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Sudetendeutsche Zeitung 23. Juli 2021 Ausgabe 29

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Libor Rouček: „Bruno Kreisky hat mir meine Mutter wieder gebracht“ (Seite 11)

Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 73 | Folge 29 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 23. Juli 2021

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volkgruppe, Bernd Posselt, Ministerin Carolina Trautner und Ministerpräsident Markus Söder beim Einzug.

VOLKSBOTE

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Die Gartenberger Bunkerblasmusik mit Roland Hammerschmied (vorne) sorgte während der drei Tage bei zahlreichen Veranstaltung für Stimmung.

B 6543

Ein würdiger Rahmen für einen besonderen Sudetendeutschen Tag: 500 Gäste lauschen der Rede von Ministerpräsident Söder in der Philharmonie.

71. Sudetendeutscher Tag in München

Markus Söder: „Die Sudetendeutschen sind Vorbilder für Frieden und Freiheit“ Mit einem besonderen Sudetendeutschen Tag haben sich die Sudetendeutschen nach den coronabedingten Einschränkungen eindrucksvoll in der Öffentlichkeit zurückgemeldet. Politische Höhepunkte waren am Samstag in München die Festreden von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe und des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (siehe auch Seite 2), sowie die Verleihung des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft an den ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman (siehe unten).

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inisterpräsident Markus Söder, der seit seiner Zeit als junger Abgeordneter Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist, würdigte in seine Rede die besondere Rolle, die die Sudetendeutschen als Versöhner und Brückenbauer ausfüllen. Söder: „Ich glaube nicht, daß sich die Mehrzahl derer, die nicht vertrieben sind, nur annähernd vorstellen können, was es für eine menschliche Geste, für einen inneren Charakter braucht, wenn man sich dann für Versöhnung entscheidet.“ Der Ministerpräsident wörtlich: „Es gibt kaum eine größere Friedenskundgebung in unserem Land, kaum eine größere eu-

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, hielten beim Festakt des Sudetendeutschen Tages in der Philharmonie im Gasteig die Festreden. Fotos: Fricke ropäische Identitätsbewegung, als die Sudetendeutschen. Die Sudetendeutschen sind Vorbilder für Frieden und Freiheit in Europa.“ Insbesondere zu „unseren Partnern und Freunden in Tschechien“ seien die Sudetendeutschen eine Bindeglied, sagte Söder und erneuerte eine Forderung von Franz Josef Strauß aus dem Jahr 1987: „Wenn es jemanden gibt, der den Friedensnobelpreis endlich verdient hat, dann sind es die Vertriebenen.“ Der Ministerpräsident würdigte außerdem die besondere Leistung der Sudetendeutschen beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. „Ohne die Vertriebenen hätte Bayern diesen Aufschwung nie geschafft. Bayern ist ohne die Sudetendeutschen nie mehr vorstellbar“, so der Schirmherr. Mit Bernd

Posselt hätten die Sudetendeutschen eine „großartige politische Persönlichkeit“ an ihrer Spitze, „die die Dimension und Komplexität der europäischen Geschichte verstanden hat“ und deren politische Ansichten an jedem Kabinettstisch in Europa Gehör finden. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, forderte Söder von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mehr Gemeinsamkeit. Als ernsthafter Gesprächspartner könne man auf der Welt nur bestehen, wenn man geschlossen auftrete.

71. Sudetendeutscher Tag: Weitere Berichte lesen Sie auf den Seiten 2 bis 9

„Wir brauchen einander“, war auch das Fazit, das zuvor Bernd Posselt in seiner Festrede gezogen hatte. Man brauche einander insbesondere, um Europa weiterzuentwickeln, so Posselt, der von 1994 bis 2014 als Münchner CSU-Abgeordneter Mitglied des Europäischen Parlaments war. Europa müsse Heimat der Heimaten sein, zitierte Posselt den früheren tschechischen Präsidenten Václav Havel und forderte, endlich ein europäisches Volksgruppen- und Minderheitenrecht umzusetzen. „Dafür brauchen sich Deutschland und die Tschechische Republik gegenseitig, um den Volksgruppen und Minderheiten in der noch minderheitenblinden Europäischen Union eine entsprechende rechtliche und kulturelle und finanzielle Absicherung zu

ermöglichen“, sagte BerndPosselt. Das „Wir brauchen einander“ gelte auch für den Kulturbereich. Es gelte deshalb, die kulturelle Vielfalt in der Europäischen Union zu schützen. Posselt forderte, die sudetendeutsche Kultur in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufzunehmen. „Das wäre eine immaterielle Form der Heilung des Vertreibungsverbrechens, für die wir sehr dankbar wären und die wir unbedingt erreichen müssen“, so der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Daß das „Wir brauchen einander“ insbesondere bei Katastrophen elementar ist, hatte Posselt zu Beginn seiner Rede ausgeführt und um eine Schweigeminute für die Opfer der Hochwasser-

katastrophe im Westen Deutschlands und anderswo sowie des Wirbelsturms vor wenigen Wochen in Südmähren gebeten. T. Fricke

Verleihung des Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Danke, Daniel Herman Als „christlicher Brückenbauer und Versöhner, wie kaum ein anderer“ hat der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, den ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman gewürdigt, der auf dem Sudetendeutschen Tag mit dem Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet worden ist.

Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt überreicht die Urkunde des Karls-Preises an Daniel Herman.

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ichtlich bewegt bedankte sich Herman für die Ehrung: „Diese Auszeichnung schätze ich sehr und verstehe sie als ei-

ne große Unterstützung für meinen Beitrag zur deutsch-tschechischen Verständigung, für die Versöhnung und Freundschaft zwischen Deutschen und Tschechen, für den Abbau von Vorurteilen und für die Vertiefung der weiteren Zusammenarbeit.“ Man müsse die eigene Geschichte kennen, um die Zukunft gemeinsam gestalten zu können, erklärte Herman: „Das ist die Aufgabe, vor der wir alle gestellt werden. Deshalb brauchen wir für unsere deutsch-tschechischen Nachbarschaft immer wieder neue Impulse, damit sie le-

bendig bleibt und alte Vorurteile nicht erneut aufleben.“ Ministerpräsident Markus Söder hob hervor, daß Herman in seiner berühmten Rede auf dem Sudetendeutschen Tag 2016 die Anwesenden mit „Liebe Landsleute“ begrüßt hatte.

Der ehemalige tschechische Kulturminister Daniel Herman mit der Medaille des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft.


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71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021 � Festrede von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe (Auszug):

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23.7.2021

Aber Daniel Herman zeigt uns auch den Weg, wie es möglich ist, aus diesem katastrophalen Gegeneinander herauszukommen, indem man auf Augenhöhe und klug und mit Maß miteinander redet, sich aufeinander zubewegt, sich nichts schenkt, aber dafür sorgt, daß die Zeiten besser und nicht schlechter werden. ber, liebe Landsleute, es gab Wir brauchen einander aber eine ganze Reihe von Menauch, um dieses Europa weiterzuschen in unserer Mitte, die haentwickeln – eine starke demoben diese Monate nicht überkratische, supranationale Ebene, standen. Die wurden durch das aber darunter die vielen Regiograusame Virus aus unserer Mitnen. Václav Havel sprach von eite gerissen. Aber nicht genug: nem Europa als Heimat der HeiVor einigen Wochen war in unsematen, ein sehr sympathisches rer Wurzelheimat, in diesem Fall Bild. Aber das ist halt nur mögvor allem in Südmähren, ein entlich, wenn es auch ein europäsetzlicher Wirbelsturm, eine entisches Volksgruppen- und Minsetzliche Katastrophe, und viederheitenrecht gibt. Ich bin froh, le Menschen in Südmähren sind daß jetzt in der Tschechischen ums Leben gekommen. In diesen Republik mit der aktuellen MinTagen erleben wir, wie Unwetter derheitenbeauftragten Helena über Deutschland wüten und eiVálková ein neuer Wind gekomne bis dahin noch nicht gekannte men ist. In Gablonz entsteht jetzt Katastrophe, eine Flutkatastrodeutschsprachiger Schulunterphe, eine Naturkatastrophe ausricht, in Eger soll demnächst gelöst haben. Und deshalb, liebe deutschsprachiger SchulunterLandsleute, möchte ich nicht zu richt entstehen. Bei uns bemüht meiner Rede kommen, bevor wir man sich, die Tschechischkenntuns zu Ehren dieser Toten von nisse zu verbessern. Das ist wichunseren Plätzen erhoben haben tig. und ihrer gedacht haben. Aber, liebe Landsleute, vor (Alle erheben sich von ihren allem unsere sudetendeutsche Plätzen.) Volksgruppe in der TschechiVielen Dank! schen Republik, die heute mit Liebe Landsleute, ich sprach beiden Verbänden hier vertrevon dunklen Monaten, von einten ist, hat wirklich besonders samen Monaten, von Monagelitten in den letzten Jahrzehnten, die gerade auch uns als eine ten. Und ich bin sehr glücklich, Landsmannschaft, als eine in der daß es auch dort endlich eine Zerstreuung lebende VolksgrupVorwärtsentwicklung gibt. Diepe, in ganz besonderer Weise gese Vorwärtsentwicklung müssen troffen haben. Wir haben vorhin wir absichern, indem wir endlich Steffen Hörtler gehört, der an der Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, bei seiner Festrede auf dem Sudetendeutschen Tag am Samstag in München. Foto: Fricke ein europäisches VolksgruppenSpitze unserer großartigen Bilund Minderheitenrecht schafdungsstätte „Der Heiligenhof“ Wurzelheimat“. Wir haben ande- den war; aber sie hat gesagt, am Da stand nämlich schlichtweg gefahren, ohne Presse und Tam- fen. Und dafür brauchen sich steht. Der Heiligenhof hat ein rerseits auch Menschen, die ha- schlimmsten war das Menschli- drauf, über die Grenze hinweg tam. Wir haben uns gut unterhal- Deutschland und die Tschechiwunderschönes Motto, das auch ben ebenfalls dieselben Wurzeln che. (...) leuchtend: „Wir brauchen euch.“ ten. Ich habe nichts an die Presse sche Republik gegenseitig, um das Motto unserer ganzen Lands- wie wir; aber die haben sich frei Viele haben sich in dieser Genau das ist es: Wir brauchen gegeben. Aber der Oberbürger- den Volksgruppen und Mindermannschaft und unserer ganzen entschieden, sie wollen mit die- schweren Zeit mit Ruhm beklec- einander in Europa und im Her- meister hat dann im Internet ei- heiten in der noch minderheitenVolksgruppe sein könnte: „Al- sen Wurzeln nicht mehr so viel kert und haben viel geleistet. Und zen Europas. Und das gilt na- nen Post rausgeschickt mit der blinden Europäischen Union eiles Leben ist Begegnung“. Und zu tun haben. Die gibt es auch. ich möchte Dir, lieber Markus türlich auch für das tschechisch- schönen ironischen Überschrift ne entsprechende rechtliche und das gilt natürlich gerade für uns Aber aber eine große Masse von Söder, und Dir, lieber Stephan deutsche und das tschechisch- „Heute war der Teufel bei mir“. kulturelle und finanzielle Absials eine jahrhundertealte mittel- uns Sudetendeutschen, gerade Mayer, auch herzlich danken für sudetendeutsche Verhältnis. Wir Mit dem „Teufel“ hat er mich ge- cherung zu ermöglichen. europäische, in einem Vielvöl- auch von den jungen, hat sich das, was Ihr in den Regierungen brauchen einander, gerade in meint, ironisch, und er hat geWir brauchen einander aber kerstaat lebenden Volksgruppe. entschieden, daß wir in der heu- Schweres geleistet habt in dieser schwierigen Zeiten. sagt, wenn es ein paar mehr sol- auch aus einem weiteren Grund, Das gilt natürlich erst recht für tigen Heimat, wo wir leben, kräf- Corona-Zeit. Aber es wurde auch Und wissen Sie, wofür wir uns che Teufel gäbe wie den Posselt der hochaktuell ist. Wir brauuns als eine durch die Vertrei- tig mit anpacken, dazugehören, etwas sichtbar: Daß es nicht nur alles brauchen? Wir brauchen und die Sudetendeutschen, dann chen einander, um die kulturelle bung zerstreute und zerrissene integriert sind, aber nicht assi- das Virus der Corona-Krankheit uns schon einmal, um uns selbst stünden wir alle wesentlich bes- Vielfalt in die Zukunft zu führen. Volksgruppe. Und es war wirk- miliert – für die Jungen ist das gibt – es gibt auch das Virus des zu erkennen. In jedem Tsche- ser da. Also sehr mutig, wie der Das tun wir als Sudetendeutsche lich düster, daß alles, was so den selbstverständlich –, aber daß Nationalegoismus. Und wenn chen steckt ein kleines Stück Su- Oberbürgermeister von Eger da intensiv. Wir haben immer mehr Kern unserer Arbeit ausmacht wir auch an unserer Wurzelhei- uns die Krise etwas gelehrt hat, detendeutscher, ob er es wahr- gepostet hat. Liebe Landsleute, tschechische Partner, die mit uns – die Begegnung zwischen den mat festhalten. Und deshalb ha- liebe Landsleute: Wir brauchen haben will oder nicht. Und in je- nachher gab es natürlich den be- diesen Weg gehen. Sie wissen, Generationen, die Begegnung ben viele von uns so eine Art nicht weniger Europa, sondern dem Sudetendeutschen, ob er es rühmten Shitstorm – ich glaube daß es bei der UNESCO inzwizwischen den Landsleuten, die Patchwork-Heimat. mehr! Wir brauchen nicht we- wahrhaben will oder nicht, steckt 90 000 Proteste, Kommunisten schen etwas gibt, das man das Begegnung mit unseren tscheDas ist eine einmalige Chance, niger Nachbarschaft, sondern ein kleines Stück Tscheche. Und und Nationalisten sind Kopf ge- immaterielle Kulturerbe nennt. chischen Landsleuten, die grenz- weil wir dadurch die natürliche mehr! Corona kann man nur ge- allein wenn wir uns selbst ver- standen. Wenig später waren wir Und ich appelliere an die überschreitenden Begegnungen Brücke zwischen dem deutschen meinsam bekämpfen, und alle stehen wollen, müssen wir schon im Rahmen einer großen Paneu- Tschechische Republik, an die – daß all das nicht mehr statt- Sprachraum und der Tschechi- anderen Pestilenzen dieser Erde einander auf Augenhöhe gegen- ropa-Veranstaltung nochmal in deutsche Bundesregierung, und finden konnte: die Wallfahrten schen Republik sind. Wir waren auch, und nicht durch die Ur-Pe- übertreten. Das halte ich für ei- Eger, und da hat uns sein Stell- ich bin sicher, Markus, die bayin die Heimat, die Gedenkfeiern eines der beiden Völker der böh- stilenz des Nationalismus. nen ganz entscheidenden Punkt vertreter, weil er selbst an dem erische Staatsregierung wird uns zu 75 Jahren mischen LänErfreulich war, daß diese Zu- unserer Kulturarbeit und unserer Tag nicht da war, empfangen. nach Kräften unterstützen und Beginn der der – unsere stände unserer Idee und unserer Verständigungsarbeit. Dieser Stellvertreter, Miroslav es auch vorantreiben, denn die „Aus etwas Tragischem Vertreibung dort noch leben- Arbeit auch neue Kraft gegeben Wir brauchen einander aber Plevný, der Kulturhoheit etwas Positives machen“ den Landsleu- haben. Junge Menschen haben auch, um eine düstere und wech- war Senats- „Es liegen noch gewaltige liegt bei uns ja konnten, wenn überte, die ich be- zum ersten Mal erlebt, daß Eu- selvolle Geschichte aufzuarbei- kandidat letzbekanntlich bei Aufgaben vor uns“ haupt, nur extrem eingeschränkt sonders herzlich grüße, sind das ropa nicht selbstverständlich ist, ten. Und da, liebe Landsleute, tes Jahr für den Ländern, stattfinden im letzten Jahr. Das auch heute noch; und auf der an- daß offene Grenzen nicht selbst- sind wir oftmals erst ganz am An- die Senatswahlen, und man hat und noch mehr als bei den Länwar alles nicht möglich; und un- deren Seite sind wir der Vierte verständlich sind. Ich hoffe und fang, aber das macht beachtli- ihm geraten, uns nicht zu emp- dern: beim Freistaat Bayern! Das sere Hauptbegegnung, der große Stamm Bayerns. Diese geschicht- glaube, und das hat man ja gera- che Fortschritte. Letztes Jahr hat fangen. Er hat uns empfangen, ist die wichtigste Kulturhoheit: Sudetendeutsche Tag, war auch liche Chance zu nutzen, das ist de an unserer sudetendeutschen mich besonders beeindruckt ei- sogar auf dem Marktplatz von Mögen sich doch diese Regienicht möglich. (...) die Substanz unserer landsmann- Jugend, auf die ich sehr stolz bin, ne Rede, die ich halten durfte Eger. Wir waren dort mit vier rungen mit uns zusammenfinden Ein früherer Schirmherr unse- schaftlichen Arbeit – aus etwas gesehen: Liebe Landsleute, gera- im Egerland vor dem tschechi- Bussen. Shitstorm, irre Proteste, und dafür sorgen, daß unser surer Volksgruppe, Horst Seehofer, Tragischem etwas Positives zu de junge Menschen können und schen Teil der Euregio Egrensis, Rücktrittsforderungen. Und was detendeutsches Kulturerbe als hat einmal den schönen Satz ge- machen statt, wie so oft in der sollten daraus die Konsequenzen in der Fürstlich Windischgrätz- war das Ergebnis? Miroslav Plev- immaterielles Kulturerbe von prägt: „Alles, was in Bayern zwei- Menschheitsgeschichte, aus et- ziehen. Aber auch alle anderen schen Reithalle in der Nähe von ný ist in der Großregion Karlsbad, der UNESCO geschützt und gemal stattfindet, ist dadurch schon was Positivem etwas Tragisches. – wir müssen uns engagieren Tachau. Wer das nicht gesehen zu der Eger gehört, mit 60 Pro- fördert wird! Das wäre eine imeine Tradition.“ Wir haben uns Liebe Landsleute, diese oft über- für dieses Europa, für die offe- hat, bitte, der möge sich das an- zent der Stimmen in den tsche- materielle Form der Heilung des gesagt, alles, was in Bayern zwei- fallartigen Grenzschließungen nen Grenzen, schauen: Da hat chischen Senat gewählt worden. Vertreibungsverbrechens, für die mal ausfällt, ist ein Traditions- – die notwendigen, aber auch für die grenzder Fürst Win- Daran sieht man, daß diese Het- wir sehr dankbar wären und die „Wir brauche einander bruch. Diesen Traditionsbruch andere, die nicht notwendig wa- überschreidischgrätz mit- ze zwar noch da ist, aber daß sie wir unbedingt erreichen müssen. in Europa“ wollten wir nicht, und deshalb ren – haben uns schon ins Mark tende Zuten im Egerland, aus Randgruppen kommt. Aber Aus alledem sehen Sie, liebe haben wir uns für diesen Sude- getroffen. Ich will nur zwei Bei- sammenarin einem Dorf es gibt leider in der Mitte der Ge- Landsleute, es liegen gewaltige tendeutschen Tag entschieden. spiele schildern: Das eine Bei- beit, für die Euroregionen, für bei Tachau, eine Wiener Hof- sellschaft weiter noch zu viele Aufgaben vor uns, und das LeUnd wir freuen uns jetzt schon spiel: Lieber Christian Schmidt den Heimatgedanken, weil das reitschule gebaut, um dem Kai- Leute, die Angst haben, der ge- ben hat wieder unglaublich Temauf einen wieder großen Sude- und lieber Libor Rouček, die bei- alles, was wir aufgebaut haben, ser Konkurrenz zu machen, ein schichtlichen Wahrheit ins Auge po aufgenommen. (...) Am nächtendeutschen Tag im bayerisch- den Vorsitzenden des deutsch- nicht selbstverständlich ist, son- eindrucksvolles Gebäude. Ich zu blicken, weil sie sich vor die- sten Wochenende bereits tagt böhmischen Grenzgebiet im tschechischen Gesprächsforums dern sehr zerbrechlich und in je- habe dort gesprochen vor dem sen Randgruppen fürchten. der Sudetendeutsche Rat, lienächsten Jahr an Pfingsten. nenne ich hier, dem ich seit sei- der Generation neu gestaltet und tschechischen Teil der Euregio Diese Leute brauchen mutige be Christa Naaß, in Marienbad. Liebe Landsleute, es war schon ner Gründung 1998 durch die neu erkämpft werden muß. Egrensis, auf deren Wunsch, zu Vorbilder. Und ein solches mu- Vierzehn Tage später ist der Frievon den Grenzschließungen die beiden Regierungen angehöLiebe Landsleute, ein ande- den Kulturpreisen. Und dann hat tiges Vorbild, ich würde sogar densmarsch in Brünn. Und so Rede. Diese Grenzschließungen re, sozusagen als Gründungs- res schönes Zeichen war, daß es mich der Oberbürgermeister von sagen, eines der allermutigsten geht es den ganzen Sommer und haben uns wirklich ins Herz ge- mitglied: Wir hatten eine Anhö- viele Demonstrationen für offe- Eger, Antonín Jalovec, nach Eger Vorbilder, sitzt unter uns, näm- Herbst weiter. schnitten. Es war heute schon ei- rung des Deutsch-Tschechischen ne Grenzen gegeben hat, von der ins Rathaus eingeladen, weil er lich mein lieber Freund DaniDie aufgestaute Energie unseniges von Heimat die Rede. Es Gesprächsforums über die Aus- Sudetendeutschen Landsmann- die Rede ganz gut fand. Da ha- el Herman. Er ist in meinen Au- rer Volksgruppe und ihrer tschegibt Menschen, vor allem unter wirkungen der Schließungen auf schaft, der Ackermann-Gemein- be ich gesagt: „Herr Oberbürger- gen eine Symbolfigur gegen all chischen Partner bricht sich jetzt denen, die die Vertreibung noch die Situation im Grenzraum. Da de, der Seliger-Gemeinde, der meister, ich komme gern, aber ich das Schreckliche, was es in un- wieder ihre Bahn. Und diese aufselbst erlebt haben, die leben hat die Vorsitzende der tsche- Paneuropa-Union und den Part- komme natürlich heimlich, damit serer gemeinsamen Geschichte gestaute Energie wollen wir nutgeistig nur noch in der alten Hei- chischen Pendlervereinigung, nerorganisationen auf der tsche- Sie keinen Ärger haben“. Darauf- gab. Er hat jüdische Wurzeln, hat zen, um noch konsequenter und mat. Die sagen „Wir sind heute Zuzana Vintrová, vieles Wirt- chischen Seite. Das Transparent, hin hat er gesagt: „Nein, ich will, Verwandte in Konzentrationsla- noch klarer und noch intensiver irgendwo sehr gut aufgehoben, schaftliche und Soziale geschil- das da oft hochgehalten wurde, dass Sie offiziell kommen“. Ich gern und beim Holocaust verlo- den Weg in eine bessere gemeinaber meine Heimat ist nur meine dert, was an Problemen entstan- hat mir ganz besonders gefallen. bin trotzdem ganz diskret hin- ren. (...) same Zukunft zu gehen. (...) (...) Liebe Landsleute, hinter uns liegen sehr traurige Monate. Dunkle Monate, für viele einsame Monate. Monate voller Angst und Sorge. Wir müssen Gott danken, daß wir heute da sein dürfen. Wir müssen Gott danken, daß wir diese schwierigen Monate überstanden haben.

A

Unser sudetendeutsches Kulturerbe gehört unter den Schutz der UNESCO


71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

� Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat

„Wichtige Meilensteine für die Vertriebenen erreicht“ In seinem Grußwort hat Stephan Mayer (CSU), MdB und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, herausgestellt, was die Bundesregierung in der laufenden Legislatur in der Vertriebenenpolitik umgesetzt hat.

S

o seien die Finanzmittel im Rahmen des Paragrafen 96 des Bundesvertriebenengesetzes, in dem die Förderung der Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge geregelt ist, auf einen Rekordstand von 31 Millionen Euro im Jahr gestiegen (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Dies sei eine Verdreifachung seit dem Einstieg der CDU/ CSU im Jahr 2005 in die Regierungsverantworgung, so Mayer. Zudem seien im Haushalt des Bundesinnenministerium eine Million Euro für verständigungspolitische Maßnahmen eingestellt, um weitere Projekte der Vertriebenenverbände fördern zu können.

Stephan Mayer, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär

Fotos: Fricke

Ein weiterer Meilenstein sei die Eröffnung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung vor wenigen Wochen in Berlin gewesen. Er sei sehr froh, daß es nach vielen Jahren gelungen ist, dieses ganz wichtige Projekt abzuschließen. Gleichzeitig gratulierte Mayer zu dem neu eröffneten Sudetendeutschen Museum in München. Dies sei „in der deutschen Museumslandschaft ein herausragendes Leuchtturmprojekt“. „Die jetzt ablaufende Legislaturperiode war von wichtigen Meilensteine im Bereich der Vertriebenenpolitik geprägt“, stellte Mayer als Fazit fest. In seiner Rede ging der CSUPolitiker auch auf das DeutschTschechische Verhältnis ein, das unter den coronabedingten Grenzschließungen in den vergangenen Monaten gelitten habe. Er sei deshalb sehr froh, „daß es immer das Bestreben der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist, diesen Einigungsprozess als Brückenbauer in Europa“ voranzubringen.

� Katrin Habenschaden, Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München

„Vertreibung ist ein fundamentaler Verstoß gegen das Recht auf Heimat“ In ihrem Grußwort hat Münchens Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaben (Die Grünen) ausdrücklich begrüßt, daß der Sudetendeutsche Tag in der Landeshauptstadt stattfindet.

D

ie Wahl von München als Austragungsort könnte – obwohl ursprünglich anders geplant –, nicht bessser passen als in diesem Jahr, meinte die Zweite Bürgermeisterin und verwies auf die Eröffnung des Sudetendeutschen Museums im Herbst vergangenen Jahres. „Das Sudetendeutsche Museum ist mit seiner weltweit einzigartigen Dauerausstellung eine großartige Bereicherung der Münchner Museumslandschaft“, sagte Habenschaden und fügte hinzu: „Das neue Museum leistet einen wesentlich Beitrag, das kulturelle Erbe der Sudetendeutschen lebendig zu halten. Und uns anderen hilft es zudem, aus der Geschichte zu lernen. Es hält die Erinnerung wach an einer Vergangenheit in der National-

Katrin Habenschaden, Zweite Bürgermeisterin von München. simus und Gewalt unermeßliches Leid verursacht und das Zusammenleben der Kulturen und Völker vergiftet haben.“ Nur wenn man diese Erinnerung wach halte, könnte man in Europa die Zukunft gemeinsam gestalten. Nach der Vertreibung sei der Beitrag der Sudetendeutschen beim Aufbau des zerstörten Deutschlands wesentlich gewesen. Und bei der Integration der Sudetendeutschen nach der Ver-

� Steffen Hörtler, Landesobmann der SL-Bayern

� Mario Hierhager, Vorsitzender des SdJ

„Bekenntnis für ein geeintes Europa“

„Erkenntnis, daß nichts selbstverständlich ist“

„Der Sudetendeutsche Tag ist ein Phänomen – und zwar seit über 70 Jahren“, hat Steffen Hörtler, bayerischer Landesvorsitzender und stellvertretetender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, in seiner Begrüßung herausgestellt.

In der „Erklärung der Jugend“ hat Mario Hierhager, Vorsitzender der Sudetendeutschen Jugend, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Demokratie in den Mittelpunkt gestellt.

N

D

er Sudetendeutsche Tag sei ein Bindeglied für alle Sudetendeutschen. „Hier zeigen wir unsere lebendige Gemeinschaft, hier spüren wir den Zusammenhalt, der uns so stark macht, hier leben wir unser reiches Kulturerbe“, sagte Hörtler beim Festakt am Samstag in der Philharmonie im Gasteig. Hörtler: „Unser Sudetendeutscher Tag ist das unmißverständliche Bekenntnis für die Men-

treibung hätten Bayern und insbesondere München eine besondere Verantwortung, da damals allein in der Landeshauptstadt hätten 143  000 Heimatvertriebene einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden haben. Habenschaden: „Vertreibung ist immer Unrecht. Es ist ein fundamentaler Verstoß gegen das Recht eines jeden Mensch auf Heimat. Umso höher ist es zu bewerten, daß so viele Heimatver-

triebene die Hand zur Versöhnung ausgestreckt und Brücken der Verständigung geschlagen haben.“ Ein Brücke zwischen Bayern und der Tschechischen Republik schlage auch die Verleihung des Karls-Preises an den ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman. „Die Landshauptstadt München, die Sudetendeutsche Landsmannschaft und alle Preisträgerinnen und Preisträger vereint das Streben um die Verständigung in Europa, die Aussöhnung mit den einstigen Kriegsgegnern und den Opfern des NS-Regimes. Ohne diese Verständigung, ohne diese Versöhnung wäre auch Münchens Wiederaufstieg von der Ruinenlandschaft nach dem Krieg zur prosperierenden, lebendigen, fröhlichen Stadt von heute niemals möglich gewsen“, so die 2. Bürgermeisterin. Deshalb schulde die Landeshauptstadt München auch den Sudetendeutschen herlichen Dank.

Steffen Hörtler, Landesobmann der SL-Bayern. schenrechte, für das Recht die Heimat, für Dialog und gegnung, für die Freiheit Menschen, für ein geeintes ropa.“

auf Beder Eu-

ichts sei selbstverständlich, dies hätten gerade für jungen Menschen, die nur ein Europa ohne Grenzen kennen, die Pandemiebeschränkungen gezeigt, so Hierhager. Der Vorsitzende der SdJ warnte, unsere demokratische Gesellschaft als selbstverständlich zu betrachten: „Nichts ist selbstverständlich, immer muß man wachsam sein. Die Geister der Vergangenheit spekulieren auf die Bequemlichkeit der Mehrheit und spielen mit den Ängsten der Menschen,

Mario Hierhager, Vorsitzender der Sudetendeutschen Jugend. sie stellen sich als Opfer dar und nutzen die derzeitige Situation für eine Renaissance ihrer fauligen Ideen: Nationalismus, Isolationismus. Aber nicht mit uns!“

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Aus der Gästeliste l Dr. Peter Becher, Vorsitzender des Adalbert Stifter Vereins l Dr. Pavel Bednář, Konsul der Tschechi­schen Republik in Bayern l Florian Besold, Präsident der Bayerischen Einigung l Jakub Děd, Vorsitzender des tschechischen Denkmalpflege-Vereins Omnium l Tomáš Dittrich, Christliche Missionsgesellschaft Prag, als Vertreter der tschechischen evangelischen Christen l Matthias Dörr, Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde l Michael Dzeba, Stadtrat München (CSU) l Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung deutscher Vereine in der Tschechischen Republik l Dr. Helmut Eikam, Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde l Professor Dr. Bernd Fabritius, MdB (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Präsident des Bundes der Vertriebenen l Karl Freller, MdL (CSU), Erster Vizepräsident des Bayerischen Landtages l Dr. Anna Habánová, Kunsthistorikerin l Katrin Habenschaden, Zweite Bürgermeisterin der bayerischen Landeshauptstadt München (Bündnis 90/Die Grünen) l Rita Hagl-Kehl, MdB (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin BMJV l Volkmar Halbleib, MdL, Sprecher für Heimatvertriebene und Aussiedler der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag l Daniel Herman, Kulturminister a. D. der Tschechischen Republik, Präsident der Sdružení Ackermann-Gemeinde, Karls-Preisträger l Milan Horáček, MdB und MdEP a. D., Karls-Preisträger l Dr. Christoph Israng, Deutscher Botschafter in der Tschechischen Republik l Andreas Jäckel, MdL (CSU) l Volker Jobst, Bundesvüarstäiha der Eghalanda Gmoin l Dr. Zuzana Jürgens, Geschäftsführerin des Adalbert Stifter Vereins l Petr Kalousek, Meeting Brno l Dr. Helmut Kaltenhauser, MdL, Sprecher für Heimatvertriebene der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag l Johannes Kijas, Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union Deutschland, l Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung l Christian Knauer, BdV-Vizepräsident und -Landesvorsitzender in Bayern l Günter Kolbe, Präsident des Bayerischen Landessozialgerichtes l Thomas Konhäuser, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen l Hans-Dieter Korbel, Schlesisch-Deutscher Verein Troppau, l Dr. Daniel Korte (TOP 09) l Dr. Petr Koura, Direktor des Collegiums Bohemicum Aussig l Professor Dr. Günter Krejs, Präsident der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften l Jan Kreuter, Konsul der Tschechischen Republik in Bayern l Irene Kunc, Begegnungszentrum Mährisch Trübau l Professor Dr. Miroslav Kunštát, Karlsuniversität Prag l Kristina Larischová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Bayern l Petra Laurin, Haus der deutsch-tschechischen Verständigung Gablonz l Pater Dr. Martin Leitgöb, Wallfahrtsleiter am Schönenberg in Ellwangen, l David Macek, Meeting Brno l Dr. Arnošt Marks (KDU-ČSL), Vizeminister a. D. l Christa Matschl, MdL a.D. und Bundesvorstandsmittglied der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung (OMV) der CDU/CSU l Stephan Mayer, MdB (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär BMI l Ruth Müller, MdL (SPD) l Christa Naaß, MdL a.D. (SPD), Präsidentin der Sudetetendeutschen Bundesversammlung und Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates l Richard Neugebauer, Bildungs- und Sozialwerk Bohemia Troppau l Irene Novak, Kulturverband der Deutschen in der Tschechischen Republik l Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken l Monsignore Anton Otte, Propst a. D. des Kollegiatskapitels Sankt Peter und Paul auf der Prager Hochburg l Senator a.D. Dr. Zdeněk Papoušek (KDU-ČSL) l Helena Päßler, CoVorsitzende der Seliger-Gemeinde l Monsignore Adolf Pintíř, Vertreter der Tschechischen Bischofskonferenz l Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin von Oberfranken l Stefan Planker, Direktor des Sudetendeutschen Museums l Bernhard Pohl, MdL, Sprecher für Vertriebenenfragen der Freie WählerFraktion im Bayerischen Landtag l Robert Pötzsch, Bürgermeister von Waldkraiburg l Professor Dr. Armin Rosin, Träger des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises l Dr. Libor Rouček, MdEP (ČSSD), Co-Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, Vizepräsident a. D. des Europäischen Parlaments l Professor Dr. Stefan Samerski, Vizepräsident der Sudetendeutschen Akademie l Christian Schmidt, MdB (CSU), Co-Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums l Dr. Jaroslav Šebek, Historiker l Jan Šicha, Außenministerium der Tschechischen Republik l Wilhelm Simeon, Stadtrat von Eger (ČSSD) l Dr. Markus Söder, MdL (CSU), Bayerischer Ministerpräsident, Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe l Dr. Krisztina Spiller, Konsulin von Ungarn in München l David Stecher, Leiter des Prager Literaturhauses l Dr. Jakub Štědroň, Direktor des Hauses der Nationalen Minderheiten in Prag l Sylvia Stierstorfer, MdL (CSU), Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene l Dr. Rüdiger Stix, ehem. Mitglied des Wiener Landtages, Stellv. Bundesobmann der SLÖ l Richard Šulko, Bund der Deutschen in Böhmen l Professor Dr. Arnold Suppan, Universität Wien l Carolina Trautner, MdL (CSU), Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Schirmherrschaftsministerin l Gabriele Triebel, MdL, Sprecherin für Bildung, Religion und Erinnerungskultur der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag l Dr. Jiří Vidím, Vorsitzender des Kulturverbandes der Deutschen in der Tschechischen Republik l Professor Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg l Erika Vosahlo, Vizepräsidentin der Landesversammlung deutscher Vereine in der Tschechischen Republik l Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München l Professor Dr. Andreas Wehrmeyer, Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts l Josef Zellmeier, MdL, Vertriebenenpolitischer Sprecher der CSUFraktion im Bayerischen Landtag.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

Preisträger und Prominenz: Miloš Bělohlávek, Gregor Köstler, Myriam Geßendorfer, Elisabeth Freyhoff, Sozialstaatsministerin Carolina Trautner, Christine Rösch, Professor Dr. Franz Effenberger, Professor Dr. Herbert Zeman, dessen Sohn Julius Zeman, Marius Hammerschmied, Iris Marie Kotzian und Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung in München. Bilder: Michael Santifaller Am Nachmittag vor dem Sudetendeutschen Tag wurden in der Philharmonie im Münchener Kulturzentrum am Gasteig die letztjährigen Kultur- und Förderpreise der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Sudetendeutsche Volkstums­ preis 2020 verliehen. Die Preisträger aus Wissenschaft, Musik und Darstellender Kunst, Publizistik und Volkstumspflege wurden bei einem Festakt von ihren Laudatoren vorgestellt und erhielten ihre Urkunden. Als Moderatorin leitete die Sängerin und SL-Förderpreisträgerin Iris Marie Kotzian charmant durch den Festakt. Zum ersten Mal dabei war die Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, Carolina Trautner, die eine engagierte Rede hielt. Sprecher Bernd Posselt gehörte zu den Ehrengästen und freute sich über die Live-Veranstaltung in München.

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em Tüchtigen gehört die Welt, aber auch die Heimat“, zitiert Herbert Zeman den Prager Germanisten August Sauer. Zeman, der gerade mit dem Großen Kulturpreis ausgezeichnet worden war, hatte über Sauer geforscht, wie sein Laudator Wolf-Dieter Hamperl berichtete. „Den aus ihrer Heimat vertriebenen Sudetendeutschen gehört die Welt, und die Heimat haben sie im Herzen behalten“, fährt Zeman fort. Die Erinnerungen an ihre Heimat würde die Landsleute in die Vergangenheit führen, auch wenn sie heute in der ganzen Welt und der Gegenwart lebten. Wissenschaft und Kultur, aus deren Bereichen bei dem Festakt viele hervorragende Vertreter ausgezeichnet worden seien, führe in beide Zeitdimensionen, so der Literaturprofessor Zeman in seiner Dankesrede. Mit den SL-Kulturpreisen würden Leistungen in der Vergangenheit und Gegenwart gewürdigt. Und die SL-Förderpreise würden die Nachwuchstalente anspornen.

Im Mittelpunkt stehen exzellente Preisträger Und Kultur und Wissenschaft sind mit den exzellenten Preisträgern vertreten, die an diesem Nachmittag geehrt werden und in dieser Zeitung schon vorgestellt wurden. Beim Festakt tragen die Mitglieder der Jury ihre Laudationes vor. Der Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts, Andreas Wehrmeyer, die ehemalige Heimatpflegerin Zuzana Finger, der scheidende SLBundeskulturreferent Wolf-Dieter Hamperl und sein Nachfolger Ulf Broßmann sowie ich, die Kulturredakteurin dieser Zeitung. Zuvor hielt die Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner eine sensibel-sachkundige Festrede über die Sudetendeutschen und ihre Leistungen

� Preisverleihungen in der Philharmonie im Gasteig

Festakt in München

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner MdL hält die Festrede.

Dr. Ortfried Kotzian begrüßt die Gäste in der Philharmonie.

Professor Dr. Herbert Zeman dankt für den Großen Kulturpreis.

Professor Dr. Ulf Broßmann, jetzt SLBundeskulturreferent, als Laudator.

verschiedenen Opernbühnen engagiert. Im Gasteig singt sie eingangs den Titelsong „Diamonds are Forever“ des gleichnamigen James-Bond-Films zur Begleitung der Gersthofer Blasmusiker. Sie zeigt dazu einen böhmischen Glaskristall, der wie ein Riesendiamant wirkt. Dies ist der rote Faden ihrer Moderation, die sie mit Leben und Werk der Preisträger verbindet: Böhmisches Glas und Kristall in allen Abwandlungen, bis hin zur Kristallkugel und einem Original Karlsbader Kurtrinkbecher. So geht Iris Marie Kotzian auf die jeModeratorin Iris Marie Kotzian mit „Kristallkugel“, weiligen Biographieiner Bowlenschale aus Haida in Nordböhmen. en ein und entlockt den frisch gekürten Tochter Iris Marie moderiert wie Kultur- und Förderpreisträgern bei den letzten Verleihungen der spannende Aussagen zu Leben Kulturpreise. Die Sopranistin, die und Werk – eine gelungene leTrägerin des SL-Förderpreises bendige Ergänzung zu den Laufür Darstellende und Ausüben- dationes. de Kunst 2004 ist und deren ElIm Mittelpunkt stehen die tern aus dem Riesengebirge und Preisträger, und so präsentiert dem Egerland stammen, war an sich die Förderpreisträgerin für

Musik und Darstellende Kunst als große Virtuosin: Myriam Geßendorfer spielt auf ihrer Violine die Sonata Nummer 3 in c-Moll von Edvard Grieg. Die junge Geigerin, die Klassik und Rock lie-

me am Sommerfestival der Allmannsdorfer Kammerkonzerte verhindert und sendet musikalische Grüße: Seine Einspielung der Etüde in As-Dur von Frédéric Chopin erklingt.

und Verdienste, nachdem Ortfried Kotzian, der Vorstandsvorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, die wenigen Gäste in der gigantischen Philharmonie im Gasteig begrüßt hatte. Seine

Miloš Bělohlávek (Förderpreis für Publizistik) und SdZ-Kulturredakteurin Susanne Habel als seine Laudatorin.

fern kann – wie Andreas Wehrmeyer in seiner Laudatio schon angekündigt hat – freut sich sehr über den Preis. Von der Moderatorin zu ihrem politisch-gesellschaftlichen Engagement befragt, meint Geßendorfer: „Mit Musik kann man Themen anders angehen!“ Zuletzt habe sie bei einem Online-Projekt das „Tabuthema“ der weiblichen Menstruation musikalisch dargestellt. Ihre Pläne für die Zukunft sähen schon einen Platz in einem Orchester vor, aber sie sei „offen für alles“. Beruflich angekommen ist schon ihr älterer Kollege, der Kulturpreisträger für Musik. Der Pianist GeMyriam Geßendorfer (Förderpreis für Musik) spielt eine Sonate. Ihr Laudator, Dr. Andreas org Michael Grau ist Wehrmeyer, stellt auch Georg Michael Grau, den Kulturpreisträger für Musik vor. durch seine Teilnah-

Gregor Köstler (Förderpreis für Wissenschaft) mit Dudelsack.

Der Förderpreis für Publizistik, die nächste Sparte, ist gleich zweimal vergeben worden, einmal an den Historiker Miloš Bělohlávek, der aus Chodau im Egerland angereist ist. Dort ist er als Heimatforscher tätig und verfaßte viele Schriften zur Stadtgeschichte. Details darüber hatte ich in meiner Laudatio auf Bělohlávek geschildert. Auf Frage der Moderatorin zu seiner Motivation sagt er: „Ich war als Kind mit Oma und Uroma oft auf dem Friedhof, wo die Damen noch Deutsch sprachen.“ Später habe er gemerkt, daß die heutigen Bewohner von Chodov keine Ahnung vom deutschen Anteil an der Stadtgeschichte, jedoch durchaus Interesse daran hätten. „Deshalb machte ich viele Projekte darüber“, so Bělohlávek. Beispielsweise habe er das Grab des deutschen Bürgermeisters Karl Fenkl restauriert. „Im letzten Herbst hatten die Chodauer zu Allerheiligen dort 30 Kerzen aufgestellt“, freut sich der Preisträger über die Resonanz. Der zweite Publizistik-Preisträger, Julian Klötzl, ist beruflich verhindert, hat jedoch eine Rede geschickt, aus der Iris Marie Kotzian Auszüge vorliest. Darin beschreibt Klötzl, wie er mit Otto Riedl, dem Cousin seines Großvaters, erstmals nach Langlammitz im ehemaligen Kreis Luditz fuhr. Dort, im Egerländer Geburtsort seines Großvaters, sei vom einstigen Familienheim keine Spur mehr zu finden gewesen. Klötzl habe dann mit Recherchen im Internet, in Archiven und bei Zeitzeugen begonnen, so sein Laudator Wolf-Dieter Hamperl, und schließlich die umfassende, erweiterte Neuauflage der Heimatchronik seines Großvaters „Langlammitz mit Ortsteil Federhäuseln“ publiziert, alles auf den Spuren der Vorfahren. Auf den Spuren der Vorfahren ist auch der Förderpreisträger für Wissenschaft unterwegs gewesen. Gregor Köstler hat in seiner Monographie „Zwischen Österreich und Bayern – Die Fraisch mit der Simultaneums-Pfarrei Neualbenreuth im 19. Jahrhundert“ zur Regionalgrenzen-Thematik gefunden. Dieses Thema will er auch in seiner Promotion in ähnlicher Weise wieder aufnehmen, wie Laudator Broßmann erklärte. Die Ursache seiner Forschungen über die Fraisch in der Ober­ pfalz bezeichnet Köstler schmunzelnd als „familiäre Vorbelastung“. Der junge Historiker erklärt, wie man den Egerländer Dudelsack spielt. Diese Kunst habe er an der Musikschule Tirschenreuth als Schüler gelernt. Als „Lehrer“ tritt dagegen der Kulturpreisträger für Wissenschaft auf, was er als Chemieprofessor auch jahrzehntelang war: Franz Effenberger stellt für das Publikum Einzelheiten Fortsetzung nächste Seite


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� Auszüge aus der Rede der Schirmherrschaftsministerin

Museumsfest versprochen H

Die Gersthofer Blasmusiker unter Leitung von Ulrich Fischer bieten ein schmissiges Musikprogramm.

Bilder: Michael Santifaller, Torsten Fricke (1)

� Fortsetzung von Seite 4

Festakt in München über die teils spiegelbildliche, aber gegenteilig wirkende Eiweißsynthese von Aminosäuren dar. Effenberger erklärt dies an alltäglichen Beispielen wie der Substanz Thalidomid, die in den sechziger Jahren Contergan verursachte, aber heute in einer Variante bei Krankheiten hilft, etwa der Lepra, und ähnliche Wirkmechanismen bei Mandelenzymen und Ecstasy zeigt. Besser als die muntere Vorlesung des Experimentalchemikers versteht das Publikum, daß er seine Heimatverbundenheit betont. Effenberger fährt oft nach Goldenstein im Altvater in Nordmähren, wo er 1930 geboren wurde. „Schon früh habe ich auch intensiven Kontakt mit tschechischen Wissenschaftlern gesucht und meinen ersten Vortrag in Prag auf deutsch halten können“, so Effenberger, der weltweit gewirkt hat und auch in den Vereinigten Staaten forschte, wie die Moderatorin betont. Damit leitet Iris Marie Kotzian über zum schmissigen Musikstück „Tuxedo Junction“, mit dem die Gersthofer Blasharmoniker das Publikum mitreißt.

Die Volkstumspreisträger Marius Hammerschmied und Christine Rösch.

Professor Dr. Franz Effenberger (Kulturpreis für Wissenschaft) doziert.

detendeutschen Tag zum ersten Mal aufgetreten, so die frühere Heimatpflegerin, und seitdem immer wieder im regelmäßigen Zweijahresrhythmus. Der junge Schlagzeuger Marius Hammerschmied, der mit achtzehn in den Gmoirat in Geretsried und zum Landesjugendführer der Egerland-Jugend (EJ) Bayern gewählt worden ist, kommt in Tracht auf die Bühne der Philharmonie. „Ich bin da einfach reingeboren“, sagt er bescheiden. Als Landesjugendführer bedauere er, daß wegen Corona das

Danach geht es musikalisch weiter, denn der Förderpreisträger für Volkstumspflege ist quasi schon als Musiker geboren: „Marius Hammerschmied, den wir heute ehren, ist seit seiner Geburt Mitglied in der Gmoi und er wurde von seinen Eltern von klein auf an die Traditionen herangeführt“, sagt seine Laudatorin Zuzana Finger. Er habe mit drei Jahren angefangen, in der Gartenberger Bunkerblasmusik Schlagzeug zu spielen und sei mit vier Jahren mit der Bunkerblasmusik als Festkapelle am Su-

Dr. Zuzana Finger stellt die Volkstumspreisträger vor.

Jubiläumstreffen der EJ Bayern verschoben worden sei, für die er sich einsetzt. „Wir suchen immer neue Mitstreiter!“, so der Trachtenträger. Und Tracht trägt auch die Empfängerin des Volkstumspreises 2020: Christine Rösch zeigt in ihrer selbstgenähten Kuhländler Tracht auf Bitten der Moderatorin auch gleich einen berühmten Tanz. Bei einigen Schritten des Kuhländler Drehers sieht man die Gewandtheit der einstigen Eiskunstläuferin, die dieses Jahr bei der Eröffnung des Dokumentationszentrums „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin als Zeitzeugin eine Rede gehalten hat. Zu der grenzüberschreitenden Kooperation ihrer Kuhländler Gruppe mit der Tanzgruppe Javorník aus Neutitschein/Nový Jičín sagt Rösch, die selbst vor 92 Jahren in dieser Stadt zur Welt kam: „Tanz ist Austausch. Wir tanzen bei gemeinsamen Auftritten auch tschechische Tänze.“ So hätten beide Volkstanzgruppen auch beim Stadtfest in Neutitschein zusammengefunden und dort inzwischen auch DVDAufnahmen der Tänze gemacht.

„Volkstanz ist Ausdruck von Lebensfreude – das wollen wir behalten“, strahlt die Preisträgerin, die maßgeblich bewirkt hat, daß die Kuhländler Volkstänze als ein wertvolles immaterielles Kulturerbe anerkannt und ausgezeichnet wurden. Höhepunkt und Abschluß des dreistündigen Festakts ist die Verleihung des Großen Kulturpreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft 2020. Fast dreißig Jahre nach dem letzten Sudetendeutschen Tag am Schauplatz München im Jahr 1992 liest der scheidende SL-Bundeskulterreferent Wolf-Dieter Hamperl seine Laudatio, in der er die Leistungen, Publikationen und Erfolge des Preisträgers beschreibt. Wie darin beschrieben, bildet der emeritierte ordentliche Universitäts-Professor Herbert Zeman auch eine Brücke zwischen Literatur und Musik. So war er Leiter der geisteswissenschaftlichen Abteilung der Herbertvon-Karajan-Stiftung in Wien, ist mit der Kammersängerin Ildikó Raimondi verheiratet und hat einen Sohn, der als Pianist die Universität Mozarteum Salzburg abschloß. Und Julius Zeman begleitet gleich die Sopranistin Elisabeth Freyhoff bei drei Liedern von Richard Strauss am Flügel. Und dann tritt mit Herbert Zeman ein aus dem Sudetenland stammender Österreicher auf das Podium und hebt an zu seinen Dankesworten. Darin betont Zeman auch die Verbundenheit Österreichs mit den Sudetendeutschen. Mit der Polka „Böhmischer Traum“ von Norbert Gälle endet der Festakt. Susanne Habel

Dr. Wolf-Dieter Hamperl als Laudator von Professor Dr. Zeman.

Herbert Zemans Sohn Julius und die Sopranistin Elisabeth Freyhoff. Rechts die Tschechische Generalkonsulin Kristina Larischová und Dr. Ortfried Kotzian.

eute rücken wir die Preis- vor 71 Jahren unterzeichnet haträger des diesjährigen Su- ben, haben gewußt: Die Zukunft detendeutschen Kulturpreises Europas liegt im Miteinander, in in den Mittelpunkt: Kunst- und Frieden und Freiheit seiner LänKulturschaffende der Sudeten- der und Menschen. deutschen, die wir in derart vieDieses Erbe ist auch heute len Disziplinen ehren, daß wir sehr aktuell. In Europa stehen besonders stolz auf sie sein kön- wir vor der großen Herausfordenen. Die vielen Preise bringen rung, daß wir geeint bleiben und zum Ausdruck, wie lebendig die zusammenwachsen. Wir können Kultur der Sudetendeutschen ist, und sollten dabei von den Heiwie ideenreich sie sind und wie matvertriebenen lernen. Denn tief sie ihre Heimat in ihrem Her- sie sind seit über 70 Jahren Eurozen tragen. Das gibt Ihnen, den pas Brückenbauer. Sudetendeutschen, Halt, OrienVersöhnung gelingt durch tierung und ein besonderes Wer- Verständigung. Verständigung tebewußtsein. durch Begegnung, Gespräche Die Werte Gerechtigkeit, Frie- und Erinnerung ... den und Freiheit, für die Sie einIm Haushalt 2021 haben wir stehen, sind eng mit Ihrer Ge- zusätzliche Fördermittel bereitschichte verknüpft. Sie haben sich gestellt. Wir werden die SudeIhre Kultur und Ihre Werte im- tendeutsche Stiftung und ihre mer bewahrt. Nach Ihrer Flucht Kulturarbeit weiter stärken. Und und Vertreibung, nach dieser auch den Heiligenhof in Bad KisTragödie, sind sie nicht zerbro- singen, dieses wichtige Aushänchen, sondern haben geholfen, geschild der sudetendeutschen Bayern, das selbst am Boden lag, Jugend- und Kulturarbeit, weraufzubauen: mit Ihren besonde- den wir bei seiner geplanten Moren Fähigkeidernisierung ten und Kenntumfangreich nissen. Sie haunterstützen. ben dabei Ihre Erst vor Kursudetendeutzem, am 4. Jusche Identität li, haben wir gestärkt, weil die FertigstelSie die Brauchlung des Egertümer aus Ihlandmuseums rer Heimat imin Marktredwitz mer intensiv gegefeiert und gepflegt haben. sehen, was für Der Zusameinen Untermenhalt Ihschied die Sarer Volksgenierung ausmeinschaft ist macht. Auch stark. Er macht dem IsergeSie zu den bebirgsmuseum in sten Vorbildern, Carolina Trautner spricht. Neugablonz hadie unsere Geben wir bei der sellschaft haben kann – gerade Modernisierung geholfen. Die jetzt, wo es so sehr auf den ge- neue Fassade wird die Besuchesellschaftlichen Zusammenhalt rinnen und Besucher beeindrucankommt. Und Sie haben sich ken. Ich hoffe sehr, daß wir bald in der neuen Heimat von An- die Wiedereröffnung mit einem fang dem Frieden und der Ver- Festakt begehen können. söhnung in Europa verschrieben. Das Sudetendeutsche MuseVor dieser Haltung können wir um in München haben wir Ende uns nur verneigen. des vergangenen Jahres eröffnet Von Flucht und Vertreibung – gemeinsam mit unserem Migezeichnet, haben die Heimat- nisterpräsidenten Markus Söder vertriebenen schon 1950 die –, aber leider nur in einem ganz Charta der deutschen Heimat- kleinen Kreis ohne Gäste. Doch vertriebenen unterschrieben. Die sobald es möglich ist, wird es ein Charta hat die Tragödie der Hei- großes Museumsfest geben. matvertriebenen zum Ausdruck Das Sudetendeutsche Musegebracht und gleichzeitig ihren um ist ein begehbarer Schatz. Großmut, den sie so kurz nach Ein Zeugnis für Kultur und Geder Tragödie gezeigt haben. schichte der Sudetendeutschen Und die Charta war sehr wich- und ein Ort, der Interesse weckt tig für das aufkommende friedli- und zum Dialog einlädt. che Miteinander in Europa. Ich verspreche Ihnen: Wir in „Wir verzichten auf Rache Bayern werden weiterhin alles und Vergeltung. Wir werden je- dafür tun, die Sudetendeutschen des Beginnen mit allen Kräften Kultureinrichtungen zu erhalten unterstützen, das auf die Schaf- und sie mit nachhaltigen Konfung eines geeinten Europas ge- zepten mit modernen Anforderichtet ist, in dem die Völker oh- rungen in Einklang zu bringen. ne Furcht und Zwang leben So stellen wir sicher, daß sie können.“ – Das haben die Hei- ihre wichtigste Aufgabe erfüllen: matvertriebenen 1950 geschrie- Kultur und Geschichte der Heiben. Was für große und weitsich- matvertriebenen an die nachfoltige Zukunftsbotschaften so kurz genden Generationen weiterzunach den leidvollen Erfahrungen! geben und sie im gesellschaftliDie Menschen, die diese Charta chen Bewußtsein zu erhalten.

E

s leuch- � Aus der Rede von Ortfried Kotzian nicht nur tet: das der SudetenLeuchtdeutsche turm allMuseum überall in Münbekannt chen. Das Leuchtturmprojekt der gemacht werden, sondern die suKulturlandschaft des Freistaates detendeutsche Volksgruppe wieBayern strahlt seit seiner Eröff- der in Präsenz zusammengeführt nung am 12. Oktober 2020 über werden... die Grenzen unseres Landes in Ich wünsche allen einen spandie ganze Welt. nenden und vergnüglichen festWenn in diesem Jahr 2021 un- lichen Nachmittag und die Erter den schwierigen Bedingun- kenntnis, daß sudetendeutsche gen der Corona-Pandemie ein Erinnerungskultur auch mehr als Sudetendeutscher Tag nicht zu 75 Jahre nach Flucht und VertreiPfingsten, sondern im Juli rund bung lebt und längst zum origium das Sudetendeutsche Muse- nären Bestandteil europäischer um abgehalten wird, dann soll Kultur geworden ist.

Es leuchtet


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Ingrid und Roland Hammerschmied von der Egerland-Jugend Geretsried. Rechts die Egerländer Familienmusik Hess. Stefanie, Elisabeth, Sabine und Martin Januschko. Bilder: Michael Santifaller

� Großer Volkstumsabend mit dem Motto „Wo wir uns finden“

Das große Genießen oder Ringelpiez ohne Anfassen

Wischauer Hochzeit: Burgl und Hardl singen Hochzeitsgstanzl …

Auch der große Volkstumsabend unter dem Motto „Wo wir uns finden“ fand in der Münchener Philharmonie statt. Der Konzertsaal hat 2389 Sitz- und 15  Rollstuhlplätze. Wegen Corona durften allerdings nur einige hundert Zuschauer kommen. Doch die, die eine Karte ergattert hatten, freuten sich wie k. u. k. Schnitzel und genossen den Abend mit allen Sinnen.

Schäi(n singt koa Vüaghal“ und „Am Föichtbüahl da Tannabaam“. „Wo wir uns finden“ war das Motto. Der rote Faden war jedoch augenzwinkernde Fröhlichkeit. Nach der staubtrockenen lustbefreiten Coronazeit hatten die Landsleute Hunger auf a saubre Hetz.

chen und kirchlichen Rituale der Wischauer waren beeindruckend. So ging der Bräutigam mit der ältesten Bittdian oder Brautjungfer und die Braut mit dem ältesten Bittknecht zur Trauung in die Kirche. Die Mutter der Braut durfte nach alter Sitte nicht an der Trauung teilnehmen. „So rettet man Brauchtum in die Neu-

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… der Rejdmou und die älteste Bittdian oder Brautjungfer mit den Geschenken der Braut für den Bräutigam …

… die Braut weint und die Frauen bereiten das Hochzeitsmahl vor …

… die Eltern geben dem Brautpaar ihren Segen …

… nach der Trauung in der Kirche versperren die Frauen mit Schmucktüchern die Straße, und der Bräutigam muß Wegegeld zahlen.

berfreuer und Obergenießer war unübersehbar Volksgruppensprecher Bernd Posselt. Doch zunächst feierte Christina Meinusch, die frisch gebackene Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Premiere. Sie eröffnete zum ersten Mal den Großen Volkstumsabend des Sudetendeutschen Tages. Dabei begrüßte sie außer Posselt ihre Vorgängerin Zuzana Finger, Karls-Preisträger Daniel Herman und den Münchener Stadtrat Michael Dzeba. Und sie sagte: „Wer hätte gedacht, daß es in unserer heutigen Zeit eine Besonderheit sein würde, sich über Grenzen hinweg zusammenzufinden und einen gemeinsamen Abend bei sudetendeutschem Brauchtum zu verbringen.“ Roland Hammerschmied, Moderator, Regisseur und Leiter der Geretsrieder Bunkerblasmusik, hatte zuvor mit einem Gedicht begonnen. „Schenke Freude weit und breit. / Wenn wir sie von Herzen geben, / reicht sie über unsere Zeit“, endete dieses. „Es hat ganz schön lange gedauert, bis wir uns wiederfinden durften“, begründete er das Motto. Zunächst spielte die Egerländer Familienmusik Hess aus dem hessischen Hirschhorn den „Mooskirchner Hochzeitsmarsch“. Dann sang die Familie Januschko „Druntan Steg rinnt da Bach“ und „Blaui Fensterl“. Martin und Sabine Januschkos Wurzeln liegen im Böhmerwald. Ihre Zwillingstöchter Stefanie und Elisabeth erhielten 2020 den SL-Förderpreis für Musik und Darstellende Kunst. Übrigens näht Sabine Januschko die Festtracht der Böhmerwäldler, die sie bei ihren Auftritten tragen. „Oh Du getreuer Gott“ war das erste Lied der Mährischen Singund Spielschar „Moravia Cantat“ unter ihrem Leiter Wolfram Hader. Sie pflegt die böhmische und mährische Musik und entwickelt sie auf höchstem Niveau weiter. Und sie verwebt die vielfältigen Gemeinsamkeiten und Wechselwirkungen zwischen deutscher, tschechischer und jüdischer Kultur im Herzen Europas. Hammerschmied: „Wegen ständig wechselnder Anti-Corona-Regelungen beschlossen wir, den Volkstumsabend mit Duos und Quartetten zu bereichern. Deshalb werden heute Abend Mitglieder der Egerland-Jugend (EJ) aus Geretsried und Stuttgart auf der Bühne stehen.“ Das Stuttgarter EJ-Duo Lena und Sebastian sang „Sua

Moderator Roland Hammerschmied und Heimatpflegerin Christina Meinusch. Bilder: Michael Santifaller

Der Mensch mit der sichtlich größten Freunde am Volkstumsabend ist Volksgruppensprecher Bernd Posselt. „Acht deutsche Dörfer, 3500 Menschen, 3598 Hektar: Das war bis 1945 die Wischauer Spachinsel“, erzählte Hammerschmied. Vom Baby bis zum Greis hätten alle Wischauer ursprünglich immer und überall Tracht getragen, wenn auch etwas einfachere Trachten bei der Arbeit. „Wenn man die Farbenpracht der Wischauer Trachten sieht, merkt man,“ zitierte Hammerschmied Elisabeth Plank, die Autorin eines Bilderbuches über die Wischauer Sprachinsel, „daß die Wischauer keine Angst vor Farben haben.“ „Gott sei Dank“, rief Bernd Posselt in den Saal und applaudierte begeistert. Unter der Überschrift „Hoozet is“ präsentierten die farbenfrohen Wischauer ein Singspiel über Hochzeitsbräuche aus ihrer Sprachinsel. Es begann mit gesungenen Hochzeitsgstanzl und ging mit dem „Rejdmou“, dem Hochzeitslader, weiter. Rosina Reim, langjährige Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, las die Mundarttexte. Ihre Schwester Christine Legner und ihre Tochter und Nachfolgerin Monika Ofner-Reim lasen die hochdeutschen Texte. Die vor, während und nach der Hochzeit üblichen häusli-

zeit“, lobte Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung, das Wischauer Singspiel. Die Familienmusik Hess entstand 1978. Ihre Wurzeln liegen bei Marienbad und Karlsbad im Egerland und bei Grulich im Adlergebirge. Ihre Tracht fertigen sie nach alten Vorlagen. Diese stammen aus dem Eghaland, wie man unschwer an den Huasn­ oadoudara an den Lederhosen der Männer erkennt. Sie sangen „Öitza gämma af Loretta“. Klingt nach Wallfahrtshymnus, ist es aber nicht. „Öitza gämma af Loretta, / ban Saläsn käi(h)a ma aa(n, / dåu ess mar-a Wurscht u an Weckn, / walls Böia dees kröigt ma(n durt dra(n. Staad, staad, dast de niat draht,/ staad, staad, dast de niat draht; / håuts uns äiascht gesta(r)n draht, /drahts uns heint aa, / staad, staad, dast de niat draht.“ Dem folgten zwei neue Strophen: „Öitza haama halt Corona, / in Krank‘nhaus käi(h)a ma aa(n. / Dåu kröigt ma Infusio‘n u Tablett‘, / un‘s Bett, dees kröigt ma durt dra(n. Öitza låu ma uns halt impf‘n / mit Astra und Zenca, / mit Mo-

derna, Biontec und Johnson, / den Sputnik, den kröigt ma durt dra(n.“ „Egerland-Jugend Geretsried: ,Die Egerländer Sprache‘“, stand nun auf dem Programm. Das Geretsrieder EJ-Duo bestand aus Roland Hammerschmied und seiner Frau Ingrid. Hammerschmied: „Das schöne in der Egerland-Jugend ist, daß sehr viele – wie Sie sehen können – Berufsjugendliche sind. Wir singen ein Lied, das unsere Egerländer Mundart ein bißchen erklärt.“ Welcher Januschko-Zwilling Stefanie und welcher Elisa­ beth war, erkannte man am Instrument. Elisabeth spielte Gitarre, Stefanie Akkordeon. Gemeinsam spielten sie die Bayerische Polka „Hupf umi“ und den von Stefanie komponierten „Valse de bricolage“. Hammerschmieds Übersetzung lautete „Heimwerker-Walzer“. Eine nachträgliche Google-Suche und Wikipedias Erklärungen verursachten eine bodenlose Verwirrung. Bleiben wir bei „Valse de bricolage“. Das klingt so fein, vornehm und geschmeidig wie Stefanies Walzer in der Philharmonie klang. Die Berufsjugendlichen der EJ Stuttgart sangen „Tauchn, Paalasbrunn u Bernau“. Das war so lustig, daß Bernd Posselt vor Lachen die Tränen kamen. Doch wo liegt Bernau? Es gibt zwei Bernaus im Egerland, eines im Kreis Falkenau und eines im Kreis Neudek. Die liegen aber nicht in Laufnähe von Tachau (Tauchn) und Paulusbrunn (Paalasbrunn), wo das Lied spielt. Es scheint sich vielmehr um das oberpfälzische Bärnau zu handeln. Das trennt nur die bis Corona grüne Grenze. Außerdem beherbergt das Städtchen den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Das Lied hätte als grenzüberschreitendes Versöhnungsprojekt das Potential, vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert zu werden. Corona verbot große Chöre. Die hätten zu viele mit Covid-19 gespickte Aerosole versprüht. Auch Ringelpiez mit Anfassen, also tanzen, ist ungemein gefährlich, weil man sich so nahe kommt und anatmet. Doch da hatte Corona die Rechnung ohne „Moravia Cantat“ gemacht. Die konnten Ringelpiez ohne Anfassen. Sie tanzten eine Mystrinska. Dabei standen die Tänzer zunächst im Halbkreis und hielten den Nachbarn nicht an der Hand, sondern mit dem Nachbarn ein buntes Tüchel. Was mit einfachen Schrittfolgen gemächlich begann, steigerte sich in eine wahre Hetz. Auf deren Höhepunkt war Schluß. Danach standen die Tänzer und winkten mit ihren Tücheln. Nun wurden die Lieder ruhiger, beruhigender und nachdenklicher. Schließlich standen alle auf und sangen endlich wieder einmal gemeinsam „Kein schöner Land“. Nadira Hurnaus


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71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021 � Egerländer Nachwuchskünstler

Eine junge „Rampensau“ wird erwachsen

Die Egerland-Jugend aus Stuttgart

Am Freitag verlieh die Sudetendeutsche Landsmannschaft ihre Kultur- und Förderpreise. Den Förderpreis für Volkstumspflege erhielt Marius Hammerschmied (Þ  Seite 5), die Laudatio hielt Zuzana Finger, ehemalige Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. In ihrer Lobrede (Þ Wortlaut unten) sagte Finger, daß Marius seit seinem vierten Lebensjahr im Zweijahres-Rythmus bei Sudetendeutschen Tag aufspiele.

Hammerschmied. Johanna und Leonie sind die Töchter des Ensemblemitglieds und Vüarstäi­ has der Egerländer Gmoi z‘ Geretsried, Helmut „Happy“ Hahn. Sie kämen viel herum, träfen immer wieder neue Leute, und

das Musizieren bereite Freude, erzählen sie. Sind die vier „Rampensäue“? „Wir sind echte Rampensäue“, sind sie sich einig. In den sechziger und siebziger Jahren müpften die pubertierenden jungen Männer mit langen

Haaren gegen die Elterngeneration auf. Protestierte nun Marius mit der Kurzhaarfrisur gegen seine Eltern? „Jein.“ Auch kurzhaarig ist der mittlerweile erwachsene Marius der Liebling der Heimatherzen. Nadira Hurnaus

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„Moravia Cantat“ schreitet …

… hüpft …

aß Marius Hammerschmied bereits mit drei Jahren zum ersten Mal beim Sudetendeutschen Tag war, bezeugt das Bild mit seinem Vater Roland Hammerschmied vom 55.  Sudetendeutschen Tag 2004 in Nürnberg. Bei den folgenden Sudetendeutschen Tagen wurde der kleine Schlagzeuger mit den langen blonden Haaren zum Liebling der Heimatherzen. 2016 kam der Schnitt. Anfang März beging der BdV-Kreisverband München-Stadt und -Land den Tag des Selbstbestimmungsrechtes im Münchener Maximilianeum. Die Gartenberger Bunkerblasmusik Geretsried spielte die Gedenkmusik. Doch am Schlagzeug saß kein blonder Jüngling mit langen Haaren, sondern ein Junge mit kurzen braunen Haaren. Beim 67. Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten 2016 erneut in Nürnberg traf ich mich mit den damals vier jüngsten Musikern der Bunkerblasmusik: mit der zwölfjährigen Sechstkläßerlin und Posaunistin Johanna Hahn, mit der 13jährigen Siebtklässlerin und Querflötistin Leonie Hahn, mit der 14jährigen Achtkläßlerin Luisa Muchstein, die wie ihr Vater Peter bei den Gartenbergern das Flügelhorn bläst, und mit dem 16jährigen Neunt­ kläßler und Schlagzeuger Marius

Auf dem Sudetendeutschen Tag 2004 als Dreijähriger mit Papa Roland, 2008 und 2009 …

… 2011 …

… 2014 …

… 2018 …

… 2016 mit Johanna Hahn, Luisa Muchstein und Leonie Hahn sowie 2018 mit Markus Söder und dem Vater. Bilder: Ivan Laputka (4), Michael Santifaller (3), Nadira Hurnaus (1)

� Förderpreisträger für Volkstumspflege

Marius Hammerschmied … springt …

Der Förderpreisträger für die Volkstumspflege, Marius Hammerschmied, der in diesem Jahr 21 Jahre alt wird, wuchs in Geretsried in einer Egerländer Familie und als Gmoimitglied auf.

D

… winkt …

… und singt. Und Wolfram Hader dirigiert.

ie oberbayerische Stadt Geretsried hat auf mich gleich bei meinem ersten Besuch mit ihrem reichen bayerischen und Egerländer Vereinsleben einen großen Eindruck gemacht. Die dortige Egerländer Gmoi nimmt mit der Volkskulturpflege einen bundesweit herausragenden Platz unter den Gmoin ein. Der Geretsrieder Egerländer Marius Hammerschmied, den wir ehren, ist seit seiner Geburt Mitglied in der Gmoi, und er wurde von seinen Eltern von klein auf an die Traditionen herangeführt. Sie haben seine überragende Musikalität früh erkannt und gefördert. Mit drei Jahren hat er angefangen, in der Gartenberger Bunkerblasmusik Schlagzeug zu spielen. Mit vier Jahren trat er mit der Bunkerblasmusik als Festkapelle zum ersten Mal am Sudetendeutschen Tag auf und seitdem im regelmäßigen Zweijahresrhythmus. Seit seinem vierten Lebensjahr spielt er bei den Landesfesten der Egerländer Gmoin Bayern sowie bei den Egerlandtagen des Bundes der Egerländer Gmoin (BdEG).

Im Laufe der Jahre folgten musikalische Tätigkeiten in weiteren Bands und Orchestern: l  2010 bis 2017 Mitglied der Big Band Gymnasium Geretsried; l  2010 bis 2012 Band „Be­ yond the Trail“; l   seit 2012 Mitglied und Gründungsmitglied der JazzBand „The DC Alcodas“; l  seit 2013 Mitglied im LandesJugendjazz­ orchester Bayern; l  seit 2016 Mitglied in „Cicos Jazzorchester Geretsried“; l  seit 2017 Mitglied der Stadtkapelle Starnberg und einsatzweise tätig bei verschiedenen Blaskapellen und Bands im Landkreis Bad TölzWolfratshausen. Marius Hammerschmied wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: l  2004 Förderpreis „Johannes von Tepl“ des BdEG mit der Gartenberger Bunker Blasmusik; l  2009 Förderpreisträger der Sudetendeutschen Landsmannschaft für Volkstumspflege mit der Kindergruppe der

Egerland-Jugend Geretsried; l  2011 Musikerleistungsabzeichen Bronze; l  2012 Musikerleistungsabzeichen Silber; l  2013 Würdigung durch die Groove Academy Geretsried für besondere musikalische Verdienste und besondere Engagements; l  2014 Auszeichnung des Gymnasiums Geretsried für die große Einsatzbereitschaft und die außerordentlichen Leistungen mit dem Jugendsymphonieorchester; l  2015 Musiker Leistungsabzeichen Silber Plus; l  2016 Förderpreis „Johannes von Tepl“ des BdEG. Neben der beeindruckend vielfältigen musikalischen Tätigkeit übt Marius Hammerschmied auch Ehrenämter aus. Mit 18 Jahren wurde er in den Gmoirat in Geretsried und zum Landesjugendführer der Egerland-Jugend Bayern gewählt. Einerseits weist die Vita von Marius musikalische Erfolge und Ehrungen eines hochbegabten Musikers auf. Andererseits, und darin unterscheidet sich Marius von den gleichalt-

rigen bayerischen Musikern, kann man in seiner Vita sein Werden als Egerländer Kulturschaffender verfolgen. In eine Stadt, in eine Gemeinschaft, in eine Familie hineingeboren zu werden, die ihm die besten Bedingungen für seine Entwicklung bietet, ist das eine. Als erwachsener Mensch seine Entscheidungen zu treffen, in einer Welt, in der man als Musiker zwischen vielen Wegen eigenständig wählen kann, ist das andere. Marius Hammerschmied ist der Pflege der Egerländer Musik nicht nur treu geblieben, er spielt sie ganz bewußt. Das zeugt davon, daß eine Kultur lebendig bleiben kann, auch wenn sie weit weg von ihrer Entstehungsheimat gespielt wird und zwischen der Zeit ihrer damals selbstverständlichen und jetzt reflektierten Ausübung mehrere Generationen liegen. Ich danke allen, die Marius Hammerschmied bei seiner musikalischen Entfaltung gefördert haben, an erster Stelle seinen Eltern. Ich danke Marius Hammerschmied, daß er mit seinem hohen Können die Egerländer Musikkultur weiterführt. Ich wünsche ihm weiterhin viel Freude, Erfüllung, Anerkennung und Erfolg! Zuzana Finger Heimatpflegerin der Sudetendeutschen a. D.


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71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

Der ehemalige Vizepräsident des EU-Parlaments Libor Rouček berichtete aus der Tschechischen Republik

Eintritt in die Seliger Gemeinde – aus Sorge um die Sozialdemokratie Die Vortragsveranstaltung der Seliger-Gemeinde am Sonntagvormittag gestaltete auf Einladung der ehemalige Vizepräsident des EU-Parlaments Libor Rouček (siehe auch Interview Seite 11), der in diesem Jahr den Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis der SG verliehen bekommen wird.

N

ach Begrüßung durch den Co-Vorsitzenden Helmut Eikam und der Präsidentin der Bundesversammlung der SL und Präsidiumsmitglied der SG, Christa Naaß, sprach Rouček zur Situation der Sozialdemokratie in Tschechien und Mitteleuropa. Zuerst schilderte er den schwierigen Weg nach dem Mauerfall, die Liberalisierungen brachten enorme Privatisierungen. Von zehn Millionen Tschechen beteiligten sich 7 Millionen an den Voucher-Privatisierungen, mehr als sich heute impfen ließen. Doch mit dem einhergehenden Verschwinden der alten Industrien verstärkte sich der Wunsch in der Bevölkerung nach sozialdemokratischen Konzepten in der Politik.

Christa Naaß begrüßt Dr. Libor Rouček. Bekam die heute 143 Jahre alte tschechische Sozialdemokratie, die im Exil den Faschismus und den Kommunismus als einzige im Ostblock überlebt hatte, nach der Samtenen Revolution 1990 nur 4,5 Prozent der Stimmen, war sie 1996 schon bei 26 Prozent. Und 1998 übernahm sie die Regierung, wobei Libor Rouček vier Jahre Zeman und seiner Minderheitsregierung als Sprecher diente. Rouček nennt vor allem den Vizeregierungschef Pawel Ri-

Foto: Miksch

chetsky, der erfolgreich die Nato-Integration organisierte und den EU-Beitritt vorbereitete. Nach 2005 obsiegten auf sozialdemokratischer Seite, wie bei der mitte-rechts-orientierten ODS, auch durch europäische Gelder befördert: Vetternwirtschaft, Klientelismus und Korruption, die das Vertrauen der Bürger erschütterte. Doch trotz fortwährender Wellen des Populismus, zu dem auch Babiš und seine Ano-Partei gehören, ist die ČSSD noch immer Regierungspartei.

Wenn sie auch nur knapp über 5 Prozent bei den letzten Wahlen holte. Das Programm sei in Teilen doch brauchbar: man schütze die Schwachen. So rettete die ČSSD definitiv das Gesundheitssystem vor einer völligen Privatisierung. Und trotz der schlimmsten Zahlen an Kranken bei der zweiten Welle der Corona-Pandemie auf der Welt, sei das Gesundheitssystem in Tschechien nicht in die Knie gegangen. Dennoch sei die populistische Ausrichtung gefährlich für die Werte der Sozialdemokratie. Die Schwachen zu schützen, für Freiheit und Solidarität einzutreten, muß doch Ziel bleiben. 1982 traf Rouček in Stuttgart den damaligen Vorsitzenden der SG, Adolf Hasenörl, und er konnte sich damals nicht vorstellen, daß die Seliger-Gemeinde überleben würde. Doch muß er heute erstaunt feststellen: Sie lebt noch immer. Er sei aber mittlerweile über die Situation in der ČSSD so frustriert, daß er vor einiger Zeit der Seliger-Gemeinde beigetreten sei. Ein Zeichen seines Lebensoptimismus. Die Sozialdemokratie werde überleben. Ulrich

M

ario Hierhager, Vorsitzender der Sudetendeutschen Jugend, Alexander Stegmaier, Vorsitzender der Egerland Jugend, und Elisabeth Januschko, Vorsitzende der BöhmerwaldJugend, haben unter dem Motto „SdJ 2035: Was kommt nach der Enkelgeneration?“ mit dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, diskutiert. Einig war man sich auf dem Podium, daß der Kurs der Verständigung unabdingbar ist, um Nachwuchs für die Sudetendeutsche Landsmannschaft zu begeistern. Foto: Fricke

unstwerke von Paul Gebauer könnten auch im Sudetendeutschen Museum in München gezeigt werden – wo denn sonst?“, sagt Anna Habánová abschließend. Die Kunsthistorikerin ist derzeit für ein Forschungsprojekt in München, wo sie Anfang 2015 mit dem SL-Förderpreis für Wissenschaft 2014 ausgezeichnet wurde. Sie hat sich auch das inzwischen eröffnete Sudetendeutsche Museum angesehen und darin mehrere Bilder von böhmischen Künstlern gefunden, die zu ihrem Spezialgebiet der deutschsprachigen Maler der zwanziger und dreißiger Jahre gehören. Zu diesen zählt auch der 1888 in Zossen im Kreis Freudenthal geborene Paul Gebauer, den Habánová erst 2012 entdeckte, und über den sie gemeinsam mit ihrem Mann Ivo Habán 2018 eine Ausstellung

Der Vertrag von Saint-Germain

In einer Gemeinschaftsveranstaltung der Akademie Mitteleuropa, des Arbeitskreises Sudetendeutscher Akademiker und des Sudetendeutschen Sozial- und Bildungswerks stand die Thematik „Der Vertrag von Saint-Germain 1919 und die Sudetendeutschen“ im Mittelpunkt. Referent war Prof. Dr. Arnold Suppan, der am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien. n seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Akademie Mitteleuropa hieß Dr. Raimund Paleczek die Teilnehmer willkommen und stellte Prof. Suppan kurz vor. Der mit vielen Ehrungen ausgezeichnete und vielfach als Gastprofessor wirkende Hochschullehrer aus der Hauptstadt Österreichs zeichnete dieses spannende und auch die nachfolgende Historie prägende Ereignis akribisch aus den Perspektiven der Siegermächte, aber auch der tschechoslowakischen Politiker sowie der österreichischen und (sudeten)deutschen Repräsentanten nach. So ließ er Edvard Beneš ebenso zu Wort kommen wie den US-Präsidenten Woodrow Wilson oder den sudetendeutschen Sozialdemokraten Josef Seliger bzw. den Landeshauptmann von Deutschböhmen Rudolf Lodgman von Auen und den französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau. Suppan beschrieb die Situa-

Was kommt nach den Enkeln?

K

Vortrag von Prof. Dr. Arnold Suppan

I

SdJ-Diskussion:

Beim Sudetendeutschen Tag hat Anna Habánová den Bildvortrag „Modernismus versus Heimatkunst“ über den Künstler Paul Gebauer gehalten. Die Kunsthistorikerin war gemeinsam mit ihrem Mann Ivo Habán für ihren Ausstellungskatalog über Gebauer vom Adalbert-Stifter-Verein (ASV) mit dem Otokar-Fischer-Preis für die beste deutschsprachige bohemistische Arbeit der Jahre 2018/2019 ausgezeichnet worden.

Die territoriale Aufteilung Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg Grafik: Wikipedia

tion der Sudetendeutschen nach dem Ersten Weltkrieg und der Zerschlagung des Vielvölkerstaates ÖsterreichUngarn „zwi- Prof. Dr. Arnold schen Wien Suppan Foto: MB und Prag“, warf einen Blick auf die tschechoslowakische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz, wo unter anderem eine Neuordnung nach dem Schweizer Modell zur Diskussion stand und beleuchtete die Entwicklungen in den Monaten zwischen der Unterzeichnung und dem Inkrafttreten des Vertrags. Ereigneten sich in dieser kurzen Zeitspanne doch wichtige Vorkommnisse wie die Währungstrennung, der Generalstreik mit den Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht im März 1919 und die Diskussion über die Zugehörigkeit der Deutschen im neuen tschechoslowakischen Staat. Der Vortragende faßte am Schluß seines Referats auch die wesentlichen Konsequenzen des Vertrages von Saint-Germain mit Blick auf die nächsten Jahre inklusive des Münchner Abkommens von 1938 zusammen. Die Schluß- und Dankesworte oblagen Dr. Andreas Müller, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Sudetendeutscher Akademiker e.V. Markus Bauer

Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins im Sudetendeutschen Haus:

Paul Gebauer: Künstler und Bauer zusammenstellte und gemeinsam mit Lenka Rychtářová und Branislav Dorko eine Monographie publizierte. In ihrem Bildervortrag im Adalbert-Stifter-Saal präsentiert sie Gebauers Leben und Werk: „Als Bauernsohn aus Mährisch-Schlesien war Gebauer in seinen Bildern seiner Heimat eng verbunden“, so die Referentin. „Nach dem Kunststudium in Wien und Dresden kehrte er auf das elterliche Gut zurück, um es zu übernehmen. Nebenbei jedoch malte er weiter und stellte aus.“ Seine Bilder seien erst dem Spätimpressionismus und später der Neuen Sachlichkeit verpflichtet gewesen. Er habe auch Karikaturen über den Kunstbetrieb gezeichnet, die als Witze in der Presse erschienen. An der Leinwand erscheinen Bilder aus Gebauers Hauptschaffensphase zwischen 1924 und 1933, wie seine Gemälde „Meine Frau“ (1924)“, „Mein Vater“ (um 1930), „Bildnis Bankdirektor Koch“ (1918) und „Selbstbildnis“ (1929). „An diesem Bild wurde der kräftig rote Apfel kritisiert“, so Habánová. Der Künstler habe widersprochen, daß er die Kunstkritiker

Dr. Zuzana Jürgens und Dr. Anna Habánová.

Paul Gebauer: „Bei der Ernte“ (um 1930).

Foto: Susanne Habel

gerne in seinen Garten in Zossen einladen könnte, wo die dort kultivierten alten Sorten genau solche Früchte hervorbrächten. Das habe sie als Rechercheurin aus Gebauers Nachkommen erfahren hätte. So habe sie von seinem Enkel und auch vielen Museumsdirektoren viele Details erhalten, wie beispielsweise die Tatsache, daß Gebauer seine Werke von einem Fotografen in Schwarzweiß festhalten ließ. „Daher sind auch seine verschollenen oder zerstörten Bilder bis heute bekannt.“ Gebauer sei 1946 vertrieben worden und in Hamburg-Harburg gelandet, wo er 1951 starb. Er habe – wie viele vertriebene sudetendeutsche Künstler dieser „verlorenen Generation“ nicht wieder Fuß gefaßt im Kunstbetrieb.Auch über andere Künstler aus Böhmen und Mähren, die zu dieser „lost generation“ gehörten, hat das Ehepaar Habán geforscht, gelehrt und publiziert, außerdem Ausstellungen und Kataloge gestaltet, wie Habánová zu Anfang des Vortrags erzählt hat. Dazu hätten Projekte gehört – die die beiden Kunsthistoriker gemeinsam unternahmen – über Mary Duras und Erwin Müller (2014), „Nach Sibi-

Paul Gebauer: „Selbstbildnis“ rien!“ und „Auf Reisen“ (2015), „Die Deutsch-Böhmische Ausstellung“ und die Monographie „Metznerbund“(2016) und „Neue Realismen“ (2019) sowie aktuell „Kunst in Not!?“ (2020). „Paul Gebauers Bilder rufen bis heute emotionale Reaktionen hervor und könnten die Grundlage für Diskussionen über ,Heimatkunst‘ oder die mitteleuropäischen Realismen der Zwischenkriegszeit bilden“, hat Zuzana Jürgens eingangs erklärt und die Referentin als Spezialistin vorgestellt: „Die Historikerin Anna Habánová unterrichtet Geschichte an der Fakultät für Naturwissenschaften, Humanwissenschaften und Pädagogik an der TU in Reichenberg.“ Susanne Habel


71. SUDETENDEUTSCHER TAG 2021

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

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� Bischof Dr. Rudolf Voderholzer beim Pontifikalamt in St. Michael:

„Die Seele Europas ist das Christentum“ Das traditionelle Pontifikalamt zum Sudetendeutschen Tag hat in diesem Jahr in der altehrwürdigen Kirche St. Michael im Zentrum Münchens stattgefunden. Hauptzelebrant war der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, dessen Vorfahren mütterlicherseits aus Kladrau stammen.

Monsignore Dieter Olbrich.

E

s ist eine gute Tradition, im Rahmen des Sudetendeutschen Tages bei einem Gottesdienst Freude, Trauer, Dank und Sorge vor Gott zu bringen und uns und unser Wirken für die Versöhnung Europas unter Gottes Segen zu stellen“, sagte der Präses der sudetendeutschen Katholiken und Geistliche Bei-

Monsignore Adolf Pintíř.

Den feierlichen Einzug umrahmten mehrere Fahnen- und Bannerträger.

rat der Ackermann-Gemeinde, Monsignore Dieter Olbrich, nach dem feierlichen Einzug mit mehreren Fahnen- und Bannerträgern. In seiner Predigt zitierte Bischof Voderholzer den früheren deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der von drei Hügeln, auf die Europa gegründet ist, gesprochen hat: Akropolis in Athen für Philosophie und Demokratie, Hügeln des Kapitols in Rom für das Recht und Hügeln Golgothas für die Kreuzigung Jesu, Erlösung und den Inbegriff des christlichen Glaubens. Zu ergänzen seien diese drei durch den Berg Sinai für jüdische Tradition und zehn Gebote und den Monte Cassino, das Urkloster der Benediktiner. Von hier habe sich ein Netzwerk an Orden, Klöstern und geistig-geistlicher Kraft entfaltet, die wesentlich die Kultur des Abendlandes und der ganzen Welt prägt. Besonders würdigte Bischof Voderholzer das Wirken der Jesuiten ab dem 16. Jahrhundert im Machtbereich der Habsburger und Wittelsbacher mit Zentren in Prag und München, aber auch vielen anderen Wallfahrtsorten. „Das Kreuz Jesu Christi steht für alle Zeit für Versöhnung – auch zwischen Tätern und Opfern, für die Achtung der Würde eines jeden Einzelnen, Schwachen und Hilfsbedürftigen. Vor dem Kreuz muß sich niemand fürchten. Es gibt Kraft für Verständigung. Die Seele Europas ist das Christentum, dessen Wasserzeichen ist das Kreuz Christi, das schon vieles zum Guten gewendet hat. Dem Sudetendeutschen Tag wünsche ich viel Erfolg, daß das Werk der Völkerverständigung in einer guten Weise fortgesetzt wird. Bauen wir Brücken mit Christus!“, schloß Bischof Voderholzer seine Predigt. Bei den Fürbitten, die der Träger des Karls-Preises Daniel Herman zusammen mit dem früheren Geschäftsführer der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zelebrierte das Pontifikalamt zum 71. Sudetendeutschen Tag am Samstag Vormittag in der Kirche St. Michael im Herzen von München. Fotos: Markus Bauer München-Freising Lothar Palsa vortrug, wurde auch der Opfer von Krieg und Vertreibung – früher und heute – gedacht, ebenso der Opfer der jüngsten Naturkatastrophen in Südmähren und Deutschland. Ein Grußwort der Tschechischen Bischofskonferenz sprach am Ende des Gottesdienstes Monsignore Adolf Pintíř. Er zitierte darin aus Erinnerungen eines Vertriebenen an den Mai 1946 mit einschneidenden Eindrücken. Zum einen an die rasante Fahrt in einem Lastwagen, die mit dem Satz „Jetzt geht es in die Hölle“ kommentiert wurde, zum anderen an die Zugfahrt

von Kaplitz nach Furth im Wald mit folgendem Satz: „In allen Schwierigkeiten: Die Mutter war es, die mich heil in die neue Heimat gebracht hat“. Auch 75 Jahre nach der Vertreibung der Sudetendeutschen sei es, so der Geistliche, noch sinnvoll, sich zu erinnern. „Niemand darf jemand anderen in die Hölle schicken. Es gibt keinen Grund dafür. Gott hilft uns immer mit seiner mütterlichen Liebe. Immer ist seine göttliche Hand bei uns.“ Und in Richtung tschechische Politik wurde er deutlich: „Es tut mir leid, daß mehr als 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wir

in Tschechien immer noch nicht wissen, was wir mit der Vertreibung der Deutschen verbrochen haben.“ Die Lesung trug Anita Langer, die Vorsitzende der AckermannGemeinde im Erzbistum München-Freising, vor. Das Evangelium las Diakon Dr. Johannes Lackermair. Die Kollekte ging an die Caritas im Bistum Brünn zur Unterstützung der Opfer bzw. für den Wiederaufbau nach der Tornado-Katastrophe am 24. Juni in Südmähren. Musikalisch gestaltete den Gottesdienst die Gartenberger Bunkerblasmusik unter der Leitung von Roland Hammerschmied. Markus Bauer

� Auf der Veranstaltung der Ackermann-Gemeinde präsentierten Historiker neue Erkenntnisse über die Haltung des Kirchenführers zur Vertreibung der Sudetendeutschen

Kardinal Beran und das negative Narrativ

Welche Haltung hatte Kardinal Beran zu der Vertreibung der Sudetendeutschen? War er wirklich ein Befürworter, wie ihm oft nachgesagt wurde? In seiner Einführung machte Matthias Dörr, der Bundesgeschäftsführer der AckermannGemeinde, deutlich, daß schon seit 1999 der Seligsprechungsprozeß für Kardinal Beran laufe und besonders 2018, als dessen sterbliche Überreste nach Prag überführt wurden, Diskussionen über seine Person und sein Wirken aufgekommen seien.

D

as habe den Bundesvorstand der Ackermann-Gemeinde dazu veranlasst, sich dem Thema intensiv zu widmen. Entstanden sei daraus unter anderem das Buch „Kardinal Josef Beran. Sein Lebensweg, sein Glaubenszeugnis in schweren Zeiten und sein Verhältnis zu den Deutschen“. Aus Prag bei der Veranstaltung im Sudetendeutschen Haus zugeschaltet war der Historiker Jaroslav Šebek, der das Leben des am 29. Dezember 1888 in Pilsen geborenen Kardinals Beran skizzierte. „Nach seinem Studium in Rom wirkte er an der Tschechischen Theologischen Fakultät der Prager Karls-Universität, 1932 wurde er Rektor des Prager Priesterseminars. In die-

sem Kontext betonte Šebek, daß Beran im Jahr 1938 die vor allem unter deutschen Studenten herrschenden nationalen Streitigkeiten zu beruhigen versucht habe. „Nach der Schaffung des Protektorats wurde Beran im Rahmen der Vergeltungsaktionen für das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich verhaftet und ab September 1942 ins KZ Dachau deportiert. Grund sei vor allem Berans mutiger Patriotismus gewesen. Er habe an Menschen, die von den Nationalsozialisten verhaftet worden waren, erinnert, für sie gebetet und Messen gelesen. Mitgefangene beschrieben ihn als glaubensstark und barmherzig. Im KZ lernte Beran auch den am 22. Februar 1945 hier an Thyphus verstorbenen Pallotiner-Pater Richard Henkes kennen. Die Epidemie und katastrophalen Lagerbedingungen überlebte Beran mit der Befreiung des KZ Dachau am 29. April 1945 durch die Amerikaner. Auch angesichts dieser Erfahrungen sei Beran, so Šebek, im November 1946 zum Prager Erzbischof ernannt und am 8. Dezember im Veitsdom zum Bischof geweiht worden. Doch seine Tätigkeit habe von Beginn an unter schwierigen Bedingungen

Historiker Manfred Heerdegen.

Matthias Dörr, der Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde. Fotos: Markus Bauer gestanden, so der Referent: Verlust von Gläubigen und Priestern durch die Vertreibung der Deutschen, wachsender Druck der Kommunisten. Nach dem Fronleichnamsgottesdienst 1949, bei dem Beran den sich mit dieser Entwicklung beschäftigenden Hirtenbrief der Bischofskonferenz vorgelesen hatte, wurde er verhaftet und zunächst in Hausarrest, danach außerhalb der Prager Diözese interniert – bis Oktober 1963,

Historiker Jaroslav Šebek.

wobei er aber auch dann unter polizeilicher Überwachung blieb. Mit der Ernennung zum Kardinal im Jahr 1965 lebte Beran bis zu seinem Tod am 17. Mai 1969 in Rom im Exil. „Beran kämpfte ganz eindeutig gegen den Nationalsozialismus sowie gegen den Kommunismus“, faßte Šebek zusammen und würdigte den Kardinal als „eine inspirierende Figur“ gegen falsche Propheten und populistische Problemlösungen.

Das Verhältnis Berans zu den Deutschen bzw. Sudetendeutschen beleuchtete im zweiten Vortrag der Historiker Manfred Heerdegen, der auch dem Bundesvorstand der Ackermann-Gemeinde angehört. „Er stammt aus Pilsen und ist zweisprachig aufgewachsen“, erklärte Heerdegen und verwies auf Berans Freundschaft mit dem Deutschen Franz Wagner. Beide – Beran und Wagner – wollten auch keine nationale Aufsplitterung in der Priesterausbildung. Daß Beran keinen Haß auf (Sudeten)Deutsche hegte, belegte Heerdegen auch mit dem Wirken Berans als Beichtvater für Priester vieler Nationalitäten im KZ Dachau und mit der Freundschaft zu Pater Richard Henkes. Auch Berans Assistenz bei der Priesterweihe von Karl Leisner im KZ Dachau deute, so der Referent, in diese Richtung. Hauptsächlich beruhe die negative Sicht Berans gegenüber den Sudetendeutschen auf einem Beitrag/Interview in der Schweizer Tageszeitung Die Tat vom 25. März 1947 und auf Behauptungen des Pfarrers Robert Vater, der allem Anschein nach mit der tschechoslowakischen Staatssicherheit (StB) in Verbindung stand. Heerdegen stellte klar, daß

besonders eine Zusammenfassung des Gesprächs mit einer unscharf zugespitzten Aussage gegen die Sudetendeutschen lange Zeit verbreitet gewesen sei. „Damit wurde ein Eindruck vermittelt, der dem Gesagten nicht entsprach“, konkretisierte Heerdegen und nannte einige weitere Aspekte, die dann gegen Beran interpretiert wurden. „Er kam als Erzbischof im Dezember 1946 ins Amt, als die Vertreibung schon gelaufen war“, stellte der Referent fest. Zudem habe die Kirche in der Tschechoslowakei 1945/46 wenig Einfluß gehabt, die Vertreibung nicht verhindern können. Kurz ging Heerdegen noch auf den nicht vertriebenen Priester Robert Vater ein, der bei Besuchen in Königstein besonders mit Adolf Kindermann und Kurt Augustinus Huber in Kontakt war. „Auf diese Weise hat er Beran madig gemacht“, faßte der Vortragende diesen Aspekt zusammen. Dennoch sei Kardinal Beran bei der deutschen Amtskirche und auch bei der AckermannGemeinde hoch geachtet gewesen. „Das negative Narrativ hält sich zum Teil bis heute, ist heute aber weithin widerlegt“, schloß Heerdegen seine Ausführungen. Markus Bauer


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23.7.2021

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO Die bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml hat am 14. Juli das Prager SL-Büro besucht, um die Arbeit dieser sudetendeutschen Botschaft näher kennen zu lernen. Dort wurde sie gemeinsam vom Stellvertretenden SL-Bundesvorsitzenden Steffen Hörtler und Büroleiter Peter Barton

PRAGER SPITZEN

empfangen. Bei dieser Gelegenheit hob Staatsministerin Huml die große Bedeutung dieser sudetendeutschen Einrichtung in der Tschechischen Republik hervor, die sich um Verständigung zwischen den früheren und heutigen Bewohnern des Landes bemühe und seit 2003 intensiv an der Verwirklichung dieses bedeutenden Zieles arbeite. Foto: Bayerische Repräsentanz Prag

Karlsbrücke erneut beschmiert

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Ministerin Melanie Huml vereinbart bei ihrer ersten Auslandsreise konkrete Projekte

Mehr Jugendaustausch mit der Tschechichen Republik Als Ziel ihrer ersten Auslandsreise hat Bayerns Europaministerin Melanie Huml Prag gewählt – eine bewußte Entscheidung, um das bayerisch-tschechische Verhältnis nach den Corona-Grenzschließungen neu zu beleben.

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Babiš empfängt von der Leyen

remierminister Andrej Babiš (Partei Ano) hat am Montag EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der neu renovierten Staatsoper empfangen. Thema des Treffens war das Corona-Konjunkturprogramm, das für die Tschechische Republik eine Unterstützung von rund 7 Milliarden Euro vorsieht.

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ie Tschechische Republik sei Bayern „ein enger und wichtiger Partner, mit dem wir sehr freundschaftliche Beziehungen pflegen“, so die Staatsministerin nach ihrer Rückkehr. In Prag hatte Huml Gespräche mit hochrangigen Vertretern der tschechischen Regierung sowie des Parlaments mit dem Ziel, die bayerisch-tschechischen Beziehungen weiterzuentwickeln. Sie traf sich mit Außenminister Jakub Kulhánek, mit dem Koordinator der bayerisch-tschechischen parlamentarischen Zusammenarbeit Jan Bartošek sowie dem Vorsitzenden des EU-Ausschusses, Ondřej Benešík, mit Staatssekretär Dr. Jindřich Fryč und Vize-Minister Dr. Pavel Doleček im Bildungsministerium und der tschechischen Staatssekretärin für Europaangelegenheiten, Milena Hrdinková. Konkret vereinbarte Huml mit ihren tschechischen Partnern den gegenseitigen Jugendaustausch und Spracherwerb zu intensivieren. Die Tschechische Republik wird demnach eines der Schwerpunktländer der vom Freistaat neu gegründeten Stiftung „Jugendaustausch Bayern“. Ein Startprojekt soll ein Sprachanimations- und Begegnungsprogramm für Kindergärten und Grundschulen im Grenzgebiet werden. Im Rahmen eines erweiterten Sprachassistenzprogramms soll Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, als Muttersprachler jeweils im Nachbarland beim Sprachunterricht zu unterstützen. Mit der tschechischen Europastaatssekretärin Hrdinková wurde eine Fortführung des europapolitischen Austauschs, insbesondere über die jüngsten Vorschläge der Europäischen Kommission zum Green Deal, vereinbart. Bei ihren Gesprächen betonte Huml die Notwendigkeit, nach der Corona-Pandemie gemeinsam durchzustarten: „Während der Corona-Beschränkungen hat uns die enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tschechien sehr geholfen. Der intensive Austausch in den vergangenen Monaten hat uns noch stärker zusammenwachsen lassen.“ Mit Außenminister Kulhánek vereinbarte sie, im Rahmen der im November 2021 stattfindenden Sitzung der gemeinsamen bayerisch-tschechischen Regierungskommission Gesamtinventur der Zusammenarbeit zu machen, um Themen und Strukturen der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit in ihrer ganzen Breite voranzutreiben und neue Schwerpunkte zu setzen. So sollen die bestehende Koordinierung für Krisenfälle ausgebaut, der Austausch bei Themen der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft intensiviert und die Kooperati-

ereits der erste Vorfall hatte in Prag hohe Wellen geschlagen: Nun ist die Prager Karlsbrücke erneut von Unbekannten beschmiert worden. Am vergangenen Wochenende sei an der Statue von Johannes dem Täufer eine 30 Zentimeter große Aufschrift hinterlassen worden, sagte ein Polizeisprecher. Es ist der zweite Fall binnen acht Tagen. Im ersten Fall hatte sich der Täter, ein Teenager, später der Polizei gestellt. Die mit Graffiti besprühten Bauteile der Karlsbrükke wurden danach von einem Restaurator sorgsam gereinigt.

Radio Prag von Moskau gesperrt

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Empfang in der Deutschen Botschaft: Außenminister Jakub Kulhánek und Staatsministerin Melanie Huml.

Sitzung mit Staatssekretär Dr. Jindřich Fryč (2. von links) und Vize-Minister Dr. Pavel Doleček (3. von links).

Ministerin Huml und die tschechische Staatssekretärin für Europaangelegenheiten, Milena Hrdinková.

Mit Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik.

Mit Bernhard Bauer, Geschäftsführer der DeutschTschechischen Industrie- und Handelskammer.

Besuch im jüdischen Viertel von Prag: Europaministerin Melanie Huml im Gespräch mit dem Generalsekretär der Förderation jüdischer Gemeinden in der Tschechischen Republik, Dr. Thomáš Kraus. Fotos: Bayerische Staatskanzlei on bei Wissenschaft und Infrastruktur verstärkt werden. Dabei sollen kommunale und regionale Anliegen verstärkt in die Arbeit der Kommission eingebracht werden, um der besonderen Bedeutung des gemeinsamen Grenzgebiets für die bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit Rechnung zu tragen. Huml betonte: „Das gemeinsame Grenzland ist eine Brücke guter nachbarschaftlicher Beziehungen. Den Wunsch, kommunale

und regionale Anliegen stärker einzubeziehen, habe ich vielerorts bei meiner Oberpfalz-Tour im Mai gehört und in meinen jetzigen Gesprächen gerne unterstützt. Ich konnte auf allen Ebenen so viel Aufgeschlossenheit für gemeinsame grenzübergreifende Zusammenarbeit feststellen, daß mir um die bayerischtschechische Partnerschaft und unsere gemeinsame nachbarschaftliche Zukunft nicht bang ist.“

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, begrüßte die Reise der Europaministerin ausdrücklich: „Nach der Pandemie ist das ein erster wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen. Insbesondere bei der Förderung des Jugendaustausches kann die Europaministerin auf unsere vollste Unterstützung zählen. Wenn junge Menschen diesseits und jenseits der Grenze wieder zueinander finden, ist das ein wesentliches Element, um al-

ls eine beispiellose Zensur und einen Angriff auf alle Prinzipien der Meinungsfreiheit, hat Radio Prag die Sperrung seiner russischen Webseite scharf kritisiert. Das russische Amt für die Kontrolle der Verbraucherrechte hatte die Sperrung mit einem Bericht über die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach begründet, da das Thema Selbstmord positiv dargestellt werde. Der Bericht, der bereits seit 2001 online ist, erinnert an den Studenten Jan Palach, der sich am 16. Januar 1969 aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und die Besatzung der Tschechoslowakei durch die Warschauer-PaktTruppen selbst verbrannt hat.

Wohnungen deutlich teurer

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ohnungen werden immer teurer. Während im Vorjahr Immobilienkäufer im Durchschnitt für eine 70-Quadratmeter-Wohnung noch 11,4 Bruttojahresgehälter zahlen mußten, sind es jetzt bereits 12,2. Die Tschechische Republik, so eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Deloitte, liegt da-

mit in Europa hinter Serbien auf dem vorletzten Platz. Am günstigsten sind Wohnungen mit 3,1 Bruttojahresgehältern in Irland.

Corona-Verstöße werden teuer

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olizei und Gesundheitsamt verstärken die Corona-Kontrollen. Allein in Prag sind am Wochenende in zehn Clubs Kontrollen durchgeführt worden. 40 Gäste, die weder einen Negativtest noch einen Impfnachweis vorlegen konnten, bekamen Geldstrafen in Höhe von 20 000 Kronen (780 Euro). Auch Betreiber von Clubs, in denen die zugelassene Besucherzahl überschritten oder gegen das Tanz- und Versammlungsverbot verstoßen wurde, erhielt Bußgeldern.

Verhandlungen über Batterie-Fabrik

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olkswagen gibt bei der EMobilität Gas und plant, bis 2030 in Europa sechs Produktionsstandorte für Auto-Akkus zu errichten. Im Gespräch sei auch ein Standort in der Tschechischen Republik, bestätigte Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (parteilos) Verhandlungen. Auch ein weiterer Konzern überlege, eine Batterieproduktion in der Tschechischen Republik aufzubauen.

Innenminister will Litauen unterstützen

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egen des Zustroms von Migranten aus Weißrußland nach Litauen hat Innenminister Jan Hamáček (ČSSD) angeboten, eigene Polizisten zum Schutz der EU-Außengrenze nach Litauen zu entsenden. Hamáček warf dem weißrussischen Regime vor, gezielt Migranten aus dem Nahen Osten und aus Zentralasien anzuwerben und dann an der Grenze zu Litauen ihrem Schicksal zu überlassen, um Druck auf die EU auszuüben.

Piraten verklagen Premierminister

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ie Piraten-Partei hat beim Kreisgericht in Prag eine Klage gegen Premier Andrej Babiš (Ano) eingereicht. Darin wehren sie sich gegen Aussagen von Babiš, wonach die Piraten im Fall einer Regierungsübernahme überflüssige Wohnraummeter versteuern oder Migranten in zu große Wohnungen einziehen lassen würden.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

Der ehemalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Libor Rouček, war einer der Ehrengäste auf dem Sudetendeutschen Tag in München. Über sein Leben, über Europa und über den Wahlkampf in der Tschechischen Republik hat die Sudetendeutsche Zeitung mit dem promovierten Politikwissenschaftler gesprochen.

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� Libor Rouček, ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments, über seine dramatische Flucht nach Wien

„Bruno Kreisky hat mir meine Mutter wieder gebracht“

H

err Dr. Rouček, auf dem Sudetendeutschen Tag haben Sie über das Thema „Die Sozialdemokratie in Tschechien und Mitteleuropa. Herausforderungen für das 21. Jahrhundert“ gesprochen. Ihre Gesprächspartnerin war Christa Naaß, langjährige SPD-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, Präsidiumsmitglied der Seliger-Gemeinde und Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung. Welche Schulnote geben Sie der SPD in Deutschland und der ČSSD in der Tschechischen Republik? Und warum? Libor Rouček: Eine Zwei minus für die deutschen Sozialdemokraten, eine Vier für die ČSSD. Die SPD hat in Deutschland immer noch 420 000 Mitglieder, ist Teil der Bundesregierung, stellt in mehreren Bundesländern die Ministerpräsidenten und ist auch in vielen Regionen stark. So ist in unserer Gastgeberstadt München das Oberbürgermeisteramt seit Jahrzehnten in SPD-Händen. Die ČSSD hat in den vergangenen Jahren viele Mitglieder enttäuscht. In den vergangenen drei bis vier Jahren haben mehr als die Hälfte der Mitglieder die Partei verlassen. Von 25 000 ist die Basis auf 11 000 gesunken. Diese geringe Basis deckt das Grundproblem der Volksparteien in Mittel- und Osteuropa auf. Inwiefern? Rouček: Diese geringe Mitgliederzahl macht die Parteien anfällig für Korruption und Vetternwirtschaft. Mit geringem Aufwand lassen sich vor den Wahlen bei den Listenaufstellungen Kandidaten durchdrücken, die bestimmten Menschen genehm sind. Auch die SPD in Deutschland hat seit Anfang der 1990er Jahre ihre Mitgliederzahl halbiert. Warum tun sich die Sozialdemokraten derzeit so schwer, Menschen für sich zu begeistern? Rouček: Ich bin in Kladen geboren, einer Industriestadt 25 Kilometer nordöstlich von Prag. Die Stadt hat von Kohle und Stahl gelebt. Mein Vater und meine Großväter waren Arbeiter, also klassische Sozialdemokraten. Mit dem Niedergang der Industrie ist diese Arbeiterklasse verschwunden. Dieses Phänomen sehen wir auch in Deutschland. Dort tut sich die SPD ebenfalls schwer, neue Wählerschichten anzusprechen. Und es fehlen auch charismatische Sozialdemokraten, wie es Helmut Schmidt und Willy Brandt waren. In der Tschechischen Republik kommt erschwerend hinzu, daß die Sozialdemokraten sowohl unter den Nazis als auch später unter den Kommunisten nur im Verborgenen existieren konnten. Wann begannen Sie sich für Politik zu interessieren? Rouček: Mein Großvater mütterlicherseits hat als Drucker gearbeitet und mir als Kind viele sozialdemokratische Politikentwürfe näher gebracht. Das hat mich geprägt. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich den Prager Frühling erlebt. Und ich habe mitbekommen, daß im Westen die Menschen freier sind und reisen dürfen. Das wollte ich auch. Nach der Matura sind Sie dann geflüchtet. Rouček: Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Und die beste. Ich hatte 1977, damals war ich 22 Jahre alt, die Genehmigung bekommen, nach Jugoslawien in den Urlaub zu fahren. Das habe ich dann genutzt, um über Österreich nach Zirndorf bei Nürnberg

Thema, egal ob Klimapolitik, Außenpolitik oder Gesundheitspolitik, im gesamteuropäischen Kontext sehen. Das erdet für die politischen Diskussionen in den Heimatländern, wo immer noch oft Kirchturmpolitik betrieben wird. Die globalen Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen, kann kein EU-Land im Alleingang meistern. Wir brauchen Europa. Sie hatten gesagt, viele Tschechen seien enttäuscht von der EU, weil sich ihre wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt haben. Was macht die Prager Regierung falsch? Rouček: Nur ein Beispiel – die völlig verfehlte Industriepolitik. In der Tschechischen Republik gilt der Ausbau erneuerbarer Energiequellen und der Wandel in der Mobilität von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe als Horrorszenario. Deutschland hat dagegen einen klaren Plan, schaltet alle Atomkraftwerke ab, steigt aus den fossilen Brennstoffen aus und bezieht bereits jetzt 50 Prozent aus erneuerbaren Quellen. In der Tschechischen Republik sind es nur 13, und man plant ein weiteres Atomkraftwerk. Deutsch-

� Zur Person: Dr. Libor Rouček �  Geboren am 4. September 1954 in Kladen. �  Verheiratet, drei Söhne. �  1978 bis 1984 Studium der Politischen Wissenschaften

Ehrengast auf dem Sudetendeutschen Tag 2021 in München: Dr. Libor Rouček zu flüchten. Ich wußte, daß es dort ein Aufnahmelager für Flüchtlinge gibt. Da ich aber bei der Aufnahme in Zirndorf keine deutschen Wurzeln vorweisen konnte, wurde ich festgenommen. Die deutsche Polizei hat mich dann zurück an die Grenze bei Freilassing gebracht und über Nacht in eine Zelle gesteckt. Hatten Sie Angst? Rouček: Ja, natürlich. Ich hatte gehört, daß es wohl Fälle gegeben hatte, daß deutsche Polizisten Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei den tschechischen Behörden übergeben haben. Das wäre für mich eine Katastrophe gewesen. Gott sei Dank wurde ich aber nur nach Österreich abgeschoben, was im Nachhinein sogar ein Glücksfall war. Warum? Rouček: Meine Matura ist in Österreich anerkannt worden, und ich konnte an der Universität Wien Politikwissenschaften studieren. In Deutschland wäre das wohl nicht so einfach möglich gewesen. Ihre Familie mußten Sie bei der Flucht in den Westen zurücklas-

Prager Frühlings habe ich zehn Tage in einem Zelt mitten in der Stadt ausgeharrt. Die tschechische Staatssicherheit hat deswegen sogar meine Eltern verhört und ihnen vorgeworfen, mich schlecht erzogen zu haben. Dennoch konnten Sie Ihre Eltern nicht wieder sehen. Rouček: Nein, zunächst nicht. 1980 habe ich dann eine Anstellung bei SPÖ bekommen. Bei einer Weihnachtsfeier in der SPÖZentrale erschien plötzlich der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky. Er gab jedem die Hand und hat sich auch mit mir unterhalten. Als er mich fragte, wie es mir gehe, habe ich ihm gesagt: „Mir geht es gut. Vielen Dank, daß ich hier leben, studieren und für die SPÖ arbeiten darf. Aber ich habe ein Problem.“ Und dann habe ich ihm von meinen Eltern erzählt. Kreisky versprach mir, sich darum zu kümmern, und ein paar Monate später durfte tatsächlich meine Mutter das erste Mal zu mir nach Wien reisen. Das war im Dezember 1981, fast fünf Jahre nach meiner Flucht. Bruno Kreisky hat mir meine Mut-

Besuch im Sudetendeutschen Museum: Dr. Libor Rouček lauscht der Erklärung von Dr. Raimund Paleczek Foto: Fricke sen? Rouček: Ja, insbesondere meine Mutter hat darunter gelitten, weil ich das einzige Kind war. Deshalb war die Flucht auch die schwerste Entscheidung meines Lebens. Wie haben Sie reagiert? Rouček: Als junger Mensch ist man voller Ideale. 1978 habe ich mitten auf einem Platz in Wien einen Hungerstreik begonnen, um die Öffentlichkeit auf die Situation in der Tschechoslowakei aufmerksam zu machen. Für zehn Jahre Niederschlagung des

ter wieder gebracht. Der Bundeskanzler hatte also Wort gehalten. Meine Mutter und ich erlebten dann in Wien, wie in der Nacht zum 13. Dezember 1981 in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde. Die Gewerkschaft Solidarność wurde verboten und viele Gewerkschaftsführer verhaftet. Für alle, die auf mehr Demokratie gehofft hatten, war das ein Schock. Der Abschied war dann auch dementsprechend schwer. Wir wußten nicht, ob wir uns jemals wiedersehen werden. Sie hatten sich auch deshalb

Foto: Fricke

für ein Leben im Westen entschieden, um reisen zu können. In Jerusalem haben Sie dann Ihre spätere erste Frau kennengelernte, eine Australierin, die in London als Ärztin arbeitet. Rouček: Ja, aber wir hatten eigentlich gleich zu Beginn unserer Beziehung vereinbart, daß wir nie nach Australien gehen werden. Mein Ziel war es, etwas aktiv gegen das Regime in der Tschechoslowakei zu unternehmen. Das wäre von Australien unmöglich gewesen. Ich habe mich deshalb bei Voice of America beworben. Ich wurde auch genommen, aber die Sicherheitsüberprüfung hat drei Jahre gedauert. Die Zwischenzeit haben wir dann in Sydney verbracht. 1988 war ich dann endlich in Washington. Das war mein Traumberuf. Jeden Abend um 21 Uhr haben uns dreieinhalb Millionen Tschechen und Slowaken zugehört. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe ich als erster Journalist über die Wiedergründung der ČSSD berichtet. Zum ersten Parteichef wurde Jiří Horák gewählt, der damals auch als Dissident in den USA gelebt hatte. Mir wurde klar, daß ich wieder nach Prag gehen wollte, um bei der Demokratisierung zu helfen. Meine damalige Frau wollte aber lieber in Australien bleiben. Die Ehe ging dann endgültig in die Brüche. Jetzt habe ich zwei Söhne in Sydney und mit meiner zweiten Frau, einer Amerikanerin, einen weiteren, der gerade in Straßburg studiert. Sie sind dann 1997 zurück nach Prag gegangen. Rouček: Ja, ich wurde 1998 Sprecher der ČSSD und nach dem Wahlsieg Regierungssprecher, und zwar über die volle Amtsperiode über vier Jahre, was – glaube ich –ziemlich einmalig in der tschechischen Politik ist. Parteichef der ČSSD war damals Miloš Zeman, der mittlerweile Präsident der Tschechischen Republik ist und die ČSSD vor Jahren im Streit verlassen hat. Sie haben einmal in einem Interview erzählt, Zeman sei nie überzeugter Sozialdemokrat gewesen. Rouček: Ich habe Zeman zum ersten Mal Anfang der 1990er Jahre interviewt und ihn gefragt, wie er sich einordnet. Liberal, hat er damals geantwortet. Den Begriff Sozialdemokratie hat er dagegen überhaupt nicht in den

an der Universität Wien und Promotion. �  1988 bis 1991 Redakteur bei Voice of America in Washington D.C. �  1991 bis 1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am The Royal Institute of International Affairs in London. �  1998 bis 2002 Pressesprecher der Regierung der Tschechischen Republik �  2002 bis 2004 Mitglied des Parlaments der Tschechischen Republik. �  2004 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. �  2009 bis 2012 Vizepräsident des Europäischen Parlaments. �  Seit 2014 Vorsitzender der Union der Europäischen Föderalisten in der Tschechischen Republik. �  Seit 2015 Co-Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. Mund genommen. Ich glaube, daß er später die ČSSD für sich nur als Marktlücke entdeckt hat. Damals hieß es in Meinungsumfragen, daß 45 Prozent der Bevölkerung sich für sozialdemokratische Themen begeistern könnten. Auf diesen Trend hat er dann gesetzt. Zeman hat mittlerweile die ČSSD verlassen, erklärt offen, die Ano zu unterstützen und sympathisiert zum Ärger der EU- und Nato-Partner mit Moskau und Peking. Wie beurteilen Sie diese Wandlung? Rouček: Die Zeit hat sich gewandelt. Und Zeman hat sich mit der Zeit gewandelt. Wir erleben vielfach in Europa den Aufstieg von Populisten, die ihre Macht sichern wollen, indem sie andere für ihre Fehler verantwortlichen machen. Nach dem EU-Beitritt hat sich in der Tschechischen Republik unter den Bürgern eine Ernüchterung breit gemacht. Viele Tschechen hatten gedacht, daß sie mit dem EU-Beitritt automatisch einen hohen Lebensstandard wie zum Beispiel den in Deutschland erreichen. Das war zwar von Anfang an unrealistisch, aber viele Populisten, nutzen diese Enttäuschung jetzt für sich aus. Auch der ehemalige Ministerpräsident Václav Klaus war ursprünglich ein Liberaler, bevor er ins rechte Lager abdriftete, um seine Macht möglichst lange zu halten. Das gleiche erleben wir derzeit in Ungarn mit Victor Orban. Die Wirtschaftskrise 2010 tat ihr übriges. Ebenso die Flüchtlingskrise 2015, und dies obwohl die Tschechische Republik keinen einzigen Flüchtling aufgenommen hat. Blicken wir auf Europa. Sie waren Abgeordneter und Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Rouček: Eine wunderbare und lehrreiche Zeit. Alle Vertreter der 28 Mitgliedstaaten mußten jedes

land setzt voll auf die E-Mobilität und legt damit den Grundstein für weiteres Wachstum. Und Deutschland ist ein hochindustrialisiertes Land. Das Argument, das man häufig in der Tschechischen Republik hört, die Energiewende sei in einem Industriestaat nicht zu schaffen, ist Unsinn. Im Oktober wird in der Tschechischen Republik gewählt. Welchen Ausgang erwarten Sie? Rouček: Die Chancen stehen Fünfzig-Fünfzig. Ich glaube, daß Babiš alles tut, um an der Macht zu bleiben. Ich würde auch nicht ausschließen, daß er Kommunisten oder Nationalisten in die Regierung holt, nur um das Amt nicht zu verlieren. Wie wird Zeman als Präsident reagieren, wenn es nach der Wahl keinen eindeutigen Sieger gibt? Rouček: Zeman hat bereits erklärt, daß er nicht der erfolgreichsten Koaliton einen Regierungsauftrag erteilen wird, sondern der Partei mit den meisten Stimmen – also mit großer Wahrscheinlichkeit der Ano-Bewegung von Babiš. Warum? Rouček: Babiš und Zeman sind sich in einem Punkt gleich: Sie vergessen nicht. Sie wollen immer Rache. Und Zeman will sich an der ČSSD rächen, seit er 2003 bei der Präsidentenwahl überraschend gegen Václav Klaus verloren hat. Damals wurde das Staatsoberhaupt noch nicht vom Volk, sondern von Abgeordnetenhaus und Senat gewählt. Zeman hatte bei der Wahl noch nicht einmal alle Stimmen der ČSSD bekommen, dann die Partei 2007 nach einem heftigen Streit mit dem damaligen Parteichef Jiří Paroubek verlassen und die SPOZ gegründet. Jetzt ist Zeman seit eineinhalb Jahrzehnten auf einem Rachefeldzug. Torsten Fricke


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TERMINE . AKTUELL

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23.7.2021

Eine angehende Schreinerin erzählt von ihren Erfahrungen im Ausland

Von Prag zum Praktikum in den Bayerischen Wald Ein Beispiel, das Mut macht: Belinda Petáková, eine angehende Schreinerin aus Prag, hat den Corona-Schwierigkeiten getrotzt und ein Auslandspraktikum in einer Schreinerei im Bayerischen Wald absolviert – unterstützt von Tandem, dem Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch.

I

ch wollte immer im Ausland studieren oder arbeiten. Ich finde es sehr vorteilhaft, wenn man Zeit in einem anderen Land verbringt“, erklärt die junge Frau ihre Motivation. In Prag besucht Petáková eine Höhere Berufsschule für Kunst und Handwerk, die mit Tandem kooperiert. Über das Austauschprogramm kam die Tschechin als Praktikantin in den Betrieb der Schreinerei Kurt Reiß in Zwiesel. Die Leute seien „so nett“, sagte sie, und hätten immer Geduld, ihr alles zu erklären. „Ich lerne jeden Tag etwas Neues“, erklärte Petáková. In der Schreinerei Reiß habe sie fast jeden Tag eine andere Tätigkeit durchgeführt, sodaß ihre Arbeit sehr abwechslungsreich

war. „Ich habe einfache Holzprodukte gemacht, geschnitzt und auch mit verschiedenen Maschinen gearbeitet“, erzählte sie von ihrer Arbeit. Doch nicht nur fachlich lernte Petáková bei ihrem Praktikum in Deutschland viel dazu. Sie schloß auch persönliche Kontakte mit anderen Jugendlichen. Die Vorteile des Tandem-Programms „Freiwillige Berufliche Praktika“ liegen jedoch nicht nur bei den Auszubildenden. Auch der Betrieb, der Praktikanten aus dem Nachbarland aufnimmt, profitiert davon. Für Schreiner Kurt Reiß war die Zusammenarbeit mit Tandem eine Premiere. Mitgemacht habe er, „weil wir gern mit jungen Leuten zusammenarbeiten und es für uns interessant ist, andere Kulturen kennenzulernen.“ Von Belinda Petáková war Schreinermeister Reiß sehr positiv überrascht. Er lobte ihre Freundlichkeit, die Offenheit und auch ihr bereits vorhandenes Können sowie ihr großes Interesse an allen handwerklichen Arbeiten. „Wir sind äußerst zufrieden mit ihrer Arbeit. In das Arbeitsleben konnten wir sie mit

sehr vielen unterschiedlichen Tätigkeiten integrieren, da sie sehr interessiert und begabt ist“, stellte der Schreiner fest. Für Petáková selbst sieht Reiß viele Vorteile durch das Praktikum in seinem Betrieb. Die Anpassung an neue Arbeitsstrukturen, der Umgang mit Kollegen und Kunden und das praktische Arbeiten hätten Belinda Petáková sowohl fachlich als auch persönlich weitergebracht. „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß ein Praktikum das Selbstbewußtsein fördert, weil ich als junger Geselle auch mehrere Betriebe durchlaufen habe“, sagte der Schreiner. Jarmila Půbalová und Marius Meier, die für das Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“ in den Tandem-Büros in Pilsen und Regensburg zuständig sind, bestätigen, daß sich der eigene Horizont über die Teilnahme erweitere: „Die Erfahrung eines Auslandspraktikums im Nachbarland ist unersetzbar und bereichernd auf mehreren Ebenen. Je nach Praktikumsdauer wird zwar auch das fachliche, jedoch noch viel mehr das soziale Profil der Praktikanten geschärft.“

Belinda Petáková bei der Arbeit in der Schreinerei in Zwiesel.

Foto: Kurt Reiß

KOORDINIERUNGSZENTRUM TANDEM

S

eit über 20 Jahren bietet Tandem, das Koordinierungszentrum für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch, das Projekt „Freiwillige Berufliche Praktika“ an. Mit Hilfe von Tandem können Berufsschüler aus der Tschechischen Republik ein

Praktikum in deutschen Betrieben machen und Auszubildende aus Deutschland umgekehrt in der Tschechischen Republik. Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe arbeiten dabei zusammen. Seit dem Jahr 2000 haben 6000 Praktikanten an diesem Programm teilgenommen. Tandem

ist eine Einrichtung in Trägerschaft des Bayerischen Jugendrings und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie durch die Länder Bayern und Sachsen. Mehr Informationen unter www.tandem-org.de

VERANSTALTUNGSKALENDER Freitag, 23. Juli, 18.30 Uhr, Ackermann-Gemeinde Würzburg, Gemeinschaftsgottesdienst. Meßfeier mit Pfarrer Klaus Oehrlein im Freien, anschließend gemütliches Beisammensein in Euerfeld, BruderKlaus-Kapelle. Bitte Gläser, Teller und Besteck mitbringen. Freitag, 23. bis Sonntag, 25. Juli, Sudetendeutscher Rat: Marienbader Gespräche zum Motto „Die Vertreibung – ein Zukunftsthema. Geschichte – Gegenwart – Perspektiven“ in Marienbad mit zahlreichen Referenten (SdZ berichtete). Anmeldung: Sudetendeutscher Rat, Telefon (0 89) 48 00 03 60, eMail sudetenrat@aol.com Sonntag, 25. Juli, 15.00 Uhr: Deutsch-tschechischer Gottesdienst in der Sankt-JakobusKirche in Schwaden (Kreis Aussig) Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53,

eMail brigitta.gottmann@ t-online.de Mittwoch, 28. Juli, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein, „Adalbert Lanna – der verlorene Ruhm“, Vortrag von Johannes Jetschgo. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München, Anmeldung: https:// eveeno.com/adalbert-lana Freitag, 30. Juli, bis Montag, 2. August, SL-Landesgruppe Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit der Möglichkeit zur Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch am Samstag, 31. Juli. Anmeldung: SL-Landesgruppe Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, per eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de oder per Telefax (0 89) 48 00 03 96. Samstag, 31. Juli, 15.00 Uhr: Gedenkveranstaltung auf der Elbbrücke an das Massaker

Anzeige Die Sudetendeutschen

HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten­ deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.

Eine Jury wird dann aus den Bildern die­ jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.

Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land­ schaften, historische Gebäude und grenz­ überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor­ und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls E­Mail­Adresse.

Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs­ optionen des Betriebssystems oder E­Mail­Programms abschalten!) per E­Mail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USB­Stick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.

Die Fotografen gewährleisten ausdrück­ lich, dass sie das Urheberrecht an den ein­ gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SL­Bundesverband uneinge­ schränktes und unentgeltliches Nutzungs­ recht ein und erklären sich mit der Veröf­ fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

in Aussig von 1945. 18.00 Uhr: Andacht in der Pfarrkirche. Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de. Donnerstag, 5. August, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart: Feier zur Charta der deutschen Heimatvertriebenen im Vorhof des Neuen Schloßes. Begrüßung: Iris Ripsam (Landesvorsitzende des BdV und MdB a.D.); Festrede: Dr. Bernd Fabritius (MdB, Präsident des BdV, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und Soziale Minderheiten); Grußwort: Reinfried Vogler (Vorsitzender der Kulturstiftung der Vertriebenen); Schlußwort: Raimund Haser (MdL und stellvertretender BdVLandesvorsitzender); Musikalische Umrahmung: Bläserquartett Feuerbach. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 7. August, Akkermann-Gemeinde: „Deutschtschechisches Picknick auf dem Vyšehrad. Dialog – Kultur – Begegnung“ in Prag. Anmeldung und weitere Informationen auf der Webseite https://www.ackermanngemeinde.de/picknick. Mittwoch, 19. August, SL Kreisgruppe Stuttgart: Tagesausflug zum Sudetendeutschen Museum nach München. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@sudeten-bw.de Samstag, 11. September, 14.30Uhr, SL-OG Weilimdorf Stuttgart: Jahreshauptversammlung. Haus der Begegnung, Giebelstrasse 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Sonntag, 19. September, 11.00 Uhr, SL Kreisgruppe Stuttgart: Gedenkveranstaltung „Vertreibungen und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Mahnmal im Kurpark Bad Cannstatt. 14.00 Uhr: Volkstumsnachmittag in der Liederhalle (Beethovensaal); Festrede: Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Mittwoch, 22. September,

SL Kreisgruppe Stuttgart: Tagesausflug und Fahrt mit dem Apfelzügle. Abfahrt wird in Giebel (8.30 Uhr) und am Bahnhof in Stuttgart-Feuerbach (8.45 Uhr)sein. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Sonntag, 26. September, 14.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und die Heimatgliederungen Altvater Runde Stuttgart, Alte Heimat – Kuhländchen, Böhmerwaldgruppe Stuttgart, Gemeinschaft der Wischauer: „Sudetendeutscher Kulturtag 2021“. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart. Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Sonntag, 10. Oktober, 17.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Europäisches Volksmusikkonzert. Stadthalle Korntal, Martin-Luther-Straße 32, 70825 Korntal-Münchingen. Anmeldung und Kartenbestellung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 23. Oktober, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Monatsnachmittag. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 27. November, 14.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart und Böhmerwald Heimatgruppe Stuttgart: Jahresabschluß- und Weihnachtsfeier. Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart. Zu Gast: Märchenerzählerin Petra Quaiser. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de Samstag, 4. Dezember, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf: Advent und Weihnachtsfeier. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, 70499 Stuttgart. Anmeldung: Kreisobfrau Waltraud Illner, Telefon (07 11) 86 32 58, eMail illner@ sudeten-bw.de

„Die deutsche Sprache weltweit“ Dienstag, 27. Juli, 18.00 bis 20.00 Uhr auf Zoom: „Die deutsche Sprache weltweit: eine aktuelle Übersicht“, Gespräch mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Csaba Földes. Die deutsche Sprache wies international lange Zeit vielfältige Traditionen als Muttersprache, als Fremdsprache, als Minderheitensprache, als Zweitsprache, als Verkehrssprache, als Verwaltungssprache, als Bildungssprache, als Wissenschaftssprache, als Wirtschaftssprache usw. auf. Trotz gravierender Rückschläge hinsichtlich der Popularität der deutschen Sprache nicht zuletzt infolge historischpolitischer Zäsuren verfügt sie in einigen Bereichen vor allem regional nach wie vor über ein nicht unerhebliches Potenzial. Im Vortrag wird besonders auf die Funktionsbereiche Fremdsprache und Minderheitensprache fokussiert, mit dem Ziel, eine aktuelle Bestandsaufnahme im europäischen Kontext und darüber hinaus zu erarbeiten und Entwicklungstendenzen zu skizzieren. Földes (geboren 1958) ist Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft und Leiter der Forschungsstelle für Interkulturalität und Mehrsprachigkeit an der Universität Erfurt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung per eMail bis zum Vortag 15.00 Uhr unter hoertler@heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de

Lilia Antipow

Wer bin ich?

Montag, 26. Juli, 18.00 Uhr: „Wer bin ich? Wer sind wir? Führung durch die Ausstellung mit Lilia Antipow, Leiterin Sachgebiet III Öffentlichkeits-, Medien- und Pressearbeit sowie Bibliothek im Haus des Deutschen Ostens (HDO). Die Ausstellung „Wer bin ich? Wer sind wir?“ fragt nach Identitäten von Deutschen aus dem östlichen Europa. Es geht ihr dabei um Dialekte wie das Siebenbürgisch-Sächsische; um Bräuche und Traditionen wie die oberschlesische Barbarafeier; um Kleidung wie die Waitzacker Bauerntracht aus

Pommern; um heimatliche Gerichte; um religiöse Besonderheiten wie die schlesische Liturgie; um Heimat und prägende Geschichtsereignisse, wie die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de


Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

AKTUELL

13 � Mut tut gut

Begegnung ist Heimat

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Von links oben bis links unten Gäste bei der Ehrung von Dr. Christoph Israng: Martin Dzingel, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, Petra Ernstberger, Geschäftsführerin des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, Jiří Vidím, Vorsitzender des Kulturverbands der Bürger deutscher Nationalität der ČR, Josef Paul von der SL Burglengenfeld und Karls-Preisträger Milan Horáček.

Die SL-Landesgruppe Bayern auf dem Altstädter Ring: Johann Slezak, Obmann der Bezirksgruppe Oberbayern, Dieter Heller, Obmann der Kreisgruppe Roth-Schwabach und Mitglied im Landesvorstand, Hannelore Heller, Mitglied im Landesvorstand, Eberhard Heiser, Obmann der SL-Bezirksgruppe Mittelfranken, Landesobmann Steffen Hörtler, Landesgeschäftsführer Andreas Schmalcz, Dr. Dorit Müller, Mitglied im Landesvorstand, Margaretha Michel, Obfrau der SL-Bezirksgruppe Oberfranken, und Dieter Piwernetz, Mitglied der Sudetendeutschen Bundesversammlung.

� SL-Landesgruppe Bayern ehrt Deutschen Botschafter

Ein Schatz und keine Bedrohung Wie sehr Christoph Israng, der am 30. Juli scheidende Deutsche Botschafter in Prag, den Sudetendeutschen gewogen war, berichteten wir bereits (Þ SdZ 28/2021). Vergangene Woche besuchte eine Delegation der SL-Landesgruppe Bayern mit ihrem Obmann Steffen Hörtler an der Spitze die Goldene Stadt, um Israng mit der Goldenen Verdienstmedaille der Landesgruppe zu danken.

Steffen Hörtler, die Urkunde, die Medaille und Dr. Christoph Israng.

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unächst empfing der Botschafter die Landsleute in der Deutschen Botschaft im Lobkowitz-Palais, wo er auch residiert. Er gab einen Abriß des deutsch-tschechischen, vor allem aber des sudetendeutsch-tschechischen verbesserten Verhältnisses. Zwar versuchten die Rechten und die Linken immer wieder Sand ins Getriebe zu streuen, aber sie würden weniger. Paris und Berlin hätten mehr unterschiedliche Auffassungen als Prag und Berlin. Bei Paris gehe es um die Sache, und die trübe die deutschfranzösische Freundschaft nicht. Bei Prag gehe es um Empfindlichkeiten. Auf Steffen Hörtlers Frage, ob sich die ßig zurück. Natürlich wird es höchste Tschechische Republik nach den Wah- Zeit für eine Annäherung.“ len im Herbst in eine ähnliche Richtung Israng gibt allerdings zu bedenken, wie Polen bewegen werde, verneinte Is- daß ihn die Tschechen zu keinerlei deutrang. Auch wenn die Bewegung ANO schen Entschuldigungs-Bekundungen von Premier Andrej gezwungen hätBabiš die meisten ten. So wie er an Stimmen erhalGedenken der Nate, glaube er nicht, zigreuel in Lidice daß eine Partei eine teilgenommen haMehrheit erringen be, habe er auch an werde. Gedenken tsche„Einmal“, erchischer Untaten zählte Israng, „dewie in Kaaden oder monstrierten wieam Brünner Verder ultrarechte Ansöhnungsmarsch ti-Deutsche vor der teilgenommen. Botschaft. Ich bat Seine Prager dann drei von ihAmtszeit, so Israng, nen herein. Das ende am 30.  Jumachte sie sehr li. Danach werverlegen. Sie wuß- Israng und Hörtler auf dem Botschaftsbal- de er wieder ins ten nicht, was sie kon. Zwischen ihnen die Gedenktafel mit Kanzleramt versagen sollten, und den Worten, die der damalige deutsche setzt. Sein Nachfolmeinten, ihre De- Außenminister Hans-Dietrich Genscher ger heiße Andreas monstration habe am 30. September 1989 um 18.58 Uhr an Künne und tresich nicht gegen dieser Stelle Deutschen aus der „DDR“ sag- te sein neues Amt Deutschland ge- te: „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen ge- in Prag am 16. Aukommen, um Ihnen mitzuteilen, daß heu- gust an. Allerdings richtet.“ Steffen Hört- te Ihre Ausreise (tausendfacher Aufschrei habe Künne sich ler: „Seit 23 Jahren und Jubel) … möglich geworden ist.“ bereits bei VolksBilder: Nadira Hurnaus gruppensprecher warte ich gedul- dig darauf, daß die Bernd Posselt und Tschechen, daß der Tschechische Staat bei Sylvia Stierstorfer, Bayerns Lanauf uns Sudetendeutsche zukommt, un- desbeauftragter für Vertriebene und sere ausgestreckte Hand ergreift. Wie Aussiedler, vorgestellt. Das ist eine lange muß ich noch warten?“ Israng: Zäsur. „Die Pandemie kostet uns erneut Zeit. Israng war ein Wegbereiter. Er war Und Wahlkämpfe werfen uns regelmä- der erste Deutsche Botschafter in Prag, der den Sudetendeutschen Tag besuchte. Es gab so gut wie keine sudetendeutsche Unternehmung ohne Israng. Nun stellte sich sein Nachfolger noch vor Hörtler mit Bayerns Europaministerin Melanie Huml in Peter Bartons Su- Amtsantritt detendeutschem Büro in der Thomasgasse. beim Volks-

gruppensprecher und bei der Landesbeauftragten vor. Da in der Botschaft nur der Botschafter Ehrungen der Bundesrepublik Deutschland vornehmen kann, hatte die SL in ein feines Restaurant eingeladen, das übersetzt Zum Goldenen Brunnen heißt. Von dessen Terrasse blickt man auf die Dächer von Prag.

des „Johnny“-Klein-Preises für die deutsch-tschechische Versöhnung bei der Verleihung in Kleins Geburtsstadt Mährisch Schönberg gewesen. Und und und. Israng dankte bewegt und antwortete Hörtler: „Aus Ihren Worten spricht so viel Herzenswärme. Die Auszeichnung ist eine große Ehre für mich. Vieles von dem, was Sie als Verdienst aufgezählt haben, war für mich selbstverständlich. Vielleicht konnte ich ein wenig Vorbereiter für die Zukunft sein. Sicher ist, daß ein Deutscher Botschafter in Prag niemals wieder seinen Außenminister fragen muß, ob er zum Sudetendeutschen Tag darf. Ihr sudetendeutsches Anliegen wird bei mir im Herzen bleiben. Und ich hoffe, daß die Tschechen erkennen, daß die Sudetendeutschen für sie keine Bedrohung, sondern ein Schatz sind.“ Am nächsten Morgen besuchte die Delegation Peter Barton, den Leiter des Sudetendeutschen Büros in Prag, in der Thomasgasse. Hier trafen sie auch Michaela Marxová, Staatssekretärin im Außenministerium und langjährige Freundin der Sudetendeutschen. Bei dem Gespräch mit den Landsleuten aus Bayern befürchtete sie „einen sehr schmutzigen Wahlkampf“ im Herbst in der Tschechischen Republik. Der Schmutz werde anonym von den Sozialen Medien verbreitet werden. Wenige Stunden später kam Bayerns Europa-Staatsministerin Melanie

Peter Barton, Jan Čižinský, Bürgermeister von Prag 7, Christoph Israng und Steffen Hörtler. Hier erinnerte Steffen Hörtler in sei- Huml im Rahmen ihres Prag-Besuchs in ner Lobrede noch einmal an alle Ereig- das Sudetendeutsche Büro (Ý Seite 10). nisse, die Israng mit den Sudetendeut- Dort erzählte sie Hörtler, daß die Famischen verband. 2018 sei er im März bei lie ihres Mannes aus Pommern stamme, der Eröffnung der neuen Ausstellung weshalb sie viel Verständnis für die Andes Sudetendeutschen Rates in Mün- liegen der Vertriebenen habe. Darüber chen gewesen, zu Pfingsten beim 69. Su- und über die fruchtbaren Begegnungen detendeutschen Tag in Augsburg, im Ju- freute sich Hörtler. Nadira Hurnaus ni habe er den Brünner Bürgermeister Petr Vokřál wegen seine Unterstützung des Brünner Versöhnungsmarsches das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen, im November war er für die Botschaft Hörtler mit Michaela Marxová, Staatssekretärin im tschechischen Auals Mitsponsor ßenministerium, und Peter Barton.

aß beim Sudetendeutschen Tag mit Herbert Zeman ein Österreicher den Großen Kulturpreis für sein Lebenswerk verliehen bekam, hat mich aus begreiflichen Gründen besonders gefreut. Wenn ich mich richtig erinnere, sagte Zeman in seiner Dankesrede: „Wir suchen einander, weil wir einander brauchen.“ Dieser Satz hat sich mir jedenfalls als Essenz seiner Ansprache eingeprägt. Damit ist die Wichtigkeit der Begegnung unterstrichen, welche am letzten Wochenende die gesamte Veranstaltung rund um das Sudetendeutsche Museum und den Gasteig in München so wertvoll machte. Ich habe den Sudetendeutschen Tag als eine Begegnung zwischen einzelnen Menschen, aber auch zwischen Volksgruppen, Nationalitäten und Kulturen wahrgenommen. Das hat vielen Teilnehmern spürbar gutgetan. Ich selbst war dankbar, gute Bekannte und Freunde wiederzutreffen, denen ich seit meinem Abschied aus Prag im letzten September nicht mehr begegnet war. „Wir suchen einander, weil wir einander brauchen.“ Ich finde den Satz auch deswegen so gelungen, weil er in ganz einfacher Weise eine Grundwahrheit unseres Lebens ausdrückt. Der Mensch ist von Natur aus kein Einzelgänger, sondern ein soziales Wesen. Gespräch, Dialog, gemeinsames Zuhören, gemeinsames Feiern, miteinander lachen, sich miteinander besinnen, der Austausch zwischen unterschiedlichen Partnern und über Generationen hinweg – all das brauchen wir zu einem gelingenden Leben und zur Entfaltung der Begabungen, die einem jeden von uns geschenkt sind. So sind wir als Menschen tatsächlich immer neu auf der Suche nach Gemeinschaft. Jetzt, nach den langen Monaten der reduzierten Begegnungsmöglichkeiten, um so mehr. Beim Festakt am Samstag nahm Volksgruppensprecher Bernd Posselt den von Zeman gelegten Faden auf. Er zitierte zum einen den jüdischen Philosophen und Schriftsteller Martin Buber mit seiner bekannten Sentenz: „Alles Leben ist Begegnung.“ Das heißt ja im Umkehrschluß auch: Wo Begegnung nicht möglich ist, verkümmert das menschliche Leben. Zum anderen sagte Posselt sinngemäß und für mich sehr überzeugend: „Wir brauchen einander schon allein deswegen, um uns selbst besser zu erkennen.“ Um wieder mit Martin Buber zu sprechen: „Am Du findet der Mensch zum Ich seiner eigenen Persönlichkeit.“ Und was in dieser Weise für den einzelnen Menschen gilt, stimmt auch für Volksgruppen, Nationalitäten und Kulturen. Deswegen ist die Begegnung über Grenzen hinweg so wichtig. Dazu war der Sudetendeutsche Tag von wirklich wichtiger Bedeutung. Ein dritter Gedanke, den ich aus München mit nach Hause genommen habe, war schließlich die von Stephan Mayer zitierte Weisheit des Denkers Johann Gottfried Herder aus der Aufklärungszeit: „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muß.“ Wenn vorher vom Suchen die Rede war, so ist die Suche des Menschen nach Begegnung die eine Seite der Medaille, und seine Suche nach Heimat deren zweite. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Möge dieses Suchen bei uns allen immer wieder Erfüllung finden. Und möge der Erfüllung stets auch unsere Dankbarkeit folgen. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Bilin

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. ­Heimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

�  Warnsdorf/Tetschen

Vergangenheitsbewältigung Vilém Barák aus Groß Steurowitz/Starovice im südmährischen Kreis Nikolsburg nahe Auspitz berichtet von der Idee eines Denkmals für die Kriegsgefallenen.

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Landsmann Hermann Kautzner und seine Frau Siegrid.

�  Teplitz-Schönau

Die SdJ in meinem Leben Landsmann Hermann Kautzner, 1940 in Teplitz-Schönau geboren, erlebte schon mit fünf Jahren die Wilde Vertreibung und anschließend den schwierigen Neustart in Bayern. Danach ließ ihn die Landsmannschaft ein Leben lang nicht los, wie er hier berichtet.

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m 13. Mai 1940 wurde ich in Teplitz-Schönau nach meiner Schwester Erni, Jahrgang 1926, geboren. In der Stadtkirche am Schloßplatz wurde ich katholisch getauft. Unsere Familie durchlebte schon von Mai bis August 1945 die Wilde Vertreibung mit vielen Schikanen, Ängsten und Sorgen. Im Herbst 1945 landete unsere Familie in Schwarzenfeld in der Oberpfalz, einer Gemeinde mit etwa 4000 Einwohnern. Wir mußten den Neustart in Bayern in engsten und primitiven Wohnbedingungen beginnen. Neben dem Bemühen der Erwachsenen in ihren Berufen wieder Fuß zu fassen, schlossen sich die Sudetendeutschen sofort in Heimatgruppen und in der SL zusammen. Für uns sudetendeutsche Kinder und Jugendliche entwickelten sich wie bei den Eltern auch entsprechende Freundschaften. Aus diesen entwickelte sich in Schwarzenfeld im Jahr 1950 eine sudetendeutsche Jugend-Gruppe mit Gruppenstunden und gemeinsamer Freizeitgestaltungen. Schon im Jahr 1953 fuhren wir „Pimpfe“ im Alter von zwölf bis

14 Jahren zum ersten Mal mit dem Fahrrad ins SdJ-Sommerlager nach Gaisthal im Landkreis Schwandorf/Oberpfalz. Dort lernten wir die große Gemeinschaft der SdJler NiederbayernOberpfalz und Dieter Max kennen. Das tolle Lagerleben und besonders der Nachtmarsch zu der Grenze waren beeindruckend. Die Freude, jedes Jahr in Gaisthal an dem Sommerlager und später auch an dem Winterlager am Arber teilzunehmen, war groß. Im Jahr 1956 wechselte unsere Großfamilie, erweitert durch die Heirat meiner Schwester Erni, wegen der besseren beruflichen Möglichkeiten nach München. Ich selbst fand neben den neuen Schulfreunden schnell wieder über die SdJ einen Anschluß an diesen Münchener Freundeskreis. Ich schloß mich der SdJDienstag-Gruppe unter Herwig Weißhuhn an. Und ich engagierte mich, jetzt unter dem Spitznamen „Schnief“ bekannt, für die Sommerlager Waldkraiburg und die Winterlager in den Bergen. In dieser Zeit lernte ich auch die SdJlerin Siegrid Fial, meine spätere Frau, kennen. Während meines Ingenieur-Studiums von 1960 bis 1963 leiteten wir zusammen den SdJ-Bezirk Oberbayern. Sie leitete die Mädchengruppe, ich die Jungen. Wir managten SdJ-Wochenenden sowie weiterhin die beliebten Sommerlager in Waldkraiburg und die Winterlager in den Bayerischen und Tiroler Bergen.

Im Jahr 1964 war dann Schluß mit der SdJ, denn wir heirateten und schenkten uns Heike und Ralf. Nach dem beruflichen Start in Heilbronn kehrten wir aber schnell wieder ins Umland von München zurück. Ab jetzt galt unser Engagement nur noch der Familie und meiner beruflichen Kariere. Ich startete in der Industrie und wechselte nach zehn Jahren in die Planungsbranche für Logistik und Unternehmensplanung. Anschließend ging ich in die Beratungsbranche, anfänglich als Partner. Und im Jahr 1989 hatte ich die eigene Beratungsgesellschaft T & O, die sich schnell entwickelte und bald 30 Mitarbeiter hatte. Doch leider mußte ich bereits im Jahr 2005, nach einer Herzoperation, meine berufliche Kariere beenden und meine Firma verkaufen. Aber danach baute sich wieder ein Kontakt und ein Engagement für die SdJ auf. Ossi Böse bat einige Alt-SdJler darum, die erfolgreiche SdJ-Jugendarbeit der beiden Nachkriegsjahrzehnte zu dokumentieren und ins Internet zu stellen. Die engagierte Mitarbeit im einschlägigen Arbeitskreis war über zehn Jahre lang für Siegrid und mich selbstverständlich. Weiterhin engagiere ich mich als Obmann der oberbayerischen SL-Kreisgruppe Starnberg sowie im Vorstand des Heimatkreises Teplitz-Schönau und des Heimatkreisvereins Teplitz-Schönau Freundeskreis.

nzwischen wurden bis auf zwei an der Front alle Glasfenster in unserer Ortskirche eingebaut. Die Fenster wurden gestiftet. Die jetzige ortsansässige tschechische Bevölkerung stiftete vier Fenster, die ehemaligen deutschen Bewohner und deren Nachkommen fünf Fenster. Diese Fenster wurden in letzter Zeit wieder erneuert. Ich denke nun an die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen des Dorfes im Ersten Weltkrieg. Dies wäre eine Gedenktafel mit Namen, Geburtsund Sterbedatum falls bekannt. Zusätzlich zu den 33 Namen, die in der Pfarrchronik angeführt sind, ist es mir gelungen, zwei weitere Gefallene ausfindig zu machen. Wenn ich den Friedhof besuche, frage ich mich immer, wo die ganzen deutschen Gräber sind. Heute sind nur noch zwei erhalten: die Gräber 141 der Familie Lim und 22 von Franziska Prchal. Also beschloß ich, mich selbst um sie zu kümmern und veranlaßte ihre Restaurierung. Dazu gehörte die Anfertigung der Spitze des Grabes von Franziska Prchal, die Wiederherstellung der Schrift, die Reinigung sowie die Reparatur der Inschrift auf dem zentralen Kreuz. Ich möchte, daß es eine Erinnerung an diejenigen ist, die dort gelebt haben. Zufällig stieß ich auf das Material des Rates der Regierung der Tschechischen Republik über die Pflege deutscher Gräber. Dabei handelt es sich um ein Empfehlungsmaterial, so daß jede Kommune selbst entscheiden muß, wie sie vorgeht. Deshalb schlage ich gemäß den Empfehlungen vor, daß wir uns nicht auf die Gemeinde verlassen und auf dem Friedhof an der Stelle des Grabes 142 – heute steht dort nur ein Grundstein – eine Tafel mit folgender tschechisch-deutscher Inschrift anbringen: „Zu Ehren des Gedenkens an die auf dem örtlichen Friedhof begrabenen deutschen Einwohner, die hier ihren ewigen Traum schlafen. Diejenigen, die uns vorangegangen sind, haben hier keine Grabsteine mehr und sollten nicht vergessen werden. Herr, gib ihnen den ewigen Frieden, mögen sie in Frieden ruhen! Altstadt (Groß Steurowitz)." Die Gestaltung der Gedenktafel ist verhandelbar. Wenn es

Die restaurierte Grabplatte von Franziska Prchal.

Die Friedhofsstelle 142 mit dem Grundstein.

Das erhaltene Grab 141). um den Beitrag der Einheimischen ginge, würde sich auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds beteiligen. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten. Wir

werden nun versuchen, die digitalisierte Dorfchronik in Absprache mit dem katholischen Gemeindepfarrer Jan Nekuda ins Internet zu stellen.

TERMINE n  Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August: 7. Kreistreffen in Teplitz-Schönau. Donnerstag eigene Anreise ins Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Fahrt nach Melnik mit Schloßbesichtigung und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-und-Paul-Kirche und des Beinhauses; Fahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Fahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses Eisenberg;

dann Fahrt über das Erzgebirge auf den Mückenberg; dort Mittagessen; anschließend Bus- oder Gondelfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, Weinver-

KORREKTUR kostung, Gondelfahrt und Konzert pro Person im Doppelzimmer 390, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte dort Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben an eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Wegen Corona müssen alle stets einen gültigen Impfpaß sowie einen FFP2-Nasen- und Mundschutz mitführen.

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u Beitrag „Symbolischer Lückenschluß“ über den zweiten Teil über die Moldau im Erzgebirge von Jutta Benešová (Ý HR 28/2021). Der Betrag der staatlichen Schenkung von 50  Millionen Tschechischen Kronen entspricht umgerechnet genau 1 958 362,24 Euro.


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23.7. 2021

Bischofteinitz

Ronsperg

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

15 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

Guckloch in die Vergangenheit von Heiligenkreuz – Pfarrer Klaus Oehrlein berichtet

Chicagoer Bischof spendiert Paramente Ein Sprichwort besagt: „Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt.“ Traditionen und Erinnerungen verblassen mit der Zeit selbst bei der Erlebnisgeneration – erst

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it dem 25. Juli 1706 beginnt ein hochgebildeter Priester seinen Dienst in Heiligenkreuz: Gottfried Josef Schuster, vermutlich aus Neustadl gebürtig, Magister der Philosophie, Baccalaureus – davon kommt das heutige Wort „Bachelor“ – der Theologie, also ein Mann mit Universitätsstudium. Von dieser Bildung zeugt auch das älteste, von ihm erstellte Inventar von Kirche und Pfarrhaus aus dem Jahr 1719. Wir erfahren daraus von der vergleichsweise reichen Ausstattung der Kirche. Vier Altäre sind dort, zwei Glocken im Turm, eine Uhr und eine Orgel, ein Holzkronleuchter in der Mitte der Kirche, eine Krippe, ein schönes großes Gemälde mit den heiligen drei Königen, ein Heiliges Grab aus Stein an der Seitenwand, ein AuferstehungsChristus für Ostern, eine Statue der Heiligen Familie, drei Kelche, zwei Monstranzen, ein silbernes Kreuz am Tabernakel, ein Traghimmel, vier rote und zwei schwarze Ministranten-Röcke und fünf Altarschellen sowie drei Geigen, ein Baß und zwei Flöten für die Kirchenmusik.

Germanicus: die Mangl Im Pfarrhaus listet er eine Bibliothek von 98 Büchern mit Titeln auf – darunter Klassiker wie Seneca, Catull und Aristoteles. Auch ein für Katholiken damals eigentlich verbotenes Buch ist darunter: eine „kleine teutsche Bibel“. Und als Kuriosum ein Buch „Prognostion“, über Englische Wahrsager. Bei den Möbeln dort erwähnt er – alles in Latein – unter anderem ein altes Marienbild, drei Sessel für den Bischofs-Gottesdienst etwa bei der Firmung und ein „pro explicanda lotione ligneum instrumentum“. Vermutlich dachte er schon an spätere Leser, die sich den Kopf zerbrechen würden, was das für ein hölzernes „Instrument“ war. Er schreibt daher weise in Klammern dazu: „germanicus die Mangl“ oder „deutsch die Wäsche-Mangel“. In der Schule gibt es bereits zwei Tafeln, eine lange für den Unterricht der Kinder und eine eigene Musik-Tafel. In seiner Statistik listet er auf, wo der Pfarrer das Fischrecht hat, welche Einkünfte ihm aus den diversen Ortschaften zustehen sowie welche Felder und Wiesen zu dessen Unterhalt dienen. Dabei erwähnt er einen alten Hopfengarten und die „piscina“ vor dem Pfarrhaus, den später „Hofteich“ genannten kleinen See, und nennt auch seinen Zweck als Löschweiher gegen Feuersgefahr. In seiner Zeit wurde der Turm mit Blech gedeckt, der Kreuzweg in der Kirche angeschafft, das Beinhäusel am Friedhof erneuert und eine neue Glocke namens Wenceslai für Plöß erworben. Pfarrer Schuster starb am 11. Mai 1741, dem Christi Himmelfahrtstag, in seiner Kirche. Dort nämlich wurde er gegen zwölf Uhr von den Leuten gefunden und am 13. Mai auch dort beerdigt. In gleicher Weise treten für die letzten 70 Jahre vor der Vertreibung der deutschen Bewohner zwei Geistliche hervor: Pfar-

recht mit deren Tod. Dann erweist sich, wie wichtig es ist, Erlebtes und Gewußtes zu dokumentieren. Weil darum auch frühere Generationen bemüht waren, so öffnet sich für Heiligenkreuz mit dem

Blick in die erhaltenen Kirchen-Matrikel, die Stabilen Kataster von 1838, sowie in die Schul- und in die Pfarreichronik ein Guckloch auf weit zurückliegende Ereignisse.

rer Karl Pöhnl und Pfarrer Adolf Rudy. Pöhnl ist 1845 in Weißensulz geboren. Er kam 1876 zunächst als Kaplan und wirkte ab 1878 bis 1921 lange 45 Jahre im priesterlichen Dienst in Heiligenkreuz. Neben vielem anderen sind ihm eine unschätzbare Zahl von historischen Notizen zur Pfarreigeschichte zu verdanken. Er setzte

des Kreuzes durch dessen Mutter Helena sowie die Aufrichtung beziehungsweise Verehrung des Kreuzes unter Kaiser Heraklius. Ausführender Künstler dieser Gemälde war Hynek Ignaz Amerling, 1837 in Stankau geboren. Er lebte später bis zu seinem Tod 1912 in Taus. Im dortigen Museum finden sich heute einige seiner Bilder mit vor allem religi-

gelisten sowie einer Taufszene – anfertigen und schenkte ihn der Kirche. Da im Dorf seit Oktober 1923 elektrisches Licht zur Verfügung stand, hatte man im März 1925 auch die Kirche angeschlossen. Nachdem Pfarrer Adolf Rudy (1894–1974) bereits 1920/21 kurze Zeit als Kaplan dort gewirkt hatte, kam er im Juli 1930

chael Kardinal von Faulhaber am 28. Mai und ein Tagebucheintrag von Goebbels am 29. Mai dokumentieren. Mit dem Jahr 1937 enden leider die Einträge der Heiligenkreuzer Kirchenchronik. Nun folgten der Anschluß ans Deutsche Reich im Oktober 1938 und ein Jahr später der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Als ei-

auch die Renovierung und NeuAusstattung der 1859 abgebrannten Kirche zielstrebig fort. Über die Neuanschaffung der Orgel sowie einer Turmuhr 1882 wurde schon an anderer Stelle berichtet. Zur Kirchen-Ausstattung gehören seitdem bis heute im Chorraum sechs einzigartige gotische Apostelfiguren aus gebranntem Ton. Sie entstanden um 1400 wohl in Nürnberg, als Teil einer Darstellung mit dem Tod Mariens. Leider fehlen bisher Aufzeichnungen, wann und woher sie – wohl als Geschenk des Patronatsherrn, von ihm vielleicht im Kunsthandel erworben – in die Kirche kamen. 1885 besorgte Pfarrer Pöhnl aus Prag Pläne für zwei neue Seitenaltäre, die der örtliche Schreiner Andreas Hobl danach ausführte. Die Statue der Muttergottes mit Jesuskind wurde vom bisherigen Altar übernommen – die Figur des heiligen Josef als Pendant dazu für den linken Seitenaltar schuf der Bildhauer Vesely in Prag. Zwei kleinere Statuen Herz Jesu und Herz Mariä lieferte das Atelier Ferdinand Stuflesser aus Sankt Ulrich in Tirol.

ösen Moals Pfartiven. rer nach Auch die HeiligenSynagoge kreuz. Mit von Neueiner Ungedein hat terbreBilder von chung ihm. Zum zwischen Schutz 1942 und dieses ver1945 – in schönerdieser Zeit ten Inwirkte hier nenrauPfarrer mes legte Clemens man 1891 Schmitz noch eine aus Westzweite Lafalen – ge Holz- Wandbild von der Kreuzauffindung aus dem blieb er Jahr 1891. Oben die Deckenfresken von Jesu der letzte schindeln auf das Geburt und Auferstehung aus dem Jahr 1892. deutsche KirchenSeelsorger dach. bis zur Vertreibung 1946 – oh1893 kam im Kirchenraum ei- ne das bei seinem Antritt natürne Lourdes-Statue zur Aufstel- lich zu erahnen. lung – wieder von Stuflesser in So bewerkstelligte er 1932 die Tirol. Der lieferte zwischen 1902 Innenrenovierung der Kirche und 1908 auch eine Reihe von und 1934 den Einbau einer neuhölzernen Figuren für eine neue en Orgel. Bereits 1932 erhielt er Krippe in beachtlicher Größe. Jo- eine Spende zum Erwerb eines sef war beispielsweise 80 Zenti- neuen Kreuzwegs; dieser wurmeter hoch. de bei der Firma Josef Neskud1922 konnten zwei neue Glok- la in Gabel an der Adler erworken – „Barbara“ und „Helena“ ben. Stifterin war die in die USA – für die 1916 zu Kriegszwecken ausgewanderte Anna Roith, die abgeholten Glocken bei der Fir- aus dem Hof Fenstergagl, Nr. 41, ma Oktav Winter in Braunau be- neben dem Pfarrhaus stammstellt und am 8. Dezember 1922 te. Sie führte damals in Chicago gesegnet werden. Eine davon den Haushalt des dortigen Erzbiwurde rund 20 Jahre später er- schofs George Kardinal Mundeneut dem Krieg geopfert und so- lein. Sein Großvater stammte aus mit zerstört. Zum Schutz der neu- dem westfälischen Paderborn. en Glocken brachte man auf dem Von ihm kam – dank VermittKirchturm zunächst neue Holz- lung von Anna Roith – im März schindeln an und verstärkte die- 1937 eine große Spende zur Anse dann mit Eternit-Schiefer. schaffung einer ganzen Anzahl Gleichzeitig wurden die beiden neuer Kirchenparamente. Die Zifferblätter gestrichen. Kreuz neuen Paramente, darunter ein und Wetterhahn, die 1887 erst- neuer Prozessionshimmel, liefermals dort montiert worden wa- te die Firma Flemmichs Söhne in ren, erhielten neue Kugeln. Römerstadt. Als letzter größerer AusstatGeorge Kardinal Mundelein tungsgegenstand des Innen- (1872–1939) erlangte zwei Moraumes kam 1910 der noch heu- nate später Berühmtheit, als er te vorhandene Taufstein hinzu. am 18. Mai 1937 in einer Rede Auf einem alten Foto in der Kir- den Kampf des Nazi-Regimes chenchronik ist noch der klei- gegen die Kirche öffentlich kritine Vorgänger an gleicher Stelle sierte und dabei Adolf Hitler eizu erkennen. Baron Wenzel Kotz nen „gescheiterten Tapezierer“ hatte eine Italienreise unternom- nannte. Dies nahm am 28. Mai men. Nach einem in Florenz ge- Joseph Goebbels als Vorwand zu sehenen Vorbild ließ er darum einer großen Hetz-Rede im Bervon der Firma Linser in Inns- liner Sportpalast gegen die Kirbruck aus Kalkstein den Tauf- che, wie ein Tagebucheintrag stein – mit Reliefs der vier Evan- des Münchener Erzbischofs Mi-

ne von dessen grausamen Auswirkungen ereilte die deutschen Bewohner auch der Heiligenkreuzer Pfarrei das Schicksal der Vertreibung. Die Seelsorge der zugewanderten neuen Bevölkerung übernahmen tschechische Priester, wobei es nun weit weniger Menschen als früher waren, die hier leben wollten. Mit der Machtübernahme der Kommunisten Ende Februar 1948 behinderten diese mehr und mehr das Wirken der Geistlichen zum einen und benachteiligten oder drangsalierten zum anderen praktizierende Gläubige. Deshalb wurde das öffentliche religiös-kirchliche Leben immer dünner, zumal die Priester einen riesigen Sprengel zu betreuen hatten. Dennoch gelang es, 1957 das Kirchendach mit Eternit zu dekken. Pfarrer Václav Novotny (1939–2008) betreute das Gebiet von 1966 bis zu seiner Laisierung 1972 – und dann wieder ab 1999 nach dem Tod seiner Frau bis Oktober 2003. Da er mit seiner Frau und den drei Töchtern im Pfarrhaus wohnen bleiben konnte, hatte er immer ein Auge auf die Kirche, auch in den Jahren, als er dort nicht Pfarrer war.

Vesely ersetzt Minialtar Wenige Jahre später, 1891, erhält der Innenraum der Kirche die Gestalt, wie sie heute großteils noch zu erleben ist. Denn der nach dem Brand aufgestellte Hochaltar war nur klein gewesen und wirkte wie ein Provisorium. So lieferte Bildhauer Vesely – wie schon bei den Seitenaltären – den Plan zum heute noch vorhandenen Hochaltar, den wiederum Schreiner Hobl ausführte. Vesely schuf dazu vier anbetende Engel. Im selben Jahr ermöglichte eine Kollekte unter allen Pfarreiangehörigen die Ausmalung der Kirche – mit den noch heute vorhandenen Motiven. Am Chorbogen finden sich Geburt und Auferstehung Jesu Christi, an den Wänden des Kirchenschiffs vier Szenen, die mit dem Kreuz in Verbindung stehen: Jesus auf dem Kreuzweg, Kaiser Konstantin mit seiner Vision des Kreuzes vor der Schlacht an der Milvischen Brücke, die Auffindung

Pfarrer organisiert Arbeitseinsätze Einer seiner Nachfolger ab Ende der 1970er Jahre war Pfarrer František Fatka, der in Bischofteinitz wohnte. Er organisierte immer wieder kleine Gruppen von Jugendlichen, die als Arbeitsbrigade etwa den Verputz und die Farben der Kirche erneuerten oder 1987 halfen, dort neue elektrische Leitungen zu verlegen. Noch mit ihm hatte Baronin Harnier, eine Tochter des letzten Patronatsherrn, in kommunistischer Zeit die grundlegende Sanierung der Kirche angedacht – auch mittels eines Aufrufs der Baronin um Spenden der früheren deutschen Bewohner. Wegen der Versetzung von Pfarrer Fatka im Frühjahr 1989 sowie der politischen Umwälzungen im Herbst jenes Jahres kam es zunächst zu einer Verzögerung. Doch gerade das Ende der

kommunistischen Herrschaft ermöglichte dann eine zügige Planung, so daß bis 1995 – unter Pfarrer Peter Bednař und Václav Novotny als Pastoralassistent – die Sanierung der äußeren Hülle der Kirche abgeschlossen werden konnte, daß heißt Turm und Dach mit Dachrinnen, neue Fenster und Außenputz. Ermöglicht haben dies auch großzügige Spenden von deutscher Seite – das heißt der früheren Bewohner und der AckermannGemeinde. Einen schlimmen Wermutstropfen während dieser Zeit bedeuteten zwei Einbrüche in die Kirche. In der Nacht vom 19. auf 20. November 1991 stahlen Diebe alle Kelche, Monstranzen und zwei Anbetungsengel vom Hochaltar. Am 7. März 1993 drangen erneut Diebe über den Turm ins Innere ein und entwendeten die 14 Gemälde des Kreuzwegs der oben genannten amerikanischen Stifterin von 1932. Wieweit die Statuen der großen Krippe oder vom Lourdesaltar – er war schon vor längerer Zeit entfernt worden – heute noch erhalten sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Am 1. Juni 1991 fand – in Verbindung mit dem Heimatkreistreffen in Furth im Wald – erstmals nach der Vertreibung wieder ein deutscher Gottesdienst statt, zu dem viele frühere Bewohner beziehungsweise deren Nachfahren gekommen waren. Damit wurde eine Tradition begründet, alle zwei Jahre dazu einzuladen – mit unterschiedlichen Zelebranten wie den Pilsner Bischöfen František Radkovsky und Tomáš Holub oder auch mir, Klaus Oehrlein, Pfarrer in Würzburg. Meine Mutter stammte aus der Rosenmühle des zum Pfarrgebiet gehörigen Rosendorfs. Im Anschluß an die Gottesdienste gab es jeweils eine frohe Kaffee-Runde – zunächst im Pfarrhaus, nach Wegzug von Pfarrer Novotny einige Jahre im Gasthaus Luchsen in Weißensulz und dann wieder vor der Kirche in einem Zelt. Für den diesjährigen 4. Juni wurde 30 Jahre nach Beginn dieser Feiern darum mit Bischof Holub zum Jubiläumsgottesdienst eingeladen. Erfreulicherweise kamen trotz Corona 30 Besucher. Darunter waren auch zehn tschechische Gäste. Bereits seit 2017 kommen zu diesen Gottesdiensten auch tschechische Gläubige. Auf diese Weise konnte eine weitere verbindende Brücke geschlagen werden zwischen früheren und heutigen Menschen dieses kleinen Dorfes am nördlichen Rand des Böhmerwaldes. Nun meine Bitte um Mithilfe an die Leser. Wer hat Fotos von der Innenausstattung der Kirche wie vom Lourdesaltar, von Fahnen und von Zunftstangen oder vom Kronleuchter vor oder nach 1946? Hinweise bitte an Pfarrer Klaus Oehrlein, eMail st.valentinus@web.de oder an die Redaktion des Heimatboten siehe Impressum oben.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 29 | 23. 7. 2021

Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Egerländer Kulturpreis „Johannes von Tepl“ 2019 für Gerald Güntner

TERMINE

Ich sah der Kindheit alte Stadt, den Sommertag, da ich erwachte manisten und Schriftsteller Gerald Güntner. Der heute in Stuttgart lebende Preisträger kam am 14. Mai 1941 in Eger zur Welt. Sein Vater war Jurist und später Vizepräsident des Landesarbeitsgerichtes Baden-Württemberg, seine Mutter Mathilde unterrichtete an einer Grundschule und war dort auch Konrektorin. Am 8.  Mai 1945 stürmten tschechische Milizionäre die Wohnung in Eger, gaben der Mutter zehn Minuten Zeit, das Wichtigste zu packen, und konfiszierten die Wohnung. Nach einigen Tagen in einer Waschküche floh die Mutter mit ihren drei Kindern nach Bayern, wo sie im oberpfälzischen Neusorg Unterschlupf fand. Von 1960 bis 1966 studierte Gerald Güntner an den Universitäten Stuttgart, Würzburg und Tübingen Germanistik, Geschichte, politische Wissenschaften und Philosophie. Geprägt von den zwölf Semestern und 38 Jahren Deutschunterricht in

höchster Qualität zu schreiben. Seine Erzählungen sind eine Bereicherung der sudetendeutschen Nachkriegsliteratur. Und das nicht nur wegen der Stil- und Erzählqualität, sondern auch deshalb, weil sein Bestreben dahin ging, die ie Egerländer haben ihren gewaltigen und ungeheuerliKulturpreis nach dem böhchen Umbrüche der Zeit um mischen Frühhumanisten Johandie Erste Tschechische Renes von Tepl genannt. Er wurde publik und das Dritte Reich um 1340 in Schüttwa bei Ronsin Einzelschicksalen von Anperg im südlichen Egerland gegehörigen unserer sudetenboren und wirkte in Tepl, Saaz deutschen Volksgruppe zu und Prag. Dort starb er 1414. spiegeln. Diesen fiktionalen Er ist der Autor des in frühPersonen liegt stets die histohochdeutscher Sprache geschrierisch verbürgte Authentizität benen Werkes „Der Ackermann zu Grunde. „Im Kleinen solaus Böhmen“. Dieses Werk verlen die schrecklichen Verwerfaßte Johannes von Tepl nach fungen einer ganzen Epoche dem Tod seiner Frau als Streitgesichtbar werden“, so Güntner. spräch mit dem Tod, der sich geIn seinem Elternhaus wurgen die Vorwürfe des verbitterde die sudetendeutsche Fraten Witwers wehrt. Beide Konge nur locker gepflegt. Da er trahenten überlassen schließlich aber auch Geschichte und PoGott das Urteil. So wurde die litik studiert hatte, begann er, Schrift durch die Jahrhunderte sich für die Ursachen und die ein „Trostbuch“. Schuld unseres sudeSeit 1995 wurtendeutschen Schickde dieser Preis jährsals zu interessieren. lich an verdienstvolle So schloß er sich dem Egerländer vergeben, Arbeitskreis sudetenauch einen Förderdeutscher Jungakapreis gibt es. Albert demiker (ASJA) an, Reich, der langjähbesuchte die Famirige Vorsitzende des lienwochen auf dem Arbeitskreises EgerHeiligenhof und arländer Kulturschafbeitete am „Literaturfender (AEK), hat Spiegel“ der A ­SJA sich um die Existenz mit. Ab 1982 gehördieses Preises große te Güntner der SekVerdienste erworben. tion „Literatur“ der Die finanzielle AusArbeitsgemeinschaft stattung des Preises Egerländer Kulturbestreiten verschie- Bundesvüarstäiha Volker Jobst, Preisträger Gerald Güntner schaffender an, nadene Egerländer Ver- und Laudator Dr. Wolf-Dieter Hamperl. Bilder: Erich Wetzka türlich ist er auch einigungen und InstiMitglied in der Ess­ tutionen. der gymnasialen Oberstufe, hat linger Künstlergilde. Der Preis des Jahres 2019 ging sich Güntner stets bemüht und Neben zahlreichen kleinean den verdienten Egerer Ger- hart daran gearbeitet, Prosa von ren Arbeiten, Gedichten, ErzähIm Rahmen des Egerlandtages Anfang Juli im Egerlandkulturhaus in Marktredwitz erhielt der Egerer Schriftsteller Gerald Güntner den Egerländer Kulturpreis „Johannes von Tepl“ 2019. Wolf-Dieter Hamperl hielt folgende Laudatio.

D

Laudator Dr. Wolf-Dieter Hamperl

lungen, Essays und Rezensionen möchte ich von seinen Werken diese erwähnen: l  den zeitanalytischen Roman „Die Angst des Vogels im Käfig“ von 1980; l  die Erzählungen „Der Ausbruch des Krieges“ und „Die Berge“ in der Esslinger Reihe Nr. 7 von 1984; l  den Vertreibungsroman „Die Trauer im Lachen“ von 1986; l   den Roman zur Jahrtausendwende „Schrödingers Kiste“ von 2013; l  „Konradsgrün“ von 2017. Diesen großen Roman stellt der Autor in die Reihe magischrealistischer Romane wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel Garcia Marquez oder „Das Geisterhaus“ von Isabell Allende. Dem umfangreichen Werk

liegt die historische Tatsache zu Grunde, daß der USA-Dollar, heute die beherrschende Währung der Welt, als Begriff vom deutschen Taler, dem Joa­ chimsthaler abstammt. Er umfaßt eine Zeitspanne von 1500 Jahren. Auf Literatur war der Preisträger seit seinem elften Lebensjahr programmiert. Als Böhme blieb er nicht bei der deutsch-böhmischen Belletristik stehen, sein Interesse fand auch die tschechische Literatur. Er ist ein Verfechter der deutschen Sprache. Deshalb ist er auch heute noch im Verein Deutsche Sprache und in der Jury des Fördervereins deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, wo es um die Vergabe des renommierten Thaddäus-Troll-Preises geht. Abschließend ein Blick Güntners auf seine Geburtsstadt Eger aus seinem „EgerlandEssay der Erinnerung“ von 1984. Mit 32 Jahren besuchte er seine Geburtsstadt Eger zum ersten Mal und spürte keine ursprünglichen Heimatgefühle in sich, er fühlte sich plötzlich betrogen und nachträglich eines kostbaren Gutes beraubt: „Der kaputte und dürre Zustand der Stadt tat mir weh, denn ich wußte jetzt und war mir gewiß, Eger hätte meine Stadt sein können.“ Mit 78 Jahren schreibt er in dem Gedicht „BILANZ“ (Esslinger Reihe 20/1): „Ich sah der Kindheit alte Stadt, / den Sommertag, da ich erwachte“. Und weiter unten: „Und nun zuletzt: was bleibt da noch? / Was ist da, was uns trägt und hält? / Ich weiß es nicht! Und weiß es doch! / Es liegt ja so viel Glanz auf dieser Welt.“

� Bärnau, Tachau und Paulusbrunn

Zwei Bäume besiegeln eine Freundschaft Am zweiten Julisamstag feierte der Verein Via Carolina in Tachau-Heiligen, und am darauffolgenden Sonntag feierten die Bärnauer und Paulusbrunner in der Bärnauer Steinbergkirche.

U

nser Bärnauer Bergfest mit Heimattreffen ging am Sonntagvormitttag in sehr abgespeckter Form über die Bühne. Nach dem Schlußsegen des Freilichtgottesdienstes bei der Steinbergkirche vermischte sich der letzte Tropfen Weihwasser – den der Priester auf die zu weihenden Fahrzeuge versprengt hatte – mit der ersten Regentropfen. Immerhin hatte Petrus den Regen bis nach der Messe warten lassen. Aber dann waren alle schnellstens in die Autos und Gasthäuser verschwunden. Am Tag zuvor hatte Via Carolina bei der Reitschule in Heiligen 30 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs und zehn Jahre Geschichtspark Bärnau-Tachov zu

Alfred Wolf, Vereinsvorsitzender von Via Carolina, eine kleine Eiche, Dana Lesak-Müller, Bürgermeisterin von Thiergarten, Ilona Hunsperger, Geschäftsführerin des Geschichtsparks Bärnau-Tachov, eine kleine Linde und Alfred Stier, Bürgermeister von Bärnau, vor dem Böttger-Denkmal Noutstoa.

feiern begonnen. Dem schloß sich eine Wanderung nach Bärnau und Paulusbrunn an. Hier fand nun eine weltliches Minibergfest statt. Dieses gestaltete sich ganz so wie früher, als wir zum Feiern immer nach Paulusbrunn gegangen waren. Dort wurden auf dem Platz vor dem Böttger-Denkmal Freundschaftsbäume ausgetauscht. Dana Lesak-Müller, Bürgermeisterin von Thiergarten/Obora, dessen Ortsteil Paulusbrunn ist, hatte eine Eiche – den deutschen Nationalbaum – mitgebracht. Alfred Stier, Bürgermeister des oberpfälzischen Grenz­ ortes Bärnau, war mit einer Linde – dem tschechischen Nationalbaum – gekommen. Anschließend gab es angeregte Gespräche über die Geschichte von Tachau und Paulusbrunn. Auch das alte Bergfest vor dem Krieg und das neue nach dem Krieg bis zur Jetztzeit waren Themen. Ingrid Leser

n  Freitag, 30. Juli, 14.30 Uhr, Bruck am Hammer: 31. Jakobifest. Treffen am „Kircha­ barch“, 14.30 Uhr Gottesdienst mit Pfarrer Jaroslav Šašek aus Plan und einem deutschen Priester; anschließend Totengedenken auf dem Friedhof und Beisammensein im Dorfwirtshaus beim Bahnhof. Anmeldung: Ingrid Leser, Am Galgen 1, 95671 Bärnau, Telefon (0 96 35) 3 29, eMail leser. baernau@t-online.de

Sankt-JakobsKirche in Bruck am Hammer.

n  Sonntag, 1.  August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in GeorgenbergHinterbrünst am Gedenkstein beim Kastanienhof. Bereits am Vorabend gemütliches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15. n  Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n  Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Ober­ pfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-SchumacherAllee; 10.15  Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse  3a; 12.00  Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: Wolf-Dieter Hamperl, Adresse siehe Impressum. n  Freitag, 10. bis Sonntag, 12. September, Haider Loretofest: Freitag 17.00 Uhr Heilige Messe und Primizsegen mit Neupriester Pater Tomáš Kadlec aus Taus. Samstag 10.00 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen in der Loreto; anschließend Prozession mit der schwarzen Muttergottes durch den Park zur Schloßkapelle; 19.00 Uhr deutsche Pilgermesse mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Sonntag 8.00 Uhr Heilige Messe mit Pater Martin Duchoslav in der Kirche Sankt Nikolaus. n  Sonntag, 17. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto mit Bischof em. Friedhelm Hofmann aus Würzburg; anschließend Kirch­ kaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise.


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Sudetendeutsche Zeitung 23. Juli 2021 Ausgabe 29 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu