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Future of Food Systems
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Michael Lessmann
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Ritter Sport im Wandel: Michael Lessmann über Markenstärke, steigende Kakaokosten und Innovationen in Zeiten von Klimawandel und Konsumhypes.
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Editorial
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fokus.swiss
Christoph Minhoff
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Die Zukunft des Essens entscheidet sich heute
04 Landwirtschaft
ie werden wir uns in zehn Jahren ernähren? Vielleicht ist das gar nicht die entscheidende Frage. Viel wichtiger ist, ob wir in Deutschland und Europa noch die Bedingungen haben, unter denen die Lebensmittel von morgen entwickelt und produziert werden können. Wer wissen will, wie unser Essen 2036 aussehen könnte, findet heute schon erstaunlich viele Hinweise: Mikroalgen werden als neue Proteinquelle erschlossen, Fermentation eröffnet neue Möglichkeiten für Zutaten und Produkte, künstliche Intelligenz erkennt Qualitätsabweichungen in der Produktion oder prognostiziert, wie viele Backwaren am nächsten Tag tatsächlich gebraucht werden. Und die Verbreitung von GLP-1-Medikamenten führt bereits zur Entwicklung von Lebensmitteln für Menschen, deren Appetit und Ernährungsbedürfnisse sich verändern. Nicht alles davon wird sich durchsetzen. Aber genau darin liegt die Stärke einer innovativen Lebensmittelwirtschaft: Sie entwickelt viele Antworten – und am Ende entscheiden Verbraucherinnen und Verbraucher, was ihren Bedürfnissen entspricht. Wir werden individueller essen Denn diese Bedürfnisse werden vielfältiger. Unsere Gesellschaft altert. Haushalte werden kleiner. Lebensstile, Essgewohnheiten und gesundheitliche Anforderungen unterscheiden sich zunehmend. Gleichzeitig sollen Lebensmittel sicher, hochwertig, bezahlbar und nachhaltiger erzeugt sein – und selbstverständlich schmecken. Technologie hilft, diese Anforderungen miteinander zu verbinden. Doch ausgerechnet »Verarbeitung« wird gegenwärtig häufig kritisch diskutiert. Unter dem Schlagwort »hochverarbeitete Lebensmittel« entsteht mitunter der Eindruck, möglichst wenig Verarbeitung sei grundsätzlich der bessere Weg. Für die Ernährung der Zukunft wäre das ein fataler Fehlschluss. Verarbeitung macht Lebensmittel sicher und haltbar, erschließt Rohstoffe, ermöglicht Transport und Lagerung und schafft Vielfalt. Sie kann Lebensmittelverluste reduzieren und Produkte an besondere Bedürfnisse anpassen. Gerade in einer alternden Gesellschaft wird das wichtiger: Andere Portionsgrößen, eine angepasste Textur, eine hohe Nährstoffdichte oder leicht zuzubereitende Produkte können dazu beitragen, dass Menschen länger selbstständig leben und sich gut versorgen können.
Handel. Lebensmittelproduktion ist Teil der strategischen Infrastruktur unseres Landes. Und genau hier wird aus einer Debatte über Food-Tech eine Debatte über Standortpolitik.
KI verändert mehr als die Fabrik Auch künstliche Intelligenz verändert die Lebensmittelwirtschaft längst ganz praktisch. Ein deutsches Unternehmen lässt KI beispielsweise für Bäckereien und den Lebensmittelhandel berechnen, wie viele Brötchen, Kuchen oder andere frische Lebensmittel am nächsten Tag tatsächlich benötigt werden. Einbezogen werden Verkaufszahlen ebenso wie Wetter, Ferien oder lokale Veranstaltungen. Nach Angaben des Anbieters lassen sich so Lebensmittelverluste um bis zu 35 Prozent reduzieren. KI kann zudem Produktionsprozesse optimieren, bei der Entwicklung neuer Rezepturen helfen oder Qualitätskontrollen verbessern. Doch die nächste Veränderung steht bereits vor der Tür: Digitale Assistenten könnten künftig Produkte vergleichen, individuelle Vorlieben, Allergien, Nährwerte und Preise berücksichtigen und Einkaufsentscheidungen vorbereiten. Produktinformationen müssen dann nicht mehr nur für Menschen verständlich, sondern auch für Maschinen eindeutig lesbar sein. Resilienz braucht Produktion Eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln ist keine Selbstverständlichkeit. Pandemie, Kriege, gestörte Handelswege, volatile Rohstoffmärkte, Klimawandel und hohe Energiepreise haben gezeigt, wie schnell vermeintliche Gewissheiten ins Wanken geraten können. Resilienz bedeutet deshalb nicht, sich abzuschotten. Globale Lieferketten und internationaler Handel bleiben unverzichtbar. Aber ein resilientes Europa braucht auch eigene Produktions-, Forschungs- und Innovationsfähigkeit. Wer Lebensmittelversorgung sichern will, muss die gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben: Landwirtschaft, Verarbeitung, Logistik und
Innovation braucht Freiheit Deutschland und Europa haben hervorragende Voraussetzungen: starke Forschung, innovative Unternehmen, gut ausgebildete Fachkräfte, hohe Sicherheitsstandards und einen anspruchsvollen Markt. Orte, an denen Startups und etablierte Unternehmen gemeinsam neue Lebensmittel entwickeln und in Versuchsküchen zur Marktreife bringen können, zeigen, welches Innovationspotenzial vorhanden ist. Gleichzeitig erleben Unternehmen eine immer höhere Regulierungsdichte, langwierige Verfahren, nationale Sonderwege und politische Vorgaben, die Investitionen schwerer planbar machen. Natürlich müssen neue Technologien und Lebensmittel sicher sein. Aber Sicherheit und Innovation sind keine Gegensätze. Regulierung muss Risiken angemessen begegnen, ohne Chancen von vornherein zu verhindern. Denn Unternehmen investieren dort, wo sie Perspektiven sehen. Wenn innovative Verfahren andernorts schneller erprobt, zugelassen und skaliert werden können, entsteht die Wertschöpfung von morgen möglicherweise ebenfalls andernorts. Europa darf nicht den Anspruch haben, jede Innovation zuerst zu regulieren – und sich anschließend darüber wundern, wenn sie anderswo stattfindet. Deshalb brauchen wir Technologieoffenheit, verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Vertrauen in Forschung, Unternehmen und Verbraucher. Wie die Lebensmittelwirtschaft 2036 aussehen wird, kann heute niemand seriös vorhersagen. Sie wird digitaler und präziser sein, neue Rohstoffe nutzen und stärker auf individuelle Bedürfnisse reagieren. Und sie wird uns mit Produkten überraschen, an die heute noch niemand denkt. Ob diese Produkte auch in Deutschland und Europa entwickelt und hergestellt werden, ist dagegen keine Frage der Zukunft. Darüber entscheiden wir heute. Text Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer Lebensmittelverband Deutschland
06 Lebensmittelproduktion 08 Gastbeitrag: Prof. Dr. Markus Fischer 10 Interview: Michael Lessmann 12 Customer Centricity 14 Gastbeitrag: Godo Röben 16 Verpackung Smart Future of Food Systems. Verlag und Herausgeber
Smart Media Agency AG, Gerbergasse 5, 8001 Zürich, Schweiz CEO
Carl-Henrik Hagelberg Creative Director DACH Franziska Bredehorn Anzeigen Tabea Müller Text
Miriam Rauh, Katja Deutsch, Linda Carstensen, Vanessa Bulliard, Thomas Soltau, SMA Druckerei Handelsblatt Media Group GmbH
Viel Spaß beim Lesen! Tabea Müller Project Manager
Brandreport • Feast Ventures
Ernährung ist ein Investmentthema
Feast Ventures aus München investiert früh in Technologien, die Ernährung effizienter und gesünder machen – vom Saatgut bis zur Prävention. Die Partner Alexander Wiegelmann und Benedikt Stöckert erklären, worauf es Investor:innen ankommt.
Alexander Wiegelmann
Benedikt Stöckert Herr Wiegelmann, wo sehen Sie die größten Ineffizienzen entlang der Food-Wertschöpfungskette? Wiegelmann: Die größten Ineffizienzen liegen an den Schnittstellen zwischen Produktion und Nachfrage – etwa bei hohen Anlaufkosten,
Ressourcenverlusten oder fehlender Datenauswertung. Schon auf dem Feld gibt es Potenzial: Neue Züchtungstechnologien können Pflanzen klimaresilienter oder gezielt nährstoffreicher machen. Große Hebel sehen wir auch bei Rohstoffabhängigkeiten und ungenutzten Nebenströmen. Unser Portfoliounternehmen Planet A Foods ersetzt Kakao beispielsweise durch Sonnenblumenkerne und Hafer; ChoViva steckt in über 120 Produkten. AgTech und FoodTech konkurrieren mit KI, DeepTech oder Defense um Kapital. Eine unterschätzte Investmentchance? Wiegelmann: Ja, für unsere Investor:innen prüfen wir, wie aus messbarem Kundennutzen ein skalierbares, margenträchtiges und schwer kopierbares Geschäftsmodell wird. Der Datenreichtum in AgTech und FoodTech liefert dabei signifikante Mehrwerte. Vom Acker bis zum Regal gilt bei Feast Ventures: Substanz statt Story. Nicht jede technologische Entwicklung wird auch zu einem attraktiven Venture Case.
Herr Stöckert, wann wird »Food is Medicine« zum tragfähigen Markt? Stöckert: Unser Gesundheitssystem konzentriert sich noch stark auf Therapie, obwohl viele chronische Erkrankungen durch Prävention beeinflussbar sind. Ernährung ist dabei eine tragende Säule. Sensorik und digitale Anwendungen können individuelle Reaktionen auf Lebensmittel sichtbar machen und gezieltere Empfehlungen ermöglichen. Auch Versicherer interessieren sich dafür. Bei Novel Food können Zulassungsverfahren den Markteintritt erheblich verzögern. Wird Regulierung zum Standortfaktor? Stöckert: Unbedingt. Unternehmen brauchen klare Anforderungen und Planbarkeit. Technologien aus europäischer Grundlagenforschung suchen ihren ersten Markt teils außerhalb Europas, weil die regulatorischen Wege dort berechenbarer erscheinen. Damit verschenken wir Innovationskraft und Wertschöpfung.
Welche Entwicklungen werden das Food-System in Zukunft prägen? Stöckert: Kostendruck, Ressourcenknappheit, Technologie und ein stärker gesundheitsorientierter Konsum. KI verkürzt Produktentwicklung und verbessert Produktionsplanung. Sie verändert auch die physische Food-Wertschöpfung – von Nachfrageprognosen und Qualitätskontrolle bis zu autonomen Prozessen. Angesichts von Fachkräftemangel und Margendruck gewinnt Automatisierung an Bedeutung. Potenzial für unsere Investor:innen sehen wir zudem bei Präzisionsfermentation, Ressourceneffizienz, innovativen Inhaltsstoffen und personalisierter Ernährung. Weitere Informationen unter: feast.ventures
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#smartfutureoffoodsystems
RAPS • Brandreport
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Bild zVg
Die Zukunft der Food-Innovation
Die Lebensmittelindustrie steht vor einer doppelten Transformation: Während sich Food-Trends rasant verändern, stellen globale Erwärmung, Rohstoffverfügbarkeit, geopolitische Unsicherheiten und steigende Kosten die Branche vor immer neue Herausforderungen. Im Doppelinterview sprechen Dr. Oliver Ebneth, CEO von RAPS, und Agneta Hoffmann, CMO (Product & Marketing) darüber, wie Resilienz und Innovation zusammenspielen müssen, um ein zukunftsfähiges Food System zu gestalten. Sie zeigen, welche Erwartungen Konsument:innen künftig haben und wie sich diese mit Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit in erfolgreiche Lebensmittelinnovationen übersetzen lassen.
Dr. Oliver Ebneth CEO
Agneta Hoffmann CMO (Product & Marketing) Herr Dr. Ebneth, wie können Lebensmittelunternehmen ihre Rohstoffversorgung angesichts des Klimawandels und globaler Unsicherheiten langfristig sichern? Lebensmittelunternehmen waren schon immer mit natürlichen Rohstoffschwankungen konfrontiert, neu sind jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen: Klimawandel, geopolitische Unsicherheiten, regulatorische Hürden und steigende Energieund Produktionskosten beeinflussen Qualität, Verfügbarkeit und Preise. Die Rohstoffversorgung wird damit zur strategischen Managementaufgabe – auch bei Gewürzen, deren Qualität und Verfügbarkeit stark von bestimmten Anbauregionen abhängen. Es geht nicht mehr allein um den Preis, sondern um die langfristige Sicherung von Qualität und Versorgung. Dafür brauchen wir resilientere globale Lieferketten, beispielsweise durch langfristige Lieferantenbeziehungen, diversifizierte Herkunftsregionen, mehr Transparenz und datengestützte Prognosen. Nachhaltigkeit und Resilienz gehören dabei zusammen. Für Unternehmen geht es daher nicht nur darum, den eigenen Fußabdruck zu messen, sondern Rohstoffe auch gezielter und effizienter einzusetzen. Was sind die Kernkompetenzen eines Ingredient-Lieferanten wie RAPS? In einer Welt mit volatilerer Rohstoffverfügbarkeit gewinnt Rohstoffexpertise wieder an Bedeutung, denn neben Herkunft und Qualität spielen sensorische Eigenschaften und Verarbeitung in der Rezeptur eine entscheidende Rolle – gerade bei Gewürzen und botanischen
Rohstoffen! RAPS kommt historisch aus Gewürzen und Würzmischungen, entwickelt sich aber zunehmend zum breiter aufgestellten Lieferanten für Lebensmittelinhaltsstoffe. Ein wichtiger Treiber ist für uns daher die Verbindung von Rohstoffexpertise, technologischem Know-how bei der Verarbeitung und Applikationsverständnis. Gemeinsam mit einem tiefen Marktverständnis und hoher Kundenorientierung sind dies die Kernkompetenzen, die ein Ingredient-Lieferant künftig braucht. Wie kann Technologie dabei helfen, Rohstoffe klüger und effizienter zu nutzen und die Resilienz der Lebensmittelindustrie zu stärken? Technologie hilft dabei, natürliche Rohstoffe effizienter zu nutzen, wertgebende Bestandteile gezielt einzusetzen und Qualitätsschwankungen besser zu beherrschen. RAPS nutzt dafür unter anderem die CO₂-Extraktion, um konzentrierte, standardisierte Inhaltsstoffe aus Pfeffer, Ingwer oder Kurkuma zu gewinnen. Die Mikroverkapselung schützt sensible Inhaltsstoffe, erhöht ihre Stabilität und ermöglicht eine kontrollierte Freisetzung im Endprodukt. Technologie muss Lebensmittel also nicht futuristischer machen, sondern kann natürliche Rohstoffe intelligenter nutzbar machen. Dabei denken wir bei RAPS Resilienz und Kosten gemeinsam. Angesichts des Kostendrucks versuchen wir, kritische Abhängigkeiten zu erkennen, Lieferquellen zu diversifizieren, und durch Technologie, Standardisierung und Skalierung unsere Effizienzpotenziale zu erschließen. Zukunftsfähigkeit bedeutet für uns, auf Veränderungen schnell und gezielt reagieren zu können. Frau Hoffmann, wie können Unternehmen frühzeitig erkennen, welche Ernährungstrends langfristiges Potenzial haben? Die Trendzyklen in der Lebensmittelbranche werden immer kürzer, wobei Social Media die Entstehung neuer Food-Trends massiv beschleunigt. Für Unternehmen wird es dadurch immer schwieriger, kurzfristige Hypes von langfristigen Entwicklungen zu unterscheiden. Beispiele sind Matcha, Hot Honey, Swicy (Sweet & Spicy) oder neue Crunch-Effekte. Eine sehr große Rolle spielt heute das multisensorische Erlebnis: Geschmack, Textur, Mundgefühl, Aussehen, Geruch und auch der Sound prägen die Produktwahrnehmung. Um Trends frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen, brauchen Unternehmen bessere
Consumer Insights, Social Listening und datenbasierte Entscheidungsprozesse. Denn bei Innovation zählt nicht allein eine schnellere Entwicklung, sondern vor allem, schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vertrautheit und gleichzeitig Offenheit für globale Geschmackswelten – in welche Richtung verändern sich denn nun die Geschmacksvorlieben der Konsument:innen? Je schneller Trends wechseln, desto stärker zeigt sich auf der anderen Seite das Bedürfnis nach Vertrautheit und Tradition. Wir sehen das im Wunsch nach Comfort Food, regionaltypischen Geschmacksprofilen und vertrauten Gerichten. Innovation bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, ständig etwas völlig Neues zu erfinden, es reicht ein neuer Geschmack in einem vertrauten Produkt, eine neuartige und spannende Textur oder ein Hauch von exotischen Gewürzen. Denn auch globale Geschmacksprofile bleiben uns erhalten. Und das ist aus meiner Sicht eine langfristige Veränderung. Konsument:innen werden geschmacklich internationaler – aber auch spezifischer. Aus Asiatisch und Mexikanisch wird: Koreanisch, Vietnamesisch, Japanisch, Sichuan, Chamoy, Gochujang, Miso, etc. Authentische, cross-regionale Konzepte werden uns daher in Zukunft wieder häufiger im Regal begegnen, ob als Kimchi-Mayo, Miso-Butter oder Ähnliches. Globale Geschmackswelten werden zunehmend Teil unseres kulinarischen Alltags. Welche Rolle spielt das Thema Longevity bei Ihnen? Health & Wellbeing bleibt ein wichtiger Markttreiber – mit einer Entwicklung von »Less Bad« zu »More Good«. Neben weniger Zucker, Salz und gesättigten Fetten gewinnen positive Nährwertprofile an Bedeutung. Getrieben von Longevity, einem generell stärkeren Bewusstsein für Ernährungsqualität und der besseren Verfügbarkeit funktioneller Inhaltsstoffe, geht es immer mehr darum, sein persönliches Nährwertprofil gezielt zu optimieren. Protein bleibt relevant, während Ballaststoffe langfristiges Potenzial bieten. Zugleich rückt ernährungsphysiologische Vielfalt in den Fokus, eine ausgewogene Ernährung mit vielfältigen pflanzlichen Quellen und unterschiedlichen Nährstoffen. Wesentlicher Erfolgsfaktor bleibt aber nach wie vor der Geschmack. Die Herausforderung für Lebensmittel- und Ingredient-Hersteller besteht also darin, Gesundheit und Funktionalität mit Genuss, Geschmack und
ansprechender Textur zu verbinden. Nur so entstehen Produkte, die ernährungsphysiologisch überzeugen und langfristig erfolgreich sind. Und wie entstehen Innovationen im Ingredient-Bereich? Innovationen entstehen nicht nur aus Konsumentenbedürfnissen, sondern zunehmend auch aus Rohstoffthemen. Reformulierungen, alternative Rohstoffe und die Nutzung von Nebenströmen gehören bereits zum Alltag. Technologien wie Fermentation, Extraktion, Enzyme und Mikroverkapselung helfen, Rohstoffe effizienter zu nutzen, Geschmack zu optimieren und natürliche Schwankungen auszugleichen. Auch KI unterstützt fundierte Innovationsentscheidungen, indem sie Consumer Insights mit Marktund Entwicklungsdaten verknüpft, Trends erkennt und Rezepturoptimierungen ermöglicht. Bei RAPS arbeiten verschiedene Bereiche eng zusammen, um Produkte zu entwickeln, die Verbraucherbedürfnisse erfüllen, sensorisch und technisch überzeugen sowie regulatorisch umsetzbar, skalierbar und wirtschaftlich sind. Was können wir künftig zuverlässig, nachhaltig und wirtschaftlich produzieren – und was werden Konsument:innen in den kommenden Jahren wahrscheinlich kaufen und essen wollen? Die größten Innovationen werden vermutlich nicht aus einem dieser Bereiche allein entstehen. Das eigentliche Potenzial liegt in ihrem Zusammenspiel – und darin, bessere Produkte zu entwickeln, die mehrere Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen. Dafür braucht es Konsumentenverständnis, Rohstoffexpertise, Technologie, Applikationsverständnis und resiliente Beschaffung. Weitere Informationen unter: raps.com
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Landwirtschaft
#smartfutureoffoodsystems
Landwirtschaft zwischen Klimadruck und wirtschaftlichem Wandel
Klimawandel, knappe Ressourcen und volatile Märkte setzen die Landwirtschaft unter Druck. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien, angepasste Anbaumethoden und widerstandsfähigere Lieferketten neue Perspektiven. Die Herausforderung: Lebensmittel verlässlich und wirtschaftlich produzieren, ohne die natürlichen Ressourcen zu überlasten.
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Wirtschaftlichkeit bleibt entscheidend Ob neue Anbaumethoden, digitale Technik oder resilientere Lieferketten: Der Wandel muss sich für die Betriebe rechnen. Dafür braucht es Investitionsspielräume, verlässliche Absatzmärkte und eine faire Verteilung von Kosten und Risiken. Denn die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich nicht allein auf dem Feld, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
ie groß der Handlungsdruck ist, zeigt die Erntebilanz 2026: Nach Schätzungen des Deutschen Bauernverbandes vom August dieses Jahres lag die Getreideernte in Deutschland bei 41,9 Millionen Tonnen – rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Hektarertrag bei Winterraps sank sogar um 20 Prozent. Zugleich erschweren Trockenheit, Starkregen und Spätfröste die Planung. Laut Deutschem Wetterdienst blühen Apfelbäume und Raps heute rund 20 Tage früher als vor 50 Jahren. Besonders im Obstbau steigt damit das Risiko von Spätfrostschäden. Neue Wege auf dem Feld Wie sich Betriebe anpassen können, zeigt beispielsweise Landwirt Thomas Domin aus Brandenburg. Bereits seit 2014 setzt er auf Agroforst: Baumreihen bremsen den Wind, schützen seine Felder vor Bodenerosion und helfen, Feuchtigkeit im Boden zu halten. Auch Zwischenfrüchte, vielfältige Fruchtfolgen und schonende Bodenbearbeitung tragen zum Bodenschutz bei. Neue Kulturen wie Sorghum oder Kichererbsen bieten zusätzliche Optionen – und moderne Züchtungsverfahren können Pflanzen widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit machen. Mit Daten Ressourcen sparen Satelliten, Sensoren und GPS-gesteuerte
1 www.bauernverband.de/pressemitteilungen/ bauernverband-erntebilanz-2026-48670
Bild Unsplash/Getty Images
Maschinen ermöglichen einen gezielteren Einsatz von Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Feldroboter können Unkraut bekämpfen, künstliche Intelligenz wertet Wetter-, Boden- und Ertragsdaten aus. So lassen sich Ressourcen sparen und Arbeitsabläufe optimieren. Allerdings erfordert diese Technik Investitionen. Und ob sich diese rechnen, hängt von Betriebsgröße, Infrastruktur und konkretem Nutzen ab. Versorgung breiter absichern Nicht nur die Landwirt:innen, auch Lebensmittelindustrie und Handel müssen
2 www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/erntebilanz-120.html
umdenken. Globale Lieferketten bieten Zugang zu unterschiedlichen Märkten, sind aber anfällig für Krisen und Probleme beim Transport. Regionale Produktion stärkt die heimische Wirtschaft, bleibt jedoch Wetterrisiken ausgesetzt. Eine breitere Streuung der Bezugsquellen, zum Beispiel durch einen Mix aus verschiedenen Herkunftsregionen und langfristigen Lieferverträgen, kann die Versorgung stabilisieren. Zugleich steigen die Anforderungen an Agrarrohstoffe: Neben Qualität und Preis zählen auch zunehmend Herkunft, Umweltbilanz und Rückverfolgbarkeit.
www.landwirtschaft.de/umwelt/klimawandel/auswirkungen-auf-die-landwirtschaft/ auswirkungen-des-klimawandels-auf-dielandwirtschaft-chancen-und-risiken
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4 naturschutzberatung-brandenburg.de/ windschutz-gleich-naturschutz-zu-besuchauf-agroforstflaechen-bei-senftenberg/
agriculture.ec.europa.eu/ vision-overview/digitalisation_en
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6 agriculture.ec.europa.eu/common-agricultural-policy/agri-food-supply-chain/ensuringglobal-food-supply-and-food-security_de
Text Miriam Rauh
Brandreport • KWS
Food Innovation beginnt beim Saatgut Wenn bereits pflanzliche Rohstoffe die Eigenschaften mitbringen, die nicht nur Landwirt:innen, sondern auch Lebensmittelhersteller:innen benötigen, eröffnet dies ganz neue Möglichkeiten. Im Interview erläutert Karen Ilsemann, Lead of R&D Food Ingredients bei KWS, welche Chancen damit für die gesamte Wertschöpfungskette verbunden sind.
Karen Ilsemann Lead of R&D Food Ingredients, KWS Food Innovation wird meist vom fertigen Produkt her gedacht. Warum sollte man früher ansetzen? Der Ansatz ist im Grunde genommen naheliegend: Wenn bereits die Rohstoffe die gewünschten Eigenschaften für das Endprodukt mitbringen, müssen diese später nicht erst in der Verarbeitung erzeugt werden. Deshalb betrachten wir bei KWS die gesamte Wertschöpfungskette, vom Saatgut bis zum Lebensmittel. Wir nennen das »Good Seed, Good Food« und möchten mit unserer Züchtungskompetenz Mehrwerte schaffen, die über die Landwirtschaft hinausgehen. Bisher standen bei der Züchtung Ertrag, Resistenzen und Anbausicherheit im Vordergrund. Ändert sich das? Diese Anforderungen bleiben unverzichtbar. Neu ist, dass wir bei der Selektion von Sorten zusätzlich die Bedürfnisse der Lebensmittelindustrie und der Verbraucher:innen berücksichtigen. Denn Geschmack, Textur oder Proteinzusammensetzung können für das
Wir müssen weg vom reinen Kettendenken, bei dem jeder nur seinen eigenen Abschnitt optimiert, hin zu einem Ökosystem. Endprodukt entscheidend sein, auch wenn sie auf dem Feld keine unmittelbare Rolle spielen. Wir müssen beide Perspektiven mitdenken. Ein Proteinshake stellt andere Anforderungen als ein hybrides Fleischprodukt. Wie lässt sich das züchterisch berücksichtigen? Wir müssen frühzeitig klären, welche Funktionalitäten Hersteller:innen benötigen. Ein möglichst neutraler Geschmack beispielsweise ist für viele Anwendungen interessant. Andere Anforderungen sind hochspezifisch. Eine Erbsensorte, die sich für einen Shake eignet, muss nicht die richtige für ein hybrides Fleischprodukt oder eine Backware sein. Wie kann Züchtung Eigenschaften gezielt verändern? Das Prinzip kennen wir von Kartoffeln: Für Püree eignen sich andere Sorten als für
Salzkartoffeln. Ähnlich können wir durch klassische Kreuzung und Selektion bei Erbsen über mehrere Jahre bestimmte Eigenschaften verbessern, sodass Verarbeitungsschritte wie eine zusätzliche Hitzebehandlung entfallen können. Dies verkürzt den Produktionsprozess und schont Ressourcen. Die Entwicklung neuer Sorten dauert Jahre. Woher wissen Sie heute, was die Lebensmittelindustrie in Zukunft braucht? Indem wir Partnerschaften aufbauen und in den Dialog gehen. Wir müssen konkrete Anforderungen verstehen, aber auch größere Entwicklungen wie Megatrends antizipieren. Das ist für uns nicht neu: KWS gibt es seit 1856, und auch in der klassischen Züchtung müssen wir vorab einschätzen, was die Landwirtschaft in zehn oder fünfzehn Jahren benötigt. Gleichzeitig
verfolgen wir verschiedene Ansätze, um auf Veränderungen reagieren zu können. Was bedeutet das für die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette? Wir müssen weg vom reinen Kettendenken, bei dem jeder nur seinen eigenen Abschnitt optimiert, hin zu einem Ökosystem. Unter unserem Leitgedanken »Good Seed, Good Food« bringen wir die Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammen. Mit unserer Züchtungsexpertise schaffen wir die genetischen Grundlagen, auf denen Partner aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Lebensmittelentwicklung innovative Produkte entwickeln können. So entsteht Innovation entlang der gesamten Kette – vom Saatgut bis zum Lebensmittel. Weitere Informationen unter: kws.com
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Deutsches Weininstitut • Brandreport
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Neue Impulse für den Weingenuss: Entalkoholisierte Weine aus Deutschland Ein neuer Zeitgeist verändert die Weinwelt: Um das volle Potenzial heimischer entalkoholisierter Weine zu erschließen, startet das Deutsche Weininstitut (DWI) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) die bundesweit erste generische Informationsoffensive: »Dein Moment. Dein Wein.« Zwei Brancheninsider:innen sprechen im Experteninterview über den Wandel vom Pioniergedanken hin zur eigenständigen Produktkategorie. Wiederkaufrate sehen wir teilweise noch Potenzial – und die hängt eng damit zusammen, wie gut die Produkte schmecken.
Prof. Dr. Simone Loose Leiterin Institut Wein- und Getränkewirtschaft Frau Prof. Dr. Loose, die Nachfrage nach entalkoholisiertem Wein boomt, macht aktuell aber erst 2 Prozent des Gesamtmarktes aus. Welche Zielgruppen treiben dieses Wachstum vor allem an und wie viel Potenzial steckt aus Sicht der Forschung noch in dieser Nische? Das Interesse zieht sich durch die gesamte Breite der Weinkonsument:innen: Es reicht von älteren, erfahrenen Weintrinker:innen bis zu Einsteiger:innen. Die entscheidende Frage ist, ob aus Neugier ein regelmäßiger Kauf wird. Bei der
Was möglich ist, zeigen entalkoholisierte Schaumweine. Sie erreichen im Sektmarkt bereits einen Anteil von mindestens acht Prozent und legen weiter deutlich zu. Ihr Vorteil ist die Kohlensäure: Sie kann den fehlenden Alkohol sensorisch besser ausgleichen. Das zeigt, welches Wachstumspotenzial auch bei entalkoholisierten Stillweinen durch geschmackliche Verbesserungen erschlossen werden kann. Welche wissenschaftlichen Daten gibt es zur sensorischen Akzeptanz von entalkoholisiertem Wein, und welche Hürden muss die Branche bei der Produktentwicklung laut Ihren Studien noch überwinden? Die Marktzahlen zeigen: Das Interesse an entalkoholisiertem Wein übersetzt sich erst zum Teil in ausreichende Wiederkäufe. Die sensorische Akzeptanz ist dabei
ein zentraler Ansatzpunkt. Alkohol prägt das Geschmackserlebnis eines Stillweins wesentlich. Wird er entzogen, verändern sich Aromatik, Körper und Balance. Die Branche arbeitet deshalb intensiv an der Auswahl geeigneter Grundweine, an der Aromen-Rückgewinnung und an schonenderen Verfahren zur Entalkoholisierung. Bei diesem noch jungen Produkt wird viel dazugelernt. Durch andere Grundweine, den gezielten Einsatz von Hefen und optimierte Verfahren erwarte ich in den nächsten Jahren weitere deutliche Qualitätsfortschritte.
Bernhard Jung Geschäftsführender Gesellschafter Carl Jung GmbH Herr Jung, 1907 erfand Ihr Großvater die Vakuumdestillation für Wein. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Pionierverfahren nach über 100 Jahren plötzlich im Zentrum einer völlig neuen Weinkultur steht? Es macht stolz und zugleich spornt es uns an, für seine Idee weiterzukämpfen. Mein Großvater war ein Visionär: Als er vor über 120 Jahren das Vakuumverfahren zur Entalkoholisierung und die Aroma-Rückgewinnung erfand und patentieren ließ, galt er als absoluter Außenseiter in der Branche. Er musste seine Idee immer wieder verteidigen – besonders gegenüber Winzerkolleg:innen, die im alkoholfreien Wein eine Gefahr sahen. Dabei eröffnen diese Produkte einen neuen, zusätzlichen Absatzmarkt. Erst jetzt, dank verändertem Konsumverhalten und dem Wunsch nach bewusster Ernährung ohne Verzicht, rücken alkoholfreie Weine und Sekte stärker in den Fokus. Als Produzent kennen Sie die Herausforderungen in der Praxis: Mit welchen handwerklichen und technischen Stellschrauben gelingt es Ihnen heute, den Verlust des AlkoholGeschmacksträgers auszugleichen und höchste Qualität ins Glas zu bringen? Die Techniken zur Entalkoholisierung und zum Aromaerhalt wurden in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Die größte Stellschraube ist jedoch der verwendete Grundwein: Nur aus einem geeigneten Grundwein kann ein guter alkoholfreier Wein entstehen.
Bild Unsplash/Alexandra Marta
In Zusammenarbeit mit Weinerzeugern und Universitäten wie der Hochschule Geisenheim wird erforscht, wie die Typizität der Rebsorten und ihrer Aromatik auch nach der Entalkoholisierung bestmöglich erhalten bleibt. Hier ist wieder echtes Winzerhandwerk gefragt – und es zeigt sich, dass auch alkoholfreier Wein in erster Linie ein Naturprodukt ist.
Wissenswertes über entalkoholisierte Weine Herstellung und Bezeichnungen: Kein Saft, sondern echtes Handwerk Entalkoholisierte Weine sind kein Traubensaft, sondern durchlaufen zu Beginn die vollständige klassische Weinbereitung. Erst im Anschluss wird der Alkohol durch schonende physikalische Verfahren – wie die Vakuumdestillation – entzogen. Laut EU-Recht gelten klare Bezeichnungen und Grenzwerte: Als »alkoholfrei« dürfen Produkte mit einem Restalkoholgehalt von unter 0,5 Volumenprozent deklariert werden. Die Angabe »0,0 Prozent« ist Weinen mit unter 0,05 Volumenprozent vorbehalten. Bei Schaumweinen geht durch den Alkoholentzug oft Kohlensäure verloren. Diese wird für das typische Prickeln meist nachträglich wieder zugesetzt. Sensorischer Genuss und richtige Vorbereitung im Glas Da Alkohol als Trägerstoff für Aromen und Fülle fehlt, wirken entalkoholisierte Weine oft schlanker und säurebetonter. Erzeuger begegnen dem durch die Auswahl ausdrucksstarker Rebsorten (wie Riesling oder Sauvignon Blanc) und eine feine Süße-Säure-Balance. Damit sich die Aromen optimal entfalten, verdienen sie beim Servieren dieselbe Aufmerksamkeit wie klassischer Wein: Weiß- und Roséweine entfalten sich ideal bei 8–10 °C, während Schaumweine bei 6–8 °C serviert werden sollten. Im bauchigen Weinglas mit verengter Öffnung und mit etwas Zeit im Glas zeigt die eigenständige Kategorie ihr volles Potenzial.
Dabei eröffnen diese Produkte einen neuen, zusätzlichen Absatzmarkt. Weitere Informationen unter: deutscheweine.de
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Lebensmittelproduktion
#smartfutureoffoodsystems
Das neue Rezept der Fabrik
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ebensmittelproduktion ist ein Massengeschäft mit wenig Spielraum für Fehler. Rund 6000 Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie erwirtschafteten 2025 nach endgültigen Zahlen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) 240,8 Milliarden Euro Umsatz. Preisbereinigt stagnierte der Umsatz. Die Unternehmen müssen also produktiver werden, während Rohstoffpreise schwanken und der Handel zuverlässig beliefert werden will. Für eine überwiegend mittelständisch geprägte Industrie ist das keine kleine Aufgabe.
Produktion wird anpassungsfähiger Deshalb verändert sich der Blick auf die Fabrik. Lange ging es bei Automatisierung vor allem darum, einzelne Arbeitsschritte schneller oder mit weniger Personaleinsatz zu erledigen. Inzwischen rückt die Fähigkeit in den Mittelpunkt, während der Produktion flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV entwickelt dafür adaptive Systeme, die Inline-Sensorik mit KI-gestützter Prozesssteuerung verbinden. Gerade bei Lebensmitteln ist das relevant. Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel, Getreide nicht gleich Getreide: Natürliche Rohstoffe bringen Schwankungen mit, auf die eine Produktionslinie reagieren muss. Sensoren erfassen Prozessdaten direkt in der Anlage. KI-gestützte Analysesysteme können helfen, Abweichungen zu erkennen und
Einstellungen anzupassen. Es geht also nicht um eine Fabrik, die plötzlich selbst denkt. Interessant ist, dass sie schneller auf das reagieren kann, was tatsächlich in der Produktion passiert. Daten verbinden die Prozesskette Der wirtschaftliche Nutzen wächst, wenn solche Informationen nicht an der nächsten Maschine enden. Vom Rohstoffeingang bis zur Verpackung fallen Daten an, die bislang häufig in getrennten Systemen liegen. Werden sie sinnvoll verbunden, lassen sich Produktionszustände genauer beurteilen. Auch die Qualitätssicherung kann näher an den laufenden Prozess rücken. Das Fraunhofer IVV arbeitet etwa an Sensorlösungen, die relevante Prozessparameter kontinuierlich erfassen. Für Unternehmen kann das helfen, Ausschuss zu begrenzen oder Reinigungsprozesse gezielter zu steuern. Automatisierte Dokumentation erleichtert zudem die Nachvollziehbarkeit. Roboter ziehen auf Fachmessen zuverlässig die Blicke auf sich. Im Produktionsalltag können unscheinbare Prozessdaten allerdings wertvoller sein. Damit bekommt Digitalisierung auch für die Resilienz der Lebensmittelproduktion Gewicht. Weicht ein Rohstoff von den erwarteten Eigenschaften ab oder läuft eine Anlage nicht im Soll, zählt Reaktionsgeschwindigkeit. Vernetzung ersetzt weder Vorräte noch alternative Lieferanten. Sie kann Unternehmen aber mehr Spielraum verschaffen, vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen.
Neue Verfahren erweitern das Angebot Parallel verändert sich, was Lebensmittelhersteller produzieren können. Extrusion ist keineswegs neu. Teigwaren oder Snacks werden seit Langem auf diese Weise hergestellt. Zusätzliche Bedeutung bekommt das Verfahren durch alternative Proteine. Unter dem Einfluss von Wasser, Temperatur und mechanischer Beanspruchung lassen sich pflanzliche Proteine gezielt strukturieren. Das Fraunhofer IVV entwickelt solche texturierten Proteine vom Labor- bis zum Pilotmaßstab. Auch Fermentation eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Mikroorganismen können Eigenschaften pflanzlicher Ausgangsstoffe gezielt verändern. Das Fraunhofer IVV untersucht beispielsweise, wie sich unerwünschte Aromakomponenten und antinutritive Substanzen abbauen lassen. Zugleich können sich sensorische und funktionelle Eigenschaften verbessern. Wie schnell sich ein Produktfeld entwickeln kann, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 2025 wurden in Deutschland 124 900 Tonnen Fleischersatzprodukte hergestellt. Das waren 1,2 Prozent weniger als 2024. Gegenüber 2019 hat sich die Produktionsmenge jedoch mehr als verdoppelt. Der Produktionswert lag 2025 bei 632,6 Millionen Euro. Klassisches Fleisch verschwindet deshalb nicht vom Teller. Für Hersteller ist vielmehr ein zusätzliches Produktfeld entstanden, das andere Anforderungen an Rohstoffe und Verfahren stellt.
Bild Unsplash/Arno Senoner
Deutschlands Lebensmittelindustrie steht unter Druck, effizienter zu produzieren und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Automatisierung und KI eröffnen dafür neue Möglichkeiten. Zugleich erweitern Verfahren wie Extrusion und Fermentation das Spektrum der Produkte. Doch der größere Hebel liegt in einer Produktion, deren einzelne Schritte besser zusammenspielen.
Was sich für Hersteller rechnet Der nächste Entwicklungsschritt dürfte deshalb weniger von einer spektakulären Einzeltechnologie abhängen. Ein Roboter löst noch kein Produktionsproblem, nur weil er einen Greifarm besitzt. Auch KI entfaltet ihren Nutzen erst dort, wo ausreichend gute Daten vorhanden sind und daraus eine sinnvolle Reaktion folgt. Für Lebensmittelhersteller verschiebt sich damit die Investitionsfrage. Interessant ist nicht, möglichst viel Technik in eine Halle zu stellen. Entscheidend ist, wo Automatisierung Kosten senken oder die Qualität stabilisieren kann. Neue Verfahren müssen sich wiederum im industriellen Maßstab rechnen. Am Ende zählt eine ziemlich nüchterne Größe: Löst die Technik ein konkretes Problem besser als bisher? Für die Lebensmittelindustrie dürfte genau daran entschieden werden, welche Innovationen aus Versuchsanlagen tatsächlich in den Fabrikalltag kommen. Text Thomas Soltau
Brandreport • Food Consulting GmbH
Was Qualitätsmängel ein Unternehmen wirklich kosten Ein Rückruf kostet selten nur die Ware. Gesperrte Chargen, Nacharbeit, Lieferverzögerungen und Reklamationen belasten die Marge oft schon lange vorher. Neue bildgebende Verfahren verlagern einen Teil der Qualitätsprüfung deshalb direkt in die Produktion.
Daniel Denker Geschäftsführer der Food Consulting GmbH Der Rückruf ist nur die sichtbare Rechnung Auf dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de erschienen 2025 insgesamt 323 Meldungen, seit dem Start 2011 mehr als 3100. Häufige Gründe sind Krankheitserreger, Fremdkörper und Rückstände. Kosten entstehen vor und nach einem Rückruf: Vernichtung, Sonderlogistik, Nachverhandlungen mit dem Handel und Schäden an der Marke. Nicht jede Rückrufursache lässt sich bildgebend erkennen. Bei Fremdmaterial, Materialabweichungen und bestimmten Qualitätsparametern kann die Kontrolle jedoch näher an den Prozess rücken. Wenn Prüfergebnisse zu spät kommen Viele Betriebe prüfen bis heute stichprobenartig im Labor. Das Ergebnis liegt Stunden oder Tage später vor, wenn die Ware längst verpackt ist, und ein einzelner Befund entscheidet über ganze Chargen. Gesperrte Bestände binden Kapital. Wirtschaftlich zählt deshalb
Ein einziger vermiedener Rückruf refinanziert die Investition oft mehrfach. jede Information, die schon während der Produktion vorliegt. Hinzu kommen Standards wie IFS Food und BRCGS: Sie fordern risikobasierte Prüf- und Kontrollsysteme sowie belastbare Nachweise über deren Wirksamkeit. Ein Fingerabdruck aus Licht Eine klassische RGB-Kamera erfasst drei breite Farbkanäle. Eine Hyperspektralkamera misst in jedem Bildpunkt Dutzende bis Hunderte Wellenlängen, auch jenseits des sichtbaren Lichts. Jedes Material reflektiert Licht auf eigene Weise. So werden Fremdmaterialien oder veränderte Produkteigenschaften erkennbar, die sich anhand von Farbe und Form nur schwer unterscheiden lassen. Das Ulmer Unternehmen Cubert entwickelt seit 2012 Snapshot-Hyperspektralkameras. Anders als zeilenbasierte Systeme nehmen sie eine komplette Szene mit Spektralinformationen in einer einzigen Aufnahme auf. Das ermöglicht Messungen in Echtzeit, auch bei unregelmäßig bewegten Produkten. Was die Marge stärkt Über die Sicherheit hinaus liegt ein
wirtschaftlicher Hebel in der Prozesssteuerung. Hyperspektrale Bildgebung kann je nach Produkt beispielsweise Informationen über Feuchte, Fett- oder Proteingehalt liefern. Liegen solche Werte schon in der Linie vor, lassen sich Trocknung oder Mischung schneller anpassen. Weniger Ausschuss und Nacharbeit sowie eine stabilere Ausbeute wirken direkt auf die Marge. Ergänzung statt Ersatz Hyperspektrale Bildgebung analysiert vor allem Oberflächen und oberflächennahe Materialeigenschaften. Sie ergänzt bestehende Prüfverfahren dort, wo spektrale Materialinformationen zusätzliche Erkenntnisse liefern. Für tief im Produkt liegende Fremdkörper bleiben Röntgen- oder Metalldetektionssysteme notwendig. »Ein einziger vermiedener Rückruf refinanziert die Investition oft mehrfach«, sagt Daniel Denker, Geschäftsführer der Food Consulting GmbH. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung in Produktionswerken der Lebensmittelindustrie und bringt die
Technologie mit Cubert in die Fertigung. Der Weg dorthin bleibt überschaubar: Machbarkeitsstudie am realen Produkt, Integration in die Linie, Qualifizierung der Teams. Je früher eine Abweichung messbar wird, desto eher lässt sich reagieren, bevor aus einem Qualitätsproblem ein Kostenproblem wird. Welche Anwendungen bereits produktionsreif sind, zeigt Denker am 2. November 2026 auf der 49. Lemgoer Arbeitstagung Fleisch & Feinkost in Lemgo. Food Consulting GmbH: Management Partner für Exzellenz – Unternehmensberatung für Produktion, Managementsysteme und Technologieintegration in der Lebensmittelindustrie. www.food-consulting.com Cubert GmbH, Ulm: SnapshotHyperspektralkameras und Analysesoftware. Weitere Informationen unter: cubert-hyperspectral.com/de/ wissen/food-consulting/
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GELITA AG • Brandreport
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Mehr als »High Protein«: Wie funktionelle Lebensmittel unsere Ernährung revolutionieren Proteinriegel, funktionelle Shakes und Vitamingummis versprechen mehr als reine Sättigung. Doch was bringen sie uns wirklich? Dr. Peter Hill, CEO von GELITA, erklärt, wie Kollagenpeptide das Thema Healthy Aging prägen, worauf es beim Proteintrend wirklich ankommt – und warum Innovationen am Ende auch schmecken müssen.
Dr. Peter Hill CEO von GELITA
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in Blick in die Supermarktregale zeigt: Ernährung verändert sich radikal. Während Verbraucher:innen früher vor allem Produkte wollten, die schmecken, satt machen oder wenig Fett und Zucker enthalten, steht heute ein viel tieferer Wunsch im Vordergrund: die eigene Gesundheit aktiv zu unterstützen und möglichst lange fit und leistungsfähig zu bleiben. Diesen Wandel beschreibt GELITA anhand zweier Konzepte: Passive Health optimiert vertraute Lebensmittel, indem beispielsweise der Zuckergehalt reduziert oder der Proteingehalt angehoben wird. Das Produkt bleibt in seiner Kernfunktion unverändert, wird jedoch ernährungsphysiologisch aufgewertet. Active Health hingegen setzt auf Inhaltsstoffe mit einem gezielten, wissenschaftlich untersuchten Nutzen wie beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe oder bioaktive Kollagenpeptide. Funktionelle Inhaltsstoffe finden sich heute längst nicht mehr nur in klassischen Nahrungsergänzungsmitteln, sondern zunehmend auch in Getränken, Joghurts, Riegeln oder Fruchtgummis. So wird die Vorsorge nahtlos und ohne neue Routinen Teil der täglichen Ernährung. Healthy Aging: Investition in gesunde Lebensjahre Besonders beim Thema Healthy Aging zeigt sich, was heute von Ernährung erwartet wird. »Es geht nicht um ein abstraktes ›länger leben‹, sondern um möglichst viele gesunde, aktive und selbstbestimmte Lebensjahre«, betont Peter Hill. Denn gesundes Altern entsteht aus dem Zusammenspiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf und weiteren Lebensstilfaktoren. Die Ernährung liefert dem Körper Energie sowie essenzielle Nährstoffe und Bausteine, die den Bewegungsapparat funktionsfähig halten. Oft wird jedoch unterschätzt, dass Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder als Einheit zusammenarbeiten müssen, um Mobilität und Schmerzfreiheit zu gewährleisten. Zudem beginnt eine wirksame Prävention
Heute fragen die Menschen, was ein Lebensmittel aktiv zu ihrem Wohlbefinden, ihrer Leistungsfähigkeit und einem möglichst langen, selbstbestimmten Leben beitragen kann.
– Dr. Peter Hill CEO, GELITA AG
deutlich früher, als viele annehmen. Da der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Bindegewebsstrukturen schleichend verläuft, ist eine rechtzeitige Anpassung von Bewegung und Ernährung eine langfristige Investition in das spätere Wohlbefinden. Protein-Trend: Es zählt mehr als die Menge Ein weiterer zentraler Pfeiler der aktuellen Ernährungsdebatte ist der anhaltende Protein-Trend. Angetrieben wird dieser von der Fitnessbewegung, dem Healthy-Aging-Gedanken, dem Gewichtsmanagement und nicht zuletzt von GLP-1-basierten Abnehmtherapien, bei denen eine adäquate Eiweißzufuhr entscheidend ist, um den unerwünschten Abbau von Muskelmasse zu verhindern. Aber: »Ein Produkt ist nicht allein deshalb ernährungsphysiologisch hochwertig, weil auf der Verpackung ›High Protein‹ steht«, erläutert der GELITA-CEO. Proteine unterscheiden sich in ihrer Aminosäurezusammensetzung, ihrer biologischen Wertigkeit und ihrer Funktion im Körper. Verbraucher:innen sollten daher zunächst überlegen, was sie konkret unterstützen wollen und dann gezielt darauf achten, welche Proteine sie zu sich nehmen. Als das mit Abstand am häufigsten vorkommende Eiweiß des menschlichen Körpers nimmt Kollagen hierbei eine einzigartige Sonderrolle ein. Es verleiht Knorpel, Knochen, Sehnen, Bändern und der Haut Stabilität und Elastizität. Hill stellt klar: »Kollagenpeptide füllen das körpereigene Kollagen nicht einfach wie einen leeren Tank wieder auf.« Vielmehr kombinieren sie zwei wesentliche Funktionen: Sie stellen dem Körper kollagentypische Bausteine bereit und geben den Zellen gezielte Impulse für körpereigene
Aufbauprozesse. In der Fachwelt unterscheidet man zwischen Bioverfügbarkeit, also der Aufnahme im Körper, und Bioaktivität, der Fähigkeit, eine konkrete biologische Reaktion im Zielgewebe auszulösen. Die Evidenz dieser Wirkweise ist durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. So zeigte eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von Zdzieblik et al. (2021) an 180 körperlich aktiven Personen mit belastungsbedingten Knieschmerzen nach zwölf Wochen mit täglich fünf Gramm spezifischer Kollagenpeptide eine statistisch signifikant stärkere Schmerzreduktion als in der Placebogruppe. Auch im Beauty-Bereich liegen Studienergebnisse vor: Eine Studie von Proksch et al. (2014) an 114 Frauen zeigte bei täglicher Einnahme von 2,5 Gramm der bioaktiven Kollagenpeptide VERISOL® nach acht Wochen eine signifikante Reduktion des Augenfaltenvolumens sowie eine gesteigerte Bildung von Prokollagen Typ I und Elastin. Entscheidend ist dabei: Studienergebnisse zu Kollagenpeptiden lassen sich nicht beliebig übertragen. Sie beziehen sich auf das jeweils untersuchte Peptidprofil, das Zielgewebe und die eingesetzte Dosierung. Genuss als Erfolgsfaktor Damit funktionelle Produkte im Alltag dauerhaft genutzt werden, müssen sie neben ihrer physiologischen Wirkung vor allem geschmacklich überzeugen. »Wenn es nicht schmeckt, funktioniert es nicht«, bringt Dr. Hill es auf den Punkt. Denn an funktionelle Lebensmittel stellen Verbraucher:innen dieselben Ansprüche hinsichtlich Geschmacks, Textur und Mundgefühl wie an jedes andere Produkt. Die Integration hoher Proteinmengen oder Wirkstoffdosen stellt die Lebensmitteltechnologie jedoch vor Herausforderungen,
da Produkte trocken werden oder ihre Textur verlieren können. GELITA unterstützt Hersteller:innen deshalb bei der Rezepturentwicklung, damit etwa ein Proteinriegel weich bleibt oder ein Getränk trotz seines hohen Wirkstoffanteils gut schmeckt. Die Zukunft der Ernährung gehört somit weder kurzfristigen Marketingtrends noch isolierten Nährstoffversprechen. Gefragt sind durchdachte, funktionelle Produkte, die drei Bedingungen gleichzeitig erfüllen. Sie enthalten einen Wirkstoff in einer Dosis, die in Studien untersucht wurde. Sie passen ohne Aufwand in den Tagesablauf. Und sie schmecken so gut, dass Verbraucher:innen sie gerne wieder kaufen. Erst in dieser Kombination leisten funktionelle Lebensmittel einen nachhaltigen Beitrag zu einem Alltag, der Mobilität, Gesundheit und Lebensqualität langfristig unterstützt.
GELITA mit Hauptsitz in Eberbach und über 20 Standorten weltweit ist ein global tätiger Spezialist für Kollagenproteine für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Die Produkte und das technologische Know-how des Unternehmens ermöglichen die Herstellung vielfältiger Alltagsprodukte, von Kapseln über funktionelle Getränke und Riegel bis hin zu Fruchtgummis. GELITA beliefert Kund:innen und Marken weltweit. Zum Portfolio gehören auch Kollagenpeptide: kurze Aminosäureketten, die durch enzymatische Spaltung aus Kollagen gewonnen werden. Spezifische Kollagenpeptide können biologische Prozesse im Körper anregen. Dank ihrer guten Löslichkeit lassen sie sich leicht als Inhaltsstoffe in Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel integrieren. Weitere Informationen unter: gelita.com
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Gastbeitrag • Prof. Dr. Markus Fischer
fokus.swiss
Wie können Wirtschaft und Verbraucher:innen vor Lebensmittelbetrug geschützt werden? Lebensmittelbetrug oder Lebensmittelverfälschung (engl. food fraud) umfasst nicht nur die absichtliche Umetikettierung oder falsche Kennzeichnung von Billig- bis Premiumprodukten, sondern auch die Streckung mit minderwertigen Zutaten. Der weltweite Handel mit gefälschten oder verfälschten Lebensmitteln liegt dabei im zweistelligen Milliardenbereich.
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mehrere molekulare Ebenen zusammenzufassen (data fusion), um am Ende ein umfassenderes Abbild erzeugen zu können.
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u den wichtigsten Fragen gehören die Überprüfung der geografischen Herkunft, der biologischen Identität oder der Produktionsweise (bio vs. konventionell) von Lebensmittelrohstoffen. Der einfachste und kostengünstigste Weg, solche Parameter zu kontrollieren, ist die Überprüfung von Frachtdokumenten oder Rechnungen (Prinzip der Rückverfolgbarkeit, traceability). Dieser Ansatz hat sich jedoch oft als unzureichend erwiesen. Zudem führen viele Verfälschungen nicht zwangsläufig zu optisch wahrnehmbaren Veränderungen und werden daher gar nicht bemerkt. Zudem können die extrem globalen Lieferketten solche Kontrollen erschweren. Daher sind neue Ansätze erforderlich, um die Anfälligkeit für Lebensmittelbetrug zu verringern. Wie könnte eine Lösung aussehen? Zu den möglichen Optionen gehören Blockchain-Technologien, spezielle Marker oder Labels (z. B. GS1-128-Strichcode und QR-Codes) sowie Funksender (RFID-Systeme), um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. In der Regel können diese Schutzmaßnahmen nicht direkt im Lebensmittel, sondern lediglich auf der Verpackung angewendet werden. Sie verbessern dadurch zwar die Sicherheit, können jedoch mit einem gewissen Aufwand untergraben werden. Objektive analytische Ansätze könnten hier eine Lösung bieten. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass »moderne Fälscher:innen« in vielen Fällen über eine wissenschaftliche Ausbildung verfügen und in der Lage sind, die Effizienz, aber auch die Grenzen moderner Analysemethoden einzuschätzen. Auch können Produkte so »angepasst« werden, dass es immer schwieriger wird, die Fälschung aufzudecken. Insgesamt sollten die Hürden für Fälschende so weit erhöht werden, dass die Kosten der Fälschung finanziell und/oder intellektuell nahezu unüberwindbar werden. Dazu müssen Strategien und Technologien entwickelt
werden, die eine schnelle Stichprobenanalyse ermöglichen. Solche Ansätze müssen einerseits kosteneffizient anwendbar sein und andererseits zuverlässige Ergebnisse liefern. Wie kann Betrug experimentell erkannt werden? Falls der Betrug »gut gemacht« wurde, ist dieser zumindest für Verbraucher:innen nicht unmittelbar zu erkennen. Für eine eindeutige Entscheidung sollte sowohl im Rahmen der innerbetrieblichen Qualitätskontrolle als auch der behördlichen Überwachung experimentell ein systemweites und fälschungssicheres molekulares Profil der jeweiligen Probe – ein sog. molekularer Fingerabdruck – erstellt werden, indem alle relevanten molekularen Ebenen (DNA, Proteine, Metabolite, Elemente/Isotope) im zugrundeliegenden biologischen System (Pflanze, Tier) experimentell erfasst werden. Das atomare und molekulare Muster definiert dabei auf einzigartige Weise sowohl die Beschaffenheit des Rohmaterials als auch dessen Herkunft. Moderne Omics-Technologien sind analytische Ansätze, bei denen möglichst viele Moleküle gleichzeitig und hypothesenfrei erfasst werden, um ein Lebensmittelprofil (food profile) zu erstellen. Zur Erstellung dieser
»Lebensmittelprofile« eignen sich die Genomik, die Proteomik und die Metabolomik. Zusätzlich zu diesen molekularen Ebenen lässt sich das Bild durch die Erfassung von Element- und Isotopenprofilen (Isotopolomik) weiter verfeinern. Worin liegen spezifische Herausforderungen und mögliche Grenzen? Analytische Methoden werden hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit und Auflösung bewertet. Je besser diese Parameter der verwendeten Methoden und Geräte sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Übereinstimmungen oder Unterschiede auch bei sehr ähnlichen Objekten eindeutig identifizieren zu können. Molekulare Momentaufnahmen werden in der Regel mit hochauflösenden Spektrometern oder im Falle der DNA mit Next-Generation-SequencingGeräten (NGS) erstellt. Die gewonnenen molekularen Fingerabdrücke werden in eine Datenbank eingespeist und können dann direkt zum Vergleich herangezogen werden, ähnlich wie bei der forensischen Daktyloskopie. Da es sich dabei um sehr große Datensätze handelt, sind entsprechende computergestützte Programme und leistungsfähige Rechner erforderlich. Aktuelle Entwicklungen beruhen auf Algorithmen, die zudem in der Lage sind,
Alternativ können auf der Grundlage dieser Daten rechnerisch etwaige Unterschiede zwischen Probenpopulationen im Vorfeld extrahiert werden. Nach dieser Datenreduktion liegt der Fokus ausschließlich auf den Unterschieden und nicht mehr auf dem Gesamtbild, was technisch in der Folge wesentlich weniger aufwendig und damit insgesamt kostengünstiger ist. Moderne Authentifizierung beruht auf einem Abgleich mit Vergleichsproben (Referenzen). Die Referenz muss absolut zuverlässig sein, da alle Auswertungen auf einem Vergleich mit einer Referenzprobe basieren. Das jeweilige Referenzmaterial muss dabei vor Ort verlässlich in Eigenregie oder über vertraglich verpflichtete Agenturen akquiriert werden. Soweit die Theorie – aber was ist sonst noch wichtig? Die meisten zur Lebensmittelauthentifizierung verwendeten Technologien stammen ursprünglich aus dem medizinisch-diagnostischen Bereich oder sind von angrenzenden Disziplinen wie der Forensik inspiriert. In der Regel beschränken sich entsprechende Analysen auf wenige Matrices wie Blut, Urin, Faeces oder Speichel. Authentifizierungsverfahren müssen dagegen für nahezu jedes Lebensmittel spezifisch entwickelt und auch validiert werden, was im Vergleich dazu einen erheblichen finanziellen und auch zeitlichen Aufwand bedeutet und wiederum von einzelnen Institutionen nicht geleistet werden kann. Um diese Thematik umfassend beantworten zu können und damit insgesamt die Lebensmittelsicherheit zu steigern, ist am Ende eine umfangreiche Zusammenarbeit von Überwachung, Forschung und Industrie erforderlich. Text Prof. Dr. Markus Fischer HAMBURG SCHOOL OF FOOD SCIENCE, Universität Hamburg
Brandreport • Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V.
Lebensmittelforschung, die ankommt Die von kleinen und mittleren Unternehmen geprägte deutsche Lebensmittelwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Um diese zu bewältigen, sind Forschung und Innovationen entscheidend.
Dr. Georg Munz Geschäftsführer Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. (FEI)
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er Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. (FEI) organisiert anwendungsorientierte, vorwettbewerbliche Forschungsprojekte deren Ergebnisse nicht einzelnen Unternehmen, sondern ganzen Branchen zugutekommen. Seit seiner Gründung 1953 unterstützt der FEI die gemeinsame, industrienahe vorwettbewerbliche Forschung über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Als Forschungsvereinigung der deutschen Lebensmittel- und Getränkewirtschaft ist er
für sämtliche Branchen tätig. Sein Netzwerk verbindet fast alle Unternehmen und Verbände der Lebensmittelindustrie, des Lebensmittelhandwerks und der Zulieferindustrie. Auch der Maschinen- und Anlagenbau ist eingebunden. „Der FEI versteht sich als Vertreter der Forschungsinteressen der deutschen Lebensmittelwirtschaft. Bei uns treffen die Forschungsbedarfe der Wirtschaft auf die Forschungskapazitäten der öffentlichen Forschungseinrichtungen. Der FEI steht dabei allen Unternehmen offen – jederzeit und zu jedem Forschungsanliegen“, sagt Dr. Georg Munz, Geschäftsführer des FEI. Die aussichtsreichsten der gemeinsam konzipierten Forschungsvorhaben werden vom FEI im Programm der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) zur Förderung beantragt. Das europaweit einzigartige, themenoffene und vorwettbewerbliche Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie (BMWE) ermöglicht insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu praxisnaher Forschung. Der FEI hat zentrale Zukunftsthemen als Innovationsfelder identifiziert und ordnet seine IGF-Projekte diesen zu. Dazu zählen neue Technologien, künstliche Intelligenz und Digitalisierung, Energieeffizienz, neue Rohstoffquellen, Prozess- und Produktqualität, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz, die Herausforderungen des Klimawandels sowie gesundheitlicher Mehrwert, Qualitätssicherung, Verbraucherschutz und die Optimierung von Wertschöpfungsketten. Der FEI koordiniert jährlich etwa 100 laufende Forschungsprojekte mit rund 120 beteiligten Forschungseinrichtungen, darunter Hochschulen, Bundes- und Landesforschungseinrichtungen sowie weitere öffentliche und private Institute. Die auf dieser Seite vorgestellten
Arbeiten von Herrn Prof. Fischer wurden teilweise im Rahmen von durch den FEI koordinierten Forschungsprojekten durchgeführt. 2025 waren in den laufenden Projekten 1025 Firmen, davon 633 KMU, engagiert – das entspricht etwa einem Sechstel der ca. 6000 Unternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie. Damit aus Forschung Fortschritt wird, setzt der FEI auf Wissenstransfer: Tagungen, Fachpublikationen und der direkte Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft unterstützen die Übertragung neuer Erkenntnisse in die betriebliche Praxis. Das Ergebnis: Lebensmittelforschung, die ankommt. Mehr über den FEI: fei-bonn.de
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Fuchs Gruppe • Brandreport
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Mehr Würze im Leben Gut gewürzt schmeckt jedes Gericht besser. Doch auch bei Gewürzen gibt es Trends. Was gerade angesagt ist und warum es sich lohnt, fünf verschiedene Pfeffersorten zuhause zu haben, erzählt Stefan Feldkämper, Marketing Director Retail bei der Fuchs Gruppe.
Heimatregion Osnabrück. Die Stiftungsstruktur gibt uns Sicherheit, Stabilität und die Freiheit, langfristig in die Zukunft zu investieren.
Stefan Feldkämper Marketing Director Retail, Fuchs Gruppe Herr Feldkämper, Salz und Pfeffer hat ja so ziemlich jede und jeder zuhause. Doch was sind die aktuellen Gewürztrends? Genau, Salz und Pfeffer hat wirklich jeder zuhause – aber Pfeffer ist nicht gleich Pfeffer! Und damit kommen wir zum ersten Trend, der »Premiumisierung«. Konsument:innen achten zunehmend auf die Herkunft, bevorzugen besondere Sorten gegenüber Standardsorten und legen Wert auf erstklassige Qualität. Der zweite Trend greift den Wunsch nach gelingsicherem Ausprobieren neuer Geschmackswelten auf. Dabei stehen vor allem Gewürzmischungen im Mittelpunkt, die aktuelle Food-Trends, Crunch-Erlebnisse und internationale Küchen wie die koreanische aufgreifen und diese für Verbraucher einfach zugänglich machen. Wie verändern diese Trends den Gewürzmarkt? Die beiden genannten Trends halten schon seit ein paar Jahren an und haben die Gewürzregale ziemlich umgekrempelt – und sind zugleich wichtige Wachstumstreiber. Gerade Mischungen bieten Köch:innen zuhause einen echten Mehrwert: Sie ergänzen klassische Gewürze wie Paprika und Curry und inspirieren zu neuen Geschmackserlebnissen. Im Premiumsegment spielen Herkunft und Qualität eine besonders wichtige Rolle. Ein Beispiel dafür ist Pfeffer, den wir über unsere Tochtergesellschaft in Brasilien direkt von den Landwirt:innen beziehen. Worauf achten Konsument:innen beim Kauf von Gewürzen besonders? Das hängt stark davon ab, wie jemand kocht. Wir unterscheiden deshalb nach »Koch-Typen«. Und was für »Koch-Typen« gibt es? Einer unserer Koch-Typen zeichnet sich dadurch aus, dass er im Alltag gerne frisch und gut kochen möchte, dafür aber nicht stundenlang in der Küche stehen will. Er wünscht sich Sicherheit und Convenience im Kochalltag. Im Vordergrund stehen daher schnelle, einfache und gelingsichere Lösungen. Mit Ostmann, der marktführenden Gewürzmarke
Konsument:innen achten zunehmend auf die Herkunft, bevorzugen besondere Sorten gegenüber Standardsorten und legen Wert auf erstklassige Qualität. im Lebensmitteleinzelhandel, setzen wir genau hier an und bieten innovative Produkte, mit denen das Würzen einfach gelingt. Ein weiterer Koch-Typ ist der bewusste und ambitionierte Hobbykoch. Er setzt sich intensiv mit seinen Zutaten auseinander, interessiert sich für deren Herkunft und legt Wert auf Besonderes und Qualität – beispielsweise auf unterschiedliche Pfeffersorten. Für ihn ist Kochen seine Leidenschaft und eine Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Genau diese Zielgruppe spricht die Marke Fuchs an. Damit bedienen wir zwei unterschiedliche Konsumententypen mit individuellen Bedürfnissen und schaffen durch ein passendes Sortiment und starke Markenartikel Mehrwert für die gesamte Kategorie. Die Fuchs Gruppe bedient mit ihren Marken Ostmann, Fuchs und Bio Wagner ganz unterschiedliche Zielgruppen. Welche Rolle spielen starke Marken im Gewürzregal und worin unterscheiden sich die Produktsegmente? Die Rolle unserer Marken liegt darin, durch Innovation, Inspiration und Qualität einen spürbaren Nutzen für Konsument:innen und Handel zu schaffen. Mit unseren drei Marken sprechen wir unterschiedliche Zielgruppen an: Ostmann steht für unkompliziertes Kochen und Inspirationen, Bio Wagner für Bioqualität und die Premiummarke Fuchs für einen Fokus auf Herkunft, Qualität und besondere Sorten. Bei Ostmann greift beispielsweise die »Let’s Do«-Range Trends wie die koreanische Küche oder die Zubereitung im Airfryer auf und erleichtert mit gelingsicheren Gewürzmischungen die Zubereitung entsprechender Gerichte. Fuchs hingegen wurde konsequent als Premiummarke weiterentwickelt. Das zeigt sich beispielsweise bei fünf verschiedenen Pfeffersorten, hochwertigen Glasgebinden mit Nachfülloptionen sowie einem innovativen, tauschbaren
Aufsatz-System zum frischen Vermahlen der Gewürze direkt aus dem Gewürzglas. So differenzieren wir unsere Marken klar voneinander und entwickeln die Kategorie gezielt entlang der unterschiedlichen Kochbedürfnisse weiter. Haben Sie diese fünf besonderen Pfeffersorten zu Hause? Ich habe tatsächlich alle zu Hause und nutze sie auch regelmäßig! Die Idee für das Aufsatz-System entstand auch aus unseren eigenen Erfahrungen im Team. Ich probiere gerne verschiedene Pfeffersorten aus, fand es aber immer lästig, dafür mehrere Pfeffermühlen besitzen zu müssen. Bei mir zu Hause stehen verschiedene Pfeffersorten, die ich je nach Gericht einsetze: Schwarzen Pfeffer verwende ich gerne für eine Bolognese, roten Kampot-Pfeffer mit seinen fruchtigen Aromen eher für Salate und bei einem kräftigen Steak kommen die säuerlichen und warmen Aromen des langen Pfeffers sehr gut zur Geltung. Das Besondere ist, dass ich mit dem modularen Aufsatz-System jede Sorte direkt aus dem Glas ganz einfach frisch mahlen oder bei Bedarf im Ganzen verwenden kann. So kann ich mich durch verschiedene Aromen probieren und den Pfeffer passend zum jeweiligen Gericht einsetzen – mit nur einem Mühlenaufsatz. Eine gemeinnützige Stiftung ist Ihre Mehrheitsgesellschafterin. Was bedeutet diese – eher ungewöhnliche – Struktur für Ihre Strategie? Was uns besonders macht, ist, dass wir langfristig denken und nicht von Quartal zu Quartal planen müssen. Dadurch können wir unsere Strategie konsequent über Jahre hinweg verfolgen, wie sich beispielsweise an der Weiterentwicklung der Marke Fuchs zeigt. Ein wesentlicher Teil der Erlöse verbleibt im Unternehmen. Die Ausschüttungen an die Stiftung kommen gemeinnützigen Projekten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur zugute, insbesondere auch unserer
Wo sehen Sie für Ihre Marken Wachstumspotenzial? Für die kommenden Jahre sehen wir vor allem im Premiumsegment großes Wachstumspotenzial. Während der Premiumanteil in anderen Kategorien bereits bei 15 bis 20 Prozent liegt, ist er bei Gewürzen im Lebensmitteleinzelhandel noch einstellig. Mit der Marke Fuchs bieten wir hochwertige Qualitäten an und möchten den Premiumbereich gezielt ausbauen. Mit Ostmann bringen wir aktuelle Trends in die Küche und entwickeln Produkte, die das Kochen im Alltag erleichtern. Darüber hinaus erschließen wir angrenzende Kategorien wie Salatfixe, um das Thema Würzen auch außerhalb des klassischen Gewürzregals weiterzuentwickeln. Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Markenstrategien ist die Markenkommunikation über digitale Kanäle, und dabei vor allem die Zusammenarbeit mit Köch:innen und Influencer:innen. So erreichen wir neue, auch jüngere Zielgruppen, inspirieren zu mehr Abwechslung in der Küche und machen erlebbar, was unsere Marken besonders macht. Entscheidend ist für uns, dass die Partner:innen glaubwürdig sind und zur jeweiligen Marke passen. Für die Marke Fuchs arbeiten wir seit 2024 mit Viktoria Fuchs zusammen. Die deutsche Spitzenköchin ist durch zahlreiche Auftritte in TV-Kochformaten wie der ZDF-»Küchenschlacht« einem breiten Publikum bekannt. Sie verbindet ihre Kocherfahrung mit unserer Gewürzexpertise – das kommt richtig gut an! Und mit Influencer:innen wie Sturmwaffel, bürgerlich Frédéric Fieger-Viehof, treffen wir mit unserer Marke Ostmann den Geschmacksnerv der Zeit. So stärken wir die Bindung an unsere Marken, vermitteln die Qualität und den Nutzen unserer Produkte und schaffen authentische Inspiration in der Küche. Kochen und Essen sind schließlich etwas sehr Schönes – und mit den richtigen Gewürzen wird es richtig gut! Weitere Informationen unter: fuchsgruppe.com
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Interview • Michael Lessmann
fokus.swiss
Michael Lessmann
»Qualität und Vertrauen sind nicht verhandelbar«
Eine starke Marke muss sich verändern können, ohne ihren Kern zu verlieren. Für Ritter Sport wird dieser Spagat anspruchsvoller: Extreme Kakaopreise und die Folgen des Klimawandels treffen auf Verbraucher:innen, die genauer auf den Preis schauen. Gleichzeitig verändern neue Technologien und kurzfristige Konsumhypes die Märkte immer schneller. Gerade dann zeigt sich, wie belastbar Vertrauen und Markenidentität tatsächlich sind. Das Familienunternehmen setzt auf resilientere Lieferketten, eigenes Wissen über den Rohstoff Kakao und Innovationen, die zum unverwechselbaren Profil der Marke passen sollen. Michael Lessmann, CCO von Ritter Sport, über schwierige Entscheidungen in Zeiten hoher Kosten, die Stärke einer unverwechselbaren Marke und die Kunst, einen langfristigen Trend von einem kurzen Hype zu unterscheiden. Interview Thomas Soltau
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Der Kakaomarkt erlebt extreme Ausschläge. Was verändert das Geschäft von Ritter Sport derzeit am stärksten? Mit Abstand der Klimawandel und die damit verbundene Kakaoverfügbarkeit. Die Preisschwankungen sind extrem und auf einem ganz anderen Niveau als früher. Dieser Kostendruck trifft die ganze Branche. Wir haben für uns entschieden, unsere Standards, Rezepturen, Grammaturen und unseren Nachhaltigkeitsanspruch beizubehalten und nur einen Teil der Kosten weiterzugeben. Das war schmerzhaft: Wir haben im vergangenen Jahr Verlust gemacht und mussten unsere Strukturen anpassen. Gerade für ein Familienunternehmen ist das eine besondere Herausforderung. Hinzu kommt Regulierung. Transparente Lieferketten und die dahinterstehenden Ziele halten wir grundsätzlich für richtig. Aber Unternehmen brauchen verlässliche und praxistaugliche Regeln.
funktioniert: Wir gewinnen als große Marke Marktanteile. Ehrlichkeit und Vertrauen zahlen sich gerade in solchen Zeiten aus. Viele Traditionsmarken leben von ihrer Vergangenheit. Wie verhindert Ritter Sport, dass Wiedererkennbarkeit irgendwann zu Stillstand wird? Das Quadrat sorgt natürlich für einen enormen Wiedererkennungswert, aber eine Form allein trägt keine Marke. Entscheidend ist ein klares eigenes Profil. Gleichzeitig gehören Innovationen zu Ritter Sport. Das sieht man schon an unserer Sortenvielfalt. International treffen wir fast überall auf lokale Platzhirsche, die teilweise älter sind als wir. Dort dürfen wir nicht versuchen, sie zu kopieren. Wir müssen als eigenständige, innovative Alternative wahrgenommen werden. Interessant ist dabei: Trotz aller Innovationen gehören viele Klassiker seit Jahren zu unseren stärksten Produkten. Eine Marke braucht einen Kern, auf den sich die Menschen verlassen können, und zugleich die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln.
Wie verändert diese Unsicherheit Ihre Rohstoffstrategie? Resiliente Lieferketten sind kein Nice-to-have mehr, sondern überlebenswichtig. Wer beim Kakao vor allem auf Kosten und Menge setzt und sich stark auf eine Region konzentriert, geht ein erhebliches Risiko ein. Wir haben unsere Beschaffung über viele Jahre diversifiziert. Ein wichtiger Teil unseres Kakaos kommt heute aus Mittel- und Südamerika. Dazu kommen direkte Partnerschaften vor Ort. Das erhöht die Versorgungssicherheit und gibt uns Zugang zu unterschiedlichen Geschmacksprofilen. Der Klimawandel wird Anbaugebiete verändern. Deshalb kann man Kakao nicht mehr wie einen beliebigen Börsenrohstoff betrachten. Mit El Cacao betreibt Ritter Sport eine eigene Kakaofarm in Nicaragua. Ist sie auch eine Art Versuchslabor? Ja, allerdings eine große, teure Experimentierfläche. Für uns geht es vor allem darum, den Rohstoff wirklich zu verstehen – vom Anbau über die Fruchtqualität bis zu Ernte und Nachbehandlung. Dieses Wissen können wir an Partnerkooperativen weitergeben und gemeinsam den Anbau robuster machen. Auf El Cacao erleben wir die Folgen des Klimawandels unmittelbar: Wir haben weit über 100 000 Kakaobäume verloren. Zeitweise kämpfen die Bäume mit zu viel Wasser und Pilzbefall, später im selben Jahr mit Trockenheit. Einen Preisvorteil verschafft uns die Farm nicht. Aber sie liefert Erkenntnisse und ermöglicht Produkte, die so nur wir machen können – etwa Schokolade mit Edelkakao von unserer eigenen Plantage. Viele Verbraucher:innen schauen stärker auf den Preis. Wie weit trägt das Vertrauen in eine Marke, wenn der Einkauf immer teurer wird? Natürlich gibt es Preisschwellen, auch bei Ritter Sport. Viele Menschen müssen heute genauer auf ihren Warenkorb schauen. Gerade deshalb haben wir nach intensiven
Wie helfen Daten und künstliche Intelligenz dabei, Veränderungen früher zu erkennen? Die neuen Analysemöglichkeiten sind ein großer Fortschritt. Wir haben beispielsweise KI-Zwillinge entwickelt, in die Erkenntnisse aus qualitativen und quantitativen Marktstudien einfließen. Damit können wir rund um die Uhr Verbraucherinterviews mit KI-Zwillingen führen und Ideen schneller bewerten und optimieren. Gerade bei Innovationen und Limited Editions hilft uns das, zielgenauer zu werden. Ein rein KIgeneriertes Produkt hat es bislang allerdings noch nicht in das Schokoladenregal geschafft.
Eine Marke braucht einen Kern, auf den sich die Menschen verlassen können, und zugleich die Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln. Diskussionen mit der Familie entschieden, unsere Qualitätsstandards beizubehalten und auf gar keinen Fall versteckte Packungsgrößenänderungen vorzunehmen. Qualität und Vertrauen sind nicht verhandelbar. Vertrauen
verliert man nur einmal und baut es nur sehr schwer wieder auf. »Preiswert« heißt für mich zudem nicht nur billig. Entscheidend ist, welchen Wert ein Produkt im Verhältnis zu seinem Preis bietet. Unsere Strategie
Wann wird aus einem Trend eine Chance für Ritter Sport – und wann bleibt er nur ein Hype? Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben. Ritter Sport hat ein klares Markenprofil. Deshalb versuchen wir nicht, Trends einfach zu kopieren, sondern sie in unseren eigenen Duktus zu übersetzen. Pistazie ist ein gutes Beispiel. Die Dubai-Schokolade hat einen enormen Hype ausgelöst. Wir haben uns bewusst entschieden, nicht einfach darauf aufzuspringen, sondern eine Ritter Sport Pistazie zu entwickeln, bei der man die Pistazienstücke sieht, spürt und schmeckt. Heute ist sie ein stabiler Topseller in ihrem Segment. Ein Hype kann kurzfristig einen enormen Must-have-Effekt erzeugen. Aber bis ein Produkt flächendeckend im Handel steht und sich wirklich etabliert hat, vergeht Zeit. Deshalb ist für uns entscheidend: Was steckt hinter dem Hype? Welcher Trend hat das Potenzial zu bleiben? Wir wollen Produkte in den Markt bringen, die langfristig funktionieren und zu Ritter Sport passen. Damit gewinnen wir Kunden nicht nur für ein einzelnes Produkt, sondern für die Marke.
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Bild Shutterstock / La Famiglia
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BENEO • Brandreport
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Warum Fleisch und Pflanze das Duo der Zukunft sind Angetrieben durch Social Media schwören vor allem jüngere Konsument:innen wie Millennials und Gen Z derzeit auf eine proteinreiche und ballaststoffreiche Ernährung. Gleichzeitig ist der Wunsch nach weniger Fleischkonsum in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Doch vegane Produkte lieferten keine Antwort auf diesen Trend, da sie geschmacklich nicht überzeugen konnten. Viele davon sind daher wieder aus den Regalen der Supermärkte verschwunden. Jüngst etabliert sich jedoch eine Kategorie, bei der pflanzliche Proteine mit Hackfleisch oder Brät gemischt werden. So behalten beispielsweise Burgerpattys, Bratwürste und Frikadellen nicht nur ihren gewohnten Geschmack, sondern entsprechen gleichzeitig dem Wunsch nach weniger Fleisch und können auch einen höheren Protein- und Ballaststoffgehalt liefern. Niels E. Hower, Mitglied der Geschäftsführung bei BENEO, kennt diesen Markt wie kaum ein anderer – und liebt »hybride« Burger und sogar Lachsfilet mit pflanzlichem Protein.
Niels E. Hower Mitglied der Geschäftsführung bei BENEO Herr Hower, warum können »hybride« Produkte aus Fleisch und pflanzlichen Inhaltsstoffen eine größere Verbrauchergruppe erreichen als rein pflanzliche Alternativen? Der Hintergrund ist der, dass Burger, Frikadellen, Bratwürste oder Chicken Nuggets Genussartikel sind, bei denen der Geschmack im Vordergrund steht. Und genau da hat sich rein pflanzliches Protein bisher nicht so durchsetzen können, weil das Geschmackserlebnis einfach ein anderes ist. Viele Konsument:innen würden sich gerne pflanzlicher ernähren, aber nicht auf den Genuss verzichten. Sie haben rein pflanzliche Produkte in diesem Segment getestet, waren nicht überzeugt und haben sie nicht noch einmal gekauft. Deshalb sind viele der vor wenigen Jahren in diesem Trend entstandenen Marken wieder aus den Regalen verschwunden. Der Begriff hybrid beschreibt sehr gut, was wir tun: Wir kombinieren pflanzliches und tierisches Protein. Aber er klingt sehr technisch und kulinarisch nicht ansprechend. Ich nenne unsere Produkte gerne Meat Plant Mix. Und genau diese Produkte sind stark im Kommen. Warum? Weil sie den vertrauten Geschmack von Bratwurst oder Frikadelle bieten – und auf einfache Weise ermöglichen, den Fleischkonsum zu reduzieren. Denn viele Verbraucher:innen möchten weniger Fleisch essen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Tierwohl, die eigene Gesundheit, Nachhaltigkeit und auch der Preis. Gerade bei Hackfleisch sind die Preise stark gestiegen. Was macht den Meat Plant Mix für Hersteller:innen und Händler:innen wirtschaftlich interessant? Rinderhackfleisch in Bioqualität kostet im Supermarkt zwischen 18 und 20 Euro pro Kilo, das ist für viele kaum noch bezahlbar. Hier können pflanzliche Proteine, zum Beispiel aus der Ackerbohne, eine Lösung sein: Bei einem Verhältnis 70 Prozent Fleisch und 30 Prozent
Wir kombinieren pflanzliches und tierisches Protein. Ackerbohne können Händler Preispunkte halten und gleichzeitig das Geschmackserlebnis garantieren. Speziell mit Blick auf jüngere Konsument:innen versuchen wir, diese Konzepte auch über Influencer:innen zu erklären. Mehr Protein und Ballaststoffe, weniger gesättigte Fettsäuren: Das wünschen sich Gen Z und Millennials. Ein Beispiel hierfür sind Hähnchen-Nürnberger, die dank Influencer:innen regelrecht durch die Decke gingen – mit nur sechs Gramm Fett, aber über 20 Gramm Protein. Und wie lässt sich so eine Bratwurst grillen? Genauso wie eine ganz normale Bratwurst! Wie werden Meat Plant MixProdukte hergestellt? Unsere Ackerbohne stammt aus Deutschland und ist allergenfrei. Aus ihr stellen wir gefrorene Texturate für die fleischverarbeitende Industrie her. Das ist für Hersteller:innen sehr praktisch, denn sie werden direkt bei etwa minus fünf Grad mit in den Fleischwolf gegeben und werden dort unter das Fleisch gemengt. Bei einer Mischung von 70 Prozent Fleisch und 30 Prozent pflanzlichem Protein stimmen Preis und Geschmack. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unseren Texturaten aus der Ackerbohne ein sehr gutes Ess-Erlebnis hinbekommen, gerade was Biss und authentischen Geschmack angeht. Und unsere Umsatzentwicklung mit plus 30 Prozent zum Vorjahr zeigt, dass das sehr gut angenommen wird. Gibt es bestimmte Produktkategorien, in denen Meat Plant Mix-Konzepte besonders gut funktionieren? Gut funktionieren unsere Produkte vor allem im gesamten verarbeiteten Fleischbereich, also bei Burgerpattys, Hackfleisch, Würsten,
Aufschnitt, Chicken Nuggets. Und natürlich auch bei Fisch, zum Beispiel bei Fischstäbchen. Wie unterstützen Sie Ihre Kund:innen bei Entwicklung und Umsetzung solcher Produkte? Wir gehen aktiv auf die fleischverarbeitende Industrie zu und stellen dort konkrete Rezepturen vor, machen Verkostungen und lassen unsere Kund:innen die Produkte einfach probieren. Die Reaktionen sind sehr positiv. Denn wenn es schmeckt, hat man schon den halben Fuß in der Tür! Der zweite Weg führt über den Einzelhandel. Hier ist vor allem das Thema Nachhaltigkeit wichtig, denn die großen Händler:innen tun viel dafür, ihren CO₂-Fußabdruck bei Fleisch- und Milchprodukten zu reduzieren – und dabei können wir helfen. Über die Eigenmarken der Händler:innen kommen wir dann wiederum zu den Produzent:innen. Dort gehen wir in die konkrete Rezepturentwicklung und Umsetzung und unterstützen auch bei der Verarbeitung. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen kommen selbst aus der fleischverarbeitenden Industrie und wissen daher, was es für überzeugende Produkte braucht, und haben das nötige technologische Wissen. Welche Rolle können hierbei BENEO und die Zugehörigkeit zur Südzuckergruppe spielen? Innerhalb der Südzucker Group können wir die Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller fast komplett abbilden. BENEOs Portfolio hat genau die gefragten Trendzutaten, nämlich unsere präbiotischen Ballaststoffe wie Inulin, unsere Ackerbohne und unsere Texturate. Damit können wir gleichzeitig Protein anreichern, Ballaststoffe erhöhen und Fett reduzieren.
Unsere Ackerbohnen werden in Deutschland angebaut und mit einem nachhaltigeren Verfahren verarbeitet. Für den Mahlprozess brauchen wir beispielsweise kein Wasser und nutzen regenerative Energie. Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Das größte Wachstumspotenzial sehe ich ganz klar im Food-Service- und Außer-HausBereich, also neben Schulen und Kitas vor allem auch bei den großen Quick-ServiceRestaurants wie McDonald’s, Burger King oder KFC – ich nenne das Healthy Convenience. Themen wie GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1, ein körpereigenes Darmhormon, das unter anderem Appetit, Sättigungsgefühl und Blutzucker beeinflusst und dessen Wirkung auch medikamentös genutzt wird, Anmerkung der Red.) und ein stärkeres Bewusstsein für Nährstoffe werden bleiben, und deshalb werden sich die großen Schnellrestaurants damit auseinandersetzen müssen, wenn sie ihre Marktanteile halten und wachsen wollen. Wo findet man Sie? In allen deutschen Supermärkten und Discountern, sowohl mit Eigenmarken als auch über unsere Kund:innen. Und im Geschäft selbst sind Meat Plant Mix-Produkte üblicherweise bei den klassischen Fleischprodukten zu finden. Und was schmeckt Ihnen selber am besten? Ich bin Burgerfan! Und unser 70/30-Burger schmeckt mir mittlerweile besser als der reine Fleischburger. Wir haben auch ein »hybrides« Lachsfilet entwickelt, das einfach top schmeckt. Das liebe ich auch! Weitere Informationen unter: beneo.com/de
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Customer Centricity
Bild Unsplash+/Arno Senoner
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Die Verbraucher:innen verändern das System Gesund, nachhaltig, bequem und möglichst günstig: Die Erwartungen an Lebensmittel werden vielfältiger und widersprüchlicher. Für Hersteller:innen und Handel wird es deshalb immer wichtiger, nicht nur Verbraucherwünsche zu kennen, sondern tatsächliche Kaufentscheidungen zu verstehen.
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ie Lebensmittelwirtschaft steht vor einem grundlegenden Wandel. Klimadruck, technologische Innovationen und veränderte Ernährungsgewohnheiten stellen etablierte Geschäftsmodelle infrage. Dabei gewinnt ein Managementansatz an Bedeutung: Customer Centricity. Gemeint ist die systematische Ausrichtung unternehmerischer Entscheidungen an den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Konsument:innen. Das betrifft längst nicht mehr nur Marketing und Vertrieb, sondern zunehmend auch Produktentwicklung, Produktion und Lieferketten. Zwischen Anspruch und Einkaufswagen Wie komplex diese Aufgabe ist, zeigt der Blick auf das Konsumverhalten. Verbraucher:innen legen bei ihrer Auswahl zunehmend Wert auf Gesundheit, Nachhaltigkeit und Tierwohl. An der Supermarktkasse entscheiden jedoch häufig Preis, Geschmack und Alltagstauglichkeit. Eine im Juli 2026 veröffentlichte McKinsey-Analyse zum Einkaufs- und Ernährungsverhalten in fünf Ländern, darunter Deutschland, verdeutlicht diese Diskrepanz: Weniger als die Hälfte der Befragten hält beim Lebensmitteleinkauf konsequent an den eigenen Gesundheitszielen fest. Für Unternehmen bedeutet das: Bekundete Präferenzen allein sind kein verlässlicher Maßstab für die tatsächliche Nachfrage. Gesundheit verändert die Nachfrage Gleichzeitig verschieben sich die Erwartungen
an Lebensmittel. Weniger Zucker, mehr Protein, natürliche Zutaten und ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen gewinnen an Bedeutung. Laut McKinsey zählen 29 Prozent der befragten Deutschen zu den Flexitarier:innen, die bewusst seltener Fleisch essen. 38 Prozent kaufen zumindest gelegentlich pflanzliche Milchalternativen. Doch nicht jede Innovation überzeugt: Gerade bei Fleischersatzprodukten bremsen hohe Preise, geschmackliche Vorbehalte und der als hoch empfundene Verarbeitungsgrad die Nachfrage. Vielfalt statt Massenmarkt Die Ansprüche der Verbraucher:innen an Lebensmittel werden immer vielfältiger. Während manche gezielt nach proteinreichen Produkten suchen, bevorzugen andere regionale Zutaten, pflanzenbasierte Alternativen oder schnell zubereitete Mahlzeiten. Hinzu kommen unterschiedliche Lebensphasen, Haushaltsformen und finanzielle Möglichkeiten. Für die Lebensmittelindustrie reicht es deshalb immer seltener, vermeintliche Durchschnittskund:innen anzusprechen. Entscheidend wird, relevante Zielgruppen zu erkennen und deren Bedürfnisse wirtschaftlich sinnvoll zu bedienen. Innovation braucht einen Realitätscheck Die Vielfalt eröffnet neue Geschäftsfelder, erhöht aber auch das Risiko von Fehleinschätzungen. Functional Food, pflanzliche Proteine
oder hochwertige Convenience-Produkte gelten als potenzielle Wachstumsmärkte. Ob daraus dauerhaft erfolgreiche Geschäftsmodelle entstehen, hängt jedoch von mehr ab als medialer Aufmerksamkeit. Das Marktforschungsinstitut Innova Market Insights identifiziert in seiner Trendanalyse »Top Ten Food & Beverage Trends 2026«, veröffentlicht im Oktober 2025, für 2026 neben Gesundheit auch Genuss und Bezahlbarkeit als zentrale Innovationstreiber. Kundenorientierung bedeutet daher ebenso, kurzfristige Hypes von langfristig tragfähigen Entwicklungen zu unterscheiden. Daten schaffen neue Einblicke Digitale Technologien eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten, die Nachfrage besser zu verstehen. Verkaufsdaten, KundenApps und KI-gestützte Analysen liefern Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten. Wie das EHI Retail Institute in seinem 2024 veröffentlichten Beitrag „KI kennt die Kundschaft“ zur Studie „Marketingmonitor Handel 2023-2026“ erläutert, ermöglicht die Verknüpfung unterschiedlicher Daten ein differenzierteres Bild der Kundenbedürfnisse. Daraus lassen sich Sortimente und Angebote gezielter entwickeln. Doch Daten allein schaffen noch kein Kundenverständnis. Entscheidend ist, wie Unternehmen die Informationen interpretieren und in konkrete Entscheidungen übersetzen.
Folgen für Hersteller:innen und Handel Für Lebensmittelhersteller:innen bedeutet konsequente Kundenorientierung, Innovation und Marktforschung enger miteinander zu verzahnen. Produkte müssen nicht nur ernährungsphysiologische oder ökologische Anforderungen erfüllen, sondern auch geschmacklich überzeugen und bezahlbar bleiben. Händler:innen wiederum stehen vor der Aufgabe, begrenzte Regalflächen auf eine zunehmend vielfältige Nachfrage auszurichten. Das verlangt flexible Sortimentskonzepte, schnellere Testverfahren und eine engere Zusammenarbeit zwischen Handel, Herstellung und weiteren Partnern. Kundenorientierung hat auch Grenzen Mehr Auswahl, jederzeit verfügbare Produkte und individuelle Angebote kommen den Wünschen vieler Verbraucher:innen entgegen. Für Unternehmen bedeuten sie jedoch häufig steigende Kosten und komplexere Abläufe. Zudem können größere Sortimente und kürzere Lieferzeiten den Ressourcenverbrauch erhöhen. Kundenorientierung allein macht das Ernährungssystem deshalb noch nicht nachhaltiger. Entscheidend ist, Verbraucherbedürfnisse mit wirtschaftlicher Effizienz und ökologischer Verantwortung in Einklang zu bringen. Text Miriam Rauh
Brandreport • Envolved
Kund:innen verstehen. Wachstum schaffen
Hersteller:innen und Händler:innen von FMCG (Fast-Moving Consumer Goods), also schnell drehenden Konsumgütern, stehen vor der Herausforderung, Kundenbedürfnisse, Erwartungen und tatsächliches Verhalten systematisch zu verstehen und daraus wirksame Strategien für die gesamte Customer Journey abzuleiten. Ausschlaggebend ist es, diese gewonnenen Erkenntnisse in gezielte Maßnahmen zu übersetzen, die die Kundenbindung stärken und nachhaltigen, messbaren Erfolg ermöglichen.
Jan Boluminski, Envolved
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m Interview erläutert Jan Boluminski, CEO & Partner bei Envolved, Co-Founder von Payback und ehemaliger Beirat von Lufthansa Miles&More, wie moderne Kundenzentrierung gelingt. Herr Boluminski, wo, wann und wie können Unternehmen das Verhalten ihrer Kund:innen analysieren – und sogar steuern? Das Kundenverhalten entlang der gesamten Journey Omnichannel zu verstehen und zu steuern, ist der Kern für den Erfolg der Zukunft.
Das bedeutet: Kundenverhalten muss über alle Kanäle hinweg – vom ersten Kontakt bis zum Kauf – nahtlos verstanden und gezielt gesteuert werden. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei Projektbeispiele: In der RitterSport SchokoWelt Berlin wird die Journey über gezielte Flächen- und Wegeplanung optimiert. Der physische Store verbindet das emotionale Erleben vor Ort (Sehen, Riechen, Schokolade-Kreieren) mit digitalen Touchpoints wie Info-Terminals. Durch flexible Event-Flächen entstehen hohe Kundenzufriedenheit, Bindung und nicht nur höhere Filial- sondern auch Marken-Rentabilität. Bei einem großflächigen europäischen Händler mit skaliertem Omnichannel-Ansatz dient die Filiale als stationärer Anker für Kaufimpulse. Über die digitale Kundenkarte werden Einkäufe mit Profilen verknüpft, was die Analyse von Einkaufsverhalten erlaubt und Steuerung über Coupons ermöglicht. Der Online-Marktplatz erweitert den Blick auf die Kund:innen: Werden Filiale, App und
Marktplatz datenseitig zusammengedacht, lässt sich das Kundenverhalten ganzheitlich steuern. Kund:innen sind oft sprunghaft. Kann man sie in der heutigen Zeit überhaupt noch zu Loyalität »erziehen« und nachhaltig begeistern? Loyalty und Personalisierung müssen im FMCG- und Handelskontext neu gedacht werden – das Meistern dieser Herausforderung wird entscheidend. Kundenbindung funktioniert heute nicht mehr nur über klassische Rabattprogramme, sondern über individuelle Erlebnisse, tiefgehende Personalisierung, das Adressieren psychologischer Begeisterungstreiber und den gezielten Einsatz moderner Technologien. Wie kann KI – wenn die notwendigen Daten vorliegen – konkret am Point of Decision unterstützen? Daten und KI sind die zentralen Hebel für Relevanz am Point of Decision. Auf Basis valider Kundendaten ermöglichen sie passgenaue
Angebote im entscheidenden Kaufmoment. Die Kunst hierbei ist das Zusammenspiel zwischen technologischen Lösungen, Prozessen und den verantwortlichen Teams zu orchestrieren – Kernkompetenz von Envolved. Warum gehört der Fokus auf Kund:innen heute zum Job des Managements – und wie unterstützen Sie bei Envolved dabei? Customer Centricity ist eine organisationsübergreifende, erfolgskritische Managementaufgabe. Das konsequente Ausrichten aller Aktivitäten an den Kund:innen entscheidet über den Gesamterfolg. Wir unterstützen Handel und Hersteller:innen dabei, diese Ausrichtung in konkrete Steuerungsgrößen zu übersetzen, um messbares Wachstum zu sichern, sowie nachhaltige Customer Growth und Value Creation zu realisieren. Weitere Informationen unter: envolved.de
Jemand sollte was gegen Hunger tun. Moment mal, Du bist ja jemand. Schreib die Welt nicht ab. Schreib sie um! brot-fuer-die-welt.de/spenden BfdW26006_AZ_Hunger_248x370mm_LY01.indd 2
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Gastartikel • Godo Röben
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Klima, Bevölkerung, Gesundheit: Die drei Megatrends, die die Ernährung verändern Die Ernährungswende folgt fundamentalen Megatrends – und ist daher weder ein kurzer Trend noch ein Hype, der schnell vergeht. beim Treibhausgasausstoß, beim Artenverlust und bei der Nährstoffbelastung.
Godo Röben Aufsichtsrat, Beirat und Berater für alternative Proteine
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iele halten pflanzliche Proteine für einen Trend, ähnlich der Light-Welle. Das ist ein Denkfehler, denn es geht um fundamentale Megatrends, die unsere Ernährung von morgen verändern werden: erstens das Klima, zweitens die Bevölkerungsexplosion und drittens die menschliche Gesundheit. 1. Klima: Das System stößt an seine Grenzen Tierische Produkte – Fleisch, Wurst, Milch und Eier – sind für rund zwölf Prozent der weltweiten menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Diese entstehen entlang der gesamten Lieferkette: Futtermittelanbau, Landnutzung, Waldrodungen, Methan aus der Viehzucht etc. Mit heute gut acht Milliarden Menschen und fast zehn Milliarden bis 2050 wird die Nachfrage nach Protein weiter wachsen. Wer das nur mit klassischer Tierhaltung decken will, verschärft das Klimaproblem enorm. 2. Bevölkerungsexplosion: Das mathematische Problem Bis 1960 brauchte die Menschheit etwa 200 000 Jahre, um auf drei Milliarden Menschen anzuwachsen. In den gut 60 Jahren seitdem sind mehr als fünf Milliarden Menschen dazugekommen. Diese beispiellose Bevölkerungsentwicklung bringt unser heutiges Ernährungssystem zunehmend an seine Grenzen. Wir stoßen an planetare Grenzen: beim Wasserverbrauch, bei der Flächennutzung,
3. Gesundheit: Was die Wissenschaft sagt 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) verarbeitetes Fleisch als »karzinogen für Menschen« ein, rotes Fleisch als »wahrscheinlich karzinogen«. Dazu kommt der hohe Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung, der wesentlich zur Entstehung und Verbreitung resistenter Keime beiträgt. Eine aktuelle Lancet-Studie prognostiziert 39 Millionen Todesfälle durch resistente Infektionen zwischen 2025 und 2050 (GRAM Project, The Lancet 2024). Ein weiteres Gesundheitsrisiko liegt in Zoonosen und neuen Pandemien: Wo Menschen, Nutztiere und Wildtiere immer enger aufeinandertreffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger die Artengrenze überspringen und sich weltweit ausbreiten. Und schließlich gibt es neben den ökologischen und ökonomischen Fragen auch eine ethische Dimension: Wenn wir Milliarden Tiere für unsere Ernährung halten, müssen wir uns fragen, unter welchen Bedingungen wir das tun und was wir gesellschaftlich für vertretbar halten. Die Fakten liegen also auf dem Tisch. Eigentlich müsste die Veränderung viel schneller gehen. Tut sie aber nicht. Warum? Ganz einfach: Weil wir Menschen sind. Wir alle kämpfen mit Gewohnheiten, Widerständen und unserer eigenen Trägheit. Daher verändern sich Essgewohnheiten nur über Generationen. Und deshalb werden die Märkte auch in Zukunft schwanken, obwohl die Gründe für die Veränderung eindeutig sind. Das Muster aller großen Transformationen Es gibt ein Muster, das sich immer wiederholt: Wirklich große Transformationen
dauern oft 50 bis 60 Jahre, müssen mit erheblichem Gegenwind klarkommen, setzen sich am Ende aber durch. Beispielsweise die Energiewende. Sie läuft seit rund 50 Jahren. Als Angela Merkel 1994 Umweltministerin wurde, kamen gerade einmal rund vier Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien. Später sagte sie selbst, dass sie die heute erreichten Ziele damals für »relativ utopisch« gehalten hätte. Heute kommt mehr als die Hälfte unseres Stroms aus erneuerbaren Energien.
Wirklich große Transformationen dauern oft 50 bis 60 Jahre. Oder die Mobilitätswende. Sie läuft seit gut 20 Jahren. Noch vor wenigen Jahren bezweifelten deutsche Automobilmanager:innen, dass die Kund:innen überhaupt Elektroautos wollen. Heute ist weltweit etwa jedes vierte neu verkaufte Auto elektrisch. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Elektromobilität kommt, sondern wie schnell. Und die Ernährungswende? Sie läuft in ihrer heutigen Form gerade einmal seit rund zehn Jahren. Wir stehen noch ziemlich am Anfang und erleben die gleichen Widerstände. »Jetzt ist Schluss mit der Tofutümelei«, Markus Söder 2026. Schauen wir mal, wie gut diese Prognose altert. Wie sieht es konkret im Markt aus? 2014 begann die Kommerzialisierung pflanzlicher Proteine mit enormem Erfolg.
Vier Jahre später wollten plötzlich alle mitmachen. Unzählige Produkte kamen auf den Markt, viele davon in schlechter Qualität. Das Wachstum stockte, die ersten Marktforscher:innen erklärten das Segment bereits für erledigt. Sie lagen daneben. 2020 folgte der nächste Boom mit Wachstumsraten von 60 bis 70 Prozent. Dann kam die Realität: 2024 und 2025 kühlte sich der Markt deutlich ab. Nach Corona, Krieg und Inflation rückten für viele Menschen wieder die eigenen Sorgen in den Vordergrund. Altruismus verlor, Egoismus gewann. Seit Ende 2025 dreht sich das Bild wieder. Pflanzliche Milch wächst um zehn Prozent, pflanzliche Fleisch- und Wurstwaren um 15 Prozent. Wie geht es weiter? Sicher nicht geradlinig. Es wird weiter auf und ab gehen. Aber über die nächsten Jahre und Jahrzehnte wird dieser Markt wachsen, weil die fundamentalen Megatrends dahinter nicht verschwinden. Die Frage für unsere Branche Die Frage ist deshalb nicht, ob diese Transformation kommt. Die Frage ist: Wollen wir wieder einen Zukunftsmarkt verschlafen oder wollen wir ihn mitgestalten? Wir haben in Deutschland alles, was wir dafür brauchen: eine starke Lebensmittelindustrie, hervorragende Landwirtschaft, Forschung, Technologie, Marken, Handel und unglaublich viel Know-how. Genau darin liegt für mich die Chance: Wir können eine neue Lebensmittelwirtschaft aufbauen, die Genuss, Landwirtschaft, Innovation und Wertschöpfung zusammenbringt. Wir sollten also nicht unsere ganze Kraft darauf verwenden, das Alte zu verteidigen. Stecken wir sie lieber in das, was vor uns liegt. Denn die Chancen sind riesig. Text Godo Röben
Brandreport • nextFood.ai
Mit KI zur Innovation in der Lebensmittelbranche
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Mehr als drei Viertel der Markteinführungen in der deutschen Foodbranche sind Relaunches oder Line Extensions, nur 19 Prozent echte Produktinnovationen. Bis zu 85 Prozent neuer Konsumgüter scheitern innerhalb der ersten zwei Jahre.
er mit KI den Innovationsprozess im eigenen Unternehmen neu aufstellt, kann die Entwicklung von Ideen wesentlich beschleunigen. Wie das in der Praxis funktioniert, erklären Andre Limmer und Jochen Matzer, Co-Founder und Geschäftsführer von nextFood.ai. Was sind die Barrieren der Innovation? Matzer: In der Studie »Die 6 Barrieren für Innovation« (Food Harbour Hamburg, DHBW Heilbronn, TUM Venture Labs) nennen mehr als 160 Entscheider:innen, u. a. von Nestlé, Müller-Milch und Rügenwalder Mühle, vor allem drei zentrale Barrieren: fehlende Innovationskultur, zu wenige Ressourcen und keine durchgängige Innovationsstrategie. Die Branche hat kein Ideen-, sondern ein Umsetzungsproblem. Dadurch greifen 69 Prozent der Konsument:innen bevorzugt zu Eigenmarken, für 65 Prozent zählt vor allem der Preis. So verlieren Marken ihre Rolle als Innovationstreiber.
In welchen Themen liegt das größte Potenzial? Matzer: Vier Felder fallen aktuell besonders auf: der Wandel bei der Ernährung durch GLP-1Abnehmpräparate, der Wunsch nach weniger Zucker und Salz ohne Geschmackseinbußen, Getränke mit funktionalem Zusatznutzen und Premium-Snacking. Das größte Potenzial liegt aber an den Schnittstellen. Beispiel: der proteinreiche Premium-Snack für zwischendurch, gedacht für GLP-1-Nutzer:innen, die weniger essen, aber besser. Wer Zielgruppe, Anlass und Produktversprechen so kombiniert, findet Lücken, bevor es der Wettbewerb tut. Wie kann KI echte Innovationen generieren? Limmer: Durch die Kombination von Daten und Praxistests, die heute erst möglich ist. Die KI wertet Millionen Datenpunkte aus Markt, Handel und Social Media aus und findet White Spots, die bisher niemand besetzt. Daraus entwickelt sie konkrete Produktkonzepte.
Synthetische Zielgruppen bewerten diese Konzepte vorab, reale Zielgruppentests validieren sie. Aber der Mensch steuert und entscheidet. Wie unterstützt Ihr Unternehmen dabei? Limmer: nextFood.ai, unsere KI-Plattform, speziell für die Bedürfnisse der Lebensmittelindustrie konzipiert, entdeckt Wachstumsfelder und White Spots, entwickelt in Minuten komplette Konzepte mit Claims, Rezeptur und Verpackungsdesign im eigenen Markenauftritt und prüft alles an synthetischen und realen Zielgruppen. Dahinter stehen über 20 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelinnovation. Der erste Schritt ist denkbar einfach: Unternehmen bringen ein konkretes Innovationsthema mit – und in einer kostenlosen Demo zeigen wir, was die Plattform daraus macht. Weitere Informationen unter: nextFood.ai
Andre Limmer Co-Founder und Geschäftsführer, nextFood.ai
Jochen Matzer Co-Founder und Geschäftsführer, nextFood.ai
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#smartfutureoffoodsystems
Planteneers • Brandreport
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»High Protein ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen« In den Supermärkten werden immer mehr mit Proteinen angereicherte Lebensmittel angeboten. Dabei handelt es sich längst nicht mehr um einen kurzlebigen Trend, sagen Dr. Dorotea Pein, Director Technology and Innovation bei Planteneers, und Christoph Kowollik, Global Head of Business Unit. Die Konzepte sind generationenübergreifend, betonen die beiden Expert:innen. Das Unternehmen entwickelt und produziert funktionelle Systeme zur Herstellung pflanzlicher und hybrider Lebensmittel. Dabei geht es nicht nur um Imitate, sondern auch um völlig neue Produkt-Kategorien.
noch einmal. Technologisch eignen sich bestimmte Kategorien besonders gut für Anreicherungen. Milchprodukte oder Joghurt haben von Natur aus eher wenig Protein, etwa vier Prozent, lassen sich aber hervorragend anreichern. Bei Fleischprodukten mit ohnehin 20 Prozent Proteingehalt lohnt sich eine zusätzliche Anreicherung technologisch und geschmacklich nur in bestimmten Fällen, wie z. B. bei Snackformaten.
Christoph Kowollik Global Head of Business Unit
Frau Pein, Herr Kowollik, lassen Sie uns zunächst eine grundlegende Frage beantworten: Welche Bedeutung haben Proteine eigentlich für den menschlichen Körper, und wie viel davon brauchen wir wirklich? Pein: Grundsätzlich ermöglichen Proteine alle Mechanismen im Körper, die Verbrennungsprozesse sowie den Muskelaufbau und -erhalt. Unser Körper benötigt zwar Kohlenhydrate beziehungsweise Zucker zur Energieerzeugung, doch diese können ohne proteinbasierte Enzyme in den Mitochondrien gar nicht verarbeitet werden. Proteine halten schlicht die gesamten Körperfunktionen aufrecht, einschliesslich der Steuerung durch das Gehirn. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für einen gesunden Erwachsenen etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Sportler:innen benötigen hingegen eher 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Auch bei älteren Menschen geht man von einem höheren Bedarf aus. Da bei Senioren der Stoffwechsel langsamer arbeitet und sie weniger Kalorien benötigen, ist ein höherer Proteinanteil essenziell, um Muskelmasse und Körperfunktionalität zu sichern. Kowollik: In diesem Zusammenhang ist ein verändertes Essverhalten vieler Menschen wichtig. Wir essen mittags seltener das klassische Putensteak als Proteinquelle, sondern verteilen unsere Nahrung auf viele kleinere Mahlzeiten über den Tag. Dadurch steigt bei den Konsument:innen die Sensibilität dafür, ob sie über den Tag hinweg ausreichend Proteine aufnehmen. Da kommt für immer mehr Konsument:innen das Thema High Protein ins Spiel. Ist das nur ein vorübergehender Trend oder ein langfristiger Wandel? Pein: High Protein ist längst kein kurzfristiger Trend mehr, sondern fest in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Hunger nach Protein ist riesig. Hinzu kommt, dass sich die Produktionskapazitäten für tierische Proteine nicht unbegrenzt ausweiten lassen. Um den weltweiten Bedarf künftig zu decken, müssen wir alternative Proteine gezielt nach vorn bringen. Es wird dabei kein striktes Entweder-Oder geben, sondern
Bilder © Planteneers
Dr. Dorotea Pein Director Technology and Innovation
Pflanzliche Steakalternative
Unser größter Konkurrent ist keine andere Firma, sondern der schlechte Geschmack. kombinierte Formen aus unterschiedlichen Proteinen, bei denen die ernährungsphysiologischen Profile abgestimmt werden. Kowollik: Dieser Wandel spiegelt das oben angesprochene veränderte Ernährungsverhalten wider – weg von den traditionellen drei Hauptmahlzeiten hin zu einem Multi-Snacking-Format. Die Menschen wollen zwischendurch proteinreich snacken. Mittlerweile springen alle darauf auf – von den großen konventionellen Playern bis hin zu innovativen Start-ups. Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage greifen viele Verbraucher zu günstigen Eigenmarken. Welchen Einfluss hat das auf innovative Proteinprodukte? Kowollik: Wir spüren die ausgeprägte Preissensitivität, die gerade im deutschen Raum extrem hoch ist. Für uns ist das eine Herausforderung, aber auch eine große Chance. Wir erleben derzeit einen deutlichen Zuwachs im Bereich der Eigenmarken von Handelskonzernen. Generell bedienen wir alle
Eine neue Generation pflanzlicher Snacks: die Culinary Snacking Balls
Segmente – ob Markenprodukte oder Eigenmarken. Gemeinsam mit unseren Kund:innen entwickeln wir innovative Proteinlösungen, die sowohl geschmacklich als auch wirtschaftlich überzeugen. Unsere funktionellen Systeme helfen dabei, die gewünschten Produkteigenschaften hinsichtlich Textur, Stabilität und Verarbeitung zu erreichen. Dabei bewegen wir uns in einem Spagat zwischen gestiegenen Rohstoffpreisen, krisenhaften Rahmenbedingungen und dem Wunsch der Konsument:innen nach günstigen Preisen. Pein: Zudem gibt es derzeit noch einen unfairen Vergleich im Markt: Von Produkten mit alternativen Proteinen verlangt man höchste Rohstoffqualität, vergleicht sie preislich aber mit den günstigsten konventionellen Massenprodukten. Durch unsere langjährige Vernetzung in den Rohstoffmärkten können wir jedoch Preisvorteile erzielen. Zudem sorgen Innovationen wie die Fermentation künftig für günstigere Proteinlösungen. Welche Rolle spielt der Geschmack bei der Akzeptanz neuer Proteinprodukte? Kowollik: Unser größter Konkurrent ist keine andere Firma, sondern der schlechte Geschmack. Beim Kauf entscheiden vor allem zwei Erfolgsparameter: Geschmack und Preis. Wenn Konsument:innen ein neues Produkt probieren, und es schmeckt ihnen nicht, verurteilen sie oft die gesamte Produktkategorie. Deshalb dürfen Qualität und Geschmack niemals auf der Strecke bleiben. Pein: Geschmack ist das Erfolgskriterium – es muss schmecken, sonst kaufen Verbraucher:innen das Produkt nicht
Gibt es spezielle gesundheitliche Anwendungsbereiche oder Zielgruppen für proteinreiche Lebensmittel? Pein: Ein aktuelles Thema sind veränderte Ernährungsgewohnheiten durch neue Medikamente, etwa bei Diabetes- oder Abnehmtherapien (GLP-1). Patient:innen nehmen dadurch deutlich weniger Kalorien zu sich, was rasch zu Nährstoff- und Proteindefiziten führen kann. Hier werden sogenannte »Nutrient-Dense«-Produkte wichtig – Lebensmittel mit einer sehr hohen Dichte an Proteinen und Mikronährstoffen bei kleiner Portionsgröße. Unser Fokus liegt hier stark auf Prävention und Gesunderhaltung. Sind eher jüngere Menschen Konsument:innen von Proteinprodukten? Kowollik: Wir sehen altersübergreifend eine hohe Sensibilität. Die Impulse kommen zwar naturgemäß von Jüngeren, aber ältere Generationen sind heute durch bessere medizinische und ernährungsphysiologische Versorgung viel leistungsfähiger als früher. Das Interesse an proteinreicher Ernährung zieht sich daher durch alle Altersgruppen. Werfen Sie bitte einen Blick in die Zukunft: Wie sieht die weitere Entwicklung aus? Pein: Wir bewegen uns weg von reinen MeToo-Kopien von Fleisch oder Milch. Es entstehen eigenständige Snacking-Formate mit neuen Texturen und Geschmackserlebnissen. Neben pflanzlichen Proteinen gewinnen auch Fermentationsproteine rasch an Bedeutung. Kowollik: Ein weiteres Zukunftsthema ist die zielgruppenspezifische Personalisierung. Dabei geht es um Produkte, die exakt auf das Aktivitätsprofil bestimmter Gruppen abgestimmt sind – etwa für Menschen mit sitzender Bürotätigkeiten oder für sehr Aktive. Es entsteht eine ganze Bandbreite neuer Kategorien, auf die wir uns freuen können. Weitere Informationen unter: planteneers.com
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Verpackung
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Weniger Hülle, mehr Wirkung Verpackungen stehen vor einem Spagat: Sie sollen Lebensmittel zuverlässig schützen und zugleich mit weniger Material auskommen, besser recycelbar sein und neuen EU-Vorgaben genügen. Für Hersteller und Marken wird damit eine scheinbare Nebensache zur Entwicklungsfrage – denn die beste Lösung beginnt nicht beim Material, sondern beim Produkt.
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eit dem 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung PPWR in weiten Teilen unmittelbar. Sie verschärft die Anforderungen an Abfallvermeidung, Recyclingfähigkeit und den Einsatz von Rezyklaten. Ab 2030 greifen schrittweise Vorgaben für recyclinggerechtes Design; für Kunststoffverpackungen kommen je nach Anwendung Mindestanteile an recyceltem Material hinzu. Das klingt nach ferner Zukunft, ist für die Industrie aber längst Gegenwart. Verpackungen werden über Jahre entwickelt, getestet und auf Abfüll- oder Verpackungslinien abgestimmt. Wer heute investiert, muss deshalb berücksichtigen, welche Regeln während der Lebensdauer einer Lösung gelten. Kleine Änderung, große Menge Wie groß das Thema ist, zeigen die jüngsten vollständigen deutschen Daten. Nach dem 2026 veröffentlichten Bericht des Umweltbundesamtes fielen 2023 in Deutschland 17,92 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Das waren 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. 12,44 Millionen Tonnen wurden recycelt; die Recyclingquote lag bei 69,4 Prozent. Papier, Pappe und Karton stellten die größte Materialgruppe, gefolgt von Holz, Kunststoff und Glas. Bei solchen Mengen können schon kleine Änderungen an Gewicht, Format oder Material erhebliche Wirkung entfalten.
Das Produkt redet mit Die Debatte wird trotzdem gern auf eine scheinbar einfache Frage verkürzt: Papier oder Kunststoff ? Für Lebensmittel führt sie nicht weit. Papier und Karton verfügen über etablierte Recyclingströme, benötigen für Fett-, Feuchte- oder Sauerstoffbarrieren aber teilweise zusätzliche Beschichtungen. Kunststoffe können mit geringem Gewicht hohe Barriereleistungen erzielen und lassen sich vielfältig formen. Aluminium schützt besonders gut vor Licht, Sauerstoff und Feuchtigkeit. Welche Lösung sinnvoll ist, bestimmt daher wesentlich der Inhalt. Kaffee braucht einen anderen Schutz als Joghurt, Tiefkühlkost einen anderen als frisches Fleisch. Materialvorlieben helfen wenig, wenn am Ende das Lebensmittel leidet. Weniger kann zu wenig sein Damit kommt ein Zielkonflikt ins Spiel, der in der Verpackungsdebatte schnell untergeht. Die Hülle benötigt Ressourcen, verhindert aber zugleich Beschädigungen und vorzeitigen Verderb. Einfach Material wegzulassen kann deshalb die falsche Rechnung sein. Sinkt das Verpackungsgewicht, während Ausschuss oder Lebensmittelverluste steigen, ist ökologisch wenig gewonnen. Für Hersteller zählt also nicht allein die eingesetzte Materialmenge, sondern die Leistung, die sie erbringt. Dünnere
Folien, optimierte Formen oder kleinere Verpackungen können deshalb ebenso sinnvoll sein wie der Wechsel zu einem anderen Werkstoff. Mono ist nicht automatisch besser Besonders deutlich wird das bei Monomaterialien. Verpackungen aus möglichst einer Materialart können Sortierung und Recycling erleichtern. Lebensmittel stellen allerdings hohe Anforderungen an Barrieren gegen Sauerstoff, Wasserdampf, Fett oder Licht. Nicht jede Funktion lässt sich mit einem einzigen Werkstoff gleich gut erfüllen. Materialverbunde können deshalb dort weiterhin notwendig sein, wo sie entscheidende Eigenschaften sichern. Die Aufgabe lautet nicht „Mono um jeden Preis“, sondern Konstruktionen zu vereinfachen und Materialkombinationen dort zu vermeiden, wo sie keinen funktionalen Vorteil bringen. Recyclingfähigkeit und Produktschutz müssen zusammen gedacht werden. Die kleinen Dinge entscheiden Genau hier erhöht die PPWR den Druck. Nach Artikel 6 sollen Verpackungen anhand europaweit festgelegter Kriterien recyclinggerecht gestaltet werden; die entsprechenden Design-for-Recycling-Anforderungen greifen schrittweise ab 2030. Ab 2035 kommt die Bewertung hinzu, ob Verpackungen tatsächlich
in großem Maßstab recycelt werden. Damit rücken Details ins Zentrum, die im Supermarkt kaum jemand beachtet. Beschichtungen, Klebstoffe, Etiketten oder Verschlüsse können beeinflussen, wie gut eine Verpackung sortiert und verwertet werden kann. Für Unternehmen bedeutet das, Produktentwicklung, Einkauf und Produktion früher mit Wissen über Recyclingprozesse zu verzahnen. Was nach Gebrauch mit einer Verpackung passiert, entscheidet sich zunehmend schon während ihrer Entwicklung. Die PPWR schafft damit keine einfache Rangliste der Werkstoffe. Papier, Kunststoff und Aluminium erfüllen je nach Lebensmittel unterschiedliche Aufgaben. Entscheidend ist, den notwendigen Produktschutz mit möglichst geringem Ressourceneinsatz zu erreichen und anschließend eine hochwertige Verwertung zu ermöglichen. Das macht Verpackungen nicht einfacher, sondern anspruchsvoller. Hersteller müssen künftig genauer begründen können, warum sie welches Material einsetzen. Vielleicht ist genau das der Fortschritt: Nicht die Verpackung mit dem besten Image gewinnt, sondern diejenige, die ihren Job mit möglichst wenig Aufwand am besten erledigt. Text Thomas Soltau
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Nachhaltigkeit braucht Belege: Wenn Verpackungen zur Managementaufgabe werden Ist Ihre Verpackung auf die neuen regulatorischen Anforderungen vorbereitet? Sind ökologische Vorteile belastbar dokumentiert? Und lässt sich ein recyclingfähiges Materialkonzept auf bestehenden Anlagen ebenso stabil und wirtschaftlich verarbeiten wie die bisherige Lösung?
Carolin Grimbacher Geschäftsführende Gesellschafterin von SÜDPACK
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iese Fragen gehören heute nicht mehr allein in die Verpackungsentwicklung. Sie betreffen Compliance, Produktsicherheit, Investitionen und die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitskommunikation – und damit zentrale Aufgaben der Unternehmensführung. Denn »nachhaltiger« zu sein, reicht als Aussage nicht mehr aus. Mit der europäischen
Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) rücken recyclinggerechtes Design, Packungsminimierung und dokumentierte Konformität in den Fokus. Zugleich steigen die Anforderungen an Umweltaussagen. Künftig wird entscheidend sein, ob ökologische Vorteile, technische Leistungsfähigkeit und relevante Produktdaten nachvollziehbar belegt werden können. Für Lebensmittelhersteller entsteht daraus ein komplexes Spannungsfeld. Weniger oder alternatives Verpackungsmaterial ist nicht automatisch die bessere Lösung. Die Verpackung muss das Produkt zuverlässig schützen, auf der Maschine stabil laufen und zur jeweiligen Lieferkette passen. Barrierewirkung, Dichtigkeit, Siegeleigenschaften, Materialeinsatz und Recyclingfähigkeit sind daher nicht isoliert zu betrachten. Auch die Umweltwirkung lässt sich nicht allein an der Materialart festmachen:
Herstellung, Transport, Energiequelle und Verwertung beeinflussen die Gesamtbilanz. »Wer Verpackungen zukunftssicher gestalten will, braucht deshalb mehr als ein neues Folienkonzept. Gefragt ist ein dokumentiertes Gesamtsystem – von ›Design for Recycling‹ und vergleichender Umweltbewertung über Prototypen, Laboranalysen und Anwendungstests bis zur marktreifen Serienfertigung«, so Carolin Grimbacher, geschäftsführende Gesellschafterin von SÜDPACK. Strukturierte Produkt- und Spezifikationsdaten schaffen zudem die Grundlage für technische Dokumentationen, Lieferantenbewertungen und belastbare Entscheidungen im Einkauf. SÜDPACK führt diese Perspektiven zusammen. Als Entwicklungs- und Lösungspartner werden Unternehmen von der ersten Konzeptidee bis zur stabilen Serienanwendung
begleitet. Dabei verbinden sich Produktschutz, Recyclingfähigkeit und Wirtschaftlichkeit mit Datenunterstützung und einem dokumentierten Nachhaltigkeitsmanagement. So lassen sich ökologische Verbesserungen bewerten, technische Risiken frühzeitig erkennen und bestehende Maschineninvestitionen besser absichern. Die entscheidende Managementfrage lautet daher: Welche Lösung erfüllt ihre Funktion, ist prozesssicher, wirtschaftlich tragfähig – und hält einer Überprüfung stand? Weitere Informationen unter: suedpack.com
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Die Lebensmittelverpackung der Zukunft ist zirkulär
Verpackungen sind aus der Lebensmittelbranche nicht wegzudenken: Sie schützen Produkte, ermöglichen Transport und Lagerung, sind Markenbotschafter und tragen zur Haltbarkeit bei. Gleichzeitig stehen Verpackungen zunehmend im Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Hersteller und Produzent verpackter Güter, die Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Verpackungen zu tragen.
Dr. Gerald Rebitzer Vice President Sustainability Operations & Advocacy bei Amcor
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it der neuen EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation – PPWR) steigen die Anforderungen an Verpackungsminimierung, Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft. Damit betrifft das Thema nicht nur Verpackungshersteller, sondern vor allem auch Unternehmen, die Lebensmittel auf den Markt bringen. Welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Lebensmittelbranche ergeben, darüber sprechen wir mit Dr. Gerald Rebitzer, Vice President Sustainability Operations & Advocacy bei Amcor, im folgenden Interview. Herr Dr. Rebitzer, seit August gilt die PPWR in der gesamten EU. Die Fachwelt ist sich einig, dass ohne diese Maßnahmen der Verpackungsabfall in der EU bis 2030 voraussichtlich stark ansteigen würde. Was müssen Lebensmittelhersteller und -anbieter durch diese Gesetzgebung ändern? Die PPWR bringt einen grundlegenden Wandel für die gesamte europäische Konsumgüter- und Verpackungsindustrie und richtet sich erstmals direkt an Unternehmen und Verpackungen. Bis 2030 müssen grundsätzlich alle Verpackungen recyclingfähig gestaltet sein. Insbesondere bei Kunststoffverpackungen werden daher Verbundmaterialien zunehmend durch besser recycelbare Monomaterialien ersetzt. Zudem gelten verbindliche Rezyklatquoten: Für kontaktsensitive Verpackungen, etwa Lebensmittelverpackungen, sind ab 2030 mindestens zehn Prozent Post-Consumer-Rezyklat (PCR) vorgeschrieben; für andere Kunststoffverpackungen gelten höhere Quoten. Seit dem 12.August 2026 gelten außerdem strenge PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelverpackungen. Diese Vorgaben erfordern teilweise den Ersatz etablierter Materialien und Produktionsprozesse durch alternative Lösungen. Gleichzeitig müssen die Mitgliedstaaten die getrennte Sammlung, Sortierung und das Recycling ausbauen und die Extended Producer Responsibility (EPR)-Systeme europaweit harmonisieren. Diese verpflichten
Wird mit der PPWR auch das Problem der Multimaterial-Verpackungen, also z.B. der fest verklebten Papier-PlastikVerbunde, und der rußgeschwärzten Kunststoffe angegangen? Ja, die PPWR geht diese Probleme grundsätzlich an. Die Recyclinganforderungen führen zu einem Wechsel von Multimaterial-Verpackungen zu recyclingfähigen Monomaterialien wie Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE), da herkömmliche Materialverbunde schwer bis gar nicht recycelbar sind. Zudem fordert die PPWR die Minimierung von Verpackungsmaterial. Durch EPR mit Eco-Modulation werden materialreduzierte und recyclingfähige Verpackungen finanziell begünstigt, während z. B. rußgeschwärzte Kunststoffe wegen ihrer schlechten Sortierbarkeit eingeschränkt werden. Wo liegen heute die größten Zielkonflikte zwischen Convenience, Kosten, Lebensmittelsicherheit und Nachhaltigkeit? Zunächst einmal gibt es Bereiche, bei denen keine Kompromisse möglich sind: Lebensmittelsicherheit und Produktschutz sind nicht verhandelbar. Nachhaltigere Verpackungen dürfen weder die Qualität noch den Schutz der Lebensmittel beeinträchtigen. Gleiches gilt für das Verbrauchererlebnis: Verpackungen müssen praktisch und komfortabel sein, während Recycling einfach und intuitiv bleiben sollte, um Akzeptanz und Sammelquoten nicht zu gefährden. Zudem tragen funktionierende Verpackungen zur Nachhaltigkeit bei, da Lebensmittelabfälle häufig deutlich umweltrelevanter sind als die Verpackung selbst. Die größte Herausforderung sind die Kosten für neue Materialien, Technologien sowie Sammel- und Recyclingsysteme. Langfristig können sich diese durch Skalierung und Marktreife relativieren, doch kurzfristig bleiben sie eine Hürde. Dabei sollten Unternehmen auch EPR-Gebühren berücksichtigen, da besser recycelbare Verpackungen Kostenvorteile bieten können. Wir empfehlen daher, frühzeitig zu handeln – denn wer die PPWR-Anforderungen und Fristen nicht rechtzeitig erfüllt, riskiert, Produkte künftig nicht mehr auf dem EU-Markt vertreiben zu können. Dies betrifft sowohl europäische Hersteller als auch Importeure aus anderen Regionen. Welche Veränderungen wünschen sich Lebensmittelhersteller und
Verbraucher:innen bei Verpackungen? Unsere jüngsten Verbraucherbefragungen in Europa zeigen sehr klar, dass Nachhaltigkeit für Konsument:innen wichtig bleibt, sie aber vor allem konkrete und verständliche Lösungen erwarten. 84 Prozent der Verbraucher:innen achten auf Recyclinghinweise auf Verpackungen und nennen Recycelbarkeit als einen der wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekte bei Kaufentscheidungen. Verbraucher:innen wünschen sich Transparenz und klare Orientierung statt komplexer Umweltversprechen. Genau hier setzt auch die PPWR an. Sie schafft europaweit einheitliche Vorgaben für Kennzeichnungen und Entsorgungshinweise. Die gute Nachricht ist: Die Technologie ist bereits vorhanden. Bei Amcor können wir heute für mehr als 95 Prozent unseres Verpackungsportfolios recyclingfähige Lösungen anbieten. Nun gilt es, diese Lösungen gemeinsam mit unseren Kund:innen in großem Maßstab in den Markt zu bringen. Brauchen wir eher bessere Einwegverpackungen, mehr Mehrweg oder besseren Refill? Mehrweg-, Refill- und Recyclinglösungen haben jeweils ihren Platz. Bei Getränken funktionieren Mehrwegsysteme dank etablierter Sammel-, Rückgabe- und Reinigungssysteme bereits sehr erfolgreich. Bei vielen Lebensmittelverpackungen sind Mehrweg- und Refill-Konzepte dagegen deutlich schwieriger umzusetzen, vor allem bei Verpackungen, die mit Produkten wie rohem Fleisch oder Fisch in Kontakt kommen. Deshalb sehen wir Recycling als einen zentralen Baustein der Verpackungszirkularität. Verpackungen sollten so gestaltet werden, dass sie nach Gebrauch gesammelt, sortiert und wieder zu hochwertigen Rohstoffen verarbeitet werden können. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kombiniert also Mehrweg mit einem starken Recycling. Warum spielt lebensmitteltaugliches Rezyklat eine Schlüsselrolle bei zirkulären Verpackungen? Rezyklat in Lebensmittelkontaktqualität spielt eine Schlüsselrolle für die Kreislaufwirtschaft. Verpackungen werden nur dann wirklich zirkulär, wenn das Material nach Gebrauch wieder für neue Verpackungen eingesetzt werden kann – idealerweise auch für Lebensmittelverpackungen. Die Herstellung von Rezyklat in Lebensmittelkontaktqualität ist eine zentrale Herausforderung der Kreislaufwirtschaft, da höchste Anforderungen an Verbraucher- und Produktsicherheit gelten. Grundsätzlich gibt
es zwei Recyclingwege: Beim mechanischen Recycling werden Kunststoffe sortiert, gereinigt und zu Rezyklat aufbereitet. Das chemische Recycling führt sie auf molekularer Ebene auf ihre Grundbausteine zurück, aus denen neuer Kunststoff entsteht. Beide Verfahren werden künftig eine wichtige Rolle spielen. Mit unserem mechanischen CleanStream®-Verfahren stellen wir beispielsweise aus gebrauchten Polypropylenverpackungen Rezyklat für kontaktsensitive Anwendungen wie Kosmetik her. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zur geplanten großindustriellen Herstellung von Rezyklat in Lebensmittelkontaktqualität. Welche Rolle kann ein globales Verpackungsunternehmen wie Amcor bei der Transformation der Lebensmittelindustrie spielen? Die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft für Verpackungen kann kein Unternehmen allein bewältigen. Deshalb sprechen wir bei Amcor von einer Circular Society, einer Kreislaufwirtschaft durch Zusammenspiel aller Akteure. Amcor gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Wir entwickeln recyclingfähige Verpackungen und Recyclingtechnologien, fördern den Einsatz von Rezyklaten und unterstützen unsere Kund:innen bei der Umsetzung der PPWR. Dabei verfolgen wir einen materialunabhängigen Ansatz und verbinden Produktschutz, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit mit Lösungen aus Kunststoff, Papier und Aluminium. Entscheidend ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten: von Rohstofflieferunternehmen und Verpackungs- sowie Lebensmittelhersteller über Handel, Sammel- und Recyclingunternehmen bis hin zu Verbraucher:innen, die korrekt entsorgen. Weitere Informationen unter: amcor.com
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Verpackungen schützen Ressourcen Flexible Verpackungen leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, die Qualität empfindlicher Lebensmittel zu bewahren, Transport und Lagerung zu sichern, ihre Haltbarkeit zu verlängern und Lebensmittelverluste zu reduzieren. Gleichzeitig stärken sie durch funktionale und ansprechende Gestaltung die Markenwirkung und unterstützen die erfolgreiche Positionierung der Produkte im Markt.
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liegt unser Fokus bei einer möglichen Expansion eher auf Lateinamerika, wo wir bislang keine eigenen Standorte haben.
Jürgen Enderle General Manager, Flexible Packaging Western Europe
Manfred Marz Head of Product Development, Flexible Packaging
Markus Schäftner VP Global R&D, Flexible Packaging
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erpackungen verursachen jedoch gleichzeitig Abfallmengen, die die Verpackungsbranche vor die Herausforderung stellt, Lebensmittelschutz und Nachhaltigkeit miteinander zu vereinen. Wie dieser Spagat gelingt und wie Verpackungslösungen der Zukunft aussehen, darüber sprechen wir mit drei Flexible-PackagingExpert:innen von Huhtamaki: Jürgen Enderle, General Manager, Manfred Marz, Head of Product Development und Markus Schäftner, VP Global R&D, Flexible Packaging. Herr Enderle, Sie sind in 35 Ländern aktiv. Welche Faktoren spielen bei der Standortwahl für flexible Verpackungen heute eine wichtige Rolle? Enderle: Die größte Rolle spielen Kundennähe, sichere Rohstoffversorgung und qualifizierte Fachkräfte. Globale Kund:innen erwarten zunehmend eine Produktion vor Ort, um Lieferzeiten und Kosten zu reduzieren und Einfuhrzölle zu vermeiden, gleichzeitig gewinnt lokales Sourcing an Bedeutung, um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und deren Krisenanfälligkeit zu verringern. Europa verfügt weiterhin über wichtiges Know-how, moderne Anlagen und hohe Qualitätsstandards. Ein vergleichbares Qualitätsniveau an neuen Standorten aufzubauen, ist zwar möglich, erfordert jedoch Zeit. In Asien und im Nahen Osten sind wir bereits mit eigenen Produktionsstätten vertreten, daher
Wie unterscheiden sich die Anforderungen an flexible Verpackungen zwischen Europa und Asien? Enderle: Grundsätzlich kommen weltweit die gleichen Produktionstechnologien, Maschinen und Materialien zum Einsatz. Unterschiede bestehen jedoch bei den Anforderungen der Kund:innen und den regionalen Standards. Während in Europa mit der PPWR-Gesetzgebung die Umstellung auf nachhaltige Verbundmaterialien geplant ist, besteht dafür in vielen anderen Ländern derzeit weder eine entsprechende Nachfrage noch ein Interesse seitens der Kund:innen. Gleichzeitig entstehen rund um die Welt eine Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen und Regularien, die erfüllt werden müssen. Haben Sie Lösungen, die sich global standardisieren lassen? Enderle: Ja, durchaus. Wir entwickeln und produzieren für globale Kund:innen – die einen Großteil unserer Kund:innen ausmachen – ein Produkt. Und das wird dann überall auf der Welt, im gleichen globalen Standard verkauft, ganz gleich, wohin wir liefern. Wie beeinflusst die PPWR Ihre Überlegungen zu zukünftigen Standorten? Marz: Bei der Standortwahl müssen Produktschutz, regulatorische Anforderungen und Kosteneffizienz miteinander vereinbart werden. Viele unserer Mitarbeitenden im Ausland registrieren ein sehr großes Interesse an der europäischen PPWR, auch wenn in den jeweiligen Ländern die Gesetzgebung für nachhaltige Verpackungen noch weit hinterherhinkt. Da Verpackungslösungen gleichzeitig immer komplexer und anspruchsvoller werden, werden moderne Produktionstechnologien und entsprechendes Know-how immer wichtiger. Die Wahl eines Standorts sollte sich daher auch an der verfügbaren technischen Expertise und der Möglichkeit, hohe Qualitätsstandards zu erfüllen, orientieren. Was muss denn eine flexible Verpackung heute können? Schäftner: Die wichtigste Aufgabe einer Verpackung ist zunächst der Produktschutz, darüber hinaus muss sie funktional und ressourceneffizient sein. Dazu gehören ein geringer Materialeinsatz, leichte Verpackungen (Lightweighting) und Recyclingfähigkeit. Gleichzeitig muss die Verpackung eine ausreichende Barrierewirkung bieten und sich effizient und sicher verarbeiten lassen. Auch ökologische und wirtschaftliche Faktoren, wie der CO₂-Fußabdruck und die
Materialkosten, spielen eine wichtige Rolle. Letztlich muss die Verpackung aber auch die Konsument:innen überzeugen, sich von anderen Verpackungen abheben und einen Kaufimpuls auslösen. Es geht also um das Zusammenspiel aller Anforderungen, um eine leistungsfähige, nachhaltige und wettbewerbsfähige flexible Verpackung zu entwickeln. Welche Anforderungen von Markenhersteller:innen haben sich in den letzten Jahren bei den flexiblen Verpackungen am stärksten verändert? Marz: Die wichtigsten Themen in den Gesprächen mit Kund:innen und Markenhersteller:innen sind Nachhaltigkeit – und die Differenzierung vom Wettbewerb. Markenhersteller:innen stehen durch Inflation, steigende Kosten und günstigere Eigenmarken unter Druck. Deshalb wird die Verpackung immer wichtiger, um den Markenkern hervorzuheben und Konsument:innen zum Kauf zu überzeugen. Dabei spielen insbesondere das Design, die Funktionalität und die einfache Handhabung eine Rolle. Wie sieht der Entwicklungsprozess aus, wenn Sie eine neue Verpackungslösung für eine Marke entwickeln? Und wo werden Design, Funktionalität und Nachhaltigkeit abgewogen? Schäftner: Ausgangspunkt sind immer Produkt und Kundenanforderung: Was packe ich ab? Wie lange soll der Inhalt haltbar sein? Wo wird es verkauft? Was passiert mit dem Produkt? Wo wird es konsumiert – zuhause, im Kino oder irgendwo auf dem Weg? Das beeinflusst maßgeblich, ob das Produkt in den Recyclingkreislauf gelangt oder über öffentliche Entsorgungssysteme entsorgt wird. Die nächste Frage lautet: Wie bringen wir das Produkt erfolgreich auf den Markt? Technische Anforderungen und Nachhaltigkeit müssen dabei ebenso erfüllt sein wie die Marketingziele. Wir müssen also auch die Bedürfnisse der Endkonsument:innen verstehen. Denn nur wenn alle Dimensionen überzeugen, funktioniert das Ganze. Welche Rolle spielen Haptik, Optik und Bedruckbarkeit? Marz: Die Optik ist ein entscheidender Faktor! Es ist gar nicht so einfach, bei einer neuen Verpackung Nachhaltigkeit und Markenidentität zusammenzubringen, denn alternative, recyclingfähige Materialien unterscheiden sich teilweise deutlich in Glanz, Haptik und Bedruckbarkeit von herkömmlichen Verpackungen. Dadurch kann sich das gewohnte Erscheinungsbild einer Marke verändern, und das wiederum kann Kaufentscheidungen stark beeinflussen. Vor allem bei neuen Produktlinien mit Fokus auf Gesundheit oder biologisch angebauten Nahrungsmitteln lässt sich nachhaltiges
Verpackungsdesign leichter umsetzen als bei Produkten, die seit Jahren gekauft werden. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kund:innen Lösungen und beziehen auch Marketingteams in unsere Workshops ein. Herr Schäftner, Sie bieten mit blueLite, blueloop PO, blueloop PE und blueloop Paper unterschiedliche Ansätze für nachhaltige, flexible Verpackung. Wo sind die jeweiligen Stärken und für welche Anwendungen eignen sie sich? Schäftner: In den vergangenen 30 Jahren wurden Verpackungen kontinuierlich material- und ressourceneffizienter gestaltet. Die neuen regulatorischen Anforderungen beschleunigen nun den Wandel hin zu recyclingfähigen Monomaterialien und papierbasierten Barriere-Alternativen. Dieser Wandel erfordert jedoch Zeit, da auch Produktionsprozesse und Abfüllanlagen und final die Lagerbeständigkeit geprüft werden müssen. Wir verfolgen deshalb eine schrittweise Roadmap, um für jede Anwendung die nachhaltigste und funktional geeignete Lösung zu entwickeln. Welches Material zum Einsatz kommt, hängt von den Produktanforderungen ab: Polyethylen eignet sich beispielsweise für flexible Nachfüllbeutel, Polypropylen für wärmebehandelte Tiernahrungsverpackungen und Papier zunehmend auch für Anwendungen mit hohen Barriere-Anforderungen wie mit trockenen Füllgütern. Und welchem dieser drei blueloopProdukten würden Sie die höchste Zukunftsfähigkeit attestieren? Marz: Kunststoff bleibt unverzichtbar, da Papier in bestimmten Produktkategorien nicht alle Anforderungen an Produktschutz und Funktionalität erfüllt. Trotzdem gewinnen Papierverpackungen durch etablierte Recyclingstrukturen und hohe Verbraucherakzeptanz an Bedeutung. Die wesentliche Botschaft lautet jedoch: Verpackungen schützen Produkte und helfen, Lebensmittelverluste sowie unnötigen Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Deshalb sollte eine funktionierende Kreislaufwirtschaft geschaffen werden, die den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt. Weitere Informationen unter: huhtamaki.com
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Coveris • Brandreport
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Europa macht’s vor: Lebensmittelverpackungen im Kreislauf Kunststoffverpackungen werden oftmals kritisiert, bieten jedoch unschlagbare Vorteile: Sie schützen unsere Lebensmittel und ermöglichen einen effizienten Materialeinsatz – wenn die Verpackungen recyclingfähig gestaltet werden und die verwendeten Wertstoffe konsequent im Kreislauf bleiben.
Nikolaus Wolfram Chief Operating Officer, Coveris
Philipp Niehues ReCover Business Development Director
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ie das gelingen kann und welche Rolle Rezyklate und CO2 bei zukünftigen Lebensmittelverpackungen spielen, darüber sprechen wir mit Philipp Niehues, ReCover Business Development Director von Coveris, und Nikolaus Wolfram, Chief Operating Officer von Coveris, im Interview. Herr Wolfram, Herr Niehues, welche Verpackungslösungen entwickelt Coveris für die Lebensmittelbranche? Und was müssen diese leisten? Wolfram: Coveris ist eine internationale Industriegruppe, die sich auf flexible Verpackungen aus Papier und Kunststoff spezialisiert hat. Unser wichtigster Absatzmarkt ist der Bereich hochtechnologischer Lebensmittelverpackungen für Produkte wie Fleisch, Käse, Fisch, Obst und Gemüse, aber auch weitere Marktsegmente wie Süßwaren, Tiernahrung oder Transportfolien. Flexible Verpackungen haben den Vorteil, dass sie im Vergleich zu starren Verpackungen wie Flaschen bis zu zehnmal weniger Material benötigen. Bisher bestanden flexible Verpackungen häufig aus unterschiedlichen Materialien, um optimale Barriere-Eigenschaften gegen schädliche Einflüsse zu bieten, um Aromen und Qualität zu erhalten. Die Herausforderung besteht heute darin, vergleichbare Eigenschaften mit recyclingfähigen Monomaterialien zu erreichen. Dies erlaubt, die Rezyklate wieder in den Verpackungskreislauf zu bringen. Wie trägt die richtige Verpackung dazu bei, genau diese Lebensmittel sicher und länger frisch zu halten? Wolfram: Unsere Verpackungsmaterialien verfügen über spezielle Barriereeigenschaften,
die das Lebensmittel vor schädlichen Einflüssen wie Sauerstoff, Feuchtigkeit und Licht schützen und so eine möglichst lange Haltbarkeit gewährleisten. Diese hochkomplexen Verpackungen müssen jetzt recyclingfähig werden, indem man sie durch möglichst sortenreine Materialien mit denselben hervorragenden Schutzeigenschaften ersetzt. Außerdem müssen sie sich schnell und zuverlässig verarbeiten lassen, ohne die Maschinenlauffähigkeit zu beeinträchtigen, zusätzliche Kosten oder Ausschuss zu verursachen. Wie entscheiden Sie, ob Papier oder Kunststoff besser geeignet ist? Wolfram: Das hängt stark von der jeweiligen Anwendung, den Kundenanforderungen und der gewünschten Haltbarkeit ab. Für bestimmte Produkte kann Papier durchaus sinnvoll sein, bei anderen, wie Fleisch oder Fisch ist es jedoch eher ungeeignet. Hier sind kunststoffbasierte Monomaterialien, die sich gut im Kreislauf führen lassen, häufig die sinnvollere Lösung. In der Süßwarenindustrie dagegen bietet Papier viele Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel für Schokolade.
Warum lassen sich recycelte Kunststoffe bisher nicht ohne Weiteres wieder für die Lebensmittelverpackungen einsetzen? Niehues: Das Thema umfasst technologische und regulatorische Aspekte. Während PETFlaschen bereits mit hohen Recyclinganteilen hergestellt werden können, ist das bei flexiblen Kunststoffmaterialien deutlich schwieriger, da sie in ihrer Funktionalität komplexer sind. Deshalb ist ihr Einsatz in lebensmittelberührenden Verpackungen streng reguliert. Wie gehen Sie bei Coveris mit dem Thema Recycling um? Gibt es hierzu Lösungen? Niehues: Mit ReCover bündeln wir unsere nachhaltigen Recyclingaktivitäten. Unsere eigens entwickelte De-Inking-Technologie entfernt Druckfarben aus bedruckten Verpackungen, bevor diese mechanisch zu hochwertigem Granulat recycelt werden. So verhindern wir, dass Farbrückstände die mechanischen und hygienischen Eigenschaften des Rezyklats beeinträchtigen.
Sie haben vier Standorte in Deutschland. Worauf sind diese spezialisiert? Wolfram: Coveris ist mit 18 Standorten vor allem in Europa vertreten. In Deutschland haben wir mit der kürzlich erfolgten Akquisition eines Werks in Gera jetzt vier Standorte.
Aus dem Granulat können neue Verpackungen für dieselben Anwendungsbereiche hergestellt und erneut bedruckt werden. Wir schließen den Materialkreislauf und erhalten dadurch wertvolle Rohstoffe. Gemeinsam mit unseren Partnern bieten wir also für jede Anforderung einen passenden Recycling-Stream.
An unserem Standort in Gera sind wir auf Folien für recyclingfähige Monomaterialverpackungen spezialisiert, zum Beispiel für Backwaren. In Halle in Westfalen produzieren wir Hochbarrierefolien für Lebensmittel- und Medizinanwendungen, Warburg ist auf flexible Verpackungen für Lebensmittel und Non-Food spezialisiert. In Rohrdorf liegt der Fokus auf medizinischen Anwendungen.
Das Recycling für Lebensmittelverpackungen würde eine große Herausforderung lösen, da die Auflagen natürlich sehr hoch sind. Gibt es hier Ansätze? Niehues: Gemeinsam mit unserem Partner Nextek arbeiten wir an der Technologie COtooCLEAN, bei der recycelter Kunststoff mithilfe von CO₂ tiefengereinigt wird.
Welche Nachhaltigkeitsziele und gesetzlichen Vorgaben prägen heute die Entwicklung von Lebensmittelverpackungen und wie können Sie Ihre Hersteller dabei unterstützen? Niehues: Die PPWR stellt hohe Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Verpackungen und den Einsatz von Rezyklaten. Bei flexiblen Verpackungen gibt es dabei noch technische Herausforderungen. Monomateriallösungen erleichtern das Recycling, gleichzeitig arbeiten wir an verschiedenen Recyclingtechnologien, um bis 2030 den sicheren Einsatz von Rezyklaten auch in Lebensmittelverpackungen zu ermöglichen. Die Produktsicherheit hat dabei immer oberste Priorität.
Dadurch bekommen wir qualitativ reines, hochwertiges Material, das wieder für Lebensmittelverpackungen verwendet werden kann. Aktuell laufen dazu Langzeittests, um die europäische Zulassung für Lebensmittelkonformität für diese Rezyklate zu erhalten. Ab 2030 sollen Lebensmittelverpackungen laut EU-Verpackungsverordnung zehn Prozent recycelten Kunststoff enthalten. Dafür brauchen wir neben geeigneten Technologien vor allem regulatorische Entscheidungen und Planungssicherheit. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Sicherheit der Verbraucher. Können Sie einen konkreten Recyclingkreislauf aus Ihrer
Praxis beschreiben? Niehues: Ein gutes Beispiel für Kreislaufwirtschaft sind unsere neuen Etiketten für deutsche Mehrweg-PET-Flaschen. PET-Flaschen werden mehrfach verwendet und haben dadurch einen geringen CO₂Fußabdruck. Bisher bestand allerdings das Etikett, das die Flasche umgibt und Markenlogos sowie Produkt- und regulatorische Informationen trägt, nicht aus recyceltem Material. Wir nehmen gebrauchte Folien zurück, entfernen die Druckfarben und verarbeiten das Material zu neuen Etiketten mit 35 Prozent recyceltem Kunststoff. So schließen wir den Materialkreislauf und machen nicht nur die Flasche, sondern auch ihre Verpackung nachhaltiger. Dieses Prinzip übertragen wir auf weitere Bereiche. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir so maßgeschneiderte Kreislauflösungen. Was möchten Sie bei Lebensmittelverpackungen als nächstes erreichen? Niehues: Kurzfristig sind wir bei Monomaterialien – der Grundlage für ein einfaches Recycling – bereits gut aufgestellt, die langfristige Herausforderung ist allerdings, mehr recycelten Kunststoff eben auch in Lebensmittelverpackungen einzusetzen. Dabei müssen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbunden werden. Da chemisches Recycling voraussichtlich sehr teuer ist, setzen wir auf CO₂ – denn Recyclingfähigkeit soll kein Luxus werden! Wolfram: Europa ist mutig vorangegangen und nimmt hier weltweit eine Vorreiterrolle ein. Auch außereuropäische Unternehmen beobachten genau, wie sich Europa weiterentwickelt, und orientieren sich daran. Wir bei Coveris nehmen unsere Nachhaltigkeitsziele sehr ernst und arbeiten mit ReCover seit Jahren daran. Unser Wunsch an den Gesetzgeber ist, angekündigte Regelungen verlässlich und zeitnah umzusetzen – und einen europäischen Flickenteppich wegen unterschiedlicher nationaler Vorgaben zu vermeiden. Das schafft Planungssicherheit für die Verpackungs- und Lebensmittelindustrie. Weitere Informationen unter: coveris.com