Skip to main content

Sprachlupen 1 issuu

Page 1

Daniel Goldstein

Sprache im Gros und im Detail (I) «Sprachlupen» aus dem Berner «Bund» ab 2009, Teilausgabe; mehr unter: tiny.cc/lupen1 od. http://permalink.snl.ch/bib/sz991018101904703976, dort weiter zum Eintrag in den «digitalen Sammlungen», dann Download oder Öffnen; Links funktionieren nur im heruntergeladenen PDF.

Sprachlust Neuhausweg 1 CH-3063 Ittigen sprachlust.ch


2 Vorwort

Wie der Teufel vom Detail ins Gros kommt «Wil’s Detail bruucht für Ganzes z’mache, het K&W vil tuusig Sache.» So etwa lautete der Werbespruch einer Berner Eisenwarenhandlung vor vielen Jahrzehnten. Den Detailhandel hat sie inzwischen andern überlassen und sich aufs Engrosgeschäft zurückgezogen. Ihr Motto bleibt Anregung für einen sprachlichen Rückblick. Im Wort «Detail» steckt «tailler», also schneiden. Das Gros dagegen, ebenfalls aus dem Französischen, ist zwar nicht gerade das Ganze, aber entweder der Hauptteil (etwa einer Truppe) oder aber eine Masseinheit für den Handel mit grösseren Mengen: Das «kleine Gros» umfasst ein Dutzend Dutzend, also 144 Stück, und gehört laut Wikipedia noch zum Einzelhandel; Grossisten nennen das Zwölffache davon ein «grosses Gros». Auch in der Sprache braucht’s Details, um Ganzes zu machen. Die Kolumnen, die ich seit meiner Pensionierung als Redaktor der Berner Tageszeitung «Der Bund» dort alle zwei Wochen veröffentliche, gelten meistens einem Detail, in dem der Teufel steckt – auch wenn ich mich bemühe, nicht in kleinliche Sprachkritik zu verfallen, sondern erhellende Sprachbeobachtung zu treiben. Das lässt sich nicht immer trennen, aber mein Hauptaugenmerk gilt nicht den Fehlern – viele von ihnen sind ohnehin langweilig. Die Orthografiereform kümmert mich kaum noch (Anhang 1). Vielmehr geht es mir um Entwicklungen, die ich für zeittypisch halte. Soweit sie in Form von Fehlern auftreten, sind das oft solche, die früher oder später durch eine Anpassung der Regelwerke Absolution erhalten. Oft handelt es sich aber um neue Wörter oder Ausdrucksweisen, die sich – weil neu – nicht einfach als als richtig oder falsch einstufen lassen. Eher kann man sich dann über die Nützlichkeit oder die Schönheit auslassen, zum Beispiel beim Trend zu Anglizismen – seien es einzelne Wörter wie eben «Trend» oder ganze Redewendungen wie «zurück auf Feld 1». Dorthin muss man zum Umlernen beim Wort «Detail», denn wenn es den Handel betrifft, ist heute häufiger von «Retail»


Sprachlupen 1

3

die Rede. Beides sind Fremdwörter – mit dem Wechsel von Französisch zu Englisch ist kaum je etwas gewonnen, aber in der Schweiz ein Stück landessprachliche Verbundenheit verloren. So bleibt mir das Diner lieber als das Dinner; Letzteres hat weniger Niveau, auch wenn es auf höchstem Level zubereitet wird. Ein weiteres Reizthema dieser Jahre ist die Geschlechtergerechtigkeit – genauer: die Forderung von Sprachfeministen (beliebigen Geschlechts), das Maskulinum nicht mehr generisch als Personenbezeichnung ohne Ansehen des Geschlechts einzusetzen, sondern immer neutrale Bezeichnungen zu verwenden oder dann beide Genera bzw. eine typografische Mischform. Solche Regeln stur und durchgehend anzuwenden, erschwert das (Vor-) Lesen enorm, aber ebenso stur auf die (richtige) Feststellung zu pochen, grammatisches und biologisches Geschlecht seien nicht dasselbe, bringt die Diskussion auch nicht weiter. Viel interessanter scheinen mir Bemühungen, Gerechtigkeit und Geniessbarkeit miteinander zu vereinbaren. Ein Dauerthema sind auch die Besonderheiten des Hochdeutschen in der Schweiz: Wie viel Dialekteinfluss darf in welcher Art von Schriftstücken sichtbar sein? Und wie lassen sich die – als standardsprachlich anerkannten – Helvetismen erhalten, wenn deutsche Medien und deutsche Medienschaffende in der Schweiz immer mehr Einfluss auf die Sprachgewohnheiten nehmen? Unversehens werden bei all diesen Themen aus den Teufelchen im Detail des täglichen Sprachgebrauchs Teufel im Gros der Gegenwartssprache. Und so hoffe ich, dass sich diese Sammlung von Tageszeitungs-Kolumnen auch als Überblick über Entwicklungen des Deutschen im frühen 21. Jahrhundert nutzen lässt; das Themenverzeichnis soll dabei helfen. Daniel Goldstein, Boll, im Juni 2020 Informationen über verschiedene Möglichkeiten, meine E-Bücher auf den Plattformen E-Helvetica und Issuu zu lesen oder als PDF herunterzuladen, finden sich hier: sprachlust.ch/Wer. zu Inhalt oder Themen


4

Inhalt Nr.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29

Vorwort: Wie der Teufel vom Detail ins Ganze kommt Anhang 1: Kulturkampf ist fehl am Platz Grundversorger — ambulant und bernmobil Für Leserinnen: «Etwas zum Lesen» Für «Lesewese»: Lob des Notbehelfs Spaten sticht als längerer Hebel Sitzen Sie lecker in Ihrem Fell? Nichtregierung kümmert sich Englisch im Deutschpelz So lesen uns Deutsche gern Höhenflüge aus dem Korrektorat Diese neue Mode mit «diese» Bürgerliche Klappen und Ängste Armutsbetroffen mit und ohne Armut Momentum mal! Belastete Wörter meiden — oder entlasten Ein Loblied auf Ännchen von Kalau Die Sportsprache führt eins zu null Demut und Schöpfermut gegenüber Wanderwörtern Am Anfang war das richtige Wort Fachfrau Betreuung Fachrichtung Kinder Wer Krieg sagt, soll Krieg meinen Kann eine Katastrophe humanitär sein? Äpfel mit Birnen vergleichen — nur zu! Stehende Ovationen für neue Bundesrätinnen? Von Bandwürmern im Bündnerfleisch Falsche Freunde in der Personalindustrie Ehret das Hochdeutsch — als Ammensprache! Shprekken See Doitsh? Von einem, der auszog, Rotwelsch zu lernen Gefälschte Statistiken, die keine sind

S. 2 300 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66


Sprachlupen 1

30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59

5

Xmas steht für Cash, nicht Christus Die Nazikeule macht schmutzige Hände Wo die «Webseite» verboten ist Fünf Strombriefe in Sachen Netzplatz Mit den SBB nach Freiburg fahren Du kannst es: Wesentlich werden Sachlichkeit führt die Katastrophe vor Augen Sprachwahrer mit und ohne Fehlleistungen Wenn der Duden «Fehler» duldet Widerstand gegen «die Rebellen» Österreichisch ist nicht würdelos «Im Rosegarte z’Milano» Ganze Völker als kriminelle Sippen? Blütenlese aus dem Blätterwald Mit Gebärden lässt sich alles sagen Kommt Zeit, kommt Wort Wenn Wörter das Zeitliche segnen «Sloganizer, griffig wie der Schrecken» Fachwörter, zum Auslisten empfohlen Wahlkampfrhetorik im Kutteltest Sie lechzen rings, rechts wie links Brave Sprache im amtlichen Couvert Nachahmung befeuert sprachliche Mode Da fehlt nur noch die «Übergreisung» Ein Modewort kommt selten allein Hütet euch vor der Schokoladenseite! Wo das Gegenteil ebenfalls wahr ist Das Langleberisiko des Risikoveteranen Das Wachstum, das ins Gehirn einwächst Südliche Silbensalven sagen nur «äuä» Anhang 2: Zuschrift von Gerhart Wagner, Stettlen 60 Achtmal Gefahr für Schweizer Sprachen

68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 100 102 104 106 108 110 112 114 116 118 120 122 124 126 302 128

zu Inhalt oder Themen


6 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92

Rezepte gegen akustische Allergie Der Markt verwöhnt, der Markt verlangt Falsche Freunde und echte Fehler Reden übers Sterben – und über Hilfe dazu Die Sprachen der Regenbogennation Im Reich der Überzeugungsredner Was Schweizern 1892 Sprachschelte brachte Wie gross darf ein Quantensprung sein? Robert Walser-Zentrum, Robert-Walser-Strasse Was meint wohl Gott zu «Gottesteilchen»? Kiezdeutsch: Lassma so Dialekt machen Sprache ist (nicht) wie Algebra Drum prüfe, wer zu wenig bindet Sechs Fachpersonen suchen eine Leserin Transmenschen sind auch nur Menschen Je unverständlicher, desto wissenschaftlicher? Der irreführende Konjunktiv Anhang 3: Die «Würde-Doktrin» Gerechtigkeit für Friede und Wille ... Wo Steine hauchen und Kioske springen German up your English! Das Land, das wie eine Armee redet Wenn Wissenschafter Sprachpfleger rügen Von Fehlern, die es in sich haben «Bsunderi Aaforderige» an die Mundart Das Privileg des Totschlags Mehl im Brief und Regen in Spanien «Wahri Swissness» mit «Swatch Touch» Der Blogger, der den «Shitstorm» weckte Anglizismen zum Schwärmen und Stürmen Deutsch: Wer hat’s erfunden? Was lehrt uns der Waise Jun Do? Wir Armen haben nur ein einziges «wir»

130 132 134 136 138 140 142 144 146 148 150 152 154 156 158 160 162 304 164 166 168 170 172 174 176 178 180 182 184 186 188 190 192


Sprachlupen 1

93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122

7

Soll man Wörter beim Wort nehmen? Redensarten halten selten am Rhein an Dialektwelle ist falsch verstandene Swissness Der «böse» Duden und seine Quellen Als Modewort ist «Diskurs» ein Opfer Haben Pädophile Anspruch auf Schutz? Anhang 4: Freysingers Sprachakrobatik Willkommen daheim bei den Swingern Der Kader ist tot, es lebe die Kaderin! Auch im Senat ist Ruzzle faszinierend Anhang 5: Handyspiel Ruzzle (Abbildung) Geflügelte Worte fliegen weit vom Nest Poesie – die fünfte Schweizer Landessprache So steht die Schweiz im neuen Duden Ist sie schwanger, isst Tiermama mehr Deutsch ohne nationale Inbrunst Soll die Verfassung die Ehe definieren? An ihren Briefmarken sollt ihr sie erkennen Von der Mühe mit Deutschschweizern Hat der Regierungsrat Lohn verdient? Besser schreiben mit Adam Riese Auf den gleichen Nenner gebracht Heute noch Fehler, morgen schon Regel Verirrt im Land des Doppelsinns Nicht weiterlesen – lauter Tabuthemen Familienausflug mit dem Gegenschwäher Schimpfwörter aus dem Geschichtsbuch Der Homo dudens nervt den Homo ludens Mit Englisch in die Sprachlosigkeit? Kleider machen Menschen Schweizerdeutsch in die Bundesverfassung? Wörter ohne Existenzangst

194 196 198 200 202 204 306 206 208 210 307 212 214 216 218 220 222 224 226 228 230 232 234 236 238 240 242 244 246 248 250 252

zu Inhalt oder Themen


8 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144

Gut, gibt’s mehr als eine Grammatik! Lob des Versteher-Versteher-Verstehers C’est le geste qui compte Wie viel sind Sie wert? Von Äpfeln, Birnen und Zweitwohnungen Wir können alles, sogar Hochdeutsch Wo der Leerschlag ins Leere schlägt Mit Gottfried Keller im Keller der Sprache Wo der Appetit vor dem Essen vergeht Auf Deutsch lässt sich viel behaupten Rufst du, mein Abendland? Leichte Sprache — ganz schön schwer Blick aufs Ganze statt auf den Röstigraben Ist «Common Sense» gemeiner Unsinn? Lust und Last des Missverständnisses Die Welt per Brille und Vorstellung Helvetismen: Kein Grund für Theater Ein Stachel trifft den nervus helveticus Keine Narrenfreiheit für das Narrativ Politisch prägnant heisst oft polemisch Brand löschen mit Sauser im Stadium Wo die Zibele auf das Bütschgi trifft Zugabe: Vom Popel- und vom Sprachplaisir

254 256 258 260 262 264 266 268 270 272 274 276 278 280 282 284 286 288 290 292 294 296 298

Themen Amtliches (siehe auch Politik): 19, 24, 134 Anglizismen: 6, 21, 23, 25, 27, 30, 32, 33, 37, 48, 56, 63, 80, 86, 88, 89, 99, 126, 143 Bilder: siehe Redewendungen Bücher: 9, 17, 28, 40, 46, 65, 71, 76, 82, 90, 102, 103, 104, 106, 119, 120, 132, 135, Zugabe Framing (Suggestion, siehe auch Geschlechter): 58, 62, 92, 117, 141, 142


Sprachlupen 1

9

Fremdwörter (siehe auch Anglizismen): 48, 68, 98 Geschlechter: 2, 3, 39, 74, 91 Grammatik, Satzbau: 1, 8, 38, 40, 67, 77, 78, 83, 69, 71, 72, 76, 83, 113, 118, 123, 134, Anhang 3, Anhang 4 Helvetismen/Hochdeutsch: 8, 26, 44, 61, 67, 81, 84, 103, 104, 121, 123, 128, 139, 140 Korrektheit, «politische» (siehe auch Framing): 12, 14, 53, 75 Linguistik: 59, 60, 71, 82, 90, 92, 96, 106, 132 Literatur: 103 Medien – schriftliche siehe fast überall, mündliche: 21, 27, 61, Anhang 2 Modewörter (siehe auch Anglizismen): 10, 48, 52, 54, 97, 141 Politik, Recht: 11, 12, 14, 31, 32, 34, 41, 42, 49, 50, 51, 62, 64, 65, 85, 95, 98, 106, 107, 121, 127, 133, 135, 142, Anhang 4 Rechtschreibung: 73, 129, 131, Anhang 1 Redewendungen: 22, 23, 43, 52, 54, 55, 56, 79, 94, 102, 111, 112, 125 Schulen: 95, 125, 135, 139, 140 Schweizerdeutsch (siehe auch Helvetismen): 59, 60, 87, 94, 95, 109, 131, 144 Sprachspass: 101, 108, 114, Zugabe, Anhang 5 Sprachwandel: 4, 10, 13, 17, 19, 28, 45, 46, 48, 90, 116, 119, 130, 138 Statistik: siehe Zahlen Übersetzen: 5, 7, 25, 34, 41, 44, 63, 125, 136, Zugabe Wirtschaft, Werbung: 2, 30, 35, 47, 58, 62, 80 Wortwahl (siehe auch Framing, Modewörter): 9, 11, 13, 15, 18, 20, 21, 31, 36, 39, 49, 51, 57, 64, 66, 68, 70, 76, 93, 100, 105, 110, 115, 120, 122, 124, 133, 136, 137, 138 Zahlen: 29, 42, 111, 112, 127 Stichwortsuche und Links funktionieren nur im PDF und in der Online-Anzeige bei Issuu (tiny.cc/Sprachlupen); dazu Suchtipp. zu Inhalt oder Themen


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Sprachlupen 1 issuu by Goldsteins Sprachlust - Issuu