Interview mit Reinfried Vogler, dem Präsidenten der Bundesversammlung (S. 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 160. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 73 | Folge 25 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 25. Juni 2021 Heiligenhof wird größer
1 CZK = 0,0392 EUR 1 EUR = 25,514 CZK
Heiratspolitik
Live-Vortrag von HDO-Direktor Otto Weber S. 8
Anton Günther
Gedenken an den großen Dichter und Sänger S. 11
Dokumentationszentrum
Stimmen zur Eröffnung Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen: „Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist der wichtigste der bislang fehlenden Bausteine in der Erinnerungs- und Gedenkstättenlandschaft der deutschen Hauptstadt.“ Eckhard Pols, Sprecher der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/ CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: „Das eindrucksvolle und 75 Millionen Euro teure Dokumentationszentrum ist ein Meilenstein der deutschen Erinnerungspolitik. Endlich gibt es für die Heimatvertriebenen und ihre Angehörigen mitten in der Hauptstadt einen würdigen Ort, in dem an ihr millionenfaches Schicksal erinnert und gesamtgesellschaftlich anerkannt wird.“ Stephan Mayer, Erster Stellvertretender Vorsitzende der Gruppe und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium: „Hinter uns liegen zwölf Jahre harter Arbeit im Stiftungsrat, in denen wir uns trotz erheblicher Widerstände und heftiger Kontroversen erfolgreich dafür eingesetzt haben, daß der Schwerpunkt der Dauerausstellung auf Flucht, Vertreibung und Integration der Deutschen liegt, weil wir immer davon überzeugt waren, daß nur dann diese Einrichtung zur Versöhnung der Deutschen mit sich selbst und, das ist mir als Enkel von Sudetendeutschen wichtig, auch mit unseren östlichen Nachbarn beitragen kann.“ Bernd
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„Ein angemessener und notwendiger Raum unserer Erinnerungskultur“
KURSE
Posselt und Juncker für mehr Engagementt S. 5
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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin:
Bauantrag für Erweiterung eingereicht S. 4
Sorge um Europa
VOLKSBOTE
Mit einer live zugeschalteten Bundeskanzlerin ist am Montag das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Deutschlandhaus in Berlin eröffnet worden.
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m die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen zu können, um eine gute Zukunft gestalten zu können, müssen wir die Erinnerung an vergangenes Leid wachhalten. Erinnerung braucht Raum. Erinnerung braucht Orte der Information und Orte des Austauschs. Einen solchen Ort haben wir mit dem Dokumentationszentrum gewonnen“, sagte Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede. Die Kanzlerin, die ursprünglich persönlich im Deutschlandhaus hatte anwesend sein wollen, betonte in ihrer Videorede, es sei nicht nur ein Informationszentrum, sondern mehr. Denn die vielen Zeitzeugen, die mit persönlichen Gegenständen und ihren individuellen Geschichten Eingang in die Ausstellung fanden, vermitteln, was geschehen sei, brächten Flucht und Vertreibung den Besuchern näher und bildeten so Brücken von der Vergangenheit zur Gegenwart. Merkel sprach hier ganz besonders die Sudetendeutsche Christine Rösch an, die ihr Lebensschicksal, von Neutitschein nach Bayern vertrieben worden zu sein, in der Feierstunde geschildert hatte und deren Zeitzeugenbericht Teil der Dauerausstellung ist. „Sie wissen, was es bedeutete, aus der Heimat vertrieben zu werden und diesen Verlust ein Leben lang zu tragen. Mit Ihrem Vortrag haben Sie unterstrichen, warum ein solches Dokumentationszentrum so
Emotionaler Höhepunkt der Eröffnung: Die Sudentendeutsche Christine Rösch (92) berichtet als Zeitzeugin von ihrer Vertreibung – stellvertretend für alle Opfer. Bundeskanzlerin Angela Merkel war live zugeschaltet. Bilder: Miksch.
Ministerin Prof. Monika Grütters
Das Schicksal der Zeitzeugin Christine Rösch ist Teil der Dauerausstellung.
Dr. Gundula Bavendamm
wichtig ist.“ Angela Merkel, deren Mutter in Danzig geboren war, beschrieb dann, daß die Gesellschaft Erinnerung pflegen und einen umfassenden Dialog darüber führen müsse. Und verwies auf eine überzeugende Begründung, die der polnische Literaturhistoriker und Mitglied der Solidarnosc Jan Jósef Lipski in einem Brief an Günter Grass in den 1980er Jahren schrieb: „Wenn wir dies nicht tun, erlaubt uns die Last der Vergangenheit nicht, in die gemeinsame Zukunft aufzubrechen.“ Am Ende ihrer Rede dankte Merkel allen, „die daran gearbeitet haben, dem Gedenken an Flucht und Vertreibung mit einem sichtbaren Ort in unserer Hauptstadt einen angemessenen und notwendigen Raum in unserer Erinnerungskultur zu geben“. Zum Auftakt des Festaktes hatte Staatsministerin Monika Grütters, die Vielstimmigkeit des Erinnerns quer durch Europa konstatiert und eine homogene europäische Erinnerungskultur für unmöglich und nur Erinnerungsaustausche für möglich erklärt. Und die Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Gundula Bavendamm, hatte als Hausherrin das Konzept der Ausstellung vorgestellt. Unter den coronabedingt wenigen Gästen waren Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, die Botschafter Tomáš Kafka (Tschechische Republik), Andrzej Przyłębski (Polen) und Péter Györkös (Ungarn), BdV-Präsident Bernd Fabritius, Reinfried Vogler (Präsident der Sudetendeutschen Bundesvereinigung) und der Parlamentarischer Staatssekretär Stephan Mayer. . Ulrich Miksch
Erster Rundgang durch das neue Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Es fehlt die tiefgreifende Kontextualisierung Von außen sieht das neue Dokumentationszentrum „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ noch immer aus wie das Deutschlandhaus, in dem bis Anfang der 2000er Jahre die Vertriebenenverbände in Berlin nahe des SBahnhofs Anhalter Bahnhof ihr Domizil hatten. Doch handelt es sich faktisch um einen Neubau.
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n der Eingangshalle führt eine spektakuläre Treppe zum Obergeschoß, wo die eigentliche Ausstellung beginnt. Zuerst wird dort versucht, eine europäische Geschichte der Zwangsmigration anhand von fünf Themeninseln zu erzählen, dann geht es über eine imposante Wendeltreppe in das zweite Obergeschoß, wo Flucht und Vertreibung der Deutschen im Kontext vor allem des Zweiten Weltkrieges thematisiert werden. Mit modernen technischen Mitteln ist eine auch für junge Menschen attraktive Ausstel-
lung entstanden – multimedial, mit tastbaren Objekten und Riechstationen. Auch gibt es eine Bibliothek und ein Zeitzeugenarchiv im Aufbau. Die Ausstellung auf 1300 Quadratmetern mit 700 Exponaten hat auch einige Objekte sudetendeutscher Herkunft. So ist die von Ernst Thiel in Gärtringen aufgebaute Altvater-Hei- Unter den Exponanten befindet sich auch eine AltvaBild: Ulrich Miksch matstube voll- ter-Heimatstube. umfänglich in einem verglasten Hochregal aus- der Vertreibung der Schmuckgestellt. macher in der DDR (VEB GabloBeispiele der Schmuckpro- na im brandenburgischen Jüterduktion aus Gablonz, die nach bog) und in Westdeutschland
(Neugablonz im bayerischen Kaufbeuren) weiterging, werden gezeigt. Außerdem ist ein Schmuckkästchen aus Karlsbad als Tastobjekt vertreten. Wer sich in der Bibliothek umschaut, wird in der ZeitschriftenAblage den Ackermann und die Sudetendeutsche Zeitung mit ihren aktuellen Ausgaben finden. Und man stolpert dort auch über eine Holzkiste von Franz Sacher aus Lappersdorf 1, Kreis Karlsbad, von denen es ähnliche unzählig gibt, in denen Familien ihr wenig gebliebenes Hab und Gut bei der Austreibung transportierten. Gundula Bavendamm, die Direktorin der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, stellte heraus, daß etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung in seinen Familien Vertriebenenschicksale birgt. Und spätere Vertriebene, wie die vietnamesischen Boatpeople oder Flüchtlinge der Bal-
kankriege der 1990er Jahre, die auch thematisiert werden, haben ebenfalls Anteil an dem, was nach Bavendamm die Ausstellung vermitteln will: „Verstehen, was Verlust bedeuten kann, materiell wie immateriell.“ Was man aus sudetendeutscher Perspektive vergeblich sucht, ist die Verortung der Minderheitenthematik im Ausgang des Ersten Weltkrieges. Die Auflösung der multiethnischen Staaten in Europa, hier besonders der Habsburger Monarchie, hatten zu einer Vielzahl von Minderheiten geführt, die in den neugegründeten Nationalstaaten keine richtige Anerkennung erhielten. Im Lichte des neuen Dokumentationszentrums in Berlin wird deshalb deutlich, wie notwendig das Sudetendeutsche Museum in München ist, wo das Vertreibungsschicksal der Sudetendeutschen mit weithaus mehr Hintergrund kontextualisiert wird. Ulrich Miksch
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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egleitet von der Leiterin des Centrums Bavaria Bohemia, Veronika Hofinger, hat eine CSUDelegation die Hauptstadt Prag besucht, um mit tschechischen Politikern und anderen Akteuren der nachbarschaftlichen Beziehungen ins Gespräch zu kommen. Die Reise hatte der für die Tschechische Republik verantworliche Projektleiter der Hanns-
PRAGER SPITZEN
Seidel-Stiftung, Markus Ehm, vorbereitet. Am Abend des 20. Juni traf sich die Gruppe mit SL-Büroleiter Peter Barton zu einem Informationsaustausch. Mit dabei (v.l.): Eva Meidinger (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Dr. Veronika Hofinger, Dr. Markus Ehm, Gerhard Hoppe (MdL), Peter Barton und Christian Doleschal (MdEP und Landesvorsitzender der JU Bayern).
Turów: Warschau und Prag verhandeln
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Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk hat den Bauantrag eingereicht
Neue Küche, neuer Plenarsaal: So schön wird der Heiligenhof Den Bauantrag für die geplante Erweiterung des Heiligenhofs haben die Vertreter der Stiftung Sudentendeutsches Sozial- und Bildungswerk (SSBW) jetzt an Bad Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel übergeben.
Ex-Minister Petříček tritt nicht wieder an
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m Jahr 2019 hatte der Heiligenhof über 10 000 Gäste mit rund 40 000 Übernachtungen. Insbesondere der Speisesaal und die Küche kamen dabei an ihre Kapazitätsgrenzen. Um den Heiligenhof zukunftsfest zu machen, beschloß der SSBW-Vorstand einen weiteren Ausbau, da auch die Anforderungen und Bedürfnisse der verschiedensten Gruppen, die den Heiligenhof für ihre Veranstaltungen buchen, immer vielfältiger und anspruchsvoller werden. So wird der Heiligenhof auch von vielen musischen und kulturellen Vereinigungen, wie Chören, Kapellen und Kabarettgruppen gebucht, die ein passendes Raumangebot benötigen. Mit der Planung beauftragten der SSBW-Vorstand und der Direktor des Heiligenhofs, Steffen Hörtler, den in der Region bekannten und erfahrenen Architekten Stefan Buttler und dessen Büro Planwerk in Würzburg. Der Entwurf für den Erweiterungsbau ist ein kühnes Konzept mit klaren geometrischen Formen: ein halber Würfel mit zwei Geschossen vor dem Feuerlöschteich. Der Innenhof wird begrünt, und die Versorgungszufahrten werden seitlich hinter das Wäldchen verlegt. Die ehemaligen Ställe, heute Garagen und Werkstätten, werden abgerissen. In der unteren, ebenerdigen Anzeige
Bad Kissingens Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogler (r.) erhält den Bauantrag vom alten und neuen Vorstand der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk (v.l.) Robert Wild, Christian Leber, Peter Sliwka, Dr. Günter Reichert, Reinfried Vogler und Hans Knapek Bilder: Ulrich Rümenapp Etage werden die Küche und der Speiseraum sein. Im ersten Stock sind drei Seminarsäle geplant, die mit flexiblen Wänden ausgestattet sind und zu einem großen Plenarsaal umgebaut werden können. Je Geschoß ist eine bebaute Fläche von rund 850 Quadratmetern vorgesehen. Die Bau-
kosten für das Projekt werden knapp fünf Millionen Euro betragen. Nach der Förderzusage des Freistaates Bayern über zwei Millionen Euro soll nach Erteilung der Baugenehmigung bereits in diesem Jahr der Rohbau fertiggestellt werden.
Die fehlenden drei Millionen Euro werden durch Kredite aufgebracht. Die Stiftung SSBW hofft aber auch auf Zuwendungen, Spenden sowie Nach- und Vorlässe von Landsleuten, wie das auch bisher immer wieder der Fall war. Gustav Binder
HEIMATBILDER Für den 2022er Kalender der Sudeten deutschen Landsmannschaft suchen wir schon jetzt schöne Farbfotos aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien.
Eine Jury wird dann aus den Bildern die jenigen aussuchen, die ein vielfältiges Bild der Volksgruppe zeigen und dem Wechsel der Jahreszeiten gerecht werden.
Die Landsmannschaft ruft erneut alle Hobbyfotografen auf, mit der Kamera die Heimat einzufangen. Gesucht werden Motive, die sich mit der Kultur und der Vielfalt der sudetendeutschen Heimat auseinandersetzen: stimmungsvolle Land schaften, historische Gebäude und grenz überschreitende Begebenheiten. Auch Winterbilder sind gefragt. Den Ideen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Folgende Angaben sind für jedes Bild erforderlich: exakte Beschreibung, Ort mit Kreisangabe und Datum der Aufnahme, Vor und Nachname der/des Fotografin/ Fotografen, Anschrift, Telefonnummer, gegebenenfalls EMailAdresse. Die Fotografen gewährleisten ausdrück lich, dass sie das Urheberrecht an den ein gereichten Fotos haben und diese frei von Ansprüchen und Rechten Dritter sind. Sie räumen dem SLBundesverband uneinge schränktes und unentgeltliches Nutzungs recht ein und erklären sich mit der Veröf fentlichung ihres Namens einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
er ehemalige Außenminister Tomáš Petříček (Sozialdemokraten) wird bei der Abgeordnetenwahl im Herbst nicht für die sozialdemokratische Partei in Prag kandidieren. Mit seinem Rückzug von der Kandidatenliste reagierte der Politiker auf die parteiinterne Forderung, ihn an der Spitze der Prager Kandidatenliste durch die Ministerin für Arbeit und Soziales, Jana Maláčová, zu ersetzen. Petříček: „Die Führung der ČSSD verschließt weiterhin die Augen vor den eskalierenden Fällen des Premierministers, ignoriert den offensichtlichen riesigen Interessenskonflikt und hat offenbar nicht die Absicht, vor den Wahlen etwas zu unternehmen, das die Auswirkungen auf die Tschechische Republik und ihre Menschen zumindest teilweise abmildern würde. Unter solchen Umständen kann ich die derzeitige Politik der Sozialdemokraten weder vor mir selbst noch vor den Wählern verteidigen.“
Pagenhaus: Sanierung beendet
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rstmals seit der Sanierung ist das Pagenhaus auf dem Hradschin der Öffentlichkeit präsentiert worden. Geplant ist, ab 2023 in dem Renaissancepalast eine Dauerausstellung des Museums des Gedächtnisses des 20. Jahrhunderts zu zeigen. Das von der Stadt Prag gegründete
Ondřej Kolář ersetzt Dominik Feri
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ndřej Kolář (Top 09), Bürgermeister des sechsten Prager Stadtbezirks, ersetzt den ehemaligen Abgeordneten Dominik Feri auf der Prager Kandidatenliste der Koalition Spolu für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, die im Oktober stattfinden. Der auf Platz vier gelistete Feri hatte im Mai alle Ämter und seine Parteimitgliedschaft niedergelegt, nachdem die Justiz Ermittlungen gegen ihn wegen mehrerer Fälle von sexueller Belästigung eingeleitet hatte (Sudetendeutsche Zeitung berichtete).
„Gloria Musealis“ für Bergbaude
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ls bestes Museumsprojekt des Jahres 2020 ist die nach einem Brand im Jahr 2014 wiedererrichtete Bergbaude Libušín mit dem Preis „Gloria Musealis“ ausgezeichnet worden. An dem Wettbewerb hatten sich 56 Museen und Galerien beteiligt. Bergbauden waren in den Beskiden ursprünglich Schutzhütten für Viehhirten. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie häufig zu Herbergen für Wanderer erweitert.
Urlaub: Tschechen bleiben im Land
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und die Hälfte der tschechischen Familien will den Sommerurlaub im eigenen Land verbringen, hat eine Umfrage des Internetportals Explorio.cz ergeben. Auch die tschechischen Hoteliers und Herbergsbetreiber rechnen damit, daß einheimische Familien die Hauptgäste sein werden, nachdem die Zahl der ausländischen Urlauber in Folge der Pandemie dramatisch eingebrochen war.
Außenminister plant zwei Gipfeltreffen
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enn die Tschechische Republik in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres den EU-Vorsitz übernimmt, wolle man zwei Gipfeltreffen veranstalten, hat Außenminister Jakub Kulhánek (Sozialdemokraten) bekanntgegeben. Themen seien die transatlantischen Beziehungen und die Vorbereitungen der Länder des Westbalkans auf den EU-Beitritt.
Sudetendeutsche Zeitung
Die Sudetendeutschen
Die digitalen Farbfotos sollen in höchster Auflösung (bitte alle Verkleinerungs optionen des Betriebssystems oder EMailProgramms abschalten!) per EMail an kalender@sudeten.de oder auf einem Datenträger (CD/DVD/USBStick) bis Dienstag, 31. August 2021 an die Sudetendeutsche Landsmannschaft (Hochstraße 8, 81669 München) geschickt werden.
m Streit um den umstrittenen Kohletagebau Turów streben Polen und die Tschechische Republik jetzt eine Verhandlungslösung an, nachdem der Europäische Gerichtshof einen Weiterbetrieb wegen der massiven Umweltzerstörung untersagt hatte (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Zu Beginn der Verhandlung sagte der tschechische Umweltminister Richard Brabec (Ano), der Kohlebergbau in Turów sei zwar für Polen in Bezug auf Energiesicherheit und Beschäftigung sehr wichtig, dennoch dürfe dies nicht zu einem Verlust von Lebensqualität der tschechischen Bürger führen. Sollten sich beide Seiten nicht einigen können, drohen Warschau bei einem Weiterbetrieb Strafzahlungen von fünf Millionen Euro pro Tag.
Museum soll dabei die Geschichte des totalitären Regimes in der Tschechoslowakei aufarbeiten.
Das erste kollektive Eigentum einer Vertriebenengruppe
Der Heiligenhof Der Heiligenhof ist eine 1923 bei Bad Kissingen auf einer Anhöhe errichtete Herrenvilla im klassizistischen Stil mit einem Säulenportikus. Seit 1952 war das Haus im Eigentum des Sudetendeutschen Sozialwerks, das diese Immobilie 2007 in die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk eingebracht hat.
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er Heiligenhof ist das erste kollektive Eigentum einer Vertriebenengruppe und erfüllt immer noch die gleichen Ziele, die die Gründer ihm zugedacht haben. Er ist eine Stätte der Bildung und Begegnung für alle Generationen. Und für die Sudetendeutschen ist er ein zentraler
Ort der Verbandsarbeit. Die Geschichte des Heiligenhofs ist eine „unendliche Baugeschichte“. Die alte Herrenvilla wurde bald zu klein, sodaß das Haus bereits in den 1950er Jahren erstmals erweitert wurde. Um die Jahrtausendwende beschloß man eine grundlegende Erweiterung zu einer zeitgerechten Bildungsstätte. In den Jahren 2000 bis 2020 wurden neun Millionen Euro in die Modernisierung investiert, davon drei Millionen Euro aus Spenden und Nachlässen sudetendeutscher Landsleute und drei Millionen Euro aus öffentlichen Förderungen, davon der Großteil aus Mitteln des Freistaates Bayern. GB
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redakationsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2021 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Herbert Fischer. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Eine Ära geht zu Ende: Bei der Bundesversammlung am Wochenende in München wird Reinfried Vogler zum letzten Mal als Präsident der Bundesversammlung dem obersten Organ der Sudetendeutschen vorsitzen. Kurz vor seinem 90. Geburtstag will der hoch angesehene Sudetendeutsche das Amt in jüngere Hände legen. Im Interview mit der Sudetendeutschen Zeitung zieht er eine Bilanz seines bisherigen Lebens. Herr Vogler, Sie sind 1931 in Leipertitz geboren worden. Wie haben Sie die letzten Kriegsmonate erlebt? Reinfried Vogler: Mein Vater war an der Ostfront. Meine Mutter, meine beiden Schwestern und ich lebten damals in Lundenburg, wo mein Vater vor dem Krieg Schuldirektor gewesen war. Im Sommer 1944 kam dann die Front immer näher, aber wir gingen noch normal zur Schule. Immer öfter konnte man am Himmel die alliierten Bomberverbände beobachten, die von Süden aus über uns Richtung Sachsen geflogen sind. Wir hatten fast jeden Tag Fliegeralarm – ohne, daß etwas passierte. Das änderte sich dann im November. Vogler: Es war der 20. November 1944. Ich stand draußen vor der Tür und habe mal wieder die Flugzeuge beobachtet, die immer näher kamen. Meine Mutter hat mich dann ganz energisch in den Keller getrieben, und ein paar Sekunden später detonierten überall die Bomben. Die Wände wackelten, Putz viel von der Decke, aber Gott sei Dank
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Interview mit Reinfried Vogler, dem Präsidenten der Sudetendeutschen Bundesversammlung
„Wir hatten nichts – außer unserem Handgepäck“
Vogler: Er kam bereits Ende 1947 aus russischer Gefangenschaft, weil er aus Südmähren stammte und als Österreicher eingestuft wurde. Es war natürlich eine große Freude, als ich meinen Vater das erste Mal seit seinem letzten Fronturlaub im Jahr 1944 wieder gesehen habe, aber er war gesundheitlich schwer angeschlagen und ist bereits 1956 im Alter von nur 56 Jahren gestorben. Wovon haben Sie im Lager in Linz gelebt? Vogler: Ich bewundere meine Mutter bis heute, wie sie uns über die Runden gebracht hat. Meine Mutter hatte eine hauswirtschaftliche Ausbildung, und das Lager war gerade im Aufbau. Sie fing in der Kü-
ner engsten Freunde ist ein ehemaliger Mitschüler. Nach dem Abitur habe ich dann Jura in Würzburg studiert. Wie sind Sie anschließend ins Berufsleben eingestiegen? Vogler: Ich habe zuerst bei einer Kanzlei gearbeitet und dann ein Angebot vom Arbeit-
„Sekunden später detonierten die Bomben“ lag unser Haus am Stadtrand. Kurz nachdem eine Bombe vielleicht dreihundert Meter von uns eingeschlagen war, war plötzlich Ruhe. Der Angriff war zu Ende. Doch noch in den nächsten Tagen explodierten immer wieder Blindgänger und richteten verheerende Schäden an. Wir sind dann zu den Großeltern nach Leipolditz geflüchtet. Als die Front immer näher rückte, wurde in Südmähren hart gekämpft. Wir wurden deshalb am 7. April von der Wehrmacht evakutiert. In Salzburg haben wir übernachtet und dort zufälligerweise einen Gendarm in tschechischer Uniform getroffen, der uns dringend geraten hat, nicht zurück nach Mähren zu fahren. Wir sind dann mehrere Tage mit der Bahn bis nach Vorarlberg transportiert worden, wo meine Mutter und wir Kinder auf einem Bauernhof gearbeitet haben, um für unseren Lebensunterhalt zu sorgen. Aber trotz der Warnung wollten Sie wieder nach Hause? Vogler: Von der wilden Vertreibung und den vielen Toten haben wir damals noch nichts mitbekommen. Im Spätsommer setzten wir uns in einen Zug und wollten über Salzburg und Wien nach Mähren fahren. Doch an der Zonengrenze in Linz war dann Endstation. Alle NichtÖsterreicher wurden aus dem Zug geholt. Wir wurden dann in ein Lager in der Schloßkaserne eingewiesen. Wir hatten nichts – außer unserem Handgepäck. Wann haben Sie Ihren Vater wieder getroffen?
Reinfried Vogler als Präsident der Bundesversammlung in der Sitzung im Jahr 2019. che an und hat später diesen Bereich auch geleitet. Wir waren staatenlos und haben deshalb bis 1950 in dem Lager gelebt, aber im Laufe der Zeit erfahren, welch großes Glück wir hatten. Meine Tante mußte in Mähren Zwangs-
„Meine Tante mußte Zwangsarbeit leisten.“ arbeit leisten – wie so viele andere auch. Und es gab immer mehr Berichte von Überlebenden, die ins Lager kamen, daß ab Mai 1945 viele Sudetendeutsche bei der wilden Vertreibung erschossen oder zu Tode geprügelt wurden oder an Erschöpfung gestorben sind. Das war furchtbar. Ihr Vater ist dann illegal über die Grenze nach Deutschland gegangen. Warum? Vogler: Er wollte wieder als Lehrer arbeiten, aber in Österreich hätte er auf all seine Beam-
tenansprüche verzichten müssen. Er hat dann eine Stelle in Heilbronn angetreten und zunächst mich über die Grenze geschmuggelt, damit ich rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres in der Abiturklasse aufgenommen wurde. Später folgten dann meine Mutter und meine Schwestern. Aber auch in Heilbronn waren die Zustände schlimm. Die ganze Stadt war zerstört. Vom Bahnhof konnte man über die gesamte Innenstadt schauen. Die Fachwerkhäuser waren niedergebrannt, und in den Hauptstraßen fuhren die Loren, die Schutt abtransportierten. Wie sind Sie von Ihren neuen Klassenkameraden aufgenommen worden? Vogler: Ich hatte nie das Gefühl, ein Außenseiter zu sein. Ich habe noch heute gute Kontakte zu meiner Abiturklasse. Wir treffen uns jedes Jahr, und einer mei-
Bild: Herbert Fischer
geberverband im Saarland erhalten. Im Präsidium saß auch der Seniorchef von Villeroy & Boch, der mich dann 1969 zur Arbeitsgemeinschaft Keramische Industrie nach Frankfurt geholt hat. Dort war ich dann von 1981 bis zu meiner Pensionierung im Jahr 1996 Hauptgeschäftsführer und habe mich ehrenamtlich in der gesetzlichen Sozialversicherung eingesetzt. Seit 1969 leben meine Familie und ich in Kronberg im Taunus, wir haben aber noch ein zweites Zuhause in Österreich im Dreiländereck zu Deutschland und der Tschechischen Republik. Wann haben Sie angefangen, sich in der Landsmannschaft zu engagieren? Vogler: Geprägt haben mich die Verkündung der „Charta der Vertriebenen“ am 6. August 1950 vor dem zerstörten Schloß in Stuttgart, an der ich teilgenom-
men hatte, und die Arbeit auf und für den Heiligenhof. Bereits vorher in Heilbronn war ich in der Sudetendeutschen Jugend. Es war eigentlich keine Frage für uns, daß man dort hingeht. Da habe ich auch meine Frau Erika kennengelernt, die 1939 in Brüx, also in Nordböhmen, geboren wurde. Wir haben 1962 geheiratet, und 1963 kam unsere Tochter zur Welt. Unsere Enkeltochter ist mittlerweile auch erwachsen und studiert in Passau Jura. Seit 2012 sind Sie Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, eine ehrenvolle Aufgabe, die Sie jetzt mit Ihrem 90. Geburtstag in jüngere Hände glegen wollen. Kamen Sie zum Amt oder das Amt zu Ihnen? Vogler: Ich habe mich nicht beworben, habe mich aber immer aktiv für die Sudetendeutschen eingesetzt, zum Beispiel habe ich die
1. Mai 1968, also mitten im Prager Frühling, waren wir dann in Prag. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen. Diese Aufbruchsstimmung ist leider verloren gegangen. Diese Gespräche, die wir damals mit unseren tschechischen Landsleuten geführt haben, waren von einer Offenheit, die selbst heute noch nicht möglich ist. Es war dann umso schlimmer, aus der Entfernung im Westen mitzuerleben, wie brutal der Prager Frühling unter Führung der sowjetischen Armee niedergeschlagen wurde. Sie haben trotzdem Ihr Engagement in der Heimat fortgesetzt. Vogler: Ja, wir haben unter anderem in Leipertitz – üb-
„Es war, als ob ich nie weggewesen wäre.“
rigens gemeinsam mit unseren tschechischen Landsleuten – die Friedhöfe restauriert und viele Dokumente gesichert aus der Zeit, als mein Großvater und Urgroßvater dort Bürgermeister waren. Seit Jahren nehmen Sie auch am Brünner Versöhnungsmarsch teil, der an den Brünner Todesmarsch erinnert. Vogler: Diese Erinnerung ist von jungen Tschechen in Brünn ins Leben gerufen worden. Mit meiner Teilnahme möchte ich dieses wichtige Engagement unterstützen. Außerdem sind wir das den Toten schuldig. Im Oktober sind in der Tschechischen Republik Parlamentswahlen. Was wünschen Sie sich? Vogler: Es ist allein Sache der Tschechen, über ihre eigene Regierung zu entscheiden. Ich hoffe aber, daß das Land eine stabile Führung bekommt, um die Herausforderungen der Zukunft angehen zu können. Dazu könnte dann auch die weitere Aufarbeitung der eigenen Geschichte gehören. Vogler: Mit Freude stelle ich fest, daß zumindest die junge Generation zunehmend kritischer denkt und auch die eigene Verantwortung hinterfragt. Aber in der Tschechichen Republik gibt es immer noch das Trau Zur Person: Reinfried Vogler ma von der „Schlacht am Geboren am 2. Juli 1931 in Leipertitz. Weißen Berg“ Seit 1962 verheiratet mit Erika. Das Paar hat bei Prag, als eine Tochter und lebt seit 1969 in Kronberg im am 8. NovemTaunus. ber 1620 inner Von 1969 bis 1996 in verantwortlichen Pohalb von nur sitionen bei der Arbeitsgemeinschaft Kerazwei Stunden mische Industrie, von 1981 bis zur Pensioniedie gesamrung als Hauptgeschäftsführer dieses Arbeitte böhmischgeber-Bundesverbandes. pfälzische Ar Von 2012 bis 2021 Präsident der Sudetenmee aufgedeutschen Bundesversammlung. rieben wurde, 1997 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundeswas die Polirepublik Deutschland. tik der folgen 2006 Großes Verdienstkreuz der Bundesreden drei Jahrpublik Deutschland. hunderte stark beeinflußt hat. Aus einer urStiftung Sudetendeutsches Sozi- spünglich religiösen Auseinanal- und Bildungswerk mitaufge- dersetzung hatte sich im Laubaut und -gestaltet. Gleiches gilt fe der Zeit der Konflikt zwischen für den Südmährischen Land- Deutschen und Tschechen entschaftsrat und den Sudetendeut- wickelt. Wir als Sudetendeutschen Rat. Ich bin in der Bundes- sche sind deshalb gut beraten, versammlung dann vorgeschla- Geduld zu haben und unseren gen und gewählt worden. Kurs der partnerschaftlichen AnWann waren Sie das erste Mal näherung weiter fortzuführen, wieder in Ihrer Heimat? wie wir es bereits in den 1950er Vogler: Wir sind im Frühjahr Jahren gemeinsam mit unseren 1968 nach Mähren gereist. Es tschechischen Landsleuten in war, als ob ich nie weggewesen dem Wiesbadener Abkommen wäre. Ich hatte das Gefühl, daß erarbeitet haben. ich jeden Stein noch kenne. Am Torsten Fricke
Bundesinnenminister Horst Seehofer zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung
„Den Opfern gebührt ein würdevolles Gedenken“ „Es gibt keine Aufrechnung von Leid“, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung erklärt.
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as Mitglied der Bundesregierung unterstrich damit, daß das Leid der Vertriebenen zwar im Kontext der von Deutschland
begangenen Verbrechen und des Leids der Opfer des NS-Regimes stehe, der 2015 eingeführte Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung aber keine Relativierung darstelle. Das Leid der Vertriebenen habe, so Seehofer am Sonntag auf dem Gedenktags-Festakt in Berlin, wesentlichen Anteil an der
deutschen Geschichte und spiele bis heute eine bedeutende Rolle in der Kultur Deutschlands. Seehofer: „Den Opfern von Flucht und Vertreibung gebührt ein würdevolles Gedenken.“ Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, sagte, es sei wichtig, die Erinnerung an die Heimatver-
triebenen wachzuhalten, um das Leid heutiger Flüchtlinge nachvollziehen zu können. Hasselfeldt: „Das unermeßliche Leid von Millionen Toten und Vertriebenen dürfen wir nicht vergessen. Solange noch Zeitzeugen unter uns sind, sollten wir ihnen aufmerksam zuhören.“ Durch ihren Verzicht auf Rache und Ver-
geltung hätten die deutschen Heimatvertriebenen zudem „einen großartigen Beitrag zur Versöhnung geleistet“. Der Präsident des Bundes der Vertriebenen, Bernd Fabritius, mahnte, das Trauma von Flucht und Vertreibung dürfe sich nicht wiederholen: „Jede Vertreibung ist immer ein Verbrechen.“
Würdigte die Opfer von Flucht und Vertreibung: Bundesinnenminister Horst Seehofer.
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TERMINE . AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25.6.2021
Wanderausstellung „Gerettete Denkmale – Zeugen der deutschen Kulturgeschichte in der Tschechischen Republik“
Konzerte beleben das Gotteshaus
Bundesaußenminister Maas
Volksgruppensprecher Posselt
Deutsch-Tschechisches Gesprächsforum
Maas ernennt Posselt Bundesaußenminister Heiko Maas hat den Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, erneut für zwei Jahre zum Mitglied des Beirates des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums ernannt.
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ieses Gremium hat im deutsch-tschechischen Dialog eine wichtige Koordinierungsfunktion und besteht aus je 15 Persönlichkeiten, die die jeweiligen Regierungen berufen.
Posselt ist das einzige Mitglied, das diesem Rat seit dessen Gründung 1998 angehört. Vorsitzende des Rates sind MdB Christian Schmidt und der langjährige Vizepräsident des EU-Parlamentes Libor Rouček. Posselt leitet gemeinsam mit SL-Karlspreisträger Milan Horáček das Unterforum „Dialog ohne Tabus“, das regelmäßig in Haindorf im Isergebirge zusammenkommt und auch heikle geschichtspolitische Themen offen diskutiert.
„Gerettete Denkmale – Zeugen der deutschen Kulturgeschichte in der Tschechischen Republik“ lautet der Titel einer Wanderausstellung, die über die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen angefordert werden kann.
D
ie im Barockstil 1736 neuerrichtete St.-Martin-Kirche in Hurka bei Klattau steht auf einer künstlichen Terrasse, die von einer Stützmauer begrenzt und einem Friedhof umgeben wird. Die Kirche ist in einem rela-
tiv guten Zustand und dank der angenehmen Akustik auch ein geeigneter Ort für Konzerte. In den Jahren 2018 und 2019 fanden hier mehrere Chorkonzerte sowie das Konzert der Akkordeonisten Philipp Oberparleiter und Leoš Frahnke unter dem Titel „Accordion meets Classic“ statt. In der Kirche erklangen auch Egerländer Volkslieder, die von der Familie Deistler und ihren Gästen aufgeführt wurden. Die Kirche ist seit 2018 an den Verein Omnium vermietet.
Workcamp: Denkmal-Retter gesucht
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m Rahmen eines Workcamps werden Denkmale im Braunauer Ländchen wiederhergestellt. Gesucht werden freiwillige Helfer für die Zeit vom 19. bis 21. August.
Weitere Informationen: Christina Meinusch, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Telefon (0 89) 48 00 03 65/-55, Telefax (0 89) 48 00 03 44, eMail: meinusch@sudeten.de
Gut erhalten: die St.-Martin-Kirche in Hurka bei Klattau.
VERANSTALTUNGSKALENDER Samstag, 26. Juni, bis Sonntag, 27. Juni, Sudetendeutsche Bundesversammlung in München. Samstag, 26. Juni, 14.00 bis 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein: „Johanna von Herzogenberg wie wir sie kannten.“ Eine Erinnerungsveranstaltung in Prag an die Kunsthistorikerin Johanna von Herzogenberg (1921– 2012), die als Geschäftsführerin den Adalbert Stifter Verein zu einer der wichtigsten Institutionen des deutsch-tschechischen Dialogs gemacht hat. Bibliothek des Stifts Strahov, Strahovské nádvoří 1/132, Prag. Anmeldung: https://www.inviton.cz/e-11822 /johanna-von-herzogenberg-jakjsme-ji-znali Montag, 28. Juni, 19.00 Uhr, „Die Goldene Straße“, Präsenz-Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski. Im zweiten Teil der Vortragsreihe „Böhmen und
seine Nachbarn“ referiert Prof. Samerski über die Goldene Straße von Nürnberg nach Prag. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München. Anmeldung per E-Mail an schmalcz@ sudeten.de Dienstag, 29. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein, „Mein Weg zu unseren Deutschen. Geschichten von Menschen“. Pavel Polák, der von 2014 bis 2019 als Deutschland-Korrespondent des Tschechischen Rundfunks tätig war und heute für die Tageszeitung Deník N schreibt, setzt die „Mein Weg“Reihe fort. Die Gesprächspartner erläutern dabei ihre persönliche Beziehung zu den (Sudeten-) Deutschen. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt ist frei. Anmeldung bis 17 Uhr des Veranstaltungstages, unter https://eveeno.com/meinweg-zu-unseren-deutschen
So wurde beim Sudetendeutschen Tag 2018 am Volkstumsabend getanzt.
Donnerstag, 1. Juli, 18.00 Uhr, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der LMU München: „Dermaleinst, anderswo und überhaupt – kein Twitter, kein Facebook. Von Menschen, Büchern und Bildern, Band 4“. Online-Buchpräsentation mit Autor Klaus Hübner, der über Erlebnisse in Böhmen und Mähren reflektiert. Anmeldung unter eMail schmitzer@sudeten.de. Dienstag, 6. Juli, 18.00 Uhr, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen: „Dummes Katherl, bledder Seff“, Anhand ausgewählter Vornamen stellen die Mundartreferentinnen Isabelle Hofmann und Bettina Hofmann-Kaes von der Universität Gießen Verballhornungen, Spottverse, Heiligentage, Wet-
Bild: Fischer
Freitag, 16. bis Sonntag, 18. Juli in München
Auf geht‘s zum Sudetendeutschen Tag Das Programm für den Sudetendeutschen Tag wird laufend ergänzt und der Pandemielage angepaßt. Veranstaltungsorte sind das Sudetendeutsche Haus und das Sudetendeutsche Museum in der Hochstraße sowie das Kulturzentrum Gasteig.
Freitag, 16. Juli, 10.00–18.00 Uhr: Gelegenheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums. 14.00 Uhr: Sudetendeutsche Stiftung und SL-Bundesverband: Verleihung der Sudetendeutschen Kultur- und Förderpreise sowie des Sudetendeutschen Volkstumspreises im Gasteig. Festrede: Carolina Trautner MdL, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales sowie Schirmherrschaftsministerin.
Samstag, 17. Juli
10.00–18.00 Uhr: Gele-
genheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums. 10.00 Uhr: Heilige Messe. 14.00 Uhr: Festakt mit Verleihung des Europäischen KarlsPreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Gasteig. Festrede: Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Ministerpräsident, Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe. 19.00 Uhr: Volkstumsabend im Gasteig.
Sonntag, 18. Juli 9.00 Uhr: Veranstaltungen im Sudetendeutschen Haus. 10.00–18.00 Uhr: Gelegenheit zum Besuch des Sudetendeutschen Museums.
Teilnahme Für die Teilnahme am Su-
detendeutschen Tag ist eine verbindliche Anmeldung bis 30. Juni bei der SL erfor-
derlich. Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 70, eMail info@sudetendeutscher-tag.de
Festabzeichen Mit dem Kauf des Festabzeichens unterstützen Sie die Arbeit der Sudetendeutschen Volksgruppe. Bestellung bei info@sudetendeutscher-tag.de Bankverbindung: IBAN DE73 7509 0300 0002 1114 70. Bitte beachten: Mit dem Erwerb des Festabzeichens ist nicht automatisch der Eintritt zu den Veranstaltungen gewährleistet (siehe Teilnahme).
Sondersendung im TV Das Bayerische Fernsehen berichtet in einer Sondersendung am Sonntag, 18. Juli, von 23.30 bis 23.45 Uhr über den 71. Sudetendeutschen Tag.
ter- und Bauernregeln und vieles mehr vor. Sudetendeutsches Haus, Adalbert-Stifter-Saal, Hochstraße 8, 81669 München. Anmeldung unter eMail schmalcz@sudeten.de oder schriftlich an Heimatpflege der Sudetendeutschen, Hochstraße 8, 81669 München. Mittwoch, 7. Juli, 15.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Mitgliederversammlung in der Gemeindehalle Wehringen. Samstag, 10. Juli, 14.00 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Muttertagfeier (Wir feiern auch die Väter), Fischerheim Wehringen, In der Aue 5. Sonntag, 11. Juli, SL-Landesgruppe Bayern: Gedenken anläßlich Hans „Johnny“ Kleins 90. Geburtstags. 12.00 Uhr Kranzniederlegung an seinem Grab auf dem Friedhof in Bernau am Chiemsee; 13.00 Uhr Gedenkfeier mit Landesobmann Steffen Hörtler, Klaus Stöttner MdL, Sylvia Stierstorfer MdL, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, sowie Milan Horáček MdB a. D. und MdEP a. D im Gasthof Zum Alten Wirt, Kirchplatz 9. Auskunft: SL-Landesgruppe Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, Telefax (0 89) 48 00 03 96, eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de. Samstag, 17. Juli, oder Sonntag, 18. Juli, 7.00 Uhr, SLOrtsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld: Fahrt zum Sudetendeutschen Tag nach München. Ob wir am 17. oder 18. fahren, erfahren Sie bei der Anmeldung, die bis 15. Juli bei Obmann Kurt Aue erfolgen muß. Telefon (08 21) 8 85 37 56, eMail sudetenaue@ koenigsau.de. Freitag, 30. Juli bis Montag, 2. August, SL-Landesgruppe Bayern: Informationsfahrt der Landesgruppe Bayern nach Mähren und Niederösterreich mit Teilnahme am Brünner Versöhnungsmarsch. Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung unter: SL-Landesgruppe Bayern, Hochstraße 8, 81669 München, per eMail Geschaeftsstelle@sudeten-by.de oder per Telefax (0 89) 48 00 03 96. Sonntag, 25. Juli, 15.00 Uhr: Deutsch-tschechischer Gottesdienst in der Sankt Jakobuskirche in Schwaden (Kreis Aussig.) Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de. Samstag, 31. Juli, 15.00 Uhr: Gedenkveranstaltung auf der Elbebrücke an das Massaker in Aussig von 1945. Bitte bringen Sie Blumen mit. 18.00 Uhr: Andacht in der Pfarrkirche. Anmeldung: Brigitta Gottmann, Telefon (0 23 51) 5 11 53, eMail brigitta.gottmann@t-online.de.
Erstes Präsenzseminar nach dem Lockdown Sonntag, 4. bis Freitag, 9. Juli: „Blick zurück nach vorn – Sudetendeutsch-tschechische Heimatwoche.“ Nachdem die Bildungsarbeit pandemiebedingt über ein Jahr schwer eingeschränkt war, ist es nun wieder möglich, dem Motto des Heiligenhofs „Alles Leben ist Begegnung“ gerecht zu werden. Zu dieser ersten Seminarwoche sind insbesondere heimatvertriebene und heimatverbliebene Deutsche sowie tschechische Bürger und alle an Zeitgeschichte interessierte Personen eingeladen. Folgende Referenten haben ihre Teilnahme zugesagt: Petra Dombrowski (Eching) mit dem Dokumentarfilm: „Eine Familie – zwei Nationalitäten“; Ralf Pasch (Berlin): „Ist Rübezahl Deutscher, Tscheche oder Pole? Eine Sagengestalt im Nationalitätenkampf“; Siglind Drost (Teutschenthal): „Vom Oberlauf der Oder über March, Elbe, Eger bis zur Saale. Ein Zeitbild aus 90 Lebensjahren“; Karl Heinz Holub (Berlin): „Jahrgang 1939 – mein Leben in Böhmen, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland“; Thomas Lang (Chemnitz): „Das Bildgedächtnis der Heimatlandschaften“; Dr. Kateřina Kovačková (Pilsen): „Mai 1945 in der Tschechoslowakei. Erinnerungen jenseits und diesseits der Grenze“; Helmut Kopetzky (Fulda): „Ein Feature: Auch ich war ein ,Bittschön‘“; Schriftstellerin Herma Kennel (Berlin): „Die Welt im Frühling verlassen“. Die Tagung beginnt am Sonntagabend mit dem gemeinsamen Abendessen und ist am folgenden Freitag mit dem Frühstück zu Ende. Die Teilnahme kostet für Teilnehmer aus der Bundesrepublik Deutschland 150,00 Euro zuzüglich Kurtaxe (9,00 Euro) und ggf. EZ-Zuschlag (50,00 Euro für den gesamten Zeitraum) und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Teilnehmer aus den östlichen Nachbarländern gilt ein Sonderpreis von 50,00 Euro. Für sie können Fahrtkostenzuschüsse gewährt werden. Anmeldungen umgehend bis spätestens 29. Juni 2021 per Telefax (09 71) 71 47 47 oder per eMail an: hoertler@heiligenhof.de. Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Buchpräsentation mit Autor Thomas Medicus
Heinrich und Götz George – zwei Leben
Donnerstag, 8. Juli, 19.00 Uhr: „Heinrich und Götz George – zwei Leben“, Buchpräsentation mit Autor Dr. Thomas Medicus. Selten war ein Verhältnis von Vater und Sohn so innig und so komplex – obwohl sich die Lebenszeiten beider kaum überschnitten: Heinrich George (geboren 1893 in Stettin) war seit den 1920ern der ungekrönte König der Berliner Theaterbühnen und wirkte bei den Aufführungen von Bertolt Brecht mit. Im Dritten Reich ließ er sich für Propagandastreifen einspannen. Er starb 1946 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen. Sohn Götz George (geboren 1938 in Berlin) war damals acht Jahre alt. Doch die Figur seines Vaters beschäftigte ihn Zeit seines Lebens – der widersprüchliche Künstler,
dem er auf eigene Weise nach folgte.ihm dabei. Veranstaltungsort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de.
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25.6.2021
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� 47. Paneuropa-Tage der Paneuropa-Union Deutschland in Trier
Juncker und Posselt fordern EU auf, sich wieder auf Europa zu besinnen
Bei den 47. Paneuropa-Tagen der Paneuropa-Union Deutschland in Trier ist der ehemalige Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, mit der Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille ausgezeichnet worden. Sowohl Juncker als auch der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, zugleich Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, übten deutliche Kritik am derzeitigen Zustand der EU, die sie durch Ausbau zu einer echten supranationalen Demokratie auch außen- und sicherheitspolitisch massiv stärken wollen.
P
osselt rief das Europaparlament und vor allem die derzeitige EU-Kommission dazu auf, mehr Geschlossenheit und Kampfkraft gegenüber dem Nationalegoismus der Mitgliedstaaten an den Tag zu legen. Wer die europäische Rechtsgemeinschaft aushöhle, lege die Axt an die Durchsetzungsfähigkeit Europas insgesamt an. Juncker bemängelte die Vorgänge nach der letzten Europawahl, als der erfolgreiche Spitzenkandidat Manfred Weber nicht Kommissionspräsident wurde: „Zuerst hat man im Europaparlament dicke Backen gemacht und sich dann auf den Bauch gelegt vor den Regierungen, die ihre Macht zurückerobern wollen.“ Die Enttäuschung darüber müsse nun genutzt werden, um einen Integrationsschub in Europa herbeizuführen. „Die maßgeblichen Kräfte PEU-Bundesgeschäftsführer Johannes Kijas (links) und PEU-Präsident Bernd Posselt überreichen Jean-Claude Juncker (Mitte) die Urkunmüssen sich wieder auf den Konsens- de und die Medaille aus böhmischem Glas. Bild: Gerhard Hermann korridor einigen, der die EU stark gemacht hat: Menschenrechte, soziale Umfeld werde aber immer unsicherer, und Frieden. Barišić, der gemeinsam ropa-Union und Außenministers FrankVerantwortung und Respekt vor den eu- „und wir verfügen im Vertragswerk der mit dem Vorsitzenden der Bischofskon- reichs, Aristide Briand, beteiligt geweropäischen Rechtsregeln.“ Union nicht über die Mittel, etwas Wirk- ferenz von Bosnien-Herzegowina, dem sen, einen ersten europäischen Anlauf Posselt entwarf einen Stufenplan, sames dagegen zu tun, solange das Ein- Bischof Franjo Komarica von Banja Lu- zu unternehmen und so den von ihnen um aus der Talsohle herauszukommen: stimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik ka, angereist war, begeisterte das Publi- befürchteten Zweiten Weltkrieg zu ver„Zuerst müssen sich die demokratisch- nicht beseitigt wird“. Die Europageg- kum mit dem Ausblick auf ein Paneuro- hindern. Sein Vater Louis Terrenoire sei proeuropäischen Fraktionen in der eu- ner in den USA seien „noch da und nicht pa-Projekt, das derzeit in der vom Krieg als Generalsekretär der französischen ropäischen Volksvertretung auf ein mit dem Ende der Ära Trump verstor- der 1990er Jahre besonders getroffenen Widerstandsbewegung Resistance dann Zukunftskonzept für die Weiterentwic- ben. Wir wollen eine Partnerschaft mit Region verwirklicht wird. in die Konzentrationslager Dachau und kung der EU einigen, um dieses dann den USA, aber nur auf Augenhöhe und Im ehemaligen Trappistenkloster Ma- Kempten eingesperrt worden, sodaß er, im Schulterschluß mit der Kommission nicht als Lakaien“. Die EU sei immer ria Stern baue der Bischof mit der euro- Alain, ihn erst als Vierjähriger nach desdurchzusetzen. Letztere muß allerdings noch fragil und könne sich nur als funk- paweiten Unterstützung der Paneuropa- sen Befreiung durch die Alliierten kenwieder das Format der Ära Juncker zu- tionierende Rechtsgemeinschaft „gegen Union ein Bildungs- und Begegnungs- nengelernt habe. rückgewinnen und darf sich nicht bloß den aufkeimenden Neu-Nationalismus zentrum auf, das dem interkulturellen, Im Auftrag von General de als Sekretariat des zur Wehr setzen“. interreligiösen Gaulle habe LouPavo Barišić führt den Trierer Alain Terrenoire warnt Rates, also des Gerade kleine- und interkonfesis Terrenoire Ehrenbürger Karl Marx an Europa vor dem Untergang Gremiums der Nare Mitgliedstaaten sionellen Dialog nach dem Zweitionalstaaten verseien auf das eu- dienen wird — ten Weltkrieg die stehen.“ Diesen Weg rasch und ener- ropäische Recht angewiesen, „denn an- und zwar aus paneuropäischem Geist Paneuropa-Union Frankreich wiedergisch einzuschlagen, sei angesichts der sonsten gilt das Recht des Stärkeren“. heraus. begründet und als Berichterstatter in aggressiv konkurrierenden Weltmächte Prof. Pavo Barišić, ehemaliger kroatiAlain Terrenoire warnte Europa vor der Nationalversammlung den deutschaußerhalb Europas eine Existenzfrage. scher Kulturminister und als Staatsphi- dem Untergang seiner Zivilisation, französischen Elysée-Vertrag von 1963 In seiner Laudatio für Juncker lob- losoph weltweit anerkannter Demokra- wenn es nicht lerne, in den großen Fra- verhandelt. „Ich selbst lernte als sein te Posselt die konstruktive Rolle insbe- tie-Theoretiker, setzte sich mit der Per- gen der Weltpolitik mit einer Stimme zu Assistent eine junge Dolmetscherin vom sondere der kleineren Länder in der EU: sönlichkeit und mit der Lehre des Trierer sprechen. Es genüge nicht, von Geopo- daraufhin geschaffenen Deutsch-Fran„Für den Erfolg der europäischen In- Ehrenbürgers Karl Marx auseinander. litik zu reden, sondern sie müsse in ge- zösischen Jugendwerk kennen, die eitegration war und ist Luxemburg eine Er artikulierte das Unbehagen der zahl- meinsames europäisches Handeln über- ne heimatvertriebene Schlesierin war Großmacht. So genannte ‚große‘ Staaten reichen Gäste aus den mittel- und ost- setzt werden. Anhand seines familiären und mit mir eine deutsch-französische wie Deutschland oder Frankreich ha- europäischen Ländern, das diese auch Schicksals legte Terrenoire ein sehr per- Ehe schloß. Unsere Tochter lebt heuben hingegen oftmals immer noch nicht Jahre nach dem Sturz der marxistischen sönliches europäisches Bekenntnis ab. te in München und hat mir einen deutbemerkt, daß sie im Weltmaßstab recht Diktatur immer noch empfänden. Die Seine Großmutter sei eine deutsche Jü- schen Enkel geboren.“ Terrenoire wurklein sind und die europäische Solidari- internationale Paneuropa-Union wer- din aus Koblenz gewesen und habe in de wie Juncker mit lang anhaltendem tät brauchen.“ de bei ihrem 100-Jahr-Jubiläum 2022 Frankreich den katholischen Glauben Beifall gefeiert. Die Hauptkundgebung, Juncker erinnerte daran, daß die Eu- die beiden zentralen Botschaften ih- angenommen. Sein Großvater und sein der die Egerländer Familienmusik Hess ropäer nach dem Fall des Eisernen Vor- res Gründers, des böhmischen Grafen Vater seien in den zwanziger Jahren an Leben und Schwung verlieh, moderierte hangs von einer „Friedensdividende“ Richard Coudenhove-Kalergi aus Rons- den Bemühungen des damaligen Ehren- der Bundesvorsitzende der Paneuropageträumt hätten. Unser geopolitisches perg, herausarbeiten, nämlich Einigung präsidenten der internationalen Paneu- Jugend, Franziskus Posselt.
� Mut tut gut
Liebe, Leid und Hilfe I
n jeder Ordensgemeinschaft gibt es neben den im Kirchenjahr vorgegebenen Festen eigene Feste, die nur die Ordensgemeinschaft feiert. Dazu gehören Gedenktage von Heiligen und Seligen der Orden und Kongregationen. Oft gibt es auch Themenfeste. Bei uns Redemptoristen – lateinisch „redemptor“ für Erlöser – wird jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli das Erlöserfest gefeiert. Außerdem haben nicht wenige Orden noch ein besonderes Marienfest. Auch dazu kann ich ein Beispiel aus meiner Ordensgemeinschaft anführen. Ich tue das heute deswegen sehr gerne, weil dieses Fest immer am 27. Juni gefeiert wird. Es ist das Fest der Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Unter diesem Titel verehren wir Redemptoristen die Muttergottes seit 1866. Damals übergab Papst Pius IX. dem Generaloberen unserer Kongregation eine alte griechische Ikone und sagte: „Macht sie auf der ganzen Welt bekannt.“ Dem päpstlichen Auftrag entsprechend kamen Kopien dieser Ikone schon wenige Jahre später in den deutschsprachigen Raum und wurden nicht nur in den Klosterkirchen der Redemptoristen, sondern auch in vielen anderen Kirchen und Kapellen angebracht. So findet sich die Darstellung nicht zuletzt an vielen Orten in Böhmen, Mähren und Schlesien. Mich sprach das Bild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe bereits in der Kindheit an. Die Faszination und Verehrung wurde im Laufe der Jahrzehnte nicht kleiner. Mariens Blick erreicht mein Herz spätestens dann, wenn ich dafür offen bin. Ihr Blick ist voller Aufmerksamkeit und Güte. Ich fühle mich davon auch in allen möglichen Schwierigkeiten meines Lebens wahr- und angenommen. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein.“ Dieses Goethe-Zitat realisiert sich für mich, wenn ich vor der Ikone von der Mutter der Immerwährenden Hilfe stehe. Ihr dunkles golddurchwirktes Gewand erinnert mich an sternklare Nächte, in denen wir sinnlich erfahren, daß unserem Leben auf ewig Sinn und Geborgenheit geschenkt ist. Der Blick des Jesusknaben führt mich zudem in die Weite. Wenn ich ihm folge, verliere ich mich nicht so schnell im Kleinklein des Alltags. Die zwei Engel links und rechts von Mariens Haupt tragen das Kreuz und die übrigen Leidenswerkzeu-
� Michl Ebner, Präsident der Südtiroler Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer, fordert mehr Regionalität
Europa ist mehr als die Addition von 27 Staaten „Gemeinden und Regionen als tragende Elemente Europas“ war das Motto der Eröffnung der Paneuropa-Tage, die der Bundesgeschäftsführer Johannes Kijas moderierte.
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as Einleitungsreferat hielt der Präsident der Südtiroler Handels-, Industrie-, Handwerks- und Landwirtschaftskammer, Michl Ebner. Der europäische Zusammenschluß könne nur als Einheit in Vielfalt gelingen und müsse viel mehr sein als bloß die Addition von Nationalstaaten, so Ebner. In der EU gebe es 24 Amts- und fast hundert Regional- und Minderheitensprachen. 271 Regionen sowie 120 000 Städte und Kommunen könnten viel mehr europäische Energie aufbringen als 27 nationale Regierungen. Ebner, der Vizepräsident der Europäischen Handelskammern ist, schilderte, daß Tirol sowie Südtirol und Trenti-
no 1995 eine gemeinsame Vertretung in Brüssel eingerichtet hätten. Dies habe die italienische Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die ein „Attentat auf die Integrität des Staates“ vermutete. Erst das Europäische Parlament hätte es dann unter der Federführung des damaligen internationalen Präsidenten der Paneuropa-Union, Otto von Habsburg, geschafft, diese ersten Ansätze für ein Europa der Regionen zu schützen . Der Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen der Stadt Trier, Matthias Berntsen, hieß die PaneuropaUnion „als die älteste Organisation, die sich für den Frieden in Europa einsetzt“, willkommen. Catherine Vierling, Regionalrätin der aus dem Elsaß, dem Mosel-Department, Lothringen sowie ChampagneArdennes gebildeten Großregion Grand Est, zog eine kritische Bilanz dieses Zu-
sammenschlusses. Über das Städtenetzwerk QuattroPole, das aus Trier, Saarbrücken, dem lothringischen Metz und der Stadt Luxemburg besteht, informierte Florence Guillemin als dessen Generalsekretärin. Daran knüpfte der Präsident der Euroregion Saar-Lor-Lux, Joachim Weber, zugleich Bürgermeister von Konz, an: „Früher wurden Grenzregionen von den Hauptstädten oftmals vernachlässigt, jetzt gibt es die Euregio, um den Bürgern dort eine Stimme zu geben.“ Landrat Thomas Habermann von Rhön-Grabfeld, Vertreter des Deutschen Landkreistages im Europäischen Ausschuß der Regionen, beschrieb die bunte Vielfalt der historisch gewachsenen Identitäten in Mitteleuropa. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Paneuropa-Jugend, Christian Hoferer, zeigte auf, daß die Überwin-
dung innereuropäischer Grenzen aus ehemaligen Randgebieten häufig Herzkammern der EU mache. In einem temperamentvollen Schlußwort kündigte der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Rheinland-Pfalz, Werner Euskirchen, die Mitwirkung seines Verbandes an den von Ministerpräsidentin Malu Dreyer initiierten „Kultursommern“ an. Die katholische Messe in der Echternacher Basilika zelebrierten JeanClaude Kardinal Hollerich, Erzbischof von Luxemburg und Präsident der EUBischofskonferenz COMECE, der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, Franjo Komarica, sowie Dechant Francis Erasmy als örtlicher Wallfahrtsdirektor. Ein evangelischer Gottesdienst mit Pfarrer Werner Sonn bildete den Abschluß des Programms.
Ikone der Mutter der Immerwährenden Hilfe mit Metallbeschlag von Max Faller aus Schönenberg. ge. Auch dazu fällt mir ein Dichterwort ein. Es stammt von dem mittelalterlichen Minnesänger Gottfried von Straßburg: „Wem niemals widerfuhr aus Liebe Leid, dem widerfuhr auch Lieb durch Liebe nie. Liebe und Leid, wann ließen die im Leben je sich scheiden.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
PERSONALIEN Am 2. Juni starb Gerhard Heimerl, Egerländer Vater des Verkehrs- und Städtebauprojekts „Stuttgart 21“ und Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, mit 87 Jahren in Stuttgart.
V
olkgruppensprecher Bernd Posselt: „Professor Gerhard Heimerl war ein sudetendeutscher Europäer der Tat. Er gehörte zu jenen genialen EisenbahnPionieren, die unsere Heimat in den letzten Jahrzehnten der Habsburger-Monarchie und danach hervorgebracht hatte. Das alte Österreich war ein Kleineuropa, das ein modernes System von Fernzügen und Fernstraßen zusammengehalten hat, in einem Wirtschaftsraum, der auch nach einer langen Zeit der brutalen Zerstückelung durch nationale und totalitäre Grenzen immer noch zusammenhängt. Um die Errichtung einer völkerüberwölbenden Gemeinschaft auch auf dem Verkehrssektor hat sich zum Beispiel der mährisch-albanische Carl Ritter von Ghega verdient gemacht. Im Deutschen Bund (1815–1866) schuf der Schwabe Friedrich List ein ähnliches Netz von Schienensträngen, das er schon damals europaweit ausdehnen wollte, wofür
Eisenbahnpionier aus dem Egerland
Gerhard Heimerl † die Zeit noch nicht reif war. Jetzt, im 21. Jahrhundert, durfte unser Marienbader Landsmann Gerhard Heimerl erleben, wie seine Visionen mit großer Verspätung Wirklichkeit wurden. Das Europa von morgen wird auf einem Schnellbahnsystem basieren, das interkontinentale Flüge weitgehend überflüssig macht und dem Auto ökologisch und von der Reisegeschwindigkeit her haushoch überlegen ist. Das Rückgrat dieses Systems soll, wie von Professor Heimerl und seinen Mitstreitern konzipiert, die ,Magistrale für Europa‘ sein, die von Paris über die Europahauptstadt Straßburg nach Stuttgart, Ulm und München führen wird, mit Zweigen durch den Brenner-Basistunnel nach Italien, mit einem Hauptstrang in die Donaumetropolen Wien und Budapest sowie mit einem zeitgemäßen Schienenweg in unsere böhmische Heimat.
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Gerhard Heimerl gelang, das bestmögliche Konzept für das schwierigste Teilstück zu entwerfen, das nun endlich gebaut wird, nachdem die staatliche Seite durch die falsche Benennung ,Stuttgart 21‘ für ein europaweit notwendiges Projekt unnötige Widerstände aufgebaut hatte und dies von demagogischer Seite genutzt worden war. Dem Genie unseres Landsmannes tat dies keinen Abbruch. Wir sind stolz auf ihn. Und wir trauern um ihn.“ Am 16. Oktober 1933 kam Gerhard Heimerl in Neudorf bei Marienbad zur Welt. Er war bis vor Kurzem Professor emeritus für Eisenbahnwesen an der Universität Stuttgart. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten zählten das Eisenbahnwesen und insbesondere die Verkehrswirtschaft. Er erarbeitete die 1988 vorgestellte sogenannte Heimerl-Trasse (Neubaustrecke Wendlingen–Ulm) als Alternative zur Ausbau-/ Neubaustrecke Plochingen– Günzburg. Daraus ging letztlich das 1994 als „Stuttgart 21“ vorgestellte Verkehrskonzept hervor.
Heimerl studierte nach dem Abitur im oberfränkischen Kronach bis 1958 an der Technischen Hochschule München Bauingenieurwesen. Dort wurde er 1954 Mitglied der Studentenvereinigung Polytechnischer Club, heute Burschenschaft Franco-Bavaria München. Später wurde er auch Mitglied der Burschenschaft Hilaritas Stuttgart. In beiden Studentenverbindungen bekleidete er mehrere Ehrenämter. 1958 trat er in den Dienst der Deutschen Bundesbahn. 1961 kam er als Assistent von Professor Walther Lambert an die Technische Hochschule Stuttgart, wo er 1964 seine Promotion abschloß. Von 1964 bis 1973 war er für die Deutsche Bundesbahn tätig. Dabei war er zeitweise auch Bahnhofsvorsteher in Nagold. Nach Tätigkeiten im Bereich der Bundesbahndirektionen Stuttgart, Augsburg, Nürnberg, im Bundesverkehrsministerium in Bonn sowie bei der damaligen Bundesbahnzentrale in Frankfurt am Main, von wo aus er auch beim internationalen Eisenbahnverband UIC in Paris mitarbeitete, wurde er 1973 an die Universität Stuttgart berufen. 1975 folgte er Professor Lambert auch als Di-
rektor des Verkehrswissenschaftlichen Instituts, das er bis zur Emeritierung im Jahr 2000 leitete. Die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste berief ihn 2009 zum ordentlichen Mitglied der Naturwissenschaftlichen Klasse. Mit dem Namen Gerhard Heimerl sind zahlreiche Arbeiten und Untersuchungen aus dem Bereich des öffentlichen Verkehrs verbunden, unter anderem der Anschluß der Universität Stuttgart an die S-Bahn, die standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen, die Untersuchung zu Kapazitätsfragen der Flughäfen Frankfurt am Main und München, die Trassendiskussion über die Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Augsburg und „Stuttgart 21“ sowie die Trassendiskussion der S-Bahn im Stadtgebiet Offenbach am Main. 1986 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, 1995 wurde er Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden; 2002 ehrte ihn das Land Baden-Württemberg mit seiner Verdienstmedaille. Außerdem war er Träger der Ritter-von-Gerstner-Medaille der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Diese trauert nun um ihren feinen Landsmann und den genialen Wissenschaftler Gerhard Heimerl. Möge er die ewige Heimat bei Gott finden. Nadira Hurnaus
Legendärer Augsburger Oberbürgermeister aus Troppau
Hans Breuer † Am 13. Juni starb Hans Breuer, der langjährige aus Troppau stammende Augsburger Oberbürgermeister, mit 90 Jahren in Augsburg.
A
m 16. September 1930 kam Hans Breuer in Troppau, der sudetenschlesischen Landeshauptstadt, zur Welt. Obwohl er in der Zeit vor und nach Kriegsende viel erdulden mußte, sind seine Kindheitserinnerungen voller lebendiger Eindrücken an die Schwarze Gasse in der OppaGegend, wo er groß wurde und mit der Mutter zum Wäschebleichen und in den Fluß zum Baden ging, an die Schillerschule und an das Stadttheater, in dem sein Onkel als Orchestermusiker mitwirkte, an die Sprachgrenze in Richtung Kathrein, die in der Nähe seiner Wohnung zu bemerken war. Seine Eltern und Großeltern seien noch perfekt zweisprachig gewesen, betonte er. Er bedauerte immer, daß er auf Grund seiner politischen Tätigkeit und als Repräsentant der Stadt Augsburg seine Heimatstadt Troppau nur selten habe besuchen können, da dies immer einen offiziellen Charakter angenommen hätte. Jäh endeten Kindheit und Jugend, als der 14jährige zum Volkssturm eingezogen wurde und die Last des Kriegsendes mitzutragen hatte. Einer von vielen, der in eine aussichtslose Schlacht geworfen wurde. Als Kurier mußte der junge Volkssturmangehörige in den letzten Kriegstagen eine Reise nach Karlsbad unternehmen und kehrte von dort mit dem letzten Lazarettzug nach Mähren zurück. In Sternberg traf er Vater, Mutter und Schwester, was er rückblickend fast als ein Wunder bezeichnete. Die Familie war aus Troppau evakuiert worden und erlebte hart an der Sprachgrenze den Einmarsch der Roten Armee mit all seinen Begleiterscheinungen und das Ende des Krieges. Zu Fuß machte man sich wieder auf den Weg nach Troppau. Wie viele andere Deutsche, die in ihre Heimatstadt zurückkehren wollten, wurde auch die Familie Breuer an der Stadtgrenze
abgefangen und inhaftiert. Verhöre, Internierung und Zwangsarbeit folgten. „Das Schlimmste war, im Lager bleiben zu müssen“, meinte er. Wenn die tschechischen Bauern ihre Arbeiter suchten, wurde der abgemagerte Hans bestenfalls aus Mitleid ausgewählt. Aber jeder Tag Arbeit war leichter zu ertragen als das Leben im Lager in der Troppauer Kaserne. Wenige Tage nach der Entlassung mußte die Familie Breuer mit ihrem Handgepäck auf der Straße antreten, wurde zum Bahnhof gefahren, dort in einen Viehwaggon verfrachtet. „Als der aufging, da waren wir in Furth im Wald und sind entlaust worden mit einer schönen Automatik: oben den Schlauch rein, und wenn‘s bei den Beinen rausstaubte, war alles klar“, erzählte er nicht ohne Humor. Die Schuld des tschechischen Volkes an den Grausamkeiten in der Nachkriegszeit und während der Vertreibung betrachtete er differenziert. „Unter dem Pöbel, der in diesen chaotischen Tagen nach oben gespült wurde, litten nicht nur die Deutschen, sondern auch alle anständigen Tschechen, die sich teilweise in Lebensgefahr begaben, wenn sie ihren Nachbarn von früher einige Lebensmittel zusteckten oder sonstige Hilfe leisteten. Die Mörder und Schläger in den Lagern kann man nicht mit dem tschechischen Volk gleichsetzen.“ Westendorf im Altlandkreis Wertingen wurde die erste Bleibe in der Vertreibung. Ein Bauer sorgte für Unterkunft, Arbeit und Brot. Dafür war Breuer dankbar. Bei der Kattunfabrik Augsburg lernte er Elektriker und machte 1949 die Gesellenprüfung. Bereits in seiner Lehrzeit engagierte er sich in der Gewerkschaft, die wiederum seine Weiterbildung förderte. In den folgenden Jahren stieg er hauptamtlich bei der Gewerkschaft Textil-Bekleidung ein und allmählich auf. 1955 wurde er Mitglied der SPD, 1956 des
Stadtrats. Zwei Jahre nach dem Einzug in den Stadtrat wurde er SPD-Fraktionsvorsitzender, 1966 Dritter Bürgermeister und Referent für Soziales, Jugend und Sport. Als nach Bayerns Gebietsreform 1972 eine außerordentliche Neuwahl des Oberbürgermeisters und des Stadtrates anstand, bot die SPD Hans Breuer auf. Beim ersten Wahlgang verfehlte der CSU-Kandidat Ludwig Kotter die Mehrheit. Breuer gewann die Stichwahl mit 2000 Stimmen Vorsprung. Eine Analyse ergab, daß zwischen 4000 und 6000 Augsburger Bürger bei der Stichwahl zu Breuer gewechselt waren. Dies war bei einem Bevölkerungsanteil von mehr als 30 000 Sudetendeutschen in Augsburg nicht verwunderlich. Ab 1972 steigerte Breuer seinen Stimmenanteil kontinuierlich und errang 1984 einen überzeugenden Sieg. Dies war um so beachtlicher, wenn man bedenkt, daß sich SPD und CSU fast 30 Jahre lang mit fast gleicher Mandatsstärke gegenüberstanden und zu interfraktionellen Vereinbarungen gezwungen waren. Erst mit der Ära Breuer endete die einer Großen Koalition ähnelnde Zusammenarbeit der bürgerlichen und sozialdemokratischen Kräfte. Breuer ist einer der Väter von Augsburgs Klinikum und Universität. Mit den Landräten gründete er den Verkehrsverbund für den regionalen Bahn- und Busverkehr. Außerdem feierte die Stadt während seiner Amtszeit ihr 2000jähriges Bestehen. 1990 verabschiedete er sich aus der Politik. Zu seinem 90. Geburtstag im September hatte es keine offiziellen Empfänge gegeben. Augsburgs Ehrenbürger war bereits gesundheitlich schwer angeschlagen. Nun blicken wir hinauf zum sudetenschlesischen Himmel, grüßen unseren Landsmann und wünschen ihm von Herzen immerwährendes Wohlergehen. Ortfried Kotzian Nadira Hurnaus
Ein Poet aus Eger
Helmut Glatz † Am 5. Juni starb Helmut Glatz, Lehrer, Schulleiter, Lyriker und Marionettenspieler aus Eger, mit 81 Jahren im oberbayerischen Landsberg am Lech.
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ohn Thomas Glatz berichtet: „Mein Vater war Mitglied im Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender und veröffentlichte an die 30 Bücher – Lyrik, Marionettenspiele, phantastische Geschichten, Kinderbücher. Er war Spielleiter der Marionettenbühne Am Schnürl in Kaufering. Am bekanntesten war wohl sein Kinderbuch ,Die gestohlene Zahnlücke‘. Das Egerland lag ihm am Herzen. Kurz vor seinem Tod hatte er die Sammlung ,Geschichten aus dem Schnegerland‘ in Egerländer Mundart zusammengestellt. Die Sammlung wird wohl nie veröffentlicht werden.“ „Sein Anliegen, möglichst viele Mitmenschen für das Schreiben zu begeistern, mündete 2004 in der Gründung des Landsberger Autorenkreises, der heute Teil des Landsberger Kulturlebens ist“, heißt es in einem Nachruf in der „Augsburger Allgemeinen“ unter der Überschrift „Der Landsberger Autorenkreis verliert sein lächelndes Gesicht“. Spannungen habe Glatz, der ehemalige Rektor der Grundschule Penzing, durch seine besonnene Art mühelos ausgeglichen. Vor einigen Jahren habe er die organisatorische Leitung des Autorenkreises übergeben, sei aber bis zum Ende der Kopf geblieben. Bis 2020 sei er Repräsentant der Gesellschaft der Lyrikfreunde für Bayern gewesen. Mehr als 30 Bücher seien Zeichen seiner unermüdlichen Schaffensfreude. Mit hintergründigem Humor entführten seine Werke Leser aller Altersgruppen an magische Orte wie das „Widiwondelland“. Literarische Fantasien habe er bildstark in 13 Theaterstücke für die Bühne verwandelt, die er gleich mit ins Leben gerufen habe. Für sein kulturelles Engagement habe ihn die Stadt Landsberg 2012 mit ihrer DominikusZimmermann-Rocaille in Silber ausgezeichnet. Am markantesten sei wohl seine unermüdliche Aktivität, eine ausgeprägte kreative Unruhe, gewesen. Immer sei sein wacher Geist in Bewegung gewesen. Stets sei er immer neugierig offener Mensch gewesen, der klug kombiniert und einfach alles angenommen habe, was durch ihn hindurch aufs Papier geflossen sei. Während „unkreativer“ Tätigkeiten habe er nebenbei jene „Kritzelbilder“ skizziert, die viele seiner Bücher zierten. Auch diese seien stets heiter, denn er habe gewußt: „Das Ernste kommt von ganz allein, das müssen wir nicht herbeischreiben.“ Mit seiner Frau Renate sei er ein begeisterter Sänger des Gospelchors „The Sweet 60s“ gewesen. Er bleibe ein Vorbild, weil er auch im fortgeschrittenen Alter unermüdlich Gutes geleistet habe. Und weil seine Verse für immer ein Lächeln in die Gesichter gezaubert hätten. Ein Lächeln in die Gesichter der Landsleute zaubert auch die Erinnerung an unseren Landsmann, der ein Magier der Worte und der Marionetten war. Wir werden ihn und seine Werke in Ehren halten. Nadira Hurnaus
Im Goethe-Institut Prag vergab der Adalbert-Stifter-Verein (ASV) mit dem Institut pro studium literatury/Institut für Literaturforschung seinen neuen Otokar-Fischer-Preis. Den Preis für die beste germanobohemistische Arbeit in tschechisch erhielten Ivo Habán und Anna Habánová für ihren Ausstellungskatalog „Paul Gebauer“. Für die beste deutschsprachige Arbeit wurde Neil Stewart für die Monographie „Bohemiens im böhmischen Blätterwald. Die Zeitschrift ,Moderní revue‘ und die Prager Moderne“ ausgezeichnet. Einen Sonderpreis der Jury erhielt Jiří Stromšík für die Herausgabe der Aufsätze von Kurt Krolop, „Studie o německé literatuře“. Eingangs hatten im Goethe-Institut Michal Topor vom Institut für Literaturforschung und ASV-Geschäftsführerin Zuzana Jürgens die – wegen Corona noch wenigen – Teilnehmer begrüßt. Jaromír Typlt moderierte und begleitete gemeinsam mit Michal Rataj musikalisch.
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
� Veranstaltung des Adalbert-Stifter-Vereins: Preisvergabe an deutsch-tschechische Vermittler
Otokar-Fischer-Preis Laudatoren und Preisträger: Dr. Jan Budňák, Jiří Stromšík, Anna Habánová, Ivo Habán, Dr. Neil Stewart, Dr. Alfrun Kliems und Dr. Peter Becher.
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er Otokar-Fischer-Preis wird vom Adalbert-Stifter-Verein mit dem Institut für Literaturforschung für je eine herausragende deutschsprachige und tschechischsprachige geisteswissenschaftliche Arbeit über germanobohemistische Themen vergeben“, faßte Zuzana Jürgens zusammen. Ziel des Preises sei, die bedeutendsten deutschsprachigen Arbeiten mit tschechischer Thematik auszuzeichnen, sagte die ASV-Geschäftsführerin. Zugleich solle auf tschechischsprachige Arbeiten aufmerksam gemacht werden, die zu einer tieferen Kenntnis der Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung in den böhmischen Ländern beitrügen. Beim Festakt im Prager Goethe-Institut, den passende Musikstücke umrahmten, lasen die Laudatoren die Lobreden der Jury auf die Preisträger, die hier zusammengefaßt sind: Die Kunsthistoriker Ivo Habán und Anna Habánová wurden für ihren gemeinsam mit Lenka Rychtářová und Branislav Dorko zusammengestellten Kunstkatalog über „Paul Gebauer“ (Národní památ-
kový ústav 2018) geehrt. Die Monographie mit Werkkatalog vollzieht die Lebensgeschichte und das künstlerische Schaffen des deutschsprachigen Malers Paul Gebauer (1888–1951) aus Sudetenschlesien nach. Bis zur Vertreibung verbrachte er den Groß-
Michal Topor und …
Dr. Zuzana Jürgens.
Live fand auch ein weiteres Konzert statt. Die Mezzosopranistin Susanna Frank und der Pianist Hedayet Djeddikar spielten in Haus Bachem im Rhein-SiegKreis in Nordrhein-Westfalen.
Mann, der schon lange ihr musikalischer Partner ist. Das trotz der schwülen Wetterlage und des zeitgleich laufenden Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal erstaunlich gut besuchte Konzert fand im Rahmen der „Kachelsteiner Kulturtage 2021. Klassische Musik – Kunst – Literatur“ statt. Auf dem Programm unter dem Motto „Eleganz und Dekadenz. Belle Époque und Fin de siècle“ standen Werke von Komponisten, die um die Wende zum 20. Jahrhundert in Paris und Wien gewirkt hatten. „Im euphorischen Schaffensrausch der französischen Belle Époque und der Wiener Moderne entstehen überbordende, schwelgerische Klanggemälde – gleichzeitig wird die Sehnsucht nach Neuem, Unverbrauchtem und Außergewöhnlichem immer stärker“, so wird diese Zeit in dem Programmzettel umrissen.
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ndlich wieder vor Publikum singen und spielen zu können“, dies unterstrich voller Freude Susanna Frank. Die Mezzosopranistin, ein Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste, deren Vater Friedemann Paul Frank im Jahr 1938 in Weipert im Erzgebirge geboren wurde, trat mit Hedayet Djeddikar am Klavier bei ihrem ersten Auftritt nach dem Corona-Lockdown im Haus Bachem auf. Die international erfolgreiche Sängerin und approbierte Pharmazeutin lieferte die vielfältigen Musikstücke und Lieder mit Sanftheit und Perfektion zur einfühlsamen Begleitung von ihrem
SonderPreis
J
Tschechische Preisträger
iří Stromšík (* 1939 in Kirhow/Krhová) studierte Germanistik und Bohemistik. Nach diversen Lehrtätigkeiten war er bis 1990 Lehrer und Redakteur des Verlags Odeon. 1990 kehrte er an die Philosophische Fakultät der KarlsUniversität zurück, wo er 1996 zum Dozenten und 2004 zum Professor ernannt wurde. In seiner Arbeit als Wissenschaftler beschäftigt er sich mit der deutschen Literatur. Er übersetzt Belletristik und geisteswissenschaftliche Fachliteratur aus dem Deutschen.
Bilder: IPSL
I
vo Habán (* 1977 in Brünn) studierte Kunstgeschichte und Geschichte. Er hat sich auf Kunst und Kultur deutschsprachiger bildender Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien spezialisiert. Seine Frau Anna Habánová (* 1977 in Nachod) arbeitet als Sammlungskuratorin und unterrichtet Geschichte an der Fakultät für Naturwissenschaften, Humanwissenschaften und Pädagogik der TU in Reichenberg. Ihr Spezialgebiet sind deutschsprachige Künstler und Kultur mit Fokus auf die Region.
teil seines Lebens in seiner Heimatgemeinde, dem Ort Zossen im Kreis Freudenthal. In fünf Kapiteln stellt das Ehepaar Gebauers künstlerisches Vermächtnis im Kontext breiterer historischer und kultureller Zusammenhänge vor. Der Werkband ist ein komplexer Erfassungsversuch verschiedener Aspekte im Werk des Malers, das bis heute emotive Reaktionen hervorruft und sicherlich auch in Zukunft noch Gegenstand der Forschung sein wird. Sei es im Kontext der regionalen Problematik sogenannter Heimatkunst oder im Rahmen einer breiteren Diskussion über den Charakter moderner mitteleuropäischer Realismen der Zwischenkriegszeit und ihren nachfolgenden Mißbrauch durch die Propaganda der Nationalsozialisten. Der deutschsprachige Wissenschaftler Neil Stewart hatte den Preis mit seiner Arbeit „Bohemiens im böhmischen Blätterwald“
Deutscher Preisträger
N
eil Stewart (* 1971 in Köln) studierte Slawistik und Komparatistik und ist seit 2009 Studienrat im Hochschuldienst im Bereich Komparatistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. In seiner wissenschaftlichen Arbeit widmet er sich Themen, die ost- und westeuropäische Literaturen miteinander verbinden. Außerdem beschäftigt er sich mit der Problematik von Medialität und Intermedialität. Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer ist er auch Übersetzer.
über Die Zeitschrift „Moderní revue“ und die Prager Moderne (Universitätsverlag Winter 2019) errungen. Die „Moderní revue pro literaturu, umění, a život“ („Moderne Revue für Literatur, Kunst und Leben)“, erschien 1895 bis 1924 und war eine zentrale Institution und gleichzeitig ein Katalysator der Modernisierung und Internationalisierung der tschechischen Kultur in der Wendezeit zum 20. Jahrhundert. Das aufwendige und experimentelle Layout der Zeitschrift markiert den Anfang einer bibliophilen Tradition in Böhmen. Nach dem Ersten Weltkrieg vertrat die „Revue“ jedoch anachronistische Standpunkte und endete politisch als Organ der extremen Rechten – ein Prozeß, den man als exemplarisch für den Wandel der Moderne und als charakteristisch für ihre prekäre Situation am Vorabend des Faschismus betrachten kann. Stewarts Studie rekonstruiert den
� Konzert in Königswinter
Belle Époque
Hedayet Djeddikar, Rose Marie Zartner und Susanna Frank.
Fall der Zeitschrift „Moderní revue“ unter Berücksichtigung sozialhistorischer, ästhetischer, semiotischer und intermedialer Aspekte. Dabei bezieht er insbesondere ihre mediale Originalität, ihren Charakter als komplexen „Text“ mit ein.
Für eine besondere Herausgeberleistung erhielt Jiří Stromšík den Sonderpreis. Er hatte die Aufsätze des berühmten Literaturwissenschaftlers Kurt Krolop herausgegeben als „Studie o německé literatuře“ (Triáda 2019). Im Mittelpunkt von Krolops Interesse stand stets und vor allem die deutschsprachige Literatur aus den böhmischen Ländern – besonders des aus Gitschin stammenden Karl Kraus und des aus Prag stammenden Franz Kafka – und im Zusammenhang damit das Thema der historischen Veränderungen im alltäglichen Zusammenleben von Deutschen, Tschechen und Juden. Krolops Forschungsspektrum war allerdings weitaus breiter. Unter seinen Zeitgenossen dürfte schwerlich jemand zu finden sein, der ihm hinsichtlich seiner fundierten und detaillierten Kenntnisse der gesamten deutschen Literatur zumindest seit dem 18. Jahrhundert ebenbürtig wäre. Die erschöpfende Kenntnis insbesondere der Goethezeit bildet eine feste Grundlage für seine Studien über das 20. Jahrhundert. Ebenso bewies er sie in eigenständigen Arbeiten. Seine einleitenden Studien für tschechische Ausgaben von Novalis, Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann, der „Nachtwachen“ von Bonaventura, von Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ und „Dichtung und Wahrheit“ wurden zu einem unübersehbaren Bestandteil der tschechischen Rezeption deutscher Klassik und Romantik. Seine Aufsätze zu Karel Čapek, Hašek, Peroutka, Poláček, Šalda und vielen anderen wiesen ihn auch als Kenner der tschechischen wie der slawischen Kultur aus. So ist es für Deutsche, Tschechen und Freunde der Weltliteratur eine große Freude, Krolops Texte jetzt gesammelt zu sehen. Und eine große Freude war für alle Teilnehmer, endlich wieder an einer Live-Veranstaltung in Prag teilzunehmen. Susanne Habel Wer die schöne Veranstaltung nicht besuchen konnte, hat dazu noch die Möglichkeit auf dem ASV-YouTube-Kanal: youtu.be/ SK94qkeKyYY
Moderator Jaromir Typlt musizierte auch mit Michal Rataj.
Die Lieder von Gabriel Fauré und Claude Débussy sowie von Alban Berg und Arnold Schönberg wurden von der Konzertsängerin gleichermaßen einfühlsam und engagiert mit klarer Artikulation vorgetragen. Hedayet Djeddikar, der seine Ausbildung bei der Pianistin Rose Marie Zartner in Bonn erhalten hatte und offizieller Begleiter des ARD-Musikwettbewerbs sowie des Johannes-Brahms-Wettbewerbs und Dozent an den Hochschulen für Musik in Frankfurt und Düsseldorf ist, erwies sich am Klavier als kongenialer künstlerischer Partner. Besonders interessant für die aus dem sudetendeutschen Bereich stammenden Gäste, unter ihnen neben Rose Marie Zartner, Trägerin des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises, auch die Pianistin Jamina Gerl, Trägerin des Förderpreises der Sudetendeutschen Landsmann-
schaft für ausübende Kunst, waren die Werke der am Schluß dargebotenen Lieder von Gustav Mahler, der 1860 in Kalischt an der Böhmisch-Mährischen Höhe geboren wurde, und von Erich Wolfgang Korngold, der 1897 in Brünn zur Welt kam. Diese Melodien hoben sich in ihren Klangfarben und Rhythmen erkennbar von manchen etwas schwermütigen Kompositionen ab. Der langanhaltende und dankbare Applaus des Publikums wurde durch eine Zugabe von Richard Strauss belohnt. „Heimliche Aufforderung“ wurde von den beiden Interpreten Susanna Frank und Hedayet Djeddikar dem mutigen Initiator der „Kachelsteiner Kulturtage“ Michael Agi gewidmet. Der hatte an diesem Tag Geburtstag und zu einem anschließenden Umtrunk in seinen Garten eingeladen. Günter Reichert
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Das Frankenreich wird – oft durch Heirat – immer größer.
Geldschein mit Fürst Mesko und seiner Frau Dobrawa.
ter Nachbarschaft des Frankenreichs und des sich daraus im Osten entwickelnden deutschen Königreichs seien dies vor allem Böhmen und Polen, die sich als Landesherrschaften slawischer Fürsten erst bis zur Ottonenzeit herausgebidet hätten. Der „Sachsenspiegel“ zeige den damaligen Landesausbau durch die Anwerbung von Siedlern aus dem Westen und durch die Übernahme von Innovationen in Landit Eheverbindungen wur- wirtschaft, Wirtschaft, Siedden in der Geschichte schon lungswesen und vor allem seit jeher Bündnisse geschlossen im Recht. oder Friedensschlüsse begrünSchon 815 seien böhdet“, erklärte Andreas Otto We- mische Anführer auf den ber. Und dies sei sowohl auf der Reichsversammlungen erEbene von Herrschaft und Staat schienen, und 845 hätten als auch in der Wirtschaft ge- sich 14 böhmische Fürsten schehen. „Durch eine wirtschaft- vor dem König des Ostfranlich günstige Hochzeit konnte kenreiches, Ludwig dem ein landwirtschaftliches Anwesen Deutschen, in Regensburg, wachsen, konnten Kaufmannsfa- taufen lassen. 973 sei durch milien Handelskontakte in ande- eine Übereinkunft zwire Länder aufbauen und dort an schen Herzog Boleslav II. Einfluß gewinnen, konnten adeli- von Böhmen – dessen Frau ge Familien ihren Besitz und da- Emma wohl aus dem Wemit ihre Macht über Untertanen sten stammte –, Kaiser Otvergrößern, konnten Fürstenfa- to I. sowie dem Regensburmilien zu Königsdynastien auf- ger Bischof Wolfgang ein steigen, konnten ganze Staaten eigenes böhmisches Bistum eine neue Ausrichtung bekom- Prag gegründet worden. men“, so der HDO-Direktor. „So entstand eine eigeIn einem großen historischen ne, an das Papsttum in Rom Abriß stellte der Historiker dann und nicht an Byzanz gebunBeispiele aus der Geschichte Eu- dene böhmische Landesropas vor. Schon im frühmittelal- kirche.“ Bald sei es auch terlichen Frankenreich habe es zu überregionalen Heiraten sosolche Heiraten gegeben, die zu wohl beim dynastischen Fürstenstabilen Familiennetzwerken ge- tum wie auch beim Adel und bei führt hätten, Hindernisse seien den Bürgern der Städte zwischen damals oft die Religionen gewe- West und Ost gekommen wie etsen, da es in Europa noch viele wa der zwischen Mieszko I., eiheidnische Volksstämme gege- nem Fürst aus dem Geschlecht ben habe. der Piasten und erstem bekannAm Anfang dieser Entwick- ten Herrscher im Raum des spälung hätten erste Bündnisse mit teren Polen, mit der böhmischen slawischen Fürsten zur Zeit Karls Prinzessin Dobrawa, die Christin des Großen und seiner Nachfol- war. Dafür habe sich Mieszko um ger – wie mit den Böhmen – 966 taufen lassen. gestanden. „Am Ende der EntSpäter habe es auch Ehen mit wicklung, die den Ungarn Integration durch über 200 Jahoder MagyaMissionierung re dauert, steht ren, einem nodann die Intemadischen gration der slawischsprachigen Reitervolk, gegeben. Dessen Völker in das christliche Abend- Kern sei wohl ein finnisch-ugriland.“ scher Stamm an der Wolga geDie ersten Kontakte zwischen wesen, der zwischen 894 und 897 dem christlichen Frankenreich in die pannonische Tiefebene ge– und seinen zahlreichen Teil- zogen sei. Gegen deren Raubzüreichen wie dem Herzogtum ge sei 907 eine bayerische KrieBayern – mit den im Osten an- gerschar, darunter fast der gansässigen nichtchristlichen Völ- ze hohe Adel und hohe geistliche kern seien zunächst mit Krieg Würdenträger unter Führung und Kampf verbunden gewesen. des Markgrafen Luitpold ins Feld Auch innerhalb des Herrschafts- gezogen. „Bei Preßburg kam es gebietes der Herzöge von Baiern zur Schlacht, die für die Bayern aus der Familie der Agilolfinger in einem verheerenden Blutbad habe es im achten Jahrhundert endete.“ noch slawische BevölkerungsteiDie Einfälle der Ungarn hätle gegeben, zu deren christlicher ten erst 955 mit der Schlacht auf Missionierung Klöster und Kir- dem Lechfeld ein Ende gefunchen gegründet worden seien. den. Unter Führung König OtDeren Erfolge hätten zu einer In- tos des Großen seien sie von eitegration von Bevölkerungsgrup- nem Heer, das aus den Rittern pen, die eine slawische Sprache des Königs sowie Heeresteilen benutzt hätten, in die westlich- aus den Herzogtümern Bayern, christliche Kultur geführt. Franken, Schwaben und Böhmen Dies sei einhergegangen mit bestand, vernichtend geschlagen der Transformation der slawisch- worden. sprachigen Großregion zwischen Nun seien auch die Ungarn Ostsee und Karpaten. Sie sei ge- missioniert worden. Daher stamkennzeichnet durch die Entste- me auch die Bezeichnung „Stehung von Landesherrschaften phanskrone“, da sich ihr erster slawischer Fürsten und später König Waik von Bischof AdalKönige und durch den mittelal- bert von Prag auf den Namen terlichen Landesausbau und die Stephan, ungarisch István, habe Landesentwicklung. In direk- taufen lassen. Damit sei der Weg
Als letztes dynastisches Netzwerk stellte der Referent die Familie der Burggrafen von Nürnberg in Franken vor. Die Hohenzollern, nach ihrer Stammburg Zollern in Schwaben genannt, seien, ausgehend von ihren fränkischen Ursprüngen auf der Burg in Nürnberg, bis in die frühe Neuzeit eine der bedeutendsten frei gewesen für eine dynastische böhmischen Grenzraum auch das Fürstendynastien Europas geHeiratsverbindung zwischen Un- weiß-blaue Rautenwappen mit in worden. „Das 1139 durch Heirat garn und dem ostfränkisch-deut- die Ehe gebracht, das bis heute erlangte Amt der Burggrafen von Nürnberg war für die Zollern die Basis für ihren Aufstieg zu einer der führenden Fürstendynastien Deutschlands, die als Haus Hohenzollern 1871 die Kaiserkrone des Deutschen Reichs erhielt.“ Burggraf Friedrichs Sohn Konrad I., der Begründer der fränkischen Linie der Zollern, habe mit seinen Kindern etliche günstige Verbindungen erreicht, etwa mit den Herrscherhäusern von Schlesien, Schlesien-Troppau, Kärnten, Österreich, der Pfalz und Luxemburg-Böhmen. In den Generationen bis 1500 sei es bei den Zollern zu Heiratsverbindungen mit dem Herzogtum Pommern und PommernStettin, also dem bereits erwähnten Herzogshaus der Greifen, sowie den schlesischen Herzogtümern Liegnitz und Münsterberg-Oels, gekommen. Im 16. Jahrhundert habe es eine deutlich verstärkte Heiratspolitik der Zollern mit den großen Dynastischen Reich. König Stephan ha- das zentrale Wappen Bayen der östlichen Nachbarländer be 955 Gisela, die älteste Tochter erns sei (Ý SdZ 21/2021). gegeben, etwa mit den Häusern des bayerischen Herzogs HeinLudwig und Ludmilvon Teschen in Schlesien, den rich des Zänkers und Schwe- las Sohn, Herzog Otto II. Herzogtümern Brandenburgster des späteren Kaisers Hein- von Bayern, und dessen Küstrin und Pommern und dem richs II., geehelicht. Das sei der Frau Agnes von der Pfalz, polnischen Königshaus der JagiAnfang zahlreicher weiterer dy- Tochter der Pfalzgrafen bei nastischer Ehen zwischen Fami- Rhein, hätten fünf Kinder Professor Dr. Andreas Otto Weber beim ellonen. „Heiratsverbindungen zwilien aus dem christlichen Euro- gehabt. Diese seien eben- Vortrag über die Familiennetzwerke der Bild: Lilia Antipow/HDO schen den Fürstenhäusern im pa und solchen aus Ungarn ge- falls oft überregional ver- Adelsfamilien. Heiligen Römischen Reich und wesen. heiratet worden, etwa nach Ein weiteres Beispiel für die Kärnten oder nach Glogau im stehung einer polnischen Lan- den östlich benachbarten Fürstentümern und Königreichen Ausbildung von überregionalen Land der schlesisch-polnischen deskirche geebnet.“ Auch die Herzöge von Pom- waren eine wichtige KonstanNetzwerken böten die Wittelsba- Piasten. cher. Bei denen könne man ein Auch die Bayern hätten wei- mern aus dem Haus der Grei- te bei der Integration der östliin drei Generationen gewachse- tere östliche Heiratsnetzwerke fen hätten ein beeindruckendes, chen Länder in die christlich funnes in alle Richtungen weisendes geschaffen, wie Herzog Hein- Mitteleuropa weit überspannen- dierte europäische Kultur“, resüFamiliennetzwerk feststellen, oft rich XIII. von Bayern und der des Familiennetzwerk geknüpft, mierte Weber. Bereits im späten mit Hochzeiten in die östlichen Pfalz mit Prinzessin Elisabeth angefangen mit Herzog War- Mittelalter seien sie zur Revon gel geworden Nachbarreiche des Heiligen Rö- von Ungarn. Sein ältester Sohn, tislaw I. Heiratsverbindungen und bis in das mischen Reiches. Otto III. von Bayern, habe als Greifen, desschaffen Netzwerke 20. JahrhunEtwa Herzog Ludwig I., der Sohn dieser ehemaligen ungari- sen erste Frau dert geblieben. 1204 in Kelheim die Witwe des schen Prinzessin die Stephans- Heila dem GeGrafen Adalbert III. von Bogen, krone angeboten bekommen und schlecht der Welfen in Sach- Auch die 1475 bei der LandshuPrinzessin Ludmilla von Böh- bei der Krönung in Budapest ei- sen, die zweite Frau Ida aus Dä- ter Hochzeit geschlossene Ehe men, geheiratet habe. Ludmilla nen neuen ungarischen Namen nemark gestammt hätten. Dazu zwischen Hedwig/Jadwiga, der sei die Tochter des aus der Dyna- angenommen. „Er wählte dafür zeigte Weber die Karte des Netz- Tochter des Königs von Polen stie der Přemys liden stammen- den Namen seines Großvaters werks der Greifen, das über 500 und Großfürsten von Litauen, Kasimir Jagiello, und seiner Geden Königs Friedrich von Böh- mütterlicherseits, König Bela IV. Jahre entstand. Vier Heiraten nach Osten sei- mahlin Elisabeth von Habsburg, en etwa mit Angehörigen der mit dem bayerischen Herzog Polen beherrschenden Dynasti- Georg dem Reichen, die Weber en der Piasten und Jagiellonen eingangs erwähnt hatte, zählte geschlossen worden. Nach We- dazu. sten habe es wesentlich mehr faErst der Nationalismus, das miliäre Verbindungen gegeben, Ende der Monarchien, die zwei so zwölf Ehen mit den – sla- Weltkriege, die Shoah, Flucht wischstämmigen – Obodriten und Vertreibung und der Eiserin Mecklenburg. Weber brachte ne Vorhang hätten diese wichtinoch eine eindrucksvolle Reihe gen Ost-Westverbindungen navon Hochzeiten. hezu lahmgelegt. „Aber heute im „In den Süden des Reiches vereinten Europa werden wieder zielten im Vergleich zum Pom- mehr und mehr Ehen zwischen mern benachbarten Norden na- Menschen aus Ländern in Osttürlich deutlich weniger Ehen.“ mitteleuropa oder Südosteuropa Mit Böhmen habe es eine be- mit Menschen aus Deutschland sonders hochrangige Ehe gege- geschlossen – und dies natürFamiliennetzwerk der Hohenzollern bis ins 16. Jahrhundert. ben. „Prinzessin Elisabeth von lich nicht nur beim Adel“, freute Pommern heiratete 1363 Kaiser sich Weber abschließend vor den men und dessen Gattin Elisabeth von Ungarn, der mit einer Baye- Karl IV. und wurde mit ihm die Zuhörern im HDO-Saal und vor von Ungarn gewesen und habe rin verheiratet gewesen ist, näm- Mutter einer englischen Königin den Monitoren der heimischen Rechner. Susanne Habel neben Besitzungen im bayerisch- lich mit Gertrud Gräfin von An- und eines Kaisers.“
Das Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München kehrte mit dem Vortrag „Von Gisela von Ungarn zu Hedwig Jagiellonica“ von Andreas Otto Weber aus der Corona-Pause zurück. Der HDO-Direktor referierte über dynastische Verbindungen zwischen Fürstenhäusern im Heiligen Römischen Reich und den östlichen Nachbarn vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit.
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� Live-Vortrag von HDO-Direktor Andreas Otto Weber
Heiratspolitik
Das Familiennetzwerk Herzog Ottos II. von Bayern. dechs-Meranien, einer Schwester der heiligen Hedwig von Schlesien.“ Nachdem Otto/Bela später zur Abdankung gezwungen worden sei, sei er zu seinem schlesischen Vetter Heinrich III. von Glogau geflohen und habe dessen Tochter Agnes von Glogau in zweiter Ehe geheiratet. Auch ihre beiden Kinder hätten „auswärts“ geheiratet. „Der jüngere Sohn Heinrich heiratete dann eine Habsburgerin, nämlich Anna von Österreich.“ Nun warf Weber wieder einen Blick auf das Herrschergeschlecht der Herzöge und späteren Könige von Polen aus dem Haus der Piasten wie die schon geschilderte Ehe von Mieszko und Dobrawa. Otto Boleslaw II., habe mehrere Bündnisversuche mittels Heirat unternommen und von Kaiser Otto III. das Recht erhalten, Bischöfe einzusetzen. „Damit war der Weg zur Ent-
Eva Haupt
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Josef Zellmeier MdL
Christina Meinusch
Helga Heller
Margaretha Michel
Dr. Christian Weber
� SL-Landesgruppe Bayern
Frauen eröffnen Post-Corona-Tagungs-Reigen Den Post-Corona-Tagungsreigen eröffneten die Frauen der SL-Landesgruppe Bayern am Samstag im Kolpinghaus im oberpfälzischen Regensburg. Dorith Müller, Stellvertretende Landesfrauenreferentin, berichtet.
unterstreiche die Bedeutung von Böhmen für die Entwicklung der Krippe. In diesem Zusammenhang verweist Voderholzer auf die Lebenserinnerungen des aus Reichenberg stammenden Kinderbuchautors Ottfried Preußler, der auch die Krippe erwähne. Weihnachtskrippen seien ein Mittel der Völkerverständigung auf der Basis des gemeinsamen Glaubens. Schließlich
vorgelesen. Ott hebt das „wunderbare Programm“ hervor und wünscht der Tagung einen guten Verlauf und allen Gesundheit. Beim Totengedenken nennt Sigrid Ullwer-Paul stellvertretend für alle verstorbenen Frauen Maria Moder (Ý SdZ 23/2021), die sich mit Herzblut für die Sudetendeutsche Volksgruppe auch in leitenden Funktionen eingesetzt habe.
schwierig, auch wegen der Wahlen im Herbst. Premier Andrej Babiš kämpfe, brauche aber für seine Minderheitsregierung die Kommunisten. Er habe Interesse an der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, nicht jedoch an den Sudetendeutschen. „Das bekamen wir zu spüren und kamen da auch nicht weiter.“ Die Dekrete gälten in der Tschechischen Republik noch immer und spielten
Auch Hörtler erzählt etwas sehr Persönliches. „Am 7. Juni 1946 erhielt meine Familie die Anordnung, die Heimat zu verlassen. Die Anordnung – nur wenige Stunden vor der Vertreibung – enthielt klare Angaben. Das Haus mußte geputzt, die Betten bezogen sein, die Sparbücher mußten auf dem Tisch liegen und so weiter.“ Dies habe er vor wenigen Tagen in den sozialen Medi-
digung gibt es keine Alternative.“ Ihre Schwerpunkte, so Heimatpflegerin Christina Mei nusch, seien Mundart, Brauchtum, Märchen und Sagen, Tracht sowie das Heimatbild. Gegenwärtig plane sie eine Wanderausstellung über das Thema „Heich bin ja so erleichtert“, freut matbild“. Dabei gehe es um die sich Landesfrauenreferentin Sinach der Vertreibung entstangrid Ullwer-Paul, „daß das Trefdenen Erinnerungsbilder. Hier fen der Pandemie nicht zum würde sie sich über AnregunOpfer fiel.“ Unter den 50 Gägen von Ehrenamtlichen freusten, die sie begrüßt, sind Reen. gensburgs Bischof Rudolf VoAußerdem plane sie einen derholzer, Sylvia Stiers torfer zweisprachigen Wanderführer MdL, Landesbeauftragte für mit Wegbeschreibungen, GeAussiedler und Vertriebene, schichten und der VerknüpSL-Landesobmann und SL-Vifung zu Objekten in Heimatze-Bundesvorsitzender Stefstuben. Allgemeine Arbeitsfen Hörtler, Christian Weber, ziele seien die Arbeit mit Obmann der SL-BezirksgrupZeitzeugen und deren Einbepe Niederbayern-Oberpfalz, ziehen in alle Themen sowie Margaretha Michel, Stellverdie grenzüberschreitende Artretende Landesfrauenrefebeit. Dazu gehörten die Unrentin und Obfrau der SL-Beterstützung der Kultur auch zirksgruppe Oberfranken, soauf tschechischem Gebiet, wie die Frauenreferentinnen das Wiederauflebenlassen der der Bezirksgruppen, Ingeburg Kultur auch dort und das ErAlesi für Mittelfranken und halten der Kultur in der RegiUrd Rothe für Oberbayern. on. Weitere Gäste sind ChristiAuch Helga Heller ist gena Meinusch, die neue Heikommen. Sie ist 93 Jahre alt, matpflegerin der SudetenObfrau der SL-Ortsgruppe deutschen, und Eva Haupt, Passau und Zeitzeugin. Ihr Mitarbeiterin beim SudeZeitzeugnis dokumentiert das tendeutschen Museum, To2010 von Antikomplex herausni Dutz, Mitglied des SL-Begegebene zweisprachige Buch zirksvorstands Niederbayern„Sudetské příběhy. SudetenOberpfalz und Bürgermeister geschichten“. Angesichts 75 von Wiesau, sowie Josef ZellJahre Vertreibung mit Schwermeier MdL, Vertriebenenpopunkt Vertreibung und Intelitischer Sprecher der CSUgration stellt Heller das Buch Landtagsfraktion und Auf den Stufen vor dem Regensburger Kolpinghaus: Bischof Professor Dr. Rudolf Voderholzer, Steffen Hörtler, Dr. Sigrid Ullwer-Paul und Sylvia Stierstor- vor. Bilder: Josef Paul (7), Geschäftsstelle der Beauftragten für Aussiedler und Vertriebene (3) Vorsitzender des Haushalts- fer MdL. Die Kunsthistorikerin Eva ausschusses des Bayerischen Haupt ist seit 2016 Mitglied Landtags. lädt der Bischof zum Besuch seiIn seinem Bericht über die ge- auch in den aktuellen Auseinan- en veröffentlicht. Unter den bis- des Museumsteams. Sie spricht Zellmeier weist in seinem ner Krippenausstellung in Re- genwärtige Lage der Sudeten- dersetzungen eine Rolle. her rund 1400 Rückmeldungen über „Das Erlebnis namens HeiGrußwort darauf hin, daß Bay- gensburg ein. Und er lädt ein deutschen Landsmannschaft und „Wir wollen die Dekrete nicht seien 20 Prozent von Deutschen mat“ in Verbindung mit einem ern viel und gerne unterstütze. zur Eucharistiefeier am Sonntag, ihre wesentlichen Zielsetzungen vor uns hertragen, sondern klug – mehrheitlich verbunden mit virtuellen Museumsrundgang. Unter anderem die mehr als 100 15. August, 11.00 Uhr in der Klo- in der Gegenwart dankt Hört- damit umgehen.“ Wenn die Su- Dank und der Reaktion, man Das vom Kulturreferenten für Heimatstuben der verschiede- ster- beziehungsweise Schloßkir- ler zunächst dem Freistaat Bay- detendeutschen dieses The- werde dies als Anstoß zum Aufar- die böhmischen Länder, vom nen Landsmannschaften. Bayern che in Kladrau, in der Heimat- ern für seine Unterstützung. Be- ma nicht ansprächen, sei damit beiten der eigenen Familienge- HDO aus Mitteln des Bayerigebe Geld für deren Erhalt. Viele kirche seiner vor sechs Jahren sonders hervorzuheben seien das zu rechnen, daß auch die CSU schichte nehmen – und 80 Pro- schen Staatsministeriums für FaGemeinden seien bereit, die Hei- verstorbenen Mutter Maria Vo- Sudetendeutsche Museum, die zu dem Schluß komme, daß die- zent von Tschechen – großen- milie, Arbeit und Soziales sowie matstuben zu übernehmen. derholzer/Schill. Besetzung der Stelle der Heimat- se Angelegenheit nicht mehr re- teils haßerfüllt, teilweise positiv von der Sudetendeutschen StifBischof Voderpflegerin der Su- levant sei. „Wichtig ist deshalb, und mit Dank für aufklärende tung geförderte Treffen klang holzer beginnt mit detendeutschen, die für uns relevanten Themen Worte. Hörtlers Fazit: „Wir müs- mit dem gemeinsam gesungenen einer sehr persöndie nach kritischem in kleinem Kreis anzusprechen. sen selber etwas tun. Jammern Lied „A bisserl böhmisch, a bislichen Anmerkung. Nachfragen der Be- Laut Volksgruppensprecher führt nicht zum Ziel. Zur Verstän- serl bayrisch“ aus. Er erzählt, daß „am zirke letztlich eine Bernd. Posselt heutigen 19. Juni breite politische Un- und seinen Ausvor genau 75 Jahterstützung erfah- führungen in unren, also am 19. Juni re, sowie die Erwei- serer Zeitung 1946, meine Großterungsbauten auf (Ý SdZ 23/2021) mutter mit drei Kindem Heiligenhof, haben wir erst eidern ausgewiesen „Odsun proveden dne 19. Juni 1046.“ Deutsch: „Abschub voll- der sudetendeut- ne Chance, wenn wurde“. Der Stem- streckt am 19. Juni 1946.“ schen Bildungsstät- die Tschechen pel mit diesem Date in Bad Kissingen für das Thema tum sei ihm erst kürzlich auf der Sylvia Stierstorfer spricht vom (Ý Seite 2). Der Freistaat habe offen sind. Wir Rückseite einer alten Urkunde Sudetendeutschen Museum. Sie Großartiges für die Vertriebenen brauchen Veraufgefallen. „Wir dürften bei den freue sich schon heute auf die geleistet. bündete, aber Letzten gewesen sein“, sagt Vo- vorliegenden acht Anfragen von „Was haben wir Sudetendeut- nicht nur in der derholzer. Die Gebetsbücher ha- Schulklassen für einen Besichti- schen geleistet?“, fragt er. „Ver- Tschechischen be die Großmutter bei der Ver- gungstermin. Darunter sei eine zicht auf Rache und Vergeltung! Republik, sontreibung retten können. Der Terminanfrage einer Abiturklas- Das ist eine gute Leistung unse- dern auch in Glaube habe ihr geholfen, dieses se mit HDO-Direktor und Pro- rer Volksgruppe. Andere auf der Deutschland.“ Schicksal zu verkraften. Er danke fessor Andreas Otto Weber. Sie, Welt haben das nicht geschafft.“ So komme vom allen Müttern und Großmüttern, so Stierstorfer, plane eine Aus- Und: „Die Pandemie hat uns ge- Außenministeridie die Hauptlast getragen und stellung über Frauen und Kin- zeigt, wie schnell offene Gren- um aktuell keiGroßes geleistet hätten. der bei Flucht und Vertreibung. zen wieder geschlossen werden.“ ne politische UnAnschließend erzählt er von In diesem Zusammenhang füh- Dabei seien der gegenseitige terstützung. Für seiner Krippensammlung und re sie gegenwärtig jede Woche Austausch und die Besuchskul- tschechische Podaß er begonnen habe, sich wis- zwei bis drei Zeitzeugengesprä- tur zwischen Sudetendeutschen litiker stelle sich senschaftlich und historisch mit che. Schließlich dankt sie Ullwer- und Tschechen extrem wichtig, die Frage, waWeihnachtskrippen zu beschäf- Paul für die Organisation. um nationalistischen Tendenzen rum sie sich des tigen. 1562 sei die erste Krippe Nach einem Grußwort von der nachwachsenden Generation Themas annehnördlich der Alpen in der Pra- Bezirksobmann Christian We- Einhalt zu gebieten. men sollten, die Das „Böhmische Trio“ der oberpfälzischen SL-Kreisgruppe Burglengenfeld/Städtedreieck aus ger Jesuitenkirche Sankt Kle- ber wird der Grußbrief von BunDie politische Situation in Deutschen nichts Rosa Mehringer, Hannelore Götz und Marianne Fuchs begleitet die Landesfrauentagung musikalisch. mens dokumentiert worden. Das desfrauenreferentin Gerda Ott der Tschechischen Republik sei unternähmen.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Stadtpfarrer Pater Josef Bregula OFMConv, Weihbischof Dr. Peter Birkhofer und Diakon Friedhelm Bundschuh vor dem Pfarramt. Bilder: Markus Bauer
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Vizebürgermeister Jürgen Schmeiser, Pater Josef Bregula, der frühere Diözesanvorsitzende der Freiburger AG Erich Pohl, Weihbischof Dr. Peter Birkhofer und der jetzige Diözesanvorsitzende der Freiburger AG Roland Stindl.
� 75. Vertriebenenwallfahrt nach Walldürn in Baden-Württemberg
Fürchte Dich nicht, denn ich bin mit dir Die 75. Wallfahrt der Heimatvertriebenen, Aussiedler und ausländischen Mitbürger im vergangenen Jahr wurde ein Coronaopfer. Mit einigen pandemiekonformen Einschränkungen – keine Wallfahrt, keine Fahnenabordnungen, Abstände in den Kirchenbänken – fand nun zumindest ein feierlicher Jubiläums-Gottesdienst statt, dessen Hauptzelebrant der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer war. Organisatoren waren die Ackermann-Gemeinde (AG) im Erzbistum Freiburg und die Stadt Walldürn.
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ach dem Einzug in die Wallfahrtsbasilika Sankt Georg hieß Stadtpfarrer und Franziskanerpater Josef Bregula Pilger und Gottesdienstbesucher in und außerhalb der Basilika sowie via Fernsehsender K-TV am Gnadenort zum Heiligen Blut willkommen. Besonders begrüßte er die Mitglieder der AckermannGemeinde aus den Bistümern Freiburg und Würzburg, die Stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sabrina Miko sowie Walldürns Vizebürgermeister Jürgen Schmeiser und Hauptamtsleiter Helmut Hotzy. Das Motto „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ passe gut zum Jubiläum der Vertriebenenwallfahrt. Denn ohne Glauben, ohne das Vertrauen, daß einer zur Seite stehe, wären viele damals verzweifelt, sagte Pater Bregula. Gern wäre er vergangenes Jahr zum Jubiläum gekommen, betonte der Weihbischof. „75 Jahre sind ein Zeichen der tiefen Verbundenheit mit- und untereinander. Grenzen sind für Christen keine Grenzen. Wir stehen in Verbindung zu Gott und sind Schwestern und Brüder in Jesus Christus.“ In seiner Predigt blickte er auf die Anfänge der Vertriebenenwallfahrt zurück, die erstmals am Die SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld und die Kreisgruppe Augsburg-Land in Bayerisch-Schwaben gedachten Mitte Juni unter Einhaltung der Corona-Hygienemaßnahmen am Mahnmal der Sudetendeutschen und am Mahnmal der Liebenauer bei der Aussegnungshalle am Städtischen Friedhof in Königsbrunn an der Wertachstraße der Opfer von Krieg und Vertreibung .
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reisobmann Kurt Aue, der auch als BdV-Kreisvorsitzender von Augsburg-Land fungiert, gedachte der bei der Vertreibung ums Leben gekommenen Landsleute. Stadtpfarrer Bernd Leu-
Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli 1946 stattfand. „Die heutigen Lesungen erinnern uns: Was immer auch geschieht, wir sind von Gott getragen. Es ist sicher dieser Glaube, der seit 75 Jahren zu dieser Wallfahrt zusammenruft. Denn in diesem Glauben dürfen wir beten und hoffen, daß uns nichts von der Liebe Christi scheiden kann.“ „Die Wallfahrt war das Werk der Ackermann-Gemeinde, von
te eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Mit Blick auf den denkwürdigen Festtag Mariä Heimsuchung – den Besuch Marias bei Elisabeth – charakterisierte er die traditionsreiche Wallfahrt als Fest der Begegnung. „Als am 2. Juli 1946 erstmals Vertriebene nach Walldürn kamen, war das nicht nur eine himmlische Zusage, daß Gott auch die Wege in der Fremde be-
„1946 war es ein kleines Fest des Wiedersehens, der Familienzusammenführung und der Tröstung ,Es gibt uns noch.‘ Wir sind zwar nicht mehr in unserer Heimat, aber wir dürfen hier zusammenkommen, um miteinander zu sprechen, uns miteinander zu freuen und miteinander zu beten und zu feiern. Durch die Heimat im Glauben, die uns niemand nehmen kann, bekräftigte die Wallfahrt auch eine Heimat
Ländern der Vertriebenen, die in den zurückliegenden Jahren die Festgottesdienste zelebriert hätten. „Wir dürfen dankbar sein, daß sich die Wallfahrt in all den Jahren zu einem festen Platz im Leben vieler Heimatvertriebener und Aussiedler entwickeln konnte: Begegnung, Trost, Freude, Gesang, Lachen und vor allem das gemeinsame Gespräch über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben jene
Der Glaube spendet Trost und Kraft B
ei der Stadt Walldürn laufen in Sachen Wallfahrt die Fäden beim Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes, dem Stadtoberverwaltungsrat Helmut Hotzy, zusammen. Da er mährische Wurzeln hat, sprach er das Grußwort am Ende der Messe für die Stadt Walldürn und für die Ackermann-Gemeinde. Er richtete zunächst den Fokus auf den ehemaligen Landkreis Buchen, wo in der Klinge Seckach ein Aufnahmelager für Heimatvertriebene eingerichtet worden war. Von dort wurden diese – auch Hotzys aus Südmähren stammende Eltern – auf die einzelnen Gemeinden verteilt. „Im Dezember 1946 stiegt die Bevölkerung Walldürns durch die Heimatvertriebenen von 4455 auf 5877 Personen, was einen Anteil der Neubürger von fast 25 Prozent ausmachte“, erläuterte Hotzy.
Menschen wie Pater Paulus Sladek, dem langjährigen Freiburger Diözesanvorsitzenden und ehemaligen Bundestagsabgeordneten sowie Mosbacher Oberbürgermeister Fritz Baier oder auch Pfarrer Heinrich Magnani“, erinnerte der Weihbischof. Und er erinnerte an die Gründung der Seckacher Klinge, heu-
Er beschrieb auch die Rahmenbedingungen wie Wohnungsnot, Spannungen zwischen Einheimischen und Vertriebenen, Fehlen von Kleidung, Hausrat und so weiter. „Schlimmer als die materiellen Entbehrungen war das psychische Leid der Vertriebenen durch den Verlust von Heimat und Besitz, durch das Fehlen der vertrauten Umgebung, der Freunde und Nachbarn sowie die Ungewißheit über die weitere Zukunft“, konkretisierte der Hauptamtsleiter. Hier hätten die Heimatvertriebenen schließlich Zuflucht, Trost und Kraft im christlichen Glauben gefunden und die Wallfahrt – erstmals am 2. Juli 1946 – begründet. Neben den von Weihbischof Peter Birk-
hofer bereits genannten Namen Hotzy den früheren Walldürner Stadtpfarrer und Ehrenbürger Pater Wigbert Richter – geboren in Böhmisch Leipa, von 1968 bis 1995 Seelsorger in Walldürn – und Augustinerpater Eduard Braunbock. „Sie erwarben sich um die Vertriebenenwallfahrt große Verdienste.“ In den 1950er und 1960er Jahren habe sich die Wallfahrt nach Walldürn zu einem Höhepunkt des Wallfahrtsgeschehens mit Tausenden von Gläubigen entwickelt, blickte Hotzy zurück. In vielen Sonderzügen seien die Pilger angereist. Ebenso zählte er einige Redner der Glaubenskundgebungen auf wie den früheren Vertriebenenminister Hans Lukaschek (1950),
schützen wird und dementsprechend der Glaube eine ewige Heimat schenkt, die wir niemals verlieren werden.“ Die Wallfahrt sei auch ein Impuls für den Glauben gewesen. Das Fest Mariä Heimsuchung sei als Beginn der Wallfahrt ein Geschenk Gottes, ein Segen mit Trost und Hoffnung gewesen.
in der Welt. Durch die kirchliche Heimat konnte dank der vielen Begegnungen auch weltliche ehemalige Heimat zurückgeholt werden.“ Der Weihbischof dankte für die 1999 eingeführten Fußwallfahrten, die Einbeziehung von Katholiken aus Pilsen und für die Geistlichen und Bischöfe aus den
den damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1965), Ministerpräsident Hans Filbinger, Otto von Habsburg, Josef Stingl oder Franz Josef Strauß sowie – beim 70jährigen Jubiläum 2015 – Erwin Teufel. „Zur Pflege der Vertriebenenwallfahrt, der Bewahrung des christlichen Glaubens und der Erhaltung des Gedenkens an die Heimat hat die Stadt Walldürn 1987 die Patenschaft über die Wallfahrt der Heimatvertriebenen zum Heiligen Blut übernommen“, erklärte Hotzy. Mit Ausführungen über die Ackermann-Gemeinde als Hauptorganisator der Wallfahrt, Dankesworten an die Vertreter dieses Verbandes, besonders an Heidi Rothmaier, den Diözesanvorsitzenden Roland Stindl und an Stadtpfarrer Pater Josef Bregula schloß Hotzy. Markus Bauer Hoffnung, die in den Lesungen und im Evangelium ausgedrückt wird, greifbar gemacht.“ Er sei traurig, so der Weihbischof, daß die Jubiläumswallfahrt 2020 habe abgesagt werden müssen und heuer nur in Form dieses Gottesdienstes stattfinden könne. Er erhoffe jedoch bessere Rahmenbedingungen für 2022.
� SL-Ortsgruppe Königsbrunn/Wehringen/Klosterlechfeld und Kreisgruppe Augsburg-Land/Bayerisch-Schwaben
Gedenken in der Wertachstraße mann erinnerte in einer kurzen Ansprache an das Leid der unschuldigen Opfer. An dem kurzen Gedenken nahmen etliche Bürgerinnen und Bürger mit sudetendeutschen Wurzeln, aber auch
Maximilian Wellner, Bernd Leumann, Kurt Aue und Norberta Steingruber. Bild: Christa Eichler
etliche Einheimische teil. Unter diesen war der Zweite Bürgermeister Maximilian Wellner, der in seiner Ansprache auf sudetendeutsche Ahnen aus seiner Verwandtenschaft verwei-
„Im Grunde ist es genau dieses Versprechen, von Gott gerettet zu sein, das allen weltlichen Schmerz überwinden läßt und damit die Möglichkeit zur Versöhnung und Verständigung als Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben schafft. Das alles sind wichtige inhaltliche Punkte, für die sich die Ackermann-Gemeinde und mit ihr die Generationen der Heimatvertriebenen und Aussiedler einsetzen.“ Abschließend erinnerte er an den an diesem Tag begangenen Welttag der Opfer von Flucht und Vertreibung beziehungsweise an den Weltflüchtlingstag und faßte dankend zusammen: „Für mich sind Sie deshalb Vorbilder im Glauben, weil Sie nicht Kleingläubige sind, sondern sich im Vertrauen auf Gott dafür eingesetzt haben, Versöhnung, Vertrauen und Frieden zu stiften.“ Ein Ensemble des Pfarrkirchenchores unter dem Walldürner Kirchenmusiker Sven Geier begleitete die Messe musikalisch. Lesungen und Fürbitten trugen Irmgard Michalek und Gabi Stanzel vor. Beim anschließenden Empfang im Pfarrsaal dankte Jürgen Schmeiser dem Weihbischof für die Unterstützung und verwies auf viele Heimatvertriebene in der Stadt Walldürn. „Auch ich bin ein Kind von Heimatvertriebenen“, erklärte er und dankte der Ackermann-Gemeinde ebenfalls für die „hervorragende und begeisternde Arbeit“. Heidi Rothmaier, Geschäftsführerin der Freiburger Ackermann-Gemeinde, verwies auf die Gruppe der Spätaussiedler, die auch in die Wallfahrt einbezogen würden und aus deren Herkunftsgebieten namhafte Geistliche als Zelebranten des Festgottesdienstes gekommen seien. Markus Bauer sen konnte. Bei der anschließenden Vorstandssitzung wurden mit Anton Kurz (Königsbrunn) und Horst Bergmann (Wehringen) zwei neue Kassenprüfer gewählt. Die Vorgänger Josef Rzehak und Margot Simnacher waren nämlich zuvor aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Anton Kurz erhielt aus den Händen der beiden Stellvertretenden Ortsobfrauen Christa Eichler (Neusäß) und Krimhilde Bergmann (Wehringen) die Ehrenurkunde für 30jährige Mitgliedschaft. Am Nachmittag besuchte der SL-Vorstand das Museum 955 über die Schlacht auf dem Lechfeld. ar
Neudeker Heimatbrief
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Folge 622 · 6/2021
Bärringen
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 623 (7/2021): Mittwoch, 7. Juli.
Neudek
Vertreibung – eine Transportkiste erzählt Diese Erzählung aus der humorvollen Perspektive einer Transportkiste, Baujahr 1945, soll den heutigen Urenkeln von Walter Haschberger einen Einblick in die damalige Zeit der Vertreibung geben.
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ch bin eine Kiste von vielen – aber nein, ich bin eine besondere Kiste. Gebaut wurde ich ungefähr 1945 in Neudek von Walter Haschberger (1910–1992), eurem Uropa. Damals war aufgrund der Kriegswirren schon zu erahnen, daß die deutschen Bewohner das Land für die Tschechen frei machen müssen. Im Hinterkopf der damaligen Bewohner überlegte man sich schon, was man bei einem eventuellen Weggang unbedingt mitnehmen sollte. Vorsorglich wurde ich eigenhändig von eurem Uropa gebaut. Ende des Jahres 1945 mußte mein Erbauer mit seiner Frau Erna (1917–2009), eurer Uroma, und seiner Tochter Anita (1939), eurer Oma, schon ihre Wohnung für eine tschechische Familie freimachen. Und sie lebten dann in einem durch Schränke geteilten Zimmer der Haschberger Ururgroßeltern im Erdgeschoß des
Hauses in Neudek, KarlsbaderStraße 37. Im Juni 1946 bekamen diese dann den Bescheid zur gewaltsamen Aussiedlung. Schnell wurde ich bepackt. Vermutlich kam ein Bett in mein Inneres zusammen mit Utensilien, die man unbedingt brauchte beziehungsweise an denen man besonders hing. So kann ich
zeitsgeschenke waren. Auch ein Fotoalbum, Urkunden, Medaillen des Radsports und ein rosarotes Taufkleidchen, welches eurer Oma während des Krieges zu der Geburt aus Frankreich geschickt wurde, wurden mein Inhalt. Ich hörte immer wieder von reichlichen Überlegungen, was wohl noch notwendig sei – das
Heute ist die ehemalige Transportkiste nur noch ein Andenken aus früheren Zeiten. Bild: Anita Donderer mich an eine Wand-Kaffeemühle und an eine rosafarbene, kleine Standuhr erinnern, die Hoch-
Gepäck durfte 50 Kilogramm pro Person nicht überschreiten. Kleidungsstücke waren wenig
in meinem Inhalt, diese wurden drei- und vierfach übereinander angezogen, damit sie nicht zum Gewicht des Gepäcks zählten. Somit näherte sich der Abschied von dem Haus, und ich kam in das Lager am Bahnhof in Neudek. Dort mußte ich einige Tage warten, bis ein Güterzug kam, in den ich verladen werden sollte. Vorher wurde mein Inhalt jedoch nochmals durchwühlt und durchsucht, damit ich nichts bei mir hatte, das eventuell verboten sei. Der Zug war sehr lang, er bestand aus 40 Viehwaggons. In einen dieser Waggons – er trug die Nummer 26 – wurde ich, zusammen mit noch einigen anderen Kisten, verladen. Außer dem Gepäck mußten noch 30 Personen einsteigen. Kinder und Ältere wurden hochgehoben, um in den Waggon zu kommen. Auf mich wurden Säcke mit Habseligkeiten anderer Mitreisender gelegt. Am frühen Morgen des 15. Juni 1946 begann der Zug zu rollen. Ich hörte Weinen und Jammern – es begann eine Fahrt ins Ungewisse. Kinder wurden dann während der Fahrt auf die Säcke Bitte umblättern
Ein Auszug aus den Transportlisten des Waggons Nummer 26 am 14. Juni 1946.
TERMINE
WIR GRATULIEREN
Samstag, 3. bis Sonntag, 4. Juli: Adolf Hochmuth gibt bekannt, daß das Beerbreifest nun stattfinden kann. Nach Rücksprache mit der tschechischen Botschaft in Berlin kann das diesjährige Beerbreifest, von 3. bis 4. Juli, stattfinden, wie im Neudeker Heimatbrief Nummer 619 (3/2021) angekündigt. Auf jeden Fall soll ein Impfausweis mit dem Eintrag zweier Corona-Impfungen oder die Bestätigung eines aktuellen Tests mitgeführt werden.
Heimatkreis, Heimatgruppe „Glück auf“ und Redaktion gratulieren herzlich den treuen Abonnenten des Neudeker Heimatbriefs, die vom 25. Juni bis 18. Juli Geburtstag feiern. Wir wünschen von Herzen viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit.
Die Geburtstagsgäste Anton Günthers an dessen Grab. Bilder: Ulrich Möckel
Geburtstag in Gottesgab
Anton Günther Zum 145. Geburtstag des verstorbenen Sängers Anton Günther kamen am 5. Juni mehr als 70 Gäste an dessen Grab zusammen.
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m 5. Juni vor 145 Jahren wurde Anton Günther, der bekannteste Dichter und Sänger des Erzgebirges, in Gottesgab geboren. Heute würde man sagen, er sei ein Liedermacher gewesen, dessen Texte das Leben im damaligen Erzgebirge widerspiegelten. Jedoch waren seine Liedtexte so treffend gewählt, daß sie bis zum heutigen Tag aktuell geblieben sind und es auch darüber hinaus sein werden. Schon zu Lebzeiten wanderten Günthers Freunde, sogar ganze Schulklassen, an seinem Geburtstag nach Gottesgab, um ihm persönlich zu gratulieren. Mit seinem Freitod im Jahr 1937 wurde sein Grab zur Pilgerstätte. Bis heute ist es zu seinem Geburtsund Sterbetag Treffpunkt vieler Freunde seiner Lieder, Gedichte und Sprüche. Auch zu sozialistischen Zeiten ließen es sich dessen Anhänger nicht nehmen, das Grab zu diesen Anlässen zu pflegen und zu besuchen. Jedoch waren sie nicht unter sich. Männer mit Aktentaschen, in denen Kameras versteckt waren, beobachteten das Geschehen an Günthers Grab mit großem Mißtrauen. Denn die Texte einiger seiner Lieder waren den damals Herrschenden ein Dorn im Auge. Heuer hätten fast die Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Einreise der deutschen Anton-Günther-Freunde verhindert. Glücklicherweise kam es anders. Musiker aus Sachsen versammelten sich gegen 9.30 Uhr am Grab und spielten abwechselnd seine Lieder. Etwa 70 Geburtstagsgäste gesellten sich auf dem Friedhof dazu. Auch Anton Günther Lehmann, Günthers Enkel, ließ es sich nicht nehmen, seinem berühmten Großvater an dessen 145. Geburtstag die Ehre zu erweisen. Noch bis zum späten Abend kamen, trotz des schlechter werdenden Wetters, weitere
Anton-Günther-Freunde an dessen Grab. Auch wenn an diesem Tag der erzgebirgische Sänger und Dichter mit seinem Schaffen im Mittelpunkt stand, war es auch ein Treffen Gleichgesinnter mit erzgebirgischen Wurzeln und erzgebirgischem Dialekt. Günther ist bei vielen heutigen Bewohnern des böhmischen Erzgebirges nur wenig bekannt, was an der Sprachbarriere liegen könnte. Diese zu überwinden ist das Anliegen von Josef Nečas aus Schlackenwerth. Gemeinsam mit anderen zweisprachigen Erzgebirglern übersetzte er ausgewählte Lieder aus dem erzgebirgischen Dialekt ins tschechische und nahm eine CD auf. Die neue „App“ „Lebendiges Erzgebirge“ ist eine weitere Möglichkeit, der jüngeren Generation das Wirken Günthers in deutscher und tschechischer Sprache näherzubringen. Die „erweiterte Realität“ bietet hierzu bisher ungeahnte Möglichkeiten. Wie von Lehmann zu erfahren war, soll das traditionelle AntonGünther-Liedersingen voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr in der Gottesgaber Sankt-Anna-Kirche stattfinden. Dazu sind jedoch noch Absprachen mit der Stadtverwaltung zu treffen. Dieses soll aber erst nach der Wiedereinweihung der renovierten Kirche erfolgen, welche am 25. Juli um 15.00 Uhr stattfinden soll. Dazu wird auch der Pilsner Bischof Tomáš Holub erwartet. Der Geburtstag Günthers war für viele Sachsen ein willkommener Anlaß für einen ersten Ausflug in das Böhmische Erzgebirge nach den coronabedingten Einschränkungen. Und so ist es nicht verwunderlich, daß, nach dem Besuch von Günthers Grab, der Weg in eine der 27 Gaststätten mit Biergärten Gottesgabs führte. Viele deutsche Böhmenfreunde hatten rund sieben Monate lang auf eine köstliche Portion Lendenbraten/Svíčková mit einem gut gekühlten, böhmischen Bier vom Faß verzichten müssen. Welch ein würdiger Geburtstagsschmaus! Ulrich Möckel
Bärringen. Ludmila Anderlová, Střední 65, CZ-362 36 Pernink, 6. Juli 1950. Neuhammer. Johanna Spahr/Meindl (Ober Neuhammer 141), Am Rain 6, 86517 Wehringen, 29. Juni 1946. Sauersack. Elfriede Fastner, Turmstraße 13, 95698 Neualbenreuth, 28. Juni 1939. Eibenberg. Hanni Gellner/Zettl (Nr. 18), Peter-Dörfler-Straße 39, 86368 Gersthofen, 18. Juli 1934. Bergstadt Platten. Oswald Jordan (Nr. 19), Bürgermeister-Fink-Straße 2, 89331 Burgau, 12. Juli
1933.
Anton Günther Lehmann, der Enkel Anton Günthers, vor dessen Grab.
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
� Voigtsgrün
Der Aufbau einer neuen Kapelle Im Neudeker Heimatbrief Nummer 621 (5/2021) beschrieb Pavel Andrš die Geschichte der Ortschaft Voigtsgrün. Darin erwähnte er auch die Wiedererrichtung des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und ebenfalls die wieder errichtete Dorfkapelle. Über die Entstehungsgeschichte der neuen Kapelle sandte ein Zeitzeuge den folgenden Bericht. Alte Transportkisten im Museum Bayerisches Vogtland in Hof.
Bild: Karl Wilhelm Schubsky
� Fortsetzung von Seite 11
Vertreibung – eine Transportkiste erzählt zum Schlafen gelegt. Ein Baby, es war der kleine, dreieinhalb Monate alte Cousin eurer Oma, fing im Kinderwagen zu schreien an. Sicher hatte er Hunger – ob seine Tante, eure Uroma, wohl noch etwas für ihn dabei hatte? Er hatte keine Mutter mehr, sie war zwei Stunden nach seiner Geburt gestorben. Ein alter Mann hustete unentwegt, andere beteten. Ich fand es ganz schön eng in dem muffigen Viehwaggon mit den vielen Leuten. Als Toilette diente ein großer Eimer im Waggon. Endlich, nach einem längeren Halt in Eger – es war schon Tag – wurde der bis zu diesem Zeitpunkt verplombte Waggon geöffnet. Angeblich waren wir nun im Westen. Der Bahnhof hieß Wiesau in der Oberpfalz. Jetzt durften oder mußten die Leute aussteigen. Das Rote Kreuz gab ihnen eine Suppe, und auch unser Baby bekam wieder Milch und wurde in einem Bottich mit vielen anderen Babys gebadet. Die Erwachsenen wurden ärztlich versorgt. Dies geschah, indem sie den Oberkörper freimachen mußten und mit weißem Pulver gegen die Plagegeister aus dem verlausten und verwanzten Lager in Neudek eingestäubt wurden. Einige ehemalige deutsche Soldaten liefen den Zug entlang. Sie erkundigten sich nach ihren Angehörigen und hofften, daß jemand von den ihren im Transport dabei sei. Eure Omi, damals ein sechs Jahre altes Kind, war schon die Große und mußte vernünftig sein. Zu allem Unglück stolperte sie am Wiesauer Bahnhof über die Gleise und zog sich im Gesicht Abschürfungen zu. Ein paar Tage lang stand der Zug auf dem Gleis, dann durfte
er weiter in Richtung Süden fahren, nach Dachau. Dort geschah dasselbe. Wir Kisten und Gepäckstücke mußten im Wagen bleiben, unsere Besitzer wurden registriert. In Gemeinschaftsbaracken bekamen sie etwas zu essen, aber nicht viel. Nach einiger Zeit – ich weiß nicht, ob es ein Tag oder mehrere Tage waren, denn ich hatte kein Zeitgefühl mehr – wurden einige Waggons abgehängt, und der Zug begann wieder zu rollen. Als ich an einem Haltepunkt ausgeladen wurde, war an dem Bahnhofsgebäude „Aichach“ zu lesen. Meine Besitzer wurden dort mit vielen anderen Leuten in der Landwirtschaftsschule untergebracht. Ich bekam im Keller einen Platz. Wieder vergingen Tage. Dann kam ein alter Lastwagen, auf den ich zusammen mit 20 bis 30 Personen verladen wurde. Keiner wußte, wohin es wohl jetzt gehen werde. Ich hörte jemanden sagen: „Wo die uns hinfahren, da sagen sich doch Fuchs und Hase ,Gute Nacht‘.“ Das Fahrzeug hielt vor einem Gasthof in einem kleinen Dorf mit dem Namen Wollomoos. Im Saal des Gasthauses standen Reihen doppelstöckiger Betten. Jede Familie bekam welche zugewiesen. Wieder hörte ich Weinen. Das Baby brauchte Milch, aber woher nehmen? Da blieb nur, betteln zu gehen. Die größeren Kinder, wie eure Omi, und die Erwachsenen mußten eben hungern, bis sie aus einer Gemeinschaftsküche irgendeinen „Mampf“ bekamen. Nach etlicher Zeit wurden die Familien nach und nach in Bauernhäuser eingewiesen. Mein Erbauer, euer Uropa, wollte jedoch so schnell wie möglich in die Nä-
he eines größeren Ortes, um sich nach einer Arbeit umsehen zu können. In der Nähe von Aichach, in Oberbernbach, bekam die Familie ein Zimmer bei einem unfreundlichen Bauern zugewiesen. Trotz allem war die Familie endlich alleine in einem Zimmer. Ich durfte jetzt sogar mit in das Zimmer und war das erste Möbelstück in diesem Raum, welcher als Schlafzimmer und Küche diente. Nun stand ich da, mit einem Tuch abgedeckt, auf mir standen zwei Schüsseln. Die eine diente zum Geschirrwaschen, die andere als Waschbecken. Vor mir stand immer ein Eimer, in den man das gebrauchte Wasser schüttete. Nach drei Jahren hörte ich, wie meine Besitzer voller Freude über eine Wohnung in Augsburg redeten. Mein Erbauer fand zum Glück wieder in seinem Beruf eine Arbeit bei der Augsburger Kammgarn-Spinnerei. In der Werkswohnung fühlte ich mich dann recht wohl und wurde noch bei zwei Umzügen innerhalb des Kammgarn-Areals mitgenommen. Zum Schluß war mein Platz in einer Dachkammer eurer Uroma, bis ich von euch entdeckt und mitgenommen wurde. Das freut mich jetzt sehr, daß ich in eurem neuen Heim einen Platz bekommen habe. Ich fühle mich nach etwa 75 Jahren richtig wohl und darf in eurer Mitte sein. Dafür bin ich ehrlich dankbar. Und ich bin mir auch sicher, daß sich mein Erbauer freuen würde, daß ich bei seiner Urenkelin wohnen darf. Somit kann ich – nach meiner langen Schicksalsreise – doch noch ein Happy End genießen. Anita Donderer
Transportbegleitblatt: Nach acht Stunden und 26 Minuten sowie 58 Kilometern kam der Zug in Eger an.
V
oigtsgrün gehörte kirchlich zum benachbarten Tüppelsgrün, und somit hatte es für Andachten oder eine stille Einkehr nur eine kleine Dorfkapelle. Anfang der 60er Jahre wurden in Voigtsgrün viele Häuser abgerissen. Auch die Kapelle, welche auf dem Hügelgrund zwischen zwei Kastanien stand, fiel dem Abriß zum Opfer. Übrig blieben lediglich die zwei inzwischen mächtigen Kastanienbäume.
Schon am 20. April 1991, kurz nachdem die Grenze geöffnet worden war, organisierte Liesl Kircheiss, Mutter des Claus Kircheiss, genannt Kutscher Liesl, eine Busfahrt in die Heimat. Die Hinfahrt war geprägt von der großen Vorfreude, wieder in die Heimat fahren zu dürfen. Bei der Heimfahrt herrschte im Bus absolute Stille. Jeder war in seine Gedanken versunken. Dies war ein ganz besonderes Erlebnis, da man wieder viele bekannte Gesichter getroffen und die angestammte Heimat endlich wieder gesehen hatte. Aus der ersten Fahrt wurde ein jährliches Treffen der Heimatvertriebenen, deren Nachkommen und der heimatverbliebenen Deutschen. Auch neue Freundschaften mit inzwischen zugezogenen Tschechen kamen hinzu. Ab da traf man sich jährlich am dritten Wochenende im
Mai. Und so begann auch die Geschichte der neuen Kapelle in Voigtsgrün. Die neuen Besitzer des alten Schulhauses in Voigtsgrün, eine junge tschechische Familie, fanden bei Renovierungsarbeiten, versteckt unter dem Fußboden, die alte Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Eigentlich sollte diese beim Abriß des Gefallenendenkmals nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden sein. Der junge Tscheche ging aber zu einer heimatverbliebenen deutschen Familie namens Baier und berichtete von seinem Fund. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht, und es dauerte nicht lange, bis das Denkmal wieder nahe der Stelle der abgerissenen Kapelle aufgestellt wurde. Am 3. August 1995 fand in Anwesenheit vieler Gäste Bitte umblättern
Die Kapellen- und Glockenweihe mit Pater Josef Mixa (Mitte) und Bischof František Radkovský (rechts).
Kapelle mit Gefallenendenkmal in Voigtsgrün.
Bilder: Archive Claus Kircheiss, Herbert Haberzettl, Anita Donderer
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Die Teilnehmer der ersten organisierten Fahrt nach Voigtsgrün am 20. April 1991.
Bilder:Archive Claus Kircheiss, Herbert Haberzettl, Anita Donderer
Liesl Kircheiss, genannt Kutscher Liesl.
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Der Aufbau einer neuen Kapelle die feierliche Enthüllung und die Weihe des wieder errichteten Denkmals für die Opfer des Ersten Weltkrieges statt. Eine zusätzlich zum Gedenken angebrachte Inschrift erinnert an alle Opfer beider Weltkriege. Jahre später stiftete ein tschechischer Freund eine Muttergottes-Statue, welche neben dem Gefallenendenkmal ihren Platz bekam. Sie stand im Freien und war der Witterung ausgesetzt. Deshalb hatte der Spender die Idee, für die Muttergottes eine Kapelle zu bauen. Der Platz hinter dem Gefallenendenkmal war wie geschaffen dafür, da das Fundament des abgerissenen ZuserAnwesens noch vorhanden war. Die Stadt Neudek, in die Voigtsgün im Jahr 1976 eingemeindet worden war, stellte den dazugehörigen Platz, den Zuser-Anger, zur Verfügung. Der heimatvertriebene Voigtsgrüner Herbert Haberzettl und die Kutscher Liesl sammelten eif-
rig Spenden für den Bau der Kapelle. Die Spendenbereitschaft für dieses Projekt war erfreulich groß. So entstand unter der Planung und Leitung unseres tschechischen Freundes und der fleißigen Arbeit von weiteren drei ortsansässigen Bürgern die neue Kapelle. Ihnen allen gebührt unser Dank. Aber noch hatte die Kapelle keine Glocke. Sie durfte nicht fehlen, um der neuen Kapelle eine Stimme zu geben. Claus Kircheiss gab die Glocke bei der Glockengießerei Rudolf Perner im niederbayerischen Passau in Auftrag. Die Familie Haberzettl wollte die Glocke rechtzeitig zur Einweihung der Kapelle mitbringen. Die Grenzen waren zwar geöffnet, aber noch gehörte die Tschechische Republik nicht zur Europäischen Union. Folglich wurde die Ein- und Ausreise kontrolliert. Als die Haberzettls an der Grenze bei Waldsassen/Eger die
Glocke offiziell einführen wollten, wurde ihnen, trotz Schenkungsurkunde und bischöflicher Bestätigung, die Einreise verwehrt. So erging es ihnen auch an der Grenze bei Waidhaus. Enttäuscht und in Zeitnot kehrten sie um und fuhren zum Grenzübergang Mähring/Promenhof (Broumov). Dort konnten sie die Grenze beim Schichtwechsel der tschechischen Grenzwache endlich unbehelligt passieren. Am 16. Mai 1999 weihte der damalige Pilsener Bischof František Radkovský zusammen mit dem Karmeliterpater Pfarrer Josef Mixa feierlich die neue Kapelle der Schmerzhaften Muttergottes sowie die Glocke ein. Am 23. Mai 1999 läutete die Glocke zum ersten Mal – ein feierlicher Moment. Von 1995 bis zu seinem Tod 2019 leitete und begleitete Monsignore Josef Mixa aus Karlsbad unsere alljährliche Mai-Andacht.
An der nahmen jedes Mal heimatvertriebene und heimatverbliebene Deutsche, Verwandte aus Sachsen sowie tschechische Freunde teil. Einmal begleitete ein Karlsbader Chor die Andacht, andere Male eine Musikgruppe oder ein Trompeter. Die Andacht war immer eine sehr feierliche Veranstaltung. Und auch das Wetter war uns immer gewogen. In den vergangenen Jahren fand am Abend nach der MaiAndacht das große Beisammensein im Hotel Anna in Neudek statt. Die bekannte heimatverbliebene Zitherspielerin Berta Růžička trug dort Erzgebirgslieder vor. Leider sinkt die Teilnehmerzahl fast jährlich – „So ist das Leben“/„tak je život“. Durch die Corona-Pandemie fielen die letzten beiden Treffen aus. Wir hoffen auf ein besseres Jahr 2022. Beim letzten Voigtsgrüner Heimattreffen 2019, vor der Co-
rona-Pandemie, sagte Herbert Haberzettl in seiner Festansprache: „Liebe Landsleute und liebe tschechische Freunde, bevor wir mit unserer Meßfeier beginnen, möchte ich mich bei Pater Mixa herzlich bedanken, daß er auch dieses Mal, wie in den vergangenen 24 Jahren, die Heilige Messe gemeinsam mit uns feiert. Dank gebührt auch unseren tschechischen Freunden, die über die Jahre hinweg immer die gesamte Organisation einschließlich der anfallenden Arbeite, durchgeführt haben. Nach der politischen Wende waren wir ab 1991 als Wegbereiter der deutschtschechischen Verständigung dabei, und wir haben diesen Weg gemeinsam mit unseren tschechischen Freunden beschritten. Wir wollen keine Schuldzuweisungen. Wir wollen gemeinsam, daß sich das Geschehene niemals mehr wiederholt. Dort, wo wir uns befinden, am ehemaligen Zuser-Anger, ist auf
der Grundfeste des Zuser-Hauses eine Kapelle erbaut worden, die vom damaligen Pilsener Bischof Franitšek Radkovský unserer lieben Gottesmutter geweiht wurde. Zusammen mit dem Gefallenendenkmal ist eine Gedenkstätte entstanden, die wir ehemaligen Voigtsgrüner und Neu-Voigtsgrüner gemeinsam mit den tschechischen Freunden aus dem heutigen Voigtsgrün/ Fojtov geschaffen haben. Von uns Deutschen kamen die Spenden, die Arbeit vor Ort leisteten die Tschechen. Unheil kann auch Gutes hervorbringen, nämlich die Bereitschaft zu einer Verständigung, auf die Versöhnung und Freundschaft folgen. Der Weg, den wir gemeinsam gegangen sind, war richtig. Möge die Gedenkstätte in Voigtsgrün/Fojtov zukünftige deutsche und tschechische Generationen an das geschehene Unheil erinnern und zur Versöhnung mahnen.“ ck
Mai 2015: Pater Josef Mixa mit dem Voigtsgrüner Herbert Haberzettl und mit Claus Kircheiss.
Die Schenkungsbestätigung für die Glocke der Kapelle.
Der Innenraum der Kapelle mit der Muttergottes-Statue.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Gymnasium Teplitz
Verein ehrt Abiturienten Als am 6. Juli 2015 der Verein Teplitz-Schönau-Freundeskreis gegründet wurde, stellte er sich drei Hauptaufgaben: Förderung von kulturgeschichtlicher Bildung und Erziehung, Erhaltung von Kunst und Kultur und Engagement in der Heimatpflege in der ehemaligen Heimatstadt Teplitz-Schönau. Da ein enger Kontakt zum Teplitzer Gymnasium besteht, entstand der Vorschlag des Vereinsvorsitzenden, Erhard Spacek, einen der diesjährigen Abiturienten mit einem Gutschein auszuzeichnen.
G
emeinsam mit dem Deutschlehrer Martin Rak und der Klassenleiterin Kamila Wolfová fiel ihre Wahl auf Jiří Michal, Schüler der Klasse 8 A am Gymnasium Teplitz. Dessen Vorliebe für die deutsche Sprache zeigte sich bereits im Jahr 2012, als er sich für die deutsche und schweizerische Fußball-Liga interessierte. Im Jahr 2013 begann dieser sein Studium am achtjährigen Teplitzer Gymnasium. Von Anfang an beteiligte er sich am Schüleraustausch mit dem Partnergymnasium in Borna bei Leipzig. Er nahm regelmäßig an den Schülerolympiaden in deutscher Sprache teil, wobei er 2013 bis 2017 stets einen der ersten Plätze belegte. Zudem präsentierte er das Gymnasium 2017 bis 2020 auf dem Filmfestival in Cottbus. Michal beteiligte sich aktiv an dem Projekt des Gymnasiums „Gedächtnis auf die Bühne“, welches den Holocaust der Sinti und Roma thematisierte. Außerdem war er als Repräsentant des Teplitzer Gymnasiums bei dem ersten Treffen mit den Schülern des Gymnasiums in Bad Kissingen dabei, der zukünftigen Partnerstadt von TeplitzSchönau. Am 9. Juni 2021 endeten die Abiturprüfungen der Klasse 8A. Zu diesem Anlaß trafen sich alle gegen 12.00 Uhr im Prüfungsraum. Diese Gelegenheit nutzte Kreisobmann Spacek, um die akademischen Leistungen die-
ses vorbildlichen Schülers anzuerkennen und ihm einen Gutschein zu überreichen. Er betonte bei seiner kurzen Ansprache, wie wichtig es sei, daß die junge Generation die Geschichte ihrer Heimatstadt im Gedächtnis behalte. Außerdem empfahl er den Besuch des Sudetendeutschen Museums in München als eine Möglichkeit, sich intensiver mit der Geschichte des Sudetenlandes zu befassen. Schüler Michal bedankte sich für die Anerkennung in perfektem Deutsch. Er hat nun die Möglichkeit, vier Tage kostenlos mit der Deutschen Bundesbahn durch Deutschland zu reisen. Jutta Benešová
Die heruntergekommene Ruine in der Mühlgasse in Teplitz-Schönau soll abgerissen und der Platz anderweitig verwendet werden.
� Ruine in der Mühlgasse/Teplitz-Schönau
Neuer Bau angekündigt
Vereinsvorsitzender und Kreisobmann Erhard Spacek mit Dr. Zdeněk Bergmann, Direktor des Teplitzer Gymnasiums.
In Zukunft soll sich der Teil mit der Ruine in der Mühlgasse von Teplitz-Schönau verändern, indem er zu einer modernen Verbindung von Prasseditz mit dem Stadtzentrum wird. Der Teplitzer Immobilienentwickler Jaroslav Třešňák hat die Ruine in der Mühlgasse gekauft. Gleichzeitig hat er klare Pläne, was damit geschehen soll. Sie wird abgerissen. Stattdessen sollen dort Terrassenhäuser entstehen.
Die diesjährige Abiturientenklasse 8A des Teplitzer Gymnasiums.
U
Erhard Spacek überreicht Jiří Michal einen Gutschein für seine schulische Leistung.
In der Mitte Klassenleiterin Kamila Wolfová, Erhard Spacek und Wolfgang Zeisler vom Verein Teplitz-Schönau-Freunde.
nd auch von einem zukünftigen Steg von der ehemaligen Königshöhe zur Stephanshöhe ist die Rede. In der ersten Phase wird jedoch zunächst dieses verfallene Objekt abgerissen, in welchem sich zumeist Obdachlose eingenistet hatten und große Unordnung hinterließen. „An dem Projekt arbeiten wir schon seit einem halben Jahr. Ziel ist, diesen Teil von Teplitz so zu verwandeln, daß zu erkennen ist, daß man sich in einem Kurort befindet“, bemerkte der Architekt Petr Sedláček auf der Stadtverordnetenversammlung Mitte Juni. Jiří Štábl, der Stellvertreter des Teplitzer Bürgermeisters Hynek Hanza, wollte Genaueres über den Zeithorizont erfah-
ren. Ihm gehe es vor allem um die Termine des Abrisses und des nachfolgenden Baugeschehens. „In diesem Moment ist das noch eine Finanzfrage“, äußerte sich Sedláček als Třešňáks Vertretung. Gleichzeitig brachte er aber zum Ausdruck, daß der Abriß bis zu dem Ende der Ferien im September abgeschlossen sein soll. Einige Tage zuvor hatte dies auch Třešňák selbst gegenüber der Zeitung bestätigt: „Ich habe es gekauft, es liegt noch im Katas teramt. Dann werden wir weiterverhandeln.“ Dieses nie fertig gebaute Riesengebäude aus Ziegeln und Betonteilen sollte ursprünglich ein Wohnheim für die Angestellten der Kureinrichtungen werden. Während der Zeit des Kommunismus wurde es nicht fertig gebaut. Und so verfiel es im Laufe der Jahre zu dieser unansehnlichen Bauruine. In der Vergangenheit kam es zu einigen tödlichen Unfällen. Unter anderem fiel eine Frau in den Fahrstuhlschacht, und einer der Obdachlosen überlebte den Frost nicht. Auch war die Feuerwehr mehrfach im Einsatz. Petr Málek Für den Heimatruf von Jutta Benešová übersetzt.
Frontalansicht der Ruine in der Mühlgasse.
Bilder: Deník.cz
TERMINE n Donnerstag, 12. bis Sonntag, 15. August: 7. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 19.00 Uhr dort Abendessen. Freitag 9.00 Uhr Abfahrt nach Melnik mit Besichtigung des Schlosses und Weinverkostung; Mittagessen im Schloßrestaurant; anschließend Besichtigung der Peter-und-PaulKirche und des Beinhauses; Weiterfahrt nach Leitmeritz; dort Abendessen im bischöflichen Brauereigasthof. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt nach Ober-Georgenthal; dort Besuch des Schlosses
Eisenberg; danach Fahrt über das Erzgebirge auf den Mückenberg; dort Mittagessen; anschließend Bus- oder Seilbahnfahrt nach Graupen mit Spaziergang über den Mariascheiner Kreuzweg; 17.00 Uhr Abendessen im Hotel; 19.00 Uhr dort Jubiläumskonzert der Nordböhmischen Philharmonie. Sonntag eigene Fahrt zur Heiligen Messe in der Barockkirche Mariä Himmelfahrt in Zinnwald, Uhrzeit wird mitgeteilt. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Be-
sichtigungen, Führungen, Weinverkostung, Seilbahnfahrt und Konzert pro Person im Doppelzimmer 390 Euro, im Einzelzimmer 440 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Montag, 2. August, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau-freunde.org
HEIMATBOTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Pfarrer Klaus Oehrlein, Bischof Tomáš Holub, Pfarrer Miroslav Martiš und Pfarrer Marek Badida zelebrieren die Heimatmesse. Bilder: Peter Gaag Anfang Juni fand der zweijährliche Heimatgottesdienst der Heiligenkreuzer Landsleute in ihrer Pfarrkirche statt. Anschließend diente der Pfarrhof als Ort der Begegnung und des freundschaftlichen Austauschs. Ortsbetreuer Peter Gaag berichtet.
I
m Vorfeld gab es große Überlegungen, ob die Durchführung des Gottesdienstes wegen der Corona-Beschränkungen überhaupt möglich sei. Bis vor kurzem bestanden Ein- und Ausreisebeschränkungen. Glücklicherweise wurden diese noch
Heiligenkreuz
Bischof zelebriert Heimatmesse rechtzeitig gelockert, so daß der Gottesdienst mit Hygieneauflagen möglich war. Ein weiterer Klärungspunkt war auch die Tatsache, daß der Gottesdienst bisher immer in zeitlichem Zusammenhang mit dem Bischofteinitzer Heimatkreistreffen stattgefunden hatte. Hier stellte sich die Frage, ob die
Begegnung im Pfarrhof mit den Pfarrern Georg Hartl …
S
ie finden sich auf Autobahnbrücken und Kirchenbänken, auf Bäumen und in Unterführungen. Gemeint sind „Graffiti“, also gezeichnete Kritzeleien oder ganze Kunstwerke – manchmal nur Namen oder Initialen, etwa von Verliebten, oder längere politische Parolen. Auch in der Heiligenkreuzer Kirche wird man diesbezüglich fündig. Geradezu übersät mit Inschriften ist ein unscheinbarer brauner Schrank in der Sakristei. Er ist um die 100 bis 150 Jahre alt. Heute sind dort Putzutensilien untergebracht, früher diente er wohl als Schrank für die Ministranten-Gewänder, denn auf den beiden Schranktüren haben sich ganze Generationen von Ministranten verewigt. Am oberen Rand, in bequemer Schreibhöhe, sind oft mehrere Inschriften übereinander gekritzelt. Weil dort kaum noch Platz war, hatten zwei die pfiffige Idee, das waagrechte Querbrett zu nutzen. Konkurrenzlos stehen bis heute dort ihre Namen: „H.
Kirchgänger auch anreisen würden, obwohl das Heimatkreistreffen abgesagt worden war. Wir beschlossen in Abstimmung mit dem Pilsner Bischof Tomáš Holub, den Gottesdienst trotzdem durchzuführen. Am Tag vor dem Gottesdienst begannen die Vorbereitungen vor Ort. Große Unterstützung er-
hielten wir vom aktuellen deutschen Besitzer des Schulhauses. Er unterstützte uns mit seinem Anhänger beim Transport der Tische und Bänke für die Begegnung im Pfarrhof. Am Tag des Gottesdienstes mähten wir die Wiese im Pfarrhof und stellten die Tische auf. Die Arbeit und Mühe hatte sich ge-
… Miroslav Martiš, Klaus Oehrlein und Marek Badida.
lohnt, denn trotz aller Schwierigkeiten kamen 30 Gottesdienstbesucher. Pilsens Bischof Holub und Pfarrer Klaus Oehrlein (Rosenmühle/Würzburg) zelebrierten die deutsch-tschechische Messe. Pfarrer Marek Badida aus Bischofteinitz, Pfarrer Miroslav Martiš aus Mies und Kladrau mit zwei Ministranten sowie Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus wirkten ebenfalls mit. Ein Organist und eine Klarinettistin begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Die Lieder wurden in deutscher und tschechischer Sprache gesungen. Nach dem Gottesdienst wurden im Pfarrhof noch unterhaltsame Gespräche bei Kaffee und Kuchen ge- Die Heiligenkreuzer endlich wieder in ihrer führt. Am späten Nachmit- schönen Heimatkirche. tag traten alle die Heimreise an. Das Organisationsteam möglich gewesen. Ich hoffe, daß verweilte noch ein wenig, weil es wir uns alle beim nächsten Gotalles abbauen und für den näch- tesdienst gesund wiedersehen.
Guckloch in die Vergangenheit von Heiligenkreuz – Pfarrer Klaus Oehrlein berichtet
Wo man heute Graffiti findet Ein Sprichwort besagt: „Wenn ein alter Mensch stirbt, ist es, als ob eine ganze Bibliothek verbrennt.“ Traditionen und Erinnerungen verblassen mit der Zeit selbst bei der Erlebnisgeneration der Vertreibung – Pietsch – K. Eckert“. Nur einige Jahreszahlen sind da zu lesen – die früheste ist von 1912, die meisten beginnen in den 1920er Jahren. Dabei haben einzelne neben ihrem Namen auch die Zeit ihres Dienstes notiert. Da heißt es zum Beispiel „Wilhelm Hildwein ist klaner Stopsel“ – das bezeichnete den jüngsten Ministranten. Den gleichen Titel erhielt auch der Sohn des Barons: „K(arl) Kotz ist klaner Stopsl“. Er selber oder jemand anderer fügte später hinzu: „Ministrant 1923– 26“. Da die meisten mit Bleistift oder „Tintenblei“ schrieben, sind manche Namen schon unlesbar
erst recht mit deren Tod. Dann erweist sich, wie wichtig es ist, Erlebtes und Gewußtes zu dokumentieren. Weil darum auch frühere Generationen bemüht waren, so öffnet sich für Heiligenkreuz mit dem Blick in die im
Pilsner beziehungsweise Tauser Archiv erhaltenen Kirchen-Matrikel, die sogenannten Stabilen Kataster von 1838, sowie in die Schul- und in die Pfarreichronik ein Guckloch auf weit zurückliegende Ereignisse.
Blick auf den Schrank in der Sakristei und seine vielbeschriebene Tür. verblaßt. Hier eine Liste der Namen, die noch zu entziffern sind: F. Stadick, J. Görgl, Franz Liebl, Hans Gaag, Richard Zeug, J. Gaag, Georg Gröbner, Josef Liebl, Jakob Roith, Franz Kotz, F. Mack, Johann Kuttner, Karl Eckert, E. Gaag, Herbert Freis-
Oben die Graffiti von H. Pietsch und K. Eckert, unten die von R. Moldaschl, der Gebrüder Zedink, des Baron-Sohns Karl Kotz, von Wilhelm Hildwein und Franz Liebl.
leben, R. Moldaschl, W. Egl, Hermann Egl, Johann Eckert, G. Knar, M. Ittner, Franz Schiffert, Eduard Freisleben, L. A. Bei einigen findet man noch kurze zusätzliche Informationen: „Karl Wild, Ministrant am 10. November 1912“, „Franz Liebl in Heiligenkreuz Nr. 25 Böhmerwald“, „Franz Hobl, Ministrant 1924–1928“, „Franz Wild ist Ministrant 1928–1933 in Heiligenkreuz“, „Wilhelm Hildwein, geboren am 23.8.1920, ist Ministrant 1928“, „Johann Lessner, Ministrant 1928–1933“, „Karl Rebitzer in Heiligenkreuz, Post Hostau, Böhmerwald, geboren am 7. Februar 1906“. Wie zeit- und grenzübergreifend solches Tun von Kindern ist, das zeigt sich an Folgendem: Die Ministranten aus der ab 1945 zugewanderten tschechischen Be-
sten Gottesdienst verstauen wollte. Ich möchte mich noch bei allen bedanken, die bei der Organisation und Durchführung des Gottesdienstes und dem nachfolgenden Beisammensein geholfen haben. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre das alles nicht
völkerung, also nach der Vertreibung der deutschen Einwohner, führten diese Tradition weiter. Es finden sich nämlich auch mehrere tschechische Namen auf den Schranktüren wie Milan Trisč, L. Augustyn, Jaroslav Kokoška und wohl zwei Brüder: M. und J. Zednik. Doch auch ältere Jugendliche und Erwachsene haben sich in der Kirche verewigt. Viele und recht alte Inschriften gibt es auf der Bretterverschalung der Orgel an der Südseite der Kirche. Dort hatten die Kalkanten – die Blasebalg-Treter – ihren Platz. Manche der ältesten Inschriften
dort stehen auf dem Kopf. Das kommt sicher daher, daß die Orgel zuletzt 1934 ein neues Werk bekam. Dabei hat man die Bretter der alten Verschalung wiederverwendet – nur umgedreht. Auch auf einem Gesims der Orgel und auf der Rückseite finden sich Namen. Lesbar sind noch Josef Spieler, Heiligenkreuz, Josef Hildwein, Eduart Theyerl, Wottawa, J. Haas, Görgl. Vielleicht eine Sommerfrischlerin oder jemand von den Ausgebomten des Zweiten Weltkriegs hat wohl diese Inschrift hinterlassen: „Ursel Kunath, Berlin-Pankow“. Und auch an der Orgel liest man die Spuren der neuen Bewohner. „M. Pivoňka“ ist dort eingeritzt – bis heute. Der Holzwurm in vielen Teilen der Kirche – auch in der Orgel – behandelt wie der Tod alle gleich. Er zerfrißt die deutschen wie die tschechischen Namen nach und nach fast lautlos, so lautlos wie die Zeit vergeht in dieser stillen alten Kirche.
Die Graffitis von Eduart Theyerl, J. Haas und M. Piwonka an der Orgel.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 25 | 25. 6. 2021
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
ben sein. Die beliebteste Georgslegende ist die vom Drachentöter. Gedenktag ist der 23. April, Atrribute sind eine Lanze und ein Drachen. Er hilft gegen Kriegsgefahren, Schlangenbisse, Versuchungen, Fieber, Pest, Lepra, Syphilis und für gutes Wetter. l Katharina: Sie soll eine hochgebildete zypriotische Königstochter gewesen sein. Die Jungfrau versprach sich Jesus Christus und bekehrte viele Menschen. Da sie sich dem römischen Kaiser Maxentius verweigerte, ließ dieser sie 306 geißeln, rädern, vierteilen und enthaupten. Gedenktag ist der 25. November, Attribute sind Rad, Buch, Schwert, Krone und Palme. Sie hilft bei Kopfschmerzen, Sprachbehinderungen und der Suche nach Ertrunkenen. l Margareta: Sie soll sich dem Begehren des Stadtprefäkten widersetzt und den Teufel mittels Kreuz bezwungen haben. Als Nach vielen Martern wurde sie 305 in Antiochien enthauptet. Gedenktag ist der 20. Juli, Attribute sind Kreuz und Drache. Sie hilft bei Geburten, Gesichtskrankheiten, Wunden und Unfruchtbarkeit. l Pantaleon: Der Arzt und Märtyrer (278–305 in Nikomedia) soll schon als Kind Men-
schen geheilt haben. Gedenktag ist der 27. Juli, Attribute sind Nägel, Salbenbüchse, Heilpflanze. Er hilft gegen Kopfschmerzen, Auszehrung, Heuschrecken, Verlassenheit und Viehkrankheiten. l Vitus: Das in Sizilien wundertätige gläubige Kind soll den Sohn des römischen Kaisers geheilt, aber dennoch wegen seines Glaubens von diesem in Öl gesiedet worden sei. Engel sollen ihn nach Lukanien gebracht haben, wo er 304 friedlich entschlief. Gedenktag ist der 15. Juni, Attribute sind Hahn und Kessel. Er hilft bei Besessenheit, Hysterie, Schlangenbiß, Tollwut, Epilepsie (Veitstanz), Bettnässen, Augen- und Ohrenleiden, Blitz, Feuer und Unfruchtbarkeit. Nach Beruf und Stellung lassen sich die 14 Nothelfer einteilen in die Ritter Georg, Achatius und Eustachius; die Bischöfe Dionysius, Erasmus und Blasius; die Jungfrauen Barbara, Katharina und Margareta; den Arzt Pantaleon; das Kind Vitus; den Riesen Christophorus; den Mönch Ägidius; den Diakon Cyriacus. An die Stelle von Cyriacus tritt oft Leonhard. Auch Nikolaus, Papst Sixtus, Sebastian, Oswald, Pankratius oder Wolfgang treten als Nothelfer auf. Sie alle entfalten im Wallfahrtswesen und in den Votivkulten eine kaum zu überschätzende Wirkung. Seit dem 14. Jahrhundert war von Süddeutschland, vermutlich von Regensburg aus, eine Zusammenfassung besonders verehrter und für fast alle Sorgen und Nöte des täglichen Lebens zuständiger Heiliger zu den 14 Nothelfern erfolgt. Zur Verbreitung und Verehrung der Nothelfer trug entscheidend die 1445/46 erfolgte Vision eines Hirtenknaben beim fränkischen Zisterzienserkloster Langheim bei, dem Ort der heutigen Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Er sah in zwei Nächten ein kleines Kind im Feld, in einer dritten Nacht umringten es 14 weitere Kinder, die ihm offenbarten, sie seien die 14 Nothelfer. Sie wünschten an dieser Stelle den Bau einer ihnen geweihten Kapelle. Die Regie solcher Votivkulte konnte und wollte sich aus „Marketinggründen“ hinsichtlich der Bildmacht und Suggestion der Reliquien nie ganz freihalten von abergläubischen Praktiken. Solche werden nicht nur in der Neuzeit, sie wurden auch schon das ganze Mittelalter über in mal größerer, in mal geringerer Intensität kritisiert. Bezeichnenderweise verbot die Katholische Kirche nach dem Konzil von Trient (1545–1563), das unter anderem gegen Auswüchse der Heiligenverehrung vorging, die Nothelfermesse. Nothelferkirchen und -altäre finden wir hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich und Böhmen.
sprachiger Gottesdienst anläßlich des Loretofestes mit Bischof Tomáš Holub aus Pilsen; anschließend Prozession mit dem Gnadenbild zur Schloßkapelle. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n Samstag, 11. September, 19.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto im Rahmen der Fußwallfahrt aus Waid-
haus mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n Sonntag, 17. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto mit Bischof em. Friedhelm Hofmann aus Würzburg; anschließend Kirch kaffee in der Sakristei.
Die Sudetendeutsche Wallfahrt in die Basilika in Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein in Oberfranken ist bei den Landsleuten beliebt. Doch nur die wenigsten kennen die Namen der 14 Nothelfer. Heimatkreisbeteuer Wolf-Dieter Hamperl klärt auf.
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inen interessanten Nothelferaltar finden wir in der Friedhofskapelle in Hirschau, einer Stadt an der Goldenen Straße von Nürnberg über Bärnau und Tachau nach Prag. Es handelt sich um eine Altarwand aus Akanthuswerk mit den Barockstatuen der Nothelfer. Dies ist einer der schönsten böhmisch-oberpfälzischen Akanthusaltäre. 1713 gab der Hirschauer Stadtschreiber Jakob Weinzierl († 1713) den Altar bei dem Amberger Bildhauer Johann Hirschl in Auftrag. Nach der Inschrift hat ihn der Tirschenreuther Maler Johann Albert Nickl aufgerichtet und gefaßt. In der Umgebung gibt es kleinere Nothelferaltäre in den Kirchen in Saltendorf, Schmalnohe, Deusmauer und Thumsenreuth. Von Bärnau pilgerte man einst zur Nothelferkirche der Paulaner in Heiligen bei Tachau. Nachdem die Kirche 1783 unter Kaiser Joseph II. verstaatlicht worden war, ging auch die Wallfahrt ein. Für die Steinbergkirche in Bärnau gab man ein Bild mit den 14 Nothelfern bei dem Tirschenreuther Kirchenmaler Maurus Fuchs in Auftrag, um sie hier verehren zu können. l Achatius: Er kam in Kappadotien zur Welt, diente als römischer Hauptmann und wurde 303/304 wegen seines Glaubens in Byzanz enthauptet. Gedenktag ist der 8. Mai, Attribute sind Dornenkranz, Schwert, Streitaxt oder Lanze. Er hilft bei Kopfweh und Todesangst. l Ägidius: Er kam um 640 in Athen zur Welt, war Kaufmann, Eremit, Abt des Ägidius-Klosters in Südfrankreich und wundertätig. Er starb am 1. September etwa 720. Gedenktag ist der 1. September, Attribute sind ein Pfeil im Herzen und eine Hirschkuh. Er hilft bei Pest, Dürre, Sturm, Feuersbrunst, Unfruchtbarkeit von Mensch und Tier. l Barbara: Sie soll eine Jungfrau gewesen sein, die 306 in Nikodemien den Märtyrertod erlitt. Gedenktag ist der 4. Dezember, Attribute sind Turm, Kelch, Hammer, Fackel und Schwert. Sie hilft Mädchen, Gefangenen, Sterbenden, bei Gewitter, Feuer, Fieber, Pest und jähem Tod. l Blasius: Er war Bischof in Sabeste in Armenien und starb 306 den Märtyrertod. Gedenktag ist der 3. Februar, Attribute sind Bischofsstab und Mitra und zwei gekreuzten Kerzen. Er hilft bei Halsbeschwerden, Blasenleiden und beim Beichten. l Christophorus: Er soll ein Riese gewesen sei, der auf der Suche nach dem mächtig-
Das Paulinerkloster in Heiligen bei Tachau war eine Stiftung von Hans Philipp Husmann von 1639, der Bau begann 1661 unter Losy von Losimthal. In der Klosterkirche stand ein Altar mit großen Holzfiguren der 14 Nothelfer. 1787 schloß Kaiser Joseph II. das Kloster. Die Figuren stehen heute in der ehemaligen Pfarrkirche von Dreihacken bei Marienbad. Der Stich zeigt die 14 Nothelfer, unten Heiligen und links hinten Tachau. Rechts: Im Zentrum dieses Akanthusaltars ist die Gottesmutter. Er steht in der Vierzehnnothelfer-Friedhofskapelle in Hirschau. Bild (1): Karin Wilck
� 14-Nothelfer-Altäre im Kreis Tachau und in der mittleren Oberpfalz
Aberglaube und Marketing sten Herrscher Christus gefun- sein abgeschlagener Kopf in den gung soll ihm ein Rabe Nahden und Menschen und das Je- Händen. Er hilft bei Kopfschmer- rung in sein Versteck gebracht suskind über einen Fluß getra- zen, Tollwut, Gewissensbissen haben. Später soll er furchtbare gen hat. Um 250 soll er in Lykien und Seelenleiden. Foltern überlebt haben, von Enden Märtyrertod erlitten haben. l Erasmus: Er war im 3. Jahr- geln gerettet worden und erst in Gedenktag ist der 24. Juli, Attri- hundert Bischof von Antiochia. hohem Alter gestorben sein. Gebute sind ein Stab und ein Kind Während der Christenverfol- denktag ist der 2. Juni, Attribuauf der Schulter. Er hilft te sind Seilwinde, Kesbei Pest, Seuchen, Episel und Nägel. Er hilft lepsie, unerwartetem gegen Krämpfe, MaTod, Hagel, Augenleigenleiden, Geburtsden, Zahnweh, Wunschmerzen, Unterleibsden, Feuer, Sturm, Dürbeschwerden und Viehre und Unwetter. krankheiten. l Cyriacus: Der von l Eustachius: Der Papst Marcellinus geJäger und Heerführer weihte römische Diasoll mit seiner Familien kon und Exorzist wurde in Kleinasien gelebt ha304 im Zuge von Kaiben und dort nach Erser Maximians Chrischeinungen bekehrt stenverfolgung in Rom worden sein. 118 soll enthauptet. Gedenktag die Familie gemeinsam ist der 8. August, Attridas Martyrium erlitten but ist ein Teufel an der haben. Gedendktag ist Kette. Er hilft gegen der 20. September, AtBesessenheit und Antribute sind Kriegerrüfechtungen sowie für stung und – wie Sankt eine gute Sterbestunde. Hubertus – ein Kreuz l Dionysius: Ab verim Hirschengeweih. Er mutlich 250 war er röhilft bei traurigen Famischer Missionar in milienschicksalen und Gallien, dann erster Bischädlichen Insekten. l Georg: Der Märschof von Paris. Dort tyrer soll um 280 in wurde er enthaupKappadokien zur Welt tet. Gedenktag ist der 9. Oktober, Attribute Das Bild der 14 Nothelfer in der Steinbergkirche in Bärn- gekommen sein und 305 in Lydda gestorsind ein Schwert und au stammt von dem Tirschenreuther Maurus Fuchs.
TERMINE n Sonntag, 18. Juli, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise. n Sonntag, 1. August, 10.00 Uhr, Neulosimthal: Gottesdienst anläßlich des Sankt-Anna-Festes mit Monsignore Andreas Uschold in GeorgenbergHinterbrünst am Gedenkstein
beim Kastanienhof. Bereits am Vorabend gemütliches Beisammensein. Auskunft: Albert Kick, Faislbach 5, 92697 Georgenberg, Telefon (0 96 58) 3 15. n Sonntag, 15. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutschsprachige Messe in der Loreto; anschließend Kirchkaffee in der Sakristei. Für Zweifach-Geimpfte keine Quarantäne-Pflicht nach Rückreise.
n Samstag, 28. bis Sonntag, 29. August: 32. Heimatkreistreffen in Weiden in der Ober pfalz. Samstag 8.15 Uhr Abfahrt nach München zum Besuch des Sudetendeutschen Museums; 18.00 Uhr gemütliches Beisammensein mit Egerländer Wirtshausmusik im Gasthof Ratskeller in Weiden. Sonntag 9.00 Uhr Feier am Tachauer Gedenkstein in der Kurt-Schumacher-Allee;
10.15 Uhr Versammlung der Mitglieder des Heimatkreisvereins mit Neuwahlen im Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a; 12.00 Uhr dort Ausstellungseröffnung; 13.00 Uhr Mittagessen auf Einladung der Patenstadt im Ratskeller. Anmeldung: WolfDieter Hamperl, Adresse siehe Impressum. n Samstag, 11. September, 10.00 Uhr, Haid: Tschechisch-