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Der Sterntaler - Winter 2017/18

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Heft 8 | Winter 2017/18

Das Magazin vom Sterntalerhof

Nerven-Stärke Wie ein Pferd zum Therapiepferd wird Grenz-Gänger Seelsorge: Im Niemandsland zwischen Leben und Tod Erfolgs-Geschichte Verein Vamos: Integration als Wirtschaftsmodell

Geschwister-

kinder

Wie Timo lernt,

wieder Kind zu sein.

SCHENKEN

HILFT.

Weihnach ten naht: Neue Gesc henkboxe n!  Seiten 1 0u

nd 11


Vorwort

„

Mut & Demut –

Dankbarkeit für Kraft, für das Leben

Mag. Harald Jankovits Geschäftsführender Vorstand

Mich Tag für Tag um das Funktionieren unseres Netz-

Schwiegerkinder und zwei ganz liebe gesunde Enkelkinder

werks am Sterntalerhof zu kümmern, ist eine permanente

habe. Wenn meine Spendenbeträge auch nicht groß sind,

Herausforderung, die zu meistern manchmal besser,

aber in Gedanken, mit dem Herzen, bin ich oft bei Ihnen. Ich

manchmal weniger gut gelingt. Woche für Woche geben

wünsche den Mitarbeitern des Sterntalerhofes viel Kraft, Mut,

wir unser Bestes, um die Arbeit mit den uns anvertrauten

Herzenswärme für Ihre so wichtige Arbeit.

Familien möglichst gut zu leisten. Auch wenn wir dabei immer wieder an unsere eigenen Grenzen stoßen, ist dies

Es sind Momente wie diese, welche mir den Mut

nichts im Vergleich zu dem, was “unsere” Familien aushal-

geben, unser Konzept am Sterntalerhof konsequent

ten müssen.

weiter zu entwickeln, und gleichzeitig die Demut lehren,

Und wie aus heiterem Himmel tut sich dann immer

dankbar zu sein; dankbar all jenen Menschen, die uns

wieder ein Kraftquelle auf, welche uns in unserem Tun

seit vielen Jahren unterstützen. Mag der materielle Wert

gleichermaßen bestätigt und bekräftigt. So geschehen

dieser Hilfen auch scheinbar gering sein, so ist deren

vor wenigen Tagen, als ich diesen unscheinbar wirken-

kraftspendende Wirkung unbezahlbar wertvoll.

den Brief öffnete, dessen Inhalt ich Ihnen im Kern weiterreichen möchte: Sehr geehrter Herr Mag. Harald Jankovits! Wenn es für den Sterntalerhof notwendig ist, daß meine Spenden steuerlich absetzbar bleiben, so übermittle ich Ihnen meine Daten. Ich selber beziehe nur eine Mindestpension und kann von den Steuern keine Spenden absetzen, da ich keine Steuern bezahle. Ich kann nur kleine Beträge spenden. Nun zu mir: Ich habe selber in meinem Leben sehr viel durchgemacht ... Mein Leben hat sich oft um 90 % verändert. Dennoch bin ich dankbar, dass ich gesunde Kinder,

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Der Sterntaler | Winter 2017/18

IN DIESEM SINNE SAGE ICH HERZLICHEN DANK ALL UNSEREN STERNTALERN UND IHNEN, LIEBE LESERIN, WERTER LESER, WÜNSCHE ICH BESINNLICHE MOMENTE BEIM BLÄTTERN IN UNSEREM MAGAZIN!


Inhalt Streifzüge

Aktuell 4

Von Pferdestärken, guter Lektüre und einem neuen Zuhause

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Kinder 6

Doppelverlierer Geschwisterkind: Wie Timo lernt, wieder Kind zu sein

Wie man mit einem Packerl gleich zweimal Freude schenkt

in Markt Allhau

Seele 16

Seelsorge: Im Niemandsland zwischen Leben und Tod

Menschen

Schenken hilft 10

Zu Besuch beim Verein vamos

18

Fünf Fragen an Ralf Schweighöfer, CEO von DHL in Österreich

Tiere 12

Wie ein Pferd zum Therapiepferd wird

IMPRESSUM

SPENDENKONTO

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:

Ärztebank –

Sterntalerhof – Verein für ganzheitliche Lebensbegleitung

Bank für Ärzte und Freie Berufe AG

Dorfstraße 35, 7410 Loipersdorf-Kitzladen, Österreich

IBAN: AT11 1813 0802 5454 0001

E-Mail: begegnung@dersterntaler.at Telefon: +43 664 214 03 98 Konzept & Realisation: Tonality Communications GmbH, 2070 Retz, www.tonality.at Redaktion: Harald Jankovits (Chefredaktion), Sandra Frank, Nicolas Thal

BIC: BWFBATW1 SMS-Spende: +43 664 660 1001

Design: Nicolas Thal, Stephan Zwiauer, Dolores Wally Cover Artwork: Tom van Rheenen Fotos: Sterntalerhof, Pawel Rybczynski, Benjamin Thal, Werner Zangl, iStockphoto LP Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, auf Papier von Norske Skog Bruck GmbH Zur besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet. Entsprechende Bezeichnungen gelten ausdrücklich für beide Geschlechter.

SO1157

www.sterntalerhof.at

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Aktuell

Kraftvolle Neuzugänge: Auto aus dem Hause Frey – und Hannibal (auch Hänsel), unser jüngstes Therapiepferd!

Mehr PS am Sterntalerhof! Vier Beine, vier Räder – wir freuen uns über PS-starke Neuzugänge am Sterntalerhof! Da wäre zunächst Hannibal, ein 11jähriger Oldenburger mit Vorliebe für knackige Karotten, der aus Vorarlberg den Weg zu uns ins Südburgenland angetreten hat. Mit seinen 1,75 Metern Stockmaß ist er eine imposante Erscheinung – sein Charakter jedoch zeigt sich gutherzig, liebenswürdig und sehr interessiert am Menschen. Ein großer schwarzer Riese mit sanftem Wesen,

WEITERBILDUNG AM STERNTALERHOF

Neue Workshops für LehrerInnen! Mit gänzlich neu konzipierten, eintägigen Workshops für Lehrerinnen und Lehrer erweitern wir dieser Tage das Weiterbildungs-Angebot am Sterntalerhof. Sie fokussieren auf den komplexen Bereich der Trauerbegleitung und sind dabei maßgeschneidert auf die spezifischen Bedürfnisse von Pädagogen. Neue Termine planen wir überdies für unseren erfolgreichen Kurs Ganzheitliche Kinderhospiz-Arbeit, der sich an alle Berufsgruppen wendet, die mit schwerkranken Kindern und ihren Familien in Berührung kommen können – über eine interaktive Webplattform eignen sich die TeilnehmerInnen theoretisches Wissen an, danach vertiefen Praxistage am Sterntalerhof das erworbene Wissen im Austausch mit unseren ExpertInnen. Unseren Kurs Ehrenamtliche/r Kinderhospiz-BegleiterIn erweitern wir aktuell dahingehend, als dieser künftig auch Quereinsteigern (ohne Hospizkurs) einen Einstieg in unsere Tätigkeitsfelder ermöglicht! Weitere Informationen finden Sie unter www.sterntalerhof.at/weiterbildung

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Der Sterntaler | Winter 2017/18

der seine Ausbildung zum Therapiepferd sehr zu genießen scheint. Nur die Esel sind ihm noch nicht ganz geheuer – aber daran arbeiten wir! Gänzlich unbeeindruckt von Eseln (oder allen erdenklichen anderen Hindernissen) zeigt sich der jüngste Spross unserer vierrädrigen Flotte: Ein Lexus NX300 mit Hybrid-Technologie, den wir von Automobile Frey in Empfang nehmen durften! Seit Jahren sichern Anja Frey und ihr Team unsere Mobilität abseits des Sterntalerhofs und unterstützen dabei unsere mobile Versorgung und den Ausbau unseres Partner-Netzwerks in ganz Österreich. Ab sofort begleiten uns drei starke Fahrzeuge mit hohem Komfort und großer Zuverlässigkeit! Dafür bedanken wir uns sehr herzlich – im Namen all „unserer“ Kinder und Familien!

Spenden hilft! Am Sterntalerhof wird keine Familie aus finanziellen Gründen abgewiesen. Das ist nur möglich, wenn Sie uns helfen zu helfen. Ihre Spende kommt an – garantiert!

Spendenkonto Ärztebank – Bank für Ärzte und Freie Berufe AG IBAN: AT11 1813 0802 5454 0001 BIC: BWFBATW1 SMS-Spende: +43 664 660 1001 oder ganz bequem online unter www.sterntalerhof.at


VIELE NEUE PACKERLN BEI

Schenken hilft! Zwei neue Boxen rund ums Auspowern und Ausdauern und sechs neue Spiele-Dauerbrenner: das SchenkenHilft-Sortiment ist auch in diesem Jahr wieder gewachsen! Ein kleiner Auszug wartet auf Seite 10, das ganze Programm gibt‘s als Broschüre zum Bestellen (siehe Karte im Umschlag) oder bequem in unserem Online-Shop unter: www.sterntalerhof.at/schenken

rezept-Tipp AUS UNSERER KÜCHENWERKSTATT

mürbe Sterntaler ZUTATEN

ZUBEREITUNG

560 g Mehl 560 g Butter 2 Dotter 4 EL Sauerrahm 4 EL Weißwein 1 Prise Salz 1/2 Pkg. Backpulver

Alle Zutaten zu einem mürben Teig verkneten, eine halbe Stunde rasten lassen, das Backrohr vorheizen; danach den Teig in vier Teile teilen, ca. 0,8 mm auswalken und verschiedene Sterne ausstechen, bei 180 ° Grad Heißluft die Sterne ca. 10-12 Minuten goldbraun backen, zum Abschluss werden die Sterne noch heiß in StaubzuckerVanillezucker-Gemisch gewälzt.

Im Sterntalerland nennen wir unseren Erzählband, den wir in diesem Jahr erstmals herausgegeben haben – und dessen Cover auch die Titelseite der Ausgabe des Sterntalers ziert, die Sie in Händen halten. Das Büchlein sammelt Geschichten und Gespräche aus den bisherigen Ausgaben unseres Magazins. Es portraitiert die Familien, ihre Schicksale und ihre schwierigen Wege zurück in den Alltag – ebenso wie die Menschen, die sie dabei begleiten. Dass unser erstes eigenes Büchlein möglich werden konnte – dafür gebührt ein dickes Dankeschön an das Niederösterreichische Pressehaus, das uns seit Jahren immer dann unterstützt, wenn wir besonders viel Papier bedrucken möchten. In diesem Fall mit Mutmacher-Geschichten, die wir Ihnen ganz fest ans Herz legen möchten – ganz besonders jetzt, zur Weihnachtszeit. Erhältlich für sinnvolle 9,90 Euro, unter www.sterntalerhof.at/schenken

STERNTALERHOF AUF STANDORT-SUCHE

zweites Zuhause in Tirol? Immer deutlicher spüren wir den Bedarf, die Ost-West-Achse unserer Arbeit in Österreich nachhaltig zu stärken. Um die stationäre Betreuung in Kitzladen und unsere österreichweite mobile Versorgung sinnvoll zu ergänzen, sind wir daher aktuell auf der Suche nach einem Standort für einen möglichen zweiten, kleineren Sterntalerhof – im schönen Tirol! Ob uns das gelingt? Wir sind zuversichtlich, wie immer. Und: Wir halten Sie auf dem Laufenden!

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Kinder

Der Herr

der blauen Dose Wenn man Kind sein erst wieder lernen muss – Einblicke in eine Geschwisterwoche am Sterntalerhof 6

Der Sterntaler | Winter 2017/18


Doch, da ist jemand. Da sind Schritte. Jemand raschelt

Nacht. Und Mama ist allein, über Papa sagt Timo nur,

mit Papier. Timo kauert am Boden und schielt vorsichtig

dass er ihn schon lange nicht mehr gesehen hat. Timo

um die Ecke auf den Gang. Vorne, am Ende des Gangs

sitzt fast immer allein am Frühstückstisch, weil Mama

ist eine Balkontüre, diffus scheint die Nachmittagssonne

Selina für den Fahrtendienst herrichtet, bevor sie selbst

durch die Jalousien und taucht den Gang in sommer-

zur Arbeit muss. Dann hilft ihr Timo, den Geschirrspüler

liches Licht. Ein langer Gang mit links und rechts zwei

einzuräumen, oder unterstützt sie dabei, Selina anzu-

Türen, Timos Augen haben sie fest im Blick – die Büros der

ziehen, bevor er sich selbst für die Schule fertig macht.

Therapeutinnen. Eine Tür steht offen. Von dort, Timo weiß

Immer wieder muss Selina zu Ärzten und ins Kranken-

es ganz genau, kommen die Geräusche. Da ist jemand

haus, oft unvermittelt, ohne dass man es vorher wissen

drin. Sein Herz klopft. Seine kleine Hand umklammert

konnte. Dann wird alles gestrichen was geplant war, ein

seine Waffe, eine runde, blaue Dose mit weißer Creme.

Besuch im Bad oder Fußball – auch wenn es fest verspro-

Jetzt wieder Schritte, die Tür bewegt sich, eine Frau tritt

chen war. Timo spürt, dass es seiner Mama dann immer

heraus. Es ist Nicola. Vor der Tür bleibt sie stehen, hält

sehr leid tut, dass sie aber nicht anders kann. Und Timo

inne, liest in den Papieren, die sie in der Hand hält. Timo

tut seine Mama leid, weil sie immer so müde ist und

klopft das Herz bis zum Hals. Wohin wird sie gehen? Was,

ihm tut Selina leid, weil sie nie wieder gesund werden

wenn sie ihn entdeckt? Nicola zögert, geht einen Schritt,

wird. Drum sagt er nichts, sondern gibt sein Bestes, zu

bleibt erneut stehen, geht dann in die andere Richtung

helfen. Und das kann er, er kann helfen. Er weiß genau,

des Gangs davon und verschwindet durch die Balkontür

was Selina braucht. Er weiß, wann sie hungrig ist, wann

hinaus ins Freie. Mit einem scheppernden Klacken fällt

sie ihr Hörgerät verliert, wie sie im Rollstuhl am Tisch

die Tür zurück ins Schloss, einen Moment noch zittern die

sitzen möchte. Er macht sie ganz automatisch, die vielen

Jalousien, dann herrscht wieder Stille am Gang. Jetzt oder

täglichen Routinen, die Selinas Leben bestimmen – und

nie. Timo nimmt all seinen Mut zusammen, löst sich aus

Mamas Leben und Timos Leben. Raum für Schabernack,

seinem Versteck und spurtet den Gang entlang zur ersten

lächelt Michi leise, bleibt da kaum – von Ausflügen oder

Bürotür. Hastig öffnet er die kleine, blaue Dose, legt den

Urlauben ganz zu schweigen. Die Folge: Ein über die Ma-

Deckel auf den Boden, taucht den Finger in die weiße

ßen entwickeltes Verantwortungsbewusstsein, eine fast

Paste und schmiert die Türklinke dick und fett mit Creme

erwachsen anmutende Ernsthaftigkeit, der das natürliche

ein. Schnell zur nächsten Tür, sie liegt schräg gegenüber,

Autonomiestreben eines Achtjährigen immer wieder in

fett Creme auf die Klinke. Und die dritte, aus dieser Tür

die Quere kommt. „Erkrankt ein Kind, erkrankt die ganze

kam Nicola. Und jetzt noch die vierte, schnell sein, fett

Familie“, ergänzt Psychologin Nicola Wieland, „und Ge-

eincremen – geschafft. Wo ist der Deckel der Dose? Egal,

schwisterkinder verlieren dabei im doppelten Sinn: ihr

jetzt raus hier! Timo sprintet durch den Gang, an seinem

krankes Geschwisterchen – und ihre Eltern.“

Versteck vorbei und durch die Tür ins Freie, den Weg entlang zu den Büschen, wo die Anderen warten. Außer Atem kommt er an, hält die kleine Dose wie einen Pokal

NEUE WEGE GEHEN Drum: Eingecremte Türklinken, jetzt und hier am

in die Höhe, die Kinder jubeln, Michi lacht – die Bürotüren

Sterntalerhof – in der Geschwisterwoche. Es ist eine Wo-

im Hauptgebäude des Sterntalerhofs sind eingecremt, der

che, die nur den Geschwistern schwer kranker Kindern

Streich ist gelungen, das wird ein Spaß!

gehört. Und es ist eine Woche, in der Timo neue, unbe-

Schabernack nennt Michi das. Sie ist Therapeutin am

kannte und vielleicht sogar ein bisschen verbotene Wege

Sterntalerhof und sie weiß – Schabernack ist wichtig für

gehen soll. Timo ist nicht zum ersten Mal am Sterntaler-

Timo. Er ist acht Jahre alt und in seinem Leben ist wenig

hof, aber zum ersten Mal ohne Mama und Selina – zum

Platz für Schabernack – weil seine Schwester Selina sehr

ersten Mal mit neun anderen Kindern, die dasselbe

krank ist. Selina ist krank, solange Timo denken kann. Sie

Schicksal teilen wie er. Der erste Tag, für Timo steht er

kann nicht gehen, nicht sprechen, nicht essen wie er. Sie

im Zeichen des Abschieds, denn obwohl er sich riesig

braucht rund um die Uhr Pflege und Hilfe, selbst in der

gefreut hat, auf den Hof, auf Michi und Nicola, auf die

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Kinder

Fröhlich sein, zu sich selbst finden, lachen dürfen, Kind sein: Wenn Leichtigkeit schwer fällt, wirken unterschiedliche Therapieformen, die am Sterntalerhof kindgerecht ineinander greifen.

Tiere – fällt es ihm schwer, seine Mama gehen zu lassen.

Die Nachmittage erleben alle Kinder gemeinsam.

Ein erstes Einzelgespräch, ein gemeinsames Mittages-

Der Sommer macht das Programm – Baden in der nahe

sen, ein spielerisches Kennenlernen der Kinder prägen

gelegenen Lafnitz, ein Ausflug zu den Luchsen im Wald,

den Tag, bevor sich der Abend über den Sterntalerhof

ein Picknick oder einfach nur ausgelassene Duschen mit

legt und die gemeinsame Woche so richtig beginnen

dem Gartenschlauch – ein entspannter Rahmen für Ge-

kann. An den Vormittagen sind die Kinder dann in zwei

meinsamkeit in einer Schicksals-Gemeinschaft. Kraft tan-

Gruppen eingeteilt: Abwechselnd studieren sie mit

ken, zu sich selbst finden. Vielleicht einmal Schabernack

Kunsttherapeutin Susanne ein Theaterstück ein, das

treiben und Türklinken eincremen. Kind sein. Nein, ich bin

sie der jeweils anderen Gruppe am letzten Tag darbie-

nicht allein. Alle Kinder hier haben Mamas, die müde sind

ten – die jeweils andere Gruppe verbringt Zeit mit den

und Geschwister, die nie wieder gesund werden. Manche

Pferden. Und auf die Pferde hat sich Timo am meisten

sind älter als Timo, manche jünger – aber sie wissen wie

gefreut. Auf Gioella, die sanftmütige Stute – auf der er

es ist, wenn geplante Dinge einfach abgesagt werden und

am liebsten sofort ausreiten würde, raus in die Natur, in

man niemandem deswegen böse sein kann. Sie wissen

den Wald, so wie sie es letzten Sommer getan hatten, mit

wie es sich anfühlt, Selina sehr lieb zu haben und traurig

Michi und Mama. Doch daraus wird heute nichts, denn

zu sein, dass sie krank ist – und sie dennoch manchmal

nicht alle der fünf Kinder teilen seine Leidenschaft auf

zum Mond zu wünschen. Sie wissen um das schlechte Ge-

Anhieb – Daniel möchte die Pferde lieber nur striegeln.

wissen das man bekommt, wenn man sich dabei ertappt,

Also Pferde-Wellness, wie Michi es nennt: striegeln,

Selina gerade zum Mond gewünscht zu haben. Weil Selina

kuscheln, pflegen – die großen Tiere vom Boden aus er-

ja nichts dafür kann. Und sie wissen um die innere Angst,

fahren. Sofort lenkt Timo ein – lässt die quirligen Ponies

dieses böse Bauchweh, das man hat, wenn Selina mitten

stehen und wählt Herrn Hubert, ein älteres Pferd, das

in der Nacht einen Krampf bekommt und Mama zuerst

seinen Dienst als Therapiepferd quittiert hat. „Er hat so

ganz aufgelöst durch die Wohnung läuft, ins Bad, wieder

viele Kinder getragen“, sagt Timo, „es ist Zeit, dass wir ihm

zurück zu Selina, wieder ins Bad und zurück zu Selina und

etwas Gutes tun.“ Geschwisterkinder, denkt Michi einmal

dann, wenn alles vorbei ist, alleine in der Küche steht und

mehr – und verschiebt den Ausritt mit Gioella auf die

weint. Und nicht nur die anderen Kinder wissen das hier

zwei Einzelstunden mit den Pferden, die jedem Kind in

am Sterntalerhof, sondern Michi weiß es auch, irgendwie,

dieser Woche zustehen.

und Susanne auch und Nicola auch. Und man kann es

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Der Sterntaler | Winter 2017/18


Snoezelen

am Sterntalerhof: EIN NEUER RAUM DES WOHLFÜHLENS Entspannen, innerlich loslassen, abschalten – und einfach wohlfühlen: Das steckt hinter „snoezelen“. Das seltsam anmutende Wort baut sich aus den niederländischen Worten „snuffelen“ (etwa: kuscheln) und „doezelen“ (dösen) – denn von den Niederlanden aus startete Snoezelen schon in den 80ern eine weltweite Erfolgsgeschichte als ergänzende Therapieform.

ENTSPANNUNG FÜR ALLE

ihnen sagen, auch wenn man dafür vielleicht etwas Zeit braucht. „Das Leben ist wie Malen ohne Radiergummi“ sagt Timo zu Nicola am dritten Tag.

DIE SONNE BLEIBT Am Nachmittag des vierten Tages macht Nicola mit den Kindern das, was sie ein Ritual nennt. Aus einem großen Bogen gelbem Papier schneidet sie einen großen Sonnenkreis aus, danach gestaltet jedes Kind zwei Strahlen der gemeinsamen Sonne – für jene Menschen, die einem wichtig sind, die man besonders liebt oder die man verloren hat. Timo wählt seine Mama und Selina, malt kleine Herzen auf seine beiden Strahlen und klebt sie sorgsam an den Sonnenkreis, bevor alle Kinder ihren Handabdruck auf der Sonne hinterlassen. „Kinder brau-

Jetzt lässt sich auch am Sterntalerhof gut snoezelen – in unserem eigenen Snoezelen-Raum. Wer ihn betritt, taucht in eine Wohlfühltwelt ein, die schon allein durch das besondere Licht des Snoezelen-Projektors erzeugt wird. Dann genießen unsere Kinder die Wärme des Wasserbetts, lauschen den Klängen von Entspannungsmusik und dem Plätschern der Blasensäule, die sich im bruchsicheren Spiegel verdreifacht. Ein Erlebnis, auch für Kinder mit stärkeren körperlichen Beeinträchtigungen, die selektierte Reize brauchen, um die Welt besser begreifen zu können. Ein Erlebnis, das mit Unterstützung der Stiftung Kinder- und Altenhilfe aus Deutschland in diesem Jahr fertiggestellt wurde. Ein großes Dankeschön dafür – im Namen all unserer snoezelnden Kinder und ihren Familien!

chen Bilder, damit ihr Verständnis von der Welt klarer wird“, sagt Nicola, „auch wenn sich Wolken über die Sonne schieben – die Sonne ist da und sie bleibt da, sie geht auf und sie geht unter, so wie sich das Lachen und die Tränen ablösen.“ Aus dem Sonnenkreis wird ein Mobile, das am Sterntalerhof verbleibt. Nicola verwahrt es in ihrem Büro – und wird es aufhängen, wenn Timo wieder an den Sterntalerhof kommt. „Es ist wichtig, Spuren zu hinterlassen, zu denen man zurückkehren kann.“ sagt sie lächelnd. Dann bückt sie sich und hebt einen kleinen, blauen Dosendeckel vom Boden auf – der da irgendwie vor ihre Bürotür gekommen ist.

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Schenken Hilft

Diese und mehr Box en unter www.sterntale rhof.at/schen ken

Schöne

Bescherung Wie man mit einem Packerl gleich zweimal Freude schenkt. Knuspriges Bio-Müsli aus Tirol, Christstollen aus Bad Tatzmannsdorf oder Bio-Kräutersirup aus Schiltern: dank neuer Partner konnten wir unser SCHENKEN HILFT-Programm um einige neue Produkte erweitern. Von den köstlichen Schoko-Sterntalern bis hin zur festlichen Weihnachtsbox – eins haben alle Packerln gemeinsam: sie bereiten Freude! Den beschenkten Freunden, der Familie, dem Geschäftspartner. Aber auch den Kindern, den Familien, den Tieren am Sterntalerhof. Weil alle Partner und Ausstatter dieser Geschenke uns dabei großzügig unterstützen! Eine kleine Auswahl haben wir hier zusammengestellt, das komplette Angebot finden Sie in unserer Broschüre, die wir Ihnen gerne kostenlos zusenden (siehe Karte im Umschlag) – oder bequem online unter sterntalerhof.at/schenken.

STERNTALER Die köstlichen Schoko-Sterntaler aus der Confiserie Heindl in Wien, festlich verpackt in unserer Sterntaler-Geschenkbox. Schon ab sinnvollen 4,40 Euro (3 Stk.)

FROHE WEIHNACHTEN (MEDIUM) Unser Festpaket in mittlerer Größe – mit dem Erzählband „Im Sterntalerland“ (vgl. Seite 5), einem burgenländischen Christstollen vom Meisterkonditor Kaplan in Bad Tatzmannsdorf, einem Sterntaler-Lebkuchenstern, einem handgefertigten Weihnachtsstern aus Holz und einer Weihnachtskarte. Medium-Packerl für sinnvolle 42 Euro (zwei weitere Größen erhältlich)

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SCHENKEN UND HELFEN? JETZT BEQUEM BESTELLEN UNTER: www.sterntalerhof.at/schenken

LANDAUF, LANDAB Unsere g‘schmackige Genuss-Ration mit Vulcano Auersbacher Walnuss-Salami, Nuss-Schmalz von Hausensteiner, einem Glas Lustenauer Senf und einer Flasche Raben-Bräu Bier. Dazu gibt‘s Nuss-Zwieback, zwei Stück Bio-Honigwaffeln von Verival und eine Tafel handgeschöpfter Zotter-Schokolade. Inkl. stilechtem Holzbrettl und original Trattenbacher Taschenfeitel. Für sinnvolle 42 Euro.

DANKE SAGEN Ein Dankeschön für Genießer: eine Flasche Blaufränkisch Eisenberg DAC vom Weingut Kopfensteiner aus Deutsch Schützen, hausgemachte Spaghetti vom Landhof Werkovits, herrliches Paradeiserchutney von Stekovics, drei Schoko-Sterntaler und eine Tafel handgeschöpfter Zotter-Schokolade! Für sinnvolle 36 Euro.

MORGENSTUND HAT GOLD IM MUND Drei ausgewählte Müsli- Köstlichkeiten aus der Tiroler Biomanufaktur Verival: Nuss Urkorn Müsli (500g), Moosbeer Apfel Crunchy (325g) und einen Energiekick mit Cranberries, Haselnüssen und Kokoschips (200g). Der Tag beginnt besser – für sinnvolle 22 Euro.

BELEBENDE KRÄUTER

KOSTENLOSER VERSAND! Alle Preise der SterntalerGeschenkboxen verstehen sich inklusive Geschenkkarton und Versand innerhalb Österreichs und nach Deutschland. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich bei unseren Partnern DPD und WinePlus!

Aus unserer Reihe „Selektionen“: zwei herrliche Sirupe (Wiesenkräuter und Lavendel, jeweils 0,5l) aus dem Hause GreenSheep in Schiltern. Für sinnvolle 30 Euro.

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Tiere

Unsere Therapeutinnen mit ihren vierbeinigen Co-Therapeuten: Benji, Nicky, Fio, Hannibal, Herr Hubert, Estrella, Summer, Gioiella, Karli und Maximilian (Pferde, von links nach rechts)

in der ruhe liegt die kraft Behutsame Auswahl, lange Ausbildung: Wie ein Pferd zum Therapiepferd wird. Ausreiten – über Wiesen und Felder, durch den Wald:

hämmern, eine Wäscheleine mit Kleidungsstücken – echte

Freiheit. Das Pferd trägt uns, gefühlt bis ans Ende der Welt.

Herausforderungen, nicht nur für die kleinen Helden,

Das sanfte Schaukeln auf seinem starken Rücken verleiht

sondern auch für die großen Vierbeiner, auf deren Rücken

uns innere Ruhe, nirgends erleben wir seine tierische Kraft

die Kinder den Parcours meistern und die als vierbeinige

so eindrücklich wie in freier Natur. Und nicht nur, wenn

Partner fest in das Programm des therapeutischen Reitens

vier Pferdebeine zwei Kinderbeine ersetzen, die nicht

miteingebunden sind.

mehr gehen können – zählt ein Pferde-Ausflug in die

Wie kaum ein anderes Tier eignet sich das Pferd für

malerische Umgebung des Sterntalerhofs zu den abso-

den Einsatz in tiergestützten Therapieformen – schon

luten Highlights, die sich hier erleben lassen. Aber auch

aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen und seiner

am Hof selbst, auf einer Wiese oder gar in der Reithalle

artspezifischen Verhaltensweisen: Es trägt den Menschen

sind unsere Pferde wertvolle Partner im therapeutischen

bereitwillig auf seinem Rücken, bewegt ihn, schaukelt ihn

Reiten – Gefährten und Spielkumpanen zugleich.

in seine Mitte und bringt ihn in Bewegung, es bietet Kon-

„Wir kreieren Fantasiewelten“ lächelt Therapeutin

takt und eine hohe Bereitschaft zur Kooperation an. Und

Michi. „Einen Nachmittag lang sind wir Cowboys im

– es ist groß und mächtig und strahlt eine beruhigende

Wilden Westen – oder Prinzessinnen in einem fabelhaf-

Kombination aus Kraft, Ruhe und Zuverlässigkeit aus, die

ten Königreich.“ Sie hat einen Parcours mit mehreren

nicht nur Kinder fasziniert. Doch der Schein kann trügen

Stationen aufgebaut: Leere-Dosen-Umwerfen, Hufeisen

– Pferde sind Fluchttiere und nicht jedes Pferd bringt die

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Der Sterntaler | Winter 2017/18


charakterlichen Voraussetzungen mit, um mit Prinzessinnen-Bändern dekoriert das Geklimper von leeren Aludosen zu ertragen und dabei stoisch und verlässlich auf teils unberechenbare kindliche Verhaltensweisen zu reagieren. Schon bei der Auswahl eines künftigen Therapiepferds muss das Team vom Sterntalerhof daher auf eine Reihe von charakterlichen Indikatoren achten: Wie steht es um seine Nervenstärke, reagiert es gelassen und bleibt es auch ohne Hilfengebung ruhig stehen? Ist es neugierig, aufmerksam und am Menschen interessiert? Wie reagiert es auf Hilfe und Korrektur und – auf Materialien, auf Gegenstände und auf Situationen, die es nicht kennt? Charakterliche Grundlagen, die genauso unabdinglich sind, wie ein kräftiger Körperbau und eine gesunde Bemuskelung. Grundlagen, für eine lange und individuelle

Fantasiewelt Wilder Westen: Spielerisch tasten die Therapeuten Seelenwelten ab. Co-Therapeut Benji ist fest eingebunden.

Ausbildung zum Therapiepferd. den mit dem Pferd – um es auszubilden und das Vertrau-

TRAINING FÜR KÖRPER UND SEELE Jeder Neuzugang in der Pferdestaffel des Sterntaler-

en, die Verbindung zwischen Mensch und Tier nachhaltig zu stärken. Unterschiedliche Therapeutinnen konzentrie-

hofs, muss sich erst an die neue Umgebung gewöhnen –

ren sich dabei auf unterschiedliche Ausildungsbereiche:

an die Stallanlage mit ihren bestehenden Strukturen und

Das „Voltigieren“ umfasst eine Longierausbildung in allen

Zeitabläufen und an die bestehende Herde. Bis zu drei

3 Gangarten und Voltigierübungen im Sitzen, Knien und

Monate dauert diese Eingewöhnungsphase, dann nimmt

Stehen. Die Dressurausbildung fokussiert auf den Aufbau

das Team seine Ausbildungsarbeit auf. „Wir haben die Er-

und Erhalt der Muskulatur und trainiert die Kondition

fahrung gemacht, dass der Vertrauensaufbau durch feste

der starken Vierbeiner. Während der „Materialerfahrung“

Bezugspersonen im Training erleichtert wird,“ sagt Michi,

wird das Pferd langsam an neue Materialien gewöhnt,

„auch wenn Pferde ja eigentlich personen-unabhängiger

die später in den Fantasiewelten des therapeutischen

reagieren als etwa Hunde.“ So verbringt jede Therapeutin

Reitens zum Einsatz kommen, wie etwa Tücher, Bälle,

am Sterntalerhof eine gewisse Anzahl an Trainingsstun-

Wäscheklammern oder gar Regenschirme. Und die „Bodenarbeit“ dient mitunter dem Erlernen der Körpersprache und der nonverbalen Kommunikation zwischen Therapeut und Pferd: Bestimmte Bewegungen oder gar Atemtechniken der Therapeutin, die beim Pferd eine spezifische Reaktion hervorrufen. Erst wenn ein Pferd all diese Ausbildungsbereiche durchlaufen hat, erst wenn es auch in Ausnahmesituationen sicher und verlässlich reagiert – kann es als Therapiepferd am Sterntalerhof eingesetzt werden. Dann jedoch – ist es mehr als ein Assistent. Für die Kinder ist es gefühlter Mittelpunkt von Michis Fantasiewelt, Kumpel, Freund und Helfer beim Meistern kleiner und großer Herausforderungen. Für Michi selbst ist es ein Co-Therapeut, ein Begleiter

Spiel am Pferd: Therapeutin Michaela Scherzer bei der Ausbildung von Therapiepferd Hannibal – das Tier bleibt ruhig.

bei der Förderung von Konzentration und Motorik und – ein Partner beim sorgsamen Abtasten von Seelenwelten.

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Streifzüge

Vamose Sache

Integration als Wirtschaftsmodell – eine Erfolgsgeschichte: Zu Besuch beim Verein vamos in Markt Allhau

Vielfalt. Miteinander. Leben. Das ist das Leitbild von

leaderInnen, kümmern sich um eine gute Ausblidung

vamos in Markt Allhau. Die Mission: Menschen mit beson-

der Mitarbeiter und stellen sicher, dass Produkte und

deren Bedürfnissen in alle Lebensbereiche integrieren. In

Dienstleistungen einem hohen Niveau entsprechen. Mit

kollegialem Miteinander – respektvoll und nachhaltig. Nach

Erfolg – wie das seit Jahrzehnten konstante Wachstum des

dem Motto „Wer zusammenarbeitet, bringt was zusam-

Vereins eindrucksvoll belegt: Aus den Bemühungen um die

men“, unterhält vamos eigene Betriebe an sieben Standor-

erste Integrationsklasse in Österreich Mitte der Achtziger

ten – mit Angeboten in den unterschiedlichsten Bereichen:

Jahre in Oberwart entstand ein Verein, der in den 90er- und

von einer Küche (mit Konditorei!) über Landschaftspflege,

00er-Jahren stark expandierte, seit 2005 den Namen vamos

Facility Management und Bürodienstleistungen bis zu

trägt und heute mehr als 60 Mitarbeiter beschäftigt.

einer Tischlerei deckt Vamos regionale Bedürfnisse ab und

Mit einem dieser Mitarbeiter haben wir ein Gespräch

schafft gleichzeitig Arbeit für Menschen, die hier bei ihrem

geführt: Fabio Istvanits ist 26 Jahre alt, seit sechs Jahren bei

(Wieder-)Einstieg ins Berufsleben begleitet werden.

vamos und arbeitet 40 Stunden pro Woche in der Tischlerei.

Dabei sind die vamos-Betriebe betriebswirtschaftlich

Aus seiner Feder stammen die starken Farben der Spiele,

organisierte Unternehmungen, wie sie auch am freien

die seit Neuestem auch das SCHENKEN HILFT Programm

Markt bestehen könnten. Qualifizierte Fachleute aus den

bereichern. Außerdem ist Fabio glühender Fußballfan, ver-

jeweiligen Arbeitsbereichen engagieren sich als Team-

ehrt den FC Bayern München und die Austria Wien...

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Der Sterntaler | Winter 2017/18


„Ich versteh mich mit allen – sogar mit den Rapidlern!“ Fabio Istvanits vor seinem Spind bei vamos

DER STERNTALER: WAS MACHST DU BEI VAMOS? Fabio: Ich arbeite in der Tischlerei. Wir malen die Holzteile für alle Spiele an. Und – wir haben auch schon Kerzen aus Holz gemacht. Die kann man zu Weihnachten bestellen.

WARST DU SCHON IMMER IN DER WERKSTATT? Nein. Bevor ich zu vamos gekommen bin, habe ich als Kellner gearbeitet. Wie ich dann hier angefangen habe, wollte ich zuerst in der Hauswirtschaft arbeiten – auch weil mein Schulfreund Mark in der Hauswirtschaft arbeitet. Aber jetzt bin ich in der Tischlerei und das macht mir wirklich sehr viel Spaß.

WIE VERSTEHST DU DICH MIT DEINEN KOLLEGEN? Das sind alles meine Freunde – ich versteh mich mit allen. Sogar mit den Rapidlern!

SPIELEN HILFT! (IMMER)

WAS IST DAS SCHÖNSTE, DAS DU IN DER WERKSTATT JE GEBAUT HAST?

in Handarbeit entstandene Evergreens – sechs Spiele aus den vamos-Werkstätten finden sich auch in unserem Programm SCHENKEN HILFT (siehe Seite 10). Zwei davon stellen wir Ihnen hier vor:

Mensch ärgerlich. Das ist mein Lieblingsspiel. Wir malen die Figuren und die runden Kreise an (Anm: die ausgefrästen Plätze für die Spielfiguren). In Grün, das sind die Rapidler, Gelb das ist der FC Dortmund – bei Rot bin ich daheim, das ist die Farbe des FC Bayern. Und Blau – das könnte Schalke sein.

WAS MALT IHR SONST NOCH AN? Alles. Alle Spiele für kleine Kinder und für große Kinder. Alle Spiele die hier verkauft werden, malen wir an. Und wir haben viele schöne Spiele!

WAS MACHST DU GERN IN DEINER FREIZEIT? Playstation spielen (lacht). Oder früher Nintendo. Ich hör auch gern Musik oder geh zum Fußballmatch. Nächste Woche spielen die Bayern wieder. Aber ich spiele auch sehr gern Boccia – das letzte mal hab ich 9 zu 6 gewonnen (lacht).

Alle 12 Für Neunmalkluge, Einser-Schüler und aufgeweckte Siebenschläfer. Und weil aller guten Dinge drei sind, legen wir allen Zwölfen noch drei köstliche Schoko- Sterntaler hinzu. Für sinnvolle 42 Euro

WENN ES ETWAS GÄBE, DAS DU ALLEN MENSCHEN AUF DER WELT SAGEN KANNST – WAS WÄRE DAS? Also, wenn die Menschen etwas nicht wissen, dann sollen sie einfach fragen. Aber wenn ich könnte – würde ich mich mit allen Menschen treffen und ein cooles Eis essen. Oder mit ihnen in den Lafnitz-Auen wandern gehen.

Mensch ärgerlich (Fabio‘s Lieblingsspiel) Sich einmal wieder so richtig ärgern! Mit diesem verlockenden Versprechen feiert dieser Dauerbrenner unter den Brettspielen seit Jahrzehnten ungebrochene Erfolge. Viel Vergnügen – und wer sich zu sehr ärgert, den trösten drei köstliche Schoko-Sterntaler! Für sinnvolle 54 Euro

www.sterntalerhof.at

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Seele

Der

„Spiritualität ist ein Angebot“ Seelsorger Mag. Franz Horvath

Grenzgänger Was es heißt, sich um die Seele zu sorgen. Und warum der Mensch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Ein Gespräch mit Franz Horvath, Seelsorger am Sterntalerhof . Das Leben eines Menschen besteht aus vielen Geschichten. Zu Martins Geschichten gehört die, als er einmal im Beifahrersitz eines Rallyeautos mitfahren durfte.

Wunsch ist, dass sein junges Leben hier zu Ende geht – und nirgendwo sonst. Ein Seelsorger ist ein Grenzgänger, sagt Franz. Er

Und die, als er mit sechs Jahren einen Erdhügel vor dem

bewegt sich im Niemandsland zwischen Leben und Tod.

Haus erklimmen wollte, was den anderen Kindern spie-

Er will ein Pförtner sein, ein Begleiter in diesem Grenzge-

lend gelang, ihm aber schon damals nur unter größten

biet – für jene Menschen, die es durchschreiten, wie für

Anstrengungen. Und zu Martins Geschichten gehören die

jene, die zurückbleiben. Im Bewusstsein, dass er selbst die

Märchen, immer noch, allen voran der Froschkönig. Franz

Grenze nicht überschreiten kann. Und im Bestreben, seine

Horvath kennt Martin, den Autonarren. Für ihn als Seel-

Orientierung nicht zu verlieren. Der Ausgangspunkt jeden

sorger sind die Geschichten Ausgangspunkt seiner Arbeit.

Sterbens jedoch ist immer das Leben, und diese einfache

Franz kennt Martin, den Hügelbezwinger. Und Martin,

Erkenntnis macht Franz zunächst zum Lebens-Begleiter.

den Muskeldystrophie-Patienten, der in dieser Woche das

„Es ist ein Zuhören, ein Übersetzen, ein Nacherzählen“,

letzte Mal am Sterntalerhof sein wird, weil es sein größter

lächelt Franz, es sind die Geschichten. Die Geschichte des

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Der Sterntaler | Winter 2017/18


Erdhügels etwa, die Martins Mutter schon vor Monaten

was den Abschied prägt, will ich, muss ich als Sympathi-

erzählt hatte. Eine Geburtstagsfeier, spielende Kinder, ein

sant, als Mitfühlender begleiten.“

Erdhügel vor dem Haus. Martin, der Sechsjährige, kurz

Martins Leidenschaft für Autos – Franz sieht darin

nach der Diagnose, der weinend zur Mama läuft, weil er

den Wunsch nach Bewegung, nach einer Freiheit fernab

das einzige Kind ist, das es nicht auf den Hügel schafft.

des Rollstuhls. Die Pferde am Sterntalerhof mit all ihren

Der es immer und immer wieder versucht – bis er schließ-

Pferde-Stärken erfüllen diesen Wunsch auch abseits

lich irgendwann triumphierend auf dem Hügel steht.

asphaltierter Straßen. Der Froschkönig, er steht meta-

Martins Mutter zwischen Stolz und Verzweiflung. Franz

phorisch für das Gefangensein in einem Körper, für den

wird diese Geschichte Martins Mutter „zurückschenken“,

Wunsch nach Verwandlung. „Ich hinterfrage meine Rolle

wie er sagt – jetzt, in dieser Woche des Abschieds. Ihre

als Seelsorger am Sterntalerhof immer wieder aufs Neue“,

Ohnmacht, nicht helfen zu können, zuzusehen wie ihr

sagt Franz nachdenklich, „letztlich sind die Geschichten

Kind den letzten Hügel, die letzte Hürde alleine nehmen

aber nicht nur Ausgangspunkt, sondern immer auch ein

muss. Wie Martin es damals geschafft hat und wie er es

Ziel meiner Arbeit.“ Er zieht eine letzte Analogie zur Bibel,

heute schaffen wird – oder morgen.

wo es in der Offenbarung heißt, dass der Mensch ein Buch

Er wird die Geschichte von Martins Nahtoderfahrung

mit sieben Siegeln sei. „Die Geschichten wie ein Puzzle

wieder aufgreifen, die drei Jahre zurückliegt. Die Martin

zusammenzusetzen hilft, ihre Bedeutung zu erkennen.“

als goldenes Tor geschildert hatte, vor dem er gestan-

Es hilft Martin, dem Menschen, der sich darauf einstellt,

den war und vor dem er innerlich nicht mehr umdrehen

die Welt zu verlassen. Und es hilft Franz, dem Menschen,

wollte. Vielleicht ein tröstliches Bild für Martins Mutter,

der Martin dabei begleitet. „Nicht, dass dieses Puzzle je

aber auch eines, bei dem Franz immer mit höchster Acht-

vollständig sein müsste.“ lächelt Franz, „Aber auch, wenn

samkeit vorgehen muss: „Abschied nehmende Menschen

das eine oder andere Stück fehlt – der Mensch erkennt

entwickeln mitunter unterschiedliche Konzepte des Jen-

das Bild seines Lebens.“

seits“ weiß der Seelsorger und manche davon bergen eine verführerische Gefahr: Wer nicht Abschied nehmen will, versucht Verbindung zu halten. „Gerät eine solche Vorstellung außer Kontrolle, kann der Trauerprozess nachhaltig gefährdet sein“, warnt Franz. Überhaupt will er geerdet bleiben, auf sich selbst aufpassen, nicht irgendwelchen „diffusen Theorien nachhängen“. Wie glaubwürdig der Glaube ist – das hängt für ihn davon ab, wie glaubwürdig ein Mensch den Glauben leben kann – gerade in Krisensituationen. Spiritualität will er anbieten, aber niemandem aufzwingen. Und das Christsein als Maßstab seines Handelns ist für ihn am Sterntalerhof ohnehin allgegenwärtig – auch abseits des Vollzugs kirchlicher Rituale. Das gemeinsame Frühstück mit Martin, seiner Mutter, seinen Geschwistern und den Therapeutinnen – ein gemeinsames sich-stärken, das Brot miteinander teilen. Oder eben bene-dicere, Gutes sagen, Geschichten hören und zum richtigen Zeitpunkt richtig nacherzählen. „In diesem Kontext will ich aber auch Sympathisant sein“, sagt Franz bestimmt, „Ich will mitleiden, im Sinne von aushalten was sich nicht ändern lässt. Von körperlichen Schmerzen über seelisches Leid bis hin zu existenziellen Lebensfragen –

Die Kapelle – seit jeher ein integrativer Bestandteil am Sterntalerhof. Ein moderner, aber harmonisch anmutender Rundbau mit einladend gestaltetem Portal. Ein überkonfessioneller Ort der Einkehr, offen für alle, die einen Moment stiller Pause suchen.

www.sterntalerhof.at

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Menschen

Fünf

Fragen an Ralf Schweighöfer, CEO von DHL in Österreich und Unterstützer des Sterntalerhofs.

„Trainiere mir am Sterntalerhof meinen persönlichen Muskelkater an!“ – DHL Österreich-Chef Ralf Schweighöfer und sein Team reisen jährlich zu Arbeitseinsätzen an den Sterntalerhof

WIE GEHEN SIE MIT RÜCKSCHLÄGEN UM? Ich glaube es ist ganz wichtig, Rückschläge als Lernchance zu verstehen. Ich glaube nicht, dass es im Leben, egal ob privat oder beruflich immer nur aufwärts gehen kann. Wichtig ist es aber aus Krisen und Rückschlägen die Lehren zu ziehen und daraus Kraft zu schöpfen.

WIE DEFINIEREN SIE „GLÜCK“? Ich glaube für jeden von uns bedeutet Glück etwas

WAS BEWEGT SIE ALS LANGJÄHRIGER UNTERSTÜTZER DES STERNTALERHOFS? Mich hat von Anfang an begeistert, mit welcher Lei-

ganz Unterschiedliches. Gesundheit ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber ich kenne einige Beispiele, in denen Menschen auch trotz Krankheit glücklich sind. Für

denschaft das Team vom Sterntalerhof die Therapiemög-

mich ist es das Wichtigste, Menschen zu haben, denen ich

lichkeiten stets erweitert und mit wie viel persönlichem

vertraue, die mich lieben und bei denen ich mich einfach

Engagement jeder dabei ist.

fallen lassen kann. Ansonsten ist Glück sicher kein Dauer-

Gleichzeitig gehört unglaublich viel Mut dazu, ein solches Projekt ausschließlich durch Spenden auf die

zustand, sondern die Frage wie positiv oder optimistisch ich Dinge beurteile.

Beine zu stellen. Die Atmosphäre am Sterntalerhof wirkt viel familiärer, als man das von anderen therapeutischen Einrichtungen kennt.

FÜR WELCHES THEMA MÖCHTEN SIE UNSERE GESELLSCHAFT STÄRKER SENSIBILISIEREN? Ich persönlich halte Toleranz für ein permanent

AUS IHRER SICHT ALS CEO EINES GROSSEN UNTERNEHMENS – WAS MACHT EINEN MENSCHEN „ERFOLGREICH“? Wenn ich erfolgreich sein möchte, muss ich mir meiner

wichtiges Thema. Viele Herausforderungen, die wir heute täglich in den Nachrichten sehen, bedürfen schwieriger, komplexer Lösungen. Mit Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen werde ich aber Flüchtlingsströme nicht reduzieren

Ziele ganz klar und bewusst sein und genau verstehen, was

können, wir müssen die Ursachen verstehen und be-

erforderlich ist, um diese Ziele zu erreichen.

kämpfen. Mit Protektionismus in der Wirtschaftspolitik

Dann geht es darum mit viel Leidenschaft und Be-

werde ich eine nationale Wirtschaft nicht stärken können.

harrlichkeit genau an diesen Zielen zu arbeiten. Wenn ich

Handel geschieht heute global und das wird sich auch

Rückschläge zur Selbstreflektion nutze und mit meinem

nicht ändern. Aber auch im privaten, familiären Umfeld

Team bzw. allen Stakeholdern authentisch, klar und res-

verstärken sich viele Probleme aufgrund von Unwissen-

pektvoll umgehe, werde ich auf Dauer erfolgreich sein.

heit und Intoleranz.

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Der Sterntaler | Winter 2017/18


Ja, ich möchte die Arbeit am Sterntalerhof unterstützen Unsere Gläubiger-Identifikationsnummer: AT76 ZZZ 00 00 00 29 511

€ 10,- pro Monat

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bedeuten z.B. für ein schwerkrankes Kind einen Tag Lebensfreude am Sterntalerhof

*Straße / Hausnummer

€ 30,- pro Monat bedeuten z.B. für ein Kind mit besonderen Bedürfnissen eine Geschwisterwoche am Sterntalerhof

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Bewegte Momente vom Sterntalerhof

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Das Kinderhospiz als Herberge.

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