Design Metropole Ruhr ist eine Übersicht der Design- und Werbeagenturen in der Metropole Ruhr.
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S. 14 — Storytelling mit Beton
Marketingleiter Lutz Hammer von RECKLI stellt uns die Zusammenarbeit mit der Essener Agentur ONEWORX vor.
S. 18 — Zwischen Werkbank und Big Data
I m Gespräch mit Martin Kiel von the black frame / codecentric aus Dortmund.
S. 24 — Das Prinzip Schweizer Messer
V2A.NET aus Essen entwickelt für einen Kunden eine neue innovative Vertriebssoftware-Plattform, die noch mehr als nur Kosten einspart.
S.4
FRISS STAUB! Wie Startups mit Designern im Entwicklungsteam einfach schneller, effizienter und nachhaltiger ihren Markt finden.
01 / 2017 – Design Metropole Ruhr
Editoral
Entwicklung für die internationale Ebene Die Städte des Ruhrgebiets bieten einen hervorragenden Nährboden für junge Unternehmen. Viele Einrichtungen, Initiativen und Hubs stehen den Startups bei der Entwicklung ihrer individuellen Geschäftsideen zur Seite und helfen bei der Realisierung mit diversen Expertennetzwerken. Etablierte Gründungsinitiativen, die schon seit Jahren junge Unternehmen auf ihrem Weg ins Business begleiten, unterstützen hier ebenso wie auch die neu geschaffene Gründerallianz Ruhr. Und ohne Frage braucht auch jedes Startup Design! Auf der Design Metropole Ruhr Plattform stellen wir Agenturen aus der Region vor, die bereits in der Startphase junge Unternehmen frühzeitig bei der Entwicklung von innovativen Konzepten unterstützen, mitdenken und -arbeiten können. Auf unterschiedlichen Ebenen bietet die Design Metropole Ruhr gemeinsam mit verschiedenen Partnern Kommunikationsformate an, die die Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufzeigen. Ein Format, das die Kooperation zwischen Designern und Startups in dem Mittelpunkt stellt und „good practices“ zeigt, ist der „Salon des Créateurs“, den die Design Metropole Ruhr gemeinsam mit dem Initiativkreis Ruhr nun ins Leben ruft. Nominierte Gründungsteams pitchen vor einer Jury um ein Gestaltungsbudget in Höhe von 5.000 Euro, das sie für Beratung und Gestaltungsleistungen der Designer der Design Metropole Ruhr Plattform ausgeben können. Die Jury und das Sounding Board wird von Vertretern aus Wirtschaft, Designagenturen und Multiplikatoren besetzt sein, die in einer Feedbackrunde auf die Problemstellungen und Geschäftsideen der Gründer reagieren und schließlich den Preis vergeben. Über die daraus entstehende Zusammenarbeit wird berichtet. Themenschwerpunkt dieser Ausgabe ist daher auch das innovative Zusammenspiel von Design, Wissenschaft und Wirtschaft, gerade in der Anfangsphase eines Unternehmens. Wir stellen u.a. mit Sono Motors aus München und MIFITTO aus Duisburg zwei hervorragende Beispiele von gelungener Zusammenarbeit vor. Viel Spaß beim Lesen! Reinhild Kuhn und Marc Röbbecke Heimatdesign
Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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Sono Motors / MIFITTO
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Innovation Dream Team: Startups und Designer
Autor: Carmen Radeck Fotos: Sono Motors, MIFITTO / unyt
Was haben Airbnb, Pinterest und Kickstarter gemeinsam? Die drei Online-Plattformen gehören nicht nur zu den erfolgreichsten und am schnellsten wachsenden Startups der vergangenen Jahre. Alle drei wurden von Designern mitgegründet. Gutes Design wirkt sich positiv auf den Markterfolg neuer Produkte aus. Unternehmen, die User Experience bei der Produktentwicklung und ein starkes Branding radikal in den Vordergrund stellen, demonstrieren den Vorsprung durch Design genauso wie aktuelle Studien, wie die des britischen Design Councils. Danach wachsen Unternehmen wesentlich schneller und bestehen länger als der Durchschnitt, wenn sie professionelle Unterstützung im Designbereich erhalten. Trotz des offensichtlichen Erfolgs designgetriebener Unternehmen wie Apple, Facebook & Co. spielt Design bei der Entwicklung innovativer Technologien oftmals immer noch eine unter- bzw. nachgeordnete Rolle – für Startups genauso wie für etablierte Unternehmen.
Wie die frühe Einbeziehung von Design in die Produktentwicklung den Erfolg am Markt beschleunigen und wie unterschiedlich die erfolg reiche Zusammenarbeit zwischen Startups und Designern aussehen kann, das ist Thema des folgenden Beitrags mit Beispielen aus der Praxis von Sono Motors aus München und MIFITTO aus Duisburg.
Design kann mehr als das Ding nur hübsch machen. Erstmal wird die Technologie entwickelt, um das Design kann man sich dann später noch kümmern. Besonders bei Hightech-Startups im B2BBereich ist diese Denkweise nicht unüblich. Design wird hier oftmals als Styling missverstanden, dessen einziger Zweck darin besteht, das innovative Produkt hübsch aussehen zu lassen.
Produktes. Nicht das Aussehen als Selbstzweck ist entscheidend für Design, sondern das Nutzererlebnis, die sogenannte „User Experience“. Wird diese nicht von vornherein mit in den Produktentwicklungsprozess mit einbezogen, läuft das Startup schnell Gefahr, am Nutzer vorbeizuentwickeln. „Ein Produkt kann nur erfolgreich sein, wenn die Schnittstelle der Hardware zum Nutzer, also das Design, so gestaltet ist, dass sie von allen akzeptiert wird und ihr volles Potenzial ausgeschöpft werden kann“, sagt Industriedesigner Oliver Lück von der Agentur unyt aus Duisburg. Bevor es überhaupt daran geht, konkret über Formgebung und Gestaltung des Produktes nachzudenken, gehört zum Designprozess vorab die genaue Beobachtung, Hinterfragung und Analyse der zukünftigen Nutzer und ihres Verhaltens. Gerade hier beweisen Designer mehr Um- und Weitsicht als die Entwickler der Technologie selbst.
Was bei dieser Herangehensweise oft zu kurz kommt oder erst zu spät bedacht wird, ist die Betrachtung des Nutzers bei der Handhabung des 01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
Sono Motors / MIFITTO
„Einen Designer schon bei der Produktentwicklung mit dazuzuholen, ist auf jeden Fall zu empfehlen“, sagt Thomas Harmes, Gründer des Duisburger Startups MIFITTO. „Als Nicht-Designer denkt man an viele Dinge einfach nicht, die für Herstellung, Transport, Nutzung und später auch Wartung und Service sehr wichtig sind. Im Fall unserer 3D-Scanner fängt das mit der Klappe an, durch die der Computer in das Gehäuse muss, über Kabelläufe und Lüftungsschächte bis hin zur Berücksichtigung der unterschiedlichen Stromsysteme in Europa und Amerika.” Doch das Produktdesign ist nur ein Bereich, in dem Designer Startups unterstützen können. Wie Startups schon in der Prelaunch-Phase durch Design schneller erfolgreich werden können, darum geht‘s in den folgenden Abschnitten.
om Branding bis V zu U ser Experience: So können Startups von Designern profitieren Grafikdesign, Kommunikationsdesign, Industriedesign, Produktdesign... Die Bereiche, in denen Designer für Startups aktiv werden können sind vielfältig. Neben dem Produktdesign sollten Startups sich möglichst frühzeitig schon über ein stimmiges Branding Gedanken machen. Eine klare Vision und ein überzeugender visueller Auftritt können über einen frühen Erfolg eines Startups entscheiden – sogar schon während der Prelaunch-Phase. Besonders in dieser frühen Entwicklungsstufe können Designer Startups dabei helfen, neue Technologien erlebbarer zu machen – sei es mit 3D-Visualisierungen, manuellen Skizzen, Wire frames oder Erklärvideos. Darüber hinaus können mittels Storytelling und Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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authentischem Branding schon früh erste Fans und Nutzer genauso überzeugt und mobilisiert werden wie Investoren.
Wie Sono Motors dank cleveren Brandings innerhalb weniger Monate tausende Fans und ein sechsstelliges Investment generierte, davon erzählt das erste Best-Practice-Beispiel.
Um als junges Unternehmen schnell am Markt erfolgreich zu sein, hält Navina Pernsteiner, Creative Director und Mitgründerin von Sono Motors, ein stimmiges Design von Beginn an für essentiell:
„Gerade für ein Startup ist es sehr wichtig, von Anfang an eine klare Linie zu fahren, weil sich das Unternehmen so klar definieren und strukturieren kann. Angefangen beim Logo und der Bildsprache weitet sich diese Identität auch auf die anderen Unternehmensbereiche aus und spiegelt sich letztendlich auch im Produkt selbst wider.“ Navina Pernsteiner von Sono Motors
Sono Motors / MIFITTO
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Beispiel Sono Motors: Mit cleverem Branding die Massen bewegen Sono Motors ist ein Münchner Startup, das mit der Motivation, selbst Verantwortung für den Schutz der Umwelt zu übernehmen, das solarbetriebene Auto „Sion” entwickelt hat. Das besondere an Sono Motors ist, dass neben der technologischen Innovation das Design von Anfang an eine zentrale Rolle spielte. So gehört zum GründerTrio neben Jona Christians und Laurin Hahn, die noch während ihrer Schulzeit den ersten Prototypen des Solarautos entwickelten, auch die Kommunika tionsdesignerin Navina Pernsteiner. Nur ein halbes Jahr nach der Gründung im Januar 2016 schafften es die Drei mit einer Crowdfunding-Kampagne über 800.000 Euro für die Herstellung des ersten von zwei professionellen und voll funktionsfähigen Prototypen einzusammeln. Diese haben inzwischen über 8.000 Probefahrten in ganz Europa absolviert. Teil des schnellen Erfolgs ist neben dem authentischen Auftritt des Gründerteams vor allem das starke
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Branding. Angefangen beim Logo, einem Kreis mit schwarzem Punkt in der Mitte, dem altägyptischen Zeichen für die Sonne, hat Navina Pernsteiner mit ihrem Team ein stimmiges Corporate Design entwickelt, das sich von Beginn an durch sämtliche Bereiche des inzwischen auf rund 40 Mitarbeiter angewachsenen Startups zieht.
„Für mich als Designerin im Team war es wichtig, zunächst einen visuellen Auftritt zu erschaffen, der einmalig ist, einen hohen Wiedererkennungswert hat und klar kommuniziert, was wir wollen: Ein ein faches, nachhaltiges und kosteneffizientes Auto zu gestalten, ohne viel Schnick Schnack, das sich jeder leisten kann.“
Auch wenn für das Produktdesign ein Team aus dem Design-TechnikBereich des Startups zuständig ist, gibt es eine enge Abstimmung mit Pernsteiner als Creative Director. „Das, woran wir glauben und was uns wichtig ist, nämlich Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, das spiegelt sich auch in unserem Produkt wider, beispielsweise darin, dass wir uns als Ziel gesetzt haben, nur vegane Produkte und Teile im Sion zu verbauen. Dieser rote Faden zieht sich bei uns vom Anfang bis zum Ende durch.“ Momentan arbeitet das Startup daran, den Sion in Serie zu produzieren. Die ersten 5.000 Solar-Fahrzeuge sollen Mitte 2019 auf den Markt kommen. Nicht jedes Startup findet einen Designer als Teammitglied. Wie Startups mit externen Agenturen oder Freelancern erfolgreich zusammen arbeiten können, ist im folgenden Abschnitt das Thema.
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Sono Motors / MIFITTO
Agil und unberechenbar: Die Zusammenarbeit von Startups und Designern Gerade für Designagenturen unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit Startups stark von der mit etablierten Unternehmen. Ist die Projektführung mit gestandenen Firmen meistens konventionell und stark an bestehende Prozesse gekoppelt, zeichnet sich die Zusammenarbeit mit Startups gerade dadurch aus, dass noch gar keine Prozesse bestehen. „Das Spannende und gleichzeitig Herausfordernde an der Zusammen arbeit mit Startups ist zum einen, dass man an der Entwicklung von teilweise radikalen Produktinnovationen teilnehmen kann. Zum anderen ist die Arbeit mit Startups viel schneller,
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agiler und lebendiger“, sagt Industrie designer Oliver Lück. Da gerade bei der Entwicklung neuer Technologien keine oder nur wenig Erfahrungswerte zum Verhalten der Nutzer und Kunden existieren, hat sich für Startups die Arbeit mit einem Minimum Viable Product bewährt und etabliert. Mit diesem auf das Wesentliche reduzierten Produkt werden Erfahrungswerte früher Nutzer gesammelt, die anschließend in den weiteren Entwicklungsprozess des Produktes fließen. Diese schrittweise Entwicklung und Zusammenarbeit mit Designern kommt auch der besonderen finanziellen Situation von Startups entgegen, die gerade am Anfang meistens über ein nur knappes Budget verfügen. Für viele Designagenturen, die gern mit Startups zusammenarbeiten, haben sich bei der Finanzierung Beteiligungsmodelle etabliert.
Auch das Duisburger Startup MIFITTO hat für die Entwicklung eines innovativen 3D-Fußscanners die Zusammenarbeit mit einer externen Design- Agentur gesucht. Das bisherige Resultat der Kooperation: MIFITTO entschied einen Pitch bei einem führenden deutschen Sportgeschäft für sich und konnte daraufhin sein Produkt erfolgreich am Markt in Deutschland, USA und Kanada etablieren.
Cockpit des Sion mit breSono - Moosfilter
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MIFITTO / unyt
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Team der unyt Designagentur
Beispiel MIFITTO: Mit dem Produkt Marke und Innovationspotenzial widerspiegeln „Wenn wir bei der Produktentwicklung keine Unterstützung von professionellen Designern gehabt hätten, wären wir nicht da, wo wir heute stehen“, sagt MIFITTO-Gründer Thomas Harmes. Das Duisburger Startup hat sich auf digitale Größenberatung für den Schuhhandel spezialisiert und neben einer App für den eCommerce auch eine Hardware-Lösung für den stationären Handel entwickelt. Der 3D-Fußscanner kommt mittlerweile in über 250 Sportgeschäften in Deutschland, USA und Kanada zum Einsatz.
Das erste Modell dazu hatte das MIFITTO-Team noch selbst entwickelt. Dabei orientierte sich das Design vor allem an individuellen Kunden wünschen. Für die Herstellung des Produktes bedeutete dies, dass sie kaum skalierbar und dementsprechend kostenintensiv war. Veränderte technische Voraussetzungen erforderten schließlich ein komplettes Redesign. Dafür holte sich das Gründerteam mit der Duisburger Design-Agentur unyt professionelle Unterstützung an Bord.
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MIFITTO / unyt
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War die Produktentwicklung auf ein halbes Jahr angesetzt, kam der 3DFußscanner auf Kundennachfrage wesentlich schneller auf den Markt als MIFITTO und unyt dies geplant hatten.
„Unsere Anforderungen bei der Entwicklung des Designs bestanden darin, dass die visuelle Qualität des Produktes mit dem übereinstimmt, was die Technologie an Intelligenz und an Innovationspotenzial mit sich bringt“, sagt Oliver Lück von unyt. „Wir wollten ein System entwickeln, das die Komplexität von Produktion und Logistik reduziert, das dem Corporate Design von MIFITTO entspricht und nicht dem einer anderen Marke, und das vor allem von den Nutzern akzeptiert wird.“ Nach einer intensiven Vorarbeit, Beobachtung des Nutzerverhaltens mit dem Ursprungsmodell inklusive, entwickelten die Designer ein Modell, das User Experience genauso wie Herstellung, Logistik und Corporate Design berücksichtigte.
„Manchmal wird ein Produkt zur Marktreife gezwungen” sagt Thomas Harmes. Auch wenn das Produktdesign zunächst anders ausfiel als geplant, hat es sich inzwischen erfolgreich am Markt etabliert.
MIFITTO Gründer Thomas Harmes
Fazit: Mehr Kooperation! Die Zusammenarbeit zwischen Startups und Designern ist weder ein Selbstläufer noch Erfolgsgarant. Zudem sind die besonderen Herausforderungen der finanziellen Situation und der mitunter unberechenbaren Entwicklung nicht zu unterschätzen. Die Chance jedoch, die das Zusammenwirken von innovativer Technologie und Design erwiesenermaßen mit sich bringt, sollte gerade für Startups nutzbar sein. Programme und Initiativen wie Bridge in den USA, DesignSeed in der Schweiz, der InnovationsFabrik an der Uni DuisburgEssen oder neuerdings dem Salon des Créateurs in Dortmund, helfen hier eine Brücke zu schlagen. Davon sollte es noch viel mehr geben.
3D Fußscanner von MIFITTO 01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
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Initiativkreis Ruhr
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Mit Design zum Erfolg!
Dr. Britta Julia Dombrowe
Interview: Carmen Radeck Foto: Initiativkreis Ruhr
Gemeinsam mit dem Initiativkreis Ruhr startet die Design Metropole Ruhr ein neues Veranstaltungsformat zum Thema Startup und Design. Carmen Radeck sprach für uns mit Britta Julia Dombrowe, Referentin der Geschäftsführung Initiativkreis Ruhr GmbH.
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Initiativkreis Ruhr
Sie sind Mitinitiator des Events Salon des Créateurs, das Startups mit Designern zusammenbringen soll. Was hat Sie dazu motiviert, dieses Event mit ins Leben zu rufen? Unsere Region mit seiner starken Industrie und einer vielschichtigen Hochschullandschaft hat die besten Voraussetzungen, um sich als Hotspot für junge Gründer zu etablieren. Deshalb unterstützen der Initiativkreis Ruhr und seine Partner die StartupSzene im Ruhrgebiet schon seit 2014 mit vielfältigen Aktivitäten: Wir haben gemeinsam mit der NRW.BANK den Gründerfonds Ruhr mit mehr als 30 Millionen Euro Risikokapital für Ruhrgebiets-Startups ins Leben gerufen. Wir schaffen mit unserem Programm „Smart am Start“ jungen Unternehmen direkte Zugänge zur Wirtschaft. Wir haben den RuhrSummit mit aus der Taufe gehoben. Und wir unterstützen Veranstaltungen wie koks.digital oder die FuckUp Nights Ruhrgebiet. Damit haben wir ein ganzes Paket für Startups geschnürt. Darin stecken unser großes industrielles Netzwerk, Knowhow und Kapital. Dabei wollen wir Mut machen, ins eigene unternehmerische Risiko zu gehen – bis hin zur Akzeptanz, dass dazu auch der Mut zum Scheitern gehört. Jetzt tragen wir dem großen Einfluss Rechnung, den gutes Design auf den Erfolg eines Produktes oder einer Geschäftsidee hat: Der Salon des Créateurs schließt eine Lücke. Er verbindet Startups zu einem frühen Zeitpunkt mit Designern. Die Startups pitchen ihren Designbedarf, und eine Jury aus Kreativwirtschaft und Gründer-Szene entscheidet, werden Gutschein für Designleistungen über 5.000 Euro bekommt.
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Warum ist die Verbindung von Design und Startup Ihrer Meinung nach so wichtig?
Gründer, die am Beginn ihres Schaffensprozesses stehen.
Der amerikanische Autor Ralph Caplan bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt:
Welches Potenzial hat Ihrer Meinung nach eine stärkere Förderung der Zusammenarbeit von jungen Unternehmen und Designern speziell für das Ruhrgebiet?
„Thinking about design is hard, but not thinking about design can be disastrous.” Mein Produkt kann noch so genial sein, wenn es aber schwer zu bedienen ist, unhandlich oder hässlich, dann werde ich dafür keine Abnehmer finden. Design ist ja viel mehr als ein hübscher Internetauftritt. Es ist die Art, wie ich mich einem Problem nähere.
Gutes Design verbindet verschiedene Disziplinen und bedenkt ingenieur wissenschaftliche Themen, ebenso wie ästhetische Prinzipien, es beachtet das Material ebenso wie soziologische und psychologische Aspekte. Natürlich entscheide ich mich als Kunde für das schöne, angenehme, langlebige, verständliche Produkt. So ist das gute Design für Startups letztlich der Marktvorteil gegenüber dem Wettbewerber. Ganz entscheidend ist, dass von vornherein das Design mitgedacht wird. Man kann nicht auf ein fertiges Produkt ästhetischen Feenstaub streuen und glauben, das sei Design. Von Beginn an müssen Prozesse, Materialen, Bedienungen unter Designaspekten betrachtet werden. Deshalb verbindet der Salon des Créateurs Designer und junge
Der Initiativkreis möchte die StartupKultur stärken. Wir brauchen starke Gründergeschichten, die das Ruhr gebiet als Gründerregion bekannt machen. Konsequentes Design Thinking, Web Design und Produkt design werden unsere Startups noch besser machen. Die Design-Szene im Ruhrgebiet ist gut aufgestellt. Design aus dem Ruhrgebiet ist schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern auf internationalen Messen vertreten und bedient Kunden weit über die Region hinaus. Die Szene ist gut miteinander vernetzt und hat mit der Online- Plattform designmetropoleruhr.de eine große Sichtbarkeit erhalten. Wenn es uns gelingt, diese gebündelte Kompetenz mit unseren Startups zu verknüpfen, dann glaube ich fest daran, dass hier Erfolgsgeschichten entstehen.
Wie kann und sollte die hiesige Industrie und Wirtschaft diese Zusammenarbeit unterstützen? Zunächst einmal glaube ich, dass wir für die Bedeutung des Designs noch etwas mehr Offenheit brauchen. Mancherorts wird Design immer noch mit schönen Bildern auf der Homepage verwechselt. Das Verständnis, dass Design der entscheidende Markt vorteil sein kann, hat sich noch nicht überall durchgesetzt. Genau hier setzt der Salon des Créateurs an. www.salondescreateurs.de www.i-r.de
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RECKLI / ONEWORX
RECKLI = Maschine Gestaltung Klarheit und die Vermittlung von qualitativ hochwertigen Inhalten in der Unternehmenskommunikation von RECKLI, fokussiert den Blick auf die vielfältigen Möglichkeiten des Werkstoffs Beton. Denn Beton kann mehr als nur raue Oberfläche. Marketingleiter Lutz Hammer gab uns einen kleinen Einblick.
Interview: Marc Röbbecke Fotos: RECKLI
Betonoberflächen von RECKLI am Museum für Architekturzeichnung in Berlin 01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
RECKLI / ONEWORX
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Die Firma RECKLI ist in 65 Ländern für ihre Kunden Berater und Ansprechpartner bei der Umsetzung von Bauprojekten. Das klingt nach einer Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationsmedien und -Kanäle, eine der Kernaufgaben einer Kommunikationsagentur. Wie konnte Ihre Hausagentur ONEWORX Ihnen dabei helfen?
Marketingleiter Lutz Hammer Herr Hammer, können Sie uns kurz beschreiben was RECKLI genau macht? RECKLI versteht sich als Premium anbieter im Bereich Betonfassade. Als Hersteller elastischer Formen zur Gestaltung von Sichtbeton ermöglichen wir Planern und Architekten ihr individuelles Design zu realisieren. Dabei spielt es keine Rolle welches Design den Beton im wahrsten Sinne des Wortes prägen soll. Typografie, Abstraktionen, selbst Bilder und Fotos können problemlos an der Fassade gespielt werden. Storytelling mit Beton, denn dieser Werkstoff ist formbar und erzählt plötzlich die Geschichte des Gebäudes. Beim Museum für Architekturzeichnungen in Berlin beispielsweise, spiegelt sich an der Fassade die älteste Zeichnung der Ausstellung. FORMLINER Magazin
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In vielen Bereichen prägte uns der nicht immer positiv besetzte Begriff „historisch“ gewachsen. Weltweit führten wir knapp 100 Messen durch, über 80 Broschüren waren im Umlauf und es gab mehr als 20 verschiedene Websites. Jedes Land machte ein bisschen „sein Ding“. Nach dem Motto „think global, act local“ haben wir eine einheitliche globale Strategie unter Berücksichtigung lokaler und kultureller Gegebenheiten entwickelt. Konkret bedeutete dies: Erstmals ein weltweit gültiges Corporate Design, einheitliche Messestände, Broschüren, Geschäftsausstattung und Präsentationen. Zur Vereinfachung, aber auch zur Steuerung von Agenturen im Ausland, wurde ein Corporate Design Manual entwickelt, auf dessen Basis gestalterische Maßnahmen ohne Rücksprache mit der Zentrale in Deutschland vorgenommen werden können. Gemeinsam mit ONEWORX entstand das Projekt FORMLINER, ein Unternehmensmagazin mit dem Schwerpunkt Architektur. Bewusst nur wenig Unternehmensnews, sondern gekennzeichnet durch qualitativen Content für die Zielgruppe. Der produzierte Inhalt wird mehrfach verwertet, zum Beispiel in unserem RECKLI Architektur-Blog und unseren Social- Mediakanälen. Das Magazin wurde mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt mit dem Architects Darling Award in der Kategorie „Bestes Unternehmensmagazin“ und dem German Iconic Award, des Rates für Formgebung, in der Kategorie „Best B2B Communication“. Auch die Website und unsere Produktkataloge wurden prämiert.
Der Prozess gestaltete sich dabei nicht von oben nach unten. Die Projekte wurden immer partnerschaftlich auf Augenhöhe realisiert. ONEWORX war dabei nie nur eine externe Agentur, sondern schnell ein wichtiger Baustein unserer Unternehmung.
Arbeitet ONEWORX jetzt auch bei der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse mit ihnen zusammen? Für unsere bestehenden Produkte entwickelnden wir Showcases und Packaging, um diese in ihrer Wertigkeit hervorzuheben. Da unsere Produkte ein unverkenn bares Design an der Fassade widerspiegeln und Planer auch aus bereits bestehenden Designs wählen können, ist es zukünftig angedacht eine Sonderserie von Designern entwickeln zu lassen. Dabei müssen nicht alle Designs aus dem Hause ONEWORX stammen, diese können auch von anderen Designern, Künstlern oder Studenten kommen. ONEWORX zeichnet sich hier durch ein großes Netzwerk aus, aber auch durch Offenheit für neue Einflüsse außerhalb der eigenen Unternehmung. Daher werden wir diesen Prozess gemeinsam beschreiten. www.reckli.com www.oneworx.de
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Rubrik
01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
Rubrik
Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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codecentric / the black frame
Maker Thinking codecentric entwickelt innovative Geschäftsmodelle im laufenden Betrieb
Beratung und Begleitung von Unternehmen machen heute einen großen Anteil der Arbeit von codecentric aus. Also unternehmerische Zukunfts lösungen und nicht nur die individu ellen Softwarelösungen, mit denen das Unternehmen seit Jahren Erfolg hat. codecentric am Hohen Wall 15 in Dortmund ist dabei eine von 14 nationalen und internationalen Niederlassung der Software- und Beratungsfirma aus Solingen. Der Dortmunder Ableger kann aber mit einem besonderen Extra dienen: Dem hauseigenen „Think & Do Tank“ the black frame. In einem ehemaligen Ladenlokal am Wall denken Martin Kiel und seine Kollegen nach außen sichtbar und jederzeit gesprächs bereit Digitalisierung und Kreativität, Innovation und Marktpotential weiter und anders.
Dr. Martin Kiel von codecentric / the black frame 01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
codecentric / the black frame
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Martin Kiel, Standortleiter Dortmund des Softwareunternehmens codecentric, wirft zur Einstimmung eine Präsentation an die Wand:
Kunst trifft Mode trifft Coding. Draußen vor der Tür des Ladenlokals mit bodentiefen Fenstern direkt am sechsspurigen Cityring in Dortmund rauscht derweil der Verkehr. Drinnen reden wir über Kreativität und „immersives Lernen“ - die Methode, mit der codecentric Kunden hilft, innovative Prozesse im Unternehmen anzustoßen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.
Interview: Christian Caravante Fotos: Juliander Enßle
Ein aktuelles Projekt von codecentric ist die „Digitale Werkbank“. Was verbirgt sich dahinter? Das ist eine Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Dortmund. Es geht gewissermaßen auch um die Haptik der Digitalisierung und die große Frage, wie entsteht eigentlich Neues? Eine Frage, die uns in all unseren Projekten ja beschäftigt. Die Digitale Werkbank trägt vieles in sich, das wir auch mit the black frame tun: Also, wie finden wir eine neue An sprache, um Unternehmen zu Experimenten zu ermutigen und Projekte schnell, innerhalb von drei Monaten, in eine Testphase eintreten zu lassen. codecentric ist die Plattform vor Ort, die Projekte werden aber gemeinsam mit den Unternehmen entwickelt. Das soll alles gerade nicht von oben herab, nach dem Motto „So geht Digitalisierung“, ablaufen. Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
Ihr werdet vermutlich noch immer vor allem als Softwarefirma wahr genommen. Wie kommen Kunden zu codecentric, die neue Geschäfts felder finden wollen? Das passiert meist auf zwei Wegen. Da möchte jemand zum Beispiel seine Service Architektur für den Onlineshop umstellen. Wir überlegen dann erst mal grundsätzlich: Ist das überhaupt das Problem des Kunden? Unser Ansatz beginnt immer mit dem Geschäfts modell, nicht mit der Technik. Dafür entwickeln wir zusammen Experi mente, um die Thesen zu validieren.
Reale Experimente in einer realen Geschäftswelt, die überprüft werden, um zu sehen, ob eine Idee funktioniert. Dem Kunden zeigen, dass er den Prozess aus dem Vorhandenen heraus selbst managen kann. Ja, ihn geradezu wieder in Fähigkeit setzen, das selbst zu tun. Denn das Neue will vielleicht erstmal an die Hand genommen werden, obwohl es am Ende immer die Kunden sind, die es umsetzen. „Managing the new“, nennen wir ein Format dazu im Arcadeon in Hagen.
Wir verstehen uns mit the black frame also nicht nur als Think-Tank, sondern im besonderen Maße auch als „Do-Tank“.
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codecentric / the black frame
Ein Teil des Team von codecentric am Standort Dortmund
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codecentric / the black frame
Was ist denn genau eure Methode? Wir fanden, dass Designthinking inzwischen zu einem Ritual geworden ist, immer dann opportun, wenn ein Unternehmen meint, es brauche jetzt Innovation und Kreativität. Aber auch diese Methode folgt bestimmten Pattern und mehrschrittigen Praktiken, bewegt sich also in einem Rahmen. Und vor allem: die Methode zeitigt so gut wie nie im direkten Sinne greifbare Ergebnisse - außer der Post-it übersäten Wände. Und da kommen wir mit unserer Idee vom Maker Thinking: Warum starte ich nicht zum Beispiel damit, meinen Markt ethnografisch, draußen vor Ort zu erkunden und dabei zu lernen, was ich brauche und was ich tun könnte, statt in irgendeinem neutralen Raum alles nur theoretisch durchzuspielen. So fangen wir immer an. Es geht beim Maker Thinking um „immersives Lernen“.
Schildere doch bitte mal ein konkretes Projekt. Die DEVK Versicherung wollte zum Beispiel ein neues Produkt entwickeln. Mehr wussten die erstmal nicht. Sie sind durch das Angebot „In 12 Tagen ein neues Geschäftsmodell“ dann auf uns gekommen. Wir entwickelten in drei Teams drei verschiedene Versicherungsideen. Eine der Ideen war eine moderne Fahrradversicherung und konnte sich innerhalb des Konzerns gegen weitere Ideen durch setzen. Danach haben wir zusammen mit dem Gründer das Produkt im Detail entwickelt. Begonnen haben haben wir im Feld, also im Markt, und sind Fahrrad gefahren, um zu Erkenntnissen zu gelangen: Über das Radfahren in der Stadt, die Trends, die Gefahren als Radfahrer und so weiter. Daraus wurde dann im Maker Thinking Prozess schließlich die Fahrradversicherung „freeyoubike“. Der Gründer war Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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ursprünglich IT-Leiter in der Versicherung und ist jetzt über das Projekt zum Vorstand der neuen Versicherung, der freeyou.ag, geworden. Also kurz gesagt: Geschäftsidee entwickelt, dann Radtour und Maker Thinking Prozess - und am Ende eine neue Versicherung plus ein neuer Job für den, der die Idee hatte. Bei uns entwickelt also der Kunde selbst seine Methode und seine Lösungswege durch von uns begleitete Experimente.
Gibt es auch Projekte, die mit Internet und Digitalisierung nichts zu tun haben? Der Kreativitätsimperativ entsteht oft dadurch, dass ich mich als Unternehmen bedroht fühle und meine, ich muss was machen, weiß aber gar nicht genau wofür. Viele fangen deshalb mit der Technik an. Aber wenn ich als Kunde die Technik nicht verstehe und trotzdem damit anfange, gelange ich eher nicht zum Ziel. Wir gehen das anders an. Die Firma Hussel, Schokolade und Pralinen, war dabei ein schöner Auftrag. Die kamen mit sehr unterschiedlichen Fragestellungen. Darunter auch die, wie ein weniger invasiver Ladenbau aussehen könnte. Da überlegten wir zunächst, wie würde man so einen Laden heute gründen? Wie würde das Amazon wohl machen? Benötigt man eine Kasse und Waage, würde man überhaupt ein Ladenlokal mieten? So entstanden Design- und Präsentationsideen. Als Experiment haben wir einen existierenden Laden von Hussel geteilt, links der alte Stil, rechts der neue, um zu messen, was gefällt den Kunden besser. Hier ging es also darum, im laufenden Betrieb das Geschäftsmodellen umzustellen. Am Ende wurde der Testladen völlig umgestylt, das Konzept der Schoko laden-Tastings fest übernommen, die kostenintensiven Waagen- und Kassensysteme überdacht.
Das Geschäft bekam neben dem neuen Look schließlich auch einen neuen Namen, „The New H“ und ist in Essen Limbecker Platz zu finden.
Maker Thinking, warum sollte und wie kann man das lernen? So lang Strom da ist, wird uns das Thema Digitalisierung beschäftigen. Der Prozess wird immer und schneller weitergehen. Viele Kunden haben uns gesagt, sie würden gern lernen, was Maker Thinking ist. Im Arcadeon in Hagen, bieten wir deshalb jetzt monatlich Basis-Workshops an. Das Hotel selbst ist schon mal ein Case von uns, der im Maker Thinking entstand. Und deshalb heißt es dort auch nicht, „Wir treffen uns in einem Raum, Flipchart ist da“, sondern für uns gilt das Motto
„Neues Denken braucht neue Räume“. Wir möchten so die unternehmerische Klassik für Innovation und Digitalisierung abholen und dabei nicht allzu verstörend sein. Dennoch sind auch Ausbrüche nötig, die den Rahmen des Hotels verlassen, um zu lernen und Blickrichtungen zu ändern.
Wie findet man im Vorhandenen des Unternehmens, den Schlüssel für seine Zukunft? Rausgehen mit dem Unternehmen heißt ja eigentlich „zu sich gehen“. Wir fliegen ja nicht zum Mond mit denen, sondern zu ihrem Markt. Wir sehen, dass die Kunden das oft nicht vollumfänglich nutzen und ihr eigenes Geschäft auch nicht in dem Maße als Experimentierfeld nutzen wie sie das könnten. Also raus aus geschmacksneutralen Räumen und hinein in den Markt - der liegt aber
codecentric / the black frame
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meist nicht im Gebäude des Kunden. Das größte Lob am Ende wäre, wenn der Kunde sagt, „Ich habe das dann so und so gemacht“, und eben nicht, das hat mir codecentric vorgeschlagen und dann haben wir das halt gemacht.
Wenn du codecentric als eine geometrische Form beschreiben müsstest, welche wäre das? Das ist eine Metapher, die auf unsere Arbeitsweise nicht passt. Die Frage nach der Form ähnelt dem Kundenwunsch, „Wir hätten als Lösung gern
einen Golf, wir brauchen keinen Ferrari.“ Diese Metaphern sind aber genau das Problem. Wir wollen ja mit dem Maker Thinking etablierte Prozesse in Frage stellen, weil man sonst wieder nur in Modellhaftigkeit landet, statt in der Realität. Wir haben auch lang überlegt, was uns als Unternehmen besonders auszeichnet: Und das ist dieser positive Sog, den wir entwickeln. Nicht als Mahlstrom verstanden, der einen verschlingt, sondern ein Strom, von dem man sich im besten Sinn mitgerissen fühlt, um die Dinge anzugehen und eigene Ideen wirklich umzusetzen.
www.codecentric.de www.theblackframe.com
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Rubrik
Wir sehen was, was du nicht siehst. LADENBAU MESSEBAU OBJEKTGESTALTUNG
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V2A.NET
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Theis Müller von V2A.NET
Vorausdenken! Für eine internationale Marke löste die Essener Agentur V2A.NET ein großes Designproblem – die hundertprozentige Einhaltung des Corporate Designs durch Außendienstmitarbeiter rund um den gesamten Erdball.
Text: Volker K. Belghaus Fotos: V2A.NET
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V2A.NET
Zehn Sekunden. Das ist zwar nur geschätzt, aber länger braucht es nicht mehr, um einen Tischaufsteller für eine große Getränkemarke zu gestalten. Auf dem Bildschirm dreht sich das 3D-Modell des Aufstellers: Theis Müller wählt die Elemente aus und zieht sie auf die noch leeren Flächen; Hintergrund, ein freigestelltes Produktfoto, Typografie, fertig ist das Werbemittel – „Dafür braucht es keine Nutzerschulung!“ Das Modul ist Teil einer Software- Plattform, die Theis Müller, Karsten Blaschke und Lars Wöhning von der Designagentur „V2A.NET“ für ihren Kunden konzipiert haben. Die drei kennen sich seit ihres DesignStudiums und entwickelten bereits als Diplomarbeit eine Software, mit der man Videos in Echtzeit beeinflussen kann. 2001 gründeten sie „V2A.NET“, dessen Lage in einem Hinterhof in Essen-Rüttenscheid pures und passendes Understatement ist. Zu ihren Kunden gehören u.a das Hotel Shanghai, das NRW-Forum, der Ringlokschuppen Ruhr und der
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Düsseldorfer Flughafen. Mit „VLIGHT. TO“ entwerfen sie 3D-Live-Visualisierungen für die LED-Konzertwände der Toten Hosen.
Einfach Text und Preis eintippen, dann werden die Daten gerendert und direkt auf die Screens des Gastronomen geladen.
„2009 sind wir eher aus Zufall in die Software-Entwicklung gerutscht“ sagt Theis. Damals erstellten sie „Konsum aktivierungsvideos“ für die Produkte ihres Kunden. Diese 3D-Videos waren für den deutschen Markt, um zielgruppengerecht auf den Screens in den Clubs zu laufen. Die Videos kamen beim Kunden so gut an, dass man das Ganze fortan international ausrollen wollte; in 160 Ländern mit verschie denen Sprachen, Währungen und Produktsortimenten. „Da waren wir doch etwas geschockt, weil es von der Rechenleistung und vom Arbeitsaufwand mit viel manueller Arbeit verbunden gewesen wäre“, blickt Theis zurück.
„Wir hatten die besten Voraussetzungen zur Realisation, haben sehr schnell die Software aufgesetzt. Die ist dann eingeschlagen wie eine Bombe, es wurden extrem viele Render-Aufträge gestellt“ sagt Theis. Vorerst, denn es gab weitere Probleme seitens des Kunden. Deren Außendienst arbeitete noch mit analogen Verkaufshandbüchern. War etwa ein neuer Kühlschrank verfügbar, wurde die Seite gestaltet und als Update per Post verschickt. Ergebnis: Die Seiten kamen nicht an, wurden falsch eingeheftet oder die Daten waren veraltet.
„Deshalb haben wir eine webbasierte Software entwickelt, mit der sich kundenseitig individuelle Videos mit wenig Aufwand erstellen lassen.“
„Ein weiteres Problem war, dass der Außendienst auch für die Gestaltung der Werbemittel verantwortlich war“ erklärt Theis. „Da wurden dann irgendwelche Freunde gefragt, die keinen Zugriff auf die Produktbilder hatten und außerdem das Corporate Design nicht kannten“. Ergebnis: Ein unschöner, visueller Gemischtwarenladen.
Illustration der Software Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
V2A.NET
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„So ist nicht nur die Videosoftware entstanden, sondern eine umfassende Plattform. Anfangs war das überschaubar; wir wussten aber, welche Probleme der Auftraggeber hatte und haben uns gemeinsam Gedanken gemacht, wie man das schnell weiter ausbauen könnte.“ Auch, um „V2A.NET“ die Arbeit zu erleichtern. So ist aus einer kleinen Idee eine große Plattform für den Außendienst entstanden, die Theis mit dem „Schweizer Taschenmesser“ vergleicht: „Die Mitarbeiter loggen sich via Tablet-App oder Intranet ein und haben dann ihr Messer, ihre Schere, ihren Schraubenzieher. Sie finden das passende Werkzeug für ihre Bedürfnisse – kompakt, intuitiv und mit allen Funktionen.“
„Wir haben uns von einem Design-Unternehmen in eine neue Mischform entwickelt“ sagt Theis. „Wir machen mehr als die Hälfte des Umsatzes mit SoftwareEntwicklung. Das Design bleibt aber ein großer Baustein, das zeichnet uns aus. Wir wollen als Kreativ-Agentur die Sachen nicht runterrocken, nur um Geld zu verdienen. Das ist nicht unser Anspruch. Das würde auch den Kern, der uns zusammenhält, zerstören. Anders als die reinen Softwareschmieden, haben wir mehr Sinn für Design, dessen Anwendung und intuitive Benutzerführung. Da sind wir stark – dass wir nicht nur Funktionen
programmieren, sondern diese auch empathisch konzipieren. Am Ende steht ein intelligentes Gesamtpaket. Inzwischen setzen auch Kunden außerhalb der Getränkebranche unsere Technologie begeistert ein – unter anderen ein Hersteller für Baustofftechnik und die Hochschule Hamm-Lippstadt.
Denn das Kernproblem, die verlässliche Einhaltung von Corporate Design durch die Mitarbeiter, besteht in allen Branchen.“ www.v2a.net
01 / 2018 – Design Metropole Ruhr
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Termine
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Eine Auswahl von feinen Veranstaltungen: Koks.digital - Konferenz für digitales Marketing
up*satz – Führungskräfte-Forum Ruhr-„Die Kraft der Marke“
RuhrSummit 2018 Startup-Konferenz
20.04.2018 Rotunde Konrad-Adenauer-Platz 3, 44787 Bochum www.koks.digital
20.09.2018 Rotunde Konrad-Adenauer-Platz 3, 44787 Bochum www.up-satz.de
11.- 12.10.2018 Jahrhunderthalle Bochum www.summit.ruhr
Veranstalter: Go Between GmbH
Veranstalter: Beckdesign GmbH
Westvisions
Creative Stage Ruhr Duisburg
16.05.2018 Landschaftspark Duisburg-Nord Gebläsehallenkomplex Emscherstraße 71 47137 Duisburg www.westvisions.de
29.08.2018 Cubus Kunsthalle Friedrich-Wilhelm-Str. 64 47051 Duisburg www.creativestageruhr.de
Veranstalter: Krankikom GmbH
Veranstalter: Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH
Initiatoren: 360 Online Performance Group GmbH, Ruhrgründer, Initiativkreis Ruhr GmbH
RuhrJs 2018 JavaScript Conference 13.- 14.10.2018 Rotunde Konrad-Adenauer-Platz 3, 44787 Bochum https://ruhrjs.de/ Veranstalter: 9elements GmbH
Kompetenzen aus der Region - Best practice aus Wirtschaft und Design
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06.06.2018 Tectrum Bismarckstraße 142 47057 Duisburg www.designmetropoleruhr.de
19.09.2018 IHK Dortmund Märkische Str. 120 44141 Dortmund www.designmetropoleruhr.de
Veranstalter: Engage.NRW und Design Metropole Ruhr
Veranstalter: Engage.NRW und Design Metropole Ruhr
Creative Stage Ruhr
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12.07.2018 Kunstmuseum Bochum Kortumstr. 147 44787 Bochum www.creativestageruhr.de
06.10. 2018 Tyde Mathiesstr. 16 44147 Dortmund
Save the date! Digitale Woche Dortmund 05.-09.11.2018 www.diwodo.de Veranstalter: Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH
Veranstalter: Florida Creative Lab Veranstalter: Wirtschaftsförderung Bochum WiFö GmbH
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Rubrik AUSSTELLUNGSPROGRAMM 2018
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EIGENSINN autonom und subversiv 17.3.–22.4.18
I Wanna Be Your Dog #2 Animal Liberation in der aktuellen Kunst 5.5.–1.7.18
Offene Ateliers im Rahmen der Offenen Ateliers Dortmund 2.+3.6.18
Kooperation mit dem Favoriten Festival Theater, Performance und mehr 1.–30.9.18
Nur Öl Malerei 1.12.18–20.1.19
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Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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Impressum
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Herausgeberin Reinhild Kuhn r.kuhn@heimatdesign.de Heimatdesign Leibnizstr. 8a 44147 Dortmund www.heimatdesign.de
Das Projekt DESIGN METROPOLE RUHR wird durch unsere Supporter und Partner möglich gemacht :
Konzept, Organisation, Marketing, Anzeigen, Vertrieb: Marc Röbbecke m.roebbecke@heimatdesign.de Chefredaktion Marc Röbbecke european centre for creative economy
Art-Direktion NEU - Designbüro Druck Bonifatius GmbH Druck - Buch- Verlag Auflage 50.000 Exemplare Supporter Ein Nachdruck der Texte und Fotos im Design Metropole Ruhr- Heft – auch im Internet – ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers gestattet.
Von der Crowd finanziert über
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Rubrik
Design Metropole Ruhr – 01 / 2018
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Rubrik
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