Skip to main content

NWT26 Selbstreguliert lernen - überfachliche Kompetenzen

Page 1


1 Erfolgreich Lernen –

Strategien für selbstorganisiertes Lernen und überfachliche Kompetenzen

Lernen ist weit mehr als das blosse Aufnehmen und Wiedergeben von Wissen. Wer langfristig erfolgreich lernen will, benötigt nicht nur Fachwissen, sondern auch ein solides Repertoire an Lern- und Arbeitsstrategien. Doch wie lerne ich eigentlich am effektivsten? Welche Methoden helfen mir, den Lernstoff besser zu verarbeiten und langfristig zu behalten? In diesem Lehrmittelmodul werden verschiedene Ansätze vorgestellt, die helfen, das eigene Lernen zu reflektieren und zu verbessern.

In einer zunehmend komplexen und dynamischen Welt ist es essenziell, dass Lernende ihre Lernprozesse aktiv steuern können. Selbstreguliertes Lernen bedeutet, sich eigene Ziele zu setzen, den Lernprozess bewusst zu gestalten und die eigene Leistung zu reflektieren.

Neben fachspezifischem Wissen werden zunehmend überfachliche Kompetenzen gefordert. Dazu zählen etwa kritisches Denken, Problemlösungsstrategien und die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Ebenso wichtig sind emotionale und soziale Fähigkeiten wie der Umgang mit Prüfungsstress, Frustrationstoleranz oder Teamfähigkeit. Diese überfachlichen Kompetenzen sind nicht nur für den schulischen Erfolg entscheidend, sondern auch für das spätere Studium und Berufsleben von grosser Bedeutung.

Wie lassen sich überfachliche Kompetenzen in der Praxis anwenden? Dieses Modul bietet konkrete Beispiele und Übungen, die den Transfer von theoretischem Wissen in den Alltag erleichtern. Anhand praxisnaher Szenarien wird gezeigt, wie effektive Lern- und Arbeitsstrategien umgesetzt werden können. Zudem werden Methoden zur Reflexion des eigenen Lernverhaltens vorgestellt, um Stärken und Entwicklungspotenziale zu erkennen.

Ein zentrales Ziel dieses Moduls ist es, Lernende dabei zu unterstützen, ihr persönliches Repertoire an überfachlichen Kompetenzen zu erfassen und weiterzuentwickeln. Dazu dient ein individuelles Portfolio, in dem eigene Stärken, Fortschritte und Entwicklungsbereiche dokumentiert werden können. Dies hilft nicht nur, den eigenen Lernprozess bewusster zu gestalten, sondern dient auch als wertvolle Orientierungshilfe für zukünftige Herausforderungen im schulischen und beruflichen Kontext.

Hinweise für Lehrpersonen

1 Rahmenbedingungen für selbstorganisiertes Lernen

2 Formulierungen von Aufträgen

3 Überlegungen zum Feedback .................................................................................

1 Wie lerne Ich?

Mein Lernstrategieninventar

2 Selbstreguliert Lernen – wie geht das?

Wenn du lernst, entscheidest du viel häufiger, als dir vielleicht bewusst ist: Was nehme ich mir vor? Wie gehe ich vor? Und wie überprüfe ich, ob es funktioniert hat? Genau das meint selbstreguliertes Lernen (SRL). Es geht darum, das eigene Lernen bewusst zu steuern, zu planen und zu reflektieren. Wer diese Fähigkeit trainiert, kann langfristig erfolgreicher, selbstständiger und motivierter lernen – in der Schule und fürs Leben.

Stell dir zwei Schülerinnen vor: Anna und David. Anna setzt sich einfach an den Schreibtisch und beginnt mit der Aufgabe, die gerade oben auf dem Stapel liegt. David hingegen überlegt zuerst: Was will ich heute schaffen? Welche Methode hilft mir dabei? Am Ende des Tages hat Anna zwar gearbeitet, weiss aber nicht genau, wie weit sie gekommen ist. David hingegen hat einen klaren Überblick – und kann einschätzen, was er noch verbessern muss. Dieser Unterschied macht selbstreguliertes Lernen aus.

n Drei Phasen des selbstregulierten Lernens

1. Vorschauphase (Planung)

Am Anfang steht die Planung. Dazu gehört, klare Ziele zu setzen. Ein Beispiel: Lara muss für eine Geschichtsprüfung über die Französische Revolution lernen. Sie schreibt sich als Ziel: „Bis Freitag möchte ich die Ursachen und den Verlauf der Revolution erklären können.“ Damit ist für sie klar, wohin die Reise geht.

Nun wählt sie eine Strategie. Sie könnte die Informationen einfach auswendig lernen – entscheidet sich aber, eine Mindmap zu erstellen, in der sie Ursachen, Verlauf und Folgen grafisch darstellt. So behält sie den Überblick. Zusätzlich plant sie feste Zeiten: Montag 16–17 Uhr Ursachen lernen, Mittwoch Verlauf, Freitag Zusammenfassung. Durch diese Struktur fällt es Lara leichter, dranzubleiben.

2. Durchführungsphase (Umsetzung)

Jetzt geht es ans Lernen. Dabei ist es wichtig, sich selbst im Blick zu behalten. Nehmen wir Simon: Er hat sich vorgenommen, eine Stunde Mathematik zu üben. Nach 15 Minuten merkt er, dass er immer wieder aufs Handy schaut. Anstatt weiterzumachen wie bisher, entscheidet er sich bewusst, das Handy in ein anderes Zimmer zu legen. Er überprüft immer wieder, ob er konzentriert bleibt.

Auch die Motivation spielt hier eine Rolle. Viele Schüler:innen kennen das Gefühl, dass man keine Lust mehr hat. Julia hat dafür eine Methode: Sie arbeitet nach der „Pomodoro-Technik“

– 25 Minuten konzentriert lernen, dann 5 Minuten Pause. Nach vier Einheiten gönnt sie sich eine längere Pause mit Musik oder einem kurzen Spaziergang. Dieses kleine Belohnungssystem hilft ihr, über längere Zeit motiviert zu bleiben.

3. Selbstreflexion (Rückschau)

Am Ende folgt die Rückschau. Das bedeutet: Überlegen, ob das Ziel erreicht wurde und wie. Marc zum Beispiel hat für eine Englischprüfung mit Karteikarten geübt. In der Prüfung merkt er, dass er die Wörter zwar kennt, aber im Satz manchmal falsch verwendet. In seiner Reflexion schreibt er: „Die Methode war gut, um Vokabeln auswendig zu können, aber ich muss mehr ganze Sätze üben.“ So weiss er für das nächste Mal, dass er seine Strategie anpassen sollte. Selbstreflexion funktioniert am besten, wenn man sich gezielte Fragen stellt: Habe ich mein Ziel erreicht? Welche Methode war hilfreich? Was könnte ich verbessern? Diese Fragen helfen dir, deine eigenen Stärken und Schwächen besser zu erkennen.

n Welche Strategien helfen konkret?

Es gibt viele Wege, das Lernen bewusst zu steuern. Manche wirken simpel, haben aber grosse Wirkung.

• Ziele setzen: Timo formuliert: „Bis Freitag möchte ich im Fach Chemie alle Reaktionsgleichungen aus Kapitel 3 verstehen.“ Damit hat er eine klare Orientierung, ob er am Ziel ist oder nicht.

• Planen: Anna erstellt sich für die Prüfungswoche einen Lernplan, in dem sie für jedes Fach feste Lernzeiten einträgt. Sie merkt: Wenn sie die Zeiten einhält, bleibt ihr am Ende weniger Stress.

• Visualisieren: Jana zeichnet für Biologie ein Diagramm über die Photosynthese. Durch das Bild versteht sie nicht nur die Begriffe, sondern auch, wie sie zusammenhängen.

• Selbstmotivation: David hat Mühe, für Französisch Vokabeln zu lernen. Er belohnt sich nach jeder halben Stunde mit einem kurzen TikTok-Video. Dadurch bleibt er länger am Ball.

• Reflektieren: Lea schreibt nach jeder Lernwoche ein paar Sätze in ihr Lerntagebuch: „Was hat gut funktioniert? Wo habe ich Zeit verloren?“ Mit der Zeit merkt sie Muster und kann ihre Strategien verbessern.

n Warum ist das wichtig?

Selbstreguliertes Lernen ist mehr als nur eine Technik – es ist eine Haltung. Wer gelernt hat, seine Ziele zu setzen, Strategien auszuwählen, sich selbst zu beobachten und danach zu reflektieren, ist für viele Lebenssituationen besser gewappnet.

Stell dir vor, du beginnst später ein Studium. Dozent:innen geben zwar Themen vor, aber niemand sagt dir genau, wie du den Stoff bearbeiten sollst. Oder du startest eine Ausbildung und musst dir neues Fachwissen eigenständig aneignen. Wenn du schon in der Schule übst, selbstreguliert zu lernen, fällt dir dieser Schritt deutlich leichter.

3 Gefragt: Überfachliche Kompetenzen

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
NWT26 Selbstreguliert lernen - überfachliche Kompetenzen by STR teachware - Issuu