Hagenburg Schützenfestmagazin
MIT VOLLDAMPF IN DIE FÜNFTE JAHRESZEIT
Hagenburger feiern ihr Schützenfest
Ein Magazin der Schaumburger Nachrichten | Montag, 13. Juli 2015
Hagenburg
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Gerade ausgerufen: Die neue Sch端tzenk旦nigin Sabrina Lampe auf dem Weg, sich ihre Gl端ckw端nsche und die Scheibe abzuholen.
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Ausmarsch zum Volltreffer Joachim Schaer, Sabrina Lampe und Josha Lindemann triumphieren beim Königsschießen
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zung: „Der Schützenkönig heult mehr als die Schützenkönigin.“ Den zweiten Platz belegte Ralf Heuer (3/3/3/33 Ring) vor Andreas Klünker mit 3/3/3/33 Ring.
iesenjubel und Tumult – beinahe wäre die Königsproklamation als Teil des Ausmarsches der Schützengesellschaft Hagenburg-Altenhagen vorzeitig zu Ende gewesen. Woran es lag? Nicht am heftigen Gewitter, das noch während des Stechens auf Hagenburg und damit auch auf die Schützen vor ihrem Schützenhaus herunterrauschte. Diese zeigten sich unbeeindruckt – die im trockenen Schützenhaus ohnehin, und die anderen rückten einfach unter der großen Markise näher zusammen. Rechtzeitig zur Proklamation hatte es aufgehört zu regnen, der Himmel riss fast ein wenig auf, als hätte er geahnt, was folgte. „Das Wunder von Bern ist ein Dreck gegen das Wunder von Hagenburg“, stellte der Schützen-Offizier des Schießens, Thorsten Stünkel, später fest.
Joachim Schaer (von links), Sabrina Lampe und Josha Lindemann mit ihren Königsscheiben.
Trotzdem war es nur seinem entschlossenen Kommando zu verdanken, dass sich nicht der neue Schützenkönig Joachim Schaer seine Königsscheibe schnappen und an den Biertresen verziehen konnte. Bereits der Versuch ist strafbar: 0 Liter Freibier für die neue Majestät, doch der Schützen-Major wird es locker verschmerzen. Darin lag der Grund für den Tumult. Der erste Volltreffer nach 30 Jahren Anlauf mit 3/3 und 3 Ring, überwältigte nicht nur Jo-
achim Schaer, den Sproß aus der Hagenburger Schützen-Dynastie. Ihn herzten, umarmten und es gratulierten so viele Schützen, dass er in einer grünberockten Menschentraube verschwand und von Frank Lindemann sogar noch aus luftiger Höhe einen Schmatzer auf die Glatze verpasst bekam. Schaer schnappte sich die Scheibe, die sogar der Schützen-Oberst Karsten Vehling gerne für ihn gehalten hatte. Von Stünkel stammte auch noch die zweite, trockene Einschät-
Viel stiller, aber auch kräftig bejubelt, hatte sich zuvor Schützenkönigin Sabrina Lampe über ihren Erfolg gefreut. Sie sicherte sich die Scheibe mit 3/3 Ring, vor Monika Jürgens (3/32 Ring) und Karola Schweer (3/2 Ring). Jugendkönig wurde Joscha Lindemann (3 Ring), vor Michael Schaer junior mit 3/3/3 Ring und Malte Hendel mit 3/3/33 Ring. Den Titel der Schülerkönigin sicherte sich Kira Ventur vor Lukas Möller und Marlon Hoff. Philipp Robert Nülle siegte mit dem Lichtpunktgewehr bei den Kinderkönigen vor Jannis Miebs und Summer Melina Prickschat.
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Wir wünschen allen Hagenburger Schützinnen & Schützen „Gut Schuss“ in 2015!
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Die Zapfenstreicher kommen
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ine Stunde früher als üblich haben die Hagenburger Schützen ihre Zapfenstreicher von der Schmiede Schaer in Richtung Kirche zur Kranzniederlegung abmarschieren lassen. Leutnant Marc-Philipp Drewes führte den Zug. Die große Zahl der Ständchen und die lange Strecke hatte den Ausschlag für den früheren Beginn gegeben. Mit dem Schützen-Feldwebel Sven Beier hatte Drewes nach eigenem Be-
kunden, „den Besten, den es gibt“, an der Seite, um die Disziplin in der Truppe über die lange Strecke zu wahren. Bis zum Bürgermeister Josef Vorderwülbecke ging es zunächst, von diesem östlichsten Punkt der Strecke aus, steuerten der Spielmannszug, die Kapelle Wietersheim-Leteln und die Zapfenstreicher in einem großen Bogen durch den Ort das Festzelt an, vorbei an den Häusern der Schützenkönige, um dort die Scheiben aufzuhängen.
Herzlich willkommen zum Schützenfest in Hagenburg. Jetzt feiern wir erstmal mit Ihnen und danach beraten wir Sie wieder!
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Schmunzel Mit drakonischen Strafen hat sich der für die Disziplin zuständige Schützenhauptmann Frank Lindemann im Schützenfestgeschehen zurückgemeldet. Beim traditionellen Antreten des Schützenbataillons auf dem Sportplatz nahm
er nach einjähriger Abwesenheit besonders die Zapfenstreicher auf ’s Korn. Sie seien „ein wenig eingerostet“, befand er und verdonnerte die erste Reihe zu Liegestützen, die zweite Reihe zu Kniebeugen
und die dritte Reihe zu einer Runde um das Bataillon. Zum Vergnügen der zahlreichen Zuschauer rief Lindemann die Gruppe „Hagenburger Anhänger“ zu sich. Diese Schützen hatten eine Steinhuder Fahne entwendet und beim Ober-
zahlmeister gegen eine Hagenburger Fahne getauscht. Das ginge gar nicht, befand Lindemann schmunzelnd: „Eigentlich müsstet ihr dafür erschossen werden.“ Er beließ es als Strafe allerdings bei einer Runde um das Bataillon.
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nzelnd bestraft Besseres, namentlich einige Beförderungen, hatte anschließend der Major und Schützenkönig Joachim Schaer zu verkünden. Seine Kette sei so schwer, befand er, dass das Pferd ihn nicht lange tragen könne.
„Meine Kette ist so schwer, dass das Pferd mich nicht lange tragen kann.“
Doch bevor die Schützen den Umzug durch den Ort antraten, hatte der Schützen-Oberst Carsten Vehling gute Nachrichten zu verkünden. Zum ersten Abend waren nach der Proklamation und dem Zapfenstreich 230 Besucher zum Tanzen mit
der Band „Royal flash“ ins Festzelt gekommen. Eine Zahl, mit der auch Oberzahlmeister Oliver Grüttner zufrieden war. „Wir haben die Besucherzahl des Vorjahres gehalten“, sagte Vehling.
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Nachwuchs gesichert Er ist wieder da und lässt seine Mannen
nicht im Stich: Krankheitsbedingt musste Dirigent Peter Kuchar vom Zentralorchester Hagenburg im vergangenen Jahr passen. Doch diesmal wird er wieder, wie gewohnt, den Taktstock in der Hand halten. Kuchars Abwesenheit ließ im vergangenen Jahr Roman Reckling am Dirigentenpult eine vielbeachtete Premiere feiern. Für den 30jährigen, der in Hagenburg lebt, bot sich die Chance, viele seiner ehemaligen Kollegen vom Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr aus Hilden zu dirigieren. Der ehema-
Viele der Musiker kennen sich seit Jahrzehnten.
lige, erste Schlagzeuger des Klangköpers, in dem alle Bundeswehrmusiker ihre erste Ausbildung erhalten, macht Karriere. Im August 2013 schloss er die Ausbildung zum Fachoffizier mit dem Bachelor of Music an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf ab. Sein Ziel ist es, stellvertretender Leiter eines Musikkorps zu werden. Für kompetente Nachfolge ist also immer gesorgt, sollten die alten Hasen mal passen müssen. Zu den alten Hasen zählt natürlich nicht nur Dirigent Kuchar.
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Viele der Musiker kennen sich seit Jahrzehnten und sind heute im Musikkorps der Bundeswehr aktiv, beim Bundesgrenzschutz, beim Landespolizeiorchester sowie in Rundfunk- Theaterorchestern. Dazu kommen freiwillige Wehrpflichtige, Zeitsoldaten und Ehemalige der vorgenannten Orchester und auch befreundete Musiker aus der Umgebung, wie zum Beispiel der
Hagenburger Andreas Meyer, umtriebiger Musiklehrer des Ratsgymnasiums Stadthagen und Leiter einiger Ensembles. Die zum Wochenende versammelte musikalische Kompetenz führt dazu, dass nur wenige Proben ausreichen, nicht nur das gemeinsame Repertoire aufzufrischen, sondern auch stets einige neue Stücke einzuüben, neue Solisten einzubinden. Das Publikum lässt sich gern überraschen.
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Zu verdanken ist das musikalische Spektakel auf Profi-Niveau dem Hagenburger Michael Schaer, einst selbst Absolvent des Regellehrgangs in Hilden. Er lud seine Kameraden einst zum Schützenfest nach Hagenburg ein – das hat er nun davon: Getragen vom Engagement der Familie Schaer und viel Begeisterung rundherum erwuchs ein WochenendOrchester, das auch im vierten Jahrzehnt seines Bestehens immer noch zu begeistern weiß.
Sonntags 7.30 - 10.30 Uhr geöffnet.
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Feiern im Zeichen des WM-Sieges Das stand in den Schaumburger Nachrichten: Rückblick auf das Festkonzert 2014: Mit einem eigens komponierten „Festmarsch auf Hagenburg“ hat das rund 80 Musiker zählende „Zentralorchester Hagenburg“ die 35. Auflage des Festkonzertes zelebriert.
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or rund 100 Zuschauern im ausverkauften Festzelt zogen die Mannen wieder alle Register und rissen besonders in der zweiten Hälfte das begeisterte Publikum mit Klassikern wie zum Beispiel „Smoke on the Water“, der Titelmusik von „Bonanza“ sowie mit einem Schlagzeugsolo von den Sitzen. Schützenoberst Carsten Vehling hatte zuvor in seiner Rede als Gastgeber noch unter dem Eindruck des WMTitelgewinns die Schlagzahl vorgegeben: „Genau wie unsere Jungs zum Spieltag müssen wir zum
Schützenfest topfit sein – unser Trikot ist unsere Uniform!“ Samtgemeindebürgermeister Jörn Wedemeier staunte über den guten Draht der Hagenburger Schützen, das WM-Endspiel genau auf den Abend des Schützenfest-Sonntags gelegt zu haben: „Respekt, dass Ihr in einer solchen Liga mitspielt.“ Für Hagenburgs Bürgermeister Josef Vorderwülbecke bedeutete das Zusammenfallen von WM-Gewinn und Schützenfest ein „Gefühl wie Weihnachten“. Landrat Jörg Farr bat die Hagenburger Schützen um ein persönliches Training, um künftig das Gästeschießen mit mehr Erfolg bestreiten zu können.
Satter Sound: Nicki Pfeifle steigt mit seinem Alphorn auf den Tisch.
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Althergebrachte Geldwäsche Geldbeutelwaschen der Schützengesellschaft aus der Not geboren
Topfit, auch nach zwei Tagen Schützenfest, waren nicht nur die Schützen, sondern auch die Musiker. Sie mussten mit der krankheitsbedingten Absage des etatmäßigen Dirigenten Peter Kuchar einen prominenten Ausfall verkraften. Aber sein Vertreter Roman Reckling, der in Hagenburg wohnt, legte bei seiner Premiere am Pult im Festzelt eine tadellose Leistung hin. Ein eingestreutes „Don’t cry for me Argentina“ und „We are the champions“ trafen den Ton der Stunde und sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre. Sängerin Vanessa aus Rehburg-Loccum tat das mit solistischer Klasse ebenfalls, genau wie Nicki Pfeifle zunächst mit seinem Alphorn und anschließend im Duett mit „Ralf “. Beide servierten auf den Tischen stehend bajuwarische Stimmungsmusik. Wie in jedem Jahr fing Moderator Edi Klein die Begeisterung und die stehenden Ovationen im Zelt wieder ein und bündelte sie auf den traditionellen Abschluss: Märsche, Niedersachsenlied und Nationalhymne.
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eit mehr als sechs Jahrzehnten kennen die Mitglieder der Schützengesellschaft Hagenburg-Altenhagen es nicht anders: Auch wenn abends im Zelt längst abgetanzt und die letzte Schützenfest-Bratwurst im Magen gelandet ist, es gibt keine Schonung: Am Schützenfest-Dienstag, morgens um 10 Uhr, lädt der Festwirt zum Geldbeutelwaschen. Die letzten Scheine aus den Portemonnaies wandern in den wassergefüllten Zuber auf dem Hochbein – heutzutage mit etwas Plastik verstärkt – und werden anschließend auf einer Leine zum Trocknen aufgehängt. Zugegeben, es ist irgendwie eine althergebrachte Form von Geldwäsche, aber sie hat Sinn. Einkassiert wird das Geld letztlich vom Wirt, der etwas gegen den Hunger auf den Tisch zaubert. Heutzutage ist das alles gut geregelt. Gewünscht werden Pellkartoffeln und Matjes, die Getränkewahl ist allerdings jedem selbst überlassen. Nicht immer steht ein alkoholisches Getränk auf
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dem Tisch, am Übergang der fünften Jahreszeit in den Alltag sind wieder Cola oder Wasser gefragt. Morgens sind die Reihen noch stark gelichtet, einige Mitfeierer sind bereits wieder zur Arbeit unterwegs, andere – mit Urlaub oder freien Tagen gesegnet – lassen sich nach der letzten, langen Nacht noch nicht blicken. Oft steht aber gerade deren Tun im Mittelpunkt des Interesses, trägt zur Belustigung der Morgenrunde bei. Ein erstes Fazit der fünften Jahreszeit formuliert sich rund um die Tische aus. Die Frage „Wie war es diesmal?“ wird ungewollt mehrfach beatwortet. Dass einige Unentwegte sich auch am Dienstagmorgen immer noch im Feier-Modus befinden, wird deutlich, wenn die Tür des Gastzimmers aufgeht und eine Schar Grünberockter, meist noch irgendwie mir Birkengrün versehen, dazustößt und unter lauten Kommentaren den Obolus in den Zuber wirft. Mitten dazwischen befindet sich eine Schar abreisender Musiker des Zentralorchesters, die entweder mit den verbliebenen Schützen noch essen, oder nach einem schnellen Blick in die ausliegenden Tageszeitungen den Ort mit dem Wunsch verlassen, sich im nächsten Jahr wiederzusehen.
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Impressum Hagenburg Schützenfestmagazin | Ein Magazin der Schaumburger Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Vornhäger Straße 44, 31655 Stadthagen Redaktion: Marc Fügmann (verantwortlich) | Texte und Fotos: Jan Peter Wiborg | Anzeigen: Arne Frank (verantwortlich) | Grafik/Layout: Vera Elze
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