß sich die Mehr- Ja, es gibt Fehler, die man aufar- eine ganz hoch engagierte Sozige nicht am Ende eines Dia- großartige Aufbauleistung für Wurzeln und bleibt ohne Kon- zahl derer, die nicht vertrieben beiten muß. Ja, es gibt gemein- alministerin in Bayern, die dielogprozesunser Land. tur. Die Vergangenheit wäre üb- wurden, nur annähernd vorstel- same Werte, auf die sich jeder ses Erbe und die Tradition lebt. ses, aber wir Das Ganze rigens weg, wenn keiner mehr len kann, was es für eine mensch- verpflichten muß. Aber was ist Wir haben mit Sylvia Stierstorfer, „Wir hatten eine sind schon wäre aber nicht daran denkt. Deswegen ist Erin- liche Geste, was es für Charakter- denn unsere das habe ich daStandleitung nach Prag“ denkbar viel weiter oh- nerung schon wichtig – Erinne- stärke braucht, wenn man sich in echte einzi- „Wir haben noch viel vor – mals extra geals wir in der ne die Sudeten- rung in zweifacher Form: An viel einer solchen Situation nach ei- ge Alternatimacht, eine BeBayern braucht Sie“ Vergangenheit waren. Ich sel- deutsche Landsmannschaft und Schönes. Diese Erinnerung ist – ner Vertreibung, nach dem Ver- ve, die wir als auftragte, die ber fühle mich diesem Austausch ohne ihre Männer und Frauen, das ist übrigens ganz interessant lust von Hab und Gut entschei- Tschechien und als Bayern über- sich zusätzlichen in großer Fleißsehr verpflichtet. Ich habe mich die sie prägen. Bernd Posselt, Du – auch über Jahrzehnte hinweg det für Versöhnung. Versöhnung haupt haben in dieser Welt? Bay- arbeit um die Belange und Interauch immer gewundert, daß wir bist eine echte großartige, poli- eine Erinnerung an Bilder, Ge- ist für manche die schwerste, ern ist schon groß im Vergleich essen der Heimatvertriebenen mit allen möglichen Ländern tische, europäische Persönlich- räusche, Geschmack, manchmal aber menschlich größte Geste, zum Saarland, aber im Vergleich kümmert. Wir haben mit Stephan der Welt Kontakte haben, aber keit. (...) Was mich an Bernd Pos- auch Düfte. Aber es sind auch die man machen kann. Ich habe zu China – würde ich sagen – Mayer jemanden im Bundesinmanchmal so sprachlos mit un- selt immer beeindruckt und fas- Bilder an schlimme Zeiten – das übrigens von beiden Seiten überschaubar. Tschechien ist nenministerium, der jetzt nicht seren Nachbarn sind. Da verbin- ziniert hat: Der Mann hat ein Vertreibung, Verlust, Schmerz. gesehen. Mich hat auch beein- ein großes Land im Vergleich zu nur wegen seiner Vergangenheit, det uns ja schon viel: gute Ge- inneres Feuer, wie ich es kaum Wir können und wollen die Ver- druckt, als umgekehrt die Sude- Malta, aber im Vergleich zu den sondern auch aus innerer Bereitschichte, schwierige Geschich- von jemand anderem in der Po- treibung nie vergessen. Wir wol- tendeutschen nicht nur die Ver- Vereinigten Staaten von Amerika schaft heraus ein großartiger Pote; gute Erinnerungen, schlimme litik kenne. (...) Du wirst als Ge- len sie nie vergessen! Letztlich söhnung angeboten haben – – würde ich sagen – übersicht- litiker ist mit allen Perspektiven. Erinnerungen. Wie es in jedem sprächspartner akzeptiert, re- ist der Ausgangspunkt dieser es gab ja Jahre, in denen diese lich. Also was macht uns denn Wir haben mit dem Bernd FabriLeben und jeder Familie so ist. spektiert, geschätzt, eingeladen. schmerzhafVersöhnungsüberhaupt auf dieser Weltbühne tius jemanden, der sich als BeaufNur wer die Erinnerung aufar- Du bist die Stimme der Sudeten- ten und viegeste gar nicht als ernsthafter Gesprächspartner tragter der Bundesregierung ein„Das wollen wir in Europa gewollt war, zu aus? Nur die Gemeinsamkeit. setzt. Sie sehen schon, aus welbeitet, schafft eine neue Identi- deutschen an jedem Kabinetts- le Opfer fornie wieder erleben“ tät für die Zukunft. Wir haben tisch in Europa. (...) Ich freue dernden VerZeiten der Kom- Wenn wir in Europa nicht zusam- cher großen Familie des Ganze immer wieder – auch in dieser mich jedes Jahr, an diesem Tag treibung in munisten bei- menhalten, ja wer denn sonst? kommt. Ich sage aber ausdrückCorona-Zeit übrigens – nicht immer auch das Grußwort der der bösen Wurzel zu sehen: dem spielsweise. Mich hat zum Bei- Wir haben doch die gemeinsame lich: Innerhalb der bayerischen nur Grenzen kontrolliert, son- Jungen zu hören, das ist nämlich Nationalismus und in seiner spiel beeindruckt – ich war da- Idee, die Kultur, die Menschen- Staatsregierung gibt es da keidern auch eng zusammengear- echt nicht schlecht. Es ist mo- schlimmsten Form dem Natio- mals im Bayerischen Landtag rechte. Freiheit, Demokratie sind nen Dissenz, weil zum Beispiel beitet. Ich habe sofort, als Tsche- dern, es ist traditionell, es ist zu- nalsozialismus. Und deswegen dabei –, als der tschechische Re- schon in Europa erfunden wor- auch unser Koalitionspartner, chien damals vor der ersten grö- kunftsorientiert und – was mir ist für uns alle eines klar – auch gierungschef Petr Nečas umge- den. (...) Deswegen werden wir der heute auch da ist, genauso ßeren Herausforderung stand, am meisten gefällt – es ist op- wenn es heute Menschen gibt, kehrt sich entschuldigt hat. Das gemeinsam kämpfen, wir wer- diese Interessen mit vertritt. Wir Betten angeboten, Hilfe angebo- timistisch mit einer klaren Hal- die das wieder relativieren wol- sind bewegende Stunden, wenn den kämpfen gegen Nationalis- sind in Bayern ganz sicher an Ihten, Masken angeboten. Ich habe tung. (...) Wenn ich die Jungen len; wenn es Menschen gibt, die nach Jahrzehnten des Angebots mus, wir werden kämpfen da- rer Seite, und zwar nicht nur, weil mich auch sehr gefreut, daß die jedes Jahr beim Grußwort hö- das Ganze als Vogelschiß der Ge- der Versöhnung eine Hand ge- gegen, dass sich Europa spaltet, wir es immer waren und weil es tschechische Regierung unter re, dann ist da eine klare Hal- schichte bezeichnen; wenn es po- reicht wird und man dann zu- und wir werden versuchen, jeden Tradition ist, sondern weil es Präsident Andrej Babiš sich dann tung dahinter. Da ist ein kla- litische Gruppierungen gibt, die greift, dann ist es ein historisches in Europa in diesem gemeinsa- aus dem Herzen heraus kommt. umgekehrt bedankt hat. Wir ha- res Bekenntnis, ein klarer Weg, tatsächlich lieber die abgrenzen- Moment. Dieses historische Mo- men europäischen Haus zusam- Ich persönlich darf Ihnen sagen: ben zigfach telefoniert, und wir ein Grundoptimismus dahinter. de, spaltende, ja zum Teil hetzen- ment ist nur Dank der unglaub- menzuhalten, auch wenn es Mü- Wenn Sie uns brauchen, sind wir hatten faktisch eine Standleitung Wenn wir die Zukunft gestalten de Form des Umgangs mit ande- lichen Geduld, ist nur Dank des he kostet. Es ist besser, in Europa da. Wenn Sie mich rufen, stehe zwischen München und Prag, wollen, dürfen wir nicht verzagt ren in den Mittelpunkt rücken: unglaublichen Versöhnungswil- miteinander zu reden als stän- ich zur Stelle – für lange Zeit, in zwischen Prag und München. So, und mutlos sein. Wenn wir Ber- So etwas darf nie wieder passie- lens und ist nur Dank dieser un- dig nur übereinander zu urtei- Treue und Loyalität. Alles alles meine Damen und Herren, stel- ge von Problemen vor uns sehen ren! Es geht mit bösen Gedan- glaublichen menschlichen Geste len. Den Fehler haben wir schon Gute und Gottes Segen für die le ich mir gelebte Freundschaft und immer nur jammern und zu- ken los, es gibt böse Worte und der Sudetendeutschen möglich einmal in der Vergangenheit ge- Sudetendeutsche Landsmannund gelebte Nachbarschaft vor. rückschrecken, dann werden wir irgendwann mündet es in schlim- gewesen. Ich bleibe dabei: Wenn macht. schaft! Dokumentation der Festreden auf dem 71. Sudetendeutschen Tag, Teil 2:

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„Wenn Sie mich rufen, stehe ich zur Stelle – in Treue und Loyalität“


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30.7.2021

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� Nachruf auf den großen Entertainer und gebürtigen Freistädter

� Mut tut gut

Alfred Biolek: „Den Tod finde ich nicht unangehm“

Wer bin ich?

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sich mühsam wieder mit Hilfe seines Adoptivsohns erarbeitete. Dabei halfen sicher auch die beiden Bücher, in denen Biolek über seine Herkunft und Familie früher Auskunft gegeben hatte. Einmal der Beitrag von 1995 in Florian Langener 1934 in Freistadt, heute einge- scheidts Buch „Bei uns zu Hause – Promeindet in Karwin, geborene pro- minente erzählen von ihrer Kindheit“: movierte Jurist, Entertainer, Fernseh- „Selbst-Porträt der Kindheit und Jumoderator, TV-Produzent, Talkmaster gend“. Und die Autobiografie, die er mit und Kochbuchautor kam als dritter und Veit Schmidinger verfaßte: „Bio. Mein jüngster Sohn eines Rechtsanwalts auf Leben.“ von 2006. die Welt. Schemenhaft bleibt dennoch das LeDieser konnte nach der Auskunft ben des Vaters, der 1945 von einem von Alfreds älterem Bruder Joseph ne- tschechischen Gericht angeklagt, aber ben Deutsch, auch fließend Tschechisch freigesprochen wurde. Als Katholik war und Polnisch, was ihm viele Klienten in der sicher kein Nationalsozialist, aber dieser dreisprachigen Gegend Öster- in der Stellung als anerkannter Rechtsreichisch-Schlesiens in der ersten tsche- anwalt Mitglied der SdP für einige Zeit. choslowakischen Republik bescherte. Aber was passierte eigentlich nach dem Die mährische Mutter, die schauspie- Münchner Abkommen, nachdem mit lerische Talente hatte, aber früh Kinder dem Olsaer Gebiet auch Freistadt zu Pobekam, und deshalb ihre Karriere nicht len gekommen war, bevor es nach dem fortführen konnte, prägte die ganze Fa- Beginn des Zweiten Weltkrieges dann milie mit ihrer böhmischen Küche. Da- zu Deutschland wechselte? Für Alfred von hat Alfred Biolek nach vielen Fern- Biolek, das Nesthäkchen, blieb die Kindsehformaten, die er entwickelte oder heit eine unversehrte Zeit: „in einem Paauch noch selbst moderierte – „Am radies inmitten von Grün und umgeben laufenden Band“, „Kölner Treff“, „Bio’s von Bergen und kleinen Seen“, schrieb Bahnhof“, „Show-Bühne“, „Mensch er in seiner Autobiografie. Ein Leben in Dr. Alfred Biolek, hier beim Empfang der Stadt Köln 2019 an seinem 85. Geburtstag. Meier“ oder „Boulevard Bio“ – mit sei- einer Bauhausvilla, die eine runde Ec- Foto: Raimond Spekking/ Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0 ner von 1994 bis 2006 ausgestrahlten ke hatte, und ein harmonisches FamiKochsendung „alfredissimo!“ ein bered- lienleben ohne Geldsorgen. Große Er- die perfekte Aussprache des gerollten Vater dazustößt. Es folgen nach dem Abtes Zeugnis abgelegt. lebnisse waren für ihn Wochenendaus- R. Daran wird sich der ein oder andere itur ein Austauschjahr in den USA, JuraErst in seiner eigenen Küche gedreht, flüge und Sommerurlaube in den nahen Fernsehzuschauer auch noch lebhaft er- studium in Freiburg im Breisgau, Münspäter dann in einem Nachbau dieser Beskiden oder im Altvatergebirge. „Die innern. Die Zeit bis zur Vertreibung 1946 chen und Wien, wo er ganz dem Vater Küche in einem Fernsehstudio aufge- mährische Stille“ endete mit dem Vor- war Alfred neun Monate in einem La- nacheifert, wie mit dem Beitritt in die zeichnet, lud er jemarsch der Roten ger in Orlau, wo er katholische StuDie Lust am Kochen hat Alfred Als Referendar vertrat Biolek weils einen promiArmee. Vater und auf eine tschechidentenverbindung nenten Gast ein, Biolek von seiner Mutter geerbt Bruder kamen an sche Schule ging, den an Krebs erkrankten Vater KHÖV Nordgau um mit ihm zudie Front, und Al- und natürlich auch in Wien, wo einst sammen jeweils ein Gericht zu kochen. fred wurde zu einem Onkel aufs Land die weiße Armbinde mit dem „N“ für auch sein Vater aktiv war. Später als ReMan kann schon sagen, daß es im deut- geschickt, der nur tschechisch sprach. Němec (Deutscher) tragen mußte. ferendar vertrat Alfred Biolek den an schen Fernsehen immer schon Kochsen- Biolek gibt an, daß er von dem TscheFür den kleinen Alfred beginnt das Krebs erkrankten Vater in dessen Kanzdungen gab, aber Biolek revolutionierte chischen, das er dort eigentlich perfekt eigentliche Leben in Waiblingen, wohin lei. Beim ZDF war Alfred Biolek zuerst dieses Sendeformat: Hier war das mitun- lernte, rein gar nichts behalten habe, nur die Familie kommt und später auch der Jurist, bevor es ihn hinter und vor die ter ausgefeilte Gericht gleichberechtigt Kamera zog. mit den Gesprächen über Gott und die Die erste Rückkehr von Alfred Biolek Welt, aber auch über das Essen und seinach Freistadt und in sein Elternaus, ja ne Zutaten und natürlich das Verkosten sein Kinderzimmer geriet bei aller Diverknüpft. Die Küche, ein Ort der Lestanz zu seiner alten Heimat 2014 wähbensfreude und des Genusses. Und dierend einer Dokumentation von Sandra se Küche war die böhmische Küche seiMaischberger dann doch noch zu einem ner Mutter, die nach der Aufhebung schönen Augenblick: In der jetzt als Kinder Lebensmittelkarten 1950 (in Westderheim genutzten Villa lag eine Madeutschland) dann in Waiblingen stand, tratzenlandschaft mit einem Dutzend wohin die Familie nach der Vertreibung Kindern darauf, die einen Mittagsschlaf geraten war und wo wieder oder weiter hielten. „Jetzt freue ich mich sogar, daß böhmisch gekocht wurde. „Essen. Trinich das besucht habe.“ ken. Reden.“ – Traditionen einer böhAuch über das Ende des Lebens hat mischen Familie, denen die Bioleks Alfred Biolek einmal in einem Interview auch in Waiblingen wieder nachzuleben sehr offen gesprochen. Er freue sich begannen. „noch auf ein paar Jahre, aber irgendAls Biolek 2010 in seinem Haus in wann, so mit Ende achtzig oder Anfang Köln, wohin er nach Jahren am Prenzneunzig, kann es von mir aus zu Ende lauer Berg in Berlin zurückgekehrt war, gehen“, sagte der große Entertainer und von einer Wendeltreppe stürzte und sprach: „Den Tod finde ich nicht unansich schwere Kopfverletzungen zuzog, Der Masaryk-Platz von Freistadt, das heute zur Stadt Karwin gehört. genehm. Ich bin doch schon alt.“ da verlor er auch sein Gedächtnis, das er Foto: Hons084 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0 Ulrich Miksch Alfred Franz Maria Biolek, TV-Star mit sudetendeutschen Wurzeln, ist am vergangenen Freitag kurz nach seinem 87. Geburtstag in seiner Kölner Wohnung gestorben.

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� 96. Stiftungsratssitzung der Sudetendeutschen Stiftung beschließt Nachtragshaushalt 2021

Ein großes Fest für das Sudetendeutsche Museum Unter der Leitung von Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner hat die 96. Stiftungsratssitzung der Sudetendeutschen Stiftung stattgefunden.

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er Vorstandsvorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, Ortfried Kotzian, berichtete über die Eröffnung des Dokumentationszentrums Flucht – Vertreibung – Versöhnung in Berlin, das ein „Leuchtturmprojekt des Bundes“ sei. Mit dem Sudetendeutschen Museum in München habe man zudem ein „Leuchtturmprojekt der bayerischen Kulturlandschaft“. Ziel müsse es jetzt sein, das Sudetendeutsche Museum noch bekannter zu machen. Dazu solle auch ein großes Museumsfest beitragen, das Staatsministerin Carolina Trautner bereits im letzten Jahr in Aussicht gestellt hat. Dies werde, so Kotzian, das erste Großprojekt des neuen Museumsdirektors Stefan Planker. „Hoffentlich läßt die Corona-Pande-

mie eine solche groß angelegte Feier zu“ hoffte Kozian in seinem Bericht. Außerdem ging der Vorstandsvorsitzende auf die „Weiterentwicklung der Konzeption zur Erforschung, Bewahrung, Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa nach Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes“ ein. Aus dem Text dieser Konzeption lasse sich schließen, daß das Sudetendeutsche Museum und das Sudetendeutsche Haus, die zu einem Zentrum der Sudetendeutschen mit allen Facetten für die Zukunft werden sollen, sich auf dem richtigen Weg befinden. „Vor dem Hintergrund der spezifischen deutschen Verantwortung für die dunkelsten Seiten der jüngeren Geschichte geht es auch darum, das Schicksal von Millionen Menschen in Deutschland und in großen Teilen des östlichen Europas zu achten, die Opfer von Gewaltherrschaft und Vertreibung wurden“, so Kotzian,

der hinzufügte, daß dies auch für deren Nachkommen gelte: „Ihre Geschichte und ihr kulturelles Erbe gilt es nicht allein zu bewahren, sondern immer wieder aufs Neue in allen Fa- Dr. Ortfried Kotzian cetten zu erschließen, zu vermitteln und zu erforschen, um den Respekt für die Perspektive des Anderen zu stärken und eine gemeinsame Basis für die unterschiedlichen Geschichtsnarrative der Europäer aufzubauen. Nicht zuletzt schärft die Beschäftigung mit dem Blick der anderen auch den Blick auf uns selbst.“ Nur im Dialog über die Erinnerungen und Erfahrungen aller könne wirkliches Verständnis wachsen und in Europa langfristig ein friedliches Zusam-

menleben in Freiheit und Demokratie befördert werden, so Kotzian. Der Vorstandsvorsitzende dankte dem vormaligen Museumsdirektor Michael Henker für dessen nachhaltiges Engagement: „Seine Leistungen bei der Entstehung des Sudetendeutschen Museums sind nicht hoch genug einzuschätzen und anzuerkennen. Was mit ihm und durch ihn zusammen mit seinem Museumsaufbauteam entstanden ist, kann sich wahrlich sehen lassen. Wir werden auf seine Fachkompetenz und vor allem das angehäufte Wissen über jedes Detail des Museums wohl immer wieder zurückgreifen müssen.“ Um die weiteren Schritte für das Sudetendeutsche Museum einzuleiten, wurde der Nachtragshaushalt 2021 verabschiedet. Außerdem wurde der Bericht des Volksgruppen-Sprechers Bernd Posselt zum sudetendeutsch-tschechischen Verhältnis mit großem Interesse zur Kenntnis genommen.

eulich wünschten sich Eltern für die Taufe ihres Kindes, daß das Lied „Menschenjunges“ von Reinhard Mey gespielt werde. Ich kannte das Lied nicht, war aber von Text und Melodie angetan. Vor allem der Refrain gefällt mir: „Menschenjunges, dies ist dein Planet, / hier ist dein Bestimmungsort, kleines Paket. / Freundliches Bündel, willkommen herein. / Möge das Leben hier gut zu dir sein.“ Man kann einem wenige Monate alten Kind eigentlich nichts Besseres wünschen, als daß es willkommen sei und das Leben es gut mit ihm meine. Was aus dem „freundlichen Bündel“ einmal werden wird, zu welcher Persönlichkeit es sich entwickelt und welche Lebensumstände eine Rolle spielen, das liegt zu diesem Zeitpunkt noch völlig im Offenen. Einen Tag nach der Taufe hatte ich eine Beerdigung. Zu den intensiven Seiten meines Berufes als Seelsorger gehört, daß ich für die christliche Willkommenskultur und die christliche Abschiedskultur gleichermaßen zuständig bin. Beides liegt oft eng nebeneinander. Im konkreten Fall durfte ich den irdischen Abschied für eine Frau gestalten, die als junge Erwachsene aus ihrer Heimat im östlichen Mähren vertrieben worden war und auf der schwäbischen Ostalb ein neues Zuhause gefunden hatte. Oft staune ich, wieviel Frohes, wieviel Schwieriges, vor allem aber wieviel Buntes sich unter einem Lebensbogen versammelt. Diese Frau hatte einen deutschen Vater und eine tschechische Mutter. Aufgrund des väterlichen Berufes im Bahndienst zog die Familie öfters um: Zlin, Nesamyslitz, Blanz, Mährisch Schönberg. Mit 14 Jahren trat das Mädchen in eine Lehrerbildungsanstalt ein. Bei einer Tanzveranstaltung lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, justament während der Schlager gespielt wurde: „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein.“ Doch der Himmel wurde trüb. Der Herzallerliebste wurde eingezogen und kam erst vier Jahre nach Kriegsende zurück, dann allerdings nicht mehr in die Tschechoslowakische Republik, sondern nach Deutschland. Hier hatte sich seine Verlobte einstweilen wie so viele andere Vertriebene mit ihren Eltern durchgefrettet. Beide waren dann jahrzehntelang Lehrer. Sie wurden Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Aus der Beschreibung ihrer Tochter spürte ich eine mitteleuropäisch-humanistische Lebenseinstellung alter Schule heraus. Der Mann starb bereits vor ein paar Jahren. Die Frau war in ihrem Alter stark dement. „Wer bin ich, wer bin ich“, so fragte sie angeblich in diesem Zustand immer wieder. Nimmt das Wunder? Ich meine: Bei einer solchen Lebensgeschichte mit so viel Flickwerk-Heimat – nein! War das Leben gut zu ihr, wie man es bei einer Taufe einem kleinen Kind gerne wünscht? Ich antwortete in der Beerdigungsansprache mit einem Gedanken von Dietrich Bonhoeffer: „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. / Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.“ Und so wünsche ich dieser Frau wie jeden Verstorbenen, daß es im Himmel heiße: „Freundliches Bündel, willkommen herein. / Hier wird es auf ewig gut für dich sein.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

Marienbader Gespräche 2021

Tragen wir die Zacken der Vergangenheit ab Noch nie hatten die Marienbader Gespräche so viele Teilnehmer wie heuer. Zum ersten Post-Corona-Treffen des Sudetendeutschen Rates waren 70 Tschechen und Deutsche gekommen. „Die Vertreibung – ein Zukunftsthema? Geschichte – Gegenwart Ulrich Miksch und Kateřina Tučková. – Perspektiven“ waren der Stoff für die Gespräche am ver- sich zu einem Jahrhundert der gangenen Wochenende in dem Vertreibungen. Deshalb ist es wichtig, daß wir uns intensiv mit noblen Kurort. Menschen-, Volksgruppen- und risen, Kriege, Katastrophen, Minderheitenrechten befassen.“ Klimawandel und CoroUnter Ulrich Mikschs Mona: Weltweit seien 82 Millionen deration befaßte sich Kateřina Menschen auf der Flucht, steuer- Tučková damit. Sie stellte sich, te Christa Naaß, Generalsekretä- ihren Werdegang, ihren Vertreirin des Sudetendeutschen Rates, bungsroman „Gerta. Das deutdirekt das Gesprächsthema an. sche Mädchen“ und dessen EntVertreibung habe spätestens seit stehungsgeschichte vor. Sie erdem Ersten Balkankrieg 1912 als zählte, wie sie als Studentin in legitimes Mittel der Politik ge- Brünn auf dessen deutsche Gegolten. Im und nach dem Zwei- schichte gestoßen sei. Wie sie alten Weltkrieg seien Millionen te Briefe inspiriert hätten. Deutsche Opfer von Flucht und Erst die Enkelgeneration haVertreibung geworden. 75 Jah- be das Tabu-Thema Vertreibung re später wollten sich die Mari- angesprochen. Zu ihnen habe enbader Gespräche dessen und der 1977 in Brünn geborene Grüder Ursachen erinnern. „Auch nen-Politiker Ondřej Liška gedas 21. Jahrhundert entwickelt hört, der 2007 bis 2009 Minister

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für Schule, Jugend und Sport Drei Monate später sei in Stutt- ern durch das mit Deutschland wickelt. In Zeiten der Entspangewesen sei. Ihr Buch sei ein gart das Wiesbadener Abkom- verbündete Osmanische Reich nungspolitik habe das Wort VerWegbereiter des Brünner Ver- men zwischen Exiltschechen und 1915/16 anerkannt. „Was Hitler, treibungsverbrechen Gänsefüßsöhnungsmarsches gewesen. Sudetendeutschen unterzeichnet Himmler und Co. 1939 mit den chen bekommen. „Vyhnání Gerty Schnirch“ er- worden. Dieses habe eine Kol- Tschechen vorhatten, wäre auch Kittel: „In den achtziger Jahschien 2010. Mittlerweile wur- lektivschuld ganzer Völker aus- Völkermord gewesen.“ ren hatte der US-amerikanische de der Roman in elf europä- drücklich abgelehnt. Damit sei Die UN-Konvention habe Völ- Holocaustforscher Steven T. Katz ische Sprachen übersetzt. ein wichtiges Stück europäischer kermord sehr weit gefaßt. Darauf im Sinne der Singularität des HoSeit 2018 gibt es ihn auch auf Rechtskultur geschrieben wor- habe 1954 schon der damalige locausts vorgeschlagen, zwei Tydeutsch. Zuvor war kein deut- den. FDP-Bundesjustizminister Fritz pen von Genoziden zu unterscher Verlag bereit, das Buch Der Bundestag habe heuer im Neumayer hingewiesen. Da- scheiden. Dabei sollte die eine zu übersetzen. Zum Schluß hör- Mai die Verbrechen der Deut- zu gehörten nicht nur Tötungen, Form die physische Zerstörung te das Publikum Proben aus der schen an den Herero aller Mitglieder einer tschechsichen und aus der deut- und Nama in SüdwestGruppe, die andere die schen Ausgabe des Romans. afrika ab 1904 als VölZerstörung ihrer IdenUnter dem Titel „70 Jahre kermord anerkannt. Im tität umfassen.“ nach dem Wiesbadener Abkom- Zusammenhang damit Der Althistoriker Almen: Anmerkungen zum deut- werde Kittels Prognose fred Heuß habe 1984 schen Vertreibungsdiskurs“ be- nach auch die Vertreivon Phylozyd oder leuchtete Manfred Kittel vor bung der Deutschen in Stammesmord gesproallem auch die Frage der Charak- Mitteleuropa – wegen chen. Nach der Vertreiterisierung der Vertreibung als der Verschiebung der bung hätten die DiaVölkermord. Der Historiker wur- Blickwinkel – wieder lekte der Heimat aufde 2009 zum Gründungsdirektor stärker im Rahmen des gehört zu existieren. der Bundesstiftung Flucht, Ver- Völkermord-Diskurses Es seien Volksgruppen Professor Dr. Manfred Kittel, Milan Horáčem MdB a. D. und zerstört worden, ohne treibung, Versöhnung in Ber- zum Thema werden. lin berufen. Unter ihm wurde die Der Begriff des Völ- MdEP a. D. mit Bernhard Pohl MdL. Bilder: Nadira Hurnaus die das Bild der deutStiftung personell und organisa- kermordes sei im Land schen Geschichte über torisch aufgebaut und eine Kon- des Holocausts lange eng mit sondern auch Handlungen mit ein halbes Jahrtausend hindurch zeption für die künftige Dauer- der Vernichtung der Juden ver- dem Willen, Völker zu zerstören, unvorstellbar gewesen wäre. ausstellung der Stiftung im Berli- knüpft gewesen. „Doch bereits sowie körperliche und seelische Er persönlich, so Kittel, würner Deutschlandhaus erarbeitet. 1954 überführte der Bundestag Schädigungen oder die Wegnah- de den deutschen Exodus aus Als zu vertriebenenfreundlich die UN-Völkerrechtskonventi- me von Kindern, um das Weiter- dem Osten am ehesten als Verunter Druck gesetzt, ersuchte on von 1948 in nationales Recht. bestehen der Volksgruppe zu be- brechen gegen die Menschheit Kittel 2014 um eine andere Ver- Diese klassifiziert Vertreibung hindern. einordnen. Doch könne er nachwendung. 2015 zeichnete die SL als Völkermord.“ Die UdSSR hätDer jüdische Sozialdemokrat vollziehen, daß es nach der Hereihn mit ihrem Menschenrechts- te 1948 der UN-Konvention wohl Jakob Altmeier habe im Bundes- ro-Resolution aus dem Vertriebepreis aus. Heute lehrt er un- nur zugestimmt, weil diese zu po- tag 1954 daran erinnert, daß die nenbereich Kritik gegeben habe. ter anderem als Professor an der litischen Säuberungen geschwie- Deutschen an den Juden zu Tä- Jedenfalls sei für ihn im Sinne der Universität Regensburg. gen habe. tern geworden seien und daß Un- UN-Konvention kein entscheiAm 9. Mai 1950 habe der da2016 habe das Parlament auch recht weiteres Unrecht erzeugt dender Unterschied zwischen eimalige französische Außenmi- den Völkermord an den Armeni- habe. Die Austreibung der Deut- nigen der schlimmsten Kapitel nister Robert Schuman schen sei für Altmaier Völ- der Vertreibung etwa in Jugoslaseinen Plan für eine Zukermord gewesen. wien ab 1945 und den schrecklisammenlegung der deutMit der ost- und ge- chen Verbrechen in Südwestafrischen und französischen schichtspolitischen Zei- ka ab 1904 zu erkennen. Kohle- und Stahlproduktenwende in den sechziger Christina Meinusch ist seit 1. tion bekanntgegeben, beJahren habe sich ein stil- April Heimatpflegerin der Sudegann Kittel. Schuman haler Begriffswandel vollzo- tendeutschen. Am 15. April erbe seine Sozialisation in gen, und der Holocaust sei schien in der Sudetendeutschen Lothringen erfahren und für die Bundesdeutschen Zeitung ein Interview, in dem sie fließend deutsch gesproder Völkermord schlecht- sich vorstellte. Das war das erste chen. Er sei ein Aktivist hin geworden. Gleichzei- Interview von Torsten Fricke, der der deutsch-französischen tig habe sich Vertreibung ebenfalls seit 1. April an Bord des Freundschaft gewesen. Christa Naaß MdL a. D. und Christina Meinusch. zu einem Randthema ent- sudetendeutschen Schiffes und

PERSONALIEN Name, Vorname ________________________________________ Straße, Hausnummer ____________________________________ Postleitzahl, Ort ________________________________________ Telefon _______________________________________________ eMail ________________________________________________ Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________

Datum, Unterschrift ____________________________________ Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/ unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit. Kontobezeichnung (Kontoinhaber) _______________________

Am 1. August feiert Renate Ruchty, Vorsitzende der DBBOrtsgruppe München und der Böhmerwald Sing- und Volkstanzgruppe, 70. Geburtstag.

Verdienstvolle Böhmerwälderin voller Frohsinn

R

enate wurde als jüngstes Kind der Böhmerwäldler Familie Fuchs in München geboren. Ihr Vater Friedrich Fuchs war langjähriger Leiter der DBBOrtsgruppe München und Vorsitzender des DBB-Landesverbandes Bayern. So kam Renate früh mit dem Böhmerwaldbund und der Sing- und Volkstanzgruppe in Berührung. Sie war und ist noch für jeden Spaß zu haben und war natürlich auch Mitglied der damaligen Prinzengarde. Nach einer Familienpause wegen der Geburt ihrer Kinder Gabriele und Michael kehrte sie 1998 voller Tatendrang zurück. 2005 wurde sie einstimmig zur

Renate Ruchty 70 Obfrau der Ortsgruppe München gewählt und trat in die Fußstapfen ihres Vaters, der sicher stolz auf sie gewesen wäre. Seit einigen Jahren ist Renate nun auch Leiterin der Sing- und Volkstanzgruppe und hält alle Fäden in der Hand. Die Aufgaben sind gewaltig und nur mit großem Enthusiasmus und Fleiß zu bewältigen. Rückhalt findet sie bei ihrer Familie, vor allen bei ihren drei Enkeln, die sie als Vollblutoma zu jeder Tages- und Nachtzeit betreut. Die Arbeit für die Gruppe macht aber auch viel Spaß und erfüllt Renate mit Stolz, wenn wieder ein Oktoberfestumzug oder ein Auftritt erfolgreich ge-

meistert wurde. Ein Höhepunkt war 2019 die Verleihung des Kulturpreises des BdV aus den Händen des Ministerpräsidenten Markus Söder in der Residenz. Auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt würdigt die Jubilarin, die er sehr schätzt: „Renate Ruchty ist die menschgewordene Böhmerwald-Kultur in all ihrer Vielgestaltigkeit und Ursprünglichkeit. Gleichzeitig wurde ihr nicht nur ein pädagogisches Talent förmlich in die Wiege gelegt, sie ist zudem eine Meisterin im Inte-

grieren und im GemeinschaftBilden sowie eine kämpferische Interessenvertreterin der ihr Anvertrauten. Ich wünsche ihr von Herzen Gottes Segen, viel Erfolg und eine gute Gesundheit, um die Fülle ihrer Aufgaben auch weiterhin so vorbildlich ausüben zu können.“ Liebe Renate, wir hoffen, daß Du uns noch viele Jahre als Vorsitzende begleiten wirst. Die Zeiten der Pandemie, in der es keine Auftritte und Monatstreffen gab, haben sicher an Dir gezehrt, aber es ist Licht am Horizont. Wir wünschen Dir alles erdenklich Gute, Gesundheit, Zuversicht und daß Du Dir Deine immerwährende Fröhlichkeit auch in schwierigen Situationen erhältst. Ingrid Heigl

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30/2021

Sudetendeutsche Zeitung Hochstraße 8, 81669 München eMail svg@sudeten.de

Am 24. April starb Hans Manlik, verdienstreiches und allseits beliebtes Mitglied der oberfränkischen SL-Kreisgruppe Hof mit Wurzeln im Egerland und im Böhmerwald.

M

it Hans Manlik ist ein wirklich Getreuer von uns gegangen. Der Geistliche schilderte ihn beim Requiem als treuen Begleiter, als Wanderer, als Betreuer für die Neffen und Nichten, als verläßlichen Nachbarn und treuen Vereinsfreund. In seinem Gottvertrauen war er in letzter Zeit trotz schwerer Krankheit nicht verbittert. Er hatte in sei-

Verdienstreiches Mitglied der SL-Kreisgruppe Hof

Hans Manlik † nem Glauben dem vorgegebenen Weg zugestimmt. Die Eltern von Hans Manlik stammten aus dem Egerland und aus Neuern im Böhmerwald. Zur Welt kam er am 15. Dezember 1951 in Marktredwitz. Er wuchs in Hof auf und war bei den Gebirgsjägern. Nach dem Jurastudium arbeitete er bei einer Bank. Er war sehr gebildet, strukturiert in der Arbeit und im Denken und

verfügte über ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Daneben besaß er einen feinen Humor. Beim Sprechen hatte er leichte Schwierigkeiten, aber was er schrieb, war wunderschön. Er wird vielen fehlen. Hofs SL-Kreisobmann Bertl Schiller drückte es in seiner Ansprache emotional aus. Die Sudetendeutschen in Hof seien traurig, sehr traurig über das doch plötzliche Ableben ihres Mitglieds. Hans sei ein intelligenter werteliebender Sudetendeut-

scher gewesen. Obwohl er schon in der neuen Heimat geboren worden sei, habe er die sudetendeutsche Geschichte, die Heimat seiner Eltern genau gekannt. Er habe diese Orte oft besucht und sich die Gegend erwandert. Sein Pflichtbewußtsein sei vorbildlich gewesen. Fleiß und eine stetige Freundlichkeit hätten ihn gekennzeichnet. Die SL Hof verliert mit ihm einen hervorragenden Kassier, Freund und Landsmann. Wir danken ihm für seine langjährige Mitarbeit und werden ihn in Erinnerung behalten. Lieber Hans, ruhe in Gottes Segen. Diesen letzten Sätzen schließt sich die gesamte SL-Bezirksgruppe Oberfranken an! lr


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AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

und gehen versöhnt in eine gemeinsame Zukunft mein Ko-Chefredakteur ist. Damals begann Meinuschs Vorstellungsmarathon, den die Sudetendeutsche Zeitung seitdem dokumentiert. Den läuft Meinusch mit erstaunlicher Gelassenheit, herzerwärmender Liebenswürdigkeit und bezaubernder Wßbegierde. Jüngster Vorstellungstermin war Marienbad. Auch hier spürte man das gegenseitige Interesse. Die Landsleute freuten sich über Meinuschs Informationen, Meinunsch freute sich über die Anregungen der Landsleute. Unser Prag-Korrespondent Jaroslav Šonka blickte ein wenig in die deutsch-tschechische Vergangenheit und ein wenig in die deutsch-tschechische Gegenwart. Vor 200 Jahre, sagte er, sei-

Jaroslav Šonka: Referent in Marienbad und SdZ-Korrespondent in Prag. Bilder (6): Nadira Hurnaus en Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien zweisprachig gewesen. Selbst Edvard Beneš habe fließend und akzentfrei deutsch gesprochen. Die Juden seien als Händler mehrsprachig gewesen. Nun sei es an der Zeit, die Zacken der Vergangenheit abzutragen. Über die Jahrhunderte sei Latein die Sprache der Gebildeten gewesen. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sei der Teig für die Nationalitätenkon-

flikte angerührt worden. Ein Argument sei das Nichtverstehen der Sprache der anderen Volksgruppe gewesen. So habe der „Brave Soldat Schwejk“ seine Befehle zwar auf österreichisch erhalten, selber aber nicht mehr deutsch gesprochen, sondern geböhmakelt. Auch Tomáš G. Masaryk, der erste Präsident der Ersten Tschechoslowakischen Republik, sei zweisprachig gewesen. Im Sudetenland habe er deutsche Ansprachen gehalten, um die deutschsprachigen Landsleute in den neuen Staat zu integrieren. Dann seien die deutschen und tschechischen Nationalisten gekommen. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hätten die Nationalsozialisten die Deutschlandfrage zugespitzt. Allerdings hätten die Nationalsozialisten die Sudetendeutschen nicht nach ihrer Meinung befragt. 1967/68 habe ein Erwachen stattgefunden. Die Jungen hätten ihre Eltern gefragt, was sie vor, im und nach dem Krieg gemacht hätten, warum sie in diesem Teil Europas aufwachsen müßten. Die meisten Älteren hätten ihr Leben angepaßt, sich im Kommunismus eingerichtet. Das jugendliche Aufmüpfen sei allerdings friedlich gewesen. „Heute sitzen wir hier in Marienbad zusammen, suchen gemeinsame Spuren, finden Gemeinsamkeiten. Die Tschechen sollten noch ein bißchen Deutsch lernen, die Deutschen vertrauter mit den Háčeks, den Häkchen auf den tschechischen Buchstaben werden. Dann können wir zusammen in eine versöhnte Zukunft gehen“, schloß Jaroslav Šonka. Über „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ sprachen folgende Mitglieder des Bayerischen Landtages:

Markus Rinderspacher, Mitglied der SPD-Fraktion und Landtagsvizepräsident, Bernhard Pohl, Vertriebenenpolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Wähler, Florian Siekmann, Grü-

cher der FdP-Fraktion, und Gerhard Hopp, CSU-Mitglied des Europaausschusses. Weitere Gesprächspartner des Podiums waren der sozialdemokratische Kommunalpolitiker Wilhelm Si-

Pendler der Tschechischen Republik mit dem Brückenbauerpreis des Collegiums Bohemia Bavaria geehrt worden war. Die Gesprächsrunde moderierte Peter Becher, der Vorsitzende

regionen und auf das sudetendeutsch-tschechische Verhältnis dokumentiert diese Zeitung seit Beginn der Pandemie. Nächste Woche werde ich über den weiteren Verlauf der Marienbader

Florian Siekmann MdL und Wilhelm Simeon von der ČSSD.

Dr. Gerhad Hopp MdL und Pendleraktivistin Zuzana Vintrová.

Moderator Dr. Peter Becher.

Markus Rinderspacher MdL.

Dr. Helmut Kaltenhauser MdL und Bernhard Pohl MdL.

nen-Mitglied des Europaausschusses, Helmut Kaltenhauser, Vertriebenenpolitischer Spre-

meon aus Eger und Zuzana Vintrová, die als Präsidentin der Verwaltungsrates des Verbandes der

des Adalbert-Stifter-Vereins. Die Corona-Auswirkungen auf die deutsch-tschechischen Grenz-

Das Herzstück des Kurortes Marienbad sind die Kolonaden.

Gespräche berichten. Und dann wird es neben Politik auch Musik geben. Nadira Hurnaus


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KULTUR

Die Referentinnen Bettina Hofmann-Käs und Isabelle Hardt … „Dummes Katherl, bleder Seff“ war der Titel der Vortragsveranstaltung von Isabelle Hardt und Bettina Hofmann-Käs im Sudetendeutschen Haus. Die beiden Referentinnen stellten auf Einladung von Christina Meinusch, der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, ausgewählte Vornamen und deren Varianten in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien mit ihren Verballhornungen, Spottversen und Heiligentagen vor. Die Sprachwissenschaftlerinnen von der Universität Gießen arbeiten seit langem am vielbändigen Projekt „Sudetendeutsches Wörterbuch“ und stellen immer Einzelgebiete vor.

L

eider werden im Sudetendeutschen Wörterbuch Flur- und Familiennamen nicht berücksichtigt“, so Bettina HofmannKäs. „Eigennamen und ihre Verbreitung und Lautformen in mundartlichen Varianten werden jedoch untersucht und aufgenommen!“ Die Personennamen kämen oft von Namen kirchlicher Heiliger. Diese Vornamen würden häufig auf andere Gebiete übertragen und kämen auch in Spottversen, Abzählreimen, Wetter- und Bauernregeln vor und seien so auch ins Brauchtum eingegangen.

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

… sowie Heimatpflegerin Christina Meinusch im Adalbert-Stifter-Saal.

Vortragsreihe über Sudetendeutsche Mundarten fortgesetzt

Kathi und Durl, Kuba und Seff Südmähren, da in der Vorweihnachtszeit das Tanzen verboten gewesen sei. Da es an diesem Tag oft schon Schnee gegeben habe, sei der Name auch oft in Bauern- und Wetterregeln zu finden, wie im westböhmischen Spruch „Kadrain flöigt da Schäi zan Fensta ain“ oder „O Kathrein muß daos Kraut rai“ im Kuhländchen. Ähnlich varianten- und bedeutungsreich gehe es bei „Dorothea“ zu, fuhr Bettina HofmannKäs mit einem zweiten Frauennamen fort. Das Dorchen in Nordböhmen und Dorl in Westböhmen sei auch im Böhmerwald pejorativ als „dumme Durl“ vorgekommen. Der Name stamme von der Heiligen Dorothea mit ihrem Ehrentag am 6. Februar, was auch zu Wetterregeln geführt habe: „Die heiliche Dorothee die wot ganne eim tiefa Schnee“, was in Wek-

Karte der Mundarten in Böhmen, Mähren und Schlesien. Bild: Sudetendeutsche Heimatpflege

kersdorf in Ostböhmen belegt sei. „Auch dieser Name konnte als ,Durl‘ für den Spielkreisel gefunden werden, so in West- und Nordböhmen. ,Duerl‘ ist auch ein egerländischer Tanz. ,Durl‘ steht für die Blume Hahnenfuß und ,Dorotheerl‘ für das Gänseblümchen“, schloß Hofmann-Käs ihren Teil des Vortrags. Weiter ging es mit „Jakob“ und „Josef“, die Isabelle Hardt in ähnlicher Weise in ihrem Bildervortrag vorstellte. „Jakob kommt ursprünglich von dem hebräischen Namen des Stammvaters der Israeliten, dem Enkel des Abraham im Alten Testament. Der Name komme ebenfalls in vielen mundartlichen Lautformen vor, etwa als Jakub oder Kuba. Regional gebe es etwa Jakš in Nordböhmen und Jōkl in der Olmützer Sprachinsel oder Kosenamen wie Gakl in Westböhmen.“

Katharina und Dorothea in Mundart Da es soviel über das Thema zu erzählen gab, hatten sich die beiden Referentinnen, Bettina Hofmann-Käs und Isabelle Hardt von der Universität Gießen, das Thema aufgeteilt. Zunächst sprach Hofmann-Käs bei ihrem Bildervortrag über die mundartlichen Varianten der Frauennamen „Katharina“ und „Dorothea“. „Katharina kommt in unglaublich vielen Lautformen vor“, so die Referentin. Von Kathe in Nordböhmen und Katherl in Westböhmen über Kathle im Kuhländchen und Kothe im schlesischen Sprachgebiet bis hin zu Käthe und Kathrei(n) im gesamten Sudetengebiet zählte sie alle möglichen Varianten auf. Der Namen habe auch Eingang in Sprichwörter und Spottverse gefunden wie bei dem südmährischen Vers „Katharina Rumpltoschen, geh mit mir i‘s Weinba (Weinbeeren) noschen“. Er sei auch als generelle Bezeichnung für Frauen verwendet worden wie in „seelensgude Kate“, was für Nordmähren, und „bleede Kaade“, was für Nordböhmen belegt sei. „Tatsächlich kamen Abwandlungen des Namens auch als Bezeichnung für Tiere wie Katze, Kuh oder Krähe vor“, schilderte sie mit Beispielen. Eine „Katscha“ sei auch die Bezeichnung für einen Spielkreisel. Ähnliche Namen gebe es für die Wucherblume und die Herbstzeitlose. Der Eigenname stamme von der Heiligen Katharina von Alexandrien, deren Festtag der 25. November sei. Dies habe zu Sprichworten geführt wie „Kathrein stöllt Tanz u Fidl ein“ in

Beispiele aus der Präsentation zu Brauchtums- und Wetterregeln über die Namenstage der Heiligen.

Bilder: Isabelle Hardt

Langjährige Forschungs- und Dokumentationsarbeit

Mundart-Mammutprojekt Anläßlich des Vortrags über Eigennamen in den Mundarten Böhmens und Mährens stellte Bettina Hofmann-Käs das „Sudetendeutsche Wörterbuch“ vor, an dem sie gemeinsam mit Isabell Hardt seit Jahren arbeitet und forscht.

D

as Sudetendeutsche Wörterbuch ist ein wissenschaftliches Dialektwörterbuch, das die fünf verschiedenen deutschen Mundarten der geographischen Regionen Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien darstellt.“ Dabei gehe es um das Mittelbairische in diversen Re- Einträge aus der neuesten Lieferung. gionen vom mittleren Böhmerwald bis Südmähren, das NordbairiHofmann-Käs erläuterte die Geschichsche oder Oberpfälzische in Westböhmen, te dieses Forschungsprojektes, das in der das Ostfränkische in Nordwestböhmen, Zwischenkriegszeit von Ernst Schwarz und das Obersächsische in Nordböhmen und Erich Gierach mit einer Sammlung zu eidas Schlesische in Ostböhmen und Nord- nem Wörterbuch der sudetendeutschen mähren, schilderte sie zu einer Sprachen- Mundarten an der Karls-Universität in Prag karte. begründet wurde.

1957 habe man in Nachfolge des Prager Germanisten Franz J. Beranek dieses Projekt an der Justus-Liebig-Universität Gießen wiederaufgenommen. Dafür habe man damals 700 Gewährsleuten insgesamt 120 Fragelisten vorgelegt, deren Ergebnisse wie auch „freie“ Einsendungen bis heute ausgewertet würden. Außerdem würden zusätzlich Heimatchroniken und wissenschaftliche Publikationen gesichtet. Von dem Mammutprojekt, das schon zwei Jahrzehnte lang von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und über das Collegium Carolinum (CC) in München vom Freistaat Bayern finanziert wird, erscheint jährlich eine Lieferung mit je 80 Seiten. „Wir sind jetzt bei ,K‘ in der zweiten Lieferung des sechsten Bandes“, verkündet Bearbeiterin Bettina Hofmann-Käs stolz. Susanne Habel

Bilder: Susanne Habel Der Eigenname stamme jedoch eigentlich vom Heiligen Jakobus, dessen Festtag „Jakobi“ am 25. Juli sei. Das habe zu Redensarten geführt wie „Scho widr Jakoben“ im Schönhengstgau oder Wetterregeln wie „Voar Jakowe schläächt, nou Jakowe rächt“ in Westböhmen oder „Wenns zu Jakobi u Anna reint, reints sechs Wochen“ im Kuhländchen. In den Bauernregeln zeige der Tag die Getreideernte an wie im Böhmerwald „Auf Jakobi is ‘s Kornschnei“. In vielen Regionen gebe es den „billigen Jakob“ als Name für einen hausierenden Händler. Jakob könne jedoch auch generalisierend verwendet werden für einen gutmütigen Mann, belegt in Westböhmen, oder einen einfältigen Mann in Südmähren. „Auch Jakob kann für Tiere verwendet werden“, sagte Hardt, „etwa für Dohle, Elster, Rabe und Star in Nordböhmen oder für den Stier im Böhmerwald.“ Interessanterweise werde der Männername – anders als Frauennamen – nicht für Blumen verwendet. Nach „Jakob“ wendete sich Isabelle Hardt dem häufigen Namen „Josef“ zu. Hardt zählte beliebte Kurz- und Koseformen auf: Der Seppl oder Seferl im Süden sei beispielsweise ein Josi oder Bep/Pep in Westböhmen, ein Joška im Schönhengstgau und ein Gōs oder Guasl in Westböhmen. Man habe damit auch einen dummen, tollpatschigen Menschen benannt, wie „pleder Seff“ in Nordböhmen und viele Spottverse damit gedichtet wie in dem deftigen „Seffla scheißt a Häffla“ in der Wachtler Sprachinsel.

Die Namen Jakob und Josef in der Heimat Der Vorname bezeichne ebenfalls ursprünglich eine Figur im Alten Testament: Josef, der elfte Sohn Jakobs, wird von seinen neidischen Brüdern nach Ägypten verkauft. Meistens dächte man bei Josef jedoch an den Ehemann der Heiligen Maria, einen Zimmermann. Daher sei Josef von Nazareth mit seinem Gedenktag, dem 19. März, auch Schutzpatron von holzverarbeitenden Handwerkern. „In Wallern im Böhmerwald war der Josefstag ein ,Weachtafeichta‘ also ein Halbfeiertag mit feierlichem Hochamt am Vormittag, an dem alle ,Hölzer‘ mit ihren Fahnen teilnahmen“, so Hardt. Der Nachmittag sei wieder Arbeitstag gewesen. Und natürlich habe es auch zu diesem Termin viele Bauern- und Wetterregeln gegeben. „An Josef muß sugor da faulste Bauer an Feld sei“, was in Nordwestböhmen belegt sei und auf den Beginn der Pflanzsaison weise. „Dr heiliche Josef schlecht a glüniche Pfohl in die Arde“, bedeutete in Schatzlar, jetzt werde der Boden warm. „Josefi-Sprüche handelten auch davon, daß Schafe wieder ins Freie durften“, beendete die tierliebende Isabelle Hardt den spannenden Vortrag mit einem Foto ihrer eigenen Schäfchen. Susanne Habel


� SL-KG Regensburg

Weschta folgt Kaunzner Mitte Juli fand die Jahreshauptversammlung der oberpfälzischen SL-Kreisgruppe Regensburg statt. Nach 25 Jahren als Steuermann der Kreisgruppe kandidierte Friedrich Kaunzner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

� Lindewiese/Mährisch-Schlesisen

Vom Altvater zu den Altbayern Blick durch das Gitterrelief auf den Brunnen und die Stele.

� Heimatkreis Brüx und SL-Kreisgruppe Erlangen/Mittelfranken

Gedenkensemble und Gelübde

F

ranz Weschta aus Regenstauf wurde als neuer Kreisobmann gewählt. Sein Stellvertreter ist Reinhard Riedl aus Neutraubling. Egolf Biscan aus Obertraubling ist neuer Schriftführer. Kaunzner bleibt bis 31. Dezember als Vermögensverwalter im Amt.

Die Delegierten aus den sechs Ortsgruppen von Stadt und Landkreis Regensburg bedankten sich bei ihrem langjährigen Kreisobmann Friedrich Kaunzner mit einem Präsentkorb. Der neue Kreisobmann Franz Weschta würdigte die Verdienste seines Vorgängers. Seit 1996 habe Kaunzner jedes Jahr den Tag der Heimat mit Blick auf die verlorene Heimat Böhmen beziehungsweise mit SL-nahen Schwerpunkt-Themen immer bestens organisiert. Die jährlichen Tage des Selbstbestimmungsrechts beziehungsweise 4.-März-Gedenkfeiern mit Beiträgen klassischer Musik seien stets Höhepunkte im Regensburger Kulturleben gewesen. Dabei hätten SL, AckermannGemeinde, Seliger-Gemeinde und Witikobund die Festredner gestellt. Als Kulturreferent der SL-Bezirksgruppe sei Kaunzner nicht nur Festredner bei den Kreisgruppen gewesen, er habe auch Kulturtagungen mitgestaltet. Darüber hinaus sei er viele Jahre im Präsidium des Oberpfälzer Kulturbundes sowie im Kulturbeirat der Stadt Regensburg gewesen. 2016 habe ihn der damalige Bürgermeister Joachim Wolbergs als Mitglied in den Regensburger Intergrationsbeirat berufen. Umfangreich sei auch Kaunzners Öffentlichkeitsarbeit mit Vorträgen aus Geschichte, Kunstgeschichte und Wissenschaft im Abendforum der Universität, im Albertus-Magnus-Bildungshaus der Diözese, in der Franken-Akademie Schloß Schney und im Regenstaufer Schloß Spindelhof gewesen. Kaunzner habe auch die Bücher „50 Jahre Flucht, Deportation, Vertreibung“, „Heimat Böhmen – Ein historisches Gedenkbuch – Böhmen, Mähren, Schlesien“ und das Heimatbuch „Tiß – Kratzin“ verfaßt. Für seine Verdienste habe er 2001 das Kleine Ehrenzeichen, 2006 das Große Ehrenzeichen und 2018 die Lodgman-von Auen-Plakette erhalten. Diese Medaille erinnere an Rudolf Lodgman Ritter von Auen und sei die höchste Ehrenauszeichnung der SL.

tiuskirche und Studentenhaus. Erlangen investierte 280 000 Euro in Sanierung und Gestaltung am neuen Standort. Bei der feierlichen Übergabe bekannte sich Erlangens Oberbürgermeister Florian Janek zur Verpflichtung, die Patenschaft heute und in Zukunft zu pflegen. Neben diesem Denkmal stehen auch die Heimatstuben der Brüxer und der Komotauer, für die die Stadt seit Jahrzehnten die Miete bezahlt. Zur Feier war auch Christa Naaß, Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin und mittlerweile Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, gekommen. Sie betonte, wie wichtig es sei, an die Kultur der Heimat zu erinnern und sie auch aufrecht zu erhalten. Christoph Lippert, Obman der SL-Kreisgruppe Erlangen, betonte, daß nach verschiedenen Sichtweisen auf die Vorgeschichte der Vertreibung, die SL mittlerweile eine konstruktive und versöhnliche Politikbetrachtung betreibe und damit zu einem Motor der Aussöhnung geworden sei. Peter Wesselowsky, Obmann des Ver-

eins der Heimatgemeinden des Bezirkes Brüx, stellte das Denkmal vor: „Es besteht aus einem Brunnen, einer Stele und einem Gitterrelief. Die Oberfläche des Brunnes ist dem Umriß von Böhmen nachempfunden. Die Sterlangen übernahm bereits le trägt die Wappen von Böhmen 1949 die Patenschaft über die und Erlangen. Das Relief zeigt eiVertriebenen aus Brüx, zu denen ne Art Skyline von Brüx mit den sich mittlerweile auch die GeKirchtürmen, der Burg, den Kohmeinden des ehemaligen Landlefördertürmen und den Bergen kreises mit Städten wie Oberleudes Mittelgebirges.“ tensdorf, Obergeorgenthal und Nach der totalen Zerstörung Katharinaberg zusammenfander historischen Stadt mit drei den. Als sich abzeichnete, daß die Plätzen, Rathaus, Kreisgericht, tschechoslowakische Regierung Gymnasium, Brauerei und TheaBrüx dem Abbau der Braunkohle ter sowie eindrucksvollen Büropfern werde, beschloß der Vorgerhäusern ist dieses Denkmal stand der Heimatgemeinde, mit Erinnerung, aber auch Mahneinem Denkmal an die Stadt zu mal, daß man für 100 Jahre Enerinnern. Mit Spenden der Mitergiegewinnung aus Braunkohle glieder wurde nach dem Entwurf diese Stadt dem Abbruch ausgedes Brüxers Professors Dankwart liefert hat. Mittlerweile liegt ein Lehinat 1963 ein Denkmal am See über der historischen Fläche. ehemaligen Studentenhaus erDie Brüxer halten dennoch die richtet. Mittlerweile fanden hier Geschichte für die Zukunft aufstädtebauliche Umgestaltungsrecht. Nach ihrer erfolgreichen maßnahmen statt. Verteidigung gegen den Angriff Der neue Standort ist ein zenund die Belagerung der Hussiten traler Platz mit viel Publikumsgelobten die Brüxer 1421, fortan verkehr im Bereich von Bonifaan Maria Schnee mit Dankgottesdienst und Prozession dieses Tages zu gedenken. An jedem ersten Wochenende im August lösen sie ihr Gelübde ein. Heuer wird es das 600. Mal sein. „Wir sind stolz, daß wir uns bis heute an Der Brüxer Heimatkreisbetreuer Günter Thiel, Dritte Bürgermeisterin Christa Niclas, Rat- dieses Gelübde halhausmitarbeiter Peter Steger, Christa Naaß, Peter Wesselowsky, Christoph Lippert und ten“, sagt Peter WesFlorian Janek in Radfahrerkluft, der von einer Benefizfahrt kam. selowsky.

Am 20. Juni, dem Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, wurde im mittelfränkischen Erlangen ein neues Denkmal für die geflutete Stadt Brüx im Erzgebirge eingeweiht.

E

Franz Weschta und Friedrich Kaunzner. Bild: Egolf Biscan

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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

� BdV-Landesverband Hessen

Präsentation im Landtag Mitte Juli besuchte der BdVLandesverband Hessen den Unterausschuß für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung (UHW) im Landtag in Wiesbaden und stellte seine Arbeit vor.

H

essen fördert die Arbeit des BdV seit vielen Jahren. Nach 20 Jahren gleichbleibender Förderhöhe von 600 000 Euro wurden die Mittel vergangenes Jahr auf 900 000 Euro aufgestockt. Davon profitierte auch der BdV, dessen Förderung von 243 000 auf 300 000 Euro angehoben wurde. „Die hessische Landesregierung nimmt ihren Auftrag, die Erinnerungs- und Kulturarbeit der Heimatvertriebenen zu fördern, ernst und setzt sich nicht nur finanziell für die Bewahrung ihrer Kultur ein. Nun zeigte der BdV den UHW-Ausschuß-

mitgliedern, für welche Projekte er die Fördergelder nutzte und wie er die Erinnerung an das Schicksal der Heimatvertriebenen sowie das Kulturgut der historischen deutschen Ostgebiete und der Vertreibungsgebiete von Deutschen in Europa bewahrt. „Ich freue mich, mit den Mitarbeiterinnen meiner Stabsstelle die Arbeit des BdV zu begleiten, zu unterstützen und neue Projekte anzuregen“, sagt Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann, die ehrenamtliche Kulturreferentin Rose-Lore Scholz und die hauptamtliche Kulturreferentin Agnes Brügging-Lazar präsentierten ihre aktuelle Vertriebenenarbeit. Dabei wurde deutlich, daß der BdV multimedial gut aufgestellt ist.

Seinen Mitgliedern und Interessierten bietet er ein breites Angebot aus Videos, Podcasts, Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen herkömmlicher und digitaler Art. „Neben Seminaren und Tagen der Heimat, die alle Mitglieder und Altersgruppen ansprechen, erreicht der BdV nun auch mittels sozialer Medien wie Face­ book, YouTube und Instagram gezielt die jüngere Generation. Es ist eine Herausforderung, vielleicht sogar ein Spagat, Themen wie Flucht und Vertreibung, Heimatvertriebene und Spätaussiedler so zu vermitteln, daß sich möglichst alle Generationen angesprochen fühlen. Ich freue mich, daß auch mit Hilfe der erhöhten Förderung des Landes Hessen dafür die Grundlage gelegt wurde“, hob Ziegler-Raschdorf hervor.

Agnes Brügging-Lazar, Siegbert Ortmann und Rose-Lore Scholz vom BdV, Ausschußvorsitzender Andreas Hofmeister MdL und Margarete Ziegler-Raschdorf. Bild: LBHS

Rainer Ott läßt die vor 25 Jahren an der Sankt-NikolausKirche im oberbayerischen Vohausen-Dünzing angebrachte Gedanktafel für die vor 75 Jahre aus Lindewiese im Kreis Freiwaldau im Altvatergebirge Vertriebenen in neuem Glanz erstrahlen. Er berichtet.

A

m 27. Juli 1946 erreichte ein Transport mit 1204 vertriebenen Deutschen aus dem mährisch-schlesischen Sammellager Niklasdorf den Bahnhof München-Allach. In einem Waggon waren meine Großeltern Gustav und Aloisia Bernert, geborene Bartsch. Sie stammten aus dem weltbekannten Schrothkurort Lindewiese im Altvatergebirge. Von München-Allach ging es am nächsten Tag weiter zum Ingolstädter Nordbahnhof. Am Bahnhofsvorplatz wurden die Vertriebenen mit ihren Habseligkeiten auf Lastwagen verteilt und in die umliegenden Dörfer gekarrt. Meine Großeltern landeten mit 39 anderen Lindewiesenern in Dünzing, einem kleinen 20 Kilometer östlich von Ingolstadt gelegenen Kirchdorf, das heute zur Stadt Vohburg an der Donau gehört. Dort wurden die Neuankömmlinge im Saal eines Gasthofs untergebracht. Sie schliefen auf dem Fußboden. Damit es nicht gar so hart war, legten sie eine Decke oder Kleider unter sich. Nach einer Woche wurden sie bei verschiedenen Dünzinger Familien einquartiert. Obwohl sich die Begeisterung dieser Familien sicherlich in Grenzen hielt, darf den Dünzingern bescheinigt werden, daß sie die Lindewiesener größtenteils freundlich in ihren Häusern aufnahmen.

Dies empfand offenbar auch der damals 15jährige Adolf Schrenk aus Ober Lindewiese so. Elf Jahre später wurde er im Hohen Dom zu Bamberg zum Priester geweiht. 50 Jahre nach der Vertreibung ließ Pfarrer Schrenk an der Außenwand der Dünzinger Filialkirche Sankt Nikolaus eine Gedenktafel anbringen, die er am 1. August 1996 in einem Dankgottesdienst segnete. An der Meßfeier und dem anschließenden Diavortrag über Lindewiese und das Altvatergebirge nahmen viele Dünzinger und zahlreiche Lindewiesener teil, obwohl viele von ihnen schon lange nicht mehr in Dünzing wohnten. Leider fühlte sich in den folgenden Jahren keiner so recht für die Tafel zuständig. Die Schrift verblaßte, und die darauf abgebildete Lindewiesener Pfarrkirche sowie die Linde waren kaum mehr zu erkennen. Obwohl das Dünzinger Gotteshaus unter dem Vohburger Stadtpfarrer Thomas Zinecker sowohl innen als auch außen umfassend renoviert worden war, hatte es offenbar niemand für notwendig erachtet, bei dieser Gelegenheit auch die Gedenktafel der Lindewiesener restaurieren zu lassen. Da ich diesen traurigen Anblick nicht länger ertragen konnte, beauftragte ich in Abstimmung mit der Kirchenverwaltung einen Steinmetz mit der Restaurierung der Tafel und bezahlte diesen aus meiner eigenen Tasche. Dies war ich meinen Vorfahren und meinem 2011 verstorbenen Freund Monsignore Adolf Schrenk schuldig, den ich wie die meisten Lindewiesener, „Fritz“ nennen durfte.

� BdV-Kreisverband Limburg-Weilburg/Hessen

Hofmeister ist im OMV-Vorstand Josef Plahl, Vorsitzender des hessischen BdV-Kreisverbands Limburg-Weilburg, berichtet.

B

ei der digitalen Bundesdelegiertentagung der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV) – Union der Vertriebenen und Flüchtlinge wurde der hiesige Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister wieder als Beisitzer in den OMV-Bundesvorstand gewählt. Seine mütterlichen Wurzeln liegen im Sudetenland. Unter dem Leitwort „Aus Verantwortung“ besprachen die Delegierten, wie sie den Anliegen der Heimatvertriebenen, Spätaussiedler und deutschen Minderheiten in der Politik Gehör verschaffen könnten. In Grußworten versicherten die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder aus Nordrhein-Westfalen und Bayern ihre Unterstützung. Alle be-

grüßten die Eröffnung des Dokumentationszentrums der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin. Hofmeister: „Die Leistungen der Heimatvertriebenen für den Wiederaufbau unseres Landes dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Vielmehr ist die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Ankommen unter schwierigsten Verhältnissen ein Maßstab für aktuelle Herausforderungen.“ „Unser heutiger Landkreis Limburg-Weilburg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neues Zuhause für Landsleute aus Ostund Südosteuropa. Auch viele Spätaussiedler wurden nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hier heimisch. Diese Prägung und auch daraus entstehende Interessen werde ich weiterhin in Richtung Bundesebene transportieren“, betont der 40jährige Bad Camberger.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Warnsdorf/Tetschen

Historisch wertvoller Fund auf Dachboden Deutschland und im übrigen Europa eine bekannte Marke. Zu den erfolgreichen Warnsdorfer Unternehmern gehörte auch der Fabrikant Moritz Schnitzer. In seiner Freizeit warb er für ein gesundes Leben. Dies interessierte den damals allgemein wenig bekannten Mitarbeiter einer Prager Versicherungsanstalt und Schriftsteller Franz Kafka. Er besuchte Schnitzer, um zu lernen, wie man gesünder als tadtrat Martin Musílek ge- bisher leben könne. Daraus wurhört zu den Nachkommen de nichts, wie Schnitzer später der wenigen Tschechen, die in bedauerte. Kafka wollte seinen der Stadt vor dem Zweiten Welt- Lebensstil nicht mehr ändern. krieg lebten. Deswegen interes- Schnitzers Familie war deutschsiert ihn vielleicht die Geschich- jüdischer Abstammung. Deste seiner Stadt mehr als die nach wegen wurden ihre zahlreichen 1945 aus dem böhmischen Inland Mitglieder im Dritten Reich erZugezogenen. Die fast rein deut- mordet. sche Stadt war einmal reich und Die Enkelin des Fabrikantrug den Beinamen „böhmisches ten, Anna Purm, lebt bis heute Manchester“. Nach der Vertrei- in Warnsdorf. Sie überlebte auch bung der Sudetendeutschen än- deswegen die Zeit der NS-Verderte sich die Lage. Heute ist die folgung, weil ihr damals sudetenStadt keine Schönheit mehr. deutsche Familien in der Stadt Der Fund besteht aus zwei geholfen hatten. Ein Teil der Fagroßen Kisten mit Archivalien milie lebt heute in Deutschland, Warnsdorfs. Einige Dokumente Großbritannien und Australistammen sogar aus der Zeit vor en. Aber Purm heiratete einen 1900. Ein FaTschechen und brikmitarbeidurfte nach ter wußte zwar dem Krieg in seit Jahren von der Stadt bleiden Kisten, beben, obwohl schäftigte sich ihr Name beaber nicht weireits auf der Liter mit ihnen. ste eines VerErst jetzt prüfte treibungstransder Tetschenports stand. Bodenbacher Später verArchivar Jan zichtete sie auf Němec den Indie tschechihalt der Kisten. sche StaatsHin und wiebürgerschaft der entdeckte und zog nach man HinterlasDeutschland senschaften der um. Sie lebte vertriebenen in München. Titelbild der „Respekt“-Ausgabe 22. Aber wie sie erSudetendeutschen. In den zählt, sei das meisten Fällen wurden die Fun- Leben in einer Großstadt schwiede sofort entsorgt – doch nicht rig für einen alten Menschen wie dieses Mal. In den Kisten befin- sie, der noch dazu nicht daran den sich Verzeichnisse mit Anga- gewohnt sei. Sie hatte zum Beiben über die früheren Bewohner, spiel Angst, mit der MüncheChroniken und vieles mehr. Ge- ner U-Bahn zu fahren. Später rade die Zeit um 1900 hat bisher kehrte sie nach Warnsdorf zugefehlt. Laut Němec weiß man rück. in Warnsdorf zu wenig über die Ihre Familie habe in dieser ruhmreiche Geschichte der Stadt Stadt schon nach 1938 alles verin der Zeit um 1900. Man rechne loren und bis heute keine Entmit dem Interesse der vertriebe- schädigung vom tschechischen nen Sudetendeutschen, die nun Staat erhalten. Sie sagt aber, daß mehr über ihre Vorfahren erfah- sie gar nichts mehr wolle. Denn ren können. es gehe ihr gut, und das EigenEinmalig war der Aufstieg tum sei auch nicht alles. der Unternehmer-Familie KuPetr Horký nert. Sie produzierte in Warnsdorf Strümpfe. Bis heute ist sie in Übersetzt von Peter Barton

Die tschechische Wochenzeitung „Respekt“ berichtet in ihrer Ausgabe 22/2021 von einem bedeutsamen Fund für die sudetendeutsche Geschichte. Stadtrat Martin Musílek (parteilos, Wahlbündnis Unser Warnsdorf/ Náš Varnsdorf) fand auf dem Dachboden einer alten Fabrik in Warnsdorf Anfang Mai zwei Kisten mit Archivalien aus der Geschichte Warnsdorfs.

S

Die Burgruine Kamaik im Böhmischen Mittelgebirge.

Böhmisches Mittelgebirge – Teil I

Eine Wanderung zur Burgruine Kamaik In dem 2015 erschienenen „Wander- und Naturführer“ des Bergverlags Rölke in Dresden findet man 21 Wanderwege mit Skizzen, Beschreibungen und Bildern. Dies brachte Landsmann Herbert Ring auf die Idee, die Wanderung von dem Weinort Groß Tschernosek zu der bekannten Burg Kamaik zu beschreiben, die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Ziel bekannter Maler, wie Ludwig Richter, Ernst Ferdinand Oehme und dessen Sohn Erwin Oehme, waren.

I

n der Regel wanderten die Bewohner der Heimatlandschaft Böhmisches Erz- und Mittelgebirge mehr im Erzgebirge. Doch zur Baumblüte ging es ins Böhmische Mittelgebirge und besonders ins Elbtal. Die Wanderziele waren das Dubitzer Kirchlein, Salesel bei Aussig, der Wannover Wasserfall und auch der Schrekkenstein auf der rechten Elbseite. Ferner waren es die Kostenblatter Burgruine und der Milleschauer, auch Donnersberg genannt. Das Lobositzer Mittelgebirge lernte ich erst nach dem Zweiten Weltkrieg – ab 1989 – kennen. Ein stetiger Wechsel zwischen alter Kulturlandschaft und Natur kennzeichnen das Gebiet zwischen dem Weinort Groß Tscher-

nosek und der Burgruine Kamaik/Kamýk – auf deutsch Stein oder Felsen. Naturkundliche Höhepunkte sind der von ausgedehnten Geröllhängen und vielstämmigen Linden geprägte Eisberg und der Elbedurchbruch Porta Bohemica stromabwärts von Lobositz und Leitmeritz. Die Wanderroute für den Hinund Rückweg beträgt etwa zehn Kilometer. Die Steigung ist mäßig und die Dauer beträgt etwa vier Stunden.

Groß Tschernosek Groß Tschernosek ist ein alter, berühmter Winzerort, an dem wir unsere Wanderung beginnen. In der Nähe der Kirche Sankt Nikolaus kann man gegenüber der Gaststätte das Auto parken. Zu der Kirche gelangt man über eine lange Treppe, die anfangs an einem Pavillon mit den Jahreszahlen „1914–1918“ vorbeiführt. Dies ist das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Sie waren meist deutscher Abstammung. Von der Kirche, hinter der man die herrlichen, geradlinig gezogenen Weingärten sieht, gehen wir mit der blauen Markierung ein Stück auf der Straße leicht bergan, biegen dann rechts in eine Nebenstraße ein und verlas-

sen bald darauf den gastfreundlichen Ort. Bald haben wir den ersten schönen Blick auf unser Wanderziel die Burgruine Kamaik. Hinter dem spitzen Felszacken mit der Burgruine Kamaik erhebt sich breit und mächtig der rundliche Eisberg, dessen Geröllfelder man dort bereits sehen kann. Der Berg linker Hand ist der Dreihutberg. Wir laufen nun rechts an einem Graben mit Obstbäumen vorbei, überqueren den Graben und gelangen nach 200 Metern in ein kleines Wäldchen mit niedrigen Bäumen. Danach wandern wir inmitten von Feldern auf einem grasbedeckten Weg mit Blick auf die Ruine Kamaik zu dem Eisberg, stetig ansteigend. Blicken wir zurück, fällt unser Blick auf den Milleschauer und seinen Bruderberg, den Kletschen, sowie auf den zweigipfeligen Lobosch/ Lovoš. Wir erreichen das kleine Dorf Malitschen, das wenig attraktiv wirkt. Wir gehen links abwärts, an dem Dorfplatz vorbei und folgen dann auf einer Nebenstraße dem blauen Markierungszeichen. Gleich nach den letzten Häusern von Malitschen teilt sich der Weg. Wir halten uns links absteigend und genießen einen schönen Panoramablick. Die weiten Flächen zwi-

Niklasberg

schen Groß Tschernosek und Kamaik sind auch heute noch mit Obstbäumen bestanden, für welche die Gegend früher sehr bekannt war. Mitten in einem Hecken- und Gebüschstreifen wandern wir jetzt ein längeres Stück stetig leicht aufwärts. Dann teilt sich wieder der Weg. Dort können wir uns entweder für den Weg mit der Markierung entscheiden, oder wir nehmen den parallel verlaufenden Weg mit einer guten Aussicht, der bis zu der Burgruine Kamaik reicht. An den schwarzen Basalthängen leuchtet im Mai weithin sichtbar das gelbe Felsen-Steinkraut. Dann treffen wir auf eine Straße, die uns linker Hand in das Dorf Kamaik führt, das 301 Meter über dem Meeresspiegel liegt. In der Ortsmitte teilt sich die Straße. Wir gehen bis zu dem Gasthaus, das sich gegenüber dem Gemeindeamt befindet. Vor dem Gasthaus biegen wir mit der blauen Markierung in eine kleine Gasse ein und wandern entlang der Mauer eines alten Gehöfts aufwärts. Direkt hinter diesem Gehöft führt uns ein Weg steil über Stufen hinauf. Wenn der Pfad sich teilt, treffen wir auf eine schmale Straße und gehen diese ein kurzes Stück bergauf bis zu einem kleinen Platz in unmittelbarer Nähe der Burg. Dort lesen wir ein Schild, „Zur Burg“/„Na Hrad“, das uns hinauf zu der Burgruine weist. Bald stehen wir mitten in dem kleinen Burghof. Auf dem höchsten Punkt rechter Hand zeugen Mauerreste von der früheren Bebauung. Beachtenswert sind die Reste der verwitterten alten Holzbalken in der Wand zur Rechten. Auch das von weitem schon leuchtende, gelbe FelsenSteinkraut sehen wir im Frühjahr nun aus der Nähe. Besondere Aufmerksamkeit kann der geologisch Interessierte den unterschiedlichen, bei dem Burgenbau verwendeten Gesteinen widmen.0w Der dunkle Basalt wechselt mit dem hellen Tonmergel, welcher den Untergrund in der Umgebung von Kamaik bildet. Aus diesem wurde auch die schon von weitem gut sichtbare Wand unterhalb des Basaltfelsens errichtet, welche die Mauer eines alten Gebäudes ist. Auf demselben Pfad kehren wir zu dem kleinen Platz im bergseitigen Sattel zurück.

Burgruine Kamaik Kamaik wird erstmals im Jahr 1319 schriftlich erwähnt, wobei sich diese Nachricht auf die Burg beziehungsweise die frühere Feste bezieht. Die Burg, die auf einem sich auffällig über dem gleichnamigen Ort erhebenden Basalthügel thront, war nie sehr groß. Auf dem Felsen sind Überreste eines unregelmäßig prismatischen Burgturmes sowie Teile des Burgwalls erhalten. Fortsetzung folgt

TERMINE Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August: 7. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt nach Melnik mit Besichtigung des Schlosses und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-und-Paul-Kirche und des Beinhauses; Weiterfahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses Eisenberg; danach Fahrt über das Erz-

gebirge auf den Mückenberg; dort Mittagessen; anschließend Busoder Seilbahnfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Heiligen Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird noch mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, Weinverkostung, Seilbahnfahrt und Konzert pro Person im

Doppelzimmer 390 Euro, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Wegen der Corona-Pandemie müssen alle Teilnehmer während des gesamten Ausflugs stets einen gültigen Impfpaß sowie einen FFP2-Nasen- und Mundschutz mitführen.


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30.7. 2021

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

11 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Taus

Eine Stadt und zwei Europa-Fahnen

Das Schloß und daneben der Platz der Republik.

670 Jahre Bischofteinitz – Teil III und Schluß

Sehnsucht nach Befreiung Heuer feiert Bischofteinitz sein 670jähriges Bestehen. Josef Bernklau erinnert an die 600-Jahr-Feier der vertriebenen Bischofteinitzer in Schwäbisch Gmünd und mithin an die Stadtgeschichte. Er zitiert die Festrede von Schulrat Josef Drachsler. Hier der Schluß der Rede.

B

ierbrauerei und Spiritusbrennerei, der Bahnhof, die Knabenbürgerschule 1879, die Mädchenbürgerschule 1904, die Knaben- und Mädchenvolksschulen hatten in der großen Vorstadt ihren Sitz. Das Postamt am linken Ufer der Radbusa. Bischofteinitz wurde von Fremden oft als die Stadt der Vorstädte bezeichnet, denn es gab tatsächlich eine große, kleine und Klostervorstadt, die natürlich zusammen volkreicher waren als die eigentliche Stadt. Wohl infolge der 450jährigen Herrschaft der Bischöfe und Erzbischöfe gibt es heute in Bischofteinitz eine Stadtkirche, die Erzdekanalkirche zu Sankt Apollinaris in der großen Vorstadt, die Klosterkirche, die um 1500 gegründete Wallfahrtskirche zu Sankt Anna mit der fürstlich Trauttmansdorffschen Gruft, die Kirche in Horschau, in Neudorf die Kirche zu Maria Lourdes hinter dem Galgenberg und eine Meßkapelle gegen Worowitz. Auf den Besitztümern der Prager Bischöfe entstand nach 1258 eine Burganlage mit einem Pa-

Der Tanzsaal.

last. Einen ersten Umbau des Burgbereichs veranlaßte der Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz Mitte des 14. Jahrhunderts. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Burg im Renaissancestil umgebaut, und ein neues Schloßgebäude entstand. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde ein Südflügel mit Innenhofarkaden angebaut. Weitere Umbauten erfolgten Ende des 19. Jahrhunderts. Derzeit arbeitet die Denkmalspflege an der Erhal-

teste und der Berufung auf das von dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker in die Tschechoslowakische Republik eingegliedert. Die erste Tat war die Bodenreform, also Enteignung des Großgrundbesitzes, dem auch die Güter der Trauttmannsdorff zum Opfer fielen. Die langjährigen Pachtungen wurden gegen geringe Entschädigung ins Eigentum übergeben, die großen Rest-

Die Schloßbibliothek. tung und entfernt die Übermalungen der Restauratoren nach 1880. Bei der Volkszählung im Jahre 1910 wurden 42 Tschechen gezählt, im Jahre 1939 derer 28. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das geschlossene deutsche Sprachgebiet trotz der Pro-

güter wurden an tschechische Bauern ins Eigentum übergeben, so auch in unserem Kreise. Hand in Hand damit wurden überall tschechische Minderheitsschulen gegründet. Die deutschen Arbeiter der Meierhöfe wurden mit Versprechungen und Drohungen, aber auch

Die kleine Speisesaal.

mit Geschenken gezwungen und verlockt, ihre Kinder diesen Minderheitsschulen zuzuweisen. Dadurch gingen in unserem Orte, im Kreise und schließlich im ganzen Sudetengebiete etwa 3000 deutsche Schulklassen verloren. Selbst im kleinsten Orte unseres Kreises wurden solche Minderheitsschulen gegründet, die oft nur einige Kinder – unter zehn – zählten. Der gleiche Vorgang wurde bei Industrieunternehmen gewählt, wodurch schließlich unsere Leute arbeitslos wurden. In Bischofteinitz bestand zum Beispiel eine Minderheitsbürgerschule mit vier Klassen, deren Schüler von weither kommen mußten, um sie lebensfähig zu erhalten, ebenso auch eine Volksschule mit drei Klassen. Wehe dem deutschen Leiter einer Schule, der vielleicht ein tschechisch angemeldetes Kind in seine Schule aufgenommen hätte! Seelendiebstahl oder Seelenraub wären die geringsten Beschuldigungen gewesen. Beispiele könnten dafür erbracht werden, auch aus eigener Erfahrung. Ähnlich wurde auf allen Gebieten gearbeitet, und auch dafür könnten Belege geliefert werden. Sie ersehen daraus, daß sich unsere Leute nach der Befreiung von dem auferlegten tschechischem Joche sehnen mußten und sich schon danach sehnten, als in Deutschland Friedrich Ebert und Gustav Stresemann amtierten.

weiter nach Taus/Domažlice, der Partnerstadt von Furth im Wald, das wiederum Patenstadt der Bischofteinitzer ist. Dort stand nach dem Mittagessen im Restaurant des Kulturzentrums Galerie Pivovar der Besuch im Tauser Rathaus an, wo Bürgermeister Zdeněk Novák sie herzlich begrüßte. Stolz präsentierte Novák in seinem Amtszimmer ein Gemälde von Kaiser Franz Joseph I. und ein Portrait des ehemaligen Staatspräsidenten Václav Havel. Gerhard Hermann überreichte dem Tauser Stadtoberhaupt nicht reffpunkt war am Grenzüber- nur eine Europa-Fahne, sondern gang Höll-Haselbach/Lís- auch einen Bierkrug des Bayková. Von dort ging es zunächst erischen Landtags sowie einen Korb voller bayerischer Bierspezialitäten. Im Rathaus durften die Gäste vom Rathausbalkon aus einen wunderbaren Blick auf den Stadtplatz werfen. Bürgermeister Novák revanchierte sich bei Hermann mit einem Buch des Bildhauers Václav Fiala über die Bilderhauer- und GlasSymposien seit dem Jahre 2004 in Taus. Das Buch war nur Gerhard Hermann und Zdeněk Novák. wenige Tage zuvor Bilder: Karl Reitmeier erschienen. Nach dem Benach Ronsperg/Poběžovice und such im Rathaus ging es in das damit zu dem Ort, wo der Be- Chodenmuseum, wo sie die Higründer der Paneuropa-Uni- storikerin Kristýna Pinkrová und on, Richard Nikolaus Graf Cou- die Dolmetscherin Ute Bernard denhove-Kalergi aufgewach- erwarteten. Hermann fand dasen war. Dort stand ein Besuch bei lobende Worte für das in der im städtischen Kultur- und Informationszentrum (MKIS) bei deren Leiterin Jit‘ka Molnárová an. Reitmeier informierte als Mitglied der SchloßKommission den Gast aus Amberg über die lobenswerten Aktivitäten der SchloßKommission. Gerhard Her- Kristýna Pinkrová und Gerhard Hermann. mann sagte spontan seine Unterstützung zu. So Pandemiezeit entstandene Buch will er Kontakte mit Europa-Ab- „Achtung Grenze. Pozor Hrageordneten, aber auch mit dem nice“ von Pinkrová. Dort überVorsitzenden der Paneuropa- reichte Hermann ebenfalls eine Union Deutschland, Volksgrup- Europa-Fahne und bayerische pensprecher Bernd Posselt, auf- Biere. Die Europa-Fahne soll nehmen, um sie zu animieren, künftig bei besonderen Anlässen die Pläne zur Sanierung des das Chodenmuseum zieren. Schlosses zu unterstützen. Auch Anschließend führte Pinkroeine Spenden-Aktion brachte er vá die Gäste durch das Chodenins Gespräch. museum und bot ihnen interesIn Ronsperg besichtigten Her- sante Informationen. Zuvor hatte mann und Reitmeier das Schloß die Historikerin noch einen Einvon außen, den Japanischen blick in den Fortschritt des neuZen-Garten, den Schloßpark, en Buches über Weißensulz und den Friedhof mit der Grabstätte Umgebung gegeben. Das Buch von Heinrich Graf Coudenhove- soll im September zum 900jähriKalergi, dem Vater von Nikolaus gen Jubiläum der ersten urkundGraf Coudenhove-Kalergi, sowie lichen Erwähnung der Stadt herden beginnenden Neubau einer ausgegeben werden. jüdischen Synagoge. Dort gibt es Zum Schluß seines Besuchs auch ein Mikwe genanntes jüdi- sagte Gerhard Hermann, daß er sches Bad. Bei der Besichtigung sich bei den Besuchen in Ronsdes Schloß-Umfeldes lobte Her- perg und Taus sehr wohl gefühlt mann die bereits erfolgten Akti- habe. In beiden Orten habe er lievitäten der Schloß-Kommission. benswerte Menschen kennengeAnschließend führte die Reise lernt. lr

Die Paneuropa-Union will sich wieder verstärkt der deutschtschechischen Freundschaft annehmen. Deshalb besuchte Gerhard Hermann, Obmann der oberpfälzischen SL-Ortsgruppe Amberg, langjähriges Mitglied des Ost-West-Wirtschafts-Forums Bayern (OWWF), Beisitzer im Landesvorstand der Paneuropa-Union Bayern und Vertreter der Paneuropa-Union Oberpfalz, Ronsperg und Taus. Auf Hermanns Wunsch begleitete ihn unser Korrespondent Karl Reitmeier.

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 30 | 30. 7. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Pfarrer Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil X

TERMINE

Habgier und kommunistische Kontrolle holt. Der Örtliche Nationalausschuß Pfraumberg war der eifrigste bei dieser Aktion. Von dort kam der eingesetzte Matrikenführer Vránek mit einem ls Beweis für die WahrhafLieferwagen. Als „Machthatigkeit seiner Behauptungen ber“ übernahm er mit unglaublinahm er aus seiner Aktentasche cher Arroganz die Matriken von ein bekanntes Plakat, an desPfraum­ berg, Neudorf, Sankt sen unterem Rand eine lanKatharina, Roßhaupt und ge Liste mit Namen verschieNeuhäusl. dener Priester von Diözesen Der Neustädtler Sekretär, stand, die angeblich bei der welcher zum Matrikenführer vom kommunistischen Staat ernannt wurde, hatte es mit initiierten Katholischen Akder Übernahme der Matriken tion unterschrieben haben. nicht sonderlich eilig, und die Und in dieser langen Liste – Matriken blieben noch für Moglücklicherweise in alphabetinate im Pfarrbüro. Noch später scher Reihenfolge – fand ich wurden die Matriken in Haid auch meinen Nahmen in voller überführt. Daß zunächst ChaFassung. Klar war, daß die Naos in den Einträgen herrschte, men aus einem Katalog abgeist selbstverständlich. Die ganschrieben worden waren, denn ze Aktion war von Anfang bis auch Namen bereits verstorEnde undurchdacht und habener Priester standen hier. stig. Bis heute leiden HistoriIch zeigte Roboch meinen ker und Genealogen darunter. Namen mit der Frage: „DieAuch die Menschen gewöhnser hat auch unterschrieben?“ ten sich nur langsam an das Jetzt war sogar er überrascht. neue System der MatrikenEr sah ein, daß weitere Anführung und kamen jahrelang strengungen zwecklos waren. vergeblich zur Pfarrei, um DoUnd ging. Falls auch nur ein kumente abzuholen. Hauch an Ehrlichkeit in ihm Eine der brutalsten Handgeblieben war, mußte er erlungen des Kirchenkampfes kennen, welch schmutziges war die Auflösung aller KlöSpiel sie auch mit ihm trieben. Die Türme der griechisch-katholischen ster 1950. Um Mitternacht lief Er müßte sich für seine Brot- Marienkirche im ostslowakischen Home- auf dem ganzen herren schämen. Auf jeden nau, wo Dr. Hričišáks letzte Ruhestätte Staatsgebiet eine Fall hatte er Stoff zum Nach- liegt. sorgfältig vorbedenken. reitete Aktion. KlöEin herber Schlag war die Auf1950 wurde die Zivilehe obli- ster wurden besetzt, lösung der griechisch-katholi- gatorisch. Zur selben Zeit wur- und alle Ordensperschen Kirche auf unserem Ge- den alle Kirchenbücher in den sonen wurden an vorbiet. Der Vorgang war durch Besitz der Matrikenabteilungen her auserwählte Orte und durch illegal. Bischof Pavel – das entspricht einem Stan- geschafft und von ihGajdič wurde interniert, die Prie- desamt – der Örtlichen Natio- ren Prioren getrennt. ster aus den Pfarreien vertrieben, nalausschüsse übergeben, wo An diesem tragiviele verhaftet. Einige kamen Staatsbeamte sie weiterführten. schen Tag wurde ich später in die Produktion in Böh- Nun wurden detaillierte Listen von einem Boten des men. Fromme Gläubige wurden der Archive angeschafft. Die Li- Kreisnationalausmit einem Federstrich in die or- ste verblieb auf dem Pfarramt. schusses am frühen thodoxe Kirche überführt. Januar 1950 wurden neue Kir- Morgen aufgefordert, Um Tachau herum gab es chenbücher für innere Kirchen- in der Früh den nicht zwei griechisch-katholische Prie- erfassungen eingeführt. Matri- anwesenden Tachauster, O. Dandár in Sankt Katha- kendokumente wurden ab 1950 er Erzbischof bei den dortigen rina und Dr. Hričišák in Schön- nur von den Abteilungen der Gottesdiensten zu vertreten. Der Nationalausschüsse aushelfende Kaplan, ein Franziswald. Auf sie wurde Druck aus- Örtlichen geübt, um sie in die orthodoxe ausgestellt. kanerpriester, wurde nämlich inAnfang 1950 wurden von den terniert und aus Tachau abtransKirche zu zwingen. Dandár weigerte sich, verlor die Gunst des Pfarrämtern alle Matriken abge- portiert. Das Kloster wurde beIn diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář, wie die Kommunisten Christen verfolgen und die Kirche zerstören.

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Marianne Gäbler, die Ortsbetreuerin von Labant, stellt das Wort Doggerlätschn vor.

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ertraut ist mir der Begriff seit frühester Kindheit. Den botanischen Namen habe ich allerdings jetzt erst dank Sieglinde Wolfs Nachforschungen erfahren: Stumpfblättriger Ampfer oder Rumex obtusifolius. Für uns Mädchen waren die großen Blätter beim Doggerln, also beim Spielen mit Puppen, sehr wichtig. Da wir uns in der warmen Jahreszeit nur draußen aufhielten – Kinderzimmer gab es auch in den nach dem Ersten Weltkrieg erbauten neuen Häusern nicht –, waren wir bei der Beschaffung von Spielzeug auf unsere Phantasie angewiesen. Eine Puppe hatten wir Mädchen schon. Mit der durfte aber nicht immer gespielt werden, schon gar nicht draußen. Wir verzogen uns also besonders im Sommer in die Roitlbüsch, wo noch kein so hoher Baumbestand war. Dort hatten wir Moos, Grä-

Staates und mußte in die Produktion. Hričišák ergab sich und wurde Professor an der orthodoxen Lehranstalt für Priester. Später heiratete er. 1968, kurz vor seinem Tod, konvertierte er. Beerdigt wurde er im slowakischen Homenau.

schlagnahmt. Nun wirtschaftete dort, wie ich mich überzeugen konnte, Kreiskirchensekretär Josef Hutta. Er berichtete mir am Morgen von der Aktion. Bald wurde auch die kleine Ordensfamilie der Kreuzschwestern in Neustadtl aufgelöst. Kurz vor der Wallfahrt kam Kreiskirchensekretär Hutta, um das Eigentum der Schwestern zu übernehmen. Die Schwestern selbst haben ihre kleine Wirtschaft verteilt, wobei sich wieder die Habgier der Menschen zeigte. Vormittags wurde ich zur Übernahme des Kapellen­ inventars gerufen. Ein detailliertes Verzeichnis aller Gegenstände der Kapelle wurde verfaßt. Die Einrichtung des Hauses und – bis auf das Nötigste – die persönlichen Sachen der Schwestern mußten bleiben. Der Staat beschlagnahmte alles. Anwesend waren Kreiskirchensekretär Hutta aus Tachau, der Sekretär des Örtlichen Nationalausschusses Václav Hájek, für die Kommunistische Partei Josef Sýkora und die Schriftführerin aus Tachau. Deren Unterschriften stehen auf der Inventarliste, deren Kopie das Pfarramt erhielt. Mir entging nicht, daß Sýkora die höchste Eifrigkeit an den Tag legte. Er achtete genau

Schmerzhaft war, die Abfahrt der Schwestern am Vormittag zu beobachten. Sie wurden auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens nach Eger gebracht. Kreiskirchensekretär Hutta nahm Platz in der Kabine neben dem Fahrer. Die Schwestern, zwei waren alte Mütterchen, verbrachten den ganzen Weg bei schlechtem Wetter auf der Ladefläche. Das war unmenschlich. Die Schwestern hatten seit 1945 den neuen Siedlern viel Gutes getan. Sie kümmerten sich um deren kleine Kinder, sogar um Babys – und das uneigennützig, kostenlos und ohne einen Dank zu erwarten. Die Menschen erachteten ihre Hilfe als Selbstverständlichkeit! Für die Schwestern interessierten sich die Menschen nur, wenn sie selbst einen Nutzen daraus ziehen konnten. Der Fortgang ließ sie völlig kalt. Er betraf sie nicht. Jetzt wollten sie nur an das Eigentum der Schwestern kommen. Die Schwestern wurden nach Eger gebracht. Zwei von ihnen waren Deutsche und konnten die Tschechoslowakei verlassen. Eine ging nach Österreich, die Oberin in die Schweiz, woher sie später Grüße schickte. Die tschechische Schwester Kasilka wurde wohl zu den anderen Schwestern gefahren. Nachrichten von ihr kamen nicht mehr. Über den Zeitabschnitt nach 1949 wird heute als über das Zeitalter der „Deformation“ und „Verletzung der sozialistischen Rechtmäßigkeit“ gesprochen. Es waren Jahre der religiösen UnterdrücBlick auf den Friedhof in Neustadtl. kung und des harten Klassenkampfes, wobei die Kommunistidarauf, daß jede Kleinigkeit – sche Partei um jeden Preis das reselbst das beschädigte und zer- ligiöse Empfinden der Menschen rissene Kelchtuch – auf die Li- zerstören und die Kontrolle über ste kam. Er benahm sich absolut Körper und Seelen ihrer Untertaablehnend und sonnte sich in sei- nen an sich reißen wollte. ner erbärmlichen Bedeutung. Fortsetzung folgt

� Tachauer Eghalandrisch

Våschtäist me? ser, Steine, Beeren und StöckWenn es kühler wurde, fand man dann sehr eingeschränkt. chen zur Verfügung. Diese sich auch mal ein seltener Zwar gab es immer Schnee zum Stöckchen, kleine Astgabeln, wa- „Schupfn“ bei einer Wawa (Oma) Schlittenfahren, dem größten Erren unsere Puppen, die wir mit mit Säcken oder abgestelltem lebnis und dem größten Ärger. Doggerlätschn bekleideten. Na- Gerümpel. Den richteten wir uns Die erforderliche Kleidung mit türlich war ich sehr erstaunt zu dann häuslich ein. Im Winter war warmen Winterschuhen fehlte, erfahren, daß dieser um das Glück genieBlättername tatsächßen zu können. Sicher lich auf das „Doghätte unsere Generagerln“ zurückzufühtion mit weniger Geren ist. Also war es schwistern es besser seit Generationen haben können, aber Tradition, sich damit neben der noch nicht zu behelfen. Die jevorhandenen Kinweils reifen Beeren dermode bezüglich waren Mahlzeiten. Sportkleidung war Überhaupt probierman in den Kriegszeiten wir in der Natur ten, die meine Kindalles, was uns eßbar heit ausmachten, auf erschien. Ich kann Bezugsscheine angemich nicht erinnern, wiesen. Es gab wenig daß dabei ein Kind zu kaufen. Schaden genommen Nochmals zu den Stumpfblättriger Ampfer ist der Stoff für die Puppenkleider. hätte. Puppen. Ich hatte so-

gar eine Schildkröten-Puppe aus Zelluloid, die selbst meine Töchter noch erlebten. Glück war, daß der Selber-Onkel, ein Neffe von meinem Harla (Opa), öfter mal nach Labant kam, um rare Sachen gegen Lebensmittel einzutauschen. So kam ich zu meiner Ingrid, und es war ein buntes Heft dabei mit kleinen Geschichten, das als Reklame ausgelegt war. Schon das bunte Heft aus Friedenszeiten war ein über alles geliebtes Geschenk für sich. Wir hatten ja nur die Fibel und keine Kinderbücher. Noch dazu war im späten Frühjahr 1944 Schluß mit der Schule. Diese war für Bombenflüchtlinge freigemacht worden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein heutiges Kind mir das abnehmen kann, obwohl Corona für sie jetzt auch einen tiefen Einschnitt bedeutet. Ich habe hier nur von uns Mädchen berichtet, da wir nicht mit Jungen spielten. Außerdem waren wir Mädchen in unseren Jahrgängen in der Überzahl.

n  Freitag, 30. Juli, Bruck am Hammer: 31. Jakobifest. Treffen am „Kircha­barch“, 14.30 Uhr Gottesdienst mit Pfarrer Jaroslav Šašek aus Plan und einem deutschen Priester; anschließend Totengedenken auf dem Friedhof und Beisammensein im Dorfwirtshaus beim Bahnhof.

Sankt-JakobsKirche in Bruck am Hammer.

n  Sonntag, 1.  August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in GeorgenbergHinterbrünst am Gedenkstein beim Kastanienhof. Bereits am Vorabend gemütliches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15. n  Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n  Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Ober­ pfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-SchumacherAllee; 10.15  Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse  3a; 12.00  Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: Wolf-Dieter Hamperl, Adresse siehe Impressum. n  Freitag, 10. bis Sonntag, 12. September, Haider Loretofest: Freitag 17.00 Uhr Heilige Messe und Primizsegen mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus. Samstag 10.00 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen in der Loreto; anschließend Prozession mit der schwarzen Muttergottes durch den Park zur Schloßkapelle; 19.00 Uhr deutsche Pilgermesse mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Sonntag 8.00 Uhr Heilige Messe mit Pater Martin Duchoslav in der Kirche Sankt Nikolaus. n  Sonntag, 17. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto mit Bischof em. Friedhelm Hofmann aus Würzburg; anschließend Kirch­ kaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise.


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Sudetendeutsche Zeitung 30. Juli 2021 Ausgabe 30 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu