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Paracontact Sommer 2026

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Kochen mit Freude

Erleben Sie...

...Grenzenlosigkeit mit den sportlichen Vorspannbikes von Stricker!

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Geschätzte Leserinnen und Leser

Eine Querschnittlähmung verändert das Leben auf fundamentale Weise. Die körperlichen Möglichkeiten sind andere als zuvor. Einst einfache Handgriffe sind vielleicht nur noch mit grossem Aufwand oder Unterstützung Dritter zu bewältigen, und früher geliebte Aktivitäten werden unmöglich. In dieser Ausgabe berichten gleich mehrere Personen darüber, wie ihnen eine Leidenschaft hilft, mit ihrer Lebenssituation umzugehen.

Thomas Bretschneider schöpft Kraft für den Alltag auf seinen Tauch- und Safarireisen. Mindestens einmal im Jahr reist er mit seinem Kameraequipment nach Afrika und liegt im Jeep auf der Lauer, um im perfekten Moment das perfekte Foto zu schiessen.

Patrick Studers Lebenselixier hingegen ist das Wasser. Es bedeutet dem Tetraplegiker viel, dass er nach wie vor in unmittelbarer Ufernähe des Vierwaldstättersees wohnen kann. Dank einer Rampe gelangt er unkompliziert ans Wasser. Schwimmen und Fischen sind zwei Hobbys, die er im Vergleich zu vielen anderen auch nach seinem Unfall noch ausüben kann.

Und bei Bracha Fischel ist es die Kunst. Tunkt sie den Pinsel in die Farbe und zieht ihn anschliessend mit dem Mund gekonnt über die Leinwand, vergisst sie alles um sich herum. Mehrere Stunden am Tag verbringt die Künstlerin in ihrem Atelier.

«Lebensfreude wiederfinden»

Wieder einer Erwerbsarbeit nachgehen, sich im Sport messen, rausgehen und an der Gesellschaft teilhaben; dass das Leben mit Querschnittlähmung nicht aufs Abstellgleis führt, ist das Lebenswerk unseres im Februar verstorbenen Gründers Guido A. Zäch. Auf Seite 8 erzählen vier SPV-Mitglieder ganz persönlich, wie er ihr Leben beeinflusst hat. Bei der Lektüre dieses Berichts und aller weiteren Beiträge wünsche ich Ihnen viel Freude.

Herzlichst

Kontaktieren Sie uns unter info@rehapro.ch.

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Herausgeberin

Schweizer Paraplegiker-Vereinigung

Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil

Telefon 041 939 54 00

E-Mail spv@spv.ch www.spv.ch

Chefredaktorin

Evelyn Schmid

Redaktion

Laurent Prince, Nadja Venetz, Felix Schärer, Michael Bütikofer, Daniela Vozza, Peter Läuppi, Peter Birrer, Tina Achermann

Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann

Fotos

SPV, SPS, Adobe Stock, Freepik, Karin Dach, BadmintonPhoto, Swissparalympic/ Manuel Lopez, Swissparalympic/ Alexandra Wey, Swissparalympic/Gabriel Monnet, bindaphoto, Dominik Rüedi, Martina Conte, njovusafaris.ch, Pro Infirmis, zvg I. Ehrenbaum, Thomas Bretschneider, RC Aargau, Sergio Stoppani

Druck

Brunner Medien AG, www.bag.ch

Redaktionsschluss

Ausgabe Herbst 2026: abgeschlossen

Ausgabe Winter 2026: 26.8.2026

Auflage

8100 Exemplare deutsch

4 250 Exemplare französisch

Wir bemühen uns um gendergerechtes Schreiben, verwenden zur besseren

Lesbarkeit manchmal die weibliche oder männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter.

Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der SPV wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.

WIR BEWEGEN AKTUELL 6

NACHRUF

Vielen Dank für alles, Guido A. Zäch 8

AUS DEN CLUBS

Nimms mit Humor 10

NACHGEFRAGT

Die Stimme der Betroffenen 11

AUS DEM LEBEN ANGEHÖRIGE

Aus Liebe zur Familie 12

AUSGEDIENT

Das zweite Leben von Hilfsmitteln 15

RECHTSBERATUNG

SOZIALVERSICHERUNG

Auswandern, und dann? 16

INVALIDENVERSICHERUNG

Zwei Ablehnungen aufgehoben 19

MEDIZIN UND WISSENSCHAFT

VERGLEICH

Wie geht es Querschnittgelähmten weltweit? 20

HINDERNISFREI BAUEN

SEEN

Der

TAGUNG

Forschungsstand

Am Mittwoch, 28. Oktober 2026 findet am Nachmittag im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil die vierte Ausgabe der Fachtagung «Paraplegie: Wo steht die Forschung heute?» statt.

Merken Sie sich das Datum bereits heute vor. Informationen zum Programm und zur Anmeldung folgen in der nächsten Paracontact-Ausgabe.

NEUE MITARBEITENDE

Daniel Waber Architekt

Nach der Lehre zum Hochbauzeichner folgte das Architekturstudium. Und bis heute lässt Daniel Waber die Baubranche nicht los. Als Planer, Bau- und Projektleiter arbeitete er für verschiedene Architekturbüros. Nun bringt er seinen grossen Erfahrungsschatz bei der SPV ein.

Balance

In seiner Freizeit ist Daniel Waber stets in Bewegung. Er engagiert sich als Jugendtrainer im Unihockey und möchte sich die südchinesische Kampfkunst Ving Tsun aneignen. Im Yoga findet er seinen Ausgleich.

ESCIF-KONGRESS

Gut leben im Alter

Personen mit Querschnittlähmung werden immer älter. Was sind die Chancen und Herausforderungen?

Der diesjährige Kongress der europäischen Vereinigung ESCIF widmet sich einem Thema, das an Bedeutung gewinnt: Altern mit Querschnittlähmung. Wie sind die Systeme im medizinischen, sozialen und rechtlichen Bereich darauf vorbereitet, dass

querschnittgelähmte Menschen immer älter werden? Beispiele aus unterschiedlichen Ländern geben Einblick.

ESCIF lädt alljährlich Fachkräfte und Vertreter der Mitgliedorganisationen zum Austausch. Der diesjährige Kongress findet vom 27. bis 30. Mai im italienischen Comacchio statt. Auch die SPV ist mit zwei Delegierten vor Ort.

Janic Binda

Sportvermarktung

Nach einem Unfall fand Janic Binda zum Spitzensport und bereiste als Rollstuhlbasketball-Profi die USA und Europa. Teilweise parallel dazu absolvierte er sein Studium der Psychologie an der Uni Zürich. In den letzten fünf Jahren entwickelte er seine Expertise in Marketingstrategien und -technologien in einer Marketingagentur.

Sportliebe

Neben Rollstuhlbasketball gehört Monoski zu seinen Leidenschaften. Er kocht und isst gerne und geniesst es, mit seiner Frau neue Kulturen zu entdecken.

NATIONALE STRATEGIE

Umsetzung gestartet

Die Nationale Strategie Querschnittlähmung ist in der Umsetzung angekommen. Ziel ist es, die Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Querschnittlähmung in der Schweiz zu stärken.

In den letzten Monaten wurden die Arbeitsgruppen aufgebaut und die ersten Treffen fanden statt. Aktuell werden konkrete Projekte entwickelt und erste Umsetzungsschritte vorbereitet.

Im Fokus stehen die Weiterentwicklung des Atemmuskeltrainings zur Vorbeugung von Atemkomplikationen, die Stärkung der psychosozialen Unterstützung beim Übergang von der Rehabilitation in den Alltag sowie der Ausbau der Unterstützung und Entlastung für Angehörige. Weitere Projekte zum Zugang zur jährlichen Nachsorge und zur Förderung inklusiver Mobilität werden vorbereitet.

Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit Fachpersonen, Organisationen, Menschen mit Querschnittlähmung und Angehörigen. Auch die vier Schweizer Paraplegikerzentren sind aktiv eingebunden.

DELEGIERTENVERSAMMLUNG 2026

Die SPV ist auf Kurs

An der Delegiertenversammlung vom 2. Mai 2026 wurden der Jahresbericht und die Jahresrechnung 2025 einstimmig angenommen und eine Statutenänderung genehmigt.

Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung schliesst das Geschäftsjahr 2025 mit einem positiven Jahresergebnis von CHF 765 000.–ab, dies dank einer soliden Finanzierungsgrundlage und defensiven Anlagestrategie. So konnte die Dachorganisation auch 2025 ihr umfassendes Dienstleistungsangebot aufrechterhalten und sogar ausbauen.

2025 leistete die SPV 22 822 Beratungsstunden, koordinierte 370 Veranstaltungen sowie 15 Ferienreisen für Menschen mit ei-

ner Querschnittlähmung. Athletinnen und Athleten feierten 21 Medaillen an Titelwettkämpfen.

An der Delegiertenversammlung wurde ein weiterer Modernisierungsschritt gutgeheissen. Die vier Bereiche erhielten neue, präzisere Namen, was hilft, die Bekanntheit auszubauen und die Marke zu stärken. Neu heissen sie: Rollstuhlsport Schweiz und Freizeit, Hindernisfrei Bauen, Sozialund Peerberatung, Rechtsberatung.

Jahresbericht

Rückblick auf 2025

Spielnachmittag

Die Stiftung Idée Sport öffnet mit «Open Sunday» Turnhallen für Spiel und Bewegung für Kinder im Primarschulalter.

Der Rollstuhlclub Winterthur Schaffhausen organisierte am 15. Februar einen Open Sunday für Kinder mit und ohne Beein-

trächtigung, an dem sich alle im Rollstuhl fortbewegten. In einem Parcours mit verschiedenen spielerischen Herausforderungen sammelten alle Kinder ehrgeizig Punkte. Ein rundum gelungener polysportiver Nachmittag, der allen Beteiligten viel Spass bereitete.

NEU IM PRÄSIDIUM

RC Zürich

Luzius Diener

Geburtsdatum: 26.7.1976

Beruf: Inhaber einer IT-Firma Im Club seit: 1993

Hobbys: Rugby, Boot fahren Aktuelle Projekte des Clubs: Organisation des neuen Vorstands, neue Angebote schaffen und den Club weiterentwickeln

Angebote des Clubs: Kultur und Freizeit, Unihockey, Badminton, Rugby, Powerchair Hockey, Pilates

SPS

Zuwachs der Mitgliedschaften

2 Millionen Mitglieder verteilt auf 1,3 Millionen Haushalte zählte die GönnerVereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) per Ende 2025.

Dies entspricht einem Zuwachs von 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Mitgliedschaften in der Westschweiz stiegen sogar um 2,7 Prozent gegenüber 2024.

Die Einnahmen durch Mitgliederbeiträge und Spenden beliefen sich 2025 auf 80 Mio. Franken. Diese Mittel sichern das Leistungsnetz der SPS.

Vielen Dank für alles, Guido A. Zäch

Am 16. Februar 2026 ist Guido A. Zäch im Alter von 90 Jahren verstorben. Wie kein anderer hat er das Leben von Querschnittgelähmten in der Schweiz geprägt. Vier von ihnen erinnern sich.

Von Nadja Venetz

In den 1960er-Jahren hatte der junge Arzt Guido A. Zäch den ersten Kontakt mit querschnittgelähmten Patienten. Aus den Missständen, die er wahrnahm, entwickelte er seine Vision einer ganzheitlichen und lebenslangen Begleitung.

Als Chefarzt leitete er von 1973 bis 1989 das Paraplegikerzentrum Basel. 1975 rief er die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) ins Leben und gründete 1980 gemeinsam mit den sieben bereits bestehenden Rollstuhlclubs die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, der er 20 Jahre lang als Präsident vorstand.

Olga Manfredi

Zum letzten Mal haben wir uns in der Aula des Schweizer Paraplegiker-Zentrums anlässlich des Adventskonzerts gesprochen. Guido A. Zäch fragte mich, wie es mit der Inklusion läuft. «Harzig», erwiderte ich. Er antwortete: «Jetzt erst recht!» Aus Widerstand Motivation zu gewinnen, war typisch für ihn.

Leuchtturm

Mit seiner Vision der lebenslangen Begleitung hat er klar definiert, welche der von ihm gegründeten Institutionen welche Aufgaben wahrzunehmen hat. Die SPV kommt zum Zuge, sobald Menschen mit Querschnittlähmung die Rehaklinik verlassen; mit Beratungen, Sport- und Freizeitangeboten. Daraus ergibt sich bis heute unser Auftrag. Dieses breit abgestützte, durchdachte Leistungsnetz der Schweizer Paraplegiker-Gruppe ist einmalig. Sein Lebenswerk ist ein Leuchtturm für die gesamte Gesellschaft, ein Symbol für Hoffnung, Sicherheit und Stabilität, das zeigt, dass es sich lohnt, für Visionen zu kämpfen.

Ich habe Guido A. Zäch erst näher kennengelernt, als ich Präsidentin der SPV wurde. Wir pflegten einen regelmässigen Austausch, gelegentlich mit Meinungsverschiedenheiten. Aber ich habe von ihm sehr viel gelernt und viel Anerkennung für unseren Einsatz gespürt. Ganz klar, ohne Guido A. Zäch wäre die SPV, wenn es sie

überhaupt gäbe, eine ganz andere. Ich danke ihm in grosser Demut und wünsche mir, dass eines Tages alle Menschen mit Behinderung in den Genuss eines solchen Leistungsnetzes kommen.

Rosa Zaugg

Mein Bruder erlitt fünf Jahre vor mir eine Querschnittlähmung und wurde in Basel rehabilitiert. Als ich 1975 meinen Arbeitsunfall hatte, wollte ich auf keinen Fall nach Basel in diese trostlose Umgebung. Man sagte mir aber, es gebe dort einen neuen, motivierten Chefarzt. Ich fühlte sofort ein grosses Vertrauen. Guido A. Zäch war die erste Person, die wir Patienten am frühen Morgen gesehen haben, und am Abend die letzte.

Voller Stolz

Er motivierte mich, mit Sport anzufangen. An nationalen Sporttreffen war er stets als Zuschauer zugegen. Später, als ich auch an Paralympics teilnehmen durfte, stand er bei unserer Rückreise am Bahnhof oder Flughafen, oft mit einem Bundesrat und einer Musikgesellschaft. Wir spürten seinen Stolz, was uns zusätzlich motivierte.

In Basel herrschte ab 1975 Aufbruchstimmung. Nach Gründung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung reisten wir quer durchs Land. An Dorffesten, Grümpelturnieren und in Einkaufszentren haben wir mitgeholfen, am «Stand der Querschnittgelähm-

ten» auf die SPS aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Wir verteilten Kugelschreiber, T-Shirts und die ersten «Paraplegie»-Magazine. Er selbst war oft persönlich mit dabei. Guido A. Zäch hat die ganzheitliche Rehabilitation in der Schweiz Realität werden lassen. Ihm verdanken wir die Akzeptanz, die wir heute in weiten Teilen der Gesellschaft erleben.

Daniel Galliker

Als ich Ende April 1990 verunfallte, wurde ich noch ins Paraplegikerzentrum nach Basel gebracht. Guido A. Zäch war bei den Visiten meistens selbst dabei. Er war immer interessiert und nahm meine Bedürfnisse ernst. Aber er war auch ein bestimmter Mann, der genau wusste, was er wollte, und seine Erwartungen klar formulierte.

Berufstätig

Im September desselben Jahres fand im neu gebauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil ein Tag der offenen Tür statt. Ich schaute mir mit meinen Eltern die Klinik an. Die hellen Räumlichkeiten, aber auch die neuen Perspektiven gefielen uns sehr. Wir suchten das Gespräch mit Guido A. Zäch und erwirkten, dass ich für die verbleibende Zeit meiner Reha nach

Nottwil kam. So wurde ich zum ersten Patienten des SPZ. In Basel hiess es, aufgrund meiner hohen Lähmungshöhe sei eine berufliche Tätigkeit ausgeschlossen. Als ich in Nottwil ankam, ging man mit mir direkt das Thema Berufsfindung an. Ich war ja erst 18 Jahre alt. Es war die Zeit, in der das CAD-Zeichnen aufkam, was ermöglichte, dass ich meine Lehre abschliessen konnte. Noch heute arbeite ich als Hochbauzeichner. Ohne den ganzheitlichen Ansatz im SPZ und die Strukturen, die Guido A. Zäch geschaffen hat, wäre das nie möglich gewesen.

Noch Jahre später, wenn ich für eine Untersuchung in Nottwil war und wir uns zufällig auf dem Gang begegneten, grüsste er mich: «Grüezi Herr Galliker». Egal wie viel Zeit verging, er wusste die Namen seiner Patientinnen und Patienten.

Heiri Dürst

Ich habe an den letztjährigen Tagen der offenen Tür der Schweizer Paraplegiker-Stiftung Führungen gegeben. Nach meinem Unfall 2021 habe ich im SPZ meine Reha verbracht. Ich bin Nottwil sehr verbunden. Da sass ich also an diesem Sonntag und habe den vielen interessierten Besuchern

meine Geschichte erzählt. Und auf einmal sass er vor mir: Guido A. Zäch. Es war eine Situation wie im Film. Zuerst bin ich erschrocken, und als ich mich wieder gefangen hatte, nutzte ich die Gelegenheit und habe mich bei ihm persönlich bedankt für all das, was er für uns Querschnittgelähmte gemacht hat. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich. Profi wie er war, hat er meinen Dank aufgegriffen und ihn weitergeleitet an alle Gönnerinnen und Gönner.

In die Mitte der Gesellschaft

Meine Reha war lange nach seiner Zeit als leitender Chefarzt. Und dennoch war sein Geist auch während meines Klinikaufenthalts gegenwärtig. Langjährige Pflegerinnen haben oft Geschichten erzählt aus seiner Ära, sogar noch aus der Zeit in Basel. Er hat den Anstoss dazu gegeben, dass ich jetzt da bin, wo ich bin. Er hat uns Menschen mit Querschnittlähmung vom Rand mitten in die Gesellschaft geholt. Ich habe in Nottwil so viel Gutes erfahren, so viele Menschen haben mich gefördert; das kann ich nie wieder retour geben. Es bedeutet mir viel, dass ich ihn, der den Grundstein legte für all das, noch persönlich kennenlernen durfte.

Olga Manfredi gratuliert zum 90. Geburtstag.

Rosa Zaugg engagiert sich für die neugegründete SPS. Daniel Galliker kommt als erster Patient ins SPZ nach Nottwil.

Heiri Dürst trifft am Jubiläum auf Guido A. Zäch.

AUS DEN CLUBS

Nimms mit Humor

Es gibt Situationen, die sind so grotesk, dass man nur darüber lachen kann. Der CFR Lausanne geht einen Schritt weiter und veröffentlicht diese Situationen in einem Buch, um zu sensibilisieren.

Von Sonia Bretteville

Schon seit mehreren Jahren bringen die Absurditäten des Alltags die Clubmitglieder zum Lachen, die sich regelmässig über die Ungereimtheiten und Schwierigkeiten austauschen, denen sie begegnen. «Wir haben oft gedacht, dass es Stoff für ein Buch wäre», erzählt Aude Jardin, Präsidentin des CFR Lausanne.

Mit Humor Eindruck hinterlassen

Wenn man im Rollstuhl sitzt, verbringt man viel Zeit damit, zu erklären, dass es die Infrastruktur ist, die behindert. Tausende Artikel wurden über hindernisfreies Bauen geschrieben, es gibt Normen und auch Gesetze. «Doch für uns dauern die Paralympischen Spiele das ganze Jahr, und wir verdienen jeden Tag eine Medaille. Deshalb haben wir beschlossen, mit Humor zu sensibilisieren», erzählt die Vierzigjährige, die seit 2003 querschnittgelähmt ist.

Anekdoten in Hülle und Fülle

In der Überzeugung, dass ein unterhaltsamer Text die Leserschaft fesselt und alle anspricht, machte sich das Projektteam an die Arbeit. Der erste Schritt bestand darin, bei anderen Rollstuhlclubs in der Westschweiz lustige, aber wahrheitsgetreue Geschichten zu sammeln, die den Alltag von Menschen mit Behinderung veranschaulichen. Offensichtlich hatten die elf französischsprachigen Rollstuhlclubs jede Menge davon auf Lager, denn alle haben zum Fundus beigetragen. «Wir haben unglaublich viel Zeit damit verbracht, die Erlebnisse zu lesen und in die fünf Kategorien einzuordnen, die den Kapiteln unseres Buches entsprechen: Architektur und In-

frastruktur, Sport und Freizeit, Alltag, Verkehr, Pflege. Diese umfangreiche, aber erfüllende Aufgabe hat uns gezeigt, dass wir alle mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben und dass es notwendig ist, diese zu teilen, um uns gegenseitig aufzumuntern. Über sich selbst und die Situationen zu lachen, beruhigt die Gemüter. Das ist viel besser, als sich zurückzuziehen und sich allein zu ärgern», sagt Aude Jardin.

Trösten und aufklären

In lockerem Ton, im A5-Format und auf 48 Seiten stellt das Buch die Schwierigkeiten vor, die im Umgang mit der Bevölkerung oder Behörden auftreten, aber auch solche, die durch Baustellen, öffentliche Arbeiten oder den medizinischen Bereich verursacht werden. Unter der Leitung einer Fachkraft verfasst, ist die Publikation so konzipiert, dass sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene zugänglich ist

und gleichzeitig relevante Informationen wie anatomische Abbildungen und ein Verzeichnis nützlicher Adressen für Betroffene sowie für Behörden bereitstellt. Jedes Kapitel enthält Erläuterungen und humoristische Zeichnungen von Romain Mange. Der im Kanton Waadt bekannte Karikaturist hat die Lebensrealität von Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, mit viel Treffsicherheit eingefangen. Aude Jardin ist voller Bewunderung und Dankbarkeit: «Romain Mange hat von Anfang an den Sinn unseres Vorhabens verstanden und sogar seine Urheberrechte an unseren Club abgetreten. Das ist sehr grosszügig und ehrlich gesagt sehr willkommen, denn die Kosten sind beträchtlich.»

Suche nach Sponsoren

Jedes Projekt benötigt finanzielle Mittel. Der Club hofft, Sponsoren zu finden, die helfen, die für Herbst 2026 geplante Veröffentlichung zu finanzieren. Aude Jardin freut sich, wenn Unternehmen, die dazu beitragen möchten, Kontakt mit ihr aufnehmen. Es ist auch möglich, ein Exemplar vorzubestellen, um sicherzugehen, dass ein lehrreiches und unterhaltsames Geschenk unter dem Weihnachtsbaum liegt. Die Präsidentin hofft, dass die Deutschschweizer Clubs den Ball aufnehmen und ein ähnliches Projekt in deutscher Sprache realisieren.

Kontakt

Aude Jardin Tel. 076 236 41 68 presidente@cfrlausanne.ch

Im Rollstuhl zu sitzen bedeutet … mit zu hohen Schaltern konfrontiert zu sein. «Schon wieder ein Kind, das in die Sugus-Schale greifen will!»

NACHGEFRAGT

Die Stimme der Betroffenen

SwiSCI, die nationale Kohortenstudie für Menschen mit Rückenmarksverletzung, hat neu ein SCI Advocacy Board. Was es damit auf sich hat, erklärt uns Christine Thyrian, Leiterin des SwiSCI-Studienzentrums.

Was genau ist das SCI Advocacy Board? Es ist ein Betroffenenrat. Dieses Gremium haben wir Ende Novem ber 2025 gegründet. Aktuell besteht das Board aus fünf Personen mit einer Querschnittlähmung. Sie sollen unsere Projekte aus der Perspektive der Betroffenen beurteilen. Ist die Forschungsfrage für querschnitt gelähmte Menschen überhaupt von Bedeutung und lässt sich die Studie praktisch umsetzen?

Was bedeutet das konkret?

Wenn zum Beispiel eine Studie vorsieht, dass die Studienteilnehmenden innerhalb eines halben Jahres fünf Mal für einen Studientermin nach Nottwil fahren müssen,

ÜBER SWISCI

Die Swiss Spinal Cord Injury Cohort Study (SwiSCI) ist die grösste Langzeitstudie für Personen mit Rückenmarksverletzungen.

Sie gibt Auskunft zu Fragestellungen in den Bereichen Gesundheits-, Versorgungsund Sozialforschung.

Mehr Informationen swisci.ch

kann eine Rückmeldung des SCI Advocacy Boards sein: Fünf Termine sind eine Zumutung, zwei hingegen ein machbarer Aufwand. Es geht also darum, ob die Studien für die Betroffenen relevant genug sind, um den damit verbundenen Aufwand in Kauf zu nehmen. Ein anderes Beispiel ist der Fragebogen, den wir alle fünf Jahre verschicken. Mit dem Board haben wir die Möglichkeit, den Fragebogen zu testen: Sind die Fragen verständlich oder zu lang und zu kompliziert? Welche Themen fehlen? Gibt es Fragen, deren Beantwortung unangenehm ist? Das sind alles sehr wertvolle Rückmeldungen, die uns helfen, den Fragebogen so anzupassen, dass wir einen möglichst hohen Rücklauf haben. Das SCI Advocacy Board steht uns beratend zur Seite und erweitert unsere Perspektive.

Aus welcher Motivation heraus wurde das Advocacy Board gegründet?

Uns war schon immer wichtig, dass die Stimme der Betroffenen bei SwiSCI vertreten ist. Deshalb hatten wir bis anhin immer eine betroffene Person im höchsten Entscheidungsgremium der Studie. Über die Jahre wurde die Studie aber immer grösser und komplexer und wir haben festgestellt, dass eine Person allein nicht mehr ausreichend ist, um die Projekte auf die Bedürfnisse der Betroffenen auszurichten und die anfallende Arbeit zu bewältigen. In der Folge haben wir entschieden, ein separates Gremium von Betroffenen,

das SCI Advocacy Board, zu gründen, um der Stimme der Betroffenen mehr Gewicht zu geben.

Wie ist die Zusammenarbeit organisiert?

Zwei Mal pro Jahr treffen sich alle Gremien des SwiSCI-Netzwerks zu einem Austausch vor Ort in einer der vier auf Querschnittlähmung spezialisierten Rehakliniken. Auch die Mitglieder des SCI Advocacy Board nehmen daran teil. Insgesamt sind das dann rund 50 Personen. Zwischen diesen beiden Veranstaltungen tauschen wir vom Studienzentrum uns mit den Mitgliedern des SCI Advocacy Boards regelmässig in einem Online-Meeting aus. Bei diesen virtuellen Treffen stellen wir Projekte vor und verteilen «Hausaufgaben», wie etwa die Beurteilung eines Fragebogens.

Nach welchen Kriterien habt ihr den Rat zusammengesetzt?

Für die Startphase, in der wir uns immer noch befinden, haben wir fünf Personen aus dem Netzwerk der SPV und der vier auf Querschnittlähmung spezialisierten Rehakliniken rekrutiert. Dabei ist uns wichtig, dass der Rat möglichst divers zusammengesetzt ist, etwa in Bezug auf Geschlecht, Lähmungshöhe, Zeitdauer seit Eintritt der Querschnittlähmung und Region. Die SPV war uns da sehr behilflich. Die Amtszeit dauert zwei Jahre und kann bei gegenseitigem Einverständnis um weitere zwei Jahre verlängert werden.

ANGEHÖRIGE

Aus Liebe zur Familie

Rita und Silvan Duff kümmern sich pausenlos um ihren Sohn Pablo, den ein Verkehrsunfall zum Tetraplegiker gemacht hat. Ihre Geschichte zeigt, wie sie noch näher zusammengerückt sind – und wie sie trotz grosser Widerstände nie die Zuversicht verlieren.

Von Peter Birrer

Irgendwann sagt Rita Duff den Satz, der für ihren Mann Silvan wie ein Hilferuf klingt: «Ich könnte dich gut daheim brauchen.»

Seit dem 9. Oktober 2021 ist nichts mehr so wie früher im Alltag der Familie aus dem bündnerischen Ilanz. An diesem Tag macht ein Verkehrsunfall ihren damals 17-jährigen Sohn Pablo zu einem Tetraplegiker. Das trifft auch die Angehörigen schwer. Sie gehen an die Belastungsgrenze – und oft darüber hinaus.

«Könnt ihr nicht bei mir bleiben?»

Im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) plagt Pablo Duff nach der Aufwachphase starkes Heimweh. Rita und Silvan fahren in der ersten Woche täglich ins SPZ, 400 Kilometer hin und zurück. Das raubt Energie in einer Phase, in der die beiden kaum zur Ruhe kommen. Nachts halten sie tausend Gedanken wach. Und da sind die heftigen Emotionen, wenn in Nottwil ein Besuch endet. «Könnt ihr nicht bei mir bleiben?», fragt Pablo flehend.

Das geht ans Herz. Wühlt auf. Stimmt nachdenklich. Und führt dazu, dass Rita ein Zimmer in Nottwil mietet. Nur sieben Minuten benötigt sie, um ins SPZ zu gelangen. Für die Bereitschaft, ihre Agenda ganz nach dem Sohn auszurichten und gar temporär an den Sempachersee zu ziehen, gibt es nicht nur Anerkennung. Sie hört Bemerkungen, die schmerzen: «Habt ihr Abnabelungsprobleme?» Oder: «Er braucht euch mit bald 18 doch nicht mehr! …»

Pablo betont: «Es war mein Wunsch, eine vertraute Person in meiner Nähe zu wissen. Das gab mir Sicherheit.» Rita Duff lässt sich nicht beirren: «Er steckt in einer Situation, die sich niemand wünscht.» Silvan kümmert sich fortan nach seiner Arbeit als Lastwagenchauffeur um den Haushalt in Ilanz und weilt jeweils von Freitagabend bis Sonntag in Nottwil. Die Familie spürt eine grosse Solidarität. Freunde und Bekannte sammeln Geld, sie schicken Geschenke und Briefe mit aufmunternden Worten.

Grosse Herausforderungen zu Hause

Rita ist für ihren Sohn da, wenn er das möchte. Sie begleitet ihn zu Gesprächen

oder verbringt mit ihm viele Stunden im Zimmer. Daneben setzt sie sich mit Versicherungsfragen auseinander und regelt vieles rund um den Hausumbau in Ilanz. Die Zeit, die ihr noch bleibt, nutzt sie für Spaziergänge oder um sich in eine neue Materie zu vertiefen. Vor Pablos Unfall hat sie eine Ausbildung zur Maltherapeutin begonnen, die sie weiterverfolgen will.

Im Juni 2022 endet Pablos Reha-Aufenthalt im SPZ. Er freut sich unendlich auf seine geliebte Umgebung in der Surselva. Seine Mutter erhofft sich eine Rückkehr in die Normalität. Doch das, was sie fernab der Klinik meistern müssen, stellt sich als höchst anspruchsvolle Aufgabe dar. «Eine

Vater Silvan gibt seine Anstellung auf.

Betriebsanleitung dafür, wie das von Anfang an gut klappt, hat bis heute niemand geschrieben», sagt Silvan und fügt an: «Es war happig.»

Für die Morgenpflege von Pablo organisieren sie eine private Spitex. Den Rest der Pflege erledigt die 48-jährige Rita. Nach Feierabend packt auch Silvan kräftig an. An eine durchgehende Nachtruhe ist nicht zu denken. Der Sohn meldet sich mehrmals, weil ihn ein gesundheitliches Problem belastet, das er aufgrund seiner Einschränkungen nicht selbst lösen kann.

Das Ehepaar schaltet in einen Modus, in dem es einfach funktioniert. Aber Silvan Duff spürt sehr wohl, wie Ritas Kräfte kontinuierlich schwinden. Und dann kommt dieser alarmierende Satz: «Ich könnte dich gut daheim brauchen.» Er weiss, er muss einen Weg finden, um seine Frau zu entlasten. Bloss, wie soll das finanziell stemmbar sein?

Riesige Hilfe des SPV-Anwalts

An diesem Punkt kommt Michael Bütikofer ins Spiel. Der Anwalt und Notar leitet die Rechtsberatung der SPV und nimmt sich des komplexen Falles an. Für die Rechte von Pablo kämpft er unerbittlich – und mit Erfolg. «Mein Mandant wird für die Folgen des Unfalls wenigstens in finanzieller Hinsicht nahezu gänzlich schadlos gehalten.» Der Anwalt der SPV erwirkt, dass

die Haftpflichtversicherung zahlt und die Invaliden- sowie Unfallversicherung die zustehenden Leistungen vollständig erbringen. Das sorgt bei den Bündnern für riesige Erleichterung: «Wir wissen nicht, wo wir ohne Michael Bütikofer stünden.»

Der Durchbruch auf rechtlicher Ebene eröffnet eine Option. Silvan schlüpft in die Rolle der Assistenzperson. Er legt im November 2023 seine Arbeit als Chauffeur nieder und ist von nun an Teil des Teams, das für Pablo da ist. «Die Situation spitzte sich immer mehr zu und war irgendwann vor allem für Rita nicht mehr tragbar», erklärt der 51-Jährige. «Ich liebe meine Familie. Ich musste handeln.»

Die neue Konstellation erfordert eine transparente Kommunikation. Jede und jeder im Familienverbund meldet seine persönlichen Bedürfnisse an. Wenn Silvan den Kopf lüften will, verabschiedet er sich für ein paar Stunden auf sein Maiensäss; wenn Rita mit einer Freundin ins Kino möchte, liegt das nun ebenfalls drin. So schaffen sich beide ihre spärlichen, aber wertvollen Freiräume. Und gelegentlich kann das Duo gemeinsam etwas unternehmen – Pablos Schwester Sheila, sein bester Freund Tino und seine Kollegin Soraya springen zwischendurch ein.

Freundschaften auf dem Prüfstand «Wir sind noch näher zusammengerückt», findet Sheila Duff. Auch die 24-Jährige ist gefordert: die Eltern und Pablo unterstützen, weil das für sie eine Selbstverständlichkeit ist – aber auch die berufliche Ausbildung vorantreiben und einen eigenen Weg einschlagen. Diesen Spagat schafft sie.

Soziale Kontakte reduzieren sich. Spontane Treffen oder Ausflüge liegen nicht mehr drin. «Einige brachten kaum Verständnis auf und zogen sich zurück», erklärt Rita

Duff. «Es mag seltsam klingen, aber vielleicht hatten einzelne Menschen fast mehr Mühe mit der Situation als wir selbst.» Rita und Silvan Duff blenden das Negative aus, freuen sich über Besuche bei ihnen in Ilanz und darüber, dass in der schwierigen Zeit aus Bekanntschaften neue Freundschaften entstanden, die bis heute halten.

«Wir haben gelernt, den Augenblick zu geniessen.»

Der Humor kommt nicht zu kurz, was auch mit Pablo zu tun hat, der selten um einen trockenen Spruch verlegen ist. Ausserdem ist Hiphop da, das fünfte Familienmitglied: Pablos Assistenzhund sorgt mit seinen Einlagen oft für Lacher. Und in der Stube hängt seit Jahren eine Wanddekoration mit einem Spruch, der als Familienmotto taugt: «Wo Liebe ist, wird das Unmögliche möglich.»

Dankbar für Kleinigkeiten

«Wir haben gelernt, den Augenblick bewusst zu geniessen», sagt Rita Duff. Sie und ihr Mann mögen wenig Zeit für sich haben und die finanziellen Mittel sind beschränkt. Trotzdem betonen sie, dass ihre Lebensqualität stimmt und sie heute eher in der Lage sind, dankbar für vermeintliche Kleinigkeiten zu sein.

Was in ferner Zukunft ist oder sein könnte, darüber machen sie sich keine Gedanken. Pablo hat das Ziel, einmal Japan zu erkunden und später in einem eigenen Haus zu leben. Silvan geht davon aus, dass er eines Tages wieder ausser Haus arbeitet. Rita strebt eine Selbstständigkeit als Maltherapeutin an. Und da wäre noch etwas: Sie möchte einmal nach England und Irland reisen. Als sie davon erzählt, glänzen ihre Augen.

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Unser oberstes Ziel ist das selbstbestimmte Leben unserer Bewohner:innen. Wir beraten Sie gerne: info@rossfeld.ch oder Tel. 031 300 02 02.

AUSGEDIENT

Das zweite Leben von Hilfsmitteln

Rollstühle, Krücken und Duschstühle gehören zum Alltag von Personen mit Mobilitätseinschränkung. Wie kann man diese Hilfsmittel sinnvoll weitergeben, wenn man sie selbst nicht mehr benötigt?

Von Yann Avanthey, Peerberater SPV

Sie sind unverzichtbar, um Selbstständigkeit, Würde und Bewegungsfreiheit zu bewahren – unsere Hilfsmittel. Werden sie nicht mehr benötigt, kann man ihnen ein zweites Leben schenken und so einen persönlichen Gegenstand in eine Geste der Solidarität verwandeln. Wir zeigen Ihnen, wie Sie dabei vorgehen müssen und in welchen Fällen das überhaupt zulässig ist.

Von der IV finanziert

Wenn die Invalidenversicherung (IV) einen Rollstuhl oder ein anderes Hilfsmittel zur Verfügung stellt, geht dieses auch nach mehrjähriger Nutzung nicht in das Eigentum der versicherten Person über. Es bleibt Eigentum der IV.

Die meisten Hilfsmittel werden so lange ausgeliehen, wie sie benötigt werden und medizinisch gerechtfertigt sind. Das bedeutet, dass die versicherte Person sie im Alltag nutzen kann, während die IV für den Kauf, die Wartung und manchmal auch für Reparaturen aufkommt. Wenn die Hilfsmittel nicht mehr benötigt werden (Verbesserung des Gesundheitszustands, veränderte Lebensumstände oder Tod der versicherten Person), müssen diese ins IV-Depot, welches durch die SAHB bewirtschaftet wird, zurückgegeben werden.

Von der Unfallversicherung finanziert

Die Unfallversicherung (UV) verfolgt einen anderen Ansatz. Bei einer Körperverletzung übernimmt sie ein Hilfsmittel, wel-

ches angemessen ist, der Rehabilitation dient und auf die Bedürfnisse der versicherten Person angepasst ist. Die Versicherten sind angehalten, das Hilfsmittel mit Sorgfalt zu verwenden, da Reparaturen oder Ersatz ebenfalls übernommen werden. Im Unterschied zur IV geht das Hilfsmittel jedoch ohne Mindestnutzungsdauer in den Besitz des Versicherten über.

Von der Schweizer ParaplegikerStiftung finanziert

Wenn Hilfsmittel, die von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) finanziert wurden, nicht mehr benötigt werden, muss mit der SPS Kontakt aufgenommen werden. Diese gibt der Orthotec den Auftrag, das Hilfsmittel zurückzunehmen. Aus hygienischen Gründen ausgenommen von einer Rücknahme sind Produkte wie Matratzen, Duschrollstühle, Duschklappsitze, WC-Erhöhungen oder ähnliche Hilfsmit-

tel. Nach der Rücknahme werden die Hilfsmittel sorgfältig überprüft und wiederaufbereitet, sodass sie erneut für den täglichen Einsatz bereitgestellt werden können. Wenn eine Wiederverwendung nicht möglich ist, werden die Hilfsmittel fachgerecht entsorgt.

Hilfsmittel, die im Besitz der Klienten sind, sei es, weil sie von der Unfallversicherung oder eigenständig finanziert wurden, können gespendet werden. Je nach Zustand wird das Hilfsmittel von der Orthotec überprüft, bei Bedarf aufgearbeitet und intern genutzt, beispielsweise in der Ergotherapie, im Occasionslager oder als Überbrückungsrollstühle, die den Kundinnen und Kunden vorübergehend zur Verfügung gestellt werden. Oder Orthotec vermittelt die Hilfsmittel an ausländische Hilfsprojekte wie beispielsweise «Rollaid», Projekte in der Ukraine oder in Georgien. Diese Organisationen bereiten die Hilfsmittel selbstständig wieder auf. Dadurch haben auch weniger bemittelte Personen im Inund Ausland Zugang zu Hilfsmitteln, die ihnen das Leben erleichtern.

Als weitere Möglichkeit stellt die SAHB auf ihrer Website einen Occasionsmarkt zur Verfügung. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine Plattform, welche Käufer und Verkäufer miteinander verbindet. Die SAHB ist nicht in den effektiven Verkauf involviert.

Kontakt

Orthotec, Tel. 041 939 56 90 auftragsbearbeitung@orthotec.ch Occasionsmarkt SAHB www.sahb.ch (Service)

Occasion

Was man mit Hilfsmitteln tun darf, ist davon abhängig, wer sie finanziert hat.

SOZIALVERSICHERUNGSLEISTUNGEN

Auswandern, und dann?

Personen, die Leistungen von schweizerischen Sozialversicherungen beziehen, stellen sich regelmässig die Frage, welchen Einfluss ihr Wohnsitz oder ein Wegzug ins Ausland auf ihre Leistungen hat.

Von Lukas Zangger, Rechtsanwalt

Ob und welche Sozialversicherungsleistungen sich ins Ausland «exportieren» lassen, ist eine rechtlich komplexe Thematik, da hierzu zahlreiche Sozialversicherungsabkommen zwischen der Schweiz und den anderen Staaten bestehen. Eine einheitliche Antwort lässt sich daher nicht geben. Stattdessen soll versucht werden, einen Überblick über die Exportierbarkeit von schweizerischen Sozialversicherungsleistungen ins Ausland zu verschaffen.

Leistungen der Invalidenversicherung

Die Leistungspflicht der IV ist grundsätzlich an den Wohnsitz oder die Erwerbstätigkeit der betroffenen Person in der Schweiz gebunden. Für den Bezug der Leistungen im Ausland bestehen indessen zahlreiche Sonderbestimmungen, welche den Export unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen.

DEFINITION

Der Wohnsitz ist der Ort, wo sich eine Person mit der Absicht dauernden Verbleibs aufhält und wo sich ihr Lebensmittelpunkt befindet.

Eine Person kann nur einen einzigen Wohnsitz haben. Auch längere Abwesenheiten über einige Monate führen nicht zwingend zur Aufgabe eines Wohnsitzes, wenn die Person ihren Lebensmittelpunkt nicht verlegt und beabsichtigt, zurückzukehren.

Bei den Leistungen der IV ist zunächst zwischen Sachleistungen und Geldleistungen zu unterscheiden. Sachleistungen sind sämtliche Leistungen, welche für die Behandlung, Linderung oder Behebung der invaliditätsbedingten Einschränkungen vorgesehen sind. Dazu gehören u. a. die verschiedenen Hilfsmittel, die Pflege und Heilbehandlung oder die beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Eine Sachleistung liegt auch vor, wenn die IV der betroffenen Person lediglich Kosten erstattet, damit sich diese die entsprechende Sache selbst besorgen kann.

Geldleistungen sind demgegenüber Leistungen, die den Charakter von Ersatz- oder Zusatzeinkommen aufweisen. Hierzu zählen insbesondere Taggelder, Renten, die Hilflosenentschädigung oder auch die Assistenzbeiträge.

Für den Leistungsexport gilt, dass Sachleistungen grundsätzlich nicht ins Ausland exportiert werden können. Hiervon gibt es wenige Ausnahmen, die an strenge Voraussetzungen geknüpft sind. Bei Eingliederungsmassnahmen ist es möglich, dass diese ausnahmsweise im Ausland durchgeführt werden, wenn die hierfür erforderlichen Institutionen oder Fachpersonen in der Schweiz fehlen oder andere beachtliche Gründe vorliegen. Ein beachtlicher Grund ist jedoch nicht dadurch gegeben, dass die Sachleistung nur im Ausland erbracht werden kann, weil sich die betroffene Person dort aufhält. So entschied das Bundesgericht in einem jüngeren Urteil,

dass bauliche Massnahmen im Ausland nicht von der IV zu übernehmen sind. Die Tatsache, dass die Massnahmen aufgrund der Lage des Hauses gar nicht in der Schweiz durchgeführt werden können, stelle keinen Grund für einen ausnahmsweisen Leistungsexport dar.¹

Geldleistungen der IV sind demgegenüber bei einem Wohnsitz im Ausland grundsätzlich beziehbar. Auch hierbei bestehen indessen mehrere Ausnahmen und gewisse Einschränkungen, so dass die Möglichkeit des Leistungsbezugs im Ausland für Geldleistungen einzeln zu prüfen ist.

Ordentliche Renten: Der Bezug der ordentlichen Invalidenrente bei Wohnsitz im Ausland hängt vom Invaliditätsgrad, der Staatsangehörigkeit und des konkreten Wohnsitzlandes ab:

– Schweizer Bürger: Sofern Anspruch auf mindestens eine halbe Invalidenrente besteht (Invaliditätsgrad von mind. 50 %), kann die Rente weltweit bezogen werden. Bei einem Rentenanspruch von weniger als einer halben Rente (Invaliditätsgrad 40 –49%) ist ein Bezug nur möglich, wenn sich der Wohnsitz in einem EU-/EFTALand befindet. Ausserhalb der EU/EFTA ist ein Bezug von Invalidenrenten unter 50 % nicht möglich.

– EU-/EFTA-Bürger: Invalidenrenten von 50 % und mehr können weltweit bezogen werden. Ein Rentenbezug von unter 50% ist nur möglich, wenn der EU-Bürger in einem EU-Land resp. der EFTA-Bürger in einem EFTA-Land Wohnsitz hat.

– Bürger von anderen Staaten: Invalidenrenten von 50 % und mehr können nur bezogen werden, wenn ihr Staat mit der Schweiz ein entsprechendes Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Der Bezug von Invalidenrenten unter 50 % ist hingegen nicht möglich.

Die IV kennt verschiedene sog. beitragsunabhängige Geldleistungen. Im Gegensatz zu den ordentlichen Renten und Taggeldern werden diese Leistungen unabhängig von der Höhe der geleisteten AHV/IVBeiträge festgelegt und gewährt. Zu diesen beitragsunabhängigen Geldleistungen gehören namentlich die Hilflosenentschädigung, die Assistenzbeiträge und die ausserordentliche Invalidenrente. Diese beitragsunabhängigen Geldleistungen können nur bezogen werden, wenn die betroffene Person Wohnsitz in der Schweiz hat, und sind daher nicht ins Ausland exportierbar.

Leistungen der AHV

Der Bezug von Leistungen der AHV bei Wohnsitz im Ausland gestaltet sich analog zu demjenigen der IV. Auch bei der AHV gilt, dass Sachleistungen und die beitragsunabhängigen Geldleistungen bei einem Wohnsitz im Ausland nicht bezogen werden können.

Die AHV-Rente kann von Schweizer Bürgern sowie Bürgern von EU-/EFTA-Staaten hingegen weltweit bezogen werden. Für Staatsangehörige anderer Länder setzt der Bezug der AHV-Rente voraus, dass ihr Staat mit der Schweiz ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat.

Leistungen der Unfallversicherung

Die Leistungen der Unfallversicherung hängen nicht vom Wohnsitz ab, sondern ob die Person aufgrund einer Beschäftigung in der Schweiz obligatorisch versichert ist. Eine versicherte Person erhält Leistungen der Unfallversicherung daher unabhängig von ihrem Wohnsitz. Dennoch kann der Wohnsitz oder Aufenthalt im Ausland Auswirkungen auf die Art der Leistungserbringung haben.

Auch bei der Unfallversicherung ist zwischen Geldleistungen und Sachleistungen zu unterscheiden. Auf Geldleistungen hat

der Wohnsitz keinen Einfluss und diese werden in gleichem Umfang auch im Ausland ausgerichtet.

Für Sachleistungen bleibt die Unfallversicherung zwar leistungspflichtig, allerdings werden diese von einem lokalen Versicherungsträger erbracht, wofür die Unfallversicherung die Kosten trägt (sog. Sachleistungsaushilfe). Bei Wohnsitz in der EU/ EFTA werden diese Kosten nach den lokal

gänzungsleistungen nach dem dritten Monat eingestellt, auch wenn die Person ihren Wohnsitz weiterhin in der Schweiz hat.

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein Wohnsitz im Ausland resp. ein Wegzug aus der Schweiz einen grossen Einfluss auf den Anspruch von Sozialversicherungsleistungen haben kann. Während einige Leistungen nicht beeinflusst

geltenden Tarifen übernommen. Bei Wohnsitz in einem Drittstaat ist die Kostenübernahme indessen begrenzt auf maximal das Doppelte, was die Leistungserbringung in der Schweiz kosten würde. Bei teuren Behandlungen im Ausland besteht daher das Risiko, dass die Unfallversicherung die Kosten nicht vollständig übernimmt.

Ergänzungsleistungen

Die Ergänzungsleistungen sind an den Wohnsitz und Aufenthalt in der Schweiz gebunden und können nicht im Ausland bezogen werden. Bloss kurzfristige Aufenthalte im Ausland lassen den Anspruch noch nicht untergehen. Dauert der Aufenthalt im Ausland pro Jahr indessen mehr als drei Monate pro Jahr, werden die Er-

werden, fallen bestimmte Leistungen vollständig dahin, während andere Leistungen wiederum von der Nationalität, dem Wohnsitzland oder dem Vorliegen eines Staatsvertrages abhängen. Angesichts dieser erheblichen Rechtsunsicherheit für die betroffene Person ist es möglich, vor einem Wegzug ins Ausland von den Sozialversicherungen eine Feststellungsverfügung zu verlangen, in welcher die Auswirkungen eines Wegzuges auf die Versicherungsleistungen festgehalten werden.²

¹ Urteil des Bundesgerichts

8C_453/2024 vom 15. September 2025

² BGE 142 V 2 E. 1.2.

Wohnsitz im Ausland Welche Leistungen können bezogen werden?

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INVALIDENVERSICHERUNG

Zwei Ablehnungen aufgehoben

Die Invalidenversicherung (IV) hat in zwei Fällen Amortisationsbeiträge für Fahrzeuge abgelehnt. Dank der von Anwältinnen und Anwälten der SPV erhobenen Beschwerden wurden sie den Begünstigten durch das Kantonsgericht Waadt schliesslich doch gewährt.

Von Virginie Müller, Rechtsanwältin

Menschen mit Rückenmarksverletzungen sind auf zahlreiche Hilfsmittel angewiesen. Viele davon werden von den Sozialversicherungen übernommen. Unter anderem kann die IV einen jährlichen Amortisationsbeitrag in Höhe von CHF 3000.– für ein Fahrzeug gewähren.

Allgemeinen Bedingungen

Der Amortisationsbeitrag für ein Auto ist in Ziffer 10.04 des Anhangs der HVI¹ vorgesehen. Der Beitrag wird namentlich dann ausgerichtet, wenn die versicherte Person:

– auf ein persönliches Motorfahrzeug angewiesen ist, um zu ihrer Arbeit zu gelangen;

– voraussichtlich dauernd eine Erwerbstätigkeit ausübt;

– und mit dieser Erwerbstätigkeit ihre Existenz sichern kann.

Die dritte Bedingung gilt als erfüllt, wenn das Einkommen der Person einen bestimmten Betrag erreicht, der regelmässig angepasst wird. Seit 1. Januar 2025 ist er auf CHF  1890.– monatlich festgesetzt. Viele Fälle werfen keine Fragen auf. Andere führen zu Rechtsstreitigkeiten zwischen der IV und den versicherten Personen.

2025 hob das Kantonsgericht Waadt Ablehnungen der IV in zwei Fällen auf und sprach den Begünstigten die Beiträge zu. Im Folgenden werden die Entscheide zusammengefasst.

Erster Fall: der Bonus² Frau A. arbeitet in einem reduzierten Pensum. Sie erhält seit Langem einen Amorti-

sationsbeitrag für ihr Fahrzeug. 2024 betrug ihr Monatseinkommen CHF 1700.–. Im Sommer 2024 erhielt sie zusätzlich einen Jahresbonus von CHF 1800.–.

Die IV lehnte die Zahlung des Amortisationsbeitrags für das Jahr 2024 ab. Sie war der Auffassung, dass der Mindestbetrag von CHF 1838.– (der im Jahr 2024 galt) jeden Monat individuell erreicht werden muss, um einen Anspruch auf den Beitrag zu begründen.

Auf Beschwerde hin gab das Kantonsgericht Frau A. recht. Entgegen der Auffassung der IV ist nicht entscheidend, dass das Monatseinkommen von Frau A. manchmal unter und manchmal über dem festgelegten Mindestbetrag liegt. Massgeblich ist, dass dieser Betrag im Jahresdurchschnitt erreicht wird.

Zweiter Fall: Taggelder ³

Herr B. arbeitet Teilzeit und bezieht den Amortisationsbeitrag seit vielen Jahren. Im Jahr 2024 war er wegen Komplikationen im Zusammenhang mit seiner Paraplegie mehrere Wochen hospitalisiert. Die Unfallversicherung zahlte in diesem Fall Taggelder an den Arbeitgeber, der sie anschliessend an Herrn B. überwies.

Die IV lehnte die Zahlung des Amortisationsbeitrags für das Jahr 2024 ab. Sie vertrat die Auffassung, dass die Taggelder nicht Bestandteil des Einkommens von Herrn B. seien. Durch diesen Abzug wurde der monatliche Schwellenwert von CHF 1838.– nicht erreicht.

Herr B. erhob Beschwerde gegen den Entscheid und erhielt Recht. Das Kantonsgericht bestätigte, dass die von der Unfallversicherung gezahlten Taggelder ein Ersatz für den Lohn von Herrn B. und daher Bestandteil des Einkommens waren, das er aufgrund seiner Erwerbstätigkeit erhält.

Beschwerde erheben?

In diesen beiden Fällen erhielten die Versicherten letztlich den Amortisationsbeitrag. Diese beiden Fälle zeigen, dass es sich durchaus lohnen kann, einen negativen Entscheid der Versicherungen kritisch zu prüfen. Die Anwältinnen und Anwälte der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung stehen Ihnen dafür gerne zur Verfügung.

¹ Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung

² Urteil ZD24.051410 des Kantonsgerichts Waadt vom 26. März 2025

³ Urteil ZD25.017366 des Kantonsgerichts Waadt vom 13. November 2025

VERGLEICH

Wie geht es Querschnittgelähmten weltweit?

Die neuesten Daten aus der internationalen InSCI-Studie zeigen, wie es sich mit einer Querschnittlähmung lebt – in der Schweiz und 30 anderen Ländern. Einige Erkenntnisse sind überraschend.

Von Johannes Kinast, Verantwortlicher Kommunikation Schweizer Paraplegiker-Forschung

Wie ist die Situation von Querschnittgelähmten weltweit? Die Antworten darauf könnten unterschiedlicher kaum sein.

Die internationale InSCI-Studie (International Spinal Cord Injury Survey), koordiniert von der Schweizer Paraplegiker-Forschung, zeigt: Gesundheitsversorgung, Gesundheitssystem und Teilhabe am Arbeitsmarkt hängen stark davon ab, wo jemand lebt. Über 15 000 Menschen aus 31 Ländern haben zwischen 2022 und 2024 dazu Auskunft gegeben – und bieten so einen einzigartigen Einblick in das Leben mit Querschnittlähmung weltweit.

Unfallursachen und Gesundheitsprobleme

Wer hat an der Umfrage teilgenommen? 70 Prozent der weltweit befragten Personen waren Männer. Das mittlere Alter lag bei 43 Jahren, im Durchschnitt waren die Befragten seit acht Jahren querschnittge-

lähmt. Fast drei Viertel gaben an, im Alltag auf Unterstützung angewiesen zu sein. 87 Prozent der Befragten hatten eine traumatische Querschnittlähmung. Die häufigsten Ursachen waren Verkehrsunfälle (35 %), Stürze aus über einem Meter Höhe (18 %) und Arbeitsunfälle (14 %). Doch die Unfallursachen unterscheiden sich stark zwischen den Ländern: So entfallen in Marokko 31 Prozent der traumatischen Querschnittlähmungen auf Arbeitsunfälle, in Italien 52 Prozent auf Verkehrsunfälle und im Iran 48 Prozent auf Stürze aus über einem Meter Höhe.

Viele Menschen mit Querschnittlähmung weltweit sind mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert. Besonders häufig werden Schmerzen genannt (82 %). Ebenfalls weit verbreitet sind depressive Verstimmungen (79 %), Muskelspasmen (76 %) und Darmprobleme (71 %). Die Daten zeigen

Übersicht

Teilnehmende Länder an der InSCI-Studie

ausserdem: Bei traumatisch gelähmten Personen treten mit zunehmendem Alter und längerer Dauer seit der Querschnittlähmung mehr Gesundheitsprobleme auf. Bei Menschen mit nicht-traumatischen, sprich krankheitsbedingten Querschnittlähmungen ist das nicht der Fall.

Versorgung variiert nach Einkommen Am häufigsten wenden sich Menschen mit Querschnittlähmung an ihren Hausarzt (59 %), gefolgt von stationären Angeboten (49 %) und Physiotherapie (44 %). Ebenfalls in Anspruch genommen werden Rehabilitationsärztinnen (40 %), Fachärzte aus anderen Disziplinen (36 %) sowie Pflegeangebote (25 %).

Der Bedarf an medizinischer Betreuung ist weltweit hoch, doch der Zugang dazu ist sehr verschieden – insbesondere zwischen Ländern mit unterschiedlichem Einkommensniveau. In der Schweiz berichten rund acht Prozent der Befragten, dass sie benötigte Gesundheitsleistungen nicht erhalten haben. In Marokko und im Iran geben rund 60 Prozent an, dass ihr Bedarf nicht gedeckt ist.

Schweizer Gesundheitssystem auf Rang 5

Wie sich diese Unterschiede im Zugang zur Versorgung auswirken, zeigt ein Blick auf die Gesundheitssysteme. Die InSCI-Daten

geben Hinweise darauf, wie Betroffene das System in ihrem Land wahrnehmen. Im Durchschnitt schneiden reiche Länder besser ab als ärmere. Doch die Daten zeigen, dass auch Gesundheitssysteme in weniger wohlhabenden Ländern gute Resultate erzielen. So schafften es Malaysia und Thailand auf die Ränge sechs und sieben, noch vor Ländern wie Schweden (10. Rang), Frankreich (11.), Deutschland (13.), Italien (16.) und den USA (27.).

Die Schweiz liegt im Vergleich der Gesundheitssysteme auf Rang fünf der untersuchten Länder. Besser schnitten nur Norwegen, Andorra, die Niederlande und Spanien ab. Ein genauerer Blick zeigt grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen der Gesundheitssysteme: Beim Zugang zur Versorgung liegt die Schweiz auf Rang drei, bei administrativen Abläufen gar auf dem zweiten Rang. Tiefer fällt die Platzierung hingegen bei der Koordination und Durchführung der Versorgung aus (10. Rang) sowie bei der Frage, wie gleich gut alle Menschen Zugang zu Leistungen haben (14.). Ein etwas merkwürdiges Ergebnis zeigte sich im Bereich der gesund-

heitsbezogenen Lebensqualität, die auf einer Skala zwischen 1 «perfekte Gesundheit» und 0 «gleich schlechte Situation wie der Tod» eingestuft wird. Hier erreicht Finnland mit 0,75 den höchsten Wert, Iran mit –0,01 den schlechtesten und damit einen Wert unter 0, was «schlechter als der Tod» bedeutet.

Schweiz vorne bei Arbeitsintegration Für viele Menschen mit und ohne Querschnittlähmung ist Arbeit ein wichtiger Bestandteil des Alltags und ein zentraler Faktor für gesellschaftliche Teilhabe. Weltweit ist rund ein Drittel der Menschen mit Querschnittlähmung erwerbstätig. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede: In Ländern mit hohem Einkommen haben querschnittgelähmte Personen eine um 59 Prozent höhere Chance auf bezahlte Arbeit als in Ländern mit niedrigerem Einkommen. Ausserdem zeigen die Daten, dass Erwerbstätigkeit auch von individuellen Voraussetzungen abhängt: Häufiger erwerbstätig sind Personen mit höherer Bildung und solche, die nach der Querschnittlähmung Zugang zu beruflicher Rehabilitation hatten.

Querschnittgelähmte aus aller Welt nehmen an der InSCI-Studie teil.

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz bei der Erwerbstätigkeit an der Spitze: 60 Prozent der befragten Personen mit Querschnittlähmung gehen einer bezahlten Arbeit nach. Dahinter folgt Norwegen mit 59 Prozent, Schlusslicht ist Pakistan mit sieben Prozent. Gleichzeitig zeigen die Daten Unterschiede in der Anerkennung der Arbeit. Im weltweiten Durchschnitt geben 70 Prozent der Befragten an, dass ihre Arbeit angemessen gewürdigt wird. In der Schweiz liegt dieser Anteil mit 43 Prozent deutlich tiefer. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Einschätzung der Entlohnung: 70 Prozent aller weltweit Befragten empfinden ihren Lohn als angemessen, in der Schweiz wiederum nur 43 Prozent. Tiefer bei der Anerkennung der Arbeit mit einer Querschnittlähmung liegt nur Norwegen.

SwiSCI-Teilnahme ist wichtig

Die Ergebnisse der InSCI-Studie zeigen, wie unterschiedlich das Leben mit einer Querschnittlähmung weltweit sein kann. In einigen Ländern haben viele Betroffene Zugang zu medizinischer Versorgung und zum Arbeitsmarkt, in anderen Ländern deutlich weniger. Die Schweiz schneidet in vielen Bereichen gut ab: beim Zugang zur Versorgung, beim Gesundheitssystem oder bei der Erwerbstätigkeit, wo sie den weltweiten Spitzenplatz bestätigt. Doch die Daten zeigen auch Defizite im Schweizer System, etwa bei der Anerkennung und Entlohnung der Arbeit.

Die InSCI-Studie wird alle fünf Jahre in einer immer grösseren Anzahl Länder durchgeführt und an der Schweizer ParaplegikerForschung koordiniert. Dank der Studie erfahren wir, wo viele Länder in zentralen Bereichen der Gesundheitsversorgung und Inklusion von Menschen mit Querschnittlähmung stehen.

Die Daten für die Schweiz werden im Rahmen der SwiSCI-Studie erhoben, dem Vorbild der InSCI-Studie. Um zuverlässige Daten für die Schweiz zu erhalten, ist es wichtig, dass möglichst viele mitmachen. Deshalb: Nehmen Sie auch nächstes Mal wieder an der SwiSCI-Umfrage teil – so tragen Sie zu wichtiger Forschung für Menschen mit Querschnittlähmung bei.

Der lange Weg ans Wasser

Barrierefreie Seezugänge oder gar Badeplätze sind rar. Das soll sich ändern. Deshalb beraten die Experten des Bereichs Hindernisfrei Bauen der SPV und setzen sich ein für eine bessere Zugänglichkeit.

Von Adrian Haueter und Evelyn Schmid

Der Zugang zu Seen und Badeplätzen ist in der Schweiz für viele Menschen selbstverständlich. Nicht so für Menschen mit Beeinträchtigung. Die Architekten und Interessenvertreter des Bereichs Hindernisfrei Bauen (HFB) der SPV fordern deshalb seit Jahren, dass nebst den Badeanstalten auch möglichst viele Seezugänge und Badeplätze barrierefrei gestaltet werden.

Rechtlich wäre die Richtung ganz klar. Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) verpflichtet öffentliche Bauherrschaften seit mehr als 20 Jahren, Benachteiligungen zu verhindern oder abzubauen. Dennoch scheitern viele Projekte an fehlendem Wissen, an Prioritäten oder an der Annahme, Barrierefreiheit sei nur «nice to have». Die SPV hält dagegen: Zugänglichkeit ist kein Zusatz, sondern eine Grundvoraussetzung für Teilhabe. Projekte in der ganzen Schweiz zeigen, es wird ein langer Weg.

Luzern – drei Seezugänge in Planung Ein Vorstoss im Luzerner Stadtparlament im Jahr 2024 brachte Bewegung in die Diskussion für eine bessere Zugänglichkeit zum Vierwaldstättersee. Die Stadt reagierte und startete Planungen für drei barrierefreie Seezugänge in den Badis Lido und Tribschen sowie im öffentlichen Park Ufschötti. Im Frühjahr 2026 wurden Menschen mit Behinderung und Institutionen umfassend befragt – ein Schritt, den die SPV ausdrücklich begrüsst. Die Interessenvertretung Hindernisfrei Bauen brachte sich mit detaillierten Anforderungen ein, etwa zu Rampen und Bodenbelägen oder der Notwendigkeit ergänzender Infrastruktur und Hilfsmittel. Klare Vorgaben gibt es in der SIA-Norm 500, zum Beispiel für die Neigung und Beschaffenheit einer Rampe. Ob und wenn ja welche Projekte umgesetzt werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, frühestens geschieht dies 2027.

Horw – zwei unterschiedliche Ansätze In Horw LU zeigt sich exemplarisch, wie unterschiedlich Seezugänge ausfallen können – abhängig von Standort, Platzverhältnissen und Nutzungszielen. Die Instandstellung des unter Insidern bekannten kleinen Badeplatzes Sternenmätteli bot die Chance, im 2025 einen neuen Zugang zu schaffen. Die kantonale Fachstelle Hindernisfrei Bauen Luzern (HBLU) empfahl eine z-förmige Betonrampe mit Handlauf, die trotz enger Platzverhältnisse einen sicheren Zugang ans Wasser ermöglicht. Plattformen an den Wendepunkten dienen als Ruhe- und Wendeflächen. Doch der Ort bleibt ein Erholungsplatz, kein vollwertiges Strandbad: Es fehlen Umkleidekabinen, Toiletten und ein Strandrollstuhl. Dass barrierefreie Zugänge oft nur eingeschränkt nutzbar bleiben, zeigt das Porträt von Patrick Studer, der beim Sternenmätteli wohnt.

Auch beim Seerosenplätzli ist keine Badeanlage vorgesehen – und doch sind die Anforderungen komplexer. Felix Schärer, Bereichsleiter Hindernisfrei Bauen, beriet die Gemeinde und Planer zu Rampen, Blocksteinen und Einstiegsmöglichkeiten. Wertvoll war der Einbezug der Erfahrungen des Reisebüros der SPV. Dessen Leiterin Monserrat Thalmann erklärt: «Die Bedürfnisse der Betroffenen variieren stark, manchen genügt eine Rampe und ein Baderollstuhl, andere benötigen einen Lift oder einen Seatrac. Daher braucht es reale Nutzungsszenarien, an denen sich dann die technischen Lösungen orientieren.»

Sternenmätteli Erholungsort für Patrick Studer

Die Gemeinde Horw wird voraussichtlich noch dieses Jahr entscheiden, ob und was umgesetzt wird.

Neuenburg – Barrierefreiheit

trifft Welterbe

Am Neuenburgersee prallen zwei legitime Interessen aufeinander: Erholung und Denkmalschutz. Mehrere Uferbereiche gehören zum UNESCO-Welterbe der «prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen». Das führt zu strengen Auflagen, die bauliche Eingriffe einschränken. In gewissen Fällen hat der Schutz eines klassifizierten Standorts Vorrang vor Barrierefreiheit –sofern Alternativen geprüft werden. Genau solche Alternativen entwickelt der Kanton derzeit zusammen mit der Interessenvertretung der SPV. Gemeinden wie Milvignes oder Laténa evaluieren mobile Einrichtungen, die Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern einen selbstständigen Zugang ermöglichen, ohne das geschützte Ufer zu zerstören. Die SPV fordert, dass solche Lösungen nicht als Provisorien, sondern als ernsthafte Schritte zur Teilhabe verstanden werden. Die Entscheide sind noch ausstehend.

Informationsplattformen

Barrierefreie Seezugänge können sehr unterschiedlich beschaffen sein. Umso wichtiger sind verlässliche Informationen, damit Menschen mit Behinderungen ihre Besuche planen können. Aktuell gibt es leider nur Informationen zu Hallen- und Freibädern, nicht zu öffentlichen Seeplätzen. Geeignete Plattformen zu den Badis sind der ginto.guide und die Website badi-info.ch.

Fazit

Die Beispiele aus Luzern, Horw und Neuenburg zeigen: Barrierefreie Seezugänge sind möglich, aber sie entstehen nicht einfach von selbst. Sie brauchen politischen Willen, Fachwissen, den Einbezug Betroffener und manchmal kreative Lösungen. Die SPV fordert deshalb:

– Verbindliche Standards für Seezugänge und Badeplätze

– Frühe Einbindung von Betroffenen und Fachstellen

– Kombination von Zugang und Infrastruktur

– Transparente, aktuelle Informationen auch für Seeplätze

Auf, am und im Wasser

Seine Augen strahlen, wenn er vom Schwimmen im See, vom Fischen oder seinem Daheim am Vierwaldstättersee erzählt. Patrick Studer ist seit vier Jahren Tetraplegiker und schöpft Kraft am Wasser.

Der Blick hinaus auf die Horwerbucht gehört für den 51-jährigen Gymnasiallehrer zum Heimkommen. Im Sommer macht er regelmässig einen «Schwumm» oder tuckert über den See, um die Angelrute auszuwerfen. Das war schon vor dem Surfunfall 2022 so. Andere Hobbys – etwa das Snowboarden, Eishockey oder Surfen – sind nicht mehr möglich.

Patrick Studer geht zwar auch an andere Seen, zum Beispiel in die Lenzerheide, wo er schon vor seinem Unfall oft war. Viele Gewässer sind seiner Ansicht nach leider nicht einfach zugänglich. Aber die Horwerbucht bietet ihm alles, was ihm heilig ist: einen Badeplatz, sein Fischerboot im nahen Hafen, einen rollstuhlgängigen Parkplatz, eine asphaltierte Strasse am See entlang und sein Zuhause in unmittelbarer Nähe.

50 Meter von seiner Wohnung entfernt hat die Gemeinde Horw vor Kurzem eine flache z-förmige Rampe zu einem kleinen Sandstrand am Sternenmätteli erstellt.

zu Hause

Von dort hilft ihm seine Lebenspartnerin ins Wasser: «Meine Freundin ist mein Lift. Zum Glück wird der See schon wenige Meter vom Ufer entfernt tief, sodass ich schwimmen kann. Das entspannt meinen Rücken vom langen Sitzen.» Ein Baderollstuhl ist hier leider nicht einsetzbar, da würde es einen langen, flachen Einstieg brauchen. Auch führt ein Kiesweg zur Rampe – nicht ideal für den hohen Tetraplegiker.

Wie würde ein idealer Seezugang aussehen? «Toll wäre, wenn die nahegelegene Badi einen Lift ins tiefe Wasser bieten würde. So wie in den Hallenbädern», meint Patrick Studer. Auch vom Seatrac, einer Rampe mit einem motorisierten Sitz, zeigt er sich begeistert. Zu diesem System gehört meist eine Umziehkabine und eine Dusche für diejenigen, die nicht wie er gleich um die Ecke wohnen.

Auch wenn der Lehrer fischen geht, kommt seine Lebenspartnerin mit. Sie fährt das Landungsboot vom Steg an die Hafenrampe und klappt das Bugteil herunter. So kann er direkt mit dem Rollstuhl auf das Boot fahren. Dort ist er dann komplett selbstständig. «Ich bin froh, kann ich nach dem Unfall immer noch fischen. Das bedeutet mir unendlich viel», sagt er und blickt mit Sehnsucht auf den See hinaus.

FERIEN

Eine coole Stadt

Barcelona bietet mehr als genug für eine Woche. Drei Teilnehmende der SPV-Reise erzählen, was ihnen besonders gefallen hat.

Sechs Personen im Rollstuhl brachen im April nach Barcelona auf und verbrachten mit ihren Begleitpersonen eine ereignisreiche Woche in der Millionenstadt im Nordosten Spaniens. «Wir hatten eine super Gruppe beisammen», sagt Karin Dach, die erstmals als Gruppenleiterin die Verantwortung trug. Die Primarlehrerin aus Freiburg erzählt davon, dass von A bis Z «fast alles klappte». Und wenn etwas nicht ganz aufging – wie am ersten Abend mit dem Essen –, dann habe sich niemand beschwert.

Das Fazit nach der Heimkehr: tolle Destination, tolle Leute. Das bestätigen auch drei Reisende nach der Barcelona-Woche.

Vera Müller: Sie liebt den Stil von Gaudí

Es ist nicht übertrieben, Vera Müller als versiert zu bezeichnen, wenn es um Reisen geht. Vor ihrem Motorradunfall 2009 war sie regelmässig unterwegs. «Unsere Welt hat so viel zu bieten», sagt die 50-Jährige.

Als Tetraplegikerin muss sie nicht darauf verzichten, Neues zu entdecken. Mindestens einmal pro Jahr verbringt sie mit der SPV ein paar Tage irgendwo auf der Welt – noch lieber zweimal.

Vergangenes Jahr genoss sie die Schönheit Mexikos, dieses Jahr stehen im November zwei Wochen Thailand auf dem Plan. Und im Frühling flog Vera Müller mit nach Barcelona – in die Stadt, die sie vor vielen Jahren einmal besucht hat. «Es hat grossen Spass gemacht», resümiert sie. «Die Gruppe harmonierte bestens und das Programm war top. Barcelona ist einfach eine coole Stadt.»

Sie ist begeistert von der Sagrada Família – diesem Bauwerk von Antoni Gaudí. Sie liebt generell den Stil des berühmten katalanischen Architekten. Darum ist sie auch so angetan vom Park Güell, in dem die Ideen und die gestalterischen Prinzipien von Gaudí exemplarisch zum Vorschein kommen.

Vera Müller freut sich wie alle in der Reisegruppe darüber, dass sie in Barcelona mit dem Rollstuhl kaum Hindernisse überwinden musste. «Diesbezüglich sind die Bedingungen in dieser Stadt besser als an vielen Schweizer Orten», sagt sie. Ausserdem mag sie die spanische Küche mit Tapas und Paella. «Es wurde uns definitiv nicht langweilig.»

Hat sie als vielgereiste Frau noch irgendwelche Träume? «Südamerika!», antwortet sie und nennt auch gleich ein konkretes Ziel: «Ich will unbedingt Rio de Janeiro besuchen und den Zuckerhut sehen.»

Stefan Maeder: Torre Glòries und Sagrada Família als Highlights Er verbrachte schon mehrmals Badeferien in Grado, reiste mit der SPV nach Stockholm, Malta, Holland sowie Rhodos – und nun war Barcelona an der Reihe. Stefan Maeder aus Kerzers gehörte zu den erfahrenen Teilnehmenden. Dabei hat der Freiburger bis im September 2020 nur selten

Ferien gemacht: «Eine Woche Skiferien, das eine oder andere verlängerte Wochenende – mehr lag nicht drin.»

Der bald 62-Jährige führte eine Transportfirma und sass oft am Steuer eines Lastwagens. Ein Arbeitsunfall machte ihn aber zum Tetraplegiker. Als er sich nach der neunmonatigen Erstrehabilitation mit seinen Weggefährten traf, die er in Nottwil kennengelernt hatte, fragte einer von ihnen: «Stefan, kommst du einmal mit in die Ferien?»

2023 beginnt seine «Reise-Karriere» mit Badeferien in Grado an der Adria. «Eine tipptoppe Woche, schönes Wetter, gutes Essen», erinnert er sich. Die Lust ist geweckt. Fortan meldet er sich regelmässig für Reisen mit der SPV an und findet damit ein neues Hobby – neben dem Musikmachen. «Es macht Spass, die Welt zu entdecken», sagt er.

Als er im Reisekatalog die Ausschreibung für Barcelona entdeckte, zögerte er nicht mit der Anmeldung. Und wenn er heute auf die Tage zurückblickt, betont er: «Es hat sich gelohnt.»

Die katalanische Hauptstadt bietet zahlreiche architektonische Höhepunkte. Stefan Maeder pickt für sich zwei heraus: die Sagrada Família und den Torre Glòries. Fasziniert ist er von der Sagrada Família –zum einen als Gesamtkunstwerk, zum anderen von den Stützen, die das Dach tragen. Die Basilika bezeichnet er als «Riesending», während er beim Torre Glòries von einem «Stumpen» spricht. Tatsächlich erinnert der Bürokomplex mit der auffälligen Glas-Aluminium-Fassade in seiner Form an eine Zigarre. Vom 32. Stock in 142 Metern Höhe bietet sich den Besuchenden ein spektakulärer Blick über Barcelona. Stefan Maeder hat die Bilder gespeichert: «Die rasante Fahrt mit dem Lift war ein Erlebnis, die Aussicht von oben sowieso –es war genial.»

Stefan Maeder, der mit seinem Vorspanngerät zügig vorankam, freute sich über die gute Stimmung innerhalb der Gruppe. Er genoss die spanische Kost, liebte es, dem emsigen Treiben in den Strassen der roll-

stuhlfreundlichen Stadt zuzusehen, und weiss: «Nach Barcelona würde ich gerne wieder zurückkehren.» Ein paar Tage nach seiner Heimkehr brach er übrigens schon wieder auf – an die Sonne Teneriffas.

Tiana Winiger: 650 Handy-Fotos von Barcelona

Tiana Winiger freute sich auf eine neue Stadt – und darauf, «einmal ohne die Familie zu verreisen», wie sie mit einem Schmunzeln bemerkt. Die bald 19-Jährige

nicht scheute, Gleichaltrige unterschiedlicher Herkunft anzusprechen und sich mit ihnen auf Englisch zu unterhalten.

Sie hebt die gute Betreuung während der Woche hervor, den Abstecher in den bunten und architektonisch einzigartigen Park

Zufrieden Vera Müller (o. r.) Stefan Maeder (u. l.) und Tiana Winiger (u. r.) sind begeistert von Barcelona.

aus Entlebuch fotografiert leidenschaftlich gern und viel. Am Ende des Trips hat sie nicht weniger als 650 Bilder auf dem Handy gespeichert.

Zum ersten Mal war sie mit der SPV auf einer Reise. Sie war die Jüngste und hätte sich gewünscht, in der Gruppe auf die eine oder andere Person aus ihrer Generation zu treffen. Den Austausch mit jüngeren Leuten bekam sie gleichwohl, weil sie sich

Güell – sowie die Tapas-Tour. «Super» sei es gewesen, von Tapas-Bar zu Tapas-Bar zu ziehen und die kulinarischen Vorzüge Barcelonas auszukosten.

Tiana Winiger reiste schon nach Amsterdam und Stockholm, nun also nach Barcelona – und Pläne hat sie noch viele. Zum Beispiel: den Norden des Kontinents zu erkunden. «Ich möchte unbedingt einmal die Nordlichter sehen.»

YOGA-ANGEBOTE

Entspannt in den Sommer starten

Der Alltag kann stressig sein. Umso wichtiger ist es, sich bewusst eine Auszeit zu gönnen. Wie wäre es mit einem unserer Yogakurse?

Erleben Sie die entspannende Wirkung von Atem- und Körperübungen beim «Yoga Sommerworkshop» am 6. Juni oder 8. August an der frischen Luft in Nottwil oder besuchen Sie den Yogakurs im Herbst, an dem Sie in Nottwil oder bequem online von zu Hause aus teilnehmen können.

GOTTESDIENST

Musikalisch begleitet

Lassen Sie sich vom Jodlerklub Heimelig Ruswil unter der Leitung von Hans-Ruedi Zihlmann verzaubern.

Am 21. Juni von 10.00 bis 11.00 Uhr wird der Gottesdienst in der Aula des Schweizer Paraplegiker-Zentrums musikalisch begleitet. Kommen Sie einfach vorbei. Der Eintritt ist kostenlos. Vor Ort werden Kollekten zugunsten der Schweizer ParaplegikerStiftung gesammelt.

EVENT

Night of Colour

Am 4. März fand unter der Leitung der Künstlerin Marianne Rotteveel die «Night of Colour» in der Aula des Schweizer Paraplegiker-Zentrums statt. Ein farbenfroher Abend mit begeisterten Teilnehmenden.

Insgesamt 24 Personen, darunter auch Patientinnen und Patienten, nahmen am Workshop teil und tauchten gemeinsam in die Welt der Pastellkreide ein. Nach einer kurzen Einführung durften die Teilnehmenden die verschie-

SEASON OPENING

Reisejahr 2026

Ende Februar durfte das SPV-Reisebüro rund 65 freiwillige Helferinnen und Helfer in Nottwil zum offiziellen Start ins Reisejahr 2026 begrüssen.

Eingeladen waren alle, die uns auf den diesjährigen Gruppenreisen unterstützen werden, sei es als Pflegebegleitung, Gruppenleitung oder Badeassistenz. Das Ziel war, sich besser kennen zu lernen und Informationen auszutauschen. Die Verantwortlichen des Reisebüros informierten über die 15 anstehenden Reisen und erläuterten, was die SPV von ihren freiwilligen Helfern erwartet.  Schliesslich tragen sie wesentlich zu einem gelungenen Ferienerlebnis bei.

denen Techniken und Möglichkeiten, welche Pastellkreide bietet, gleich selbst ausprobieren. Der eigenen Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt. Marianne Rotteveel gab wertvolle Inputs und begleitete die Gruppe durch den kreativen Prozess. Es entstanden viele persönliche und ausdrucksstarke Kunstwerke. Mit buntverschmierten Fingern und glücklichen Gesichtern verabschiedeten sich die Teilnehmenden.

BEGLEITUNG AUF REISEN

Ihr Einsatz

Möchten Sie sich als freiwillige Helferin oder Helfer auf unseren Reisen engagieren?

Besuchen Sie das zweitägige Reise- und Sportcamps-Begleiter*innen-Seminar. Nach dem Besuch des Seminars verfügen Sie über die Kompetenzen, um einen Reisegast als Pflegebegleitung zu betreuen.

Eventkalender Alle Informationen zu den Reisen sowie Freizeitaktivitäten finden Sie hier: spv.ch/eventkalender

Ready for Take-off mit E-Mobilitätshilfen

Wer in die Ferien fliegt, möchte unter Umständen auch sein Zuggerät mitnehmen. Wir zeigen Ihnen auf, was es zu beachten gilt, wenn eine elektrische Mobilitätshilfe mit ins Flugzeug soll.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wer die technischen Daten des eigenen Geräts kennt, alle relevanten Dokumente bereithält und rechtzeitig mit der Airline kommuniziert, kann den Reiseablauf deutlich entspannter gestalten. Besonders wichtig ist es, sich frühzeitig über die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Fluggesellschaft zu informieren.

Bei SWISS zum Beispiel erfolgt die Anmeldung über das Formular «Informationen elektrische Mobilitätshilfen», in dem alle technischen Angaben zur Mobilitätshilfe eingetragen werden müssen. Das gilt für Zuggeräte wie auch für Elektrorollstühle. Erst nach Eingang dieser Informationen erhält der Passagier eine verbindliche Rückbestätigung, dass der Transport des Geräts zulässig ist. Führen Sie das ausgefüllte Formular mit sich – entweder in gedruckter Form oder elektronisch. Das genannte Formular finden Sie unter Verwendung der genauen Bezeichnung direkt über die Google-Suche. Die meisten Fluggesellschaften handhaben diesen Prozess ähnlich. Informieren Sie sich auf der entsprechenden Website.

Batterietypen

Ein zentrales Element der Anmeldung ist bei allen Airlines die genaue Angabe des verwendeten Batterietyps und deren Wattstunden (Wh). Die drei häufigsten Batterietypen sind:

1. Herausnehmbare Lithium-Batterien (WCLX)

Herausnehmbare Lithium-Batterien dürfen ausschliesslich in der Passagierkabine transportiert werden. Der Dachverband der Fluggesellschaften erlaubt maximal zwei Batterien bis zu 300 Wh inklusive einer Ersatzbatterie oder alternativ maximal vier Batterien bis zu 160 Wh inklusive bis zu zwei Ersatzbatterien. Die Batterien müssen so verpackt werden, dass Kurzschlüsse ausgeschlossen sind – etwa durch Abkleben der Pole oder die Nutzung schützender Etuis.

2. Fest eingebaute/nicht entnehmbare Lithium-Batterien (WCLB)

Lassen sich die Lithium-Batterien nicht entnehmen, wird die Mobilitätshilfe als Sperrgepäck transportiert. Es sind maximal zwei fest verbaute Batterien mit einer Kapazität von jeweils bis zu 160 Wh zulässig. Die Batterie muss durch das Design des Gerätes mechanisch geschützt sein. Eine Entnahme der Batterie ist nicht vorgesehen.

3. Auslaufsichere Batterien oder Trockenbatterien (WCBD) (Gel-Batterien, NiCd, NiMH, versiegelte wartungsfreie Blei-Säure-Batterien) Diese Batterietypen gelten dank ihrer geschlossenen Bauweise als besonders sicher und werden als nicht auslaufend eingestuft. Sie werden häufig in E-Mobilitätshil-

fen eingesetzt. Für den Lufttransport darf pro auslaufsichere Nassbatterie maximal eine Ersatzbatterie mitgeführt werden. Für NiMH- oder andere Trockenbatterien sind bis zu zwei Ersatzbatterien erlaubt. Ersatzoder entnommene Batterien dürfen ausschliesslich als aufgegebenes Gepäck transportiert werden. Die Batterien müssen gegen Kurzschlüsse geschützt sein; Kontakte sind zu isolieren oder entsprechend zu verpacken. Sowohl im Gerät als auch separat müssen Batterien mechanisch gesichert sein, um Beschädigungen zu vermeiden.

Abgabe beim Sperrgepäck

Am Flughafen selbst erfolgt die Abgabe des elektrischen Rollstuhls oder der E-Mobilitätshilfe bereits beim Check-in am Sperrgepäckschalter. Entweder bringen Sie einen eigenen Handrollstuhl mit oder Sie wechseln in einen bereitgestellten Flughafenrollstuhl. Mit einem eigenen Handrollstuhl ist es möglich, selbstständig bis zum Gate zu gelangen, was vielen Reisenden zusätzliche Flexibilität bietet.

SWISS unterstützt das SPV-Reisebüro sowie Passagiere mit Mobilitätseinschränkungen seit vielen Jahren umfassend und zuverlässig. Die Airline befördert kostenlos bis zu zwei Rollstühle pro Fluggast –ein bedeutender Vorteil für Menschen, die auf mehrere Mobilitätshilfen angewiesen sind.

Unterstützung am Check-in

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Die einzigartige HydraBalance™ Beschichtungs-Technologie für mehr Sicherheit1 und Natürlichkeit 2 beim Katheterisieren.

Bei Infyna Chic™ und VaPro™ Kathetern.

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Hollister, das Hollister Logo sowie HydraBalance, das HydraBalance Logo, Infyna Chic und VaPro sind Warenzeichen von Hollister Incorporated. © 2026 Hollister Incorporated.
1. Hollister Klinische Studie, CLR-00847, 2021
2. Hollister Daten, TR-00643, 2023

Erlebnis statt Theorie

Für Marco Waldvogel ist der Sensikurs mit seiner Kantiklasse längst ein fester Bestandteil der Sportausbildung. Im Rahmen einer Sonderwoche besucht seine Klasse jedes Jahr das SPZ Nottwil mit einem klaren Ziel: Neues erleben und den eigenen Horizont erweitern.

«In der Öffentlichkeit dominiert der hoch kommerzialisierte Sport, deshalb wollten wir den Schülerinnen und Schülern der Abschlussklasse im Ergänzungsfach Sport ursprünglich Randsportarten im Fussgängersport näherbringen», erklärt Marco Waldvogel die Idee der Projektwoche. Auf der Suche nach einer weiteren Erlebnismöglichkeit zwischen Magglingen und St. Gallen stiess er in Nottwil auf den Rollstuhlsport. Da die Jugendlichen Sport fast ausschliesslich aus der Fussgängersicht kennen, wirkt dieser Perspektivenwechsel noch stärker. «Das Erlebnis steht im Mittelpunkt», sagt Marco Waldvogel.

person erlebe jedes Mal wieder Neues. Auch können wir Parallelen ziehen zu anderen Themen des Ergänzungsfachs wie beispielsweise der Visualisierung des Wurfs, die wir in der Sportpsychologie thematisieren. Das bleibt bei den Jugendlichen hängen», berichtet Marco Waldvogel begeistert. Die Sportmodule bieten eine kurze Einführung mit Infos zu Regeln und Sportgeräten, dann geht es so schnell wie möglich in die Aktivität. Fahren, Dribbeln, Passen, Werfen stehen auf dem Programm, bevor das Spiel den krönenden Abschluss bildet. Oft wird es dort so richtig kompetitiv und wertvoll für die Teambildung.

Impulse für mehr Inklusion  Der Kurs zeigt auch, wie viel Potenzial im inklusiven Sport steckt. Noch ist die Dispensation von Menschen mit Behinderung für viele die einfachste und gängigste Lösung. Doch die Erfahrungen im Sensikurs regen zum Umdenken an: Teilhabe kann diverse Formen haben – ob aktiv im Spiel oder in anderen Rollen innerhalb der Gruppe.

PERSPEKTIVENWECHSEL

Die Sensibilisierungskurse der SPV bringen Bewegung in festgefahrene Bilder – praxisnah, eindrücklich und nachhaltig.

Das Modul Sport erwies sich als Glücksfall für die Kantonsschule am Burggraben. Besonders eindrücklich für die Teilnehmenden sind die Gespräche mit Betroffenen. Sie verschieben den Blickwinkel – weg vom Mitleid hin zu Offenheit und Respekt. Was hängen bleibt, sind Momente echter Kollegialität: Wenn Mitspieler helfen, jemanden zurück in den Rollstuhl zu hieven. Wenn aus Unsicherheit Selbstverständlichkeit wird. Wenn Sport verbindet. Viele Erwartungen der Jugendlichen werden dabei übertroffen. Zuvor nur aus Social-Media-Videos bekannt, wird es plötzlich greifbar, körperlich anstrengend und emotional.

Selbsterfahrung mit Struktur

«Die Rollstuhl-Basketball-Lektion des Moduls Sport ist super aufgebaut. Ich als Lehr-

Sensikurs hier buchen

KÜNSTLERISCHE INSPIRATION

Mundmalen gibt ihr Freiheit

Tetraplegikerin Bracha Fischel entdeckte während ihrer Reha ihre Leidenschaft fürs Malen. Sie zeigt, wie das mit dem Mund funktioniert – und sagt, was ihr das bedeutet.

Bracha Fischel hat die Staffelei vor sich –und Zuschauende um sich herum. Im Atelier für Gestaltung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) demonstriert sie, wie sie Bilder malt – mit dem Mund. Die Tetraplegikerin mit hohem Lähmungsgrad kann ihre Hände nicht mehr einsetzen. Diese Einschränkung macht sie mit einer verblüffenden Technik und scheinbarer Leichtigkeit wett.

«Wer mit der rechten Hand schreibt, nimmt den Pinsel in die rechte Mundhälfte», sagt sie. «Die Steuerung übernimmt die Zunge. Wichtig ist es, nicht auf den Pinsel zu beissen, sondern locker zu bleiben.»

Sie bittet ihre Assistenzhündin Dona, ihr einen Pinsel aus dem Set zu reichen. Dann legt sie los und entzückt alle, die ihr über die Schulter schauen. Bracha Fischel malt Aquarell, wenn sie unterwegs ist. Zu Hause zieht sie Acryl vor. In Nottwil demonstriert sie in wenigen Minuten ihr Können. Zu Hause in Israel zieht sie sich stundenlang in ihr Atelier zurück. Mit einem Schmunzeln erklärt sie: «Die besten Bilder entstehen oft dann, wenn ich besonders gut gelaunt oder ziemlich hässig bin.»

Sie animiert Neugierige, diese Form des Malens selbst auszuprobieren – und ist erfreut zu sehen, wie sich ihre Gäste rasch

Assistenz

Hündin Dona reicht der Künstlerin einen Pinsel.

vertiefen. Mehr noch: Sie erweisen sich als wahre Talente. Die Mitarbeitenden des Ateliers für Gestaltung sind ebenfalls angetan von diesem Mini-Workshop. «Mundmalen ist auch für uns nicht alltäglich», sagt Leiterin Christine Meyer. «Bracha Fischels Besuch bei uns war eine Bereicherung. Wir können interessierten Patientinnen und Patienten nun Tipps geben.» Am Ende dieses Vormittags zieht auch Bracha Fischel eine positive Bilanz: «Es hat sich gelohnt, vorbeizukommen.»

Der Schock nach der Operation Lektionen wie diese verknüpft sie in der Regel mit der Erzählung ihrer Geschichte, zu der die Erläuterung gehört, wie sie überhaupt zum Mundmalen gefunden hat. Bracha Fischel wanderte 1991 nach Israel aus und löste damit ein Versprechen ein, das sie ihrer Mutter gegeben hatte. Die gelernte Krankenpflegerin fand eine Anstellung – und das private Glück: Die israelisch-schweizerische Doppelbürgerin heiratete, wurde Mutter von drei Töchtern und führte ein aktives Leben. Bis sie abrupt gebremst wurde.

2006 plagten sie plötzlich starke Schmerzen im Rücken, in den Knien und Hüften. Die Beschwerden wurden so stark, dass sie nicht mehr imstande war, die Kaffeetasse in den Händen zu halten. Sie dachte: «Ich habe keine Zeit, um krank zu sein.» Kein

Medikament vermochte sie jedoch von den immensen Beschwerden zu befreien. Untersuchungen ergaben, dass sie an rheumatoider Arthritis leidet. Eine Operation war notwendig, aber auch risikobehaftet. Tatsächlich trat das Schlimmste ein. Der Eingriff machte Bracha Fischel zur Tetraplegikerin. Die gläubige Frau richtete sich an Gott: «Was ist schiefgelaufen?»

Sie rechnete damit, dass sie die Reha eilends hinter sich bringt und gehend nach Hause zurückkehrt. Doch es kam anders. Der Aufenthalt in einer israelischen Spezialklinik dauerte ein halbes Jahr – und früh zeichnete sich ab, dass sie auf den Rollstuhl angewiesen sein wird.

Bracha Fischel war verzweifelt und weinte viel. Dennoch sagte sie sich: «Der Schöpfer hat einen Plan.» In der Reha lernte sie eine Frau kennen, die querschnittgelähmten Menschen beibringt, mit dem Mund zu schreiben – und eben auch zu malen. Bracha Fischel fand Gefallen an dieser Tätigkeit und entwickelt eine grosse Leidenschaft. Bereits Ende 2007 stellte sie ihre ersten Werke aus.

Das Malen ist für sie mittlerweile mehr als ein Zeitvertreib. Es ist die perfekte Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten und Gefühle auszudrücken, positive wie negative. Sie taucht ein in eine Welt, in der sie sich

befreit fühlt, oft mehrere Stunden am Tag – mit der treuen Assistenzhündin Dona an ihrer Seite.

Nicht mehr malen? Unvorstellbar! Heute sagt sie: «Wenn ich nicht malen kann, komme ich mir vor wie in einem Gefängnis. Ich will mir einen Alltag ohne mein Hobby gar nicht erst vorstellen.» Mit ihrem Wissen und ihrer feinen Technik könnte sie aktiv Kurse anbieten. Doch darauf verzichtet sie. «Wenn jemand Interesse am Mundmalen hat, kann sie oder er mich kontaktieren. Ich helfe gerne und freue mich über alle, die Gefallen finden an dieser wunderbaren Beschäftigung.»

Anlässlich von Begegnungen wie jener im SPZ berichtet sie auch davon, wie sie mit ihrer Beeinträchtigung umgeht. Der Kern ihrer Botschaft: Alle haben einen Rucksack zu tragen. «Die Frage ist für jede und jeden: Mit welcher Einstellung bin ich unterwegs? Ist das Glas halbvoll? Oder eher halbleer?» Einer ihrer Grundsätze taugt als Lebensmotto: «Man kann auch im Rollstuhl Grenzen verschieben.»

Bracha Fischel zählt definitiv zu den Menschen mit einer positiven Ausstrahlung. Das Schicksal mag sie hart getroffen haben, doch sie hadert nicht. Im Gegenteil. «Ich kann immer noch selber entscheiden, was ich mit meinem Leben anfange. Ich ge-

niesse es», betont sie und ermuntert dazu, dem Mitmenschen freundlich zu begegnen: «Ein Lächeln schenken, das können alle. Und es ist keine grosse Sache.»

Sie hat es geschafft, ihr Leben mit neuem Sinn zu füllen. Sie verbringt nicht nur viel Zeit mit Farben und Pinsel, sondern wagt auch Abenteuerliches.

Grandioses Erlebnis im Schnee Als sie im Februar für knapp zwei Wochen zusammen mit zwei ihrer drei Töchter in der Schweiz weilt, zeigt sie nicht nur ihre künstlerischen Fertigkeiten im SPZ, sondern gönnt sich zum zweiten Mal einen Abstecher in den Schnee. Wie bereits 2025 geniesst sie in Sörenberg Fahrten auf der Piste im Dualskibob und im TetraSki, fachmännisch betreut von Skilehrer Franz Schöpfer. «Grandios! Ich finde fast keine Worte, um das Erlebnis zu beschreiben», schwärmt Bracha Fischel.

Vor einem Jahr sagte eine ihrer Töchter: «Ich habe dich noch nie so glücklich gesehen.» Nun empfindet sie erneut ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. «Ich bin in Sörenberg richtiggehend verwöhnt worden. Ergibt sich die Gelegenheit, möchte ich im nächsten Jahr zurückkehren.» Bis dahin wird sie ihrer künstlerischen Leidenschaft viel Zeit widmen – und damit viele Menschen inspirieren.

Bracha Fischel verarbeitet Erlebnisse in ihren Bildern.

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ERNÄHRUNG

Von der Turnhalle zur Showküche

Mit dem Projekt «Adapt Dishes» entstehen Kochideen für Menschen mit Querschnittlähmung. Die Rezepte stillen nicht nur den Hunger, sondern sind auch für Menschen mit eingeschränkten Handfunktionen «kochbar».

Von Evelyn Schmid

Essen soll Freude machen – am besten schon bevor der erste Bissen genommen ist. Das ist allerdings nicht einfach, wenn der Körper weniger Kalorien, aber gleich viele Vitamine und Nährstoffe braucht. Und wenn dann noch weniger Kraft in Händen und Armen dazukommt, wird das tägliche Kochen zur Pflichtaufgabe. Das muss nicht sein, sagten sich die Initianten des Projektes «Adapt Dishes», allen voran Ulrich Kössl, Verantwortlicher für Design und agile Methoden beim Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Er brachte deshalb Betroffene, Spitzenköche, Ergotherapeutinnen und Ernährungsberaterinnen an einen Tisch – beziehungsweise an den Herd.

In einem ersten Workshop im Oktober 2025 entwickelten eingeladene Köchinnen und Köche Menü-Ideen zusammen mit Tetraplegikern. Es wurden auch Küchengeräte getestet, denn nicht jeder kann ein Rüebli mit einem Messer mundgerecht zuschneiden oder eine schwere Pfanne heben. Auch Prozesse sind zu überdenken. Kann man

zum Beispiel ein Lebensmittel zuerst kochen und es dann einfacher schneiden? Mit vielen neuen Erkenntnissen machten sich die Köchinnen und Köche an die Kreation der definitiven Rezepte. Im Februar 2026 wurden diese dann auf ihre Praxistauglichkeit getestet – von Betroffenen, Gastrospezialisten sowie den Fachpersonen aus den verschiedenen Bereichen.

REZEPTSAMMLUNG

Läuft Ihnen das Wasser im Mund zusammen?

Schon bald können auch Sie die Rezepte nachkochen. Anfang September sind alle Menüs von Adapt Dishes auf unserer Website spv.ch ver fügbar. Paracontact wird natürlich das eine oder andere Rezept vorstellen.

Gourmetköche

In der zur Showküche umfunktionierten Turnhalle des SPZ sassen vor allem Querschnittgelähmte mit eingeschränkter Handfunktion vor dem Schneidbrett und dem Herd. Die Gastköchinnen und -köche lieferten jeweils ihre angepassten Rezepte und berieten beim Kochen. Fünf verschiedene 3-Gang-Menüs von bekannten Gastronominnen und Gastronomen wie Elif Oskan, Markus Stöckle, René Schudel, Julien Mühlebach, Shaun Leonard sowie Reto Garbely vom SPZ wurden gekocht. Von einem Randensalat mit Burrata bis hin zu einer Hüttenkäsewähe und einem SchokoOrangen-Crémeux war alles dabei. Ihre Expertise und ihr Einsatz sorgten für eine inspirierende Atmosphäre, geprägt von Austausch, Kreativität und echter Begeisterung fürs gemeinsame Kochen.

Praxistest bestanden

Die Betroffenen schwärmten von den Rezepten und deren alltagstauglicher Umsetzung. Besonders kreativ zeigte sich René Schudel: Gemeinsam mit einem Tetraplegiker entwickelte der Fernsehkoch ein spezielles Schneidbrett mit integrierter Auffangkiste zum einfachen Schneiden von Gemüse. Dabei verwendete er Komponenten aus dem Baumarkt. Selbstverständlich lebensmitteltauglich. Das Hilfsmittel kam sowohl bei den Betroffenen als auch bei den Fachpersonen aus Ernährung und Ergotherapie sowie den anderen Köchinnen und Köchen sehr gut an – und wurde gleich erfolgreich eingesetzt. Auch Ulrich Kössl ist begeistert: «Das Projekt zeigte mir, wie wertvoll die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, wenn es darum geht, Selbstständigkeit und Teilhabe für die Betroffenen im Alltag zu stärken. Kochen soll Freude bereiten und die Gesundheit fördern.»

Emotionen auf zwei, drei oder vier Rädern

Die «Giro Suisse | Inclusive Tour» vom 25. bis 30. August steht für Genuss, Bewegung, Begegnung und Begeisterung und ist weit mehr als eine Velotour: ein Zeichen für Inklusion und gelebte Solidarität.

Von Nicolas Hausammann

Es ist wieder eines dieser Jahre, in denen der Giro Suisse Teilnehmende aus der ganzen Schweiz auf dem Velo, ihren dreirädrigen Liegebikes, den Vierrad-GoTrikes oder ihren Vorspannbikes vereint, um gemeinsam Kilometer um Kilometer zu geniessen. Dabei entsteht eine besondere Dynamik. Sportliche Herausforderung trifft auf Genuss und Radsport-Leidenschaft. Denn der Giro Suisse richtet sich nicht nur

an erfahrene Bikerinnen und Biker. Vielmehr lebt er von seiner Offenheit und Unabhängigkeit des individuellen LeistungsNiveaus. Genau diese Mischung macht den Charakter des Giro Suisse aus.

Neues Konzept mit Giro-Garantie Für die aktuelle Ausgabe wurde das Konzept gezielt weiterentwickelt. Der Fokus liegt stärker auf Effizienz, natürlich ohne

das Erlebnis zu schmälern. Thomas Hurni, Leiter Breitensport ‒ Freizeit – Gesundheit, erklärt: «Mit zwei Zentren in Einsiedeln und Sörenberg reduzieren wir den immensen logistischen Aufwand. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich trotzdem auf erlebnisreiche Touren in wunderschöner Umgebung mit dem bewährten und eingespielten Staff von Rollstuhlsport Schweiz freuen.»

Die beiden zentralen Standorte dienen als Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Etappen. Sie ermöglichen es, die Organisation zu vereinfachen und gleichzeitig die Qualität der Tour hochzuhalten. Für die Teilnehmenden bedeutet dies: weniger Standortwechsel, mehr Fokus auf das Fahrerlebnis und auf die Gemeinschaft. Die Bikerinnen und Biker können wieder auf gut ausgekundschaftete Etappen zählen. Egal ob vom Sihl- über den Ägeri- bis zum Zugersee, vom Walensee ins Zürcher Oberland und über den Seedamm zurück zum Sihlsee oder von Sörenberg aus Richtung Sarner-, Alpnachersee sowie in die Gegenrichtung bis nach Trubschachen und Nottwil – die Touren bieten malerische See- und Berglandschaften. Für Zwischenverpflegung ist wie immer gesorgt, sodass sich die Teilnehmenden voll auf den Rad-Genuss mit Giro-Garantie fokussieren können.

Flexibilität für alle Leistungsniveaus Ein zentrales Anliegen des Giro Suisse ist es, möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Deshalb wurde auch das Etappenkonzept angepasst. Thomas Hurni betont: «Bei der diesjährigen Ausgabe kann man bei vier von sechs Etap-

pen zwischen einer kürzeren und einer längeren Version wählen. So können die Teilnehmenden die Routen bewältigen, die zu ihnen passen.»

Für die Ambitionierten sind total 4621 Höhenmeter auf 350 km über alle sechs Etappen als Herausforderung zu bezwingen. Ob dies mit purer Armkraft oder mit Elektro-Unterstützung gelingt, steht ebenso frei zur Wahl wie die Anzahl der Etappen, zu denen man sich anmeldet. Jeder wählt seine eigene Challenge. Diese Flexibilität sorgt dafür, dass sowohl Einsteigerinnen als auch ambitionierte Fahrer auf ihre Kosten kommen. Niemand wird überfordert, gleichzeitig bleibt genügend Raum für sportliche Ambitionen. Die Teilnehmenden bestimmen ihr Tempo selbst und sind dennoch gemeinsam unterwegs.

Bleibende Erlebnisse dank unserer Partner

DIE ETAPPEN

1. Einsiedeln – Zug

2. Einsiedeln – Weesen

3. Einsiedeln – Cham

4. Sörenberg – Sarnen

5. Sörenberg – Trubschachen

6. Sörenberg – Nottwil

Was den Giro Suisse besonders macht, sind nicht nur die Momente zwischen Start und Ziel. Gespräche am Streckenrand, gegenseitige Unterstützung bei anspruchsvollen Abschnitten oder das gemeinsame Ankommen nach einer langen Etappe – all das prägt die Tour nachhaltig. Hier entstehen nicht selten Verbindungen, die über den Sport hinausgehen. Die Bikerinnen und Biker teilen nicht nur Kilometer, sondern auch Geschichten, Perspektiven und Erfahrungen. Der direkte Austausch über technische Details der Handbikes, das Einund Aussteigen, das Fachsimpeln über die schönsten Touren oder die einfachsten Verlademöglichkeiten haben ebenso Platz

wie die gemeinsamen Leistungen auf der Strasse. Genau darin liegt die Stärke des Giro Suisse.

Damit auch Pannen und Defekte dem einzigartigen Erlebnis nicht im Weg stehen, sorgt der Tour-Service von Orthotec mit seinem Giro-erprobten Techniker dafür, dass die Teilnehmenden schnell wieder auf der Strecke sind. Hollister unterstützt die Tour als langjährige Verbandspartnerin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung mit der Staff-Ausrüstung und sponsert das Starter-Shirt. Ohne diese treuen Partnerschaften wie auch unsere diversen Supplier wäre das Projekt nicht umsetzbar.

Mehr als nur Kilometer

Der Giro Suisse verfolgt ein klares Ziel: Breitensport und Bewegungsförderung für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer in der Schweiz. Gleichzeitig sensibilisiert die Tour für Themen rund um Inklusion und Teilhabe, denn was verbindet mehr als eine gemeinsame Radtour? Am Ende lässt sich der Giro Suisse nicht nur in Zahlen oder Streckenprofilen messen. Es ist das Gefühl, das bleibt – die Mischung aus Anstrengung, Stolz über die absolvierten Etappen und die neuen Bekanntschaften. Thomas Hurni bringt es treffend auf den Punkt: «Der Giro Suisse ist Emotion, die man nicht erklären kann – man muss sie (er-)fahren.»

Jetzt mitfahren

Sie bringen Freude am Radfahren, wir liefern das Giro-RundumSorglos-Paket: www.GiroSuisse.ch

Logistik-Team Meisterleistung dank Giro-Staff

SCHWIMMKURSE

Sicher im Wasser

Unsere Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche starten Ende August.

Im Hallenbad Nottwil geben wir allen zwischen 6 und 18 Jahren die Gelegenheit, sich dem Element Wasser anzunähern. Vorkenntnisse sind keine notwendig. Gemeinsam unternehmen wir erste vorsich-

tige Schwimmversuche oder verbessern die eigene Technik. Der Kurs findet vom 29. August 2026 bis 26. Juni 2027 statt, jeweils am letzten Samstag im Monat.

Anmeldung

Bis 15. Juni 2026 unter spv.ch/eventkalender

GLEITSCHIRM

Fünf Stunden Flug

Daniel Schiess aus Wolfhalden AR ist Rollstuhl-Gleitschirm-Weltmeister. Ein Jahr nach Rang zwei sicherte sich der 34-Jährige in Kolumbien dank konstant starker Leistungen den Titel mit Flügen von bis zu fünf Stunden.

Nach einem Unfall 2023 ist Daniel Schiess Paraplegiker, doch er fand zurück in die Luft. Mit einem selbst entwickelten, leichten Flugrollstuhl startet er heute mit minimaler Hilfe und landet selbstständig. Seine Leidenschaft blieb ungebrochen: «Ich bin

frei», sagte er in der Herbstausgabe 2025 von Paracontact. Neben dem Sport verfolgt er beruflich neue Wege, arbeitet Teilzeit und plant eine Plattform für barrierefreie Reisen.

Daniel Schiess will Vorbild sein und zeigen, was möglich ist. Im April startete er am Swiss Cup Flims mit Fussgängerinnen und Fussgängern. Auch privat probiert er immer wieder neue Sportarten aus. Ob Basketball-, Flugrollstuhl oder Monoskibob –der Materialpark wächst mit der Neugier.

BADMINTON

WM-Bronze

Cynthia Mathez und Ilaria Olgiati erspielten sich im Doppel an der WM in Bahrain die Bronzemedaille.

In den entscheidenden Momenten zeigten die Europameisterinnen ihre Stärke und waren mit ihrem Sieg über das indische Doppel die einzigen Europäerinnen in den Medaillenrängen.

Die Schweizer Delegation überzeugte im Königreich Bahrain auch in der Breite mit den Viertelfinal-Qualifikationen von Ilaria Olgiati und Luca Olgiati/Yuri Ferrigno (ITA) sowie den Achtelfinals von Cynthia Mathez und Marc Elmer/Kamil Snajder (CZE).

BOB

Zwei Medaillen

Christopher Stewart sicherte sich an der Bob-WM Ende Januar die Bronzemedaille. Jonas Frei wurde Vierter.

An der eine Woche davor stattfindenden EM war das Schlussresultat gerade umgekehrt: Jonas Frei gewann Bronze. Christopher Stewart beendete den Wettkampf auf dem vierten Rang.

VORSCHAU

Anstehende Titelwettkämpfe

Unsere Athletinnen und Athleten messen sich in den kommenden Monaten mit der internationalen Konkurrenz.

WM Powerchair Hockey

24. Mai – 1. Juni 2026

Pajulahti FI

Die Schweiz spielt in der Gruppenphase gegen die Mannschaften aus Deutschland, Italien und Dänemark, die vom Niveau alle nah beieinander sind. Es wird spannend. Die Niederlande gelten als Favorit. powerchairhockey.org

EM Para-Cycling 12. – 14. Juni 2026

Maniago IT

Die Chancen auf Medaillen stehen im internationalen Vergleich gut. Sandra Fuhrer als amtierende Weltmeisterin gilt als Topfavoritin. Auch Fabian Recher, Micha Wäfler und Benjamin Früh könnten aufs Podest fahren. uec.ch

Rudern

EM 30. Juli – 2. August 2026

Varese IT

WM 24. – 30. August 2026

Amsterdam NL

Mit Claire Ghiringhelli geht nur eine Schweizer Athletin an den Start. An der EM strebt sie einen erneuten Platz auf dem Podest an. Bereits 2025 ruderte sie zu EM-Bronze. An der WM ist die Konkurrenz wesentlich grösser. Hier will die Athletin ihre bestmögliche Leistung abrufen. worldrowing.com

AUSZEICHNUNG

Sportlerin des Jahres

Catherine Debrunner wurde gleich mit zwei Awards für ihre herausragenden Leistungen geehrt.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) ernannte die Athletin zur besten weiblichen Sommersportlerin 2025. Für den Preis berücksichtigt wurden Höchstleistungen von Mai 2023 bis März 2025. In dieser Periode überzeugte Catherine Debrunner mit sechs Medaillen an den Paralympics und überragenden Resultaten an zwei Weltmeisterschaften und mehreren

Marathonevents. Die Para Sport Awards werden alle zwei Jahre in elf Kategorien vergeben.

Auch beim Schweizer Pendant gehörte Catherine Debrunner zu den Geehrten. An den Sports Awards wurden am 30. März die erfolgreichsten Schweizer Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2025 ausgezeichnet. Catherine Debrunner erhielt den Award «Paralympische Sportlerin des Jahres» und setzte sich gegen die weiteren Nominierten Marcel Hug und Flurina Rigling durch.

AUSBILDUNG

Bilden Sie sich weiter

Am Weiterbildungskurs der Stufe 3, der am 19. September in Nottwil stattfindet, hat es noch freie Plätze.

Im Kurs «Rollstuhlfahrende kompetent und effizient begleiten» lernen die Teilnehmenden Voraussetzungen und Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl kennen und setzen diese direkt in die Praxis um. Es werden verschiedene Aktivitäten vermittelt. Zudem erarbeiten die Teilnehmenden eine Vielzahl an Unterstützungsmöglichkeiten und wenden Mobilitätstechniken in un-

terschiedlichen Umgebungen und auf verschiedenen Untergründen an. Der Kurs fokussiert auf den Alltagsrollstuhl, schliesst jedoch auch weitere Mobilitätsgeräte ein.

Der Kurs richtet sich an alle mit abgeschlossener Basisausbildung, die im Sportbereich mit Personen im Rollstuhl zu tun haben. Die Weiterbildung findet sowohl in der Sporthalle als auch im Freien statt.

Ausschreibung und Anmeldung sporthandicapeducation.ch

MILANO CORTINA 2026

Lust auf mehr

Mit Pascal Christen und Christophe Damas gehörten zwei Rollstuhlfahrer zum Schweizer Team bei den Winterspielen 2026. Die eng befreundeten Skifahrer ziehen ein Fazit zwischen Rückblick und Aufbruch.

Bevor die Delegation von Swiss Paralympics nach Norditalien aufbrach, verkündete Tom Reulein in seiner Funktion als Chef de Mission: «Wir fahren nicht an die Winterspiele, um einfach dabei zu sein. Unser Ehrgeiz ist es, Medaillen und Diplome zu gewinnen.»

Als die Grossveranstaltung nach zehn Tagen endete, sind die Erwartungen von drei Medaillen deutlich übertroffen worden. Sechs Podestplätze sind es geworden: vier davon gehen auf das Konto von Skifahrer Robin Cuche in der Kategorie Stehend. Dazu kamen drei Diplome. Eines davon holte Pascal Christen, der wie Christophe Damas mit dem Monoskibob unterwegs war. Beide Athleten leisteten ihren Beitrag zum starken Schweizer Abschneiden.

Pascal Christen:

«Mein Ziel erreicht» Vor vier Jahren gab Pascal Christen seinen Paralympics-Einstand in Peking. Im Slalom belegte er Rang 14, im Riesenslalom fuhr er auf den 17. Platz. Der 33-jährige Nidwaldner, den ein Mountainbike-Sturz 2016 zum Paraplegiker machte, strebte in Cortina ein Diplom an. Dafür benötigte er einen Top-8-Platz in einem der fünf Rennen.

In der Abfahrt schied er aus, erreichte zwei Tage später im Super-G den 10. Rang und kam in der Alpinen Kombination nicht in die Wertung: Nach seinem Ausfall im Super-G durfte er im Slalom nicht mehr

an den Start. Im Riesenslalom aber fuhr er mit dem 8. Platz das Resultat ein, das er sich so sehr vorgenommen hatte.

«Eine Medaille war zwar relativ weit weg», sagt Pascal Christen, «mit dem Diplom habe ich mein Ziel erreicht und nun doch etwas in der Hand.» Er hat es daheim in Nottwil aufgehängt, weil es ihm viel bedeutet – und weil er es auch als Antrieb nimmt, seine Beharrlichkeit mit Blick auf die Winterspiele 2030 in Frankreich beizubehalten. Dort peilt er eine Spitzenklassierung an, die ihm allgemein zugetraut wird. Richard Studer, Co-Koordinator Monound Dualskibobkurse der SPV in Sörenberg, erkannte mit seinem Skilehrerteam die Begabung früh. Heute sagt er: «Pascal ist ein Riesentalent. Er ist bereit, grossen Aufwand auf sich zu nehmen. Natürlich braucht es neben fahrerischem Können auch Glück, um ganz an die Spitze zu gelangen. Aber es wäre schön, wenn ihm in vier Jahren mit einer Goldmedaille die Krönung gelingen würde.»

Er liebt die Herausforderungen Pascal Christen mangelt es weder am positiven Denken noch an der Einstellung. «Ich habe mit dem Unfall eine Chance bekommen», betont er. Als er in Kanada verunglückte, schickte er noch vor der Operation ein SMS nach Hause – mit der Botschaft, dass er in Zukunft sitzend Ski fahren werde. Er machte sich mit aller Konsequenz an die Umsetzung seines Plans und betrachtete Schwierigkeiten nicht als

Zufrieden mit sich

Pascal Christen (links) und Christophe Damas blicken positiv auf das Erreichte zurück und schmieden bereits Pläne.

Last, sondern als Herausforderung. Als er sich Mitte Januar einen Bruch des rechten Mittelhandknochens zuzog, brachte ihn das nicht aus dem Gleichgewicht. Der Perfektionist fragte sich vielmehr: Wie schaffe ich es, optimal damit umzugehen?

Hilfreich war ihm in dieser Situation sicher, dass er sich seit geraumer Zeit auch um seine mentale Verfassung kümmert. Er arbeitet mit einer Mentaltrainerin zusammen, «weil sich auf diesem Niveau ganz vieles im Kopf entscheidet».

In Cortina ging er mutig an den Anlass heran, im Wissen, dass er in den vergangenen vier Jahren an Konstanz zugelegt hat. Bevor er nach Italien abreiste, verabschiedete ihn sein Physiotherapeut mit dem Ratschlag: «Hab Spass!» Wenn er heute zurückblickt, kann er sagen: «Das hatte ich definitiv.»

Christophe Damas:

«Sehr positives Gefühl»

Einer der Neulinge im Schweizer Team war Christophe Damas. Der Herisauer, der am 6. April seinen 24. Geburtstag feierte, startete wie Pascal Christen fünfmal und erreichte dreimal das Ziel: Im Riesenslalom und Slalom reichte es für Platz 13, den Super-G beendete er auf Rang 19. In der Abfahrt und in der Alpinen Kombination schied er aus.

«Ich schaue mit einem sehr positiven Gefühl zurück», sagte er später. «Ich habe wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen und bin dankbar, dass ich selektioniert worden bin.»

Christophe Damas sass ebenfalls in Sörenberg erstmals in einem Monoskibob – und ist seit August 2025 auch Skiprofi. «Ich bin noch jung und kann ein gewisses Risiko eingehen. Es ist der richtige Zeitpunkt.»

Der junge Mann, der eine Lehre als Informatiker abschloss, ist in vielerlei Hinsicht ein Kopfmensch. Er setzt sich liebend gern

mit Zahlen, Daten sowie Analysen auseinander und interessiert sich für wirtschaftliche Themen. Sein Credo: Alles muss seine Logik haben. Ihm muss einleuchtend sein, warum er dies tun und anderes lassen soll. Übertragen auf den Sport heisst das auch: Er setzt sich sehr akribisch und selbstkritisch mit seinen Leistungen auseinander. Er verliert nie den Respekt vor der Aufgabe, lässt aber keine Zweifel zu, wenn er unterwegs ist. «Das erhöht nur die Gefahr eines Sturzes.»

Der Absolvent der Spitzensport-Rekrutenschule erlebte in Cortina den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere. Er fuhr Ski bei Rahmenbedingungen, die er bislang noch nicht kannte. Im Ziel erwartete ihn viel Applaus von einem grossen Publikum. In der Mixed Zone gab er Medienschaffenden Auskunft. Und im House of Switzerland feierte er mit dem Team Medaillen.

Wakeboarden mit Pascal Christen «Es war vieles neu für mich. Das, was ich erlebt habe, macht Lust auf mehr», betonte er noch in Italien. Bis 2030 will er weiter-

machen und sich dann in Frankreich in die Region der Medaillenplätze herantasten. «Bei den nächsten Paralympics weiss ich dank der Tage in Cortina, was auf mich zukommt und worauf ich zu achten habe.» Dann fügt er an: «Vielleicht bin ich 2034 noch ein drittes Mal dabei.»

Nach Milano Cortina 2026 gönnte er sich aber zuerst einmal eine Pause, die er zuerst mit einem Abenteuer füllte. Im April flog er für zwei Wochen nach Usbekistan. Nach der Rückkehr ging es im Mai weiter nach Spanien. Wakeboarden stand auf dem Programm, eine zweite sportliche Leidenschaft von Christophe Damas. Diese Ferien verbrachte er freilich nicht allein – sondern mit Pascal Christen. Die beiden sind zwar Konkurrenten auf der Piste, aber daneben verbindet sie eine enge Freundschaft.

In Cortina waren die beiden oft zusammen anzutreffen, teilten sich auch das Zimmer im paralympischen Dorf und bekamen das, was sie sich im Vorfeld erhofft hatten: eine erlebnisreiche, lustige Zeit.

Wir bewegen Sie zu mehr Bewegung

Boccia verbindet – unabhängig von Alter, Fitnesslevel und körperlichen Voraussetzungen. Deshalb eignet sich die Sportart ideal für die Rollstuhlclubs.

Von Thomas Hurni

Die Sportart ist schnell erlernt und lebt von Taktik, Konzentration und Teamgeist. So entsteht eine inklusive Aktivität, bei der wirklich alle mitmachen können. Die SPV will Boccia als neue Sportart etablieren, wie wir bereits in der letzten ParacontactAusgabe (1/26, Seite 10) darlegten.

Kostenloser Einführungskurs

Um die Sportart in ihr Programm aufzunehmen, unterstützen wir die Rollstuhlclubs. Die Rollstuhlclubs können sich unkompliziert für einen Einführungskurs in ihrer Region anmelden. Die Freizeit- und Sportverantwortlichen der Clubs wurden Mitte März per Mail informiert. Die SPV organisiert den Kurs und ist für die Inhalte verantwortlich. Eine kompetente Fachperson sorgt für eine fundierte Einführung in die Sportart. Der Rollstuhlclub wiederum organisiert eine passende Räumlichkeit sowie die Teilnehmenden. Dieses Angebot ist für die Rollstuhlclubs kostenlos. Zudem erhält jeder teilnehmende Club ein Roll-

stuhl-Boccia- und ein Schiedsrichter-Set geschenkt. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um direkt nach dem Kurs selbstständig mit einer eigenen BocciaAktivität zu starten. Der Rollstuhlclub verpflichtet sich dabei, ein regelmässig stattfindendes Boccia-Angebot zu etablieren. Ziel ist es, Boccia nicht nur einmalig auszuprobieren, sondern nachhaltig im Clubleben zu verankern.

Gemeinschaft erleben Rollstuhl-Boccia bietet eine tolle Gelegenheit, das soziale Miteinander im Club zu stärken. Eine Boccia-Aktivität kann beispielsweise mit einem gemeinsamen Essen oder einem Apéro kombiniert werden. Dabei entsteht nicht nur ein sportliches Angebot, sondern ein gesellschaftlicher Event, der Begegnung, Austausch und Zusammenhalt fördert. Gerade für neue Mitglieder kann dies eine niederschwellige Möglichkeit sein, Anschluss zu finden und aktiv am Clubleben teilzunehmen.

Ein Sport für alle

Durch die Förderung von Boccia ermöglichen die SPV und ihre Clubs Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen eine aktive Teilnahme am Sport. Darüber hinaus ist Boccia eine inklusive Sportart, die Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ausüben können.

Besonders wichtig ist es, wenig aktive und neue Clubmitglieder zu motivieren. Boccia senkt Hemmschwellen: Niemand braucht sportlich zu sein, um mitzumachen. Der Einstieg ist einfach, Erfolgserlebnisse stellen sich schnell ein, und die taktische Komponente macht das Spiel spannend. Und dennoch: Para-Boccia ist eine paralympische Disziplin, die sich auch auf Leistungsniveau ausüben lässt.

Regionale und nationale Verankerung

Unser erstes Ziel ist es, Boccia regional zu verankern. Die Rollstuhlclubs können über ihre Region hinweg gemeinsame Trainingsangebote aufbauen und sich vernetzen. In einem nächsten Schritt soll die Sportart auch national gestärkt werden. Offene Turniere auf regionaler und nationaler Ebene helfen, die Bekanntheit zu steigern, neue Teilnehmende zu gewinnen und den sportlichen Austausch zu fördern.

Mit Boccia entsteht also weit mehr als ein neues Sport- und Freizeitangebot. Es ist ein inklusives, verbindendes und zukunftsorientiertes Projekt, das Menschen bewegt – im wahrsten Sinne des Wortes.

Save the date 14. November 2026 Nationales Boccia-Turnier in Nottwil

Bereit für die Zukunft

Ein neues Trainer-Trio übernahm Anfang Jahr im Schweizer Rollstuhlbasketball Verantwortung: Nicola Damiano, Christian Rosenberger und Maurice Amacher.

Generationenwechsel sind im Rollstuhlsport eine besondere Herausforderung. Der Nachwuchs ist knapp und verteilt sich auf viele Sportarten. Gleichzeitig braucht es für ein schlagkräftiges Team mindestens acht Athletinnen oder Athleten. Und für eine konkurrenzfähige Teamkonstellation müssen auch die Klassifizierungspunkte stimmen. «Bei den Damen versuchen wir zwar in diese Richtung zu gehen, doch für ein Fünf-gegen-fünf-National-

team reicht es aktuell noch nicht ganz», erklärt Christian Rosenberger. Umso passender kam die Premiere von 3×3 bei den Olympischen Spielen in Paris, und das mit grossem Erfolg. Aufs paralympische Parkett rollt die Sportart frühestens 2032.

3×3 trifft den Nerv der Zeit

Für Christian Rosenberger ist die Disziplin eine grosse Chance: «3×3 ist für uns eine echte Alternative. Das Spiel ist ultraschnell und technisch-taktisch sehr anspruchsvoll.» Zudem trifft sie den Nerv der Zeit: Spiele dauern nur 10 Minuten, die 12-Sekunden-Wurfuhr sorgt für viele Ballbesitz-Wechsel und noch schnelleres Tempo als im klassischen Basketball. Die Austragungsorte befinden sich meist auf öffentlichen Plätzen und die Events lassen sich gut in Fussgängerturniere inkludieren.

«Ziele wie die Teilnahme an Meisterschaften sind ein wichtiger Motivationsfaktor für die Damen», sagt Christian Rosenberger. «Gleichzeitig streben wir an, unser Team langfristig zu einem 5-vs-5 Nationalteam auszubauen». Erfahrung bringt der DamenHeadcoach reichlich mit: Bereits in den 90er-Jahren war er an der Entwicklung der Adidas Streetball Challenge in der Schweiz beteiligt, seit 2019 gehörte er zum Trainerteam der Herren-Nationalmannschaft und der Pilatus Dragons.

Neue Impulse für Herren-Nati

Diese übernimmt neu der Tessiner Rollstuhlfahrer Nicola Damiano. Der schweizerisch-italienische Doppelbürger wurde 2009 mit der Squadra Azzura Europa-

meister. Seit 2021 spielt er für die Schweiz und ist parallel für den deutschen Bundesligisten Wiesbaden im Einsatz.

Er freut sich auf die Challenge Generationen-Wechsel: «Unser Ziel ist es, auch in dieser Phase kompetitiv zu bleiben. Gleichzeitig möchte ich bei möglichst vielen Schweizer Spielern die Lust wecken, Teil dieses Teams zu sein.» Der Tessiner liebt schnellen Basketball mit einer Prise positiver Verrücktheit, die sich mit Struktur und Klarheit abwechseln soll. «Alle müssen verstehen: Gemeinsam erreichen wir mehr als jeder für sich allein, mit vollem Einsatz, harter Spielweise, Emotionen und mit viel Herz», so die Vorgabe des neuen «Mister» der Schweizer Nati.

Fokus auf den Nachwuchs

Damit künftig genügend Talente bereitstehen, übernimmt Maurice Amacher, selbst lange Profi in Spanien, Italien und Deutschland, als Nachwuchsverantwortlicher eine Schlüsselrolle. Dabei hilft ihm sein eigener Werdegang: «Ich bin selbst durch die Nachwuchsförderung von Rollstuhlsport Schweiz gerollt. Jetzt möchte ich mein Wissen an die nächste Generation weitergeben.» Im Zentrum steht dabei die Leidenschaft für den Sport. «Wir wollen Freude vermitteln und die Spielerinnen und Spieler mit jedem Training etwas kompletter machen.» So soll Wurf für Wurf die nächste Generation aufgebaut werden, damit der Schweizer Rollstuhl-Basketball auch in Zukunft konkurrenzfähig bleibt.

Maurice Amacher Chef Nachwuchs
Christian Rosenberger Headcoach Damen
Nicola Damiano Headcoach Herren

SWISS SPORT INTEGRITY

Ist diese Berührung noch okay?

Seit 2022 gibt es im Schweizer Sport eine Meldestelle für ethische Verstösse. Was mit diesen Meldungen passiert und wie die Meldestelle genutzt wird, erklärt uns ihre Leiterin Martina Conte.

Wie steht es um die Integrität des Schweizer Sports? Einerseits ganz gut. Die Sensibilisierung verfängt und das Bewusstsein bei den Akteuren im Sport ist je länger, je mehr vorhanden. Viele Personen, Vereine und Verbände setzen sich aktiv mit der Thematik auseinander. Andererseits merken wir, dass es noch viel zu tun gibt.

Was ist die Aufgabe der Ethikmeldestelle von Swiss Sport Integrity? Wir nehmen Meldungen entgegen und prüfen anschliessend die gemeldeten Vorwürfe. Als Erstes entscheiden wir, ob wir überhaupt zuständig sind. Wir prüfen, ob die angeschuldigte(n) Person(en) dem EthikStatut unterstellt sind und ob ein Zusammenhang zum Sportbetrieb besteht. Auch stellt sich die Frage: Geht es um Ethik oder haben die beiden Personen «nur» einen Konflikt? Wir gehen den Vorwürfen nach, sprechen mit den verschiedenen Beteiligten. In vielen Fällen streben wir eine einvernehmliche Lösung an. Wenn wir den Eindruck erhalten, es liege ein Verstoss vor, eröffnen wir eine Untersuchung und bringen die Fälle vor das Schweizer Sportgericht. Dieses entscheidet dann über Sanktionen wie zum Beispiel eine Sperre oder Busse. Im Laufe des Prozesses versuchen

wir gleichzeitig, die involvierten Personen und Organisationen zu sensibilisieren und das Bewusstsein für Ethikthemen zu fördern.

Das heisst, Sie machen auch Prävention?

Nein, wir werden erst aktiv, wenn eine Meldung eingeht. Wir agieren nicht präventiv, selbst wenn wir Bedarf erkennen. Für die Prävention ist Swiss Olympic zuständig.

Die Meldestelle nahm 2022 ihre Arbeit auf. Wie wird sie genutzt? Jahr für Jahr erhalten wir mehr Meldungen. Das hat zum einen damit zu tun, dass immer mehr Menschen im Schweizer Sport wissen, dass es uns gibt. Zum anderen steigt auch das Bewusstsein für das Thema. Personen merken immer häufiger, wenn etwas nicht stimmt und machen eher eine Meldung. Das ist auch ein Verdienst der Prävention.

Was ist ein ethisches Vergehen?

Das Ethik-Statut von Swiss Olympic ist unsere Grundlage. Das Ethik-Statut listet Verstösse nach Hauptkategorien auf. Es gibt etwa den Tatbestand der Diskriminierung, es gibt Fälle von physischer und psychischer Integritätsverletzung und dann gibt

es noch die sexuellen Übergriffe oder die Verletzung der Fürsorgepflicht. Wir haben aber auch weitere Tatbestände, die nicht so oft gemeldet werden. Die meisten Meldungen, die wir erhalten, betreffen die psychische und sexuelle Integrität.

Personen im Rollstuhlsport sind vielfach auf helfende Hände angewiesen: bei Transfers, beim Anziehen usw. Wann geht eine Hilfestellung in einen Übergriff über?

Das lässt sich eben nicht so einfach beantworten und ist stark von der jeweiligen Konstellation abhängig. Wie ist das Verhältnis der Personen zueinander? Ist der Körperkontakt nötig? War die Berührung Absicht oder nicht? Und zugleich sind die Grenzen subjektiv, was jemand als übergriffig empfindet. Das bedeutet für uns, dass wir jeden einzelnen Fall ganz genau anschauen müssen.

Was passiert nach einer Meldung?

Wie bereits erwähnt, schätzen wir als Erstes ab, ob wir zuständig sind. Ist dies der Fall, nehmen wir so bald als möglich Kontakt auf mit der meldenden Person. Mit ihr klären wir erste Fragen und ihre Rolle, denn nicht immer melden Direktbetroffene einen Vorfall, sondern auch Personen, die etwas beobachtet haben. Anschliessend wägen wir ab: Braucht es eine Untersuchung? Braucht es weitere Befragungen? Ist

es möglich, eine einvernehmliche Lösung zu finden? Dafür braucht es in der Regel viele Gespräche. Es gibt aber auch Fälle mit sehr hoher Dringlichkeit und dort haben wir die Möglichkeit, schon ab Meldungseingang vorläufige Massnahmen zu ergreifen.

Wie bin ich geschützt, wenn ich eine Meldung mache?

Man kann auf unserer Plattform sportintegrity.ch anonym eine Meldung erfassen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass man uns gegenüber die eigene Identität offenlegt, aber in einem allfälligen Verfahren anonym bleibt. Das heisst, wir wissen, mit wem wir es zu tun haben, aber die beschuldigte Person, der Verband und unter Umständen das Sportgericht wissen es nicht. Das kann aber bedeuten, dass Aussagen vor Gericht nicht verwertet werden können, weil Rückschlüsse auf die Person möglich sind. Hier müssen wir sorgfältig abwägen. Es gibt Personen, die wir schützen müssen, damit sie sich überhaupt getrauen zu sprechen. Es sind aber auch die Rechte der beschuldigten Person zu berück-

sichtigen. Für diese ist es schwierig, wenn sie nicht weiss, wer hinter der Anschuldigung steckt.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Sie?

Wir haben verschiedene Optionen, zum Beispiel die klassische Vergleichssituation. Wir versuchen herauszufinden, was die betroffene Person erwartet und was davon die beschuldigte Person zu anerkennen bereit ist. Im besten Fall finden wir einen Kompromiss und legen eine Vereinbarung fest mit Bedingungen. Ein anderes Instrument ist die Mediation. Dabei unterstützen wir die beteiligten Parteien, selbst eine Lösung zu erarbeiten. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige Lösung zu finden und die Situation zu verbessern. Auf dem Weg dorthin versuchen wir auch kreativ zu sein und jedem Fall gerecht zu werden.

Das klingt eher nach Sozialer Arbeit. Wie sind Sie personell aufgestellt?

Wir sind in der Tat sehr interdisziplinär unterwegs. Das Team umfasst aktuell 16 Personen. Darunter sind Juristinnen, So-

zialarbeiter und auch eine Psychologin. Uns ist es wichtig, dass wir aus verschiedenen Perspektiven auf die gemeldeten Situationen blicken. Oft arbeiten wir dafür im Tandem. Darüber hinaus haben wir externe Partner, die uns in einzelnen Verfahren unterstützen.

Wie viele Meldungen sind auch strafrechtlich relevant?

Wir erhalten viele Meldungen, zu denen parallel ein Strafverfahren läuft. Unter Umständen deckt sich der ethisch relevante Sachverhalt aber nicht vollständig mit dem strafrechtlich relevanten. In der Regel warten wir das Ergebnis im Strafverfahren ab und entscheiden dann, ob überhaupt und was aus Ethik-Sicht noch zu tun ist. Der Austausch mit den Strafbehörden ist aber nicht immer einfach und es sind hier Lösungen notwendig.

Wie lange dauert es, bis ich eine Reaktion auf meine Meldung bekomme?

Hilfestellung Körperkontakt lässt sich nicht vermeiden.

Wir versuchen möglichst rasch Kontakt aufzunehmen, einfach um zu signalisieren, dass wir das Anliegen erhalten haben und uns kümmern. Aber ich bin ehrlich, aktuell haben wir eine sehr hohe Fallbelastung. Es kann durchaus Wochen und Monate dauern, bis etwas ins Rollen kommt, je nach Dringlichkeit. Wir verstehen, dass dieser Schwebezustand für die betroffenen Personen schwierig auszuhalten ist. Für uns ist jedoch zentral, dass wir sauber und aufrichtig arbeiten – und das braucht Zeit.

SWISS SPORT INTEGRITY

Die Stiftung Swiss Sport Integrity führt Dopingkontrollen und Ermittlungen durch, betreibt Dopingprävention, nimmt Meldungen von ethischen Verstössen entgegen und untersucht diese. Grundlage dafür bilden das Doping-Statut und das Ethik-Statut.

Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung und Rollstuhlsport Schweiz bekennen sich vorbehaltlos zu dopingfreiem Sport und setzen sich gegen Übergriffe jeglicher Art ein. Dazu hält sich Rollstuhlsport Schweiz an die Handlungsgrundsätze von Swiss Olympic und pflegt eine aktive Zusammenarbeit mit Swiss Sport Integrity.

Das Ethik-Statut und das Meldeportal finden Sie auf www.sportintegrity.ch

HANDBIKE

Giro Tremola

Bezwingen Sie mit dem Handbike die legendäre Gotthardpassstrasse Tremola.

Am 22. August 2026 ist es wieder so weit und die Handbike-Challenge Giro Tremola geht in die zweite Runde. Bezwingen Sie die historische Passstrasse. 13 km lang schlängeln sich die Serpentinen hoch zum Gotthardpass. 930 Höhenmeter gilt es zu überwinden.

Während der Veranstaltung ist die Passstrasse für den übrigen Verkehr gesperrt. Der Anlass richtet sich an erfahrene Handbikerinnen und Handbiker. Es erfolgt keine Zeitmessung. Idealerweise nehmen Sie mit einer Begleitperson auf dem Fahrrad teil.

Infos und Anmeldung giro-tremola.ch

PARTNER

Safari in Botswana

NJOVU SAFARIS führt 2027 erneut eine barrierefreie Safari in Botswana durch.

In der letzten Paracontact-Ausgabe berichtete Veranstalterin Gabi Thoenen über die von ihr organisierte Reise in den afrikanischen Busch (vgl. Paracontact 1/26, Seite 28). Die gute Nachricht für alle Reiselustigen: Die Safari findet vom 1. bis 14. November 2027 erneut statt. Details stehen in der Ausschreibung auf njovusafaris.ch.

INKLUSIONS-INITIATIVE

Überarbeitung ungenügend

Am 25. Februar präsentierte der Bundesrat den überarbeiteten Gegenvorschlag zur Inklusions-Initiative.

Der Gegenvorschlag bleibt auch nach seiner Überarbeitung klar hinter den Kernforderungen zurück, vor allem bei den Themen Assistenz und selbstbestimmtes Wohnen. Die breite Kritik in der Vernehmlassung führte immerhin punktuell zu Verbesserungen. So kommt der Gegenvorschlag mit der Einführung eines unabhängigen Moni-

torings zur Überwachung der Umsetzung der UNO-BRK einer wichtigen Forderung der Konvention nach. Zusätzlich wurde der Kreis der Menschen mit Behinderungen, für die das Gesetz gelten soll, erweitert. Dieser war zuvor viel zu eng gefasst. Die Initiative und der Gegenvorschlag des Bundesrats werden in einem nächsten Schritt dem Parlament überwiesen.

Zur Initiative inklusions-initiative.ch

ÖV

Urteil SBB

FV-Dosto

Das Bundesverwaltungsgericht hält fest: Bei der Überprüfung der Barrierefreiheit müssen Menschen mit Behinderung zwingend einbezogen werden.

Dass der SBB-Zug FV-Dosto eine Betriebsbewilligung erhielt, sorgte für viel Kritik. Inclusion Handicap gelangte vor Bundesgericht. Dieses stellte klar: Es genügt nicht, technische Vorschriften einzuhalten – Menschen mit Behinderungen müssen den ÖV autonom benutzen können.

Das Bundesgericht wies das Bundesamt für Verkehr (BAV) an, die Barrierefreiheit der Züge zu prüfen. Für die Tests zog das BAV Menschen ohne Behinderungen bei, die sich in einen Rollstuhl setzten, und erteilte dem FV-Dosto die Betriebsbewilligung. Inclusion Handicap intervenierte erneut.

Das Bundesverwaltungsgericht urteilt, dass die Testsituation ungenügend gewesen sei. Es ordnet explizit an, dass für weitere Abklärungen zwingend eine repräsentative Gruppe von Menschen mit Mobilitätsbehinderungen beigezogen wird. Damit hält es fest, dass eine Behörde einen Sachverhalt mit direktem Bezug zu Menschen mit Behinderungen nicht ohne deren Einbezug feststellen kann. Das BAV muss zudem bereits jetzt abklären, welche Anpassungen technisch möglich und verhältnismässig sind, falls die neuerlichen Tests ergeben, dass die Barrierefreiheit nicht gegeben ist.

Behindertensession 2026

Am 21. Oktober 2026 findet im Bundeshaus in Bern die zweite Behindertensession statt.

Erneut werden 44 Personen mit Behinderung im Nationalratssaal Platz nehmen und darüber debattieren, wie Inklusion in der Schweiz vorangebracht werden kann. Die Teilnehmenden werden Petitionen er-

arbeiten, die sie am Ende des Tages an den Bundesrat übergeben. Wer sich für die Teilnahme interessierte, konnte sich im Frühling anmelden und zur Wahl stellen. Organisiert wird die Session von Pro Infirmis.

Mehr erfahren proinfirmis.ch/session

KUNDGEBUNG

Zusammen für Inklusion

Am 2. Mai 2026 fand auf dem Helvetiaplatz in Zürich die nationale Kundgebung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt.

Zahlreiche Personen mit und ohne Behinderung versammelten sich am Nachmittag des 2. Mai auf dem Zürcher Helvetiaplatz. Sie forderten gleiche Rechte und vollständige Teilhabe in allen Lebensbereichen.

Rund 20 Reden, Tanz- und Musikbeiträge von Selbstvertretern gab es zu verfolgen. Darin wurden konkrete Forderungen an die Politik und die Verwaltung gestellt.

Die Kundgebung, die 2026 bereits zum fünften Mal stattfand, wurde von 22 Menschen mit Behinderung organisiert. Zahlreiche Organisationen, darunter die SPV, unterstützten den Anlass als Partnerin.

VERANSTALTUNG

Défis de Marais

Am Sponsorenlauf «Défis du Marais» zählt jeder Kilometer, den die Teilnehmenden zurücklegen. Am 30. August 2026 ist es wieder so weit.

Organisiert wird der Benefizanlass vom gemeinnützigen Verein «Roule pour Hugo», der mit den Spenden Projekte für querschnittgelähmte Menschen unterstützt. Die SPV, der CFR Genève und die Schweizer Paraplegiker-Stiftung sind bei der diesjährigen Austragung als Partner dabei.

Zum Anlass defidesmarais.ch

PARAPLEGIKERZENTREN

Neuer Präsident

REHAB-Direktor Istvan Ehrenbaum ist der neue Präsident der Vereinigung Paraplegikerzentren Schweiz.

Zur Vereinigung gehören die vier Paraplegikerzentren Univer sitätsklinik Balgrist, Clinique romande de réadaptation Sion, das Schweizer Paraplegiker-Zentrum und REHAB Basel. Sie vertritt die gemeinsamen Interessen rund um die Behandlung querschnittgelähmter Patienten.

IM GESPRÄCH

Angstschweiss und Freudentränen

Thomas Bretschneider fotografiert mit Leidenschaft die afrikanische Tierwelt. Die Reisen bringen ihn jedes Mal an seine Grenzen – und doch geben sie dem Paraplegiker, was ihm lange gefehlt hat: Lust aufs Leben.

Von Nadja Venetz

Du bist Architekt und Fotograf. Welchen Anteil haben beide Tätigkeiten in deinem Leben?

Die Architektur ist meine Basis, die mir langfristig mein Auskommen sichert, quasi mein Alltag. Und die Fotografie ist mein Paralleluniversum. Architektur ist zwar auch kreativ, aber ich setze primär um, was die Bauherren wünschen. In der Fotografie bin ich völlig frei.

2016 hast du dich als Architekt selbstständig gemacht. Wie kam es dazu?

2004 habe ich bei einem grossen Architekturbüro in Zürich eine Stelle gefunden und bin von Deutschland hierhergezogen.

Sechs Jahre später bin ich auf dem Weg zur Arbeit mit dem Velo verunfallt. Nach der mehrmonatigen Reha im Balgrist konnte ich glücklicherweise in einem 50%-Pensum zurück an meinen Arbeitsplatz. Meine Chefs waren toll und unterstützten mich sehr, aber ich hatte den Eindruck, dass mich die Leute im Team anders behandeln, mich nicht mehr ernst nehmen und verdrängen wollen. Hinzu kamen starke neuropathische Schmerzen, die mich sehr geräuschempfindlich machten. Ich habe den Lärm im Grossraumbüro einfach nicht mehr ausgehalten. Ich wollte schon immer mal selbstständig sein und habe das 2016 umgesetzt. In meiner Wohnung habe ich

mir ein Büro eingerichtet, und wenn es mir schlecht geht, bleibe ich einfach im Bett liegen und arbeite von dort aus.

Wie kam die Fotografie in dein Leben?

Nach meinem Unfall habe ich mich gefragt: Was will ich noch in meinem Leben? Was wollte ich schon immer mal machen? Was interessiert mich? Selbstständig sein war eine Antwort, auf Safari gehen und Tiere fotografieren eine weitere. Ich habe Online-Kurse besucht und mir die Technik angeeignet, und seit 2018 reise ich eigentlich jedes Jahr für knapp zwei Wochen nach Afrika. Später kam die Unterwasserfotografie hinzu.

Wenn du eine Reise planst, wie gehst du vor?

Ich bin nicht der Mutigste und recherchiere sehr ausführlich, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Mittlerweile fliege ich vor allem nach Kenia in das Naturschutzgebiet Masai Mara. Da gibt es einen Direktflug in die Hauptstadt, ich habe Kontakte und kenne die Abläufe. Ich organisiere mir einen Fahrer, der mich in einer achtstündigen Autofahrt von Nairobi in die Masai Mara bringt. Freunde haben in ihrem Camp ein rollstuhlgängiges Zelt für mich eingerichtet. Eine Betonrampe und eine stabile Toilette; nichts Luxuriöses. Davor wurde ich halt rein- und rausgetragen. Auf jeder Reise führe ich Tagebuch. Da notiere ich, was gut lief und was nicht. Und so nehme ich immer wieder Anpassungen vor. Und auch wenn ich mittlerweile viel Erfahrung habe, bin ich vor jeder Abreise wahnsinnig gestresst und frage mich, muss das jetzt wirklich sein?

Was macht dich so nervös?

Alles! Schon im Bett denke ich, hoffentlich funktioniert der Fahrstuhl. Sonst komme ich gar nicht aus dem Haus. Komme ich rechtzeitig zum Flughafen? Klappt das mit dem Flug? Wartet der Fahrer auf mich? Wie ist die Unterkunft? Was für Leute sind vor Ort? Und so geht das immer weiter. Anfänglich hoffte ich, dass sich diese Ängste mit der Zeit legen. Mittlerweile kann ich annehmen, dass sie Teil meiner Persönlichkeit sind.

Wieso tust du dir diesen Stress an?

Ich erkläre es dir an einem Beispiel. Ende 2024 war ich in Mexiko auf der Insel Socorro, die etwa 400 km vom Festland entfernt im Pazifik liegt. Rund um diese vulkanische Insel zu tauchen und vielleicht Riesenmantas zu sehen, war schon lange ein Traum von mir. Auf der Insel gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit, was bedeutet, dass man die ganze Zeit auf dem Boot lebt. Ich musste also ein Boot finden, bei dem Tauchen, Essen und Schlafen auf derselben Ebene stattfindet. Rund sieben Jahre habe ich recherchiert, bis ich Ende 2023 einen Veranstalter mit einem passenden Boot fand, das über eine rollstuhlgerechte Kabine verfügte. Der Veranstalter sicherte mir seine Unterstützung zu, meinte

aber auch, die Nachfrage sei gross und die Tour immer ausgebucht. Spontan sagte ich für Ende 2024 zu, also ein Jahr im Voraus. In den ersten Monaten nach der Buchung bin ich jeden Morgen aufgewacht und habe mir gesagt: «Das mache ich nie im Leben.» Bis dahin war ich bestimmt sechs Mal allein in Afrika und zehn Mal in Ägypten. Und dennoch war ich überzeugt, das pack ich nicht. Tauchen dort ist anspruchsvoll und für mich wegen der starken Strömungen und Wellen nur im Dezember möglich. Irgendwann war ich so weit, dass ich mit mir vereinbarte, dass es im schlimmsten Fall einfach eine mordsteure Bootsfahrt wird, sollte ich mich nicht ins Wasser trauen. Trotz aller inneren Widerstände trat ich die Reise an und ging tauchen, auch wenn ich die Kamera nur ein einziges Mal mitnahm.

Wenn ich gerade im Winter schlechte Tage habe und schwermütig im Bett liege, rufe ich mir diese Erlebnisse in Erinnerung und gehe im Kopf nochmal die ganze Reise

durch. Diese Reisen kosten mich sehr viel Überwindung, geben mir aber viel Energie für meinen Alltag.

Nimm uns mit auf Safari. Wie sieht ein Tag in der Masai Mara aus? Das beste Licht ist eine halbe Stunde am frühen Morgen und eine halbe Stunde am Abend. Ich muss also sehr früh aufstehen, was eigentlich gar nicht mein Ding ist. Wir fahren um fünf Uhr los und machen meistens so bis elf Uhr, kommen dann für eine Mittagspause zurück ins Camp und fahren am Abend nochmal raus. Wenn aber etwas Tolles passiert, kann es auch sein, dass wir den ganzen Tag draussen verbringen. Ich habe auch schon neun Stunden lang im Geländewagen auf meine Lieblingsleopardin gewartet, die in der Baumkrone sass. Ich wollte sie unbedingt fotografieren, wie sie den Baumstamm runterläuft. Dass ich katheterisieren muss, ist in so Situationen ganz praktisch. Man muss ja viel trinken bei der Hitze. Für die Fussgänger ist das umständlicher, die dürfen ja nicht einfach

Die Schönheit der Unterwasserwelt festhalten

aussteigen und hinter den nächstbesten Busch pinkeln bei all den wilden Tieren. Ich hingegen habe meine Katheter dabei. Alle drehen sich kurz weg und weiter gehts.

Nutzt du ein spezielles Fahrzeug?

Ich buche stets einen eigenen Fahrer und einen Geländewagen für mich allein. Dort sind hinten alle Sitze rausmontiert und Matratzen hingelegt. Mehrere Personen heben mich in den Wagen, in dem ich mich hinten frei bewegen kann. Meist liege ich auf dem Rücken gestützt auf ein Kissen. So fahren wir dann durch die Gegend. Auf diese Weise bin ich stabil, weil es ja durchaus holprig ist, entlaste mein Gesäss vom vielen Sitzen und habe die perfekte Position zum Fotografieren. Ich will ja nicht von oben auf die Tiere gucken, sondern auf Augenhöhe sein.

Wie viele Fotos entstehen dann am Tag?

Es kann gut sein, dass ich nach einem Vormittag draussen mit 2000 Bildern zurückkomme. Das klingt nach viel, aber ich weiss genau, welche gut sind. Im Camp mache ich dann ein Back-up der Speicherkarten. Wenn ich dann abreise, habe ich zwischen 10 000 und 20 000 Bilder dabei. Zu Hause gehe ich nochmal alle durch. Von 20 000 auf 1000 zu reduzieren geht relativ einfach, danach wirds immer schwieriger. Wenn ich am Schluss von einer Reise zehn richtig gute habe, bin ich sehr froh.

Was ist ein gutes Bild?

Ich will pro Bild immer eine Hauptaussage haben. Alles, was ablenkt und was das Auge wegzieht vom Hauptpunkt, soll zurücktre-

Das perfekte Bild

Rund 20 000 Fotos macht Thomas Bretschneider auf jeder Reise. Zehn richtig gute sind hoffentlich dabei.

ten, aber ohne Manipulation, sondern nur mit Hilfe der Kamera. Viele Bilder habe ich schon im Kopf, andererseits kann spontan etwas Spannendes passieren. Unter Wasser interessieren mich vor allem die kleinen Kreaturen. Das passt auch zu meinem Tauchstil. Ich bin halt langsam unterwegs und es fasziniert mich, dass ich nicht weiss, welchen Tieren ich begegne. Meine Bilder sind klar und aufgeräumt. Ich möchte nicht noch Vegetation mit draufhaben. Gerade unter Wasser ist das schwierig. Meine Fotos sind sehr ästhetisch. Ich mache keine Dokumentarfotografie.

Was begeistert dich an Afrika?

Mich faszinieren das Licht und die Weite der Landschaft, und wie selbstverständlich diese Tiere in Freiheit leben, auch unter schwierigsten Bedingungen. Löwen zum Beispiel. Sie sind einerseits brutale Räuber, andererseits fürsorgliche Rudeltiere.

Ich brauche viel Ruhe in meinem Alltag. Jedes Mal, wenn ich in Afrika bin, ist es ein Abenteuer und ich fühle mich sehr lebendig. Das ist Balsam für meine Seele. Hinzu kommt, dass die Leute sehr herzlich und offen sind. Ich reagiere sensibel darauf, wie mit mir umgegangen wird. Ich benutze in Zürich zum Beispiel nie den öffentlichen Verkehr. Mich nerven die mitleidigen Blicke, die seltsamen Kommentare. In Afrika ist es für die Leute einfach unfassbar, dass jemand im Rollstuhl so eine Reise macht, aber damit hat es sich. Und wenn mir die Fahrer von ihren Familien erzählen, wird mir stets von Neuem bewusst, in was für einer Blase wir hier in der Schweiz leben.

Welche Ziele verfolgst du?

Ich poste viel auf Instagram und möchte mit meinen Bildern ein Bewusstsein schärfen für den Lebensraum dieser Tiere. Für mich persönlich habe ich das Ziel, mir weniger Ziele zu setzen und mehr im Prozess zu bleiben. In diesen 16 Jahren, in denen ich jetzt einen Rollstuhl benötige, habe ich auch Dinge getan, um mir und anderen etwas zu beweisen. Aber das muss und will ich nicht mehr.

Wie blickst du heute auf diese 16 Jahre zurück?

Ich fand meine Situation nach meinem Unfall wirklich zum Kotzen. Ich bin nicht der Typ, der seinem Leben ein Ende setzt, aber ich fand mein Leben nicht mehr lebenswert. Ich gab mir fünf Jahre. Danach wollte ich schauen, ob es sich besser anfühlt. Ich habe in dieser Zeit zum Beispiel wieder Skifahren gelernt, etwas, was mir immer Spass gemacht hat. Dennoch habe ich nach diesen fünf Jahren nur eine geringe Verbesserung gespürt. Also gab ich mir nochmal fünf Jahre. 2018 bin ich mit meiner Schwester nach Südafrika gereist. Auf dieser Reise habe ich zum ersten Mal Licht am Horizont gesehen. Aber mach mir jetzt bitte keine Heldengeschichte daraus!

Wieso? Für viele, die das lesen, ist das, was du tust, sicher unvorstellbar.

Ein Held stellt sich einer Herausforderung, überwindet sie und zieht gestärkt weiter. Aber ich habe weder mehr Kraft noch bin ich mutiger als alle anderen. Mich stört, wenn Leute erzählen – teilweise auch in diesem Magazin – wie ihnen alles locker und easy von der Hand geht. Für mich ist überhaupt nichts einfach. Ich habe Zweifel und Ängste, Schmerzen und manchmal überhaupt keinen Bock. Aber ich habe für mich etwas gefunden, was mir wieder Lebensfreude gibt. Für mich sind es diese Reisen. Für jemand anderen kann es etwas ganz anderes sein.

Bildwelt

Instagram: tom.bretschneider

Web: tombret.com

UNSERE ROLLSTUHLCLUBS

Rollstuhlclub Aargau

Die Aargauer haben ihren Vorstand von sieben auf neun Mitglieder erweitert. Präsident Hugo Brogle, das Gesicht des Vereins, möchte frischen Wind im Club.

Die eine Geschichte beginnt vor 40 Jahren, die andere 20 Jahre später. 1986 wird der Rollstuhlclub Aargau gegründet –2006 übernimmt Hugo Brogle offiziell dessen Präsidium.

2026 feiern die Aargauer also zwei Jubiläen, wobei «feiern» in diesem Zusammenhang vielleicht ein etwas gar grosses Wort ist. Vor allem, wenn man dem Clubchef zuhört. «Jetzt sind wir halt 40», sagt er schmunzelnd. Und seine 20 Dienstjahre? «Auch das muss nicht speziell hervorgehoben werden.» Um seine Amtszeit soll erst recht kein grosses Aufheben gemacht werden.

Freundschaften geschlossen

Dabei ist Hugo Brogle zweifellos das Gesicht eines Vereins, der nach der Jahrtausendwende turbulente Zeiten erlebte. Als sich 2005 im Vorstand auf dem Chefposten eine Lücke auftat, sprang er zunächst interimistisch ein – «jemand musste es ja

DER CLUB IN KÜRZE

– 216 Aktivmitglieder und 230 Passivmitglieder

– Sportangebot: Polysport, Powerchair-Hockey-Team zeka Rollers

– Drei Clubanlässe pro Jahr (Plauschnachmittag, Clubreise, Chlaushock)

– Öffentlichkeitsarbeit rollstuhlclubaargau.ch

machen». Ein Jahr später wurde aus dem temporären Engagement eine dauerhafte Lösung. Und Anfang März 2026 stellte sich der heute 67-Jährige aus Wittnau im Fricktal für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung. «Zwei Jahre mache ich sicher noch», sagt er. «Was danach ist, lasse ich offen.»

Sicher ist: Der RC Aargau liegt ihm so sehr am Herzen, dass er sich nicht einfach von ihm abwenden würde.

1987 machte ihn ein Hochspannungsunfall bei der Arbeit zum inkompletten Paraplegiker. Kurz darauf wurde er Teil des Rollstuhlclubs, schloss viele Freundschaften und sorgte als Kassier während zehn Jahren für Ordnung in der Buchhaltung.

Als Präsident hat er das Schiff mit seinem Team wieder auf Kurs gebracht, aber er spricht auch offen über die Herausforderungen. Rund 220 Namen umfasst die Liste der Aktivmitglieder, doch wirklich aktiv dabei ist nur ein Bruchteil davon. 30 bis 35 Personen beteiligen sich am Clubleben, nehmen an den Anlässen teil und sorgen dafür, dass sich der organisatorische Aufwand wenigstens lohnt.

«Wir machen viele glatte Sachen» Hugo Brogle wünscht sich ein breiteres Mitwirken, vor allem auch von jüngeren Leuten: «Frischer Wind würde uns nicht schaden.» Im Jahresprogramm, so seine Überzeugung, finden sich Veranstaltungen, die verschiedene Altersschichten ansprechen. Am 4. Juli findet ein Plausch-

nachmittag statt. Am 24. und 25. September unternehmen die Aargauer einen Ausflug ins Tessin. Zwischen Mai und September beteiligen sie sich viermal an einem slowUp, und der Chlaushock Ende November darf nicht fehlen.

Brogle weist auf einen Termin hin, der für einige im Club nicht mehr aus der Wochenplanung wegzudenken ist: das wöchentliche Turnen in Unterentfelden, bei dem Spiel und Spass im Zentrum stehen. Das präsidiale Versprechen zu den Aktivitäten: «Wir machen viele glatte Sachen.»

Hugo Brogle sucht nach neuen Wegen, um die Mitglieder zu mobilisieren. Er wirbt und weibelt für den RC Aargau, der seit der letzten Generalversammlung im März breiter aufgestellt ist. Den Vorstand bilden neun statt bisher sieben Mitglieder. Corina Brogle, die Tochter des Präsidenten, verantwortet das Sekretariat. Und um den zeitintensiven Bereich Breitensport, Freizeit und Gesundheit kümmert sich mit Doris Binder eine zweite Person neben Dirk Wehrle.

«Wir sind gewappnet für die Zukunft», so Hugo Brogle – und macht deutlich: Er will weiter kräftig anpacken.

Familientag Vogelpark Ambigua

Clubreise Zoo Basel

Routinier im Süden

Der

den

selbstständige Architekt

Sergio Stoppani entlastet
Bereich Hindernisfrei Bauen: Der 69-Jährige übernimmt als Freelancer Bauberatungen im Kanton Tessin.

Sergio Stoppani sitzt vor dem Computer, auf dem Schreibtisch liegt Arbeit, die erledigt sein will. Eigentlich könnte sich der Mann ein gemütliches Leben einrichten –im nächsten Jahr wird er 70. «Nein, nein», sagt er mit bestimmtem Ton, «ich höre nicht auf. Sonst würde ich den ganzen Tag daheim auf dem Sofa liegen.»

Der Tessiner studierte einst Architektur in Lugano, machte sich Ende der Achtzigerjahre selbstständig – und arbeitet heute auf Mandatsbasis für die SPV. In der Südschweiz übernimmt er Beratungen im Auftrag des Bereichs Hindernisfrei Bauen. «Für uns ist er die ideale Lösung, weil wir uns weite Reisen sparen können», sagt Bereichsleiter Felix Schärer. «Sergio ist flexibel, gut vernetzt – und mehrsprachig.»

Er spricht «Tessiner Bärndütsch» Unterhalten kann er sich mit dem Team aus der Deutschschweiz problemlos auf

Mundart. «Tessiner Bärndütsch» nennt er seinen Dialekt – seine Ex-Frau stammt aus Grindelwald. Daheim ist er in Pura, einem Dörfchen unweit der italienischen Grenze; im nahen Agno befindet sich sein Büro. Der Sohn eines Malers interessierte sich schon früh für Design und Bauten, und darum stellte sich im Grunde nie die Frage, was aus ihm werden sollte.

Die Faszination für Architektur liess nie nach. Sergio Stoppani entwickelte seinen eigenen Stil und achtete stets darauf, Ästhetik und Funktionalität zu vereinen. National ausgerichtete Firmen setzten auf seine Kompetenz, bevor er sich darauf beschränkte, als selbstständiger Architekt nur noch auf kantonalem Gebiet tätig zu sein.

Vor über 20 Jahren lernte er Felix Schärer kennen, als er in der Funktion des Bauleiters in ein Projekt von Hindernisfrei Bauen in Gordola involviert war. 2015 er-

gab sich eine engere Kooperation. Seither führt Sergio Stoppani bis zu zehn Abklärungen pro Jahr durch und spürt die hohe Dankbarkeit von Menschen, die sich unvermittelt in einer völlig neuen Lebenssituation wiederfinden: «Wir versuchen, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und mitzuhelfen, dass Betroffene möglichst selbstständig wohnen können.»

Für Querschnittlähmung sensibilisiert

Der Architekt befasst sich mit dem Thema Querschnittlähmung nicht erst seit seinem Engagement für die SPV. Ein Unfall machte eine junge Person im familiären Umfeld zur Tetraplegikerin. Sergio Stoppani bekam bei Besuchen in Nottwil einen Eindruck dessen, was auf dem Campus geleistet wird: «Die Betreuung ist grossartig und endet nicht mit dem Abschluss der Reha. Jetzt kann ich selber einen kleinen Beitrag leisten. Nicht das Geld ist der Antrieb, sondern die Überzeugung, Leute in einer schwierigen Lage zu unterstützen.»

Zugute kommt ihm sein grosser Erfahrungsschatz. Der Routinier hat sein Handwerk noch am Reissbrett gelernt und sich den modernen Gegebenheiten angepasst. Die tägliche Arbeit halte ihn jung, sagt der Vater von drei Söhnen, «vor allem im Kopf». Irgendwann aber wird der Moment des Abschieds kommen. «Wann das sein wird? Keine Ahnung.» Felix Schärer hat gewiss nichts dagegen, wenn dieser Moment noch ein grosses Stück entfernt ist.

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