Skip to main content

Theaterzeitung Jan/Feb 26

Page 1

Spielzeit 25/26

Januar Februar

Staatstheater Braunschweig


Morgens Hörsaal, abends kostenlos ins Theater.

�

Für Studierende der TU Braunschweig und der HBK Braunschweig ist der Eintritt in Vorstellungen (ausgenommen Premieren und Sonderveranstaltungen) des Staatstheaters Braunschweig ab drei Tagen vor der Vorstellung frei. Mehr Infos unter www.staatstheater-braunschweig.de Kolumnentitel


Liebes Publikum,

PREMIEREN

S. 02–11

Auf Los geht’s los, dieses neue Jahr 2026!

KALENDARIUM

S. 12–13

AQUARIUM

S. 14–15

Wir begrüßen 2026 mit unserem Neujahrskonzert. Sie haben programmatisch mitgemischt, Ihre Wunschtitel in unsere Lostrommel geworfen und entstanden ist ein Programm rund um das Wasser. Das Programm entfaltet die Vielseitigkeit des Elements: Klare Tropfen, kraftvolle Strömungen, tiefe Meere und funkelnde Oberflächen. Wasser als Metapher für Wandel, Erneuerung und Begegnung. Freuen Sie sich auf das Staatsorchester Braunschweig unter der Leitung des Generalmusikdirektors Srba Dinić und Werke von nicht nur einem Strauss, Bedřich Smetana und Benjamin Britten. Die großartige Lea Sophie Salfeld aus unserem Schauspielensemble wird das Konzert moderieren. Sollten Sie am 02. Januar nicht im Staatstheater Braunschweig mit uns feiern können, haben Sie die Chance, das Programm an anderen Orten zu erleben. Das Staatsorchester Braunschweig verbindet eine langjährige Kooperation mit »Grenzenlos Klassik«, dem Helmstedter Kulturverein e.V. Neben kleiner besetzten Konzerten im Juleum, dem Pfingstkonzert der Reihe »Kultour« in der Klosterkirche St. Marienberg und einem wunderbaren Konzert im Sommer im Refektorium des Klosters Mariental spielen wir im Brunnentheater Bad Helmstedt am 18. Januar 2026 unser Neujahrskonzert.

JUNGES!

S. 15

WIEDERAUFNAHMEN S. 16–17 HINTER DEN TÜREN ... S. 18–19

Der Reigen der Neujahrskonzerte wird traditionell am 01. Januar in der Stadthalle Gifhorn eingeleitet. Unser Neujahrskonzert am 15. Januar 2026 in der Congress Union in Celle wird nicht nur ein musikalischer Start ins neue Jahr sein, sondern auch der Neustart für Konzerte des Staatsorchesters Braunschweig in Celle. Nach dem Auslaufen der Konzertreihe »Zeit für Klassik« sind wir glücklich, verkünden zu können, dass wir wieder zurückkehren. Neben den zehn Sinfoniekonzerten, die das Staatsorchester im eigenen Haus spielt, und den genannten Neujahrskonzerten gibt es weitere Orte, an denen Sie uns außerhalb Braunschweigs erleben können. Wir lieben die wunderbare Akustik beim Gastieren im Scharoun Theater Wolfsburg und sind stolz, auch in diesem Jahr in der Elbphilharmonie spielen zu können. Begleiten Sie uns nach Hamburg, wenn wir im März dort auch das 70. Firmenjubiläum des Reisebüros Schmidt feiern! Wenn Sie in diesem Heft weiterblättern, werden Sie »Hinter den Türen …« mehr über ein weiteres Herzensprojekt des Staatsorchesters erfahren, das auch in Verbindung mit einem besonderen Konzert stehtas: das Klimakonzert im Großen Haus am 26. Januar, in dem wir wunderbare Gäste begrüßen. Starten Sie also nicht nur mit uns ins neue Jahr, sondern begleiten Sie uns auf wortwörtliche und sprichwörtliche Reisen! Alles Gute für 2026 wünscht

Ihre Verena Rast

Orchesterdirektorin

EXTRAS

S. 20

PS: Und was versteckt sich hinter der historischen Kulisse zum Singspiel »Cleopatra« anno 1690? Lesen Sie mehr dazu auf Seite 18.

BuchClub: »Das kunstseidene Mädchen« 21. Januar, 18:30, 5 kW (Einlass am Magnitorwall) Eintritt frei, Anmeldung: aktion@staatstheater-braunschweig.de

↗ Rechtskulissen zu »Cleopatra«, Bühnenbild von Johann Oswald Harms zur Eröffnung der Hofoper am Hagenmarkt, 1690, © HAUM, Braunschweig Umschlag: Feuerzauber, Staatsorchester Peter Grimes, Musiktheater Illustrationen von Samuel Weikopf

Die öffentliche literarische Gesprächsrunde zu Irmgard Keuns Roman beginnt. Bevor im zweiten Gruppentreffen über die Bühnenadaption gesprochen wird, stehen beim 1. BuchClub zu »Das kunstseidene Mädchen« der Roman, seine Geschichte und die Autorin Irmgard Keun im Mittelpunkt. Teilnahmevoraussetzung: Kenntnis des Romans.


NEUJAHRSKONZERT 01., 02., 15. & 18.01.26 GROSSES HAUS & WEITERE SPIELSTÄTTEN

Auf Los geht’s los!

Mit einem musikalischen Auftakt voller Elan und festlicher Strahlkraft begrüßen wir das neue Jahr! Unter dem Motto »Auf Los geht’s los!« möchten wir Sie einladen, gemeinsam mit uns in ein klangvolles Jahr zu starten, das mit lebendiger Energie, frischem Schwung und einem Hauch von Abenteuer beginnt. Die Programmgestaltung entstand aus Ihren Wünschen und Vorschlägen. So ist ein vielseitiges und zugleich thematisch verbindendes Konzert entstanden, das sich ganz dem faszinierenden Element Wasser widmet. Wasser in all seinen Formen – vom sanften Plätschern bis zur aufgewühlten Flut, vom eleganten Gleiten bis zum kraftvollen Strömen – findet seinen musikalischen Widerhall in diesem Konzert. Das Programm führt Sie durch sprudelnde Walzerseligkeit, geheimnisvolle Klanglandschaften und funkelnde orchestrale Farben. Der Wiener Charme der Familie Strauss wird unter anderem mit Werken von Ernst Fischer, Max Reger, Bedřich Smetana und Albert Lortzing ergänzt. Zudem gibt es mit Benjamin Brittens »Sea Interludes« einen Vorgeschmack auf die anstehende Premiere von »Peter Grimes«.

Srba Dinić, Foto: Joseph Ruben Heicks

Musikalische Leitung: Srba Dinić Staatsorchester Braunschweig Moderation: Lea Sophie Salfeld Freitag, 02. Januar 2026, 19:30 Uhr Staatstheater Braunschweig, Großes Haus sowie: 01. Januar 2026: Stadthalle Gifhorn 15. Januar 2026: Congress Union Celle 18. Januar 2026: Brunnentheater Bad Helmstedt

Frischer Elan und festliche Strahlkraft für das Neue Jahr 02

PREMIEREN

Lea Sophie Salfeld, Foto: Volker Conradus


SCHAUSPIEL

24.01.26 GROSSES HAUS

Mariam Avaliani spielt Doris, das kunstseidene Mädchen. Nach dem Studium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien ist sie seit 2023 Ensemblemitglied in Braunschweig, steht aber auch immer noch vor der Kamera wie z.B. in der Mini-Serie »Kafka«.

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.

Regina Wenig bringt »Das kunstseidene Mädchen« neu zum Leuchten: eine Collage aus Doris’ Suche nach Glanz im Berlin der 1930er und heutigen Stimmen junger Frauen – ein Blick auf Mut, Not und die Kraft weiblicher Solidarität.

Foto: Volker Conradus

1931

schreibt Irmgard Keun »Das kunstseidene Mädchen«. Nach dem Überraschungserfolg ihres Debütromans »Gilgi, eine von uns« gelingt ihr ein weiterer Bestseller. Aus dem Stand ist sie eine der bekanntesten Autor:innen der Weimarer Republik. Selbst der große Kurt Tucholsky verneigt sich: »Ein durch und durch originelles Buch, das den Leser unwiderstehlich in seinen Wirbel von toller Laune, tiefem Gefühl und tragischer und komischer Verstrickung zieht.« Die Autorin, gerade mal 26 Jahre alt, genießt den rauschhaften Erfolg. Auch Doris, »Das kunstseidene Mädchen«, schreibt, nicht einfach nur Tagebuch, sondern »wie Film« in ein schwarzes Heft mit aufgeklebten Tauben. Noch jünger als ihre Autorin ist sie, nicht weniger will sie das Leben genießen. Aus der mittleren Stadt, in der sie zuhause war, muss sie fliehen, nach Berlin, dem Sehnsuchtsort. »Ein Glanz« will sie hier werden. Doch Berlin ist knochenhart, spuckt sie aus, lässt sie nicht hochkommen. Es mangelt an fast allem, nur an Herz und Humor nicht. Für Irmgard Keun ist der Erfolg mit der Machtergreifung der Nazis 1933 abrupt zu Ende. Ihr funkelnder Stil, ihr populäres Schreiben lassen leicht übersehen, wie politisch diese Autorin ist. Ihre Bücher werden verbrannt und 1936 geht Irmgard Keun den Weg so vieler Literaten ins Exil, zunächst nach Ostende. Dort erlebt sie einen Sommer zwischen Bangen und Glück, wirft sich in eine leidenschaftliche Beziehung zu Joseph Roth. Rastlose Jahre folgen, eine geheime Rückkehr nach Deutschland, ein schwieriger Start nach dem Ende des Krieges. Die einst so sprudelnde Autorin verstummt, gerät in Vergessenheit, in größte Not, bis sie in den 70er Jahren wiederentdeckt wird.

2026

bringt Regina Wenig ihre Bearbeitung von Keuns Roman auf die Bühne des Großen Hauses. Regina Wenig verbindet literarische und dokumentarische Ebenen in ihren Arbeiten zu prägnanten, zeitgenössischen Theaterformen. Ihr Stilmittel ist die Collage, sie verwebt Dokumente und Zitate von Irmgard Keun mit der Geschichte von Doris und lässt die beiden direkt miteinander agieren. Dazu kommen Stimmen von jungen Braunschweigerinnen, mit denen Wenig Interviews geführt hat. Diese (vielgestaltige) Stimme bringt den ganzen Kosmos von Irmgard Keun und ihrer Protagonistin Doris ins Heute und macht sichtbar, was noch immer an patriarchalen Strukturen wirkt, aber auch welche Kraft Solidarität und Hoffnung haben. Regie: Regina Wenig Bühne & Kostüme: Loriana Casagrande Musik: Martin Lejeune Video: Oliver Rossol Dramaturgie: Ursula Thinnes Mit: Mariam Avaliani, Ivan Marković, Saskia Taeger, Lina Witte Premiere im Großen Haus am 24. Januar 2026, weitere Vorstellungen am 30. Januar, am 08., 18., 20. und 26. Februar sowie in den folgenden Monaten

PREMIEREN

03


5. SINFONIEKONZERT

11. & 12.01.26 GROSSES HAUS

Unvollendet Der Bruckner-Experte Gerd Schaller präsentiert seine Vollendung der 9. Sinfonie im Großen Haus.

»Ich hab’ auf Erden meine Schuldigkeit getan; ich tat, was ich konnte, und nur eines möchte ich mir noch wünschen: Wär’s mir doch vergönnt, meine 9. Sinfonie zu vollenden!« Die Erfüllung dieses frommen Wunsches erlebte Bruckner jedoch nicht mehr, denn er starb, ohne den vierten Satz fertiggestellt zu haben. Und doch: Insbesondere das Fehlen dieses Satzes umgibt die Sinfonie mit einem ganz eigenen Nimbus. Denn das Werk, das Bruckner »dem lieben Gott« widmete, endet mit einem Adagio, wie es feierlicher kaum sein könnte: Elegische Tubeneinsätze und Zitate aus seinen sakralen und sinfonischen Werken machen gerade diesen Satz zu einer im Pianissimo verklingenden Rückschau auf ein musikalisch erfülltes Leben. Gerd Schaller begann 2018, anhand der erhaltenen Skizzen und Entwürfe Bruckners eine revidierte Fassung des Finalsatzes der 9. Sinfonie zu erarbeiten. Er schreibt dazu im Vorwort der Partitur: »Ich bedauerte es […] über all die Jahrzehnte hinweg, in denen ich mich theoretisch und praktisch (als Dirigent) mit den Bruckner’schen Werken beschäftigt habe, stets, dass nichts von diesen faszinierenden Skizzen und Ideen Bruckners jemals erklingen würde, da sie eben nicht in einer spielbaren Form hinterlassen wurden. […] Eine erneute Beschäftigung mit der 9. Symphonie im Vorfeld einer Aufführung gab schließlich den entscheidenden Impuls: ich entschied mich, eine Komplettierung in Angriff zu nehmen.« Musikalische Leitung: Gerd Schaller Staatsorchester Braunschweig Sonntag, 11. Januar 2026, 11:00 Uhr Montag, 12. Januar 2026, 20:00 Uhr Konzerteinführung 45 Minuten vor dem Konzert in der Hausbar im 3. Rang Staatstheater Braunschweig, Großes Haus

Gerd Schaller, Foto: Zuzanna Specjal

Anton Bruckner Sinfonie Nr. 9 in d-Moll WAB 109 (IV. Satz in der vervollständigten Fassung von Gerd Schaller)

04

PREMIEREN


6. SINFONIEKONZERT

08. & 09.02.26 GROSSES HAUS

Feuerzauber Das 6. Sinfoniekonzert bringt mit seinem Feuerzauber das Große Haus zum Glühen.

Feurig geht es zu im 6. Sinfoniekonzert, das mit viel Leidenschaft, packenden Mythen und faszinierenden Klangwelten aufwartet. Das Konzert wird kraftvoll eröffnet mit Jean Sibelius’ berühmter »Finlandia«, seiner Hymne an die Freiheit Finnlands, das 1899/1900 noch russische Provinz war, somit kein unabhängiger Staat. Der folgende »Danza Ritual del Fuego« bietet pulsierende Rhythmen und versprüht die feurige Leidenschaft Spaniens, woraufhin es mit Hugo Alfvéns »En skärgårdssägen« auf ein Abenteuer in die berühmten Schärenlandschaften vor Stockholm geht. Nach der Pause führt Saint-Saëns’ »Phaéton« in die Welt der griechischen Mythologie und erzählt von der verhängnisvollen Reise des Protagonisten im Sonnenwagen – ein rasanter Klangritt musikalischer Brillanz. Voller Energie und sinfonischer Eleganz steckt Joseph Haydns Sinfonie Nr. 59, die den passenden Beinamen »Feuersinfonie« trägt. Den krönenden Abschluss bildet Igor Strawinskys »Feuervogel Suite«, ein Meilenstein der Orchesterkunst, der das Tor ins Reich der russischen Märchen aufschlägt: ein farbenreiches Werk voller Magie, Gefahr und triumphaler Befreiung. Musikalische Leitung: N.N. Staatsorchester Braunschweig Sonntag, 08. Februar 2026, 11:00 Uhr Montag, 09. Februar 2026, 20:00 Uhr Konzerteinführung 45 Minuten vor dem Konzert in der Hausbar im 3. Rang Staatstheater Braunschweig, Großes Haus

Jean Sibelius Finlandia Manuel de Falla Danza Ritual del Fuego Hugo Alfvén En skärgårdssägen op. 20 Camille Saint-Saëns Phaéton op. 39 Joseph Haydn Sinfonie Nr. 59 in A-Dur (»Feuersinfonie«) Igor Strawinsky Feuervogel Suite für Orchester

KLIMAKONZERT

26.01.26 GROSSES HAUS

Mensch und Natur Einklang der Romantik und Dissonanz der Gegenwart Das diesjährige Klimakonzert steht im Zeichen einer klimagerechten und biodiversen Zukunft.

Das diesjährige Klimakonzert beginnt mit Antonín Dvořáks Ouvertüre »In der Natur« op.91 – ein Stück, welches die Schönheit der unberührten Natur feiert. Anschließend stellt Jan Haft, einer der renommiertesten Naturfilmer Deutschlands, Ausschnitte seiner preisgekrönten TV-Dokumentarfilme vor und macht in seinem Vortrag auf ein klimagerechtes und biodiverses Handeln im Alltag aufmerksam. Abschließend brilliert die international gefeierte Cellistin und Botschafterin des Vereins »Orchester des Wandels e.V.« Tanja Tetzlaff mit Haydns erstem Cellokonzert in C-Dur. Nach dem Konzert können Sie bei einem »Get together« mit Tanja Tetzlaff, Jan Haft und der Filmproduzentin Melanie Haft ins Gespräch kommen. Die eingenommenen Spenden gehen dieses Jahr an ein Naturschutzprojekt des Vereins »Förderkreis Umwelt und Naturschutz Hondelage« – ein Verein, der sich dafür einsetzt, die biologische Vielfalt im Umkreis Braunschweigs zu schützen. »Eine gesunde Umwelt und Natur ist nicht nur lebensnotwendig für uns, sondern auch schön! Sie berührt die Sinne und ist eine lustvolle Freude. Ähnlich wie die Musik, die auch von der Natur inspiriert ist.« (Jan Haft) Musikalische Leitung: Srba Dinić Staatsorchester Braunschweig Solistin: Tanja Tetzlaff Gäste: Jan und Melanie Haft Montag, 26. Januar 2026, 20:00 Uhr Staatstheater Braunschweig, Großes Haus Mehr zur Klimagruppe des Staatsorchesters Braunschweig erfahren Sie auf Seite 19

Antonín Dvořák In der Natur op. 91 Joseph Haydn Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in C-Dur Hob. VIIb:1 Tanja Tezlaff, Foto: Giorgia Bertazzi

PREMIEREN

05


MUSIKTHEATER

21.02.26 GROSSES HAUS

Peter Grimes

Alexander Sinan Binder und Eva-Maria Höckmayr widmen sich dem abgründigen Meisterwerk des 20. Jahrhunderts über einen gesellschaftlichen Außenseiter, das den jungen britischen Komponisten Benjamin Britten 1945 über Nacht berühmt machte. Als 1941 die Idee zur Oper Peter Grimes entstand, saß Benjamin Britten mit seinem Lebensgefährten Peter Pears, dem späteren Uraufführungs-Grimes, kriegsbedingt in den USA fest. Sicher faszinierte ihn die Verserzählung »The Borough« (1810) des Arztes und Klerikers George Crabbe aus Suffolk, aus der er den Titelhelden und die Dorfgemeinschaft übernahm, auch wegen seines Heimwehs. Angesichts des gesellschaftlichen Klimas, in dem die Oper zur Uraufführung gelangte, verschleiern Aussagen, ihr wahrer Protagonist sei die Nordsee, jedoch bewusst, worum es geht. Unendliche Weite und unergründliche Tiefe, das Wechselspiel von vermeintlicher Ruhe und hervorbrechender Naturgewalt machen das Meer traditionell zur Metapher für »Unsagbares«: die Verdrängung abgründiger Sexualität aus dem öffentlichen Diskurs durch bürgerliche Moralvorstellungen. In »Peter Grimes« wird die psychische Disposition des Fischers, dessen minderjährige Lehrjungen auf mysteriöse Weise zu Tode kommen, nirgends so deutlich wie dort, wo Orchester und raue Nordsee Spiegel der Seele eines großen gesellschaftlichen Außenseiters werden, der Probleme hat, sich auszudrücken. So wird ein Sturm Antwort der Natur auf Grimes’ frommen Wunsch, durch eine Heirat mit der Lehrerin Ellen Orford Ruhe zu finden: Wiederkehrende donnernde Pauken und tobende Blechbläser evozieren menschliche Ohnmacht gegenüber Naturgewalten. An anderer Stelle schildern gurgende Klarinettenfiguren vor immer höher flirrenden Violinen und Flöten im Wechsel mit unergründlich tiefen, flächigen Streicher-Blechbläser-Klängen das Auflaufen der Flut – aber auch eine bedrohliche Dorfgemeinschaft im Wechsel mit erotischer Verlockung: Hohes Flirren erklingt auch, wenn von den ›nieces‹ im lokalen Pub und einem neuen Lehrjungen für Grimes die Rede ist – obwohl die Autoren das Libretto nachträglich von Hinweisen auf homoerotische und sadistische Neigungen Grimes’ bereinigten. Derartige Mehrdeutigkeiten sind die Kerninspiration für Eva-Maria Höckmayr. Sie begreift die »Sea Interludes« als Kern von Brittens Erzählung und lenkt den Fokus auch in den Szenen auf das Psychodrama in und um Peter Grimes: Wenn die Gewalten, mit denen Grimes ringt, sowohl das Meer, dem er seinen kargen Lebensunterhalt abringt, als auch seine ihn selbst ängstigenden Begierden, als auch die gesellschaftliche Dynamik innerhalb der Dorfgemeinschaft sein können, entsteht besondere musikdramatische Kraft.

Zeichnung der britischen Nordseeküste von Paul Nash – »The Sea Wall, Dymchurch«, 1919

Treten Sie in den Zeugenstand! Musikalische Leitung: Alexander Sinan Binder Regie: Eva-Maria Höckmayr Bühne: Paul Zoller Kostüme: Julia Rösler Chor: Johanna Motter Licht: Daniel Bock Dramaturgie: Björn Seela, Mark Schachtsiek Mit: Marius Pallesen, Ekaterina Kudryavtseva, Carl Rumstadt, Marina Prudenskaya, Marie-Dominique Ryckmanns, Victoria Leshkevich, Matthew Peña, Rainer Mesecke, Isabel Stüber Malagamba, Philipp Kapeller, Maximilian Krummen, Sungjun Cho, dem Chor und dem Extrachor des Staatstheaters sowie dem Staatsorchester Braunschweig Premiere im Großen Haus am 21. Februar 2026, weitere Vorstellungen am 27. Februar sowie in den folgenden Monaten

Bühnenbildentwurf von Paul Zoller

06

PREMIEREN


SCHAUSPIEL URAUFFÜHRUNG

23.01.26 KLEINES HAUS

Tag der Ansteckung

Felicia Zeller erzählt vom Kampf einer Long Covid-Patientin mit den Mühlen der Justiz – todtraurig und hochkomisch zugleich. Erinnern Sie sich? Was haben wir den Menschen applaudiert, die sich während des Lockdowns Tag und Nacht um diejenigen kümmerten, die am Covid-Virus erkrankt waren und künstlich beatmet werden mussten. Unermüdlich war ihr Einsatz, doch der Applaus ist verebbt und das Verdrängen und Vergessen hat längst eingesetzt. In Felicia Zellers neuem Stück, einer Auftragsarbeit des Staatstheaters Braunschweig, steht eine Krankenschwester im Mittelpunkt, obwohl sie selbst gar nicht anwesend ist. Im unermüdlichen Einsatz für ihre Patient:innen hatte sich Elke E mit dem Virus infiziert, nun kämpft sie vor Gericht darum, dass ihr eine Erwerbsminderungsrente zugesprochen wird. Aufgrund ihrer Krankheit wird sie vor Gericht von ihrem Vater und einem Anwalt vertreten. Wir erfahren, dass ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom), die schlimmste Form von Post Covid, nicht erst 2020 plötzlich über die Welt kam, sondern bereits 1969 wissenschaftlich erforscht wurde. Dem Chatverlauf einer WhatsApp-Gruppe von Long Covid-Patient:innen können wir entnehmen, dass nicht alle Reha-Maßnahmen automatisch die Genesung fördern, sondern das Krankheitsbild sogar verschlimmern können. Obwohl alle Fakten für Elke E sprechen, wendet die beklagte Unfallkasse alle möglichen juristischen Winkelzüge an, um bloß keinen »Präzedenzfall« zu schaffen…

Zellers Stücke bewegen sich oft in trockenen Themenfeldern wie Verwaltung oder Justiz, doch die Autorin versteht es, diese Felder funkensprühend zu beackern. Präzise Recherche überführt sie in einen ihr eigenen, sehr speziellen Sprachgestus, der viel Witz entfaltet und die Figuren dabei immer sehr ernst nimmt. Nach der Uraufführung von »Der Fiskus« im Januar 2020, das zahlreiche weitere Inszenierungen verzeichnete, ist dies eine weitere Zusammenarbeit zwischen der mit vielen Preisen ausgezeichneten Autorin und dem Regieteam um Christoph Diem und Ausstatter Florian Barth. Regie: Christoph Diem Bühne, Kostüme & Video: Florian Barth Dramaturgie: Holger Schröder Mit: Tobias Beyer, Valentin Fruntke, Gertrud Kohl, Klaus Meininger, Saskia Petzold, Ines Schiller, Götz van Ooyen, Ana Yoffe Premiere im Kleinen Haus am 23. Januar 2026, weitere Vorstellungen am 30. Januar, am 08., 13., 18., 20. & 27. Februar sowie in den folgenden Monaten

Bloß kein Präzedenzfall

Vorstellung des Bühnenbildes mit der Autorin Felicia Zeller (zweite von links), Foto: Florian Barth

PREMIEREN

07


TANZTHEATER URAUFFÜHRUNG

07.02.26 KLEINES HAUS

Styx

Melanie Lane erforscht in Styx die mythische Schwelle zwischen Leben und Tod – ein tänzerischer Zwischenraum. Mit Styx kreiert die australische Choreografin Melanie Lane ein Tanzstück, das den mythischen Fluss der Unterwelt als zeitgenössischen Resonanzraum begreift. In der antiken Sage markiert der Styx die Grenze zwischen Leben und Tod – ein Übergang, den nur jene überschreiten dürfen, die den nötigen Obolus besitzen. Doch jenseits der Erzählung von Charon, den rastlosen Seelen und den unheilvollen Kräften des Wassers interessiert Lane vor allem das, was zwischen den Welten liegt: jene Zwischenräume, in denen Identitäten sich lösen, Körper sich verwandeln und Gewissheiten ins Fließen geraten. Gemeinsam mit den Tänzer:innen erforscht sie diesen metaphorischen Schwellenort als Zone des Wandels. Der Styx wird dabei zum choreografischen Prinzip: ein Ort des Loslassens, an dem Verletzlichkeit und Widerstand, Dunkelheit und Leuchten aufeinandertreffen. Styx lädt das Publikum ein, den Moment zu betreten, in dem das Alte sich löst und das Unbekannte bereits atmet. Choreografie: Melanie Lane Bühne: Katharina Andes Kostüme: Don Aretino, Muyao Zhang Musik: Yamila Ríos Dramaturgie: Ira Goldbecher Mit: Giovanni Fumarola, Noriko Nishidate, Francesca Castellari, Brendon Feeney, Mátyás Ruzsom, Maria Gabriela Luque, Miriam Kaya, Lucas Roque Machado, Rei Okunishi, Dariusz Nowak, Filipa Amorim, Michael D’Ambrosio, Nao Tokuhashi, Razul Singh Gautam, Tiziano Pilloni

Motiv aus der Spielzeitkampagne 25/26 von Samuel Weikopf

Premiere im Kleinen Haus am 07. Februar 2026, weitere Vorstellungen am 12., 14., 19. & 21. Februar sowie in den folgenden Monaten

Wenn die Gewissheit zerfließt

08

PREMIEREN


Illustration: Meike Töpperwien

JUNGES! KONZERT

12. & 13.02.26 KLEINES HAUS

Das kleine Ich bin ich

Bilderbuch-Kinderkonzert / ab 5 Jahren »Auf der bunten Blumenwiese geht ein buntes Tier spazieren. Geht – und denkt so vor sich hin: Stimmt es, dass ich gar nichts bin?« Die musikalische Fassung des Kinderbuchklassikers bietet mit Klarinette, Cello und dem Akkordeon (Instrument des Jahres 2026) einen Soundtrack zu der poetischen Suche nach sich selbst. Ein Laubfrosch raubt dem bunten Tier mit den großen Augen seine Ruhe: »Nanu? Ein namenloses Tier bist Du?« Es macht sich auf den Weg und befragt alle, den Frosch, das Pferd, die Fische und auch den Papagei: »Lieber Papagei, hör zu! Bin ich nicht vielleicht wie Du?« Sein Weggefährte ist eine einfache, liebenswerte Melodie; diese klingt – je nach Situation – verspielt, neugierig, traurig oder zuletzt freudig: »Jetzt weiß ich, wer ich bin! Kennt ihr mich? Ich bin Ich!«

Ich bin, ich weiß nicht wer – laufe hin und laufe her…

Musik: Elisabeth Naske nach dem Bilderbuch von Mira Lobe und Susi Weigl Besetzung: Klarinette, Cello und Akkordeon, Musiker:innen des Staatsorchesters, und Erzählerin Premiere am 12. Februar 2026, Zusatzvorstellung wegen großer Nachfrage am 13. Februar, Kleines Haus

PREMIEREN

09


JUNGES! SCHAUSPIEL

16.01.26 MOBIL

Wildbestand oder Von einer, die auszog, eine Zukunft zu finden

Bühnencollagen von Anne Ferber

»Ich glaube nicht an Heimat. Ich glaube an Heimaten. Das können besondere Orte sein, denen wir uns ewig verbunden fühlen, egal, wie weit wir weg sind, und egal, wie lange wir schon nicht mehr dort waren. Doch meistens sind es Menschen, die uns vertraut sind und denen wir vertrauen. Zu Hause ist, wo ihr seid.« Simone Dede Ayivi in: Eure Heimat ist unser Albtraum

10

PREMIEREN

Der oder die Erzähler:in einer Geschichte hat auch die Macht zu bestimmen, wie diese Geschichte ausgeht. Wir erzählen unsere eigenen Geschichten, aber auch die Geschichten anderer, Geschichten über unsere Vergangenheit und unsere Zukunft. Darin liegt die Macht, die Geschichte einer anderen Person nicht nur zu erzählen, sondern sie zur maßgeblichen Geschichte dieser Person zu machen. Daraus entstehen manchmal wahre Geschichten, manchmal aber auch Märchen, die sich wiederholen, Machtpositionen festschreiben und Hierarchien aufrechterhalten. In »Wildbestand oder Von einer, die auszog, eine Zukunft zu finden« erzählen drei Kinder ihre eigene Geschichte, von der sie selbst noch nicht genau wissen, wie sie ausgeht. Greta und Hannes wohnen mit ihrer Mutter im Wald. Dort finden sie Dina, die über Zäune, Meer und Land als blinde Passagierin von weit hergekommen ist. Greta und Hannes müssen Abschied nehmen von ihrem Zuhause. Kein Wild ist mehr zu sehen und die Försterei bringt auch kaum Geld ein. Schlechte Zeiten für eine Mutter, die mit Axt und Jagdgewehr für den Unterhalt sorgt. Sie muss sich nach neuer Arbeit in der Stadt umschauen. Dina hingegen hat verschiedene Versionen der Geschichte, warum sie ihre Heimat verlassen musste. Sie hat sich seitdem unsichtbar gemacht und findet in der Stille und Dunkelheit des Waldes Sicherheit. Esther Beckers Text nutzt die Kraft des gemeinsamen Geschichtenerzählens und die Schablone von Grimms »Hänsel und Gretel«, um für Kinder ab 8 Jahren das Thema Migration, Heimat(losigkeit), Aufbruch und Alleingelassenwerden zugänglich zu machen. Der Text macht keinen Unterschied zwischen denen, die auf der Flucht sind und eine neue Heimat suchen und denen, die noch eine Heimat haben und gerade das Zuhause verlieren. Dahinter liegt das gleiche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit. Esther Jurkiewicz entwirft gemeinsam mit Anne Ferber und Francesco Wilking (Musik) für das JUNGE! ein mobiles Konzept für Schulen. Nach dem Prinzip eines Live-Hörspiels erzählen Spielende und Publikum gemeinsam die Geschichte und schaffen mit Musik, Geräuschen und Objekten die richtige Atmosphäre für »Wildbestand oder Von einer, die auszog, eine Zukunft zu finden«. Regie: Esther Jurkiewicz Bühne und Kostüme: Anne Ferber Musik: Francesco Wilking Dramaturgie: Judith Sünderhauf Mit: Luca Füchtenkordt, Amy Lombardi, Laura Köppel Premiere am 16. Januar, 10 Uhr, dieser und weitere Termine buchbar unter: schulgruppen@staatstheater-braunschweig.de


SCHAUSPIEL

21.01.26 AQUARIUM

Solaris

Alexandra Holtsch inszeniert den Science-FictionKlassiker von Stanisław Lem, in der deutschen Übersetzung von Irmtraud Zimmermann-Göllheim, als einen unterhaltsamen, rasanten Trip durchs All und die menschliche Psyche. Und spielt dabei mit dem Verhältnis von menschlicher, nichtmenschlicher und technologisch hergestellter, scheinbarer Intelligenz sowie dem Bedürfnis des Menschen nach ihrer Kontrolle.

Die obsessive, gewaltsame Beforschung einer außerirdischen Intelligenz verrät mehr über den Menschen und seine Abgründe als über fremde Planeten. Alexandra Holtsch legt in ihrer Inszenierung dieses Menschsein frei und setzt es in Bezug zu Neokolonialismus und Technologie. Die Solaris ist ein rätselhafter Planet. Sie umkreist zwei Sonnen in einer physikalisch unerklärlichen Umlaufbahn, ist um ein Vielfaches größer als die Erde und hat einen einzigen, gigantischen Bewohner: den Ozean. Er bedeckt den Planeten fast vollständig und verhält sich völlig unvorhersehbar, nimmt vorübergehende Formen an oder lässt welche aus seinen Tiefen heraufsteigen, scheint die Raumstation über ihm wahrzunehmen und auf unheimliche Art mit ihr zu interagieren. Seit Jahrzehnten treibt er die Forschung in den Wahnsinn. Als der Psychologe Kris Kelvin die Raumstation erreicht, wähnt er sich zunächst tatsächlich im Wahn: Ein Forscher hat Suizid begangen, die anderen beiden scheint eine Paranoia umzutreiben. Ein Bordcomputer, ausgestattet mit einer menschgemachten künstlichen Intelligenz, wirkt irgendwie dement und plötzlich steht Harey vor Kris, sein lang verstorbener Freund. Das alles ist nicht etwa ein Blendwerk von Kris’ Hirn, das ihm einen Streich spielt. Eine fremde, nichtmenschliche Intelligenz meldet sich zu Wort. Wobei… zu »Wort« nicht ganz zutrifft. Wie gelingt eine Verständigung, wenn Kommunikationsmuster, Intelligenzmodelle, ganze Daseinsweisen den Rahmen menschlicher Vorstellungskraft sprengen? Und was erhofft sich der Mensch eigentlich von einem Austausch? Die Kontaktversuche der Kosmonaut:innen werden immer verbissener, dann brutal.

Ein Trip durchs All und die menschliche Psyche

Echt oder KI-generiert? Natur oder Technologie? Sind das Gegensätze? Wäre das eine vertrauenswürdiger als das andere? Oder gruseliger? Und was ist das hier überhaupt? Foto: Alexandra Holtsch

Regie: Alexandra Holtsch Ausstattung: Sabine Mader Musik: Alexandra Holtsch Rauminstallation: Wolf Gutjahr Dramaturgie: Eva Bode Mit: Silke Buchholz, Roman Konieczny, Georg Mitterstieler, Heiner Take, Cedric Ziouech Premiere im Aquarium am 21. Januar 2026, weitere Vorstellungen am 24. & 30. Januar, am 05., 22. & 27. Februar sowie in den folgenden Monaten Öffentliche Probe am 17. Januar 2026 um 19:00 Uhr im Aquarium, Einführung um 18:30 Uhr im Foyer Kleines Haus. Mehr dazu auf Seite 15

PREMIEREN

11


JAN / FEB

M S T J! O K E

JANUAR Do 01

20:00

O

Neujahrskonzert

GF

Fr 02

19:30

O

Neujahrskonzert

GH

20:00

S

Warten auf Godot

KH

11:30

J! S Pippi Langstrumpf

GH

15:00

E

Öffentliche Führung

GH

19:30

M

Die Fledermaus, E*1

GH

19:30

S

Warten auf Godot

KH

20:00

S

Prima Facie

AQ

14:30

T

Das Rauschen der Stadt, E*1

GH

18:00

S

Draußen vor der Tür

KH

19:00

S

brand

AQ

Do 08

19:30

S

Minna von Barnhelm

GH

Fr 09

19:30

M

Die Fledermaus, E*1

19:30

S

Warten auf Godot, E* & N*

KH

19:30

T

Das Rauschen der Stadt, (ZLM), E*1 & N*

GH

19:30

S

Novecento

KH

20:00

S

Prima Facie, E*2 & N*

AQ

So 11

11:00

O

5. Sinfoniekonzert, E*1

GH

Mo 12

09:00 & J! S Pippi Langstrumpf 11:00

GH

20:00

O

5. Sinfoniekonzert, E*1

GH

15:00

E

Spezialführung: Requisite

GH

19:00

E

Theaterkreis

HB

Do 15

19:00

O

Neujahrskonzert

Celle

Fr 16

10:00 & J! S Wildbestand oder Von einer, 11:30 die auszog, eine Zukunft zu finden

mobil

19:30

M

Die Fledermaus, E*1

GH

19:30

S

Warten auf Godot

KH

11:30

J! S Pippi Langstrumpf (ZLM)

GH

19:00

S

Öffentliche Probe zu »Solaris«, AQ E*2

19:30

M

Wozzeck, E*1

GH

19:30

T

Soiree zu »Styx«

KH

11:00

O

Kammerkonzert

LSS

17:00

O

Neujahrskonzert

HE

18:00

S

Minna von Barnhelm, E*2

GH

19:30

S

Draußen vor der Tür, E*2

KH

Mo 19

20:00

O

Gastkonzert

WOB

Di 20

09:40 & J! S Wildbestand 11:30

mobil

Sa 03

So 04

Sa 10

Di 13

Sa 17

So 18

12

GH 2

Kolumnentitel

Musiktheater Schauspiel Tanztheater JUNGES! Staatsorchester Konzert Extra

18:45

J!S

11:30

J! S Wildbestand

mobil

18:30

E

Buchclub zu »Das kunstseidene Mädchen«, A*2

KH

18:45

J!S

Achtung Durchlauf! zu »Tag der Ansteckung«, A*1

KH

20:00

S

Solaris

AQ

Do 22

19:15

J!S

Achtung Durchlauf! zu »Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026«, A*1

GH

Fr 23

19:30

M

Die Fledermaus, E*1 & N*

GH

19:30

S

Tag der Ansteckung (UA)

KH

19:00

S

Solaris

AQ

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.

GH

18:00

M

Wozzeck (ZLM), E*1

GH

19:30

S

Warten auf Godot

KH

20:00

S

Mother’s Earth

AQ

19:00

J!

JUNGES! späti #6

AQ

20:00

O

Klimakonzert

GH

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.

GH

19:30

S

Tag der Ansteckung, E*2

KH

20:00

S

Solaris, E*2

AQ

19:30

S

Warten auf Godot

KH

20:00

E

Meisterkonzert: NDR Radiophilharmonie

GH

20:00

SE Gefangen

Mi 21

Sa 24

So 25

Mo 26 Fr 30

Sa 31

Achtung Durchlauf! zu »Solaris«, A*1

Wie hat es Ihnen gefallen?

�

Die Meinung unseres Publikums ist uns wichtig. ↦

KH

AQ


AQ GF GH HB HE KH LSS TiP

Aquarium Gifhorn Großes Haus Hausbar, Großes Haus Helmstedt Kleines Haus Louis-Spohr-Saal Tanzsaal im Park

UA Urauffühung WA Wiederaufnahme ZLM Zum letzten Mal

A*1

Anmeldung: junges@ staatstheater-braunschweig.de 2 A* Anmeldung: aktion@ staatstheater-braunschweig.de 3 A* Anmeldung: brigitteuray@ staatstheater-braunschweig.de AD* mit Audiodeskription, DGS* Deutsche Gebärdensprache

FEBRUAR So 01

14:30

M

Die Fledermaus, E*1, AD* mit E*3

GH

Mi 04

20:00

E

Direktmusik: »Gesammelte Irrtümer I-XII«

AQ

Do 05

18:45

J!T

Achtung Durchlauf! zu »Styx« KH

20:00

S

Solaris, E*2

Fr 06

20:00

E

Musik bei Freunden: Pär AQ Hagström and The Charlatans of Love

Sa 07

15:00

E

Öffentliche Führung

GH

16:00

J!

JUNGES! Eröffnungskomitee

AQ

19:30

T

Styx, E*

KH

19:30

S

Minna von Barnhelm

11:00

O

6. Sinfoniekonzert, E*

GH

11:15

M

Matinee zu »Peter Grimes«

KH

14:00

J!

JUNGES! Eröffnungskomitee

AQ

18:00

S

Tag der Ansteckung

KH

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.

GH

Mo 09

20:00

O

6. Sinfoniekonzert, E*1

GH

Di 10

19:00

E

Theaterkreis

HB

Do 12

09:30 & J!K 11:00

Das kleine Ich bin Ich

KH

11:00

S

Rex Osterwald (Schulvorstellung)

AQ

19:30

T

Styx, E*

KH

10:00

J!K

Das kleine Ich bin Ich

KH

11:00

S

Rex Osterwald (Schulvorstellung)

AQ

19:30

S

Tag der Ansteckung, E*2

KH

19:30

S

Minna von Barnhelm

GH

19:30

T

Styx, E*

KH

20:00

S

Rex Osterwald (ZLM), N*

AQ

15:00

T

Tanzworkshop für alle zu »Styx«, A*3

TiP

19:30

S

Babettes Fest (WA)

KH

20:00

E

Meisterkonzert – Klavierduo Arthur & Lucas Jussen

GH

20:00

S

Prima Facie

AQ

Di 17

17:45

J!M Achtung Durchlauf! zu »Peter Grimes«

GH

Mi 18

19:00

O

Juleumkonzert

HE

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026., E*2

GH

19:30

S

Tag der Ansteckung

KH

19:30

T

Styx, E*

KH

So 08

Fr 13

Sa 14

So 15

Do 19

AQ

2

2

2

2

Einführung 45 min vor Beginn Einführung 30 min vor Beginn Einführung 60 min vor Beginn

N*

Nachgespräch

20:00

S

Turbovolk3000

AQ

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026., E*2

GH

19:30

S

Tag der Ansteckung

KH

20:00

E

Queer Poetry Slam

AQ

19:30

M

Peter Grimes, E*

GH

19:30

T

Styx, E*2

KH

20:00

S

melancholie des widerstands: #03 Liebe

AQ

15:00

E

Ausstellungseröffnung GH Städtische Museen: »Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland«

18:00

S

Solaris

AQ

Di 24

20:00

SE Gefangen

AQ

Mi 25

18:30

E

BuchClub zu »Das kunstseidene Mädchen«, A*2

KH

20:00

S

Turbovolk3000, E*2

AQ

19:00

J!

JUNGES! späti #7 Kollektives Hörspiel

AQ

19:30

S

Das kunstseidene Mädchen. 1931. 2026.

GH

19:30

M

Peter Grimes, E*1

GH

19:30

S

Tag der Ansteckung

KH

20:00

S

2

Solaris, E* und N*

AQ

19:30

M

Die Fledermaus, E*1

GH

19:30

S

Babettes Fest

KH

20:00

E

Geldvorstellung – ein Schöpfungsakt

AQ

Fr 20

Sa 21

So 22

GH 1

E*1 E*2 E*3

Do 26

Fr 27

Sa 28

1

Wir sammeln Ihre Eindrücke im Foyer des Großen Hauses Kolumnentitel

13


Schauspiel & Musik Prima Facie 03. & 10.01. sowie 15.02. brand 04.01. (vorerst letztes Mal) Mother’s Earth 25.01. Rex Osterwald 12., 13. & 14.02. (zum letzten Mal) Turbovolk3000 19. & 25.02. Direktmusik 04.02. Musik bei Freunden: Pär Hagström’s Charlatans of Love 06.02. Pebbles Queer Poetry Slam 20.02. Lina Witte in »Prima Facie« & Ana Yoffe in »Mother’s Earth« Fotos: Joseph Ruben Heicks

Aquarium im neuen Jahr Was ist wohl hinter den Türen… (III)?

Der englische Poet, Maler und Wirrkopf William Blake schrieb, wenn die Menschen ihre doors of perception endlich einmal ordentlich durchputzten, dann sähen sie die Dinge wie sie seien: unendlich. Die einen finden das mystisch, die anderen mysteriös. Aldous Huxley fand: machen! Er kärcherte seine Tore der Wahrnehmung mit einer ordentlichen Dosis Meskalin. Er fand dies derart großartig, dass er einen Essay darüber schrieb, mit eben jenem Titel: Die Tore der Wahrnehmung. Das war lange nachdem er »Schöne Neue Welt« geschrieben hatte. Aber noch bevor Albert Hofmann das LSD erfand. Letzteres ließ sich Huxley später dann auf dem Sterbebett üppig verabreichen. Im selben Augenblick wurde JFK ermordet. Verrückt. Jim Morrison hatte den kurzen Einfall, seine Kapelle nach der Phrase zu benennen. Aber das Wort perception war nicht mehrheitsfähig, also blieb es bei The Doors. Im Grunde genommen machen wir im Aquarium nichts anderes, als an den Türen Ihrer Wahrnehmung zu rütteln. Wenn in »brand« die Apokalypse zur Party umgedeutet wird, dann ist das ein psychedelischer Akt. Oder dies: Pär Hagström kommt mit seiner Band auf Konzertbesuch. Der Bandleader von Nosferatu macht längst schon spiritual music. Und »Solaris« ist ein Klassiker unter den bewusstseinserweiternden Geschichten. Damit wir aber nicht komplett ins Feinstoffliche abdriften, noch jenes: »Prima Facie« verhandelt Me too, »Gefangen« verarbeitet Briefe russischer Strafgefangener und das Kollektiv VOLL:MILCH gastiert mit einem immersiven Abend über Geldschöpfung, ein Planspiel des Kapitalismus und Geldflusses. Seien Sie also eingeladen, unsere Türe (der Wahrnehmung bzw. ins Aquarium hinein) weiterhin wie in der ersten Hälfte der Spielzeit einzurennen, geben Sie sich deren Klinke in die Hände. Wir sind schon da. Christoph Diem und Leon Bornemann

melancholie des widerstands #3 – Liebe, Einführungsveranstaltung zu »hamlet. the rest is silence« 21.02.

Pär Hagström live bei »Musik bei Freunden« am 06.02.

14

AQUARIUM


Extras Öffentliche Probe zu »Solaris«

17. Januar, 19:00, Aquarium Einführung um 18:30 Uhr im Foyer Kleines Haus, Eintritt frei, Zählkarte notwendig Steigen Sie ein, begleiten Sie unsere Kosmonaut:innen auf der Zielgeraden zu einem neuen Planeten! Im übertragenen Sinne, versteht sich: Das Team der »Solaris«-Produktion ist nur ein paar Tage von der Premiere entfernt. Heute öffnet es einen Teil der Probe für Zuschauer:innen, die einen Einblick in das Bollwerk eines Theaters werfen wollen. Für eine Stunde können Sie miterleben, wie an einzelnen Szenen intensiv gearbeitet, ihnen durch Wiederholungen und Finetuning ein letzter Schliff verpasst wird und sehen schon einmal einen Ausschnitt aus dem Stück. Dramaturgin Eva Bode klärt 30 Minuten vorher über den Stand der Proben auf, erzählt aus dem Prozess und führt in Stoff und Stück ein. Im Anschluss ist Raum für Fragen und Austausch. Erfahren Sie mehr zum Stück auf Seite 11.

Szenische Lesung: Gefangen

31. Januar sowie am 24. Februar anlässlich des 4. Jahrestags der russischen Invasion in die Ukraine An wen wendet man sich, wenn es der eigene Staat ist, der Verbrechen begeht? Verbrechen, die dich in die Mitverantwortung ziehen. Verbrechen gegen dich. Wenn Widerstand unmittelbar Haft bedeutet? Gleichzeitig ist Widerstand der einzige Weg, frei zu bleiben. Ein Versuch, sich einem Staat zu widersetzen, der einen blutigen Krieg gegen die Ukraine führt – von innen heraus. Die Lesung gibt politischen Gefangenen aus Russland eine Bühne: Ihre Briefe sind Kommunikationsmittel und zugleich Dokumentation unmenschlicher Bedingungen. Vor allem aber sind die Briefe ein Medium, um dem Gefängnisalltag zu entfliehen und damit die Hoffnung nicht zu verlieren. Die Hoffnung auf das Ende des Krieges, auf Frieden, auf Freiheit.

Performance: »Geldvorstellung – ein Schöpfungsakt«

Kollektiv VOLL:MILCH 28. Februar & 01. März, Zählkarten sind erforderlich. Bitte halten Sie für den Einlass 10 € bar als Eintrittsgeld bereit VOLL:MILCH untersucht die Infrastruktur modernen Geldes. Wer darf Geld schöpfen? Zu welchen Zwecken, und wer erhält es zuerst? Und warum wird das akzep­tiert?

Das JUNGE! Eröffnungskomitee

07. & 08. Februar Konzept & Künstlerische Leitung: Judith Sünderhauf & Emily Warringsholz Mit: cindy+cate

JUNGES! späti Kuratiert vom Team JUNGES! Staatstheater Das JUNGE! späti als Treffpunkt (wie am Späti eben) für alle, die Theater partizipativ als offenen Raum in verschiedensten Formen erleben wollen! Ganz nach dem Spielzeitmotto eröffnet das JUNGE! Späti verschiedenste Türen des Lebens, hinter denen von open stage bis kollektiven Audioworkshops alles dabei ist, was das Herz begehrt. JUNGES! späti #6: open stage

26. Januar, 19:00, Aquarium, Eintritt frei Die erste späti Tür 2026 öffnet sich mit einem lauten Bimmeln und ruft auf die Bühne. Alle neuen Texte, die lang geübte Choreografie oder der improvisierte Song – das Scheinwerferlicht gehört euch! Meldet euch mit euren Beiträgen bei uns oder schreibt euch am Abend spontan auf die Liste. Von 20 Sekunden bis maximal 5 Minuten – wir freuen uns auf einen bunten Abend mit euch. Anmeldung unter: junges@staatstheater-braunschweig.de

JUNGES! späti #7: Kollektives Hörspiel

26. Februar, 19:00, Aquarium, Eintritt frei Im Februar holen wir uns Verstärkung in unser spätiTeam! Gemeinsam mit Marlene Unterfenger (Sängerin und Musikpädagogin) und Jonas Freudenberger (Künstler) laden wir zu einem kollektiven Klangworkshop ein! Ausgehend von einem Bild entstehen assoziativ Klänge, Träume, biografische Fragmente oder Alltagssituationen, die eine Geschichte einer Biografie ergeben. Am Ende entsteht daraus ein kollektiv erzähltes Hörspiel-Erlebnis. Diesem JUNGEN! späti geht ein ganztägiger Klangworkshop am 22. Februar ab 10 Uhr voraus. Anmeldungen unter: junges@staatstheater-braunschweig.de

AQUARIUM & JUNGES!

15


Das Rauschen der Stadt Tanztheater

04. & 10.01. (zum letzten Mal), Großes Haus In ihrem neuen Tanzstück spüren Gregor Zöllig und sein Team der Geschichte Braunschweigs nach, von Musik und Kunst über Wissenschaft bis hin zu Mobilität, Bürger:innenbewegungen und prägenden Persönlichkeiten. Episodische Szenen fangen das Lebensgefühl der Stadt ein, inspiriert von eigenen Erkundungen und Gesprächen mit den Bewohner:innen. »Das Premierenpublikum feierte den zweieinhalb-stündigen Abend und die sich energisch verausgabende Kompanie mit Bravos und Juchzen.« Andreas Berger, Braunschweiger Zeitung, 03.11.2025 Abb.: Noriko Nishidate, Filipa Amorim, Miriam Kaya Foto: Leszek Januszewski ↥

Wozzeck Musiktheater

17. & 25.01. (zum letzten Mal), Großes Haus Die Uraufführung der Oper von Alban Berg im Dezember 1925 war ein Paukenschlag. Die expressionistische und atonale Klangsprache war schlichtweg anders als alles bisher Gehörte, ebenso ungewöhnlich für die Opernbühne wie das Sujet: der Soldat Wozzeck, ein machtloser Außenseiter. In einfachsten und prekären Umständen lebend, hat er »nur ein Eckchen in der Welt«: Die Liebe zu Marie und ihrem gemeinsamen Kind. Als Marie eine Affäre mit dem Tambourmajor beginnt, verliert Wozzeck den letzten Halt, die Aussichtslosigkeit seiner Existenz treibt ihn schließlich zu einer Gewalttat. »Im Zuschauersaal ist schaurige Gänsehaut vorprogrammiert …« Martina Jacobi, Die Deutsche Bühne, 13.10.2025 Abb.: Yuedong Guan Foto: Björn Hickmann ↤

16

WIEDERAUFNAHMEN & PROGRAMM


Minna von Barnhelm Schauspiel 08. & 18.01. sowie 07. & 14.02. Großes Haus

Lessings Komödie ist ein Plädoyer für die befreiende Wirkung des Humors in der Betrachtung menschlicher Schwächen. Ob Minna, die seit Wochen auf eine Nachricht ihres Verlobten Major Tellheim wartet, oder ihre Begleiterin Franziska, oder all die anderen Figuren, die sich im Umfeld von Minna und Tellheim bewegen – sie alle sind komplexe Charaktere, fähig Ironie und Witz anzuwenden und vor allen Dingen zu verstehen. Lea Sophie Salfeld übernimmt nun die Rolle der Minna. »So wird das antiquarische Stück spielbar gemacht.« Frank Schäfer, Goslarsche Zeitung, 22.09.2025 Abb.: Amy Lombardi, Lea Sophie Salfeld Foto: Thomas M. Jauk ↤

Babettes Fest Schauspiel 15. & 28.02., Kleines Haus

Die Meisterköchin Babette muss in Folge des Aufstandes der Pariser Commune Hals über Kopf fliehen und landet in einer pietistischen Gemeinschaft hoch oben an einem norwegischen Fjord. Dort führt sie klaglos den Haushalt zweier Schwestern, die der Gemeinde nach dem Tod deren Vaters und Begründers der Sekte vorstehen. Das Leben ist geprägt von Enthaltsamkeit und Frömmigkeit. Nach zwölf Jahren gewinnt Babette in einer Lotterie. Das Geld setzt sie ein, um die Gemeinschaft aus Dank dafür, aufgenommen worden zu sein, zu einem Festmahl einzuladen. Karen Blixens leise Erzählung liefert komplexe Reflexionen über Entsagung und künstlerische Erfüllung, über Einsamkeit und Empfindsamkeit. Christoph Diems Inszenierung im Bühnenbild von Florian Barth sorgt für einen überraschenden Perspektivwechsel und wurde vom Publikum gefeiert. Nun kehrt diese Produktion für einige Vorstellungen auf den Spielplan des Kleinen Hauses zurück. Abb.: Gertrud Kohl, Georg Mitterstieler Foto: Björn Hickmann ↤

WIEDERAUFNAHMEN & PROGRAMM

17


HINTER DEN TÜREN... Das Staatsorchester Braunschweig: die älteste Sparte des Staatstheaters im Blickpunkt der Archäologie Das Staatsorchester Braunschweig darf sich einer langen Geschichte rühmen. Es zählt zu den ältesten Kulturorchestern der Welt und ist aus einer herzoglichen Hofkapelle hervorgegangen, gegründet 1587 in Wolfenbüttel. Nach der Wiedereinnahme der fast 400 Jahre lang eigenständigen Stadt Braunschweig erhielt das Orchester, genauer: als Akteur des Musiktheaters aus Oper mit Ballett, 1690 eine eigene Spielstätte am Braunschweiger Hagenmarkt, das Herzogliche Opernhaus. Es war es aus der Zusammenlegung dreier Bestandsbauten gebildet worden und verfügte über rund 900 Plätze sowie, nach einem späteren Ausbau mit tiefer gelegtem Parkett, fünf Ränge. Die Bühnentechnik war auf der Höhe der Zeit: fünf Kulissenpaare und Soffitten, herabsenkbare Szenenbilder sowie ein Flugwerk für einzelne Darsteller als deus ex machina. Zur Eröffnung am 4. Februar 1690 wurde das Singspiel »Cleopatra« gegeben, eine Komposition des herzoglichen Kapellmeisters Johann Sigismund Kusser (1660–1727) mit Libretto des Hofdichters Friedrich Christian Bressand (um 1670–1699) in einem Bühnenbild von Johann Oswald Harms (1643–1708). Im 18. Jahrhundert erhielt auch das Schauspiel seinen festen Platz im Opernhaus, Uraufführungen wie Lessings »Emilia Galotti« 1772 oder 1829 Goethes »Faust I« machten Braunschweig überregional bekannt. Mit dem Bezug des 1860 fertiggestellten Neubaus, dem heutigen Großen Haus des Staatstheaters, wurde der Bau am Hagenmarkt aufgegeben und ab 1861 abgetragen.

Ein Laubengang prägte die Südfassade des Opernhauses im westlichen Bereich. Hier wurde barocke Gründungstechnik freigelegt. Die Baumeister jener Zeit reagierten mit Entlastungsbögen auf den schwierigen Baugrund in der Okeraue. Ein Wechsel der Gründungstechnik mit mächtigen, in das Auensediment gerammten Eichenpfählen zeigte im östlichen Abschnitt, dass dieser Teil des Opernhauses auf deutlich älteren Grundmauern ruhte. Sogenannte Dendro-Proben von Holzfunden belegen die Fällung auf die Jahreswende 1359/60, somit eine in das Mittelalter zurückreichende, bisher noch weitgehend unbekannte Bauphase am Hagenmarkt. Ein bemerkenswerter Fund waren die in den barocken Fundamenten verbauten Spolien – große Werksteine, die mit einiger Sicherheit der aufwändig gestalteten Fassade des mittelalterlichen Hagenrathauses zuzuordnen sind. Stellenweise fanden sich hier auch Reste einer roten Farbfassung, die erste Hinweise auf die gotische Ausgestaltung des verschwundenen Gebäudes gibt. Auch die historische Infrastruktur wurde stückweise aufgenommen. So wurde neben einer sehr gut erhaltenen historischen Trinkwasserleitung im Bereich der ehemaligen Theaterbühne ein komplexes System aus hölzernen Kanälen und Speichervorrichtungen entdeckt. Nicht auszuschließen ist hier ein Zusammenhang mit der barocken Bühnentechnik. »Dass die Archäologen Reste des Opernhauses gefunden haben, ist grundsätzlich nicht überraschend«, sagte Klaus Hornung, Leiter des städtischen Referats Stadtbild und Denkmalpflege, während der Arbeiten. »Der Standort des 1690 fertiggestellten Gebäudes war sehr bewusst gewählt worden. In seinem Baukörper gingen vermutlich die Fundamente und verschiedene Räumlichkeiten des alten Hagenrathauses und des städtischen Gewandhauses auf. Aus dem mittelalterlichen Gebäude der städtischen Selbstverwaltung wurde nach der herzoglichen Eroberung 1671 ein Ort höfischer Repräsentation.« Nun wird der Hagenmarkt als grüner Platzraum neugestaltet, rund 80 Bäume und Gehölze werden gepflanzt und ein Regenwassermanagement eingerichtet – um den Preis der Aufgabe seines »kulturellen Gedächtnisses« tief im Boden. Bettina Maria Brosowsky

Vor der anstehenden Neugestaltung des Hagenmarktes fanden ab Ende 2024 umfangreiche archäologische Untersuchungen statt. Sie waren notwendig, weil vier größere Pflanzbereiche einen tiefen Bodenaustausch erfordern. In der zukünftigen südlichen Pflanzgrube wurden wie erwartet Fundamente des alten Opernhauses freigelegt. Um sie vor der erforderlichen teilweisen Entfernung umfassend zu dokumentieren, wurde eine dreidimensionale Technik eingesetzt, die weitere Forschungen zur Baugeschichte ermöglicht.

18

HINTER DEN TÜREN ...

Opernhaus am Hagenmarkt, Südseite, Kupferstich von A. A. Beck, 1747, © Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig, 1926 ↥ Ausschnitt aus Prospekt »Cleopatra«, Bühnenbild von Johann Oswald Harms zur Eröffnung der Hofoper am Hagenmarkt, 1690, © HAUM, Braunschweig Quellen: Stadt Braunschweig sowie Arcontor Projekt GmbH, Wolfenbüttel


Die Klimagruppe des Staatsorchesters Braunschweig stellt sich vor

Was ist das Besondere am Klimakonzert? Kristina Hügel: Das Besondere an unserem Klimakonzert ist, dass wir als Musiker:innen programmatisch mitgestalten dürfen, was bei unseren Konzerten sonst eher unüblich ist. Wir dürfen beispielsweise jedes Jahr ein Projekt auswählen, das die Spenden des Klimakonzertes erhalten soll. So wurde neben den Projekten von »Orchester des Wandels« bereits das Bergwaldprojekt mit einer Wiederaufforstungsaktion im Harz ausgewählt. Auch die Werbung für das Klimakonzert ist besonders und von unserem persönlichen Engagement geprägt: Wir gehen dafür häufig in die Stadt und sprechen Leute direkt an oder machen Kammermusik auf dem Kohlmarkt. Dadurch erreichen wir auch ein ganz anderes Publikum. Das Klimakonzert ist einzigartig, da jedes Jahr neue Gäste, Solist:innen und besondere Persönlichkeiten, etwa aus der Wissenschaft, an dem Konzert mitwirken. Cornelia Rumpp: Nach dem Konzert kann sich das Publikum mit den Gästen bei einem »Get Together« über das Thema der Veranstaltung austauschen. Besonders ist auch, dass die Konzerttickets auf allen Plätzen nur 12 €, ermäßigt 6 € kosten, damit wir Spenden sammeln können. Neben der Bewusstseinsbildung ist dies eines der Hauptanliegen unserer Klimakonzerte. Die diesjährigen Spenden gehen an ein Naturschutzprojekt des Vereins »Förderkreis Umwelt und Naturschutz Hondelage«, der sich für den Schutz der Natur im Umkreis Braunschweigs einsetzt.

Was ist die Klimagruppe und welche Projekte macht ihr? Kristina Hügel: Wir sind eine Gruppe von Orchestermusiker:innen des Staatsorchesters Braunschweig, denen die Themen Natur-, Arten- und Klimaschutz am Herzen liegen und die mit Musik auf diese Themen aufmerksam machen und Projekte unterstützen wollen. Cornelia Rumpp: Das Staatsorchester Braunschweig war Gründungsmitglied der deutschlandweiten Initiative »Orchester des Wandels e.V.«, in der zurzeit 44 große Orchester vertreten sind. Innerhalb des Vereins organisieren die Musiker:innen ehrenamtlich viele Konzerte, zum Teil mit Wissenschaftler:innen in innovativen Konzertformaten. Das Hauptprojekt von »Orchester des Wandels«, an das der größte Teil der Konzertspenden geht, ist ein Naturschutzprojekt in Madagaskar zur Wiederaufforstung eines Tieflandregenwaldes. Es wurde zusammen mit dem Zoo Zürich und der WCS (Wildlife Conservation Society) aus New York ins Leben gerufen wurde.

Warum seid ihr Teil der Klimagruppe? Berenike Mosler: Wir sind Teil der Klimagruppe, weil wir alle ein Bewusstsein für den Klimaschutz haben. Für mich persönlich ist es wichtig, die Möglichkeit zu nutzen, sich innerhalb des Orchesters für den Klimaschutz zu engagieren. Außerdem finde ich es schön, mit Künstler:innen und Wissenschaftler:innen in Kontakt zu kommen, denen das Thema genauso wichtig ist und mit ihnen zusammen Konzerte und Projekte zu gestalten.

↥Foto: Jakob Fahr, ↗ Unsere Cellisten Jan Bauer und Cristoph Lagemann-Wink nachhaltig unterwegs beim Bewerben des Klimakonzerts Die Fragen stellte Sidney Hoppe, er absolviert seinen BFD in der Orchesterdirektion des Staatstheaters Braunschweig

Worauf darf sich das Publikum am 26. Januar freuen? Berenike Mosler: Das Publikum kann sich auf einen überaus spannenden Vortrag des berühmten Naturfilmers Jan Haft zum Thema Artenvielfalt freuen. Dabei wird es sicher neue Impulse und interessante Gespräche geben! Als Solistin konnten wir die renommierte Cellistin Tanja Tetzlaff gewinnen, die gemeinsam mit dem Staatsorchester Braunschweig für fantastische Unterhaltung und eine musikalische Sternstunde sorgen wird. Mehr zum Klimakonzert auf Seite 05.

HINTER DEN TÜREN ...

19


Extras Spezialführung: Requisite

13. Januar, 15:00, Treffpunkt: Bühneneingang, Großes Haus Unsere Spezialführungen zeigen Ihnen Wirkungsstätten hinter der Bühne, zu denen Sie sonst keinen Zugang haben. Im Januar gewährt uns die Requisite Einblicke in ihre Schatzkammern und in ihre Arbeitsabläufe. Theaterguide Peter Matuschak präsentiert Ihnen mit Mitarbeitenden der Abteilung das Berufsbild des:der Requisiteur:in.

Festakt: »Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland«

22. Februar, 15 Uhr, Großes Haus Eröffnung der Ausstellung der Städtischen Museen Braunschweig Die bundesweit einzigartige Schau zeigt den Zentralrat als Anwalt für Demokratie und Förderer des Judentums in Deutschland - von der Gemeindearbeit bis zur Erinnerungskultur, vom Gesangwettbewerb Jewrovision bis zum Sportverband Makkabi.

Kammerkonzert

Ausstellung: Behind the Stage

Meisterkonzert: NDR Radiophilharmonie Träumen erlaubt

Ohne Kostüm, ohne Make-up, ohne Bühnenbeleuchtung fängt die Fotografin Noriko Nishidate Tänzer:innen der Kompanie in ihren alltäglichen Momenten ein. Mit einem sensiblen Blick für das Unscheinbare hält sie Szenen fest, die sonst verborgen bleiben: Pausen zwischen den Proben, konzentrierte Vorbereitung, stille Augenblicke des Nachdenkens, gemeinsame Momente der Reflektion. Die sensiblen Fotografien zeigen die Künstler:innen der Tanzkompanie in einer selten gesehenen Intimität und machen erfahrbar, wie viel Menschlichkeit, Hingabe und Ruhe hinter der körperlichen Ausdruckskraft auf der Bühne stehen. Noriko Nishidate wurde 1988 in Japan geboren. Nachdem sie 2011 als Jahrgangsbeste ihren Abschluss am Japan Women’s College of Physical Education absolvierte, war sie in internationalen Companien engagiert und ist seit der Spielzeit 2023/24 festes Ensemblemitglied am Braunschweiger Staatstheater unter der Leitung von Gregor Zöllig. Neben ihrer Aufgabe als Tänzerin dokumentiert sie das Ensemble und die Produktionen der Tanzsparte in Fotografie und Video.

18. Januar, 11 Uhr, Louis-Spohr-Saal Franz Danzi: Bläserquintett in B-Dur op. 56,1 Carl Nielsen: Bläserquintett op. 43 Jean Francaix: Bläserquintett Nr. 1 Malcolm Arnold: Drei Shanties für Bläserquintett op. 4 Mit: Sandrine Vialette (Flöte), Hyunae Lim (Oboe), Daniel Romberger (Klarinette), Aron Könzcei (Horn), Berenike Mosler (Fagott)

31. Januar, 20 Uhr, Großes Haus Pjotr Tschaikowski, Sergej Rachmaninow Die NDR Radiophilharmonie gastiert unter Leitung ihres Chefdirigenten Stanislav Kochanovsky mit zwei Repertoire-Highlights und einem selten gespielten, absolut hörenswerten Werk: Die mitreißende Polonaise aus Pjotr Tschaikowskis Eugen Onegin eröffnet den Abend, zum Abschluss erklingt seine erste Sinfonie mit dem treffenden Beinamen »Winterträume« – definitiv ein verkanntes Meisterwerk. Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich verschneite Winterlandschaften vor! Im solistischen Zentrum des Programms steht Alexander Krichel, der mit seinem Paradestück, Rachmaninows zweitem Klavierkonzert, das Tor in berauschende Klangwelten öffnet.

Galerie im Rangfoyer, 2. Rang, Großes Haus Ab Mitte Januar

Meisterkonzert: Lucas & Arthur Jussen

Klavierkunst im Doppelpack 15. Februar, 20 Uhr, Großes Haus Mozart, Schubert, Ravel, Strawinsky Klavierkunst im Doppelpack: Die beiden Brüder aus den Niederlanden sind an Talent, Charme und Musikalität kaum zu übertreffen. Von Kindesbeinen an stehen sie zusammen auf der Bühne – und auch jetzt mit Ende 20 und Anfang 30 merkt man Lucas und Arthur Jussen immer noch in jeder Note die Lust am gemeinsamen Musizieren an. In ihrem Debütkonzert bei den Meisterkonzerten spannen sie einen großen Bogen von Mozarts heiterer C-Dur-Sonate für Klavier zu vier Händen bis zu Strawinskys grandiosem Le sacre du printemps. Um die hochexpressiven sinfonischen Klänge des einstigen Skandalstücks auf das Klavier zu übertragen, braucht es zwei große Konzertflügel und zwei so virtuose Musiker wie das Brüderpaar.

20

EXTRAS

Proben zu »Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg« 23/24, Foto: Noriko Nishidate


Theater neu B entdecken?

ç

»Zugang Bühne« Termine ↦

Service

Tickethotline 0531 1234 567

Kasse

Vorverkauf

Kassenhalle, Großes Haus Am Theater, 38100 Braunschweig Di–Fr 10:00–18:30 | Sa 10:00–14:00 Vom 08.07.–09.08.2025: Di–Sa 10:00–14:00

Der Vorverkauf für fast alle Termine der Spielzeit 25/26 läuft. Kurzfristig angesetzte Termine geben wir jeweils am 1. des Vormonats in den Verkauf, für Abonnent:innen, StaatstheaterFreunde und Inhaber:innen der TheaterCard zwei Werktage vorher. Der Vorverkauf für das Aquarium beginnt bereits am 1. des Vorvormonats.

Telefon 0531 1234 567 | Fax 0531 1234 570 besucherservice@staatstheater-braunschweig.de www.staatstheater-braunschweig.de

Detaillierte Hinweise zu Ihrem Besuch lassen wir Ihnen bei Ihrem Kartenkauf oder rechtzeitig vor der Vorstellung per E-Mail zukommen.

Buchung für Schul- und Kindergartengruppen: schulgruppen@staatstheater-braunschweig.de Die Veranstaltungskasse öffnet im Großen und im Kleinen Haus eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Herausgeber

Umschlagmotive:

Staatstheater Braunschweig Am Theater, 38100 Braunschweig

Samuel Weikopf

Interimsleitung

Lisa Blädtke

Ellen Brüwer

Verwaltungsdirektor

Gestaltung

04.12.25

Presse- und Marketingabteilung, Dramaturgie, Vermittlung, Künstlerisches Betriebsbüro, Orchesterbüro, Besucherservice

Änderungen vorbehalten

»Pippi Langstrumpf« wird gefördert von

Blumensponsoring

Das Staatstheater Braunschweig ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen und wird gefördert von der Stadt Braunschweig.

Redaktionsschluss

Stefan Mehrens

Redaktion

»Das Rauschen der Stadt«, »Draußen vor der Tür«, »La bohème«, »Die Fledermaus«, »Pippi Langstrumpf«, »Minna von Barnhelm« und »Wozzeck« werden gefördert von

»Warten auf Godot« und »Superpower Supernormal« werden gefördert von


Staatstheater Braunschweig


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Theaterzeitung Jan/Feb 26 by Staatstheater Braunschweig - Issuu