Heft 15 | Winter 2021/22
Das Magazin vom Sterntalerhof
Geschichten Vier Episoden aus Martins kurzem Leben Gerichte Drei Rezepte aus der Küchenwerkstatt Geheimnisse Ein Klavier statt vieler Worte
Zu den Sternen Das neue Sternenhaus am Sterntalerhof: Wer es bewohnen wird. Und warum wir es bauen.
Vorwort
Liebe Leserin, Lieber Leser! Als Mitglied des Vorstands, mit der Aufgabe, die baulichen Voraussetzungen für den Betrieb des Sterntalerhofes zu schaffen, bzw. den sich ändernden Arbeitsbedingungen anzupassen, darf ich Sie in dieser Ausgabe des Sterntalers über unser Projekt "Sternenhaus" informieren. Wie kam es zum "Sternenhaus"? Betroffene Familien wollen oft die letzte, für sie schwere Zeit mit ihrem kranken Kind am Sterntalerhof in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Begleitern verbringen. Die therapeutische Arbeit mit Pferden, auch in Form der tiergestützten Trauerbegleitung, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Für Schulung und Weiterbildung im Bereich der Arbeit mit Pferden fehlen am Sterntalerhof geeignete Räumlichkeiten. Um beide Bedürfnisse zu befriedigen, haben wir im Vorstand beschlossen, ein multifunktionales Gebäude, das "Sternenhaus", zu errichten. Die Frage nach dem Standort hat sich nach den Anforderungen ergeben: • den Familien eine möglichst große Intimität, abseits vom "normalen" Geschehen am Sterntalerhof zu gewährleisten, und • die erforderliche Nähe zu Reithalle und Stallungen. Die Herausforderung für die funktionale Gliederung des Gebäudes war, einerseits einen intimen Familienbereich mit den räumlichen Anforderungen (flexible Anpassung an Familiengrößen, spezielle Einrichtungen wie z.B. Pflegebad), als auch die räumlichen Notwendigkeiten für einen Schulungsbetrieb zu berücksichtigen. Mit wenigen Handgriffen lässt sich der großzügige Wohnraum mit dem davor liegenden Wintergarten in einem Vortragsraum mit anschließender Teeküche verwandeln. Für das Wohl des kranken Kindes und der Familie wird die umliegende Naturlandschaft durch große, umsichtig angeordnete Fensterflächen erlebbar gemacht. Die Fensteröffnungen im Kinderzimmer reichen bis zum Boden, um auch aus dem Bett Wiese und Tiere besser sehen zu können. Türbreiten und
2
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Verbindungswege sind so gestaltet, dass eine hohe Beweglichkeit auch mit dem Pflegebett bis hin zur Terrasse ermöglicht wird. Es war mir wichtig, für das Gebäude eine Formensprache zu wählen, die Vertrautheit bei den Familien erweckt und keine zusätzliche Spannung mit der Beschäftigung in der Auseinandersetzung mit Neuem erzeugt. Im Innenbereich und auch im Außenbereich wurde bewusst der Baustoff Holz eingesetzt. Holz in jeder Form ist jedem seit der Kindheit bekannt, womit eine grundsätzliche Akzeptanz diesem Material gegenüber besteht. Auch bei dem in der unmittelbaren Nähe liegenden Reitstall und der Kapelle ist die Verwendung von Holz dominant, womit sich das Sternenhaus gut in den eher landwirtschaftlich geprägten Bereich des Sterntalerhofes einfügt. Bei der Innenraumgestaltung wird Holz auch sichtbar in Form von Holzsichtwänden und Holzbalkendecken verwendet, aber auch Farbe an den übrigen Wänden wird nicht zu kurz kommen. Die Entscheidung, das Haus in Holzmassivbauweise auszuführen, fiel aufgrund vieler Vorteile dieser Bauweise: kurze Bauzeit, hohe Qualität durch Teilvorfertigung unter optimalen Bedingungen, geringstmögliche Trocknungszeiten und damit verbundene geringe Baufeuchte, Behaglichkeit, und vieles mehr. Die 20jährige Erfahrung des Lebensbegleitungsteams am Sterntalerhof und die Erfahrung betroffener Familien waren eine wertvolle Hilfe bei der Planung des Sternenhauses. Ich möchte mein Vorwort nicht beenden, ohne großen Dank an die überwiegend aus der Region stammenden, ausführenden Firmen auszusprechen – für ihr Engagement, ihre hochprofessionelle Arbeit und ihre großzügigen Preisnachlässe bei diesem Sozialprojekt. Auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, danke ich für Ihr Interesse.
DI Johann Konvicka Architekt & Vorstandsmitglied
Inhalt Aktuell 4
Von Kursen, Kunst und Kutschen – und tatkräftiger Mitarbeit
Schenken Hilft 22
Seele
Kinder 6
Vier von vielen Geschichten aus dem Leben von Martin
26
Ein neuer Ort für mehr Freiheit im Unausweichlichen
28
Gesundheit 16
Zum Gespräch mit Hospizarzt Dr. Gustav Herincs
Musiktherapie: Wie Musik zur Sprache wird, wenn Worte fehlen
Hall of Fame
Sternenhaus 12
Wie ein Weihnachtsgeschenk gleich doppelt Freude bereitet
Vor den Vorhang: Unsere wahren Alltagshelden der Corona-Pandemie
Menschen 30
Fünf Fragen an EO-Managerin Alexandra Wieseneder
Rezepte 20
(Vor-)weihnachtliche Geheimtipps aus der Küchenwerkstatt am Sterntalerhof
IMPRESSUM
SPENDENKONTO
Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:
Österreichische Ärzte- und
Sterntalerhof – Verein für ganzheitliche Lebensbegleitung
Apothekerbank AG
Dorfstraße 35, 7410 Loipersdorf-Kitzladen, Österreich
IBAN: AT81 1813 0802 5454 0002
E-Mail: begegnung@dersterntaler.at Telefon: +43 664 214 03 98
BIC: BWFBATW1
Konzept & Realisation: Tonality Communications GmbH, 2070 Retz, www.tonality.at Redaktion: Harald Jankovits (Chefredaktion), Nicolas Thal, Stephan Zwiauer Design: Stephan Zwiauer, Tatjana Bauer Illustration: Tatjana Bauer Fotos: Sterntalerhof, tonality., Werner Zangl, iStockphoto LP, Wikimedia Commons Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, auf Papier von Norske Skog Bruck GmbH Zur besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet.
SO1157
Entsprechende Bezeichnungen gelten ausdrücklich für beide Geschlechter.
www.sterntalerhof.at
3
Aktuell
Willkommen Angela & Sarah! Gleich zweimal mehr freuen wir uns über professionellen Zuwachs in unserem multiprofessionellen Team: Während Angela Ringhofer als Karenzvertretung unser Team der tiergestützten Therapie ergänzt, wirkt Sarah Friedl ab sofort als Kunsttherapeutin am Sterntalerhof! Wir heißen sie beide sehr herzlich willkommen!
riedl F h a r Sa Ange la
Ringh
ofer
ANME
ENDLICH WIEDER MÖGLICH:
Ihr Einsatz am Sterntalerhof
0664
LDUN
214 0
G:
3
98 begeg sternt nung@ alerho f.at
Arbeitseinsätze für Unternehmen
Sternzeit für Jedermann
Teambuilding war nie sinnvoller: Wir freuen uns immer über den Besuch von Teams aus Unternehmen in ganz Österreich, die am Sterntalerhof einen gemeinsamen Tag verbringen, um uns bei der Pflege der Anlage oder bei einem bestimmten Bauvorhaben zu unterstützen. So konnten wir im vergangenen Herbst nach langer Corona-Zwangspause Delegationen der Erste Bank und der Donau Versicherung begrüßen – neben wichtigen Gartenarbeiten halfen sie beim Bau eines neuen Pferdeunterstands mit. Wir bedanken uns sehr herzlich!
Den Sterntalerhof unterstützen – das geht auch vor Ort, am Sterntalerhof selbst. Jeden 1. Mittwoch im Monat von 14:00 bis 17:00 Uhr begrüßen wir Freiwillige zur "Sternzeit" am Sterntalerhof: Sie unterstützen uns bei wichtigen Tätigkeiten rund um die Pflege unserer Anlage und unserer Tiere – oder helfen bei einem konkreten Bauvorhaben mit. Wir freuen uns über viele helfende Hände – bitten aber um vorherige Anmeldung.
Alle Hände am Werk: Ein Team der Donau Versicherung beim Arbeitseinsatz am Sterntalerhof.
UNSER CREDO lautet vom ersten Tag an: Eine Familie, die Hilfe sucht, wird nie aus finanziellen Gründen abgewiesen. In all den Jahren ist es uns immer gelungen, dieses Versprechen einzuhalten.
Alle Werke finden Sie unter schenkenhilft.at
Weil es Menschen gibt, die mit ihrer Spende Mag. Harald Jankovits unsere Arbeit ermöglichen. Dafür bedanken Geschäftsführender Vorstand wir uns von ganzem Herzen – im Namen all der uns anvertrauten Kinder und Familien!
Spendenkonto Österreichische Ärzte- und Apothekerbank AG IBAN: AT81 1813 0802 5454 0002 oder ganz bequem online unter www.sterntalerhof.at
Kunst gespendet Was für eine Freude! Die namhafte Künstlerin Linde Pauschenwein überließ dem Sterntalerhof 50 (!) ihrer Bilder zum Verkauf über unseren Webshop SCHENKEN HILFT. Sechs weitere hängen bald an den Wänden des neuen Sternenhauses am Sterntalerhof. Wir bedanken uns ganz herzlich im Namen all "unserer" Kinder und Familien. Alle Bilder finden Sie unter schenkenhilft.at Mehr sinnvolle Geschenkideen warten auf Seite 22!
EHRENAMTLICHE(R) KINDERHOSPIZ-BEGLEITER(IN)
SCHWARZNASENSCHAF BRUNO LEGT SICH INS ZAUMZEUG
Kurs gestartet
Kutsche gesattelt
Das Konzept für das neue Sternenhaus am Sterntalerhof (mehr dazu auf Seite 12) sieht eine starke Einbindung von Ehrenamtlichen in die tägliche Betreuung vor. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Ausbildung zum/r Ehrenamtlichen Kinderhospiz-Begleiter(in) im vergangenen September wieder voll ausgebucht gestartet ist. Der Kurs richtet sich an Menschen, die künftig in der Begleitung von schwer-, chronisch kranken oder sterbenden Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sowie deren Familien tätig sein möchten – und ist nur eines unserer gut besuchten Weiterbildungsprogramme.
Er gibt alles für "unsere" Kinder: Walisischer Schwarznasenschafbock Bruno hat sein Training für die Schafkutsche erfolgreich abgeschlossen. Dass er die Kraft dafür hatte war klar – jetzt hat er auch die Ruhe: Ab sofort kann die neue Schafkutsche an Brunos starken Schultern befestigt werden – und ab geht die Post im Schafgalopp! Ein tierischer Spaß für die Kinder, der nicht selten bei Passanten für staunende Gesichter sorgt ...
WEITERBILDUNG AM STERNTALERHOF Wir organisieren Kurse, Vorträge und Workshops für unterschiedliche Berufsgruppen. Alle Informationen zu unserem Angebot finden Sie unter sterntalerhof.at/weiterbildung
Volle Kraft voraus mit einem Schaf-PS: "Bruno" mit der neuen Schafkutsche unterwegs am Sterntalerhof
www.sterntalerhof.at
5
Kinder
sterntalerhof.at/sternenhaus
Martins Geschichten Das Leben eines Menschen besteht aus vielen Geschichten. Zu Martins Geschichten gehören diese vier – und noch viele mehr. Er war das erste Kind, dessen letzte Geschichte am Sterntalerhof geschrieben wurde.
6
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Episode 1:
Die Geschichte vom Erdhügel Zu Martins Geschichten gehört die Geschichte mit dem Erdhügel. Vielleicht ist es auch ein bisschen Helgas Geschichte, denn für Helga, Martins Mama war sie besonders wichtig. Und sie kann sich besser an den Erdhügel erinnern als Martin – weil Martin damals erst fünf war. Es waren wohl Bauarbeiter gewesen, die den Erdhügel angehäuft hatten, unweit von dem großen Haus, in dem Martin mit seiner Mama und seinem kleinen Bruder Max wohnte und sie hatten ihn ganz bestimmt nicht für die Kinder aus dem Grätzel angehäuft – doch auf die Kinder übte der drei Meter hohe Haufen eine große Anziehungskraft aus. Munter kletterten sie auf die Spitze des Hügels – um dort in triumphalen Posen die Eroberung des Mount Everest zu verkünden, bevor sie auf der anderen Seite unter wildem Kreischen wieder hinunterrutschten. Für Martin – schon damals fast nicht möglich. „Die Geschichte mit dem Hügel, das war in den Wochen nach der Diagnose“ erinnert sich Helga. Muskeldystrophie Duchenne trifft nur Jungen. Es ist eine seltene Krankheit – aber wen sie trifft, den trifft sie unerbittlich. Über die Jahre lässt sie Muskeln schwinden und schwächer werden, meist zuerst an Händen und Füßen, später an Armen, Schultern und Beinen, schließlich versagt die Herz- und Atemmuskulatur. Helga war aufmerksam geworden, als Martin mit fünf Jahren plötzlich Schwierigkeiten
mit dem Laufen bekam, und beim Springen oder Treppensteigen schnell die Kraft verlor. Die Diagnose hatte Helgas Welt ins Wanken gebracht, aber Martins Fröhlichkeit fing sie auf. „Seine Neugierde, sein Lebenswillen schien ungebrochen“, erzählt Helga. Bald war klar – Martin sollte alles tun dürfen, was er tun konnte und was er tun wollte – wenn es denn zu verantworten war. Und was Martin wollte, war an diesem Nachmittag sonnenklar: Er wollte auf den Erdhügel. Fasziniert sah er den anderen Kindern zu, wie sie ihre Hände in die Erde schlugen, sich mit Ellenbogen und Knien abstützten und behende den Gipfel erklommen. Geduldig wartete er einen guten Moment ab, dann startete er los. „Mir hat‘s das Herz zerrissen, wie schwer er sich getan hat, was für die anderen so leicht war.“ Doch Helga ließ ihr Kind machen. Immer und immer wieder rutschte Martin ab. Immer und immer wieder landete er ganz unten, am Fuße des Hügels. Immer und immer wieder setzte er an und versuchte es neu – bis es ihm schließlich irgendwann gelang! Wackelig aber siegessicher stand der kleine Junge auf dem Erdhügel und winkte seiner Mama. Seine Augen triumphierten. Ich wollte es schaffen. Ich habe nicht aufgegeben. Ich habe es geschafft. Ich habe den Hügel bestiegen, bis ganz oben. Ich bin Martin, der Hügelbezwinger. Mir ist – kein Berg zu hoch.
Episode 2:
Die Geschichte vom plötzlichen Verschwinden Zu Martins Geschichten gehört die Geschichte, als er an einem sonnigen Sommertag plötzlich einfach verschwunden war. Auch diese Geschichte ist ein bisschen Helgas Geschichte, denn Helga suchte ihren 10jährigen damals überall – und sie war es nicht gewohnt, Martin suchen zu müssen. „Er hat den Sterntalerhof sehr geliebt.“, erinnert sich Claudia. Sie ist Trauertherapeutin am Sterntalerhof und bis heute Helgas enge Vertraute. „Er hat die Tiere geliebt, allen voran Maxi, das Pferd – er sagte immer, Maxi gebe ihm ‚neue Füße‘!“ Aber Martin liebte auch die vielen gut asphaltierten Wege am Sterntalerhof und die Tatsache, dass es hier keine Stufen gab, keine Treppen und keine anderweitigen Hindernisse, die sich
ihm in den Weg stellten. Denn wenn Martin mit seinem Rollstuhl in Bewegung kam, war er kaum zu bremsen. „Er hat die Bewegung geliebt, die Geschwindigkeit – sie verkörperte für ihn Freiheit.“ Und diese Freiheit nahm sich Martin: Unter den vier Rädern seines Rollstuhls wurden Gehwege zur Rennstrecke. Er flitzte über den Sterntalerhof, mit geschickten Lenk- und Bremsmanövern schnitt er Kurven, sauste von Kapelle zu Reithalle, von Familienhaus zu Parkplatz – bis er eines Tages einfach weg war. „Das kann doch nicht sein,“ schwankte Helga zwischen Sorge und Verwunderung, „eben war er doch noch da“. Gemeinsam mit Claudia ging sie alle Wege ab, rief seinen Namen, sah nochmals in der Reithalle nach
www.sterntalerhof.at
7
Kinder
und checkte die Therapieräume, vergebens, von Martin fehlte jede Spur, er würde doch nicht – doch, er musste den Sterntalerhof verlassen haben! Nun begann die Sorge zu überwiegen, hastig eilten die beiden Frauen zum Parkplatz, von wo aus die Straße in die nahe Ortschaft nach Kitzladen führt. Doch Claudia und Helga mussten gar nicht erst einsteigen, schon von hier aus konnten sie Martin sehen: drei, vielleicht vierhundert Meter entfernt,
am Ende der Straße bei der Ortseinfahrt, in seinem Rollstuhl sitzend und – tief entspannt mit einem Bauern plaudernd. Freiheit. Bewegung. Nonchalance. „Dafür stand Martin.“, lächelt Claudia, „Er wollte sein kurzes Leben nach Möglichkeit genießen.“ Martin der Autonarr, Martin der Hügelbezwinger, Martin der Rollstuhl-Pilot. Martin, der Zehnjährige, der den Sterntalerhof ungefragt verließ, um sich mit einem Bauern zu unterhalten.
Episode 3:
Die grösste Geschichte – vom wohl besten Tag Zu Martins Geschichten gehört dieser eine besondere Tag im Oktober. Vielleicht ist es Martins beste Geschichte, doch auch diese Geschichte ist ein bisschen Helgas Geschichte – sie beginnt zumindest mit Helga, die an diesem scheinbar ganz gewöhnlichen Dienstag um sieben Uhr früh die Wohnung verließ, um zur Arbeit zu fahren, auf den nahen Polizeiposten, wo sie seit Jahren als guter Geist für Ordnung und Sauberkeit sorgte. Martin war damals 14 Jahre alt, er war wie immer zuhause geblieben, bis Mama üblicherweise mittags wieder nach Hause kommen würde. Doch an diesem Dienstag morgen war sie schon eine Stunde später wieder da. Ihr Chef, der Postenkommandant, hatte sie wieder nach Hause geschickt, sie solle dort mit Martin warten, er habe eine Überraschung für sie. Also fuhr Helga wieder nach
8
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Hause zu Martin, setzte sich an den Küchentisch, goss den restlichen Frühstückskaffee in ein Häferl und wartete. Was mochte der Kommandant gemeint haben? Womit wollte er sie überraschen? Und wollte Helga überhaupt überrascht werden? Das Klingeln an der Tür riss Helga aus ihren Gedanken. Eine Polizistin und ihr Kollege, beide in Uniform, begrüßten sie freundlich. „Wir sind da, um Sie abzuholen – und Martin.“, lächelten sie geheimnisvoll, „Er macht heute einen kleinen Ausflug.“ Helga verstand die Welt nicht mehr. Einen Ausflug? Mit Martin? Wohin? Mit dem Rollstuhl? „Anordnung des Kommandanten.“, sagte die Polizistin in gespielt korrektem Beamtenton „Er weiß Bescheid.“ Natürlich wusste der Kommandant Bescheid, dachte Helga. Er wusste von Martin, von der Krankheit,
sterntalerhof.at/sternenhaus
vom Rollstuhl. Was wusste er noch? Und was hatte er vor? Sie half ihrem Sohn, sich anzuziehen, schlüpfte in ihre Windjacke und verließ dann mit den beiden Beamten die Wohnung. Vor dem Haus stand ein VW Bus der Polizei. Martins Rollstuhl verschwand im Kofferraum, er selbst nahm neben Helga auf der Rückbank Platz. Fragend sah er seine Mutter an, doch Helga zuckte nur ahnungslos mit den Schultern. Es war seine erste Fahrt in einem Polizeiauto und Martin fand schon das – ziemlich aufregend. Zu gern hätte er die Beamten gebeten, doch einmal kurz das Martinshorn zu aktivieren, weil er doch Martin hieß – aber er verbot es sich. Die Polizistin lenkte den Bus hinaus aus der Stadt auf die Autobahn. Zwanzig Minuten dauerte die Fahrt, Martin sah sich die Landschaft an und studierte den Verkehr. Dann verließ der Bus die Autobahn und kurvte über Landstraßen, um dann auf einem Parkplatz vor einem eckigen weißen Gebäude zum Stehen zu kommen. „Wachauring Melk“ las Martin über dem Eingang, es roch nach Benzin, von hinter dem Gebäude erklang lauter Motorenlärm. Helga verstand überhaupt nichts mehr. Die Polizisten luden den Rollstuhl aus dem Bus, halfen Martin beim Einsteigen und eskortierten die beiden in das Gebäude hinein, durch mehrere Gänge hindurch und auf der Rückseite des Gebäudes wieder ins Freie. Vor Martins Augen tat sich eine Traumwelt auf. Eine Rennstrecke, eine richtige Rennstrecke. Rotweißen Curbs und Reklametafeln. Geparkte Rennwagen, Mechaniker, kleine Pagodenzelte, Servicefahrzeuge. Doch bevor er die Szenerie in vollem Ausmaß begreifen konnte, standen sie plötzlich vor dem Postenkommandanten. Helga hätte ihn fast nicht erkannt, er trug nicht mehr die Uniform von heute früh, sondern eine sportliche Softshelljacke mit allerlei Aufnähern. Und er schien die verdutzten Gesichter von Helga und Martin in vollen Zügen zu genießen, er grinste geheimnisvoll. „Herzlich willkommen am Wachauring!“, sagte er fröhlich und kniete sich hinab zu Martin. „Ich höre, du bist ein Autofan?“ Martin nickte respektvoll. „Ich höre, du magst Rennwagen?“ Erneutes stilles Nicken. „Und ich höre, du wünschst dir nichts mehr, als einmal eine Runde über die Rennstrecke zu drehen?“ Martin blickte den Kommandanten an, dann seine Mama, dann wieder den Kommandanten. Das konnte doch nicht wahr sein. „Dann sollte ich dir meinen besten Freund vorstellen.“, sagte der Kommandant. „Er heißt Max – und er ist Rennfahrer.“ Helga bekam einen Kloß im Hals. Der Kommandant stand auf, verabschiedete sich von den beiden Beamten und deutete Martin, ihm durch die Boxengasse zu folgen.
Helga sah Martin an, dass er nicht wusste, wohin er zuerst blicken sollte. Die Autos, die Mechaniker, die Geräusche von Werkzeugen, das Heulen der Motoren, dieser eigenständige Geruch – er fühlte sich wie im Paradies. Am Ende der Boxengasse stand ein weißrotes Mitsubishi Rallyeauto. Der Kommandant ging darauf zu, blieb davor stehen und sah den Jungen an. „Ein Lancer Evolution.“, flüsterte Martin ehrfurchtsvoll. „Eine Ikone.“, nickte der Kommandant. „280 PS!“, sagte Martin. „Eher 350“ korrigierte eine Männerstimme hinter ihm. Martin drehte sich in seinem Rollstuhl um. Max, ein junger Mann von dreissig Jahren in einem Racing-Overall lächelte Martin an: „Also du bist heute mein Beifahrer?“ Helga rutschte das Herz in die Hose. Martin strahlte über das ganze Gesicht. „Ich hätte nix dagegen!“, sagte er frech. Kurz noch rang Helga mit sich, während Max und der Kommandant den 14jährigen Buben aus dem Rollstuhl hoben und ihn vorsichtig in das Rallyeauto hievten, an Überrollbügel und Feuerlöscher vorbei in den engen Beifahrer-Schalensitz. Dann besann sie sich, Martin sollte alles tun dürfen, was er tun wollte und was er tun konnte. Und was hier gerade geschah, war ohnehin nicht in Worte zu fassen. Nun begann Max seinen Passagier im Schalensitz zu verzurren wie ein Paket. Zuguterletzt setzte er Martin einen Helm auf, einen echten Rennfahrerhelm, mit Mikro und Funk, sodass sich Martin mit Max unterhalten konnte. Dann nahm der Rennfahrer hinter dem Lenkrad Platz, schnallte sich selbst an und schloss
www.sterntalerhof.at
9
Kinder
die Tür. Minutenlang starrte Helga von außen auf das Fahrzeug. Im Inneren sah sie nicht mehr Martin und Max, sondern zwei Menschen mit Helmen, fest angegurtet in ihren Schalensitzen. Sie sah die Handbewegungen des Rennfahrers, wie er Martin das Cockpit und die Schalter erklärte. Sie sah ihren Sohn aufmerksam zuhören und immer wieder verständnisvoll nicken. Es wirkte, als würden sich zwei Rallye-Piloten vor ihrer Fahrt besprechen. Da war er wieder, dieser Kloß in Helgas Hals – und doch fühlte sie sich überglücklich. Mit einem ohrenbetäubenden Heulen startete der Motor, die Karosserie zitterte und aus dem Auspuff knallte es mehrfach. Instinktiv trat Helga einen Schritt zurück. Der Kommandant stellte sich neben sie und berührte sie am Arm. „Du schaffst das.“, sagte er aufmunternd. Jetzt
brach es aus Helga heraus. Tränen. Dass sie nicht wisse, wie sie ihm dafür danken sollte. Noch mehr Tränen. Wie unglaublich das sei. Und dass noch nie jemand so etwas Schönes für Martin gemacht habe. „Du schaffst das!“ wiederholte der Kommandant und lächelte seine Mitarbeiterin an. „Und du schaffst alles, was noch kommen mag.“ Helga rang um Fassung. „Natürlich.“, schluchzte sie glücklich. Langsam setzte sich der Mitsubishi in Bewegung. Ein kurzes Winken aus dem Cockpit, dann rollte das RallyeAuto an Helga vorbei, die Boxengasse entlang, zur Rennstrecke. Möglichkeit genießen.“ Martin der Autonarr, Martin der Hügelbezwinger, Martin der Rollstuhl-Pilot. Martin, der Zehnjährige, der den Sterntalerhof ungefragt verließ, um sich mit einem Bauern zu unterhalten.
Episode 4:
Die letzte Geschichte „Martin hat am Sterntalerhof viele Spuren hinterlassen.“, sagt Therapeutin Claudia nachdenklich. Jahrelang hat sie den Jungen, seine Mutter und seinen kleinen Bruder begleitet. Sie kennt die vielen Geschichten, aus denen Martins Leben besteht. Die Geschichte vom Erdhügel, die Geschichte vom Rallye-Auto – und noch viele mehr. Sie kennt auch Martins letzte Geschichte. Es
10
Der Sterntaler | Winter 2021/22
ist eine Geschichte, die genauso zu Martins Leben gehört, wie alle anderen Geschichten – und die ebenso erzählt werden will. Auch diese Geschichte ist ein bisschen Helgas Geschichte, auch wenn sich Helga vielleicht wünscht, sie hätte sie nie ereignet. Aber es ist Helga, die irgendwann in der Vorweihnachtszeit am Sterntalerhof anruft, um Claudia zu sagen, dass es wohl nun bald soweit sei. „Martin war sich seiner Endlichkeit bewusst.“, sagt Claudia. Jeden Abend vor dem Einschlafen sagte er zu seiner Mama wie lieb er sie hatte, wie dankbar er für ihre Hilfe sei und dass er ihr das unbedingt jeden Abend sagen müsse, weil er ja nicht wisse, wie lange er noch da sei. „Er verfügte über einen immensen Lebenswillen, er feierte das Leben und alles was es ihm gab.“, erinnert sich die Trauertherapeutin, „Aber er konnte auch das Sterben klar benennen.“ Und er war sich sicher – wenn er schon sterben musste, dann wollte er am Sterntalerhof sterben. Dafür jedoch gab es damals am Sterntalerhof noch keine Infrastruktur. Das Konzept der stationären Betreuung sieht vor, dass die Familien wiederholt in Intervallen von ein bis drei Wochen am Sterntalerhof Zeit verbringen. Innerhalb dieser Strukturen ist eine Sterbebegleitung vor Ort schwer möglich – schon allein, weil sie sich zeitlich nicht planen lässt. Dennoch blieb Martins Bedürfnis nicht ungehört. „Seine Familie war schon damals nicht die erste Familie, die mit diesem Anliegen an uns herangetreten
sterntalerhof.at/sternenhaus
ist.“, sagt Claudia. Martin jedoch war bereits 17 Jahre alt und in starker psychischer Verfassung. „Wir wollten es ihm einfach ermöglichen.“, erinnert sich die Therapeutin an den gemeinsamen Beschluss des Teams am Sterntalerhof, Martins letzten Wunsch zu erfüllen. Helgas Anruf in der Vorweihnachtszeit löste am Sterntalerhof intensive Vorbereitungen aus. Für den unbestimmten Zeitraum von Martins letztem Aufenthalt sollte eine besonders engmaschige Betreuung greifen – von der medizinischen Absicherung durch Hospizarzt Dr. Gustav Herincs bis hin zur seelsorgerischen Arbeit durch Sterntalerhof-Gründer Peter Kai. Im Mittelpunkt jedoch sollten Martins Bedürfnisse stehen. „Es war so unwirklich,“, erinnert sich Claudia, „denn selbst in diesen letzten Tagen schien sein Lebensmut, seine einfache Fröhlichkeit ungebrochen.“ Drei einfache letzte Wünsche bringt Martin mit an den Sterntalerhof. Er möchte ein letztes Mal mit Peter Zeit verbringen. Er möchte mit Claudia ein letztes Cola trinken. Und er möchte sich von Maxi verabschieden, von dem Pferd, das ihn am Sterntalerhof getragen hatte, das ihm neue Füße gegeben hatte, wie er immer sagte. Seine drei letzten Wünsche, sie werden ihm erfüllt. Martin verabschiedet sich vom Sterntalerhof. Er verabschiedet sich von allen Menschen und allen Tieren. Dann tritt er seine letzte Reise an – und beendet seine
letzte Geschichte, im Beisein seiner Mama Helga und seines kleinen Bruders Philip. „Was für uns bleibt, sind die Spuren die Martin hinterlassen hat.“, sagt Claudia. Zu diesen Spuren zählen die Geschichten, aus denen Martins Leben bestand, die viele Jahre später noch erzählt werden wollen. Zu diesen Spuren zählt aber auch das neue Sternenhaus am Sterntalerhof, dessen Wichtigkeit rund um Martins Tod erkannt wurde – und dessen Bau nun endlich möglich wurde: Damit auch künftig Kinder und Familien ihre letzte gemeinsame Geschichte am Sterntalerhof schreiben können.
WEITERLESEN IM NETZ! Alle Geschichten von Martin und mehr Hintergründe zum Sternenhaus finden Sie auch online unter sterntalerhof.at/sternenhaus
www.sterntalerhof.at
11
Sternenhaus
Das Sternenhaus entsteht: Ein moderner Bau aus hellem Holz und lichtem Glas, ruhig gelegen – mit einem Wintergarten, der den Blick in die Sterne ermöglicht.
Die Freiheit im Unausweichlichen Warum das Sternenhaus ein großer Schritt für den Sterntalerhof ist. Und was das für Betroffene bedeutet. Der Sterntalerhof schenkt Kindern ein Heute, deren Morgen in den Sternen steht: Seit über 20 Jahren verfolgt das Kinderhospiz den Ansatz der stationären Betreuung von betroffenen Familien mit schwer- oder sterbenskranken Kindern. Sie kehren am Sterntalerhof ein, um neue Kraft, neuen Mut und neue Zuversicht zu tanken. Sie verbringen hier eine, manchmal zwei oder drei Wochen. Sie verbringen hier Zeit abseits ihres Alltags, in einer Umgebung, die sich wie eine Auszeit – für die Kinder vielleicht sogar fast wie ein Urlaub anfühlt: Auf einem Hof mit Tieren, in einer barrierfreien und familiengerecht konzipierten Anlage, umgeben von wunderbar unberührter Natur. Während ihres Aufenthalts werden unsere Familien von einem multiprofessionellen Team begleitet – von mehreren tiergestützten Therapieformen über Ergo-, Kunst-, Tanz-, und Musiktherapie bis hin zu psychologischer Betreuung, Seelsorge und Trauertherapie spannt der Sterntalerhof ein starkes Netz, das Betroffene bestmöglich auffängt und stärkt, bevor sie in ihren schwierigen Alltag zurückkehren. "In den vergangenen Jahren sind uns dabei aber auch immer wieder Familien begegnet, deren gemeinsames Morgen nicht länger in den Sternen steht.", sagt Lisa Wiesinger, fachliche Leiterin am Sterntalerhof, "Familien, die an den Punkt gelangen, an dem der Tod eines Kindes unmittelbar bevorsteht. Für diese Phase der Sterbebegleitung braucht es besondere Vorbereitung, ein eigenes Setting und auch zeitliche Flexibilität. Die Erfahrung zeigte, dass wir hier bessere räumlichen Rahmenbedigungen schaffen mussten."
12
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Abschied nehmen am Sterntalerhof jedoch – fernab der nüchternen Atmosphäre einen Krankenhauses, aber bestmöglich medizinisch und therapeutisch begleitet – war und ist ein wiederkehrender Wunsch vieler Kinder und Familien am Sterntalerhof. "Einen solchen Wunsch äußern und formulieren zu können, ist für Betroffene von hoher Bedeutung.", stellt Wiesinger fest, "Es ist die Freiheit, den Rahmen dieses Abschieds ein Stück weit mit zu bestimmen. Es ist ein kleines bisschen Freiheit im Unausweichlichen." Jener Martin, dessen vier Lebens-Geschichten die ersten Seiten dieses STERNTALER füllen, schuf vor wenigen Jahren einen Präzedenzfall. "Die Umstände haben es damals möglich gemacht, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen.", erinnert sich Mag. Harald Jankovits, geschäftsführender Vorstand am Sterntalerhof. "Heute bauen wir diese Möglichkeit für andere Kinder – mit unserem neuen Sternenhaus." Es liegt etwas abseits der anderen Gebäude am Sterntalerhof – und ist doch fest integriert in die Anlage. Es bietet ausreichend Raum – auch für Mamas und Papas und für große und kleine Geschwisterchen. Es kann solange bewohnt bleiben, wie es notwendig ist. Es verfügt über ein Pflegebad und andere Spezialeinrichtungen für betroffene Kinder. Es ist barrierefrei und so gestaltet, dass man ein Pflegebett auf Rädern in alle Räume schieben kann – "auch in den Wintergarten!", freut sich Lisa Wiesinger. Denn der Wintergarten, er soll das Herzstück des neuen Sternenhauses werden. "Er bekommt ein Dach aus Glas.", verrät Wiesinger: "Von hier aus – wird man direkt in die Sterne sehen können."
sterntalerhof.at/sternenhaus
www.sterntalerhof.at
13
Sternenhaus
Ein Haus voller
Unterstützung Das neue Sternenhaus am Sterntalerhof baut auf starke Partner, tatkräftige Unterstützer und viele helfende Hände – ein großes Dankeschön im Namen all "unserer" Kinder und Familien!
TEAM 7 Herr Dr. Emprechtinger von TEAM 7 zeichnet für die Einrichtung des Sternenhauses verantwortlich. Damit nicht genug, hat er auch noch die Kontakte zu DAN und ADA hergestellt. Wir bedanken uns sehr herzlich!
DAN KÜCHEN
ARJO AUSTRIA GMBH Pflegewanne, Steckbeckenspüler und Duschwagen sind wichtige Infrastruktur für das Pflegebad im Sternenhaus: Wir verdanken sie der Arjo Austria GmbH.
Dass die Küche im Sternenhaus von DAN kommt, dafür sagen wir Herrn Dr. Johann Pichler herzlichen Dank.
ADA MÖBEL Schlafsofas, Matratzen und Lattenroste im Sternenhaus stammen vom renommierten österreichischen Unternehmen ADA – wir sagen Danke!
14
Der Sterntaler | Winter 2021/22
SEFRA FARBEN
Alle erforderlichen Farben steuert Sefra Farben in Oberwart bei. Darüber hinaus verlegte Geschäftsführer Josef Hackl höchstpersönlich den Parkettboden und motivierte Malerbetriebe aus der Region, die Fassade des Familienhauses zu erneuern. Wir sagen Danke!
HOCHEGGER DACH Die Überdachung wird in bewährter Manier von Thomas Böhm und seinen Mitarbeitern gewährleistet.
sterntalerhof.at/sternenhaus
K3PLUS ARCHITEKTEN Seit über zwei Jahrzehnten begleitet DI Johann Konvicka den Sterntalerhof mit seinem Know-How – seit 10 Jahren verantwortet er als Vorstandsmitglied die Entwicklung am Sterntalerhof mit. Für unser neues Sternenhaus kümmert er sich mit seinem Architekturbüro um die gesamte Planung und Errichtung!
UND SIE...?
BINDER FLIESEN TIMELAPSE SYSTEMS Dass die Errichtung des Sternenhauses fotografisch dokumentiert wird, dafür bedanken wir uns herzlich bei Frau Mag. Judith Pölzl.
Wir bedanken uns bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die den Bau des Sternenhauses ermöglichen: sterntalerhof.at/sternenhaus
Für die Fliesen im neuen Sternenhaus bedanken wir uns bei Binder Kachelofen und Fliesen in unserem Nachbarort Markt Allhau.
KREMNITZER BAU
FRIEDL STEINWERKE KATZBECK FENSTER Familie Katzbeck hat bereits bei der Errichtung unseres Familienhauses die Türen und Fenster beigesteuert und steht seither immer an der Seite des Sterntalerhofs. Auch die Fenster des neuen Sternenhauses stammen von Katzbeck – wir sagen Danke!
Wie auch in der restlichen Anlage, kommen alle Terrassenplatten und Pflastersteine von Friedl Steinwerke – ein herzliches Danke dafür!
Unser lokales Bauunternehmen kümmert sich seit vielen Jahren um alle möglichen baulichen Maßnahmen am Sterntalerhof. Auch beim neuen Sternenhaus sind Bodenplatte sowie Anschlussgrabungen bei Wolfgang Kremnitzer in guten Händen.
ELEKTRO SCHWEITZER & HEGA HAUSTECHNIK Die Herren Peter Schweitzer und Christian Kinelly sind mit ihren Mitarbeitern seit vielen Jahren immer zur Stelle, wenn es bei Strom oder Wasser Probleme gibt. Sie kennen jeden Winkel am Sterntalerhof – perfekte Installationen des Sternenhauses sind damit gewährleistet. Wir sagen Danke!
SECURITY ACCESS Harald und Daniela Thurner haben nicht nur die gesamte Anlage mit einem professionellen Schließsystem ausgerüstet, sondern jetzt auch unser Sternenhaus – vielen lieben Dank!
www.sterntalerhof.at
15
Gesundheit
16
Der Sterntaler | Winter 2021/22
sterntalerhof.at/sternenhaus
"Trauer ist keine Krankheit." Dr. Gustav Herincs ist Hospizarzt und Vorstandsmitglied am Sterntalerhof. Wir trafen ihn vor dem neuen Sternenhaus zum Gespräch über Freude, Trauer und Unterstützung.
HERR DR. HERINCS, DAS STERNENHAUS NIMMT GESTALT AN. WAS EMPFINDEN SIE? Freude. Wir haben so lange drauf gewartet. Ich freue mich sehr, dass der Bau nun möglich wurde. Es ist so wichtig für den Sterntalerhof. Es ist, als hätten wir in Kitzladen das letzte Mosaiksternchen gesetzt. Als wäre der Sterntalerhof jetzt „komplett“.
Orte, an die Sie sich wenden können, wenn Sie eine Herztransplantation brauchen. Aber es gibt nur wenige Orte, an die Eltern sich wenden können, wenn Sie ein Kind verlieren. Der Sterntalerhof ist so ein Ort – der noch dazu mit seinem Konzept der ganzheitlichen Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung in Österreich einzigartig ist. Das ist ein starkes Angebot – das wir mit unserem Team machen können.
INWIEFERN? Nun, bisher hatten wir hier keinen Rahmen für den Akt des Sterbens selbst. Den Abschied begleiten wir immer schon, vor und nach dem Tod eines betroffenen Kindes. Mit dem Sternenhaus konnten wir nun endlich einen Raum schaffen, in dem auch das Sterben selbst stattfinden kann – bestmöglich begleitet durch unser multiprofessionelles Team. Das ist es, was sich so viele betroffene Kinder und Familien wünschen. Und das ist es, was ihnen das Sternenhaus bieten kann.
DIESEM TEAM GEHÖREN SIE AN – ALS ARZT. Als Hospizarzt – diese Präzisierung ist mir wichtig. Denn der Sterntalerhof ist ein Hospiz im ursprünglichen Sinn dieses Wortes: Wir beherbergen Menschen, wir begleiten sie, vielleicht tragen wir sie. Als Hospiz sind wir stolz auf die Vielfalt unserer Berufe – und unser Hauptfach ist dabei psychosozial, nicht vordergründig medizinisch. In diesem Kontext muss ich als Arzt meine Rolle finden – dann bin ich Hospiz-Arzt.
UND DER BEDARF DAFÜR WÄCHST. Ja, leider. Jedenfalls nehmen wir das so wahr, wenn wir uns in Österreich umblicken. Es gibt etliche Orte, an die Sie sich wenden können, wenn Sie einen Hüftgelenksersatz brauchen. Es gibt bereits mehrere
KÖNNEN SIE DIESE ROLLE ETWAS NÄHER BESCHREIBEN? Das ist zunächst mal eine stark beratende Funktion. Diese nehme ich im Vorstand des Sterntalerhofs wahr. Es ist wichtig, dass unsere Arbeit hier nicht im
„Es gibt nur einen Ort, an den man sich wenden kann, wenn man ein Kind verliert: Den Sterntalerhof.“ Palliativmediziner Herincs über die Einzigartigkeit des Sterntalerhofs als Kinderhospiz
www.sterntalerhof.at
17
Gesundheit
„luftleeren Raum“ geschieht, sondern medizinisch abgesichert ist. Dafür trägt der Arzt die Verantwortung. Er ist es, der rein rechtlich die Anordnungskompetenz hat, alle anderen haben die Durchführungskompetenz. Im Team am Sterntalerhof macht mich das aber nicht zum ersten Geiger – wie etwa an einem Krankenhaus – sondern eher zur zweiten Bratsche. (lacht)
Sterntalerhof wollen wir aber auch die Familie ganzheitlich sehen. Als System, als menschlicher Verband aus Erwachsenen und Kindern, die sich in einer tiefen Krise wiederfinden, aus der es zunächst keinen Ausweg zu geben scheint. Das kann man nicht nur medizinisch beantworten.
ALSO GIBT ES GEGEN TRAUER KEINE MEDIKAMENTE? Nein. Die Zeit der Trauer ist eine Zeit, in der die WAS MEINEN SIE DAMIT? Betroffenen sehr verletzlich sind. Je nach Trauerphase Betroffene suchen Antworten. Vielleicht suchen wissen sie nicht, wo oben und unten ist. Sie können sie auch mal die Antwort eines Arztes, wenn sie nichts essen. Sie können nicht schlafen. Da kann eine konkret medizinische oder pflegerische Frage es schon sinnvoll sein, wenn man akut ein haben. Dann können Sie sich an mich wenden. Aber die Erfahrung zeigt, dass Medikament verschreibt – in dem es am Sterntalerhof vorrangig Bewusstsein, dass man damit aber psychosoziale Kompetenzen lediglich ein Symptom lindert. braucht – und die haben wir in den Denn Medikamente lösen das „MAN KANN EINEM letzten 20 Jahren erfolgreich Problem nicht. Trauer ist keine TRAUERNDEN NICHT Krankheit. Trauer ist ein Prozess, aufgebaut: Mit unterschiedlichen VERSCHREIBEN, der begleitet werden will. Ich Therapieformen, von der kann einem Trauernden nicht tiergestützten Therapie über WIE ER INS LEBEN Kunst- und Musiktherapie bis verschreiben, wie er zurück ins ZURÜCK FINDET.“ Leben findet – aber ich kann ihn hin zur Trauertherapie und zur psychologischen Betreuung. dabei unterstützen. Unterstützung bieten – das ist es, was wir am DER GANZHEITLICHE ANSATZ. Sterntalerhof tun. Und das ist es auch, Genau – doch was bedeutet „ganzheitlich“? was ich tue und tun will, als Arzt, als Mensch. Den Menschen in seinem Ganzen zu sehen. Mit all seinen Facetten, seinen Erfahrungen, seinen DABEI MÜSSEN SIE ABER AUCH Empfindungen, seinen Wünschen, Träumen und AUF SICH SELBST ACHTEN. Ängsten. Schon das ist eine große Aufgabe. Am Natürlich. Man befindet sich in einem gewissen Spannungsverhältnis – man muss sich eigene Grenzen setzen, dabei aber immer auch „berührbar“ bleiben. Wissen Sie, am Ende meines Studiums habe ich einen sehr engen Freund verloren. Er starb an Lymphdrüsenkrebs, es war sehr schwierig mit anzusehen und ich hatte absolut keine Möglichkeit, ihm irgendwie zu helfen. Ich habe mich furchtbar hilflos gefühlt. Ich wollte mich nie wieder so hilflos fühlen. Heute weiß ich, dass ich wohl aufgrund dieser Geschichte Hospizarzt geworden bin. „Wir beherbergen Menschen, wir begleiten sie, vielleicht tragen wir sie.“ – Dr. Gustav Herincs über das HospizVerständnis am Sterntalerhof.
18
Der Sterntaler | Winter 2021/22
sterntalerhof.at/sternenhaus
DAS HEISST, SIE SCHÖPFEN DIE KRAFT FÜR IHRE TÄTIGKEIT – AUS IHRER TÄTIGKEIT? Wenn Sie so wollen – ja (lacht): Denn wenn man sehen kann, wie Betroffene wieder in ihr Leben zurückfinden, ist das wohl die schönste Kraftquelle, die man sich in unserem Beruf vorstellen kann. Wobei wir in unserem Hospitzteam natürlich alle auch wissen, wo wir uns hinwenden müssen, wenn wir selbst in schwierige Situationen geraten. Dann begegne ich vielleicht selbst jemandem, der aushält was ich sage – wenn ich eine Geschichte erzähle, die ich erlebt habe und die mich nicht loslassen will.
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Von jeder Spenderin und jedem Spender, die ich viel lieber Unterstützer nenne, weil sie sie sich mit ihrer Spende unterstützend an unsere Seite stellen – und damit an die Seite unserer Kinder und Familien. Ich sehe, wie wichtig diese Unterstützung ist. Und wenn es etwas gibt, dass ich mir für die Zukunft des Sterntalerhofs wünsche, dann dass diese Unterstützung nie endet – sondern weiterhin immer größer und stärker wird.
WENN SIE IN DIE ZUKUNFT BLICKEN – WAS WÜNSCHEN SIE SICH FÜR DEN STERNTALERHOF? Nun, wir arbeiten an einem zweiten Standort in Tirol – es wäre wichtig, das psychosoziale Angebot des Sterntalerhofs näher zu betroffenen Familien im Westen Österreichs zu bringen. Aber wenn Sie mich nach meinen Wünschen fragen, möchte ich nochmals auf die Unterstützung zurückkommen: Die Unterstützung, die wir Betroffenen geben ist nur möglich, weil wir dabei selbst unterstützt werden – von innen wie von außen: Von unserem exzellenten Team und unseren
Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen! Bitte senden Sie mir zukünftig das Magazin Der Sterntaler kostenlos zu. Bitte senden Sie mir den Sterntalerhof-Newsletter per E-Mail zu. Meine Daten haben sich geändert, bitte aktualisieren Sie diese.
Meine persönliche Nachricht an den Sterntalerhof:
Name Straße / Hausnummer Ort
PLZ E-Mail Adresse Telefon
Geburtsdatum
Senden Sie diese Karte bitte in einem Kuvert an: Sterntalerhof, Dorfstraße 35, 7410 Loipersdorf-Kitzladen
www.sterntalerhof.at
19
Rezepte
s u a n e i e r Lecke e b u t s k c der Ba Wir wünschen allen Schleckermäulchen und Zuckerbäckern eine süße Vorweihnachtszeit – mit drei Geheimtipps aus der Küchenwerkstatt des Sterntalerhofs. Wir freuen uns über Fotos eurer Leckereien: Schickt sie an begegnung@sterntalerhof.at oder verlinkt uns bei Facebook oder Instagram! :-)
Lisas Bauernbrotlaibchen Eiklar zu cremigem Schnee schlagen. Dotter mit Zucker, Rum und Zimt schaumig rühren. Nüsse, Schokolade, Mehl und Schnee nacheinander unter die Dottermasse heben und ca. 30 Minuten rasten lasten. Rohr auf 150°C vorheizen. 2 Backbleche mit Backpapier belegen. Aus der Masse etwa 40 Kugeln formen und in Staubzucker wälzen. Kugeln auf die Bleche setzen und im Rohr (mittlere Schiene) 18 Minuten backen.
20
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Zutaten 3 Dotter 150 g Staubzucker 1 EL Rum 1 TL Zimt 2 Eiklar 250 g Walnüsse 140 g geriebene Schokolade 3 EL glattes Mehl Staubzucker zum Wälzen
Rosis Burgenländerkipferl Erst den Teig zubereiten - dazu die Germ in der lauwarmen Milch auflösen und etwas vorgehen lassen. Danach alle Zutaten zu einem Teigverkneten und ihn ca. 30 Minuten lang rasten lassen. In der Zwischenzeit die Eiklar mit dem Staubzucker zu einem festen Schnee schlagen. Den fertigen Germteig vierteln und mit den Teigteilen nacheinander folgendermaßen weiter verfahren: Teilstück zu einem Rechteck ausrollen. Je ein Viertel des Schnees auf einem Rechteck verstreichen, anschließend mit einem Viertel der Nüsse bestreuen. Alles wie eine Roulade zusammenrollen und mit einem Wasserglas Halbmonde ausstechen. Dazu das Glas vor jedem neuen Kipferl in Mehl tauchen, damit nichts kleben bleibt. Im vorgeheizten Rohr bei 180°C ca 20 Minuten backen. Noch warm mit Zucker bestreuen.
Zutaten Teig: 400 g Mehl 250 g Butter 1 Pkg frische Germ 60 ml lauwarme Milch 40 g Staubzucker 2 Dotter 1 Prise Salz Fülle: 2 Eiklar 100 g Staubzucker 150 g geriebene Nüsse
Biancas Wintertiramisu Zutaten 250 ml Schlagobers 500 g Topfen fein 500 g Mascarpone 150 g Feinkristallzucker 3 Pkg. Vanillezucker 1 - 2 Pkg Gewürzspekulatius 500 g Tiefkühlbeeren 3 EL Backkakao Zimt nach Belieben
Schlagobers mit dem Mixer steif schlagen. Topfen, Zucker, Mascarpone und Vanillezucker zu einer cremigen Masse verrühren. Nun den steif geschlagenen Schlagobers mit einem Schneebesen unter die Topfenmasse ziehen. Gewürzspekulatius zerbröseln (einige Kekse zur Dekoration aufheben). Creme, Spekulatiusbrösel und gefrorene Beeren abwechselnd inkleine Gläser schichten - mit der Creme abschließen. Mit Zimt und Kakao bestreuen und mit einem Spekulatius und einigen Beerenverzieren. Kühlstellen und durchziehen lassen.
www.sterntalerhof.at
21
Schenken Hilft
Doppelt Freude schenken: Mit den SCHENKEN HILFT Geschenkboxen Vom köstlichen Schoko-Sterntaler bis zu exklusiven Karten und Billets – mit unseren Geschenkboxen aus dem SCHENKEN HILFT Sortiment schenken Sie gleich zweimal Freude: Dem oder der Beschenkten – und den Kindern, den Familien, den Tieren am Sterntalerhof. Weil sich alle SCHENKEN HILFT Partner und Ausstatter uneigennützig einbringen! Das komplette Sortiment finden Sie unter schenkenhilft.at
Frohes Fest Unser Weihnachtspackerl enthält einen Christstollen vom Meisterkonditor Kaplan am Kurpark aus Bad Tatzmannsdorf, einen Sterntaler-Lebkuchenstern aus Bildein, ein Glas Miëlo-Honig aus dem Waldviertel, eine Kerze "Hoffnung", eine Weihnachtskarte mit Billet und den Erzählband "Im Sterntalerland". Für sinnvolle 36 Euro
22
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Schoko Sterntaler Exquisite Haselnuss-Nougatcreme mit Keksstückchen in feinster Vollmilch-Schokolade: Die köstlichen Schoko-Sterntaler aus der Confiserie Heindl in Wien sind eine zartschmelzende Verführung! 3 Stück für sinnvolle 2,75 Euro (mehrere Größen erhältlich)
Prost ohne Promille Kindgerecht anstoßen – mit einer Flasche Schnaubi Traubi (direkt gepresster Traubensaft vom Weingut Jordan aus Pulkau im Weinviertel) oder einem Glas koffeinfreiem Cola-Sirup (aus der Eberraute) von GreenSheep. Für sinnvolle 36 Euro
Ruhe Finden Unsere Entspannungs-Box mit einem Sackerl Bildeiner Lebkuchenherzen, einem Glas Blütenhonig von Meisterimker Oberrisser aus Pinkafeld, einer Box Hanfblütentee von BioBloom aus Apetlon und einer wunderbaren Kerze "Hoffnung". Für sinnvolle 24 Euro
www.sterntalerhof.at
23
Schenken Hilft
Danke schön Die Box für Genießer: eine Flasche Blaufränkischer Eisenberg DAC vom Weingut Kopfensteiner, hausgemachte Spaghetti vom Landhof Werkovits, herrliches Paradeiserchutney von Stekovics und drei zartschmelzende Schoko-Sterntaler. Für sinnvolle 30 Euro
Bei Kerzenlicht Symbol für Wärme und Wohlbefinden: Unsere Kerze “Hoffnung” wird sorgfältig gefertigt von Gasser Kerzen aus Klagenfurt und ist in zwei Größen erhältlich. Ab sinnvollen 6 Euro
Süsses und Saures Ein Feuerwerk für den Gaumen, komponiert von Priska Stekovics aus dem Seewinkel im Burgenland: Apfelpaprika, Knoblauchblüten und Maulbeermarmelade. Für sinnvolle 27,50 Euro
24
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Adventkranz Kerzen Dekorieren Sie Ihren Adventkranz heuter mit Zuversicht, Geborgenheit und Lebensfreude: Unsere Adventkranzkerzen werden liebevoll hergestellt von Gasser Kerzen in Klagenfurt. Für sinnvolle 18 Euro
Karten & Billets Billets und Karten gezeichnet von "unseren" Kindern am Sterntalerhof, sowie von Künstlern und Künstlerinnen aus Amsterdam, Berlin und Wien. Diverse Motive für sinnvolle 1,20 Euro
Schaumparty Welcher wird's: Der PROSECCO Superiore DOCG "Fontana Vecchia" von Colesel aus dem Epizentrum der italienischen Proseccostraße? Oder der nach der Méthode Traditionelle hergestellte Veltliner Sekt Brut vom Weingut Jordan aus Pulkau im wunderbaren Weinviertel? Am besten beide – für sinnvolle 48 Euro
DA S G ANZ SCHE NKEN E HILF SORT IMEN T T JE TZT UNTE R schen kenhi lft.at
Seele
Der Herr
der Klänge Wie Musik zur Sprache wird, wenn Worte fehlen: Die Geheimnisse der Musiktherapie
Wenn Dominik über seine Schwester Fiona spricht, wird seine Stimme immer ein bisschen leiser. Fast so, als ob Fiona nicht hören sollte, dass Dominik von ihr spricht. Dabei weiß Fiona ganz genau, dass sie krank ist. Es ist kein Geheimnis, jeder kann es sehen, überhaupt jetzt, wo sie keine Haare mehr hat. Es ist auch kein Geheimnis, dass Papa weggezogen ist – und Mama jetzt alleine ist, mit Fiona, mit Dominik und mit Kerstin, Dominiks ältester Schwester. Vielleicht wird Dominiks Stimme jetzt auch immer ein bisschen leiser, wenn er über früher spricht. Denn früher – war das alles anders. Es war nicht so, dass Mama so viel weinte. Es war nicht so, dass Kerstin und Dominik ihr so viel helfen mussten, wobei Dominik immer sagt, dass er Mama gerne hilft, zuhause, in der Küche, beim Einkaufen, mit dem Geschirr, mit den Sachen für Fiona. Irgendwann früher, waren sie alle eine glückliche Familie – und Fiona war so gesund wie Kerstin und so gesund wie er selbst, wie Dominik. Eigentlich ist es auch so, dass Dominiks Stimme etwas leiser wird, wenn er über früher spricht. Doch hier am Sterntalerhof hatte Therapeutin Lisa gesagt, dass es gut ist, wenn man über all die Dinge spricht. Über die Sache mit Fiona und die Sache mit Papa und wie es früher war – selbst wenn dabei die Stimme ein bisschen leiser wird. Oder man vielleicht sogar weinen muss. Ob auch Therapeutin Ulla heute mit Dominik sprechen wird? Es ist Nachmittag und Dominik ist schon seit fünf Tagen am Sterntalerhof. Kerstin und Fiona sind wieder bei den Pferden – Dominik jedoch ist Ullas Einladung zur Musikstunde gefolgt. Es war nicht schwer, ihn davon zu überzeugen – überhaupt als Ulla ihm aufzählte, wie viele Instrumente sie hat. Eine Auswahl davon hat Ulla in der Mitte ihres Zimmers auf den
26
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Boden gelegt: Eine Gitarre, ein Flöte, eine Harfe, zwei Trommeln und eine Traumleier. Sie sind alle für Dominik, jedes Einzelne darf er ausprobieren, und nein, er muss die Instrumente nicht erlernen, er kann sie einfach nur ausprobieren. Ulla hat Zeit und sie hat nur für ihn Zeit, für Dominik ganz allein. Von Anfang an nimmt sie sich zurück, überlässt dem Kind die Initiative, erläutert und hilft bei Bedarf. Dabei beobachtet die Musiktherapeutin ihren kleinen Klienten. Welches Instrument wird er wählen, wie geht er dabei vor, wie vorsichtig oder wie mutig, wie selbständig, wie entschlussfreudig ist das Kind. Welche Gefühlswelten tun sich auf, wenn die Musik zum klingenden Sprachrohr einer Kinderseele wird. Ihre Erkenntnisse wird sie sauber dokumentieren und später mit ihren Kolleginnen aus den anderen Therapiebereichen des Sterntalerhofs teilen. Doch noch ist es nicht so weit. Dominik hat sich zu den Instrumenten gesetzt und begutachtet mehr, als er spielt. Sanft zupft er die Saiten der Traumleier, bläst behutsam in die Flöte und streichelt über die Felle der Trommeln. Sein konzentriertes Lauschen bestätigt Ulla, dass Dominik bei ihr richtig ist: Die bunte Welt der unterschiedlichen Klänge fasziniert ihn, sein Instrument jedoch – muss er erst noch finden. Irgendwann steht Dominik auf und blickt sich um. Etwas abseits im Raum steht ein Klavier. Ob er denn darauf auch spielen dürfe, fragt er Ulla mit leiser Stimme und pirscht sich dann vorsichtig an den schwarzen Kasten heran. Ulla rückt den Hocker zurecht und setzt sich zu Dominik. Weiße Tasten, schwarze Tasten. „Ich werd mit dir mitspielen, Dominik, okay?“ Was machen die weißen Tasten und was die Schwarzen. Und wie klingt das, wenn man die Tasten hintereinander drückt. „Versuch es doch selbst mal.“ Vorsichtig suchen die Finger die
TIPP!
Mehr Geschichten und Hintergründe zu unseren Therapieformen finden Sie jetzt auch online unter www.dersterntaler.at
ULLA BECK MUSIK- UND INSTRUMENTALPÄDAGOGIN UND MUSIKTHERAPEUTIN
Tasten. Zum ersten Mal macht Dominik eine Melodie, er bestimmt ihre Töne, formt sie mit seiner rechten Hand. Ein Lächeln huscht über das Kindergesicht, Dominik rückt näher an die Tastatur. Dominik wiederholt die Melodie, diesmal etwas lauter, einmal, zweimal, ein drittes Mal und beim vierten Mal gelingt die Melodie schon schneller und – lauter. Jetzt die zweite Hand dazu, die Linke, auf dass sie jene tiefen Töne treffe, die der Melodie magisch beizustehen scheinen. Dass eine linke Hand so etwas überhaupt kann. Dominik lächelt erneut. Jetzt beginnt er die Melodie zu improvisieren, gibt ihr ein neues Ende. Irgendwann wiederholt er sie nicht mehr, sondern spielt einfach weiter. Und weiter. Ulla hat ihre Hände zurückgezogen, Dominik ist längst nicht mehr bei ihr. Er wirkt wie in Trance ist bei der Musik, ganz beim Klavier – und ganz bei sich selbst. Er spielt, als ob er schon viele Male gespielt hätte, er schöpft Klänge, mit beiden Händen, immer stärker und immer lauter.
"Musik kann Sprache sein, wo Worte fehlen." sagt Ulla Beck. Als Musik- und Instrumentalpädagogin und Musiktherapeutin am Sterntalerhof will sie das Tor zu dieser Sprache öffnen. Dabei arbeitet sie aber nicht nur mit Geschwisterkindern wie Dominik, sondern auch mit betroffenen Kindern und Eltern.
Zehn Minuten vergehen, zehn weitere und nochmals zehn. Ulla wird ihn nicht unterbrechen. Sie wird ihm nicht sagen, er spiele zu laut oder zu wild. Sie wird den Moment abwarten, in dem Dominik zur Ruhe kommt. Dann wird sie ihm sagen, wie begeistert sie von Dominik ist. Dass er sich einfach hinsetzt und so wunderbar Klavier spielt, und das gleich beim ersten Mal mit zwei Händen. Dass er sich der Musik einfach hingibt, eine halbe Stunde lang, in einer Art und Weise, wie es vielen Erwachsenen nicht gelingt. Und wenn Dominiks Mama kommt, um ihn abzuholen, wird sie sich mit Dominik freuen – weil er es nicht erwarten kann, seiner Mama vom Klavier zu erzählen. Und weil seine Stimme dabei kein bisschen leise ist.
www.sterntalerhof.at
27
Hall of Fame
Unsere
All(e)tagshelden Zu den vielen neuen Begriffen der Corona-Pandemie gehört auch der oder die "AlltagsheldIn". Wir am Sterntalerhof legen diesen Begriff allerdings ein bisschen anders aus: Unsere Alltagshelden sind jene Unterstützer, die uns auch in den schwierigen Zeiten seit Corona weiter unterstützt haben. Einige dieser Alltagshelden wollen wir hier vor den Vorhang holen – stellvertretend für all Jene, die auch während der Pandemie an unserer Seite stehen! Ihnen allen gebührt ein herzliches DANKE – im Namen all "unserer" Familien und Kinder.
Unsere nimmermüden Läufer laufen auch ohne Publikum für den Sterntalerhof: Veranstaltungen wie der Lasseer Benefizlauf oder der Vienna Charity Run konnten wegen der Corona-Beschränkungen nur virtuell oder eingeschränkt stattfinden. Dem Aufruf "Laufe zuhause und lade deine Spende hoch" folgten zahlreiche Läufer und setzten sich damit elegant über alle Widrigkeiten hinweg. Sie stehen hier stellvertretend für alle Sportler, die den Sterntalerhof unterstützen – wie auch in diesem Jahr wieder die Teilnehmer des CharityGolfturniers von TechData.
Unsere Pferdeflüsterer wissen, dass unsere Tiere keinen Lockdown kennen – und sind auch in der Pandemie uneingeschränkt für uns da: Dazu gehören unsere Tierärzte und der Hufschmied ebenso wie die Stiftung und das Familienunternehmen, die uns bei den Pflege- und Betreuungskosten unserer Therapiepferde unterstützen.
28
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Unsere großartigen Nachbarn sind nicht nur nah, sondern immer für uns da: Da ist das "EO", das Einkaufszentrum Oberwart mit seiner jährlichen Gutscheinaktion. Da ist das Steakhouse "Bullinarium" in Markt Allhau, das monatelang schließen musste – aber unsere Küchenwerkstatt dennoch mit feinstem Rindfleisch versorgt hat. Da sind die benachbarten Unternehmen Prolactal und Ringana, die uns auch während Corona nicht vergessen haben. Da ist der Brillenhersteller Andy Wolf, der mit dem Juwelen-Label Bruna kooperiert – und eine Weihnachtsaktion für den Sterntalerhof lanciert. Ein dickes DANKE an euch alle – aus der Nachbarschaft!
Unsere treuen Freunde stehen seit Jahren an der Seite des Sterntalerhofs – auch während Corona. Es sind große Unternehmen wie ABB, Chubb, die Donau Versicherung oder Siemens in Graz, die alljährlich zu Weihnachten an "unsere" Kinder und Familien denken. Es sind aber auch Familienunternehmen in ganz Österreich, wie etwa der Heda Reinigungsdienst in Linz oder die Hackschnitzel von Paul Klingenstein. Und wo die Pandemie ein Konzert oder einen Adventbazar verhinderte – fanden Menschen wie Prof. Dungl von der HLW Biedermannsdorf, die Damen der Purbacher Bastelrunde oder Natascha Koller Mittel und Wege, treue Freunde zu bleiben – allen Widerständen zum Trotz!
Unsere Stillen Helfer sind all jene Sterntalerhof-Unterstützer die auch in der Corona-Krise allen negativen Einflüssen und allen materiellen Widrigkeiten zum Trotz ihre Unterstützung aufrecht erhalten haben. Von der finanziellen Zuwendung bis hin zur ehrenamtlichen Hilfe – jeder einzelne Beitrag ist ein Teil des Fundaments unserer Arbeit!
www.sterntalerhof.at
29
Menschen
"Glück ist Zufriedenheit mit mir selbst" – Managerin Alexandra Wieseneder
Fünf
Fragen an Mag. Alexandra Wieseneder, Managerin des Einkaufszentrum Oberwart und Sterntalerhof-Botschafterin
WAS BEWEGT SIE ALS UNTERSTÜTZERIN DES STERNTALERHOFS? Ich habe den Sterntalerhof 2012 mit meinem Team das erste Mal besucht. Wir bekamen im Rahmen einer Führung einen tiefen Einblick in das Angebot an Therapiemöglichkeiten. Wir waren vor allem zu tiefst berührt und begeistert. Mit welchem Engagement und welcher Leidenschaft sich die MitarbeiterInnen am Sterntalerhof um „ihre“ Kinder und deren Familien kümmern – ist bewegend! Doch dieses unglaubliche Kinderhospiz ist auf Spenden angewiesen: Das EO (Einkaufszentrum Oberwart), seine Kunden und all seine MitarbeiterInnen unterstützen daher jedes Jahr zu Weihnachten dieses einzigartige Projekt mit einer großen Charity Aktion.
nicht mit Versagen gleich setzt. Jede Krise sehe ich auch als Chance – ich will mich nicht in mein Schneckenhaus zurückziehen, sondern ich versuche die Verantwortung zu übernehmen, zur Niederlage zu stehen und Kraft für Neues zu schöpfen.
AUS IHRER SICHT ALS MANAGERIN – WAS MACHT EINEN MENSCHEN „ERFOLGREICH“? Das kommt darauf an, wie man „erfolgreich“ definiert – dazu gibt es unterschiedliche Zugänge. Viele denken, man macht das was nötig ist, um dorthin zu kommen, wo man hin will. Für mich gilt, oder ich fühle mich erfolgreich, wenn ich mit meinem Team die Ziele erreiche, die wir uns gemeinsam gesetzt haben. Dabei steht für mich das Gemeinsame im Vordergrund. Ich teile meine Meinung aufrichtig und ehrlich mit anderen, wir diskutieren viel – so können wir die Zukunft gemeinsam gestalten und das macht uns erfolgreich
WENN SIE SICH EINES AUSSUCHEN KÖNNTEN – FÜR WELCHES THEMA WÜRDEN SIE UNSERE GESELLSCHAFT STÄRKER SENSIBILISIEREN? Ich fände es sehr wichtig, dass die Menschen mehr für einander da wären und auch bereit wären, mehr zu teilen. Wer viel hat, sollte bereit sein, davon etwas an Arme, Hungernde abzugeben. Es gibt so viel Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Wie viel gehört Wenigen, wie wenig unglaublich vielen? Hier müsste viel mehr Bewusstsein geschaffen – und die Bereitschaft zum Teilen erhöht werden.
WIE DEFINIEREN SIE GLÜCK? Für mich ist Glück Zufriedenheit mit mir selbst und mit meinen Lebensumständen. Vor allem, wenn ich an die Familien am Sterntalerhof denke, empfinde ich unglaubliches Glück und tiefe Dankbarkeit, dass ich, nach einem schweren Schicksalsschlag, ein gesundes Kind zur Welt bringen durfte. Es gibt Tage, an denen ich meinen mittlerweile 17 jährigen Sohn ansehe, sein Lachen sehe und mir denke: „Das ist Glück!“
WIE GEHEN SIE MIT RÜCKSCHLÄGEN UM? Wichtig ist, welche Konsequenzen man aus Niederlagen zieht. Entscheidend ist auch, dass man Fehlermachen
Jetzt auch Online!
Alle Geschichten aus Der Sterntaler online nachlesen unter www.dersterntaler.at
30
Der Sterntaler | Winter 2021/22
Ja, ich möchte die Arbeit am Sterntalerhof unterstützen
Geld spenden
Unsere Gläubiger-Identifikationsnummer: AT76 ZZZ 00 00 00 29 511
Unsere Arbeit wird vom ersten Tag an durch private Zuwendungen getragen. Jeder Euro hilft!
*Name
*Straße / Hausnummer
*Geburtsdatum
*PLZ / Ort
Zeit spenden Von der ehrenamtlichen Unterstützung in der Lebensbegleitung bis hin zur Mithilfe bei der Pflege von Anlage und Infrastruktur gibt es viele Möglichkeiten zur Hilfeleistung.
*Bank
*IBAN
E-Mail Adresse
Telefon
Ich bin damit einverstanden, dass mein Name in die Liste der Paten auf www.sterntalerhof.at aufgenommen wird *Pflichtfelder, damit Ihre Spende steuerlich absetzbar ist.
Zeit spenden Statt Geschenke Gutes tun – bei Geburtstagen, Jubiläen, Hochzeiten oder anderen Anlässen.
Ich ermächtige, Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.
€ 15,- pro Monat
€ 30,- pro Monat
bedeuten z.B. für ein schwerkrankes Kind einen Tag Lebensfreude am Sterntalerhof
bedeuten z.B. für ein Kind mit besonderen Bedürfnissen eine Geschwisterwoche am Sterntalerhof
Ich gebe gerne €
pro
Jeder Euro bedeutet: Unsere Arbeit geht weiter!
Monat der erstmaligen Abbuchung Der Einziehungsauftrag kann jederzeit widerrufen werden
Eindeutige Mandatsreferenz – wird vom Sterntalerhof ausgefüllt
Kranzspenden geben Hoffnung. Anstelle von Blumen und Kränzen werden Trauergäste beim Begräbnis um eine Spende gebeten.
Ort, Datum
Unterschrift
Bitte senden Sie das ausgefüllte Formular an den Sterntalerhof: Per Post: Dorfstraße 35, 7410 Loipersdorf-Kitzladen Per E-Mail: pate@sterntalerhof.at
Einmalige Spende Kein Betrag ist zu klein, um nicht eine wertvolle Unterstützung für unsere Arbeit zu sein. Wir bedanken uns im Namen all "unserer" Kinder und Familien!
NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesmbh. FN 90810w
Kinderhospiz & Familienherberge
Bitte vollständig ausfüllen - auch im Falle von Online Banking, damit Ihre Spende eindeutig zugeordnet und steuerlich berücksichtigt werden kann. HERZLICHEN DANK!
sterntalerhof.at/sternenhaus
Martin, der Autos liebt. Martin, der hier sterben wird. Für Martin, der Autos liebt, sind unsere Therapiepferde Kraft und Freiheit. Für Martin, der sterben wird, bauen wir jetzt das neue Sternenhaus. Mehr zu Martins Geschichten und zum neuen Sternenhaus am Sterntalerhof: sterntalerhof.at/sternenhaus