N° 2 - 2020
STADTMUSIK BIEL MUSIQUE DE LA VILLE DE BIENNE Dabei bei den JUBIS Online-Proben Projekt Stadtmusik@Home Effizient üben – Workshop mit Miriam Terragni
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Hintergrundgeschichte heute nicht mehr präsent ist, es aber wahrscheinlich auch keinen Unterschied machen würde, wäre sie von uns Erwachsenen im Geringsten nachvollziehbar. Meine Erinnerung mag mich trügen, aber etwas ist mir geblieben: Wir Sandkasten-Rowdies waren unglaublich flexibel! Kaum zerbrach die eine Allianz, tat man sich innert Sekunden feige mit dem ehemaligen Feindchen zusammen. Ohne zu zögern wurden - nach kurzem Geflenne und Mami-Hilferufen - die zerstörten Burg-Türme wieder neu aufgebaut oder gleich auf imaginäre Bombergeschwader samt fallenden Steinen umgestellt. Oder wenn die Gegnerschaft mit der PastellGiesskanne meinte, einen Tsunami auslösen zu müssen, stampfte man einfach drauflos und zerstörte die Gegenwelt mittels gezielten Fusstritten und Faustschlägen. Kein Wunder, musste ein eindrücklicher Camion alle Jahre eine Tonne neuen Sand anliefern, damit wir wieder unsere göttergleiche Aufbau- und Zerstörungswut ausleben konnten. In der Rückschau staune ich über diese faszinierende Flexibilität, dieses ohne mit der Wimper zu zucken sofortige Wiederaufbauen der zerstörten Werke, dieses gleichgültige Wechseln der Fronten und das sich automatische Anpassen an neue imaginäre Realitäten. Es wäre uns doch nie in den Sinn gekommen, über in der Vergangenheit liegende bessere Zeiten oder zukünftige Bedrohungen nachzudenken. Wir machten doch einfach das Beste draus und passten uns automatisch an
die neue Situation an. Angst vor möglichen Konsequenzen? Furcht vor der Zukunft? Anpassungsschwierigkeiten? Phhhh, wir doch nicht! Und ir
ssten das on selbst ja nicht einmal
Irgendwie kommen mir diese wunderbaren Sand-Episoden zurzeit mehr in den Sinn, vor allem wenn ich an das ne normal nach Corona denke.
All
diese prophezeiten Konsequenzen, Erschwernisse,
Einschränkungen und Bürden, die wie dunkle Wolken am Horizont lauern. Proben mit der Stadtmusik? Nur mit Mindestabstand und nie mehr so wie vorher! Konzerte? Nur unter strengsten Auflagen und keiner darf lachen oder klatschen! Mit dem ÖV einen lustvollen Ausflug machen? Nur mit einer sehr unlustigen Maske und mit Hygiene-Spray bewaffnet! Naja, man kann von den Massnahmen halten, was man will. Und aufregen tun sie mich teil eise ja a ch
Aber: M ssen ir diese Zeit
nach Corona immer gleich zur nächsten mentalen Krise erklären? Bringt ns die Angst or dem ne
normal irgendet as? M ssen
ir die
letzten Konsequenzen bis ins Jahr 2100 wirklich abschätzen und kontrollieren können? Wäre manchmal nicht ein wenig SandkastenLockerheit m glich? Einfach ein
enig Ich lebe jet t nd ba e jet t
mein Sandt rmchen , ohne daran
denken, dass es in
Minuten ohnehin nicht mehr existieren wird?
enigen
Das ne normal
ird a ch or der Stadtmusik Halt machen, nein, wir
sind schon mitten drin. Aber jetzt ist Lockerheit gefragt. Nur dann entsteht gute Musik! Es grĂźsst Euch herzlich, Gregory Heiniger
Literaturspenden Auch für die vergangenen und nächsten Konzerte durften wir wieder umfangreiches und spannendes Notenmaterial bestellen. Wie immer sind wir den edlen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung sehr dankbar. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Gertrud Waser für die Spende von «Life in the Capital City» von Timo Forsström und «Charleston Capers» von George Hamilton Green, bei Rémy Villard für die Spende von «West Side Story von Leonard Bernstein und bei Joé Goelff für die Spende von «Extreme Make-Over» von Johan de Meij. Folgende Titel warten auf eine Patin und/oder einen Paten: Titel Poème Fantasque Danceries To My Country
Komponist Urs Heri Kenneth Hesketh Bernard Zweers
Preis CHF 390 250 194
Spendenangebote nehmen alle Mitglieder oder die Redaktion gerne entgegen! (redaktion@stadtmusikbiel.ch)
Musiktag und die Braderie. Aufs Proben wollten wir aber nicht ganz verzichten. Denn so von einem Tag auf den anderen nicht mehr gemeinsam muszieren, fiel doch etwas schwer. Und zudem wussten wir ja nicht wann es weiter geht, und wir so auch für ein allfälliges Konzert parat sein müssten. Proben aus der Ferne Die Proben online durchführen? Genau diese Idee probierten wir in reduzierter Besetzung aus. Doch schnell merkten wir, dass dies aufgrund der technischen Möglichkeiten schwierig wurde wegen der Zeitverzögerung. Aber wir merkten auch, dass die technischen Hilfsmittel gut genug waren, um Einzelproben online durchzuführen. So machten wir das bei der A-Band. Unser Dirigent Gregory Heiniger führte mit allen Musikantinnen und Musikanten Einzelproben online durch. Auch ich als Aushilfe durfte von einer solchen Lektion profitieren. Mein Fazit: ziemlich gut. Mein Lernfortschritt war deutlich erkennbar nach den Tipps und Inputs des Dirigenten. Ein «Aber» gibt es trotzdem: die anderen BandMitglieder fehlten. Bei der B-Band, bei unseren Jüngsten, fanden keine Einzelproben statt, sondern die Dirigentin Livia Thomann gab den Mitgliedern im 2-3 Wochen Rhythmus jeweils freiwillige Aufträge. Das Ergebnis der Aufträge wurde per Videobotschaft festgehalten und je nach Auftrag an einem online Treffen gemeinsam besprochen. Bei den Aufträgen ging es ums
Imitieren von Tieren, die schönsten Klänge zuhause erforschen oder um Musiktheorie. Der Lern- und Spassfaktor hielten sich die Waage. Zeit für Werbung investiert Es liefen noch weitere Projekte beim JUBIS: Wir drehten mehrere Werbefilme. Beim einten Film «jeder für sich und doch gemeinsam» zeigen die Mitglieder des JUBIS was es braucht, bis ein Stück klingt. So nahm jedes Mitglied eine Szene bei sich zuhause auf. Der Zusammenschnitt der Szene zeigt dann die ganze Geschichte. Der Film ist auf unserer Webseite www.jubis.ch zu finden. Absolut lohnenswert.
Zudem haben die Mitglieder Filme von sich gemacht um sich vorzustellen. Jedes Mitglied beantwortet die gleichen Fragen, so erhält man als Zuhörerin einen Blick hinter die Kulissen des Vereins direkt vom
mach mit!
StadtmusikBiel@home
Le project
Texte: Lukas Baschung, Président
Début mars 2020 : la répétition vient de se terminer et la partie musicalement active du Comité et Pascal se réunissent dans le sous-sol de la Rue de l Union 11. Nous n'en sommes pas encore sûrs, mais les signes des décisions du Conseil fédéral nous laissent soupçonner: bientôt, nous ne pourrons plus répéter tous ensemble et ceci pour une durée indéterminée. Qu'est-ce que cela signifie, à part toutes les représentations musicales annulées? Une pause d'un mois de la Musique de la Ville? Une pensée inimaginable pour nous tous! Mais quoi d'autre est possible? Des petites répétitions par registre peut-être? Probablement plus dans un avenir proche. Ne reste donc plus que la pratique individuelle. C'est bien beau, parce que nous ne voulons pas non plus nous rouiller, mais peut-être pas aussi pétillant qu'un projet commun. Un projet commun à distance, voilà la solution! Mais quoi exactement? Ne vous inquiétez pas, Pascal a déjà une idée toute prête! Il nous montre le concept de base sur son téléphone portable, en utilisant une production déjà existante, le "Chœur virtuel" d'Eric Whitacre. D'accord, ça a l'air super, mais comment pouvons-nous produire quelque chose comme ça nousmêmes ? Bien vite, c'est clair : Thomas Batschelet doit venir ! Notre génie du multimédia, qui nous fait toujours tomber à la renverse avec ses productions.
Le lendemain, Pascal nous informe : Thomas a pris feu, ouah! C'est très bien. Et comme nous avons parmi nous d'autres membres aux talents particuliers et que le projet devient assez élaboré, l'équipe s'agrandit : Cédric Vogt s'occupe du son et Jonas Rösch du mixage. Bientôt, Thomas nous fournira des explications détaillées sur la manière dont les membres doivent procéder à l'enregistrement, y compris une vidéo dans laquelle Pascal dirige la pièce, afin que nous soyons aussi synchrones que possible et - bien sûr - que nous jouions musicalement. Il devient alors évident qu'il ne s'agit pas d'un travail d en moins de deux. Il faut procéder avec minutie et il n'y a probablement pas de "première prise". Mais alors quoi, au moins depuis nos enregistrements en studio il y a deux ans, nous sommes habitués à cela. Et cette fois-ci aussi, l'intention est que nous en apprenions tous quelque chose et que ce projet nous fasse progresser musicalement. Une petite
mais importante différence: cette fois, chaque membre doit également s'occuper des questions techniques. Mais même là, il y a de l aide. Le cas échéant, des microphones sont distribués – la distance est respectée, bien sûr – et les plus chanceux reçoivent même une visite à domicile du "Docteur Thomas". Peu à peu, les contributions individuelles sont mises en ligne sur la plateforme de Thomas, souvent après un retour d'information, voire des leçons individuelles de Pascal. Nous sommes enthousiastes et heureux de voir et d'entendre toute la musique de la ville réunie à l'occasion d'une première interne, même si elle n'est "que" sous forme virtuelle pour le moment. Bien sûr, ce projet n'est pas seulement pour nous, mais aussi pour le grand public. Nous aimerions notamment faire un cadeau à la Stadtmusik de Soleure pour son 175e anniversaire. Nous aurions joué ensemble la pièce enregistrée, la "Deuxième suite en fa" de Gustav Holst, lors de notre concert commun du 5 avril 2020. Comme cela n'a pas été possible, nous voulions au moins féliciter de cette manière les musiciens de la ville de Soleure pour leur anniversaire et leur transmettre nos meilleurs vœux. Nous tenons d'ores et déjà à remercier tous les promoteurs du projet, en particulier Thomas, Pascal, Cédric et Jonas, vous êtes formidables !
Eindrücke zu den Aufnahmen des Projektes «StadtmusikBiel@home» Text: Franca Schiffmann, Flötistin Stadtmusik Biel
Als der Sonntag, wo wird die erste Version raufladen mussten, plötzlich da war, hatte ich noch keine Aufnahmen, mir fehlte auch einiges an Material (Kamera, Kamerastativ, Aufnahmegerät, Tablet, Tablet-Ständer…). Zum Glück hatte Chäspu dieses Material, sein Zimmer wurde kurzerhand in ein kleines Studio umgewandelt, und ich begann meine erste Aufnahme. Kamera starten, Aufnahmegerät starten, Kopfhörer ins Ohr, Video starten, 1-2-3-4-klatschen, Instrument hoch und spielen. Ich schaffte es bei meiner ersten Aufnahme sogar bis zum Schluss und sie war eigentlich schon recht gut. Trotzdem wollte ich es später nochmals probieren. Also wieder Kamera starten, Aufnahmegerät starten, Kopfhörer ins Ohr, Video starten, 1-2-3-4-klatschen, Instrument hoch und spielen … Einsatz verpasst! Und alles nochmals von vorne. Kamera starten, Aufnahmegerät starten, Kopfhörer ins Ohr, Video starten, 1-2-3-4-klatschen, Instrument hoch und spielen… falsche Töne und komische Grimasse! Nochmal von vorne…
Ja, so ging es noch einige Male. Ich habe schlussendlich drei ganze Versionen geschafft von gefĂźhlt 100 Versuchen đ&#x;˜‰. Und die Erste war dann doch die Beste‌
Weitere EindrĂźcke Text: Andrea und David Leu, Posaune Stadtmusik Biel
Zum GlĂźck hatten wir letztes Jahr die Idee, unseren Vorratsraum im Keller zu einem Ăœbungsraum umzubauen. Als wir nun die Aufgabe bekamen, das StĂźck Suite No.2 in F einzustudieren, suchten wir Davids vor langer Zeit gekauftes Studio One Aufnahmeset hervor. Mit der Studio One Box, dem Macbook und einem alten Mikrofon seines Grossvaters bauten wir den Ăœbungsraum in ein kleines Studio um. In der kĂźhlen Abgeschiedenheit, einsam und allein, wurden unsere Versionen des StĂźcks in unserem ganz privaten Aufnahmestudio aufgenommen. Mit viel Vorfreude produzierten wir die ersten Aufnahmen, wobei das anschliessende ĂœberprĂźfen derselben am Anfang etwas ernĂźchternd war. Es gelang uns trotz kurzen UnterbrĂźchen
durch
die
jßngsten GehÜrschßtzer-Tragenden des Haushalts und des harten und direkten und sehr ehrlichen Feedbacks des Aufnahmegeräts,
unsere
Aufnahmen fertigzustellen. Es war eine gute, lustige und lehrreiche Erfahrung und hat uns Spass gemacht.
Noch mehr Eindrücke Text: Christoph Lerf, Tubist Stadtmusik Biel
Wie habe ich die Aufnahmen vorbereitet: nebst dem Üben ab Noten habe ich immer wieder zu der verschickten Aufnahme gespielt. Eine gute Tonaufnahme mit meinen Möglichkeiten und dem entsprechenden Bild mit dem geeigneten Ausschnitt hinzubekommen, war für mich etwas zu anstrengend. Darum habe ich mich kurzerhand mit unserem "Profi" für genau solche Aktionen in Verbindung gesetzt.
Nach einer knappen Stunde mit der grösstmöglichen Einhaltung von persönlicher Distanz!?? waren drei Ton- und Bildaufnahmen im Kasten. Herzlichen Dank dir, Thomas, für die unkomplizierte und professionelle Unterstützung und danke den Initiatoren dieses Projektes!!
(noch mehr) Text: Valérie Togni, Baritonsaxophonistin Stadtmusik Biel
Als ich im März die Details zu unserem Corona Projekt gelesen habe, habe ich das Ganze zuerst wohl etwas auf die zu leichte Schulter genommen. Ich meine, so ein Satz ist doch schnell einmal aufgenommen, oder? Als es schliesslich etwas konkreter wurde, merkte ich schnell, dass verschiedene Faktoren zu beachten sind, an die ich zuerst nicht gedacht hatte: - Unser Pflegesohn übt gerne und lautstark mit, was für die Aufnahme sehr unpraktisch war. - Zu einem Aufnahmegerät, kam ich dank meiner Lieblingsregisterleiterin, die glücklicherweise auch fast meine Nachbarin ist. - Der grösste unterschätzte Faktor war die Aufnahme selbst. Klinge ich eigentlich immer so? Schnell wurde klar: da müssen viele Aufnahmen her!
Zum Schluss hatte ich aber auch den Spassfaktor unterschätzt. Es hat mir bedeutend mehr Spass bereitet als ich anfangs gedacht hatte. Vor allem musste ich mir noch eine lustige Einleitung überlegen. Da kam mein Pflegesohn dann doch noch zum Zug.
Und zum Schluss Text: Bruno Thomann, Klarinettist Stadtmusik Biel
Die Musik in Zeiten des Covid19 (in Anlehnung an Gabriel Garcia M rquez) .
Die Falscheinschätzung: Second Suite von Holst? Schon ein paar Mal gespielt, sollte eigentlich kein Problem sein, weder technisch noch musikalisch…. Das war zu-
mindest mein Eindruck zu Beginn des Projektes. Da Proben und Konzerte kurzfristig ausfallen, geht es zuerst mehrere Tage an die Ansatzpflege und schliesslich an ein erstes Durchspiel, damit ich mir ein Bild von der Situation machen kann, wenn der ganze Satz am Stück gespielt wird. Die Ernüchterung: Ansatzmässig ganz schön anstrengend, den kompletten Satz in einem Mal durchzuspielen: der 6/8-Takt ist rhythmisch zu wenig genau, die relativ einfache Melodie ist gar nicht so einfach zu spielen – die 2/4-Auftakte (z.B. zu G) sind rhythmisch zu unpräzise, und dann noch die Intonation – immer brav die g mit der h -Klappe nach unten nehmen, die kurzen leisen Töne im Choral sind zu hoch….Der Ton muss voll klingen, so müssen neue Blätter her, nicht zu stark (wegen dem Ansatz und dem Rauschen) aber auch nicht zu leicht (wegen dem vollen Klang). Zur Erklärung an alle «Nicht-Klarinettisten»: solche Blätter gibt es gar nicht….
Die Umsetzung: Jetzt muss es in den Kasten! An drei verschiedenen Tagen habe ich die Audio-Aufnahmen eingespielt und schliesslich die beste (letzte…) Version ausgewählt. Anschliessend wurden die Video-Aufnahmen gemacht, dies war im Gegensatz zu den Audio-takes relativ einfach und sehr schnell erledigt. Die Learnings: Heute würde ich das Projekt etwas anders angehen: Zuerst die VideoAufnahme (Video erstellen, dabei die Musik über Lautsprecher, die eigene Stimme dazu spielen, ohne Audioaufnahme), dann ist der einfache Teil erledigt und der Druck schon mal etwas weg. Dadurch hätte ich das Stück auch bereits einige Male durchgespielt. Erst dann würde ich die Audio-Aufnahmen machen, dies auch über mehrere Tage. Das Projekt fand ich sehr interessant, da jeder selbst beurteilt, wann er mit seiner Audio-Aufnahme zufrieden ist und diese dem «Chef» zukommen lässt. Ich bin ebenfalls sehr gespannt auf das allererste Durchspielen des Stückes an der ersten Gesamtprobe nach Aufhebung des Versammlungsverbotes – wie das wohl klingen wird, wenn sich jeder so intensiv mit dem Stück auseinandergesetzt hat? Besten Dank an Thomas Batschelet und Pascal Schafer für die kreative Idee und die professionelle Umsetzung.
Als Abschluss noch die Technik Text: Thomas Batschelet, Fotograf
Am 16. März 2020 landete ich, nach zweieinhalb Stunden Flug kreuz und quer durchs Lauterbrunnental, in Stechelberg. Fünf Minuten nach der Landung deklarierte der Bundesrat die ausserordentliche Lage. Nachdem ich die Skier bereits versorgt hatte, blieb jetzt auch der Gleitschirm für längere Zeit eingepackt. Meine geplanten kulturellen Projekte wurden in der Folge alle abgesagt. Welch glückliche Fügung, als mich Pascal Schafer mit einer Idee gegen drohende Langeweile anrief. Zwei drei Telefone/Emails mit Pascal, und eine grobe Idee war geboren. Sie musste nun so kommuniziert werden, dass allen klar wurde wie es abläuft und was erwartet wurde. Ich habe einen Text verfasst, in dem ich versuchte das Vorgehen der Einzelnen zu beschreiben. Bevor das Dokument rausging, musste ich allerdings noch sicherstellen, dass die zentrale Datensammelstelle funktionierte. Das Projekt begann daher mit Computer-Programmierung. Wir wollten allen Musikern ein Dirigentenvideo schicken, und deshalb musste Pascal Schafer mit Video-Aufnahmen beginnen. Er dirigierte zu einer Version eines amerikanischen Orchesters, das ich mit acht Klicks vor Beginn ergänzte. So konnte er, und später alle Musiker, präzis beginnen. Von Pascal wollte ich eine Front- und eine Rückenaufnahme,
die er in einer ersten Version auch tatsächlich gleichzeitig aufgenommen hat. Auch er musste später nachbessern. Ich hatte sofort das Bedürfnis, die visuelle Idee zu testen. Dazu suchte ich in meiner umfangreichen Fotosammlung der Stadtmusik nach einem Bild eines Musikers. Ein frontales fand ich nicht. Für erste Versuche ein Orchester aufzustellen wurde Kaspar mit seiner Trompete 59-mal geklont, zur Freude vor allem einer Flötistin. Im virtuellen Raum habe ich zuerst das Orchester grosszügig aufgestellt, hintere Reihen jeweils zusätzlich erhöht, vom Publikum her sichtbar und mit guter Sicht auf den Dirigenten. Boden und Wände des Raumes wurden erst danach um das Orchester gebaut. So sollte die Stadtmusik vorgehen um ein grosszügiges Probelokal zu erhalten! Ich war zu Beginn unsicher ob die Software After Effects auf meinem Computer in der Lage wäre, 60 Videos gleichzeitig im virtuellen Raum abzubilden. Deshalb war ich froh, dass einige ihre Videos hochgeladen haben, bevor sie fehlerlos spielten. Zuerst dachte ich noch, dass ich auch die Tonmischung selber machen würde, war dann aber sehr froh, dass Cédric und Jonas mir diesen Teil abnahmen. Im Zentrum waren wir jetzt eigentlich vier Personen, die am Projekt arbeiteten, und zwar an verschiedenen Orten. Um das Projekt zu koordi¬nieren, in dem am Schluss je 60 Video- und Tonaufnahmen zusammengeführt wurden, teilten wir uns eine Google-Tabelle in der alle Musiker aufgeführt waren und von jedem Buch geführt wurde, ob und in welcher Qualität Bild und Ton vorlagen und wo Nachbesserung nötig
war. Für das Projekt kamen ca. 250 Dateien mit total 60 Gigabytes zusammen. In diesem Projekt durfte ich Kameras einsetzen, die, bezüglich Objektiven, Aufstellung und Fahrten, keine Restriktionen hatten. Obwohl ich ausserhalb der virtuellen Welt Drohnen einsetze, bleibe ich doch meist am Boden. Der grosse Freiraum/Entscheidungsraum war eine der Herausfor-derungen im Projekt. Während dem Berechnen der Bilder (dreieinhalb Stunden für 5 Minuten Video) genoss ich draussen mit meiner Frau oft das schöne Wetter. Veröffentlicht wurde dann Version 32, was doch einige Stunden an der Sonne ermöglichte. Es war eine tolle Erfahrung, mit einem solchen Team ein Projekt durchziehen zu dürfen, zu sehen wie sich das Orchester nach und nach füllt und die Musik sich zu einem Genuss entwickelt. Dank an Pascal und den ganzen Verein, mich auch auf diese Reise mitgenommen zu haben.
Blasmusikerpremieren im Wohnzimmer Text: Kaspar Schmocker, Ressortleiter Marketing
In der Zeit wo alle Konzerte, Musikfeste und Projekte auf Eis gelegt wurden, initiierten das Blasorchester Aulos und das Nationale Jugendblasorchester zusammen das Projekt #cultureathome, um allen Musikbegeisterten Konzerte in die eigenen vier Wänden zu bringen. Die Liste der teilnehmenden Orchester erweiterte sich bereits kurz nach der Lancierung des Projekts, und so machten nebst der Stadtmusik Biel auch das Blasorchester Stadtmusik Luzern, die Ensembles UnglauBlech und Colores Trio sowie das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester mit. In den ersten Wochen des Lockdowns wurde jeden Abend um 20:00 Uhr auf YouTube eine Premiere gezeigt, die vorher nicht online zu sehen war. Aufgrund der gemachten Erfahrungen und mit dem Ziel, weiterhin keine Konserven zu zeigen, wurde ab April das Angebot auf Dienstag, Donnerstag und Sonntag reduziert.
Die Stadtmusik Biel präsentierte in diesem Format die beiden Stücke “Watch your Step!” von Philip Sparke und “Palmada Latina” von Mario Bürki. Das Bild- und Tonmaterial dieser beiden Filme stammte von den CD-Aufnahmen von vor zwei Jahren in Ludwigsburg DE. Als dritte Premiere der SMB war dann noch unser “Coronaprojekt” stadtmusikbiel@home auf YouTube zu sehen. Die Produktion der drei Filme sowie die meisten Bildaufnahmen stammen allesamt von Thomas Batschelet. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Thomas, dass wir immer auf seine grossartige Arbeit zählen dürfen!
Workshop mit Miriam Terragni Text: Nathalie Meyer, Flötistin Stadtmusik Biel
In der gezwungenermassen probenfreien Zeit ist unser Vorstand mit Pascal nicht untätig geblieben, um uns ein spannendes Programm zusammen zu stellen. So treffen wir uns alle zusammen am Mittwoch um 19.30h zu einem Workshop, komplette Reihen, jetzt halt auf Zoom. Mit Miriam Terragni, Flötistin und diplomierte Mentaltrainerin, starten wir auf eine Reise in ein für die Meisten unbekanntes Gebiet. Nach den üblichen Startschwierigkeiten wie «könnt ihr mich hören?», «seht ihr meinen Bildschirm», «bitte alle die Mikrofone auf Stumm schalten», starten wir direkt ins Thema. Wie können wir effizient üben? Wie können wir ohne unsere Instrumente üben? Wir machen uns Gedanken zu positiven und negativen Dingen und erfahren, dass mit positiver Einstellung, ohne Stress viel besser gelernt werden kann als unter negativen Einflüssen. Soweit einleuchtend, ganz nach dem Motto: Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Für den Abend war die einzige Anforderung, einen Schlüssel und eine Schnur bereit zu halten. Wir haben es geschafft, mit nur unseren Gedanken den Schlüssel an der Schnur sich im Kreis bewegen zu lassen. Oder sind es doch die Muskeln, die schon nur bei der Vorstellung etwas zu tun unbewusst Bewegungen machen? Spannend, schon in den ersten Minuten viele tolle Inputs, welche wir direkt anwenden können. Etwas tiefer gehen wir dann mit der
Frage, wie wir die Technik beim Üben anwenden können, denn das Gehirn kann nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Bedeutet für uns, dass wir dies beim Üben wie folgt anwenden können: 1. Entspannen, relaxen 2. 1 Takt langsam denken, dann etwas schneller denken. Denken bedeutet, das Greifen der Töne, vorstellen wie es tönen soll, die Lippenspannung spüren, Körperhaltung denken. Zu jeder Zeit soll man entspannt sein, da die Informationen sonst nicht verankert werden können. Wow das tönt super, üben in totaler Entspannung, ohne den Stress, schnelle Tonläufe nicht greifen zu können, einen Ton nicht zu erreichen da er zu hoch ist, eventuell in anstrengender körperlicher Anspannung aus Stress in der Situation. Mit der neuen Methode können wir die Probleme überwinden, neue Wege gehen und einen Schritt in eine neue Übungstechnik machen. Ein aussergewöhnlicher Workshop, in einer aussergewöhnlichen Situation, mit neuen, aussergewöhnlichen Methoden.
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