Das Festprogramm zum Sudetendeutschen Tag (Seiten 7 bis 9)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 26 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 2. Juli 2021
VOLKSBOTE
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� Präsident der Bundesversammlung
Ovationen für Reinfried Vogler
Minutenlanger stehender Applaus für einen hochgeachteten Sudetendeutschen.
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Volksgruppensprecher Bernd Posselt und Präsidentin Christa Naaß sagen Danke.
uf der Bundesversammlung ist Reinfried Vogler, der am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiert (siehe Seite 6) als Präsident ver-
abschiedet worden. Er hatte das Gremium seit 2012 geleitet. In seiner Abschlußrede gab der gebürtige Leipertitzer der Bundesversammlung mit auf den Weg, sich weiterhin mit großem Engagement für die sudetendeutschen Anliegen einzusetzen.
Bewegender Moment: stehende Ovationen für Reinfried Vogler.
Fotos: Fricke
� Erste und konstituierende Sitzung am 26. und 27. Juni im Sudetendeutschen Haus in München
Sudetendeutsche Bundesversammlung: Klares Doppel-Votum für Bernd Posselt Die XVII. Sudentendeutsche Bundesversammlung hat am Wochenende auf der 1. und konstituierenden Sitzung mit deutlichen Mehrheiten Bernd Posselt sowohl als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe sowie als Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft für vier weitere Jahre bestätigt. Neue Präsidentin der Bundesversammlung wurde Christa Naaß (siehe auch Seite 3), für die 94 Prozent der Delegierten gestimmt hatten.
Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender (Mitte) mit seinem Bundesvorstand (v.l.): Franz Longin, Mario Hierhager, Toni Dutz, Claudia Beikircher, Dr. Raimund Paleczek, Heike Maas, Regine Löffler-Klemsche, Klaus Hoffmann, Margaretha Michel, Robert Wild, Hans Knapek und Steffen Hörtler (Foto oben). Fotos: Torsten Fricke
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n seiner Rede (Auszug Seite 3) machte Posselt deutlich, daß die Erfolge, die die Sudetendeutschen in den vergangenen Jahren erzielt haben, keine Selbstverständlichkeit seien. Der Volksgruppensprecher stellte dabei insbesondere das Sudetendeutsche Museum heraus, das im vergangenen Herbst eröffnet worden ist. Eine Herausforderung der nächsten Jahre sei es jetzt, das Thema Vertreibung insbesondere auch bei der jungen Generation zu verankern und den Dialog mit den tschechischen Landsleuten weiter fortzusetzen. Bei der Wahl zum Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, also zum obersten politi-
schen Repräsentanten der Sudetendeutschen, gingen zwei Kandidaten ins Rennen. Gegen Posselt hatte der oberbayerische Delegierte Johann Slezak den schwäbischen Delegierten Oskar Bachmann vorgeschlagen. Mit 81 Prozent der Stimmen sprach sich die Bundesversammlung klar für Amtsinhaber Posselt aus. Auch bei der Wahl zum
Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft schlug Slezak erneut Bachmann als Gegenkandidaten vor. Auch dieses Mal entschied sich die Bundesversammlung mit 79 Prozent klar für Posselt. Als Posselts Stellvertreter bestimmten die Delegierten den bayerischen SL-Landesvorsitzenden Steffen Hörtler aus Bad Kissingen, seinen baden-württem-
bergischen Kollegen Klaus Hoffmann, der Bürgermeister von Bad Herrenalb ist, sowie Heike Maas aus Wasserburg am Inn. Schatzmeister wurde Bürgermeister Toni Dutz aus dem oberpfälzischen Wiesau. Als Beisitzer fungieren Claudia Beikircher aus Ellwangen, Regine Löffler-Klemsche aus dem Kreis Böblingen, Margaretha Michel aus Pegnitz, Raimund Paleczek aus München
sowie Robert Wild aus dem Kreis Bamberg. Neuer Vizepräsident der Bundesversammlung ist Alexander Klein aus dem Chiemgau. Als Vizepräsident wiedergewählt wurde der ehemalige Landrat von Nürnberg, Helmut Reich. Posselt zeigte sich begeistert, daß nicht nur die Bundesversammlung fast zur Hälfte aus jüngeren Delegierten besteht,
� Erstmals wurden auch die Ausschußvorsitzenden vom Plenum gewählt
Wahlergebnisse aus der Bundesversammlung Im Zuge der 1. und konstituierenden Sitzung der XVII. Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist am Wochenende eine Reihe weiterer Positionen neu besetzt worden.
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aut der neuen Satzung wurde in der Bundesversammlung erstmals auch über die Vorsitzenden der sechs Ausschüsse abgestimmt. Gewählt wurden: Hauptausschuß: Kristian Ehinger. Ausschuß für Kultur und Volkstumspflege: Martin Posselt. Ausschuß
Dr. Kristian Ehinger
Dr. Martin Posselt
für Heimatgliederung und Patenschaften: Edmund Schiefer. Heimatpolitischer Ausschuß: Günther Reichert. Finanzausschuß: Peter Sliwka. Ausschuß für Presse
Edmund Schiefer
Dr. Günther Reichert
und Öffentlichkeitsarbeit: Birgit Unfug. Ebenfalls gewählt wurden Karin Führich und Hagen Novotny als Rechnungsprüfer.
Peter Sliwka
Birgit Unfug
Dem Schiedsgericht sitzt Alexander Klein vor. Als Beisitzer fungieren Reinfried Vogler und Holger Kruschina. Als Vertreter in den Sudeten-
deutschen Rat wurden gewählt: Toni Dutz, Klaus Hoffmann, Steffen Hörtler, Alexander Klein, Hans Knapek, Ortfried Kotzian, Heike Maas, Christa Naaß, Bernd Posselt und Günther Reichert. Für das Karls-Preis-Kuratorium nominiert wurden: Klaus Hoffmann, Steffen Hörtler und Günther Reichert. Außerdem hat die Bundesversammlung die Jahresrechnung 2020 mit Entlastung des Vorstzands sowie den Haushalts- und Stellenplan für das Jahr 2021 genehmigt.
sondern daß fast der gesamte Vorstand deutlich nach der Vertreibung geboren wurde: „Dies zeigt die Vitalität unserer Volksgruppe mehr als 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.“ Positiv wertete Posselt auch, daß es gelungen sei, im neuen Führungsgremium der Sudetendeutschen nahezu eine Geschlechterparität herzustellen. Torsten Fricke
Wechsel am Heiligenhof
Der neue Vorstand erklärt die zukünftigen Ziele S. 2
KURSE
1 CZK = 0,0393 EUR 1 EUR = 25,423 CZK
Tornado-Katastrophe
Mehrere Tote nach Unwetter in Südmähren S. 5
Egerlandtag am 4. Juli
Ministerin Carolina Trautner in Marktredwitz S. 4
Literaturfest in München
Mehrere Autoren aus dem deutschen Osten dabei S. 10
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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ie Tram- und U-Bahnhaltestelle Bořislavka gehört zu den allgemein gut bekannten Stadtteilen im Prager Westen. Nachdem Filmmaterial von der Exekution deutscher Zivilisten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgetaucht war, erfuhr die tschechische Öffentlichkeit vor Jahren über die Medien, daß die dortige Wiese Tatort eines Massakers war. Die Frage, ob die Täter tschechi-
PRAGER SPITZEN
sche Revolutionsgardisten oder sowjetische Rotarmisten waren, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Das Massengrab mit den Opfern wurde später ausgegraben, und die Ermordeten wurden anderswo bestattet. SL-Büroleiter Peter Barton besuchte jetzt Bořislavka und stellte fest, daß dort 76 Jahre nach dem Massenmord ein Einkaufs- und Bürozentrum entstanden ist, das in diesen Tagen seine Tore öffnet.
Regierung weist EU-Kritik zurück
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Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk
Heiligenhof: Was der neue Vorstand für die Zukunft plant Stabübergabe in der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk (SSBW): Hans Knapek (61) ist vom Stiftungsrat zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Stellvertreter ist Christian Leber (57), Schatzmeister Robert Wild (56).
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er bisherige Vorstand mit Günter Reichert, Reinfried Vogler und Peter Sliwka hatte altersbedingt nicht mehr kandidiert. Mit dem Wechsel im Vorstand und dem Tod von Horst Kühnel mußte auch der neunköpfige Stiftungsrat neu besetzt werden. Das Aufsichtsgremium besteht jetzt aus Ortfried Kotzian als Vorsitzenden, Frank Altrichter als Stellvertretender Vorsitzender sowie Bernhard Goldhammer, Andreas Kukuk und Hagen Novotny, die alle vom Förderverein SSBW e.V. als Gründer der Stiftung entsandt worden sind. Weitere Mitglieder sind Dirk Vogel, Oberbürgermeister der Stadt Bad Kissingen, Wolfgang Freytag als Vertreter des Freistaats Bayern, Siegbert Ortmann für die Sudetendeutsche Landsmannschaft und Utta Ott von der Akademie Mitteleuropa. In seinem Bericht ging der scheidende Vorsitzende Günter Reichert auf die Corona-Pandemie ein, die auch den Heiligenhof vor eine große Herausforderung gestellt hat. Nach einem hervorragenden Auftakt im ersten Quartal 2020 hatte der Heiligenhof den Betrieb fast komplett einstellen müssen, dennoch sei es gelungen, fast das gesamte Personal zu halten. In enger Zusammenarbeit zwischen Stiftungsdirektor Steffen Hörtler
Der neue Vorstand: Vorsitzender Hans Knapek (Mitte), Stellvertreter Christian Leber (rechts) und Schatzmeister Robert Wild
Der alte Vorstand (von links): Peter Sliwka, Dr. Günter Reichert und Reinfried Vogler. Fotos: Ulrich Rümenapp und dem Schatzmeister Peter Sliwka konnte ein beruhigender Jahresabschluß 2020 vorgelegt werden. Trotz der Erfüllung aller Verpflichtungen sowie Sondertilgungen entstanden zu keinem Zeitpunkt Liquiditätsengpässe, so Reichert. Gleichzeitig wurde die Corona-Zeit genutzt, um über verschiedene Förderprogramme die Innenräume des Heiligenhofs
vor allem im Lüftungs- und Heizungsbereich im Hinblick auf die neuen Hygiene-Voraussetzungen weiter zu modernisieren. Reichert: „Ich möchte vor allem den Landsleuten herzlich danken, die in dieser auch für den Heiligenhof schweren Zeit unsere einmalige Begegnungsstätte mit großen und kleinen Spenden oder durch demonstrative Aufenthalte während der Co-
ronalockerungen im Sommer unterstützt haben.“ Gleichzeitig sei es den Verantwortlichen für die Bildungsarbeit, Studienleiter Gustav Binder und Bildungsmanager Ulrich Rümenapp, gelungen, über Online-Angebote den Kontakt zu den Stammbesuchern zu halten und neue Interessenten anzusprechen. Beim anschließenden Empfang konnte der neue SSBW-Vorsitzende Hans Knapek unter den rund 50 Gäste auch die stellvertretende Landrätin Barbara Meyerdieks begrüßen. Ebenfalls anwesend war Peter Hucker, der als Schatzmeister in einer äußerst schwierigen Phase des Heiligenhofs von 1994 bis 2007 maßgeblich dazu beigetragen hatte, eine finanzielle Schieflage abzuwenden und den Heiligenhof zukunftsfest zu machen. In seiner Ansprache dankte Hans Knapek dem bisherigen Vorstand, der im engen Zusammenwirken mit dem gesamten Heilighof-Team die Bildungsund Begegnungsstätte konsequent weiterentwickelt hat. So wurden modern eingerichteten Zimmern und ein neuer Multifunktionssaal geschaffen, was zu mehr als 40 000 Übernachtungen in den Vor-Corona-Jahren 2018 und 2019 geführt hat. Für das neue Führungsteam gehe es jetzt darum, den Heiligenhof Schritt für Schritt mit neuen Belegungen aus der Corona-Krise herauszuführen, die Einrichtung durch weitere Investitionen noch attraktiver zu machen und die Bildungsarbeit spätestens im vierten Quartal 2021 wieder in großem Umfang aufzunehmen. Gustav Binder
Bayerns Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner gedenkt der Opfer von Flucht und Vertreibung
„Ohne die Heimatvertriebenen wäre Bayern heute nicht so, wie es ist“ Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner hat am Sonntag vor der Bayerischen Staatskanzlei in München einen Kranz zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung niedergelegt.
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rautner, die auch Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen in Bayern ist: „Die Heimatvertriebenen haben sich gleich nach ihrer Ankunft mit großem Engagement für den Wiederaufbau Bayerns eingesetzt. Das ist nicht selbstverständlich, angesichts des furchtbaren Leids, das ihnen aufgrund ihrer deutschen Herkunft widerfahren ist. Sie sind vielfach getrennt von Familie, Freunden und Bekannten und mit so gut wie nichts außer dem, was sie am Leib trugen, in Bayern angekommen. Sie mußten bei Flucht und Vertreibung Schrecklichstes erleben und durchleiden.“ Umso mehr sei es bewundersund anerkennenswert, daß die Betroffenen sich schon 1950 in
Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung: Sozialministerin Carolina Trautner (3.von rechts), Karl Freller (Vizepräsident des Bayerischen Landtages, rechts), Sylvia Stierstorfer (Beauftragte der Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler) und BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer Foto: Bayerische Staatskanzlei der Charta der Heimatvertriebenen für ein geeintes Europa eingesetzt hätten. Ministerin Trautner: „Ohne die Heimatvertriebenen wäre Bayern heute nicht so, wie es
ist. Die Vertriebenen waren und sind Leistungsträ-ger unserer Gesellschaft und bereichern unsere Kulturlandschaft und unser Miteinander. Sie stärken unser Land durch ihren Ideenreichtum,
ihre Kreativität und ihr Wertebewußtsein.“ Im Oktober 2020 hat Bayern als Schirmherrschaftsland der Sudetendeutschen das Sudetendeutsche Museum in München eröffnet. Das hochmoderne Museum ist nicht nur für die Sudetendeutschen selbst interessant, sondern soll alle Generationen und ein internationales Publikum ansprechen. Die vielen verschiedenen Ausstellungsobjekte, die in drei Sprachen beschildert sind, regen Jung und Alt zur Beschäftigung mit dem Schicksal und der Geschichte der Sudetendeutschen, weit über die Vertreibung hinaus, an. Die Ministerin: „Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Lebensfreude und welchem Engagement sich die Menschen für ihre Landsmannschaft und ein friedliches Miteinander einsetzen und Brücken zu unseren östlichen Nachbarn bauen. Wir in Bayern und in Europa wissen das sehr zu schätzen.“
er Streit um einen möglichen Interesssenskonflikt des Premierministers Andrej Babiš (Ano) wegen EU-Subventionen an den von ihm gegründeten Konzern Agrofert geht weiter. So hat die tschechische Regierung jetzt einen Beschluß des Europaparlaments vom 10. Juni zurückgewiesen (Sudetendeutsche Zeitung berichtete), in dem Babiš vorgeworfen wird, über von ihm kontrollierte Treuhandfonds weiterhin maßgeblichen Einfluß auf das Unternehmen zu haben. In dieser Angelegenheit könnten nur Gerichte entscheiden, wies die für EU-Subventionen zuständige Ministerin für Regionalentwicklung, Klára Dostálová (parteilos), das EU-Votum zurück.
Corona: „Es sieht nicht gut aus“
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ie Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden. „Es sieht nicht gut aus“, warnt der tschechische Premierminister Andrej Babiš (Ano) seine Landsleute. Man müsse, so der Regierungschef, weiter kämpfen, weiter impfen und sich vor Mutationen schützen, die in anderen Ländern auftreten. Wegen der Corona-Lage hatte Babiš sein Kabinett am Donnerstag zu einer Sondersitzung einberufen, nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz Anfang der Woche leicht auf 6,8 Infizierte pro 100 000 Einwohner gestiegen war.
„Zátopek“ eröffnet Festival in Karlsbad
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it der Weltpremiere des tschechischen Films „Zátopek“ wird das Internationale Filmfestival in Karlsbad eröffnet, hat die Festivalleitung bekannt gegeben. Das Portrait über den vierfachen Olympiasieger Emil Zátopek wurde von Regisseur David Ondříček gedreht. Die 55. Ausgabe des Filmfestivals findet vom 20. bis 28. August statt. Insgesamt 32 Filmpremieren stehen in zwei Wettbewerbssektionen und der Sektion „Sonderaufführungen“ auf dem Programm.
Nur 100 Sportler bei Olympischen Spielen
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it nur 100 Sportlern wird die Tschechische Republik bei den Olympischen Spielen in Tokio vertreten sein. Das ist die geringste Anzahl an Athleten seit
Olympia 1956 in Melbourne. Die Spiele waren coronabedingt von 2020 auf 2021 verschoben worden und finden vom 23. Juli bis 8. August statt.
Entsetzen über Zeman-Äußerung
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ertreter von Organisationen, die für die Rechte sexueller Minderheiten kämpfen, sind entsetzt über die Äußerungen von Staatspräsident Miloš Zeman. Das tschechische Oberhaupt hatte sich in einem TV-Interview abfällig über transsexuelle Menschen geäußert und sie wörtlich als „widerliche Transgender-Wesen“ bezeichnet.
Corona: Zweite Impfung jetzt früher
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m Kampf gegen die Delta-Mutation wird der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Corona-Impfung von 42 auf zunächst 34 und später sogar auf 21 Tage verkürzt, hat Premierminister Andrej Babiš (Ano) angekündigt. Hintergrund sind Erkenntnisse von Medizinern, daß erst die zweite Impfung vor einer Ansteckung mit dieser Variante schützt. Außerdem wurde entschieden, daß Corona-Genesene sich nach der Quarantäne sofort impfen können und nicht mehr 90 Tage warten müssen. Ab Anfang Juli, so der Regierungschef, gäbe es ein Überangebot an Impfstoff. Ein halbes Jahr nach dem Start der Corona-Impfungen in Europa sind in der Tschechischen Republik rund drei Millionen Menschen vollständig immunisiert. Dies entspricht 28 Prozent der Bewohner.
Olga-Havlová-Preis verliehen
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m Montag wurde in Prag der Olga-Havlová-Preis verliehen. Mit dieser Auszeichnung wird jedes Jahr eine Persönlichkeit geehrt, die trotz Behinderung anderen hilft. Diesjähriger Preisträger ist Marek Navrátil, der seit seiner Kindheit an einer genetisch bedingten Rachitis leidet und sich wegen der Wachstumsstörung zahlreichen Operationen unterziehen mußte. Trotz dieser Einschränkung engagiert er sich seit über 25 Jahren ehrenamtlich für andere Menschen. Der Preis ist benannt nach der ersten Frau von Präsident Václav Havel, die sich bis zu ihrem Tod im Jahr 1996 für Menschen mit Behinderung eingesetzt hatte.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2.7.2021
Klares Votum für eine engagierte Sudetendeutsche: Mit 91 Prozent Zustimmung ist Christa Naaß am Samstag von der Sudetendeutschen Bundesversammlung als Nachfolgerin von Reinfried Vogler zur Präsidentin der Bundesversammlung, dem obersten Organ der Sudetendeutschen, gewählt worden.
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rau Naaß, herzlichen Glückwunsch zur Wahl. In Ihrem gesamten politischen Leben haben Sie sich für die Sudetendeutschen eingesetzt. Woher kommt dieses große Engagement? Christa Naaß: Meine Eltern stammen aus Tachau im Egerland und waren, wie meine Großeltern, überzeugte Sozialdemokraten. Unter den Nazis wurden sie wegen ihrer politischen Einstellung benachteiligt und verfolgt. Mein Vater saß nach dem Anschluß des Sudetenlandes für zwei Monate im Gefängnis, mein Großonkel vier Jahre lang im KZ Dachau. Gott sei Dank haben beide diese schwere Zeit überlebt. Im August 1946 mußten meine Eltern dann ihre Heimat verlassen. Ich wurde in Gunzenhausen geboren und habe schon als Kind die Geschichten von Krieg und Vertreibung mitbekommen. Das hat mich geprägt. Wann konnten Sie das erste Mal ins Egerland reisen? Naaß: Auf Grund des Drängens meines noch in Tachau geborenen Bruders und von mir haben wir uns, nachdem wir endlich das Visum bekommen hatten, im Juni 1971 auf den Weg gemacht, sind aber dennoch an der Grenze fast gescheitert. Warum? Naaß: Im Einreisevisum meiner Eltern und meines Bruders war als Geburtsland „Sudetengau“ vermerkt. Und der tschechische Grenzer stellte sich auf den Standpunkt, daß die Papiere nicht ordnungsgemäß seien, da es den Sudetengau nicht gibt. Wie hat Ihr Vater reagiert? Naaß: Er war ziemlich wütend. Mein Vater hat dann dem Grenzer seine offizielle Anerkennung als Antifaschist auf den Tisch geknallt und erklärt, daß er auch für die tschechischen Landsleute gegen die Nazis gekämpft hatte. Das hat dann gewirkt. Wie haben Sie dann Tachau, die Heimat Ihrer Eltern, erlebt? Naaß: Es war sehr berührend. Ich habe das erste Mal nach vielen Jahren meine Eltern wieder Hand in Hand gehend erlebt. Sie haben mir die Orte gezeigt, die in ihrer Jugend wichtig waren. Das Geburtshaus meines Bruders, die Schule, wo meine Eltern sich später heimlich getroffen haben, aber schon damals bespitzelt wurden. Und natürlich
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Interview mit Christa Naaß, der neuen Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung
„Das Thema Vertreibung ist heute aktueller denn je“
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haben wir auch die berühmte Reitschule besucht, die zweitgrößte nach Wien, die damals in Trümmern lag und heute als Begegnungszentrum dient. Wann sind Ihre Eltern vertrieben worden? Naaß: Da meine Eltern als Antifaschisten anerkannt waren, wurden sie 1946 mit dem vierten Transport relativ spät vertrieben und durften auch mehr Sachen
Präsidentin Christa Naaß (Mitte) mit ihrem Präsidium (von links): Gabriele Müller (Schriftführerin), Alexander Klein (Vizepräsident), Helmut Reich (Vizepräsident) und Iris Wild (Schriführerin). Fotos: Fricke
Als vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion hatte ich Kontakte bekommen zu der von jungen Wissenschaftlern gegründeten Initative Antikomplex, die sich mit der Aufarbeitung der tschechischen Geschichte und der Vertreibung beschäftigt. Ich finde es bemerkenswert, daß es immer mehr vor allem junge Menschen in der Tschechischen Republik gibt, die sich mit dem Thema Vertreibung befassen, aber unbelastet herangehen. Bei der Erlebnisgeneration
Zur Person: Christa Naaß Geboren am 12. Februar 1955 in Gunzenhausen. Verheiratet, zwei erwachsene Söhne, römisch-katholisch. Trägerin des Bayerischen Verdienstordens und der Silbernen und Goldenen Verfassungsmedaille. Seit 2013 Mitglied des Mittelfränkischen Bezirkstages und aktuell Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin und 3. Vizepräsidentin des Bayerischen Bezirketages. . Von 1994 bis 2013 Mitglied des Bayerischen Landtags, davon mehrere Jahre als Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. Seit 1. Februar 2014 Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates. Seit 2019 Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes der Seliger-Gemeinde Mitglied im Beirat des Hauses des Deutschen Ostens. Mitglied im Stiftungsrat der Sudetendeutschen Stiftung. Seit 26. Juni 2021 Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung.
mitnehmen. Nach einer Odyssee durch mehrere Lager sind sie dann nach Gunzenhausen gekommen. Die älteste Schwester meines Vaters hatte einen Tschechen geheiratet und ist in Reichenberg geblieben. Die zweitälteste Schwester meines Vaters kam nach Hilburghausen und hat dann in der DDR gelebt. Sie haben die SPD praktisch mit der Muttermilch aufgezogen. Naaß: Meine Eltern haben uns Kindern die sozialdemokratischen Werte vorgelebt. Sie waren überzeugt davon, daß allen Bevölkerungsschichten der Zugang zu Bildung als Mittel gegen Armut ermöglicht werden muß. Sie haben für Chancengleichheit gekämpft. Trotz unseres Schicksals als Vertriebenen-Familie habe ich daheim nie Haß erlebt. Im Gegenteil: Meine Eltern waren immer bemüht, daß Verbindende statt das Spaltende in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Einstellung prägt mich
noch heute. Dieses „Gemeinsam sind wir stärker“ möchte ich auch als Präsidentin der Bundesversammlung einbringen. Ein Wesenskern der Demokratie ist die politische Auseinandersetzung, die auch mal hart und deutlich geführt werden kann. Aber am Ende müssen alle Demokraten wieder zu einem vertrauens- und respektvollen Miteinander finden. Eine Grundvoraussetzung ist dafür aber, daß demokratische Mehrheitsentscheidungen von allen akzeptiert und respektiert werden. Wie stellen Sie sich die weiteren Fortschritte im deutsch -tschechischen Verhältnis vor? Naaß: In den fast drei Jahrzehnten meiner politischen Tätigkeit als Abgeordnete im Bayerischen Landtag und jetzt als Vizepräsidentin des mittelfränkischen Bezirkstages und des Bayerischen Bezirketages habe ich mit verfolgen können, wie über Begegnungen auf politischer so-
wie auf persönlicher Ebene viel im deutsch-tschechischen Verhältnis bewegt wurde. Als SPDFraktion hatten wir zum Beispiel immer wieder gefordert, daß endlich ein Bayerischer Ministerpräsident offiziell in die Tschechische Republik reist, was Horst Seehofer dann auch getan hat.
kann ich manche Vorbehalte auf beiden Seiten nachvollziehen, da die erlittenen Verletzungen bis heute nachwirken. Antikomplex hat zum Beispiel ein Buch und eine gleichnamige Ausstellung mit dem Titel „Das verschwundene Sudetenland“ herausgebracht. Ein Beispiel von vielen,
das zeigt, daß auch in der Tschechischen Republik die Erkenntnis wächst, daß die Vertreibung der Sudetendeutschen für das Land und die tschechische Bevölkerung einen Verlust an Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft bedeutet hat. Dies hat zum Beispiel der ehemalige tschechische Premierminister Petr Nečas im Jahr 2013 auch in seiner Rede im Bayerischen Landtag festgestellt. Die Angehörigen der Erlebnisgeneration werden immer weniger. Welche Bedeutung werden die Sudetendeutschen in der Zukunft haben? Naaß: Das Thema Vertreibung ist heute aktueller denn je. Derzeit sind weltweit über 82 Millionen Menschen auf der Flucht. Ursachen sind Kriege, ethnische „Säuberungen“, Umweltkatastrophen, die CoronaPandemie. Als Sudetendeutsche verfügen wir auf Grund unserer eigenen Erlebnisse über ein großes Wissen und viel Erfahrung. Wir können deshalb unseren Teil zum Verständnis für geflüchtete und vertriebene Menschen von heute und deren millionenfachen menschlichen Schicksale beitragen. Bei den Marienbader Gesprächen, die wieder Ende Juli stattfinden, haben wir deshalb bewußt das Thema „Vertreibung, Vergangenheit, Gegenwart, Perspektiven“ auf die Tagesordnung genommen. Das 21. Jahrhundert ist leider wie das 20. Jahrhundert ein Jahrhundert der Vertreibungen. Deshalb ist mir persönlich das Eintreten für Menschen-, Volksgruppen- und Minderheitenrechte sehr wichtig. Was können andere Volksgruppen von den Sudetendeutschen lernen? Naaß: Die Sudetendeutschen kamen in ein zerstörtes Deutschland und hatten in der Regel nichts, außer ihrem Handgepäck. Obwohl sie in ihrer neuen Heimat oft nicht willkommen waren, haben sie sich schnell integriert. Sie haben ihr Wissen und ihre Kraft eingebracht, um mitzuhelfen dieses Land wieder aufzubauen. Darüber können wir rückblickend stolz und auch dankbar sein. Viele Sudetendeutsche haben politische Verantwortung übernommen, in der Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik und sich in Vereinen und Organisationen engagiert. In Gunzenhausen, meinem Geburtsort, haben zum Beispiel die zahlreichen Tachauer eine gute Gemeinschaft gepflegt und unter anderem jährlich an der Allerweltskirchweih eine „Tachauer Kirchweih“ gefeiert, an der natürlich auch unsere ganze Familie immer teilgenommen hat. Torsten Fricke
Redeauszüge von Bernd Posselt, Sprecher der SudetendeutschenVolksgruppe, vor der Sudetendeutschen Bundesversammlung
Das Erreichte ist keine Selbstverständlichkeit Auf der Bundesversammlung hat der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, eine positive Bilanz der vergangenen Legislatur gezogen. Auszüge aus der Rede.
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ernd Posselt: „Heute bin ich stolz und glücklich. Das hat zwei Ursachen. Die eine Ursache ist die Bundesversammlung selbst. Ich glaube nicht, daß es außer uns eine heimatvertriebene Landsmannschaft oder Volksgruppe gibt, die 75 Jahre nach der Vertreibung eine solche Bundesversammlung vorweisen kann. Das zeigt, daß unsere Volksgruppe Zukunft hat. In Deutschland ist ein Viertel der Bevölkerung Nachfahre von Heimatvertriebenen, in Bayern ein Drittel. Auf dem Sudetendeutschen Tag bin ich immer wieder von Journalisten angesprochen worden, die mir ganz erstaunt ihre Beobachtung berichtet haben: ,Ihr werdet immer jünger.‘ Und wir haben immer
mehr Frauen in den verschiedensten Funktionen, die Verantwortung übernehmen. Darüber bin ich stolz und glücklich. Der zweite Grund, warum ich stolz und glücklich bin, ist dieser Saal. Liebe Landsleute, Sie kennen den Saal von früher. Sie sehen, wie wunderschön er geworden ist. Und daneben haben wir dieses wunderbare Museum, das zumindest meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Es ist eben nicht ein Schlußpunkt, eine Dokumentation einer aussterbenden Volksgruppe. Es ist ein kulturelles Zentrum. Das Sudetendeutsche Museum ergänzt dieses Sudetendeutsche Haus mit seiner unglaublichen Lebendigkeit und Pluralität. Hinzu kommt noch das Haus des Deutschen Ostens. Wir haben damit ein einzigartiges Zentrum unserer sudetendeutschen Volksgruppe. Aber das ist alles nicht selbstverständlich. Das mußte hart erkämpft, hart erarbeitet und von-
seiten des Freistaates Bayern und der Bundesregierung auch finanziert werden. Dies belegt, daß wir unseren Weg mit Stolz und Zuversicht, aber auch mit Konsequenz weiter gehen müssen. In diesem Bericht möchte ich einige Schwerpunkte unserer Arbeit in den vergangenen fünf Jahren herausgreifen. Nur wenn wir eine plurale, breit aufgestellte Gemeinschaft bleiben, haben wir eine Zukunft. Deshalb bin ich glücklich über das neue Präsidium der Bundesversammlung, über diese Bundesversammlung, aber auch über das viele, was sich draußen inzwischen entwickelt hat – insbesondere von jungen Menschen. Aber liebe Landsleute, wir werden künftige Generationen nur gewinnen können, wenn wir auch deren Sprache sprechen. Und das war der Grund, warum der Bundesvorstand in seiner Gesamtheit ein neues Grundsatzprogramm auf den Weg gebracht hat. Wir sind die einzige
Landsmannschaft, die überhaupt ein solches Grundsatzprogramm hat. Wir haben das erarbeitet unter Einbeziehung aller Generationen. Wir haben dabei kein einziges unserer Prinzipien aufgegeben oder relativiert. Aber wir haben es halt so formuliert, daß man es 75 Jahre nach der Vertreibung auch verstehen kann. Es ist kein Geheimnis, daß ich, nach unserem Ministerpräsidenten, eines der am längsten dienenden Vorstandsmitglieder einer großen bayerischen Partei bin. Aber wir sind eben auch in allen anderen großen politischen Parteien repräsentiert. Ein Beispiel dafür ist Christa Naaß, unsere neue Präsidentin der Bundesversammlung. Wir sind aber auch im Dialog mit den Grünen, mit den Liberalen und mit anderen demokratischen Parteien. Auch auf europäischer Ebene waren und sind wir aktiv. Als einzige Landsmannschaft in Deutschland haben wir die Initiative Minority Safe Pack massiv
unterstützt. Der Bundestag hat sich dieser Initiative einstimmig angeschlossen, was früher undenkbar gewesen wäre. Und im Europäischen Parlament, wo immerhin auch spanische und französische Zentralisten sitzen, gab es eine Zweidrittelmehrheit. Die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen hat jetzt versucht, das Ganze vom Tisch zu wischen. Dagegen sind wir gemeinsam vorgegangen und werden jetzt Punkt für Punkt mit der Kommission besprechen. Das ist ein Beispiel praktischer Europapolitik im Sinne der vertriebenen und nicht-vertriebenen Volksgruppen. Auch mit der tschechischen Regierung pflegen wir intensive Kontakte. Das heißt nicht, daß alles in Butter ist. Ich verstehe jeden, der ungeduldig ist. Aber erreichen kann man etwas nur mit unermüdlicher Geduld, geschickten Argumenten und hartnäckigem, aber vernünftigem Auftreten.“
Prof. Dr. Bernd Fabritius, MdB.
CSU-Kandidatenliste
Vorderer Platz für Fabritius Zeitgleich zur Bundesversammlung hat die CSU ihre Kandidaten für die Bundestagswahl aufgestellt – mit einer guten Nachricht für die Vertriebenen.
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ernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen, könnte mit Platz 23 den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen. Vor ihm sind 21 Bewerber, die eigene Wahlkreise haben und nicht über die Liste, sondern über ein Direktmandat in den Bundestag einziehen könnten.
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2.7.2021
Sonntag, 4. Juli in Marktredwitz
Marienbader Gespräche
Vertreibung – auch in Zukunft ein Thema?
Ministerin beim Egerlandtag Der Egerlandtag 2021 findet am Sonntag, 4. Juli statt, hat der Bundesvorstand beschlossen. Aufgrund der Pandemie wurde das Treffen aber auf einen Tag verkürzt und der Besucherkreis verkleinert. Als Ausgleich wird der Egerlandtag im Internet übertragen.
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a noch zu wenige junge Mitglieder geimpft und Chorsowie Tanzdarbietungen derzeit nicht zugelassen sind, hatte man sich entschlossen, auf ein zweitägiges Treffen mit Hotelübernachtungen zu verzichten, aber gleichzetig entschieden, die Veranstaltung nicht komplett abzusagen. „Wichtig ist uns Egerländern auch, die Wiedereröffnung des Egerland-Kulturhauses zu würdigen“, erklärt Bundesvüarstäiha Volker Jobst. Das Egerland-Kulturhaus wurde wurde in den vergangenen vier Jahren für rund 3 Millionen Euro energetisch saniert und an vielen Stellen modernisiert. Jobst: „Nur mit der großzügigen Förderung von rund 2,2 Millionen Euro durch den Freistaat Bayern war es möglich, unser Egerland-Kulturhaus für die nächsten Jahrzehnte wieder nutzbar zu machen. Hierfür gilt es auch am Sonntag dem Freistaat, vertreten durch Staatsmi-
nisterin Carolina Trautner, herzlich zu danken.“ Im Rahmen des Festaktes wird auch die Verleihung des Egerländer Kulturpreises „Johannes-von-Tepl“ an Gerald Güntner aus dem Jahr 2019 nachgeholt. Neben der Festrede der Staatsministerin werden der Landrat des Kreises Wunsiedel, Peter Berek, und der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, Grußworte sprechen. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Gartenberger Bunkerblasmusik aus Geretsried. Ein weiterer Höhepunkt ist die Trachtenausstellung „Egerländer Tracht – Lebendige Heimat“ im Obergeschoß des Egerland-Kulturhauses, die dem Bund der Eghalanda Gmoin ein großes Anliegen ist. Volker Jobst: „Hier gilt unser Dank den Trachtenbeauftragten des Bundes der Eghalanda Gmoin unter der Leitung von Elke Trübswetter aus Ingolstadt und Ingrid Hammerschmied aus Geretsried.“ Aufgrund der Hygieneregelungen haben nur geladene und angemeldete Gäste Zugang zu der Veranstaltung. Der Gottesdienst und der Festakt werden aber via YouTube ab 10 Uhr in einem Livestream übertragen. Link: https://www.youtube. com/watch?v=BTYK-s74MBs
Unter dem Motto „Die Vertreibung – ein Zukunftsthema. Geschichte – Gegenwart – Perspektiven“ stehen die Marienbader Gespräche, zu denen der Sudetendeutsche Rat von Freitag, 23. bis Sonntag, 25. Juli einlädt.
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Bund der Eghalanda Gmoin: Gruppenfoto des neuen Bundesvorstands der Egerländer.
Bild: Erich Wetzka
Bundeshauptversammlung der Egerländer
Jobst bleibt Bundesvüarstäiha Auf der Bundeshauptversammlung der Egerländer ist Volker Jobst (Rauenberg) als Bundesvüarstäiha bestätigt worden.
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tellvertreter sind weiterhin Dr. Egon Ziegler (München)
und Günther Wohlrab (Marktredwitz). Als neuer Kassier wurde Helmut Hahn (Geretsried) gewählt. Bundeskulturwartin bleibt Christina Diederichs (Kösching), und als neuer Schreiber fungiert Heike Stegmaier (Aalen).
Als besonderes Dankeschön wurde der langjährige Bundeskulturwart und stellvertretende Bundesvüarstäiha Dr. WolfDieter Hamperl zum Ehrenmitglied des Bundes der Eghalanda Gmoin (BdEG) ernannt.
ach der Begrüßung durch Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, spricht am Freitagabend Kateřina Tučková über ihren vielbeachteten Roman „Gerta. Das deutsche Mädchen“, und Prof. Dr. Manfred Kittel referiert über „70 Jahre nach dem Wiesbadener Abkommen“. Einer der Programmhöhepunkte am Samstag ist eine Podiumsdiskussion mit Politikern. Zugesagt haben bereits Markus Rinderspacher (SPD), Bernhard Pohl (FW), Florian Siekmann (Grüne), Dr. Helmut Kaltenhauser (FDP), Wilhelm Simeon (ČSSD) und Martin Kalina (Piraten). Am Sonntag wird Sylvia Stierstorfer, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Heimatvertriebene und Aussiedler, sprechen. Anschließend redet Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, über „Vertreibungen und Umsiedlungen im 20. Jahrhundert im Rahmen der Balkankriege“. Anmeldung: Sudetendeutscher Rat, eMail sudetenrat@aol.com oder Telefon: (0 89)48 00 03 60.
VERANSTALTUNGSKALENDER Dienstag, 6. Juli, 18.00 Uhr, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, „Dummes Katherl, bledder Seff“. Anhand ausgewählter Vornamen stellen die Mundartreferentinnen Isabelle Hardt und Bettina HofmannKaes von der Universität Gießen Verballhornungen, Spottverse, Heiligentage und vieles mehr vor. Veranstaltungsort: Sudetendeutsches Haus, Adalbert-Stifter-Saal, Hochstraße 8, 81669 München. Anmeldung unter eMail schmalcz@sudeten.de oder schriftlich an Heimatpflege der Sudetendeutschen, Hochstraße 8, 81669 München. Dienstag, 6. Juli, 19.00 Uhr, Beauftragter der Bayerischen
Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle, „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland”: Vortrag von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, über „Jüdische Wegbereiter der europäischen Einigung“ im Vortragssaal der Katholischen Akademie in Bayern, Mandlstraße 23, 80802 München. Anmeldung unter Antisemitismusbeauftragter@ stmuk.bayern.de Mittwoch, 7. Juli, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlech-
Anzeige Die Sudetendeutschen
HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.
Eine Jury wird dann aus den Bildern die jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.
Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land schaften, historische Gebäude und grenz überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls EMailAdresse.
Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs optionen des Betriebssystems oder EMailProgramms abschalten!) per EMail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USBStick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.
Die Fotografen gewährleisten ausdrück lich, dass sie das Urheberrecht an den ein gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SLBundesverband uneinge schränktes und unentgeltliches Nutzungs recht ein und erklären sich mit der Veröf fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
feld: Mitgliederversammlung Gemeindehalle Wehringen. Samstag, 10. Juli, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagfeier (Wir feiern auch die Väter), Fischerheim Wehringen, In der Aue 5. Sonntag, 11. Juli, SL-Landesgruppe Bayern: Gedenken anläßlich Hans „Johnny“ Kleins 90. Geburtstags. 12.00 Uhr Kranzniederlegung am Grab auf dem Friedhof in Bernau am Chiemsee; 13.00 Uhr Gedenkfeier mit Landesobmann Steffen Hörtler, Klaus Stöttner MdL, Sylvia Stierstorfer MdL, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, sowie Milan Horáček MdB a. D. und MdEP a. D im Gasthof Zum Alten Wirt, Kirchplatz 9. Auskunft: SL-Landesgruppe Bayern, Telefax (0 89) 48 00 03 96, eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de. Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli, 71. Sudetendeutscher Tag in München. Ausführliches Programm auf den Seiten 7 bis 9. Samstag, 17. Juli, oder Sonntag, 18. Juli, 7.00 Uhr, SLOrtsgruppe Königsbrunn/Weh-
ringen/Klosterlechfeld: Anmeldung bis 15. Juli bei Obmann Kurt Aue: Telefon (08 21) 8 85 37 56, eMail sudetenaue@ koenigsau.de. Sonntag, 25. Juli, 15.00 Uhr: Deutsch-tschechischer Gottesdienst in der Sankt-JakobusKirche in Schwaden (Kreis Aussig.)Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@ t-online.de. Freitag, 30. Juli, bis Montag, 2. August, SL-Landesgruppe Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch. Anmeldung unter: SL-Landesgruppe Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, per eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de oder per Telefax (0 89) 48 00 03 96. Samstag, 31. Juli, 15.00 Uhr: Gedenkveranstaltung auf der Elbbrücke an das Massaker in Aussig von 1945. 18.00 Uhr: Andacht in der Pfarrkirche. Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de.
Völker und Sprachen der Habsburger Dienstag, 6. Juli, 18.00 Uhr auf Zoom: „Die Völker und Sprachen der alten Habsburgermonarchie und ihre Rechtsstellung“. Gespräch mit Günter Ofner, Leiter des Vereins „Familia Austria, Österreichische Gesellschaft für Genealogie und Geschichte”. Die alte Habsburgermonarchie war ein Mosaik an Sprachen, Dialekten, Schriftsystemen, Konfessionen und Kulturen. Allerdings muß man hier unterscheiden zwischen Muttersprachen, Dialekten, Umgangssprachen, Schriftsprachen, Literatursprachen, Unterrichtssprachen, Vorlesungssprachen, Bildungssprachen, Amtssprachen, Kommandosprachen, Dienstsprachen und Regimentssprachen in den Armeen. Hier gab es enorme Unterschiede, die nicht unbedingt mit der Zahl der Angehörigen in Verbindung standen. Dazu kommt noch die zeitliche Komponente und der Gewinn bzw. Verlust von Territorien, womit die sprachlich/ethnische Struktur der Habsburgermonarchie laufend verändert wurde. Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung per eMail bis zum Vortag 15.00 Uhr unter hoertler@heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Heimattreffen auf dem Heiligenhof
35. Braunauer Heimattag Unter dem Motto „Tage der Begegnung“ findet von Freitag, 9. bis Sonntag, 11. Juli der 35. Braunauer Heimattag des Heimatkreises Braunau/Sudetenland auf dem Heiligenhof statt.
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rogramm (Auszug). Freitag, 14.30 Uhr: Heimatkreisrat. Samstag, 10.30 Uhr, Pfarrer Martin Lanži, „Das pastorale Leben und die Kirchenrenovierungen im Braunauer Land“. 14.00 Uhr, Hauptversammlung. 17.30 Uhr, Kulturveranstaltung mit Beate Baron. Sonntag, 9.00 Uhr, Gottesdienst. 10.30 Uhr, Heimatkreisbetreuer Erik Buchholz: „Der Heimatkreis Braunau und seine Beziehungen zum Braunau-
er Ländchen“. 13.30 Uhr Bürgermeister Jaroslav Bitnar „Die Bewerbung der Stadt Braunau als Europäische Kulturhauptstadt 2028“. 15.00 Uhr, Dagmar Heeg-Filippovová: „Meine tschechische Familie in Barzdorf ab 1945/46. Erinnerungen und Reflexionen“. 15:30 Uhr. Ronald Boelhouwer (Schönau): „Die jüngste Besiedlung des Braunauer Landes durch Niederländer und ihre Beschäftigung mit der dortigen deutschen Kultur“. Weitere Informationen sind über den Heimatkreis Braunau (info@ heimatkreis-braunau.de) erhältlich. Anmeldungen sind über den Heiligenhof ab sofort möglich (info@heiligenhof.de).
Buchpräsentation mit Autor Thomas Medicus
Heinrich und Götz George Donnerstag, 8. Juli, 19.00 Uhr: „Heinrich und Götz George – Zwei Leben“, Buchpräsentation mit Autor Dr. Thomas Medicus. Selten war ein Verhältnis von Vater und Sohn so innig und so komplex – obwohl sich die Lebenszeiten beider kaum überschnitten: Heinrich George war seit den 1920ern der ungekrönte König der Berliner Theaterbühnen. Im Dritten Reich führte ließ er sich für Propagandastreifen ein-
spannen. Er starb 1946 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen. Sohn Götz George war damals acht Jahre alt. Doch die Figur seines Vaters beschäftigte den Schauspieler Zeit seines Lebens. Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2.7.2021
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Tornado tötet sieben Menschen und beschädigte mehr als 1200 Häuser
Bundesversammlung gedenkt der Opfer der Katastrophe in Südmähren
Das geistliche Wort sprach Prof. Dr. Stefan Samerski (Mitte). Links: Franz Longin, Sprecher der Südmährer. Foto: Fricke
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Der Tornado sorgte für eine Schneise der Verwüstung. Vielerorts wurden Dächer abgedeckt oder Häuser sogar komplett zerstört.
Centrum Bavaria Bohemia
Brückenbauerpreis für die Grenzpendler
Im Rahmen des Projekts „Kultur ohne Grenzen – Begegnung Bayern Böhmen 2021“, das vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem Landkreis Schwandorf gefördert wird, hat die Initiative Bavaria Bohemia zum 14. Mal Persönlichkeiten, Organisationen, Initiativen und Partnerprojekte mit dem Brückenbauerpreis ausgezeichnet.
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achträglich für das Jahr 2020 wurden ein Ehrenpreisträger, drei Persönlichkeiten und eine Schulpartnerschaft gewürdigt. Für das Jahr 2021 wurde nur ein einziger Sonderpreis – dieser dafür an eine sehr große Personengruppe – vergeben, nämlich an die Grenzpendler. „Die Grenzschließung hat uns vor Augen geführt, was wir verlieren würden, sollte es je wieder zu undurchlässigen Grenzen kommen“, sagte der deutsche Botschafter in der Tschechischen Republik, Christoph Israng, in seiner Festrede und würdigte alle Preisträger für ihr grenzüberschreitendes Engagement und das Centrum Bavaria Bohemia als Kulturdrehscheibe zwischen der Oberpfalz und der Region Pilsen sowie zwischen Bayern und Tschechien. Israng: „Wir können stolz darauf sein, daß es in den vergangenen 30 Jahren gelungen ist, Brücken aufzubauen, die auch in schwierigen Zeiten belastbar sind.“ Die Grenzpendler, die Tag für Tag ihr Leben zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik aufteilen und
Sprache der Weltmutter
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In einer Gedenkminute hat die Bundesversammlung am Samstag den verstorbenen Sudetendeutschen gedacht. Ebenfalls in das Gebet mit eingeschlossen wurden die Opfer der Messerattakke in Würzburg und der Tornado-Katastrophe in Südmähren.
ine Spur der Zerstörung hat ein Tornado am Donnerstag abend in Südmähren hinterlassen. Bei Lundenburg (Břeclav) und Göding (Hodonín) wurden sieben Menschen getötet, darunter ein kleines Mädchen, und Hunderte verletzt. 1200 Häuser wurden teilweise stark beschädigt, mindestens 70 so schwer, daß sie abgerissen werden müssen. Auch zahlreiche Autos, Parks und Ackerflächen wurden erheblich beschädigt. Die Naturkatastrophe hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Neben tschechischen Rettungskräften beteiligten sich auch österreichische Feuerwehren an den Bergungsarbeiten. Die Gegend, die vor der Vertreibung gemischt deutsch-tschechisch besiedelt war, gehört zu jenen Teilen des Sudetenlandes, wo besonders offen auch mit den ehemaligen Einwohnern kommuniziert wird, die ebenfalls an den Hilfsaktionen beteiligt sind. Die Ackermann-Gemeinde hat unterdessen zu Spenden aufgerufen. Martin Kastler, Bundesvorsitzender der Akkermann-Gemeinde: „Bitte helfen Sie mit, die Not zu lindern! Die Spenden geben wir eins zu eins weiter an die Katastrophenhilfe der Caritas der Diözese Brünn.“ Jaroslav Šonka Spendenkonto: Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde e.V. IBAN: DE05 7509 0300 0002 1222 00 LIGA Bank eG München
Mut tut gut
Brückenbauer-Preise (von links): Zuzana Vintrová, Eugenie Trützschler von Falkenstein, Karl Suchy, Veronika Kupková, Milan Deredimos und Kilian Graber von der Pendlerassoziation der Tschechischen Republik. Foto: Centrum Bavaria Bohemia gerade in der Pandemie großen Belastungen durch die Einschränkung des Grenzverkehrs und Anfeindungen von verschiedenen Seiten ausgesetzt waren, wurden auch von IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes ausdrücklich als „Brückenbauer des Alltags“ gewürdigt. Diese Menschen hätten in schwierigen Zeiten gegenüber ihren Arbeitgebern, Kollegen, Kunden oder Patienten große Loyalität an den Tag gelegt, so Helmes. In seinem Grußwort unterstrich der Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, Tomáš Jelínek,
die Bedeutung alle jener, die unermüdlich im Alltag für eine gute Nachbarschaft zwischen Deutschland und Tschechien arbeiten – und auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie nicht in ihren Bemühungen nachließen. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds fördert grenzüberschreitende Projekte und seit langem auch Begegnungen im Centrum Bavaria Bohemia. Im Rahmen des Festaktes wurden auch die Preisverleihungen für das Jahr 2020 nachgeholt. Den Ehrenpreis erhielt Schriftsteller Jaroslav Rudiš.
In der Kategorie Persönlichkeiten wurden Filmemacherin Veronika Kupková für das Zeitzeugenprojekt „Generation ,N‘ Deutschböhmen“, Lehrerin Eugenie Trützschler von Falkenstein für mehrere grenzüberschreitende Projekte und Architekt Karl Suchý für die Rettung der romanischen Kirche St. Maurenzen ausgezeichnet. In der Kategorie Partnerprojekt ging der Preis an die Realschule Vohenstrauß und an das Gymnasium und die Handelsakademie Stříbro für deren grenzüberschreitende Schulpartnerschaft.
ast du schon gehört: In Südmähren gab es einen Tornado. Alles verwüstet. Wie im Krieg.“ Ein Freund aus Prag rief mich am Donnerstagabend der vergangenen Woche an, um mir diese Hiobsbotschaft mitzuteilen. Ich konnte es nicht wirklich glauben. Ein Tornado? Bisher kannte man solche Nachrichten vielleicht aus Texas. Aber in Südmähren, nicht einmal hundert Kilometer von Wien entfernt? Über das Internet versuchte ich mir erste Informationen zu verschaffen. Die Bilder, welche ich noch am selben Abend und dann am darauffolgenden Tag fand, waren wirklich bedrückend. All die zerstörten Häuser, die umgeknickten Bäume und Strommasten, die Autos, die auf den Dächern lagen, der Schutt auf den Straßen. Später fand man in den Medien auch Augenzeugenberichte. Nachdrücklich ist mir die Schilderung einer Frau in Erinnerung geblieben, die mit ihren Kindern in der Duschkabine ihres Hauses Schutz vor dem zerstörerischen Naturereignis suchte. Dann tauchten auch andere Bilder und Nachrichten auf. Sie zeugten von einer überaus beeindrukkenden Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität. Was mich besonders berührte, war die Tatsache, daß diese Welle grenzüberschreitend war. Schon unmittelbar nach dem verheerenden Unglück kamen neben tschechischen Rettungs- und Einsatzkräften auch solche aus Österreich und der Slowakei an die schwer betroffenen Orte. Anschließend waren nicht nur tschechische Geräte und Fahrzeuge für die Aufräumarbeiten im Einsatz. Auch hiervon bleibt mir eine kleine Begebenheit in Erinnerung. Eine Steinbruchbetreiberin aus Niederösterreich, deren Betrieb ich kenne, weil er sich in meiner Heimat befindet, schickte Bagger und Lastkraftwagen in die betroffenen Dörfer. Als sich jemand in den sozialen Medien bei ihr für die Großzügigkeit bedankte, antwortete sie lapidar: „Das ist doch selbstverständlich.“ Genauso selbstverständlich wie für die Steinbruchbetreiberin war es für viele andere Menschen, auf ganz persönliche Weise zu helfen. Die einen machten sich mit Sachund Lebensmittelspenden direkt auf den Weg, andere spendeten unverzüglich Geld für die TornadoOpfer. Mich beeindruckt es immer wieder, daß es nach Katastrophen und Unglücksfällen eine derartige Bereitschaft zu selbstloser Hilfe gibt. Das zeigt mir, daß der Grundwasserspiegel des Mitgefühls in unserer Gesellschaft noch immer eine beachtliche Höhe hat. Vor einer Woche schrieb ich an dieser Stelle über eine für mich bedeutsame Marienikone, welche den Titel „Maria – Mutter von der Immerwährenden Hilfe“ trägt. Diese Ikone verehre ich nicht zuletzt deswegen, weil die mütterliche Hilfe Mariens ein Impuls für uns Menschen ist, offene Augen, offene Ohren und hilfsbereite Hände für Menschen in Nöten zu haben. Der österreichische PerformanceKünstler André Heller hat vor einigen Jahren einmal das Mitgefühl als eine Völker und Nationen verbindende Weltmuttersprache bezeichnet. Ich glaube, die Mutter Jesu ist eine herausragende Lehrerin dieser besonderen Sprache. Pater Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
PERSONALIEN � Der letzte Grandseigneur unserer Volksgruppe
Reinfried Vogler 90 Blick in den leeren Plenarsaal des tschechischen Unterhauses.
� Prag
Frauen erhalten Wahlrecht Das Abgeordnetenhaus in Prag stimmte einer Gesetzesnovelle zu, die Frauen die Wahl zwischen männlicher oder weiblicher Form des Nachnamens erlaubt.
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schechische Frauen müssen „ová“ an ihren Familiennamen anhängen. Heißt der Mann Novak, heißen Frau und Töchter Novaková. Doch das könnte sich ändern. Für die Änderung stimmten 91 Abgeordnete, dagegen waren 33. Die zweite Kammer des Parlaments,
der Senat, muß noch zustimmen. Ausgenommen waren bisher nur Frauen, die einen Ausländer heiraten oder Angehörige der nationalen Minderheiten wie der deutschen Volksgruppe sind. Die frühere Justizministerin Helena Valková sprach von einem „Zeichen der Ungleichheit“ und einer in der heutigen Zeit absurden Regelung. Die Tschechen hängen das „ová“ sogar bei Ausländerinnen an. So wird aus Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Zeitungen Angela Merkelová.
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Am heutigen 2. Juli feiert Reinfried Vogler 90. Geburtstag. Sein Weg von der Wiege in Leipertitz im Kreis Nikolsburg in Südmähren bis zum erfolgreichen Juristen und brückenbauenden Landsmann im hessischen Kronberg war mitunter steinig. Dabei sei er, so Vogler, immer seinem selbstgewählten Kompaß gefolgt.
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einfried Vogler sieht aus wie ein Herr, spricht wie ein Herr, handelt wie ein Herr und bewegt sich wie ein Jugendlicher. Vergangene Woche lasen wir in dieser Zeitung ein großes Interview mit dem letzten Grandseigneur unserer Volksgruppe, der noch in der Heimat zur Welt kam. An seine Geburt erinnert er sich natürlich nicht. „Lebhaft und mit Vergnügen erinnere ich mich allerdings an den Kindergarten und die Volksschule. Vor allem an‘s Verkleiden im Fasching.“ Mit seinen Eltern Willibald und Marie Vogler sowie seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Edith zog Reinfried 1938 nach Lundenburg, wo sein Vater Schuldirektor wurde und seine Schwester Lieselotte 1939 zur Welt kommen sollte. Der Hausmeister der Schule war ein Tscheche. „Mit seinem Sohn habe ich immer gespielt.“ Sonntags flanierte man auf dem Marktplatz, um zu sehen und gesehen zu werden. Die Ferien verbrachte er bei den Großeltern in Leipertitz, wo er Traktorfahren lernte. „Großvater war technisch hochmodern ausgerüstet.“ Ein Schnellzug verband Lundenburg mit Wien, den die Familie gerne nutzte. Zum Beispiel zum Theater- oder Verwandtenbesuch. Reinfrieds Lieblings tante Lidwina Schottko, eine Schwester seines Vaters, lebte in Margareten, dem 5. Wiener Stadtbezirk. Der Vater hatte acht Geschwister. Da er weder Bauer noch Handwerker hatte werden
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und friedvolle Zukunft. In manchen Gremien tut er dies weiterhin. Zahlreich sind deshalb die Ehrungen, die ihm zuteil wurden. Besonders danke er seiner Frau Erika und der Familie, sagte Vogler einmal. In ihr finde er immer wieder aufs neue Kraft für sein öffentliches Wirken. Dem Dank schließen sich die Landsleute an und wünschen – nicht zuletzt zu ihrem eigenen Wohl –, daß diese Quelle noch lange nicht versiege. Möge sie das vornehme Wirken des Reinfried Vogler noch lange speisen. Nadira Hurnaus
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er Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, gratuliert Reinfried Vogler als einem herausragenden Weggefährten mit folgenden Worten: „Du bist der menschgewordene Mährische Ausgleich. Durch Klugheit, Standfestigkeit, diplomatische Geschicklichkeit und Liebenswürdigkeit ist es Dir seit Jahrzehnten in allen deinen Funktionen stets gelungen, gegensätzliche Positionen zu integrieren oder zumindest miteinander auszusöhnen. Sowohl in Deinen südmährischen Funktionen als auch in der Führungsspitze des Bundes der Vertriebenen, sowohl als Kulturreferent unserer Landsmannschaft als auch als Präsident unserer Bundesversammlung hast Du immer Überragendes geleistet und Maßstäbe gesetzt – menschlich, geistig, fachlich und politisch. Wir wünschen Dir zu Deinem Geburtstag weiterhin viel Erfolg, Glück, Gesundheit und Gottes reichen Segen. Auch künftig werden wir auf Deinen Rat zurückgreifen und Dich in deiner wichtigen Aufbauarbeit an der Spitze der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen nach Kräften unterstützen.“
Herbert Preisenhammer 85
Telefon _______________________________________________
Geburtsjahr, Heimatkreis ________________________________
scheks ist das nordböhmische Brüx. Dort war Erikas Großvater Hans Blaschek einst Generaldirektor der Brüxer Kohlenbergbau AG. 1963 begann Vogler in der Rechtsabteilung des Arbeitgeberverbandes des Saarlandes. Nun wohnten die Voglers in der grünen Mitte der Stadt Saarbrücken. Und Tochter Cordula kam zur Welt. 1969 begann der letzte und längste berufliche Teil. Bis 1980 leitete Vogler die Tarif- und Sozialabteilung der Arbeitsgemeinschaft Keramische Industrie in Frankfurt am Main. Dann war er bis zur Pensionierung 1996 Geschäftsführer dieses Verbandes. Mit dem Wechsel vom Saarland nach Hessen ging der Umzug von Saabrücken nach Kronberg im Taunus einher. Kronberg, seit 1966 staatlich anerkannter Luftkurort, gehört zur Stadtregion Frankfurt. Seitdem haben die Voglers ein Haus in der Höhenstraße. Gleich nebenan baute sich Tochter Cordula – mittlerweile Vogler-Thiele – ein Haus. 2003 kam Vogler-Enkelin Annina zur Welt. Annina steigt in Großvaters Fußstapfen und studiert in Passau Jura. Ob sie in den Semsterferien ebenfalls Autos zusammenschraubt, ist unbekannt. Vom Beruf entbunden, übernahm er zahlreiche Ehrenämter, so in der gesetzlichen Sozialversicherung für die keramische Industrie, im Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und nach der Wiedervereinigung als Vorstandsvorsitzender eines Trägervereins für den Aufbau einer Klinik für Berufskrankheiten in Sachsen. Seit 1951 ist er SL-Mitglied. Er gab in allen wichtigen sudetendeutschen und vertriebenenpolitischen Gremien die wegweisenden Impulse für eine fruchtbare
� Musik-Tausendsassa aus dem Kuhländchen
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wollen, ging er nach Wien und lernte Lehrer. Ebenfalls in Wien spendete Erzbischof Franz Kardinal König Reinfried Vogler das Sakrament der Firmung. Im Interview der vergangenen Woche lesen wir von den letzten Tagen in der Heimat, von der Evakuierung nach Österreich und von Vater Voglers Schicksal als Soldat und russischer Kriegsgefangener. Willibald Vogler hatte bereits im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient. Nach 1918 mußte er zum tschechoslowakischen Militär, und 1940 zog die Deutsche Wehrmacht den 40jährigen zur Luftwaffe ein. Und wir lesen, daß Voglers Vater seinen Sohn über die österreichisch-deutsche Grenze zu sich ins württembergische Heilbronn geschmuggelt habe, damit Reinfried rechtzeitig in die Abi turklasse kommen könne. Interessant ist der Ort des Grenzübertritts: das Purtschellerhaus. Es liegt auf 1692 Metern Höhe auf der Nordseite des Hohen Gölls zwischen Salzburg und Berchtesgaden. Direkt durch die Hütte, die 1900 eingeweiht wurde, verläuft die Staatsgrenze zwischen dem Salzburger Land und Bayern. Da die Alliierten keinen Grenzverkehr zwischen Österreich und Deutschland gestatteten, konnten sich „Getrennte“ nur in der Hütte legal treffen. Und Willibald Vogler seinen Reinfried in die Amerikanische Besatzungszone bringen. Der Rest der Familie folgte mit einer offiziellen USA-Erlaubnis. Während seiner Semsterferien schraubte der Jurastudent Vogler in Heilbronn NSU-Fiat-Autos zusammen. Eine Erfahrung, die ihm später zugute kommen sollte. „Mir konnte in der Industrie keiner was vormachen, weil ich wußte, wie es wirklich ist.“ 1962 – Vogler war inzwischen Rechtsanwalt – heiratete er die acht Jahre jüngere Erika Blaschek. Die Heimat der Bla-
Am 7. Juli feiert Herbert Preisenhammer, Musik-Tausendsassa aus dem Kuhländchen, in Stuttgart 85. Geburtstag.
I
m Jahr 2000 schrieb der mittlerweile verstorbene Torsten Fuchs: „Wie berichtete der Leipziger Thomaskantor 1730 an seinen Jugendfreund Georg Erdmann nach Danzig, seine familiäre Situation beschreibend: ,Insgesamt aber sind sie [die Kinder] gebohrne Musici, u. kann versichern, daß schon ein Concert Vokaliter u. Instrumentaliter mit meiner Familie formiren kann.‘ Ein geborener Musici ist Preisenhammer allemal, und ein Hauskonzert bringt er jederzeit zusammen mit seiner Frau, den drei Kindern sowie einigen Enkelkindern. Daß die Musik das Preisenhammersche Leben bestimmt, kommt nicht von ungefähr. Seine Mutter, eine ausgebildete Sängerin, unterrichtete den Sechsjährigen im Klavierspiel, später kam die Geige hinzu. Die Tasteninstrumente führten ihn dann direkt zur kirchenmusikalischen Praxis als Organist.“ Herbert Preisenhammer war zwar in Witkowitz bei Mährisch Ostrau zur Welt gekommen, wuchs aber in Neutischein im Kuhländchen auf. Vater Adolf und Mutter Thekla waren Mitglieder des sudetendeutschen
Wandervogels und hatten 1923 an der ersten Singwoche in Finkenstein im Schönhengstgau Walther und Olga Hensel kennengelernt. Das sollte sich auf Herberts späteren Lebensweg auswirken. In einer Nacht- und Nebelaktion wollten tschechische Partisanen im Juli 1945 den neunjährigen Herbert mit den Brüdern Wolfgang und Helmut und ihrer Mutter vertreiben, scheiterten aber an der verriegelten Haustür. Ein knappes Jahr hatten sie gewonnen. Im März 1946 schlug das Vertreibungsschicksal zu, und die Familie strandete in Winnenden 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart. Die elterliche Bekanntschaft mit den Hensels und die Begegnungen mit Walther Hensel auf Singwochen g sowie im Elternhaus prägten Herbert, der bereits als 16jähriger Organist in der katholischen Kirche in Winnenden war. Er studierte Kirchen- und Schulmusik bei Anton Heiller, Hans Swarowsky, Ernst Tittel, Karl-Michael Komma und Karl Marx in Wien, Stuttgart und Saarbrüc ken. Dann wurde er Lehrer am Elly-Heuß-Knapp-Gymnasium in Stuttgart, das sein neues Zuhause wurde. Fuchs: „Das herausragende Verdienst Herbert Preisenhammers vor dem Hintergrund su-
detendeutscher Musikkultur besteht ohne Zweifel darin, daß er es sich zum Anliegen gemacht hat, die Impulse, die von Walther Hensels Singbewegung im Kontext zur Jugendmusikbewegung um Fritz Jöde ausgingen, weiterzutragen und in all ihrer Vielfalt in die pädagogische und musikpraktische Arbeit einzubeziehen. Dahinter steht eine künstlerische Konzeption, die Traditionsbewußtsein mit künstlerischem Neuerertum verbindet, die sinngebend wirken will und auf menschliches Miteinander gerichtet ist, die ethische und ästhetische Ansprüche formuliert.“ Seit 1957 ist er Chorleiter und Singreferent bei der Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden-Württemberg, gestaltet musische Wochen und seit 1971 das Stuttgarter Advents-Singen. 2020 allerdings nicht, heuer entscheidet erneut Corona. 55 Jahre zuvor hatte der Kuhländler Herbert Preisenhammer die Schönhengsterin Hannelore Schwalb geheiratet. Diese schenkte ihm drei Töchter. Und diese Töchter schenkten ihren Elten sieben Enkel. Preisenhammer bearbeitete hunderte Volkslieder mehrstimmig, komponierte Chorlieder, spielte Volkstänze aus dem Kuhländchen, aus Schlesien, Ostpreußen und Württemberg ein und machte CDs vom Stuttgarter Advents-Singen. Seit
1967 gestaltet er Singwochen der Walther-Hensel-Gesellschaft, seit 1981 ist er ihr Vorsitzender. Auch Volksgruppensprecher Bernd Posselt beglückwünscht den Jubilar, dem er seit langem sehr verbunden ist: „Herbert Preisenhammer ist nicht nur ein hervorragender Musiker und ein begnadeter Pädagoge, sondern auch ein hervorragender Pädagoge und ein begnadeter Musiker. Als Lehrmeister hat er es immer geschafft, seine Familie, sein berufliches Umfeld und unsere ganze Volksgruppe in jenen Schwung zu versetzen, der mitreißt und Freude vermittelt. Sein Musizieren und seine Musik sind klingende Heimat. Dafür danke ich ihm von Herzen und wünsche ihm für die Zukunft weiterhin alles Beste.“ Seit dem Jahr 2000 ist Preisenhammer Träger des Sudetendeutschen Kulturpreises. 2010, elf Jahre nach seiner Pensionierung 1999, zeichnete die SL ihn mit ihrem Volkstums preis aus, denn er hatte sich nicht zur Ruhe gesetzt. Bis Corona organisierte und leitete er weit mehr als 100 Singwochen in Deutschland, Österreich, Südtirol, Schlesien, Ungarn, Siebenbürgen, in der Gottschee in Slowenien, der Slowakei und der Tschechischen Republik. Ein Ende ist jenseits von Corona nicht in Sicht. Dafür gebe ihm der liebe Gott Kraft und seinen Segen. Nadira Hurnaus
SUDETENDEUTSCHER TAG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
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Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli in München
Sudetendeutscher Tag: Das Wiedersehen mit unseren Landsleuten
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ie Entscheidung des Bundesvorstandes, den Sudetendeutschen Tag von Pfingsten auf das lange Wochenende von Freitag, 16. bis Sonntag 18. Juli zu verlegen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Während an Pfingsten noch Corona-Inzidenzen im dreistelligen Bereich jedes öffentliche Zusammentreffen unmöglich gemacht haben, liegen die Inzidenzzahlen derzeit im einstelli-
gen Bereich. Nach den aktuellen Corona-Regeln können somit 500 Landsleute bei den zentralen Veranstaltungen in der Philharmonie im Gasteig dabei sein. Ein aktueller Coronatest oder ein Impfnachweis sind derzeit nicht erforderlich, aber das Tragen einer FFP2-Maske ist verpflichtend. Politischer Höhepunkt des Sudetendeutschen Tages ist die Verleihung des Europäischen Karls-Preises an den ehemaligen tschechischen Kulturminister Daniel Herman mit einer Festrede von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder. Herman habe sich als „christlicher Brückenbauer und Versöhner wie kaum ein anderer“ verdient gemacht, erklärt der Sprecher der Sudetendeutschen
Volksgruppe, Bernd Posselt. Als erstes tschechisches Regierungsmitglied hatte Herman 2016 auf dem Sudetendeutschen Tag die offizielle Festrede gehalten, was zuvor im politischen Prag jahrzehntelang als absolutes Tabu galt. Erst im vergangenen September war Herman für sein nachhaltiges Engagement für die deutsch-tschechische Aussöhnung mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Sudetendeutsche Tag wird gefördert vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
So sind Sie dabei
Sudeten.de
Bayerisches Fernsehen
Es wird ein besonderer Sudetendeutscher Tag. Nicht an Pfingsten, nicht wie ursprünglich geplant in Hof, sondern in München, nicht mit allen Veranstaltungen, die sonst dieses besondere Treffen ausmachen, aber mit vielen Landsleuten, die sich für den 71. Sudetendeutschen Tag anmelden.
Anmeldung
A
uf Grund der aktuellen Coronavorschriften ist eine Teilnahme am Sudetendeutschen Tag nur per Anmeldung möglich. eMail mit den Kontaktdaten an: info@sudetendeutscher-tag.de.
Livestream
Sondersendung
uch im Internet findet der Sudetendeutsche Tag statt. Nähere Informationen und die entsprechenden YouTube-Links von Livestream-Veranstaltungen auf www.sudeten.de.
Das Bayerische Fernsehen wird über den 71. Sudetendeutschen Tag in München im Rahmen einer Sondersendung berichten. Die Sendezeit: Sonntag, 18. Juli, 23.30 bis 23.45 Uhr.
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Am Samstag Abend steht der Sudetendeutsche Volkstumsabend im Kulturzentrum Gasteig auf dem Programm.
Freitag, Samstag und Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr
Sudetendeutsches Museum ist geöffnet Das im Oktober 2020 eröffnete Sudetendeutsche Museum direkt neben dem Sudetendeutschen Haus ist das erste Landesmuseum der Sudetendeutschen und damit ein zentraler Ort des Erinnerns und Verstehens.
U
nter dem Leitbegriff „Heimat“ erzählt das Museum die Geschichte der Menschen in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. Die Dauerausstellung spannt dabei einen Bogen über 1000 Jahre, dargestellt in rund 1000 Objekten auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
Rund um das Sudetendeutsche Haus in München
Veranstaltungsorte Die Veranstaltungsorte des Sudetendeutschen Tages befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sudetendeutschen Haus.
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erade für Gäste von außerhalb empfiehlt sich die Anreise mit der Bahn. Der Ost-
bahnhof ist nur eine S-Bahnstation vom Rosenheimer Platz entfernt. Die Kirche St. Michael, wo am Samstag der Gottesdienst stattfindet, befindet sich in der Münchner Fußgängerzone, die am besten mit der S-Bahn erreichbar ist. Halt ist Marienplatz oder Stachus.
„So geht Verständigung“
Das Sudetendeutsche Museum ist an allen drei Tagen geöffnet.
Foto: Sudetendeutsches Museum
Im Rahmen des Sudetendeutschen Tages wird außerdem die Ausstellung „So geht Verständigung – dorozumění“ auf der Alfred-Kubin-Galerie im Sudetendeutsches Haus gezeigt. Initiiert hatte die Ausstellung der Sudetendeutsche Rat.
SUDETENDEUTSCHER TAG – DAS FESTPROGRAMM AM FREITAG Freitag, 14.00 bis 17.00 Uhr, Philharmonie im Gasteig
Verleihung der Sudetendeutschen Kultur- und Förderpreise Mit einer Festrede von Bayerns Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner wird die Verleihung der Prof. Dr. Herbert Sudetendeutschen Kul- Zeman tur- und Förderpreise sowie des Sudetendeutschen Volkstumspreises im Gasteig umrahmt.
N
Ministerin Carolina Trautner
ach der Begrüßung durch Ortfried Kotzian, Vorsitzender des Vorstandes der Sudetendeutschen Stiftung, und der Festrede der Ministerin werden
Christine Rösch
Miloš Bělohlávek
die Preise vom Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, und dem SL-Bundeskulturreferenten, Wolf-Dieter Hamperl, übergeben. Die Moderation hat Iris Marie Kotzian übernommen, für die musikalische Gestaltung sorgen die Gersthofer Blasharmoniker.
Georg Köstler
Julian Klötzl
Den Großen Sudetendeutschen Kulturpreis 2021 erhält Prof. Dr. Herbert Zeman für sein Lebenswerk.
Die weiteren Preisträger:
• Preis für sudetendeutsche Heimat- und Volkstumspflege: Christine Rösch
Marius Hammerschmied
Georg Michael Grau
• Kultureller Förderpreis für Publizistik: Miloš Bělohlávek • Kultureller Förderpreis für Wissenschaft: Gregor Köstler • Kultureller Förderpreis für Publizistik: Julian Klötzl • Kultureller Förderpreis für Volkstumspflege: Marius Hammerschmied
Myriam Geßendorfer
Prof. Dr. Franz Effenberger
• Sudetendeutscher Kulturpreis für Musik und Darstellende Kunst: Georg Michael Grau • Kultureller Förderpreis für Musik und Darstellende Kunst: Myriam Geßendorfer • Sudetendeutscher Kulturpreis für Wissenschaft: Prof. Dr. Franz Effenberger
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SUDETENDEUTSCHER TAG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2.7.2021
SUDETENDEUTSCHER TAG – DAS FESTPROGRAMM AM SAMSTAG Samstag, 10.00 bis 11.30 Uhr
Heilige Messe in St. Michael
In der St.-Michael-Kirche in der Münchner Fußgängerzone (Kaufinger-
S.E. Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg
straße) findet die traditionelle Heilige Messe statt.
E
s zelebrieren: S.E. Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, und weitere Heimatpriester. Im Rahmen der Heiligen Messe in St. Michael wird auch der Toten gedacht.
Die zwischen 1583 und 1597 errichtete Jesuitenkirche ist nach dem Erzengel Michael benannt.
Foto: Fricke
Samstag, 14.00 bis 16.30 Uhr, Philharmonie im Gasteig
Festakt mit der Verleihung des Europäischen Karls-Preises
Festakt im Gasteig für den früheren tschechischen Kulturminister Daniel Herman, der den Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft überreicht bekommt.
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er 58Jährige habe sich als „christlicher Brückenbauer und Versöhner wie kaum ein anderer“ verdient gemacht, begründet der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, die Würdigung. Bei dem Festakt werden zunächst Steffen Hörtler, Landesobmann der SL Bayern, Katrin Habenschaden, Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, und Stephan Mayer, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Grußworte sprechen. Es folgt Mario Hierhager als Vorsitzen-
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Wird mit dem Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft geehrt: Der ehemalige tschechische Kulturminister Daniel Herman.
Volksgruppensprecher Bernd Posselt.
der der SdJ – Jugend für Mitteleuropa, und die Ansprache des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bevor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen die Festansprache hält. Nach der Verleihung wird der neue Karls-Preisträger Daniel Herman ans Rednerpult treten. Für die musikalische Gestaltung des Festaktes sorgt die Gartenberger Bunkerblasmusik.
Die Medaille des Europäischen Karls-Preises der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
Samstag, 19.00 bis 21.00 Uhr, Philharmonie im Gasteig
Sudetendeutscher Volkstumsabend be Klavier gespielt und, sagen wir, der Sopran hat dazu gesungen. Dann kam der Baß dran, und so weiter.“ Hinzu kamen die technischen Probleme, so Hamrücken schlagen von der Ver- merschmied: „Der Ton kam imgangenheit über die Gegen- mer etwa eine halbe Sekunde wart in die Zukunft, von einem zeitverzögert bei mir an. Es gab Land zum anderen: Darum geht oft Systemabstürze, und polyfoes beim traditionellen Sudeten- ne Tonsätze sind gar nicht mögdeutschen Volkstumsabend. lich.“ Auch wenn der Kampf gegen Hammerschmied, der auch die Corona-Pandemie weiterhin Mitglied der Sudetendeutschen zu EinschränkunBundesversammgen führt, wird auch lung ist, wurde am in diesem Jahr Re10. November 1967 gisseur und Modein Falkenau an der rator Roland HamEger geboren und merschmied für eiist seit frühester Junen Abend mit gend musikalisch vielen besonderen aktiv. Momenten sorgen. Von 1998 bis 2014 Sieben sudetenwar er Sänger und deutsche Gruppen Solist im Münchwerden vor den Gäner Rock- und Jazzsten auf der BühChor VoicesIn ne stehen. Zugesagt Time, mit dem er haben: Egerland- Roland Hammerschmied den 1. Preis beim Jugend Stuttgart Deutschen Chorund Geretsried, Egerländer Fa- wettbewerb 2006 in Kiel in der milienmusik Hess, Gartenber- Jazz-Kategorie gewann. ger Bunkerblasmusik, Stefanie Seine musikalische Vielseiund Elisabeth Januschko, Mora- tigkeit zeigt sich auch durch die via Cantat, Schönhengster Volks- Leitung der Gartenberger Buntanzgruppe und Die Wischauer. kerblasmusik sowie der verschieWie schwer es war, trotz der denen Gesangs- und TanzgrupPandemie regelmäßig zu pro- pen der Egerländer Gmoi Geben, erzählte Roland Hammer- retsried. schmied unlängst in einem InterIn Anerkennung für sein Engaview mit dem Münchner Merkur: gement bekam Hammerschmied „Wir haben angefangen, per Vi- 2011 den Kulturpreis der Stadt deoschaltung zu proben. Ich ha- Geretsried verliehen. Endlich wieder Kultur: In der Philharmonie im Gasteig findet der Sudetendeutsche Volkstumsabend statt.
B Moravia Cantat
Schönhengster Volkstanzgruppe
Stefanie und Elisabeth Januschko
Gartenberger Bunkerblasmusik
Egerländer Familienmusik Hess
Die Wischauer
Egerland-Jugend Stuttgart und Geretsried
SUDETENDEUTSCHER TAG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
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SUDETENDEUTSCHER TAG – DAS FESTPROGRAMM AM SONNTAG Sonntag, 11.30 bis 12.15 Uhr, Sudetendeutsches Haus
SdJ 2035: Was kommt nach der Enkelgeneration?
Spannendes Diskussionsthema für junge und ältere sudetendeutsche Landsleute.
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ario Hierhager, Vorsitzender der SdJ – Jugend für Mitteleuropa, diskutiert mit dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, über „SdJ 2035: Was kommt nach der
Enkelgeneration?“ Junge Menschen in der SdJ und in ihren Verbänden gehören weitestgehend der sogenannten „Enkelgeneration“ an. Viele hatten die Möglichkeit, persönlich mit ihren Großeltern über Flucht und Vertreibung zu sprechen und daraus ihre eigenen Lehren zu ziehen. Viele
Nachfahren konnten dies aber auch nicht. In den Verbänden zeigt sich schon länger, daß zunehmend Jugendliche aktiv sind und werden, die keinen Vertriebenenhintergrund in der Familie haben, jedoch genauso beherzt in den unterschiedlichen Bereichen ihre ehrenamtliche Tätigkeit an-
Sonntag, 9.00 bis 9.45 Uhr, Sudetendeutsches Haus
gehen. Dies ist höchst erfreulich, es bringt aber auch bedeutsame Veränderungen mit sich. Mit Blick auf die Zukunft stellt sich daher die Frage, was nach der aktuellen Enkelgeneration kommt und wie die Weichen in der Jugendarbeit gestellt werden müssen. Anmeldung per eMail an info@sudetendeutscher-tag.de
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er am 2. September 1919 den österreichischen Delegierten übergebene Vertrag wurde am 10. September 1919 im Schloß Saint-Germain-en-Laye unterzeichnet und bestätigte die Auflösung Österreich-Ungarns auch völkerrechtlich. Das bis dahin zweitgrößte Land Europas mußte mit Südtirol und Böhmen auch Gebiete abtreten, die mehrheitlich von Deutschen bewohnt waren. Bei allem Verdruß der Öster-
Prof. Dr. Arnold Suppan reicher über den oktroyierten Vertrag wurde der Friede von Saint-Germain aber nie zu einem
solchen Trauma, wie es der Friede von Versailles für die Deutschen war. Zum einen war die Habsburger Monarchie bereits zerfallen, zum anderen blieben Österreich die Reparationen erspart. Welche Bedeutung der Vertrag für die Sudetendeutschen hat, darüber spricht Prof. Dr. Arnold Suppan von der Universität Wien. Gastgeber sind die Akademie Mitteleuropa, der Arbeitskreis Sudetendeutscher Akademiker und das Sudetendeutsche Sozial- und Bildungswerk mit dem Heiligenhof. Anmeldung per eMail an info@ sudetendeutscher-tag.de
Sonntag, 10.30 Uhr, Haus des Deutschen Ostens
Identitäten der Deutschen aus dem östlichen Europa „Wer bin ich?“ – die Frage nach der eigenen Identität stellt sich für jeden Menschen im Laufe seines Lebens immer wieder. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle – die Herkunft, die Sprache, die Religion und das, was man als „Heimat“ ansieht.
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ie HDO-Ausstellung „Wer bin Ich? Wer sind Wir?“ fragt nach Identitäten von Deutschen aus dem östlichen Europa. Es geht der Ausstellung dabei um Dialekte, um Bräuche und Traditionen, um Kleidung, um heimatliche Gerichte, um religiöse Besonderheiten wie die schlesische Liturgie sowie um Heimat
Mulo Francel, dessen Vater aus Teplitz-Schönau stammte, hat mittlerweile in der Musikszene einen großen Namen.
und prägende Geschichtsereignisse, wie die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. An-
meldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de
Die Sozialdemokratie in Tschechien und Mitteleuropa „Die Sozialdemokratie in Tschechien und Mitteleuropa. Herausforderungen für das 21. Jahrhundert“, lautet der Titel einer Veranstaltung, zu der die Seliger-Gemeinde einlädt.
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Begnadeter Musiker mit böhmischen Wurzeln: Mulo Francel
Sonntag, 12.45 bis 13.30 Uhr, Sudetendeutsches Haus
Paul Gebauer: Modernismus versus Heimatkunst
Kunsthistorikerin Anna Habánová
Die Frage „Wer sind wir?“ thematisiert die Ausstellung im Haus des Ostens.
Sonntag, 10.15 bis 11.00 Uhr, Sudetendeutsches Haus
HDO-Jubiläumskonzert mit Mulo Francel and Friends rancels Mutter war Lehrerin an der Dorfschule unweit des Chiemsees und unmusikalisch. In früher Jugend stibitzte der Bub Platten aus der Jazz-Sammlung seines früh verstorbenen Vaters und zupfte auf einer alten Gitarre zu dieser Musik. Von seinem ersten Ersparten kaufte er sich mit 16 Jahren ein Saxophon. Danach ging es Schlag auf Schlag. Mit der Gruppe Quadro Nuevo stand Francel bereits 3000mal auf der Bühne. 2010 und 2011 erhielt Quadro Nuevo den ECHO Jazz für den besten Live-Act. Gezeigt wird die Aufzeichnung des Konzertes, das Mulo Francel mit befreundeten Musikern zum 50. Jubiläum des HDO gegeben hatte. Anmeldung: Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de.
Bernd Posselt
Sonntag, 10.00 bis 18.00 Uhr, Haus des Deutschen Ostens
Der Vertrag von Saint-Germain 1919 und die Sudetendeutschen Der Vertrag von Saint-Germain besiegelte nach dem Ersten Weltkrieg das Ende Österreichs als europäische Großmacht.
Mario Hierhager
ls Juniorpartner tragen die Sozialdemokraten in Prag Regierungsverantwortung, doch die Meinungsumfragen im Vorfeld der Parlamentswahlen, die Anfang Oktober stattfinden, sind verheerend. Mit aktuell 4,7 Prozent liegt die ČSSD sogar unter der FünfProzent-Hürde und muß um den Einzug in das Parlament bangen. Ein Grund ist die parteiinterne Zerstrittenheit. So wurde der geschätzte Hoffnungsträger Tomáš Petříček von seinem eigenen Parteichef Jan Hamáček aus dem Amt des Außenministers gedrängt (Sudetendeutsche Zeitung berichtete) und jetzt auch von einem aussichtsreichen Listenplatz gestrichen.
Sonntag, 14.00 bis 14.45 Uhr, Sudetendeutsches Haus
Neue Erkenntnisse über Josef Kardinal Beran
Dr. Libor Rouček
Christa Naaß
Vor seinem Regierungsamt war Petříček von 2007 bis 2009 Assistent des damaligen Europaabgeordneten Libor Rouček, der mit Christa Naaß, langjährige SPD-Abgeordnete im Bayerischen Landtag, Präsidiumsmitglied der Seliger-Gemeinde und Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung,
über die Sozialdemokratie diskutiert. Libor Rouček, der bis 2014 Mitglied des Europaparlaments war, engagiert sich im DeutschTschechischen Gesprächsforum. Zudem ist er Vorsitzender des tschechischen Verbandes der Union der Europäischen Föderalisten. Anmeldung per eMail an: info@sudetendeutscher-tag.de.
Sonntag, 14.30 Uhr, Haus des Deutschen Ostens
Jude? Deutscher? Tscheche? Komponist Hans Winterberg
Erinnerungen an den Künstler Paul Gebauer.
Erinnerungen an Josef Kardianal Beran.
Erinnerungen an den Komponisten Hans Winterberg.
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tokar-Fischer-Preisträgerin Anna Habánová spricht über Paul Gebauer (1888 Zossen – 1951 Hamburg), der die Generation der deutschsprachigen Maler der 1920er und 1930er Jahre in der Tschechoslowakei repräsentiert und als Vertreter der Neuen Sachlichkeit seiner Heimat eng verbunden war. Seine Bilder rufen bis heute emotionale Reaktionen hervor. Anmeldung: https://eveeno.com/ habanova-paul-gebauer.
Denkmal für Josef Kardinal Beran
atthias Dörr, Bundesgeschäftsführer der Ackermann-Gemeinde, Historiker Dr. Jaroslav Šebek, Tschechische Akademie der Wissenschaften, und Manfred Heerdegen aus dem Ackermann-Bundesvorstand, würdigen den großen Christen, der von den Nazis ins KZ gesperrt und von den Kommunisten ins Exil gedrängt worden war. Anmeldung: eMail info@ackermann-gemeinde.de oder Telefon (0 89) 2 72 94 20.
Hans Winterberg
ezeigt wird die Video-Aufzeichnung eines Gesprächskonzerts vom März 2021. Moderiert von Prof. Dr. Andreas Otto Weber vom Haus des Deutschen Ostens erinnern Pianistin Brigitte Helbig, Prof. Dr. Gerold Gruber (Exilarte, Wien) und Peter Kreitmeir (Enkel Winterbergs) an den großen jüdischen Komponisten. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de.
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KULTUR
Jaroslav Rudiš
Monika Czernin
Hans Kratzer
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
Helga Schubert
Nicolas Mahler
� Literaturfest München: Sommeredition
Hinterpommern und Habsburgerreich Das Literaturhaus München veranstaltete die Sommeredition seines Literaturfestes live und online. Unter den teilnehmenden Autoren waren auch Schriftsteller, die aus dem Deutschen Osten stammen oder sich inhaltlich damit beschäftigen wie Helga Schubert mit „Vom Aufstehen“, Monika Czernin mit „Der Kaiser reist inkognito“ und Jaroslav Rudiš mit „Nachtgestalten“.
I
ch war ein Kriegs- und Flüchtlingskind“, erzählt Helga Schubert. Ihre Mutter sei mit ihr als Vierjähriger nach dem Tod des Vaters zu den Großeltern nach Groß Tychow im Kreis Belgard in Hinterpommern gezogen. Sie seien jedoch nach Kriegsende nach Westen vertrieben worden. „Ihr ganzes Leben lang erzählte meine Mutter von dieser Flucht, auf der sie zu Fuß mit mir zu ihren Schwiegereltern nach Greifswald treckte“, so die ehemalige Psychologin, die bald zur Schriftstellerin wurde. Ihre Mutter, die mit 101 Jahren starb, und auch andere Familienmitglieder tauchen mehrfach auf in der autobiografischen Erzählungssammlung „Vom Aufstehen“, aus der Helga Schubert liest. Mit der letzten Erzählung „Vom Aufste-
hen“ über das Leben und Sterben ihrer Mutter war die 80jährige zur Siegerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2020 geworden. Vor 40 Jahren war sie schon einmal nach Klagenfurt eingeladen, von der „DDR“ jedoch an der Ausreise gehindert worden. Stets haderte sie mit dem System des Staates. „Ich war immer eine Spottdrossel und stolz darauf!“ Mehr als zehn Jahre lang stand Helga Schubert unter Beobachtung der Stasi. Die Sehnsucht nach Freiheit schildert sie etwa in der Geschichte „Das eingelöste Versprechen“, in der dafür metaphorisch die Fähren an der Ostsee oder Spargel für jedermann stehen. Die zwölf Erzählungen sind poetische Schlaglichter, die erstaunlich komplex strukturiert und dennoch leicht lesbar sind, wie ihre Kostproben „Mein Winter“, „Das Altsein“ und „Mein idealer Ort“ im Literaturhaus zeigen. „Besonders freue ich mich, daß mein Buch demnächst übersetzt in Südkorea erscheinen soll“, erklärt die Autorin. „Denn von dort werden solche Bücher nach Nordkorea geschmuggelt.“
D
ie Sehnsucht nach Befreiung von Leibeigenschaft und Abschaffung von Zwangsdeportation ist ein Thema in dem groß-
artigen historischen Buch „Der Kaiser reist inkognito“. Die österreichische Filmemacherin und Autorin Monika Czernin, deren Urgroßtante Nora Gräfin Kinsky war, schildert darin die gigantischen Reisen, die Kaiser Joseph II., der Sohn Maria Theresias, durch die Habsburger Lande und teilweise durch das Römische Reich deutscher Nation unternahm, wo er regierte. Zehn dieser Reisen, die insgesamt 50 000 Kilometer abdeckten, stellt die Autorin detailliert dar, immer basierend auf den von ihr akribisch recherchierten Fakten. „Nichts ist erfunden“, betont sie gegenüber Moderator Hans Pleschinski, der selbst eine Biographie über Gerhart Hauptmann verfaßte. „Joseph II. hat ein Viertel seiner Regierungszeit unterwegs verbracht.“ Er habe keine Prunkbesuche gewollt, sondern sei oft unter dem Pseudonym Graf von Falkenstein mit wenigen Begleitern, meist zu Pferd und auch mit Zelt als Behausung, gereist. Der Kaiser nimmt dort alles selbst in Augenschein, spricht mit den Einheimischen und nimmt Bittschriften entgegen. Die vielen Einzelheiten stammen aus Tagebuchaufzeichnungen Josephs II., aus seinen Briefwechseln mit Mutter Maria The-
BR-Redakteur Niels Beintker befragt als Moderator Schriftsteller Jaroslav Rudiš und Künstler Nicolas Mahler nach der Entstehung ihres gemeinsamen Werks „Nachtgestalten“.
„SZ“-Redakteur Hans Kratzer und Fotograf Sebastian Beck stellen „Zeitlang“ vor. Ihre Ausstellung mit Bildband führt an die Grenzen Bayerns, darunter auch an die Grenze zu Böhmen wie unten auf dem Foto vom Böhmerwald.
Die BR-Journalistin Marie Schöß spricht mit Helga Schubert über deren Bestseller „Vom Aufstehen“. Unten: Hans Pleschinski interviewt Monika Czernin über ihr Buch „Der Kaiser reist inkognito“.
resia und weiteren Kontakten und aus schriftlichen Berichten, die er nach Wien schickte. Einige Beispiele im Buch sind die Expeditionen 1768 ins Banat und in die Walachei, 1769 nach Neisse und 1773 nach Siebenbürgen und Galizien, von denen Czernin anschaulich und packend berichtet. „Mich selbst hat wohl am stärksten die Reise 1771 nach Böhmen beeindruckt, wohin Joseph II. wegen einer Hungersnot mit 250 000 Toten fuhr“, so Czernin. Wegen einer Mißernte habe es große Not gegeben. Davon seien mittelböhmische Dörfer mit freien Bauern wie Chotoschitz viel weniger betroffen gewesen als diejenigen mit Leibeigenschaft wie Tschaslau, wie der Kaiser schnell bemerkt habe. Das Robot-System, das Frondienste für die Grundherren bedeutet habe, habe die Untertanen total ausgebeutet und die Bauern an ertragreicher Arbeit gehindert. Schon Jahre zuvor habe Joseph II. sich in den Verliesen der Festung Spielberg in Brünn in Ketten legen lassen: Er habe testen wollen, ob eine derartige Kerkerhaft eine sinnvolle Strafe sei und der Rehabilitierung dienen könne, was nicht der Fall gewesen sei. Mit Reformen dieser Mißstände habe sich Jo seph II. lebenslang beschäftigt, sei jedoch teilweise gescheitert.
V
om Scheitern wissen auch die „Helden“ in der Graphic Novel des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš und des Wiener Cartoonisten Nicolas Mahler zu erzählen: Ihre „Nachtgestalten“ sind ein merkwürdiges, rührendes Duo. Der große, dünne Melancholiker ist ein studierter Historiker, sein kleiner, stämmiger Kompagnon ein passionierter Bahnfahrer. Die beiden ziehen durch das nächtliche Prag und führen (in Sprechblasen) tiefsinnige und lakonisch-komische Gespräche. Da geht es um Ex-
Geliebte, die ideale Partnerschaft – wie die Wisente in Masuren sie vorleben –, die Freuden des Flanierens und Bergsteigens. Außer den beiden Figuren sieht man nur gelegentlich einen anderen Biertrinker oder Wirt, der seine Rolladen herunter läßt, so daß das Duo weiterziehen muß. Bis auf helle Fenster und den großen Vollmond ist alles dunkel um die Nachtgestalten. Klar erkennbar sind die HauptfiguHelga Schubert: „Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten“. dtv, München 2021; 224 Seiten, 22 Euro. (ISBN 978-3-423-28278-9) Monika Czernin: „Der Kaiser reist inkognito – Joseph II. und das Europa der Aufklärung“. Penguin Verlag, München 2021; 384 Seiten, 22,70 Euro. (ISBN 9783-328-60057-2) Jaroslav Rudiš/Nicolas Mahler: „Nachtgestalten“. Luchterhand Verlag, München 2021; 144 Seiten, 144 Abbildungen von Nicolas Mahler, 18 Euro. (ISBN 9783-630-87638-2) Hans Kratzer/Sebastian Beck: „Zeitlang“. Süddeutsche Zeitung Edition, München 2018, 208 Seiten, 28 Euro. (ISBN 978-3-86497489-2) ren Nicolas Mahler und Jaroslav Rudiš, autobiographische Elemente sind nicht ausgeschlossen. Im Literaturhaus schildern die beiden, befragt von Moderator Niels Beintker, die Entstehung des gemeinsamen Buches. Neben eigenen habe er auch manche Geschichten von Freunden oder vom Zeichner Mahler als Basis genommen, erzählt Rudiš, der Autor von „Nachtgestalten“. Der „Szenarist“, wie Mahler seine Tätigkeit gerne nennt,
erläutert, wie seine Bilder zu den Geschichten zu Stande kamen, und illustriert das mit Fotos in einem eingespielten Video. „Jaroslav schickt mir einen Text und ich kürze zuerst“, zeigt er anhand von Manuskriptseiten. Dabei müsse er sich auch immer mit Rudiš abstimmen. „Das ist oft ein Feilschen um einzelne Worte“, betont Mahler. Dazu träfen sich beide auch immer wieder in „Beisln“, beispielsweise in ihrem Wiener Stammlokal, der Gastwirtschaft „Steman“ an der Königseggasse im sechsten Bezirk, natürlich zu Schmankerln und Bier. Nach den Textkürzungen zeichne er kleine Entwürfe der Szenen und teile die Dialoge in Sprechblasen auf. „Das ist eine Mischung aus Kürzen, Bildfindung und Segmentierung“, faßt Mahler zusammen. Seine Zeichnungen mache er von Hand mit Bleistift und später mit Tusche auf Papier. Auch das „Lettering“ – also das Einfügen der Dialoge in die Sprechblasen – mache er von Hand. Gelesen wird auch aus dem Comic, während die Bilder im Hintergrund laufen.
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ilder sind auch Thema des Buches „Zeitlang“ zur gleichnamigen Foto-Ausstellung von „SZ“-Kulturredakteur Hans Kratzer und Fotograf Sebastian Beck, die soeben im Literaturhaus zu Ende geht. Fünf Jahre lang waren beide unterwegs und haben die Ränder Bayerns besucht. Ihre Bilder und Texte zeigen ein Bayern jenseits touristischer Klischees, eine versunkene Welt, die „Zeitlang“ weckt, was Sehnsucht oder Heimweh bedeuten kann. Zur Finissage der Ausstellung in München erzählen sie Geschichten zum Buch wie der Fotograf von seiner winterlichen Besteigung des Arbers im Bayerischen Wald, der unter dem „Böhmwind“ in Eis und Schnee erstarrt ist. Susanne Habel
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ndreas Müller, Domsche Bevölkerung mit ihvikar und Geistlicher ren Glaubensinhalten unBeirat der AG, sprach ein terwandern zu wollen. geistliches Wort. VizeAndreas Masoud war Akademiedirektor Clauals iranischer Ingenieur dio Ettl führte in das Thewährend seiner Tätigkeit ma ein. Der Augsburger auf einer Ölförderanlage Diözesanbischof Bertram mit chinesischen Christen Meier bezeichnete das in Kontakt gekommen. Recht auf ReligionsfreiDurch sie hatte er zum kaheit als ein grundlegendes tholischen Glauben geMenschenrecht und dafunden, war konvertiert mit als ein vorstaatliches und ist aus Furcht um Recht, das keine Regie- Professor Heiner Bielefeldt, Moderator Chrisoph Lippert und Bischof Bertram Meier. sein Leben aus dem Iran Bilder: Ursula Lippert geflohen. Er bereicherte rung einschränken dür- fe. Es beinhalte das Recht, den Studientag mit seiner nicht zu glauben oder seiSchilderung der Rolle des ne Religion zu wechseln. � Ackermann-Gemeinde der Diözese Bamberg Iran und des Islam bei den Auch die Katholische KirChristenverfolgungen. che habe in ihrer GeChristoph Lippert, Diöschichte dieses Recht oft zesan-Geschäftsführer der mißachtet und sich erst im Ackermann-Gemeinde, 2. Vatikanischen Konzil stellte zum Schluß Orga(1962–1965) in dem Donisationen und Aktionen kument „Dignitatis Hu- Nie wurden so viele Christen verfolgt, liegen des Studientags der Bamberger vor, bei denen sich Chriinhaftiert, gequält und ermordet wie Diözesanverband der Ackermann-Ge- sten in der Region Nürnmanae“ dazu bekannt. Daß mit dem Konzil heute. Das bewußt zu machen und meinde (AG) und der Akademie des Ca- berg zugunsten verfolgdie innerkirchliche Aus- Handlungsmöglichkeiten für Christen ritas-Pirckheimer-Hauses in deren Ta- ter Christen einbringen einandersetzung mit der in unserer Region zu zeigen, war An- gungsräumen in Nürnberg Mitte Juni. können. Die Aktion KirToleranz gegenüber anche in Not habe sich aus deren Religionen nicht beendet ten genutzt, um auf die betreffen- Teil mit staatlich ernannten Bi- der Ostpriesterhilfe zugunsten ist, belegte Bischof Bertram am den Regierungen einzuwirken. schöfen und eine Untergrundkir- der Seelsorge heimatvertriebeBeispiel der Diskussionen um Die Deutsche Bischofskonferenz che mit kirchlich geweihten, aber ner Deutscher nach dem Zweiten das Dokument von Abu Dhabi, und insbesondere ihr Vorsitzen- staatlich nicht anerkannten Bi- Weltkrieg zu einer international das Papst Franziskus im Februar der der Kommission Weltkirche, schöfen geführt. Das Vatikan-Ab- tätigen päpstlichen Hilfsaktion 2020 mit dem ägyptischen Großi- der Bamberger Erzbischof Lud- kommen mit China von 2018 ha- für verfolgte Christen entwickelt. mam Ahmad Al-Tayyeb heraus- wig Schick, setzten sich mit Ak- be diesen Konflikt lösen sollen, Das Hilfswerk stelle kostenlos gab. Die dortige Anerkennung tionen in Deutschland und Soli- aber in der Untergrundkirche, die Wanderausstellung „Verfolgdaritätsreisen massiv für die deren Bischöfe ihre Papst-Treue te Christen weltweit“ zur VerfüGlaubensbrüder und -schwe- oft mit Jahrzehnten im Gefäng- gung. Lippert forderte alle auf, stern ein. nis bezahlt hätten, zu Verbitte- sich in ihrer Pfarrei für die PräDer Erlanger Völkerrechtler rung geführt. sentation dieser Ausstellung einHeiner Bielefeldt war bis 2016 Indien als ein weiteres Bei- zusetzen. UNO-Sonderberichterstatter spiel für Christenverfolgung prä„Open Doors“ wurde von Pater Martin Welling für Religionsfreiheit. Er sag- sentierte Pater Klaus Väthrö- Claudio Ettl als Initiator des jährerklärt die Lage te, er habe auf seinen Reisen der, Missionsprokurator und Lei- lich aktualisierten „Weltverfolder Christen im als UN-Sonderberichterstatter ter der Jesuitenmission. Ursache gungsindex“ präsentiert. Der sei kommunistischen in islamischen Ländern die Er- für die schwierige Situation der zwar viel beachtet, aber methoChina. fahrung gemacht, daß die dor- Christen dort sei die Verbreitung disch nicht unumstritten. tigen christlichen Würdenträ- der Hindutva, die die autoritäEin Bündnis zahlreicher Orger von unserer Solidarität we- re Ausrichtung Indiens nach den ganisationen unter Führung der der gleichen Würde aller Gott- nig spürten und deshalb bitter Vorstellungen eines politisch- Evangelischen Allianz Nürnberg suchenden nennten konservati- enttäuscht seien. kulturell verstandenen Hinduis- ruft jedes Jahr zur Kundgebung ve katholische Kreise als Häresie, Mit seinem Vortrag über die mus zum Ziel habe. Obwohl die für Religionsfreiheit in Nürnberg da sie christliche Glaubenswahr- Situation der Christen in Chi- Hindu-Nationalisten inzwischen auf, dort wurden im vorigen Jahr heiten relativiere. na eröffnete Pater Martin Wel- die Zentralregierung stellten, sei mehr als 700 Teilnehmer gezählt. Der Bischof zeigte unter- ling SVD, Direktor des China- nicht der Staat der Initiator für Auch die katholische Sebaldusschiedliche Motive für Verlet- Zentrums Sankt Augustin, die die Verfolgung anderer Religio- wallfahrt im Nürnberger Süden zungen der Religionsfreiheit. Präsentation konkreter Beispiel- nen. Die radikalen Anhänger der erinnert jedes Jahr an die verDa sei das Bestreben, religiöse Länder. Er machte deutlich, wie Hindutva begingen die Gewalt- folgte Christenheit. Wahrheits- und Reinheitsgebo- stark die Christen sowie alle an- taten gegen Andersgläubige, alDomvikar Andreas Müller und te mit Gewalt durchzusetzen. deren religiösen und ethnischen lerdings unter wohlwollender Diözesan-Männerseelsorger DiaDa sich die christlichen Kirchen Minderheiten immer stärker un- Duldung des Staats. kon Michael Schofer werden im inzwischen von diesen Metho- ter der Kontrolle des Sommer einen Verein den distanzierten, verfolgten vor Macht-Apparates litten. für Solidarität mit verDomvikar Andreas Müller allem islamische Staaten und Nach dem Willen der folgten Christen grünstellt zwei Iraner vor, nichtstaatliche Terror-Organisa- Regierenden sollten alden. Dieser Verein, so die die Tagung musikalisch tionen solche Ziele. le Lebensbereiche vom Müller, solle Gebete, begleiten. Manche Staaten postulier- Kommunismus geprägt Gottesdienste und anten eine Staatsreligion und un- und durchdrungen werdere Veranstaltungen terdrückten andere Glaubens- den. So sei die Bischofsorganisieren, konkrete richtungen, um eine einheitliche konferenz aufgeforHilfe für verfolgte Chrinationale Identität zu installie- dert worden, innerhalb sten in ihren Herkunftsren. Atheistische Regime regle- der nächsten Jahre eiländern leisten und mentierten und verböten religi- ne chinesische Bibelmuttersprachliche Exilöse Bestrebungen gewaltsam aus Übersetzung vorzuleGemeinden aus LänAngst vor Kontrollverlust. In ei- gen, in der alle Stellen, dern mit Verfolgungsnem Drittel aller Länder seien die nicht mit dem chisituation unterstützen. schwere Verletzungen der Religi- nesischen Sozialismus kompatiZentrales Ziel der Aktionen Müller bat schon jetzt, den Veronsfreiheit üblich. Da einige der bel seien, mit regierungstreuen der Hindu-Nationalisten seien ein zu unterstützen. bevölkerungsreichsten Staaten Kommentaren zu versehen seien. nicht die wenigen Christen, sonDer Gebetstag für verfolgte betroffen seien, litten zwei Drittel Welling nannte historische dern die 200 Millionen Muslime, Christen am 26. Dezember hat es der Weltbevölkerung darunter. Erfahrungen der Chinesen mit die mit ihrer Präsenz deutlich schwer, so kurz nach WeihnachBischof Bertram sieht die Ka- fremden Kolonialmächten als machten, daß Indien eben kein ten Aufmerksamkeit zu erlantholische Kirche auf allen Ebe- Motiv der chinesischen Staats- einheitlich hinduistisches Land gen. Dennoch warb Lippert, die nen gefordert, Solidarität zu zei- führung, jede Religion zu kon- sei. Den Christen werde in erster einschlägigen Info-Materialien gen. Papst Franziskus habe mit trollieren und jeden Einfluß des Linie wegen ihrer vorbildlichen in den Pfarreien intensiv zu nutseiner Irak-Reise im März ein Papstes auf die chinesischen Ka- Bildungseinrichtungen miß- zen. „Der Gedenktag an Stephastarkes Zeichen für die Christen tholiken zu verbieten. Dies habe traut, denen auch nicht-christli- nus als dem ersten christlichen dort und den interreligiösen Dia- in den letzten Jahrzehnten zur che Eltern gerne ihre Kinder an- Märtyrer ist der richtige Tag, um log gesetzt. Der Vatikan habe sei- Spaltung des chinesischen Ka- vertrauten. Deshalb würden die an die vielen Tausend gegenwärne diplomatischen Möglichkei- tholizismus in einen staatstreuen Christen verdächtigt, die indi- tigen Märtyrer zu erinnern.“
Moderne Märtyrer
Die oberbayrische SL-Ortsgruppe Freising gibt es seit 1950 und mußte sich nicht reaktivieren, wie fälschlich berichtet (Þ SdZ 23/2021).
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
eit 1950 finden jährlich mindestens sieben Veranstaltungen und Zusammenkünfte in der Heimstätte an der Parkstraße 4 in Freising statt. Obfrau ist Hiltraud Knoben-Schartl, die Tochter von Rudolf Schartl, der Mitbegründer der Landsmannschaft und langjähriger Obmann war. Er starb 1985. Nachfolgend hatten Ludwig Kopp (†), Klaus Benesch (†), Horst Heinz, und Klaus Müller (†) den Vorsitz. Am 3. Mai wurde der Aufnahme von rund 3300 Vertriebenen
� SL-Ortsgruppe Waldkraiburg/Oberbayern
Erika Rahnsch † Mit Erika Rahnschs Tod am 11. Mai verloren Oberbayerns SL-Ortsgruppe Waldkraiburg und -Kreisgruppe Mühlhausen ein engagiertes Mitglied.
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rika Rahnsch leistete nach der Vertreibung aus ihrer Heimat mit Talent, Fleiß und Pioniergeist einen unvergleichlichen Beitrag zum Wachsen und Gedeihen ihrer neuen Heimatstadt Waldkraiburg. Sie kam am 21. Juli 1929 als einzige Tochter der Eheleute Nittel im Glasdorf Falkenau-Kittlitz im Kreis Böhmisch Leipa zur Welt. Um der russischen Zwangsarbeit zu entgehen, versuchte sie sich nach dem Besuch der Bürgerschule als Glasmalerin. Im Juni 1946 wurde die Familie in einen Viehwaggon verladen und nach Thüringen in die Sowjetische Besatzungszone verfrachtet, die sie jedoch bald wieder verlassen konnte. Der Inhaber der Glashütte ihres Heimatdorfs suchte Mitarbeiter für einen neuen Betrieb. So landete die damals 17jährige 1947 im Flüchtlingslager Pürten. Trotz widrigster Umstände hob Erika Rahnsch immer wieder die positiven Erinnerungen an diese Zeit hervor, begründet im Zusammengehörigkeitsgefühl der Landsleute. So fühlte sie sich von Anfang an dem neuen Zuhause verpflichtet. Schon in den Baracken gab es eine Musikkapelle, wurde der Verein für Leibesübungen gegründet und die Industriegemeinschaft nahm ihre Arbeit auf – alles nach dem Leitspruch „Arbeit schafft Heimat“, der Erika Rahnschs Grundhaltung wurde. Als kaufmännische Bürokraft unterstützte sie ihre Familie, war bei Negro und Elaston tätig, bis sie im Ingenieurbüro Rösler-Rahnsch-Reilich eine Anstellung fand. Dort erlebte sie zunächst nur Um- und Einbauten in bestehende Bunker. Dann entstand die Waldkraiburger Aufbaugesellschaft, die das Gesicht der Stadt entscheidend mitprägte. Den Ingenieur Horst Rahnsch hatte Erika 1952 geheiratet, 1953 wurde Sohn Johannes geboren, dem die Brüder Wolfgang und Gerhard folgten. Aus deren Ehen freute sich Oma Erika über sechs Enkelkinder und erwartete in ihren letzten Lebenstagen sogar ihren ersten Urenkel. Der Tod ihres Mannes 1994 und ihres Sohnes Johannes 2020 hinterließ schmerzliche Spuren. Doch unerschütterlich waren trotz eingeschränkter Beweglichkeit ihre Schaffenskraft und ihre Hilfsbereitschaft.
� SL-Ortsgruppe Freising/Oberbayern
Jährlich mindestens sieben Zusammenkünfte in Freising vor 75 Jahren gedacht. Die Initiative zu diesem Gedenken kam von Heinz Marschoun, der damals mit zwei Brüdern, Mutter und Tante und den vielen anderen in Freising ankam. Damals war die Stadt selbst arg kriegsbeschädigt und der Wohnraum knapp. Viele Freisinger Bürger mußten zusammenrücken und den Heimatlosen Unterkunft zur Verfügung stellen. Die Landsmannschaft wollte sich nachträglich für den damaligen sozialen Kraftakt bedanken.
Man traf sich an der von Professor Erhard E. Korkisch geschaffenen Gedenkstele, die am Ankunftsort, dem damaligen Kindergarten, im Jahr 2000 aufgestellt worden war. Der „Sudetenbaum“ ist eine Böhmerwald-
Granit-Rund-Stele, deren vordere Seite in der Mitte endet. Der obere fehlende Teil befindet sich symbolisch in der Heimat, im Sudetenland. Knoben-Schartl dankte stellvertretend für die Bürger Ober-
bürgermeister Tobias Eschenbacher, legte ein Gebinde an der Stele ab und überreichte ihm sieben rote Rosen, für jedes Jahrzehnt eine. Eschenbacher hob in seiner Ansprache die Tatkraft der Vertriebenen hervor, die am Auf-
Grußanzeigen für die Festausgabe dieser Zeitung zum 71. Sudetendeutschen Tag in München bitte umgehend an eMail svg@sudeten.de
Sei es ihre langjährige Tätigkeit im Förderverein Stadtmuseum, in der Heimatgruppe Oberland-Niederland, als Museumsführerin, in Interviews als Zeitzeugin oder in der Arbeit für das Haidaer Heimatarchiv: Gerade junge Leute erhielten durch ihr umfangreiches Wissen die Chance, das Vergangene bewußt zu erleben. Sie hob 1952 das erste Haidaer Fest aus der Taufe, das erst 2011 mit dem 60. Jubiläum ein Ende fand. Eine andere Erfolgsgeschichte ist ohne Erika Rahnsch ebenso wenig denkbar. Wie Stadtarchivar Konrad Kern immer wieder betont, wäre er als absoluter Neuling in Waldkraiburgs Vergangenheit in beruflicher Hinsicht nicht in der Stadt geblieben, wenn nicht sie ihm Mut gemacht und Tür und Tor zu wichtigen Leuten geöffnet hätte. Die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit habe bis in Rahnschs letzte Lebenstage angehalten. Nicht nur das gute Miteinander der Waldkraiburger lag ihr am Herzen. Sie kurbelte auch einen regen Austausch zwischen Deutschen und Tschechen an. So als sie Kontakt mit P etr Kubat aus Kittlitz aufnahm, der ihr Elternhaus gekauft und hergerichtet hatte. Bei ihrem ersten Besuch begrüßte er sie mit den Worten: „Jetzt kommt die Geschichte zu mir!“ Ein Beispiel, das gerade bei jungen Tschechen wachsende Bereitschaft weckte, neue Verbindungen zu knüpfen. Erika Rahnsch erhielt wegen ihres „wichtigen Beitrags zur Friedensarbeit“ 2009 den Kulturpreis der Stadt Waldkraiburg. Ihm folgte 2011 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik, außerdem die August-Sauer-Plakette des Sudetendeutschen Archivs, das Ehrenzeichen für das Ehrenamt des Freistaates Bayern und 2014 überreichte ihr Manfred Treml die Ehrennadel des Verbands bayerischer Geschichtsvereine, denn sie habe einen ausgeprägten Sinn für Historisches. Ihr schrittweiser Rückzug aus einem erfüllten Arbeitsleben begann vor drei Jahren, als sie ihre Ämter im Förderverein Stadtmuseum niederlegte und für ihre mehr als 30jährige Tätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Buchstäblich bis zum letzten Atemzug beantwortete Erika Rahnsch Anfragen und für „ihr Glasmuseum“, als dessen beste Botschafterin sie nicht nur den Landsleuten unvergessen bleibt. Erika Fischer
bau der Stadt Freising mitgewirkt hätten. Sie hätten Betriebe und Firmen gegründet und Arbeitsplätze geschaffen. Zudem habe Rudolf Schartl ein Siedlungsprojekt der Sudetendeutschen in Freising-Lerchenfeld geschaffen, das wesentlich zum Zusammenhalt und Neubeginn der heimatlosen Landsleute aus dem Sudetenland beigetragen habe. Auch der Stellvertretende Obmann Horst Heinz, die Brüder Heinz und Dieter Marschoun, Professor Erhard E. Korkisch, Edith Mages, Felix Vogt, Obmann der SL-Bezirksguppe Schwaben, und Marianne Laber waren zu dem Gedenken gekommen.
Reicenberger Zeitung
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Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Sanatorium Dr. Max Brey in Reichenberg: Dahinter verbirgt sich eine lange Geschichte, die im November 1899 begann. Damals eröffnete im Reichenberger Stadtteil Siebenhäuser Max Brey, Spezialarzt für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten, ein Sanatorium mit 24 Betten. Eine zeitgemäß eingerichtete Heilanstalt, die wegen ihrer Lage und der praktischen und zugleich geschmackvollen Einrichtung mustergültig genannt werden konnte.
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as große Gebäude im eigenen 24 000 Quadratmeter großen Park wurde in dem malerischen Siebenhäuser genannten Teil von Harzdorf erbaut. Es steht in der Nähe des Volksgartens, dem beliebten Ausflugs- und Erholungsort der Reichenberger, und nicht weit vom Gondelteich und Tiergarten. Die Siedlung Siebenhäuser hieß am Anfang des 19. Jahrhunderts Neu-Ruppertsdorf. An der Stelle befanden sich ursprünglich sieben ärmliche Holzhäuser, von denen beim Bau des Sanatoriums nur eins stehenblieb. Nach ihnen wurde der Stadtteil Siebenhäuser benannt. Die Kinder des neuen Ortsteils besuchten die an der Grenze zwischen � Reichenberg Ruppersdorf und Paulsdorf gelegene alte Ruppersdorfer Schule. So blieb es bis 1850. Seit dieser Zeit gehörten die Siebenhäuser zu Alt Harzdorf. Das alte gräfliche Clam-Gallas-Forsthaus war das höchste Haus am Waldrand in Siebenhäuser und das einzige erhaltene historische Gebäude in der Gegend. Früher wohnte der Leiter des Ruppersdorfer Reviers, Förster Bernard Hub, in Ruppers- den Krankenzimmern vollständorf. Später kaufte die Herrschaft dig getrennt war, lag der große, das alte Pusch-Häuschen, das die mit zahlreichen neuen ärztlichen Form eines traditionellen Iserge- Geräten ausgestattete Operatibirgshäuschens hatte, und baute onsraum der Frauenabteilung, es zu einem richtigen Forsthaus an den sich ein Sprech- und ein um, in das WartezimDie Frauenheilanstalt hat Förster Hub mer anschlosauch eine Männerabteilung sen. Wie diezog. Im Gegenses Stocksatz zu der üblichen Bauart der werk war auch das Erdgeschoß. Krankenhäuser glich der villen- Dort befand sich die hypermoähnliche Neubau des Sanatori- derne chirurgische Privatklinik ums mit seinem Turm und den von Karl Wotruba, Facharzt für Balkonen weniger einem Sanato- Chirurgie und Leiter der chirurrium als einem Schlößchen, das gischen Abteilung des Stefansinmitten der bildschönen Natur krankenhauses. Die Männerabfür Naturfreunde zur Ruhe und teilung besaß gleichfalls einen Erholung erbaut wurde. Nur der eigenen Operationssaal. Spruch „Salus aegroti suprema Im ersten Stock waren außer lex“, deutsch „Das Heil des Kran- Max Breys Privatwohnung auch ken sei höchstes Gesetz“, über sämtliche Wirtschaftsräume undem Eingang erinnerte an den tergebracht. Diese Räume waZweck des prächtigen Hauses. ren von den Krankenzimmern Beim Betreten des Sanatoriums, vollständig getrennt. Die schöndas gegenüber einer Straßen- sten Zimmer des zweiten Stocks bahn-Haltestelle steht, gelangte waren zur Aufnahme von minman gleich rechts in eine geräu- der schwer Erkrankten bestimmt. mige, schön ausgestattete Mittel- Hier befand sich auch eine Abteihalle, in der sich ein Gesprächs- lung für Augenkranke, die Franz zimmer befand. Bayer, Augenarzt, Gerichtsarzt Daneben befanden sich die und Gefangenenhauswundarzt praktisch und schön ein-, zur beim k. k. Kreisgericht leitete. Waldseite ausgerichteten KranEin Speiseaufzug verband die kenzimmer. Eine Sommer- und einzelnen Stockwerke mit der Winter-Ventilation sowie Patent- zentralen Küche im Erdgeschoß. klappflügel an den Oberfenstern Im Turmzimmer befand sich das sorgten für frische Luft. Die nöti- Kalt- und Warmwasser-Reserge Wärme produzierte eine zen- voire. Vom Erdgeschoß gelangte trale Niederdruck-Dampfhei- man in die großen Kellerräume zungsanlage mit Heizkörpern, und zur zentralen Heizungsanladie die Firma Christian Linser in- ge, in der sich auch ein Gasofen stalliert hatte. zur Bereitung von warmem WasDie hohen Fenster wurden ser befand. Eine elektrische Anzum Schutz gegen Wetter und lage in einem Brunnenhäuschen Kälte mit an der Außenseite an- spendete die Energie für Begebrachten Jalousien versehen. leuchtung und WasserbeschafEine Kalt- und Warmwasserlei- fung. Für die damalige Zeit war tung versorgte alle Krankenzim- das Sanatorium modern ausgemer, Badezimmer und Toilet- stattet. Ringsherum breitete sich ten. In jedem Stockwerk in der ein großer Garten mit schönen Zentralhalle war ein elektrischer Promenaden aus, die sich bis tief Wandbrunnen für Trinkwasser. in einen Fichtenwald erstreckDie Anstalt wurde elektrisch be- ten und die die Besucher zu Spaleuchtet. Die Beleuchtungskör- ziergängen verleiteten. Brey hatper waren auch für Gasbeleuch- te einen beträchtlichen Teil des tung geeignet. An der Nordsei- Waldes für seine Anstalt gete, die durch die Mittelhalle von kauft.
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Kreis Friedland
rinnenkloster in Gleisdorf nahe Graz war. Adam Brey war 18 Jahre vor seinem Tod schwerhörig geworden und hatte seitdem sein Haus nicht mehr verlassen. Am 1. Februar 1932 wurde das Sanatorium mit dem Nebengebäude, in dem sich die Sanatoriumsverwaltung und das Kurhaus befanden, Teil der am 17. Januar 1931 gegründeten Reichenberger Kuranstalt. Gleichzeitig wurde das Areal erweitert. Ein Anbau, in dem sich die Abteilung für Wassertherapie befand, wurde nach dem Projekt von Max Kühn realisiert. Chefarzt der städtischen Kuranstalt war 1932 bis 1937 der spätere Obmann der SLÖ-Bezirksgruppe Villach, Josef Neugebauer (* 14. März 1886 in Niederlindewiese bei Freiwaldau, † 8. Juni 1955 in Villach), der nach 1945 vertrieben wurde. Da der erwartete finanzielle Erfolg während der Wirtschaftskrise ausblieb, mußte auch die Reichenberger Kuranstalt 1937 wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen, die Gebäude wurden von der Stadt Reichenberg übernommen. Nach Beschluß der Reichenberger Stadtvertretung vom 1. April 1937 wurde die Reichenberger Kuranstalt zur Verpachtung ausgeschrieben. Am 15. Februar 1943 gab Max Brey junior bekannt, daß sein Vater in seinem 77. Lebensjahr gestorben sei. Seine letzte Ruhestätte fand er am 18. Februar auf dem Urnenhain neben dem Reichenberger Krematorium. Der Pachtvertrag für sein Urnengrab endete 1951. Wenn der Pachtvertrag für ein Urnengrab endet, werden die Angehörigen darüber informiert. Ob Max Breys AngeSelbständig hatte sich Brey hörige jemals von der Friedhofsschon am 13. November 1894 ge- verwaltung benachrichtigt wurmacht. Zu dieser Zeit hatte er sei- den, ist unbekannt. Ebenfalls ne Ordination in der Stadtwoh- unbekannt ist, ob sie das Nutnung auf dem Tuchplatz in der zungsrecht verlängerten oder die Giselagasse 21 im zweiten Stock. Grabstätte innerhalb von sechs Das Haus stand gegenüber dem Wochen abräumten. Mit großer Hotel Deutsches Haus. Seine Wahrscheinlichkeit wurde das Heimat war Villach in Kärnten, Grab von Max Brey eingeebnet wo er als Sohn eines Sattlers 1866 und aufgelöst. Auch nach dem Zweiten Weltgeboren wurde. Dort machte er Abitur. Sein Studium in Graz krieg diente das von Kriegseinschloß er mit dem Doktorat ab. wirkungen verschonte Sanatori14 Tage später nahm ihn Profes- um lange Zeit den Kranken. Bis sor Viktor Ebner in Graz als Assi- zum Ende des 20. Jahrhunderts stent in seiner chirurgischen Pri- wurde das historische Gebäuvatklinik auf. Brey blieb er ein de für medizinische Zwecke geJahr. Ab dem 1. Januar 1892 war nutzt. Einen neuen Platz fand hier die rheumatologische Abteilung er bei Johanovsky beschäftigt. des KrankenBrey lernte viel bei Joha- Das luxuriöse Sanatorium ist hauses. Die novsky, wur- heute ein Mehrfamilienhaus Elektro- sowie die Wasde ein guter Facharzt für Geburtshilfe und sertherapie wurden fortgeführt. Frauenkrankheiten. Das Beispiel Später blieb hier nur noch die Abseiner früheren Chefs ließ auch teilung für Rehabilitationsrheuin ihm 1898 den Entschluß reifen, matologie, die Abteilung für aldas luxuriöse Sanatorium in Sie- koholabhängige Patienten zog in benhäuser zu errichten. Im Fe- ein neues Gebäude. Während des Kommunismus bruar 1899 verlobte er sich mit Anna, geborene Lesk aus Traute- wurde das Areal vernachlässigt. nau. Nach der Heirat wohnten Das völlig abgewirtschaftete Gebeide im Sanatorium. In Reichen- bäude sah gespenstisch und unberg lebte auch Breys Schwester gepflegt aus, weil sich niemand „Fräulein“ Resi Brey, die am 29. mehr darum kümmerte. Das unter Denkmalschutz stehende GeMärz 1917 starb. Das Sanatorium aus der Zeit bäude in der Riegerstraße, früder Monarchie war nicht nur me- her Beethovenstraße, diente zum dizinisch, sondern auch wirt- Schluß etwa fünf Jahre lang als schaftlich erfolgreich. 1900 er- Notunterkunft für Roma und anfolgten 136 Operationen, suchten dere Menschen vom Rand der 176 Kranke dieses Sanatorium Gesellschaft. Nach langem Stillauf und wurden 2197 Tage lang stand und weiterem Verfall wurde das frühere Neorenaissancegepflegt und versorgt. Am 14. April 1902 bekam Sanatorium 2014 von der ImMax Brey aus Villach die trauri- mobilienagentur DP Real Immo ge Nachricht, daß an dem selben gekauft, renoviert und zu einem Tag sein Vater Adam Brey, Haus- Mehrfamilienhaus umgebaut. In besitzer und ehemaliger Sattler- dem historischen Gebäude befinmeister und einer der ältesten den sich jetzt 14 EigentumswohBürger von Villach, mit 77 Jahren nungen, die nach der Fertigstelgestorben sei. Er hinterließ seine lung zum Kauf angeboten wur72jährige Frau, die sich trotz ih- den. Das Nebengebäude, in dem res Alters noch der besten Ge- sich einst die Verwaltung des sundheit und Geistesfrische er- Max-Brey-Sanatoriums und das freute, und fünf Kinder. Darunter Kurhaus befanden, dient heute Sohn Max und eine Tochter, die als Haus für Kinder und JugendHilfsschwester im Dominikane- liche. Stanislav Beran
Hypermodernes Sanatorium im Stil der Neorenaissance Für den Sanatoriumsbau und dessen innere Ausgestaltung beschäftigte Brey hauptsächlich Reichenberger Firmen. Das im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude hatte die Baufirma Gustav Sachers Söhne entworfen und ein Jahr vor der Eröffnung fertiggestellt. Die Firma Christian Linser installierte neben der zentralen Heizungsanlage auch die Wasserleitung. Elektrotechniker Hugo H. Jahnel besorgte die elektrische Anlage. Die Eisenmöbel lieferte die Firma E. Schmidt u. Co. Die Fußböden wurden aus Xylotith auf Zementbodenunterlage hergestellt, ein Fußboden, der damals, trotz seiner großen Vorteile, nicht die verdiente Würdigung fand. Die vorzüglichen Xylotith-Fußböden und Korksteinwände lieferte die Reichenberger Firma Florian Blumrich in der Grillparzer Straße 5, Vertreter der Firma Zboril, Miksch und Company in Wien. Das Sanatorium war in jeder Beziehung eine mustergültig eingerichtete Heil-
schließlich Operationen bot es auch Heilaufenthalte unter ärztlicher Aufsicht. Wenn man die Assistentenzeit in der Frauenklinik bei Vincenz Johanovsky mitzählt, so befand sich Max Brey seit 1892 in Reichenberg. Johanovsky eröffnete am 1. April 1880 seine Praxis in Reichenberg. Der Lehrersohn war am 6. März 1846 in TeplitzSchönau zur Welt gekommen. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Mariaschein und Brüx studierte er in Prag. Am 7. März 1873 wurde er zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Am Anfang wandte er sich der inneren Medizin zu und nahm eine Assistentenstelle bei Professor Rudolf Jaksch von Wartonhorst an. Nachher bildete er sich zum Geburtshelfer und Frauenarzt an den Kliniken der Professoren Streng und Breisky aus. Schon damals machte er sich als gewandter Operateur bemerkbar. Seine Kurse wurden gern von fremden, vor allem amerikanischen Ärzten besucht. Nach
Zeitungsreklame der „Gynaekologisch-chirurgischen Privat-Heilanstalt des Dr. Max Brey“ von 1908. anstalt, die sich einen bedeutenden Ruf erworben hat. Neben medizinischen Eingriffen ein-
Ablauf dieser Periode blieb er noch eine kurze Zeit in Prag und zog dann nach Reichenberg.
Kreis Gablonz
REICHENBERGER ZEITUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
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elga Heller/Lippert kam 1927 in Böhmisch Leipa zur Welt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mußte sie ihre Heimatstadt verlassen und ein neues Zuhause in Bayern finden. Sie und ihr späterer Ehemann, der gebürtige Leipaer Viktor Heller, unternahmen große Anstrengungen, um die im Exil lebende Leipaer Gemeinschaft zusammenzuhalten. In ihrem Haus in Passau befand sich jahrelang die Redaktion des „Leipaer Heimatbriefs“. Im Laufe der Zeit wurde hier ein umfangreiches Fotoarchiv der ehemaligen Leipa-Bürger zusammengetragen. 2019 übergab Helga Heller einen Teil dem Museum in Böhmisch Leipa. Eine Auswahl aus dieser Sammlung wird mit der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Doch geben wir nun Helga Heller das Wort. „Gehe durch unsere alte Stadt. Ganz allein. Ich spreche mit den Häusern, lege meine Hand auf das Eisengeländer in der Schmeykalstraße, befühle mit den Fingern einen alten Eckstein, auf dem man einst saß, streiche mit der Hand über die alte Rinde der Bäume im Park und bei der Kreuzkirche am Weg
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„Ein Stück Heimat – Plätze und Menschen“: Ausstellung auf dem Marktplatz in Böhmisch Leipa
Einst und heute treffen sich Wie wir vor zwei Wochen berichteten, läuft gegenwärtig auf dem Marktplatz von Böhmisch Leipa die Ausstellung „Ein Stück Heimat. Kus domova“. Sie illustriert das imaginäre Zusammentreffen ehemaliger und gezum Friedhof. Ich weiß nicht, ob die Blätter sich bewegen, ob der Baum das spürt? Zum Friedhof gehe ich nicht. Das ist zu traurig. Schon der Gang durch die Stadt ist freudlos. Ich trete in viele Häuser. In solche, die noch stehen, und auch in die, die abgerissen wurden. Die meisten kenne ich, ihre Stuben, Korridore, Küchen und Höfe. Ich spreche mit den Menschen, die da wohnten. Höre ihre Stimmen, ihre Sprache, ihre Sprachmelodie. Diese Melodie ist anders im Richterhof und in der Frauenstraße, anders gegen Altleipa, anders gegen Liebich. Aber ich habe sie im Ohr. Darunter muß das alte Katzenkopfpflaster liegen. Spürt, hört ihr mich, ihr Steine? Hier ist eine, die mit vielen
genwärtiger Bürger von Böhmisch Leipa. Am 15. Juni, dem Jahrestag der Vertreibung der 5000 deutschen Böhmisch Leipaer 1945, sprach der Historiker und Ausstellungskurator Tomáš Cidlina online über „Ein Stück
anderen viele hundertmal über Euch gegangen ist. Da schlägt die Rathausuhr. Ja, das ist der alte Klang. Und die Glocken der Kirchen? Ich höre keinen Ton. Nicht einmal das Sterbeglöckel in der Loreto. Stumm. Dennoch höre ich sie alle. Ihr Klang liegt über der Stadt. Wie die Orgeln der Kirchen, ich höre sie gut. Das „Te Deum“ in der Klosterkirche mit allen Registern. Ich gehe unbehelligt durch die Gassen. Ungesehen. Diese Fremden, sie tun mir fast leid. Sie sind heimatloser als wir. Sie brauchen Generationen, bis sie das Wort Heimat auf unsere Stadt legen können. Ob mancher von ihnen im letzten Winkel seines Denkens, seiner Anständigkeit darüber nachdenkt? Sind sie glücklich?
Heimat in Böhmisch Leipa“. Die Ausstellung ist bei www.muzeumcl.cz verfügbar. Leider nur auf Tschechisch. Hier die Erläuterungen des die Ausstellung begleitenden zweisprachigen Faltblatts.
Heimat: Wir haben hier alles gelassen, aber das Wort Heimat hat jeder von uns mitgenommen, dieses kleine Wort Heimat, das aus der Erde kommt und tief in dieser wurzelte. Dieses Wort ist Jahrhunderte gewachsen – doch wir haben es mitgenommen und halten es fest in der geballten Hand. In Fäusten, wie Eisen. Ich möchte alle Jungen, alle unsere Jugend auf meinen Gängen durch die alte Stadt, die Wälder, die Dörfer, die Berge, die Bäche mitnehmen und ihnen das Wort Heimat in die Seele pressen. Als ein Vermächtnis. Ja, sie haben eine neue Heimat. Aber die ist jung, oberflächlich gewählt aus Not und Zwang. Zu dem tiefen, schweren Begriff Heimat fehlen die Jahr-
hunderte. Es fehlt der Gedanke an die Ruhe, Bescheidenheit, die Mensch-zu-Mensch-Beziehung in der kleinen, alten Stadt. Die Geistigkeit, die Atmosphäre, das Fluidum, das wir in Gassen, Wäldern, Wiesen fanden. Heimat – das ist vielleicht ein kleines, kostbares Andenken in Großmutters Vitrine, eine kleine, alte kümmerliche Porzellanfigur, ihr selbst unerhört wertvoll. Ein Immortellenkranz, alt und verstaubt, eine Kinderklapper. Um diese kleinen Dinge ist etwas heilig. Heilig wie um den Namen, das Wort, den Begriff Heimat. Mögen das hastende Jetzt, die Erfolgsgier, die Geldgier verwischen – das Wort Heimat, das wir mitnahmen damals, liegt tie-
Eine Friedländer Rarität
Friedland wird seit mehr als 36 Jahren jeden Sommer durch die Jazzwerkstatt in eine Stadt vol-
ler Jazz verwandelt. Der schmale Weg wurde nach dem aus Prag stammenden Jazzmusiker und
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ie Idee, diesen schmalen Gehweg zu einer Straße mit Straßennamen zu machen, stammt von Jiří Stodůlka. Er ist Mitglied der Bürgerlich Demokratischen Partei (ODS) und Stellvertretender Bürgermeister in Friedland. Stodůlka beobachtet seine Stadt sehr aufmerksam. Deshalb fiel ihm auf, daß es in Friedland diesen namenlosen Gehweg gibt. Und nach seiner Meinung war dieser schmale Weg die einzige Straße in Friedland ohne Namen. Auch Stodůlka beteiligte sich an der Benennung der Straße. Sein pragmatischer Vorschlag lautete „Gepflasterte Straße“, tschechisch „Dlážděná ulice“. Natürlich wurde um weitere Namensvorschläge gebeten, die zunächst registriert wurden. Die Liste mit Anregungen für die Namensfindung umfaßte 22 unterschiedliche Straßennamen, über die die Öffentlichkeit elektronisch oder schriftlich abstimmen konnte. Gewonnen hat der Vorschlag, der mit 139 Stimmen am häufigsten gewählt wurde, die besagte Karel-Velebný-Straße. Doch wer steckt hinter dem Namen Karel Velebný? Die Stadt
F
ritz Wenzel war ein Allgemeinarzt in Böhmisch Leipa, der von seinem Abschluß im Jahr 1921 bis zur Vertreibung im Jahr 1945 in seiner Heimatstadt tätig war. So kannte er die Stadt, ihre Häuser und Einwohner genau. Später lebte und arbeitete er bis zu seinem 80. Lebensjahr als Arzt in der „DDR“. Ab Mitte der 1960er Jahre kehrte er gelegentlich als Besucher nach Böhmisch Leipa zurück. Abends schrieb er seine Erinnerungen, Reflexionen und literarischen Texte über seine Heimatstadt auf einer alten Schreibmaschine. Ihre Fragmente wurden dem Museum im Jahr 2021 von seinem Sohn Ulf Wenzel gestiftet. Die Ausstellung zeigt Fotografien aus einer Sammlung, die Helga Heller dem Heimatkundlichen Museum und der Galerie in Böhmisch Leipa gestiftet hat. Der Text über den Besuch von Fritz Wenzel in seiner Geburtsstadt Böhmisch Leipa begleitet die Fotos.
KREIS DEUTSCH GABEL
Gehweg oder Autostraße? Seit kurzem heißt ein schmaler, neu gepflasterter 387 Meter langer und etwa zwei Meter breiter Weg in Friedland KarelVelebný-Straße. Der Weg oder die Straße beginnt am Bahnübergang an der ehemaligen Ostritzer Straße, führt vorbei an dem Platz, an dem sich einst eine Gärtnerei befand, und hinauf zum neu erbauten Hotel Antonie zum Galgenberg. Bereits vergangenes Jahr hatte der Friedländer Stadtrat die neue Benennung genehmigt.
fer in uns – ist Erbe. Und vergeßt nicht, es auch zu vererben! Und wenn wir sterben, dann soll um uns die Erde Heimaterde werden – durch uns.“
Die Karel-Velebný-Straße müßte mangels Breite eigentlich zur Einbahnstraße erklärt werden. Bild: Stanislav Beran
Gründer der Jazzwerkstatt Karel Velebný – geboren am 17. März 1931 in Prag, gestorben dort am 7. März 1989 – benannt. Aus einer langen Reihe bedeutender Persönlichkeiten, die in Friedland zur Welt kamen und die mit der Stadt Friedland in der Vergangenheit aufs Engste verbunden waren und die Entwicklung des Gemeinwesens voranbrachten, wurde nur ein Name – der von Anton Dreßler – vorgeschlagen. Der Baumeister Anton Dreßler war der berühmte Erbauer des Friedländer Aussichtsturmes auf dem 399 Meter hohen Resselberg. Diesen Aussichtsturm rühmt die Stadt noch heute als eine Sehenswürdigkeit. Die Beteiligung der 7476 Einwohner zählenden Stadt Friedland an dieser Abstimmung war hingegen außergewöhnlich niedrig. Nur 380 Bürger der Stadt und ihrer Umgebung machten bei der Abstimmung mit – und das, obwohl die Rathaussprecherin sogar die tschechische Presseagentur ČTK über dieses „wichtige“ Ereignis informiert hatte. Als Belohnung und Dank fürs Mitmachen erhielt der Sieger, der den Gewinnervorschlag eingereicht hatte, von der Stadt Friedland eine Kinokarte. Die Karel-Velebný-Straße in Friedland müßte eigentlich mangels Breite eine Einbahnstraße sein. Nun stellt sich die Frage, ob es sich bei dieser etwa zwei Meter breiten „Straße“ um einen Gehweg ohne Fahrbahn oder um eine Fahrbahn ohne Gehweg handelt? Bemerkenswert ist, wie intensiv an manchen Stellen trotz der Corona-Pandemie gearbeitet wird und was für interessante Projekte entstehen können. Stanislav Beran
Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen RZAbonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Juli Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Ereignis begehen, und wünschen alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen, Zufriedenheit und Gottes reichen Segen sowie den Kranken unter uns baldige Genesung.
Hermann Hoffmann (Mann von Dorothea/Habel, Schützenau 204), Weningstraße 34, 84034 Landshut, 96 Jahre. Othmar Zinner/Helga Hecht Kleinmergthal – Geburtstag: Am 5. Dietmar Bekkert (Haus-Nr. 47), Weißenfelser Straße 23, 06712 Zeitz, 83 Jahre. Othmar Zinner
Hermsdorf – Geburtstag: Am 26. Margit Bunk/Kahl, Poststraße 7, 04910 Elsterwerda, 86 Jahre. Othmar Zinner
Heimat-
kreis – Geburtstag: Am 30. Gerhard Weiß (Neusorge 5), Ortsbetreuer von Ringelshain, Alfred-Brehm-Straße 2, 99102 Erfurt, 83 Jahre. Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute, vor allem Gesundheit, und danken für die Mitarbeit. Othmar Zinner
Kunnersdorf – Geburtstag: Am 22. Walli Schwarz/ Knespel (Haus-Nr. 11), Falkenstraße 11, 95111 Rehau, 87 Jahre. Steffi Runge
Deutsch Gabel – Geburtstage: Am 1. Annelies Hölzel/ Müller (Lange Gasse 54), Aschheimer Straße 28, 85774 Unterföhring, 88 Jahre; und am 31.
Seifersdorf – Geburtstag: Am 12. Elisabeth Messer/ Macoun, Am Bahnhof 3, 39171 Dodendorf, 99 Jahre. Othmar Zinner
TERMINE Sonntag, 29. August, 11.30 Uhr, Heimatgruppe Deutsch Gabel/Zwickau in München: Treffen im Löwenbräukeller (Wintergarten), Stiglmaierplatz (U 1, U 7). Auskunft: Gerhard Schlegel, Boosstraße 14, 81541 München, Telefon (0 89) 65 11 91 97, Mobil (01 76) 23 32 26 99, eMail gerhard@ laska.com Donnerstag, 2. bis Sonntag, 5. September, Kriesdorf: 65. Heimattreffen in Kriesdorf/Křižany, Apartmán-Hotel Jítrava. Einzelheiten folgen. Auskunft: Chri-
stian Schwarz, Dr.-Krajnc-Straße 12a, A-6060 Hall in Tirol, Mobil (01 76) 99 93 30 39 oder (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@clcs. at Sonntag, 5. Dezember, 11.30 Uhr, Heimatgruppe Deutsch Gabel/Zwickau in München: Treffen im Löwenbräukeller (Wintergarten), Stiglmaierplatz (U 1, U 7). Auskunft: Gerhard Schlegel, Boosstraße 14, 81541 München, Telefon (0 89) 65 11 91 97, Mobil (01 76) 23 32 26 99, eMail gerhard@ laska.com
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Das ehemalige Amtshaus an der Ecke Schloßplatz/Jägerzeile in Teplitz-Schönau.
� Teplitz-Schönau
Amtshaus wird rekonstruiert Der Schloßplatz in Teplitz-Schönau ist das eigentliche historische Zentrum der Stadt, nachdem Abrisse und moderne Neubauten den Charakter des historischen Marktplatzes nach 1945 völlig verändert hatten. Die Häuser auf dem Schloßplatz wurden nach 1990 restauriert. Beide Kirchen, die den Platz krönen, erhielten neue Anstriche, und auch das Schloß als Sitz des Museums macht seinem Namen alle Ehre. Nur ein einziges Haus stand bisher wie Aschenputtel vergessen an der Ecke Schloßplatz/Jägerzeile: Das ehemalige Amtshaus konnte nach mehreren vergeblichen Versuchen keinen neuen Besitzer finden. Dies soll sich nun ändern.
Amtshaus steht unter Denkmalschutz, so daß auch für einen neuen Besitzer strenge Auflagen mit einer Rekonstruktion verbunden sind.
1982 aus hygienischen Gründen. Nach 1989 wurde das Haus privatisiert. Doch der neue Besitzer vernachlässigte das Gebäude. Das 40 Jahre lang verlassen ste-
A
uf Anregung des Fürsten Carl von Clary und Aldringen errichtete man in den Jahren 1840 bis 1841 anstelle des abgerissenen Biliner Tore, das Amtshaus als ursprünglichen Sitz der Zentralverwaltung des Teplitzer Großgrundbesitzes. Dabei handelt es sich um ein Empire-Gebäude in L-Form mit einem nach Osten in Richtung Schloßplatzorientierten kürzeren Flügel. Das
Bilin
Mögliches Aussehen des Amtshauses nach der Renovierung. Bild: Architektenbüro Mise in Teplitz Nach dem Krieg nutzte man das Amtshaus noch als Wohnhaus. Im Erdgeschoß befand sich später sogar eine kleine Kunstgalerie. Die letzten Mieter verließen die Wohnungen im Jahr
Die verfallene Rückseite des Amtshauses.
hende Haus hat nun einen neuen Besitzer. Nach dem vergeblichen Versuch eines italienischen Investors, das Haus im Jahr 2010 in Luxus-Privatwohnungen umzu-
bauen, stand es wieder zum Verkauf. Nun hat es die Teplitzer Familienfirma Hit Office Group für rund 15 Millionen Kronen erworben. Martin Šťastný, einer der Gesellschafter, äußerte sich dazu: „Für mich ist das einer der besten und herrlichsten Plätze in Teplitz, so daß ich mir sagte, es wäre eine Gelegenheit, aus diesem heruntergekommenen Haus etwas Schönes zu machen.“ Die Fassade sieht sehr verwahrlost aus, aber das Gebäude als solches ist in guter Form. Doch der Innenraum ist in einem sehr schlechten Zustand. Der Teplitzer Architekt P etr Sedláček, der bereits das Projekt für den italienischen Investor im Jahr 2010 erarbeitet hatte, rechnet nun mit einem völlig neuen Ausbau des Inneren. „Es ist unbedingt nötig, einen vernünftigen Kompromiß zwischen dem zu finden, was renovierbar ist, und dem, was eine Erneuerung nicht lohnt. Vor allem muß eine totale Rekonstruktionslösung der Dachräume gefunden werden“, erklärte der Architekt. Der neue Besitzer hofft, daß er den Umbau in etwa fünf Jahren schaffen werde. Er rechne mit einem Kostenvoranschlag von 70 Millionen Kronen. Entgegen der vielleicht etwas überdimensionierten und kontroversen Variante des Italieners, versucht der neue Besitzer eine bescheidenere und der Historie des Gebäudes angepaßtere Lösung zu finden. Aufgrund einer beiderseits positiven Zusammenarbeit mit den Denkmalschützern wird das Haus in allen wichtigen erhaltenen Teilen gründlich rekonstruiert. Die Fassade zur Straße soll – mit Ausnahme der Dachgauben – in ihrem historischen Aussehen erhalten bleiben. Die Fassade der Rückseite kann man aber durch modernere Anbauten ergänzen, welche man anschließend als Mietwohnungen nutzen kann. Dabei soll im Innenhof auch ein Parkplatz für die Anwohner entstehen. Erneut besteht nun die Hoffnung, daß dieses historisch wertvolle Gebäude gerettet wird und dem Schloßplatz endgültig ein geschlossenes Aussehen verleiht. Jutta Benešová
Die Fassade des Amtshauses zum Schloßplatz hin.
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
Dr. Bohuslava Chleborádová bei der „Taufe“ ihrer Publikation „Kunst in Not!?“ im Teplitzer Schloßmuseum.
� Auszeichnung einer Publikation/Teplitz-Schönau
Kunst in Not Wie die Historikerin des Regionalmuseums in Teplitz, Bohuslava Chleborádová, mitteilte, habe ihre am Ende des Jahres 2020 erschienene Publikation „Umění v nouzi!?/Kunst in Not!?“ bei dem Wettbewerb der Publikationen der Museen „Gloria Musealis 2020“ die höchste Bewertung erhalten. Unsere Autorin Jutta Benešová berichtet.
C
hleborádová hat die 160seitige Publikation nach der gleichnamigen, viel beachteten Ausstellung 2019/2020 als Katalog herausgegeben. Dieser zeigt nicht nur Kunstwerke und deren Autoren, sondern stellt auch ein Zeitgemälde des Umbruchs zwischen 1932 und 1938 dar. Der Text ist deutsch und tschechisch. Ihn ergänzen 157 Reproduktionen der Kunstwerke, Archiv-Dokumente sowie Ansichtskarten
und Fotografien aus dem damaligen Teplitz-Schönau. Der Grafiker Jan Havel gestaltete die Publikation. Sie ruft die Atmosphäre vergangener Zeiten hervor und betont das Spezifikum der Sammlungen des Teplitzer Museums. Das Buch enthüllt einen weiteren bisher unbekannten Blick auf die Teplitzer Vergangenheit. Die Publikation erschien mit Unterstützung des DeutschTschechischen Zukunftsfonds und des Kulturministeriums der Tschechischen Republik. Der Preis beträgt 299,00 Kronen, das entspricht umgerechnet ungefähr 12,00 Euro. Bestellungen können über das Regionalmuseum in Teplitz erfolgen, eMail klasterkova@ muzeum-teplice.cz, oder über meine eMail jutta.benesova@ volny.cz.
Bohuslava Chleborádová: „Umění v nouzi!? Kunst in Not!?“. Verlag Nová beseda, Teplitz-Schönau 2020; 160 Seiten, 299,00 Kronen. (ISBN 978-8085321-90-6).
TERMINE n Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August: 7. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt nach Melnik mit Besichtigung des Schlosses und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-und-PaulKirche und des Beinhauses; Weiterfahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses
Eisenberg; danach Fahrt über das Erzgebirge auf den Mückenberg; dort Mittagessen; anschließend Bus- oder Seilbahnfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Heiligen Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Be-
sichtigungen, Führungen, Weinverkostung, Seilbahnfahrt und Konzert pro Person im Doppelzimmer 390 Euro, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau-freunde.org
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2.7. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
In der Kreuzbergkirche im oberpfälzischen Burglengenfeld feierten aus Pössigkau und Zemchen vertriebene Deutsche und deren Nachkommen – wie schon im vergangenen Jahr unter Corona-Bedingungen – ihren alljählichen Heimatgottesdienst.
P
össigkau und Zemschen gehörten zwar zum Kreis Bischofteinitz, eingepfarrt waren die Orte jedoch nach Tutz, das seinerseits im Kreis Tachau lag. Heute ist Tutz ein Ortsteil von Zemschen. Dieses Jahr stand der Gottesdienst unter dem Motto „75 Jahre nach der Vertreibung aus der Heimat“. Zelebrant war Pfarrer Franz Baumgartner, der schon seit vielen Jahren mit seiner freundlichen Art die Herzen der Sudetendeutschen aus dem Heimatkreis Bischofteinitz erwärmt. Zu Beginn des Gottesdienstes sagte Pfarrer Baumgartner: „Trotz Corona ist Ihnen und uns einiges gelungen. Das macht uns froh und dankbar. Zusammenkünfte wie diese müssen Erinnerungen sein, die uns mahnen, aber auch dankbar werden lassen. Und damit soll Erinnerungsarbeit bedingungslos sein. In diesem Gottesdienst erinnern Sie sich Ihrer Wurzeln, Ihrer Vergangenheit, Ihres Schmerzes über den Verlust der Heimat.“ An der Orgel wirkte der Organisator dieser Treffen, Wolfgang Georg Liebl, dessen Eltern aus Pössigkau und Zemschen stammen. Liebl ist auch Ortsbetreuer von Pössigkau und Zemschen. Musikalisch begleiteten ihn bei den Liedern der Deutschen Mes-
Die Benefiz-Aktion „Kauf einen Stein, rette das Schloß“ zugunsten des verfallenden Schlosses in Ronsperg ist ein Volltreffer. Der virtuelle Lauf zur Schloßrettung stieß ebenfalls auf ein großes Echo.
Das Trio Benedikt, Anna und Wolfgang Georg Liebl musiziert auf der Orgelempore. Rechts: Pfarrer Franz Baumgartner erhält von Organisator Wolfgang Georg Liebl einen guten Tropfen aus dem Badischen. Bilder: Christine Benda, Josef Braun
Pössigkau und Zemschen
Heimatmesse mit Virus se von Franz Schubert seine beiden erwachsenen Kindern Anna an der Violine und Benedikt an der Trompete. Die gesamte Familie reist für diesen Gottesdienst alljährlich aus dem badischen Teil Baden-Württembergs an. Die Weisen der Deutschen Messe und Pfarrer Baumgartners einfühlsame Predigtworte boten trotz der strengen Corona-Regeln einen würdigen Rahmen. Bei den Fürbitten, eindringlich vorgetragen von Rosa Meh-
ringer aus der Erlebnisgeneration, wurde jener gedacht, die ihre Heimat hatten verlassen müssen, um eine neue Lebensperspektive zu finden. Zum Sanctus erklang das berühmte „Heilig“ von der Orgelempore. Organist Wolfgang Georg Liebl ist normalerweise bei sich zu Hause in der berühmten Basilika Sankt Maria Magdalena zu Tiefenbronn bei Pforzheim tätig. Den alljährlichen Heimatgottesdienst umrahmt er seit nunmehr zehn Jahren musika-
lisch gemeinsam mit seinen Kindern. In seiner Predigt sprach Pfarrer Baumgartner von „Aktionen und Treffen, die wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. So feiern wir auch den heutigen Gottesdienst nicht in Ihrer Heimat, bei den Wurzeln Ihres Lebens.“ Weiter sagte er: „Seit Jahrzehnten betreiben Sie, die Sudetendeutschen, ein Friedenswerk der Verständigung, Versöhnung, Kooperation und Erinnerung. Ihr Treffen steht
symbolisch für Verwurzelung, Beheimatung, Wachstum und für einen Neuanfang. Mut zum Frieden. Und Sie, die Sie heute anwesend sind, geben Ihrer Heimat, Ihren Wurzeln einen Namen und bringen zum Ausdruck: Ich habe meine Wurzeln nicht vergessen. Es geht weiter, wenn auch in einem anderen Land, in einer anderen Umgebung.“ Während der Kommunion spielten Vater und Tochter gemeinsam „Bist du bei mir“ von
Ronsperg
Kauf einen Stein, rette das Schloß
Johann Sebastian Bach. Beim Totengedenken gedachte man der Landsleute, die während oder an den Folgen der Vertreibung ihr Leben eingebüßt hatten. Dazu erklang das Tromptensolo „Ich hatte einen Kameraden“, gespielt von Benedikt Liebl. Pfarrer Franz Baumgartner spendete am Ende des Gottesdienstes den Landsleuten der Erlebnisgeneration, ihren Nachkommen sowie einer stattlichen Abordnung der SL aus Burglengenfeld den Segen Gottes. Aufgrund der geltenden Corona-Regelungen war auch heuer den rund 40 Teilnehmern das Singen untersagt, jedoch wurde während der Schubert-Messe fleißig mitgesummt. Und auch in diesem Jahr war der Heimatgottesdienst – trotz Corona und anderer Umstände – wieder ein ergreifendes Erlebnis. Liebl: „Mein Dank gilt Herrn Pfarrer Baumgartner für diesen wunderbaren Gottesdienst. Den beiden Ministranten und Mesner Josef Mehringer für seine Unterstützung des Zelebranten, den schönen Blumenschmuck und das Aufstellen der Sudetendeutschen Fahne.“ Außerdem dankte Liebl seinen beiden Kindern für zehn Jahre Mitmusizieren bei den Heimatgottesdiensten. Dafür gab es viel Applaus. Abgerundet wurde der Gottesdienst durch das Überreichen einiger Präsente. Zu guter Letzt brachten alle zum Ausdruck, daß sie sich sehr auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr in Böhmen freuten. Nun erklang traditionell das „Böhmerwald-Lied“, und man sagte dankbar „Servus Burglengenfeld“. Nunmehr läuft bereits die nächste Aktion für die Fans des Schlosses Ronsperg in Zusammenarbeit mit Buchalská Fišerová. Diese hat schöne Blumen in verschiedenen Farben aus PET-Flaschen hergestellt. Ein Strauß Blumen kann im MKIS für symbolische 50 Kronen, umgerechnet zwei Euro, gekauft werden. Der Reingewinn aus dieser Aktion fließt auch auf das zur Rettung der Burg eingerichtete transparente Sammelkonto. Die Schloß-Kommission hat noch viele Ideen. Sicherlich wird man nicht lange auf weitere Aktionen warten müssen. In Ronsberg scheint man auf jeden Fall auf einem guten Weg zum Erhalt des Schlosses zu sein, in dem Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi aufgewachsen ist. Die Wiege von Europa stand also in der hiesigen Region. Darauf sollte man hüben wie drüben entlang der Grenze stolz sein.
Nachdem dann die Schloß- Eröffnung fand in Anwesenheit germeister Martin Kopecký, De- cela Jeřábková versteigert. Und Kommission unter der Leitung der beteiligten Maler im Hof vor kan Miroslaw Gierga und die diesen sicherte sich schließlich uch der Bevölkerung im bay- von Eva Vondrašová die ersten dem Städtischen Kultur- und In- derzeitige MKIS-Leiterin Jit- Jan Látka mit einem Angebot erischen Grenzraum liegt der Aktionen zum Erhalt des Schlos- formationszentrum (MKIS) von ka Molnárová. Anschließend von umgerechnet 260 Euro. DaErhalt von Schloß Ronsperg, in ses gestartet hatte, da wurden Ronsperg statt. Trotz der schwar- wurden die beteiligten Künst- nach begann der Sturm auf die dem der Begründer der Paneuro- diese auch auf bayerischer Seite zen Wolken am Himmel wa- ler vorgestellt, die aus der Hand anderen Kunstwerke. Die Minpa-Union Richard Nikolaus Cou- aufmerksam verfolgt. Zu dieser ren rund 150 Besucher gekom- von Bürgermeister Kopecký destsumme, für die ein Stein erdenhove Kalergi aufwuchs, am Schloß-Kommission gehört der men. Schirmherrin der Veran- kleine Präsente erhielten, die standen werden konnte, betrug Herzen. Dies zeigte sich bereits, bisherige Zweite Vorsitzende des staltung war Marcela Jeřábková Vondrašová in einem Korb bereit- umgerechnet etwa acht Euro. JeVereins Poběžovi- vom Studio KOKO in Bischoftei- hielt. der Käufer konnte aber selbst ce-Ronsperg, Karl nitz. Danach erfolgte die feierli- entscheiden, wie viel er spenden Reitmeier, der trotz Unter den Besuchern befan- che Enthüllung der mit Tüchern wollte. Und die Spenden-Box der Pandemie-Zei- den sich auch der Ex-Senator bedeckten Kunstwerke. Die Be- füllte sich von Minute zu Minuten die Kontakte und Ex-Parlamentsabgeordnete sucher kamen aus dem Staunen te immer mehr. In wenigen Miüber eine gemein- Jan Látka, der nunmehr die Re- nicht heraus, was die Künstle- nuten waren alle schön bemalten same Facebook- gion Pilsen vertritt, Dekan Mi- rinnen und Künstler – darun- Steine weg. Schließlich kamen Gruppe nicht ab- roslaw Gierga aus Taus und Ge- ter auch Hobby-Maler – aus der auf diese Weise umgerechnet reißen ließ. neralvikar i. R. Emil Soukup. Die Region geschaffen hatten. Be- 2200 Euro zusammen, und daErste Aktion der Begrüßung wurde von Domini- vor der Verkauf der Kunstwerke her strahlten die OrganisatoSchloß-Kommissika Adamcová vorgenommen. erfolgte, wurde ein kunstvoller ren berechtigt über das ganze on war am 6. De- Grußworte sprachen auch Bür- Stein von der Schirmherrin Mar- Gesicht. zember die feierEin beliebtes Motiv der Steinebemaler ist das liche Enthüllung Schloß. Hier der Stein von Markéta Plaschá. und Einweihung der neu aufgestellals nach dem Fall des Eisernen ten Statuen und eines MetallVorhangs der damalige Further kreuzes in den Nischen der alten Bürgermeister Reinhold Ma- Friedhofskapelle zwischen der cho bei Bundeskanzler Helmut Tankstelle in Ronsperg und dem Kohl einen größeren Betrag für Schloßgarten ( HB 51/2020). Im die Sanierung des Daches locker Frühjahr folgte dann ein virtuelmachte. Das setzte sich fort, als ler Lauf für das Schloß, der eine die Trägerin der Further Bürger- große Resonanz fand medaille, die Japanerin Masumi ( HB 16/2021). ErBöttcher-Muraki – ihr verdan- freut war die Schloßken wir den japanischen Garten Kommission über in der Bischofteinitzer Patenstadt die vielen TeilnehFurth im Wald – auch in Rons- mer von der bayeriperg einen Zen-Garten errich- schen Seite. Dadurch ten ließ. Er gilt als Schwester- wurden unglaubliGarten der Further Anlage. Die che umgerechnet Stadt Furth im Wald hatte beim 400 Euro eingelauBau des Zen-Gartens in Rons- fen. perg mit Geräten ausgeholfen Kürzlich folgte die und auch später insbesondere Benefiz-Aktion „Kauf durch Sepp Hastreiter und Stadt- einen Stein, rette das gärtner Stefan Ege immer wieder Schloß“, mit der ein mit Rat und Tat zur Seite gestan- Volltreffer gelandet den. wurde. Die feierliche Eva Vondrašová von der Schloß-Kommission enthüllt die bemalten Steine, und 150 Kauflustige versuchen einen Stein zu ergattern.
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Bilder: Karl Reitmeier
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 26 | 2. 7. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
In diesem Teil schildert Pater Jaroslav Baštář die zunehmenden Spannungen zwischen Kirche und Staat 1948.
D
ie Wahlen im Jahr 1948 nach neuer Ordnung boten zwei erlei Möglichkeiten. Entweder stimmte man der einheitlichen Kandidatenliste der National front zu oder man äußerte sein Mißfallen an dieser Politik. Das bedeutete aber, sich in die Oppo sition einzureihen und einen so genannten weißen Stimmzettel abzugeben. Laut Amtsmitteilung wurden für die Kandidatenliste der Nationalfront 97 Prozent der Stimmen abgegeben, der Rest waren weiße, also nicht ausge füllte Zettel. Da gleich nach den Wahlen von Manipulationen die Rede war, können diese Ergeb nisse nicht als objektiv angenom men werden. Anscheinend wur den sie nicht nur in Neustadtl beträchtlich verfälscht, sondern auch anderswo. Im Jahr 1948 wurde im Okto ber das Gesetz über die Verstaat lichung erlassen. Betriebe wur den verstaatlicht. Es entstanden Kommunalbetriebe, Kombinate und Nationalbetriebe. Zum Na tionalbetrieb wurde auch die Neustadtler Schreinerei, in der Josef Sýkora und Josef Hrou da das Sagen hatten. Bis dahin hatte Förster Josef Svoboda den Pfarrwald verwaltet. Im selben Jahr wurden Kirchengrundstüc ke verstaatlicht. Neben der Pfar rei blieb nur ein Hektar Grund. Radikale Änderungen im gan zen politischen Geschehen bra chen ein, und es war leicht ab zusehen, daß sich dies auch im Verhältnis zwischen Staat und Kirche niederschlägt. Ein erster Vorbote war die Suspendierung von Josef Plojhar. Der Wortlaut der Suspendierung mußte an al len Eingängen der Kirche ausge hängt werden. So auch in Neu stadtl. Man muß dazu bemerken, daß die Neustadtler Öffentlich keit – auch die Gläubigen – auf diese Geste des Erzbischofs völ lig gelassen reagierte.
2. Kapitel Es war Frühjahr 1948 – Fa stenzeit, Vorbereitungen auf Ostern. Zu dieser Zeit hatte mich der Pfraumberger Pfarrer Pater Jan Hönnl gebeten, in Pfraum berg bei der Beichte von Tsche chen und Slowaken auszuhelfen. Ich kam diesem Wunsch nach. In einem Lieferwagen fuhr mich Jaroslav Sedláček nach Pfraum berg. Es herrschte Nebel und rauhes, feuchtes Wetter. Ich sah zum ersten Mal die ausgebrann te Kirche des heiligen Georgs und die Brandstätte der ehemals prunkvollen Pfarrei. Pater Hönnl wohnte zu jener Zeit bei einer deutschen Familie. Zur heiligen Beichte kamen deutsche Ein wohner, drei Slowaken und kein Tscheche.
Pfraumberg heute.
� Pater Jaroslav Baštář berichtet über zwölf Jahre im Grenzgebiet – Teil VIII
Kommunisten kommen, Deutsche weichen Kurz nach Ostern 1948 wur den die letzten Deutschen aus Pfraumberg, Neudorf und allen grenznahen Pfarrbezirken aus gesiedelt. Ausgesiedelt wurden auch Geistliche. So kam es, daß ich innerhalb weniger Tage zum Administrator excurrendo von Pfraum berg, Sankt Katharina, Roßhaupt und Neuhäusl wurde. Die Nachricht über den Fortgang der Deutschen aus Neuhäusl brachte mir Freisleben mit der Botschaft, die Schlüssel zum Pfarrhaus seien im Regenrohr. Neuhäusl war also leer. Nur Freisleben und einige Mitar beiter der Lebensmittelgenos senschaft waren geblieben. Übrigens hatten die Deut schen in Neudorf alles in be ster Ordnung zurückgelas sen. Vor der Abfahrt hatten die Frauen alles aufgeräumt, sau bergemacht und die Pfarrkir che des heiligen Leonards ge schmückt. Sie hatten die Al täre mit sauberen Tüchern bezogen. Viele Familien hat ten zum letzten Mal ihre Stu ben saubergemacht, die Grä ber ihrer Toten auf dem ört lichen Friedhof geschmückt, sich von allem verabschiedet – und waren fortgegangen … Neudorf wurde nicht neu besiedelt. Aber innerhalb we
niger Tage war die ganze Sied lung ausgeraubt. Neudorf wurde danach zu einer toten Siedlung. Es blieben nur eine Brandstätte, verfallende Häuser und der Na me auf der Karte. Gottesdienste wurden dort nie mehr gefeiert. Meine zweite neue Pfarrge meinde nach der Aussiedlung der Deutschen war Pfraumberg. Dieses Städtchen wurde durch ein Feuer gegen Ende des Krie ges erheblich beschädigt. Wie ich Pfraumberg heute: die Johannes-vonNepomukStatue vor der SanktGeorgs-Kirche.
bereits erwähnte, fielen dem Feu er die Kirche und die Pfarrei zum Opfer. Pfraumberg war bis 1945 Sitz des Kreisgerichts. Obwohl es in einer Höhe von 800 Metern liegt, war die Stadt stets lebendig und dicht bevölkert. In den Jahren 1945 und 1946 kamen viele repatriierte slowa kische Familien aus Rumänien nach Pfraumberg. Diese bilde ten den Kern der neuen Besied lung. Dort waren aber auch Ein wanderer anderer Nationalitä ten. Es waren sehr vielköpfige Familien und sowohl Slowa ken, als auch Wolhynientsche chen. Sie kamen sehr arm, nur mit Ranzen nach Pfraumberg. Sie waren eigentlich Men schen ohne Heimat. Zunächst gingen sie regelmäßig in die Kirche, sie waren es so ge wohnt. Später aber unterlagen sie der neuen Umgebung. Ihr Glaube und ihre Religion hat ten dünne Fundamente. Mit der Tracht legten sie auch ih re Bräuche ab – und auch die Religion, wie wir auf den näch sten Seiten dieser Memoiren erkennen werden. Die Kirche in Pfraumberg war in einem erbärmlichen Zu stand. 1945 brannte sie aus. Sie wurde nur notdürftig mit ei ner Teerdecke überdacht und
spärlich möbliert. Vom ursprüng lichen Interieur blieb nur der Hauptaltar, alles andere war zer stört. Auch die fast neue Orgel. Die Wände wurden innen zwar grob mit Kalk geweißelt, aber die grünen Schimmelflecken kamen trotzdem zum Vorschein. Das Dach war undicht, Wasser floß an allen Seiten herunter. In der Kirche war es sehr feucht, die Luft war selbst im Sommer roh und kalt, im Winter waren die Wände mit einer Eis schicht bedeckt. Die Bänke wa ren sehr einfach. Ohne Anstrich, ohne Rückenlehne und ohne Kniebank. Ein Provisorium. Der Schimmel legte sich auf alles. Ich mußte auf einem Motorrad alles für die Heilige Messe mit bringen, auch das Meßgewand. Das Feuer hatte die Glocken zer schmolzen. Statt diesen wurden in einen Baum neben der Kirche zwei große Kanonenkartuschen gehängt, und mit einem Hammer wurde dagegen geschlagen. So wurde in Pfraumberg zur Messe geläutet. Eine weitere neue Pfarrge meinde war Sankt Katharina. Auch dorthin kamen slowakische Familien und viele Wolhynien tschechen. Die waren zum Groß teil orthodox. In der Umgebung gab es ebenfalls eine zahlreiche
griechisch-katholische Minder heit. Die Seele der Pfarrgemein de war die aufopfernde Schwe ster Alfonsa Dvořáčková, die in der Pfarrei wohnte. Sie kümmer te sich um alles. Um die Kirchen, lehrte an Schulen, pflegte die Kranken, betreute Kinder. Sie schonte ihre Kräfte und auch ih re Gesundheit nicht. Die Pfarrgemeinden Roßhaupt und Neuhäusl waren nah an der Grenze. Die Kirche und das Pfarrhaus in Roßhaupt waren in einem guten Zustand, die Pfarrei war aber im Erdgeschoß von Mie tern bewohnt. Eine schöne Kir che hatte Neuhäusl, die Pfarrei hatte im Erdgeschoß einen Ter rassengarten. Die Siedlung aller dings war leer. Nur eine einzige Familie wohnte dort. In Sankt Katharina gab es re gelmäßige Gottesdienste, nach mittags um 16.30 Uhr, in Roß haupt und Neuhäusl nur gele gentlich. Die Spannung zwischen Staat und Kirche wuchs von Tag zu Tag. Zu spüren war dies auch in Neustadtl. An der Feier am Ostersonntag 1948 beteiligten sich viele Menschen auch aus umliegenden Siedlungen. Die Fenster der Häuser waren mit Kerzenschein beleuchtet, die fei erliche Atmosphäre dieses öster lichen Abends legte sich auf ganz Neustadtl. Nach der Feier mel dete sich in der Pfarrei ein son derbarer Besuch. Fremdlinge aus der Schweiz. Ich empfing in meinem Ar beitszimmer einen Herrn und zwei Damen. Der Herr war Ver treter des Internationalen Roten Kreuzes. Sie fuhren gerade durch Neustadtl und wurden zu unwill kürlichen Teilnehmern der Feier. Das Gespräch war herzlich, aber kurz. Der Besuch konnte nicht länger bleiben. Es wurde deutsch gesprochen. Thema jeder Frage war die Feier, die ihnen sehr ge fiel. Das hatte mich nicht sonder lich überrascht, denn die Feier war wirklich gelungen. Ich war sehr überrascht, als ich eine dieser beiden Damen dann regelmäßig in der Neustädtler Kirche sah. Sie saß in der Bank unterhalb der Kanzel und ver folgte aufmerksam die Predigt. Aber am Ostersonntag war sie doch bei mir in der Pfarrei gewe sen. Ich nahm an, sie gehöre zum Besuch aus der Schweiz. Und der Besuch nahm an, sie sei hier hei misch, wohl sogar meine Fami lie. Und dabei war sie sowohl mir als auch dem Herrn völlig fremd. Es war nämlich die Ehefrau des Angehörigen der Staatssicher heit Jaroslav Spilka. Sie spiel te ihr Spiel so sicher. Ein sicher gewagtes Spiel – aber dreist. Auf ihre Anwesenheit und ih ren Charakter machten mich die Gläubigen aufmerksam, und ihr „amtliches“ Interesse war mir klar. Ihr „religiöser Eifer“ währte nicht lange – zum Glück. Fortsetzung folgt
TERMINE n Samstag, 10. Juli, Tachau-Heiligen: Der Verein Via Carolina feiert 30 Jahre Grenzöffnung. 9.00 Uhr Treffen bei der Reitschule mit Übergabe eines Freundschaftsbaumes zur Pflanzung; anschließend Wanderung nach Bärnau und Paulusbrunn. 14.00 Uhr dort beim Böttgerdenkmal/Noutstoa Übergabe ei nes Baumes der Tschechen und Gedan kenaustausch. n Sonntag, 11. Juli, Bärnau und Paulusbrunn: Bergfest mit Heimattreffen.
9.00 Uhr Freilicht-Gottesdienst bei der Steinbergkirche mit der Stadtkapelle; Getränke bietet das Schützenhaus, Gast hof zur Post ist geöffnet, beim Landgast hof Zum Kaltn gilt Voranmeldung. n Sonntag, 11. Juli, Hals: Nach dem Bergfestgottesdienst Fahrt vom Ge denkstein oberhalb der Steinbergkirche nach Hals zum Friedhof und nach Rin gelberg zum Gefallenendenkmal. n Sonntag, 18. Juli, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto;
anschließend Kirchkaffee in der Sakri stei. Für Zweifach-Geimpfte keine Qua rantäne-Pflicht nach Rückreise. n Sonntag, 1. August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in Georgenberg-Hin terbrünst am Gedenkstein beim Kasta nienhof. Bereits am Vorabend gemütli ches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15.
n Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Wei den in der Oberpfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammen sein mit Egerländer Wirtshausmusik
im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonn tag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Ge denkstein in der Kurt-Schumacher-Al lee; 10.15 Uhr Versammlung der Mit glieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a; 12.00 Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mit tagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: Wolf-Die ter Hamperl, Adresse siehe Impressum oben.