Ausgabe 4 / 2023
Magazin der Siebenten-Tags-Adventisten in Baden-Württemberg
Naturkatastrophe
n als Strafgeri chte der Endzeit? 08
16 Kipppunkte in der Bibel
28 Heinz Hopf im Portrait
34 Die Abwärtsspirale
Adventgemeinde weltweit Wunder im Wahnsinn
„Aber was mich an diesem Erlebnis wirklich umgehauen hat,
Am 8. August 2023 um 3 Uhr morgens riss ein Anruf
ist: Der lebendige Gott hat seine Macht greifbar demons
Pastor Kamil Metz aus dem Schlaf. Er war Leiter einer
triert, denn alles rund um das Gebäude der Adventgemeinde
studentischen Buchevangelistengruppe, die den Sommer
in Lāhainā, in der wir ursprünglich stationiert waren, ist bis
über auf der Insel Maui von Tür zu Tür unterwegs war.
auf die Grundmauern niedergebrannt. Doch die Kirche der
Pastor Metz erfuhr, dass die Stadt Lāhainā von tödlichen
Siebenten-Tags-Adventisten und das Haus eines Gemeinde-
Waldbränden heimgesucht worden sei.
gliedes stehen immer noch,“ berichtet er weiter. „Das Feuer hörte genau vor der Haustür auf.“ (Quelle: ANN/sk)
Der 29-jährige Jaxson Maun, ein junger Buchevangelist aus der Gruppe, befand sich mitten im Zentrum des Alb-
Ein Roboter, der Bibelunterricht gibt
traums, als die verheerenden Brände in kürzester Zeit mehr
Im Zuge der diesjährigen Asienkonferenz des Globalen
als 2.100 Hektar vernichteten. Er erzählt: „Als die Brände
Adventistischen Internet Netzwerks, die im September in
an diesem Morgen ausbrachen, hatten wir bereits in der
Korea stattfand, ging es u.a. um die Frage, wie wir uns an
Nacht zuvor starke Winde erlebt, aber als es gegen Mittag
adventistischen Schulen bestmöglich auf die Zukunft vorbe-
noch schlimmer wurde, beschlossen wir, nicht weiter ins
reiten und dabei auch modernste Technologien konstruktiv
Feld zu gehen.“ Was die jungen Buchevangelisten da noch
nutzen können. Im Zuge dessen wurde der KI-Roboter
nicht wussten, war, dass sie dank dieser Entscheidung
Adam vorgestellt, der als Assistent eines Bibellehrers dienen
dem Pfad der Zerstörung nur knapp entkommen sollten,
kann. Entwickelt wurde diese künstliche Intelligenz von Joo-
der bald genau ihr Gebiet verschlingen würde. „Erst viel
hee Park, Präsident der Sahmyook Health University, der
später fanden wir heraus: Wären wir nur ein bisschen län-
über einen Doktortitel in Ingenieurswissenschaften verfügt.
ger geblieben oder hätten unser Gebiet nur wenig anders bearbeitet, wären wir auf dem Höhepunkt des Feuerchaos
Park erklärte, dass er den Roboter schon seit einiger Zeit
in Lāhainā eingekesselt gewesen“, berichtet Maun.
ausprobiert hätte. „Ich habe diesen Roboter dazu gebracht, die Bibel zu lernen“, sagte er, „einschließlich der 28 Grundüberzeugungen unserer Freikirche in mehreren Sprachen.“ Als Beweis stellte er Adam vor dem begeisterten Publikum einige Fragen, die der Roboter inkl. Untermauerung von Bibeltexten korrekt beantwortete. Ein wichtiger Vorbehalt sei jedoch, dass bei Robotern wie Adam die Möglichkeit von Fehlinformation besteht, sofern sie nicht richtig programmiert sind, berichtete Park. „Wenn KI-Roboter wie dieser auf der ganzen Welt verfügbar werden, müssen wir sicherstellen, dass sie darin geschult sind, unsere Grundüberzeugungen zu vermitteln und sie auf die richtige Art und Weise zu präsentieren.“ Daran
Die Adventkapelle in Lāhainā – unversehrt inmitten der Zerstörung durch Waldbrände. Sogar das Hinweisschild auf die Versammlungszeiten blieb unbeschädigt.
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arbeitet Park fleißig weiter, denn in Zukunft sollen Roboter wie Adam verstärkt genutzt werden, um Bibelstunden und Unterricht zu geben bzw. zu unterstützen. (Quelle: ANN/sk)
02 Adventgemeinde weltweit
28
Nachrichten, die bewegen
Weisheiten aus einem bewegten Leben des Dienstes
04 Gedanken tanken
34
Wenn Gott wirklich König wäre ...
06
Heinz Hopf im Portrait
Ausgabe
4 / 2023
Inhalt Die Abwärtsspirale Was wir brauchen, um den Trend zu stoppen
Aus der Vereinigung
34
Adventistische Gesundheitszentren / Kompetenzen stärken und erweitern
08 Coverstory Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?
08
37
Zwischen Pest und Cholera? Weshalb die Trennung von Kirche und Staat in den USA an Zustimmung verliert
37 16 Kipppunkte in der Bibel Was tun, wenn sich Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen lassen?
16
40 So kam ich zur Gemeinde Ein Apfelstrudel mit Folgen
42 Bibel und Glaube Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst
44 Rückblick Aus den Gemeinden
Offene Türen – Zuhause in Landshausen
48 Ausblick 24 Ehe und Familie
Kommende Veranstaltungen auf einen Blick
Alltagsstress als Beziehungskiller
50 Was macht eigentlich ...? 26 Kinderzeit Eine nächtliche Beobachtung
Reinhard Gelbrich
BWGUNG Inhalt
22 Adventistische Bekenntnisschulen
3
Gedanken tanken
Wenn Gott wirklich König wäre ... Angeregt durch eine Predigt, wurde ich vor einer Weile
Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich von diesem Ge-
durch ein Gedankenexperiment sehr herausgefordert,
danken so herausgefordert wurde. Kaum eine Lehre im
regelrecht durchgeschüttelt. Genaugenommen wurde ich
ganzen Wort Gottes hat den Unmut der Menschheit
mit einer unserer „simpelsten“ Glaubensüberzeugungen
so erregt, wie die Wahrheit der absoluten Souveränität
konfrontiert, die dabei aber meinen eigenen doppelten
Gottes. Seine Gesetze oder Forderungen werden nur be-
Standard offenlegte.
folgt, wenn sie bequem sind oder unseren Vorstellungen entsprechen (wenn wir sie „verstehen/nachvollziehen
Ich meine Folgendes: Kaum jemand würde ernsthaft
können“). Es ist fast, als müsste sich Gott zuerst für seine
anzweifeln, dass Gott rechtmäßig König ist – immerhin
Handlungen und Forderungen erklären und rechtfertigen,
singen wir von ihm als „König aller Könige“ und beten
bevor wir ihnen folgen würden. Aber passt das wirklich
zu ihm als „Herr“ auf seinem Thron – aber was ist, wenn
mit dem Bekenntnis zu seiner Souveränität zusammen?
er von seinem Anspruch als König tatsächlich Gebrauch macht? Selbst der babylonische Herrscher Nebukadnezar
Die Bibel stellt Gott eindeutig als Herrscher dar, der als
bekennt: „[…] Er handelt, wie er es für richtig hält,
einziger Ansprüche stellen darf, doch unterstreicht die
sowohl bei den Engeln im Himmel als auch bei den Be-
Bibel auch, dass unser himmlischer König kein Despot
wohnern der Erde. Und es gibt keinen, der ihm Einhalt
oder der Willkür verfallener Tyrann ist – im Gegenteil.
gebieten könnte oder zu ihm sagen dürfte: ‚Was tust
Ellen White hebt hervor: ‚„Gott ist Liebe‘ (1 Joh 4,16).
du da?‘“ (Dan 4,32, NLB). Hier ist die Krux daran: Auf
Sein Wesen und sein Gesetz sind Liebe. So war es immer,
der einen Seite bekennen wir, dass Gott rechtmäßig im
so wird es immer sein. […] Jede Offenbarung der
Stande wäre, zu tun, was er will, aber auf der anderen
Schöpfermacht ist ein Ausdruck unendlicher Liebe. Die
Seite verhalten wir uns oft, als müsste sich Gott für seine
Herrschaft Gottes schließt die Fülle des Segens für alle
Handlungen und Forderungen bei uns erklären oder recht-
Geschöpfe ein.“ (WAB 12)
fertigen. Unser Verhalten drückt oft eher Zweifel an seinem Wesen In seiner spannenden Predigt führt Charles Spurgeon dies
und seinen Geboten aus. Aber wenn ich wirklich glaube,
sehr pointiert aus, indem er darauf hinweist, dass Men-
dass Gott Liebe ist und nur das Beste für uns will, erkenne
schen zulassen, dass Gott überall ist, außer auf seinem
ich ihn dann auch auf seinem Thron an und meine es
Thron! Sie werden ihm erlauben, in seiner Werkstatt zu
ernst, wenn ich bete „Dein Wille geschehe“? Selbst dann,
sein, um Welten zu gestalten und Sterne zu machen. Sie
wenn ich es mir anders gewünscht oder vorgestellt hätte?
werden ihm erlauben, seine Almosen zu verteilen und
Lasse ich Gott wirklich König sein und vertraue darauf,
seine Gaben zu gewähren. Sie werden ihm erlauben, die
dass seine Handlungen, wie auch seine Gebote wirk-
Erde zu stützen und ihre Säulen zu tragen oder die Lam-
lich nur zu unserem Besten dienen? Oder gehöre ich zu
pen des Himmels anzuzünden oder den Sturm zu stillen.
denen, die „mit den Zähnen knirschen“, wenn Gott sich
Sie werden ihm erlauben am Kreuz zu hängen, um unsere
auf seinen Thron setzt und als Souverän handelt?
Schuld zu bezahlen. Aber wenn Gott seinen Thron besteigt, dann knirschen seine Geschöpfe mit den Zähnen, so Spurgeon. Und wenn die Bibel einen herrschenden Gott verkündet und sein Recht, mit seinem Eigentum zu tun, was er will, über seine Geschöpfe nach eigenem Ermessen zu verfügen, ohne sie in der Sache zu befragen, dann werden Menschen dem gegenüber taub – denn Gott auf seinem Thron ist nicht der Gott, den sie lieben!
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Roman Wiens studierte Theologie in Bogenhofen und betreute als Pastor zuletzt die Gemeinde Stuttgart-Mitte. Aktuell macht er einen PhD an der Andrews University (USA).
Lasse ich Gott wirklich König sein und vertraue darauf, dass seine Handlungen und Gebote wirklich nur zu unserem Besten dienen? 5
Aus der Vereinigung
Adventistische Gesundheitszentren
Bereits zahlreich gegründete LifestyleCenter aus aller Welt wurden vorgestellt Wir hatten auch die Gelegenheit, das Gesundheitszentrum Vita Salus in Portugal zu besichtigen. Wundervoll auf einem Hügel mit grandioser Aussicht gelegen, lädt dieser Ort Menschen zum Gesundwerden ein. Das Team kann dort zurzeit bis zu 15 Gesundheitsgäste für NEWSTART-Ge-
Ein Rückblick auf den EUD-Kongress in Coimbra
sundheitswochen und andere Präventivangebote betreuen.
Das BWV-Gesundheitsteam reiste Anfang Mai zum EUDKongress zum Thema „Gründung Adventistischer Gesund-
„Gott hat unseren Sanatorien die Gelegenheit gegeben,
heitszentren“ nach Coimbra in Portugal. Zum Auftakt hielt
ein Werk in Gang zu setzen, das wie ein lebendiger Stein
Generalkonferenzpräsident Ted Wilson eine sehr persönliche
ist, der durch eine unsichtbare Hand gerollt wird. Lasst
Ansprache, die den Aufbau von Lifestyle-Zentren im Zusam-
diesen geheimnisvollen Stein in Bewegung gesetzt wer-
menhang mit der Mission, die großen Städte zu erreichen,
den.“ 7T 59.2
als sein wichtiges Herzensanliegen vortrug. Er betonte, dass die Gesundheitsbotschaft als rechte Hand des Evangeliums
Auf diesem Kongress hatte man den Eindruck, dass
ihren Platz in der Evangeliumsverkündigung zurückbekom-
Gott in dieser Zeit Verantwortungsträger in der General-
men sollte. Diese wäre positiv, mit viel Wärme, Ausgewo-
konferenz- und Divisionsebene und viele Menschen in
genheit und in gewinnender Art und Weise zu präsentieren.
allen Teilen der Welt bewegt, diesen Stein endlich ins Rollen zu bringen. Das bestätigt unser Vorhaben als
In weiteren Ansprachen wurde die Wichtigkeit betont, wel-
BW-Vereinigung, Lifestyle-Zentren in den Gemeinden
che die Gesundheitsarbeit für die Menschen in den Städten
aufzubauen, aber auch ein Sanatorium zu gründen. Dazu
in unserer Zeit haben sollte: „Die Arbeit in den Städten ist die
soll die Gesundheitsarbeit in unserer Vereinigung aktiv
wesentliche Arbeit für diese Zeit. Wenn in den Städten so
durch Fort- und Weiterbildungsangebote im Gesund-
gearbeitet wird, wie Gott es möchte, wird das Ergebnis die
heitsbereich gefördert werden. Des Weiteren bieten wir
Ingangsetzung einer mächtigen Bewegung sein, wie wir sie
Unterstützung für Gemeinden und Gemeindeglieder rund
noch nicht erlebt haben.“ (Medical Ministry, 304) Der Kon-
um das Thema Gesundheit, um die Gesundheitsbotschaft
gress bestand aus einer Reihe von Ansprachen, Workshops
an Mitmenschen in ihrem Umfeld aktiv weiterzugeben. In
zu unterschiedlichsten Themen, was bei einer Gründung und
den nächsten Monaten werden wir konkrete Angebote an
beim Aufbau eines Lifestyle-Centers zu beachten ist.
die Gemeinden versenden.
Das aktuelle Team der Gesundheitsabteilung in Baden-Württemberg mit Alex Konrad, Sara Meiß, Zita Witte und Thomas Knirr.
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Alex Konrad, Gemeinde Backnang, ist Projektmanager des Ressorts Gesundheit in Baden-Württemberg.
Adventistische Gesundheitszentren / Kompetenzen stärken und erweitern
Kompetenzen stärken und erweitern
Lebensfreude ist eng mit Gesundheit und Wohlbefinden verknüpft. Menschen mit der heilenden und heilbringenden Gnade Gottes zu verbinden, ist Ziel der uns anvertrauten Gesundheitsbotschaft.
Einzigartige Kooperation ermöglicht sabbatfreie Gesundheitsausbildung
und fernöstlich-religiösen Behandlungsverfahren. Sie teilt
Gesundheit war, ist und bleibt ein „Dauerbrenner“ im
fe brauchen, die alle Bereiche des Menschseins einschließt
Leben von Menschen. Zu allen Zeiten ist der Spruch von
und dabei der Glaube an Jesus Christus im Zentrum steht.
mit uns die Überzeugung, dass Menschen ganzheitliche Hil-
ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“
Extra für Adventisten sind die Kurse so aufgebaut, dass
Trotz eines ausgefeilten Gesundheitssystems erleben
der Unterricht nicht am Sabbat stattfindet. Der erste
viele Menschen auch im 21. Jahrhundert, dass sie – oft
Kurs (Dauer 8 Monate), der ab Frühjahr 2024 angeboten
durch einen ungesunden, destruktiven Lebensstil bedingt
wird, ist Phytotherapie. Hier wird fundiertes und seriöses
– ernstlich seelisch und/oder körperlich erkranken und da-
Wissen über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten
mit ihre Lebensqualität bedeutend eingeschränkt wird. Als
der traditionellen und wissenschaftlichen Heilpflanzen-
Christen und Adventisten sind wir beauftragt, Menschen
kunde vermittelt. Nach einer ärztlichen Abschlussprüfung
durch einen ganzheitlichen Ansatz mit der heilenden und
bekommt man das Zertifikat zum/zur „Ärztlich geprüften
heilbringenden Gnade Gottes zu verbinden. „Das eigent-
christlichen Heilpflanzenfachmann/-frau“. Im Januar 2025
liche Wesen des Evangeliums ist die Wiederherstellung“
schließt sich der Kurs Aromatherapie an, der nach 5 Mo-
(Ellen White, Sieg der Liebe, S. 801), dass Menschen an
naten ebenfalls mit einer ärztlichen Prüfung abgeschlos-
Körper, Seele und Geist heil werden.
sen werden kann. Ab Juli 2025 besteht die Möglichkeit, das Aufbaustudium für die Heilpraktikerausbildung zu
Damit wir als einzelne und als Gemeinden für diesen
belegen, das eine fundierte Vorbereitung auf die Überprü-
Dienst besser ausgebildet werden können, starten wir als
fung beim zuständigen Gesundheitsamt anbietet.
Baden-Württembergische Vereinigung zusammen mit dem Deutschen Verein für Gesundheitspflege ab 2024 eine Ko-
Weitere Informationen und Anmeldung unter Tel. 07626 -
operation mit der „Schule für christliche Naturheilkunde“
97 30 73 oder Email: info@christliche-naturheilkunde.de
(SCN). Die SCN bietet seit 2009 auf der Grundlage eines
Stichwort: Sabbatfreie Ausbildung
biblisch-christlichen Menschen- und Weltbildes eine naturheilkundliche Ausbildung in Deutschland an. Dabei distan-
Thomas Knirr ist Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau
ziert sie sich ganz bewusst von allen esoterischen, okkulten
und Evangelisation sowie Vizepräsident der BWV.
BWGUNG Aus der Vereinigung
Arthur Schopenhauer gefühlte Realität: „Die Gesundheit
7
Coverstory
Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit? René Gehring „Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Tempel zu den sieben Engeln sagen: Geht hin und gießt die sieben Schalen des Grimmes Gottes aus auf die Erde. Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde ...“ (Offb 16,1-2) Die Stimme aus dem Tempel ist die Stimme von Gott selbst, der sich gerade in seinem Tempel befindet (Offb 15,8). Vom heiligsten Wesen und dem heiligsten Ort aus ergeht der Befehl, der die Erde erschüttern wird. Gott bleibt in seinem Tempel, bis das Werk der sieben Plagen abgeschlossen ist (ebd.) und zeigt damit, dass diese Strafgerichte in dem Gerichtsverfahren begründet sind, das an eben jenem Ort zu Ende ging (Offb 11,18-19; 14,7).
8
Botschaften der drei Engel (Offb 14,6-11), haben ihr Werk getan, den Weg und die Dringlichkeit der
Erlösung aufgezeigt. Die erste Phase des Gerichts ist zu Ende, in dem die Schuld der Gerechten vergeben wurde. Die zweite Phase wird nun in Kürze beginnen, wenn Jesus diese Menschen zu sich holen und ihnen das Gericht „übergeben“ wird (Dan 7,22; Offb 20,4), das sich dann mit der Verurteilung der Gottlosen befassen wird. Zuvor aber muss sich Gott noch einem globalen geistlichen Problem stellen, das seit der Verkündigung der ersten Engelsbotschaft immer größer wurde. Seit die erste Engelsbotschaft („betet den an, der geschaffen hat“; Offb 14,7) gemeinsam mit der eng damit verbundenen Sabbatwahrheit (der Sabbat ist Gedenktag des
Durch Naturkatastrophen möchte Gott die Menschheit aufrütteln, an den Schöpfer und Erhalter zu glauben und ihn anzubeten.
Schöpfungswerkes Gottes: 2 Mose 20,8-11) verkündigt
René Gehring Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?
D
ie letzte Gnaden- und Warnungsbotschaft, die
wird, ist eine andere Ideologie aufgekommen, die man durchaus als religiösen Glauben bezeichnen kann: die
tration seiner Macht über die Natur?
Evolutionslehre. 1844 schrieb Charles Darwin den größten
Und genau das wird er mit den sieben letzten Plagen tun.
Teil seines die gesamte Wissenschaft verändernden Bu-
Wenn diese fallen, hat sich die Welt bereits entschieden.
ches „Über den Ursprung der Arten“ (engl. On the Origin
Es gibt dann nur noch zwei große Gruppen von Men-
of Species by Means of Natural Selection), das schließlich
schen: Zum einen jene, die Gott als Schöpfer angenom-
1859 erschien. Dieses Jahr ging als „Annus Mirabilis“
men haben, den Sabbat als Erinnerungstag an das groß-
(lat. für „wunderbares Jahr“) in die Geschichtsbücher ein
artige Schöpfungswerk halten (Offb 12,17; 14,7.12) und
– wegen Darwins Theorie. Die Weltanschauung unserer
daraufhin mit dem schützenden Siegel Gottes ausgerüstet
Gesellschaft hat sich damals grundlegend verändert. Seine
wurden. Zum anderen die Menschen, die den Schöpfer-
Überzeugungen zum Ursprung der Arten wurden die geis-
gott ablehnten, folglich auch seinen Sabbat missachteten
tige Grundlage für eine Welt ohne Gott, für eine Natur
und statt dem Siegel Gottes das Malzeichen des Tieres
ohne Schöpfer, für Naturgesetze ohne Erhalter. Gott als
annahmen (Offb 14,9-11). Die Versiegelten Gottes trifft
Herr, Vorherseher und Gestalter der Geschichte wusste,
keine der Plagen – sie wissen ja bereits, mit wem sie es zu
dass exakt in dieser Zeit genau diese Botschaft („betet
tun haben. Sie glauben an die Allmacht des Schöpfergot-
den an, der geschaffen hat“) nötig werden würde. Und er
tes. Sie wissen, dass die Schöpfung ohne Schöpfer weder
weiß auch, dass leider nur wenige diesem Aufruf folgen
existieren noch funktionieren kann. Die anderen aber, die
und es durch das Halten des Schöpfungsgedenktages,
den Schöpfer ablehnen, erhalten durch die letzten Plagen
des Sabbats, für alle sichtbar zeigen werden. Die breite
einen unmissverständlichen Beweis, dass die Schöpfung
Masse wird in dem anderen Glauben, der Evolutionslehre,
ihre Existenz, ihren Fortbestand und das Funktionieren der
verhaftet bleiben. Wie kann er diesen Menschen besser
Naturgesetze gerade jenem Wesen verdankt, das sie fort-
zeigen, dass er der Schöpfer ist, als durch eine Demons-
während abgelehnt haben – dem allmächtigen Schöpfer.
Schöpfung oder Schöpfer
Gottes Fürsorge ist grenzenlos. Vom kleinsten Atom bis zur größten Galaxie untersteht alles seiner Befehlsgewalt.
Natur betrifft. Es geht eben nicht um Verkehrsunfälle, wirtschaftliche Zusammenbrüche, Kriege oder andere gesellschaftliche Katastrophen. Es geht um unsere Lebensgrundlage, die Natur: Die erste Plage trifft die Erde, die zweite das Meer, die dritte alle Süßwasserquellen, die vierte die Sonne, die siebte die Luft (Offb 16). Die ganze Natur, die gesamte Schöpfung wird hier in ihrer Existenz bedroht. Die absolut notwendigen Lebensgrundlagen sind
BWGUNG Titelstory
Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Plagen die
plötzlich nicht mehr gesichert. Damit wird allen Leugnern
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der Existenz eines Schöpfers bewusst, dass die Natur
Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Plagen die Natur betrifft. Die absolut notwendigen Lebensgrundlagen sind plötzlich nicht mehr gesichert.
ohne ihren Erhalter verloren ist. „Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herr-
sie bewahren sollen (1 Mose 2,15), muss uns doch immer
schaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn
klar sein, dass die Natur allein ebenso wenig göttliche
und zu ihm hin geschaffen; und er ist vor allem, und alles
Kraft in sich besitzt, wie wir selbst. Ohne den Schöpfer
besteht durch ihn.“ (Kol 1,16-17) Ohne Jesus Christus,
als Erhalter sind wir alle verloren, vom Menschen bis zum
unseren Schöpfer (Joh 1,1-3.14), geht alles zugrunde. Da
Einzeller, vom Elefanten bis zum Grashalm. Nicht einmal
gibt es kein immerwährendes Lebensprinzip, das allen
ein so fundamentales Naturgesetz wie die Gravitation
Widrigkeiten trotzen und den Fortbestand von Natur und
funktioniert ohne die beständige Macht Jesu Christi, wie
Menschheit stets gewähren würde. Die Natur an sich ist
uns Ellen White beiläufig wissen lässt, wenn sie die Wie-
eben nicht göttlich. Sie zeugt nur von Gott (Röm 1,20).
derkunft beschreibt: „Die Natur scheint ihre gewohnte
Wird dieses Zeugnis nicht angenommen, folgt der Rück-
Ordnung verloren zu haben. Die Flüsse fließen nicht mehr.
zug der erhaltenden Kraft des Schöpfers, wie Römer 1
Schwere, dunkle Wolken steigen auf und prallen auf-
bezeugt: „Denn sein unsichtbares Wesen, sowohl seine
einander.“ (Vom Schatten zum Licht, 583) Wenn Gott sich
ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaf-
nicht um den Regen kümmert, kommt er einfach nicht
fung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und
(siehe die dreieinhalb Jahre Dürre zur Zeit des Elia). Wenn
geschaut, damit sie ohne Entschuldigung sind; weil sie
er sich nicht um die Sonne kümmert, scheint sie nicht
Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch
(Mt 24,29; Offb 6,12). Er allein gibt Regen und Sonnen-
ihm Dank darbrachten … sie, welche die Wahrheit Gottes
schein (Mt 5,45). Ohne ihn hören wir augenblicklich auf
in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf Verehrung und
zu existieren, „denn in ihm leben wir und bewegen uns
Dienst dargebracht haben statt dem Schöpfer … deswe-
und sind wir“ (Apg 17,28). Der Gott der Bibel ist nicht
gen hat Gott sie dahingegeben …“ (Röm 1,20-21.25-26)
denkbar ohne seine Schöpferkraft. Wie konnte es so weit kommen, dass Millionen von Christen heute an einen
Genau das erleben wir heute: „Dem Geschöpf wird Ver-
ausgehöhlten, entleerten „Gott“ glauben, der nicht die
ehrung und Dienst dargebracht statt dem Schöpfer“ (Vers
Macht besitzt, zu erschaffen, Brot zu vermehren, über das
25). Das wird in Debatten um Natur- und Klimaschutz
Wasser zu gehen und Tote aufzuerwecken?
ebenso deutlich, wie in den immer eindringlicheren Welt-
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untergangswarnungen, die mit religiösem Eifer verkündigt
Um diesem falschen Gottesbild zu begegnen, ist es un-
werden. Während wir als Repräsentanten des Schöpfers
umgänglich, dass der Schöpfer seine Macht demonstriert.
über dessen Schöpfung herrschen (1 Mose 1,26.28) und
Daher ist ein großer Teil der Endzeitvorhersagen auf die
Galaxie untersteht alles seiner Befehlsgewalt. Selbst seine
Gott ist immer der richtige Ansprechpartner für uns, wenn uns Sorgen, Unverständnis, Kummer oder auch Freude treffen.
stärksten Feinde, die Dämonen, abtrünnige Engel, die gegen Gottes Herrschaft rebellieren, müssen sich seinem Befehl beugen (Lk 8,27-33). Jeder weltliche Machthaber untersteht seinem Ratschluss, wird von ihm ein- oder abgesetzt (Dan 2,21; 4,32; Röm 13,1-2). Damit ist auch das Handeln der Gottlosen, der Dämonen, ja auch Satans Agieren, immer der bewahrenden, eindämmenden, schützenden Fürsorge Gottes unterstellt. Sogar vermeintlich negative Schicksalsschläge haben ihren Platz in seinem unbegreiflichen, gütigen Plan (z. B. Joh 9,2-3; 11,4).
Natur bezogen. Das beginnt bei den Katastrophen auf
Von dieser Perspektive aus betrachtet, trägt Gott natürlich
der Erde (Mt 24,7: Hungersnöte, Erdbeben) und erstreckt
die Verantwortung für einfach alles, was auf dieser Welt
sich bis zum Himmel, durch die Verfinsterung von Sonne
(und irgendwo anders) geschieht. Er ist damit immer der
und Mond (Vers 29). Schon immer war die Natur das
richtige Ansprechpartner für uns, wenn uns Sorgen, Un-
Gebiet, auf dem Gott seine Macht bewies (siehe z. B. Joel
verständnis, Kummer oder auch Freude treffen. Wir dür-
2,23-26; Mal 3,11) und uns zeigt, wie sehr wir von ihm
fen alles aus seiner Hand nehmen (Hiob 1,21). Dadurch
abhängig sind (z. B. Hag 1,5-11; 2,15-19).
wird auch das schlimmste Leid zumindest erträglich – es
René Gehring Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit?
sorge ist grenzenlos. Vom kleinsten Atom bis zur größten
wird durch seine gütige Vaterhand für uns sinnvoll, wert-
Gottes Verantwortung für Naturkatastrophen
voll, auf ein gutes und gütiges Ziel gerichtet (Röm 8,28).
Gott ist der Garant der Naturgesetze und damit des
Das bedeutet im Umkehrschluss aber eben nicht, dass er
Lebens. Wenn hier etwas aus dem Ruder läuft, dann nicht
alle Krisen und Katastrophen aktiv auslösen würde. Vieles
zufällig oder versehentlich. Es kann nur dann zu Katastro-
von dem, was Natur und Menschheit widerfährt, ist ein-
phen kommen, wenn er es zulässt. „Verkauft man nicht
fach das Resultat falscher Verhaltensweisen, die Folge von
fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott
Sünden. Sie gehen dann nur mittelbar auf Gott zurück,
nicht einer von ihnen vergessen. Aber auch die Haare auf ihr seid besser als viele Sperlinge.“ (Lk 12,6-7) Gottes Für-
Gott ist der Garant der Naturgesetze und des Lebens. Es kann nur dann zu Katastrophen kommen, wenn er es zulässt.
BWGUNG Titelstory
eurem Haupt sind alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht;
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Prophetische Einblicke Ellen White hebt den Vorhang hin zur unsichtbaren Welt
Vieles von dem, was Natur und Menschheit widerfährt, ist einfach das Resultat falscher Verhaltensweisen, die Folge von Sünden.
etwas und lässt uns wissen, dass wir in der Regel davon ausgehen dürfen, dass Satan die Katastrophen bewirkt – dort, wo Gott aufgrund unbeachteter Warnungen seine Hand zurückziehen muss: „Gottes Gerichte kommen dadurch über die Menschen, dass diese sich selbst außerhalb seines Schutzes stellen. Er warnt, ermahnt und tadelt, er weist sie auf den einzig sicheren Weg hin. Wenn diejenigen, um die er sich besonders bemüht hat, ihren eigenen Zielen folgen, unabhängig vom Geist Gottes, und sie trotz wiederholter Warnungen ihren eigenen Weg wählen, dann wird er seinen Engeln nicht befehlen, Sa-
indem er seine schützende Hand abzieht und uns den
tans entschlossene Angriffe abzuwenden. Es ist die Macht
Folgen unseres eigenen Verhaltens überlässt. So ist wohl
Satans, die auf den Meeren und auf dem Land Katastro-
auch die Aussage des Propheten Amos zu verstehen, der
phen und Leid hervorruft und viele zu seiner sicheren
bezeugt: „Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und
Beute macht.“ (Christus kommt bald, 171)
der HERR hat es nicht bewirkt?“ (Amos 3,6) Das lässt aufhorchen. Ergänzt wird diese Aussage durch die Erklärung,
Vor diesem Hintergrund sind auch andere Aussagen aus
dass „der Herr, HERR, nichts tut, es sei denn, dass er sein
ihrer Feder zu verstehen: „Gott räumt den Menschen Zeit
Geheimnis seinen Knechten, den Propheten, enthüllt hat.“
zur Bewährung ein. Aber es gibt einen Punkt, an dem die
(Amos 3,7) Er hat uns längst enthüllt bzw. prophezeit, dass
göttliche Geduld erschöpft ist und die Gerichte Gottes die
verschiedene Naturkatastrophen auf uns zukommen wer-
sichere Folge sind. Gott erträgt Menschen und Städte lan-
den. Die konkreten Ursachen hierfür lässt er aber offen.
ge und warnt sie in seiner Barmherzigkeit, damit sie vor
Inwieweit er selbst sie bewirkt, seine schützende Hand
seinem heiligen Zorn bewahrt werden. Doch die Zeit wird
abzieht, damit Satan wirken kann oder ob es sich einfach
kommen, wenn die Bitten um Gnade nicht mehr gehört
um natürliche Folgen unseres eigenen menschlichen Verschuldens handelt, bleibt leider häufig im Dunkeln – und ist für uns auch nicht wirklich entscheidend. Als Christen dürfen wir alles aus der Hand unseres Vaters annehmen und eine heilsrelevante Absicht dahinter erwarten.
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Es ist die Macht Satans, die auf den Meeren und auf dem Land Katastrophen und Leid hervorruft und viele zu seiner sicheren Beute macht.
René Gehring Naturkatastrophen als Strafgerichte der Endzeit? Ausbrüche ungezügelter und chaotischer Naturgewalten gehören zu Gottes Maßnahmen, die Menschen auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam zu machen.
„Ein einziger Engel tötete die Erstgeborenen der Ägypter und brachte große Klage über das Land. Als David gegen den Willen Gottes verstieß und das Volk zählen ließ, verursachte ein Engel jene schreckliche Vernichtung, mit
und die rebellischen Menschen ausgerottet werden, weil
der Davids Sünde bestraft wurde. Die gleiche zerstörende
sie das Licht der Wahrheit fortgesetzt zurückgewiesen ha-
Macht, die heilige Engel ausübten, als Gott es befahl,
ben. Es geschieht aus Barmherzigkeit gegen sie selbst und
führen böse Engel aus, wenn Gott es zulässt. Diese
gegen jene, die sich von ihrem Vorbild haben beeinflussen
Kräfte stehen nun bereit und warten nur auf die göttliche
lassen. Die Zeit ist nahe, in der die Welt mit Leid erfüllt
Freigabe, um überall Verwüstungen anzurichten.“ (Vom
wird, das kein menschliches Mittel heilen kann. Der Geist
Schatten zum Licht, 561) Solange es noch genügend Ge-
Gottes zieht sich zurück. Unglücksfälle zu Wasser und zu
rechte gibt, werden viele Katastrophen zurückgehalten:
Land nehmen in schneller Folge zu. Wie oft hören wir von
„Der Herr liebt Barmherzigkeit und im Interesse einiger
Erdbeben und Wirbelstürmen, von Verheerungen durch
Weniger, die ihm aufrichtig dienen, hält er Katastrophen
Feuer und Fluten mit großen Verlusten an Menschenleben
zurück und verlängert für viele Menschen die Zeit des
und Sachwerten! Es hat den Anschein, als ob diese Un-
Friedens. Menschen, die gegen Gott sündigen, ahnen
glücksfälle nichts anderes als unberechenbare Ausbrüche
kaum, dass sie ihr eigenes Leben gerade den wenigen
chaotischer und ungezügelter Naturgewalten wären, die
Treuen verdanken, die sie selbst so gerne verspotten und
vom Menschen nicht beherrscht werden können. Aber
unterdrücken.“ (Vom Schatten zum Licht, 576)
zu seinen Maßnahmen, um die Menschen auf die ihnen
Diese Prinzipien galten schon während der gesamten
drohende Gefahr aufmerksam zu machen. …
Menschheitsgeschichte. Eine neue Qualität der Zerstörung
Wir stehen an der Schwelle der größten Krise aller
wird aber erreicht werden, wenn Gott am Ende im Rah-
Zeitalter. Schnell werden Gottes Gerichte aufeinander
men der sieben letzten Plagen (erstmals) seine Hand völlig
folgen: Feuer, Flutkatastrophen und Erdbeben, Kriege und
zurückzieht und die Katastrophen nicht mehr durch seine
Blutvergießen. Wir sollten nicht überrascht sein, wenn
Gnade abgemildert werden. Diese Katastrophen werden
jetzt große und entscheidende Ereignisse eintreten, denn
dann so enorm sein, dass sie die ganze Welt zerstören
der Engel der Gnade kann Unbußfertige nicht länger
würden, wären sie nicht zumindest räumlich begrenzt:
schützen.“ (Macht und Ohnmacht, 186-188) Wo es nötig
„Hier handelt es sich nicht um weltweite Plagen, sonst
ist, setzt Gott aber auch seine eigene Macht ein, um
würden die Bewohner der Erde völlig ausgerottet werden.
Strafgerichte zu bewirken, während ein anderes Mal die
Trotzdem werden sie die schrecklichsten Geißeln sein,
Engel Satans ihr Werk tun, soweit Gott es ihnen gestattet:
die sterbliche Menschen je erlebt haben werden. Alle Ge-
BWGUNG Titelstory
darin kann man die Absicht Gottes erkennen. Sie gehören
13
herein, weil Gottes Schutz unerwünscht ist und er seine schützende Hand abziehen muss. Wieder andere werden
Als Christen dürfen wir alles aus der Hand unseres Vaters annehmen und eine heilsrelevante Absicht dahinter erwarten.
direkt von Gott bewirkt – aber stets mit der gütigen Absicht, die Menschen noch zur Umkehr zu bewegen. Bei den sieben letzten Plagen, die nach Ablauf des Gerichts im Himmel und damit nach dem Ende der Gnadenzeit fallen werden, wird es das erste und einzige Mal in der gesamten Welt- und Heilsgeschichte anders sein. Da ist niemand mehr zu retten, alle haben ihre endgültige Entscheidung getroffen. Dann wird es „nur“ noch darum gehen, allen deutlich zu zeigen, mit wem sie es zu tun haben. Dass es einen Schöpfer gibt, der in seiner Macht
richte, die vor Beendigung der Gnadenzeit über die Men-
unendlich weit über der Schöpfung und den Naturgeset-
schen kamen, waren mit Gnade vermischt. Das rettende
zen steht. Der es vermag, den Toten Leben zu schenken
Blut Christi schützte den Sünder davor, das volle Strafmaß
– nur durch sein Wort. Der eine neue Erde schafft – ganz
zu erhalten. Doch beim Endgericht wird der Zorn Gottes
ohne Evolution.
ungehemmt und ohne Gnade ausgegossen werden. An jenem Tag werden viele den Schutz der göttlichen Gnade
Jedes Knie wird sich am Ende, von der Größe und Macht
begehren, die sie bis dahin verachtet haben.“ (Vom Schat-
des Schöpfers überwältigt, anerkennend vor ihm beugen
ten zum Licht, 573)
(Jes 45,23; Phil 2,10-11). Wie viel besser ist es, das jetzt schon zu tun, indem man die dreifache Engelsbotschaft
Ausblick
annimmt und sich damit auf die Seite des allmächtigen
Die für die Endzeit vorhergesagten Katastrophen sind
Schöpfergottes stellt, der aus jeder Krise und allen Kata-
nicht allein Folgen natürlicher Vorgänge. Auch wenn
strophen retten kann und wird!
Menschen sie verursacht haben, sei es durch folgenreiche Eingriffe in die Natur oder durch (andere) Sünden, so kommt doch stets eine geistliche Komponente hinzu. Manche Katastrophen werden hinausgezögert, weil die Zeit der Gnade noch nicht verstrichen ist. Andere brechen
Der Herr liebt Barmherzigkeit, und im Interesse einiger Weniger, die ihm aufrichtig dienen, hält er Katastrophen zurück und verlängert für viele Menschen die Zeit des Friedens.
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René Gehring studierte Theologie, Geschichte und Altertumswissenschaften. Inzwischen ist er Dozent für Theologie sowie Direktor vom Seminar Schloss Bogenhofen (Österreich).
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Ehewochenende Wenn das WIR gewinnt – Die Architektur unserer Ehe
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Kipppunkte in der Bibel Es gibt Punkte, an denen eine Grenze überschritten wird. Eine Tat lässt sich nicht mehr ungeschehen machen oder ein vermeintlich schleichender Prozess erreicht einen Punkt, der das Fass auf einmal zum Überlaufen und das System zum Kippen bringt. Welche solcher „Kipppunkte“ wir auch in der Bibel finden und was das letztendlich für uns bedeutet – darüber schreibt Bernd Sengewald hier.
Bernd Sengewald Kipppunkte in der Bibel
Was tun, wenn sich Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen lassen?
Kipppunkte in der Natur Es sind eisige Weiten in Grönland. Über achtzig Prozent der zwei Millionen Quadratkilometer Landfläche ist mit Eis bedeckt. Durchschnittlich ist das Eis 1,5 Kilometer dick. An manchen Stellen sogar über drei Kilometer. Das macht ein Volumen von mehr als zweieinhalb Kubikkilometern Eis aus. Würde dieses Eis vollständig abschmelzen, würde weltweit der Meeresspiegel um mehr als sieben Meter steigen.1 Und es schmilzt immer weiter ab. Seit der Jahrtausendwende fällt nicht mehr genug Schnee und immer mehr Boden liegt frei. Boden aber, der nicht mehr mit Schnee bedeckt ist, wärmt sich schneller auf. Gleichzeitig wird die Eisdecke immer dünner und befindet sich dadurch mit ihrer Oberfläche in wärmeren Luftschichten. Das Eis taut noch schneller und auch das Schmelzwasser reflektiert das Sonnenlicht nicht so gut wie das Eis. Lauter kleine Veränderungen. Für sich genommen macht das vielleicht nichts aus. Aber zusammengenommen addieren
Über achtzig Prozent der zwei Millionen Quadratkilometer Landfläche Grönlands ist mit Eis bedeckt. An manchen Stellen ist die Eisfläche sogar über drei Kilometer dick.
die Effekte sich nicht nur, sie multiplizieren sich. Irgendwann ist der Effekt unumkehrbar, und auch vor diesem
komplexen Systemen dieser Erde.4 Diese stützen sich
Punkt lässt er sich nur sehr schwer verlangsamen und
gegenseitig,5 kippt eines, sind auch die anderen davon
noch langsamer umkehren.2 „Kommt ein System an einen
betroffen und es kann zu einer Kaskade von Veränderun-
Kipppunkt, ändert sich sein Zustand, und zwar nicht etwa
gen kommen.6
gleichförmig, sondern sprunghaft.“3 Der Eisschild Grönlands ist nur eines von vielen miteinander verbundenen
Ein System, welches gekippt ist, wird hinterher nie wieder das Gleiche sein. So wie ein See, wenn er einmal umgekippt ist. Er wird vielleicht einen anderen stabilen Zustand finden, aber nie wieder der gleiche sein. Oder wie unsere Zellen, die am Anfang der Entstehung eines Menschen im Mutterleib denselben genetischen Bauplan haben (sie sind „totipotent“) und im Laufe der Zellvermehrung immer mehr Zellen entwickeln, die sich spezialisieren. Z.B. Haut-, Leber- oder Muskelzellen werden. Haben sich Zellen erst einmal spezialisiert, ist der Prozess nicht mehr umzukehren. Illustriert wird dieser Prozess gerne mit einer Murmel, die ganz oben von einem Gebirge in die Täler hinabrollt. Ist sie erst einmal in eines der Täler gerollt, kann sie nicht
BWGUNG Bibel
Ein Blick auf Naturphänomene zeigt, dass es mit geistlichen Prinzipien aus der Bibel erstaunliche Ähnlichkeiten gibt.
mehr zu einem Nachbartal wechseln, sondern muss
17
immer weiter abwärtsrollen und wird mit jeder weiteren Verzweigung des Tales immer wieder nur eine der Ver-
Das Essen einer Frucht mit unumkehrbaren Folgen: Adams und Evas gute Beziehung zu Gott zerbricht, es gibt gegenseitige Beschuldigungen und Schmerzen, Mühsal sowie der Tod halten Einzug.
zweigungen hinabrollen können.7
Kipppunkte in der Bibel
Erstaunlich ist immer wieder Gottes Gnade und Langmut
Auch bei Adam und Eva ändern sich alle Verhältnisse
mit seinem Volk oder auch mit einzelnen Personen. Als
sprunghaft, nachdem sie von der Frucht gegessen haben.
er die Israeliten aus Ägypten rief – das war ca. das Jahr
Die gute Beziehung zu Gott zerbricht, es gibt gegenseitige
1.450 v. Chr. – da schloss er einen Bund mit ihnen und
Beschuldigungen, Schmerzen kommen auf, die Arbeit
sagte ihnen auch, was alles zu diesem Bund gehört. Doch
wird mühsam und der Tod nach einem harten Leben hält
das Volk Gottes hielt sich oft nicht daran. Immer wieder
Einzug (1 Mose 3).
schickte Gott Propheten, die die Abweichungen des erwünschten Verhaltens anprangerten. Doch es wurde
Es gab eine einzelne Handlung von Adam und Eva (die
laut den biblischen Berichten nicht besser. Und ähnlich,
Frucht nehmen und essen), und diese konnte ganz offen-
wie die Eismasse Grönlands immer weiter wegerodiert
sichtlich nicht durch eine einzelne Handlung revidiert
und die Gefahr immer größer wird, den Kipppunkt zu
werden, sondern braucht eine zeitlich und aktionsmäßig
erreichen, so erodierte auch die Festigkeit des Bundes
vielfach längere Erlösungsstrategie, um wieder ein gutes,
zwischen dem Volk Israel und Gott immer weiter – bis es
lebenswertes und stabiles System zu schaffen.8
zum Kipppunkt kam. 722 v. Chr. wurden die zehn Stämme Israels weggeführt und kehrten nie wieder zurück.
Interessanterweise ist das neue System, das Gott schaffen
Die Wegführung der beiden Stämme Juda und Benjamin
wird, nicht mehr identisch mit dem vom Anfang. Wenn
nach Babylon folgte um 600 v. Chr. Sie hatten zwar die
der neue Himmel und die neue Erde geschaffen worden
Verheißung, dass sie wieder in das Gelobte Land zurück-
sind, dann befindet sich der Regierungssitz Gottes auf
kehren würden, aber bei den die Rückkehr begleitenden
der neuen Erde, die zweite Person der Gottheit – Jesus
Prophezeiungen (z.B. Dan 9,24-27) ist zu sehen, dass
Christus – hat sich für immer mit dem Menschlichen ver-
schon Plan B initiiert worden war. Die Bedingungen
bunden und die Erlösten regieren mit Gott – um nur ein
waren gekippt und ein verändertes Erlösungsgeschehen
paar Beispiele zu nennen.
nahm seinen Lauf.
9
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Beziehung zu Gott wurde verändert, er selbst war ge-
Kommt ein System an einen Kipppunkt, ändert sich sein Zustand, und zwar nicht gleichförmig, sondern sprunghaft.
brochen, sein Einfluss bei seinen Untertanen geschwächt, „das Bewusstsein seiner Schuld ließ ihn schweigen, wo er die Sünde hätte verurteilen müssen“11, und durch das Verhalten seiner Söhne nahm viel Unheil seinen Lauf, wie z.B. Vergewaltigung, Mord, Intrige und Krieg (2 Sam 1318). Viele kleine Dinge verstärken einander. Am Anfang merkt man es vielleicht nicht so sehr, aber es kann so weit anwachsen, dass wir als Menschen in letzter Konsequenz unser Heil verlieren können. Im Zusammenhang mit seiner Verwerfung durch die Pharisäer spricht Christus es an:
Bernd Sengewald Kipppunkte in der Bibel
gesamt vier seiner Söhne, die ums Leben kamen.10 Davids
Dauernde Ablehnung des Wirkens des Heiligen Geistes
Wir als Einzelne
kann dazu führen, dass man für seine Stimme taub wird
Viele kleine Entscheidungen in unserem Leben scheinen
und uns dessen rettender Einfluss dann nicht mehr errei-
erst einmal keine großen Auswirkungen zu haben. „Ein-
chen kann.12 Der Pharao verhärtete sein Herz gegen Gott
mal ist keinmal!“, wird gerne gesagt. Doch die Wirklich-
immer mehr13 und Judas Iskariot wehrte sich gegen Jesu
keit ist wohl anders. Als König David auf dem Dach seines
Werben, bis es zum unumkehrbaren Ende kam.14
Königspalastes flanierte, da sah er etwas, was seinen Augen gefiel. Er ließ sich verleiten seine Macht auszunut-
Von daher tun wir gut daran, den Rat von Paulus aus
zen, Batseba zu sich in den Palast zu holen und mit ihr zu
Römer 12,2 zu beherzigen: „Deshalb orientiert euch nicht
schlafen. Um seine Sünde zu kaschieren, griff er erst zur
am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt,
List, und als diese nicht gelang, ließ er einen treuen Unter-
sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer
gebenen ermorden (1 Sam. 11,1-27). Vom Propheten
Denkweise in neue Menschen verwandeln.“ Wenn wir
Nathan zur Rede gestellt (1 Sam 12,1), bekannte er sich
uns für „ein Tal“ entscheiden, dann am besten mit und
schuldig, wodurch zwar seine Todesstrafe aufgehoben
für Gott. Petrus sagte zu Pfingsten, dass Umkehr, also
wurde (1 Sam 12,13), aber die Folgen seiner Taten sein Herrn wurden zum Lästern gebracht (1 Sam 12,14), der neugeborene Sohn starb und zum Schluss waren es ins-
Viele kleine Entscheidungen in unserem Leben scheinen erst einmal keine großen Auswirkungen zu haben. Doch irgendwann ist der Kipppunkt erreicht und es kann zu einer Kaskade von Veränderungen kommen.
BWGUNG Bibel
gesamtes Leben lang spürbar waren. Die Feinde des
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Gott hält all die komplexen Geschehen fest in seiner Hand. Was er tut, dient zu unser aller Besten. Ausrichtung auf Jesus Christus, ein ganz wichtiger Schritt ist, um nach der Taufe den Heiligen Geist zu empfangen (Apg 2,38). Wenn der Heilige Geist in einem wohnt, dann wohnen gleichzeitig auch Jesus Christus und Gott Vater in einem (Joh 14,16-20). Wir sind dadurch zu „einer neuen Kreatur“ geworden (2 Kor 5,17). Wir wurden zu Kindern
„Richtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, rein, liebenswert und schön ist“ (Phil 4,8).
Gottes (Joh 1,12). Durch das Wirken des Heiligen Geistes werden Früchte sichtbar (Gal 5,22) und es ist wichtig, dass wir auf Dauer eng mit ihm verbunden bleiben (Eph 4,30) und fest werden im Glauben (Eph 4,11-16). Sollten wir einmal im Glauben stehend entschlafen, dann werden wir zu den Geretteten gehören (Offb 2,10c; 7,9-17). Ein Geschenk, welches uns für immer gehören wird und das uns niemand nehmen kann. Kurzgefasst: Jede Gewohnheit hat eine bestimmte Kraft und zieht in eine bestimmte Richtung. Auf Dauer prägen diese unseren Charakter und damit unser Leben. Horace Mann soll gesagt haben: „Gewohnheiten sind wie ein Kabel. Wir flechten jeden Tag einen Strang dazu, und bald können sie nicht mehr reißen.” Wenn wir positive Gewohnheiten entwickeln, werden sie sich gegenseitig verstärken. Genau das werden aber auch negative Gewohnheiten tun. Und irgendwann laufen die Dinge möglicherweise in erdrutschartiger Geschwindigkeit ab. Nicht umsonst hat Salomo den Spruch geprägt: „Achte auf deine Gedanken und deine Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben” (Spr 4,23), und passend dazu ließ Paulus aufschreiben: „Richtet eure Gedanken auf das, was gut ist und Lob verdient, was wahr, edel, gerecht, rein, liebenswert und schön ist“ (Phil 4,8).
Quellen: 1 https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6nl%C3%A4ndischer_Eisschild, zugriff 03.10.2022 2 Maja Göpel: Wir können auch anders – Aufbruch in die Welt von morgen, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2022, S. 64-65 3 Göpel, aao., S. 58 4 Andere Systeme sind z.B. das Klima, der Zustand der Ozeane, die Menge des Süßwassers, die Biodiversität und die Fläche der Erde, die mit Wald, Mooren und Grasland bedeckt ist; Göpel, aao., S. 45 5 Göpel, aao., S. 41 6 Göpel, aao., S. 61-62 7 Dirk Brockmann: Im Wald vor lauter Bäumen – Unsere komplexe Welt besser verstehen, dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München, 2. Aufl. 2021; S. 125-128.135-139 8 Ellen White schreibt: „Eine unrechte Tat lässt sich nicht ungeschehen machen. So kann es kommen, dass ein ganzes Lebenswerk nicht aufzuwiegen vermag, was in einem einzigen Augenblick verlorenging, weil man der Versuchung nachgab oder nur gedankenlos war.“ Ellen G. White: Wie alles begann, gr. A., S. 330 9 Offb 21,1-5.23-22,5; 3,21; Joh 20,24-29 10 Der erste Sohn Davids mit Batseba (2 Sam 12), Amnon (2 Sam 13), Absalom (2 Sam 18) und Adonija (1 Kö 1). Siehe Davids eigener Urteilsspruch: „Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.“ (2 Sam 12,6) 11 EGW, WAB, 551.552 12 Mt 12,22-32: „Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben (V. 31); vgl. Jak 1,13–15 (LU): „Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Der Sieg der Liebe, S. 243: „Wer (Gottes) Licht verschmäht, dessen Augen werden blind und dessen Herz verhärtet sich. Dies ist ein schleichender Vorgang und wird kaum wahrgenommen.“ S. 245: „Jeder ablehnende Schritt Christus gegenüber bringt uns einen Schritt näher dazu, die Erlösung zu verwerfen und die Sünde gegen den Heiligen Geist zu begehen.“ 13 2 Mose 4,21; 7,3.13.14.22; 9,34; 1 Sam 6,6; vgl. ABC, Bd. 1, S. 516-517; EGW, WAB, S. 197-198 14 Joh 14,27.30; Mt 27,3-5; Der Sieg der Liebe, S. 552-557 15 Dirk Brockmann, aao., S. 13-21; Siehe z.B. auch: Manjana Milkoreit, u.a.: Defining tipping points for social-ecological systems scholarship—an interdisciplinary literature review, OPEN ACCESS https://iopscience.iop.org/ article/10.1088/1748-9326/aaaa75
„Disclaimer“ Interdisziplinäres Arbeiten wird immer mehr zur Normalität und entsprechend in der Forschung umgesetzt.15 Dabei sollte man bei der Übertragung von Naturgesetzen auf Geistliches natürlich Vorsicht walten lassen, aber aus meiner Sicht scheint es bei komplexen Naturphänomenen, die sich gegenseitig verstärken, starke Parallelen zu unserem geistlichen Leben zu geben. Vielleicht kann der ein oder andere meine Faszination teilen.
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Bernd Sengewald studierte Theologie in Darmstadt und Newbold. Er ist Bezirkspastor der Gemeinden Kornwestheim und Ludwigsburg sowie Mitglied im Redaktionsteam.
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Adventistische Bekenntnisschulen
Offene Türen – Zuhause in Landshausen Es gibt große Pläne für den Schulstandort Zeutern: Ein Umzug steht bevor. Wo die Reise hingeht und wie es dazu kam, dass eine alte Dorfschule „wiederbelebt“ wird und an diesem geschichtsträchtigen Ort statt Stille bald wieder Kinderlachen erklingen kann, davon berichtet Markus Witte hier.
Mitten im Kellergewölbe finden wir uns wieder, Bürger-
einem blau-gelben Schild steht: Herzlich willkommen. Nur
meister, Amtsleiter und Hausmeister führen uns durch die
eine Nacht waren hier geflüchtete Familien aus der Ukrai-
Wölbungen, hier und da ein Lichtstrahl, der von außen
ne untergebracht, jetzt steht alles leer. Die Kellertür öffnet
durchdringt. Es riecht ein wenig wie in einem guten Erdkel-
sich, es wird Licht. Die Stufen hinauf und wir stehen auf
ler, als wollten sich Wurzelgemüse und Kartoffeln dort be-
dem Schulhof unter einem großen Walnussbaum.
heimaten und einlagern lassen. Der Boden aus Lehm und Schotter. Ein Haus voller Geschichte und Geschichten…
Doch beginnen wir beim Anfang unserer Geschichte – einige Wochen zuvor im Herbst 2022: Kirsten ist zu Besuch
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Wir öffnen eine Tür. Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde
und macht einen Spaziergang durchs Dorf. Plötzlich fällt
hier in einem Keller ein junger schottischer Kriegsgefan-
ihr etwas ins Auge. Sie bleibt stehen, schaut näher hin und
gener festgehalten, erzählt mir Martin, ein Bürger aus
mustert es prüfend. Es ist das markanteste Bauwerk im Ort.
Landshausen. In den Monaten vor Kriegsende hatten sie
Ungenutzt steht es da, als wolle es fast wehmütig ausrufen:
den Piloten der Royal Air Force reichlich mit Lebensmitteln
„Mach etwas aus mir!“ Die Architektur im Baustil des His-
versorgt, er behielt die Menschen von Landshausen in
torismus, ein Schulhaus von 1883. Wieder zuhause geben
guter Erinnerung. – In der Etage über unseren Köpfen ste-
Kirsten und ihre Familie uns Bescheid und weisen auf die
hen noch Stockbetten, aufgebaut in Klassenräumen, auf
mit dem Gebäude verbundenen Möglichkeiten hin.
Regierungspräsidium, Kultusministerium und zuletzt mit
Die Stadt öffnet die Türen: Gartengrundstück, Spielplatz, Sportplatz, Turnhalle und viel Platz auf dem Land stehen uns zur Verfügung.
dem Gemeinderat der Stadt Kraichtal: Wir erfahren Zustimmung. Eine Tür nach der anderen öffnet sich, selbst wenn wir zwischenzeitlich viel Geduld und Glauben benötigen – und vor allem Gebet: Gott kommt nie zu spät. Die Gremien unserer Freikirche beschließen den Kauf und Umbau der Schule in Landshausen, dem östlichsten Ortsteil der Stadt Kraichtal. In dieser Gegend treffen die Landkreise Karlsruhe und Heilbronn aufeinander, etwas weiter nördlich der Rhein-Neckar-Kreis mit Heidelberg, südlich der Enzkreis mit Pforzheim.
Szenenwechsel – Einige Tage zuvor, rund 10 km Luftlinie
Anfang Juli 2023: Im Schulhof von Landshausen bildet
weiter westlich: Es ist „Schulforum“, das Beratungsgremium
sich ein großer Kreis, rund 40 Bürgerinnen und Bürger
an unserer Schule in Zeutern tagt. Wir überlegen, wie sich
sind gekommen. Eingeladen hat der Bürgermeister, ich
die Schule weiterentwickeln kann, wieder einmal. Wir brau-
stelle unser ganzheitliches Schulkonzept vor. Generationen
chen dringend neue Räume, mehr Platz für unsere Schule.
sind durch diese Schule gegangen, alle bringen Erinnerun-
1997 in Bruchsal gegründet, seit 1998 in Zeutern, sind wir
gen mit und sind sich einig: Das Schulhaus soll eine Schule
nun an der Kapazitätsgrenze angekommen. Nadine und
bleiben. Ein Stadtrat erzählt: Er war als Kind vor 35 Jahren
Nicole, unsere Elternvertreterinnen, wünschen sich, dass
dabei, als der Walnussbaum auf dem Schulhof gepflanzt
die Schule nicht in die Rheinebene zieht, wo die Städte
wurde. Wir sind herzlich willkommen. Landwirte, Hand-
sind, sondern weiter in den Kraichgau, dem Land der 1000
werksbetriebe und Vereine wollen mit unserer Schule ko-
Hügel. Obwohl sie keine Mitglieder unserer Freikirche sind,
operieren. Die Stadt öffnet die Türen: Gartengrundstück,
begründen sie ihre Präferenz mit Hinweisen von Ellen White
Spielplatz, Sportplatz, Turnhalle stehen uns zur Verfügung,
über Schulstandorte. Umgehend kommt mir die Geschichte
viel Platz auf dem Land. Vor uns liegt ein Bauprojekt, Re-
von Abraham und Lot in den Sinn, ein Moment des Dankes
novierungen stehen an, im Herbst 2024 wollen wir umzie-
und der Demut erfüllt mich. Auf dem Heimweg bekomme
hen. – In Jeremia 29,7 steht unser Auftrag, das Motto für
ich die tiefe Gewissheit, dass Gott Türen öffnen wird.
den Umzug: »Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.«
Markus Witte Offene Türen – Zuhause in Landshausen
Bürgermeister, Liegenschaftsamt, Denkmalschutzbehörde,
Was folgt, sind Gutachten, viele Ortstermine und Ge-
Ab Herbst 2024 das zukünftige neue Zuhause der Adventistischen Bekenntnisschule Zeutern: die ehemalige Grundschule von Kraichtal-Landshausen. Hier zu sehen ist die Gebäuderückseite vom Schulhof aus.
Markus Witte, Gemeinde Backnang, ist Abteilungsleiter für Erziehung & Bildung der Freikirche in BadenWürttemberg.
BWGUNG Adventistische Bekenntnisschulen
spräche – mit Vereinsmitgliedern des Schulträgervereins,
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Ehe und Familie
Alltagsstress als Beziehungskiller Wer kennt ihn nicht – den Alltagsstress? Getrieben von einem Termin zum nächsten hat der Tag einfach nie genug Stunden. Es werden Abstriche gemacht und oftmals leidet nicht zuletzt die Partnerschaft besonders darunter. Annika Looser Grönroos widmet sich genau diesem Phänomen unserer Gesellschaft. Dabei zeigt sie nicht nur dessen ernste Gefahren auf, sondern ermutigt auch praktisch, in die eigene Ehe zu investieren, „bevor der Stress sie scheidet“.
Chronischer Stress scheint in unseren Breitengraden zum
abläuft, nehmen wir das Ergebnis oftmals erst wahr,
kollektiven Schicksal geworden zu sein. Die alltägliche
wenn der Schaden bereits entstanden ist. Die kleinen
Überbelastung führt uns weit über unsere persönlichen
Banalitäten im Alltag, wie einen Termin zu übersehen, den
Belastungsgrenzen hinaus. Wir nehmen diese Tatsache
Schlüssel zu verlieren oder den Bus zu verpassen, erfahren
zwar schmerzhaft wahr, sind jedoch oftmals unfähig, ein-
wenig Beachtung. Doch die Dosis macht den Unterschied,
schneidende Veränderungen vorzunehmen. Der Paarbe-
denn mehrere dieser Widrigkeiten zusammen stellen in
ziehung wird durch den individuellen Stress beider Partner
der Tat eine erhöhte Belastung dar.
erheblicher Schaden zugefügt. Unter Stress wird die Pflege der Liebe vernachlässigt.
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Wie Alltagsstress Beziehungen untergräbt
„Man nimmt sich zu wenig Zeit füreinander, wird un-
„Stress zerstört Partnerschaften schleichend und lange
achtsam, verliert Positivität, ignoriert eigene Bedürfnisse
Zeit unbemerkt“, sagt der Schweizer Paartherapeut Guy
und die Bedürfnisse des anderen“, schreibt Bodenmann.
Bodenmann. Weil der Prozess leise und im Hintergrund
Zudem werden wir unflexibler, rücksichtsloser und ichbe-
zogener, wenn wir unter Druck stehen. In einer von Stress geprägten Umgebung wird das Fundament der Liebe ganz unspektakulär Stück für Stück abgetragen.
Erfolgreiche Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen. Wenn wir uns öffnen und unser Stressempfinden einander mitteilen, wird Stress abgebaut und Intimität, Vertrauen und Nähe können entstehen.
Stress wird subjektiv erlebt
Annika Looser Grönroos Alltagsstress als Beziehungskiller
Erfolgreiche Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen und können sich in ihn hineinversetzen.
Oftmals ist es eine Anhäufung vieler negativer Kleinigkeiten, die Stress auslösen. Einzeln betrachtet mögen diese
Wenn wir uns öffnen und unser Stressempfinden unserem
Dinge trivial wirken, und so reagieren Ehepartner manch-
Ehepartner/unserer Ehepartnerin mitteilen, ist der Gewinn
mal mit Unverständnis. Was die betroffene Person jedoch
groß. Zum einen baut das Gespräch selbst bereits Stress
brauchen würde, wären Verständnis und Unterstützung.
ab, zum anderen lässt es Intimität, Vertrauen und Nähe
Denn Stress ist oftmals keine objektive Tatsache, sondern
entstehen. Indem wir einander Raum schenken und uns
subjektives Empfinden. Erst die Bedeutung, die einem
gegenseitig ermöglichen, besser zu verstehen, entsteht
Ereignis beigemessen wird, lässt Anspannung entstehen.
echte Begegnung und der Stress wird zur Chance für die
Daher können Ehepartner nicht einfach von sich auf den
Beziehung.
anderen schließen, sondern müssen sich in ihn oder in sie hineinversetzen. Und genau in diesem Punkt unterschei-
Eine heilsame Frage im Zusammenhang mit Stress kann
den sich glückliche von unglücklichen Paaren: Erfolgreiche
lauten: Spiegelt der Alltag meine Werte wider? Mit ande-
Paare sind wohl vertraut mit der Welt des anderen. Sie
ren Worten: Erhält meine Ehe die Aufmerksamkeit und
gewähren dem Gegenüber Zutritt und interessieren sich
Pflege, die sie verdient hat? Ehrlich hinschauen ist nicht
aufrichtig für den Menschen an ihrer Seite.
immer einfach, doch denke daran: Schmerz und Traurigkeit sind eine gute Geburtsstätte von Veränderung!
Auf Felsen gebaut Als gläubige Menschen wären wir gut ausgerüstet, um
Ehewochenende: Wenn du in deine Ehe investieren und
mit Stress richtig umzugehen. Die Tatsache, dass unser
noch tiefer in das Thema eintauchen möchtest, wie die
Leben auf Jesus Christus gründet, baut bereits viel Stress
eigene Beziehung stärker und stressresistenter wird, dann
ab. Hinzu kommen wertvolle christliche Gewohnheiten –
bist du herzlich eingeladen, beim Ehewochenende vom
wie den wöchentlichen Ruhetag zu genießen, das Gebet
16.-18.02.2024 im Haus Schwarzwaldsonne mit Annika
zu pflegen, Vergebung und Versöhnung zu leben, sowie
und Fabian Looser Grönroos dabei zu sein. Anmeldung
der eigenen Gesundheit Sorge zu tragen – die helfen, an
unter: www.kurzelinks.de/Ehewochenende
Trotzdem fällt es im Alltag nicht immer leicht, Balance und
Buchtipp: Bodenmann, G. (2015). Bevor der Stress uns
einen gesunden Umgang mit Stress zu finden. Das be-
scheidet. Resilienz in der Partnerschaft (2. Aufl.). Göttin-
wusste Setzen von Prioritäten und Reflektieren kann somit
gen: Hogrefe.
ein sehr hilfreicher Schlüsselaspekt sein. Wie hilft mir mein persönlicher Glaube im Umgang mit Stress?
Beziehungspflege inmitten von Stress „Bevor der Stress uns scheidet“ heißt das Buch von Guy Bodenmann. Wer damit umgehen kann, dass dieses Buch von einem säkularen Paartherapeuten geschrieben ist, wird darin sehr wertvollen Input erhalten.
Annika Looser Grönroos ist Theologin, Beraterin und Leiterin der Abteilung Ehe & Familie in der DSV. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.
BWGUNG Ehe und Familie
den Belastungen des Lebens nicht zugrunde zu gehen.
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„Kikerikiii!“ Empört schlägt der Hahn mit den Flügeln und denkt: „Das gibt es doch nicht; was erzählt er denn da? Ich habe ihn doch auch bei Jesus gesehen.“
Kinderzeit
Eine nächtliche Beobachtung
von Johanna Blanck
Es ist finstere Nacht. Alles schläft. Doch halt! Da bewegt
Der Hahn flattert unter einem Torbogen hindurch, in eine
sich etwas. Da ist noch jemand wach. Ein dunkler Schatten
schmale Gasse. Hier pfeift ein eisiger Wind. Fröstelnd
balanciert auf einer dünnen Holzstange hin und her. Er
bewegt er sich schnell weiter. Auf einem flachen Dach
hebt mal den einen Fuß, dann streckt er den anderen.
macht er halt. Hat er da nicht etwas gehört? Gibt es da
Mit einem Satz rauscht er leise zu Boden. Der Mond blitzt
noch jemanden, der wach ist? Er schließt seine Augen und
durch eine Holzspalte des Schuppens und wirft seine Strah-
lauscht in die Nacht hinein. Ja, von dort drüben dringen
len auf ein vergessenes Haferkörnchen. Erfreut pickt der
Laute zu ihm. Flüsternd, gedämpft, so als ob Menschen
Hahn mit seinem spitzen Schnabel zu. Es knackt laut. Er-
miteinander tuscheln würden. Neugierig geht der Hahn
schrocken blickt er sich um, aber seine Hühnerschar träumt
dem Geräusch nach und kommt an ein großes Haus. Ein
weiter tief und fest vor sich hin. Verzweifelt lässt er seinen
Feuer flackert auf dem Hof und wirft lange Schatten auf
Kamm hängen. „Warum können alle so schön schlafen, nur
den Boden. Drumherum stehen einige Menschen und
ich nicht?“ Leise stakst er zur Tür und späht hinaus. „Wenn
wärmen sich. Der Hahn wackelt die Mauer entlang, dich-
ich schon nicht schlafen kann,
ter heran. „Vielleicht kommt
könnte ich ja einen kleinen
so etwas warme Luft zu mir
Nachtspaziergang machen.“
hinauf“, denkt er sich. Der Torhüterin wird es nun auch zu
Vorsichtig schiebt der Hüh-
kalt zum Wachen. Sie gesellt
nerchef die alte Holztür ein
sich zu den anderen ans Feuer.
Stückchen weiter auf und
Das Feuer tanzt hin und her
schlüpft hindurch. Die Luft
und erhellt die Gesichter. „Ah,
ist kalt. Eine dicke Wolke hat
du bist doch auch ein Freund
sich vor den Mond gescho-
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von diesem Jesus, den sie da
ben. Der Hahn wackelt die gepflasterte Steinstraße hinab
drinnen gerade verhören“, sagt die Torhüterin und zeigt
und lugt hier und da in die Vorgärten der Nachbarschaft.
auf eine dicht verhüllte Gestalt. Erschrocken schaut diese
Überall herrscht Stille. Am Eck flattert er vorsichtshalber
sie an. „Ich? Nein, wie kommst du darauf!“ „Jesus“, der
auf eine kleine Mauer. Hier wohnt der große braune Hund
Hahn hört ganz genau hin, „den kenne ich! Der hat mir
des Bäckers. Der hat ihn schon öfters angebellt und mit
immer ein paar Körner zugeworfen, wenn er mit seinen
seinen gefährlich spitzen Zähnen gedroht. Und das nur,
Freunden an unserem Hühnerhof vorüberlief. Dieser gute
weil er von dem herrlich duftenden Brot etwas heraus-
Mann soll verurteilt werden?“ Empört kräht der Hahn auf.
picken wollte. Doch der Hahn hat sich umsonst gesorgt.
„Ja, doch!“, eine kräftige Männerstimme schaltet sich
Der Wachhund liegt, alle Beine von sich gestreckt, vor sei-
mit ein. „Du bist einer von seinen Jüngern!“ „Nein, was
ner Hütte und schnarcht laut. „Hier ist aber wirklich nichts
erzählst du denn da! Ich kenne diesen Jesus gar nicht!“
los. Ich schaue mal ein paar Straßen weiter, dort wo der
„Komisch!“, denkt sich der Hahn und schüttelt den Kopf.
Tempel ist und die großen schicken Häuser.“
„Warum sagt er denn, dass er Jesus nicht kennt. Ich habe
ihn doch auch bei ihm gesehen. Sie haben zusammen
fragt sich der Hahn. Schnell nimmt er auf der Mauer
gelacht und er war immer ganz dicht bei ihm, so als ob er
Anlauf und saust rasch hinterher. Petrus ist mit seinen
sein bester Freund wäre. Petrus, mein Freund, hat Jesus
langen Beinen schnell und der Hahn hat Mühe hinterher-
ihn auch genannt. Warum tut er denn jetzt so, als ob er
zukommen. Endlich hält Petrus an. Ganz außer Puste lässt
ihn nicht kennen würde?“
sich der Hahn auf den alten Olivenbaum fallen. Nachdem er ein paar Mal tief Luft geholt hat, schaut er sich um.
Der Hahn flattert zum Fenster hinüber und schaut in den
Wo sind sie? Um sie herum stehen viele schöne knorrige
Saal. Dort steht Jesus mitten unter Soldaten und Priestern,
Bäume. „Ah, der Garten Gethsemane. Hier war Jesus oft
die auf ihn einreden. Manchmal wird er sogar von einem
mit seinen Freunden.“ Petrus hat sich auf das Gras fallen
Soldaten geschlagen. „Oh weh, der Arme! Warum kommt
lassen und betet laut: „Es tut mir so leid! Ich wollte doch
Petrus nicht und hilft ihm?“ Verzweifelt schaut er zu dem
gar nicht sagen, dass ich Jesus nicht kenne. Ich kenne ihn
Jünger hinüber, aber der steht noch immer am Feuer. Ge-
doch ganz genau und ich habe ihn so gern. Erst gestern
rade kommt ein fein gekleideter Mann aus dem Haus, um
habe ich noch gesagt, dass ich immer zu ihm halten wür-
frische Luft zu schnappen. Es ist der Diener des Hohepries-
de. Und jetzt habe ich vor lauter Angst einfach nicht die
ters. Als er sich am Feuer die Menschen anschaut, bleibt
Wahrheit gesagt. Und das nicht nur einmal, auch nicht
er bei Petrus hängen. „Dich habe ich im Garten gesehen,
zweimal – nein, dreimal! Und Jesus hat mich trotzdem so
als sie Jesus gefangen genommen haben. Du wolltest
lieb angeschaut. Von jetzt an möchte ich so gerne allen
Jesus beschützen, du bist sein Freund.“ Petrus schaut den
erzählen, dass er mein allerbester und treuster Freund
Mann wütend an. „Wie oft soll ich es denn noch sagen?“,
ist.“ Der Hahn freut sich. Das muss er seinen Hühnern
schimpft er. „Ich kenne diesen Mann wirklich nicht.“ Der
erzählen. Da gibt es auch immer Gestreite und Gezanke.
Hahn schlägt empört mit den Flügeln. „Das gibt es doch
Vielleicht merken sie dann auch, wie schön es ist, einan-
nicht, was erzählt Petrus da nur! Entrüstet krächzt er ein
der gute Freunde zu sein.
Da schaut Jesus aus dem Fenster heraus zu Petrus. Er hat gehört, was er gesagt hat. „Jetzt ist Jesus sicher böse, dass sein Freund nicht zu ihm hält“, denkt der Hahn. Aber
Was würdest du tun, wenn einer deiner Freunde von anderen schlecht behandelt werden würde? Oder wenn jemand dich wegen deines Glaubens an Jesus auslachen würde?
Jesus schaut nicht böse oder ärgerlich. Er schaut ein bisschen traurig, aber mit seinen lieben Augen blickt er Petrus
Petrus hatte in dieser Situation große Angst davor, was die
ermutigend an und will ihm sagen, dass er ihn immer
Leute von ihm denken und mit ihm machen würden, wenn
noch gern hat. Da wird Petrus plötzlich ganz betrübt. Er
er sich als Jesu Freund bekannt hätte. Doch als er merkte,
schaut zum Hahn hinauf und fängt an zu weinen. Dann
wie sehr er Jesus durch das Sagen der Unwahrheit wehge-
rennt er an der Torhüterin vorbei. Erschrocken schreckt
tan hatte, schämte er sich sehr. Von da an setzte er sich mit
diese aus ihrem Nickerchen auf. „Wo will Petrus nur hin?“,
großem Mut und all seiner Kraft für Jesus und sein Werk ein.
BWGUNG Kinderzeit
lautes „Kikerikiiiii“.
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28
Heinz Hopf im Portrait Die Interviewfragen stellte Erhard Biró
Lieber Heinz, so Gott will, wirst du in diesem Jahr deinen 90. Geburtstag erleben. Somit kannst Du mehr als acht
Erhard Biró Heinz Hopf im Portrait
Weisheiten aus einem bewegten Leben des Dienstes
Jahrzehnte überblicken. Welche Veränderungen in der Welt würdest du aus heutiger Perspektive als die wichtigsten nennen? Die größten, die mir persönlich am entgegenkommendsten sind, sind jene technischen Fortschritte, die wir heute mit einem Handy erreichen können. Damals, vor 80 Jahren, gab es noch nicht einmal Telefon in jedem Heim. Man musste straßenweit gehen, um eine öffentliche Telefonzelle zu erreichen. Also das Handy ist eine wunderbare Sache. Weiter: Die digitale Revolution und jetzt die künstliche Intelligenz. Aber ich würde sie nicht als die wichtigsten
Die Brüder Heinz Hopf und Erhard Biró im Gespräch über Erlebnisse und Erfahrungen aus mehr als acht Jahrzehnten.
Veränderungen bezeichnen. Wichtigste Veränderung wäre für mich der Wandel in unserer Gesellschaft; weg von wertebasierten und wertefundierten Grundeinstellungen
Du bist in einer adventistischen Familie geboren und
hin zum ich-zentrierten, gottlosen Verhalten der heutigen
aufgewachsen. Trotzdem musstest du wie jeder auch
Gesellschaft. Es macht uns am meisten zu schaffen, dass
deinen ganz persönlichen Weg im Glauben finden.
die Moral eine andere geworden ist und die Ethik und die
Was war bei deiner Bekehrung entscheidend?
christlichen Werte, die früher vielleicht – wenn auch nur formell – doch noch vorhanden waren, komplett verloren
Meine Eltern haben mich beten gelehrt; in der Kindersab-
gegangen sind.
batschule habe ich biblische Geschichten gelernt; ich hatte einen guten Prediger, der uns Jugendliche betreut hat. So
Gibt es ein Erlebnis aus deiner vielleicht frühen Kindheit,
war ich im Alter von etwa 15 Jahren bereit, mich taufen zu
das deinen Werdegang entscheidend beeinflusst hat?
lassen – und zwar aus Überzeugung. Aber Überzeugung war noch nicht Erfahrung. Ich bin später aus Überzeugung
Nein, DAS Erlebnis gibt es nicht. Aber es gibt natürlich
auch Prediger geworden. Aber ich war kein bekehrter
zahlreiche Kindheitserinnerungen: Fliegeralarm jede Nacht
Prediger. Es war keine Erfahrung mit Jesus vorhanden,
im Keller; acht Parteien vom Haus saßen dort zusammen im
sondern mehr eine, wie kann man sagen, eine Dienstbereit-
Schutzraum und haben auf die Entwarnung gewartet…
schaft. Jetzt habe ich das Wort: Pflichtbewusstsein. Aus Pflichtbewusstsein, weil ich geglaubt habe, was in der Bibel steht – und da steht, dass wir Menschen gewinnen sollen. Deshalb bin ich Prediger geworden. Also meine Bekehrung hat sich nach und nach vollzogen. Ich kann das nicht an einem Punkt festmachen, aber durch Tagungen und Konferenzen, durch Vorträge und Bücher, die ich gelesen habe, durch persönliches Studium der Bibel und Andachten ist meine Beziehung zu Jesus immer enger geworden, sodass ich heute sagen kann: Christus ist mein Freund geworden!
Nach deinem Abitur hast du eine Schreinerlehre absolviert. Wie kam es dazu, dass du dich anschließend für ein
BWGUNG Leben
Ich war nicht zur Verwaltung Prediger geworden, zur Administration, sondern zur Verkündigung der Adventbotschaft.
Theologiestudium auf der Marienhöhe entschieden hast?
29
Es war nicht so, dass ich mich nach der Schreinerlehre entschieden hätte, es war genau umgekehrt. Noch als Gymna-
Kurz vor seinem Abgang vom Predigerseminar Marienhöhe, fanden sich Br. Heinz Hopf und Schw. Wilfriede, geb. Lorenz. Hier zu sehen sind die beiden im Gespräch mit Emilio Knechtle im Jahr 1977.
siast war ich innerlich überzeugt, dass ich einmal Prediger werden wollte. Ich hatte zwar kein Berufungserlebnis, aber eine Berufungssicherheit und Gewissheit. Ich dachte, Holz
mehr junge Leute einen Fasten- und Gebetssabbat vorher
gibt es überall auf der Welt, Jesus war ein Zimmermann
halten, um dann die Entscheidung füreinander zu treffen.
und wenn ich mal ins Missionsfeld gehe … mit Holz zu arbeiten, das ist eine gute Sache. So wollte ich, bevor ich
Deine Laufbahn in der ersten Phase deines aktiven
zum Seminar ging, eine Lehre machen, eine Handwerker-
Dienstes im Predigtamt war vielfältig und abwechs-
lehre – und das war dann die Schreinerlehre.
lungsreich: Stuttgart, Heilbronn, Esslingen, Kirchheim, Nürtingen, Weilheim, Bissingen… Der Start in der Nach-
Erst vor kurzer Zeit hast du einen sehr großen Verlust er-
kriegszeit, die viele Opfer und Entbehrungen verlangte,
lebt. Deine liebe Frau Wilfriede hast du beerdigt. Als du
war sicherlich nicht einfach. Welchen Herausforderun-
damals die junge Wilfriede Lorenz kennengelernt hast,
gen seid ihr im Dienst für die Gemeinden begegnet?
was hat dich überzeugt und innerlich sicher gemacht, sie zu heiraten?
Du hattest bei deiner Aufzählung einen Ort vergessen, nämlich Karlsruhe. Vor Esslingen wurde ich als Sekretär der
Jetzt kommst du ans Eingemachte. Erstens war sie keine
damals noch vorhandenen Badischen Vereinigung gerufen.
Schülerin. Ich bin auf die Marienhöhe gegangen, in dem
Ich war zwei Jahre lang unterwegs in dem Land Baden. Aber
Bewusstsein, die Schwestern, die dort sind, suchen alle
meine Frau hat dadurch sehr viel gelitten. Ich musste sie Sab-
einen Mann. Ich will aber nicht gesucht werden, sondern
bat für Sabbat allein lassen mit den beiden Kindern. Deshalb
ich möchte suchen. Also, eine Schülerin kam von vornherein
bat ich nach zwei Jahren die Vereinigung, endlich wieder
nicht in Frage. Aber Wilfriede war Angestellte. Ich habe sie
Prediger sein zu dürfen, denn ich war nicht zur Verwaltung
dann schon beachtet, öfter gesehen und gern gesehen – und
Prediger geworden, zur Administration, sondern zur Ver-
sie mich auch. Aber wir haben uns das nicht gestanden. Erst
kündigung der Adventbotschaft. Daraufhin wurde ich nach
im letzten Schuljahr, kurz vor meinem Abgang, war im März
Esslingen geschickt und hatte acht Jahre lang einen schönen
ein Fasten- und Gebetssabbat, damals für Kolumbien, wo
Bezirk, in dem Gott mich gesegnet hat. Jedes Jahr konnte
Gläubige verfolgt wurden. An diesem Fasten- und Gebets-
ich dann auch das „Ziel“ erfüllen (mindestens sieben Taufen
sabbat bin ich, anstatt zum Mittagessen zu gehen, im Oden-
wurden damals von jedem Prediger pro Jahr erfordert).
wald spazieren gegangen. Sie auch. Unsere beiden Wege
30
haben sich – welch ein Zufall – durch Gottes Fügung genau
Von 1961 bis 1963 hast du als Sekretär der damaligen
gekreuzt. Ich musste von meinem Weg abbiegen und auf
Badischen Vereinigung somit auch die administrative
ihren einschwenken. Seither sind wir dann miteinander den
Seite des Dienstes kennengelernt. Nach weiteren Jahren
Weg gemeinsam gegangen. Ich war mir von Anfang an si-
des Dienstes in den Gemeinden wurdest du 1968 als
cher: Die und keine andere! Sie war meine erste Liebe, meine
Evangelist für den Bereich des Süddeutschen Verbandes
einzige Liebe und das wird sie auch bleiben. Vielleicht sollten
gerufen. Wie hast du diese Zeiten und Aufgaben erlebt?
funkredakteur, Sprecher und Direktor der „Stimme der
Immer stand im Mittelpunkt die Verkündigung der Adventbotschaft. Nur deshalb habe ich diese Aufgaben angenommen.
Hoffnung“ zu sein? Ich konnte als Redakteur und Radiosprecher all die vielen Menschen erreichen, die ich nicht sah. Immer stand im Mittelpunkt die Verkündigung der Adventbotschaft. Nur deshalb habe ich diese Aufgaben angenommen. Es ging für mich immer um die Verkündigung adventistischer, nein, biblischer Grundwahrheiten. Solange gewährleistet war,
Erhard Biró Heinz Hopf im Portrait
es für dich als Prediger, von heute auf morgen Rund-
dass ich die volle Freiheit hatte, die Grundlehren des Heils – das Evangelium – zu verkündigen und am Bau des Reiches Gottes mitzuarbeiten, habe ich jeden Ruf, der mich erreicht
Wie bereits erwähnt, bin ich kein Freund von Adminis-
hat, angenommen.
tration und Organisation, auch wenn sie notwendig sind. Ich fühlte mich zur Verkündigung der Botschaft berufen.
Es war in den 80er Jahren in der Firnhaberstraße in
Als Prediger konnte ich das tun; als man mich dann zum
Stuttgart. Inzwischen warst du seit 1978 Abteilungsleiter
Evangelisten und später zum Leiter der Stimme der Hoff-
für Kommunikation, Sabbatschule und Haushalterschaft
nung berief, empfand ich das als eine Ausweitung meines
in der damaligen Euro-Afrika-Division (heute: Inter-Euro-
Dienstes in der Verkündigung. Ich konnte als Evangelist
päische-Division), mit Sitz in Bern. Du warst unser Gast
eine Vortrags-Reihe nach der anderen in verschiedenen
auf einer Prediger-Tagung. Während deiner Ansprache
Städten halten und die Frucht dem jeweiligen Ortsprediger
hast du ein Exemplar der Zeitung Prawda, Zentralorgan
dann in die Hand legen.
des damaligen sowjetischen Imperiums, in der Hand gehalten und uns von deinen sehr unterschiedlichen
Längst bevor wir uns persönlich begegnet sind, habe
Erfahrungen auf deinen Dienstreisen in den Ländern der
ich als Teenager deine Stimme über einen Kurzwellen-
Division berichtet. Welche dieser Erfahrungen sind dir
sender zum ersten Mal gehört. Es war eine Sendung
besonders im Gedächtnis geblieben?
der „Stimme der Hoffnung“, die uns trotz sowjetischer Störsender in Rumänien erreicht hat. Mit sechs Monaten
Na ja, die Prawda habe ich in Bern gekauft, weil ich hörte,
Gefängnis wurde bestraft, wer damals westliche Sender
dass Prawda „Wahrheit“ heißt, und man muss ja die
hörte. Aber die Erkennungsmelodie, „Blast die Posaune, Botschaft des Evangeliums waren uns wichtiger als die Drohungen eines atheistischen Staates. Was bedeutete
Als Prediger, später als Evangelist und Leiter der „Stimme der Hoffnung“, konnte Br. Heinz Hopf seinen Verkündigungsdienst ausweiten und in verschiedenen Städten und Gemeinden Vorträge halten.
BWGUNG Leben
dass laut es erklingt“, und die ermutigende, mitreißende
31
dann in Bukarest ankam, kam es, wie es kommen musste. Eine Kommissarin sagte: „Koffer aufmachen!“, und fragte:
Solange gewährleistet war, dass ich die volle Freiheit hatte, das Evangelium zu verkündigen, habe ich jeden Ruf, der mich erreicht hat, angenommen.
„Was haben Sie da?“ Ich konnte nur sagen: „Ich bin von ihrem Präsidenten, Nicolae Ceaușescu, eingeladen worden, am Friedenskongress teilzunehmen.“ Sie fragte: „Wirklich? Vom Präsidenten?“ „Ja!“, antwortete ich. Sie darauf: „Dann wünsche ich Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“ Ich glaube, ich hätte eine Atombombe unterm Arm haben können, aber sie hat mich durchgewinkt. Die zweite Erfahrung: Ich war in Madagaskar angekommen. Madagaskar war damals eine sozialistische Republik, die vorab eine Erklärung aller Devisen forderte, die man ins Land einführte, damit man sie auch wieder ausführen
Wahrheit auch mal in der Hand halten. Also es gibt zahl-
durfte. Ich hatte am Flughafen nach jemandem gesucht,
lose Erfahrungen, die ich gemacht habe, aber zwei davon
der mich abholen sollte, fand den Mann auch und vergaß
möchte ich kurz herausgreifen. Die eine war eine Fahrt
komplett, meine Devisen zu deklarieren. Als ich dann im
nach Bukarest. Der damalige Präsident, Nicolae Ceaușescu,
Vereinigungsbüro saß, fragte man mich: „Hast du auch
hatte wieder einmal, um von seinen innenpolitischen Pro-
deine Devisen deklariert?“ Ich hatte Schweizer Franken,
blemen abzulenken, eine Friedenskonferenz international
D-Mark und US-Dollar dabei. Ich sagte: „Nein, ich habe
ausgeschrieben und dazu die Repräsentanten aller Kirchen
sie nicht deklariert.“ „Dann müssen wir gleich zum Flug-
eingeladen. Da in der Division gerade niemand anders frei
hafen fahren und es nachholen“, antwortete der Bruder.
war, wurde ich gefragt, ob ich hinfahren könnte – und ich
So fuhren wir zurück. Ich wurde untersucht, man fand drei
konnte. Als die Brüder hörten, es käme jemand aus der
verschiedene Währungen bei mir und stellte fest: Der Mann
Schweiz, hatten sie eine lange Liste von Dingen, die sie
wohnt in Deutschland, kommt aus der Schweiz, flog von
brauchten: Beispielsweise einen Ring Fernsehkabel (um die
Paris ab. Also wenn der kein Spion ist, wer dann?„Bitte
Veranstaltungen in der Zentralgemeinde Labirint übertragen
warten Sie hier, bis der Polizeichef von Antananarivo, aus
zu können, weil der Saal die Menschen nicht fasste), einen
der Hauptstadt, kommt!“, sagte man mir. Sie hielten mich
Projektor, Bildserien, Medikamente... Ich hatte meine Koffer
eine Stunde lang fest, bis der oberste Polizist, der Polizei-
voll mit Dingen, die ich eigentlich nicht mitbringen durfte.
chef, von Antananarivo kam. Er schaute mich scharf an
Das wusste ich. Ich wusste auch, dass, wenn ich am Flughafen bei der Ankunft kontrolliert würde, ich wahrscheinlich nicht durchkäme. Also habe ich mit anderen Kollegen in der Division gebetet, der liebe Gott möge uns bewahren. Als ich
32
Persönliches und gemeinsames Gebet öffnete Br. Hopf in den vielen Jahren seines Dienstes immer wieder verschlossene Türen für Glaubenserfahrungen, die das Werk Gottes voranbrachten.
Erhard Biró Heinz Hopf im Portrait
und sagte: „Was machen Sie hier?“ Darauf erklärte ich, dass ich geschickt worden war, um an der adventistischen Schule Soamandrarini und in anderen Ortgemeinden das Evangelium zu verkündigen. „Sind Sie Adventist?“, fragte er. „Ja!“, antwortete ich. „Prediger noch dazu?“ „Ja.“ „Ja, warum haben Sie das nicht sofort gesagt?“ Ich erwiderte, dass mich bisher niemand danach gefragt hatte. Darauf warf er ein: „Von den Adventisten wissen wir, dass alles in Ordnung ist. Sie lügen nie. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in Madagaskar.“ Wie dankbar war ich unseren Geschwistern für den Ruf, den Sie bei der Polizei in der Hauptstadt hatten!
Gott hat dich mit einer lieben Frau, mit einem Sohn, einer Tochter, mit Enkeln und sogar mit Urenkeln be-
Ein Rückblick auf vergangene Dienstjahre mit Erinnerungen an gemeinsame Dienstzeiten in der Baden-Württembergischen Vereinigung.
schenkt. Was bedeutet für dich Familie? Die Familie war für mich Geschenk und Herausforderung
Mitarbeiter zu unseren Grundlehren standen und oft auch
zugleich. Geschenk, weil ich sehr froh und glücklich war mit
entsprechende Personalentscheidungen getroffen. Leider
Frau und Kindern, aber Herausforderung, weil sie sehr gelit-
war ich nicht kreativ genug, um neue Projekte zu starten.
ten haben unter meinem Dienst, da ich oft Tage und manch-
Ich war viel zu konservativ, zu wenig innovativ. Im Rück-
mal sogar Wochen lang abwesend war und sie allein bleiben
blick erkennt man meist klarer, was man alles hätte tun
mussten. Meine Kinder und sogar meine Enkel bemühen
und besser machen können. Aber wichtig war mir, dass
sich jetzt rührend um mich. Der Stuhl meiner Frau am Tisch
meine Frau mich nach all den Jahren des Verzichts fast
bleibt leer, das Bett neben mir bleibt leer, aber ihr Platz in
jeden Sabbat begleiten, mit in die Gemeinden fahren und
meinem Herzen bleibt nicht leer. Er wird nie leer bleiben.
die Mitarbeiter und Gemeinden persönlich kennenlernen konnte. Das war mir in allem eine große Hilfe.
Im Leben eines jeden Gläubigen gibt es auch Krisen – das dunkle Tal. Gab es sie auch für dich? Und wenn ja,
Als du Ende 1996 deinen Ruhestand begonnen hast, be-
wie hast du sie erlebt und überlebt?
gann für dich und für deine Wilfriede faktisch eine weitere Phase eures aktiven Dienstes. Vorträge im In- und
Ich kann mich nicht entsinnen, jemals in einer großen Glau-
Ausland, regelmäßiger Predigtdienst in den Gemeinden,
benskrise gewesen zu sein, weil ich, wie gesagt, von der
Workshops, Übersetzung von Büchern und Artikeln, zeit-
Adventbotschaft überzeugt war und diese von Jugend auf
weise Betreuung von Gemeinden, Taufunterricht – bis
immer verteidigt und vertreten habe. Aber es gab manch-
heute. Was liegt dir heute besonders am Herzen? Was
mal Krisen in meinem persönlichen Verhältnis zu Jesus:
ist dein Vermächtnis?
Die ständigen Anfechtungen, der Spagat zwischen Arbeit und Familie, Ehefrau. Und dann wurde allmählich aus dem
Zwei Texte sind mir immer sehr wichtig geworden. Das
formalen Glauben die persönliche Freundschaft mit Jesus!
eine: „Halte, was du hast“, aus der Offenbarung; der andere Text: „Wirket, bis dass ich komme.“ Ich wollte Prediger,
1985 wurdest du, wie du mir sagtest, völlig über-
Verkündiger, werden und das ist man nicht nur bis zur Pen-
raschend zum Präsidenten der Baden-Württembergi-
sion, sondern bleibt man lebenslang. Solange Gott mir Auf-
schen Vereinigung gewählt. In den elf Jahren in dieser
gaben gibt, werde ich ihm immer zur Verfügung stehen.
Vereinigungsausschuss und ab 1994 als Sekretär der Vereinigung näher kennenlernen. Es waren keine einfachen Jahre deines Dienstes, aber reich gesegnet. Was hat dir Gott in dieser Phase besonders ans Herz gelegt? Es war mein Anliegen, die Baden-Württembergische Vereinigung nicht nur organisatorisch und formell, sondern
Erhard Biró war von 1996 bis 2018 Präsident der Baden-Württembergischen Vereinigung und lebt seitdem im aktiven Ruhestand.
BWGUNG Leben
Funktion durfte ich dich als Vertreter der Prediger im
geistlich zu führen. Ich habe darauf geachtet, dass meine
33
Was wir brauchen, um den Trend zu stoppen
Die Abwärtsspirale Was tun, wenn Anspruch und Wirklichkeit in unseren Adventgemeinden immer weiter auseinanderklaffen? Wenn wir zwar verstehen, dass wir Salz und Licht sein sollten, aber offensichtlich damit überfordert sind und nicht mehr wissen, wie das „funktioniert“? Wie können wir unseren Mitmenschen auf für sie bedeutungsvolle und relevante Weise begegnen und ihnen Jesus nahebringen? Das Format „Forum Gemeinde“ wurde ins Leben gerufen, um mit den Gemeinden über solche Fragen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Antworten zu finden. Was bisher dabei herauskam, berichtet Thomas Knirr.
34
Wenn man einen Blick auf den Ist-Zustand der Ad-
in unserer Gesellschaft mit der Institution Kirche nichts,
ventgemeinde in Baden-Württemberg wirft, kann man
was für ihr Leben auch nur annähernd relevant wäre.
schnell entmutigt werden. Wir erreichen immer weniger
Die westliche Welt ist überwiegend säkular, postmodern
Menschen (2022 war der Tiefstand an Taufen in den
und postchristlich. Wenn sich nicht grundlegend etwas
letzten 50 Jahren); nach wie vor verlassen uns 70-80%
ändert, ist klar, dass in den nächsten 10-15 Jahren ein
der Jugendlichen und jungen Erwachsenen; das Durch-
beträchtlicher Teil unserer Adventgemeinden von der
schnittsalter in den Gemeinden steigt; die Bereitschaft,
Bildfläche verschwunden sein wird. Die besondere Tragik
sich einzubringen, sinkt; der größte Teil der Gemeinden
dabei ist, es wird – ausgenommen den Gemeindeglie-
ist völlig damit ausgelastet, irgendwie ihren Gottes-
dern – niemandem auffallen oder schmerzen. Nach dem
dienstbetrieb aufrecht zu erhalten; das Gemeinde„leben“
Motto: „Der Letzte macht dann bitte das Licht aus.“ Ja,
beschränkt sich auf die zwei Stunden am Sabbatvor-
wir können die Heilige Schrift auswendig, wir können
mittag; gleichzeitig verbinden die meisten Menschen
Ellen White zitieren und die Lehren unserer Kirche theo-
Ideen und Gedanken ausgetauscht und dann für alle an
Wie können wir heute, im 21. Jahrhundert, Licht und Salz sein, so wie Jesus es uns aufgetragen hat?
einer Moderationswand gesammelt und gewichtet. Dabei ergab sich in allen Großbezirken ein ähnliches Bild. Fasst man die Ergebnisse zusammen, wurde an erster Stelle das Bedürfnis nach einer tieferen geistlichen Erfahrung der Gemeindeglieder genannt – was mit den Schlagworten Erweckung und Reformation in Verbindung gebracht wurde. Dass der Glaube das ganze Sein durch-
Thomas Knirr Die Abwärtsspirale
richtet. In verschiedenen Gruppengesprächen wurden
dringt und die Liebe zu Gott und den Mitmenschen die logisch begründen, wir kennen die Prophezeiungen und
treibende Kraft im Leben ist. Dass jeder Einzelne in einer
die Zeichen der Zeit, aber wir kennen nicht die Fragen,
engen, bedeutungsvollen, von Freude und Gewissheit
die die Menschen um uns herum tatsächlich stellen, ihre
geprägten Beziehung mit Jesus lebt. Dieser Gedanke ist
Verletzungen oder die Bedürfnisse, die sie haben.
nicht neu und wir reden schon Jahre darüber, ohne dass sich tatsächlich spürbar etwas verändert hätte. Was hält
Die Auseinandersetzung mit der Abwärtsspirale
uns zurück, das Leben zu leben, das Gott eigentlich für
Das sind Gedanken aus dem Impulsreferat, mit dem die
uns vorgesehen hat? Warum geben wir uns mit einer
Treffen unter dem Format „Forum Gemeinde“ eingeleitet
theoretischen Frömmigkeit zufrieden, die sich an Traditio-
wurden. In den sechs Großbezirken unserer Freikirche in
nen und Formen klammert? Wie kommen wir dahin, dass
Baden-Württemberg waren jeweils alle Leiter, Pastoren
wir nicht nur an unsere eigene Vorbereitung auf die Wie-
und am Thema interessierte Gemeindeglieder eingeladen,
derkunft von Jesus denken, sondern auch an die unserer
um darüber nachzudenken, was erforderlich ist, um
Nachbarn? Wie können wir heute, im 21. Jahrhundert,
den negativen Trend umzukehren und die Menschen in
Licht und Salz sein, so wie Jesus es uns aufgetragen hat?
unserer Gesellschaft mit dem Evangelium zu erreichen. Die Betroffenheit über die Entwicklung unserer Kirche in
Aus der Tiefe nach oben finden
Baden-Württemberg war allen anzumerken. Gleichzeitig
Vielleicht findet sich die Antwort auf diese Fragen in
aber auch die Gewissheit, dass Gott neues Leben und
dem Punkt, der es bei unseren Treffen unter die Top fünf
einen Aufbruch geben kann und geben will. Deshalb
geschafft hat: Wir müssen als Gemeinden wieder zurück-
blieb der Blick nicht auf die negative Entwicklung ge-
kommen zu einem bedürfnisorientierten Ansatz, wo wir unseren Glauben auf authentische, den Menschen zugewandte Art ausleben. Leitfragen können dabei sein: Was bewegt die Menschen wirklich, welche Bedürfnisse haben sie, wo brauchen sie Hilfe? Wo kann ich
BWGUNG Gemeinde
„Forum Gemeinde“ – eine ehrliche Bestandsaufnahme und Austausch für Leiter, Pastoren und alle am Thema interessierten Gemeindeglieder: Wie erreichen wir die Menschen in unserer Gesellschaft wieder neu mit dem Evangelium?
35
Wir müssen wieder dahin zurückkommen, wo wir unseren Glauben auf authentische, den Menschen zugewandte Art ausleben. persönlich, wo können wir als Gemeinde den Menschen dienen? In diesem Zusammenhang wird klar, dass es zu wenig ist, einfach „Die Botschaft“ weiterzugeben – wir sollen selbst die Botschaft sein! So wie Jesus es uns vorgemacht hat. „Allein die Vorgehensweise Christi wird den wahren Erfolg garantieren. Der Heiland aber begab sich
In verschiedenen Gruppengesprächen wurden Ideen und Gedanken ausgetauscht und dann für alle sichtbar an einer Moderationswand gesammelt und gewichtet.
unter die Menschen als einer, der Gutes für sie wünschte. Er bewies sein Mitgefühl für sie, half ihren Nöten ab und gewann ihr Vertrauen. Erst dann gebot er ihnen: ‚Folgt
sie Adventgemeinde als ihre geistliche Heimat erleben?
mir nach‘. Es ist also notwendig, durch persönlichen
Hier stand nicht das Angebot von überregionalen Ver-
Einsatz den Menschen erst einmal nahe zu kommen.
anstaltungen der Adventjugend im Mittelpunkt. Vielmehr
Wenn weniger Zeit mit klugen und schönen Worten und
war der Blick darauf gerichtet, was die Ortsgemeinde tun
mehr mit persönlichem Hilfsdienst verbracht würde, sähe
kann, um Kindern und Jugendlichen eine positive Erfah-
man größere Ergebnisse. Den Armen soll geholfen, die
rung in und mit der Gemeinde zu ermöglichen. Müssen
Kranken sollen versorgt, die Trauernden und Betrübten
wir dazu Gemeinde neu denken? So, dass auch Jugend-
getröstet, die Unwissenden unterwiesen und die Uner-
liche Freude haben, sich einzubringen und sich mit „ihrer“
fahrenen beraten werden. Wir sollen mit den Weinenden
Gemeinde identifizieren? Und das nicht als Gemeinde von
weinen und uns mit den Fröhlichen freuen. Wenn dieses
morgen, sondern als Gemeinde von heute. Dazu ist es un-
Werk von der Macht der Überzeugung, des Gebets und
abdingbar, dass sie ihre Ideen, Gedanken und Gaben mit
der Liebe Gottes begleitet wird, kann und wird es nicht
einbringen können, dass sie Vertrauen und Wertschätzung
fruchtlos bleiben.“ (Ellen White, Auf den Fußspuren des
erleben und positive Vorbilder in der Gemeinde finden.
großen Arztes, S. 106) Ein bedürfnisorientierter Ansatz
„Die Jugendlichen brauchen mehr als eine beiläufige
bedeutet, unseren Glauben praktisch auszuleben und
Beachtung, mehr als ein gelegentliches Wort der Ermuti-
anderen Menschen in selbstloser Liebe zu begegnen,
gung. Sie brauchen eine sorgfältige, betende, umsichtige
ihnen zur Seite zu stehen. Nicht aus Druck oder einem
Arbeit. Nur derjenige, dessen Herz von Liebe und Mit-
schlechten Gewissen, sondern als Ausdruck unserer
gefühl erfüllt ist, wird in der Lage sein, die Jugendlichen
Verbindung mit Jesus. Er möchte den Menschen durch
zu erreichen, die scheinbar achtlos und gleichgültig sind.“
uns seine Liebe sichtbar machen. Wenn wir diese Heraus-
(Ellen White, Diener des Evangeliums, S. 184)
forderung annehmen und uns nach der Art und Weise von Jesus für andere einsetzen, werden wir „…bald von
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe.
einer ganz anderen Atmosphäre umgeben sein. Segen und Macht werden [unsere] Unternehmungen begleiten. … Die Selbstsucht, die [unsere] Seelen gefangen hielt, werden [wir] überwinden.“ (Ellen White, Testimonies for the Church, Bd. 6, S. 267) Ein weiterer Schwerpunkt, der immer wieder genannt wurde, ist die Kinder- und Jugendarbeit. Was können wir tun, um die Jugendlichen für Jesus zu begeistern und dass
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Thomas Knirr ist Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau und Evangelisation der BWV sowie Mitglied im Redaktionsteam.
Weshalb die Trennung von Kirche und Staat in den USA an Zustimmung verliert
Zwischen Pest und Cholera? In der westlichen Welt werden zunehmend Gesetze eingeführt, die die gesellschaftliche Ordnung durcheinanderbringen. Das bleibt nicht ohne Folgen und bewirkt eine Gegenreaktion. Was das jedoch mit der Kirche in der letzten Zeit zu tun hat und wohin diese Reise führen wird, das verrät Eugen Hartwich hier.
Trans-Schwimmerin Lia Thomas identifiziert, bei den US-
Was hat das mit der Trennung von Kirche und Staat zu tun?
College-Meisterschaften der Frauen über 500 Yards Freistil
In der Aussage der Kongressabgeordneten Lauren Boebert
gewonnen. Dieses Ereignis befeuerte die gesellschaftliche
(R-Colo.) wird deutlich, was immer mehr Republikaner
Diskussion über die Gender-Thematik in den Vereinigten
aufgrund der progressiven Entwicklungen denken. Am
Staaten von Amerika. Die von den Demokraten dominier-
26.06.2022 sagte sie, sie sei „müde“ durch die lang-
te Biden-Regierung unterstützte während dieser Debatte
jährige Trennung von Kirche und Staat in den USA und
die Teilnahme von Männern im Mädchen- und Frauen-
fügte hinzu, dass sie glaubt, „die Kirche soll die Regierung
sport, sofern sie sich als Frauen identifizieren.
leiten“. Diese Aussage sollte uns nicht überraschen, hat
Im März 2022 hatte William Thomas, der sich aktuell als
Woke-Bewegung die Demokraten in den USA durchdrun-
ein Gesetz verabschiedet, das biologische Männer davon
gen. Das reizt wiederum die politisch-motivierte religiöse
abhalten soll, als Transgender-Athleten im Mädchen- und
Rechte innerhalb der Republikaner, was zu einer verstärk-
Frauensport an Schulen im ganzen Land anzutreten. Das
ten Gegenreaktion in den USA führt.
Gesetz wurde mit 219 zu 203 Stimmen verabschiedet. Alle „Ja“-Stimmen kamen von den Republikanern und alle
Das Ziel der Woke-Bewegung ist es, sich für die Rechte
„Nein“-Stimmen von den Demokraten. Im demokratisch
von Minderheiten einzusetzen. Dazu gehören vor allem
dominierten Senat wurde das Gesetz nicht bestätigt,
die Anliegen benachteiligter Bevölkerungsgruppen und
sodass immer mehr Staaten (aktuell 22 von 50) anfangen,
der „LGBTQ+ Community“. Unterstützer der Community
selbst Transgender-Athleten im Frauensport zu verbieten.
möchten die Begrenzung auf das rein biologische Ge-
BWGUNG Genderdebatte
doch neben anderen Faktoren die zunehmend aggressive Als Reaktion hat das Repräsentantenhaus am 20.04.2023
37
die Eltern damit einverstanden sind. Sind die Eltern nicht einverstanden, können die Jugendlichen ihre Eltern vor dem
Die einzige Lösung für unsere gesellschaftlichen Probleme ist das Festhalten am offenbarten Wort Gottes.
Familiengericht verklagen. Für Minderjährige unter 14 Jahren dürfen die Eltern den Geschlechtseintrag im Standesamt ändern lassen. Eine verpflichtende Beratung im Vorhinein, wie bei Abtreibungen, sieht der Gesetzentwurf nicht vor.
Machtspiele vom Feinsten Um die Ziele der Woke-Bewegung zu erreichen, setzen Befürworter in Politik, Bildung, Medien und den progressi-
schlecht (männlich und weiblich) aufheben. Stattdessen
ven Kirchen u.a. die Zensur (in den USA als Cancel Culture
wird das „soziale Geschlecht“ als Norm definiert, wobei
bekannt) als Waffe ein. Unterstützt werden sie dabei von
jeder die Möglichkeit hat, aus den mittlerweile 72 Ge-
Tech-Giganten. Auch Deutschland wird von der Woke-Be-
schlechtern zu wählen.
wegung und den damit einhergehenden Einschränkungen
1
bezüglich Rede- und Meinungsfreiheit nicht verschont.
Der Bundesrepublik stehen ebenfalls Gesetzesänderungen bevor
Ein bekanntes Beispiel ist die Absage eines Vortrages an
Auch in Deutschland können wir uns der Genderdebatte
gleich Geschlecht. Sex, Gender und warum es in der
nicht entziehen. Die Ampelkoalition in Deutschland
Biologie nur zwei Geschlechter gibt“ lautete der Titel der
plant ein neues Selbstbestimmungsgesetz. Jeder soll
Biologin Marie-Luise Vollbrecht. Sie wollte im Rahmen der
sein Geschlecht frei wählen können. Die Unterscheidung
Langen Nacht der Wissenschaften referieren und wurde
zwischen weiblich und männlich aufgrund der XX- und
von der Uni „gecancelt“.2 Die Universität wurde für diese
XY-Geschlechtschromosomen und den biologischen
Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit scharf kritisiert
Geschlechtsmerkmalen zählen dann nicht mehr. Frau oder
und musste den Vortrag später wieder freigeben. In der
Mann ist, wer sagt, dass er sich so fühlt. Aus „Geschlecht“
Physik spricht man vom Prinzip „Actio“ und „Reactio“.
wird „Geschlechtsidentität“. Das Selbstbestimmungsge-
Bei der Wechselwirkung zwischen zwei Körpern erzeugt
setz orientiert sich dabei an der aktuellen Gendertheorie.
jede Aktion auch eine gleich große Reaktion. In der Politik
Neben dem biologischen Geschlecht gibt es somit auch ein
ist es ähnlich. Die Woke-Bewegung bei den Demokraten
soziales Geschlecht. Auch Minderjährige ab einem Alter von
erzeugt eine Gegenreaktion bei den Republikanern und
14 Jahren sollen ihr Geschlecht frei wählen dürfen, wenn
stärkt somit die politisch-motivierte religiöse Rechte.
der Humboldt-Universität in Berlin. „Geschlecht ist nicht
Biblisch gesehen sind beide Entwicklungen innerhalb der Der Sieg einer Trans-Schwimmerin (William Thomas, der sich aktuell als Lia Thomas identifiziert) bei den US-College-Meisterschaften 2022 befeuerte die gesellschaftliche Diskussion über die Gender-Thematik in den USA.
38
zwei Parteien höchst problematisch. Während bestimmte Kräfte innerhalb der Demokraten die Definition des Menschen – zum Bilde Gottes als Mann und Frau geschaffen
Eugen Hartwich Zwischen Pest und Cholera?
(1 Mose 1,27) – umdeuten, haben bestimmte Verfechter innerhalb der Republikaner das Ziel, die Trennung von
Auch in Deutschland können wir uns der Genderdebatte nicht entziehen, die Eingang in Gesetzgebung und Ausführungsbestimmungen findet.
Kirche und Staat aufzuheben (Lk 20,25). fen, an der göttlichen Definition der beiden Geschlechter
Wie wird dieses Kräftemessen am Ende ausgehen?
festzuhalten: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde,
Die Bibel sagt voraus, dass Moral und Ethik in den letzten
zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann
Tagen der Weltgeschichte einen absoluten Tiefpunkt er-
und Frau.“ (1 Mose 1,27) Das beinhaltet auch, jeden
reichen (2 Tim 3,1-5). Bei dem Versuch, wieder Ordnung in
Menschen, unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner
das Chaos zu bringen, werden die USA eine religiös-politi-
Nationalität, seiner Weltanschauung oder seiner sexuellen
sche Weltordnung etablieren (Offb 13,11-18). Dann ist
Neigung mit Respekt und einer würdevollen Behandlung
die Trennung von Kirche und Staat gänzlich aufgehoben.
zu begegnen. Wenn in der nächsten Zeit das Pendel im-
Die Folgen sind: „Wenn sich die führenden Kirchen der
mer weiter ausschlägt und die gesellschaftlichen Debatten
Vereinigten Staaten in den Lehrpunkten, die sie ohnehin
noch hitziger werden, können wir trotzdem zuversichtlich
gemeinsam haben, zusammenschließen, werden sie den
in die Zukunft blicken. Weder die Ideologie der Woke-Be-
Staat so beeinflussen, dass er ihre Verordnungen durch-
wegung noch die Verbindung von Kirche und Staat sind
setzt und ihre Einrichtungen unterstützt. Dann wird das
für uns die Lösung der Probleme, sondern das Festhalten
protestantische Amerika ein Bild der römisch-[katholischen]
am offenbarten Wort Gottes.
Hierarchie errichtet haben, und die Verhängung von Strafen über Andersgläubige wird unausweichlich folgen.“3
Buchtipp: Woolsey, R. (2023). Orientierung im Sturm. Sexualität, Identität und Liebe in der Bibel und der heutigen
Bleibt uns nur die Wahl zwischen Pest und Cholera?
Gesellschaft – eine Orientierungshilfe (deutschsprachige
Um beiden Irrwegen zu entgehen, ermutigt uns Jesus an
Ausgabe). Rudersberg: Konrad Print & Medien.
sagt uns: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (Joh
Quellen:
18,36) Wo die Trennung von Kirche und Staat eingehalten
1 https://bit.ly/3RinAH6 2 https://bit.ly/3RuL8J4 3 Ellen G. White: Vom Schatten zum Licht, S. 403 4 Buchempfehlungen: „Gewissen und Freiheit“ (https:// dv-religionsfreiheit.org/zeitschrift) & „Vom Schatten zum Licht“ (Ellen G. White)
wird, kann die Gewissensfreiheit für alle garantiert werden. Umso wichtiger ist es, sich an der Verbreitung des Evangeliums im Kontext der dreifachen Engelsbotschaft zu beteiligen und Menschen die freie Entscheidung zensurfrei zu ermöglichen. Aus diesem Grund unterstützen wir als Freikirche die Arbeit der Deutschen Vereinigung für Religionsfreiheit e.V. und fördern seit vielen Jahren die Verbreitung der Zeitschrift Gewissen und Freiheit.4
Eugen Hartwich ist Präsident der Freikirche der SiebentenTags-Adventisten in BadenWürttemberg.
BWGUNG Genderdebatte
der Trennung von Kirche und Staat festzuhalten. Er selbst
Darüber hinaus sind wir durch die Heilige Schrift aufgeru-
39
So kam ich zur Gemeinde ...
Ein Apfelstrudel mit Folgen Jörg Wurmitzer Ich fahre im Militärbus mit ca. 40-50 anderen Kameraden.
„Auch das noch“, dachte ich mir. Aber einer älteren
Sechs Wochen Grenzschutzdienst im Burgenland (Öster-
Dame kann man so einen Wunsch ja nicht so einfach aus-
reich) liegen hinter uns. Seltsame Gedanken gehen mir
schlagen... Ich ging hin und entdeckte, dass für mehrere
durch den Kopf. „Du kannst keinen Dienst mehr mit der
Personen gedeckt war. Nach einem kurzen „Teekränzchen“
Waffe machen. Das kannst du mit deinem Gewissen
wurden von den Anwesenden Bibeln hervorgeholt und ich
nicht mehr vereinbaren. Du kannst keine Gewalt mehr
war mitten in einem Bibelkreis. 21 Jahre hatte es gedauert,
ausüben.“ „Jörg, was ist denn mit dir los? Wirst du jetzt
bis ich das erste Mal eine Bibel länger als nur zum Einsor-
ein Weichling werden?“ Es arbeitet in meinem Inneren.
tieren in das Bücherregal in der Hand hielt. Ich hörte den
„Wie kommt es, dass ich so denke und empfinde?“, frage
Äußerungen und Erklärungen genau zu. Man sprach über
ich mich. Als Kind und Teenager war ich immer wieder
Daniel Kapitel 2. Auf dem Weg nach Hause überkam mich
(unschuldig – glaubte mir aber niemand) in Schlägereien
plötzlich die völlige Sicherheit und Überzeugung, dass das,
involviert, welche für die Kontrahenten nie gut ausgingen.
was ich dort gehört hatte, wahr ist.
Das war mir aber alles egal. Nie hatte ich irgendeine mitleidige Gefühlsregung oder Abneigung diesbezüglich.
Obwohl mir der Bibelkreis gefiel, war es zunächst nicht so,
Doch plötzlich dachte und fühlte ich anders. Warum?
dass ich schon zu Hause die Tage zählte, bis der nächste stattfand. Nur weil Angela immer wieder hartnäckig blieb,
40
Einige Zeit vor meinem Militärdienst saß ich in unserem
ging ich hin. Ich hatte ja nicht den Eindruck, dass mir
Gasthaus, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende er-
irgendetwas fehlte. Ich war gesund, hatte viele Freunde,
klang die Stimme von Angela: „Du, Jörg, ich würde dich
viele Aufgaben, viele Termine. Was ich anpackte, gelang in
gerne zum Apfelstrudel einladen. Magst du kommen?“
der Regel. Es gab also keinen Grund nach irgendetwas zu
betete zu Gott, dass, wenn es ihn gibt, er dafür sorgen
Früher dachte ich immer, mir würde nichts fehlen. Doch wahren Frieden erlebte ich erst, als ich mein Leben Gott übergab.
müsste, mir dies zu ermöglichen und auch am Sabbat freizubekommen. Zum Erstaunen aller wurde jede meiner Bitten innerhalb eines Tages erhört. Man schickte mich ins Militärgasthaus. Der Leiter dort war der gefürchtetste Mann. Er wütete und schnaubte, als ich ihm sagte, dass ich am Sabbat keinen Dienst machen würde. Aber ich erlebte, wie Gott ihm den Wind aus den Segeln nahm. Da ich für ihn unbrauchbar wurde, landete ich in der Küche. Dort hatte ich ein angenehmes Arbeitsleben und konnte sogar jedes Wochenende zu Hause verbringen. Nach all
Jörg Wurmitzer Ein Apfelstrudel mit Folgen
Kompanie zog ich mich sofort auf die Toilette zurück und
den persönlichen Veränderungen und Erlebnissen beim suchen. Ich war zufrieden und hatte auch innerlich Ruhe.
Militär zweifelte ich nun nicht mehr an der Existenz Got-
Lebenskrisen, Depressionen, allerlei Arten von Ängsten
tes. Ich ließ mich taufen und entschied mich, von nun an
etc. kannte ich nur aus Erzählungen anderer.
mein Leben mit Gott gemeinsam zu führen.
Die Zeit kam, um den Militärdienst zu bestreiten. Mein
Früher dachte ich immer, ich hätte alles und mir würde
Ziel war es, in die Pilotenausbildung aufgenommen zu
nichts fehlen. Doch wahren Frieden und Zufriedenheit
werden. Was ich nicht wusste, war, dass meine Oma Be-
erlebte ich erst, als ich mein Leben Gott übergeben hatte.
ziehungen zu einflussreichen Personen hatte. So saß ich
Ich habe nun eine echte Orientierung im Leben. Mein
plötzlich im Wohnzimmer des Brigadiers der Luftwaffe,
Leben ist auf einem sicheren Fundament aufgebaut, das
der mir zusicherte, dass er, unter gewissen passenden
nicht umgestoßen werden kann. Wer auf Gott vertraut,
Grundvoraussetzungen, dafür sorgen wolle, dass ich in
hat nicht auf Sand gebaut! Das ist meine Erfahrung der
das Pilotenausbildungsprogramm aufgenommen werden
letzten 23 Jahre.
würde. Nach ein paar Wochen Grundwehrdienst begannen die Untersuchungen und Tests. Regelmäßig wurden Listen veröffentlicht, die abbildeten, wer in die nächste Runde kommen würde. Schließlich stand auf einer Liste:
Der ehemalige Grenzschützer Jörg Wurmitzer durfte erleben, wie Gott sein Leben veränderte. Hier ist er mit seiner Familie zu sehen.
Rekrut Wurmitzer ist für den nächsten Durchgang nicht zugelassen. Der Grund war anscheinend, dass ich bereits zu alt sei. Das war natürlich nicht der Fall. Aber trotz aller Verbindungen musste ich das so hinnehmen. Ich stieg aus meiner damaligen Ausbildungskompanie aus, um in den Standardgrundwehrdienst zu wechseln. So kam ich ungeplant direkt ins Burgenland zum Grenzschutzdienst. Nun, was macht man, wenn einen der Grenzschutz nicht interessiert? Man sucht sich eine andere Beschäftigung. Ich beobachtete nicht die Grenze, sondern suchte in der Schrift. Ich las etwa 6-10 Stunden am Tag in der Bibel.
ten Gedanken. Auf einmal hatte ich Gottes Versprechen in Hesekiel 36, 26-27 vor Augen: „Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ Noch während der Fahrt fasste ich den Ent-
BWGUNG Gemeinde
Da saß ich nun im Bus mit all meinen zu Beginn erwähn-
schluss, keinen Dienst mehr an der Waffe zu leisten. In der
41
Bibel und Glaube
Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst Was für ein Bild kommt dir in den Sinn, wenn du an einen demütigen Menschen denkst? Es fällt uns häufig schwer, Demut wirklich zu definieren oder gar auszuleben – was oft zu sehr seltsamem Verhalten führt. Roman Wiens zeigt am Beispiel Jesu, dass Demut wahrscheinlich nicht das ist, was uns als erstes in den Sinn kommt und welchen Unterscheid das machen kann.
Egal ob bei Musikern, engagierten Gemeindegliedern
vergleichsweise viel über Stolz sprechen, wird sehr selten
oder selbst bei Pastoren, wenn anerkennende, wert-
wirklich definiert, was Demut ganz praktisch ist – in
schätzende Worte fallen, begegnen wir sehr oft einem
gewissem Sinne wird es den meisten selbst überlassen
seltsamen Unwohlsein. Wie begegnet man einem Lob am
abzuleiten, wie Demut aussieht. Die gängige Definition
besten? Während so mancher Lob gänzlich zurückweist
für Demut, die mir im Alltag am häufigsten begegnet,
oder einfach kommentarlos annimmt, scheint es oft, als
lässt sich wie folgt zusammenfassen: Demütig ist, wer
würden die meisten versuchen, diesem auf irgendeine
sich selbst möglichst klein macht. Aber wo kommt diese
Weise auszuweichen – häufig mit einem „Danke, aber …“
Definition eigentlich her?
eingeleitet. Vermutlich verhalten wir uns so orientierungslos, weil wir nicht dem Stolz verfallen wollen, und ver-
Die Begriffe, die in der Bibel am häufigsten mit „Demut“
suchen stattdessen, demütig zu wirken. Die Bibel schildert
übersetzt werden, vermitteln in ihrer Kernbedeutung
schließlich sehr eindrücklich, wie problematisch Stolz ist
etwas wie „niedrig sein“ oder „gering sein“. Wenn man
und ruft dazu auf, Demut zu üben. Gerade kürzlich las ich
bedenkt, dass diese Worte in den meisten Fällen im Ge-
wieder, wie pointiert Jakobus es formuliert: „Gott stellt
gensatz zu „hoch(mütig) sein“ oder „erhaben sein“ (also
sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt
„Stolz“) stehen, dann ergibt es Sinn, dass „nieder/gering
er Gnade“ (Jak 4,6b).
sein“ Demut spiegelt. Das hilft uns dann aber nur sehr begrenzt, wirklich zu verstehen, was Demut ganz praktisch
42
Intuitiv verstehen wahrscheinlich die meisten, dass eine
bedeutet – wie sieht „klein sein“ im biblischen Sinne aus?
stolze (oder sogar arrogante) Haltung unangemessen
Losgelöst von ihrem eigentlichen Kontext, werden diese
und eher abstoßend ist. Aber obwohl wir als Christen
bildhaften Begriffe schnell missverstanden und verleiten
dazu, sich künstlich klein (und schlecht) zu machen. Jesus, unser Vorbild, sagt aber von sich selbst Folgendes: „Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29a). Würde ein wahrhaft demütiger Mensch, nach der gängigen Definition von Demut, von sich selbst sagen, demütig
Als sich die Jünger stritten, wer der Bedeutendste von ihnen wäre, stellte Jesus ein Kind vor sie hin als Beispiel für Demut und Selbstvergessenheit.
Roman Wiens Demut – wahrscheinlich nicht, was du denkst
Demut heißt nicht, weniger von sich zu halten, sondern weniger an sich und mehr an andere zu denken.
zu sein? Eigentlich wäre das ein inhaltlicher Widerspruch – und dennoch tut es Jesus (wie auch Mose, Paulus und viele mehr). Das oft übersehene Problem beim gängigen
Mann der Welt“ zu bezeichnen (4 Mose 12,3), denn er
Verständnis von Demut ist, dass der Fokus immer noch
dachte wirklich mehr an andere als an sich selbst. Demut
auf einem selbst liegt: „Ich bin ja eigentlich doch nicht so
heißt also nicht, weniger von sich zu halten, sondern
gut, ich habe doch auch viele Schwächen, ich bin doch
weniger an sich und mehr an andere zu denken. Es ist
der Geringste, ich, ich, ich“ – solch eine Demut ist nur
gut, dass wir die mahnenden Worte von Jakobus (und
eine verschleierte Form des Stolzes. Sich (oft künstlich)
anderen) ernst nehmen, Stolz meiden und lieber Demut
herabzuwürdigen und klein zu machen, macht einen also
suchen wollen. Wenn wir aber nicht im Leben Christi for-
genau genommen nur für den eigenen Stolz blind. Was
schen, wie echte Demut wirklich aussieht, macht sich nur
genau ist dann aber die Demut von Jesus?
ein irreführendes, gefährliches und selten hinterfragtes Verständnis von Demut breit. So entgeht uns jedoch die
Paulus gibt uns einen guten Hinweis darauf, was an Jesu
wunderbare Tiefe eines unterschätzten Charakterzugs. Die
Charakter genau das Demütige ist, wenn er die Philipper
Worte von Jakobus bekommen aus diesem Blickwinkel
dazu aufruft, in der Geisteshaltung Jesu miteinander
nämlich eine ganz neue Tiefe.
sucht, sondern achtet in Demut einer den anderen höher
Gemessen am Leben Jesu ist Demut wahrscheinlich nicht
als sich selbst“ (Phil 2,3). Paulus beschreibt Demut hier als
das, was du denkst – zumindest war es nicht, was ich
das Gegenstück zu Selbstzentriertheit. Demut ist somit
dachte. Der wahrhaft Demütige interessiert sich herzlich
ein „von sich selbst wegsehen“, womit der Fokus auf das
wenig dafür, wie „demütig“ er auf andere wirkt – er
Gegenüber gelegt wird. Christus hat sich nicht künstlich
interessiert sich mehr für den anderen. Zu sehen, dass
geringer gemacht als er war (wie könnte der Schöpfer des
biblische Demut nicht ein Hervorheben eigener Schwäche
Universums auch „geringer“ werden als er ist), aber er
ist, sondern die erstaunliche Freude am Gegenüber, gibt
sah von sich weg und auf sein Gegenüber. Selbst in seiner
ihr eine herrliche Leichtigkeit. Jesus hat uns gezeigt, dass
dunkelsten Stunde, in Gethsemane, blickte er lieber auf
Demut etwas wundervoll Erstrebenswertes ist. Wollen wir
andere als auf sich selbst und äußerte die bewegenden
uns also weiter mit dem unangenehmen „Tanz“, demütig
Worte „aber nicht mein Wille geschehe“. Diese Demut
zu wirken, begnügen oder lieber wie Er von uns selbst
erkennt voll und ganz an, wer man ist, inklusive, dass ich
weg auf andere hinsehen?
Sünder bin, als auch die Gaben, die Gott mir geschenkt hat. Dabei verliert sich echte Demut aber nicht in sich selbst, sondern verschiebt den Fokus ganz bewusst – von mir weg auf mein Gegenüber. Am vorgelebten Beispiel Jesu sehen wir, dass Demut etwas anderes ist, als wir üblicherweise meinen würden. Mose war nicht überheblich, sich als den „demütigsten
Roman Wiens studierte Theologie in Bogenhofen und betreute als Pastor zuletzt die Gemeinde Stuttgart-Mitte. Aktuell macht er einen PhD an der Andrews University (USA).
BWGUNG Bibel und Glaube
umzugehen: „Tut nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhm-
43
Aus den Gemeinden
ging es dann richtig los mit dem täglichen Training: In jeweils zwei Einheiten übten wir Pass- und Schusstraining,
Rückblick
Freilaufen, Bewegung ohne Ball, Ballkontrolle, Flanken, bis hin zu Dribblings und Zweikämpfen. Jeder war bereit, auch noch das Letzte aus sich herauszuholen und wurde von den anderen angefeuert. Fußballquiz, Fifa-Turnier,
Die Fußballspieler treffen wieder aufeinander – Alles ist gut, solange man ein Team ist!
Let’s-Talk Abende und gemeinsame Erlebnisse brachten
Endlich war es wieder so weit! Das Fußballcamp in Enz-
hatten eine Menge Spaß.
uns näher zusammen. Wir knüpften Freundschaften und
klösterle ging in die zweite Runde. Bei meiner Ankunft am Fußballplatz wurde ich gleich auf das Schild aufmerksam
Ob wir ein Team geworden sind? Auf jeden Fall! Stärken
gemacht, welches bereits im letzten Jahr Motto des Fuß-
und Schwächen gab es bei jedem, jedoch diese richtig
ballcamps war: „Elf Freunde müsst ihr sein, um ein Team
einzusetzen, um eine Teamleistung im Spiel danach zu lie-
zu werden.“Einige Teilnehmer waren zum zweiten Mal
fern, schaffte ein echtes Wir-Gefühl. Außerdem waren wir
dabei, andere wiederum kamen neu dazu. Letztlich zähl-
alle eins in Jesus! Wir nahmen ihn mit in den Tag hinein
ten wir 10 Jungs und drei Trainer. In der vor uns liegenden
und baten ihn bei uns zu sein. Besondere Gemeinschaft
Woche erlebten wir eine besondere Atmosphäre – ähnlich
erlebten wir auch in der Andacht, in der wir uns mit dem
wie bei Profispielern, wenn sie eine Trainingswoche vor
Thema „Mann sein“ auseinandersetzten. Was sagt die
sich haben. Der Fokus lag hierbei darauf, Teamfähigkeit,
Bibel über dieses Thema? Welche Lebensgeschichten von
Durchhaltevermögen, Ausdauer, Technik und Kraft zu
Männern werden uns dort berichtet? Was bedeutet es,
trainieren, mit dem Ziel über sich hinauszuwachsen.
Verantwortung zu übernehmen, eine mündige Haltung zu entwickeln? Was macht uns als Männer aus? Diese
Das Wetter war traumhaft und hochmotiviert kamen alle
spannenden Fragen beschäftigten uns in diesen Tagen
an. Jeden Morgen startete der Tag mit einer Cardioein-
und waren immer wieder Teil unserer Gespräche.
heit, unmittelbar, nachdem sich die Jungs aus den Betten gequält hatten. Das war die beliebteste Trainingseinheit
Kurzum: Es war eine Hammer-Woche, die uns großen
– nicht. Dennoch gab jeder sein Bestes, weswegen das
Spaß machte und einfach richtig schön war. Der Einzige,
anschließende Frühstück eine willkommene Kraftquelle
der gefehlt hat, warst DU! Du bist ein fußballbegeisterter
war. So konnten wir sowohl körperlich als auch gleich da-
Jugendlicher oder eine fußballbegeisterte Jugendliche
nach bei einer kleinen Andacht geistlich auftanken. Später
und möchtest eine Woche voll mit Training, Spaß, super Essen und geistlichen Themen erleben? Dann sei dabei
Fußballcamp 2023 in Enzklösterle: Eine ganz besondere Woche mit Training, Spaß, super Essen und geistlichen Themen, die aus bloßen Teilnehmern ein echtes Team werden ließ.
44
im Jahr 2024, wenn es wieder heißt: „Elf Freunde müsst ihr sein ...“ Egal ob du ein Junge oder ein Mädchen bist, ob du im Verein spielst oder einfach in deiner Freizeit, du
Rückblick Aus den Gemeinden
bist herzlich willkommen! Wir freuen uns auf dich! Es war
Gemeinsam mit Gleichaltrigen Sabbat feiern, singen, zuhören, beten, essen, reden und lachen: der Landesjugendsabbat als kleiner Vorgeschmack auf die Ewigkeit.
eine großartige Gelegenheit, sich geistlich und körperlich weiterzuentwickeln – vielen Dank an die Adventjugend BW, die dies möglich gemacht hat! Außerdem ein großes
durfte jeder, der nach dem bunten Sabbatprogramm noch
Dankeschön an Hans Volgger und Simone Castoro, die
Lust auf mehr hatte, voller Erwartung Zeuge einer musika-
als Trainer viele wichtige Aufgaben übernahmen. Nicht
lischen Premiere werden: Die Musikgruppe tag7 führte ihr
zuletzt gilt der Dank auch Natalia Schatz für das wunder-
neues Album „Vorfreude“ auf! Die tiefgründigen Lieder
bare Essen!
berührten die Zuhörer und einige Texte werden sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.
Jonas Riedel, Gemeinde Gaildorf Es war wie immer wunderschön mit gleichaltrigen Ad-
Landesjugendsabbat mit einer musikalischen Premiere – Eine bunte Palette der Vorfreude auf die Ewigkeit
ventisten und Adventistinnen den Sabbat zu feiern, indem
Ich freue mich jedes Mal schon lange vorher auf den Lan-
auf die Ewigkeit und dank diesem herrlichen Sabbat hat
desjungendsabbat! Unter dem Motto „He is risen!“ fand
die „Vorfreude“ auf die Wiederkunft Jesu und die neue
er dieses Jahr im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch
Erde in den Herzen der Teilnehmenden noch tiefere Wur-
Gmünd statt. Das Programm war bunt gestaltet: Am Vor-
zeln schlagen dürfen.
man gemeinsam singt, zuhört, betet, isst, redet, lacht und spielt. All dies ist momentan nur ein kleiner Vorgeschmack
mittag gab es eine lebendige und ermutigende Ansprache von Bastian Ogon und am Nachmittag luden spannende
Nora Konrad, Gemeinde Murrhardt
wo wir uns vielleicht an der eigenen Nase fassen müssen“
Missionswochenende mit Benjamin Zihlmann – Eine Anleitung, um stille Zeugen nicht verstauben zu lassen
waren die Themen weit gefächert, weswegen inhaltlich
Ein Wochenende, das die Herzen berührte, die Sinne
jeder auf seine Kosten kam. Zudem schenkte uns Gott
erweckte und den Missionsgeist beflügelte – das Mis-
wunderschönes sonniges Wetter, sodass man auf der
sionswochenende „Mission mit Büchern“ war zweifellos
großen Wiese vor dem Veranstaltungsgebäude zwischen
eine einzigartige Erfahrung für alle Teilnehmer. Unter der
dem abwechslungsreichen Programm picknicken, Volley-
inspirierenden Leitung des Buchevangelisten Benjamin
ball spielen und spazieren gehen konnte. Es gab sogar
Zihlmann wurden wir auf eine Reise mitgenommen, die
zwei süße Überraschungen für alle: Crêpes und Eis! Ich
uns zeigte, wie Bücher die Welt verändern und wir mit
konnte mich mit vielen Leuten unterhalten, die ich schon
ihnen Menschen für Jesus gewinnen können. Schon am
lange nicht gesehen hatte und mit dem ein oder anderen
Freitagabend begann eine spannende Themenreihe mit
ein erfrischendes Glaubensgespräch führen. Am Abend
Vom Schatten zum Licht. In einem mitreißenden Vor-
„Wie kann ich den Willen Gottes für mein Leben erkennen?“ bis hin zu „Pharisäertum in unserer Gemeinde und
BWGUNG Rückblick
Workshops zu den unterschiedlichsten Themen ein. Von
45
Gemeinschaft stärken und geistlich auftanken – das konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Landesjugendsabbats, der dieses Jahr unter dem Motto „He is risen!“ stattfand.
den Vordergrund zu stellen, stellt sich als wegweisend für effektives Zeugnisgeben heraus. Es wurde deutlich, dass der Zugang zur Bibel über ein bewusstes Lesen von entscheidender Bedeutung sein kann und dass wir uns dafür
trag sprach Benjamin über die Zuversicht, die uns Jesus
einsetzen, den Menschen diese Werte zu vermitteln.
schenkt. Mit „strammem Schritt und erhobenem Kopf“ ermutigte er uns, Freundlichkeit und das Wesen Jesu in
Der Höhepunkt des Wochenendes war zweifellos der
unserem Umgang mit suchenden Menschen zu bewah-
Outreach am Sabbat. Eine Gruppe von Teilnehmern
ren. Mit praktischen Missionstipps, wie dem Stellen von
verteilte Bücher wie die Bibel, Vom Schatten zum Licht
Fragen und durch das Aufbauen von Gesprächen sollen
oder Sieg der Liebe mit einem Bollerwagen in der Stadt,
wir Gemeinsamkeiten suchen und offene Herzen für
während eine andere Gruppe von Tür zu Tür ging. Die
das Evangelium gewinnen. Dabei ist der Austausch von
Begeisterung und Freude, die wir beim Verschenken der
Kontaktdaten ein wichtiger Schlüssel für weiterführende
Bücher erlebten, sowie auch die spannenden Gespräche,
Begegnungen.
die wir mit einigen Interessierten führen konnten, waren tolle Erlebnisse.
Der Sabbat brachte uns weitere inspirierende Vorträge, die unsere Sicht auf Jesus erweiterten. Unter dem Motto
Am Sonntag wurden wir mit dem Thema „Macht und
„Kennst du Jesus?“ wurden wir herausgefordert, das Le-
Ohnmacht“ konfrontiert. Benjamin führte uns durch
ben und das Wesen Jesu genauer zu betrachten. Heutige
Einblicke über den Umgang mit Erfolg und Misserfolg.
Filme und Serien zeigen, wie die Gesellschaft Jesus gerne
Biblische Beispiele wie die Geschichte von Noah wurden
sehen möchte, doch ist dies auch das Bild, das die Bibel
herangezogen, um uns zu zeigen, dass Gott Möglich-
vom wahren Charakter Jesu widerspiegelt? Die Jünger
keiten schafft, die für uns unvorstellbar sind. Wir wurden
hatten sein vorbildliches Wesen in sich verinnerlicht, und
ermutigt, durch Gebet innerlich stark zu werden und klei-
wir wurden ermutigt, dies ebenfalls zu tun. Mit tiefgrün-
ne Schritte der Veränderung zu machen. Das Setzen von
digen Einsichten aus der Bibel und dem inspirierten Werk
Zielen und das Streben nach ihnen wurden als Schlüssel
von Ellen G. White wurde deutlich, wie viel wir noch von
zur Erfüllung unserer Missionsaufgabe betont.
Jesus lernen können. Der Abschluss des Wochenendes war Benjamins persön-
46
Ein weiterer Höhepunkt des Sabbats war der Vortrag über
liches Zeugnis über seinen Weg zum Buchevangelisten.
den Wert des Buches. Benjamin betonte eindringlich, dass
Er teilte uns mit, wie eine Berufung Gottes funktionieren
das Buch als Medium eine zeitlose Bedeutung hat und
kann und wie wir uns mit Gott abstimmen können. Die
als stiller Bote fungiert. Es vermag, Inhalte genial auf den
Bedeutung des Gebets, die Übereinstimmung mit der
Punkt zu bringen und die Menschen direkt anzusprechen.
Bibel als auch ein anschließendes Abwägen wurden
Das Zitieren der Bibel, anstatt unsere eigenen Worte in
dabei betont, um herauszufinden, ob wir auf Gottes Weg
zu haben! Nach der eher verhaltenen Beteiligung von gut
immer um uns kümmert, wenn wir uns ihm anvertrauen
450 Pfadfindern im letzten Jahr, rechneten wir dieses Mal
und unseren Weg mit ihm suchen.
mit etwa 600 Teilnehmern, aber selbst diese Zahl wurde noch übertroffen! In dem einen oder anderen Unterlager
Insgesamt war das Missionswochenende „Mission mit
führte das zu der Frage: „Wohin mit den ganzen Zelten?“,
Büchern“ ein außergewöhnliches Erlebnis. Benjamin hat
aber schließlich hatten sich alle arrangiert und wir konn-
uns in seiner langjährigen Erfahrung als Buchevangelist
ten gemeinsam Workshops, Geländespiele, Anspiele und
gezeigt, welche Macht Bücher haben, Herzen zu berühren
Ansprachen im Großzelt genießen.
und Leben zu verändern. Mit inspirierenden Vorträgen, einem gesegneten Outreach und tiefgründigen Reflexio-
Unter der Leitung der Ofi-Biber hatte eine ganze Gruppe
nen wurde uns bewusst, dass jeder von uns eine wichtige
an mehreren Vorbereitungs- und Probenwochenenden
Rolle in Gottes Mission hat. Mögen wir das Gelernte in
darauf hingearbeitet, die Geschichte von Mose in Ägypten
die Praxis umsetzen und weiterhin mit Büchern die Men-
anschaulich und professionell auf die Bühne zu bringen
schen erreichen.
und darüber hinaus zum erlebbaren Motto des ganzen
Rückblick Aus den Gemeinden
wandeln oder nicht. Es wurde jedoch klar, dass Gott sich
Lagers zu machen: „Helden werden nicht geboren“. Eine
Lukas Pfau, Gemeinde Freudenstadt
Wahrheit, die man ganz besonders gut am Leben von Mose sehen kann, denn nicht seine privilegierte Stellung
Unsere alljährliche Sternwanderung – Ein sonniges Miteinander in der Natur
als Ziehsohn der Prinzessin oder seine hohe Ausbildung
Nachdem die letzte Sternwanderung vor zehn Jahren, die
mütige Arbeit als Schafhirte bereitete ihn auf seine große
auf den Schachen bei Reutlingen führte, als „SchneeWa“
Aufgabe als Führer von Gottes Volk vor. Ruben Grieco, der
in die Pfadfindergeschichte eingegangen ist, hatte nicht
Leiter der Adventjugend in Deutschland, veranschaulichte
jeder die besten Erinnerungen an diesen Abschlusslager-
als Sprecher, was wir von Mose lernen können und dass
platz. Damals hatte es im Mai geschneit und nicht alle Zel-
sich ein Leben mit Gott lohnt!
machten ihn zum Glaubenshelden, sondern seine de-
te waren der Witterung gewachsen gewesen. Allerdings durften wir dieses Jahr den kompletten Kontrast erleben.
Dank des Prachtwetters ging auch der Abbau des Lagers
Selbst „SteWa Urgesteine“ – so die offizielle Bezeichnung
so schnell und reibungslos vonstatten wie noch selten. Ich
für jeden, der schon 25 und mehr Wanderungen mitge-
glaube, dass alle die dabei waren, sich schon darauf freu-
macht hat – konnten sich nicht entsinnen, je eine Wande-
en im nächsten Jahr ein noch größeres Lager zu erleben:
rung und Abschlusslager ohne einen Tropfen Regen erlebt
Gemeinsam mit den Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus Bayern auf der Nordalb bei Deggingen.
Christian Zahalka (Leiter der Scouts in Ba-Wü), Gemeinde Schorndorf
BWGUNG Rückblick
Eine sonnige STEWA 2023 verwöhnte mehr als 600 Pfadis und Leiter. Die komplette Wanderung einschließlich Abschlusslager ohne einen Tropfen Regen – Gott sei Dank für dieses schöne Erlebnis!
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Ausblick
Dezember-Januar November
01. - 03.12. | Jugendleitungstreffen Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt; Thema: „Retreat. Motivation. Networking.“; für Jugend-
10. - 12.11. | CPA-Gruppenleitertagung
leiter; Veranstalter: Adventjugend Baden-Württemberg;
Ort: Freizeitheim Diepoldsburg, 73266 Bissingen an der
Anmeldefrist: 15.11.2023
Teck; Thema: Planung SDV-Camp und die Schwerpunkte der CPA-Arbeit; für alle CPA-Gruppenleiter; Veranstalter: Advent-
08. - 10.12. | Bible Study Weekend for Teens
jugend Baden-Württemberg; Anmeldefrist: 05.11.2023
Ort: Freizeitheim Diepoldsburg, 73266 Bissingen an der Teck; Thema: Gethsemane; Sprecher: Bastian Ogon; für
17. - 19.11. | Missionsleitertagung
Teens im Alter von 13 bis 17 Jahren; weitere Infos werden
Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;
noch bekanntgegeben; Anmeldefrist: 01.12.2023
Thema: Missionarische Jahresplanung, aber wie?; Leitung: Thomas Knirr
08. - 10.12. | Wolkenflitzer Kita-Wochenende Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;
18. - 25.11. | Gebetswoche
Thema: Resilienz und Traumaprävention im Kindesalter;
Ort: Adventgemeinden; Thema: „Sein Zeuge sein“
für alle Interessierten von 0 bis 99; Referentin: Angela Indermaur; Leitung: Kai Ogon; Anmeldefrist: 01.12.2023
19.11. | Begleiter-Schulung (Klavier und Gitarre) Ort: Adventgemeinde Singen, 78224 Singen (Hohen-
15.12. | Online-Gebetstreffen
twiel); Thema: Musik Weiterbildung – Instrumentale
Ort: Zoom; Thema: Gemeinsam beten;
Gottesdienstgestaltung; für jugendliche und erwachsene
für alle Altersgruppen; Leitung: Thomas Knirr
Klavier- und Gitarrenspieler; Referent: Lucio Maier (Klavier) und Bernd Heibutzki (Gitarre); Anmeldefrist: 12.11.2023
29.12.23 - 01.01.24 | SinglePlus Silvesterfreizeit Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;
24.11. | Online-Gebetstreffen
Thema: Single; für Erwachsene; Leitung: Tobias Friedel;
Ort: Zoom; Thema: Gemeinsam beten;
Anmeldefrist: 15.12.2023
für alle Altersgruppen; Leitung: Thomas Knirr
12. - 14.01.24 | Teachers get Together
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28.11. | Ehrenamtstag für Juleica-Inhaber
Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;
Ort: Europa Park, 77977 Rust; für Ehrenamtliche
für alle Lehrer/innen sowie Lehramtsstudent/innen;
mit Juleica; Veranstalter: Adventjugend
Leitung: Caroline Stanke und Markus Witte
Ausblick November 2023 – September 2024
Januar-Mai 13.01.24 | Jahresanfangsgottesdienst Ort: in den jeweiligen Adventgemeinden
28.01.24 | Treffen zur Stärkung des Gebets- und Glaubenslebens Ort: Zoom; 19:30-21:00 Uhr; Thema: Die plötzliche
Juli-September
Leere – Trost finden in Zeiten der Trauer; für alle am Thema Interessierten; Referent: Frank Hasel; Zoom-Anmeldung unter: https://kurzelinks.de/Trauerverstehen
14.07.24 | Frauenbegegnungstag Ort: Adventgemeinde Mannheim, 68309 Mannheim; Thema:
16. - 18.02.24 | Ehewochenende
„Gaben und Fähigkeiten – von Gott gegeben. Auch du bist
Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt; The-
von Gott mit Gaben und Fähigkeiten beschenkt!“; für Frauen;
ma: Wenn das Wir gewinnt – die Architektur unserer Ehe;
Leitung: Marion Knirr; Anmeldefrist: 04.07.2024; Informatio-
für Ehepaare; Referenten: Annika & Fabian Looser Grön-
nen unter: https://adventisten.online/Seidabei
roos; Leitung: Marion Knirr; Anmeldefrist: 04.02.2024 Ort: Begegnungs- und Tagungszentrum Michelsberg, 73337
Ort: in den Caregroups und Hauskreisen; Thema: Care-
Bad Überkingen; Thema: Die Geschichte der Hoffnung (Offb
group-Evangelisation; für Erwachsene und Jugendliche;
12); für Erwachsene, Jugendliche und Kinder; Informationen
weitere Informationen unter: www.bw-gemeindeaufbau.de
und Anmeldung unter: www.josuacamp.de
12. - 14.04.24 | Frauenbegegnungswochenende
30.07. - 04.08.24 | Hope Camp
Ort: Haus Schwarzwaldsonne, 72250 Freudenstadt;
Ort: Friedensau, 39291 Möckern; Thema: „Freizeit gestalten,
Thema: Deine Reise von Eden nach Eden; für Frauen;
Freunde finden, Glauben entdecken!“; für Familien, Einzelper-
Referentin: Elida Oncea; Leitung: Marion Knirr;
sonen und ihre Freunde; Anmeldefrist: 31.05.2024; Informa-
Anmeldefrist: 01.04.2024
tionen unter: https://hope-camp.de/hope-camp-2024
17. - 20.05.24 | SinglePlus Pfingstfreizeit
01. - 10.09.24 | Studienreise Südfrankreich
Ort: Wendtorf/Ostsee; Thema: „Gemeinschaft.Impulse.
Ort: Südfrankreich; Thema: Die Kirche des Mittelalters
Erleben.“; für Erwachsene; Leitung: Tobias Friedel;
und die Reformation; für Jugendliche und Erwachsene;
Anmeldefrist: 02.05.2024
Leitung: Bernd Sengewald; Anmeldefrist: 31.05.2024
29.05.-02.06.24 | DVG Kongress „STARK!“ Ort: Tagungszentrum Blaubeuren, 89143 Blaubeuren;
Alle aktuellen Informationen sowie die vollständige
Thema: Resilient leben; für alle am Thema Interessierten;
Terminübersicht sind auf den Internetseiten der
Referenten: Gissela Abos-Padilla, Dominique Gummelt,
BWV zu finden. Anmeldung (wenn nicht anders
Herald Hopf, Zeno Charles-Marcel, Günther Maurer, Karl-
angegeben) unter: www.bw.adventisten.de/events
BWGUNG Ausblick
24. - 28.07.24 | J.O.S.U.A. Camp 01.03. - 02.04.24 | CARE 2024
Heinz Müller & Lorethy Starck; Anmeldefrist: 29.04.2024
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Was macht eigentlich... Reinhard Gelbrich?
Durch Gottes Eingreifen bewahrt „Wenn ich zurückblicke“, so sagt Reinhard Gelbrich, „dann wurde mir schon als Fünfjähriger bewusst, dass Gott real ist und sich um mich kümmert.“ Und dann schildert er, wie er als kleiner Bub mit dem Fahrrad beim Bauernhof in der Nachbarschaft Milch holen war: „Als ich mit der Milchkanne in der einen Hand und mit der anderen Hand am Fahrradlenker fast zuhause war, hörte ich hinter mir ein Moped kommen. Ich dachte bei mir, dass ich erst diesen Mopedfahrer vorbeilasse und dann abbiege, um zu unserem Haus zu kommen. Natürlich habe ich keinen Blick nach hinten getan, sondern bin ohne Vorwarnung abrupt nach links abgebogen. Deshalb war es mir nicht möglich, das Auto zu sehen, das direkt hinter dem Moped
„Was uns beide körperlich bis heute fit hält, sind eine gesunde Lebensweise und die tägliche Bewegung an der frischen Luft“, sagt Reinhard Gelbrich.
kam. Der Fahrer hatte natürlich keine Idee, dass ich, ohne ein Zeichen zu geben oder zurückzuschauen, einfach nach links abbiegen würde. Ich hörte nur noch ein Quietschen
später lernte er seine Frau Konny auf einer Jugendleiter-
der Reifen. Dann sah ich das Malheur. Der Autofahrer
schulung in Mühlenrahmede kennen. Nachdem sie 1975
hatte das Auto nach links herumgerissen und landete an
geheiratet hatten, war ihr erster Einsatzort in der Ad-
unserer Hausecke. Mein neues Fahrrad lag unter dem
ventgemeinde Pfalzgrafenweiler, im Bezirk Freudenstadt.
Auto wie eine Ziehharmonika. Die Milchkanne lag ca. 10
Danach können viele unterschiedliche Aufgaben und
Meter weiter auf der Straße – natürlich leer. Und ich stand
Einsatzorte in der Arbeit als Pastor aufgezählt werden. Ob
neben dem Auto und hatte nur eine ganz kleine Schram-
als Gemeindegründer oder als Bezirksprediger, Jugend-
me am rechten Knie. Wie ich heil aus diesem Unfall her-
abteilungsleiter oder Präsident, als Abteilungsleiter für das
ausgekommen bin, ist mir noch bis heute ein Rätsel.“
Predigtamt oder als Abteilungsleiter für Gemeindeaufbau: Sein Lieblingstext in der Bibel hat ihn in allen Höhen und
Seitdem hat Reinhard Gelbrich Gottes Eingreifen in seinem
Tiefen seines Dienstes begleitet: „Trachtet zuerst nach
Leben immer wieder erfahren. Aufgewachsen in einer ad-
dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird
ventistischen Gärtnerfamilie in Neuburg/Donau, schloss er
euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33)
sich mit 15 Jahren durch die Glaubenstaufe der Adventgemeinde an. Nach dem Schulabschluss machte er zunächst
Heute wohnen Reinhard und Konny in der Nähe von
eine Ausbildung zum Industriekaufmann und besuchte
Kronach (Nordbayern) und genießen ihren aktiven
anschließend die Fachhochschule in Ingolstadt, im Bereich
Ruhestand. Sie verbringen gerne Zeit mit ihren Töchtern
Wirtschaft. Dass er dann Prediger wurde, war wiederum
Daniela und Melanie inkl. ihrer Familie mit drei Enkel-
einer Fügung Gottes zu verdanken. Während seiner Schul-
kindern. Oder sie leiten die jährliche Wanderfreizeit in den
zeit in Ingolstadt wohnte er einige Zeit bei dem damaligen
Schweizer Alpen, oder sind unterwegs, um Seminare und
Prediger Ernst Hofmann und seiner Familie. Gelbrich
Evangelisationen zu halten. Sie bringen sich auch leitend
erzählt: „Ernst Hofmann hat gelebt, was er geglaubt hat,
in die Arbeit von ATS Deutschland ein. Wie das alles geht,
und hatte einen unerschütterlichen Glauben an das Wort
obwohl Reinhard schon über 70 Jahre alt ist? Er sagt:
Gottes. Dies hat mich mehr beeindruckt als alles andere.
„Was uns beide körperlich bis heute fit hält, sind eine
Eigentlich hatte ich nie vor, einmal Prediger zu werden,
gesunde Lebensweise und die tägliche Bewegung an der
aber sein Zeugnis hat mein Denken verändert.“
frischen Luft. Wir wandern nicht nur gerne in den Bergen, sondern walken fast jeden Tag 5-7 km von unserem Haus
So kam es, dass er 1972 auf das Predigerseminar nach Darmstadt ging, um Theologie zu studieren. Zwei Jahre
50
aus.“ tk
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Graphisches Konzept und Design Creative7, Herdwangen-Schönach; www . Creative 7. studio Druck und Versand: Konrad Print & Medien, Rudersberg Die Bibelzitate sind – falls nicht anders vermerkt – der Bibelübersetzung von Dr. Martin Luther (Revision 1984) entnommen.
Diese Zeitschrift darf, auch auszugsweise, ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers nicht reproduziert werden. Für unverlangt eingesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers, der Redaktion oder des Redaktionsvorstands wieder. Gerichtsstand ist Stuttgart.
Studienreise
01.-10.9.2024
Südfrankreich erleben Die Hugenotten, Katharer und die Römisch-Katholische Kirche – Was wir aus ihrer Geschichte lernen können
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Veranstalter
› Musée du Désert
Freikirche der STA in BW Abteilung Gemeindeaufbau Leitung: Bernd Sengewald
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