Skip to main content

BWgung 4/2023

Page 1

Ausgabe 4 / 2023

Magazin der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg

Naturkatastrophe

n als Strafgeri chte der Endzeit? 08

16 Kipppunkte in der Bibel

28 Heinz Hopf im Portrait

34 Die Abwärtsspirale


Adventgemeinde weltweit Wunder im Wahnsinn

„Aber was mich an diesem Erlebnis wirklich umgehauen hat,

Am 8. August 2023 um 3 Uhr morgens riss ein Anruf

ist: Der lebendige Gott hat seine Macht greifbar demons­

Pastor Kamil Metz aus dem Schlaf. Er war Leiter einer

triert, denn alles rund um das Gebäude der Adventgemeinde

studentischen Buchevangelistengruppe, die den Sommer

in Lāhainā, in der wir ursprünglich stationiert waren, ist bis

über auf der Insel Maui von Tür zu Tür unterwegs war.

auf die Grundmauern niedergebrannt. Doch die Kirche der

Pastor Metz erfuhr, dass die Stadt Lāhainā von tödlichen

Siebenten-Tags-Adventisten und das Haus eines Gemeinde-

Waldbränden heimgesucht worden sei.

gliedes stehen immer noch,“ berichtet er weiter. „Das Feuer hörte genau vor der Haustür auf.“ (Quelle: ANN/sk)

Der 29-jährige Jaxson Maun, ein junger Buchevangelist aus der Gruppe, befand sich mitten im Zentrum des Alb-

Ein Roboter, der Bibelunterricht gibt

traums, als die verheerenden Brände in kürzester Zeit mehr

Im Zuge der diesjährigen Asienkonferenz des Globalen

als 2.100 Hektar vernichteten. Er erzählt: „Als die Brände

Adventistischen Internet Netzwerks, die im September in

an diesem Morgen ausbrachen, hatten wir bereits in der

Korea stattfand, ging es u.a. um die Frage, wie wir uns an

Nacht zuvor starke Winde erlebt, aber als es gegen Mittag

adventistischen Schulen bestmöglich auf die Zukunft vorbe-

noch schlimmer wurde, beschlossen wir, nicht weiter ins

reiten und dabei auch modernste Technologien konstruktiv

Feld zu gehen.“ Was die jungen Buchevangelisten da noch

nutzen können. Im Zuge dessen wurde der KI-Roboter

nicht wussten, war, dass sie dank dieser Entscheidung

Adam vorgestellt, der als Assistent eines Bibellehrers dienen

dem Pfad der Zerstörung nur knapp entkommen sollten,

kann. Entwickelt wurde diese künstliche Intelligenz von Joo-

der bald genau ihr Gebiet verschlingen würde. „Erst viel

hee Park, Präsident der Sahmyook Health University, der

später fanden wir heraus: Wären wir nur ein bisschen län-

über einen Doktortitel in Ingenieurswissenschaften verfügt.

ger geblieben oder hätten unser Gebiet nur wenig anders bearbeitet, wären wir auf dem Höhepunkt des Feuerchaos

Park erklärte, dass er den Roboter schon seit einiger Zeit

in Lāhainā eingekesselt gewesen“, berichtet Maun.

ausprobiert hätte. „Ich habe diesen Roboter dazu gebracht, die Bibel zu lernen“, sagte er, „einschließlich der 28 Grundüberzeugungen unserer Freikirche in mehreren Sprachen.“ Als Beweis stellte er Adam vor dem begeisterten Publikum einige Fragen, die der Roboter inkl. Untermauerung von Bibeltexten korrekt beantwortete. Ein wichtiger Vorbehalt sei jedoch, dass bei Robotern wie Adam die Möglichkeit von Fehlinformation besteht, sofern sie nicht richtig programmiert sind, berichtete Park. „Wenn KI-Roboter wie dieser auf der ganzen Welt verfügbar werden, müssen wir sicherstellen, dass sie darin geschult sind, unsere Grundüberzeugungen zu vermitteln und sie auf die richtige Art und Weise zu präsentieren.“ Daran

Die Adventkapelle in Lāhainā – unversehrt inmitten der Zerstörung durch Waldbrände. Sogar das Hinweisschild auf die Versammlungszeiten blieb unbeschädigt.

2

arbeitet Park fleißig weiter, denn in Zukunft sollen Roboter wie Adam verstärkt genutzt werden, um Bibelstunden und Unterricht zu geben bzw. zu unterstützen. (Quelle: ANN/sk)


02  Adventgemeinde weltweit

28

Nachrichten, die bewegen

Weisheiten aus einem bewegten Leben des Dienstes

04  Gedanken tanken

34

Wenn Gott wirklich König wäre ...

06

Heinz Hopf im Portrait

Ausgabe

4 / 2023

Inhalt Die Abwärtsspirale Was wir brauchen, um den Trend zu stoppen

Aus der Vereinigung

34

Adventistische Gesundheitszentren / Kompetenzen stärken und erweitern

08  Coverstory Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?

08

37

Zwischen Pest und Cholera? Weshalb die Trennung von Kirche und Staat in den USA an Zustimmung verliert

37 16  Kipppunkte in der Bibel Was tun, wenn sich Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen lassen?

16

40  So kam ich zur Gemeinde Ein Apfelstrudel mit Folgen

42  Bibel und Glaube Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst

44  Rückblick Aus den Gemeinden

Offene Türen – Zuhause in Landshausen

48  Ausblick 24  Ehe und Familie

Kommende Veranstaltungen auf einen Blick

Alltagsstress als Beziehungskiller

50  Was macht eigentlich ...? 26  Kinderzeit Eine nächtliche Beobachtung

Reinhard Gelbrich

BWGUNG  Inhalt

22  Adventistische Bekenntnisschulen

3


Gedanken tanken

Wenn Gott wirklich König wäre ... Angeregt durch eine Predigt, wurde ich vor einer Weile

Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich von diesem Ge-

durch ein Gedankenexperiment sehr herausgefordert,

danken so herausgefordert wurde. Kaum eine Lehre im

regelrecht durchgeschüttelt. Genaugenommen wurde ich

ganzen Wort Gottes hat den Unmut der Menschheit

mit einer unserer „simpelsten“ Glaubensüberzeugungen

so erregt, wie die Wahrheit der absoluten Souveränität

konfrontiert, die dabei aber meinen eigenen doppelten

Gottes. Seine Gesetze oder Forderungen werden nur be-

Standard offenlegte.

folgt, wenn sie bequem sind oder unseren Vorstellungen entsprechen (wenn wir sie „verstehen/nachvollziehen

Ich meine Folgendes: Kaum jemand würde ernsthaft

können“). Es ist fast, als müsste sich Gott zuerst für seine

anzweifeln, dass Gott rechtmäßig König ist – immerhin

Handlungen und Forderungen erklären und rechtfertigen,

singen wir von ihm als „König aller Könige“ und beten

bevor wir ihnen folgen würden. Aber passt das wirklich

zu ihm als „Herr“ auf seinem Thron – aber was ist, wenn

mit dem Bekenntnis zu seiner Souveränität zusammen?

er von seinem Anspruch als König tatsächlich Gebrauch macht? Selbst der babylonische Herrscher Nebukadnezar

Die Bibel stellt Gott eindeutig als Herrscher dar, der als

bekennt: „[…] Er handelt, wie er es für richtig hält,

einziger Ansprüche stellen darf, doch unterstreicht die

sowohl bei den Engeln im Himmel als auch bei den Be-

Bibel auch, dass unser himmlischer König kein Despot

wohnern der Erde. Und es gibt keinen, der ihm Einhalt

oder der Willkür verfallener Tyrann ist – im Gegenteil.

gebieten könnte oder zu ihm sagen dürfte: ‚Was tust

Ellen White hebt hervor: ‚„Gott ist Liebe‘ (1 Joh 4,16).

du da?‘“ (Dan 4,32, NLB). Hier ist die Krux daran: Auf

Sein Wesen und sein Gesetz sind Liebe. So war es immer,

der einen Seite bekennen wir, dass Gott rechtmäßig im

so wird es immer sein. […] Jede Offenbarung der

Stande wäre, zu tun, was er will, aber auf der anderen

Schöpfermacht ist ein Ausdruck unendlicher Liebe. Die

Seite verhalten wir uns oft, als müsste sich Gott für seine

Herrschaft Gottes schließt die Fülle des Segens für alle

Handlungen und Forderungen bei uns erklären oder recht-

Geschöpfe ein.“ (WAB 12)

fertigen. Unser Verhalten drückt oft eher Zweifel an seinem Wesen In seiner spannenden Predigt führt Charles Spurgeon dies

und seinen Geboten aus. Aber wenn ich wirklich glaube,

sehr pointiert aus, indem er darauf hinweist, dass Men-

dass Gott Liebe ist und nur das Beste für uns will, erkenne

schen zulassen, dass Gott überall ist, außer auf seinem

ich ihn dann auch auf seinem Thron an und meine es

Thron! Sie werden ihm erlauben, in seiner Werkstatt zu

ernst, wenn ich bete „Dein Wille geschehe“? Selbst dann,

sein, um Welten zu gestalten und Sterne zu machen. Sie

wenn ich es mir anders gewünscht oder vorgestellt hätte?

werden ihm erlauben, seine Almosen zu verteilen und

Lasse ich Gott wirklich König sein und vertraue darauf,

seine Gaben zu gewähren. Sie werden ihm erlauben, die

dass seine Handlungen, wie auch seine Gebote wirk-

Erde zu stützen und ihre Säulen zu tragen oder die Lam-

lich nur zu unserem Besten dienen? Oder gehöre ich zu

pen des Himmels anzuzünden oder den Sturm zu stillen.

denen, die „mit den Zähnen knirschen“, wenn Gott sich

Sie werden ihm erlauben am Kreuz zu hängen, um unsere

auf seinen Thron setzt und als Souverän handelt?

Schuld zu bezahlen. Aber wenn Gott seinen Thron besteigt, dann knirschen seine Geschöpfe mit den Zähnen, so Spurgeon. Und wenn die Bibel einen herrschenden Gott verkündet und sein Recht, mit seinem Eigentum zu tun, was er will, über seine Geschöpfe nach eigenem Ermessen zu verfügen, ohne sie in der Sache zu befragen, dann werden Menschen dem gegenüber taub – denn Gott auf seinem Thron ist nicht der Gott, den sie lieben!

4

Roman Wiens studierte Theologie in Bogenhofen und betreute als Pastor zuletzt die Gemeinde Stuttgart-Mitte. Aktuell macht er einen PhD an der Andrews University (USA).


Lasse ich Gott wirklich König sein und vertraue darauf, dass seine Handlungen und Gebote wirklich nur zu unserem Besten dienen? 5


Aus der Vereinigung

Adventistische Gesundheitszentren

Bereits zahlreich gegründete LifestyleCenter aus aller Welt wurden vorgestellt Wir hatten auch die Gelegenheit, das Gesundheitszentrum Vita Salus in Portugal zu besichtigen. Wundervoll auf einem Hügel mit grandioser Aussicht gelegen, lädt dieser Ort Menschen zum Gesundwerden ein. Das Team kann dort zurzeit bis zu 15 Gesundheitsgäste für NEWSTART-Ge-

Ein Rückblick auf den EUD-Kongress in Coimbra

sundheitswochen und andere Präventivangebote betreuen.

Das BWV-Gesundheitsteam reiste Anfang Mai zum EUDKongress zum Thema „Gründung Adventistischer Gesund-

„Gott hat unseren Sanatorien die Gelegenheit gegeben,

heitszentren“ nach Coimbra in Portugal. Zum Auftakt hielt

ein Werk in Gang zu setzen, das wie ein lebendiger Stein

Generalkonferenzpräsident Ted Wilson eine sehr persönliche

ist, der durch eine unsichtbare Hand gerollt wird. Lasst

Ansprache, die den Aufbau von Lifestyle-Zentren im Zusam-

diesen geheimnisvollen Stein in Bewegung gesetzt wer-

menhang mit der Mission, die großen Städte zu erreichen,

den.“ 7T 59.2

als sein wichtiges Herzensanliegen vortrug. Er betonte, dass die Gesundheitsbotschaft als rechte Hand des Evangeliums

Auf diesem Kongress hatte man den Eindruck, dass

ihren Platz in der Evangeliumsverkündigung zurückbekom-

Gott in dieser Zeit Verantwortungsträger in der General-

men sollte. Diese wäre positiv, mit viel Wärme, Ausgewo-

konferenz- und Divisionsebene und viele Menschen in

genheit und in gewinnender Art und Weise zu präsentieren.

allen Teilen der Welt bewegt, diesen Stein endlich ins Rollen zu bringen. Das bestätigt unser Vorhaben als

In weiteren Ansprachen wurde die Wichtigkeit betont, wel-

BW-Vereinigung, Lifestyle-Zentren in den Gemeinden

che die Gesundheitsarbeit für die Menschen in den Städten

aufzubauen, aber auch ein Sanatorium zu gründen. Dazu

in unserer Zeit haben sollte: „Die Arbeit in den Städten ist die

soll die Gesundheitsarbeit in unserer Vereinigung aktiv

wesentliche Arbeit für diese Zeit. Wenn in den Städten so

durch Fort- und Weiterbildungsangebote im Gesund-

gearbeitet wird, wie Gott es möchte, wird das Ergebnis die

heitsbereich gefördert werden. Des Weiteren bieten wir

Ingangsetzung einer mächtigen Bewegung sein, wie wir sie

Unterstützung für Gemeinden und Gemeindeglieder rund

noch nicht erlebt haben.“ (Medical Ministry, 304) Der Kon-

um das Thema Gesundheit, um die Gesundheitsbotschaft

gress bestand aus einer Reihe von Ansprachen, Workshops

an Mitmenschen in ihrem Umfeld aktiv weiterzugeben. In

zu unterschiedlichsten Themen, was bei einer Gründung und

den nächsten Monaten werden wir konkrete Angebote an

beim Aufbau eines Lifestyle-Centers zu beachten ist.

die Gemeinden versenden.

Das aktuelle Team der Gesundheitsabteilung in Baden-Württemberg mit Alex Konrad, Sara Meiß, Zita Witte und Thomas Knirr.

6

Alex Konrad, Gemeinde Backnang, ist Projektmanager des Ressorts Gesundheit in Baden-Württemberg.


Adventistische Gesundheitszentren / Kompetenzen stärken und erweitern

Kompetenzen stärken und erweitern

Lebensfreude ist eng mit Gesundheit und Wohlbefinden verknüpft. Menschen mit der heilenden und heilbringenden Gnade Gottes zu verbinden, ist Ziel der uns anvertrauten Gesundheitsbotschaft.

Einzigartige Kooperation ermöglicht sabbatfreie Gesundheitsausbildung

und fernöstlich-religiösen Behandlungsverfahren. Sie teilt

Gesundheit war, ist und bleibt ein „Dauerbrenner“ im

fe brauchen, die alle Bereiche des Menschseins einschließt

Leben von Menschen. Zu allen Zeiten ist der Spruch von

und dabei der Glaube an Jesus Christus im Zentrum steht.

mit uns die Überzeugung, dass Menschen ganzheitliche Hil-

ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Extra für Adventisten sind die Kurse so aufgebaut, dass

Trotz eines ausgefeilten Gesundheitssystems erleben

der Unterricht nicht am Sabbat stattfindet. Der erste

viele Menschen auch im 21. Jahrhundert, dass sie – oft

Kurs (Dauer 8 Monate), der ab Frühjahr 2024 angeboten

durch einen ungesunden, destruktiven Lebensstil bedingt

wird, ist Phytotherapie. Hier wird fundiertes und seriöses

– ernstlich seelisch und/oder körperlich erkranken und da-

Wissen über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten

mit ihre Lebensqualität bedeutend eingeschränkt wird. Als

der traditionellen und wissenschaftlichen Heilpflanzen-

Christen und Adventisten sind wir beauftragt, Menschen

kunde vermittelt. Nach einer ärztlichen Abschlussprüfung

durch einen ganzheitlichen Ansatz mit der heilenden und

bekommt man das Zertifikat zum/zur „Ärztlich geprüften

heilbringenden Gnade Gottes zu verbinden. „Das eigent-

christlichen Heilpflanzenfachmann/-frau“. Im Januar 2025

liche Wesen des Evangeliums ist die Wiederherstellung“

schließt sich der Kurs Aromatherapie an, der nach 5 Mo-

(Ellen White, Sieg der Liebe, S. 801), dass Menschen an

naten ebenfalls mit einer ärztlichen Prüfung abgeschlos-

Körper, Seele und Geist heil werden.

sen werden kann. Ab Juli 2025 besteht die Möglichkeit, das Aufbaustudium für die Heilpraktikerausbildung zu

Damit wir als einzelne und als Gemeinden für diesen

belegen, das eine fundierte Vorbereitung auf die Überprü-

Dienst besser ausgebildet werden können, starten wir als

fung beim zuständigen Gesundheitsamt anbietet.

Baden-Württembergische Vereinigung zusammen mit dem Deutschen Verein für Gesundheitspflege ab 2024 eine Ko-

Weitere Informationen und Anmeldung unter Tel. 07626 -

operation mit der „Schule für christliche Naturheilkunde“

97 30 73 oder Email: info@christliche-naturheilkunde.de

(SCN). Die SCN bietet seit 2009 auf der Grundlage eines

Stichwort: Sabbatfreie Ausbildung

biblisch-christlichen Menschen- und Weltbildes eine naturheilkundliche Ausbildung in Deutschland an. Dabei distan-

Thomas Knirr ist Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau

ziert sie sich ganz bewusst von allen esoterischen, okkulten

und Evangelisation sowie Vizepräsident der BWV.

BWGUNG  Aus der Vereinigung

Arthur Schopenhauer gefühlte Realität: „Die Gesundheit

7


Coverstory

Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit? René Gehring „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Geht hin und gießt die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde. Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde ...“ (Offb 16,1-2) Die Stimme aus dem Tempel ist die Stimme von Gott selbst, der sich gerade in seinem Tempel befindet (Offb 15,8). Vom heiligsten Wesen und dem heiligsten Ort aus ergeht der Befehl, der die Erde erschüttern wird. Gott bleibt in seinem Tempel, bis das Werk der sieben Plagen abgeschlossen ist (ebd.) und zeigt damit, dass diese Strafgerichte in dem Gerichtsverfahren begründet sind, das an eben jenem Ort zu Ende ging (Offb 11,18-19; 14,7).

8


Botschaften der drei Engel (Offb 14,6-11), haben ihr Werk getan, den Weg und die Dringlichkeit der

Erlösung aufgezeigt. Die erste Phase des Gerichts ist zu Ende, in dem die Schuld der Gerechten vergeben wurde. Die zweite Phase wird nun in Kürze beginnen, wenn Jesus diese Menschen zu sich holen und ihnen das Gericht „übergeben“ wird (Dan 7,22; Offb 20,4), das sich dann mit der Verurteilung der Gottlosen befassen wird. Zuvor aber muss sich Gott noch einem globalen geistlichen Problem stellen, das seit der Verkündigung der ersten Engelsbotschaft immer größer wurde. Seit die erste Engelsbotschaft („betet den an, der geschaffen hat“; Offb 14,7) gemeinsam mit der eng damit verbundenen Sabbatwahrheit (der Sabbat ist Gedenktag des

Durch Naturkatastrophen möchte Gott die Menschheit aufrütteln, an den Schöpfer und Erhalter zu glauben und ihn anzubeten.

Schöpfungswerkes Gottes: 2 Mose 20,8-11) verkündigt

René Gehring  Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?

D

ie letzte Gnaden- und Warnungsbotschaft, die

wird, ist eine andere Ideologie aufgekommen, die man durchaus als religiösen Glauben bezeichnen kann: die

tration seiner Macht über die Natur?

Evolutionslehre. 1844 schrieb Charles Darwin den größten

Und genau das wird er mit den sieben letzten Plagen tun.

Teil seines die gesamte Wissenschaft verändernden Bu-

Wenn diese fallen, hat sich die Welt bereits entschieden.

ches „Über den Ursprung der Arten“ (engl. On the Origin

Es gibt dann nur noch zwei große Gruppen von Men-

of Species by Means of Natural Selection), das schließlich

schen: Zum einen jene, die Gott als Schöpfer angenom-

1859 erschien. Dieses Jahr ging als „Annus Mirabilis“

men haben, den Sabbat als Erinnerungstag an das groß-

(lat. für „wunderbares Jahr“) in die Geschichtsbücher ein

artige Schöpfungswerk halten (Offb 12,17; 14,7.12) und

– wegen Darwins Theorie. Die Weltanschauung unserer

daraufhin mit dem schützenden Siegel Gottes ausgerüstet

Gesellschaft hat sich damals grundlegend verändert. Seine

wurden. Zum anderen die Menschen, die den Schöpfer-

Überzeugungen zum Ursprung der Arten wurden die geis-

gott ablehnten, folglich auch seinen Sabbat missachteten

tige Grundlage für eine Welt ohne Gott, für eine Natur

und statt dem Siegel Gottes das Malzeichen des Tieres

ohne Schöpfer, für Naturgesetze ohne Erhalter. Gott als

annahmen (Offb 14,9-11). Die Versiegelten Gottes trifft

Herr, Vorherseher und Gestalter der Geschichte wusste,

keine der Plagen – sie wissen ja bereits, mit wem sie es zu

dass exakt in dieser Zeit genau diese Botschaft („betet

tun haben. Sie glauben an die Allmacht des Schöpfergot-

den an, der geschaffen hat“) nötig werden würde. Und er

tes. Sie wissen, dass die Schöpfung ohne Schöpfer weder

weiß auch, dass leider nur wenige diesem Aufruf folgen

existieren noch funktionieren kann. Die anderen aber, die

und es durch das Halten des Schöpfungsgedenktages,

den Schöpfer ablehnen, erhalten durch die letzten Plagen

des Sabbats, für alle sichtbar zeigen werden. Die breite

einen unmissverständlichen Beweis, dass die Schöpfung

Masse wird in dem anderen Glauben, der Evolutionslehre,

ihre Existenz, ihren Fortbestand und das Funktionieren der

verhaftet bleiben. Wie kann er diesen Menschen besser

Naturgesetze gerade jenem Wesen verdankt, das sie fort-

zeigen, dass er der Schöpfer ist, als durch eine Demons-

während abgelehnt haben – dem allmächtigen Schöpfer.

Schöpfung oder Schöpfer

Gottes Fürsorge ist grenzenlos. Vom kleinsten Atom bis zur größten Galaxie untersteht alles seiner Befehlsgewalt.

Natur betrifft. Es geht eben nicht um Verkehrsunfälle, wirtschaftliche Zusammenbrüche, Kriege oder andere gesellschaftliche Katastrophen. Es geht um unsere Lebensgrundlage, die Natur: Die erste Plage trifft die Erde, die zweite das Meer, die dritte alle Süßwasserquellen, die vierte die Sonne, die siebte die Luft (Offb 16). Die ganze Natur, die gesamte Schöpfung wird hier in ihrer Existenz bedroht. Die absolut notwendigen Lebensgrundlagen sind

BWGUNG  Titelstory

Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Plagen die

plötzlich nicht mehr gesichert. Damit wird allen Leugnern

9


der Existenz eines Schöpfers bewusst, dass die Natur

Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Plagen die Natur betrifft. Die absolut notwendigen Lebensgrundlagen sind plötzlich nicht mehr gesichert.

ohne ihren Erhalter verloren ist. „Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herr-

sie bewahren sollen (1 Mose 2,15), muss uns doch immer

schaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn

klar sein, dass die Natur allein ebenso wenig göttliche

und zu ihm hin geschaffen; und er ist vor allem, und alles

Kraft in sich besitzt, wie wir selbst. Ohne den Schöpfer

besteht durch ihn.“ (Kol 1,16-17) Ohne Jesus Christus,

als Erhalter sind wir alle verloren, vom Menschen bis zum

unseren Schöpfer (Joh 1,1-3.14), geht alles zugrunde. Da

Einzeller, vom Elefanten bis zum Grashalm. Nicht einmal

gibt es kein immerwährendes Lebensprinzip, das allen

ein so fundamentales Naturgesetz wie die Gravitation

Widrigkeiten trotzen und den Fortbestand von Natur und

funktioniert ohne die beständige Macht Jesu Christi, wie

Menschheit stets gewähren würde. Die Natur an sich ist

uns Ellen White beiläufig wissen lässt, wenn sie die Wie-

eben nicht göttlich. Sie zeugt nur von Gott (Röm 1,20).

derkunft beschreibt: „Die Natur scheint ihre gewohnte

Wird dieses Zeugnis nicht angenommen, folgt der Rück-

Ordnung verloren zu haben. Die Flüsse fließen nicht mehr.

zug der erhaltenden Kraft des Schöpfers, wie Römer 1

Schwere, dunkle Wolken steigen auf und prallen auf-

bezeugt: „Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine

einander.“ (Vom Schatten zum Licht, 583) Wenn Gott sich

ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaf-

nicht um den Regen kümmert, kommt er einfach nicht

fung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und

(siehe die dreieinhalb Jahre Dürre zur Zeit des Elia). Wenn

geschaut, damit sie ohne Entschuldigung sind; weil sie

er sich nicht um die Sonne kümmert, scheint sie nicht

Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch

(Mt 24,29; Offb 6,12). Er allein gibt Regen und Sonnen-

ihm Dank darbrachten … sie, welche die Wahrheit Gottes

schein (Mt 5,45). Ohne ihn hören wir augenblicklich auf

in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und

zu existieren, „denn in ihm leben wir und bewegen uns

Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer … deswe-

und sind wir“ (Apg 17,28). Der Gott der Bibel ist nicht

gen hat Gott sie dahingegeben …“ (Röm 1,20-21.25-26)

denkbar ohne seine Schöpferkraft. Wie konnte es so weit kommen, dass Millionen von Christen heute an einen

Genau das erleben wir heute: „Dem Geschöpf wird Ver-

ausgehöhlten, entleerten „Gott“ glauben, der nicht die

ehrung und Dienst dargebracht statt dem Schöpfer“ (Vers

Macht besitzt, zu erschaffen, Brot zu vermehren, über das

25). Das wird in Debatten um Natur- und Klimaschutz

Wasser zu gehen und Tote aufzuerwecken?

ebenso deutlich, wie in den immer eindringlicheren Welt-

10

untergangswarnungen, die mit religiösem Eifer verkündigt

Um diesem falschen Gottesbild zu begegnen, ist es un-

werden. Während wir als Repräsentanten des Schöpfers

umgänglich, dass der Schöpfer seine Macht demonstriert.

über dessen Schöpfung herrschen (1 Mose 1,26.28) und

Daher ist ein großer Teil der Endzeitvorhersagen auf die


Galaxie untersteht alles seiner Befehlsgewalt. Selbst seine

Gott ist immer der richtige Ansprechpartner für uns, wenn uns Sorgen, Unverständnis, Kummer oder auch Freude treffen.

stärksten Feinde, die Dämonen, abtrünnige Engel, die gegen Gottes Herrschaft rebellieren, müssen sich seinem Befehl beugen (Lk 8,27-33). Jeder weltliche Machthaber untersteht seinem Ratschluss, wird von ihm ein- oder abgesetzt (Dan 2,21; 4,32; Röm 13,1-2). Damit ist auch das Handeln der Gottlosen, der Dämonen, ja auch Satans Agieren, immer der bewahrenden, eindämmenden, schützenden Fürsorge Gottes unterstellt. Sogar vermeintlich negative Schicksalsschläge haben ihren Platz in seinem unbegreiflichen, gütigen Plan (z. B. Joh 9,2-3; 11,4).

Natur bezogen. Das beginnt bei den Katastrophen auf

Von dieser Perspektive aus betrachtet, trägt Gott natürlich

der Erde (Mt 24,7: Hungersnöte, Erdbeben) und erstreckt

die Verantwortung für einfach alles, was auf dieser Welt

sich bis zum Himmel, durch die Verfinsterung von Sonne

(und irgendwo anders) geschieht. Er ist damit immer der

und Mond (Vers 29). Schon immer war die Natur das

richtige Ansprechpartner für uns, wenn uns Sorgen, Un-

Gebiet, auf dem Gott seine Macht bewies (siehe z. B. Joel

verständnis, Kummer oder auch Freude treffen. Wir dür-

2,23-26; Mal 3,11) und uns zeigt, wie sehr wir von ihm

fen alles aus seiner Hand nehmen (Hiob 1,21). Dadurch

abhängig sind (z. B. Hag 1,5-11; 2,15-19).

wird auch das schlimmste Leid zumindest erträglich – es

René Gehring  Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?

sorge ist grenzenlos. Vom kleinsten Atom bis zur größten

wird durch seine gütige Vaterhand für uns sinnvoll, wert-

Gottes Verantwortung für Naturkatastrophen

voll, auf ein gutes und gütiges Ziel gerichtet (Röm 8,28).

Gott ist der Garant der Naturgesetze und damit des

Das bedeutet im Umkehrschluss aber eben nicht, dass er

Lebens. Wenn hier etwas aus dem Ruder läuft, dann nicht

alle Krisen und Katastrophen aktiv auslösen würde. Vieles

zufällig oder versehentlich. Es kann nur dann zu Katastro-

von dem, was Natur und Menschheit widerfährt, ist ein-

phen kommen, wenn er es zulässt. „Verkauft man nicht

fach das Resultat falscher Verhaltensweisen, die Folge von

fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott

Sünden. Sie gehen dann nur mittelbar auf Gott zurück,

nicht einer von ihnen vergessen. Aber auch die Haare auf ihr seid besser als viele Sperlinge.“ (Lk 12,6-7) Gottes Für-

Gott ist der Garant der Naturgesetze und des Lebens. Es kann nur dann zu Katastrophen kommen, wenn er es zulässt.

BWGUNG  Titelstory

eurem Haupt sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht;

11


Prophetische Einblicke Ellen White hebt den Vorhang hin zur unsichtbaren Welt

Vieles von dem, was Natur und Menschheit widerfährt, ist einfach das Resultat falscher Verhaltensweisen, die Folge von Sünden.

etwas und lässt uns wissen, dass wir in der Regel davon ausgehen dürfen, dass Satan die Katastrophen bewirkt – dort, wo Gott aufgrund unbeachteter Warnungen seine Hand zurückziehen muss: „Gottes Gerichte kommen dadurch über die Menschen, dass diese sich selbst außerhalb seines Schutzes stellen. Er warnt, ermahnt und tadelt, er weist sie auf den einzig sicheren Weg hin. Wenn diejenigen, um die er sich besonders bemüht hat, ihren eigenen Zielen folgen, unabhängig vom Geist Gottes, und sie trotz wiederholter Warnungen ihren eigenen Weg wählen, dann wird er seinen Engeln nicht befehlen, Sa-

indem er seine schützende Hand abzieht und uns den

tans entschlossene Angriffe abzuwenden. Es ist die Macht

Folgen unseres eigenen Verhaltens überlässt. So ist wohl

Satans, die auf den Meeren und auf dem Land Katastro-

auch die Aussage des Propheten Amos zu verstehen, der

phen und Leid hervorruft und viele zu seiner sicheren

bezeugt: „Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und

Beute macht.“ (Christus kommt bald, 171)

der HERR hat es nicht bewirkt?“ (Amos 3,6) Das lässt aufhorchen. Ergänzt wird diese Aussage durch die Erklärung,

Vor diesem Hintergrund sind auch andere Aussagen aus

dass „der Herr, HERR, nichts tut, es sei denn, dass er sein

ihrer Feder zu verstehen: „Gott räumt den Menschen Zeit

Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, enthüllt hat.“

zur Bewährung ein. Aber es gibt einen Punkt, an dem die

(Amos 3,7) Er hat uns längst enthüllt bzw. prophezeit, dass

göttliche Geduld erschöpft ist und die Gerichte Gottes die

verschiedene Naturkatastrophen auf uns zukommen wer-

sichere Folge sind. Gott erträgt Menschen und Städte lan-

den. Die konkreten Ursachen hierfür lässt er aber offen.

ge und warnt sie in seiner Barmherzigkeit, damit sie vor

Inwieweit er selbst sie bewirkt, seine schützende Hand

seinem heiligen Zorn bewahrt werden. Doch die Zeit wird

abzieht, damit Satan wirken kann oder ob es sich einfach

kommen, wenn die Bitten um Gnade nicht mehr gehört

um natürliche Folgen unseres eigenen menschlichen Verschuldens handelt, bleibt leider häufig im Dunkeln – und ist für uns auch nicht wirklich entscheidend. Als Christen dürfen wir alles aus der Hand unseres Vaters annehmen und eine heilsrelevante Absicht dahinter erwarten.

12

Es ist die Macht Satans, die auf den Meeren und auf dem Land Katastrophen und Leid hervorruft und viele zu seiner sicheren Beute macht.


René Gehring  Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit? Ausbrüche ungezügelter und chaotischer Naturgewalten gehören zu Gottes Maßnahmen, die Menschen auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam zu machen.

„Ein einziger Engel tötete die Erstgeborenen der Ägypter und brachte große Klage über das Land. Als David gegen den Willen Gottes verstieß und das Volk zählen ließ, verursachte ein Engel jene schreckliche Vernichtung, mit

und die rebellischen Menschen ausgerottet werden, weil

der Davids Sünde bestraft wurde. Die gleiche zerstörende

sie das Licht der Wahrheit fortgesetzt zurückgewiesen ha-

Macht, die heilige Engel ausübten, als Gott es befahl,

ben. Es geschieht aus Barmherzigkeit gegen sie selbst und

führen böse Engel aus, wenn Gott es zulässt. Diese

gegen jene, die sich von ihrem Vorbild haben beeinflussen

Kräfte stehen nun bereit und warten nur auf die göttliche

lassen. Die Zeit ist nahe, in der die Welt mit Leid erfüllt

Freigabe, um überall Verwüstungen anzurichten.“ (Vom

wird, das kein menschliches Mittel heilen kann. Der Geist

Schatten zum Licht, 561) Solange es noch genügend Ge-

Gottes zieht sich zurück. Unglücksfälle zu Wasser und zu

rechte gibt, werden viele Katastrophen zurückgehalten:

Land nehmen in schneller Folge zu. Wie oft hören wir von

„Der Herr liebt Barmherzigkeit und im Interesse einiger

Erdbeben und Wirbelstürmen, von Verheerungen durch

Weniger, die ihm aufrichtig dienen, hält er Katastrophen

Feuer und Fluten mit großen Verlusten an Menschenleben

zurück und verlängert für viele Menschen die Zeit des

und Sachwerten! Es hat den Anschein, als ob diese Un-

Friedens. Menschen, die gegen Gott sündigen, ahnen

glücksfälle nichts anderes als unberechenbare Ausbrüche

kaum, dass sie ihr eigenes Leben gerade den wenigen

chaotischer und ungezügelter Naturgewalten wären, die

Treuen verdanken, die sie selbst so gerne verspotten und

vom Menschen nicht beherrscht werden können. Aber

unterdrücken.“ (Vom Schatten zum Licht, 576)

zu seinen Maßnahmen, um die Menschen auf die ihnen

Diese Prinzipien galten schon während der gesamten

drohende Gefahr aufmerksam zu machen. …

Menschheitsgeschichte. Eine neue Qualität der Zerstörung

Wir stehen an der Schwelle der größten Krise aller

wird aber erreicht werden, wenn Gott am Ende im Rah-

Zeitalter. Schnell werden Gottes Gerichte aufeinander

men der sieben letzten Plagen (erstmals) seine Hand völlig

folgen: Feuer, Flutkatastrophen und Erdbeben, Kriege und

zurückzieht und die Katastrophen nicht mehr durch seine

Blutvergießen. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn

Gnade abgemildert werden. Diese Katastrophen werden

jetzt große und entscheidende Ereignisse eintreten, denn

dann so enorm sein, dass sie die ganze Welt zerstören

der Engel der Gnade kann Unbußfertige nicht länger

würden, wären sie nicht zumindest räumlich begrenzt:

schützen.“ (Macht und Ohnmacht, 186-188) Wo es nötig

„Hier handelt es sich nicht um weltweite Plagen, sonst

ist, setzt Gott aber auch seine eigene Macht ein, um

würden die Bewohner der Erde völlig ausgerottet werden.

Strafgerichte zu bewirken, während ein anderes Mal die

Trotzdem werden sie die schrecklichsten Geißeln sein,

Engel Satans ihr Werk tun, soweit Gott es ihnen gestattet:

die sterbliche Menschen je erlebt haben werden. Alle Ge-

BWGUNG  Titelstory

darin kann man die Absicht Gottes erkennen. Sie gehören

13


herein, weil Gottes Schutz unerwünscht ist und er seine schützende Hand abziehen muss. Wieder andere werden

Als Christen dürfen wir alles aus der Hand unseres Vaters annehmen und eine heilsrelevante Absicht dahinter erwarten.

direkt von Gott bewirkt – aber stets mit der gütigen Absicht, die Menschen noch zur Umkehr zu bewegen. Bei den sieben letzten Plagen, die nach Ablauf des Gerichts im Himmel und damit nach dem Ende der Gnadenzeit fallen werden, wird es das erste und einzige Mal in der gesamten Welt- und Heilsgeschichte anders sein. Da ist niemand mehr zu retten, alle haben ihre endgültige Entscheidung getroffen. Dann wird es „nur“ noch darum gehen, allen deutlich zu zeigen, mit wem sie es zu tun haben. Dass es einen Schöpfer gibt, der in seiner Macht

richte, die vor Beendigung der Gnadenzeit über die Men-

unendlich weit über der Schöpfung und den Naturgeset-

schen kamen, waren mit Gnade vermischt. Das rettende

zen steht. Der es vermag, den Toten Leben zu schenken

Blut Christi schützte den Sünder davor, das volle Strafmaß

– nur durch sein Wort. Der eine neue Erde schafft – ganz

zu erhalten. Doch beim Endgericht wird der Zorn Gottes

ohne Evolution.

ungehemmt und ohne Gnade ausgegossen werden. An jenem Tag werden viele den Schutz der göttlichen Gnade

Jedes Knie wird sich am Ende, von der Größe und Macht

begehren, die sie bis dahin verachtet haben.“ (Vom Schat-

des Schöpfers überwältigt, anerkennend vor ihm beugen

ten zum Licht, 573)

(Jes 45,23; Phil 2,10-11). Wie viel besser ist es, das jetzt schon zu tun, indem man die dreifache Engelsbotschaft

Ausblick

annimmt und sich damit auf die Seite des allmächtigen

Die für die Endzeit vorhergesagten Katastrophen sind

Schöpfergottes stellt, der aus jeder Krise und allen Kata-

nicht allein Folgen natürlicher Vorgänge. Auch wenn

strophen retten kann und wird!

Menschen sie verursacht haben, sei es durch folgenreiche Eingriffe in die Natur oder durch (andere) Sünden, so kommt doch stets eine geistliche Komponente hinzu. Manche Katastrophen werden hinausgezögert, weil die Zeit der Gnade noch nicht verstrichen ist. Andere brechen

Der Herr liebt Barmherzigkeit, und im Interesse einiger Weniger, die ihm aufrichtig dienen, hält er Katastrophen zurück und verlängert für viele Menschen die Zeit des Friedens.

14

René Gehring studierte Theologie, Geschichte und Altertumswissenschaften. Inzwischen ist er Dozent für Theologie sowie Direktor vom Seminar Schloss Bogenhofen (Österreich).


15

BWGUNG  Anzeige

Ehewochenende  Wenn das WIR gewinnt – Die Architektur unserer Ehe


16


Kipppunkte in der Bibel Es gibt Punkte, an denen eine Grenze überschritten wird. Eine Tat lässt sich nicht mehr ungeschehen machen oder ein vermeintlich schleichender Prozess erreicht einen Punkt, der das Fass auf einmal zum Überlaufen und das System zum Kippen bringt. Welche solcher „Kipppunkte“ wir auch in der Bibel finden und was das letztendlich für uns bedeutet – darüber schreibt Bernd Sengewald hier.

Bernd Sengewald  Kipppunkte in der Bibel

Was tun, wenn sich Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen lassen?

Kipppunkte in der Natur Es sind eisige Weiten in Grönland. Über achtzig Prozent der zwei Millionen Quadratkilometer Landfläche ist mit Eis bedeckt. Durchschnittlich ist das Eis 1,5 Kilometer dick. An manchen Stellen sogar über drei Kilometer. Das macht ein Volumen von mehr als zweieinhalb Kubikkilometern Eis aus. Würde dieses Eis vollständig abschmelzen, würde weltweit der Meeresspiegel um mehr als sieben Meter steigen.1 Und es schmilzt immer weiter ab. Seit der Jahrtausendwende fällt nicht mehr genug Schnee und immer mehr Boden liegt frei. Boden aber, der nicht mehr mit Schnee bedeckt ist, wärmt sich schneller auf. Gleichzeitig wird die Eisdecke immer dünner und befindet sich dadurch mit ihrer Oberfläche in wärmeren Luftschichten. Das Eis taut noch schneller und auch das Schmelzwasser reflektiert das Sonnenlicht nicht so gut wie das Eis. Lauter kleine Veränderungen. Für sich genommen macht das vielleicht nichts aus. Aber zusammengenommen addieren

Über achtzig Prozent der zwei Millionen Quadratkilometer Landfläche Grönlands ist mit Eis bedeckt. An manchen Stellen ist die Eisfläche sogar über drei Kilometer dick.

die Effekte sich nicht nur, sie multiplizieren sich. Irgendwann ist der Effekt unumkehrbar, und auch vor diesem

komplexen Systemen dieser Erde.4 Diese stützen sich

Punkt lässt er sich nur sehr schwer verlangsamen und

gegenseitig,5 kippt eines, sind auch die anderen davon

noch langsamer umkehren.2 „Kommt ein System an einen

betroffen und es kann zu einer Kaskade von Veränderun-

Kipppunkt, ändert sich sein Zustand, und zwar nicht etwa

gen kommen.6

gleichförmig, sondern sprunghaft.“3 Der Eisschild Grönlands ist nur eines von vielen miteinander verbundenen

Ein System, welches gekippt ist, wird hinterher nie wieder das Gleiche sein. So wie ein See, wenn er einmal umgekippt ist. Er wird vielleicht einen anderen stabilen Zustand finden, aber nie wieder der gleiche sein. Oder wie unsere Zellen, die am Anfang der Entstehung eines Menschen im Mutterleib denselben genetischen Bauplan haben (sie sind „totipotent“) und im Laufe der Zellvermehrung immer mehr Zellen entwickeln, die sich spezialisieren. Z.B. Haut-, Leber- oder Muskelzellen werden. Haben sich Zellen erst einmal spezialisiert, ist der Prozess nicht mehr umzukehren. Illustriert wird dieser Prozess gerne mit einer Murmel, die ganz oben von einem Gebirge in die Täler hinabrollt. Ist sie erst einmal in eines der Täler gerollt, kann sie nicht

BWGUNG    Bibel

Ein Blick auf Naturphänomene zeigt, dass es mit geistlichen Prinzipien aus der Bibel erstaunliche Ähnlichkeiten gibt.

mehr zu einem Nachbartal wechseln, sondern muss

17


immer weiter abwärtsrollen und wird mit jeder weiteren Verzweigung des Tales immer wieder nur eine der Ver-

Das Essen einer Frucht mit unumkehrbaren Folgen: Adams und Evas gute Beziehung zu Gott zerbricht, es gibt gegenseitige Beschuldigungen und Schmerzen, Mühsal sowie der Tod halten Einzug.

zweigungen hinabrollen können.7

Kipppunkte in der Bibel

Erstaunlich ist immer wieder Gottes Gnade und Langmut

Auch bei Adam und Eva ändern sich alle Verhältnisse

mit seinem Volk oder auch mit einzelnen Personen. Als

sprunghaft, nachdem sie von der Frucht gegessen haben.

er die Israeliten aus Ägypten rief – das war ca. das Jahr

Die gute Beziehung zu Gott zerbricht, es gibt gegenseitige

1.450 v. Chr. – da schloss er einen Bund mit ihnen und

Beschuldigungen, Schmerzen kommen auf, die Arbeit

sagte ihnen auch, was alles zu diesem Bund gehört. Doch

wird mühsam und der Tod nach einem harten Leben hält

das Volk Gottes hielt sich oft nicht daran. Immer wieder

Einzug (1 Mose 3).

schickte Gott Propheten, die die Abweichungen des erwünschten Verhaltens anprangerten. Doch es wurde

Es gab eine einzelne Handlung von Adam und Eva (die

laut den biblischen Berichten nicht besser. Und ähnlich,

Frucht nehmen und essen), und diese konnte ganz offen-

wie die Eismasse Grönlands immer weiter wegerodiert

sichtlich nicht durch eine einzelne Handlung revidiert

und die Gefahr immer größer wird, den Kipppunkt zu

werden, sondern braucht eine zeitlich und aktionsmäßig

erreichen, so erodierte auch die Festigkeit des Bundes

vielfach längere Erlösungsstrategie, um wieder ein gutes,

zwischen dem Volk Israel und Gott immer weiter – bis es

lebenswertes und stabiles System zu schaffen.8

zum Kipppunkt kam. 722 v. Chr. wurden die zehn Stämme Israels weggeführt und kehrten nie wieder zurück.

Interessanterweise ist das neue System, das Gott schaffen

Die Wegführung der beiden Stämme Juda und Benjamin

wird, nicht mehr identisch mit dem vom Anfang. Wenn

nach Babylon folgte um 600 v. Chr. Sie hatten zwar die

der neue Himmel und die neue Erde geschaffen worden

Verheißung, dass sie wieder in das Gelobte Land zurück-

sind, dann befindet sich der Regierungssitz Gottes auf

kehren würden, aber bei den die Rückkehr begleitenden

der neuen Erde, die zweite Person der Gottheit – Jesus

Prophezeiungen (z.B. Dan 9,24-27) ist zu sehen, dass

Christus – hat sich für immer mit dem Menschlichen ver-

schon Plan B initiiert worden war. Die Bedingungen

bunden und die Erlösten regieren mit Gott – um nur ein

waren gekippt und ein verändertes Erlösungsgeschehen

paar Beispiele zu nennen.

nahm seinen Lauf.

9

18


Beziehung zu Gott wurde verändert, er selbst war ge-

Kommt ein System an einen Kipppunkt, ändert sich sein Zustand, und zwar nicht gleichförmig, sondern sprunghaft.

brochen, sein Einfluss bei seinen Untertanen geschwächt, „das Bewusstsein seiner Schuld ließ ihn schweigen, wo er die Sünde hätte verurteilen müssen“11, und durch das Verhalten seiner Söhne nahm viel Unheil seinen Lauf, wie z.B. Vergewaltigung, Mord, Intrige und Krieg (2 Sam 1318). Viele kleine Dinge verstärken einander. Am Anfang merkt man es vielleicht nicht so sehr, aber es kann so weit anwachsen, dass wir als Menschen in letzter Konsequenz unser Heil verlieren können. Im Zusammenhang mit seiner Verwerfung durch die Pharisäer spricht Christus es an:

Bernd Sengewald  Kipppunkte in der Bibel

gesamt vier seiner Söhne, die ums Leben kamen.10 Davids

Dauernde Ablehnung des Wirkens des Heiligen Geistes

Wir als Einzelne

kann dazu führen, dass man für seine Stimme taub wird

Viele kleine Entscheidungen in unserem Leben scheinen

und uns dessen rettender Einfluss dann nicht mehr errei-

erst einmal keine großen Auswirkungen zu haben. „Ein-

chen kann.12 Der Pharao verhärtete sein Herz gegen Gott

mal ist keinmal!“, wird gerne gesagt. Doch die Wirklich-

immer mehr13 und Judas Iskariot wehrte sich gegen Jesu

keit ist wohl anders. Als König David auf dem Dach seines

Werben, bis es zum unumkehrbaren Ende kam.14

Königspalastes flanierte, da sah er etwas, was seinen Augen gefiel. Er ließ sich verleiten seine Macht auszunut-

Von daher tun wir gut daran, den Rat von Paulus aus

zen, Batseba zu sich in den Palast zu holen und mit ihr zu

Römer 12,2 zu beherzigen: „Deshalb orientiert euch nicht

schlafen. Um seine Sünde zu kaschieren, griff er erst zur

am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt,

List, und als diese nicht gelang, ließ er einen treuen Unter-

sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer

gebenen ermorden (1 Sam. 11,1-27). Vom Propheten

Denkweise in neue Menschen verwandeln.“ Wenn wir

Nathan zur Rede gestellt (1 Sam 12,1), bekannte er sich

uns für „ein Tal“ entscheiden, dann am besten mit und

schuldig, wodurch zwar seine Todesstrafe aufgehoben

für Gott. Petrus sagte zu Pfingsten, dass Umkehr, also

wurde (1 Sam 12,13), aber die Folgen seiner Taten sein Herrn wurden zum Lästern gebracht (1 Sam 12,14), der neugeborene Sohn starb und zum Schluss waren es ins-

Viele kleine Entscheidungen in unserem Leben scheinen erst einmal keine großen Auswirkungen zu haben. Doch irgendwann ist der Kipppunkt erreicht und es kann zu einer Kaskade von Veränderungen kommen.

BWGUNG    Bibel

gesamtes Leben lang spürbar waren. Die Feinde des

19


Gott hält all die komplexen Geschehen fest in seiner Hand. Was er tut, dient zu unser aller Besten. Ausrichtung auf Jesus Christus, ein ganz wichtiger Schritt ist, um nach der Taufe den Heiligen Geist zu empfangen (Apg 2,38). Wenn der Heilige Geist in einem wohnt, dann wohnen gleichzeitig auch Jesus Christus und Gott Vater in einem (Joh 14,16-20). Wir sind dadurch zu „einer neuen Kreatur“ geworden (2 Kor 5,17). Wir wurden zu Kindern

„Richtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, rein, liebenswert und schön ist“ (Phil 4,8).

Gottes (Joh 1,12). Durch das Wirken des Heiligen Geistes werden Früchte sichtbar (Gal 5,22) und es ist wichtig, dass wir auf Dauer eng mit ihm verbunden bleiben (Eph 4,30) und fest werden im Glauben (Eph 4,11-16). Sollten wir einmal im Glauben stehend entschlafen, dann werden wir zu den Geretteten gehören (Offb 2,10c; 7,9-17). Ein Geschenk, welches uns für immer gehören wird und das uns niemand nehmen kann. Kurzgefasst: Jede Gewohnheit hat eine bestimmte Kraft und zieht in eine bestimmte Richtung. Auf Dauer prägen diese unseren Charakter und damit unser Leben. Horace Mann soll gesagt haben: „Gewohnheiten sind wie ein Kabel. Wir flechten jeden Tag einen Strang dazu, und bald können sie nicht mehr reißen.” Wenn wir positive Gewohnheiten entwickeln, werden sie sich gegenseitig verstärken. Genau das werden aber auch negative Gewohnheiten tun. Und irgendwann laufen die Dinge möglicherweise in erdrutschartiger Geschwindigkeit ab. Nicht umsonst hat Salomo den Spruch geprägt: „Achte auf deine Gedanken und deine Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben” (Spr 4,23), und passend dazu ließ Paulus aufschreiben: „Richtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, rein, liebenswert und schön ist“ (Phil 4,8).

Quellen: 1 https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6nl%C3%A4ndischer_Eisschild, zugriff 03.10.2022 2 Maja Göpel: Wir können auch anders – Aufbruch in die Welt von morgen, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2022, S. 64-65 3 Göpel, aao., S. 58 4 Andere Systeme sind z.B. das Klima, der Zustand der Ozeane, die Menge des Süßwassers, die Biodiversität und die Fläche der Erde, die mit Wald, Mooren und Grasland bedeckt ist; Göpel, aao., S. 45 5 Göpel, aao., S. 41 6 Göpel, aao., S. 61-62 7 Dirk Brockmann: Im Wald vor lauter Bäumen – Unsere komplexe Welt besser verstehen, dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2. Aufl. 2021; S. 125-128.135-139 8 Ellen White schreibt: „Eine unrechte Tat lässt sich nicht ungeschehen machen. So kann es kommen, dass ein ganzes Lebenswerk nicht aufzuwiegen vermag, was in einem einzigen Augenblick verlorenging, weil man der Versuchung nachgab oder nur gedankenlos war.“ Ellen G. White: Wie alles begann, gr. A., S. 330 9 Offb 21,1-5.23-22,5; 3,21; Joh 20,24-29 10 Der erste Sohn Davids mit Batseba (2 Sam 12), Amnon (2 Sam 13), Absalom (2 Sam 18) und Adonija (1 Kö 1). Siehe Davids eigener Urteilsspruch: „Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.“ (2 Sam 12,6) 11 EGW, WAB, 551.552 12 Mt 12,22-32: „Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben (V. 31); vgl. Jak 1,13–15 (LU): „Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Der Sieg der Liebe, S. 243: „Wer (Gottes) Licht verschmäht, dessen Augen werden blind und dessen Herz verhärtet sich. Dies ist ein schleichender Vorgang und wird kaum wahrgenommen.“ S. 245: „Jeder ablehnende Schritt Christus gegenüber bringt uns einen Schritt näher dazu, die Erlösung zu verwerfen und die Sünde gegen den Heiligen Geist zu begehen.“ 13 2 Mose 4,21; 7,3.13.14.22; 9,34; 1 Sam 6,6; vgl. ABC, Bd. 1, S. 516-517; EGW, WAB, S. 197-198 14 Joh 14,27.30; Mt 27,3-5; Der Sieg der Liebe, S. 552-557 15 Dirk Brockmann, aao., S. 13-21; Siehe z.B. auch: Manjana Milkoreit, u.a.: Defining tipping points for social-ecological systems scholarship—an interdisciplinary literature review, OPEN ACCESS https://iopscience.iop.org/ article/10.1088/1748-9326/aaaa75

„Disclaimer“ Interdisziplinäres Arbeiten wird immer mehr zur Normalität und entsprechend in der Forschung umgesetzt.15 Dabei sollte man bei der Übertragung von Naturgesetzen auf Geistliches natürlich Vorsicht walten lassen, aber aus meiner Sicht scheint es bei komplexen Naturphänomenen, die sich gegenseitig verstärken, starke Parallelen zu unserem geistlichen Leben zu geben. Vielleicht kann der ein oder andere meine Faszination teilen.

20

Bernd Sengewald studierte Theologie in Darmstadt und Newbold. Er ist Bezirkspastor der Gemeinden Kornwestheim und Ludwigsburg sowie Mitglied im Redaktionsteam.


Sei dabei und erlebe das Abenteuer Kita hautnah!

Kinder wachsen. Kinder lachen. Kinder machen einfach. Komm zum diesjährigen Wolkenflitzer Kita-Wochenende und lasse dich davon begeistern, wie Gott es uns ermöglicht, frühkindliche Pädagogik zu gestalten und umzusetzen! Neben vielen Möglichkeiten zum Kennenlernen und Vernetzen erwarten dich spannende Inputs und die

Referentin Angela Indermaur Mutter von 3 Kindern, Erziehungs- und TraumaFachberaterin www.angela-indermaur.ch

wunderschöne Landschaft des Schwarzwaldes.

Inputs (inkl. Q&A): Sa: 17:30 Uhr Was unsere Kinder stark macht Resilienz und Umgang mit Gefühlen So: 09:30 Uhr Traumaprävention bei Kindern Das Wunder des Spiels

Wann Wo

08.-10.12.2023 Haus Schwarzwaldsonne, Freudenstadt Wer Alle Interessierten von 0-99 Kosten Vollpension 50,- € Anm. Veranstaltungskalender der Freikirche (Baden-Württemberg) bw.adventisten.de/events/ Infos kai.ogon@wolkenflitzer.gmbh

Wir machen Kita!  Kinder wachsen. Kinder lachen. Kinder machen einfach.

Wir machen Kita!

www.aww-bw.de

10 Ta Kurau ge fent So., 21 halt .0 Do., 01 7. .08.24

Genießen · Genesen · Gesundheit stärken ◉ Diverse Anwendungen ◉ Gesundheits-Impulse ◉ Gemeinschaft

◉ Andachten ◉ Spaziergänge ◉ Tagesausflug

Preise: 900,– € p. P. im DZ; 1.100,– € im EZ inkl. VP; zzgl. Anreisekosten, Anmeldeschluss: 31.01.24 Anreise: Gemeinsame Anreise oder eigene Anreise möglich, Sonntag, 21.07., ab 17 Uhr.

Landesstelle Baden-Württemberg

Mehr Infos & Anmeldung im Internet oder Tel: 0151 44065888

BWGUNG  Anzeige

◉ Gesundheits-Vorträge ◉ Gymnastik ◉ Ärztliche Untersuchungen

21


Adventistische Bekenntnisschulen

Offene Türen – Zuhause in Landshausen Es gibt große Pläne für den Schulstandort Zeutern: Ein Umzug steht bevor. Wo die Reise hingeht und wie es dazu kam, dass eine alte Dorfschule „wiederbelebt“ wird und an diesem geschichtsträchtigen Ort statt Stille bald wieder Kinderlachen erklingen kann, davon berichtet Markus Witte hier.

Mitten im Kellergewölbe finden wir uns wieder, Bürger-

einem blau-gelben Schild steht: Herzlich willkommen. Nur

meister, Amtsleiter und Hausmeister führen uns durch die

eine Nacht waren hier geflüchtete Familien aus der Ukrai-

Wölbungen, hier und da ein Lichtstrahl, der von außen

ne untergebracht, jetzt steht alles leer. Die Kellertür öffnet

durchdringt. Es riecht ein wenig wie in einem guten Erdkel-

sich, es wird Licht. Die Stufen hinauf und wir stehen auf

ler, als wollten sich Wurzelgemüse und Kartoffeln dort be-

dem Schulhof unter einem großen Walnussbaum.

heimaten und einlagern lassen. Der Boden aus Lehm und Schotter. Ein Haus voller Geschichte und Geschichten…

Doch beginnen wir beim Anfang unserer Geschichte – einige Wochen zuvor im Herbst 2022: Kirsten ist zu Besuch

22

Wir öffnen eine Tür. Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde

und macht einen Spaziergang durchs Dorf. Plötzlich fällt

hier in einem Keller ein junger schottischer Kriegsgefan-

ihr etwas ins Auge. Sie bleibt stehen, schaut näher hin und

gener festgehalten, erzählt mir Martin, ein Bürger aus

mustert es prüfend. Es ist das markanteste Bauwerk im Ort.

Landshausen. In den Monaten vor Kriegsende hatten sie

Ungenutzt steht es da, als wolle es fast wehmütig ausrufen:

den Piloten der Royal Air Force reichlich mit Lebensmitteln

„Mach etwas aus mir!“ Die Architektur im Baustil des His-

versorgt, er behielt die Menschen von Landshausen in

torismus, ein Schulhaus von 1883. Wieder zuhause geben

guter Erinnerung. – In der Etage über unseren Köpfen ste-

Kirsten und ihre Familie uns Bescheid und weisen auf die

hen noch Stockbetten, aufgebaut in Klassenräumen, auf

mit dem Gebäude verbundenen Möglichkeiten hin.


Regierungspräsidium, Kultusministerium und zuletzt mit

Die Stadt öffnet die Türen: Gartengrundstück, Spielplatz, Sportplatz, Turnhalle und viel Platz auf dem Land stehen uns zur Verfügung.

dem Gemeinderat der Stadt Kraichtal: Wir erfahren Zustimmung. Eine Tür nach der anderen öffnet sich, selbst wenn wir zwischenzeitlich viel Geduld und Glauben benötigen – und vor allem Gebet: Gott kommt nie zu spät. Die Gremien unserer Freikirche beschließen den Kauf und Umbau der Schule in Landshausen, dem östlichsten Ortsteil der Stadt Kraichtal. In dieser Gegend treffen die Landkreise Karlsruhe und Heilbronn aufeinander, etwas weiter nördlich der Rhein-Neckar-Kreis mit Heidelberg, südlich der Enzkreis mit Pforzheim.

Szenenwechsel – Einige Tage zuvor, rund 10 km Luftlinie

Anfang Juli 2023: Im Schulhof von Landshausen bildet

weiter westlich: Es ist „Schulforum“, das Beratungsgremium

sich ein großer Kreis, rund 40 Bürgerinnen und Bürger

an unserer Schule in Zeutern tagt. Wir überlegen, wie sich

sind gekommen. Eingeladen hat der Bürgermeister, ich

die Schule weiterentwickeln kann, wieder einmal. Wir brau-

stelle unser ganzheitliches Schulkonzept vor. Generationen

chen dringend neue Räume, mehr Platz für unsere Schule.

sind durch diese Schule gegangen, alle bringen Erinnerun-

1997 in Bruchsal gegründet, seit 1998 in Zeutern, sind wir

gen mit und sind sich einig: Das Schulhaus soll eine Schule

nun an der Kapazitätsgrenze angekommen. Nadine und

bleiben. Ein Stadtrat erzählt: Er war als Kind vor 35 Jahren

Nicole, unsere Elternvertreterinnen, wünschen sich, dass

dabei, als der Walnussbaum auf dem Schulhof gepflanzt

die Schule nicht in die Rheinebene zieht, wo die Städte

wurde. Wir sind herzlich willkommen. Landwirte, Hand-

sind, sondern weiter in den Kraichgau, dem Land der 1000

werksbetriebe und Vereine wollen mit unserer Schule ko-

Hügel. Obwohl sie keine Mitglieder unserer Freikirche sind,

operieren. Die Stadt öffnet die Türen: Gartengrundstück,

begründen sie ihre Präferenz mit Hinweisen von Ellen White

Spielplatz, Sportplatz, Turnhalle stehen uns zur Verfügung,

über Schulstandorte. Umgehend kommt mir die Geschichte

viel Platz auf dem Land. Vor uns liegt ein Bauprojekt, Re-

von Abraham und Lot in den Sinn, ein Moment des Dankes

novierungen stehen an, im Herbst 2024 wollen wir umzie-

und der Demut erfüllt mich. Auf dem Heimweg bekomme

hen. – In Jeremia 29,7 steht unser Auftrag, das Motto für

ich die tiefe Gewissheit, dass Gott Türen öffnen wird.

den Umzug: »Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.«

Markus Witte  Offene Türen – Zuhause in Landshausen

Bürgermeister, Liegenschaftsamt, Denkmalschutzbehörde,

Was folgt, sind Gutachten, viele Ortstermine und Ge-

Ab Herbst 2024 das zukünftige neue Zuhause der Adventistischen Bekenntnisschule Zeutern: die ehemalige Grundschule von Kraichtal-Landshausen. Hier zu sehen ist die Gebäuderückseite vom Schulhof aus.

Markus Witte, Gemeinde Backnang, ist Abteilungsleiter für Erziehung & Bildung der Freikirche in BadenWürttemberg.

BWGUNG  Adventistische Bekenntnisschulen

spräche – mit Vereinsmitgliedern des Schulträgervereins,

23


Ehe und Familie

Alltagsstress als Beziehungskiller Wer kennt ihn nicht – den Alltagsstress? Getrieben von einem Termin zum nächsten hat der Tag einfach nie genug Stunden. Es werden Abstriche gemacht und oftmals leidet nicht zuletzt die Partnerschaft besonders darunter. Annika Looser Grönroos widmet sich genau diesem Phänomen unserer Gesellschaft. Dabei zeigt sie nicht nur dessen ernste Gefahren auf, sondern ermutigt auch praktisch, in die eigene Ehe zu investieren, „bevor der Stress sie scheidet“.

Chronischer Stress scheint in unseren Breitengraden zum

abläuft, nehmen wir das Ergebnis oftmals erst wahr,

kollektiven Schicksal geworden zu sein. Die alltägliche

wenn der Schaden bereits entstanden ist. Die kleinen

Überbelastung führt uns weit über unsere persönlichen

Banalitäten im Alltag, wie einen Termin zu übersehen, den

Belastungsgrenzen hinaus. Wir nehmen diese Tatsache

Schlüssel zu verlieren oder den Bus zu verpassen, erfahren

zwar schmerzhaft wahr, sind jedoch oftmals unfähig, ein-

wenig Beachtung. Doch die Dosis macht den Unterschied,

schneidende Veränderungen vorzunehmen. Der Paarbe-

denn mehrere dieser Widrigkeiten zusammen stellen in

ziehung wird durch den individuellen Stress beider Partner

der Tat eine erhöhte Belastung dar.

erheblicher Schaden zugefügt. Unter Stress wird die Pflege der Liebe vernachlässigt.

24

Wie Alltagsstress Beziehungen untergräbt

„Man nimmt sich zu wenig Zeit füreinander, wird un-

„Stress zerstört Partnerschaften schleichend und lange

achtsam, verliert Positivität, ignoriert eigene Bedürfnisse

Zeit unbemerkt“, sagt der Schweizer Paartherapeut Guy

und die Bedürfnisse des anderen“, schreibt Bodenmann.

Bodenmann. Weil der Prozess leise und im Hintergrund

Zudem werden wir unflexibler, rücksichtsloser und ichbe-


zogener, wenn wir unter Druck stehen. In einer von Stress geprägten Umgebung wird das Fundament der Liebe ganz unspektakulär Stück für Stück abgetragen.

Erfolgreiche Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen. Wenn wir uns öffnen und unser Stressempfinden einander mitteilen, wird Stress abgebaut und Intimität, Vertrauen und Nähe können entstehen.

Stress wird subjektiv erlebt

Annika Looser Grönroos  Alltagsstress als Beziehungskiller

Erfolgreiche Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen und können sich in ihn hineinversetzen.

Oftmals ist es eine Anhäufung vieler negativer Kleinigkeiten, die Stress auslösen. Einzeln betrachtet mögen diese

Wenn wir uns öffnen und unser Stressempfinden unserem

Dinge trivial wirken, und so reagieren Ehepartner manch-

Ehepartner/unserer Ehepartnerin mitteilen, ist der Gewinn

mal mit Unverständnis. Was die betroffene Person jedoch

groß. Zum einen baut das Gespräch selbst bereits Stress

brauchen würde, wären Verständnis und Unterstützung.

ab, zum anderen lässt es Intimität, Vertrauen und Nähe

Denn Stress ist oftmals keine objektive Tatsache, sondern

entstehen. Indem wir einander Raum schenken und uns

subjektives Empfinden. Erst die Bedeutung, die einem

gegenseitig ermöglichen, besser zu verstehen, entsteht

Ereignis beigemessen wird, lässt Anspannung entstehen.

echte Begegnung und der Stress wird zur Chance für die

Daher können Ehepartner nicht einfach von sich auf den

Beziehung.

anderen schließen, sondern müssen sich in ihn oder in sie hineinversetzen. Und genau in diesem Punkt unterschei-

Eine heilsame Frage im Zusammenhang mit Stress kann

den sich glückliche von unglücklichen Paaren: Erfolgreiche

lauten: Spiegelt der Alltag meine Werte wider? Mit ande-

Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen. Sie

ren Worten: Erhält meine Ehe die Aufmerksamkeit und

gewähren dem Gegenüber Zutritt und interessieren sich

Pflege, die sie verdient hat? Ehrlich hinschauen ist nicht

aufrichtig für den Menschen an ihrer Seite.

immer einfach, doch denke daran: Schmerz und Traurigkeit sind eine gute Geburtsstätte von Veränderung!

Auf Felsen gebaut Als gläubige Menschen wären wir gut ausgerüstet, um

Ehewochenende: Wenn du in deine Ehe investieren und

mit Stress richtig umzugehen. Die Tatsache, dass unser

noch tiefer in das Thema eintauchen möchtest, wie die

Leben auf Jesus Christus gründet, baut bereits viel Stress

eigene Beziehung stärker und stressresistenter wird, dann

ab. Hinzu kommen wertvolle christliche Gewohnheiten –

bist du herzlich eingeladen, beim Ehewochenende vom

wie den wöchentlichen Ruhetag zu genießen, das Gebet

16.-18.02.2024 im Haus Schwarzwaldsonne mit Annika

zu pflegen, Vergebung und Versöhnung zu leben, sowie

und Fabian Looser Grönroos dabei zu sein. Anmeldung

der eigenen Gesundheit Sorge zu tragen – die helfen, an

unter: www.kurzelinks.de/Ehewochenende

Trotzdem fällt es im Alltag nicht immer leicht, Balance und

Buchtipp: Bodenmann, G. (2015). Bevor der Stress uns

einen gesunden Umgang mit Stress zu finden. Das be-

scheidet. Resilienz in der Partnerschaft (2. Aufl.). Göttin-

wusste Setzen von Prioritäten und Reflektieren kann somit

gen: Hogrefe.

ein sehr hilfreicher Schlüsselaspekt sein. Wie hilft mir mein persönlicher Glaube im Umgang mit Stress?

Beziehungspflege inmitten von Stress „Bevor der Stress uns scheidet“ heißt das Buch von Guy Bodenmann. Wer damit umgehen kann, dass dieses Buch von einem säkularen Paartherapeuten geschrieben ist, wird darin sehr wertvollen Input erhalten.

Annika Looser Grönroos ist Theologin, Beraterin und Leiterin der Abteilung Ehe & Familie in der DSV. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

BWGUNG    Ehe und Familie

den Belastungen des Lebens nicht zugrunde zu gehen.

25


„Kikerikiii!“ Empört schlägt der Hahn mit den Flügeln und denkt: „Das gibt es doch nicht; was erzählt er denn da? Ich habe ihn doch auch bei Jesus gesehen.“

Kinderzeit

Eine nächtliche Beobachtung

von Johanna Blanck

Es ist finstere Nacht. Alles schläft. Doch halt! Da bewegt

Der Hahn flattert unter einem Torbogen hindurch, in eine

sich etwas. Da ist noch jemand wach. Ein dunkler Schatten

schmale Gasse. Hier pfeift ein eisiger Wind. Fröstelnd

balanciert auf einer dünnen Holzstange hin und her. Er

bewegt er sich schnell weiter. Auf einem flachen Dach

hebt mal den einen Fuß, dann streckt er den anderen.

macht er halt. Hat er da nicht etwas gehört? Gibt es da

Mit einem Satz rauscht er leise zu Boden. Der Mond blitzt

noch jemanden, der wach ist? Er schließt seine Augen und

durch eine Holzspalte des Schuppens und wirft seine Strah-

lauscht in die Nacht hinein. Ja, von dort drüben dringen

len auf ein vergessenes Haferkörnchen. Erfreut pickt der

Laute zu ihm. Flüsternd, gedämpft, so als ob Menschen

Hahn mit seinem spitzen Schnabel zu. Es knackt laut. Er-

miteinander tuscheln würden. Neugierig geht der Hahn

schrocken blickt er sich um, aber seine Hühnerschar träumt

dem Geräusch nach und kommt an ein großes Haus. Ein

weiter tief und fest vor sich hin. Verzweifelt lässt er seinen

Feuer flackert auf dem Hof und wirft lange Schatten auf

Kamm hängen. „Warum können alle so schön schlafen, nur

den Boden. Drumherum stehen einige Menschen und

ich nicht?“ Leise stakst er zur Tür und späht hinaus. „Wenn

wärmen sich. Der Hahn wackelt die Mauer entlang, dich-

ich schon nicht schlafen kann,

ter heran. „Vielleicht kommt

könnte ich ja einen kleinen

so etwas warme Luft zu mir

Nachtspaziergang machen.“

hinauf“, denkt er sich. Der Torhüterin wird es nun auch zu

Vorsichtig schiebt der Hüh-

kalt zum Wachen. Sie gesellt

nerchef die alte Holztür ein

sich zu den anderen ans Feuer.

Stückchen weiter auf und

Das Feuer tanzt hin und her

schlüpft hindurch. Die Luft

und erhellt die Gesichter. „Ah,

ist kalt. Eine dicke Wolke hat

du bist doch auch ein Freund

sich vor den Mond gescho-

26

von diesem Jesus, den sie da

ben. Der Hahn wackelt die gepflasterte Steinstraße hinab

drinnen gerade verhören“, sagt die Torhüterin und zeigt

und lugt hier und da in die Vorgärten der Nachbarschaft.

auf eine dicht verhüllte Gestalt. Erschrocken schaut diese

Überall herrscht Stille. Am Eck flattert er vorsichtshalber

sie an. „Ich? Nein, wie kommst du darauf!“ „Jesus“, der

auf eine kleine Mauer. Hier wohnt der große braune Hund

Hahn hört ganz genau hin, „den kenne ich! Der hat mir

des Bäckers. Der hat ihn schon öfters angebellt und mit

immer ein paar Körner zugeworfen, wenn er mit seinen

seinen gefährlich spitzen Zähnen gedroht. Und das nur,

Freunden an unserem Hühnerhof vorüberlief. Dieser gute

weil er von dem herrlich duftenden Brot etwas heraus-

Mann soll verurteilt werden?“ Empört kräht der Hahn auf.

picken wollte. Doch der Hahn hat sich umsonst gesorgt.

„Ja, doch!“, eine kräftige Männerstimme schaltet sich

Der Wachhund liegt, alle Beine von sich gestreckt, vor sei-

mit ein. „Du bist einer von seinen Jüngern!“ „Nein, was

ner Hütte und schnarcht laut. „Hier ist aber wirklich nichts

erzählst du denn da! Ich kenne diesen Jesus gar nicht!“

los. Ich schaue mal ein paar Straßen weiter, dort wo der

„Komisch!“, denkt sich der Hahn und schüttelt den Kopf.

Tempel ist und die großen schicken Häuser.“

„Warum sagt er denn, dass er Jesus nicht kennt. Ich habe


ihn doch auch bei ihm gesehen. Sie haben zusammen

fragt sich der Hahn. Schnell nimmt er auf der Mauer

gelacht und er war immer ganz dicht bei ihm, so als ob er

Anlauf und saust rasch hinterher. Petrus ist mit seinen

sein bester Freund wäre. Petrus, mein Freund, hat Jesus

langen Beinen schnell und der Hahn hat Mühe hinterher-

ihn auch genannt. Warum tut er denn jetzt so, als ob er

zukommen. Endlich hält Petrus an. Ganz außer Puste lässt

ihn nicht kennen würde?“

sich der Hahn auf den alten Olivenbaum fallen. Nachdem er ein paar Mal tief Luft geholt hat, schaut er sich um.

Der Hahn flattert zum Fenster hinüber und schaut in den

Wo sind sie? Um sie herum stehen viele schöne knorrige

Saal. Dort steht Jesus mitten unter Soldaten und Priestern,

Bäume. „Ah, der Garten Gethsemane. Hier war Jesus oft

die auf ihn einreden. Manchmal wird er sogar von einem

mit seinen Freunden.“ Petrus hat sich auf das Gras fallen

Soldaten geschlagen. „Oh weh, der Arme! Warum kommt

lassen und betet laut: „Es tut mir so leid! Ich wollte doch

Petrus nicht und hilft ihm?“ Verzweifelt schaut er zu dem

gar nicht sagen, dass ich Jesus nicht kenne. Ich kenne ihn

Jünger hinüber, aber der steht noch immer am Feuer. Ge-

doch ganz genau und ich habe ihn so gern. Erst gestern

rade kommt ein fein gekleideter Mann aus dem Haus, um

habe ich noch gesagt, dass ich immer zu ihm halten wür-

frische Luft zu schnappen. Es ist der Diener des Hohepries-

de. Und jetzt habe ich vor lauter Angst einfach nicht die

ters. Als er sich am Feuer die Menschen anschaut, bleibt

Wahrheit gesagt. Und das nicht nur einmal, auch nicht

er bei Petrus hängen. „Dich habe ich im Garten gesehen,

zweimal – nein, dreimal! Und Jesus hat mich trotzdem so

als sie Jesus gefangen genommen haben. Du wolltest

lieb angeschaut. Von jetzt an möchte ich so gerne allen

Jesus beschützen, du bist sein Freund.“ Petrus schaut den

erzählen, dass er mein allerbester und treuster Freund

Mann wütend an. „Wie oft soll ich es denn noch sagen?“,

ist.“ Der Hahn freut sich. Das muss er seinen Hühnern

schimpft er. „Ich kenne diesen Mann wirklich nicht.“ Der

erzählen. Da gibt es auch immer Gestreite und Gezanke.

Hahn schlägt empört mit den Flügeln. „Das gibt es doch

Vielleicht merken sie dann auch, wie schön es ist, einan-

nicht, was erzählt Petrus da nur! Entrüstet krächzt er ein

der gute Freunde zu sein.

Da schaut Jesus aus dem Fenster heraus zu Petrus. Er hat gehört, was er gesagt hat. „Jetzt ist Jesus sicher böse, dass sein Freund nicht zu ihm hält“, denkt der Hahn. Aber

Was würdest du tun, wenn einer deiner Freunde von anderen schlecht behandelt werden würde? Oder wenn jemand dich wegen deines Glaubens an Jesus auslachen würde?

Jesus schaut nicht böse oder ärgerlich. Er schaut ein bisschen traurig, aber mit seinen lieben Augen blickt er Petrus

Petrus hatte in dieser Situation große Angst davor, was die

ermutigend an und will ihm sagen, dass er ihn immer

Leute von ihm denken und mit ihm machen würden, wenn

noch gern hat. Da wird Petrus plötzlich ganz betrübt. Er

er sich als Jesu Freund bekannt hätte. Doch als er merkte,

schaut zum Hahn hinauf und fängt an zu weinen. Dann

wie sehr er Jesus durch das Sagen der Unwahrheit wehge-

rennt er an der Torhüterin vorbei. Erschrocken schreckt

tan hatte, schämte er sich sehr. Von da an setzte er sich mit

diese aus ihrem Nickerchen auf. „Wo will Petrus nur hin?“,

großem Mut und all seiner Kraft für Jesus und sein Werk ein.

BWGUNG  Kinderzeit

lautes „Kikerikiiiii“.

27


28


Heinz Hopf im Portrait Die Interviewfragen stellte Erhard Biró

Lieber Heinz, so Gott will, wirst du in diesem Jahr deinen 90. Geburtstag erleben. Somit kannst Du mehr als acht

Erhard Biró  Heinz Hopf im Portrait

Weisheiten aus einem bewegten Leben des Dienstes

Jahrzehnte überblicken. Welche Veränderungen in der Welt würdest du aus heutiger Perspektive als die wichtigsten nennen? Die größten, die mir persönlich am entgegenkommendsten sind, sind jene technischen Fortschritte, die wir heute mit einem Handy erreichen können. Damals, vor 80 Jahren, gab es noch nicht einmal Telefon in jedem Heim. Man musste straßenweit gehen, um eine öffentliche Telefonzelle zu erreichen. Also das Handy ist eine wunderbare Sache. Weiter: Die digitale Revolution und jetzt die künstliche Intelligenz. Aber ich würde sie nicht als die wichtigsten

Die Brüder Heinz Hopf und Erhard Biró im Gespräch über Erlebnisse und Erfahrungen aus mehr als acht Jahrzehnten.

Veränderungen bezeichnen. Wichtigste Veränderung wäre für mich der Wandel in unserer Gesellschaft; weg von wertebasierten und wertefundierten Grundeinstellungen

Du bist in einer adventistischen Familie geboren und

hin zum ich-zentrierten, gottlosen Verhalten der heutigen

aufgewachsen. Trotzdem musstest du wie jeder auch

Gesellschaft. Es macht uns am meisten zu schaffen, dass

deinen ganz persönlichen Weg im Glauben finden.

die Moral eine andere geworden ist und die Ethik und die

Was war bei deiner Bekehrung entscheidend?

christlichen Werte, die früher vielleicht – wenn auch nur formell – doch noch vorhanden waren, komplett verloren

Meine Eltern haben mich beten gelehrt; in der Kindersab-

gegangen sind.

batschule habe ich biblische Geschichten gelernt; ich hatte einen guten Prediger, der uns Jugendliche betreut hat. So

Gibt es ein Erlebnis aus deiner vielleicht frühen Kindheit,

war ich im Alter von etwa 15 Jahren bereit, mich taufen zu

das deinen Werdegang entscheidend beeinflusst hat?

lassen – und zwar aus Überzeugung. Aber Überzeugung war noch nicht Erfahrung. Ich bin später aus Überzeugung

Nein, DAS Erlebnis gibt es nicht. Aber es gibt natürlich

auch Prediger geworden. Aber ich war kein bekehrter

zahlreiche Kindheitserinnerungen: Fliegeralarm jede Nacht

Prediger. Es war keine Erfahrung mit Jesus vorhanden,

im Keller; acht Parteien vom Haus saßen dort zusammen im

sondern mehr eine, wie kann man sagen, eine Dienstbereit-

Schutzraum und haben auf die Entwarnung gewartet…

schaft. Jetzt habe ich das Wort: Pflichtbewusstsein. Aus Pflichtbewusstsein, weil ich geglaubt habe, was in der Bibel steht – und da steht, dass wir Menschen gewinnen sollen. Deshalb bin ich Prediger geworden. Also meine Bekehrung hat sich nach und nach vollzogen. Ich kann das nicht an einem Punkt festmachen, aber durch Tagungen und Konferenzen, durch Vorträge und Bücher, die ich gelesen habe, durch persönliches Studium der Bibel und Andachten ist meine Beziehung zu Jesus immer enger geworden, sodass ich heute sagen kann: Christus ist mein Freund geworden!

Nach deinem Abitur hast du eine Schreinerlehre absolviert. Wie kam es dazu, dass du dich anschließend für ein

BWGUNG    Leben

Ich war nicht zur Verwaltung Prediger geworden, zur Administration, sondern zur Verkündigung der Adventbotschaft.

Theologiestudium auf der Marienhöhe entschieden hast?

29


Es war nicht so, dass ich mich nach der Schreinerlehre entschieden hätte, es war genau umgekehrt. Noch als Gymna-

Kurz vor seinem Abgang vom Predigerseminar Marienhöhe, fanden sich Br. Heinz Hopf und Schw. Wilfriede, geb. Lorenz. Hier zu sehen sind die beiden im Gespräch mit Emilio Knechtle im Jahr 1977.

siast war ich innerlich überzeugt, dass ich einmal Prediger werden wollte. Ich hatte zwar kein Berufungserlebnis, aber eine Berufungssicherheit und Gewissheit. Ich dachte, Holz

mehr junge Leute einen Fasten- und Gebetssabbat vorher

gibt es überall auf der Welt, Jesus war ein Zimmermann

halten, um dann die Entscheidung füreinander zu treffen.

und wenn ich mal ins Missionsfeld gehe … mit Holz zu arbeiten, das ist eine gute Sache. So wollte ich, bevor ich

Deine Laufbahn in der ersten Phase deines aktiven

zum Seminar ging, eine Lehre machen, eine Handwerker-

Dienstes im Predigtamt war vielfältig und abwechs-

lehre – und das war dann die Schreinerlehre.

lungsreich: Stuttgart, Heilbronn, Esslingen, Kirchheim, Nürtingen, Weilheim, Bissingen… Der Start in der Nach-

Erst vor kurzer Zeit hast du einen sehr großen Verlust er-

kriegszeit, die viele Opfer und Entbehrungen verlangte,

lebt. Deine liebe Frau Wilfriede hast du beerdigt. Als du

war sicherlich nicht einfach. Welchen Herausforderun-

damals die junge Wilfriede Lorenz kennengelernt hast,

gen seid ihr im Dienst für die Gemeinden begegnet?

was hat dich überzeugt und innerlich sicher gemacht, sie zu heiraten?

Du hattest bei deiner Aufzählung einen Ort vergessen, nämlich Karlsruhe. Vor Esslingen wurde ich als Sekretär der

Jetzt kommst du ans Eingemachte. Erstens war sie keine

damals noch vorhandenen Badischen Vereinigung gerufen.

Schülerin. Ich bin auf die Marienhöhe gegangen, in dem

Ich war zwei Jahre lang unterwegs in dem Land Baden. Aber

Bewusstsein, die Schwestern, die dort sind, suchen alle

meine Frau hat dadurch sehr viel gelitten. Ich musste sie Sab-

einen Mann. Ich will aber nicht gesucht werden, sondern

bat für Sabbat allein lassen mit den beiden Kindern. Deshalb

ich möchte suchen. Also, eine Schülerin kam von vornherein

bat ich nach zwei Jahren die Vereinigung, endlich wieder

nicht in Frage. Aber Wilfriede war Angestellte. Ich habe sie

Prediger sein zu dürfen, denn ich war nicht zur Verwaltung

dann schon beachtet, öfter gesehen und gern gesehen – und

Prediger geworden, zur Administration, sondern zur Ver-

sie mich auch. Aber wir haben uns das nicht gestanden. Erst

kündigung der Adventbotschaft. Daraufhin wurde ich nach

im letzten Schuljahr, kurz vor meinem Abgang, war im März

Esslingen geschickt und hatte acht Jahre lang einen schönen

ein Fasten- und Gebetssabbat, damals für Kolumbien, wo

Bezirk, in dem Gott mich gesegnet hat. Jedes Jahr konnte

Gläubige verfolgt wurden. An diesem Fasten- und Gebets-

ich dann auch das „Ziel“ erfüllen (mindestens sieben Taufen

sabbat bin ich, anstatt zum Mittagessen zu gehen, im Oden-

wurden damals von jedem Prediger pro Jahr erfordert).

wald spazieren gegangen. Sie auch. Unsere beiden Wege

30

haben sich – welch ein Zufall – durch Gottes Fügung genau

Von 1961 bis 1963 hast du als Sekretär der damaligen

gekreuzt. Ich musste von meinem Weg abbiegen und auf

Badischen Vereinigung somit auch die administrative

ihren einschwenken. Seither sind wir dann miteinander den

Seite des Dienstes kennengelernt. Nach weiteren Jahren

Weg gemeinsam gegangen. Ich war mir von Anfang an si-

des Dienstes in den Gemeinden wurdest du 1968 als

cher: Die und keine andere! Sie war meine erste Liebe, meine

Evangelist für den Bereich des Süddeutschen Verbandes

einzige Liebe und das wird sie auch bleiben. Vielleicht sollten

gerufen. Wie hast du diese Zeiten und Aufgaben erlebt?


funkredakteur, Sprecher und Direktor der „Stimme der

Immer stand im Mittelpunkt die Verkündigung der Adventbotschaft. Nur deshalb habe ich diese Aufgaben angenommen.

Hoffnung“ zu sein? Ich konnte als Redakteur und Radiosprecher all die vielen Menschen erreichen, die ich nicht sah. Immer stand im Mittelpunkt die Verkündigung der Adventbotschaft. Nur deshalb habe ich diese Aufgaben angenommen. Es ging für mich immer um die Verkündigung adventistischer, nein, biblischer Grundwahrheiten. Solange gewährleistet war,

Erhard Biró  Heinz Hopf im Portrait

es für dich als Prediger, von heute auf morgen Rund-

dass ich die volle Freiheit hatte, die Grundlehren des Heils – das Evangelium – zu verkündigen und am Bau des Reiches Gottes mitzuarbeiten, habe ich jeden Ruf, der mich erreicht

Wie bereits erwähnt, bin ich kein Freund von Adminis-

hat, angenommen.

tration und Organisation, auch wenn sie notwendig sind. Ich fühlte mich zur Verkündigung der Botschaft berufen.

Es war in den 80er Jahren in der Firnhaberstraße in

Als Prediger konnte ich das tun; als man mich dann zum

Stuttgart. Inzwischen warst du seit 1978 Abteilungsleiter

Evangelisten und später zum Leiter der Stimme der Hoff-

für Kommunikation, Sabbatschule und Haushalterschaft

nung berief, empfand ich das als eine Ausweitung meines

in der damaligen Euro-Afrika-Division (heute: Inter-Euro-

Dienstes in der Verkündigung. Ich konnte als Evangelist

päische-Division), mit Sitz in Bern. Du warst unser Gast

eine Vortrags-Reihe nach der anderen in verschiedenen

auf einer Prediger-Tagung. Während deiner Ansprache

Städten halten und die Frucht dem jeweiligen Ortsprediger

hast du ein Exemplar der Zeitung Prawda, Zentralorgan

dann in die Hand legen.

des damaligen sowjetischen Imperiums, in der Hand gehalten und uns von deinen sehr unterschiedlichen

Längst bevor wir uns persönlich begegnet sind, habe

Erfahrungen auf deinen Dienstreisen in den Ländern der

ich als Teenager deine Stimme über einen Kurzwellen-

Division berichtet. Welche dieser Erfahrungen sind dir

sender zum ersten Mal gehört. Es war eine Sendung

besonders im Gedächtnis geblieben?

der „Stimme der Hoffnung“, die uns trotz sowjetischer Störsender in Rumänien erreicht hat. Mit sechs Monaten

Na ja, die Prawda habe ich in Bern gekauft, weil ich hörte,

Gefängnis wurde bestraft, wer damals westliche Sender

dass Prawda „Wahrheit“ heißt, und man muss ja die

hörte. Aber die Erkennungsmelodie, „Blast die Posaune, Botschaft des Evangeliums waren uns wichtiger als die Drohungen eines atheistischen Staates. Was bedeutete

Als Prediger, später als Evangelist und Leiter der „Stimme der Hoffnung“, konnte Br. Heinz Hopf seinen Verkündigungsdienst ausweiten und in verschiedenen Städten und Gemeinden Vorträge halten.

BWGUNG    Leben

dass laut es erklingt“, und die ermutigende, mitreißende

31


dann in Bukarest ankam, kam es, wie es kommen musste. Eine Kommissarin sagte: „Koffer aufmachen!“, und fragte:

Solange gewährleistet war, dass ich die volle Freiheit hatte, das Evangelium zu verkündigen, habe ich jeden Ruf, der mich erreicht hat, angenommen.

„Was haben Sie da?“ Ich konnte nur sagen: „Ich bin von ihrem Präsidenten, Nicolae Ceaușescu, eingeladen worden, am Friedenskongress teilzunehmen.“ Sie fragte: „Wirklich? Vom Präsidenten?“ „Ja!“, antwortete ich. Sie darauf: „Dann wünsche ich Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“ Ich glaube, ich hätte eine Atombombe unterm Arm haben können, aber sie hat mich durchgewinkt. Die zweite Erfahrung: Ich war in Madagaskar angekommen. Madagaskar war damals eine sozialistische Republik, die vorab eine Erklärung aller Devisen forderte, die man ins Land einführte, damit man sie auch wieder ausführen

Wahrheit auch mal in der Hand halten. Also es gibt zahl-

durfte. Ich hatte am Flughafen nach jemandem gesucht,

lose Erfahrungen, die ich gemacht habe, aber zwei davon

der mich abholen sollte, fand den Mann auch und vergaß

möchte ich kurz herausgreifen. Die eine war eine Fahrt

komplett, meine Devisen zu deklarieren. Als ich dann im

nach Bukarest. Der damalige Präsident, Nicolae Ceaușescu,

Vereinigungsbüro saß, fragte man mich: „Hast du auch

hatte wieder einmal, um von seinen innenpolitischen Pro-

deine Devisen deklariert?“ Ich hatte Schweizer Franken,

blemen abzulenken, eine Friedenskonferenz international

D-Mark und US-Dollar dabei. Ich sagte: „Nein, ich habe

ausgeschrieben und dazu die Repräsentanten aller Kirchen

sie nicht deklariert.“ „Dann müssen wir gleich zum Flug-

eingeladen. Da in der Division gerade niemand anders frei

hafen fahren und es nachholen“, antwortete der Bruder.

war, wurde ich gefragt, ob ich hinfahren könnte – und ich

So fuhren wir zurück. Ich wurde untersucht, man fand drei

konnte. Als die Brüder hörten, es käme jemand aus der

verschiedene Währungen bei mir und stellte fest: Der Mann

Schweiz, hatten sie eine lange Liste von Dingen, die sie

wohnt in Deutschland, kommt aus der Schweiz, flog von

brauchten: Beispielsweise einen Ring Fernsehkabel (um die

Paris ab. Also wenn der kein Spion ist, wer dann?„Bitte

Veranstaltungen in der Zentralgemeinde Labirint übertragen

warten Sie hier, bis der Polizeichef von Antananarivo, aus

zu können, weil der Saal die Menschen nicht fasste), einen

der Hauptstadt, kommt!“, sagte man mir. Sie hielten mich

Projektor, Bildserien, Medikamente... Ich hatte meine Koffer

eine Stunde lang fest, bis der oberste Polizist, der Polizei-

voll mit Dingen, die ich eigentlich nicht mitbringen durfte.

chef, von Antananarivo kam. Er schaute mich scharf an

Das wusste ich. Ich wusste auch, dass, wenn ich am Flughafen bei der Ankunft kontrolliert würde, ich wahrscheinlich nicht durchkäme. Also habe ich mit anderen Kollegen in der Division gebetet, der liebe Gott möge uns bewahren. Als ich

32

Persönliches und gemeinsames Gebet öffnete Br. Hopf in den vielen Jahren seines Dienstes immer wieder verschlossene Türen für Glaubenserfahrungen, die das Werk Gottes voranbrachten.


Erhard Biró  Heinz Hopf im Portrait

und sagte: „Was machen Sie hier?“ Darauf erklärte ich, dass ich geschickt worden war, um an der adventistischen Schule Soamandrarini und in anderen Ortgemeinden das Evangelium zu verkündigen. „Sind Sie Adventist?“, fragte er. „Ja!“, antwortete ich. „Prediger noch dazu?“ „Ja.“ „Ja, warum haben Sie das nicht sofort gesagt?“ Ich erwiderte, dass mich bisher niemand danach gefragt hatte. Darauf warf er ein: „Von den Adventisten wissen wir, dass alles in Ordnung ist. Sie lügen nie. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Madagaskar.“ Wie dankbar war ich unseren Geschwistern für den Ruf, den Sie bei der Polizei in der Hauptstadt hatten!

Gott hat dich mit einer lieben Frau, mit einem Sohn, einer Tochter, mit Enkeln und sogar mit Urenkeln be-

Ein Rückblick auf vergangene Dienstjahre mit Erinnerungen an gemeinsame Dienstzeiten in der Baden-Württembergischen Vereinigung.

schenkt. Was bedeutet für dich Familie? Die Familie war für mich Geschenk und Herausforderung

Mitarbeiter zu unseren Grundlehren standen und oft auch

zugleich. Geschenk, weil ich sehr froh und glücklich war mit

entsprechende Personalentscheidungen getroffen. Leider

Frau und Kindern, aber Herausforderung, weil sie sehr gelit-

war ich nicht kreativ genug, um neue Projekte zu starten.

ten haben unter meinem Dienst, da ich oft Tage und manch-

Ich war viel zu konservativ, zu wenig innovativ. Im Rück-

mal sogar Wochen lang abwesend war und sie allein bleiben

blick erkennt man meist klarer, was man alles hätte tun

mussten. Meine Kinder und sogar meine Enkel bemühen

und besser machen können. Aber wichtig war mir, dass

sich jetzt rührend um mich. Der Stuhl meiner Frau am Tisch

meine Frau mich nach all den Jahren des Verzichts fast

bleibt leer, das Bett neben mir bleibt leer, aber ihr Platz in

jeden Sabbat begleiten, mit in die Gemeinden fahren und

meinem Herzen bleibt nicht leer. Er wird nie leer bleiben.

die Mitarbeiter und Gemeinden persönlich kennenlernen konnte. Das war mir in allem eine große Hilfe.

Im Leben eines jeden Gläubigen gibt es auch Krisen – das dunkle Tal. Gab es sie auch für dich? Und wenn ja,

Als du Ende 1996 deinen Ruhestand begonnen hast, be-

wie hast du sie erlebt und überlebt?

gann für dich und für deine Wilfriede faktisch eine weitere Phase eures aktiven Dienstes. Vorträge im In- und

Ich kann mich nicht entsinnen, jemals in einer großen Glau-

Ausland, regelmäßiger Predigtdienst in den Gemeinden,

benskrise gewesen zu sein, weil ich, wie gesagt, von der

Workshops, Übersetzung von Büchern und Artikeln, zeit-

Adventbotschaft überzeugt war und diese von Jugend auf

weise Betreuung von Gemeinden, Taufunterricht – bis

immer verteidigt und vertreten habe. Aber es gab manch-

heute. Was liegt dir heute besonders am Herzen? Was

mal Krisen in meinem persönlichen Verhältnis zu Jesus:

ist dein Vermächtnis?

Die ständigen Anfechtungen, der Spagat zwischen Arbeit und Familie, Ehefrau. Und dann wurde allmählich aus dem

Zwei Texte sind mir immer sehr wichtig geworden. Das

formalen Glauben die persönliche Freundschaft mit Jesus!

eine: „Halte, was du hast“, aus der Offenbarung; der andere Text: „Wirket, bis dass ich komme.“ Ich wollte Prediger,

1985 wurdest du, wie du mir sagtest, völlig über-

Verkündiger, werden und das ist man nicht nur bis zur Pen-

raschend zum Präsidenten der Baden-Württembergi-

sion, sondern bleibt man lebenslang. Solange Gott mir Auf-

schen Vereinigung gewählt. In den elf Jahren in dieser

gaben gibt, werde ich ihm immer zur Verfügung stehen.

Vereinigungsausschuss und ab 1994 als Sekretär der Vereinigung näher kennenlernen. Es waren keine einfachen Jahre deines Dienstes, aber reich gesegnet. Was hat dir Gott in dieser Phase besonders ans Herz gelegt? Es war mein Anliegen, die Baden-Württembergische Vereinigung nicht nur organisatorisch und formell, sondern

Erhard Biró war von 1996 bis 2018 Präsident der Baden-Württembergischen Vereinigung und lebt seitdem im aktiven Ruhestand.

BWGUNG    Leben

Funktion durfte ich dich als Vertreter der Prediger im

geistlich zu führen. Ich habe darauf geachtet, dass meine

33


Was wir brauchen, um den Trend zu stoppen

Die Abwärtsspirale Was tun, wenn Anspruch und Wirklichkeit in unseren Adventgemeinden immer weiter auseinanderklaffen? Wenn wir zwar verstehen, dass wir Salz und Licht sein sollten, aber offensichtlich damit überfordert sind und nicht mehr wissen, wie das „funktioniert“? Wie können wir unseren Mitmenschen auf für sie bedeutungsvolle und relevante Weise begegnen und ihnen Jesus nahebringen? Das Format „Forum Gemeinde“ wurde ins Leben gerufen, um mit den Gemeinden über solche Fragen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Antworten zu finden. Was bisher dabei herauskam, berichtet Thomas Knirr.

34

Wenn man einen Blick auf den Ist-Zustand der Ad-

in unserer Gesellschaft mit der Institution Kirche nichts,

ventgemeinde in Baden-Württemberg wirft, kann man

was für ihr Leben auch nur annähernd relevant wäre.

schnell entmutigt werden. Wir erreichen immer weniger

Die westliche Welt ist überwiegend säkular, postmodern

Menschen (2022 war der Tiefstand an Taufen in den

und postchristlich. Wenn sich nicht grundlegend etwas

letzten 50 Jahren); nach wie vor verlassen uns 70-80%

ändert, ist klar, dass in den nächsten 10-15 Jahren ein

der Jugendlichen und jungen Erwachsenen; das Durch-

beträchtlicher Teil unserer Adventgemeinden von der

schnittsalter in den Gemeinden steigt; die Bereitschaft,

Bildfläche verschwunden sein wird. Die besondere Tragik

sich einzubringen, sinkt; der größte Teil der Gemeinden

dabei ist, es wird – ausgenommen den Gemeindeglie-

ist völlig damit ausgelastet, irgendwie ihren Gottes-

dern – niemandem auffallen oder schmerzen. Nach dem

dienstbetrieb aufrecht zu erhalten; das Gemeinde„leben“

Motto: „Der Letzte macht dann bitte das Licht aus.“ Ja,

beschränkt sich auf die zwei Stunden am Sabbatvor-

wir können die Heilige Schrift auswendig, wir können

mittag; gleichzeitig verbinden die meisten Menschen

Ellen White zitieren und die Lehren unserer Kirche theo-


Ideen und Gedanken ausgetauscht und dann für alle an

Wie können wir heute, im 21. Jahrhundert, Licht und Salz sein, so wie Jesus es uns aufgetragen hat?

einer Moderationswand gesammelt und gewichtet. Dabei ergab sich in allen Großbezirken ein ähnliches Bild. Fasst man die Ergebnisse zusammen, wurde an erster Stelle das Bedürfnis nach einer tieferen geistlichen Erfahrung der Gemeindeglieder genannt – was mit den Schlagworten Erweckung und Reformation in Verbindung gebracht wurde. Dass der Glaube das ganze Sein durch-

Thomas Knirr  Die Abwärtsspirale

richtet. In verschiedenen Gruppengesprächen wurden

dringt und die Liebe zu Gott und den Mitmenschen die logisch begründen, wir kennen die Prophezeiungen und

treibende Kraft im Leben ist. Dass jeder Einzelne in einer

die Zeichen der Zeit, aber wir kennen nicht die Fragen,

engen, bedeutungsvollen, von Freude und Gewissheit

die die Menschen um uns herum tatsächlich stellen, ihre

geprägten Beziehung mit Jesus lebt. Dieser Gedanke ist

Verletzungen oder die Bedürfnisse, die sie haben.

nicht neu und wir reden schon Jahre darüber, ohne dass sich tatsächlich spürbar etwas verändert hätte. Was hält

Die Auseinandersetzung mit der Abwärtsspirale

uns zurück, das Leben zu leben, das Gott eigentlich für

Das sind Gedanken aus dem Impulsreferat, mit dem die

uns vorgesehen hat? Warum geben wir uns mit einer

Treffen unter dem Format „Forum Gemeinde“ eingeleitet

theoretischen Frömmigkeit zufrieden, die sich an Traditio-

wurden. In den sechs Großbezirken unserer Freikirche in

nen und Formen klammert? Wie kommen wir dahin, dass

Baden-Württemberg waren jeweils alle Leiter, Pastoren

wir nicht nur an unsere eigene Vorbereitung auf die Wie-

und am Thema interessierte Gemeindeglieder eingeladen,

derkunft von Jesus denken, sondern auch an die unserer

um darüber nachzudenken, was erforderlich ist, um

Nachbarn? Wie können wir heute, im 21. Jahrhundert,

den negativen Trend umzukehren und die Menschen in

Licht und Salz sein, so wie Jesus es uns aufgetragen hat?

unserer Gesellschaft mit dem Evangelium zu erreichen. Die Betroffenheit über die Entwicklung unserer Kirche in

Aus der Tiefe nach oben finden

Baden-Württemberg war allen anzumerken. Gleichzeitig

Vielleicht findet sich die Antwort auf diese Fragen in

aber auch die Gewissheit, dass Gott neues Leben und

dem Punkt, der es bei unseren Treffen unter die Top fünf

einen Aufbruch geben kann und geben will. Deshalb

geschafft hat: Wir müssen als Gemeinden wieder zurück-

blieb der Blick nicht auf die negative Entwicklung ge-

kommen zu einem bedürfnisorientierten Ansatz, wo wir unseren Glauben auf authentische, den Menschen zugewandte Art ausleben. Leitfragen können dabei sein: Was bewegt die Menschen wirklich, welche Bedürfnisse haben sie, wo brauchen sie Hilfe? Wo kann ich

BWGUNG    Gemeinde

„Forum Gemeinde“ – eine ehrliche Bestandsaufnahme und Austausch für Leiter, Pastoren und alle am Thema interessierten Gemeindeglieder: Wie erreichen wir die Menschen in unserer Gesellschaft wieder neu mit dem Evangelium?

35


Wir müssen wieder dahin zurückkommen, wo wir unseren Glauben auf authentische, den Menschen zugewandte Art ausleben. persönlich, wo können wir als Gemeinde den Menschen dienen? In diesem Zusammenhang wird klar, dass es zu wenig ist, einfach „Die Botschaft“ weiterzugeben – wir sollen selbst die Botschaft sein! So wie Jesus es uns vorgemacht hat. „Allein die Vorgehensweise Christi wird den wahren Erfolg garantieren. Der Heiland aber begab sich

In verschiedenen Gruppengesprächen wurden Ideen und Gedanken ausgetauscht und dann für alle sichtbar an einer Moderationswand gesammelt und gewichtet.

unter die Menschen als einer, der Gutes für sie wünschte. Er bewies sein Mitgefühl für sie, half ihren Nöten ab und gewann ihr Vertrauen. Erst dann gebot er ihnen: ‚Folgt

sie Adventgemeinde als ihre geistliche Heimat erleben?

mir nach‘. Es ist also notwendig, durch persönlichen

Hier stand nicht das Angebot von überregionalen Ver-

Einsatz den Menschen erst einmal nahe zu kommen.

anstaltungen der Adventjugend im Mittelpunkt. Vielmehr

Wenn weniger Zeit mit klugen und schönen Worten und

war der Blick darauf gerichtet, was die Ortsgemeinde tun

mehr mit persönlichem Hilfsdienst verbracht würde, sähe

kann, um Kindern und Jugendlichen eine positive Erfah-

man größere Ergebnisse. Den Armen soll geholfen, die

rung in und mit der Gemeinde zu ermöglichen. Müssen

Kranken sollen versorgt, die Trauernden und Betrübten

wir dazu Gemeinde neu denken? So, dass auch Jugend-

getröstet, die Unwissenden unterwiesen und die Uner-

liche Freude haben, sich einzubringen und sich mit „ihrer“

fahrenen beraten werden. Wir sollen mit den Weinenden

Gemeinde identifizieren? Und das nicht als Gemeinde von

weinen und uns mit den Fröhlichen freuen. Wenn dieses

morgen, sondern als Gemeinde von heute. Dazu ist es un-

Werk von der Macht der Überzeugung, des Gebets und

abdingbar, dass sie ihre Ideen, Gedanken und Gaben mit

der Liebe Gottes begleitet wird, kann und wird es nicht

einbringen können, dass sie Vertrauen und Wertschätzung

fruchtlos bleiben.“ (Ellen White, Auf den Fußspuren des

erleben und positive Vorbilder in der Gemeinde finden.

großen Arztes, S. 106) Ein bedürfnisorientierter Ansatz

„Die Jugendlichen brauchen mehr als eine beiläufige

bedeutet, unseren Glauben praktisch auszuleben und

Beachtung, mehr als ein gelegentliches Wort der Ermuti-

anderen Menschen in selbstloser Liebe zu begegnen,

gung. Sie brauchen eine sorgfältige, betende, umsichtige

ihnen zur Seite zu stehen. Nicht aus Druck oder einem

Arbeit. Nur derjenige, dessen Herz von Liebe und Mit-

schlechten Gewissen, sondern als Ausdruck unserer

gefühl erfüllt ist, wird in der Lage sein, die Jugendlichen

Verbindung mit Jesus. Er möchte den Menschen durch

zu erreichen, die scheinbar achtlos und gleichgültig sind.“

uns seine Liebe sichtbar machen. Wenn wir diese Heraus-

(Ellen White, Diener des Evangeliums, S. 184)

forderung annehmen und uns nach der Art und Weise von Jesus für andere einsetzen, werden wir „…bald von

Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe.

einer ganz anderen Atmosphäre umgeben sein. Segen und Macht werden [unsere] Unternehmungen begleiten. … Die Selbstsucht, die [unsere] Seelen gefangen hielt, werden [wir] überwinden.“ (Ellen White, Testimonies for the Church, Bd. 6, S. 267) Ein weiterer Schwerpunkt, der immer wieder genannt wurde, ist die Kinder- und Jugendarbeit. Was können wir tun, um die Jugendlichen für Jesus zu begeistern und dass

36

Thomas Knirr ist Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau und Evangelisation der BWV sowie Mitglied im Redaktionsteam.


Weshalb die Trennung von Kirche und Staat in den USA an Zustimmung verliert

Zwischen Pest und Cholera? In der westlichen Welt werden zunehmend Gesetze eingeführt, die die gesellschaftliche Ordnung durcheinanderbringen. Das bleibt nicht ohne Folgen und bewirkt eine Gegenreaktion. Was das jedoch mit der Kirche in der letzten Zeit zu tun hat und wohin diese Reise führen wird, das verrät Eugen Hartwich hier.

Trans-Schwimmerin Lia Thomas identifiziert, bei den US-

Was hat das mit der Trennung von Kirche und Staat zu tun?

College-Meisterschaften der Frauen über 500 Yards Freistil

In der Aussage der Kongressabgeordneten Lauren Boebert

gewonnen. Dieses Ereignis befeuerte die gesellschaftliche

(R-Colo.) wird deutlich, was immer mehr Republikaner

Diskussion über die Gender-Thematik in den Vereinigten

aufgrund der progressiven Entwicklungen denken. Am

Staaten von Amerika. Die von den Demokraten dominier-

26.06.2022 sagte sie, sie sei „müde“ durch die lang-

te Biden-Regierung unterstützte während dieser Debatte

jährige Trennung von Kirche und Staat in den USA und

die Teilnahme von Männern im Mädchen- und Frauen-

fügte hinzu, dass sie glaubt, „die Kirche soll die Regierung

sport, sofern sie sich als Frauen identifizieren.

leiten“. Diese Aussage sollte uns nicht überraschen, hat

Im März 2022 hatte William Thomas, der sich aktuell als

Woke-Bewegung die Demokraten in den USA durchdrun-

ein Gesetz verabschiedet, das biologische Männer davon

gen. Das reizt wiederum die politisch-motivierte religiöse

abhalten soll, als Transgender-Athleten im Mädchen- und

Rechte innerhalb der Republikaner, was zu einer verstärk-

Frauensport an Schulen im ganzen Land anzutreten. Das

ten Gegenreaktion in den USA führt.

Gesetz wurde mit 219 zu 203 Stimmen verabschiedet. Alle „Ja“-Stimmen kamen von den Republikanern und alle

Das Ziel der Woke-Bewegung ist es, sich für die Rechte

„Nein“-Stimmen von den Demokraten. Im demokratisch

von Minderheiten einzusetzen. Dazu gehören vor allem

dominierten Senat wurde das Gesetz nicht bestätigt,

die Anliegen benachteiligter Bevölkerungsgruppen und

sodass immer mehr Staaten (aktuell 22 von 50) anfangen,

der „LGBTQ+ Community“. Unterstützer der Community

selbst Transgender-Athleten im Frauensport zu verbieten.

möchten die Begrenzung auf das rein biologische Ge-

BWGUNG    Genderdebatte

doch neben anderen Faktoren die zunehmend aggressive Als Reaktion hat das Repräsentantenhaus am 20.04.2023

37


die Eltern damit einverstanden sind. Sind die Eltern nicht einverstanden, können die Jugendlichen ihre Eltern vor dem

Die einzige Lösung für unsere gesellschaftlichen Probleme ist das Festhalten am offenbarten Wort Gottes.

Familiengericht verklagen. Für Minderjährige unter 14 Jahren dürfen die Eltern den Geschlechtseintrag im Standesamt ändern lassen. Eine verpflichtende Beratung im Vorhinein, wie bei Abtreibungen, sieht der Gesetzentwurf nicht vor.

Machtspiele vom Feinsten Um die Ziele der Woke-Bewegung zu erreichen, setzen Befürworter in Politik, Bildung, Medien und den progressi-

schlecht (männlich und weiblich) aufheben. Stattdessen

ven Kirchen u.a. die Zensur (in den USA als Cancel Culture

wird das „soziale Geschlecht“ als Norm definiert, wobei

bekannt) als Waffe ein. Unterstützt werden sie dabei von

jeder die Möglichkeit hat, aus den mittlerweile 72 Ge-

Tech-Giganten. Auch Deutschland wird von der Woke-Be-

schlechtern zu wählen.

wegung und den damit einhergehenden Einschränkungen

1

bezüglich Rede- und Meinungsfreiheit nicht verschont.

Der Bundesrepublik stehen ebenfalls Gesetzesänderungen bevor

Ein bekanntes Beispiel ist die Absage eines Vortrages an

Auch in Deutschland können wir uns der Genderdebatte

gleich Geschlecht. Sex, Gender und warum es in der

nicht entziehen. Die Ampelkoalition in Deutschland

Biologie nur zwei Geschlechter gibt“ lautete der Titel der

plant ein neues Selbstbestimmungsgesetz. Jeder soll

Biologin Marie-Luise Vollbrecht. Sie wollte im Rahmen der

sein Geschlecht frei wählen können. Die Unterscheidung

Langen Nacht der Wissenschaften referieren und wurde

zwischen weiblich und männlich aufgrund der XX- und

von der Uni „gecancelt“.2 Die Universität wurde für diese

XY-Geschlechtschromosomen und den biologischen

Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit scharf kritisiert

Geschlechtsmerkmalen zählen dann nicht mehr. Frau oder

und musste den Vortrag später wieder freigeben. In der

Mann ist, wer sagt, dass er sich so fühlt. Aus „Geschlecht“

Physik spricht man vom Prinzip „Actio“ und „Reactio“.

wird „Geschlechtsidentität“. Das Selbstbestimmungsge-

Bei der Wechselwirkung zwischen zwei Körpern erzeugt

setz orientiert sich dabei an der aktuellen Gendertheorie.

jede Aktion auch eine gleich große Reaktion. In der Politik

Neben dem biologischen Geschlecht gibt es somit auch ein

ist es ähnlich. Die Woke-Bewegung bei den Demokraten

soziales Geschlecht. Auch Minderjährige ab einem Alter von

erzeugt eine Gegenreaktion bei den Republikanern und

14 Jahren sollen ihr Geschlecht frei wählen dürfen, wenn

stärkt somit die politisch-motivierte religiöse Rechte.

der Humboldt-Universität in Berlin. „Geschlecht ist nicht

Biblisch gesehen sind beide Entwicklungen innerhalb der Der Sieg einer Trans-Schwimmerin (William Thomas, der sich aktuell als Lia Thomas identifiziert) bei den US-College-Meisterschaften 2022 befeuerte die gesellschaftliche Diskussion über die Gender-Thematik in den USA.

38

zwei Parteien höchst problematisch. Während bestimmte Kräfte innerhalb der Demokraten die Definition des Menschen – zum Bilde Gottes als Mann und Frau geschaffen


Eugen Hartwich  Zwischen Pest und Cholera?

(1 Mose 1,27) – umdeuten, haben bestimmte Verfechter innerhalb der Republikaner das Ziel, die Trennung von

Auch in Deutschland können wir uns der Genderdebatte nicht entziehen, die Eingang in Gesetzgebung und Ausführungsbestimmungen findet.

Kirche und Staat aufzuheben (Lk 20,25). fen, an der göttlichen Definition der beiden Geschlechter

Wie wird dieses Kräftemessen am Ende ausgehen?

festzuhalten: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde,

Die Bibel sagt voraus, dass Moral und Ethik in den letzten

zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann

Tagen der Weltgeschichte einen absoluten Tiefpunkt er-

und Frau.“ (1 Mose 1,27) Das beinhaltet auch, jeden

reichen (2 Tim 3,1-5). Bei dem Versuch, wieder Ordnung in

Menschen, unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner

das Chaos zu bringen, werden die USA eine religiös-politi-

Nationalität, seiner Weltanschauung oder seiner sexuellen

sche Weltordnung etablieren (Offb 13,11-18). Dann ist

Neigung mit Respekt und einer würdevollen Behandlung

die Trennung von Kirche und Staat gänzlich aufgehoben.

zu begegnen. Wenn in der nächsten Zeit das Pendel im-

Die Folgen sind: „Wenn sich die führenden Kirchen der

mer weiter ausschlägt und die gesellschaftlichen Debatten

Vereinigten Staaten in den Lehrpunkten, die sie ohnehin

noch hitziger werden, können wir trotzdem zuversichtlich

gemeinsam haben, zusammenschließen, werden sie den

in die Zukunft blicken. Weder die Ideologie der Woke-Be-

Staat so beeinflussen, dass er ihre Verordnungen durch-

wegung noch die Verbindung von Kirche und Staat sind

setzt und ihre Einrichtungen unterstützt. Dann wird das

für uns die Lösung der Probleme, sondern das Festhalten

protestantische Amerika ein Bild der römisch-[katholischen]

am offenbarten Wort Gottes.

Hierarchie errichtet haben, und die Verhängung von Strafen über Andersgläubige wird unausweichlich folgen.“3

Buchtipp: Woolsey, R. (2023). Orientierung im Sturm. Sexualität, Identität und Liebe in der Bibel und der heutigen

Bleibt uns nur die Wahl zwischen Pest und Cholera?

Gesellschaft – eine Orientierungshilfe (deutschsprachige

Um beiden Irrwegen zu entgehen, ermutigt uns Jesus an

Ausgabe). Rudersberg: Konrad Print & Medien.

sagt uns: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh

Quellen:

18,36) Wo die Trennung von Kirche und Staat eingehalten

1 https://bit.ly/3RinAH6 2 https://bit.ly/3RuL8J4 3 Ellen G. White: Vom Schatten zum Licht, S. 403 4 Buchempfehlungen: „Gewissen und Freiheit“ (https:// dv-religionsfreiheit.org/zeitschrift) & „Vom Schatten zum Licht“ (Ellen G. White)

wird, kann die Gewissensfreiheit für alle garantiert werden. Umso wichtiger ist es, sich an der Verbreitung des Evangeliums im Kontext der dreifachen Engelsbotschaft zu beteiligen und Menschen die freie Entscheidung zensurfrei zu ermöglichen. Aus diesem Grund unterstützen wir als Freikirche die Arbeit der Deutschen Vereinigung für Religionsfreiheit e.V. und fördern seit vielen Jahren die Verbreitung der Zeitschrift Gewissen und Freiheit.4

Eugen Hartwich ist Präsident der Freikirche der SiebentenTags-Adventisten in BadenWürttemberg.

BWGUNG    Genderdebatte

der Trennung von Kirche und Staat festzuhalten. Er selbst

Darüber hinaus sind wir durch die Heilige Schrift aufgeru-

39


So kam ich zur Gemeinde ...

Ein Apfelstrudel mit Folgen Jörg Wurmitzer Ich fahre im Militärbus mit ca. 40-50 anderen Kameraden.

„Auch das noch“, dachte ich mir. Aber einer älteren

Sechs Wochen Grenzschutzdienst im Burgenland (Öster-

Dame kann man so einen Wunsch ja nicht so einfach aus-

reich) liegen hinter uns. Seltsame Gedanken gehen mir

schlagen... Ich ging hin und entdeckte, dass für mehrere

durch den Kopf. „Du kannst keinen Dienst mehr mit der

Personen gedeckt war. Nach einem kurzen „Teekränzchen“

Waffe machen. Das kannst du mit deinem Gewissen

wurden von den Anwesenden Bibeln hervorgeholt und ich

nicht mehr vereinbaren. Du kannst keine Gewalt mehr

war mitten in einem Bibelkreis. 21 Jahre hatte es gedauert,

ausüben.“ „Jörg, was ist denn mit dir los? Wirst du jetzt

bis ich das erste Mal eine Bibel länger als nur zum Einsor-

ein Weichling werden?“ Es arbeitet in meinem Inneren.

tieren in das Bücherregal in der Hand hielt. Ich hörte den

„Wie kommt es, dass ich so denke und empfinde?“, frage

Äußerungen und Erklärungen genau zu. Man sprach über

ich mich. Als Kind und Teenager war ich immer wieder

Daniel Kapitel 2. Auf dem Weg nach Hause überkam mich

(unschuldig – glaubte mir aber niemand) in Schlägereien

plötzlich die völlige Sicherheit und Überzeugung, dass das,

involviert, welche für die Kontrahenten nie gut ausgingen.

was ich dort gehört hatte, wahr ist.

Das war mir aber alles egal. Nie hatte ich irgendeine mitleidige Gefühlsregung oder Abneigung diesbezüglich.

Obwohl mir der Bibelkreis gefiel, war es zunächst nicht so,

Doch plötzlich dachte und fühlte ich anders. Warum?

dass ich schon zu Hause die Tage zählte, bis der nächste stattfand. Nur weil Angela immer wieder hartnäckig blieb,

40

Einige Zeit vor meinem Militärdienst saß ich in unserem

ging ich hin. Ich hatte ja nicht den Eindruck, dass mir

Gasthaus, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende er-

irgendetwas fehlte. Ich war gesund, hatte viele Freunde,

klang die Stimme von Angela: „Du, Jörg, ich würde dich

viele Aufgaben, viele Termine. Was ich anpackte, gelang in

gerne zum Apfelstrudel einladen. Magst du kommen?“

der Regel. Es gab also keinen Grund nach irgendetwas zu


betete zu Gott, dass, wenn es ihn gibt, er dafür sorgen

Früher dachte ich immer, mir würde nichts fehlen. Doch wahren Frieden erlebte ich erst, als ich mein Leben Gott übergab.

müsste, mir dies zu ermöglichen und auch am Sabbat freizubekommen. Zum Erstaunen aller wurde jede meiner Bitten innerhalb eines Tages erhört. Man schickte mich ins Militärgasthaus. Der Leiter dort war der gefürchtetste Mann. Er wütete und schnaubte, als ich ihm sagte, dass ich am Sabbat keinen Dienst machen würde. Aber ich erlebte, wie Gott ihm den Wind aus den Segeln nahm. Da ich für ihn unbrauchbar wurde, landete ich in der Küche. Dort hatte ich ein angenehmes Arbeitsleben und konnte sogar jedes Wochenende zu Hause verbringen. Nach all

Jörg Wurmitzer  Ein Apfelstrudel mit Folgen

Kompanie zog ich mich sofort auf die Toilette zurück und

den persönlichen Veränderungen und Erlebnissen beim suchen. Ich war zufrieden und hatte auch innerlich Ruhe.

Militär zweifelte ich nun nicht mehr an der Existenz Got-

Lebenskrisen, Depressionen, allerlei Arten von Ängsten

tes. Ich ließ mich taufen und entschied mich, von nun an

etc. kannte ich nur aus Erzählungen anderer.

mein Leben mit Gott gemeinsam zu führen.

Die Zeit kam, um den Militärdienst zu bestreiten. Mein

Früher dachte ich immer, ich hätte alles und mir würde

Ziel war es, in die Pilotenausbildung aufgenommen zu

nichts fehlen. Doch wahren Frieden und Zufriedenheit

werden. Was ich nicht wusste, war, dass meine Oma Be-

erlebte ich erst, als ich mein Leben Gott übergeben hatte.

ziehungen zu einflussreichen Personen hatte. So saß ich

Ich habe nun eine echte Orientierung im Leben. Mein

plötzlich im Wohnzimmer des Brigadiers der Luftwaffe,

Leben ist auf einem sicheren Fundament aufgebaut, das

der mir zusicherte, dass er, unter gewissen passenden

nicht umgestoßen werden kann. Wer auf Gott vertraut,

Grundvoraussetzungen, dafür sorgen wolle, dass ich in

hat nicht auf Sand gebaut! Das ist meine Erfahrung der

das Pilotenausbildungsprogramm aufgenommen werden

letzten 23 Jahre.

würde. Nach ein paar Wochen Grundwehrdienst begannen die Untersuchungen und Tests. Regelmäßig wurden Listen veröffentlicht, die abbildeten, wer in die nächste Runde kommen würde. Schließlich stand auf einer Liste:

Der ehemalige Grenzschützer Jörg Wurmitzer durfte erleben, wie Gott sein Leben veränderte. Hier ist er mit seiner Familie zu sehen.

Rekrut Wurmitzer ist für den nächsten Durchgang nicht zugelassen. Der Grund war anscheinend, dass ich bereits zu alt sei. Das war natürlich nicht der Fall. Aber trotz aller Verbindungen musste ich das so hinnehmen. Ich stieg aus meiner damaligen Ausbildungskompanie aus, um in den Standardgrundwehrdienst zu wechseln. So kam ich ungeplant direkt ins Burgenland zum Grenzschutzdienst. Nun, was macht man, wenn einen der Grenzschutz nicht interessiert? Man sucht sich eine andere Beschäftigung. Ich beobachtete nicht die Grenze, sondern suchte in der Schrift. Ich las etwa 6-10 Stunden am Tag in der Bibel.

ten Gedanken. Auf einmal hatte ich Gottes Versprechen in Hesekiel 36, 26-27 vor Augen: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ Noch während der Fahrt fasste ich den Ent-

BWGUNG  Gemeinde

Da saß ich nun im Bus mit all meinen zu Beginn erwähn-

schluss, keinen Dienst mehr an der Waffe zu leisten. In der

41


Bibel und Glaube

Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst Was für ein Bild kommt dir in den Sinn, wenn du an einen demütigen Menschen denkst? Es fällt uns häufig schwer, Demut wirklich zu definieren oder gar auszuleben – was oft zu sehr seltsamem Verhalten führt. Roman Wiens zeigt am Beispiel Jesu, dass Demut wahrscheinlich nicht das ist, was uns als erstes in den Sinn kommt und welchen Unterscheid das machen kann.

Egal ob bei Musikern, engagierten Gemeindegliedern

vergleichsweise viel über Stolz sprechen, wird sehr selten

oder selbst bei Pastoren, wenn anerkennende, wert-

wirklich definiert, was Demut ganz praktisch ist – in

schätzende Worte fallen, begegnen wir sehr oft einem

gewissem Sinne wird es den meisten selbst überlassen

seltsamen Unwohlsein. Wie begegnet man einem Lob am

abzuleiten, wie Demut aussieht. Die gängige Definition

besten? Während so mancher Lob gänzlich zurückweist

für Demut, die mir im Alltag am häufigsten begegnet,

oder einfach kommentarlos annimmt, scheint es oft, als

lässt sich wie folgt zusammenfassen: Demütig ist, wer

würden die meisten versuchen, diesem auf irgendeine

sich selbst möglichst klein macht. Aber wo kommt diese

Weise auszuweichen – häufig mit einem „Danke, aber …“

Definition eigentlich her?

eingeleitet. Vermutlich verhalten wir uns so orientierungslos, weil wir nicht dem Stolz verfallen wollen, und ver-

Die Begriffe, die in der Bibel am häufigsten mit „Demut“

suchen stattdessen, demütig zu wirken. Die Bibel schildert

übersetzt werden, vermitteln in ihrer Kernbedeutung

schließlich sehr eindrücklich, wie problematisch Stolz ist

etwas wie „niedrig sein“ oder „gering sein“. Wenn man

und ruft dazu auf, Demut zu üben. Gerade kürzlich las ich

bedenkt, dass diese Worte in den meisten Fällen im Ge-

wieder, wie pointiert Jakobus es formuliert: „Gott stellt

gensatz zu „hoch(mütig) sein“ oder „erhaben sein“ (also

sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt

„Stolz“) stehen, dann ergibt es Sinn, dass „nieder/gering

er Gnade“ (Jak 4,6b).

sein“ Demut spiegelt. Das hilft uns dann aber nur sehr begrenzt, wirklich zu verstehen, was Demut ganz praktisch

42

Intuitiv verstehen wahrscheinlich die meisten, dass eine

bedeutet – wie sieht „klein sein“ im biblischen Sinne aus?

stolze (oder sogar arrogante) Haltung unangemessen

Losgelöst von ihrem eigentlichen Kontext, werden diese

und eher abstoßend ist. Aber obwohl wir als Christen

bildhaften Begriffe schnell missverstanden und verleiten


dazu, sich künstlich klein (und schlecht) zu machen. Jesus, unser Vorbild, sagt aber von sich selbst Folgendes: „Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29a). Würde ein wahrhaft demütiger Mensch, nach der gängigen Definition von Demut, von sich selbst sagen, demütig

Als sich die Jünger stritten, wer der Bedeutendste von ihnen wäre, stellte Jesus ein Kind vor sie hin als Beispiel für Demut und Selbstvergessenheit.

Roman Wiens  Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst

Demut heißt nicht, weniger von sich zu halten, sondern weniger an sich und mehr an andere zu denken.

zu sein? Eigentlich wäre das ein inhaltlicher Widerspruch – und dennoch tut es Jesus (wie auch Mose, Paulus und viele mehr). Das oft übersehene Problem beim gängigen

Mann der Welt“ zu bezeichnen (4 Mose 12,3), denn er

Verständnis von Demut ist, dass der Fokus immer noch

dachte wirklich mehr an andere als an sich selbst. Demut

auf einem selbst liegt: „Ich bin ja eigentlich doch nicht so

heißt also nicht, weniger von sich zu halten, sondern

gut, ich habe doch auch viele Schwächen, ich bin doch

weniger an sich und mehr an andere zu denken. Es ist

der Geringste, ich, ich, ich“ – solch eine Demut ist nur

gut, dass wir die mahnenden Worte von Jakobus (und

eine verschleierte Form des Stolzes. Sich (oft künstlich)

anderen) ernst nehmen, Stolz meiden und lieber Demut

herabzuwürdigen und klein zu machen, macht einen also

suchen wollen. Wenn wir aber nicht im Leben Christi for-

genau genommen nur für den eigenen Stolz blind. Was

schen, wie echte Demut wirklich aussieht, macht sich nur

genau ist dann aber die Demut von Jesus?

ein irreführendes, gefährliches und selten hinterfragtes Verständnis von Demut breit. So entgeht uns jedoch die

Paulus gibt uns einen guten Hinweis darauf, was an Jesu

wunderbare Tiefe eines unterschätzten Charakterzugs. Die

Charakter genau das Demütige ist, wenn er die Philipper

Worte von Jakobus bekommen aus diesem Blickwinkel

dazu aufruft, in der Geisteshaltung Jesu miteinander

nämlich eine ganz neue Tiefe.

sucht, sondern achtet in Demut einer den anderen höher

Gemessen am Leben Jesu ist Demut wahrscheinlich nicht

als sich selbst“ (Phil 2,3). Paulus beschreibt Demut hier als

das, was du denkst – zumindest war es nicht, was ich

das Gegenstück zu Selbstzentriertheit. Demut ist somit

dachte. Der wahrhaft Demütige interessiert sich herzlich

ein „von sich selbst wegsehen“, womit der Fokus auf das

wenig dafür, wie „demütig“ er auf andere wirkt – er

Gegenüber gelegt wird. Christus hat sich nicht künstlich

interessiert sich mehr für den anderen. Zu sehen, dass

geringer gemacht als er war (wie könnte der Schöpfer des

biblische Demut nicht ein Hervorheben eigener Schwäche

Universums auch „geringer“ werden als er ist), aber er

ist, sondern die erstaunliche Freude am Gegenüber, gibt

sah von sich weg und auf sein Gegenüber. Selbst in seiner

ihr eine herrliche Leichtigkeit. Jesus hat uns gezeigt, dass

dunkelsten Stunde, in Gethsemane, blickte er lieber auf

Demut etwas wundervoll Erstrebenswertes ist. Wollen wir

andere als auf sich selbst und äußerte die bewegenden

uns also weiter mit dem unangenehmen „Tanz“, demütig

Worte „aber nicht mein Wille geschehe“. Diese Demut

zu wirken, begnügen oder lieber wie Er von uns selbst

erkennt voll und ganz an, wer man ist, inklusive, dass ich

weg auf andere hinsehen?

Sünder bin, als auch die Gaben, die Gott mir geschenkt hat. Dabei verliert sich echte Demut aber nicht in sich selbst, sondern verschiebt den Fokus ganz bewusst – von mir weg auf mein Gegenüber. Am vorgelebten Beispiel Jesu sehen wir, dass Demut etwas anderes ist, als wir üblicherweise meinen würden. Mose war nicht überheblich, sich als den „demütigsten

Roman Wiens studierte Theologie in Bogenhofen und betreute als Pastor zuletzt die Gemeinde Stuttgart-Mitte. Aktuell macht er einen PhD an der Andrews University (USA).

BWGUNG    Bibel und Glaube

umzugehen: „Tut nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhm-

43


Aus den Gemeinden

ging es dann richtig los mit dem täglichen Training: In jeweils zwei Einheiten übten wir Pass- und Schusstraining,

Rückblick

Freilaufen, Bewegung ohne Ball, Ballkontrolle, Flanken, bis hin zu Dribblings und Zweikämpfen. Jeder war bereit, auch noch das Letzte aus sich herauszuholen und wurde von den anderen angefeuert. Fußballquiz, Fifa-Turnier,

Die Fußballspieler treffen wieder aufeinander – Alles ist gut, solange man ein Team ist!

Let’s-Talk Abende und gemeinsame Erlebnisse brachten

Endlich war es wieder so weit! Das Fußballcamp in Enz-

hatten eine Menge Spaß.

uns näher zusammen. Wir knüpften Freundschaften und

klösterle ging in die zweite Runde. Bei meiner Ankunft am Fußballplatz wurde ich gleich auf das Schild aufmerksam

Ob wir ein Team geworden sind? Auf jeden Fall! Stärken

gemacht, welches bereits im letzten Jahr Motto des Fuß-

und Schwächen gab es bei jedem, jedoch diese richtig

ballcamps war: „Elf Freunde müsst ihr sein, um ein Team

einzusetzen, um eine Teamleistung im Spiel danach zu lie-

zu werden.“Einige Teilnehmer waren zum zweiten Mal

fern, schaffte ein echtes Wir-Gefühl. Außerdem waren wir

dabei, andere wiederum kamen neu dazu. Letztlich zähl-

alle eins in Jesus! Wir nahmen ihn mit in den Tag hinein

ten wir 10 Jungs und drei Trainer. In der vor uns liegenden

und baten ihn bei uns zu sein. Besondere Gemeinschaft

Woche erlebten wir eine besondere Atmosphäre – ähnlich

erlebten wir auch in der Andacht, in der wir uns mit dem

wie bei Profispielern, wenn sie eine Trainingswoche vor

Thema „Mann sein“ auseinandersetzten. Was sagt die

sich haben. Der Fokus lag hierbei darauf, Teamfähigkeit,

Bibel über dieses Thema? Welche Lebensgeschichten von

Durchhaltevermögen, Ausdauer, Technik und Kraft zu

Männern werden uns dort berichtet? Was bedeutet es,

trainieren, mit dem Ziel über sich hinauszuwachsen.

Verantwortung zu übernehmen, eine mündige Haltung zu entwickeln? Was macht uns als Männer aus? Diese

Das Wetter war traumhaft und hochmotiviert kamen alle

spannenden Fragen beschäftigten uns in diesen Tagen

an. Jeden Morgen startete der Tag mit einer Cardioein-

und waren immer wieder Teil unserer Gespräche.

heit, unmittelbar, nachdem sich die Jungs aus den Betten gequält hatten. Das war die beliebteste Trainingseinheit

Kurzum: Es war eine Hammer-Woche, die uns großen

– nicht. Dennoch gab jeder sein Bestes, weswegen das

Spaß machte und einfach richtig schön war. Der Einzige,

anschließende Frühstück eine willkommene Kraftquelle

der gefehlt hat, warst DU! Du bist ein fußballbegeisterter

war. So konnten wir sowohl körperlich als auch gleich da-

Jugendlicher oder eine fußballbegeisterte Jugendliche

nach bei einer kleinen Andacht geistlich auftanken. Später

und möchtest eine Woche voll mit Training, Spaß, super Essen und geistlichen Themen erleben? Dann sei dabei

Fußballcamp 2023 in Enzklösterle: Eine ganz besondere Woche mit Training, Spaß, super Essen und geistlichen Themen, die aus bloßen Teilnehmern ein echtes Team werden ließ.

44

im Jahr 2024, wenn es wieder heißt: „Elf Freunde müsst ihr sein ...“ Egal ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, ob du im Verein spielst oder einfach in deiner Freizeit, du


Rückblick  Aus den Gemeinden

bist herzlich willkommen! Wir freuen uns auf dich! Es war

Gemeinsam mit Gleichaltrigen Sabbat feiern, singen, zuhören, beten, essen, reden und lachen: der Landesjugendsabbat als kleiner Vorgeschmack auf die Ewigkeit.

eine großartige Gelegenheit, sich geistlich und körperlich weiterzuentwickeln – vielen Dank an die Adventjugend BW, die dies möglich gemacht hat! Außerdem ein großes

durfte jeder, der nach dem bunten Sabbatprogramm noch

Dankeschön an Hans Volgger und Simone Castoro, die

Lust auf mehr hatte, voller Erwartung Zeuge einer musika-

als Trainer viele wichtige Aufgaben übernahmen. Nicht

lischen Premiere werden: Die Musikgruppe tag7 führte ihr

zuletzt gilt der Dank auch Natalia Schatz für das wunder-

neues Album „Vorfreude“ auf! Die tiefgründigen Lieder

bare Essen!

berührten die Zuhörer und einige Texte werden sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Jonas Riedel, Gemeinde Gaildorf Es war wie immer wunderschön mit gleichaltrigen Ad-

Landesjugendsabbat mit einer musikalischen Premiere – Eine bunte Palette der Vorfreude auf die Ewigkeit

ventisten und Adventistinnen den Sabbat zu feiern, indem

Ich freue mich jedes Mal schon lange vorher auf den Lan-

auf die Ewigkeit und dank diesem herrlichen Sabbat hat

desjungendsabbat! Unter dem Motto „He is risen!“ fand

die „Vorfreude“ auf die Wiederkunft Jesu und die neue

er dieses Jahr im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch

Erde in den Herzen der Teilnehmenden noch tiefere Wur-

Gmünd statt. Das Programm war bunt gestaltet: Am Vor-

zeln schlagen dürfen.

man gemeinsam singt, zuhört, betet, isst, redet, lacht und spielt. All dies ist momentan nur ein kleiner Vorgeschmack

mittag gab es eine lebendige und ermutigende Ansprache von Bastian Ogon und am Nachmittag luden spannende

Nora Konrad, Gemeinde Murrhardt

wo wir uns vielleicht an der eigenen Nase fassen müssen“

Missionswochenende mit Benjamin Zihlmann – Eine Anleitung, um stille Zeugen nicht verstauben zu lassen

waren die Themen weit gefächert, weswegen inhaltlich

Ein Wochenende, das die Herzen berührte, die Sinne

jeder auf seine Kosten kam. Zudem schenkte uns Gott

erweckte und den Missionsgeist beflügelte – das Mis-

wunderschönes sonniges Wetter, sodass man auf der

sionswochenende „Mission mit Büchern“ war zweifellos

großen Wiese vor dem Veranstaltungsgebäude zwischen

eine einzigartige Erfahrung für alle Teilnehmer. Unter der

dem abwechslungsreichen Programm picknicken, Volley-

inspirierenden Leitung des Buchevangelisten Benjamin

ball spielen und spazieren gehen konnte. Es gab sogar

Zihlmann wurden wir auf eine Reise mitgenommen, die

zwei süße Überraschungen für alle: Crêpes und Eis! Ich

uns zeigte, wie Bücher die Welt verändern und wir mit

konnte mich mit vielen Leuten unterhalten, die ich schon

ihnen Menschen für Jesus gewinnen können. Schon am

lange nicht gesehen hatte und mit dem ein oder anderen

Freitagabend begann eine spannende Themenreihe mit

ein erfrischendes Glaubensgespräch führen. Am Abend

Vom Schatten zum Licht. In einem mitreißenden Vor-

„Wie kann ich den Willen Gottes für mein Leben erkennen?“ bis hin zu „Pharisäertum in unserer Gemeinde und

BWGUNG  Rückblick

Workshops zu den unterschiedlichsten Themen ein. Von

45


Gemeinschaft stärken und geistlich auftanken – das konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Landesjugendsabbats, der dieses Jahr unter dem Motto „He is risen!“ stattfand.

den Vordergrund zu stellen, stellt sich als wegweisend für effektives Zeugnisgeben heraus. Es wurde deutlich, dass der Zugang zur Bibel über ein bewusstes Lesen von entscheidender Bedeutung sein kann und dass wir uns dafür

trag sprach Benjamin über die Zuversicht, die uns Jesus

einsetzen, den Menschen diese Werte zu vermitteln.

schenkt. Mit „strammem Schritt und erhobenem Kopf“ ermutigte er uns, Freundlichkeit und das Wesen Jesu in

Der Höhepunkt des Wochenendes war zweifellos der

unserem Umgang mit suchenden Menschen zu bewah-

Outreach am Sabbat. Eine Gruppe von Teilnehmern

ren. Mit praktischen Missionstipps, wie dem Stellen von

verteilte Bücher wie die Bibel, Vom Schatten zum Licht

Fragen und durch das Aufbauen von Gesprächen sollen

oder Sieg der Liebe mit einem Bollerwagen in der Stadt,

wir Gemeinsamkeiten suchen und offene Herzen für

während eine andere Gruppe von Tür zu Tür ging. Die

das Evangelium gewinnen. Dabei ist der Austausch von

Begeisterung und Freude, die wir beim Verschenken der

Kontaktdaten ein wichtiger Schlüssel für weiterführende

Bücher erlebten, sowie auch die spannenden Gespräche,

Begegnungen.

die wir mit einigen Interessierten führen konnten, waren tolle Erlebnisse.

Der Sabbat brachte uns weitere inspirierende Vorträge, die unsere Sicht auf Jesus erweiterten. Unter dem Motto

Am Sonntag wurden wir mit dem Thema „Macht und

„Kennst du Jesus?“ wurden wir herausgefordert, das Le-

Ohnmacht“ konfrontiert. Benjamin führte uns durch

ben und das Wesen Jesu genauer zu betrachten. Heutige

Einblicke über den Umgang mit Erfolg und Misserfolg.

Filme und Serien zeigen, wie die Gesellschaft Jesus gerne

Biblische Beispiele wie die Geschichte von Noah wurden

sehen möchte, doch ist dies auch das Bild, das die Bibel

herangezogen, um uns zu zeigen, dass Gott Möglich-

vom wahren Charakter Jesu widerspiegelt? Die Jünger

keiten schafft, die für uns unvorstellbar sind. Wir wurden

hatten sein vorbildliches Wesen in sich verinnerlicht, und

ermutigt, durch Gebet innerlich stark zu werden und klei-

wir wurden ermutigt, dies ebenfalls zu tun. Mit tiefgrün-

ne Schritte der Veränderung zu machen. Das Setzen von

digen Einsichten aus der Bibel und dem inspirierten Werk

Zielen und das Streben nach ihnen wurden als Schlüssel

von Ellen G. White wurde deutlich, wie viel wir noch von

zur Erfüllung unserer Missionsaufgabe betont.

Jesus lernen können. Der Abschluss des Wochenendes war Benjamins persön-

46

Ein weiterer Höhepunkt des Sabbats war der Vortrag über

liches Zeugnis über seinen Weg zum Buchevangelisten.

den Wert des Buches. Benjamin betonte eindringlich, dass

Er teilte uns mit, wie eine Berufung Gottes funktionieren

das Buch als Medium eine zeitlose Bedeutung hat und

kann und wie wir uns mit Gott abstimmen können. Die

als stiller Bote fungiert. Es vermag, Inhalte genial auf den

Bedeutung des Gebets, die Übereinstimmung mit der

Punkt zu bringen und die Menschen direkt anzusprechen.

Bibel als auch ein anschließendes Abwägen wurden

Das Zitieren der Bibel, anstatt unsere eigenen Worte in

dabei betont, um herauszufinden, ob wir auf Gottes Weg


zu haben! Nach der eher verhaltenen Beteiligung von gut

immer um uns kümmert, wenn wir uns ihm anvertrauen

450 Pfadfindern im letzten Jahr, rechneten wir dieses Mal

und unseren Weg mit ihm suchen.

mit etwa 600 Teilnehmern, aber selbst diese Zahl wurde noch übertroffen! In dem einen oder anderen Unterlager

Insgesamt war das Missionswochenende „Mission mit

führte das zu der Frage: „Wohin mit den ganzen Zelten?“,

Büchern“ ein außergewöhnliches Erlebnis. Benjamin hat

aber schließlich hatten sich alle arrangiert und wir konn-

uns in seiner langjährigen Erfahrung als Buchevangelist

ten gemeinsam Workshops, Geländespiele, Anspiele und

gezeigt, welche Macht Bücher haben, Herzen zu berühren

Ansprachen im Großzelt genießen.

und Leben zu verändern. Mit inspirierenden Vorträgen, einem gesegneten Outreach und tiefgründigen Reflexio-

Unter der Leitung der Ofi-Biber hatte eine ganze Gruppe

nen wurde uns bewusst, dass jeder von uns eine wichtige

an mehreren Vorbereitungs- und Probenwochenenden

Rolle in Gottes Mission hat. Mögen wir das Gelernte in

darauf hingearbeitet, die Geschichte von Mose in Ägypten

die Praxis umsetzen und weiterhin mit Büchern die Men-

anschaulich und professionell auf die Bühne zu bringen

schen erreichen.

und darüber hinaus zum erlebbaren Motto des ganzen

Rückblick  Aus den Gemeinden

wandeln oder nicht. Es wurde jedoch klar, dass Gott sich

Lagers zu machen: „Helden werden nicht geboren“. Eine

Lukas Pfau, Gemeinde Freudenstadt

Wahrheit, die man ganz besonders gut am Leben von Mose sehen kann, denn nicht seine privilegierte Stellung

Unsere alljährliche Sternwanderung – Ein sonniges Miteinander in der Natur

als Ziehsohn der Prinzessin oder seine hohe Ausbildung

Nachdem die letzte Sternwanderung vor zehn Jahren, die

mütige Arbeit als Schafhirte bereitete ihn auf seine große

auf den Schachen bei Reutlingen führte, als „SchneeWa“

Aufgabe als Führer von Gottes Volk vor. Ruben Grieco, der

in die Pfadfindergeschichte eingegangen ist, hatte nicht

Leiter der Adventjugend in Deutschland, veranschaulichte

jeder die besten Erinnerungen an diesen Abschlusslager-

als Sprecher, was wir von Mose lernen können und dass

platz. Damals hatte es im Mai geschneit und nicht alle Zel-

sich ein Leben mit Gott lohnt!

machten ihn zum Glaubenshelden, sondern seine de-

te waren der Witterung gewachsen gewesen. Allerdings durften wir dieses Jahr den kompletten Kontrast erleben.

Dank des Prachtwetters ging auch der Abbau des Lagers

Selbst „SteWa Urgesteine“ – so die offizielle Bezeichnung

so schnell und reibungslos vonstatten wie noch selten. Ich

für jeden, der schon 25 und mehr Wanderungen mitge-

glaube, dass alle die dabei waren, sich schon darauf freu-

macht hat – konnten sich nicht entsinnen, je eine Wande-

en im nächsten Jahr ein noch größeres Lager zu erleben:

rung und Abschlusslager ohne einen Tropfen Regen erlebt

Gemeinsam mit den Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus Bayern auf der Nordalb bei Deggingen.

Christian Zahalka (Leiter der Scouts in Ba-Wü), Gemeinde Schorndorf

BWGUNG  Rückblick

Eine sonnige STEWA 2023 verwöhnte mehr als 600 Pfadis und Leiter. Die komplette Wanderung einschließlich Abschlusslager ohne einen Tropfen Regen – Gott sei Dank für dieses schöne Erlebnis!

47


Ausblick

Dezember-Januar November

01. - 03.12. | Jugendleitungstreffen Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt; Thema: „Retreat. Motivation. Networking.“; für Jugend-

10. - 12.11. | CPA-Gruppenleitertagung

leiter; Veranstalter: Adventjugend Baden-Württemberg;

Ort: Freizeitheim Diepoldsburg, 73266 Bissingen an der

Anmeldefrist: 15.11.2023

Teck; Thema: Planung SDV-Camp und die Schwerpunkte der CPA-Arbeit; für alle CPA-Gruppenleiter; Veranstalter: Advent-

08. - 10.12. | Bible Study Weekend for Teens

jugend Baden-Württemberg; Anmeldefrist: 05.11.2023

Ort: Freizeitheim Diepoldsburg, 73266 Bissingen an der Teck; Thema: Gethsemane; Sprecher: Bastian Ogon; für

17. - 19.11. | Missionsleitertagung

Teens im Alter von 13 bis 17 Jahren; weitere Infos werden

Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;

noch bekanntgegeben; Anmeldefrist: 01.12.2023

Thema: Missionarische Jahresplanung, aber wie?; Leitung: Thomas Knirr

08. - 10.12. | Wolkenflitzer Kita-Wochenende Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;

18. - 25.11. | Gebetswoche

Thema: Resilienz und Traumaprävention im Kindesalter;

Ort: Adventgemeinden; Thema: „Sein Zeuge sein“

für alle Interessierten von 0 bis 99; Referentin: Angela Indermaur; Leitung: Kai Ogon; Anmeldefrist: 01.12.2023

19.11. | Begleiter-Schulung (Klavier und Gitarre) Ort: Adventgemeinde Singen, 78224 Singen (Hohen-

15.12. | Online-Gebetstreffen

twiel); Thema: Musik Weiterbildung – Instrumentale

Ort: Zoom; Thema: Gemeinsam beten;

Gottesdienstgestaltung; für jugendliche und erwachsene

für alle Altersgruppen; Leitung: Thomas Knirr

Klavier- und Gitarrenspieler; Referent: Lucio Maier (Klavier) und Bernd Heibutzki (Gitarre); Anmeldefrist: 12.11.2023

29.12.23 - 01.01.24 | SinglePlus Silvesterfreizeit Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;

24.11. | Online-Gebetstreffen

Thema: Single; für Erwachsene; Leitung: Tobias Friedel;

Ort: Zoom; Thema: Gemeinsam beten;

Anmeldefrist: 15.12.2023

für alle Altersgruppen; Leitung: Thomas Knirr

12. - 14.01.24 | Teachers get Together

48

28.11. | Ehrenamtstag für Juleica-Inhaber

Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;

Ort: Europa Park, 77977 Rust; für Ehrenamtliche

für alle Lehrer/innen sowie Lehramtsstudent/innen;

mit Juleica; Veranstalter: Adventjugend

Leitung: Caroline Stanke und Markus Witte


Ausblick  November 2023 – September 2024

Januar-Mai 13.01.24 | Jahresanfangsgottesdienst Ort: in den jeweiligen Adventgemeinden

28.01.24 | Treffen zur Stärkung des Gebets- und Glaubenslebens Ort: Zoom; 19:30-21:00 Uhr; Thema: Die plötzliche

Juli-September

Leere – Trost finden in Zeiten der Trauer; für alle am Thema Interessierten; Referent: Frank Hasel; Zoom-Anmeldung unter: https://kurzelinks.de/Trauerverstehen

14.07.24 | Frauenbegegnungstag Ort: Adventgemeinde Mannheim, 68309 Mannheim; Thema:

16. - 18.02.24 | Ehewochenende

„Gaben und Fähigkeiten – von Gott gegeben. Auch du bist

Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt; The-

von Gott mit Gaben und Fähigkeiten beschenkt!“; für Frauen;

ma: Wenn das Wir gewinnt – die Architektur unserer Ehe;

Leitung: Marion Knirr; Anmeldefrist: 04.07.2024; Informatio-

für Ehepaare; Referenten: Annika & Fabian Looser Grön-

nen unter: https://adventisten.online/Seidabei

roos; Leitung: Marion Knirr; Anmeldefrist: 04.02.2024 Ort: Begegnungs- und Tagungszentrum Michelsberg, 73337

Ort: in den Caregroups und Hauskreisen; Thema: Care-

Bad Überkingen; Thema: Die Geschichte der Hoffnung (Offb

group-Evangelisation; für Erwachsene und Jugendliche;

12); für Erwachsene, Jugendliche und Kinder; Informationen

weitere Informationen unter: www.bw-gemeindeaufbau.de

und Anmeldung unter: www.josuacamp.de

12. - 14.04.24 | Frauenbegegnungswochenende

30.07. - 04.08.24 | Hope Camp

Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;

Ort: Friedensau, 39291 Möckern; Thema: „Freizeit gestalten,

Thema: Deine Reise von Eden nach Eden; für Frauen;

Freunde finden, Glauben entdecken!“; für Familien, Einzelper-

Referentin: Elida Oncea; Leitung: Marion Knirr;

sonen und ihre Freunde; Anmeldefrist: 31.05.2024; Informa-

Anmeldefrist: 01.04.2024

tionen unter: https://hope-camp.de/hope-camp-2024

17. - 20.05.24 | SinglePlus Pfingstfreizeit

01. - 10.09.24 | Studienreise Südfrankreich

Ort: Wendtorf/Ostsee; Thema: „Gemeinschaft.Impulse.

Ort: Südfrankreich; Thema: Die Kirche des Mittelalters

Erleben.“; für Erwachsene; Leitung: Tobias Friedel;

und die Reformation; für Jugendliche und Erwachsene;

Anmeldefrist: 02.05.2024

Leitung: Bernd Sengewald; Anmeldefrist: 31.05.2024

29.05.-02.06.24 | DVG Kongress „STARK!“ Ort: Tagungszentrum Blaubeuren, 89143 Blaubeuren;

Alle aktuellen Informationen sowie die vollständige

Thema: Resilient leben; für alle am Thema Interessierten;

Terminübersicht sind auf den Internetseiten der

Referenten: Gissela Abos-Padilla, Dominique Gummelt,

BWV zu finden. Anmeldung (wenn nicht anders

Herald Hopf, Zeno Charles-Marcel, Günther Maurer, Karl-

angegeben) unter: www.bw.adventisten.de/events

BWGUNG  Ausblick

24. - 28.07.24 | J.O.S.U.A. Camp 01.03. - 02.04.24 | CARE 2024

Heinz Müller & Lorethy Starck; Anmeldefrist: 29.04.2024

49


Was macht eigentlich... Reinhard Gelbrich?

Durch Gottes Eingreifen bewahrt „Wenn ich zurückblicke“, so sagt Reinhard Gelbrich, „dann wurde mir schon als Fünfjähriger bewusst, dass Gott real ist und sich um mich kümmert.“ Und dann schildert er, wie er als kleiner Bub mit dem Fahrrad beim Bauernhof in der Nachbarschaft Milch holen war: „Als ich mit der Milchkanne in der einen Hand und mit der anderen Hand am Fahrradlenker fast zuhause war, hörte ich hinter mir ein Moped kommen. Ich dachte bei mir, dass ich erst diesen Mopedfahrer vorbeilasse und dann abbiege, um zu unserem Haus zu kommen. Natürlich habe ich keinen Blick nach hinten getan, sondern bin ohne Vorwarnung abrupt nach links abgebogen. Deshalb war es mir nicht möglich, das Auto zu sehen, das direkt hinter dem Moped

„Was uns beide körperlich bis heute fit hält, sind eine gesunde Lebensweise und die tägliche Bewegung an der frischen Luft“, sagt Reinhard Gelbrich.

kam. Der Fahrer hatte natürlich keine Idee, dass ich, ohne ein Zeichen zu geben oder zurückzuschauen, einfach nach links abbiegen würde. Ich hörte nur noch ein Quietschen

später lernte er seine Frau Konny auf einer Jugendleiter-

der Reifen. Dann sah ich das Malheur. Der Autofahrer

schulung in Mühlenrahmede kennen. Nachdem sie 1975

hatte das Auto nach links herumgerissen und landete an

geheiratet hatten, war ihr erster Einsatzort in der Ad-

unserer Hausecke. Mein neues Fahrrad lag unter dem

ventgemeinde Pfalzgrafenweiler, im Bezirk Freudenstadt.

Auto wie eine Ziehharmonika. Die Milchkanne lag ca. 10

Danach können viele unterschiedliche Aufgaben und

Meter weiter auf der Straße – natürlich leer. Und ich stand

Einsatzorte in der Arbeit als Pastor aufgezählt werden. Ob

neben dem Auto und hatte nur eine ganz kleine Schram-

als Gemeindegründer oder als Bezirksprediger, Jugend-

me am rechten Knie. Wie ich heil aus diesem Unfall her-

abteilungsleiter oder Präsident, als Abteilungsleiter für das

ausgekommen bin, ist mir noch bis heute ein Rätsel.“

Predigtamt oder als Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau: Sein Lieblingstext in der Bibel hat ihn in allen Höhen und

Seitdem hat Reinhard Gelbrich Gottes Eingreifen in seinem

Tiefen seines Dienstes begleitet: „Trachtet zuerst nach

Leben immer wieder erfahren. Aufgewachsen in einer ad-

dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird

ventistischen Gärtnerfamilie in Neuburg/Donau, schloss er

euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33)

sich mit 15 Jahren durch die Glaubenstaufe der Adventgemeinde an. Nach dem Schulabschluss machte er zunächst

Heute wohnen Reinhard und Konny in der Nähe von

eine Ausbildung zum Industriekaufmann und besuchte

Kronach (Nordbayern) und genießen ihren aktiven

anschließend die Fachhochschule in Ingolstadt, im Bereich

Ruhestand. Sie verbringen gerne Zeit mit ihren Töchtern

Wirtschaft. Dass er dann Prediger wurde, war wiederum

Daniela und Melanie inkl. ihrer Familie mit drei Enkel-

einer Fügung Gottes zu verdanken. Während seiner Schul-

kindern. Oder sie leiten die jährliche Wanderfreizeit in den

zeit in Ingolstadt wohnte er einige Zeit bei dem damaligen

Schweizer Alpen, oder sind unterwegs, um Seminare und

Prediger Ernst Hofmann und seiner Familie. Gelbrich

Evangelisationen zu halten. Sie bringen sich auch leitend

erzählt: „Ernst Hofmann hat gelebt, was er geglaubt hat,

in die Arbeit von ATS Deutschland ein. Wie das alles geht,

und hatte einen unerschütterlichen Glauben an das Wort

obwohl Reinhard schon über 70 Jahre alt ist? Er sagt:

Gottes. Dies hat mich mehr beeindruckt als alles andere.

„Was uns beide körperlich bis heute fit hält, sind eine

Eigentlich hatte ich nie vor, einmal Prediger zu werden,

gesunde Lebensweise und die tägliche Bewegung an der

aber sein Zeugnis hat mein Denken verändert.“

frischen Luft. Wir wandern nicht nur gerne in den Bergen, sondern walken fast jeden Tag 5-7 km von unserem Haus

So kam es, dass er 1972 auf das Predigerseminar nach Darmstadt ging, um Theologie zu studieren. Zwei Jahre

50

aus.“ tk


www.bwgung.de

Die gesamte Ausgabe von BWgung inkl. Blätterfunktion sowie weitere interessante Artikel sind online zu finden unter www.BWgung.de Wir sind dankbar für jeden Leser, der das Online-Angebot nutzt und uns dadurch unterstützt, langfristig die Druckkosten für das Printmagazin zu senken.

BWgung online lesen !

Mit deinem Ta blet/Laptop bequem durc h die aktuelle Ausgabe blät tern.

Impressum BWgung ist das Mitteilungsblatt der Freikirche der Siebenten-TagsAdventisten in Baden-Württemberg, Körperschaft des öffentlichen Rechts (Herausgeber). Das Heft erscheint viermal im Jahr. Redaktionsadresse: BWgung, Firnhaberstr. 7, 70174 Stuttgart Tel.: +49 711 1629023; E-Mail: info@bwgung.de Web: www.bwgung.de Konto: IBAN: DE79 6009 0100 0227 3910 12 BIC: VOBADESSXXX; Stuttgarter Bank

Vertrieb: Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg KdöR, Firnhaberstr. 7, 70174 Stuttgart Bildnachweis: S.1 + S.8, jokinmarc/shutterstock.com; S.2 NicoElNino/shutterstock.com; S.2 (li,u), Mark Tamaleaa/adventist.news; S.3 (li,o) + S.9, Vlad Teodor/shutterstock.com; S.3 (li,u) + S.17, Kertu/shutterstock.com; S.3 (re,u) + S.37, S.Borisov/shutterstock.com; S.5, oscargutzo/ shutterstock.com; S.7, PH888/shutterstock.com; S.10, Sergey Nivens/shutterstock.com; S.11, TonyV3112/shutterstock.com; S.12, hxdbzxy/shutterstock.com; S.13, Drop of Light/ shutterstock.com; S.14, Matt Gibson/shutterstock.com; S.16, Goinyk Production/shutterstock.com; S.18, CreativeAngela/shutterstock.com; S.19, Shawn Hempel/shutterstock.

Redaktion: Eugen Hartwich (Vorsitzender v.i.S.d.P.), Saskia Külls (Redakteurin), Thomas Knirr, Katharina Lewter, Bernd Sengewald, Roman Wiens

com; S.20, EB Adventure Photography/shutterstock.com; S.24, MAYA LAB/shutterstock. com; S.25, dekazigzag/shutterstock.com; S.26 + S.27, Annalisa Jones/shutterstock.com; S.38, BalanceFormCreative/shutterstock.com; S.39, Mo Photography Berlin/shutterstock. com; S.40, PeopleImages.com - Yuri A/shutterstock.com; S.42, Dragana Gordic/shutter-

Lektorat: Victoria Fichtberger, Deborah Külls, Alicia Tuchel

stock.com; S.43, fizkes/shutterstock.com; S.48 + S.49, donatas1205/shutterstock.com; S.51, vanitjan/shutterstock.com; alle anderen Fotos vom jeweiligen Autor.

Graphisches Konzept und Design Creative7, Herdwangen-Schönach; www . Creative 7. studio Druck und Versand: Konrad Print & Medien, Rudersberg Die Bibelzitate sind – falls nicht anders vermerkt – der Bibelübersetzung von Dr. Martin Luther (Revision 1984) entnommen.

Diese Zeitschrift darf, auch auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers nicht reproduziert werden. Für unverlangt eingesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers, der Redaktion oder des Redaktionsvorstands wieder. Gerichtsstand ist Stuttgart.


Studienreise

01.-10.9.2024

Südfrankreich erleben Die Hugenotten, Katharer und die Römisch-Katholische Kirche – Was wir aus ihrer Geschichte lernen können

› Geschichte erleben und Freizeitspaß miteinander haben.

Veranstalter

› Musée du Désert

Freikirche der STA in BW Abteilung Gemeindeaufbau Leitung: Bernd Sengewald

› Ausflug mit Esel

› Gedacht ist ein Mix aus Cevennen, hübschen Städten und Mittelmeer.

Nähere Infos:

› Cité von Carcassonne

› Gemeinsame Andachten und Hintergrund-Themen: Hugenotten, Katharer, die RKK und wir.

bernd.sengewald@adventisten.de

› Papstpalast Avignon

› Grotte de Trabuc Anmeldung unter www.bw.adventisten.de/events/ terminuebersicht

Preis: Frühbucher bis 31.12.2023: 760,- € Ab dem 1.1.2024: 810,- €

› Dampferfahrt Camargue bei Aigues-Mortes › Festungen Quéribus und Peyrepertuse in den Pyrenäen

BADEN-WÜRTTEMBERGISCHE VEREINIGUNG


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
BWgung 4/2023 by STA-BW - Issuu