Das Magazin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung I Herbst 2026
ParAthletics Weltelite in Nottwil
EDITORIAL
Geschätzte Leserinnen und Leser Umgeben und getragen zu sein von lieben Menschen macht glücklich. Ein gutes soziales Netz ist ein wichtiger Faktor, damit sich Menschen nach einem lebensverändernden Ereignis wie einem Unfall oder einer Krankheit wieder im Alltag zurechtfinden. Oftmals ist nichts wie vorher, für die Betroffenen, aber auch für die Angehörigen. Mit ihren Sorgen und ihrer Belastung stehen sie häufig im Abseits. Auf Seite 16 lernen Sie das Ehepaar Hess kennen. Für Angelina Hess bleibt es auch nach mehreren Jahren ein schmaler Grat, Partnerin und pflegende Angehörige zu sein, die Familie zu managen und dabei sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Ihr Mann hat eine inkomplette Tetraplegie. Dass seine Einschränkungen unsichtbar sind, ihre Hilfestellungen mit Kopfschütteln quittiert werden, erschwert die Situation zusätzlich. Nichts mehr wie vorher ist auch, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Familie Tomasino rückte nach dem viel zu frühen Tod ihres jüngsten Mitglieds Lara noch
Paracontact I Herbst 2026
enger zusammen. Auf Initiative ihres Bruders Lukas entstand aus dem Schmerz ein Projekt, das mittlerweile die ganze Familie auf Trab hält. Lukas häkelt Kuscheltiere, die schwerkranken Kindern Kraft spenden sollen. Ein solches Krafttier verteilte die Familie Tomasino dieses Jahr an die Teilnehmenden des Kids Camps. 16 Familien genossen ein unbeschwertes Wochenende im Schweizer Paraplegiker-Zentrum, mit Spiel und Spass, Pauken und Trompeten.
«Für sich und andere sorgen» Doch nicht nur die Familie stützt. Freundschaften entstehen beim Sport, im Rollstuhlclub oder auf einer Reise der SPV. Tragen Sie Sorge zu sich und Ihren Liebsten. Herzlichst
Laurent Prince, Direktor
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Paracontact I Herbst 2026
IMPRESSUM
INHALT
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Herausgeberin Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil Telefon 041 939 54 00 E-Mail spv@spv.ch www.spv.ch Chefredaktorin Evelyn Schmid Redaktion Laurent Prince, Nadja Venetz, Felix Schärer, Michael Bütikofer, Daniela Vozza, Peter Läuppi, Peter Birrer, Tina Achermann Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann Fotos SPV, SPS, Adobe Stock, Corinne Thöni/ Südostschweiz, Gianmarco Di Leonardo, BFH, Philipp Schmidli, Susanne Heutschi, Reto Scattolin, Drew Kaplan, Tamara Reichle, bindaphoto, Tobias Lackner, Pro Infirms, CFR Jura Druck Brunner Medien AG, www.bag.ch Redaktionsschluss Ausgabe Winter 2026: abgeschlossen Ausgabe Frühling 2027: 11.11.2026 Auflage 8100 Exemplare deutsch 4 250 Exemplare französisch Wir bemühen uns um gendergerechtes Schreiben, verwenden zur besseren Lesbarkeit manchmal die weibliche oder männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der SPV wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.
Paracontact I Herbst 2026
WIR BEWEGEN AKTUELL 6 FORUM RECHT Eine existenzielle Frage 8 VERANSTALTUNG Wo steht die Forschung heute? 10 NACHGEFRAGT Die Tür zum Sport öffnen 11 AUS DEM LEBEN HERZENSANGELEGENHEIT Häkeln für Lara INFRASTRUKTUR Dürfen die das? BEZIEHUNG Unsichtbare Einschränkungen
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RECHTSBERATUNG SOZIALVERSICHERUNGEN Medizinische Gutachten – ein Überblick
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MEDIZIN UND WISSENSCHAFT ERGOMETER Gesucht: die optimale Sitzposition
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HINDERNISFREI BAUEN FAMILIENERBE Doppelt genäht hält besser
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FREIZEIT PARAREISEN Vorfreude ist die schönste Freude 24 IN KÜRZE 27
AUSPROBIERT Auf Ballonjagd mit Pfeil und Bogen WELL-BEING-WOCHE Erste Themenreise STÄDTEREISE Abstecher zur Kehrichtverbrennung
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ROLLSTUHLSPORT KIDS CAMP Kinderlachen, Teamgeist und eine Prise Chaos 32 IN KÜRZE 34 RÜCKTRITT Ende einer Basketball-Ära 36 JEUX INTERCENTRES Spiel, Spass und Sport 37 AUSBILDUNG Den Horizont erweitern 38 CURLING Erfahrener Neuzugang 39 WAKEBOARD Adrenalinkick auf dem Wasser 40 NEU ORGANISIERT Nationales Leistungszentrum 42 PARATHLETICS 2026 Nottwil setzt Ausrufezeichen 43 FOKUS VERMISCHTES 44 IM GESPRÄCH Camilla Bischofberger 46 UNSERE ROLLSTUHLCLUBS CFR Jura 49 FÜR SIE DA Ramona Engel 50
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AKTUELL
SPS
CFR BIENNE
Jubiläumsfeier
Imagefilm Der Film «Tag für Tag» zeigt die Leistungen der Schweizer Paraplegiker-Gruppe. Drei Menschen mit Querschnittlähmung erzählen im rund 18-minütigen Film ihre Geschichte. Film anschauen paraplegie.ch/ tagfuertag
Der RC Biel begeht seinen 50. Geburtstag mit einem rauschenden Fest. Am 6. Mai 1976 wurde der Rollstuhlclub Biel aus der Taufe gehoben. Ein Grund zu feiern. Der Club plant anlässlich seines Jubiläums am 13. September 2026 ein grosses Fest und lädt alle Interessierten herzlich ein. Das Ziel ist, die breite Bevölkerung
zu sensibilisieren, Begegnungen zu ermög lichen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Das Fest findet am 13. September 2026 von 10 bis 17 Uhr beim Strandboden Biel statt. Der Rollstuhlclub Biel freut sich über Ihren Besuch. Programm cfrb.ch
NEUE MITARBEITENDE
Annett Richter
Sabrina Habegger
Simon Hiltebrand
Laura Mangold
Das Interesse am Holzbau und die Liebe zum Detail führte die Architektin nach Abschluss ihres Studium 2005 nach Luzern, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Bisher war sie insbesondere in der Ausführungsplanung mit Fokus auf Denkmalpflege, öffentliche Bauten, Pflege und Bildung tätig. Zuletzt war sie Co-Projektleiterin für den Neubau eines Primarschulhauses.
Nach ihrem Sportstudium blieb Sabrina Habegger dem Sportumfeld zunächst treu, bevor sie in die Tourismusbranche wechselte. In den letzten vier Jahren war sie für den Aufbau einer Geschäftsstelle für Gesundheitstourismus in Davos verantwortlich.
Simon Hiltebrand studierte Sportwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre und erwarb im Sommer 2025 seinen Bachelorabschluss. Zunächst absolvierte er bei der SPV ein Praktikum. Daraus ergab sich nun eine Festanstellung im Bereich Ausbildung.
Seit dem 1. Juni 2026 arbeitet Laura Mangold bei der SPV, um den Bereich Klassifizierung im Sport zu professionalisieren. Sie bringt einen vielseitigen Hintergrund im paralympischen Sport, in Gesundheitswissenschaften und im Projektmanagement mit. So war sie Physiotherapeutin beim Deutschen Paralympischen Skiteam und organisierte die Sportkletter-WM 2023 mit. Seit 2022 ist sie internationale Classifierin im Paraclimbing.
Architektin
Stimmfarbe Annett Richter singt seit über 20 Jahren im Chor der Uni versität Luzern und ist viel in Bewegung, sei es draussen beim Wandern, Skifahren, Schwimmen im See oder drinnen beim Yoga und Pilates. 6
Sportlergewinnung RSS
Sportbegeistert Wer Sport studiert, ist meist ein Bewegungsmensch. Sabrina Habegger macht da keine Ausnahme. Mountainbike, Rennvelo, Schwimmen, Laufsport, Skitouren, Snowboard, Langlauf und Telemark: Die Liste der sportlichen Hobbys ist lang. Zeit für ein gutes Essen mit Freunden muss aber auch sein.
Koordinator Ausbildung
Rundes Leder Seit über zehn Jahren spielt Simon Hiltebrand Fussball im Verein. Aber auch andere Ballsportarten faszinieren ihn. Neben seiner Leidenschaft für den Sport engagiert er sich als Jungscharleiter im EGW Langenthal, spielt Klavier und verbringt Zeit mit seinen Freunden in der Natur.
Klassifikation RSS
Steilwände Ob Sportklettern, Bouldern oder Hochtouren – privat gehört Klettern zu Laura Mangolds Leidenschaften. Paracontact I Herbst 2026
ADAPT DISHES
Es ist angerichtet!
AUS DEN CLUBS
Preis für RC Graubünden Erstmals in der Geschichte der Bündner Sportnacht wurde in der Kategorie «Behindertensportler des Jahres» ein Verein ausgezeichnet: der Rollstuhlclub Graubünden. Präsidentin Vroni Forrer nahm den Preis entgegen. Der Rollstuhlclub Graubünden vereint Sport, Gemeinschaft und gesellschaftliche Verantwortung und erfüllt damit eine bedeutende soziale Aufgabe im Kanton. Ne ben den Trainings stehen auch regelmässi ge Veranstaltungen und Ausflüge im Programm. Sie sollen den sozialen Austausch
fördern und eine Begegnungsmöglichkeit für Menschen mit ähnlichen Erfahrungen bieten. «Der Rollstuhlclub Graubünden denkt nicht in Grenzen, sondern in Möglichkeiten. Er bietet Raum für Aktive und Passive, für Jung und Alt, für Leistungssport und lockere Bewegung. Er begleitet seine Mitglieder nicht nur in sportlichen Fragen, sondern bietet auch Beratung und Unterstützung – menschlich, nahbar und auf Augenhöhe», lobte SPV-Direktor Laurent Prince den Club in seiner Laudatio.
INCLUSION HANDICAP
Neues Co-Präsidium An der Delegiertenversammlung von Inclusion Handicap wurde Olga Manfredi zur neuen Co-Präsidentin gewählt. Sie übernimmt gemeinsam mit Markus Schefer die strategische Leitung des Dachverbands der Behindertenorganisationen. Das neue Führungsduo tritt die Nachfolge von Maya Graf und Verena Kuonen an. Die Wahl erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem wichtige Entscheidungen für die InParacontact I Herbst 2026
Gemeinsam mit externen Gourmetköchen, Personen mit Tetraplegie sowie Ergotherapeutinnen und Ernährungsberatern der Schweizer Paraplegiker-Stiftung sind im Rahmen des Projekts «Adapt Dishes» 45 köstliche Rezepte entstanden. Ab dem 3. September 2026 steht die Rezeptsammlung online zur Verfügung.
klusion und die Rechte von Menschen mit Behinderungen anstehen. Dazu gehören die Debatten rund um den indirekten Gegenvorschlag zur Inklusions-Initiative so wie die künftige Ausgestaltung der Invalidenversicherung. Mit Olga Manfredi ist die SPV nun noch stärker auf nationaler Ebene in der Behindertenpolitik vertreten. Damit setzt sie sich weiterhin engagiert für die Anliegen und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein.
Die Rezepte sind speziell für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion entwickelt. Dank Schritt-für-Schritt-An leitungen gelingt das Nach kochen einfach und sicher. Praktische Tipps, Angaben zu Allergenen sowie passende Getränke-Empfehlungen ergänzen jedes Rezept und machen die Sammlung zu einem wertvollen Begleiter in der Küche. Ob Vorspeise, Hauptgang oder Dessert – die Online-Rezeptsammlung bietet abwechslungsreiche Gerichte für jeden Geschmack und jeden Anlass. Lassen Sie sich inspirieren und entdecken Sie neue Lieblingsrezepte, die Genuss und Alltagstauglichkeit miteinander verbinden.
Rezeptsammlung spv.ch/rezepte 7
WIR BEWEGEN
FORUM RECHT
Eine existenzielle Frage Wer finanziert die Pflege zu Hause durch Angehörige? Die Antworten dazu bewegen die Gemüter, denn die Bedingungen für diese Pflege variieren stark. Von Evelyn Schmid
Hochkarätige Referate, lebhafte Diskussio nen und ein Thema, das bewegt, so lässt sich das diesjährige Forum Recht zusammenfassen. Rund 160 Personen, darunter viele Menschen mit Querschnittlähmung, waren der Einladung der SPV nach Nott wil gefolgt. «Die Pflege zu Hause – von der Anmeldung bis zur Auszahlung» war das Thema. «Das ist ein existenzielles Thema, denn die Bezahlung der Pflege zu Hause entscheidet oft darüber, ob ein Betroffener zu Hause leben kann oder in eine Pflege institution muss», erklärte Michael Büti kofer, Bereichsleiter Rechtsberatung der SPV schon zu Beginn der Veranstaltung. Zuerst aber ein paar Fakten zur Situation in der Schweiz. Rund 600 000 betreuende Angehörige leisten in der Schweiz unbezahlte Arbeit im Wert von rund 3,71 Milliarden Franken. 73 % der Personen mit Rückenmarksverletzungen werden in ihrem Alltag durch Angehörige unterstützt. Das verändert nicht nur das Zusammenleben innerhalb der Familienstruktur, sondern
belastet auch deren Finanzen. Denn insge samt haben pflegende Angehörige von Per sonen mit Rückenmarksverletzungen eine tiefere Erwerbsquote (49 %), wobei 54 % der Befragten ihr Pensum reduziert und 18% sogar ganz aufgehört haben zu arbeiten. Dies zeigt eine Studie der Schweizer Paraplegiker-Forschung. UVG ≠ KVG Im ersten Teil der Veranstaltung legten Michael Bütikofer und Yannick Gloor, bei des Rechtsanwälte der SPV, die Unterschiede zwischen den Pflegebeiträgen der Unfallversicherungen und den Krankenkassen dar. Vereinfacht gesagt können Pflegeleistungen von Angehörigen bei den Unfallversicherungen seit 2017 direkt abrechnet werden, während es bei den Krankenkassen eine Anstellung bei einer SpitexOrganisation benötigt. Zudem kann bei den Krankenkassen nur die sogenannte Grundpflege, nicht aber die medizinische Behandlungspflege abgerechnet werden, es sei denn, die pflegenden Angehörigen
SPV-Anwälte V. l. n. r.: Claudia Kobel, Yannick Gloor, Michael Bütikofer
verfügen über eine qualifizierte Ausbildung im Gesundheitswesen (Pflegefachfrau/ -mann, Fachfrau/-mann Gesundheit o. ä.). Verrichtungen der Grundpflege sind zum Beispiel die Hilfe beim An- und Auskleiden, bei der Körperpflege oder beim Mobilisieren. Bei den Unfallversicherungen kann hingegen auch die medizinische Pflege durch Angehörige erbracht und vergütet werden. Darunter werden unter anderem das Anbringen von Verbänden, die Stomapflege oder Massnahmen der Atemtherapie verstanden. Diese Unterschiede stossen bei den Teilnehmenden auf wenig Verständnis. So überrascht nicht, dass die Frage aufkam, ob es nicht an der Zeit wäre, diese nicht unwesentlichen Unterscheidungen aufzuheben. Politische Vorstösse dazu gibt es, wie Michael Bütikofer ausführte, aber leider waren sie bislang nicht von Erfolg geprägt. Wo immer möglich vertreten er und sein Team die Interessen der Betroffenen und gehen dazu wenn nötig bis vor das Bundesgericht. «Die am 1. Januar 2017 in Kraft getretene Gesetzes- und Verordnungsrevision im Bereich der Unfallversicherung hat zahlreiche Fragen und damit unterschiedliche Auslegungen sowie kantonale Urteile provoziert. Da musste das Bundesgericht Klarheit schaffen, was es insbesondere mit einem Leitentscheid im Oktober 2021 getan hat», meinte Michael Bütikofer. In Franken und Rappen Und wie steht es um die Höhe der Vergütungen an Angehörige? Auch da gibt es Unterschiede. Inskünftig wird die Suva die
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Paracontact I Herbst 2026
medizinische Behandlungspflege und die Grundpflege mit dem gleichen Stundenansatz entschädigen (aktuell CHF 32.80 pro Stunde). Alle anderen Unfallversicherungen werden – zumindest bis auf Weiteres – zwischen einem höheren Stundenansatz für die Behandlungs- und einem tieferen für die Grundpflege unterscheiden. Selbstverständlich sind die Ansätze für Pflegefachpersonen oder die Spitex höher. Wer eine Hilflosenentschädigung bezieht, muss sich diese teilweise an die Grundpflegekosten anrechnen lassen. Ohne spezifische Ausbildung im Gesundheitswesen finanzieren die Krankenkassen grundsätzlich nur die von Angehörigen erbrachte Grundpflege; dies mit einem Stundenansatz von CHF 52.60 zugunsten der arbeitgebenden Spitex. Zu beachten ist, dass die versicherte Person zusätzlich den Selbstbehalt und die Franchise übernehmen muss.
Gastreferenten V. r. n. l.: Christina Brechbühl, Romano Ricciardi, Manuela Friedli
bei sehr komplexen Situationen, bei Revisionen oder wenn bereits eine Streitsituation vorhanden ist. Die beiden Referentinnen haben schon viele gemeinsame Abklärungen gemacht und betont, dass unterschiedliche fachliche Einschätzungen möglich sind. Dies macht deutlich, wie anspruchsvoll diese Abklärungen sind.
Pflegebedarfsabklärung Bevor die Versicherungen allerdings die Pflege durch Angehörige bezahlen, muss abgeklärt werden, welche Leistungen die versicherte Person benötigt. Dies geschieht mit der sogenannten Pflegebedarfsabklärung. Wie eine solche in der Regel abläuft, erklärten im zweiten Teil des Forum Rechts Christina Brechbühl, Leiterin des Teams Pflegeleistungen der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung (SAHB), und Manuela Friedli, CoGeschäftsführerin der ParaHelp. Auftraggeber sind meistens die Unfallversicherun gen. Krankenkassen lassen nur bei hohen Kosten die Pflegeleistungen durch eine externe Organisation abklären. ParaHelp wird in der Regel über die Mitarbeitenden der Rechtsberatung der SPV in den Prozess einbezogen.
Gerade die Festlegung einer Stundenanzahl bleibt eine Herausforderung, weil das Leben nicht vollständig vorhersehbar ist. Was geschieht also, wenn plötzlich häufige Blasenentzündungen auftreten oder der Pflegeaufwand mit zunehmendem Alter steigt? Die Referentinnen zeigten auf, dass in der Erhebung erfasst wird, was täglich, wöchentlich oder auch nur wenige Male pro Jahr anfällt. Alle wiederkehrenden oder ausserordentlichen Situationen werden einbezogen. Verändert sich der Bedarf vorübergehend, kann dies zudem bei der Versicherung angemeldet werden. Abgerechnet werden schliesslich die erbrachten Leistungen. Auf Unverständnis stösst bei den Teilnehmenden, dass die Unterstützung im Haushalt oder reine Wartezeiten nicht vergütet werden. Letztere ergeben sich zum Beispiel, wenn ein Betroffener Gesicht und Oberkörper selbst waschen, die Utensilien dafür aber nicht selbst richten kann.
Das Ziel der Abklärungen ist es, zu erheben, welche Pflegeleistungen eine Person benötigt und wie viel Zeit dafür aufgewendet wird. Der Abklärungsbericht bildet dann die Grundlage für die Kostenbeteiligung der Unfallversicherungen oder Kran kenkassen. Diese Erhebung beinhaltet ein ausführliches Gespräch. Je nach Situation kann eine Pflegebeobachtung inklusive Zeitmessung sinnvoll sein. Beispielsweise
Pflegende Angehörige als Mitarbeitende Zum Abschluss des zweiten Teils des Forums stellte Geschäftsführer Romano Ricciardi das Model der Solicare vor, einer privaten, gemeinnützigen Fach-Spitex für pflegende Angehörige. Solicare beschäftigt neben 26 Pflegefachpersonen mehr als 330 pflegende Angehörige und begleitet diese im Alltag. Er betonte, dass es wichtig
Paracontact I Herbst 2026
ist, den pflegenden Angehörigen fallspe zifische und zeitlich flexible Weiterbildungen unter Berücksichtigung des vorhandenen Vorwissens anzubieten und sie bei Problemen zu unterstützen. So wird beispielsweise schon zu Beginn einer Anstellung geplant, wer einspringt, sollte der oder die pflegende Angehörige ausfallen oder auch mal Ferien machen. Auch über die Entschädigung sprach er. Für die Grundpflege zahlt Solicare den Angehörigen CHF 35.30 pro versicherte Leistungsstunde und für die Behandlungspflege CHF 45.–, aber dazu benötigen diese eine pflegerische Ausbildung. Fazit Im Anschluss wurde nochmals intensiv mit dem Publikum diskutiert. Moderatorin Claudia Kobel, selber Anwältin bei der SPV, konnte sich vor lauter Fragen kaum wehren: «Die Veranstaltung zeigt, dass das Thema unter den Nägeln brennt und offene Fragen hinterlässt. Die Rechtsberatung der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung unterstützt bei deren Beantwortung. Nicht nur am Forum Recht, sondern auch danach, indem sie Betroffene ein Leben lang begleitet.» Auch Direktor Laurent Prince zieht eine positive Bilanz: «Es ist wichtig, dass man komplexe Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Genau das leistet das Forum Recht und genau deshalb wird es von den Teilnehmenden geschätzt. Sie finden hier unterschiedliche Expertinnen und Experten für ihre Fragen.» Forum Recht 2027 Sie wollen das nächste Jahr am Forum Recht teilnehmen? Dann merken Sie sich schon jetzt den 20. Mai 2027. 9
WIR BEWEGEN
VERANSTALTUNG
Wo steht die Forschung heute? Wie kann Forschung Menschen mit Querschnittlähmung konkret helfen? Diese Frage steht im Zentrum der Veranstaltung «Paraplegie: Wo steht die Forschung heute?». Ziel ist es, Betroffene und Forschende zusammenzubringen – auf Augenhöhe und mit offenem Dialog. Von Jan Marc Müller, Berner Fachhochschule
Wir leben in einer Zeit rasanter techno logischer Entwicklungen: Gehirnsignale werden dekodiert, Roboter übertreffen in vielen Bereichen menschliche Leistungen und künstliche Intelligenz eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Doch was bedeuten diese Fortschritte für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung? Antworten auf diese Frage erhalten Sie am 28. Oktober 2026 in der Aula des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) in Nottwil. Die Tagung «Paraplegie: Wo steht die Forschung heute?» wird gemeinsam von der Berner Fachhochschule (BFH) und dem SPZ organisiert. Sie richtet sich an Menschen mit Para- und Tetraplegie und ihre Angehörigen sowie an Therapeutinnen und Therapeuten, Fachpersonen und Interessierte, die mehr über die aktuelle Rückenmarksforschung erfahren möchten. Dabei lebt die Veranstaltung vom Dialog zwischen Forschenden und Betroffenen. Freuen Sie sich auf folgende Referate: Die Rückenmarksverletzung reparieren: Wie weit ist die Forschung? (Dr. med. Björn Zörner, SPZ und Dr. Marc Khoury, EPFL)
In den Medien ist immer wieder von wissenschaftlichen Errungenschaften und von Betroffenen die Rede, die verlorene Funktionen wiedererlangen. Doch wie weit ist die Forschung tatsächlich und wie kann man die Fortschritte wissenschaftlich einordnen? Das Referat liefert zu diesen Fragen Antworten. 10
Gut älter werden mit einer Rückenmarksverletzung: Was hilft wirklich? (Prof. Dr. Carla Sabariego, Universität Luzern und PD Dr. med. Inge Eriks Hoogland, SPZ)
Dieser Beitrag beleuchtet die Erfahrungen von Menschen, die mit Rückenmarksverletzung leben und älter werden. Er zeigt auf, wie eine Übersichtsarbeit die künftige Forschung prägen kann. Zudem demonstriert er die Relevanz für die klinische Arbeit, für die Gesundheitsversorgung und die Behindertenpolitik.
künftige Entwicklungen, sondern auch die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen of fen einzubringen. Die Präsentationen finden auf Deutsch oder Französisch statt. Für angemeldete Teilnehmende stehen auf Anfrage Kopfhörer für die Simultanübersetzung zur Verfügung. Die Teilnahme ist kostenlos. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung.
Wieder gehen können? Neue Technologien in der Rehabilitation (Prof. Dr. Martina Spiess, ZHAW und Prof. Dr. Juan Fang, BFH)
Rehabilitationsverfahren entstehen durch die Abstimmung zwischen Forschenden, Ingenieurinnen und Therapeuten. Sie analysieren die Auswirkungen von Rückenmarksverletzungen und entwickeln darauf aufbauend Systeme, die unterstützen und das motorische Lernen fördern. Im Anschluss an jedes Referat diskutieren vier Menschen mit Para- oder Tetraplegie die Inhalte in einer Podiumsrunde. Prof. Sebastian Tobler, welcher als Tetraplegiker die Veranstaltung initiierte und am Neuro- RehaLab der BFH arbeitet, schliesst mit einem Fazit den Referate-Block ab. Ein abschliessender Apéro bietet den Rahmen für einen ungezwungenen Austausch. Warum sollten Sie teilnehmen? Als betroffene Person erhalten Sie nicht nur Impulse und einen Ausblick auf zu-
VERANSTALTUNG Datum: 28. Oktober 2026, 13.30 bis 19.00 Uhr Ort: Aula Schweizer ParaplegikerZentrum, Nottwil Sprachen: Deutsch und Französisch (Simultanübersetzung vorhanden) Infos und Anmeldung bfh.ch (Veranstaltungen)
Melden Sie sich jetzt an
Paracontact I Herbst 2026
WIR BEWEGEN
NACHGEFRAGT
Die Tür zum Sport öffnen Die neu geschaffene Stelle für Sportlergewinnung verfolgt das Ziel, mehr Menschen im Rollstuhl für Bewegung und Sport zu begeistern und damit die Basis des Rollstuhlsports auf allen Ebenen langfristig zu stärken. Von Evelyn Schmid
Seit dem 1. Mai 2026 verfügt die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung über eine neu geschaffene Stelle: die Sportlergewinnung. Sabrina Habegger hat diese Aufgabe übernommen und sich viele Ziele für die kommenden Jahre gesetzt.
Liegt der Schwerpunkt auf dem Breiten- oder Leistungssport? Beides spielt eine Rolle. Wir müssen zuerst die Breite stärken, denn nur wenn viele Menschen Sport treiben, können daraus auch neue Talente entstehen.
Weshalb wurde die Stelle geschaffen? Bewegen sich Querschnittgelähmte zu wenig? Es gab schon lange ein klares Bedürfnis. Wir beobachten seit Jahren rückläufige sportliche Aktivitäten bei Menschen im Rollstuhl. Das hat eine Studie 2025 bestätigt. Wir wollen dieser Entwicklung entgegenwirken und gezielt Menschen erreichen, die bisher keinen Zugang zum Sport gefunden haben. Bewegung ist zentraler Bestandteil eines aktiven Lebens – dort setzen wir an.
Und wie ist die Zusammenarbeit mit der Athletenentwicklung? Diese setzt später an. Bei der Athletenentwicklung geht es um Sportlerinnen und Sportler, die bereits aktiv sind und gezielt gefördert werden sollen. Die Sportlergewinnung hingegen ist der Schritt davor – wir öffnen die Tür zum Sport.
Was sind deine Hauptaufgaben? Ich entwickle neue Angebote, teste Formate und suche Wege, wie wir Menschen niederschwellig zum Sport motivieren können. Gleichzeitig pflege und erweitere ich Kontakte zu den Rollstuhlclubs, Reha-Zen tren und weiteren Partnern. Ein wichtiger Teil ist auch die Beratung: Wir unterstützen Clubs bei der Schaffung von neuen Angeboten. Zudem überarbeiten wir bestehende Konzepte und denken sie neu. Und nicht zuletzt verbreitern wir die Basis für den Leistungssport, indem wir mehr Menschen überhaupt erst in Bewegung bringen. Paracontact I Herbst 2026
Gibt es einen Fokus auf bestimmte Sportarten? Nein. Der Fokus liegt nicht auf einzelnen Disziplinen, sondern auf den Menschen. Wir möchten Bewegung ermöglichen, unabhängig davon, ob jemand später im Was ser oder im Schnee, in der Sporthalle oder
im Fitnessraum aktiv wird. Entscheidend ist, dass Sport als Teil des Alltags gelebt wird. Welche Rolle spielen die Rollstuhlclubs in deiner Arbeit? Eine sehr zentrale. Die Clubs sind nahe an den Menschen und kennen ihre Bedürfnisse. Wir arbeiten unterstützend und beratend, entwickeln gemeinsam Ideen und helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Ohne die Clubs wäre Sportlergewinnung gar nicht möglich. Die Stelle ist auf vier Jahre befristet. Wo möchte man Ende 2029 stehen? Die SPV soll schweizweit mehr direkten Einfluss auf die sportliche Aktivität haben. Ich bin sicher, dass 2029 mehr Mitglieder Sport treiben und die Strukturen gestärkt sind. Zudem werden wir in den Kernsport arten ein breiteres Fundament für den Leistungssport und mehr Leistungssportlerinnen und -sportler haben. Diese Ziele erreichen wir dank koordinierten Strukturen, gemeinsam mit allen Beteiligten.
Das Ziel Mehr Menschen bewegen sich.
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AUS DEM LEBEN
HERZENSANGELEGENHEIT
Häkeln für Lara
Lara Tomasino starb im September 2023 mit nur zwölf Jahren. Die Familie verarbeitete den Schicksalsschlag dank starkem Zusammenhalt – und mit einem Projekt, das Laras Bruder Lukas ins Leben gerufen hat.
Von Peter Birrer
Das Mädchen ist ein kleiner Wirbelwind mit starkem Charakter und positiver Ausstrahlung. Lara Tomasino ist neugierig, liebt das Leben, kostet die schönen Momente aus und macht sich gerne einen Spass daraus, mit ihrem Elektrorollstuhl zügig unterwegs zu sein: Mit einer Hand bedient sie den Joystick zur Steuerung, mit dem freien Arm wippt sie, um noch ein bisschen schneller zu werden. Die dynamische Bewegung wird so etwas wie ihr Markenzeichen. Sie liebt das Tem po, im Wohnquartier nennt man sie deshalb «der rote Blitz», und irgendwie passt das ganz gut zu einem Kind, das sich seine gute Laune nicht so schnell verderben lässt. Die Geschichte von Lara beginnt im fernen Malaysia. Sandro Tomasino ist mit seiner Frau Fabienne sowie den zwei Söhnen Lorenzo und Lukas aus beruflichen Gründen
nach Kuala Lumpur gezogen. Lara kommt in der asiatischen Millionenstadt am 4. No vember 2010 zur Welt und komplettiert das familiäre Glück.
hat Lara das Handwerk beigebracht, und nun verbringen die beiden gemeinsam vie le Stunden in der Freizeit mit Nadel, Wolle und Begeisterung für ihr Hobby.
Ein Tumor im Rückenmark Nach der Geburt aber wird bei ihr ein seltener, kaum erforschter Gendefekt festgestellt. Als sie dreijährig ist, entdecken die Ärzte einen Tumor im Rückenmark, der eine Querschnittlähmung verursacht. Die Familie Tomasino kehrt in die Schweiz zurück, zieht nach Rütihof AG und findet sich – auch dank Laras unbändigem Lebensmut – mit der Situation gut zurecht.
Regelmässig verbringt die Familie Ferien in ihrer Oberwalliser Heimat. Lara geniesst die Besuche bei der Oma und den Grosseltern. In den Bergen tanken sie Kraft und Energie. Wertvoll sind zudem die Kids Camps der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) in Nottwil. Zusammen mit Lara dürfen die Eltern und die beiden Bu ben zweimal teilnehmen. «Es war immer sehr erfrischend und berührend für uns alle», sagt Sandro Tomasino. «Wir haben unvergessliche Momente erlebt.»
Lara bekommt ihren ersten Rollstuhl und besucht die Regelschule im Dorf. Sie ist eine Frohnatur und eine Schülerin mit immensem Wissensdurst. Pferde und Ponys sind eine grosse Leidenschaft von ihr – eine andere ist das Häkeln. Ihr Bruder Lukas
Familie Tomasino Durch den Tod von Lara noch enger zusammengerückt
«Leben bewusster wahrnehmen» 2020 muss sich Lara einer Rückenoperation unterziehen. Danach treten Komplikationen auf. Das zieht immer wieder längere Spitalaufenthalte nach sich. Der Familienalltag wird komplett darum herum organisiert. In dieser schweren Phase fängt Lukas an, Kuscheltiere für seine Schwester zu häkeln. Sie sollen Trost spenden, Freude machen und Kraft geben. Lara kann sich an diesen kleinen Mutmachern festhalten.
Vom Eingriff am Rücken erholt sie sich nie mehr richtig. Ihr Körper wird zunehmend schwächer, bis eine Infektion im September 2023 schliesslich zum Tod des erst zwölfjährigen Mädchens führt. 12
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HEALING HUGS Trostspender Lukas Tomasino (links) häkelt Krafttiere für schwerkranke Kinder.
Eine grosse Leere entsteht. Die Familie meistert die Ausnahmesituation vor allem dank grosser gegenseitiger Unterstützung. «Wir verstanden uns schon immer sehr gut und waren eng beisammen», sagt Fabienne Tomasino. «Laras Tod hat uns aber gelehrt, das Leben noch bewusster wahrzunehmen.» Reise zu viert nach Malaysia Für die Trauerverarbeitung hilft eine Reise nach Malaysia, an den Ort, an dem Lara geboren wurde. Es war ihr grosser Wunsch gewesen, einmal dorthin zurückzukehren. Nun fliegen die Eltern und die zwei Söhne nach Kuala Lumpur. «Für uns alle bedeutete es viel, diese Reise im Gedenken an Lara zu machen», sagt die Mutter. «Damit schloss sich ein Kreis.»
Ihr Mann Sandro ist stolz auf seine Tochter und verliert bei aller Trauer das positive Denken nicht. Er ist dankbar für die Zeit mit Lara: «Für uns hatte sie nie eine Einschränkung. Wir haben gemacht, was möglich war. Im Winter sind wir sogar zusammen mit dem Dualski über die Skipisten ‹geflitzt›, um in Laras Worten zu sprechen.» Lorenzo fügt an: «Meine kleine Schwester hat mich inspiriert. Sie war wahnsinnig mutig und hat vieles ausgehalten. Wir Brüder mussten uns richtig Mühe geben, um bei Balgereien gegen sie zu bestehen. Lara konnte sich sehr gut wehren.» Paracontact I Herbst 2026
Heilende Umarmungen Ein Jahr nach Laras Tod hat Lukas eine Idee. Er möchte Kuscheltiere für Kinder im Kinderspital Zürich häkeln – so, wie er es für seine Schwester getan hat. Umgehend macht er sich an die Arbeit. An Weihnachten 2024 verteilt er, unterstützt von einer Kinderpsychologin des Kinderspitals, eine Kiste mit selbstgemachten Krafttieren. Bei dieser einen Lieferung bleibt es nicht, im Gegenteil. Lukas gründet den Verein Healing Hugs, zu Deutsch: heilende Umarmungen. Daraus wird ein Familienprojekt. Bruder Lorenzo kümmert sich als Vereinspräsident um die Website sowie die Texte, Mama Fabienne hilft zusammen mit Oma Liliane die einzelnen Körperteile zusammenzunähen und Vater Sandro ist überall dort, wo gerade seine Hilfe gebraucht wird.
«Ich hätte nie gedacht, dass sich ein Projekt entwickelt, das für so viele Kinder und Familien eine kleine Stütze wird», sagt Lukas. «Wenn ich sehe, wie viel die Krafttiere den Menschen bedeuten, motiviert mich das jeden Tag aufs Neue, weiterzumachen.» Die Finanzierung erfolgt ausschliesslich über Spenden. «Ich bin sehr dankbar für die breite Unterstützung», betont der Initiant. Laras Lebensfreude wirkt weiter Bis heute häkelt Lukas regelmässig Elefanten, Pferde, Hasen, Nilpferde und viele weitere Tiere für Kinder, die gerade eine
Healing Hugs ist ein Projekt der Familie Tomasino aus Rütihof AG. Kuscheltiere werden von Hand gehäkelt und Kindern verschenkt, die sich in schwierigen Lebens situationen befinden. Die Krafttiere sollen Trost, Mut und Freude spenden, besonders während langer Spitalaufenthalte oder Therapien. Jedes von ihnen vermittelt eine stille Botschaft: Du bist stark. Du bist wertvoll. Und du bist nicht allein. healinghugs.ch
schwere Zeit durchmachen oder lange im Spital bleiben müssen. Inzwischen werden die kuschligen Begleiter auf mehreren Stationen im Kinderspital verschenkt. Durch Healing Hugs wirkt auch ein Stück von Laras Lebensfreude weiter. Die Krafttiere sind liebevolle Botschafter und der Beweis dafür, dass kleine Gesten oft eine grosse Wirkung erzielen können. Für die Familie ist klar: Lara hat ihr Leben verändert. «Ihr Verlust wird immer Teil un serer Geschichte bleiben. Sie fehlt uns un endlich», sagt Fabienne Tomasino. «Doch gleichzeitig ist sie jeden Tag bei uns, in unseren Herzen, in unseren Erinnerungen und in all dem Wunderbaren, das durch ihre Geschichte entstehen durfte.» 13
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AUS DEM LEBEN
INFRASTRUKTUR
Dürfen die das? Hand aufs Herz: Haben Sie sich auch schon geärgert über Fussgänger, die aus dem Behinderten-WC spazieren oder Rollstuhl-Parkplätze blockieren? Wir klären auf, wer diese nutzen darf. Von Nadja Venetz
Das Piktogramm einer Person im Rollstuhl hat sich weltweit als Hinweis für Infrastruktur etabliert, die für Menschen mit einer Behinderung vorgesehen ist, so auch für Parkplätze und Toiletten. Das Rollstuhlzeichen verleitet viele zu der falschen Annahme, dass diese Orte lediglich Personen im Rollstuhl vorbehalten sind. Doch Menschen mit unterschiedlichen Behin derungen dürfen diese nutzen. Dabei ist wichtig: Nicht alle körperlichen Einschrän kungen sind sichtbar. SERVICE Parkkarte Informationen über die soge nannte Parkierungserleichterung für gehbehinderte Personen, sowie eine Liste mit den kantonalen Stellen, die die Parkkarte ausstellen, finden Sie bei der Vereinigung der Strassenverkehrsämter asa. asa.ch Eurokey Als Aktivmitglied der SPV beziehen Sie den Eurokey direkt bei uns. Bestellen können Sie den Schlüssel über unsere Website. spv.ch (SPV & Clubs) Nichtmitglieder und weitere Berechtigte erhalten den Schlüssel bei Pro Infirmis. eurokey.ch
Paracontact I Herbst 2026
Parkkarte ist Bedingung Auf Parkplätzen mit dem Rollstuhl-Signet darf nur parkieren, wer eine Gehbehinderung hat oder eine gehbehinderte Person begleitet. Voraussetzung für die rechtmässige Benutzung des Behindertenparkplatzes ist in beiden Fällen die «Parkkarte für behinderte Personen», die gut sichtbar hin ter der Frontscheibe platziert sein muss. Wer dauernd oder vorübergehend für min destens sechs Monate gehbehindert ist und zu Fuss nur 200 Meter gehen beziehungsweise diese Distanz nur mit Hilfsmitteln oder Begleitpersonen zurücklegen kann, ist berechtigt, bei den kantonalen Behörden ein Gesuch zu stellen. Ein ärztliches Attest muss die Gehbehinderung bezeugen. Da bei kann die Gehbehinderung ihre Ursache im Bewegungsapparat haben oder im Atem- und Kreislaufsystem. Die Parkkarte
wird auf die Person ausgestellt und nicht auf das Fahrzeug. Fährt die Inhaberin der Parkkarte nicht im Auto mit, darf die Park karte nicht benutzt werden. Finden Sie keinen Behindertenparkplatz in zumutbarer Distanz, dürfen Sie mit Ih rer Parkkarte Ihr Fahrzeug zeitlich unbeschränkt auf jedem öffentlichen Parkplatz abstellen. Je nach örtlichen Vorschriften werden Gebühren fällig. Auch dürfen Sie mit einer Parkkarte maximal drei Stunden im Parkverbot stehen oder für maximal zwei Stunden in Begegnungs- oder Fussgängerzonen parkieren, falls in Ausnahme fällen das Befahren der Zone erlaubt ist. Gilt ein Halteverbot, dürfen Sie auch nicht parkieren. Zudem dürfen Sie den übrigen Verkehr nicht behindern. Was aber tun, wenn jemand unrechtmässig einen Rollstuhl-Parkplatz blockiert? Be findet sich der Parkplatz auf öffentlichem Boden, können Sie sich an die örtliche Polizei wenden. Ein Parkplatz auf privatem Grund, etwa in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums, obliegt hingegen der Hoheit der Eigentümer. Diese sind nicht verpflichtet, Massnahmen gegen Falschparkierer zu ergreifen, sondern handeln nach eigenem Ermessen. Auf privatem Grund darf die Polizei keine Ordnungsbussen aus sprechen oder sonst wie tätig werden. Das stille Örtchen Während bei den Parkplätzen mit der Park karte klar geregelt ist, wer einen Behindertenparkplatz belegen darf, gibt es für Toiletten leider keine eindeutigen Bestimmungen. Ist eine Behindertentoilette für alle zugänglich, darf sie rein rechtlich auch von allen genutzt werden. Davon abzusehen, verbieten höchstens der eigene Anstand und die Rücksicht auf Personen, die den Platz, die Sauberkeit und die zusätzlichen Hilfsmittel tatsächlich benötigen. Zu weilen lassen sich Behindertentoiletten nur mit dem Eurokey öffnen. Einen solchen «Euroschlüssel» erhalten Personen, die auf ein Behinderten-WC angewiesen sind. Be zugsberechtigt sind Personen, die einen Rollstuhl nutzen, eine starke Geh- oder Sehbehinderung haben, ein Stoma tragen oder an einer chronischen Blasen- oder Darmerkrankung leiden. 15
AUS DEM LEBEN
BEZIEHUNG
Unsichtbare Einschränkungen
Nach der Diagnose inkomplette Tetraplegie erkämpft sich Ueli Hess Schritt für Schritt seinen Platz im Leben zurück. Auch für seine Frau Angelina, die ihn nach Kräften unterstützt, ist es ein Prozess, ihren Platz zu finden.
Von Manuela Burkart
«Egal wie, aber du kommst wieder nach Hause.» Diese Worte am Spitalbett waren ein Versprechen. «Ich bin für dich da, unterstütze dich, egal was kommt.» Angelina und Ueli Hess gehen mit einer positiven Haltung durchs Leben. Das war vor der Operation so und kommt ihnen da nach umso mehr zugute. Sie hadern nicht mit dem Schicksal. Gemeinsam schauen sie vorwärts, freuen sich an jedem noch so kleinen Schritt, an jeder Funktion, die zurückkommt. Die täglichen Fortschritte hel fen den beiden enorm, positiv zu bleiben. Ihre beiden Kinder sind der Antrieb; für Ueli in der Reha alles zu geben, für Angelina zu Hause den Alltag zu gestalten und in ihren verschiedenen Rollen zu funktionieren. Nichts mehr wie vorher Ueli muss sich einer Operation am Hirn unterziehen. Als er nach dieser aufwacht, kann er sich nicht mehr bewegen. Er ist zum inkompletten Tetraplegiker geworden und vom Hals abwärts gelähmt. Zu diesem Zeitpunkt ist Ueli umfassend auf fremde Hilfe angewiesen. Zum damaligen Zeitpunkt ist er 43 Jahre alt, arbeitet Vollzeit und ist für den grössten Teil des Familieneinkommens verantwort lich. Angelina kümmert sich um die damals dreijährige Tochter und den siebenjährigen Sohn und arbeitet in einem kleinen Pensum als Selbständigerwerbende. 16
Fluch und Segen Nach fünf anstrengenden Monaten kann Ueli das Schweizer Paraplegiker-Zentrum an Krücken gehend verlassen. Heute benötigt er keine Gehhilfen mehr. Das ist eine grosse Erleichterung im Alltag. So musste beispielsweise die Mietwohnung nur minimal angepasst werden.
«Er hat ja jetzt den Rollstuhl nicht mehr – dann ist jetzt wieder alles gut.» Solche Aus sagen spiegeln das Unwissen vieler Leute beim Thema inkomplette Lähmung wider. Dass die Diagnose inkomplette Querschnittlähmung ein breites Spektrum an vor allem unsichtbaren Einschränkungen und Beschwerden mit sich bringt, ist oftmals nicht bekannt. Im Alltag von Ueli und Angelina führt dies immer wieder zu unangenehmen Situationen. So ziehen sie ab
Ausgleich Kerzen gestalten
schätzende Blicke auf sich, wenn sie beide am Hotelbuffet stehen, Angelina für ihren Mann schöpft und ihm den Teller an den Tisch bringt. Je weniger sichtbare Hilfsmit tel Ueli benötigt hat, desto geringer wurden die Hilfsangebote. Im Zug oder Bus bietet ihm keiner einen Sitzplatz an. Niemand sieht ihm an, dass er diesen benötigen würde. Ueli und Angelina haben viel Verständnis, und doch braucht es in solchen Situationen Kraft, um sich zu erklären oder gar zu rechtfertigen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Angelina trifft das Unwissen und fehlende Verständnis. Nicht nur ihre tägliche Unterstützung, die sie insbesondere zu Hause leistet, bleibt unsichtbar, sondern auch die Einschränkungen von Ueli. Doch sie sind da. «Es ist ein Gefühl, als ob der ganze Kör
Paarbeziehung Miteinander sprechen
Paracontact I Herbst 2026
per vom Hals abwärts eingeschlafen ist.» So beschreibt der 52-Jährige sein Empfinden, welches am ganzen Körper, aber insbesondere an den Händen und Füssen eingeschränkt ist. Es ist für Ueli schwierig, auf unebenem Gelände zu gehen und generell längere Strecken zu laufen. Da er Mühe mit dem Gleichgewicht hat, sind viele Aktivitäten nur in Begleitung möglich. Schreiben, etwas in den Händen halten ist durch die eingeschränkte Feinmotorik ebenfalls schwierig. Ueli spürt nicht, mit wie viel Druck er etwas anfassen und halten muss. Dies schränkt ihn beispiels weise beim Einkaufen ein. Ausflüge, Besuche, Ferien – alles braucht eine gute Planung und Abklärungen der Gegebenheiten vor Ort. Ein schmaler Grat Wie viel soll ich übernehmen? Was kann ich meinem Partner zumuten? Ertrage ich es, mitanzusehen, wie er etwas ausprobiert und es nicht klappt? Halte ich seinen Frust aus? Es sind solche Fragen, die Angelina in den ersten Monaten nach der Reha beschäf tigen. «Es war ein schwieriger Prozess», sagt sie. Mit der Zeit haben sie sich gefunden und jeder in der Familie weiss, was Ueli kann und wo er welche Hilfe braucht. Doch der eingespielte Alltag ist fragil. Kommt etwas Unvorhergesehenes wie eine Grippe oder ein Beinbruch hinzu, dann braucht Ueli mehr Unterstützung. Ambivalenz «Liebst du mich noch oder brauchst du mich nur?» Mit dem Reha-Austritt von Ueli nach Hause wird Angelina zur Pflegerin. Es ist ein grosser Druck, der auf ihr lastet. Ueli ist von ihrer Unterstützung abhängig. Sie muss funktionieren, sonst fällt alles zusammen. Sie fragt sich: «Mache ich das aus Liebe oder aus Mitleid?» Es ist ein grosser Spagat, ein Paar zu bleiben, betonen beide. Zusammensitzen, miteinander reden, eigene Bedürfnisse mitteilen und eine grosse Portion Humor helfen ihnen, sich im Alltagstrubel nicht zu verlieren. Selbstfürsorge Im letzten Jahr wurde die Familie auf eine weitere Probe gestellt. Angelina erhielt die Diagnose Brustkrebs. Mittlerweile geht es ihr gut. Im Nachhinein betrachtet ist für Paracontact I Herbst 2026
Neue Rolle Angelina ist Ehefrau und Pflegerin.
sie klar: «Die Erkrankung war eine Warnung. Ich habe auf die harte Tour lernen müssen, zu mir zu schauen.» Angelina hat sich professionelle Unterstützung gesucht, um im Hin und Her von Fürsorge und den eigenen Bedürfnissen und Wünschen ih ren Platz zu finden. Für Angelina ist klar: Für Ueli da zu sein, ist ihre Lebensaufgabe. «Zu 80 Prozent ist es schön», sagt sie. «Es gibt aber auch Zeiten, da wäre ich gerne freier, unabhängiger.» Einen Ausgleich von ihren Aufgaben als Angehörige findet Angelina in ihrem Atelier. Dort gestaltet sie Kerzen für unterschiedliche Anlässe. Dank der flexiblen Arbeitszeitgestaltung als Selbständige kann sie diese Arbeit beibehalten, was ihr sehr wichtig ist. Eine weitere Ressource ist ihr Umfeld, welches hilft, schwierige Situatio nen mitzutragen. So kann Angelina jederzeit auf ihre Freunde zählen und auch die Familie unterstützt wenn nötig. Auf ge-
meinsamen Spaziergängen und durch offene Gespräche mit Ueli schöpft Angelina immer wieder Kraft, positiv nach vorne zu schauen. Hilfe annehmen Für beide ist klar, ohne Hilfe von aussen geht es nicht. Sie möchten daher andere Betroffene ermutigen, sich frühzeitig Unterstützung zu holen, die bestehenden Angebote zu nutzen und sich mit anderen Be troffenen auszutauschen.
Seit neun Jahren ist Ueli nun zu Hause. Er hat seinen Platz gefunden, dank der Unter stützung seiner Frau. Er wird sie unterstützen, ihren ebenso zu finden.
Wir sind für Sie da Sozial- und Peerberatung der SPV Tel. 041 939 68 68 lb@spv.ch 17
RECHTSBERATUNG
SOZIALVERSICHERUNGEN
Medizinische Gutachten – ein Überblick Im Rahmen eines Sozialversicherungsverfahrens ordnet der Versicherungsträger nicht selten ein medizinisches Gutachten an. In welchen Situationen, zu welchen Zwecken und wie wird ein solches medizinisches Gutachten durchgeführt?
Von Marine Huegi, Rechtsanwältin
Ein medizinisches Gutachten ist ein Beweismittel und dient dazu, die Tatsachen festzustellen, die für die Anwendung der im Einzelfall geltenden Rechtsnormen – insbesondere durch die Sozialversicherung – massgebend sind. Genauer gesagt handelt es sich dabei um einen Bericht, der von externen, unabhängigen Ärztinnen oder Ärzten erstellt wird. Der Bericht soll dem Versicherungsträger die medizinisch relevanten Informationen über den Sachverhalt liefern, die er für seinen Entscheid benötigt. Die Aufgabe der Ärztin oder des Arztes besteht dabei nicht darin, einen Fall rechtlich zu klären, sondern eine Situation aus medizinischer Sicht zu beurteilen und dem Versicherungsträger die massgebenden medizinischen Tatsachen zu übermitteln.
des Dossiers als nicht hinreichend abgeklärt erachtet und somit nicht in der Lage ist, über die Ausrichtung oder Ablehnung von Versicherungsleistungen zu entscheiden. In der Praxis werden medizinische Gutachten regelmässig zur Beantwortung der folgenden Fragen angeordnet: – Welche klinischen Befunde weist die versicherte Person auf und welche Diagnose kann gestellt werden?
– Welche funktionellen Einschrän kungen bestehen bei der versicherten Person? – Wie ist die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person im Hinblick auf ihren Gesundheitszustand zu beurteilen? – Welche Therapien/Operationen/ Medikamente/Hilfsmittel benötigt die versicherte Person aufgrund ihres Gesundheitszustands?
In welchen Situationen kann ein medizinisches Gutachten angefordert werden? Gemäss Art. 44 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) kann der Versicherungsträger ein medizinisches Gutachten anfordern, sofern er es im Rahmen von medizinischen Abklärungen als notwendig erachtet.
In Sozialversicherungsverfahren wird ein medizinisches Gutachten vom Versicherungsträger in der Regel dann veranlasst, wenn er den Sachverhalt auf Grundlage 18
Paracontact I Herbst 2026
– Besteht ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem erlittenen Unfall und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, unter denen die versicherte Person aktuell leidet? – Wie hoch ist der Grad der Integritätseinbusse, der zur Bemessung der Integritätsentschädigung in der Unfallversicherung anzusetzen ist? Verschiedene Arten von medizinischen Gutachten Es gibt mehrere Arten von medizinischen Gutachten. Erstens ist zu unterscheiden zwischen: – Einem medizinischen Aktengutachten: Hierbei wird das Gutachten ausschliesslich auf Grundlage des von der Sozialver sicherung übermittelten medizinischen Dossiers durchgeführt, ohne dass ein per sönliches Gespräch und eine Untersuchung der versicherten Person stattfinden. Ein solches Gutachten kann in der Regel nur angeordnet werden, wenn das Sozialversicherungsdossier bereits ein vollständiges Bild der Anamnese, des Krankheitsverlaufs und des aktuellen Gesundheitszustands der versicherten Person vermittelt, diese Angaben unbestritten sind und die medizinischen Feststellungen vollständig und lückenlos vor liegen. – Einem medizinischen Gutachten mit per sönlichem Gespräch und klinischer Untersuchung: Ein solches Gutachten wird überwiegend dann angeordnet, wenn sich verschiedene Aspekte wie der Gesundheitszustand der versicherten Person oder deren funktionelle Einschränkungen auf Grundlage des gesamten Sozialversicherungsdossiers nicht hinrei chend klären lassen oder wenn die ver sicherungsinternen Abklärungen bzw. Schlussfolgerungen von der versicherten Person bestritten werden und sie begründete Zweifel an den vom Versicherungsträger festgestellten Tatsachen zu wecken vermag.
Zweitens unterscheidet Art. 44 Abs. 1 ATSG zwischen: – monodisziplinären Gutachten; – bidisziplinären Gutachten; – polydisziplinären Gutachten.
Je nach Fall und Fragestellungen des Versicherungsträgers kann ein Gutachten eine oder mehrere Fachdisziplinen betreffen: z. B. innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Pneumologie, Orthopädie, Urologie und Wirbelsäulenchirurgie. Wen kann die Versicherung mit einem medizinischen Gutachten beauftragen? Gemäss Art. 44 ATSG muss der Versicherungsträger unabhängige Sachverständige mit dem Gutachten beauftragen. Je nach Anzahl der erforderlichen medizinischen Fachdisziplinen kann eine Sachverständige bzw. ein Sachverständiger, ein Gutachterteam aus zwei Sachverständigen oder eine Gutachterstelle damit beauftragt werden. Die beauftragten Sachverständigen müssen unabhängig und unvoreingenommen sein. Insbesondere sind sie von den in ternen Sachverständigen des betreffenden Versicherungsträgers zu unterscheiden, die diesem gegenüber ebenfalls medizinische Gutachten abgeben. Wie verläuft die Durchführung eines medizinischen Gutachtens? Erstens muss der Versicherungsträger die versicherte Person gemäss Art. 44 ATSG über seine Absicht informieren, Sachver ständige mit der Durchführung eines Gutachtens zu beauftragen. Dabei ist der versicherten Person der Name der Sachverständigen, des Gutachterteams oder der Gutachterstelle bekannt zu geben. Die Versicherung muss der versicherten Person gleichzeitig die Fragen zustellen, die sie dem Sachverständigen zu stellen beabsichtigt. Schliesslich hat sie die versicherte Person auf die Möglichkeit hinzuweisen, innert zehn Tagen Ausstandsgründe gegen den beauftragten Sachverständigen geltend zu machen und allfällige Zusatzfragen zu unterbreiten.
Nach der Bestimmung der Sachverstän digen und der Festlegung der Fragen, die unterbreitet werden sollen, wird der Gutachterauftrag an die Sachverständigen bzw. an die betreffende Gutachterstelle übermittelt. Bei einem medizinischen Gutachten mit persönlichem Gespräch und klinischer Untersuchung der versicherten Person (im Gegensatz zum Aktengutachten) nimmt die beauftragte Gutachterstelle bzw.
die Sachverständige Kontakt mit der versicherten Person auf, um den Termin und den Ort des Gesprächs zu vereinbaren. Zu diesem Zweck wird ihr eine Einladung zugestellt. Am Tag des Gutachtens wird die versicherte Person von der beauftragten Sachverständigen befragt. Seit dem 1. Januar 2022 können sämtliche Gespräche zwischen der versicherten Person und den Sachverständigen als Tonaufzeichnung festgehalten werden. Die Aufzeichnung wird ins Dossier des Versicherungsträgers aufgenommen. Die Tonaufzeichnungen sollen ein ordnungsgemässes Verfahren gewährleisten und zur Trans parenz sowie zur Qualitätssicherung der Gutachten beitragen. Insbesondere ermög lichen sie es, Tatsachen zu klären, falls die versicherte Person das Gefühl hat, dass ihre Erklärungen im Gespräch im Gutachterbericht nicht korrekt wiedergegeben wurden. Die Tonaufzeichnung ist jedoch freiwillig und die versicherte Person kann sie ablehnen. Nach der Begegnung mit der versicherten Person beantwortet der Sachverständige die im Rahmen des Auftrags gestellten Fragen und übermittelt das Gutachten an die Versicherung. Die Versicherung muss das eingegangene Gutachten auch der versicherten Person zustellen, die dazu Stellung beziehen und gegebenenfalls Zusatzfragen formulieren kann. Fazit In der Praxis stützt sich die Sozialversicherung insbesondere auf die Ergebnisse von medizinischen Gutachten, wenn sie über die Ausrichtung oder Ablehnung von Leistungen entscheidet. Gutachten kommt im Sozialversicherungsverfahren demnach eine grosse Bedeutung zu. Daher ist es wichtig, dass die versicherte Person von Beginn an und bis zum Ende der Durchführung des medizinischen Gutachtens aktiv daran mitwirken kann, insbesondere im Rahmen der Untersuchung durch den beauftragten Sachverständigen, der Erstellung des Fragenkatalogs und der Übermittlung einer allfälligen Stellungnahme und/oder von Zusatzfragen nach Eingang des Gutachtens.
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MEDIZIN UND WISSENSCHAFT
ERGOMETER
Gesucht: die optimale Sitzposition
Welche Kräfte kann eine Person auf ihren Rollstuhl übertragen? Das misst ein neuartiges Gerät, das in der interdisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Gesellschaften der Schweizer Paraplegiker-Gruppe und der ETH Zürich entstand. Von Nadja Venetz
Ein Rollstuhl garantiert Mobilität, Bewegungsfreiheit und Selbstbestimmung – und in vielen Fällen früher oder später Schulterprobleme. Wie muss ein manueller Roll stuhl eingestellt sein, damit die Person, die ihn nutzt, möglichst lange beschwerdefrei unterwegs sein kann? Neue Messdaten liefert ein von Orthotec, der Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) und der ETH Zürich entwickelter Ergometer. Aus dem Leistungssport 2018 suchte Orthotec die Kooperation mit Sauber Technologies, um den schnellsten Rennrollstuhl der Welt zu bauen. Gemeinsam schufen Sie den OT Foxx. «Wir wollen
uns als innovatives Unternehmen positionieren», begründet Stefan Dürger, Ge schäftsführer der Orthotec AG, diesen Schritt. «Zugleich war von Anfang an klar, dass wir aus der Entwicklung des OT Foxx einen Nutzen für alle Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer generieren wollen und müssen.» Fabian Gafner, heute Leiter Entwicklung und Produktmanagement bei Orthotec, war damals noch Ingenieur bei Sauber. «Wir wussten viel über die Verarbeitung von Carbon, hatten aber keine Ahnung von Rennrollstühlen», erinnert er sich. «Um zu wissen, wie viel Carbon wir verarbeiten
Einrichten Das Rollstuhlrad wird durch das Messrad ersetzt.
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sollten, brauchten wir Angaben dazu, welche Kräfte auf den Rennrollstuhl wirken.» Eine Apparatur, die diese Kräfte messen kann, musste aber erst noch erfunden wer den. Das war die Geburtsstunde des Ergometers. In Zusammenarbeit mit Orthotec und der Schweizer Paraplegiker-Forschung baute die ETH Zürich einen ersten Prototyp. Fabian Gafner schmunzelt, als er an den ersten Test zurückdenkt. «Als Marcel Hug seinen Rennrollstuhl zwei, drei Mal antrieb, zerstörte er die Apparatur.» Somit war klar, es braucht eine massivere Bauweise. Das Nachfolgemodell dieses ersten Prototyps steht mittlerweile in der Sportmedizin Nottwil und ist bereit für erste Messungen. Doch was misst dieses weltweit einzigartige Gerät überhaupt? 1000 Messpunkte pro Sekunde Die Testperson wird in ihrem eigenen Roll stuhl – das kann der Alltags-, Renn- oder Rugbyrollstuhl sein – auf einer Plattform fixiert. Die Räder des eigenen Stuhls kommen weg und werden durch die Messräder des Ergometers ersetzt. Die Testperson treibt nun ihren Rollstuhl wie gewohnt an. Mit über tausend Messpunkten pro Sekunde zeichnet der Ergometer auf, welche Kräfte auf die beiden Räder wirken – und das in alle Richtungen – und wie viel dieser Kraft in die Vorwärtsbewegung über tragen wird. Im Rennrollstuhl besteht das Ziel darin, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Im Alltag jedoch geht es Paracontact I Herbst 2026
um eine möglichst effiziente Kraftnutzung, sprich mit möglichst wenig Kraft möglichst weit zu rollen, und das mit einer schonen den Körperhaltung. Das Besondere am Er gometer ist, dass die Messräder lediglich an die Seite des Rollstuhls geschoben werden. Die Messräder sind mit dem Rollstuhl nicht verbunden. Das bedeutet, dass sich während der Messung ohne viel Aufwand die Sitzposition der Testperson verändern lässt und auf dem Bildschirm direkt sichtbar wird, wie sich eine veränderte Sitzposition auf die Kraftübertragung auswirkt. Die beiden Messräder funktionieren zudem unabhängig voneinander, so dass Dysbalancen der Körperhälften aufgedeckt werden.
die gar keine Behinderung haben. Dabei ist klar, dass selbst innerhalb der Gruppe der Querschnittgelähmten grosse Unterschiede bei den Körperfunktionen bestehen. «Eine Person mit Paraplegie hat andere Möglichkeiten einen Rollstuhl anzutreiben als eine Person mit Tetraplegie, die die Hand und den Trizeps nicht mehr ansteuern kann.»
ter ist, wie ihre Kapazität, wie die eigene Veranlagung, was sonst noch im Leben passiert und so weiter. Nur weil wir die optimale Sitzposition bestimmen können, heisst das noch lange nicht, dass die Leute keine Schulterschmerzen bekommen.» Als Wissenschaftler will er sich zuerst mit den Daten befassen, bevor er sich aus dem Fenster lehnt. Unter der Leitung von Ursina
Der Ergometer zeichnet also eine Vielzahl von Daten auf, die verrechnet und interpre tiert werden müssen. Wie lange eine Messung dauern soll, damit aussagekräftige Daten erhoben werden und die Messung für die Testperson zumutbar bleibt, an dieser Frage arbeitet die Schweizer Paraplegiker-Forschung aktuell noch. Darüber hinaus braucht es weitere Forschungsarbeiten darüber, was die ideale Sitzposition im Rollstuhl überhaupt ist. Was ist schulterschonend? «Seit ich bei der Schweizer ParaplegikerForschung arbeite, sprechen wir darüber, was schulterschonendes Rollstuhlfahren bedeutet. Die Antwort: wir wissen es nicht», sagt Wiebe de Vries, Bewegungswissenschaftler der SPF mit Fokus auf die Gesundheit der oberen Körperextremitäten. «Es ist eine relevante Forschungsfrage, denn die Wahrscheinlichkeit, dass querschnittgelähmte Personen, die einen Rollstuhl benutzen, Probleme mit der Schulter bekommen, ist drei bis fünf Mal so hoch wie beim Durchschnitt der Bevölkerung.» Eng damit verbunden ist die Frage, was die optimale Sitzposition hinsichtlich Schul terbelastung ist. Dazu werde zwar Forschung gemacht, aber mit den «falschen» Schwerpunkten. «Uns interessiert ja nicht nur die Muskelaktivität, sondern die Belastung der ganzen Struktur, sprich des Gelenks, der Sehnen und der Muskeln. Das hat bis jetzt noch niemand untersucht.» Zudem erwähnt Wiebe de Vries, dass 40 % der Forschung mit Personen gemacht wird,
Messung Die Werte erscheinen auf dem Bildschirm.
Der Wissenschaftler hat sich zudem den heutigen Prozess, wie Rollstühle indivi duell angepasst werden, genau angesehen. «Das wir hier in Nottwil alle involvierten Stellen am selben Ort haben – Ärzte, Ergound Physiotherapie –, ist einzigartig und von grossem Vorteil. Wir forschen nicht im Elfenbeinturm, sondern mit direktem Bezug zum Klinikalltag.» Er hat einen For schungsantrag eingereicht, um die Sitzposition in Bezug auf die Schulterbelastung zu untersuchen. Die Fachpersonen aus den Therapien warten gespannt auf die Ergebnisse. Zukunftsvision Ob der Ergometer dazu beitragen kann, Schulterprobleme zu reduzieren, will Wiebe de Vries nicht beurteilen. «Es sind ja viele Faktoren, die zur Schultergesundheit beitragen: wie hoch die Belastung der Schul-
Arnet findet gegenwärtig an der SPF ein Forschungsprojekt zum Thema statt. Stefan Dürger gibt sich da weit hoffnungsvoller: «Wenn wir mit dem Ergometer die Quote von Schulteroperationen senken können, steigern wir Lebensqualität und mindern Gesundheitskosten.» Aktuell nutzen vor allem Athletinnen und Athleten den Ergometer. Die Frage, wie ich schneller werden kann, lässt sich einfacher beantworten als diejenige, wie ich effizienter werden kann. Aber das Interesse an der Apparatur ist gross innerhalb der Schweizer Paraplegiker-Gruppe, aber auch an mehreren Universitäten. Künftig soll der Ergometer in den Rehabilitationsprozess eingebunden werden, damit Personen länger beschwerdefrei Rollstuhl fahren können. «Es ist ein Projekt, auf das ich besonders stolz bin», schliesst Stefan Dürger.
Paracontact ParacontactIIHerbst Herbst2026 2026 21 21
HINDERNISFREI BAUEN
FAMILIENERBE
Doppelt genäht hält besser
Um ein altes denkmalgeschütztes Bauernhaus aus dem Jahr 1705 rollstuhlgängig zu machen, braucht es Glück, Ideen, professionelle Beratung und finanzielle Unterstützung. Die Familie Sciboz-Berthoud hat es geschafft, dass all das vorhanden war.
Von Sonia Bretteville
Mélanie, Antoine und ihre Söhne Achille und Justin – beide angehende Förster – lieben die Natur, einsame Wanderungen, die Jagd und ein feines Essen im Kreis von Freunden. Die vier leben in einem Haus, das ganz ihrem Geschmack entspricht. Es hat Charakter, verkörpert die Ruhe der Freiburger Landschaft und besticht durch seine heimelige Innenausstattung. Die jahrhundertealten Balken, die hübschen Fenster mit Blick auf den Garten, der riesige Esstisch und das imposante Küchenpiano – alles strahlt Gemütlichkeit aus in diesem dreistöckigen Haus, das 2014 renoviert wurde. Wer würde schon ein so ange nehmes Lebensumfeld verlassen wollen? Diese Frage hat sich die Familie nie gestellt, selbst nach dem Schicksalsschlag, der den Älteren der beiden Söhne traf. Am 6. Januar 2024 wurde der damals 17-jäh rige Achille Opfer eines Gewaltübergriffs, der ihn zum Tetraplegiker machte. Während seiner langen Rehabilitation in Nott wil und anschliessend in Sion mussten unzählige Dinge organisiert werden, darunter auch seine Rückkehr in das Haus seiner Vorfahren. Mélanie und Antoine nahmen die Herausforderungen der neuen Realität hin, beschlossen aber, ihr Leben nicht zu ändern. Mit ihren beruflichen Verpflichtungen, den Fahrten in die Deutschschweiz – 170 km von ihrem Wohnort entfernt – und den behördlichen Formalitäten hatten die Eheleute alle Hände voll zu tun. 22
Die Früchte der Weitsicht Glücklicherweise hatte das Ehepaar sehr vorausschauend gehandelt, denn zusätzlich zur Mitgliedschaft bei der Schweizer Paraplegiker-Stiftung hatten sie die richtigen Versicherungen abgeschlossen. «Wir waren sehr gut abgesichert. Doppelt genäht hält besser. So mussten wir uns keine grossen finanziellen Sorgen machen. Ein grosses Glück. Schon bei Achilles Aufnahme
im Schweizer Paraplegiker-Zentrum sprang das Hilfesystem von selbst an, als ich erwähnte, dass wir Gönner sind», erinnert sich Mélanie Sciboz dankbar. Mit Ideen und Entschlossenheit Als jedoch die von der Invalidenversicherung (IV) beauftragten Experten der SAHB die Wohnung besichtigten, um die für Achilles Mobilität und Pflege notwendi-
Kreativ gelöst Herausforderung Denkmalschutz Paracontact I Herbst 2026
gen Umbauten zu begutachten, gingen die Meinungen auseinander. Die Berater der SAHB schlugen vor, Rampen und einen einfachen Treppenlift einzubauen. Das hät te jedoch den jungen Mann gezwungen, sein geliebtes Zimmer neben dem seines Bruders aufzugeben, der ebenfalls sehr un ter der Gesamtsituation litt. Zudem hätte sich Achille so nicht frei im Haus bewegen können. Und die Eltern stellten sich vor, was im Falle eines Brandes hätte passieren können, wie ihr Sohn hätte evakuiert werden müssen. Der zweite Vorschlag bestand darin, einen Lift ausserhalb des Hauses zu installieren, was aber das Denkmalschutzamt ablehnte. In den Tagen nach diesen Gesprächen über die verschiedenen Umbauoptionen dachte Vater Antoine nach und liess seine Gedanken durch jeden Raum des ehemaligen Bauernhofs schweifen. Da er jeden Winkel des Familienbesitzes kennt, entwickelte er einige Ideen und war fest entschlossen, da für zu sorgen, dass sein Sohn nicht nur wieder nach Hause zurückkehren, sondern auch weiterhin im zweiten Stock, der den Jungs gehört, wohnen kann. Das war auch Achilles grosser Wunsch: wieder in sein hübsches Mansardenzimmer einzuziehen, das an das seines kleinen Bruders grenzt, und in ihrem Badezimmer zu duschen, während er durch das Velux-Fenster in den Himmel blickt. Unauffällige Barrierefreiheit Dominik Widmer, Architekt bei «Hindernisfrei Bauen» (HFB) der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, prüfte die Machbarkeit des väterlichen Konzepts. Die an die Wohnung angrenzenden ehemaligen Stallungen des Bauernhofs dienten bisher dazu, Freunde nach der Jagd zu empfangen. Die Räumlichkeiten waren grosszügig und bis zum Dachstuhl hin offen. Der ideale Ort, um unauffällig einen Lift einzubauen, der die beiden Stockwerke der Wohnung bedient. Diese Lösung bedeutete keinen grossen Umbau, da lediglich die Wand durchbrochen werden musste, um zwei Eingänge zu schaffen: einen ins Wohnzimmer und einen in den Gang, der zu den drei Zimmern der Einliegerwohnung führt. Das Team von HFB unterstützte und entwickelte Antoines Projekt Paracontact I Herbst 2026
weiter und machte Vorschläge, wie das Badezimmer barrierefrei gestaltet werden könnte. Schliesslich wurden die Planung und die Kostenschätzung für die Arbeiten rasch abgeschlossen. Glücklicherweise war das bestehende Badezimmer grosszügig genug, um eine grosse ebenerdige Dusche unterzubringen und ausreichend Platz zum Wenden mit dem Rollstuhl zu bieten. Im Rahmen des Umbaus wurde zudem die Einstiegsschwelle entfernt und eine breite Schiebetür eingebaut. Als Hauptbetroffene waren die beiden Brüder an der Planung und Gestaltung ihres zukünftigen Badezimmers beteiligt und wählten die Materialien und Farben aus. Die Arbeiten wurden unter der Leitung der Firma Isofutur SA, die als Generalunternehmer fungierte, zügig durchgeführt, um Antoine und Mélanie diese Aufgabe abzunehmen. Gelungenes Resultat Heute sind sie mit dem Ergebnis voll und ganz zufrieden. Das gilt auch für das Pflegepersonal, das den Komfort und den verfügbaren Platz schätzt, was ihre tägliche Arbeit erheblich erleichtert. Ein weiterer grosser Vorteil: Mit dem Lift gelangen die Pflegekräfte direkt auf die Etage der Söhne, können Achille versorgen, ohne die Eltern zu stören, die ihr Kommen oft gar nicht mehr bemerken.
Übrigens ist die ganze Familie von den durchgeführten Arbeiten begeistert. Dem Ehepaar war es wichtig, das Lebensumfeld und die Jugend ihres jüngeren Sohnes zu bewahren. Zudem wollten sie den Charme ihres Hauses beibehalten und vermeiden, dass es mit oft unansehnlichen Hilfsmitteln überstellt wird. Sie betrachten den Lift nicht als Einrichtung für Menschen mit Behinderung, sondern vielmehr als Modernisierung, die einen Mehrwert für die Liegenschaft darstellt, und vor allem als eine sehr willkommene Hilfe im Alltag, wenn etwa Flaschen und Lebensmittel nach oben gebracht werden müssen. Alles deutet darauf hin, dass sich der Familienbesitz weiterentwickeln wird, denn die beiden jungen Männer, die ebenfalls eng mit der Liegenschaft ihrer Vorfahren
Zugang über einen Lift im Nebengebäude
verbunden sind, träumen davon, ihr Le ben dort zu verbringen. Achille, der von seinem Freundeskreis «Achille, der Krieger» genannt wird, plant sogar, seine zukünftige Wohnung in einem der Nebengebäude einzurichten. Man versteht daher, warum Mélanie Sciboz sagt: «Es wäre emotional sehr schwer gewesen, die Wohnung zu wechseln. Wir wollten dem Leid nicht noch mehr Leid hinzufügen.» 23
FREIZEIT
DESTINATIONEN 2027 Fernreise ohne Pflege Curaçao 19.–30.10.2027 Aktivferien ohne Pflege Kinzigtal-Radweg 6.–13.6.2027 Kreuzfahrt ohne Pflege Mittelmeer 11.–18.4.2027
PARAREISEN
Vorfreude ist die schönste Freude Fahren Sie 2027 mit uns in die Ferien.
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Kontakt reisen@spv.ch Tel. 041 939 54 22
Paracontact I Herbst 2026
Highlights 2027
CURAÇAO Reise ohne Pflege
Ferien in der Karibik – wer träumt nicht davon? Türkisblaues Meer, weisse Sandstrände, meterhohe Palmen – und einfach mal einen Gang runterschalten. Lassen Sie Ihren Traum auf Curaçao Wirklichkeit werden. Die Insel verführt mit warmem Klima, ei ner erfrischenden Meeresbrise und einer entspannten Lebensfreude, die ansteckend wirkt. Menschen unterschiedlichster Herkunft bilden eine offene Gemeinschaft, die ihre Besucher willkommen heisst. Und wenn Sie schon Ferien im Paradies machen, sollen Sie dies auch ausgiebig geniessen. Mehrere Tage haben wir dafür vorgesehen, am Pool oder Strand zu entspannen und im Meer zu schwimmen. Der barrierefreie Strandabschnitt der Mambo Beach ist nur ein Katzensprung von unserer Unterkunft entfernt. Eigentlich reicht diese Kombination schon aus für eine gelungene Auszeit. Aber wir werden Ihnen auf unseren Ausflügen auch noch andere Aspekte Ihres Feriendomizils zeigen. Datum 19.–30.10.2027 Gruppe max. 6 Rollstuhlfahrer*innen Inklusive Flug ab Zürich mit KLM (Premium comfort), Umsteigen in Amsterdam (AMS), 10 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Frühstück, Ausflüge und Transfers
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SÜDTIROL
Reise ohne Pflege
Reise mit Pflege
Die Kinzig fliesst mitten durchs Herz des Schwarzwalds. Nach ihr benannt ist das Tal, das wir während einer Woche ausgiebig erkunden. Von Ost nach West führt der Kinzigtal-Radweg, auf dem wir unterwegs sein werden. 90 Kilometer stehen uns zur Verfügung, und das über die meiste Zeit ganz ohne Strassenverkehr. Auf täglichen Touren fahren wir durch mittelalterliche Dörfer und idyllische Landschaften. Nehmen Sie Ihr Zuggerät oder Vorspannbike mit und los gehts!
Mediterranes Flair trifft auf imposante Berggipfel, urbane Städte auf idyllisches Landleben. Südtirol ist immer eine Reise wert. Wir lassen uns an den Ufern des Kalterer Sees nieder, dem grössten und wärmsten Badesee Südtirols. Verschiedene barrierefreie Wanderwege führen dem Ufer entlang. Von hier aus blicken Sie nicht nur auf das glitzernde Wasser, sondern auch auf die
Alle unsere Ausflüge starten wir ab Wolf ach, einem Städtchen wie aus dem Bilderbuch mit einem stattlichen Schloss, einem Stadttor und einem reich bemalten Rathaus. Die verkehrsberuhigte Hauptstrasse lädt zum Bummeln ein. Die viele Zeit an der frischen Luft wird uns bestimmt hungrig machen. Was für ein Glück, befinden wir uns im Schwarzwald. Ob eine Schwarzwälder Kirschtorte oder eine deftige Vesper im Biergarten – üppig wirds auf jeden Fall.
Weinberge und Obsthaine, die die Landschaft prägen. Edle Tropfen sind auf zahlreichen Weingütern erhältlich. Selbstverständlich werden auch in unserer Unterkunft lokale Produkte kredenzt. Nur wenige Kilometer von Kaltern entfernt liegt Bozen, die Hauptstadt Südtirols. Schlendern Sie unter den historischen Lau ben durch die Altstadt, gönnen Sie sich einen Aperitivo auf einem der vielen Plätze und statten Sie einem richtigen Südtiroler Urgestein einen Besuch ab: der Gletschermumie Ötzi.
Datum 6.–13.6.2027 Gruppe max. 8 Rollstuhlfahrer*innen Inklusive An- und Rückreise mit Reisecar, 7 Übernachtungen im Doppelzimmer mit Halbpension, Ausflüge und Transfers
Datum 15.–22.8.2027 Gruppe max. 8 Rollstuhlfahrer*innen Inklusive An- und Rückreise mit Reisecar, 7 Übernachtungen im Zweibettzimmer mit Halbpension, Ausflüge und Transfers, Pflegeleitung von ParaHelp
Paracontact I Herbst 2026 25
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FREIZEIT
PAR AREISEN DAY
Reiseangebote Entdecken Sie am ParaReisen Day die SPV-Reiseangebote für 2027. Am 8. November 2026 zwischen 13.00 und 16.00 Uhr informieren wir Sie in der Begegnungshalle des Schweizer Paraplegiker-Zentrums persönlich und unverbindlich – ohne Anmeldung. Ab 14.00 Uhr präsentiert das SPV-Reiseteam den Ferienrückblick 2026. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen und für alle Teilnehmenden einen exklusiven Rabatt von CHF 50.– auf die nächste Reisebuchung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
MUSIK VERGNÜGEN
Tanzen in Oensingen Begeisterte Tänzerinnen und Tänzer, Rollstuhlfahrer innen wie Fussgänger sind am 6. November 2026 herzlich zur Tanznacht in der VEBO Genossenschaft in Oensingen eingeladen. Ab 18.00 Uhr wird ein Abendessen serviert. Danach gibt die Tanzmusik von Fredy’s Evergreen Trio den Takt an. Es erwartet Sie ein Abend mit leckerem Essen, mitreissenden Klängen und gleichgesinnten Menschen.
Eventkalender Alle Informationen zu den Freizeitaktivitäten: spv.ch/eventkalender Paracontact I Herbst 2026
ADAPTIVE GAMING
Gemeinsam zocken Die Welt der Computerspiele ist bunt und vielfältig – und sie soll für alle zugänglich sein.
Station eingerichtet. Zwei Konsolen mit adaptiven Controllern stehen stationären Patienten zur Verfügung. «Uns war es ein Anliegen, dass auch Personen ausserhalb Dass sie einmal eine Runde «Mario Kart» der Klinik Games und Hilfsmittel ausprospielen wird, war für Anik Muhmenthaler bieren können, weshalb wir mit der SPV kaum vorstellbar. «Ich bin eigentlich keine zusammenspannten», erklärt Jasmin Meier. Gamerin», sagt sie von sich und trotzdem war sie neugierig, was sie am Gaming-Event der An diesem Nachmittag testete Anik MuhSPV erlebt. Ob sie überhaupt mitmachen kann, menthaler zunächst eine Augensteuerung. klärte sie vorgängig ab, denn Anik Muhmen «Das hat für mich aber nicht funktioniert», thaler kann nur den Kopf bewegen. sagt sie. Die Kursleitenden begannen zu tüfteln und montierten ihr einen HandHilfsmittel vorzustellen, die Personen mit joystick auf Kinnhöhe. «Am Schluss haben starken körperlichen Einschränkungen Com wir zu viert Mario Kart gespielt», erzählt puterspiele zugänglich machen, war das Ziel sie begeistert. des Events, den die SPV zusammen mit zwei Mitarbeitenden von ParaWork Mitte April Haben Sie Lust, verschiedene Spiele und in Bern veranstaltete. Jasmin Meier und Jan Steuerungen auszuprobieren? Der nächste Bättig, selbst begeisterte Gamer,haben im Gaming-Anlass findet am 17. Oktober 2026 Schweizer Paraplegiker-Zentrum die Hero in der Erupt Lounge in Bern statt.
BOCCIA
1. nationales Turnier Am 14. November 2026 findet in der Sport- lass sind auch Fussgänger herzlich willhalle in Nottwil das erste Para-Boccia-Tur- kommen. Para Boccia ist eine spannende nier statt. Sportart, in der auch Personen mit schweren motorischen Einschränkungen sportSpielerinnen und Spieler können den Präzi liche Erfolge feiern können. Kommen Sie sionssport in gesellschaftlicher Atmosphäre vorbei, spielen Sie mit und entdecken Sie entdecken. An diesem inklusiven Sportan- das spannende Zielspiel. 27
FREIZEIT
AUSPROBIERT
Auf Ballonjagd mit Pfeil und Bogen
Wir testen in Luterbach, im Kanton Solothurn, das einzige Bogenkino der Schweiz. Eine inklusive Freizeitaktivität, die für Einsteiger wie erfahrene Bogenschützinnen und auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet ist. Von Janic Binda
Ihren Rollstuhl 90 Grad zum interaktiven Ziel-Bildschirm ausgerichtet, spannt Angela ihren Bogen. Dann erscheint bereits der erste Ballon. Konzentrieren, Zielen und der virtuelle Ballon wird mit dem Einschlag des Pfeiles an die Holzwand genagelt. Anstelle von Zielscheiben schiesst man in der Bowbox auf virtuelle Ziele, die von einem Projektor auf eine Holzwand projiziert werden. Optische und akustische Sensoren registrieren den Einschlag des Pfeiles und erkennen, ob das anvisierte
Ziel getroffen worden ist. Das Bogenkino reagiert mit visuellen Effekten auf die Treffer und lässt auf dem Bildschirm getroffene Ballone platzen und Feuerwerkskörper explodieren. Pfeil für Pfeil berechnen die Sensoren die Präzision der abgegebenen Pfeile und erstellen nach fünf Schuss automatisch einen Score. Die Bowbox in Luterbach SO besteht aus zwei Schussbahnen. Eine davon haben wir für unsere Gruppe gemietet. Die Bahnen,
umgeben von einem Arsenal an Pfeil und Bogen, sind stilvoll in einem alten Stall eingenistet und liebevoll dekoriert. René, der die Box mit Technik aus den USA zuBOWBOX Bogenkino in Luterbach Die Bowbox in Luterbach bietet viel Spass und sportlichen Wettkampf für Gruppen bis zu 20 Personen. Bogenschiessen für Anfänger bis zur erfahrenen Bogensportlerin. Eine Schussbahn kann ab 70 Franken pro Stunde gemietet werden, abhängig von der Anzahl Spieler und der Spielzeit. Parkplätze stehen zur Verfügung. Bowbox Deitingenstrasse 7 4542 Luterbach bowbox.ch
Kurze Einführung, dann fliegen bereits Pfeile Richtung Leinwand. 28
Paracontact I Herbst 2026
«MOVE ON» Target Sports: Präzisionssportarten entdecken in Nottwil
Präzision und Fokus auf Ziel beim Bogensport
sammen mit Freunden vor einigen Jahren eröffnet hat, erklärt uns die Spiele und gibt uns Instruktionen, wie mit Pfeil und Bo gen umzugehen ist. Rollstuhltauglich? Für die SPV testen wir, das sind Angela, Silvana, Vera und ich – drei Personen im Rollstuhl und eine zu Fuss, ob sich das Bogenkino für Personen mit körperlichen Einschränkungen eignet. Im Vergleich zu Sportarten, in welchen Muskelkraft und Schnelligkeit gefragt sind, ist Bogensport eine attraktive Freizeitaktivität, die problemlos mit Mobilitätseinschränkungen ausgeübt werden kann. Mit einem «Releasemechanismus», der am Handgelenk befestigt wird, können Personen mit eingeschränkter Handfunktion den Bogen spannen, ohne die Sehne zu greifen und den Abzug mit dem Kinn auslösen. Um den Bogen festhalten zu können, kann dieser mit einer Manschette an der Hand befestigt werden. Dies ermöglicht es allen Schützinnen und Schützen, die genügend Kraft aufwenden können, einen Bogen zu spannen, zu zielen und Pfeile abzufeuern. Es sind unterschiedliche Hilfsmittel für Personen mit Einschränkungen in den Händen oder Armen erhältlich, um beim Spannen und Zielen zu unterstützen. Auch wenn die Mitarbeiter der Bowbox hilfsbereit sind, ist die Bowbox, bis auf den erwähnten Releasemechanismus, nicht mit solchen ausgestattet. Wir empfehlen daher passende Ausrüstung vorher zu recherchie ren und wenn möglich zu testen. René erklärt uns fasziniert, dass auch schon ein einarmiger Besucher in der Bowbox zu Paracontact I Herbst 2026
Gast war. Den Bogen hielt er in seiner Hand und die Sehne spannte er mit dem Mund. Die Bowbox, ist leider nicht vollumfänglich barrierefrei. Um den ausgebauten Stall zu betreten, muss zuerst ein Kiesvorplatz und dann eine 14 Zentimeter hohe Stufe überwunden werden. Auch die Toilette ist für Personen im Rollstuhl nur in einem Restaurant, wenige Gehminuten von der Bowbox entfernt, zugänglich. Umbauten der Sanitäranlagen sind geplant, aber in dem alten Bauernhaus, in welchem die Bowbox zu Hause ist, nicht so leicht umzusetzen. Besucher und Besucherinnen benötigen etwas Flexibilität und vielleicht auch die Hilfe einer Begleitperson. Für uns aber kein KO-Kriterium, denn in die Bowbox geht man nicht allein, sondern zusammen mit Freunden auf Ballonjagd.
«Die Bowbox hat richtig Spass gemacht.» Kurzweilig und actionreich Schon bald treffen wir die ersten Ballone, Ringe und Feuerwerksraketen auf dem bunten Screen und lassen die virtuellen Ziele explodieren, klirren und platzen. Die Bowbox hat uns sofort begeistert und die Spielzeit verging wie im Flug. «Wir haben nicht nur einfach auf eine Zielscheibe geschossen. Die verschiedenen Spiele haben grossen Spass gemacht», meint Silvana. Die Vielzahl an Spielmodi, inklusive Mul
Bogenschiessen, Boccia oder Curling – entdecken Sie mit uns am 30. Oktober und 1. November 2026 Zielsportarten im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Sammeln Sie am erstmals stattfindenden «move on» Target Sports neue Erfahrungen und finden Sie heraus, was Ihnen Spass macht. Ganz ohne Leistungsdruck, mit viel Freude am Sport und in Ihrem eigenen Tempo.
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tiplayermodus, in welchem Präzisionsaufgaben zusammen gelöst werden, haben uns überzeugt und die Lust am Bogensport geweckt. Unser Fazit: Die Bowbox ist eine kurzweilige, inklusive Freizeitaktivität, die Bogensport-Neulinge wie auch Routiniers schnell begeistert. Alternative Wem die Bowbox zu weit entfernt oder das Bogenschiessen eine zu grosse Heraus forderung scheint, dem können wir die Bogensporthalle in Sempach LU empfehlen. Neben verschiedenen Sportbögen können auch Armbrust- und Blasrohrpfeile auf die bis zu 18 Meter entfernten Ziele abgefeuert werden. Gerade Letztere eignen sich auch für Personen mit hohen körperlichen Einschränkungen, da nur der Abzug betätigt respektive in das Mundstück gepustet werden muss. Zudem ist die ganze Halle komplett barrierefrei. 29
FREIZEIT
WELL-BEING-WOCHE
Erste Themenreise Andrea Furrer braucht viele Superlative, um die Ferienwoche am Sarnersee zu beschreiben. Die Teilnehmerin kam nicht nur entspannt und glücklich heim, sondern auch mit vielen neuen Ideen. Von Evelyn Schmid
«Eigentlich bestand diese Woche nur aus Highlights.» Andrea Furrer muss nicht lan ge überlegen, wenn sie auf die Well-beingWoche zurückblickt. «Jeder Tag war perfekt organisiert und ich habe viel Praktisches gelernt.» Die SPV hat erstmals eine solche Themenreise angeboten und freute sich, dass diese mit zwölf Teilnehmenden ausgebucht war. Die Reise beinhaltete Workshops zu Entspannung, Ernährung, Bewegung und mentaler Gesundheit. «Ich hatte im Vorfeld etwas Angst, dass es zu esoterisch wird», meint Andrea Furrer nach der Ferienwoche, «aber das war überhaupt nicht der Fall.» Man versteht, was sie meint, denn auf dem Programm standen Achtsamkeitsübungen, ChakraMeditation oder Emotional Freedom Tech niques. «Aber die einzelnen Elemente wa ren von spannenden Referentinnen super professionell vorbereitet. Sie zeigten alles so vor, dass ich die Übungen nun zu Hause anwenden kann.» Ruhe am See
Das Wochenprogramm Jeder Tag widmete sich einem Schwerpunkt. Am Montag stand Entspannung im Zentrum mit einem Vortrag über Chakren und deren Bedeutung als Energiezentren. Die den Chakren zugeordneten Farben be gleiteten die Gruppe durch die gesamte Woche und sorgten immer wieder für Gesprächsstoff. «Wir haben beim Essen sogar Witze darüber gemacht, welche Farbe wir heute wohl essen müssten», erzählt An drea Furrer schmunzelnd.
Eine Idylle am See Neben den Programminhalten beeinflusste auch die Lage des Hotels Kurhaus am Sarnersee die Woche sehr positiv. Diese schuf eine Atmosphäre der Ruhe und Entschleunigung. Oft verbrachten die Teilneh menden die Abende am Wasser, beobachteten den Sonnenuntergang und liessen die Erlebnisse des Tages nachklingen.
Ebenso wichtig war die Entwicklung innerhalb der Gruppe. Was am ersten Tag noch von Zurückhaltung geprägt war, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer ver trauensvollen Gemeinschaft. «Am Schluss waren wir eine extrem homogene Gruppe, obwohl wir alle ganz unterschiedlich sind», erzählt Andrea Furrer. «Man hat sich angenommen gefühlt, wie man ist.»
Am Dienstag drehte sich alles um die Ernährung. Gemeinsam wurden Kräuter gesammelt und daraus ein einfaches Mittagessen zubereitet. Besonders beeindruckt hat Andrea Furrer, wie viel sich mit wenigen Zutaten erreichen lässt, die praktisch vor der Haustür wachsen. Die anschliessenden Grundlagen einer gesunden Ernährung rundeten den Tag ab. Ein besonderes Highlight war für viele der freiwillige Ausflug ins Freilichtmuseum Ballenberg am Mittwoch. Dies bot Gele genheit zum vertieften Austausch innerhalb der Gruppe. Am Donnerstag stand Bewegung auf dem Programm – allerdings auf eine etwas andere Art. Unter dem Titel «Spiel und Sport mit Grips» ging es vor allem darum, das Gehirn zu trainieren mit Gedächtnisübungen oder Koordinationsaufgaben. Der Freitag widmete sich schliesslich der mentalen Gesundheit. Im Zentrum stan-
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den die Emotional Freedom Techniques, bei denen durch Klopfen und Berühren bestimmter Körperstellen Stress und Ärger reduziert werden. Anfangs sei sie skeptisch gewesen, doch die einfachen Übungen haben Andrea Furrer überzeugt. «Es ist erstaunlich, wie gut die Übungen wirken.»
Andrea Furrer mit Vision Board
Den Abschluss bildete die Gestaltung ei nes persönlichen Vision Boards. Mit Bildern, Farben und Symbolen hielten die Teilnehmenden fest, was sie bewegt, welche Ziele sie verfolgen und welche Erkennt nisse sie aus der Woche mitnehmen möchten. Andrea Furrers Vision Board hängt heute bei ihr zu Hause. Immer wieder bleibt ihr Blick daran hängen – und mit ihm kehren die Erinnerungen an eine Woche zurück, die ihre Erwartungen weit übertroffen hat. Paracontact I Herbst 2026
FREIZEIT
STÄDTEREISE
Abstecher zur Kehrichtverbrennung Eine Mischung aus Innovation, Architektur und Geschichte, gepaart mit einer überschaubaren Grösse und einer Portion Gemütlichkeit machen Kopenhagen zu einem idealen Reiseziel. Von Nadja Venetz
Im World Happiness Report der UNO findet sich Dänemark stets unter den Top 3. Was macht die dänische Bevölkerung so glücklich? Ob es allein an «Hygge» liegt; dieser Idee, die kleinen Freuden des Lebens gemeinsam mit lieben Menschen zu geniessen? Zeit, sich vor Ort ein Bild zu machen. Sechs SPV-Mitglieder reisen Anfang Juni mit je einer Pflegebegleitung in die dänische Hauptstadt. Einer von ihnen ist Remo Maag. «Kopenhagen ist eine unglaublich schöne Stadt, die einiges zu bieten hat», schwärmt er am Telefon. Die Reisegruppe besucht Museen und Sehenswürdigkeiten und lässt sich treiben. Windgeschützt «Die bunten Häuser und die Architektur im Allgemeinen haben mir sehr gefallen», sagt Anik Muhmenthaler. Kopenhagen zeigt sich erfreulich barrierefrei. Neben den Wegen mit Kopfsteinpflaster gibt es meist einen Streifen mit grossen Bodenplatten, der einfacher zu befahren ist. Und Paracontact I Herbst 2026
auch die U-Bahn lässt sich problemlos nutzen. Das Lieblingsverkehrsmittel der Gruppe ist jedoch ein anderes. Um von A nach B zu kommen, wählt die Gruppe oft den sogenannten Hafenbus. Die städtische Fähre fährt nach festem Fahrplan. «Die Schiffe haben eine grosse Rampe, so dass alle gut einsteigen konnten und gesehen haben wir auch viel», berichtet Gruppenleiter Reto Scattolin. Remo Maag zählt noch einen weiteren Vorteil auf: «Auf der Fähre waren wir für einen Moment vor dem Wind geschützt.» Denn tagein, tagaus weht eine kräftige Brise. «Das sind wir Schweizer uns einfach nicht gewohnt.» Mal abgesehen vom ständigen Wind hatte die Reisegruppe Wetterglück. «Es hat nur manchmal kurz geregnet, höchstens eine halbe Stunde. Der Zufall wollte es, dass wir uns dann jeweils grad auf Höhe eines Restaurants befanden», erzählt Remo Maag lachend. Einmal sei die Gruppe vor dem Regen sogar in eine Vernissage geflüchtet. «Unerwartet haben wir eine tolle Ausstellung gesehen.»
Spontan zum Strand Ohnehin ist es das Unerwartete, was die Gruppe begeistert. Weil viele der Reisegäste bereits einer Wachablösung am königlichen Schloss in Stockholm beiwohnten, streicht Gruppenleiter Reto Scattolin den Programmpunkt kurzerhand. Anik Muhmenthaler freut sich sehr über den langen Spaziergang an den Strand, den die Gruppe stattdessen unternimmt. «Es gab wunderbare Holzstege und war einfach schön, am Meer zu sein.»
Auch eines von Remo Maags Highlights kommt unerwartet: die Kehrichtverbrennungsanlage. Diese ist in Kopenhagen öffentlich zugänglich und Reto Scattolin bekommt über mehrere Ecken den Tipp, dass sich ein Besuch lohnt. Denn es ist eine Kehrichtverbrennung wie keine andere. «Dass die sich als Stadt Gedanken machen, wie sie mit so einem grossen Gebäude einen Nutzen für alle schaffen können, hat mich sehr beeindruckt», erzählt Remo Maag. Denn an der hohen Aussenfassade von «CopenHill» gibt es eine Kletterwand, zuoberst eine grosse Panoramaplattform mit Café, und einen Skilift – ja tatsächlich einen Skilift mit einer künstlichen Piste, auf der man ganzjährig Ski fahren kann. «Das ist doch wahnsinnig innovativ.» Und dann war da noch diese Harmonie. «Eine Gruppe, die so gut zusammenpasst, hatte ich selten», sagt Remo Maag, der oft mit der SPV verreist. Auch Anik Muhmen thaler hebt hervor, wie gut es die Teilnehmenden untereinander hatten: «Wir waren jeden Abend gemeinsam essen. Das war so eigentlich nicht vorgesehen.» Eine ab wechslungsreiche Stadt, viele Eindrücke und gesellige Mitreisende – das ist richtig «Hygge».
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ROLLSTUHLSPORT
KIDS CAMP
Kinderlachen, Teamgeist und eine Prise Chaos Sport, Musik, Wasser-Action und Freundschaften fürs Leben: Das Kids Camp 2026 im SPZ Nottwil begeisterte 16 Familien mit unvergesslichen Erlebnissen, Pauke, Trompete, grossen Emotionen und strahlenden Kinderaugen. Von Nicolas Hausammann
Wenn Familien gemeinsam das KidsCamp-Wochenende im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) verbringen, dauert es nicht lange, bis aus einzelnen Kindern – und auch den Eltern – eine eingeschworene Gemeinschaft wird. Genau das macht das Kids Camp aus. Kaum angekommen, flitzten die Kinder von Atelier zu Atelier und rasten gemeinsam die Rampe in der Begegnungshalle hinunter. Schon nach wenigen Stunden war spürbar: hier stimmt die Chemie! Besonders beeindruckend war der Zusam menhalt unter den Kindern. Altersunterschiede, Mobilitätsdefizite, Herkunft, sport liches Niveau – nichts spielte eine Rolle.
Gemeinsam wurde gelacht, ausprobiert, geholfen und sich gegenseitig angefeuert. Das Camp bot den idealen Rahmen, um neue Kontakte zu knüpfen und gleichzeitig Selbstvertrauen zu gewinnen. Für viele Familien sind genau dieses Miteinander und der Austausch untereinander jedes Jahr einer der wertvollsten Aspekte des Wochenendes. Sport, Spiel und Bewegung Mit viel Euphorie tauchten die Kinder in verschiedene Aktivitäten ein und sammelten neue Erfahrungen im Rollstuhlsport. Ein Höhepunkt war das Tennisatelier mit Eva Stutzki, Nationaltrainerin RollstuhlTennis. Mit spielerischen Übungen vermit
telte sie den jungen Teilnehmenden die Sportart. Die Freude über gelungene Ballwechsel war gross. Der Stolz über das Treffen der Zielscheibe ebenfalls. Auch die Eltern erlebten beim RollstuhlBasketball am eigenen Körper, wie anspruchsvoll und faszinierend die Welt des Rollstuhlsports sein kann. Es wurde gedribbelt, gepasst und gelacht – und nicht selten führte die ungewohnte Perspektive zu neuen Erkenntnissen. Sportlicher Schlusspunkt bildete die RollOlympiade. Noch einmal waren Geschicklichkeit, Teamgeist Ausdauer und eine Portion Glück gefragt. Die Begeisterung
Humor und Wasserspass Neben Clownaction war das Hallenbad der grosse Star.
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Paracontact I Herbst 2026
war auf dem gesamten Gelände spürbar. Kinder, Eltern und Helfende feuerten sich gegenseitig an und sorgten für GänsehautAtmosphäre in der Sporthalle des SPZ. Endlich zurück im Wasser Für besonders grosse Freude sorgte die Rückkehr ins Hallenbad. Nach längerer Pause durch den Hallenbad-Umbau konnten die Wasserspiele endlich wieder stattfinden. Ein Programmpunkt, den viele Kids vermisst hatten. Entsprechend gross war die Freude. Es wurde ausgiebig geplanscht und gespritzt. Die Leichtigkeit schwebend im oder auf dem Wasser eröffnete neue Bewegungsmöglichkeiten und sorgte für Glücksmomente.
Ein weiteres Highlight war das Kajakfahren. Mit viel Neugier wagten sich die Kinder aufs Wasser und paddelten mit den für die kleinen Hände riesig wirkenden Paddeln quer über das Schwimmbecken. Für einige war es die erste Begegnung mit dieser Sportart, für andere ein langersehntes Wiedersehen. Jeanloup bringt das Chaos nach Nottwil Einer stahl an diesem Wochenende allen die Show: Clown Jeanloup. Bereits in den Ateliers am Samstagnachmittag sorgte er mit seinem unverwechselbaren, schelmischen Humor für unzählige Lacher. Mit viel Feingefühl, Kreativität und Spontaneität gelang es ihm, die Kinder sofort für sich zu gewinnen. Ob kleine Überraschun
Orchesterchaos Etienne und Jeanloup begeistern die Kids.
gen, witzige Einlagen oder gemeinsame Aktionen – Jeanloup war überall dort, wo die Kids Tränen lachten. Seinen grossen Auftritt hatte er jedoch beim «Orchesterchaos». Gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Graubünden entführte er das Publikum in eine fantasievolle Welt voller Musik, Komik und Überraschungen und lud es zum Mitmachen ein. Das Konzert war eine öffentliche Veranstaltung. Rund 400 Besucherinnen und Be sucher fanden den Weg nach Nottwil, um das «Orchesterchaos» zu erleben. Besonders eindrücklich war der Blick in die ersten Reihen. Dort sassen die Kinder mit grossen Augen, verfolgten jede Bewegung auf der Bühne und liessen sich von der Geschichte mitreissen. Es wurde geklatscht, gelacht, gesungen und mitgefiebert. Jeanloup und Käpt᾽n Etienne führten das Publikum durch eine turbulente Reise, bei der Musik und Theater verschmolzen. Die Begeisterung war förmlich greifbar. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen liessen sich von der Atmosphäre anstecken. So verbindet nicht nur der Sport, sondern auch die Kultur Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Mobilität. «Es war einfach wunderschön bei euch», meinte Kurt Bucher alias Jeanloup im Nachgang des Camps. Starkes Teamwork Hinter einem erfolgreichen Wochenende steht immer ein starkes Team. Das Kids Camp 2026 war dafür ein hervorragendes Beispiel. Die Zusammenarbeit innerhalb der Schweizer Paraplegiker-Gruppe funktionierte einmal mehr ausgezeichnet. Zahl reiche Mitarbeitende der SPV und des SPZ gepaart mit Freiwilligen sorgten dafür, dass sich die Familien rundum wohlfühlten.
Paracontact I Herbst 2026
Vom ersten Empfang bis zur letzten Preisverteilung griffen alle Räder ineinander. Besonders das Helferteam verdiente sich grosses Lob. Mit viel Engagement, Herzlichkeit und Leidenschaft begleiteten die Freiwilligen die Kinder durch das Wochenende. Sie unterstützten bei den Aktivitäten, motivierten, organisierten und hatten jederzeit ein offenes Ohr für Kids und Eltern. Diese Mischung aus Professionalität und persönlicher Nähe macht den besonders familiären Charakter des Kids Camps aus. Es geht um weit mehr als Sport und Freizeitangebote. Es geht um Begegnungen, Gemeinschaft und das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein. Unterstützt wurde die Ausgabe 2026 von den treuen Kids-Camp-Partnern Stiftung Folsäure Schweiz, Orthotec, SBH und Cosanum. Cosanum-Inhaber Bruno Schefer zeigte sich nach seinem Besuch begeistert: «Ihr macht da einen Riesenjob. Meine Frau und ich waren begeistert von der Herzlichkeit und den Gesprächen an diesem Nachmittag. Toll, was das coole SPVTeam auf die Beine stellt und mit wie viel Enthusiasmus die Familien mitmachen.» Erinnerungen, die bleiben Als am Sonntagnachmittag die letzten Taschen gepackt wurden, war eines offensichtlich: Das Kids Camp 2026 hat Spuren hinterlassen. Die Kinder nahmen Erlebnisse mit nach Hause, die noch lange nach wirken werden. Die Eltern kehrten mit neuen Impulsen in ihren Alltag zurück und der Kids-Camp-Spirit bleibt hoffentlich auch im ganz normalen Familien-AlltagsChaos möglichst lange erhalten – vielleicht ja mit der Erinnerung an eine Prise Jeanloup-Humor.
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ROLLSTUHLSPORT
BADMINTON
Neuer Assistenztrainer Loïc Schneider ist seit Juni Assistenztrainer Badminton. Er unterstützt in seiner Funktion den Nationaltrainer Marc Lutz.
PARA -CYCLING
12 EM-Medaillen Die zusätzliche Manpower ermöglicht es, den hohen Anforderungen und dem steigenden Leistungsniveau im Badminton gerecht zu werden und das Team auf dem Weg an die Paralympischen Spiele 2028 zu unterstützen. Loïc Schneider ist in einem 50%-Pensum angestellt. Seine Anstellung ist auf vier Jahre befristet.
Das Schweizer Team überzeugte mit star- Favoritenrollen gerecht und durften sich ken Leistungen und feierte 12 Podestplät- über Goldmedaillen im Zeitfahren freuen. ze an der Europameisterschaft in Italien. Auch Benjamin Früh (MH1) zeigte sich in Topform mit einem hervorragenden dritRollstuhlsport Schweiz reiste mit einer De ten Platz. Im Strassenrennen am zweiten legation von neun Athletinnen und Ath- Tag konnten die Schweizer Handbiker leten nach Venetien. In dieser bisher sehr ebenso ihre hervorragende Form beweisen. erfolgreichen Para-Cycling-Saison ist das Erneut feierten Sandra Fuhrer (WH4) und Leistungsniveau im Vergleich zur vergan- Fabian Recher (MH4) eine Goldmedaille. genen Saison deutlich angestiegen und die Micha Wäfler (MH3) und Benjamin Früh Ambitionen wie auch die Erwartungen wa (MH1) fuhren je zu Bronze. ren hoch. Aktuell ist die Delegation in den letzten Sandra Fuhrer (WH4), Micha Wäfler (MH3) Vorbereitungen für die WM in Huntsville, und Fabian Recher (MH4) wurden ihren Alabama (USA).
RUDERN
Gold für Ghiringhelli Claire Ghiringhelli ruderte am Weltcuprennen auf dem Rotsee Ende Juni ihrer Konkurrenz davon. Überlegen beendete sie das Rennen im Para-Einer auf dem ersten Platz. Die Tessinerin sicherte der Schweiz damit – wie bereits im Vorjahr – die einzige Goldmedaille beim inklusiven Heimweltcup. 34
SPORTMEDIZIN
Angebote für alle Die Sportmedizin bietet passende Angebote für alle: Ob Rollstuhlfahrerin oder Fussgänger, Einsteiger oder ambitionierte Freizeitsportlerin. Die Sportmedizin Nottwil bietet Angebote für fundierte Check-ups bis zu individuell abgestimmten Untersuchungen und Beratungen. Gemeinsam mit Ihnen beurteilt
sie Ihre aktuelle körperliche Leistungsfähig keit unter Ihren persönlichen Vorausset zungen und begleitet Sie kompetent und motivierend auf dem Weg zu Ihren sportlichen Zielen. Alle Check-up-Angebote der Sportmedizin finden Sie online. Check-up-Angebote paraplegie.ch/sportmedizin Paracontact I Herbst 2026
VORSCHAU
Anstehende Titelwettkämpfe
POWERCHAIR HOCKEY
Wir sind Weltmeister
Unsere Athletinnen und Athleten, im Herbst von Asien bis Amerika im Einsatz. WM Sportschiessen 7.–18. September 2026 Changwon KOR Rund 300 Athletinnen und Athleten aus über 50 Nationen messen sich an den World Shooting Para Sport Championships in Korea. Es geht für die Schweizer nicht nur um Medaillen, sondern auch um wertvolle Quotenplätze für die Paralympischen Spiele 2028. WM Para-Cycling 4.–7. September 2026 Huntsville USA Nach der äusserst erfolgreichen Europameisterschaft sind die Erwartungen an die zehnköpfige Schweizer Delegation, aber auch die Medaillenchancen hoch. An der EM dominierten unsere Athletinnen und Athleten die Kon kurrenz. Jetzt gilt es auf der Weltbühne anzugreifen. huntsvilleparaworlds.com
TENNIS
World Team Cup Finals Zwölf Teams spielen am World Team Cup vom 16. bis 19. September 2026 in Florida um den Titel. Das Ziel der Schweiz: Top 7 und somit eine direkte FinalsQualifikation für 2027. Keine leichte Aufgabe in dem hart umkämpften Wettbewerb. Paracontact I Herbst 2026
Die Schweizer Powerchair-Hockey-Nati schlägt im Finale die Niederlande mit 5:3 und holt sich Ende Mai in Finnland verdient den Weltmeistertitel.
sani in der Offensive sowie Noé Spirig, der die niederländischen Angreifer in der Schlussphase mit seinen Paraden reihenweise verzweifeln lässt, dem Spiel ihren Stempel auf. Ein historischer Sieg für das Nur gerade Italien trotzte der Schweiz ein seit Jahren aufstrebende Team. Nach dem Unentschieden ab. Ansonsten wurden die Erfolg trat das Trainerduo Rico Romano Gegner teilweise deklassiert. Im Finale und Vasco Caprez zurück. Eine neue Ära drückten Jan Schäublin und Khaleq Has bricht an.
BASKETBALL
Frauenpower in Nottwil Vom 13. bis 17. Oktober findet nach zehn Jahren wieder Rollstuhlbasketball-Eu ropameisterschaft der Frauen in der Division B statt.
chern. Die sieben Schweizer Athletinnen treten in im Mixed Nations Team «Women of Europe» gemeinsam mit Athletinnen aus ganz Europa an. Ein Projekt, das über die Europameisterschaft hinweg AthletinDas Turnier in Nottwil soll den Frauen- nen für die Sportart begeistern soll und Rollstuhlbasketball fördern und die euro- ein Sportfest, das Besucher in die Halle lopäische Elite um weitere Nationen berei- cken wird. 35
ROLLSTUHLSPORT
RÜCKTRITT
Ende einer Basketball-Ära 30 Jahre lang trägt Nicolas Hausammann ein entscheidendes Stück zur Schweizer Entwicklung des schnellen paralympischen Teamsports bei. Von Janic Binda
Vor über 30 Jahren setzte sich Nicolas Hausamman das erste Mal in einen Basket ball-Rollstuhl. Früh wechselte er als jun ges Nachwuchstalent vom Rollstuhlclub Uster zum RC Kriens. Mit dem Zentralschweizer Ensemble sicherte er sich und seinem Team mehrere Schweizer Meistertitel in einer hart umkämpften Liga. Seit seiner ersten Nomination für die National mannschaft 1999 nimmt der Spielmacher auch auf das europäische Basketballgeschehen Einfluss.
pflichtet. Mit dem deutschen Vorzeigeclub aus Wetzlar gewann Nicolas Hausammann, als Stammspieler seiner Mannschaft, die Deutsche Meisterschaft. Im europäischen Vergleich zog er, Seite an Seite mit Pa ralympics-Goldmedaillengewinnern, bis in das Champions-Cup-Finale, dem heiligen Gral des Rollstuhl-Basketballs, ein. Sei ne internationalen Abenteuer in Deutsch land und Italien inspirierten eine gesamte Generation junger Athleten, die ihm in den kommenden Jahren nachzogen und den Schweizer Rollstuhl-Basketball nachhaltig veränderten. Doch aller Anfang ist schwer. Nicolas Hausammann erinnert sich zurück an die ersten Ballkontakte in der Rehaklinik Balgrist, wo er als inkompletter Tetraplegi ker zu Beginn der Rehabilitation nur den Kopf drehen konnte und lange hart trainieren musste, bis er den Ball das erste Mal durch den Korb fliegen sah. «Doch schon dazumal war der Sport das Highlight der Woche», erklärt der Routinier. «Das Gefühl, mit seinen Mitspielern und dem Ball eins zu werden, ist wie Fliegen und bleibt einfach unvergleichlich.» Eine Passion, die bis heute zu spüren ist.
Vorbild Nicolas Hausammann
Mit sicherem Mitteldistanzwurf und präzisen Pässen verhalf er der Schweiz zum Aufstieg in die Basketball-Elite Europas. Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt und 2008 wird der fast zwei Meter grosse Guard vom Rekordmeister Lahn Dill ver36
Der Stratege an der Seitenlinie Nach dem ersten A-Klassenerhalt der Nationalmannschaft in Frankfurt wechselte Nicolas Hausammann, mittlerweile Familienvater, die Perspektive und nahm auf der Trainerbank Platz. Von der Seitenlinie unterstützte er ein junges Nationalteam voller Nachwuchstalente, die sich in der höchsten europäischen Klasse etablieren konnten. Eine unglaubliche Leistung für
die kleine Schweiz ohne professionelle Bas ketball-Liga. Auch wenn der BasketballStratege den Weg zurück auf das Feld fand, wurde er die Trainerrolle nicht mehr los. Mit viel Finesse und grossem Erfahrungsschatz führte er als Spielertrainer die Pilatus Dragons zu etlichen Schweizer Meistertiteln und die Nationalmannschaft in die Europäische Top 10. Neues Kapitel 16 Europameisterschaften, 20 Schweizer Meistertitel und 18 Schweizer Cupsiege später bestritt Nicolas Hausammann seine letzten internationalen Partien und gewann mit den Pilatus Dragons seinen letzten Schweizer Meistertitel – emotionale Mo mente für die ganze Schweizer RollstuhlBasketball-Familie. «Nico ist der Erfinder des neuen Schweizer Rollstuhl-Basketballs und hinterlässt eine grosse Lücke», sagt Walter Spuler, langjähriger Teamkollege, nach dem letzten europäischen Einsatz. Nicolas Hausammann ist und bleibt einer der grössten Visionäre des Schweizer Rollstuhl-Basketballs, der als sportliches Vorbild, Nationaltrainer und als Verantwortlicher der Nachwuchsförderung einen Löwenanteil zur Professionalisierung des Sportes und zur heutigen Basketball-Land schaft in der Schweiz beigetragen hat.
Die Rollstuhlsport-Familie bedankt sich bei Nico für seinen Einsatz und seine Passion für den Rollstuhl-Basketball über die letzten drei Jahrzehnte und wünscht ihm in seiner neuen Rolle als Nachwuchstrainer bei der Alten Kanti Aarau und Leiter Sportvermarktung und Sponsoring bei der SPV viele unvergessliche Glücksmomente. Paracontact I Herbst 2026
ROLLSTUHLSPORT
ein Besuch im ParaForum, dem Besucherzentrum der Schweizer Paraplegiker-Stiftung – oder das Kennenlernen von «PMR». Progressive Muskelrelaxation heisst diese Entspannungstechnik, bei der die Muskelgruppen bewusst angespannt und wieder gelöst werden.
JEUX INTERCENTRES
Spiel, Spass und Sport Vier Rehakliniken, ein gemeinsamer Tag: Die «Jeux Intercentres» bieten 42 Patientinnen und Patienten aus Nottwil, Basel, Sion und Zürich ein abwechslungsreiches Programm. Von Peter Birrer
Eine rote Kugel rollt über den Boden und kommt exakt in dem Bereich zum Stillstand, den der Spieler angepeilt hat. Vier Punkte gibt es für den Versuch – im Gesicht des Teilnehmers zeichnet sich ein zufriedenes Lächeln ab. In einer anderen Ecke bemüht sich ein Duo an der Tischtennisplatte, den Ball möglichst oft über das Netz zu bringen. Im Geräteraum lauscht eine Gruppe verschiedenen Geräuschen mit dem Ziel, sie richtig zuzuordnen: Han delt es sich um ein Garagentor? Eine Lifttür? Oder etwas völlig anderes?
Schweizer Paraplegiker-Zentrum, trägt die organisatorische Gesamtverantwortung. Sie kann sich auf das Know-how und die Unterstützung der Schweizer Paraplegiker- Vereinigung verlassen. Ein engagiertes Team aus 19 Helfenden und 19 Begleitpersonen ermöglichen 42 Menschen mit Querschnittlähmung ein Programm voller Vielfalt und Abwechslung.
«Jeux Intercentres» heisst der Anlass, der seit vielen Jahren stattfindet und nichts von seiner Beliebtheit eingebüsst hat. Dahinter stecken die vier Rehabilitationskliniken SPZ Nottwil, REHAB Basel, CRR Sion und Balgrist Zürich. Sie schufen ein gemeinsames Angebot mit Spiel, Spass und Sport für stationäre Patientinnen und Patienten – der Tag wird jedes Jahr von einem anderen Zentrum organisiert.
Nach der Miniolympiade am Vormittag mit Aktivitäten an sechs verschiedenen Posten können die Teilnehmenden zum Beispiel mit einem hochwertigen Rennrollstuhl auf der Bahn unterwegs sein – unter fachmännischer Anleitung von Trainer Paul Odermatt. Der 34-jährige Samuel nimmt die Gelegenheit wahr und ist begeistert. «Eine coole Sache», findet der Berner, der nach einem Gleitschirmunfall mit einer inkompletten Paraplegie lebt. «Ich mag Ausdauersportarten und kann mir deshalb vorstellen, vermehrt mit einem Rennroll stuhl zu trainieren.»
Unterwegs im Rennrollstuhl Dieses Jahr ist das SPZ in Nottwil an der Reihe. Amélie Fetzer, Sporttherapeutin im
Rollstuhlrugby, Paraspiele im Sportrollstuhl, Tanzen und verschiedene Bikes gehö ren ebenso zum Nachmittagsangebot wie
Vertrauen gewinnen Die Jeux Intercentres wecken die Lust auf Bewegung und zeigen sportliche Optionen auf. Einige Teilnehmende erkundigen sich hinterher nach der Möglichkeit, noch einmal den Rennrollstuhl testen zu dürfen. Oder da ist Georgina Howard, die in wenigen Stunden viel Neues kennengelernt und ausprobiert hat. «Ich habe Vertrauen gewonnen, trotz der Einschränkungen auch in Zukunft sportliche Aktivitäten ausüben zu können», sagt die 56-jährige Engländerin, die seit einem Unfall beim Polosport Paraplegikerin ist. Was sie ebenso schätzt: den Austausch mit anderen Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern. «Wir hatten ziemlich viel Spass miteinander.»
Das Feedback fällt durchweg positiv aus, nicht nur von den Teilnehmenden. Eine Begleitperson aus dem REHAB Basel etwa meldet im Nachhinein: «Es hat mich zu Tränen gerührt, was wir erleben durften.»
Gute Stimmung bei Georgina Howard
Das alles lässt Amélie Fetzer sagen: «Der Tag ist rundum gelungen. Unser Aufwand hat sich hundertprozentig gelohnt.» Die Geschichte der Jeux Intercentres ist um ein schönes Kapitel reicher. Und das nächste folgt 2027 – in Sion.
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ROLLSTUHLSPORT
AUSBILDUNG
Den Horizont erweitert Veronica Conceição liess sich zur Leiterin Sport+Handicap Polysport ausbilden. Die 41-Jährige, die im Powerchair Hockey wichtige Funktionen hat, profitierte in verschiedenen Bereichen. Von Peter Birrer
Die Bühne gehört Veronica Conceição. Für 20 Minuten schlüpft sie in die Rolle der Chefin. In der alten Sporthalle in Magglingen leitet sie an einem Samstagmorgen im Sommer ein Training aus einem Bereich, in dem sie sich bestens auskennt. Die 41-Jährige spielte jahrelang Powerchair Hockey auf höchstem Niveau. Nun hat sie Übungen vorbereitet, bei denen es darum geht, ein Gefühl für den rasanten Rollstuhlsport zu entwickeln. Sie zeigt vor, wie der Umgang mit Stock und Ball funktioniert und meistert damit elegant einen Slalom, bevor die Gruppe an der Reihe ist – die Fussgängerinnen und Fussgänger unter ihnen setzen sich in Roll stühle. Veronica Conceição beobachtet auf-
merksam, lobt und korrigiert. Ein Kursteil nehmer sticht besonders heraus: Nelson Braillard. Er ist Veronicas Partner, auch langjähriger Teamkollege – und ein Leistungsträger des Nationalteams, der Power chair Hockey in der Schweiz mitgeprägt hat. Leitungskompetenzen angeeignet Was sich gerade abspielt, ist eine Momentaufnahme aus dem letzten Modul der esaLeiter*innen-Ausbildung Polysport von Sport+Handicap EDUCATION. Die Teilnehmenden eignen sich Kompetenzen an, um Sportlektionen für Erwachsene zu ge ben. Der Ausbildungsweg richtet sich nach den Vorgaben des Programms Erwachsenensport Schweiz (esa) des Bundes.
Lektion Veronica Conceição gibt Anweisungen. 38
Veronica Conceição entdeckte ihre Leidenschaft für Powerchair Hockey als Jugendliche und war so talentiert, dass sie nicht nur einen Platz im Nationalteam be kam, sondern auch bei einem deutschen Bundesligaverein. Als sie bei Torpedo Ladenburg in Heidelberg spielte und der Coach einmal ausfiel, schloss sie zusammen mit drei erfahrenen Kollegen die Lü cke. Das Quartett plante Trainingseinheiten und legte taktische Ausrichtungen fest. Die Aufgabe bedeutete für die gebürtige Zürcherin, die heute in Lausanne lebt, kei ne Last. Im Gegenteil. Sie fand so Gefallen daran, dass sie beschloss, sich für die Ausbildung Leiter*in Polysport anzumelden. Veronica Conceição ist als Vorsitzende der Technischen Kommission der Powerchair- Hockey-Liga mitverantwortlich für die Weiterentwicklung und strategische Ausrichtung der Sportart. Ausserdem koordiniert sie als Teammanagerin die organi satorischen und sportlichen Belange der Landesauswahl. Ende Mai feierte sie mit dieser in Finnland den Weltmeistertitel. Die Ausbildung in Magglingen macht sie nicht, weil sie auf einen Posten als Trainerin spekuliert. Vielmehr will sie Kompe tenzen erwerben, die sie in ihre Rolle als Funktionärin einfliessen lassen kann. «Das Gelernte kann ich in meinen organisatori schen, technischen und strategischen Auf gaben anwenden», sagt die Buchhalterin. Selbstreflexion und Feedback Als sie in Magglingen die 20-minütige Lektion hinter sich gebracht hat, folgt die Selbsteinschätzung: Was lief gut? Wo besteht Verbesserungspotenzial? Welche Zie le habe ich erreicht?
Danach erhält sie Feedback sowohl von den Teilnehmenden als auch von Nadja Sigrist, einer der Kursleiterinnen. Sie hebt den sauberen Aufbau der Einheit hervor und die einwandfreie Organisation auf dem Feld. Ausbaufähig findet sie die Ansprache: Sie wünscht sich Anweisungen mit kräftiger Stimme. Veronica Conceição nickt. Sie nimmt Anregungen gerne mit. Nach drei Tagen macht sie sich zufrieden auf den Heimweg: «Ich habe meinen Ruck sack weiter füllen können.» Paracontact I Herbst 2026
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CURLING
Erfahrener Neuzugang
Bastian Wyss ist seit einem Jahr Assistenztrainer des Curling-Nationalkaders. In die Eigenheiten des Rollstuhl-Curlings musste er sich zunächst einarbeiten.
Von Janic Binda
Im Vergleich zum «Fussgänger-Curling» kann man nach der Abgabe keinen Einfluss auf den Stein mehr nehmen, denn im Rollstuhl-Curling wird nicht ge wischt. Vom Skip, dem Spieler, der den Stein spielt, werden umso mehr Präzision und mentale Stärke verlangt. Taktik, Risiko und Strategie Bastian Wyss, seit letztem Jahr Assistenztrainer des Schwei zer Nationalkaders, musste diese Eigenheiten des Rollstuhl-Curlings erst kennenlernen. Über seine Ausbildung in Magglingen fand er zum Rollstuhl-Curling und betreut zusammen mit Headcoach Katja Schweizer das Nationalkader.
Früher stand der Berner als Swiss-CurlingNachwuchsathlet selbst auf dem Eis, heute ist er als Nachwuchstrainer engagiert und kommentiert Curling-Europa- und -Weltmeisterschaften. Bastian Wyss kennt das Eisfeld und seine Steine aus allen Perspektiven. «Mich fasziniert die Taktik im Curlingsport, das Abwägen von Risiken zwischen Best- und Worst-Case-Szenarien», meint der passionierte Schachspieler. «Da die Steine im Rollstuhl nur aus dem Arm gespielt werden, ist ihre Geschwindigkeit limitiert. Take-outs, wie man diese aus dem ‹Fussgänger-Curling› kennt, sind daher seltener und schwieriger zu spielen. Die Strategie und das Abwägen von Risiken muss entsprechend angepasst werden. Solche strategischen Komponenten gehören zu meinen Stärken, damit kann ich das Team bereits jetzt gezielt unterstützen», erklärt er begeistert.
Wenn auch taktisch komplex, braucht es für eine erste Curling-Partie nicht viel: Eine barrierefreie Eishalle, einen Curling-Stick, um die Steine anzuschieben, und natürlich Mitspielerinnen und Mitspieler. Der Sport kann nämlich problemlos inklusiv zusammen mit Fussgängern gespielt werden. Dazu sind lediglich leichte Regelanpassungen notwendig. Ein Sport für alle Altersklassen, in dem nicht rei ne Muskelkraft, sondern viel Feingefühl, Teamgeist und Cleverness gefragt ist. Startschuss für das grosse Turnier Für Bastian Wyss und die Schweizer Na tionalmannschaft laufen aktuell die Vorbereitungen für die B-Weltmeisterschaft im November in Finnland. Das Ziel: Der Einzug ins Finale, um sich wieder einen Platz unter der A-Weltelite zu sichern. Ein hohes, aber nicht unrealistisches Ziel, weiss Bastian Wyss. «In der Schweiz sind die Kompetenzen wie auch lizenzierte Athletinnen und Athleten dünn gesät. Es ist eine grosse Herausforderung, sich mit der internationalen Elite zu messen. Wir sind auf Schlüsselpersonen im Ausbildungsbereich angewiesen, die den Sport entwickeln und potenzielle Athletinnen und Athleten begeistern. Erst dann können die Strukturen des Nationalkaders und der Athletenentwicklung greifen», erklärt Bastian Wyss.
Bis Ende Sommer soll ein schlagkräftiges WM-Kader selektioniert werden. Nebst einem gemischten Viererteam wird an der kommende WM auch ein Mixed Doubles
Team mit einer Athletin und einem Athleten starten. Entscheidend dabei sind nicht nur spielerische Qualitäten, sondern auch das Zwischenmenschliche. Es braucht das nötige Feingefühl bei der Teamzusammenstellung, um gute Resultate zu erzielen. Im September wird das von Katja Schweizer und Bastian Wyss selektionierte Kader erste Erfahrungen in Wetzikon sammeln und hoffentlich Erfolge feiern. Wir drücken die Daumen!
TURNIER Curling-Elite in Wetzikon Vom 16. bis 18. Oktober 2026 messen sich im Curling Center in Wetzikon Elite-Teams aus ganz Europa. Das Turnier ist eines der grössten europäischen Rollstuhl-Curling-Turniere und ein wichtiger Meilenstein für das Schweizer Nationalteam auf dem Weg an die B-Weltmeisterschaft. Kommen Sie vorbei und lernen Sie die strategische Welt des Curlings kennen. Alle Infos zum Turnier iwct.ch
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ROLLSTUHLSPORT
WAKEBOARD
Adrenalinkick auf dem Wasser
Etwas Neues erleben, das wollten die fünf Kursteilnehmenden. Und ihre Neugier wird belohnt: Wakeboarden macht grossen Spass. Von Nadja Venetz
«Je weiter ihr nach hinten lehnt, umso instabiler werdet ihr», erklärt Kursleiter Christophe. Die fünf Teilnehmenden hö ren aufmerksam zu, als Christophe und Pascal im Trockenen vorzeigen, was danach auf dem Wasser geschehen soll. Ein Hauch von Nervosität ist spürbar, aber auch viel Vorfreude. Wir befinden uns am allerersten Wakeboard-Kurs, den der Verein «Swiss Sitwake» veranstaltet. «Wir möchten mit un40
serem Verein die Sportart in der Schweiz grossmachen und eine Community aufbauen», erklärt Léonie. Lustigerweise sind wir dazu aber nach Frankreich gefahren. «In der Schweiz gibt es nichts Vergleichbares», meint Christophe. Die drei Vereinsgründer sind öfter hier. «Die Leute sind sehr nett und unkompliziert. Und der Park ist einigermassen rollstuhlgängig.» Der East Park im elsässischen Bartenheim liegt knappe 15 Kilometer hinter Basel. Die
meisten der fünf Kursteilnehmenden sassen fast zwei Stunden oder noch länger im Auto. Die Lust, etwas Neues auszuprobieren, eint sie alle, und diese Lust muss ziem lich gross sein. Monika, Silvia und Tobias haben sich sogar für den Kurs am Folgetag angemeldet. Wenn schon, denn schon. Wie beim Skifahren Bevor es aufs Wasser geht, bereiten Léonie, Christophe und Pascal die Boards vor. Es handelt sich dabei um reguläre WakeParacontact I Herbst 2026
boards, die mit Sitzschalen versehen sind, wie man sie aus dem Skisport kennt. Und auch die beiden Kursleiter kennt man aus dem Skisport. Christophe und Pascal sind Kaderathleten im Ski alpin, die im Wake boarden eine weitere sportliche Passion fanden (vgl. Paracontact 2/26, S. 38). Ein Wakeboardlift zieht die Personen, die sich an einem Griff festhalten, mit knapp 30 km/h im Rechteck über den Baggersee. Im Wasser befinden sich weisse Kunststoff elemente, sogenannte Obstacles, die für Sprünge und Tricks genutzt werden. «Wenn ihr immer direkt unter dem Kabel bleibt, kommt ihr damit nicht in Berührung», erklärt Pascal, «und loslassen könnt ihr im Zweifelsfall immer.» Da der Lift im Recht eck über den See führt, gibt es vier Kurven zu bewältigen. «Holt aus und verlagert euer Körpergewicht – wie beim Skifahren», sagt der Skifahrer und fügt an, «die Wakeboards haben Auftrieb. Ihr könnt gar nicht untergehen.» Manuela bleibt skeptisch: «Wasser ist eigentlich nicht so mein Element.» Geglückte Starts Ausgestattet mit Helm und Schwimmweste transferieren die Teilnehmenden auf die Wakeboards. Anschliessend warten sie auf einer Plattform, bis sie vom Lift aufs Wasser gezogen werden. Leicht nach vorne leh nen, Arme strecken, festhalten und ab die Post. Ausnahmslos allen gelingt der Start ab der Plattform schon beim ersten Anlauf. Das ist alles andere als selbstverständ lich. Christophe ist stolz auf seine Schütz-
VEREIN SWISS SIT WAKE Swiss Sitwake veranstaltet zwei Mal im Jahr einen Kurs für Interessierte. Die Kursdaten werden im Eventkalender der SPV publiziert. Eine Vereinsmitgliedschaft kostet 20 Franken im Jahr und ermöglicht, vergünstigt an den Kursen teilzunehmen. Kontakt Christophe Damas mail@christophedamas.ch
linge: «Der Start ist das Schwierigste. Das haben alle super hingekriegt.» Einige drehen Runde um Runde, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Nichtsdestotrotz spickt es manche spekta kulär aus der Sitzschale. Wer ins Wasser fällt, wird von einem Boot aufgesammelt und zurück zum Deck gebracht. «Huere geil», ruft Rolf sichtlich begeistert nach seinen ersten Versuchen. Mit jedem ge glückten Start, jeder gemeisterten Kurve steigt die Selbstsicherheit und verleitet dazu, erste Tricks zu probieren, etwa einhändig zu fahren oder sich stark in die Kurven zu neigen. Für alle ist es das erste Mal, dass sie auf ei nem Wakeboard sitzen. Rolf und Silvia bringen allerdings Erfahrungen im Wasser ski mit. Das sieht zwar ähnlich aus, ist aber nicht dasselbe, wie Silvia erläutert: «Beim Wasserski fährst du dem Boot hinterher. Die Kurven werden dir angekündigt und im grossen Bogen gefahren.» Im Wakeboardpark muss sie aber selbst entscheiden, wann sie zur Kurve ansetzt. Insbesondere die vierte Kurve beim Startdeck ist eng und erfordert das richtige Timing. Nach zwei Stunden ist der gebuchte Zeit slot der Gruppe abgelaufen. «Jetzt tun mir die Hände weh», meint Tobias. Was mühe los aussieht, braucht Kraft in den Händen und Armen. So ist die Sportart aktuell nur für Personen mit guter Handfunktion und Armkraft machbar. «Vielleicht finden wir etwas, womit sich Personen mit geringer Handfunktion in den Haltegriff einhängen können, ähnlich wie beim Krafttraining», fantasiert Christophe. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Während die Helfer das Material zurücktragen, transferieren die Teilnehmenden zurück in ihre Alltagsrollstühle. Ich blicke in müde, aber glückliche Gesichter. «Es hat grossen Spass gemacht», meint Monika, die sich von ihrer Freundin Silvia zur Teilnahme überreden liess. Die beiden Frauen freuen sich bereits auf die Fortsetzung am Folgetag. Auch Tobias kann den zweiten Tag kaum erwarten und steckt sich ein Ziel: «Ich möchte unbedingt über so eine Schanze springen.»
Haben die Teilnehmenden gerade ein neu es Hobby für sich entdeckt? Die meisten winken bei aller Begeisterung ab. «Ich habe keine Kapazität für ein fünftes Hobby», sagt Tobias. Bei den anderen klingt es ähnlich. Doch sag niemals nie.
Einweisung im Trockenen
Start Vom Deck ins Wasser gezogen
Festhalten Kraft in den Händen gefragt
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ROLLSTUHLSPORT
NATIONALES LEISTUNGSZENTRUM
Neu organisiert
Das Nationale Leistungszentrum für Rollstuhlsport (NLZ) präsentiert sich seit diesem Jahr mit einer neuen Organisationsstruktur. Sein Ziel bleibt aber unverändert.
Von Marco Bruni
Das Nationale Leistungszentrum für Roll stuhlsport (NLZ) in Nottwil, das 2018 ins Leben gerufen wurde, verlieh dem Roll stuhlsport einen grossen Professionalisierungsschub. Seither wurden immer wieder Anpassungen vorgenommen, um Abläufe zu optimieren. Die Grundidee blieb in all den Jahren dieselbe: Die Athletinnen und Athleten stehen im Zentrum aller Aktivitäten. Auch die tägliche Arbeit orientiert sich nach wie vor an den bewährten Grundsätzen, die das Leistungszentrum in den vergangenen Jahren erfolgreich geprägt haben. Mehr Personal Die wichtigste Veränderung betrifft die gezielte Verstärkung der personellen Ressourcen. Dank den zusätzlichen Mitteln
der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (vgl. Paracontact 1/26, S. 10), welche die SPV für Sportprojekte erhält, konnten bestehende Stellenprozente erhöht und zusätzliche Funktionen geschaffen werden. Dadurch wird die Betreuung der Athletinnen und Athleten weiter professionalisiert und auf die steigenden Anforderungen im Leistungssport ausgerichtet. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem interdisziplinären Supportteam, das künf tig noch stärker sichtbar gemacht wird. Dieses umfasst die gesamte Leistungssport abteilung sowie die Expertinnen und Experten der Sportmedizin. Die enge Zusam menarbeit zwischen Trainerinnen und Trainern, Sportmedizin, Athletik, Sportpsychologie, Ernährung und weiteren Fach-
Optimal betreut auf dem Weg an die Spitze 42
bereichen bildet seit Jahren eine zentrale Stärke des NLZ und wird nun organisatorisch noch klarer verankert. Durch die zusätzlichen Mittel für Sportprojekte können die Ressourcen für Trainerinnen und Trainer um bis zu 490 Stellenprozente ausgebaut werden. Zusätzlich wurden in den Bereichen Athletiktraining, Sporternährung und Sportpsychologie wei tere 140 Stellenprozente geschaffen beziehungsweise erhöht. Ergänzend dazu wird eine Physiotherapie-Betreuung von bis zu 80 Stellenprozenten aufgebaut, um die Athletinnen und Athleten noch gezielter in Training, Rehabilitation und Prävention zu unterstützen. Angepasste Struktur Neben zusätzlichen personellen Ressourcen wurde dem NLZ eine neue Struktur verliehen, die drei Ebenen umfasst. Die strategische Ebene obliegt neu der SPV und wird von SPV-Direktor Laurent Prince sowie Peter Läuppi, Leiter Rollstuhlsport Schweiz und Freizeit, geführt. Die darunter liegende taktische Ebene wird von Andreas Heiniger, Leiter Leistungssport, geführt in Zusammenarbeit mit Marco Bruni, Leiter Athletenentwicklung, Fabian Ammann, Leiter Diagnostik und Performance Sportmedizin Nottwil, und Stefan Dürger, Geschäftsführer Orthotec. Die operative Ebene umfasst sämtliche Funktionärinnen und Funktionäre, Trainerinnen und Trainer aller Leistungssportarten sowie die Fachpersonen der Sportmedizin Nottwil. Innerhalb von Rollstuhlsport Schweiz erhält das NLZ damit organisatorisch und strategisch eine noch stärkere Bedeutung.
Das Leistungsangebot für die Athletinnen und Athleten entspricht weiterhin der ursprünglichen Vision des Nationalen Leistungszentrums für Rollstuhlsport. Gleichzeitig wurde dieses Angebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert und den Bedürfnissen des modernen Leistungssports angepasst. Das NLZ verfolgt damit weiterhin das Ziel, Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu nationalen und internationalen Erfolgen bestmöglich zu begleiten und ihnen ein professionelles, interdisziplinäres Umfeld für ihre sportliche Entwicklung zu bieten. Paracontact I Herbst 2026
ROLLSTUHLSPORT
PARATHLETICS 2026
Nottwil setzt Ausrufezeichen Die ParAthletics haben sich von einem ambitionierten Meeting zu einem der weltweit bedeutendsten Anlässe und zu einem Motor für den Sport in der Schweiz entwickelt. Von Evelyn Schmid
Vor 13 Jahren wurde der Anlass zum ersten Mal in der Sport Arena Nottwil ausgetragen. Mittlerweile sind die ParAthletics ein Eckpfeiler der achtteiligen Grand-PrixSerie von World Para Athletics. Jahr für Jahr zieht der Anlass die globale Elite nach Nottwil. 2026 waren es rund 450 Athletinnen und Athleten aus allen Kontinenten, darunter 24 Schweizer. Einzigartiger Status in Europa Die ParAthletics waren 2026 einziger Europa-Event der Serie und machten Nottwil zum zentralen Treffpunkt des Kontinents. «Die Elite kommt hierher, weil wir eine der schnellsten Bahnen der Welt haben», erklärt Andreas Heiniger, Leiter Leistungs sport der SPV. «Die Kombination aus idea len klimatischen Bedingungen, hoher or ganisatorischer Qualität und internationaler Strahlkraft macht das Meeting in Nottwil zum globalen Anziehungspunkt.» Andreas Heiniger betont, dass Athletinnen und Athleten ihre Grand-Prix-Starts gezielt auswählen: «Sie vertrauen darauf, dass bei uns die Abläufe funktionieren, die Wege kurz sind, eine gute Infrastruktur vor handen ist und eine Stimmung herrscht, die zu Höchstleistungen motiviert.»
Ein neues Organisationskomitee Es hat auch strukturelle Gründe, dass Nott wil der einzige europäische Grand Prix ist. Viele Länder scheitern an hohen Kosten, fehlender Infrastruktur oder mangelnden Ressourcen. «Der Aufwand ist gross», sagt Andreas Heiniger. Stadien seien teuer, die Anforderungen des internationalen Verbandes hoch, und viele Verbände haben nicht die nötigen Mittel. Nottwil hingegen profitiert von einem starken Netzwerk – ein entscheidender Vorteil für den Fortbestand des Meetings.
Klassifikationen vor Ort durchzuführen, erleichtert die Nachwuchsförderung. «Unsere Athletinnen und Athleten müssen nicht schon mit zwölf oder fünfzehn Jahren um die Welt reisen», sagt Andreas Heiniger. Stattdessen können sie im eigenen Land früh Wettkampfluft auf Weltniveau schnuppern – ein unschätzbarer Vorteil. Für viele Juniorinnen und Junioren, die erste Schritte auf dem internationalen Parkett machen, sind die ParAthle tics ein sportliches Highlight. «Du brauchst Ziele, auf die du hintrainierst», erläutert Andreas Heiniger. Gleichzeitig warnt er vor künftigen Herausforderungen. «Im nächsten Jahr findet die WM zwei Wochen nach den auf Ende Mai geplanten ParAthletics statt, was die Teilnahme verschiedener Nationen erschwert. Zugleich ist es wichtig, dass die Elite auf unserer Bahn schnelle Zeiten fahren und sich für eine Qualifikation für Los Angeles 2028 in eine gute Ausgangslage bringen kann.» Andreas Heiniger steht da her im Austausch mit anderen Nationen, damit in Nottwil wieder ein hochstehender Anlass stattfindet.
2026 brachte eine Neuerung: Erstmals besteht das Organisationskomitee vollständig aus Mitarbeitenden der Schweizer Pa raplegiker-Gruppe (SPG). Dieser Schritt stärkt die organisatorische Basis und unterstreicht die strategische Bedeutung des Meetings für die SPG. Die gemeinsame Verantwortung schafft Mehrwert und zeigt, dass Nottwil langfristig bereit ist, eine führende Rolle im internationalen Parasport zu übernehmen. Motor für die nationale Entwicklung Der Event ist auch für die Schweiz enorm wichtig. Die Möglichkeit, internationale
Infos zu den Leistungen 2026 parathletics.ch
Paracontact I Herbst 2026 43
VERMISCHTES
SWITZERLAND 2038
COMMUNIT Y
Bundesrat unterstützt Winterspiele
Austausch per Whatsapp
2038 sollen Olympische und Paralympische Winterspiele in der Schweiz stattfinden. Der Bundesrat steht hinter dem Projekt.
«More is Possible» lanciert eine Whatsapp-Community, damit sich Personen mit einer Querschnittlähmung niederschwellig austauschen können.
Anlässlich einer Medienkon ferenz am 22. Juni 2026 hat Sportminister Martin Pfister die Botschaft des Bundesrats präsentiert, die er dem National- und dem Ständerat im Hinblick auf die Beratungen zur Schweizer Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 unterbreitet. Darin sichert er Switzerland 2038 seine Unterstützung zu. Der Bundesrat sieht in diesem Sportgrossanlass grosse Chancen für die Schweiz. SPV-Direktor Laurent Prince, gleichzeitig Vizepräsident des Vereins Switzerland 2038, betont: «Die Spiele sind zudem eine grosse Chance für die Inklusion. Themen der Barrierefreiheit, Teilhabe am gesellschaftlichen und sportlichen Leben und die Sichtbarkeit von Menschen mit einer Behinderung werden in diesem zukunftsweisenden Projekt gefördert.» Der Entscheid stellt einen wichtigen Meilenstein für das Projekt dar und sendet ein sehr positives Signal im Hinblick auf die kommenden politischen Schritte. Als nächstes beraten National- und Ständerat die Kandidatur. Dies wird in der Herbst- bzw. Wintersession der Fall sein. Zur Kandidatur switzerland2038.com 44
«More is Possible», das sind vier Selbstbetroffene, die sich während ihrer Erstreha im Schweizer Paraplegiker-Zentrum kennengelernt haben. Mit ihrer Plattform möchten sie neues Wissen über Querschnittlähmung verbreiten und Menschen mit einer Rückenmarksverletzung vernetzen.
MODE
Auf dem Laufsteg ADAPT by SPF zeigte an der bedeutendsten Modeschau der Schweiz, wie adaptive Mode Stil und Funktionalität verbindet. ADAPT by SPF war bereits zum vierten Mal Teil der Mode Suisse & Friends in Zürich. Präsentiert wurden Looks, die in Zusammenarbeit mit Schweizer Modeschaffenden und Personen im Rollstuhl entstanden sind. Ein Projekt für mehr Sichtbarkeit und Teilhabe in der Modewelt.
Melden Sie sich an, diskutieren Sie mit und platzieren Sie Ihre Themen. Die Gruppe wird von den vier Gründern administriert und moderiert. Beitreten more-is-possible.com (Community)
DARMMANAGEMENT
Darmgeräusche aufzeichnen Wollen Sie Ihren Darm besser verstehen? In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum hat das Gesundheitsunternehmen Digehealth ein tragbares Gerät entwickelt, das Darmgeräusche aufzeichnet. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sollen die Daten Aufschluss geben über die Darmaktivität und dazu beitragen, Darmfunk tionsstörungen gezielter anzugehen. Helfen Sie mit, das Gerät weiterzuentwickeln. Sie
tragen während zwei Wochen ausser beim Duschen und beim Sport ein kleines Gerät um den Bauch. Stuhlgang, Ernährung und Symptome erfassen Sie in einer App auf Ih rem Smartphone. Das Gerät wird Ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt, nach Hause geliefert und abgeholt. Die aufgezeichneten Daten werden streng vertraulich behandelt. digehealth.ch Rebekka Wolfensberger Tel. 077 292 87 72 Paracontact I Herbst 2026
POLITIK
Erwerbsmöglichkeiten
STUDIE
Inklusionsindex 2026
Der Nationalrat hat in der Sommersession die Motion 26.3018 angenommen, die eine realistischere Einschätzung der Arbeitsmöglichkeiten nach Eintritt einer Invalidität fordert. Dabei sollen neue Ansätze, die Digitalisierung und wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden. Nun bedarf es auch der Zustimmung des Ständerats, da die heutige Praxis die Realität des Arbeitsmarkts oft ungenügend abbildet.
MOUNTAINBIKE
Trails für alle Mountainbiken boomt. Nun sollen Trails für adaptive Sportgeräte in der Wegnetzplanung berücksichtigt und entsprechend ausgewiesen werden. Das kürzlich veröffentlichte Regelwerk von Bund und SchweizMobil sieht schweizweit geltende Normen für die Gestaltung und Signalisation von adaptiven MountainbikeStrecken vor. Eingeflossen ist dabei auch die Expertise von Thomas Hurni (SPV) und dem passionierten Handbiker Andreas Gautschi. Die für Mountain Handbikes geeigneten Trails sollen künftig über eine Filterfunktion auf SchweizMobil gesondert angezeigt werden, was die Planung erleichtert. Paracontact I Herbst 2026
Um zu erfassen, wie inklusiv die Schweiz ist, hat Pro Infirmis zum zweiten Mal eine Studie in Auftrag gegeben. Die erste Studie wurde 2023 durchgeführt. Auch drei Jahre später ist das Ergebnis ernüchternd: Trotz einzelner Fortschritte bestehen für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz weiterhin erhebliche
Barrieren. Nach wie vor fühlen sich rund vier von fünf Menschen mit Behinderungen in mindestens einem Lebensbereich stark ausgeschlossen, allen voran in den Bereichen Politik, Arbeit und Mobilität.
Studienergebnisse proinfirmis.ch (Über uns)
DMGP
Forschende geehrt An der Jahrestagung der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) wurden drei Fachkräfte der Schweizer ParaplegikerGruppe geehrt.
liche Arbeiten mit hoher Relevanz für die medizinische und rehabilitative Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung aus.
Ebenfalls geehrt wurden Yannick Schürch Dr. med. Inge Eriks Hoogland erhielt den von der Schweizer Paraplegiker-Forschung Ludwig-Guttmann-Preis. Der mit 5000 und Dr. med. Meike Duthaler vom Schwei Euro dotierte Preis zeichnet wissenschaft- zer Paraplegiker-Zentrum. 45
FOKUS
IM GESPRÄCH
Wir sind viele
Camilla Bischofberger debattierte 2023 als Parlamentarierin an der Behindertensession. 2026 verantwortet sie den Anlass als Projektleiterin. Von Nadja Venetz
Bist du ein politischer Mensch? Ich bin in keiner Partei und möchte – Stand heute – auch nicht Politikerin sein. Aber ich interessiere mich sehr für politische Themen und finde es super, dass ich in meiner jetzigen Funktion im Hintergrund Hebel in Bewegung setzen kann, um etwas zu bewirken. Von dem her bin ich schon ein politischer Mensch. Ich sage zwar selbst immer, es brauche mehr Menschen mit Behinderungen in der Politik, aber mich vorne hinstellen, nein, das kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Aber du hast dich 2023 für die erste Behindertensession angemeldet. Wieso? Ich habe damals einen grossen Drang verspürt, im Bereich Inklusion aktiv zu werden. Meine damalige Arbeitsstelle hatte überhaupt nichts mit dem Thema Behin-
derung zu tun. In meiner Freizeit habe ich meinen Podcast «Wheeltalk» produziert und dort mit anderen Personen mit Behinderungen über ihr Leben und ihre Erfahrungen gesprochen. Der Aufruf für die Behindertensession kam grad zum rich tigen Zeitpunkt. Ich habe mich angemeldet und Werbung für mich gemacht, ohne grosse Erwartungen. Aber ich wurde tatsächlich gewählt und erhielt einen der 44 zur Verfügung stehenden Sitze. Der Nationalratssaal im Bundeshaus hat Platz für 200 Abgeordnete. Weshalb werden an der Behindertensession nur 44 Sitze vergeben? Das Bundeshaus und der Nationalratssaal sind leider nicht für 200 Menschen mit Be hinderungen ausgerichtet, wir mussten also die Anzahl Plätze reduzieren. 44 Sitze ent-
ÜBER DIE PERSON amilla Bischofberger (32) wuchs C im Thurgau auf, lebt aber schon lange in Zürich. Sie hat Wirtschaft und internationale Beziehungen an den Universitäten Zürich und St. Gallen studiert und arbeitete nach ihrem Masterabschluss unter anderem für ein Bundesmandat auf einer Botschaft im Ausland. Heute ist sie bei Pro Infirmis zuständig für politische Themen und Medien sprecherin für die Deutschschweiz. Sie ist Mitglied im RC Zürich.
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sprechen 22% des Nationalrats. 22% der Schweizer Bevölkerung über 16 Jahre leben mit einer Behinderung. Die Anzahl Sitze entspricht also der realen Verteilung in der Bevölkerung. Wie hast du den grossen Tag erlebt? Es gab diesen einen Moment, der sich mir fest eingebrannt hat, und zwar, als ich im Nationalratssaal war und realisiert habe: Wow, wir Menschen mit Behinderungen sind in der absoluten Überzahl. Für einmal gehöre ich zur Mehrheit. Für einmal geht es um unsere Anliegen. Wir haben das Anrecht hier zu sein und wir werden gesehen. Der Raum war voller positiver Ener gie. Der Austausch untereinander war sehr bestärkend, ohne Konkurrenzdenken. Der Erfahrungsschatz der Teilnehmenden war sehr unterschiedlich. Einige waren schon lange aktivistisch unterwegs, wussten sehr gut Bescheid über die politische Situation, während andere sich zum ersten Mal politisch geäussert haben. Wir alle wollten aber das Gleiche: mitreden und mitentscheiden. Ich hatte das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein, und diese Erfahrung hat den Wunsch gestärkt, mich auch beruflich für Inklusion einzusetzen. Paracontact I Herbst 2026
Mitreden als Parlamentarierin der Behindertensession 2023
den Nationalratspräsidenten statt. Schon sehr lange haben wir versucht, mit PierreAndré Page diesbezüglich in Kontakt zu treten. Die Einladung für den 21. Oktober kam dann etwas plötzlich.
Es geht nicht darum, für den eigenen Bedarf zu kämpfen, sondern für die Gleichberechtigung aller.
chen diskriminiert, an erster Stelle in den Bereichen Arbeit und Politik. Neben der Arbeitswelt ist die Politik der grösste He bel, den wir haben, um etwas zu verändern. Der politische Weg ist zwar ein langer Weg, aber was sich auf Gesetzesebene ändert, wirkt bis in unseren Alltag hinein.
Und dieser Wunsch ging offenbar in Erfüllung. Ja, ich habe im Anschluss an die Behindertensession mit dem damaligen Projektleiter gesprochen, so nach dem Motto: Melde dich doch, wenn bei euch eine Stelle für mich frei wird. Und Pro Infirmis hatte tatsächlich ein Angebot für mich, zunächst in der internen Kommunikation. Mittlerweile bin ich für die politischen Themen verantwortlich und Mediensprecherin für die Deutschschweiz.
Welche Rolle spielt die Behindertensession in diesem politischen Engagement? Die Behindertensession ist sicher das grösste und sichtbarste Projekt auf nationaler Ebene. Jetzt reden wir Menschen mit Behinderungen. Jetzt nehmen wir Raum ein, statt dass nur über uns gesprochen wird. Die Teilnahme an der ersten Behindertensession hat einige motiviert, für ein poli tisches Amt zu kandidieren. Mit dem Fo rum22 vernetzen wir zudem Menschen mit Behinderungen, die politisch aktiv sind.
Weshalb setzt Pro Infirmis einen starken Fokus auf die Politik? Wir haben 2023 mit dem Inklusionsindex schweizweit eine Erhebung gemacht, die wir 2026 wiederholt haben, und erfragt, wie Menschen mit Behinderungen in der Schweiz leben. Die Resultate zeigen deutlich: Sie fühlen sich in allen Lebensberei-
War bereits 2023 klar, dass es eine zweite Behindertensession geben wird? Wir haben es gehofft, aber fest stand das nicht. Denn die Behindertensession ist nicht institutionalisiert wie die Jugendsession, die einmal im Jahr stattfindet, sondern findet auf Einladung des amtieren-
Fast 200 Personen möchten am 21. Oktober an der zweiten Behindertensession teilnehmen. Wir haben uns über das Interesse und den Zuspruch sehr gefreut. Klar sind viele darunter, die sich schon für die erste Austragung gemeldet haben, aber auch zahlreiche neue Gesichter. Ich finde es wichtig, dass sich vermehrt Menschen mit psychischen Behinderungen und Neurodivergenz beworben haben. In der Gesellschaft herrscht immer noch das Bild vor: Eine Behinderung, das ist eine Person im Rollstuhl. Aber die Ausprägungen von Behinderungen sind viel vielfältiger. Ich war selber lange überzeugt, mit Behinderungen kenne ich mich aus, bis ich in meiner Masterarbeit über Sehbehinderungen schrieb und feststellen musste: Nein, ich kenne mich gar nicht aus. Der Bedarf an Unterstützung ist komplett anders als mein eigener. Menschen mit Behinderungen sind eine sehr heterogene Gruppe. Das zu verstehen, ist wesentlich für Behindertenpolitik. Es geht nicht darum, für den eigenen Bedarf zu kämpfen, für die Rampe oder den Lift, sondern für die Gleichberechtigung aller. Ein Online-Voting hat darüber entschieden, wer von den Kandidierenden definitiv teilnehmen darf. Die Personen, die die meisten Stimmen bekommen haben, sind dabei, oder? Ja, aber nicht ganz. Wir stellten die Repräsentation der Sprachregionen sicher analog der kantonalen Verteilung im National rat. Umgerechnet macht das 29 Sitze für Personen aus der Deutschschweiz, 12 für die Romandie, 2 für das Tessin und einen für die rätoromanische Schweiz. Und dann hielten wir uns an die Bestimmungen der Geschlechterrichtwerte des Bundesrates. Für 44 Sitze bedeutet das, dass mindestens
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13 Sitze für Frauen und Männer vorgesehen sind. Wir achteten als weiteres Kriterium darauf, dass pro Behinderungsart, die die UNO-Behindertenrechtskonvention nennt, mindestens eine Person vertre ten ist. Diese fünf Arten sind: körperliche Behinderungen, psychische Behinderun gen, kognitive Behinderungen, Sehbehinderungen und Hörbehinderungen. Wie bereitet ihr die 44 Personen auf den grossen Tag vor? Es gibt vier Kommissionen, die sich je ei nem Überthema widmen. Alle, die sich an gemeldet haben, mussten angeben, in welcher Kommission sie gerne mitarbeiten wollen. Die drei amtierenden Nationalräte mit Behinderungen Christian Lohr, Phi lipp Kutter und Islam Alijaj sowie die Walliser Grossrätin Maud Theler präsidieren je eine Kommission. Ende Juni beziehungs weise Anfang Juli trafen sich die Kommissionen zu einer ersten Sitzung, in der es darum ging, die Themenfelder abzustecken und herauszuarbeiten, wo Handlungsbedarf besteht. Ende August gibt es eine zweite Sitzung. Zwischen den beiden Sitzungen verfassten die Kommissionsmitglieder Forderungen und Anträge. In der zweiten Sitzung geht es darum, zu bestimmen, mit welchen Anträgen die Kommission an die Session geht. Die Anträge aus jeder Kommission lassen wir übersetzen und stellen sie allen Teilnehmenden zu, damit sie sich vorbereiten und Änderungs anträge formulieren können. Was passiert dann am 21. Oktober? Jeder Kommission wird ein Block zur Verfügung stehen. Dann machen wir zwei Blö cke am Vormittag und zwei am Nachmittag. Pro Block werden jeweils die Anträge, welche die Kommission formuliert hat, diskutiert. Begrüsst und eröffnet wird die Behindertensession von Gastgeber und Nationalratspräsident Pierre-André Page. Gegen Ende des Tages wird Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zugegen sein. Ihr überreichen wir am Schluss unsere Forderungen als Petitionen. Was wird anders sein als bei der Behindertensession 2023? Bei der ersten Session haben wir dem Bun desrat eine Resolution überreicht. Diese 48
Behindertensession 2023 im Nationalratssaal des Bundeshauses
war in weiten Teilen vorbereitet und wir durften diese in den Vorbereitungssitzungen und schliesslich im Plenum anpassen. Es war also schon ziemlich viel vorgegeben. Die diesjährige Behindertensession möchten wir freier gestalten, damit die Teilnehmenden wirklich die Themen einbringen können, die sie beschäftigen. Sie müssen einfach von nationaler Bedeutung sein. Zudem haben wir uns für das Mittel der Petition entschieden. Von den Verantwortlichen der Jugendsession wissen wir, dass sie damit gute Erfahrungen gemacht haben. 2023 warst du Teilnehmerin, 2026 bist du Projektleiterin. Was sind deine grossen Herausforderungen? Als Teilnehmerin kriegst du nicht mit, was im Hintergrund alles läuft. Der Einlass ist eine grosse Knacknuss und muss gestaffelt geschehen. Mit den verschiedenen Hilfsmitteln dauert das länger. Die Lifte im Bundeshaus sind klein. Unser Ziel ist, dass die Personen mit weiter Anreise eine späte Einlasszeit bekommen. Die Übersetzung in die Landessprachen stellen die Parlaments dienste sicher, die Gebärden-, LPC- und Schriftdolmetschung müssen wir selbst organisieren. Wir haben für den ganzen Tag Ruheräume, die zur Verfügung stehen, und eine längere Mittagspause, in der aber niemand das Gebäude verlassen sollte, da wie gesagt der Einlass gut koordiniert sein muss. Und sicherheitstechnisch müssen wir jeder Person, die im Notfall das Bun-
deshaus nicht selbstständig verlassen kann, eine Assistenz zur Seite stellen, die für die Evakuierung zuständig ist. Du siehst, ich habe zu tun. Welche Aufgaben hast du unterschätzt? Ich habe schon bei vorherigen Arbeitgebern Events organisiert, aber die Komplexität der Behindertensession ist schon immens. Womit ich nicht gerechnet habe, ist der Aufwand, um die Personen zu managen. Viele, die teilnehmen möchten, sind sehr engagiert und suchen den Kontakt, schreiben E-Mails oder rufen an, weil sie Fragen oder Anmerkungen haben. Das ist zum einen sehr schön, zum anderen aber auch mehr Aufwand als erwartet. Was kann die Behindertensession 2026 im besten Fall bewirken? Wir hoffen, dass wir den Themen, die im Parlament mit der Inklusions-Initiative beraten werden, noch mehr Gewicht verleihen können und unsere Stimmen gehört werden. Gleichzeitig denken wir auch an die nationalen Wahlen im Herbst 2027. Wir hoffen, dass einzelne Personen den Schwung aus der Behindertensession mitnehmen und sich trauen, für den Nationalrat zu kandidieren. Zuschauen Die Behindertensession wird am 21. Oktober 2026 im Livestream übertragen. proinfirmis.ch/session Paracontact I Herbst 2026
FOKUS
UNSERE ROLLSTUHLCLUBS
an nationalen Rennen, am slowUp im Jura und in Murten oder an Städtemarathons teil. Auch junge Handbikerinnen und Handbiker begeistern sich für den Sport. Der Nachwuchs ist gesichert.
CFR Jura In den letzten Jahren hat der CFR Jura eine erfreuliche Entwicklung durchlaufen: Die Zahl seiner Mitglieder ist stetig gestiegen und das Sport- und Freizeitangebot wurde vielfältiger. Clubpräsident Cédric Anker berichtet. Von Elvire De Tomi
Cédric Anker, der Multiple Sklerose hat, nutzt seit 2017 einen Rollstuhl. Er erlebte diese Zeit wie eine Wiedergeburt. Seine wiedergewonnene Mobilität ermöglichte es ihm, neue Projekte in Angriff zu nehmen. So wurde er 2018 Mitglied des CFR Jura und übernahm ein Jahr später dessen Vorsitz. Er fühlt sich nützlich und schätzt die wert volle Unterstützung der SPV. Zu SPV-Direktor Laurent Prince hat er ei nen guten Draht, und das nicht nur, weil sie beide aus dem Jura stammen.
zukrempeln, wir legen Wert auf unsere Unabhängigkeit, deshalb bevorzugen wir den lokalen Handel und kurbeln die Wirtschaft der Region an. Die Zusammenarbeit mit den Sponsoren ist gut», erklärt Cédric Anker. Zudem verzeichnen die Generalver sammlungen des Clubs, welche in Delémont, Porrentruy oder Les Breuleux stattfinden, konstant hohe Besucherzahlen, da sich alle eingebun den fühlen und respektiert und geschätzt werden.
Seit vier oder fünf Jahren hat der Club dank seiner Attraktivität kaum Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu gewinnen oder Ämter im Vorstand zu besetzen. Der Club vereint motivierte Menschen mit gutem Willen und viel Tatendrang. Und dann ist da noch diese jurassische Mentalität. «Im Jura sind wir es gewohnt, die Ärmel hoch-
Für jeden Geschmack Der CFR Jura hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Mitgliedern ein breites Spek trum an sportlichen Aktivitäten anzubieten, doch sein Aushängeschild ist zweifellos Basketball: Sein Basketballteam, die Jura Raptors, feiert viele Erfolge und spielte von 2024 bis 2025 in der ersten Liga. Nachdem die Raptors 2025 auf eigenen Wunsch in die B-Liga abgestiegen sind, stehen sie derzeit unter den Top 3 der Gesamtwertung und qualifizierten sich für das Finale des Schweizer Cups, das sie leider verloren. Dank der finanziellen Unterstützung von Sponsoren konnte der Club einen Kleinbus für das Basketballteam anschaffen, was die Logistik erleichtert.
DER CLUB IN KÜRZE – 106 Aktivmitglieder und 135 Passivmitglieder – gegründet 1989 – Basketballteam «Jura Raptors», Handbike, Tennis, Tischtennis, Discgolf, Boccia, SwissTrac-Ausflüge – politisches Engagement cfrjura.ch
Darüber hinaus bietet der Rollstuhlclub weitere Sportarten und Aktivitäten an, die für alle zugänglich sind, wie Tennis, Discgolf, Tischtennis oder Ausflüge mit dem SwissTrac. Für Letzteres bot ein ehrenamtliches Mitglied des Vereins Jura Rando an, gemeinsam mit dem Club inklusive Ausflüge zu organisieren, bei denen sich Perso nen im Rollstuhl und zu Fuss gemeinsam bewegen. Auch die kürzlich eingeführte Disziplin Boccia geniesst im Club bereits grosse Beliebtheit. Förderung der Inklusion Auf politischer Ebene arbeitet der CFR Jura eng mit den Gemeindebehörden. So ist er der vom Kanton eingesetzten Arbeits gruppe beigetreten, die sich mit der Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention in der Schweiz befasst. Ziel ist es, die Barrierefreiheit von Gebäuden und Infrastruktur in den Gemeinden zu verbessern und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in das gesellschaftliche Leben voranzutreiben. Der Club ist zudem dem Vorstand des «Forum Handicap Jura» beigetreten, einem Zusammenschluss von 25 jurassischen Verbänden, die sich alle für die Interessen von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Denn die weitere Förderung der Inklusion im Jura ist ein grosses Ziel des Rollstuhlclubs. Gemeinschaft am Jahresendessen
Auch Handbike hat einen hohen Stellenwert im Club. Mit Achilles, einer Gruppe motivierter Radfahrerinnen und Radfahrer, nehmen Clubmitglieder regelmässig
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FOKUS
FÜR SIE DA
Die Drehscheibe Sie ist ein Zahlenmensch, der Ordnung liebt und manchmal klare Ansagen machen muss: Das ist Ramona Engel, Leiterin Verbandsdienstleistungen. Von Peter Birrer
Am 1. Februar 2027 feiert Ramona Engel ein Jubiläum. Ein Jahrzehnt ihres Berufslebens wird sie dann bei der SPV verbracht haben – was für eine 33-Jährige beachtlich ist. «Ein gutes Zeichen», nennt sie das. «Leiterin Verbandsdienstleistungen» lautet ihr Titel, hinter dem sich eine ganze Menge verbirgt. Sie pflegt eine enge Kooperation mit den Verantwortlichen der 26 Rollstuhlclubs und achtet darauf, dass der Leistungsvertrag mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eingehalten wird. Jahresrechnungen, Revisorenberichte und Kursstunden der Clubs landen bei ihr und werden nach eingehender Prüfung ans BSV nach Bern weitergeleitet.
an: «Ich bin nicht immer die Geduldigste.» Hingegen mag sie Struktur und Ordnung – ihr Schreibtisch ist auch dann feinsäuberlich aufgeräumt, wenn sie vor Ort viel zu tun hat.
Sie mag Struktur und Ordnung «Gelegentlich muss ich streng sein und sanften Druck ausüben, um die Unterlagen fristgerecht zu erhalten», sagt Ramona Engel und fügt mit einem Augenzwinkern
Ihre Rolle in Nottwil ist heute eine andere als noch in den Anfängen. Nach ihrem Studium in Betriebsökonomie bewirbt sich Ramona Engel, die damals noch Wiss mit Nachnamen heisst, als Direktionsassisten-
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Oft funktioniert sie wie eine Drehscheibe. Werden Themen an sie herangetragen, kümmert sie sich darum, dass sie an die richtigen Stellen in der Organisation gelangen. Ausserdem trägt sie bei der SPV als Berufsbildnerin die Verantwortung für die Ausbildung von drei Lernenden, die zu ihrem Team mit den drei Kolleginnen am Empfang gehören. «Ich habe ein super Team», schwärmt sie.
tin. Als sie die Zusage erhält, wühlt sie das emotional so auf, dass sie am Telefon jubelt. Die verschiedenen Gesellschaften der Schweizer Paraplegiker-Gruppe beeindru cken sie seit jeher, und auf einmal ist sie Teil davon. Der Mensch ist stets im Zentrum Ihre Personalnummer wertet sie als Zeichen, dass sie an dieser Adresse goldrichtig ist: 8888 – eine Engelszahl, die der spirituell interessierten Frau gefällt. Mit der «8» verbindet sie Erfolg und Ausgeglichen heit. Sie sammelt erste Erfahrungen in der Arbeitswelt, bildet sich mit einem Master in «Public and Nonprofit Management» weiter und wechselt 2020 bei der SPV in ihre jetzige Funktion. Bei allem Flair für Zahlen rückt sie stets den Menschen ins Zentrum: «Es geht darum, unseren Mitgliedern die bestmöglichen Dienstleistungen zu bieten.»
Neben der Arbeit verbringt Ramona Engel viel Zeit mit Bewegung. Sie tanzt dreimal pro Woche, feilt im Sommer an ihrer Golftechnik und steht im Winter auf den Ski. Ausserdem ist sie eine leidenschaftliche Fasnächtlerin, eine «vergiftete Jasserin», wie sie selbst sagt – und eine Person, die gerne reist. Ihre Lieblingsdestination für ausgedehnte Ferien: Australien. Trotzdem bezeichnet sie sich nicht unbedingt als Abenteurerin. Wenn sie unterwegs ist, mag sie es ähnlich geordnet wie im Büro. Wie sagt sie so schön? «Ich betrete gerne Neuland, möchte aber nicht im Schilf stehen.» Paracontact I Herbst 2026
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Inspiriert von der Natur Die einzigartige HydraBalance™ Beschichtungs-Technologie für mehr Sicherheit1 und Natürlichkeit2 beim Katheterisieren. Bei Infyna Chic™ und VaPro™ Kathetern.
Mehr erfahren unter hollister.ch/hydrabalance 1. Hollister Klinische Studie, CLR-00847, 2021 2. Hollister Daten, TR-00643, 2023 Hollister, das Hollister Logo sowie HydraBalance, das HydraBalance Logo, Infyna Chic und VaPro sind Warenzeichen von Hollister Incorporated. © 2026 Hollister Incorporated.
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Die neue Definition von ultraleichter Faltperformance Entwickelt für aktive Nutzerinnen und Nutzer vereint der SOPUR QS7 X ein ultraleichtes Gewicht, ein kompaktes Faltmass und hohe Fahrperformance in einer neuen Generation faltbarer Aktivrollstühle. Kleiner faltbar. Leichter anzuheben. Einfacher fahren. Moderner Look. Jedes Detail dieser neuen Faltrollstuhlgeneration wurde neu entwickelt, um Ihnen eines zu bieten: Mehr Freiheit bei weniger Kraftaufwand.
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