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Fokus Future of Energy

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Future of Energy

Andreas Schierenbeck

Für die Energiewende ist Zeit inzwischen eine

Ressource wie Kapital.

Netzbau, Energie und Mobilität –Wir bauen Ihre Infrastruktur von morgen. schweizweit aus einer Hand.

Energiewende

und Stromabkommen: Ein Beitrag zur Resilienz der Schweiz!

Würde man heute ein Energiesystem auf der grünen Wiese neu entwerfen, wäre die Richtung klar: Es würde auf Strom aus erneuerbaren Energien anstatt auf Verbrennungstechnologien basieren. Denn allen ist klar: Elektrische Anwendungen nutzen Energie wesentlich effizienter. Gleichzeitig gehören Solar- und Windenergie heute in vielen Regionen zu den günstigsten Formen neuer Stromproduktion.

Gemäss der Internationalen Energieagentur dürften 2026 weltweit denn auch rund 2,2 Billionen US-Dollar in sogenannte «low emissions» Energietechnologien und -infrastrukturen fliessen. Konkret sind das Investitionen in erneuerbare Energien, Netze, Speicher, Effizienz, Elektrifizierung – und zu einem kleinen Teil auch in die Nuklearenergie. Das ist fast doppelt so viel wie die rund 1,2 Billionen US-Dollar, die 2026 nach wie vor in Öl, Gas und Kohle investiert werden.

Hohe Abhängigkeit von Fossilen bedeutet Risiko

Unser heutiges Energiesystem stammt jedoch aus einer anderen Zeit. Noch immer basiert ein grosser Teil des weltweiten Energieverbrauchs auf Öl und Gas. Die Schweiz deckt beispielsweise knapp 60 Prozent ihres Endenergieverbrauchs mit fossilen Energien, die fast vollständig importiert werden und entsprechende Abhängigkeiten schaffen. Diese Energie wird mehrheitlich verbrannt – in Motoren, Heizungen und industriellen Prozessen. Das ist in vielen Anwendungen deutlich weniger effizient als elektrische Alternativen. Für dieselbe Energiedienstleistung benötigen Wärmepumpen oder Elektromotoren oft nur einen Bruchteil der eingesetzten Energie.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir die Energiewende brauchen, sondern weshalb wir sie nicht schon früher konsequent vorangetrieben haben. Der Hauptgrund liegt in der Geschichte unseres Energiesystems. Infrastrukturen werden über Jahrzehnte aufgebaut und genutzt – und verändern sich entsprechend langsam. Gleichzeitig waren erneuerbare Energien lange Zeit teurer als fossile Alternativen. Erst der massive weltweite Ausbau der Erneuerbaren hat zu den enormen Kostensenkungen der letzten Jahre geführt. Die Kosten von Photovoltaik (PV) und Lithium-Ionen-Batterien sind seit 2010 beispielsweise um rund 90 Prozent gefallen.

Elektrifizierung schreitet global voran Heute investieren deshalb praktisch alle grossen Volkswirtschaften mit hoher Geschwindigkeit in die Elektrifizierung, speziell in erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und Effizienz. Gemäss der Internationalen Energieagentur fliesst in vielen Weltregionen heute der überwiegende Teil der Investitionen in neue Stromerzeugungskapazitäten in emissionsarme Technologien. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern liegt dieser Anteil bereits bei

mindestens 75 Prozent, in zahlreichen fortgeschrittenen Volkswirtschaften sogar bei über 90 Prozent.

Besonders eindrücklich ist diese Entwicklung in China. China sieht die Dekarbonisierung und den Umbau des Energiesystems als Teil eines umfassenden «industrial upgrading», welches die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit erhöht. China war 2025 mit rund 60 Prozent des globalen PV-Zubaus, rund 70 Prozent des Windzubaus und rund 60 Prozent des Zubaus bei Batteriespeichern absoluter Spitzenreiter bei zentralen Technologien der Energiewende.

Klare Zielsetzung der Schweiz

Die Schweiz geht diesen Weg ebenfalls – die Bevölkerung hat 2023 klar ja gesagt zum NettoNull-Ziel 2050 und damit zur Abkehr von den fossilen Energien. Zahlreiche Studien der ETH und anderer Hochschulen zeigen, dass ein klimaneutrales Energiesystem technisch machbar und wirtschaftlich tragfähig ist. In der politischen Debatte dominieren jedoch häufig die Risiken des Wandels.

Dabei ist ein erneuerbares Energiesystem weit mehr als ein Beitrag zum Klimaschutz. Es stärkt die Resilienz der Schweizer Wirtschaft, reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und schafft neue Chancen für Innovation und Wertschöpfung.

Gerade die dezentrale Struktur neuer Energieinfrastrukturen, die oft als Herausforderung dargestellt wird, kann – intelligent vernetzt – zu einer ihrer grössten Stärken werden: Sie erhöht die Robustheit des Systems und senkt langfristig dessen Kosten.

Das sehen auch die Mitglieder von swisscleantech so: Rund 90 Prozent haben in einer kürzlichen Umfrage deutlich gemacht, dass sie trotz geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weiter konsequent in die Elektrifizierung und damit auch in die Reduktion der CO2-Emissionen investieren.

Stromabkommen mit EU als zentraler Hebel Natürlich bleibt der Umbau anspruchsvoll. Es braucht mehr Kompromissbereitschaft und deutlich mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren sowie Investitionen in Energieeffizienz, leistungsfähige Stromnetze und zusätzliche Speicher. Ebenso wichtig ist die stärkere Nutzung von Flexibilität – etwa durch dynamische Stromtarife und die intelligente Steuerung von Verbrauchern.

Gerade in den Wintermonaten bleibt zudem die Integration in den europäischen Strommarkt zentral. Genau hier kommt das Stromabkommen mit der EU ins Spiel. Das Abkommen schafft verlässliche Rahmenbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel und stärkt die Stabilität des Systems. Das Stromabkommen ist deshalb keine Alternative zum Ausbau der Stromproduktion im Inland. Es ist eine Voraussetzung dafür, dass dieser Ausbau kosteneffizient und systemdienlich gelingt. Ohne geregelten Zugang zum europäischen Strommarkt wird die Energiewende für die Schweiz nicht nur teurer, sondern auch langsamer. Und ein «Weiter wie bisher» ist keine Option mehr, das hat die EU klargemacht – wir brauchen ein Abkommen, um vom europäischen Strommarkt zu profitieren. Erfreulicherweise hat auch die Energiekommission des Ständerates diese Bedeutung anerkannt und ist kürzlich auf das Stromabkommen eingetreten, um mit der Detailberatung zur inländischen Umsetzung zu beginnen.

Energiewende und Stromabkommen sind keine getrennten Projekte. Wer Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz stärken will, muss beides gleichzeitig vorantreiben – den entschlossenen Ausbau der Stromproduktion im Inland ebenso wie die institutionelle Einbindung der Schweiz in den europäischen Strommarkt.

Die Schweiz verfügt über das technologische Know-how, innovative Unternehmen und die wirtschaftliche Stärke, diesen Wandel erfolgreich zu gestalten. Was jetzt gefragt ist, sind klare politische Rahmenbedingungen und der Wille, die Umsetzung mit dem notwendigen Tempo voranzutreiben

Text Fabian Etter, Co-Präsident swisscleantech und Michael Mandl, Co-Geschäftsführer swisscleantech

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Lesen Sie mehr. 06 Digitalisierung der Energiewende 10 Interview: Thomas Paroubek 14 Elektromobilität und Ladeinfrastruktur

20 Solarenergie und Photovoltaik 24 Gastartikel 28 Wärmewende 30 Kritische Infrastruktur

Fokus Future of

Projektleitung

David Ray

CCO

Carl-Henrik Hagelberg

Produktionsleitung

Kevin Meier

Layout

Mathias Manner

Text

André Bardow, Christian

Titelbild zVg

Distributionskanal Tages-Anzeiger Druckerei DZZ Druckzentrum AG

Smart Media Agency. Gerbergasse 5, 8001 Zürich, Schweiz Tel +41 44 258 86 00 info@smartmediaagency.ch redaktion@smartmediaagency.ch fokus.swiss

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Viel Spass beim Lesen! David Ray Project Manager
Energy.
Schaffner, Eyvonne R. Ranjan, Lea A. Ruefenacht, Pia Soldan, SMA, Walter Nogueira

Unsere Gesellschaft steht vor grossen Herausforderungen. Wer Energie- und Umwelttechnik studiert, ist Teil der Lösung.

Wir leben heute in einer Welt, die von grossen Widersprüchen und Unsicherheiten geprägt ist. Einerseits werden die negativen Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels immer offensichtlicher und die Warnungen der Klimaforscherinnen und -forscher entsprechend dringlicher, was aber keine politischen Konsequenzen zu haben scheint. Andererseits entwickeln sich diejenigen Technologien rasant weiter, die für die Lösung der Klimakrise erforderlich sind. Dürfen wir also hoffen, dass die Technik uns rettet und die Klimakatastrophe ausfällt? Nein, denn Hoffnung allein hat noch nie ein Problem gelöst. Wir haben heute die Möglichkeit, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen drastisch zu reduzieren. Ob wir die Chance nutzen, ist vor allem eine Frage der Politik. Fangen wir mit den guten Nachrichten an. Die Fachzeitschrift Science hat das «unaufhaltbare Wachstum der erneuerbaren Energien» zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2025 erkoren.1 Weltweit wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal mehr elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt als durch Kohlekraft. Der globale Stromverbrauch nahm um 849 TWh zu, was zu 99 Prozent durch Sonnen- und Windenergie gedeckt werden konnte.2 Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Wachstum der Erneuerbaren noch nicht abzuflachen scheint. Stattdessen sehen wir zum ersten Mal, wie fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt werden. Der Grund dafür sind unter anderem die sinkenden Preise für Solarpanels und für Batteriespeicher sowie der schnelle Ausbau der Elektromobilität. Elektroautos haben viele Vorteile und einer davon ist, dass sie mobile Batteriespeicher sind, die dann geladen werden können, wenn der Strom möglichst günstig zu haben ist. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert,3 dass in diesem Jahr 30 Prozent der verkauften Neuwagen elektrisch sein werden. Dies ist eine eindeutig positive Entwicklung, weil Elektroautos nicht nur deutlich effizienter sind, sondern auch leise und emissionsfrei. Eines Tages werden wir uns fragen, wie wir auf die Idee kommen konnten, Verbrennungsmotoren in bewohnten Gebieten zuzulassen.

Erneuerbare Energie ersetzt fossile Quellen Die oben genannten Trends gelten auch für Europa. Die Grafik zeigt den europäischen Strommix seit dem Jahr 1990.⁴ Noch im Jahr 2000 waren – abgesehen von der Wasserkraft – nur knappe zwei Prozent der europäischen Stromversorgung erneuerbar. Heute ist diese Zahl auf 35 Prozent angestiegen. Der fossile Anteil der Stromversorgung ist im gleichen Zeitraum von 51 auf 28 Prozent geschrumpft. Auch die Atomkraft ist seit dem Jahr 2004 auf dem Rückzug

Die grossen Probleme unserer Zeit wird uns niemand abnehmen. Es ist höchste Zeit, anzupacken.

und ein schneller Ausbau ist weder politisch noch technisch möglich. Da der Strombedarf in den nächsten Jahren wegen Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen steigen wird, stellt sich die Frage nicht, ob wir die Erneuerbaren weiter ausbauen wollen, sondern wie schnell wir dies tun können.

Dank des technischen Fortschritts bei den erneuerbaren Energien haben wir heute eine echte Chance, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden, was nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und geopolitisch sinnvoll wäre. Es stimmt zwar, dass über 80 Prozent des globalen Primärenergieverbrauchs immer noch von fossilen Energieträgern gedeckt wird, aber diese Zahl ist irreführend, da Verbrennungsmotoren sowie Gas- und Dampfturbinen einen schlechten Wirkungsgrad haben. Nur etwa 40 Prozent der fossilen Energie werden tatsächlich genutzt und der Rest verschwindet buchstäblich durch den Schornstein.⁵ Dadurch verursachen die fossilen Brennstoffe nicht nur über 75 Prozent des Klimawandels,⁶ sondern sind auch für Millionen von Todesfällen durch Luftverschmutzung mitverantwortlich.⁷

Widerstand der Fossilbranche Bei jedem technologischen Durchbruch gibt es Gewinner:innen und Verlierer:innen und Letztere sind meistens nicht bereit, kampflos aufzugeben. Die Einführung von Dampfschiffen

hat die Segelschiffe vom Markt verdrängt, aber der Prozess hat über 100 Jahre gedauert. Heute sind wir mit der Situation konfrontiert, dass etwa ein Drittel aller Frachtschiffe fossile Brennstoffe transportieren und im Energiesystem der Zukunft überflüssig wären.⁸ Dazu kommt die restliche fossile Infrastruktur wie Ölplattformen, Pipelines und Raffinerien, die verschwinden würden. Es geht um viel Geld und der Widerstand der Ölfirmen und Ölstaaten ist nachvollziehbar.

Wenn wir aber die katastrophalsten Auswirkungen des Klimawandels vermeiden wollen, sollten wir keine Zeit verlieren. Das Pariser Abkommen aus dem Jahr 2015 wurde von 194 Nationen unterschrieben und ist völkerrechtlich bindend.⁹ Die Weltgemeinschaft hat sich verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter 2,0 °C zu begrenzen. Leider ist inzwischen klar, dass eine Begrenzung auf weniger als 1,5 °C nicht mehr realistisch ist und auch das Zwei-Grad-Ziel wird mit geplanten und beschlossenen Massnahmen nicht zu erreichen sein. Wir steuern auf eine Welt zu, die 3 °C wärmer sein wird als vor der Industrialisierung. Für die Schweiz bedeutet dies eine Erwärmung von +4,9 °C.1⁰

Jede Krise beinhaltet auch Chancen. Die Dekarbonisierung des Energiesektors und der Ausbau der erneuerbaren Energien werden – wenn die aktuelle Entwicklung anhält – immer schneller voranschreiten. Jetzt nicht nur als Klimaschutzmassnahme,

sondern aus rein wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Überlegungen. Es ergibt keinen Sinn, auf Energieimporte angewiesen zu sein, wenn die Energie im eigenen Land zur Verfügung steht. Die Herausforderung dabei ist nicht die Stromerzeugung, sondern die Speicherung der Energie und die Integration der variablen erneuerbaren Energiequellen in das Stromnetz. Zu diesen Themen wird aktiv an Schweizer Hochschulen geforscht. Auch die Klimaanpassung wird uns vor neue Herausforderungen stellen. Mit den steigenden Temperaturen wird die Trinkwasserversorgung immer anspruchsvoller werden. Städte müssen so geplant und gebaut werden, dass sie auch an heissen Tagen bewohnbar sind. Ausserdem wird die Kreislaufwirtschaft immer wichtiger werden, da wir uns nicht mehr leisten können, verschwenderisch mit Ressourcen umzugehen. Teil der Lösung werden Damit die Energiewende und die Klimaanpassung gelingen, brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte, welche die volle Komplexität des Problems verstehen und systemisch denken und handeln können. Die Studiengänge in Energie- und Umwelttechnik der Schweizer Fachhochschulen bilden Ingenieurinnen und Ingenieure aus, die genau die richtigen Kompetenzen haben, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Sie sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt und finden gut bezahlte, abwechslungsreiche und sinnstiftende Jobs.11

«Wenn nicht jetzt, wann dann?» lautet der Titel eines Bestsellers des deutschen Physikers Harald Lesch. Heute stellt sich eine weitere Frage: Wenn nicht ich, wer dann? Wenn Probleme hinreichend gross sind, sollten wir nicht davon ausgehen, dass sie von anderen gelöst werden. Es ist höchste Zeit, anzupacken. Wenn man Teil der Energiewende werden will, findet man auf studyprogrammes.ch, der offiziellen Studienplattform von swissuniversities, alle aktuellen Studienangebote im Bereich der Energie- und Umwelttechnik.

1 https://www.science.org/content/article/breakthrough-2025 2 https://ember-energy.org/latest-insights/global-electricity-review-2026

3 https://www.iea.org/news/close-to-30-of-cars-sold-this-year-are-set-tobe-electric-as-countries-and-consumers-respond-to-energy-crisis

4 https://ember-energy.org/data/yearly-electricity-data

5 https://rmi.org/resources/the-incredible-inefficiency-of-the-fossil-energy-system 6 https://www.icos-cp.eu/impact/science/global-carbon-budget/2025

7 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38030155

8 https://www.kuehne-stiftung.org/newsroom/archive/new-study-on-fossil-fuelcarrying-ships-and-the-risk-of-stranded-assets-in-the-transition-to-a-low-carboneconomy-released-by-the-kuehne-climate-center-and-the-ucl-energy-institute

9 https://news.un.org/en/story/2025/07/1165475

10 https://www.bafu.admin.ch/de/empfehlung-klimaszenarien

11 https://www.20min.ch/story/lohnuebersicht-so-viel-verdienst-dumit-einem-abschluss-an-einer-fachhochschule-103347753

Weitere Informationen zum Studiengang Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST: www.ost.ch/eeu

Prof. Dr. Henrik Nordborg Studiengangleiter Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der OST

Flexibilität als Schlüssel zu einer nachhaltigen Stromversorgung

Der vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE im Januar 2026 erstmals veröffentlichte Stromversorgungs-Index zeigt den erwarteten Versorgungsgrad der kommenden Jahre basierend auf heute zur Verfügung stehenden Informationen zu geplanten Vorhaben und dient als Frühwarnsystem für die Versorgungssicherheit der Schweiz. Die Ergebnisse sind besorgniserregend und zeigen klar: Die Schweiz steht vor einer energiepolitischen Bewährungsprobe. Ohne entschlossene und rasche Massnahmen erreicht die Schweiz im Jahr 2050 nur 69 von 100 Punkten und verfehlt damit die gesetzlichen Ziele in Bezug auf die Versorgungssicherheit deutlich. Besonders kritisch ist dabei die Situation im Winterhalbjahr, in dem die Versorgungssicherheit am stärksten unter Druck steht. Hauptursachen für den tiefen Wert sind vor allem die unzureichende Winterproduktion aus erneuerbaren Energien, der stockende Ausbau des Stromnetzes, mangelnde Flexibilitäten, eingeschränkte Importmöglichkeiten sowie das Fehlen gesellschaftlich tragfähiger Lösungen zur Deckung des zusätzlichen Winterstrombedarfs. Der kontinuierliche Anstieg der Stromnachfrage, der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Ausstieg aus der Kernenergie sowie ein noch fehlendes Stromabkommen prägen das Stromsystem grundlegend und führen ab 2040 zu einer deutlichen Verschlechterung des Index.

Der Stromversorgungs-Index basiert auf fünf zentralen Indikatoren, welche alle für eine langfristig funktionierende Stromversorgung von grundlegender Bedeutung sind: die Stromnachfrage, der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Netzinfrastruktur, die zusätzlichen Produktionskapazitäten sowie die Flexibilität.

Der letzte Indikator – Flexibilität – rückt damit ins Zentrum des sich wandelnden Energiesystems und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Der Weg zu einer sicheren und nachhaltigen Stromversorgung führt also nicht nur über einen Ausbau der Stromproduktion, sondern über ein flexibleres Gesamtsystem.

Denn für eine sichere Stromversorgung braucht es nicht nur mehr Strom, sondern vor allem Strom zur richtigen Zeit. Flexibilität beschreibt die Fähigkeit, Stromproduktion und -verbrauch anzupassen oder zeitlich zu verschieben, um Schwankungen im System auszugleichen. Dadurch sorgt sie dafür, dass dann genügend Strom verfügbar ist, wenn er tatsächlich gebraucht wird.

Mehr erneuerbare Energien erfordern mehr Flexibilität

Die begrenzte Steuerbarkeit der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien stellt das Stromsystem vor grosse Herausforderungen. Denn die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik, Laufwasser- oder Windkraft ist witterungsabhängig – und je stärker die Produktion von Wetter und Tageszeit abhängt, desto grösser werden die Schwankungen im System.

Flexibilität wird dabei zu einem zentralen Hebel für die Versorgungssicherheit und ist ein bedeutender Grundbaustein bei der Integration der erneuerbaren Energien, um die wetterbedingten Unterschiede in der Stromproduktion über Stunden, Tage oder – im Idealfall – sogar saisonal auszugleichen.

Ein flexibles Gesamtsystem Flexibilität wirkt auf verschiedenen Ebenen: Speicher, seien es Batterien – insbesondere Grossbatterien sowie künftig Batterien von Elektrofahrzeugen – oder Speicherseen, ermöglichen es, Energie zwischenzuspeichern, bis sie tatsächlich benötigt wird. Flexibilität ermöglicht die Abfederung von kurzfristigen Schwankungen im Stromsystem. Flexible Tarife und eine zeitliche Verschiebung von Produktion und Verbrauch helfen, die Netzbelastung zu glätten und den Strom effizient zu nutzen. Dank intelligenter Steuerungen kann der

Flexibilität entwickelt sich zu einer tragenden Säule der Energieversorgung und wird zum massgebenden Erfolgsfaktor beim Gelingen der Transformation des Schweizer Energiesystems.

Stromverbrauch automatisiert und gezielt an die aktuelle Produktion angepasst werden. Auch Elektroautos könnten in Zukunft eine wichtige Rolle für ein stabiles, nachhaltiges Energiesystem spielen. Beim bidirektionalen Laden fliesst der Strom in zwei Richtungen: vom Stromnetz respektive von der Ladestation ins Elektroauto und bei Bedarf zurück ins Haus oder wieder zurück ins Stromnetz. Der Weg zu einer sicheren und nachhaltigen Stromversorgung führt also nicht nur über einen Ausbau der Stromproduktion, sondern über ein flexibleres Gesamtsystem und damit die Anpassung des Konsums.

Gleichzeitig geraten bisherige Marktmechanismen an ihre Grenzen, da sie die produzierte Energiemenge unabhängig vom Zeitpunkt der Einspeisung vergüten und die Bereitstellung von Flexibilität zu wenig fördern. Deshalb braucht es Rahmenbedingungen, die Flexibilität ermöglichen, anstatt sie zu behindern: funktionierende Märkte und klare Anreize, die Investitionen in Speicher und flexible Anwendungen gezielt fördern sowie ein Abbau von Hürden, damit Energieunternehmen flexibel auf neue Anforderungen im Energiesystem reagieren können. Es braucht gezielte Preissignale statt starrer Vorgaben, die die richtigen Anreize zur Nutzung der Flexibilität setzen, sowohl für Anbieter wie auch für Konsument:innen.

Die vollständige Marktöffnung wäre dabei eine Chance, denn sie schafft Wettbewerb und fördert Innovation. Gerade für die Winterversorgung sind leistungsfähige Märkte und eine internationale Vernetzung entscheidend. Eine stärkere Integration in den europäischen Strommarkt würde dabei helfen, Flexibilitätsoptionen grenzüberschreitend zu nutzen und die Versorgung robuster zu gestalten. Flexibilität entwickelt sich zu einer tragenden Säule der Energieversorgung und wird zum massgebenden Erfolgsfaktor beim Gelingen der Transformation des Schweizer Energiesystems. Denn nur ein anpassungsfähiges System kann die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten.

Text Michael Frank, Direktor VSE
Michael Frank Direktor VSE

Der Wettbewerb um KI entscheidet sich auch im Stromnetz

Andreas Schierenbeck, CEO von Hitachi Energy, über den grössten Infrastrukturumbau seit Generationen, den Stromhunger der künstlichen Intelligenz und die Rolle Europas im Zeitalter der Elektrifizierung. Herr Schierenbeck, Europa steht vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen. Wird der Kontinent in 25 Jahren noch zu den führenden Industrieregionen der Welt gehören?

Ja, doch das ist kein Selbstläufer. Europa verfügt über hervorragende Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Ingenieurkompetenz. Gleichzeitig beobachten wir weltweit einen intensiven Wettbewerb um Investitionen, Technologien und industrielle Wertschöpfung. Ob Europa seine Position behaupten kann, wird wesentlich davon abhängen, wie schnell wir unsere Energieinfrastruktur modernisieren und ausbauen. Die entscheidende Frage lautet: Sind wir schnell genug?

Warum ist das so dringend?

Weil die Nachfrage nach Strom in den kommenden Jahrzehnten massiv steigen wird. Wir elektrifizieren Verkehr, Gebäude und industrielle Prozesse. Gleichzeitig entstehen neue Verbraucher, die es in dieser Grössenordnung bislang nicht gab: Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und digitale Infrastruktur benötigen enorme Mengen an Energie. Die Internationale Energieagentur erwartet einen deutlichen Anstieg des weltweiten Strombedarfs in den kommenden Jahren. Diese Entwicklung wird vielerorts noch unterschätzt.

Ist KI tatsächlich ein so grosser Energiefaktor?

Absolut. Viele Menschen denken bei künstlicher Intelligenz zuerst an Software oder Chips. Tatsächlich beginnt KI bei der Energieversorgung. Moderne Rechenzentren benötigen gewaltige Mengen an Strom. Einige Anlagen verbrauchen inzwischen so viel Energie wie mittelgrosse Städte. Deshalb sage ich oft: Ohne leistungsfähige Stromnetze gibt es keine KI.

Gleichzeitig wird KI längst nicht mehr nur in Rechenzentren eingesetzt. Wir sehen ihren Einsatz zunehmend in industriellen Anwendungen – etwa im Maschinenbau, in der Fertigung, in der Logistik oder bei der Steuerung komplexer Produktionsprozesse. KI hilft dabei, Anlagen effizienter zu betreiben, Wartungszyklen vorherzusagen oder Energieverbräuche zu optimieren. Dadurch wird sie zu einem wichtigen Treiber der industriellen Transformation. Der globale Wettbewerb um künstliche Intelligenz wird deshalb nicht allein in Forschungslaboren entschieden. Er entscheidet sich ebenso in Fabriken, Produktionshallen und letztlich beim Ausbau der Energieinfrastruktur, die all das ermöglicht.

Wer Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gleichzeitig erreichen will, braucht einen langen Atem und verlässliche Rahmenbedingungen. Ein enger Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist dabei entscheidend

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Europa diskutiert derzeit vielerorts über neue Rechenzentren. Was sagen Sie dazu, dass sich mancherorts Widerstand regt? Das ist verständlich. Menschen sehen den steigenden Energieverbrauch und fragen sich, ob unsere Infrastruktur dafür ausreicht. Hinzu kommen Fragen des Ressourcenverbrauchs, beispielsweise beim Wasserbedarf für Kühlungssysteme. Solche Fragen müssen ernst genommen werden.

Unsere Antwort kann aber nicht sein, Innovation zu verhindern. Vielmehr müssen wir Infrastruktur und Nachhaltigkeit gemeinsam denken. Wenn Europa die Voraussetzungen nicht schafft, werden Investitionen künftig verstärkt in Regionen fliessen, die ihre Energie- und Netzkapazitäten konsequenter ausbauen. China, Indien und Teile der USA investieren bereits heute mit hohem Tempo.

Droht Europa wirtschaftlich zurückzufallen? Ja, diese Gefahr besteht. Wer heute keine ausreichenden Energie- und Netzkapazitäten schafft, wird morgen keine neuen Industrien anziehen. Das betrifft KI ebenso wie Batteriefabriken, Rechenzentren oder Wasserstoffprojekte. Europa hat hervorragende Unternehmen und eine starke industrielle Basis. Entscheidend ist aber, ob daraus Investitionen entstehen. Unternehmen investieren dort, wo Energie verfügbar, bezahlbar und verlässlich ist.

Energiepolitik entscheidet heute über technologische Führungsfähigkeit, Investitionen, Arbeitsplätze und Wohlstand. Wer diese Grundlagen stärkt, schafft die Voraussetzungen für Wachstum. Wer zu lange wartet, verliert an Attraktivität. Viele Menschen verbinden Energiewende vor allem mit Windrädern und Solaranlagen. Reicht das?

Nein. Die Erzeugung von Energie ist nur die eine Seite. Strom muss auch transportiert, verteilt und gespeichert werden. Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung. Ein modernes Energiesystem benötigt leistungsfähige Netze, intelligente Steuerung und neue Speicherlösungen. Der Ausbau der Netzinfrastruktur – auch um die Stromversorgung resilienter zu machen –wird in den kommenden Jahren mindestens so wichtig sein wie der Ausbau der erneuerbaren Energien selbst.

Wie gross ist dieser Umbau?

Historisch betrachtet ist er enorm. Unsere Stromnetze wurden ursprünglich für eine Welt gebaut, in der Strom überwiegend zentral erzeugt und anschliessend verteilt wurde. Heute wird Energie dezentral erzeugt, beispielsweise durch Wind- und Solaranlagen. Gleichzeitig entstehen neue Lastzentren durch Elektromobilität, grosse Rechenzentren oder Wärmepumpen.

Dadurch werden die Systeme deutlich komplexer. Wir sprechen über Millionen zusätzlicher Datenpunkte, neue Stromflüsse und eine wesentlich höhere Dynamik im Netz. Es ist einer der grössten Infrastrukturumbauten unserer Zeit. Was bedeutet das konkret für Unternehmen wie Hitachi Energy?

Unsere Aufgabe besteht darin, die Infrastruktur bereitzustellen, die diese Transformation ermöglicht. Dazu zählen Transformatoren, Schaltanlagen, Hochspannungs-GleichstromÜbertragungs-Systeme, digitale Netzsteuerung, Batteriespeicher und viele weitere Technologien.

Vereinfacht gesagt: Wir bauen die Verbindungen zwischen der Energieerzeugung der Zukunft und den Verbrauchern von morgen. Infrastrukturprojekte gelten vielerorts als langwierig. Wird Europa schnell genug sein?

Europa hat erkannt, dass Geschwindigkeit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist. Dennoch dauern Genehmigungs- und Planungsverfahren häufig noch zu lange. Während wir diskutieren, bauen andere Regionen bereits.

Für die Energiewende ist Zeit inzwischen eine ebenso wichtige Ressource wie Kapital. Infrastruktur muss heute für den Bedarf von morgen geplant werden und nicht für den Bedarf von gestern.

Hitachi Energy hat kürzlich den Standort für einen neuen Campus in der Schweiz bekannt gegeben. Warum ist dieses Projekt für das Unternehmen so wichtig?

Die Schweiz ist seit mehr als 130 Jahren ein zentraler Innovationsstandort für unser Unternehmen. Viele

Technologien, die unsere moderne Energiewirtschaft geprägt haben, wurden hier entwickelt.

Mit dem neuen Campus investieren wir gezielt in die Zukunft: Forschung, Entwicklung und Produktion werden künftig noch enger zusammenarbeiten. Dies wird Innovationen beschleunigen und unsere Fähigkeit stärken, Kunden in Europa und weltweit bei der Modernisierung ihrer Energiesysteme noch besser zu unterstützen.

Der Campus ist deshalb weit mehr als ein neues Gebäude. Er ist ein klares Bekenntnis zum Standort Schweiz und zur nächsten Phase der globalen Elektrifizierung.

Wie sieht die Energieversorgung Europas in 25 Jahren aus?

Sie wird deutlich elektrischer, digitaler und stärker vernetzt sein. Erneuerbare Energien werden eine noch grössere Rolle spielen. Gleichzeitig werden grenzüberschreitende Stromverbindungen wichtiger werden.

Denn: Energie wird dort erzeugt, wo sie besonders effizient produziert werden kann, und dorthin transportiert, wo sie benötigt wird. Dafür braucht es intelligente Netze, moderne Übertragungstechnologien und eine Infrastruktur, die über nationale Grenzen hinausdenkt. Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten – welcher wäre das? Planbarkeit. Energieinfrastruktur entsteht nicht in Wahlperioden, sondern über Jahrzehnte. Unternehmen investieren Milliardenbeträge auf Basis langfristiger Entscheidungen.

Wer Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz gleichzeitig erreichen will, braucht einen langen Atem und verlässliche Rahmenbedingungen. Ein enger Austausch zwischen Politik und Wirtschaft ist dabei entscheidend.

Zum Schluss: Sind Sie optimistisch? Ja. Die gute Nachricht lautet: Die Technologien existieren bereits. Wir wissen, wie klimafreundliche Energie erzeugt, transportiert und intelligent genutzt werden kann.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Geschwindigkeit zu gewinnen. Wenn Europa diese Herausforderung annimmt, können wir zu den Gewinnern dieses Jahrhunderts gehören. Wenn nicht, werden andere Regionen die industrielle und digitale Zukunft prägen. Aber – Sie haben mich ja gefragt: Ich bin und bleibe Optimist! Weitere Informationen unter: hitachienergy.com

– Andreas Schierenbeck, CEO Hitachi Energy
Andreas Schierenbeck CEO Hitachi Energy

Das Netz wird zum Betriebssystem

Die Schweizer Energiewende findet nicht nur auf Dächern, in Heizzentralen oder an Ladestationen statt. Sie entscheidet sich zunehmend in Daten, Prognosen, Schnittstellen und automatisierten Steuerungen. Je dezentraler Strom produziert, gespeichert und verbraucht wird, desto stärker muss das System in Echtzeit reagieren. Digitalisierung wird damit zur Infrastruktur hinter der Infrastruktur und zu einem zentralen Treiber der Energiewende.

Lange war das Stromsystem linear organisiert. Grosse Kraftwerke produzierten Energie, die über Netze zu Haushalten, Gewerbe und Industrie gelangte. Heute verschiebt sich dieses Bild: Photovoltaikanlagen speisen von Hausdächern aus Energie ins Netz ein, Wärmepumpen ersetzen fossile Heizungen, Elektrofahrzeuge laden zu unterschiedlichen Zeiten, Batteriespeicher puffern Überschüsse. Aus Konsumierenden werden Akteure, die Strom produzieren, speichern oder flexibel nutzen.

Diese Entwicklung ist klimapolitisch gewollt, technisch aber anspruchsvoll. Besonders Verteil- und Niederspannungsnetze geraten unter Druck. Eine Solaranlage, eine Wärmepumpe und eine Ladestation sind einzeln überschaubar, doch in der Summe verändern sie Lastflüsse, Spannungshaltung und Investitionsbedarf erheblich. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie mehr erneuerbare Energie entsteht, sondern wie das Netz mit dieser Dynamik Schritt hält. Intelligente Netze als Antwort Intelligente Netze verbinden elektrische Infrastruktur mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Dadurch entstehen Systeme, die nicht nur Strom transportieren, sondern Zustände messen, Muster erkennen und Steuerungsimpulse auslösen können. Smart Meter liefern Verbrauchs- und Produktionsdaten, Netzsensoren zeigen Belastungen in Echtzeit, digitale Zwillinge simulieren Szenarien und Algorithmen prognostizieren Einspeisung und Nachfrage. Das Bundesamt für Energie beschreibt Smart Grids als Verbindungen von Daten- und Elektrizitätsnetzen, die helfen, die schwankende Produktion erneuerbarer Energien und deren Verbrauch auszubalancieren.

In der Schweiz bildet der Smart-Meter-Roll-out eine wichtige Grundlage. Bis Ende 2027 müssen Energieversorgungsunternehmen 80 Prozent der herkömmlichen Stromzähler durch intelligente Messsysteme ersetzen, die jeweils Viertelstundenwerte erfassen. Für Netzbetreiber bedeutet das mehr Sichtbarkeit, frühere Engpasserkennung und eine bessere Basis für Investitionsentscheide. Digitalisierung ersetzt den Netzausbau dadurch zwar nicht, macht ihn aber gezielter.

Daten als gemeinsame Sprache

Mit der Energiewende wächst der Koordinationsbedarf zwischen Energieversorgern, Netz- und

Für Energieversorger und Netzbetreiber wird diese Transformation zur Führungsaufgabe. Sie müssen Anlagenkompetenz mit IT, Cybersecurity, Datenmanagement und Kundenschnittstellen verbinden.

Speicherbetreibern sowie Dienstleistern. Eine nationale Datenplattform soll künftig als Drehscheibe dienen, um Mess- und Stammdaten standardisiert verfügbar zu machen und den sicheren Austausch zu erleichtern. Gerade für die Schweiz ist das zentral, denn die Stromversorgung ist föderal und kleinteilig organisiert und viele Energieversorger betreiben noch immer eigene Systeme.

Ab 2026 treten weitere Bestimmungen des Stromgesetzes in Kraft, unter anderem zu lokalen Elektrizitätsgemeinschaften. Einheitliche Datenstandards und offene Schnittstellen sind keine technische Kür, sondern eine Voraussetzung für funktionierende Märkte und neue Geschäftsmodelle.

KI und Flexibilität als Steuerungsinstrumente Digitalisierung verändert auch den Umgang mit Verbrauch. Künftig gewinnt die Frage an

Bedeutung, welche Lasten zeitlich verschoben oder koordiniert werden können, ohne Komfort oder Betriebssicherheit zu beeinträchtigen. Ladestationen, Wärmepumpen, Kühlanlagen und Batteriespeicher können Teil eines flexibleren Systems werden, wenn die entsprechenden Marktmodelle, Anreize und Plattformen vorhanden sind.

Relevant werden KI-gestützte Prognosen, die Wetterdaten, Verbrauchsprofile, Produktionsmuster und Netzzustände zusammenführen, bevor Engpässe akut werden. Auch stationäre Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung: In der Schweiz waren 2025 bereits rund 1500 Megawattstunden Speicherkapazität auf Ebene der Verteilnetze installiert. Solche Speicher können künftig stärker netzdienlich eingesetzt werden, wenn sie nahe an Engpässen positioniert und in die digitale Steuerung eingebettet werden.

Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: Die Energiezukunft der Schweiz wird nicht allein daran gemessen, wie viel erneuerbarer Strom produziert wird.

Cybersicherheit als neue Pflichtaufgabe

Die zunehmende Vernetzung von IT und Betriebstechnologie bringt neben Chancen auch neue Risiken. Mit wachsender Digitalisierung steigt die Angriffsfläche für Cyberbedrohungen. Die Schweiz hat regulatorisch reagiert: Seit dem 1. April 2025 gilt für Betreiber kritischer Infrastrukturen, darunter Energieversorger und Netzbetreiber, eine Meldepflicht für Cyberangriffe beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) innerhalb von 24 Stunden. Seit Oktober 2025 drohen bei Verstössen Bussen in Höhe von bis zu 100 000 Franken. Cybersecurity ist zur strategischen Pflichtaufgabe geworden und muss als integraler Bestandteil jeder Digitalisierungsstrategie mitgedacht werden.

Die Dimension der Transformation Ende 2025 deckte Solarstrom bereits 14 Prozent des Schweizer Stromendverbrauchs. Gleichzeitig wächst die Elektromobilität: Fast 23 Prozent der Neuzulassungen waren reine Elektroautos, weitere 11 Prozent Plug-in-Hybride. Auf Übertragungsnetzebene plant Swissgrid bis 2040 rund 31 wesentliche Netzprojekte und Investitionen von rund 5,5 Milliarden Franken, begleitet von einer Strategie, die Digitalisierung auf datentechnischer, technologischer und personeller Ebene verankert.

Für Energieversorger und Netzbetreiber wird diese Transformation zur Führungsaufgabe. Sie müssen Anlagenkompetenz mit IT, Cybersecurity, Datenmanagement und Kundenschnittstellen verbinden. Technologieanbieter und IT-Dienstleister liefern Messsysteme, Plattformen, Simulationsmodelle und Automatisierungslösungen. Versorgungssicherheit, Datenschutz und Fairness bleiben dabei hohe Anforderungen.

Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: Die Energiezukunft der Schweiz wird nicht allein daran gemessen, wie viel erneuerbarer Strom produziert wird. Entscheidend ist, ob dieser Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort und mit der nötigen Stabilität verfügbar ist. Genau dort zeigt sich die stille, aber zentrale Rolle intelligenter Netze.

Text Walter Nogueira

Die Zukunft der Energie ist datengetrieben

Solar- und Windenergie liefern Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, aber nicht immer dann, wenn die Schweiz ihn braucht. Damit die Energietransformation gelingt, muss sie Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit gleichzeitig leisten. Der entscheidende Hebel dafür liegt heute nicht nur in Stahl und Beton, sondern auch in den Daten und in der Datennutzung.

Die strukturellen Herausforderungen der Energiewende meistern Mit dem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft erfordert das Stromsystem mehr Flexibilität. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die Elektrifizierung der Industrie. Primeo Energie ist ein in der Schweiz und in Frankreich aktiver, genossenschaftlich organisierter Energieversorger mit Hauptsitz in Münchenstein. Das Unternehmen sieht in der Möglichkeit, auf der Basis von Datenanalysen konkrete Handlungen abzuleiten, den entscheidenden Hebel für das Energiesystem der Zukunft. Wer Verbrauchs-, Produktions-, Wetter- und Marktdaten zeitnah oder nahezu in Echtzeit zusammenführt, kann die Energieinfrastruktur intelligenter steuern und Investitionen gezielter einsetzen. Damit verändert sich auch die Rolle der Energieversorger grundlegend. Aus dem klassischen Strom- und Wärmelieferanten wird ein Energiedienstleister, der zugleich Asset-Manager, Plattformbetreiber und Datentreuhänder ist. Drei Bausteine für eine datengetriebene Energiezukunft Im Zentrum dieser neuen Rolle steht eine Verschiebung aufseiten der Kundschaft: Aus passiven Konsumentinnen und Konsumenten werden aktive Prosumer, die ihre eigene Energie produzieren, speichern, steuern und vermarkten. Sie leisten damit einen aktiven Beitrag zur Energietransformation. Die Aufgabe der heutigen Energieversorger besteht darin, sie darin zu befähigen. Die Strategie von Primeo Energie ruht entsprechend auf drei aufeinander abgestimmten technologischen Säulen: Als Plattformbetreiber eröffnet das Unternehmen zum Beispiel mit der App «Hey Primeo» den Kundinnen und Kunden einen einfachen, digitalen Zugang zur eigenen Energietransformation, heute primär in Form einer KI-gestützten Analyse des Stromverbrauchs auf Geräteebene, perspektivisch ergänzt durch eine automatische Steuerung von Elektroauto-Ladesäulen, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Heimspeichern anhand dynamischer Preissignale. Als AssetManager bündelt Equalio, der Regelenergiepool von Primeo Energie, dezentrale Anlagen wie Batteriespeicher, Wasserkraftwerke und Blockheizkraftwerke zu einem virtuellen Kraftwerk, das in Echtzeit zur Stabilität des Schweizer Stromnetzes beiträgt und Erlöse aus Regelenergie-, Day-ahead- und Intraday-Märkten erschliesst. Ein zentraler Hebel dabei ist Demand-Response: die gezielte, automatisierte

Mit

dem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft erfordert das Stromsystem mehr Flexibilität. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die Elektrifizierung der Industrie.

Verschiebung von Lasten – etwa von Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen – in Abhängigkeit von Netzlage und Marktpreisen. Und als Datentreuhänder verbindet eine cloudbasierte Datenplattform alle relevanten Datenquellen wie Smart Meter, Netz-, Markt- und Wetterdaten zu einer einheitlichen, modular aufgebauten Architektur. Sie ist das digitale Rückgrat, das Echtzeitanalysen, Forecasting und automatisierte Optimierungen erst möglich macht.

Netzausbau: Investitionen dank Daten optimieren statt überdimensionieren Daten sind dabei weit mehr als ein technisches Hilfsmittel. Mit digitalen Zwillingen des Netzes simuliert Primeo Energie Lastflüsse, antizipiert Engpässe und identifiziert präzise, wo Investitionen wirklich nötig sind. Laut einer Hexagon-Studie aus dem Jahr 2024 erzielen Unternehmen, die digitale Zwillinge einsetzen, im Schnitt 19 Prozent Kostenreduktion. So lassen sich umfangreiche Netzinvestitionen neu priorisieren, indem die bestehende Infrastruktur dank Datenanalyse und intelligenter Flusssteuerung besser ausgenutzt wird. Das schafft Spielraum für jene Investitionen, die für die Energietransformation tatsächlich entscheidend sind.

Derselbe Datenmotor wirkt im Schweizer Regelenergiemarkt. Hier sind die Kosten seit 2022, insbesondere aufgrund eines unvollständig funktionierenden Marktmechanismus, stark gestiegen, was wiederum die Endkundinnen und Endkunden belastet. Mit Machine-Learning-Modellen, die Wetterdaten alle

zehn Minuten neu interpretieren, korrigiert Primeo Energie Prognoseabweichungen früher und reduziert somit die Position auf dem Ausgleichsenergiemarkt. Vom Versorger zum Energiedienstleister Hinter der Digitalisierung, die Primeo Energie vorantreibt, steht eine klare Haltung: Die Daten gehören den Kundinnen und Kunden. Sie werden anonymisiert verarbeitet, nur mit expliziter Zustimmung für weitere Zwecke genutzt und in einer modularen Architektur mit strikten Governance-Regeln geschützt. Datenschutz, Sicherheit und Compliance konsequent «by design» zu verankern, ist das erklärte Zielbild, an dem Primeo Energie kontinuierlich arbeitet. Auf dieser Grundlage vollzieht sich der eigentliche Wandel der Energiebranche. Aus dem klassischen Energieversorger wird ein Energiedienstleister, der Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereint.

Weitere Informationen unter: primeo-energie.ch

Kurzinterview mit Cédric Christmann, CEO Primeo Energie

Herr Christmann, was bedeutet «datengetrieben» konkret für eine Genossenschaft mit bald hundertdreissig Jahren Geschichte?

Primeo Energie ist als Genossenschaft entstanden, aus dem Gedanken, dass Energie ein gemeinsames Anliegen ist. Genau diese Logik führen wir heute weiter: Aus dem klassischen Energieversorger wird ein datengetriebener Energiedienstleister, der seine Kundinnen und Kunden befähigt, ihre eigene Energiezukunft aktiv mitzugestalten. Daten sind dabei nicht das Ziel, sondern das Werkzeug, das diesen Wandel überhaupt möglich macht.

Wo zeigt sich der konkrete Nutzen für die Kundschaft schon heute?

Ich nenne zwei Beispiele. Mit unserer App «Hey Primeo» helfen wir Haushalten, ihren Stromverbrauch zu verstehen und gezielt zu optimieren. Eine künstliche Intelligenz zerlegt den Verbrauch auf Geräteebene und zeigt konkrete Sparpotenziale. Und mit dem digitalen Zwilling unseres Netzes können wir bestimmte Investitionen neu priorisieren, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Beides spart langfristig Kapital. Davon profitieren am Ende die Kundinnen und Kunden, über angemessenere Tarife und neue Erlösmöglichkeiten.

Wie sieht ein vollständig datengetriebenes Energieunternehmen in zehn Jahren aus?

Hinter der Digitalisierung, die Primeo Energie vorantreibt, steht eine klare Haltung: Die Daten gehören den Kundinnen und Kunden.

Es ist vollständig integriert in einen nationalen Datenhub und in einen europäischen Regelenergiemarkt. Künstliche Intelligenz unterstützt einen Grossteil der operativen Prozesse, und die Mitarbeitenden werden zu Orchestratorinnen und Orchestratoren, die Kundinnen und Kunden begleiten und neue Dienstleistungen schaffen. Die Europäische Kommission hat 2025 eine strategische Roadmap für Digitalisierung und KI im Energiesektor verabschiedet. Das, was wir bei Primeo Energie heute operativ umsetzen, ist genau der Weg, den Europa einschlagen will.

«Die Zukunft der Energieversorgung ist digital und vernetzt»

Steigende regulatorische Anforderungen, dezentrale Energieproduktion und neue Kundenbedürfnisse verändern die Energiebranche grundlegend.

Oliver Dähler, CEO von Optimatik AG, erklärt im Interview, wie Energieversorger mit digitalen Lösungen effizienter und zukunftsfähiger werden.

Herr Dähler, wie würden Sie Optimatik in wenigen Sätzen beschreiben – was ist Ihr Kernauftrag im Energiemarkt? Unser Kernauftrag besteht darin, Energieversorgungsunternehmen innovative Softwarelösungen zur Verfügung zu stellen, damit diese effizient arbeiten können und fit für die Energiewende sind. Optimatik besteht seit über 40 Jahren und bringt diese langjährige Erfahrung im Schweizer Energiemarkt in spezialisierte Softwarelösungen und Integrationsprojekte für Energieversorger ein. Dabei unterstützen wir Energieversorger entlang der gesamten Prozesskette von der Erfassung der Messdaten über das Energiedatenmanagement und die Abrechnung bis hin zur Interaktion mit den Endkundinnen und Endkunden. Welche konkreten Herausforderungen von Energieversorgern lösen Sie heute? Die Branche steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen: steigende regulatorische Anforderungen, zunehmender Kostendruck, gewachsene und oft heterogene IT-Landschaften sowie Fachkräftemangel und Ressourcenknappheit. Unsere Lösungen helfen dabei, Prozesse zu automatisieren, Medienbrüche zu eliminieren, neue Services zu erschliessen und die Effizienz nachhaltig zu steigern. So schaffen Energieversorger die Grundlage, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Viele Endkundinnen und Endkunden kennen Optimatik nicht direkt – und nutzen Ihre Lösungen trotzdem täglich. Wie ist das möglich? Genau, das ist vielen nicht bewusst. Unser Energie Business Portal wird von zahlreichen Schweizer Energieversorgern als digitales Kundenportal eingesetzt – als sogenannte White-Label-Lösung im Look and Feel des jeweiligen Energieversorgers. Das heisst: Wenn Sie sich bei Ihrem Energieversorger online einloggen, um Ihren Stromverbrauch einzusehen, eine Umzugsmeldung zu erfassen oder eine Rechnung herunterzuladen, stehen die Chancen gut, dass im Hintergrund unsere Technologie arbeitet.

Unser Ziel ist es, den Alltag für Endkundinnen und Endkunden so einfach wie möglich zu machen. Niemand möchte in einer Telefonwarteschleife hängen für eine simple Frage zur Rechnung. Mit dem Energie Business Portal haben Kundinnen und Kunden rund um die Uhr Zugang zu ihren Daten – transparent, übersichtlich und intuitiv bedienbar. Sie sehen auf einen Blick, wie viel Energie sie verbrauchen, können Rechnungen einsehen, Produkte wechseln oder Fragen direkt über das Portal an ihren Energieversorger richten.

Darüber hinaus unterstützt das Portal auch neue Themen wie Energiegemeinschaften oder E-Mobilität. Wer beispielsweise in einer Zusammenschlussgemeinschaft mit einer Solaranlage lebt, kann über das Portal transparent nachvollziehen, woher die Energie stammt und wie sie verteilt wird.

Unsere Vision ist klar: Das Energie Business Portal verbindet Energieversorger und ihre Kunden – effizient, transparent und intelligent. Und davon profitieren letztlich auch die Endkundinnen und Endkunden, auch wenn unser Name dabei nicht im Vordergrund steht.

Welche strategische Rolle spielt die Optimatik Cloud in Ihrem Gesamtangebot? Die Optimatik Cloud bildet das digitale Rückgrat unserer Lösungen. Sie verbindet unterschiedliche Systeme und Anwendungen zu durchgängigen Prozessen. Dadurch schliessen wir Lücken zwischen Abrechnungssystemen, Kundenportalen, mobilen Anwendungen und intelligenten Messsystemen. Energieversorger erhalten eine zentrale Plattform, die Datenflüsse vereinfacht und neue digitale Geschäftsmodelle ermöglicht.

Das Energie Business Portal verbindet Energieversorger und Endkunden digital.

wo die Zähler sind. Ein Monteur sollte OptiMobile einfach und intuitiv bedienen können. Entsprechend sind unter anderem auch die Buttons gestaltet. Energieversorger entwickeln sich zunehmend zu Dienstleistungsunternehmen. Deshalb legen wir grossen Wert auf intuitive, benutzerfreundliche Anwendungen. Endkundinnen und Endkunden erwarten heute Transparenz über ihren Energieverbrauch, einfache Self-Service-Funktionen und eine unkomplizierte Interaktion mit ihrem Energieversorger.

Mit unseren Lösungen schaffen wir genau diese Transparenz und ermöglichen gleichzeitig eine stärkere Sensibilisierung für Energieverbrauch und Energieeffizienz. Je grösser der Mehrwert des Portals für den Kunden, desto mehr nutzt er es, dies hilft wiederum dem Energieversorger. Wo liegt der grösste Nutzen Ihrer mobilen Lösungen im operativen Alltag?

Der grösste Vorteil liegt in der durchgängigen Digitalisierung der Feldprozesse. Monteure erhalten sämtliche Informationen direkt auf dem mobilen Endgerät. Planung, Installation, Parametrierung und Dokumentation erfolgen digital und ohne Medienbrüche.

Das reduziert Fehlerquellen, erhöht die Effizienz und sorgt dafür, dass Daten unmittelbar in die nachgelagerten Systeme übernommen werden. Gleichzeitig erfüllen wir hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit.

Welche Funktion haben Energie Business Portal, OptiMobile und Flex im Zusammenspiel?

Die drei Lösungen bilden auf der Optimatik Cloud ein integriertes Ökosystem mit grossem Synergiepotenzial. Die neuesten Versionen von OptiMobile und Flex laufen bereits heute auf derselben Plattform; wer beide Systeme nutzt, kann mit einem Klick zwischen den Applikationen wechseln. Dieses Zusammenspiel wird laufend ausgebaut, mit dem Ziel, dass Energie Business Portal, OptiMobile und Flex künftig noch stärker ineinandergreifen.

OptiMobile unterstützt Mitarbeitende und Monteure direkt im Feld. Installationen, Parametrierungen, Zählerwechsel und Smart-Meter-Roll-outs lassen sich per Mobile oder Tablet ohne Medienbrüche abwickeln. Im Zusammenspiel mit Flex entstehen durch die gemeinsame Plattform zusätzliche Effizienzgewinne in operativen Prozessen.

Flex ermöglicht Energieversorgern, Stromverbrauch und Produktion intelligent ins Gleichgewicht zu bringen – netzdienlich und wirtschaftlich sinnvoll für Energieversorger und Endkundinnen und Endkunden. Lastspitzen können reduziert, Photovoltaikproduktion reguliert und bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt werden. Damit wird Flex zu einem zentralen Baustein für künftige Flexibilitätsanwendungsfälle innerhalb der Optimatik Cloud.

Das Energie Business Portal ist die digitale Schnittstelle zu Endkundinnen und Endkunden. Diese können Verbrauchsdaten einsehen, Rechnungen verwalten, mit dem Energieversorger interagieren und Informationen zu Energieeffizienz, Eigenverbrauch oder Energiegemeinschaften abrufen. Künftig bietet

insbesondere die Verbindung mit Flex weiteres Potenzial: Kundinnen und Kunden könnten Flexibilitäten direkt im Portal freigeben und so sehr einfach von der Zurverfügungstellung ihrer Flexibilitäten profitieren.

Wie unterstützen Sie Energieversorger konkret bei der Digitalisierung ihrer Prozesse?

Viele Prozesse in der Branche sind historisch gewachsen und häufig noch von manuellen Arbeitsschritten geprägt.

Durch unsere langjährige Erfahrung als Gesamtanbieter von Softwarelösungen in der Energiebranche kennen wir die Bedürfnisse von Energieversorgern und unterstützen sie entsprechend gezielt in ihren Prozessen.

Wir schaffen durchgängige digitale Abläufe von der Planung über die Datenerfassung bis zur Abrechnung. Als Integrator verbinden wir bestehende Systeme und sorgen dafür, dass Daten automatisch und medienbruchfrei zwischen den einzelnen Anwendungen fliessen.

Auch das Thema künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung. Heute nutzen wir KI vorwiegend in der Softwareentwicklung und zur Effizienzsteigerung. Künftig wird sie verstärkt dazu beitragen, Kundenprozesse zu optimieren und Anwenderinnen und Anwender im Arbeitsalltag zu unterstützen.

Welche Rolle spielt das Kundenerlebnis in Ihren Lösungen?

Das Kundenerlebnis hat für uns eine zentrale Bedeutung. Die von uns entwickelten Softwarelösungen sind spezifisch auf die Bedürfnisse der Nutzenden ausgerichtet. Die Oberflächen sind UX/UI-optimiert und intuitiv bedienbar. So sind OptiMobile und Flex im Dark Mode gehalten und somit angenehmer für die Augen, sowohl vor dem Bildschirm als auch im dunklen Keller,

Warum wird Flexibilitätsmanagement für Energieversorger immer wichtiger?

Die Energiewende verändert die Stromversorgung grundlegend. Strom wird zunehmend dezentral produziert – etwa durch Photovoltaikanlagen – und gleichzeitig kommen neue Verbraucher wie Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Elektrofahrzeuge hinzu. Dadurch entstehen Lastspitzen und neue Anforderungen an die Netzstabilität. Mit Flexibilitätsmanagement können Energieversorger Verbrauch und Einspeisung intelligenter steuern. Das reduziert den Bedarf an kostspieligem Netzausbau und senkt gleichzeitig die Kosten für Ausgleichsenergie. Künftig kann Flexibilitätsmanagement auch weitere Erlöspotenziale für Energieversorger eröffnen.

Welche Bedeutung haben Partnerschaften mit Unternehmen wie innosolv, Kisters, Sagemcom Fröschl oder Landis+Gyr? Partnerschaften sind ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Gemeinsam mit unseren Partnern decken wir wichtige Kernbereiche der Energieversorgung ab – von der Messdatenerfassung mit Smart Metering über die Messdatenverarbeitung mit Energiedatenmanagement bis zur Energieabrechnung.

Unsere Stärke liegt darin, diese Lösungen zu integrieren und zu einem durchgängigen Gesamtsystem zu verbinden. So profitieren unsere Kunden von einer leistungsfähigen und zukunftssicheren Systemlandschaft. Was unterscheidet Optimatik von anderen Anbietern im Markt?

Wir sind ein unabhängiges, eigentümergeführtes Schweizer Familienunternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung im Energiemarkt. Diese Unabhängigkeit erlaubt uns kurze Entscheidungswege, eine hohe Kundennähe und langfristiges Denken.

Gleichzeitig betrachten wir die Prozesse unserer Kunden ganzheitlich. Während viele Anbieter einzelne Teilbereiche abdecken, verfolgen wir einen durchgängigen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Diese Kombination aus Branchenwissen, Integrationskompetenz und Praxisnähe macht uns seit über vier Jahrzehnten zu einem verlässlichen Partner der Energieversorger.

Weitere Informationen unter: optimatik.ch

Oliver Dähler CEO
«In der Schweiz wird zu oft nur diskutiert, statt konkret umgesetzt»

Angesichts geopolitischer Spannungen steht die Energieversorgung erneut stark im Fokus der öffentlichen Diskussion. Um die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren sowie die zunehmende Dekarbonisierung und die damit verbundene Elektrifizierung zu bewältigen, ist der Ausbau erneuerbarer Energien in der Schweiz zentral – doch vielerorts kommt er weiterhin nur schleppend voran. In Uri geht es vorwärts: Der Urner Energiedienstleister energieUri baut derzeit parallel Wasser-, Wind- und alpine Solarkraft aus, ergänzt durch innovative Speicherlösungen sowie Wasserstoff. Werner Jauch, CEO der energieUriGruppe, erklärt, warum dies gerade in Uri gelingt, gibt Einblick in die Projekte und spricht über die zentralen Herausforderungen der Energiewende.

Werner Jauch, energieUri setzt aktuell Ausbauprojekte in der Wasser­, Wind­ und alpinen Solarenergie um. Warum setzt energieUri parallel auf drei Technologien? Entscheidend ist ein optimal abgestimmter Energiemix. Nur so gelingt es, während 8760 Stunden eines Jahres zuverlässig Energie bereitzustellen. Die Laufwasserkraft ist da führend unter allen erneuerbaren Energietechnologien und erreicht mit rund 4000 Volllaststunden sehr hohe Werte. Der Fokus beim weiteren Ausbau muss jedoch insbesondere auf der Winterenergie sowie auf der Flexibilisierung liegen, diese wird insbesondere durch den in der Schweiz vom Volk beschlossenen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie immer zentraler. Hier leisten auch die Windkraft und die alpine Photovoltaik einen wichtigen Beitrag. Wo stehen die einzelnen Projekte? Bei der alpinen Photovoltaikanlage in der Sidenplangg, der ersten und bislang einzigen in der Zentralschweiz, konnten wir Ende 2025, wie vom Solarexpress gefordert, mehr als zehn Prozent der Anlage in Betrieb nehmen. Die ersten Produktionszahlen des 40-Millionen-Projekts stimmen uns sehr positiv. Dank der Lage auf rund 2000 Metern über Meer im Urner Schächental – und damit über der Nebeldecke – sowie den reflektierenden Schneeflächen herrschten im vergangenen Winter optimale Bedingungen. Der grosse Vorteil der Anlage liegt insbesondere im hohen Winterstromanteil von fast 50 Prozent. Zudem liegen die Leistungsspitzen im Winter – genau dann, wenn die Energie benötigt wird. Aktuell laufen die Arbeiten für die zweite Bauetappe.

Auch der Windpark Uri ist bereits in Betrieb. Genau, seit Ende November 2025 produzieren unsere beiden Windenergieanlagen auf dem Gütsch in der Gemeinde Göschenen Strom. Weniger als sechs Monate nach dem Spatenstich konnten wir bereits die Inbetriebnahme feiern. Etwa 60 Prozent der Jahresproduktion fallen im Winter an. Ein Teil des Stroms wird direkt vor Ort von Andermatt Swiss Alps genutzt.

Im Meiental wird ebenfalls gebaut. Wie ist der aktuelle Stand beim neuen Wasserkraftwerk? Die Bauarbeiten haben im vergangenen Herbst begonnen und verlaufen bisher planmässig. Die Inbetriebnahme des 40-Millionen-Projekts mit einer Leistung von 34 Gigawattstunden ist – sofern alles nach Plan läuft – für Ende 2028 vorgesehen. Dank begleitender Verkabelungen wird mit dem Projekt auch die Versorgungssicherheit im Meiental weiter gestärkt. EnergieUri übernimmt bei allen Grossprojekten die Gesamtprojektleitung. Woher stammt dieses Know­how? Seit 2006 hat energieUri 17 Kraftwerksprojekte erfolgreich realisiert. Dieses breite interne Know-how

Die aktuellen sowie kommenden Herausforderungen sind bekannt. Die Lösungen dafür auch. Nun braucht es Durchhaltewillen, teilweise auch eine Portion Mut sowie innovative Lösungen.

– Werner Jauch, CEO energieUri-Gruppe

künftig durch das Elektroauto sowie ein intelligentes Energiemanagement. Problematisch wird es dann, wenn zu bestimmten Zeiten sehr viel Strom ins Netz eingespeist wird, obwohl er nicht benötigt wird, der dann trotz negativer Marktpreise vergütet werden muss. Dies ist auch eine Diskriminierung gegenüber anderen erneuerbaren Energien wie der Wasserkraft. Ist das eine neue Entwicklung? Nein, aber das Ausmass ist neu. Während es früher vielleicht 20 bis 70 Stunden pro Jahr mit negativen Preisen gab, waren es 2025 bereits 303 Stunden. Das wird in Zukunft noch weiter zunehmen. Das belastet die Systemstabilität und führt gleichzeitig dazu, dass die erneuerbaren Energien, insbesondere die Photovoltaik, an wirtschaftlichem Wert verliert.

Was unternimmt energieUri selbst dagegen?

unserer Fachspezialistinnen und Fachspezialisten fliesst direkt in die aktuellen Vorhaben ein. EnergieUri deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Planung und Bau über Betrieb bis zur Bewirtschaftung der Anlagen. Diese Arbeit schafft nicht zuletzt auch hoch qualifizierte Arbeitsplätze im Kanton Uri. Aktuell beschäftigen wir 370 Mitarbeitende, darunter 80 Lernende, und zählen damit zu den grössten Arbeitgebern im Kanton. Unser Fachwissen ist zudem schweizweit gefragt: Heute betreibt und bewirtschaftet energieUri rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr insgesamt 32 Kraftwerke mit 49 Maschinensätzen – eigene Anlagen, Partnerwerke sowie Kraftwerke Dritter, vom Wallis bis nach Basel.

Schweizweit gibt es viele Projektideen für den Ausbau erneuerbarer Energien, doch nur wenige werden umgesetzt. Warum gelingt das ausgerechnet in Uri? Als regional verankertes Unternehmen in einem Gebirgskanton kennen wir die Anliegen der lokalen Bevölkerung und haben uns zudem mit zahlreichen erfolgreich umgesetzten Projekten über Jahre hinweg Vertrauen erarbeitet. Ebenso wichtig ist die gute Zusammenarbeit mit den Bewilligungsbehörden sowie den Grundeigentümern. Zudem bringen die Projekte einen konkreten Mehrwert für die Region, als Beispiel: Von den rund 240 Millionen Franken, die wir in den letzten zwölf Jahren gemeinsam mit Partnern investiert haben, blieben rund 80 Prozent im Kanton Uri – ein grosser Teil davon in Form von Aufträgen für Urner KMU. Dazu kommen gestiegene wiederkehrende Abgaben für die öffentliche Hand. Gerade in den aktuellen Zeiten ist diese lokale Wertschöpfung sicherlich sehr willkommen.

Reichen die aktuellen Projekte aus, um eine mögliche Winterstromlücke zu schliessen?

Nein. Jede einzelne Anlage leistet zwar einen wichtigen Beitrag, doch für eine sichere Winterversorgung braucht es deutlich mehr: zusätzliche Wasserkraft, Windenergie und auch saisonale Speicher.

Plant energieUri weitere Projekte?

Im Bereich Windenergie prüfen wir zurzeit einen Neubau vom Windpark Riental, angrenzend an den bestehenden Windpark Uri. Bei der Wasserkraft liegt der Fokus derzeit auf dem Kraftwerk Meiental. Zudem sind wir bei den Rekonzessionierungen

des Kraftwerks Lucendro und der Reusskaskade involviert. Auch im bestehenden Kraftwerkspark sehen wir noch Potenzial. Dabei spielt die Flexibilisierung der Wasserkraft eine zentrale Rolle. Neue saisonale Speicher wie zusätzliche Stauseen sind in der Schweiz zwar nur sehr schwer realisierbar, bleiben aber aus unserer Sicht zwingend notwendig. Dazu setzen wir das Wasserstoffprojekt in Bürglen um, dies könnte zukünftig auch zur saisonalen Speicherung von Energie genutzt werden, doch die Technologie muss sich noch weiter etablieren. Mit dem Pumpspeicherkraftwerk Isenthal und der Grossbatterie beim Kraftwerk Arniberg verfügt energieUri bald über zwei eigene Speicherlösungen. Wozu dienen diese? Beide Anlagen dienen der Flexibilisierung der Energieproduktion. Sie helfen, Lastspitzen abzufedern und Systemdienstleistungen für die Netzstabilität zu erbringen – ein zunehmend wichtiger Faktor angesichts der wachsenden Volatilität im Energiesystem. Gleichzeitig können wir damit die Kosten für Ausgleichsenergie senken, wovon letztlich unsere Stromkundinnen und -kunden profitieren. Solche innovativen Projekte sind sicherlich ein Grund, dass wir in Uri aktuell die fünfttiefsten Strompreise in der Schweiz haben. Bei beiden Anlagen handelt es sich aber um Kurzzeitspeicher und nicht, wie zum Beispiel beim Kraftwerk Lucendro mit dem eigenen Stausee, um einen saisonalen Speicher.

Apropos Lucendro: Welche Rolle übernimmt energieUri dort?

Erstmals in der rund 80-jährigen Geschichte des Kraftwerks wird der Urner Wasseranteil direkt in Uri bewirtschaftet. EnergieUri übernimmt diese anspruchsvolle Aufgabe für den Kanton mit der 24-Stunden-Leitstelle in Altdorf. Die Erlöse fliessen in die Kantonskasse. Zudem unterstützen wir den Kanton bei der komplexen interkantonalen Rekonzessionierung.

Ein Treiber der von Ihnen erwähnten Volatilität ist unter anderem der starke Ausbau der Photovoltaik. Wo liegt die Herausforderung? Vorweg, das ist keine lokale, sondern eine europaweite Herausforderung. Photovoltaik ist und bleibt sinnvoll, muss jedoch auf den Eigenverbrauch abgestimmt sein –idealerweise ergänzt durch einen Batteriespeicher oder

Neben unseren beiden eigenen Speicherprojekten haben wir mit den neuen Strompreisen als einer der ersten Energieversorger in der Schweiz eine energiewirtschaftlich optimierte Preiszeitenabstufung eingeführt. Im Sommerhalbjahr gilt der Sparpreis neu tagsüber statt nachts. Damit schaffen wir gezielte Anreize, Strom dann zu nutzen, wenn sowieso bereits viel Energie verfügbar ist, und entlasten gleichzeitig das Netz. Welche Rolle spielt hier die eigene Energiewirtschaft?

Wir erstellen an unserem Hauptsitz in Altdorf täglich viertelstundengenaue Prognosen und Fahrpläne. Abweichungen werden über Ausgleichsenergie von Swissgrid verrechnet – deren Kosten schweizweit stark gestiegen sind. Dank präziser Prognosemodelle, der grossen Erfahrung unserer Mitarbeitenden in der Rund-um-die Uhr-Leitstelle und eines flexibilisierten Kraftwerksparks konnten wir diese Kosten bisher gut im Griff behalten. Das zeigt sich auch bei den Strompreisen: Uri verfügt aktuell über die fünftgünstigsten Strompreise der Schweiz. Zudem entwickeln wir gerade eigene KI-Projekte und investieren so weiter in unsere Prognosefähigkeit.

Abschliessend, was braucht es jetzt konkret für eine erfolgreiche Energiewende? Wir müssen schweizweit endlich konsequent ins Handeln kommen – ganz nach unserem Motto: «Es tun!» Leider wird in der Schweiz noch zu oft diskutiert, analysiert und verzögert, statt konkrete Projekte umzusetzen. Die aktuellen sowie kommenden Herausforderungen sind bekannt. Die Lösungen dafür auch. Nun braucht es Durchhaltewillen, teilweise auch eine Portion Mut sowie innovative Lösungen. Wir bei energieUri gehen diesen Weg seit Jahren und werden dies auch in Zukunft mit viel Energie tun.

Weitere Informationen unter: energieuri.ch

Werner Jauch CEO energieUri-Gruppe

Thomas Paroubek

«Die grünste Energie ist die, die man nicht verbraucht»

In den Bereichen Nachhaltigkeit und Sicherheit hat Thomas Paroubek beim Technologieunternehmen ABB Schweiz AG den Hut auf. Verantwortlich ist er dafür, die strategische Nachhaltigkeit intern weiterzuentwickeln und den Fokus auf CO2-Reduktion und Dekarbonisierung zu legen. Als zentral erachtet er hierbei die Optimierung der Energieeffizienz von den Lieferanten bis zur Kundschaft.

Interview SMA Bild zVg

Herr Paroubek, Netto­Null bis 2050 zu erreichen, ist ein hochkomplexes Unterfangen für die Schweizer Gesellschaft. Welche ersten Schritte sollten Unternehmen gehen, um ihren Beitrag zu leisten? Wichtig ist, die gesamte Organisation einzubinden, vom Top-Management bis in die Produktion. Die Orientierung an Netto-Null darf nicht nur ein Ziel der Nachhaltigkeitsabteilung sein. Wir als ABB haben eine Nachhaltigkeitsgovernance und Kompensationsmodelle, die an Nachhaltigkeitsleistung geknüpft sind, also an die Klimaperformance. Das ist ein grosser Hebel. Dann ist es entscheidend, die Scopes zu messen. Scope 1 ist das CO2, das wir direkt emittieren. Scope 2 sind die Emissionen, die bei der Herstellung der Energie entstehen, die wir selbst verbrauchen. Der grösste Teil bei ABB ist Scope 3. Das sind indirekte Emissionen, die schwieriger zu messen sind, da sie bei Lieferfirmen und den Kunden anfallen.

Haben Sie ein Beispiel für die Scope­3-Messungen?

Scope 3 umfasst zunächst den Bereich der Lieferfirmen, von denen wir wissen müssen, zu welchen CO2-Ausstössen es kommt, bevor das Produkt überhaupt bei uns ist. Bei der Messung nutzen wir je nach Verfügbarkeit Lieferantendaten, Materialkennwerte oder Einkaufswerte als Grundlage und verfeinern die Berechnung schrittweise. Die grösste Herausforderung sind die kundenseitigen Emissionen, also jene, die bei der Nutzung unserer verkauften Produkte anfallen. Sie machen rund 97 Prozent unserer Scope-3-Emissionen aus. Wir berechnen sie nach einem international anerkannten Standard, indem wir den Energieverbrauch unserer Produkte über ihre Laufzeit und Lebensdauer abschätzen und mit Emissionsfaktoren wie dem regionalen Strommix in CO2 umrechnen. Je grüner oder erneuerbarer der genutzte Strom ist, den die Kunden einsetzen können, desto tiefer sind auch unsere Scope-3-Emissionen. Gibt es neben den Messungen weitere Instrumente, um Netto­Null zu erreichen? Ja, es gilt, sich selbst Ziele zu setzen und diese laufend zu überprüfen. Schliesslich müssen Firmen wissen, worauf sie hinarbeiten und wo sie bei der Zielerreichung stehen.

Aber am besten beginnt man einfach mit den Quick Wins, startet also schnellstmöglich mit Energieeffizienzprojekten, um den Energieverbrauch zu senken. Denn die grünste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird – und sie ist auch die günstigste. Für solche Energieeffizienzprojekte haben wir bei ABB Schweiz einen Fonds eingerichtet. Zusammen mit Rückerstattungen aus der Schweizer CO2-Abgabe werden so Projekte gefördert, die sich erst über einen längeren Zeitraum amortisieren. Haben Sie ein Beispiel für ein Projekt, das Sie auf diese Weise gefördert haben? Wir sind etwa bei 100 Projekten, die wir mit dem Fonds bereits unterstützt haben. Das geht von kleineren Projekten, wie der Umstellung eines Beleuchtungssystems auf LED oder der Einführung eines Gebäudemanagementsystems, das die Energieeffizienz stark erhöht, bis hin zum Austausch einer gesamten Stromanlage. Konkret haben wir im letzten Jahr eine rund 105 Jahre alte elektrotechnische Testanlage ersetzt. Weil die Anlage längst abgeschrieben war, belief sich der Payback auf mehr als zehn Jahre. Mit dem Fonds konnten wir die Amortisationszeit auf rund vier Jahre reduzieren und das Projekt realisieren. Mit diesen Projekten haben wir direkten Einfluss auf die Emissionen, die wir selbst erzeugen. Sie sind ein wichtiger Beitrag zu ABBs Mission-to-Zero-Initiative, die zum Ziel hat, unsere eigenen Standorte nachhaltig und ressourceneffizient zu betreiben. Doch das genügt nicht, um das eigene Netto-NullZiel bis 2050 zu erreichen. Erfolgreich ist man nur durch Kooperation, vor allem mit unseren Kunden.

Warum legen Sie so viel Wert auf die Emissionen der Kunden?

Wie gesagt, liegt der kleinste Teil der Emissionen bei uns. Der grösste Teil entsteht, wenn unsere Produkte

Ich denke, jede Firma muss ihre Hausaufgaben machen und die gesamte Wertschöpfungskette im Blick behalten. Alle Unternehmen als Gesamtheit schaffen Netto-Null nur in der Kollaboration.

– Thomas Paroubek, Head Sustainability, Security & Safety bei ABB

Welche Innovationen betrachten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen klimatischen und gesellschaftlichen Bedingungen als besonders zukunftsweisend?

Man sollte nicht zu weit in die Zukunft hoffen, dass etwas kommt – eine mirakulöse Maschine, die dann alles CO2 zunichtemacht –, sondern jetzt handeln.

Das Wichtigste ist jetzt, die bereits existierende Technologie weltweit flächendeckend einzusetzen. Wenn das gelingt, liessen sich schon mehr als elf Prozent des globalen Strombedarfs sparen. Das ist der Ansatz, bei dem wir unsere Kundschaft mitnehmen möchten.

Ausserdem besteht ein grosses Potenzial darin, fossile Prozesse zu elektrifizieren. Da gibt es etliche Beispiele bei der Bahn, beim Bus, aber auch bei Minenfahrzeugen, die aktuell noch mit fossiler Energie betrieben werden, obwohl es die Technologie für einen Elektroantrieb bereits gibt. ABB kann aufzeigen, dass sich die Elektrifizierung nachweislich wirtschaftlich lohnt. Wie gehen Sie mit schwankenden Energiepreisen um?

Bei ABB kaufen wir weltweit zu 98 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien ein, in der Schweiz sind es 100 Prozent. Als ABB Schweiz kumulieren wir den Energiebedarf aller unserer Fabriken der Schweiz und können so bereits über die nächsten zwei bis drei Jahre Strompreise fixieren, weil wir schon wissen, wie unser Lastbild aussieht. Wenn wir alle Fabriken zusammennehmen, können wir einen grösseren Teil zu festen Preisen beziehen und müssen nur einen kleineren Teil auf dem volatilen Strommarkt einkaufen, was sich positiv auf die Kostenplanungssicherheit auswirkt. Natürlich bietet sich auch die Eigenproduktion an, also selbst Strom herzustellen, sei es mit Solar- oder mit Windenergie. Wir setzen auf Solar und haben PV-Anlagen auf unseren Dächern angebracht, um noch unabhängiger von den Schwankungen zu werden.

Welchen Einfluss hat die Annäherung an eine Kreislaufwirtschaft auf die Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen von Industriebetrieben?

Die Entwicklung unserer Produkte nach den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft optimiert und verlängert die Lebensdauer von Kundenlösungen, die ABB-Produkte integrieren. Unsere Lösungen sind so konzipiert, dass sie langlebig, material- und energieeffizient im Betrieb sind sowie wiederverwendet, repariert und recycelt werden können. So reduziert unser zirkulärer Ansatz die Emissionen gleich mehrfach.

Haben Sie ein Best­Practice­Beispiel für Kreislaufwirtschaft?

im Einsatz sind. Das heisst, dass wir stets an Innovationen arbeiten, um unseren Kunden Lösungen anzubieten, die ihnen dabei helfen, noch produktiver und energieeffizienter zu sein. Somit geht deren Energiebedarf zurück – und unsere Scope-3-Emissionen. Ich denke, jede Firma muss ihre Hausaufgaben machen und die gesamte Wertschöpfungskette im Blick behalten. Alle Unternehmen als Gesamtheit schaffen Netto-Null nur in der Kollaboration.

Wie kann eine solche Zusammenarbeit konkret aussehen?

Es braucht Austauschplattformen, auf denen man unabhängig von der eigenen Firma Erfahrungen teilt, voneinander lernt und gemeinsam Projekte anstösst. Schlussendlich ist die Industrie für 25

Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein gutes Beispiel ist unsere Kooperation mit dem Cern. Gemeinsam haben wir ein Energieeffizienz-Audit bei Motoren für Kühlung und Lüftung durchgeführt und ein Sparpotenzial von 17,4 Prozent ermittelt. Das entspricht dem Verbrauch von über 18 000 europäischen Haushalten. Damit haben wir das ursprüngliche Ziel des Cern sogar übertroffen. Die Investition in die Modernisierung der Motoren amortisiert sich voraussichtlich in weniger als zwei Jahren. Entscheidend ist: ABB und Cern veröffentlichen die Erkenntnisse, um sie für andere Grossanlagen in Wissenschaft und Industrie zugänglich zu machen. Das zeigt: Kein Unternehmen schafft die Dekarbonisierung allein. Wenn wir Erkenntnisse teilen, profitieren alle und die Wirkung vervielfacht sich.

Wenn man gute Nachhaltigkeitsprojekte umsetzt, zeigt sich dies bei allen auch im Geldbeutel.

– Thomas Paroubek, Head Sustainability, Security & Safety bei ABB

Unser Ansatz ist auf alle Phasen des Produktlebenszyklus abgestimmt. Von der Konstruktion und Beschaffung über die Produktfertigung bis hin zur optimierten Nutzungsphase und dem verantwortungsvollen Ende der Nutzungsdauer. Letzteres erklärt sich am besten durch unsere Take-back-Aktion, bei der wir Motoren zurücknehmen, egal welcher Bauart und welches Herstellers. Diese recyceln wir zusammen mit einem professionellen Partner. So können sehr viel Kupfer, Stahl, seltene Erden et cetera zurückgewonnen werden und das ist natürlich ressourcenschonend und entscheidend für die weitere Produktion von neuen, hocheffizienten Motoren. Für uns ist es elementar, hier Erfahrungen zu sammeln und das Konzept auf andere Produktgruppen auszubauen.

Ist das wirtschaftlich möglich oder eher ein Zuschussgeschäft? Für uns rechnet sich das, auch für unsere Kunden. Aber es ist vor allem eine konsequente Umsetzung unseres zirkulären Ansatzes. Wir sehen die Kreislaufwirtschaft als Chance, neue Partnerschaften und Geschäftsmodelle zu entwickeln und gemeinsam mit Partnern die natürlichen Ressourcen in unserer Wertschöpfungskette zu schonen. Hinzu kommt: Immer mehr Kundinnen und Kunden fordern von uns oder unserer Konkurrenz nachhaltige Lösungen. Die Schweiz steht für Innovation, Automatisierung und Nachhaltigkeit. Es ist massgeblich, dass man in diesen Themen weitergeht und neue Technologien und Lösungen mitentwickelt. Wenn man gute Nachhaltigkeitsprojekte umsetzt, zeigt sich dies bei allen auch im Geldbeutel. Also: Good for the pocket, good for the planet.

«Lernend in die Energiezukunft»: Der Mensch bei Infrastrukturprojekten im Fokus

Für diejenigen, die regelmässig mit dem Zug zwischen Luterbach und Solothurn unterwegs sind, hat sich der Blick aus dem Fenster während der vergangenen Jahre verändert. 2020 begannen die Bauarbeiten an kenova, einer neuen energieoptimierten Kehrichtverwertungsanlage, die die bestehende ersetzt. Nun ist sie fertig. Doch wie jedes Infrastrukturprojekt ist auch dieser Neubau kein Selbstzweck: Er dient den Menschen und zeigt, wie die Energiezukunft der Schweiz konkret gestaltet werden kann. Diesen Gedanken ins Zentrum zu stellen, ist für das Planungsunternehmen TBF + Partner Grundlage seiner Arbeit.

Dort, wo Emme und Aare zusammenfliessen, werden seit 50 Jahren jährlich gut 220 000 Tonnen Abfall aus 176 Gemeinden verwertet. Dabei entstehen Elektrizität und Fernwärme für die Region. Mit kenova wird diese Geschichte weitergeschrieben –nicht nur als technische Erneuerung, sondern als Investition in kommende Generationen. Für die Gesamtplaner von TBF + Partner, welche die Anlage seit 2015 für und mit dem Kunden kenova geplant und realisiert haben, stehen deshalb die Menschen im Mittelpunkt, die von solchen Anlagen profitieren und sie gleichzeitig planen, bauen, betreiben und weiterentwickeln. Nicht von ungefähr sind Eröffnungstage geplant, an denen die Bevölkerung die neue Anlage begehen und ihre Funktionsweise unmittelbar erleben kann. Für Andreas Sägesser sind solche Begegnungen weit mehr als Informationsveranstaltungen. Sie schaffen einen niederschwelligen Dialog und machen sichtbar, dass Energieund Kreislaufwirtschaft Teil des Alltags sind. Infrastruktur soll nicht hinter Zäunen verschwinden, sondern für die Gesellschaft verständlich und erlebbar werden.

Diese Haltung gehört zur Philosophie von TBF + Partner. Gleichzeitig ist sie eine Notwendigkeit. Öffentliche Infrastrukturprojekte werden grösstenteils von der Gesellschaft finanziert und dienen ihr über Jahrzehnte hinweg. «Wenn man all diese notwendigen Investitionen für die Energiewende zusammenzählt, dann ergeben sie enorme Summen», erklärt Joachim Rutz. kenova umfasst beispielsweise ein Investitionsvolumen von über einer halben Milliarde Franken. Solche Projekte entstehen dort erfolgreich, wo Menschen ihre Bedeutung verstehen und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

Energieinfrastrukturprojekte als gemeinsame Gestaltungsaufgabe Die Energiewende ist weit mehr als eine technische Aufgabe. Sie bietet die Chance, Gesellschaft, Politik und Fachwissen zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen für kommende Generationen zu entwickeln. Für Joachim Rutz ist entscheidend, den Sinn eines Projekts immer wieder sichtbar zu machen. «Es ist ein Erfolgsfaktor, wenn man nicht nur informiert, sondern kommuniziert und sich frühzeitig über Partizipation Gedanken macht.»

Der Dialog mit Bevölkerung, Behörden und politischen Gremien schafft dabei nicht nur Akzeptanz, sondern verbessert häufig auch die Projekte selbst. Unterschiedliche Perspektiven helfen, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Gerade Entscheidungs- und Verantwortungsträger:innen übernehmen dabei eine anspruchsvolle Aufgabe. Im Schweizer Milizsystem engagieren sich viele Menschen für ihre Gemeinden und Regionen. TBF versteht einen Teil seiner Aufgabe darin, diese Menschen kompetent zu begleiten und zu stärken. Neben technischer Expertise braucht es kommunikative Fähigkeiten, Resilienz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Denn die Energiezukunft entsteht dort, wo Menschen den Wandel aktiv mitgestalten.

Grosse Projekte für viele Schultern Zum Verständnis des «Erfolgsfaktors Mensch» gehört auch, Verantwortung bewusst zu teilen. Komplexe Infrastrukturprojekte gewinnen an Qualität, wenn Wissen, Erfahrung und Entscheidungen auf mehrere Schultern verteilt werden.

Im Fall von kenova gelang dies auf beispielhafte Weise. Dem Direktor der Kehrichtverwertungsanlage, der gleichzeitig das Generationenprojekt leitete, stand ein Bauausschuss aus drei Mitgliedern des Verwaltungsrats zur Seite. Dieser begleitete sämtliche Bauherrensitzungen und bereitete die wesentlichen Geschäfte gemeinsam vor.

Für den bauherrenseitigen Projektleiter entstand daraus ein grosser Mehrwert. Fragen konnten früh diskutiert, unterschiedliche Perspektiven eingebracht und Entscheide gemeinsam vorbereitet werden. Gleichzeitig war der Bauausschuss Bindeglied zum politisch zusammengesetzten Verwaltungsrat.

«Das ist ein klassisches Beispiel einer organisatorischen Massnahme, die sehr viel Ruhe in das Projekt hineingebracht und das Verständnis des Verwaltungsrats erhöht hat», sagt Joachim Rutz. Komplexität wird dabei nicht als Hindernis verstanden, sondern als Chance, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzuführen. Gute Governance entlastet Einzelpersonen und schafft die Grundlage für tragfähige Entscheidungen.

Vor über 20 Jahren hat es mich gepackt – das Thema Lernen und Entwicklung. Seither lässt es mich nicht mehr los – dieses Phänomen, dieses Wunder, wenn Menschen und Organisationen plötzlich neuartige Lösungen in herausfordernden Situationen entwickeln.

– Andreas Sägesser

Eine wichtige Rolle spielen dabei digitale Werkzeuge. Building Information Modeling ermöglicht die Zusammenarbeit aller Beteiligten und macht komplexe Bauwerke sichtbar. Gleichzeitig eröffnet es neue Möglichkeiten, Infrastruktur gegenüber Politik und Bevölkerung verständlich zu machen. Für Andreas Sägesser liegt darin eine grosse Chance: Geschichten und Visualisierungen helfen, den Nutzen eines Projekts sichtbar zu machen. Im Fall von kenova wird deutlich: «Das ist nicht nur Abfallverwertung, das ist Energieerzeugung.»

Wie verlässliche Rahmenbedingungen Innovation ermöglichen

Viele technische Lösungen für die Energie- und Klimazukunft sind bereits vorhanden. TBF engagiert sich in verschiedenen Projekten zur Schliessung von Stoffkreisläufen und bereitet auch bei kenova die Einführung von Carbon-Capture vor.

Damit solche Innovationen ihre Wirkung entfalten können, braucht es langfristige und verlässliche Rahmenbedingungen. Sie schaffen Investitionssicherheit und ermöglichen es, neue Technologien breit einzusetzen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, können bestehende Lösungen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Eine neue Kehrichtverwertungsanlage für den Klimaschutz kenova zeigt, wie eine solche Zukunft bereits heute Gestalt annimmt. Als eines der grössten thermischen Kraftwerke für erneuerbare Energie der Schweiz verbindet die Anlage Energieproduktion, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz. Die Photovoltaikfassade liefert zusätzliche Solarenergie, Wertstoffe werden zurückgewonnen und Stoffkreisläufe geschlossen. Gleichzeitig ist die Anlage bereits für Carbon-Capture vorbereitet.

Die «lernende Organisation»

Die grossen Herausforderungen der Energiezukunft verlangen die Bereitschaft, gemeinsam zu lernen. «Selbst die bestausgebildeten Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen lernen entlang der Projekte, Lösungen für die Zukunft zu entwickeln», sagt Joachim Rutz. «Es geht darum, sich als Mensch und als Organisation weiterzuentwickeln.»

«Wir könnten wahrscheinlich noch einige Jahrzehnte warten, bis Menschen da wären, die all das bereits können, was wir für die Zukunft brauchen», ergänzt Andreas Sägesser. Deshalb versteht sich TBF als lernende Organisation. Statt auf perfekte Voraussetzungen zu warten, schafft das Unternehmen Räume, in denen Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam wachsen können.

Wie dieser Ansatz in der Praxis aussieht, zeigt Joel Haas. Während der Realisierung von kenova stiess er direkt im Anschluss an sein Studium zum Projektteam und begleitete die Entwicklung der neuen Anlage über mehrere Jahre hinweg. Heute bringt er seine Erfahrungen als Projektingenieur ein und erlebt mit, wie aus Ideen und Planungen gebaute Realität wird. Seine Entwicklung steht sinnbildlich für die Überzeugung, dass bei TBF nicht nur Infrastruktur entsteht, sondern auch die Menschen, die die Energiezukunft gestalten.

Ich interessiere mich für das gemeinsame Begehen neuer Wege. Stolz bin ich darauf, dass viele meiner Projekte erfolgreich realisiert wurden und für Generationen in der Gesellschaft Mehrwert schaffen.

– Joachim Rutz

Erfahrene Projektleiter:innen und Ingenieur:innen arbeiten eng mit jungen Mitarbeitenden, Praktikant:innen und Werkstudierenden zusammen. Joachim Rutz selbst hat seine Karriere 1997 als Praktikant begonnen. Zwischen Erfahrung und neuen Perspektiven entsteht ein kontinuierlicher Austausch, der Innovationen fördert und die Fähigkeit stärkt, mit komplexen Herausforderungen lösungsorientiert umzugehen.

Flexibel und digital Wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven sind, zeigte sich auch bei kenova. Während der Projektlaufzeit änderten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Flusswasserkühlung. Gemeinsam entwickelte das Projektteam eine neue Lösung.

Solche Veränderungen verlangen Offenheit und Flexibilität. Junge Mitarbeitende bringen neue Ideen und digitale Kompetenzen ein, erfahrene Fachpersonen ihr Wissen und ihre Erfahrung. «Die Mischung und der Diskurs in interdisziplinären sowie alters- und geschlechtsdivers zusammengesetzten Teams bringt meist sehr gute Lösungen hervor», sagt Joachim Rutz.

«Wir wollen einen Beitrag leisten, um die grossen Fragen der Gesellschaft in der Zukunft lösen zu können», sagt Andreas Sägesser. kenova zeigt, dass die Zukunft der Energie und Kreislaufwirtschaft keine ferne Vision ist. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Zukunft passiert nicht einfach – sie wird gemeinsam lernend gestaltet.

energiezentrale-kenova

Weitere Informationen unter: tbf.ch

Einen Blick hinter die Kulissen von kenova bietet das «espazium magazin»-Sonderheft «Energiezentrale kenova»: espazium.ch/de/aktuelles/
Joel Haas beim Kontrollblick in den Verbrennungsofen. © Federico Farinatti
Joel Haas während der Inbetriebnahme im Kontrollraum. © Federico Farinatti

Kühlen mit Verantwortung

Heissere Sommer verändern den Anspruch an Gebäude. Was lange als reines Komfortthema galt, wird in vielen Wohnbauten, Büros, Schulen, Alterszentren und Spitälern zunehmend zur Frage von Gesundheit, Produktivität und Betriebssicherheit. Kühlen ist in der Schweiz kein Tabu, sondern eine Frage der richtigen Planung. Die fachliche Perspektive der RMB Group zeigt: Entscheidend ist nicht die einzelne Anlage, sondern ein Konzept, das Bedarf, Effizienz und Gebäudetechnik sauber zusammendenkt.

Wenn Schulzimmer im Sommer kaum mehr konzentriertes Arbeiten ermöglichen, Büroräume über Tage hinweg überhitzen und Temperaturen in Alterszentren und Spitälern zur gesundheitlichen Belastung werden, geht es um mehr als Bequemlichkeit. Viele Gebäude, die einst auf ein Schweizer Durchschnittsklima ausgelegt wurden, geraten zunehmend an ihre Grenzen. Gleichzeitig steigt der Anspruch, Komfort und Gesundheit zu sichern, ohne Energieverbrauch und CO2-Emissionen zu erhöhen.

Noch immer hält sich dabei eine einfache Vorstellung: Kühlen sei in der Schweiz praktisch verboten. Sie ist griffig, aber falsch. Die kantonalen Energievorschriften verbieten Kühlung nicht. Sie verlangen vielmehr, dass sie nicht leichtfertig geplant wird. Aktive Kühlung soll dort eingesetzt werden, wo sie notwendig ist – aber erst dann, wenn andere Massnahmen ausgeschöpft oder plausibel geprüft wurden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob gekühlt werden darf. Sie lautet, unter welchen Bedingungen Kühlung sinnvoll, zulässig und langfristig verantwortbar ist.

Vom Verbot zur Einordnung

Lange galt die Annahme, dass das lokale Klima keine aktive Komfortkühlung brauche. Klimaanlagen wurden deshalb restriktiv betrachtet. Diese Zurückhaltung war nicht unbegründet: Wer Gebäude vorschnell mit Technik ausstattet, ohne die baulichen Ursachen der Überhitzung zu prüfen, schafft unter Umständen neue Energieprobleme.

Heute ist die Ausgangslage differenzierter. Das Klima verändert sich, Gebäudestandards und Nutzungsformen entwickeln sich weiter und technische Möglichkeiten sind effizienter geworden. Gebäude werden heute deutlich häufiger mit Kühlbedarf geplant oder nachgerüstet. Dabei entsteht ein neues Verständnis: Nachhaltige Kühlung beginnt nicht mit dem Gerät, sondern mit der Analyse des Gebäudes.

Aus Sicht der RMB Group AG zeigt sich genau hier der Kern der Thematik. Entscheidend ist nicht, wie möglichst stark gekühlt werden kann, sondern wie sich Wärmeeinträge reduzieren, Energieflüsse nutzen und technische Systeme aufeinander abstimmen lassen. Raumkühlung wird damit nicht als isolierte Anlage verstanden, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts. Zuerst vermeiden, dann kühlen Der wichtigste Grundsatz lautet: Bevor aktiv gekühlt wird, müssen passive Massnahmen geprüft werden. Dazu gehören bauliche, planerische und betriebliche Entscheide, die den Kühlbedarf bereits im Ursprung reduzieren.

In der Praxis beginnt das bei der Frage, wie ein Gebäude mit Sonne, Speichermasse, Luftwechsel, internen Lasten und Nutzung umgeht. Gerade aussen liegender Sonnenschutz ist oft wirksamer als nachträglich installierte Technik. Auch die Betriebsführung spielt eine Rolle: Ein Gebäude, das in der Nacht auskühlen kann und tagsüber kontrolliert gegen Wärmeeinträge geschützt wird, benötigt weniger aktive Kühlung. Diese Reihenfolge ist nicht nur energetisch sinnvoll, sondern auch regulatorisch relevant. Die Logik der Vorschriften folgt dem Prinzip, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Aktive Kühlung steht deshalb nicht am Anfang, sondern am Ende einer Kette. Erst wenn passive Massnahmen nicht ausreichen, kommen effiziente aktive Lösungen ins Spiel – etwa freie Kühlung, reversible Wärmepumpen oder mechanische Kälteanlagen. Was die Vorschriften verlangen Die rechtlichen Vorgaben sind in der Schweiz kantonal organisiert. Ein einheitliches Bundesverfahren gibt es nicht. Entsprechend unterscheiden sich Bewilligungspraxis und Vollzug je nach Standort. Eine gemeinsame Grundlage bilden jedoch die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich. Sie definieren Richtwerte für die installierte Kühlleistung: sieben Watt pro Quadratmeter bei Neubauten und zwölf Watt pro Quadratmeter bei bestehenden Gebäuden. Werden diese Werte überschritten, muss nachgewiesen werden, dass die Lösung dem Stand der Technik entspricht. Damit wird Kühlung nicht ausgeschlossen, sondern an eine fachliche Begründung geknüpft. Wer mehr Leistung benötigt, muss den Bedarf und die effiziente Bereitstellung plausibel aufzeigen. Je nach Anlage

Kühlen ist erlaubt, aber nicht beliebig.

kommen Energie-, Bedarfs- oder Lärmnachweise sowie Vorgaben aus Bau-, Umwelt- und Ortsbildrecht hinzu. Entscheidend ist zudem die konkrete Ausführung: Mobile Geräte oder rein interne Massnahmen sind anders zu beurteilen als ortsfeste Anlagen mit sichtbaren oder lärmrelevanten Komponenten.

Für Bauherrschaften, Eigentümerschaften und Planende bedeutet das: Die rechtliche Abklärung gehört an den Anfang eines Projekts. Wer erst montiert und später klärt, riskiert Verzögerungen, Auflagen oder Rückbauten.

Nachhaltig kühlen statt nur klimatisieren Der Unterschied zwischen einer klassischen Klimaanlage und einem nachhaltigen Kühlkonzept liegt im Systemdenken. Eine Klimaanlage löst häufig ein unmittelbares Komfortproblem. Ein nachhaltiges Konzept fragt weiter. Es betrachtet das Gebäude, die Energiequelle, die Verteilung, den Betrieb, die Wartung, die Kosten und die Wirkung auf das Gesamtsystem.

Effiziente Kühlung nutzt, was bereits vorhanden ist: natürliche Temperaturquellen, bestehende Energieflüsse und intelligente Systemverbindungen. Erdsonden können neben dem Heizen für Free Cooling eingesetzt werden, während Grund- und Seewasser durch ihre konstanten Temperaturen direkte und indirekte Kühlung ermöglichen. Thermische Netze wiederum schaffen die Möglichkeit, Kälte zentral bereitzustellen und den Wärme- und Kältebedarf unterschiedlicher Nutzungen miteinander zu verbinden. Auch reversible Wärmepumpen erweitern den Spielraum, indem sie je nach Saison heizen oder kühlen. So wird Kühlung nicht zum zusätzlichen Stromfresser, sondern Teil eines abgestimmten Energiesystems.

Wo Wärme und Kälte gemeinsam gedacht werden, lassen sich Abwärme, Speicher, erneuerbare Energie und Gebäudebetrieb gezielt miteinander verbinden. Dafür muss die Gebäudetechnik jedoch als Gesamtsystem geplant werden. Heizung,

Lüftung, Kälte, Gebäudeautomation, Stromproduktion und Betrieb greifen ineinander und entscheiden gemeinsam darüber, ob Kühlung langfristig effizient und nachhaltig funktioniert. Der Betrieb entscheidet mit Selbst die beste Anlage verliert an Wirkung, wenn sie schlecht betrieben wird. Nachhaltige Kühlung ist deshalb auch eine Frage der Regelung. Sensorik, Gebäudeautomation und Betriebsoptimierung können bestimmen, wann, mit welcher Leistung, in welchen Zonen und mit welcher Energiequelle gekühlt wird. Gerade bei komplexeren Gebäuden entscheidet die Abstimmung zwischen Komfort und Effizienz über den tatsächlichen Verbrauch.

Zu tiefe Sollwerte, schlecht abgestimmte Betriebszeiten oder fehlende Wartung können effiziente Systeme unnötig belasten. Umgekehrt lassen sich durch Monitoring und Optimierung erhebliche Verbesserungen erzielen. Wer Raumkühlung nachhaltig denkt, muss deshalb nicht nur planen und bauen, sondern auch betreiben.

Eine neue Normalität

Die Diskussion um Raumkühlung wird in der Schweiz weiter an Bedeutung gewinnen. Nicht jedes Gebäude braucht aktive Kühlung und nicht jede Kühllösung ist automatisch sinnvoll. Aber die pauschale Ablehnung greift zu kurz. In vielen Gebäuden wird thermischer Komfort zu einem Bestandteil von Gesundheit, Produktivität und Werterhalt. Die fachliche Aufgabe besteht darin, diesen Bedarf sauber zu bewerten.

Die Hauptaussage bleibt klar: Kühlen ist erlaubt, aber nicht beliebig. Es braucht Fachwissen, frühe Abklärungen, eine sinnvolle Abwägung der Massnahmen und den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Erst wenn bauliche, technische, rechtliche und betriebliche Fragen zusammengedacht werden, entsteht eine Lösung, die nicht nur kurzfristig entlastet, sondern langfristig funktioniert.

In einer wärmeren Schweiz wird deshalb nicht die stärkste Anlage entscheidend sein, sondern das klügste Konzept. Genau hier setzt die RMB Group an: mit ganzheitlicher Gebäudetechnik von der ersten Analyse bis zum etablierten Betrieb. Nachhaltige Kühlung ist damit weniger eine Frage des Geräts als eine Frage der Planung mit kühlem Kopf.

Text Walter Nogueira

Weitere Informationen unter: rmb.ch

Die RMB Group ist ein unabhängiges Engineering-, Beratungs- und Planungsunternehmen für Gebäudetechnik und Energie. Als Lösungsanbieter begleitet sie ihre Kundschaft entlang des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Arealen, von der ersten Idee über die Planung bis zum Betrieb.

Im Kern plant und projektiert die RMB Anlagen der Gebäudetechnik in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klima, Kälte und Sanitär sowie in der Gebäudeautomation. Darüber hinaus entwickelt sie Dekarbonisierungs- und Energielösungen, berät Bauherr- und Eigentümerschaften und plant Infrastruktur für anspruchsvolle Bauvorhaben.

Was die RMB für ihre Kundschaft besonders macht: Sie denkt über die einzelne Anlage hinaus. Mit FM-Planung, Bauherrenberatung sowie energetischer Portfolio- und Arealentwicklung verbindet sie technische Tiefe mit strategischer Weitsicht. So unterstützt die RMB Eigentümerschaften, Betreiber und Investoren dabei, Gebäude und Infrastrukturen effizient, klimafreundlich und werterhaltend in die Zukunft zu führen.

«Durch die Branche wird ein Raunen gehen»

Die Idee ist wohl so alt wie die Menschheit: Wenn Menschen Stärken aus unterschiedlichen Bereichen mitbringen und diese bündeln, kann Grosses entstehen. Diese Innovationskraft ist es, die sich nun auch drei Unternehmen aus der Energiebranche zunutze machen. Das Dreieck zwischen Emmen, Romanshorn und Wien bringt wohl bald eine Lösung für die Immobilien-, Industrie- und Logistikbranche hervor, die es so noch nicht gegeben hat. Energy-Control-Geschäftsführer Markus Reich ist die Freude darauf anzumerken.

Herr Reich, was ist Energy Control und wie funktioniert es?

Energy Control ist ein ganzheitliches Energie- und Lastmanagementsystem, das die elektrischen und thermischen Energieflüsse so steuert, dass der selbst produzierte Solarstrom möglichst optimal genutzt wird: Entweder wird er im eigenen Gebäude selbst verbraucht oder dann möglichst gewinnbringend verkauft. Einsetzen lässt sich Energy Control in grösseren Gebäuden und Überbauungen sowie in Industrie- und Logistikbetrieben. Das System ist auch für die Eigenverbrauchsoptimierung und Datensammlung innerhalb von ZEV-, vZEV- und LEG-Anwendungen ideal geeignet.

Die Nutzenden behalten auf der Gratis-App die Übersicht über die Solarproduktion des Gebäudes und den eigenen Verbrauch von Strom, Wärme und Wasser. Ziel ist unter anderem, die Nutzenden für einen sparsamen Umgang mit Energie zu sensibilisieren. Auf diese Weise erhalten beispielsweise die Bewohnenden eines Mehrfamilienhauses Informationen zu Solarüberschuss und können auf dieser Basis den Zeitpunkt festlegen, zu dem sie den Backofen oder die Waschmaschine einschalten. Dabei beziehen sie den Solarstrom mindestens 20 Prozent günstiger als den Strom vom Elektrizitätswerk. Wie kann das Energy Control im industriellen Umfeld eingesetzt werden? Das Energy Control wurde explizit für Anwendungen, wie sie in der Industrie und der Logistik vorkommen, entwickelt: Es beruht auf industrieerprobter, langlebiger Hardware und kann sämtliche Schnittstellen im Bereich Industrieautomation integrieren. Die Anwendungsbereiche in diesem Umfeld sind enorm: Beispielsweise verfügen die Industrie und die Logistikbetriebe über sehr grosse Hallendächer und Areale, auf denen viel Solarenergie produziert werden kann. Oft wird diese Energie aber nicht dann benötigt, wenn sie produziert wird, und muss deshalb in grossen Batterien zwischengespeichert werden. Die gespeicherte Energie nutzen die Unternehmen anschliessend, um am Abend oder in der Nacht ihre elektrischen Lastwagen zu laden, die tagsüber auf der Strasse sind. Auch können vollautomatische Industrieanlagen durch das Energy Control angesteuert werden, um die Anlagen dann zu betreiben, wenn der eigene Solarstrom verfügbar ist. Können auch Fahrer:innen von Elektroautos von Energy Control profitieren?

Ja, die E-Mobilität wird in unserem System neben der Wärmeerzeugung sehr hoch gewichtet. Über die App können beispielsweise die Bewohnenden eines Mehrfamilienhauses festlegen, wann das eigene Auto laden soll: ausschliesslich, wenn günstiger und umweltschonender Solarstrom verfügbar ist, oder einfach mit möglichst voller Leistung. Auch Budgetladen kann angewählt werden, da das System für dynamische Tarife vorbereitet ist. In diesem Fall liest es den Zeitbereich aus, in dem der Strom am günstigsten ist, unabhängig davon, ob es sich um selbst produzierten Solarstrom oder um Strom aus dem Netz handelt.

Für die Industrie und Logistikbetriebe stehen ausserdem ein priorisiertes Laden und die umfängliche, voll automatisierte Plattform von Eponet zur Abrechnung zur Verfügung. Bei Vollausbau des Systems können dem Flottenverantwortlichen zusätzlich Vorschläge für den Stromeinkauf der nächsten Tage anhand der voll automatisierten Prognosen durch Optivice.energy gemacht werden. Welche Rolle spielt Sektorenkopplung für Energy Control?

Dieses Thema ist für uns enorm wichtig. Unser System bietet dafür die ideale Basis, da wir mit allen möglichen Systemen kommunizieren und jederzeit kundenspezifische Funktionen einprogrammieren können. Sektorenkopplung bedeutet, dass verschiedene Energiesektoren miteinander energetisch verbunden werden. Wenn mit Solarenergie zum Beispiel Fahrzeuge geladen, Wasserstoff produziert oder Wärmepumpen betrieben werden, handelt es sich immer um eine Art von Sektorenkopplung. Der

Das Energy Control wurde explizit für Anwendungen, wie sie in der Industrie und der Logistik vorkommen, entwickelt.

– Markus Reich, Geschäftsführer

Auch die verkaufte Energiemenge und der entsprechende Verdienst sind darin erkennbar. Weitere Reports ermöglichen Amortisationsberechnungen, die verdeutlichen, wie weit die Amortisation der Solaranlage oder des Batteriespeichers fortgeschritten ist. Darüber hinaus muss ein grösseres Unternehmen, das Industrieanlagen betreibt oder Immobilienportfolios besitzt, dem Staat gegenüber Rechenschaft über den eigenen Energieverbrauch ablegen. Hierbei muss es zusätzlich nachweisen, welchen Anteil der verbrauchten Energie es selbst produziert hat. Die entsprechenden Reportings kann unser System automatisiert erstellen.

An dieser Stelle sprechen wir über Regularien. Welche Wünsche haben Sie an Politik und Gesellschaft, um das Energie­ und Lastmanagement zukunftsfähig zu machen? Vieles wurde schon getan, wir bewegen uns in die richtige Richtung. Meiner Ansicht nach sollten aber LEGs (lokale Energiegemeinschaften) nicht nur innerhalb einer Gemeinde, sondern über die gesamte Schweiz gebildet werden können. In einer LEG schliessen sich mehrere Gebäude zusammen, um den Solarstrom innerhalb der Gemeinschaft zu verkaufen und zu nutzen. Produziert ein Gebäude einen Energieüberschuss, kann es diesen gewinnbringend an die anderen Gebäude verkaufen. Wenn nun aber eine Firma über mehrere Standorte in der Schweiz verfügt, kann sie die Energie, die sie an einem Standort produziert, nicht an einem anderen Standort irgendwo in der Schweiz nutzen, weil LEGs nur innerhalb einer Gemeinde betrieben werden dürfen.

In Österreich ist das Betreiben von Energiegemeinschaften über das ganze Land möglich. So kann beispielsweise ein Turnverband mit mehreren Hundert Turnhallen auf einem Teil dieser Hallen PV-Anlagen installieren und damit all seine Immobilien im Land mit Strom versorgen. Mit unserem System könnte man nun bei allen Turnhallen die Wärmepumpen oder Ladestationen so steuern, dass der eigene Solarstrom optimal genutzt wird.

Wie sehen Ihre nächsten Ziele mit Energy Control aus?

Begriff bezeichnet vereinfacht erklärt, dass erzeugte Solarenergie in eine andere Energieform umgewandelt wird, um möglichst effizient genutzt zu werden: Genau dafür wurde Energy Control entwickelt.

Welche Expertise bringen Sie in diesem Bereich mit?

Die Prola Automation AG, welche das Energy Control entwickelt hat, ist seit 40 Jahren in der Automatisierung von Industrieanlagen tätig. Deswegen verfügen wir über viel Erfahrung im Bereich von Automation, Schnittstellen, Regelungstechnik und der Steuerung und Regelung von Energieflüssen.

Auf dem Markt gibt es heute Systeme, die nur das Lastmanagement übernehmen können, also die Steuerung der Ladestationen. Andererseits befinden sich Energiemanagementsysteme auf dem Markt, in die kein Lastmanagement integriert ist. Unser System optimiert in beiden Bereichen. Zusätzlich kann es für Systemdienstleistungen (SDL) mit Swissgrid verwendet werden: Wenn Netzinstabilität droht, kann Swissgrid zum Beispiel eine von Energy Control verwaltete Batterie nutzen, um überflüssigen Strom aus dem Netz zu entnehmen oder dringend benötigten Strom in das Netz einzuspeisen.

Diese steuerungstechnischen Funktionen werden durch die umfangreichen Cloud-Funktionen für Prognose, Abrechnung und Reporting perfekt ergänzt.

In welchem Umfang kann oder muss das betreffende Unternehmen dabei eingreifen?

Grundsätzlich läuft Energy Control vollautomatisch, aber selbstverständlich bestehen Einflussmöglichkeiten durch die Betreiber. So lässt sich beispielsweise einstellen, ob das System ökologisch oder ökonomisch funktionieren soll. Während der

ökonomische Betrieb auf einen möglichst grossen Gewinn ausgerichtet ist, hält der ökologische Betrieb den Eigenverbrauch so hoch wie möglich.

Die meisten Unternehmen wählen verständlicherweise den ökonomischen Betrieb, der schlussendlich immer auch ökologisch ist. Der Betrieb generiert Einnahmen aus dem Strom, den er ins Netz einspeist, und sorgt für einen grösseren Anteil der Solarenergie am Strommix im eigenen Gebäude, was den Gewinn maximiert.

Welche weiteren Möglichkeiten bietet Energy Control?

Beispielsweise lässt sich festlegen, welcher Verbraucher bei einem Überschuss zuerst profitiert, etwa die Wärmepumpe oder die Ladestation. Weitere Einflussmöglichkeiten gibt es im Rahmen von priorisiertem Laden. Nutzt ein Unternehmen Elektro-Lkw, kann es zum Beispiel diejenigen Lkw mit voller Leistung laden, die in Kürze wieder auf die Strasse müssen. Die anderen benötigen dadurch mehr Zeit zum Laden, da sie durch die Priorisierung der anderen Lkw mit weniger Leistung geladen werden.

Zusätzlich wird Energy Control in Kürze ein Prognosetool anbieten, welches grossen Betrieben vorhersagen kann, wie viel Strom es an welchen Tagen einkaufen muss oder verkaufen kann.

Dies alles sind enorm wichtige Vorgaben aus Logistik und Industrie, die nur wenige Systeme so umfassend erfüllen können, wie Energy Control das kann.

Energy Control erstellt auch Reportings. Was beinhalten sie und wofür werden sie benötigt?

Der einfachste und wichtigste Report stellt dar, wie viel Energie eine Anlage produziert und wie viel davon das betreibende Unternehmen selbst verbraucht hat.

Momentan arbeiten wir für Logistikbetriebe an einer sehr genauen Stromeinkaufsprognose mit inkludierten Plandaten. Anhand der Wetterprognosen können wir ermitteln, wie viel Strom ein Standort selbst produziert und wie viel Strom am Standort verbraucht werden wird. Zusammen mit den Planungsdaten für die Lkw können wir dem Logistik- oder Industriebetrieb prognostizieren, wie viel Energie er für welchen Tag am Markt einkaufen muss oder verkaufen kann. Wenn wir im Winter so weit sind, wird ein Raunen durch die Branche gehen: Die Nachfrage nach einer solchen Lösung ist sehr hoch und auf dem Markt gibt es meines Wissens und anhand der Kundenaussagen noch keine Lösung dafür.

Energy Control scheint ein hochkomplexes System zu sein. Wie ist es entstanden?

Seit 2019 arbeiten wir an diesem System. Seitdem haben wir das Energiemanagement, das Peak-Shaving, das Lastmanagement, WZU-Funktionen und so weiter stetig weiterentwickelt. Die Funktionalität im Gebäude ist unterdessen auf einem sehr hohen Niveau. Was uns aber gefehlt hat, ist eine umfassende CloudFunktionalität mit KI-gestützten Prognosefunktionen, eine E-Mobility-Abrechnungslösung inklusive App, logistikspezifische Lösungen und ein Nutzerportal mit umfangreichen Möglichkeiten. Im letzten Jahr haben wir diese Lücke mit Optivice.energy aus Wien und Eponet aus Romanshorn schliessen können.

Bis Ende des Jahres wird der technische Zusammenschluss der drei Funktionseinheiten abgeschlossen sein. Mit unserem System werden wir dann alles anbieten können, was heute technologisch möglich ist. Damit nehmen wir eine Pionierrolle auf dem Markt ein und können ein Produkt anbieten, das es so noch nicht gibt. Weitere Informationen unter: energycontrol-ems.ch

Markus Reich Geschäftsführer

Schweizer Schritte in Richtung Elektromobilität

Das «Norwegen der Schweiz» nennt das Magazin «Auto & Wirtschaft» den Kanton Zug. Damit spielt es auf die vor Ort gut ausgebaute Ladeinfrastruktur an. Auch die Anzahl der E-Autos pro Ladepunkt steigt im Zentralschweizer Kanton rapide an. Als Professor für Klimapolitik formuliert Anthony Patt konkrete Forderungen, um die Elektromobilität auch in allen anderen Kantonen voranzutreiben.

Anfang März eröffnete Electra eine neue Schnellladestation in Rubigen. Mit der A6 sowie den umliegenden Einkaufsmöglichkeiten und gastronomischen Angeboten macht sich das Unternehmen gleich mehrere Standortvorteile zunutze. Auf diese Weise profitieren Pendler:innen zwischen Bern und Thun sowie Reisende auf dem Weg in die südlichen Skigebiete. Aber auch der Anbieter selbst zieht aus der neuen Station wirtschaftlichen Nutzen. Ob Electra unter anderen Umständen hingegen die Schnellladestation in Kilchberg errichtet hätte, die Gemeinde und Unternehmen im September 2025 eröffnet haben, erscheint ungewiss.

Elektromobilität und Ladeinfrastruktur: Ein Henne­Ei­Problem

In Kilchberg greift die öffentliche Hand in das Nachfrage-Angebots-Dilemma zwischen Elektromobilität und Ladeinfrastruktur ein. Mit diesem Henne-Ei-Problem nämlich sieht sich der gesamte Markt der Elektromobilität konfrontiert: Die Errichtung von Ladepunkten lohnt sich für Privatunternehmen nur, wenn genügend Elektrofahrzeuge auf den Strassen unterwegs sind, und nur wer auf eine zuverlässige Ladeinfrastruktur vertraut, schafft ein Elektroauto an. «Studien haben gezeigt, dass der wichtigste Faktor, der die Entscheidung für ein Elektroauto beeinflusst, darin besteht, ob man ein Auto dort aufladen kann, wo man es über Nacht parkt», erklärt Prof. Dr. Anthony Patt, der an der ETH Zürich am Departement Umweltwissenschaften lehrt. An dieser Stelle hinke die Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beim Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum hinterher. Darüber hinaus fordert Prof. Patt, das «Recht auf Laden» konsequent umzusetzen. Im Juni 2025 hat der Ständerat eine entsprechende Motion angenommen. Das «Prinzip der Unverbietbarkeit» stelle sicher, dass die Installation von intelligenten Ladestationen nicht mehr ohne triftigen Grund verhindert werden kann, wie Marco Wyss in der Septemberausgabe der «Mieten + Wohnen» schreibt. Die Umsetzung dauert ihre Zeit, was aus Patts Perspektive «zwar verständlich, aber dennoch bedauerlich» ist. Aktuell erarbeite Bern eine entsprechende Richtlinie.

Bis zum Jahr 2050 will die Schweiz klimaneutral sein. Laut EnergieSchweiz liegt zur Erreichung dieses Ziels grosses Potenzial in der Elektromobilität.

Ein Flickenteppich aus Massnahmen

Laut «Auto & Wirtschaft» sind es vor allem staatliche Fördermassnahmen, die beim Ausbau der Ladeinfrastruktur wirken könnten. Ein einheitliches nationales Förderprogramm gibt es bislang jedoch nicht. Stattdessen sind es vor allem die Kantone und Gemeinden, die diesbezüglich aktiv werden, was die grossen regionalen Unterschiede bei der Entwicklung der Elektromobilität erklärt.

Insbesondere beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur gebe es Nachholbedarf, so Krispin Romang als Direktor von Swiss eMobility. Der Kanton Zürich hat diesen bereits im Februar 2023 gesehen und 50 Millionen Franken für ein entsprechendes Förderprogramm freigegeben. Über das gesamte Bundesgebiet verteilt gibt es einen Flickenteppich aus solchen Massnahmen.

Netzstabilität für zuverlässige

Elektromobilität

Vorbehalte gegenüber Elektrofahrzeugen erkennt der Axa Mobilitätstacho 2025 neben den Lademöglichkeiten vor allem in der Reichweite und im Kaufpreis. Gründe für die Anschaffung eines E-Autos stellen hingegen insbesondere der Umweltschutz und geringe laufende Kosten dar. Beides ist wiederum abhängig von der passenden Stromversorgung: Diese kommt nur dann weitgehend ohne fossile Energiequellen aus und ist dementsprechend kostengünstig, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

EnergieSchweiz benennt Elektroautos als flexible Verbraucher, die auf Witterungsbedingungen und damit auf den verfügbaren Strom aus erneuerbaren Energien reagieren, und Stromspeicher in einem. Den Grossteil des Tages stehen private Pkw auf

Auf diese Weise wird die Elektromobilität zu einem entscheidenden Instrument zur Erreichung des Netto-Null-Ziels 2050 .

dem Parkplatz. Dementsprechend benötigen sie nicht dauerhaft die volle Ladung und können dann geladen werden, wenn die hauseigene Solaranlage Strom liefert oder der aktuelle Strommix entsprechend Umwelt- und Portemonnaie-freundlich ausfällt. Voraussetzung hierfür ist, dass das Auto bei längeren Standzeiten dauerhaft an das Stromnetz angeschlossen ist. Dann braucht es nicht allzu viel Strom, wie Anthony Patt erklärt: «Jedes Elektrofahrzeug benötigt etwa [zehn] Quadratmeter Solar-PV, was in etwa der Grösse eines Parkplatzes entspricht.»

Darüber hinaus sind bereits einige E-Automodelle in der Lage, bei einem Überangebot an Solar- und Windenergie Strom zu speichern und ihn später abzugeben oder sogar ins Stromnetz einzuspeisen. Den optimalen Zeitpunkt können intelligente Messsysteme ermitteln und so trotz der schwankenden Verfügbarkeit erneuerbarer Energien Netzstabilität sicherstellen. Diese sieht Prof. Patt als eine der entscheidenden Herausforderungen bei der Förderung der Elektromobilität. Neben Smart Grids, die flexibel reagieren können, müssen hierfür seiner Ansicht nach auch die Stromverteilungsleitungen verstärkt werden.

Die Elektromobilität und das Netto­Null­Ziel 2050

Bis zum Jahr 2050 will die Schweiz klimaneutral sein. Laut EnergieSchweiz liegt zur Erreichung dieses Ziels grosses Potenzial in der Elektromobilität. Trotz umweltbelastender Produktion von Elektroautos und Batterien verursachen Elektroautos deutlich weniger Treibhausgasemissionen als Verbrenner, wie es auf der Webseite des Bundesprogramms heisst. Daher liegt im Ausbau der Elektromobilität ein wesentlicher Hebel. Anthony Patt fordert vor diesem Hintergrund, «ein konkretes Ziel von 0 g CO2-Emissionen pro Kilometer bis spätestens 2035» festzulegen, um Marktsicherheit zu schaffen. Auf diese Weise wird die Elektromobilität zu einem entscheidenden Instrument zur Erreichung des Netto-Null-Ziels 2050.

«Die

Ladeinfrastruktur

wird zum

Schlüsselfaktor»

Die Elektrifizierung des Schwerverkehrs nimmt Fahrt auf. Daniel Meier, Head of Sales & Marketing bei der Evtec AG, erklärt, weshalb massgeschneiderte Ladeinfrastrukturen immer wichtiger werden.

Herr Meier, zum Einstieg: Für was steht Evtec und welche Rolle spielt das Unternehmen heute bei der Elektrifizierung des Schwerverkehrs? Evtec wurde vor 16 Jahren von Elektroingenieuren und einem Produktdesigner gegründet und zählt zu den Pionieren der Elektromobilität in der Schweiz. Am Anfang stand das Schnellladen für Personenwagen im Vordergrund. Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen hat sich unser Fokus jedoch stark erweitert. Heute entwickeln wir vor allem Ladeinfrastrukturlösungen für den Nutzverkehr, also für Lkw- und Busflotten. Bei diesen systemrelevanten Services sind die Anforderungen besonders anspruchsvoll, weil hohe Leistungen, grösste Zuverlässigkeit und eine optimale Integration in bestehende Betriebsabläufe gefragt sind. Sie sagen, der Umstieg auf elektrisch betriebene Lkw und Busse scheitere oft an der passenden Ladeinfrastruktur in den Depots und an den Logistikrampen. Was heisst das konkret? Viele Unternehmen verfügen über gewachsene Standorte, die ursprünglich nicht für Elektromobilität ausgelegt wurden. Die Platzverhältnisse sind oft knapp, die Verkehrswege genau definiert und die Logistikprozesse eng getaktet. Zusätzliche Ladesäulen können schnell zum Hindernis werden. Gleichzeitig müssen grosse Energiemengen zuverlässig bereitgestellt werden. Die Herausforderung besteht deshalb darin, Ladeinfrastruktur zu schaffen, ohne den Betrieb einzuschränken. Wie lässt sich eine Ladeinfrastruktur unter solchen Bedingungen wirtschaftlich realisieren? Entscheidend ist eine ganzheitliche Planung. Wer Ladeinfrastruktur lediglich als einzelne Ladesäule betrachtet, verschenkt Potenzial. Wir analysieren die Fahrzeugflotten, die Betriebsabläufe, die Ladezeiten und die vorhandene Infrastruktur. Dadurch entstehen Lösungen, die sowohl technisch als auch wirtschaftlich überzeugen und sich später erweitern lassen. In der Kombination mit Photovoltaik und Speicherbatterien bildet die Ladeinfrastruktur ein eigentliches Energienetzwerk, welches dem Nutzfahrzeugbetreiber Versorgungssicherheit und ganz neue Geschäftsmodelle bietet.

Ihre Lösung dafür, wenn der Platz fehlt? Wir verfolgen bewusst neue Ansätze. Leistungselektronik und Ladepunkte müssen nicht zwingend am selben Ort stehen. Mit unserem modularen

Die Fahrzeuge sollen geladen werden können, ohne dass dadurch zusätzliche Komplexität oder Verzögerungen im Betrieb entstehen und, damit die Gesamtkosten optimiert werden können.

Infrastrukturprojekten ist diese unmittelbare Erreichbarkeit ein entscheidender wirtschaftlicher Vorteil, weil sie Risiken senkt und Betriebssicherheit erhöht.

Ein Blick nach vorne: Wie wird sich die Elektrifizierung des Schwerverkehrs entwickeln?

Die Entwicklung hin zum elektrischen Schwerverkehr gewinnt in vielen Bereichen spürbar an Tempo. Besonders im öffentlichen Verkehr und bei städtischen Flotten sind bereits klare Fortschritte sichtbar, während im Gütertransport laufend neue Projekte und Lösungen hinzukommen. Parallel dazu entstehen zusätzliche Einsatzmöglichkeiten, etwa im Bauwesen, in der Landwirtschaft oder bei Spezialfahrzeugen.

System können Komponenten flexibel angeordnet werden. Dadurch bleibt wertvolle Fläche für die eigentlichen Betriebsprozesse erhalten.

Evtec setzt mit Corretto auf ein modulares Gesamtsystem. Warum reicht es heute nicht mehr aus, einfach einzelne Ladesäulen aufzustellen?

Die Anforderungen im Schwerverkehr unterscheiden sich grundlegend von jenen bei Personenwagen. Flottenbetreiber benötigen skalierbare Systeme, die mit dem Fahrzeugbestand wachsen können. Gleichzeitig müssen unterschiedliche Ladeleistungen, Einsatzprofile und dynamische Strompreise berücksichtigt werden. Ein modulares Gesamtsystem ermöglicht genau diese Flexibilität. Es schafft die Grundlage, um Investitionen schrittweise auszubauen und dennoch jederzeit die notwendige Leistung bereitzustellen.

Ein wesentliches Merkmal Ihrer Lösung ist die flexible Platzierung der Hardware über Charging­Bridges, Unterflurlösungen oder sogar Tunnelanlagen. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz?

Der grösste Vorteil ist die optimale Nutzung des vorhandenen Raums. Ladeinfrastruktur wird dort integriert, wo sie den Betrieb am wenigsten beeinträchtigt. Fahrzeuge können ihre gewohnten Fahrwege beibehalten, Rangierflächen bleiben frei und die Sicherheit auf dem Areal wird erhöht. Gerade bei Logistikzentren oder Busdepots in der dicht besiedelten Schweiz ist dies ein entscheidender Vorteil.

Wie gelingt es, Ladeinfrastruktur so zu planen und zu installieren, dass die laufenden Logistikprozesse nicht gestört werden?

Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit mit den Betreibern. Wir analysieren die Abläufe vor Ort sehr genau und entwickeln die Infrastruktur entlang dieser Prozesse. Das Ziel lautet immer: Die Fahrzeuge sollen geladen werden können, ohne dass dadurch zusätzliche Komplexität oder Verzögerungen im Betrieb entstehen und, damit die Gesamtkosten optimiert werden können.

Wie stellt Evtec sicher, dass Systeme mit wachsenden Flotten von E-Lkw und E-Bussen mitwachsen können? Skalierbarkeit gehört zu den zentralen Anforderungen moderner Ladeinfrastruktur. Niemand weiss heute exakt, wie schnell die Elektrifizierung in den einzelnen Branchen voranschreiten wird. Deshalb müssen Systeme modular aufgebaut sein. Unsere Lösungen erlauben es, zusätzliche Ladepunkte und Leistungsmodule schrittweise zu ergänzen, ohne bestehende Anlagen ersetzen zu müssen.

Gerade im Schwerverkehr kann ein Ausfall erhebliche Kosten verursachen. Wie wichtig sind Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit? Sie sind entscheidend. Wenn ein Lastwagen oder ein Bus nicht geladen werden kann, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den Betrieb. Deshalb legen wir grossen Wert auf redundante Systeme, hohe Verfügbarkeit und schnelle Serviceleistungen. Ladeinfrastruktur wird zu einer kritischen Betriebsinfrastruktur.

Warum ist der Produktions­ und Supportstandort Schweiz ein wirtschaftlicher Vorteil?

Ein zentraler Standort in der Schweiz schafft vor allem Verlässlichkeit und Geschwindigkeit im gesamten Kundenprozess. Kurze Wege zwischen Entwicklung, Produktion und Support reduzieren Reaktionszeiten deutlich – sowohl bei der Umsetzung neuer Projekte als auch im Servicefall. Dadurch lassen sich Anliegen schneller klären, Anpassungen effizienter umsetzen und Ausfälle im besten Fall minimieren. Hinzu kommt die räumliche und organisatorische Nähe der verschiedenen Kompetenzen. Wenn Technik, Produktion und Support eng zusammenarbeiten, werden Abstimmungsprozesse einfacher und direkter, was die Qualität der Lösungen erhöht und Schnittstellenprobleme reduziert.

Für Kunden bedeutet das ein hohes Mass an Sicherheit: Sie wissen, dass sie im Bedarfsfall direkt auf lokale Ansprechpartner zählen können, ohne lange Kommunikationswege oder internationale Abhängigkeiten. Gerade bei kritischen Anwendungen oder

Technologisch wird die Dynamik durch neue Ladesysteme und Konzepte weiter verstärkt. Dazu gehören unter anderem sehr leistungsstarke Schnellladelösungen sowie Systeme, die Fahrzeuge während der Fahrt oder im Betrieb mit Energie versorgen können. Damit sich diese Technologien breit durchsetzen, braucht es jedoch ein Zusammenspiel von Netzausbau, Investitionen in Infrastruktur und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen. Erst dann kann sich der Wandel in der gesamten Branche stabil verankern. … dann wird in zehn Jahren praktisch der gesamte Schwerverkehr elektrisch unterwegs sein?

Wir befinden uns erst ganz am Anfang der Skalierungsphase der professionellen E-Mobilität. In den nächsten Jahren wird sich der Umstieg beschleunigen. Der politische Wille zur Dekarbonisierung, die wirtschaftlichen Anreize und der technologische Reifegrad der Lösungen sind durchwegs vorhanden. Einzelne Segmente gehen schneller voran als andere. Andere Bereiche werden aufgrund hoher Lasten, langer Distanzen oder spezieller Einsatzbedingungen noch etwas länger bei herkömmlichen Antrieben bleiben. Der Aufbau der nötigen Lade- und Versorgungsinfrastruktur benötigt Zeit und hängt stark von Investitionszyklen ab. Auch die Fahrzeugflotten erneuern sich nicht gleichzeitig, sondern über viele Jahre hinweg. Deshalb wird sich die Elektrifizierung zwar klar durchsetzen, aber in einem gestaffelten Prozess, der sich eher über mehrere Phasen erstrecken wird.

Weitere Informationen unter: evtec.ch

Daniel Meier Head of Sales & Marketing

«Die Herausforderung beginnt nach der Installation»

Die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur in Wohnliegenschaften wächst mit der Elektromobilität rasant. Doch der langfristige Erfolg entscheidet sich nicht bei der Installation der Ladestationen, sondern im täglichen Betrieb. Florian Kienzle, Geschäftsführer von Sintio, erklärt, warum Bewirtschaftung, Abrechnung und Support zu den zentralen Erfolgsfaktoren für die Elektromobilität in Mehrfamilienhäusern werden.

Sintio hat sich auf die Bewirtschaftung von Ladeinfrastruktur in Wohnliegenschaften spezialisiert und verbindet eine herstellerunabhängige Softwareplattform mit intelligenten Ladelösungen und umfassenden Dienstleistungen. Im Fokus steht dabei nicht nur die Installation von Ladestationen, sondern insbesondere deren langfristiger, effizienter Betrieb. Florian Kienzle, Sintio-Geschäftsführer, erläutert die Vorteile.

Herr Kienzle, warum entscheidet sich der Erfolg der Elektromobilität in der Schweiz besonders stark in Mehrfamilienhäusern – und welche Rolle spielt dabei die Ladeinfrastruktur zu Hause?

Rund 80 Prozent aller Ladevorgänge erfolgen zu Hause. Gleichzeitig wohnen etwa zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer in Mehrfamilienhäusern. Wer Elektromobilität in der Schweiz voranbringen will, muss deshalb Lösungen für dieses Segment schaffen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Installation von Ladestationen, sondern deren zuverlässiger Betrieb. Was sind die Gründe, weshalb Verwaltungen so zurückhaltend sind bei der Installation von Ladestationen in Mehrfamilienhäusern?

Die technische Installation ist heute nicht mehr das Problem. Herausforderungen entstehen im Betrieb:

Wie werden Kosten auch bei immer komplexer werdenden Tarifmodellen fair verteilt? Wer unterstützt die Nutzenden bei Fragen? Wer ist bei technischen Störungen verantwortlich? Viele Verwaltungen möchten keinen zusätzlichen administrativen Aufwand übernehmen. Genau diese Aufgaben nehmen wir ihnen ab.

Viele Anbieter fokussieren sich auf die Installation von Ladestationen. Worin unterscheidet sich Sintio von den herkömmlichen Angeboten?

Eine Ladestation ist schnell installiert. Die eigentliche Herausforderung beginnt danach. Sintio fokussiert sich auf die Bewirtschaftung von Ladeinfrastruktur über ihren gesamten Lebenszyklus. Mit unserer Plattform und unseren Dienstleistungen übernehmen wir Betrieb, Abrechnung, Support und die laufende Optimierung – unabhängig vom installierten Ladestationsprodukt.

Sintio setzt auf eine herstellerunabhängige Plattform mit automatisierter, nutzergerechter Abrechnung:

Welche konkreten Vorteile ergeben sich daraus für Eigentümer:innen, Verwaltungen und Nutzende?

Eigentümer:innen und Verwaltungen bleiben flexibel und vermeiden Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern. Gleichzeitig sorgt die automatisierte Abrechnung dafür, dass alle Nutzenden nur die tatsächlich von ihnen verursachten Kosten tragen. Das schafft Transparenz, reduziert den Verwaltungsaufwand und ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb der Ladeinfrastruktur.

Wie gelingt es, Ladeinfrastruktur so zu gestalten, dass sie in Immobilienportfolios –von Stockwerkeigentümergemeinschaften bis zu institutionellen Investoren wie etwa Pensionskassen –skalierbar und administrativ schlank betrieben werden kann?

Skalierung gelingt nur durch Standardisierung und Automatisierung. Mit Sintio können Tausende von Ladepunkten über eine zentrale Plattform flexibel verwaltet, überwacht und abgerechnet werden. Dadurch wird Ladeinfrastruktur für Immobilienportfolios zu einer professionell gemanagten Gebäudetechnik.

Wenn Sie an die nächsten fünf bis zehn Jahre denken: Welche Entwicklungen werden darüber entscheiden, ob Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern zum Standard wird – und welche Rolle spielt dabei ein ganzheitlicher Bewirtschaftungsansatz über den gesamten Lebenszyklus? Ladeinfrastruktur wird sich vom Nice-to-have zum Standard in Wohnliegenschaften entwickeln. Damit dies im Grossmassstab funktioniert, braucht es professionelle Betriebsmodelle. Entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Installation, Betrieb, Abrechnung und Nutzersupport miteinander verbindet. Nur so lässt sich Elektromobilität ohne

Mehraufwand für Verwaltungen und mit Mehrwert für die Nutzenden einfach in den Alltag integrieren. Text Sybille Brütsch-Prévôt

Sintio ist ein Schweizer Technologieunternehmen, spezialisiert auf die Bewirtschaftung und den Betrieb von Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge. Mit einer herstellerunabhängigen Softwareplattform ermöglicht das Unternehmen die zentrale Verwaltung, Überwachung und Abrechnung von Ladestationen in Wohn- und Gewerbeimmobilien. Dabei stehen Effizienz, Transparenz und ein nutzerfreundlicher Betrieb im Mittelpunkt.

Durch die Automatisierung von Prozessen wie Nutzerverwaltung, Abrechnung, Lastmanagement und Support entlastet Sintio Eigentümerschaft und Immobilienverwaltungen von administrativen Aufgaben. So schafft das Unternehmen die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen, skalierbaren und zukunftssicheren Betrieb von Ladeinfrastrukturen und unterstützt die Integration der Elektromobilität in den Alltag.

Weitere Informationen unter: sintio.ch

LADELÖSUNGEN FÜR

Bereit für die elektrische Zukunft Ihrer Flotte? Mit IWB laden E-LKW, E-Busse und Transporter schnell, sicher und zuverlässig – mit einer Infrastruktur, die exakt auf Ihren Betrieb abgestimmt ist.

IWB entwickelt, realisiert und betreibt leistungsstarke Ladeinfrastrukturen aus einer Hand: individuell geplant, intelligent gesteuert und praxiserprobt bei Kunden wie Autobus AG Liestal, Busbetrieb Olten Gösgen Gäu und Tiefbauamt Basel-Stadt. Für maximale Verfügbarkeit, tiefere Energiekosten und eine Flotte, die bereit ist, wenn sie gebraucht wird.

iwb.ch/ladeloesungen

Die Energiedienstleisterin vom Land

Wer an Agrola denkt, hat oft nur Tankstellen und das fossile Brenn- und Treibstoffgeschäft vor Augen. Doch das Unternehmen befindet sich im Wandel und spielt bei der Energie- und Mobilitätswende auf dem Land eine tragende Rolle.

Vielen Schweizerinnen und Schweizern ist das 1957 gegründete Unternehmen Agrola als Brenn- und Treibstoffhändlerin für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum ein Begriff. Wer auf dem Land unterwegs ist, kann die gelb-grünen Tankstellen mit dem Diskus auf dem Logo kaum übersehen. Heute bietet das Unternehmen zukunftsträchtige Produkte und Dienstleistungen an. «Die Energieund Mobilitätswelt verändert sich – und Agrola mit ihr. Unser Anspruch ist es, die Menschen auf dem Land weiterhin zuverlässig mit Energie zu versorgen. Deshalb entwickeln wir uns hin zur umfassenden Energiedienstleisterin», sagt Daniel Bischof, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Mit dem Ziel, die Energiewende aktiv mitzugestalten, ist Agrola immer auf der Suche nach Möglichkeiten, das Angebot an erneuerbaren Alternativen auszubauen. So hat das Unternehmen in den letzten Jahren eine Vielzahl an Produkten und Dienstleistungen eingeführt, um Kundinnen und Kunden auf dem Weg der Energiewende zu unterstützen.

Feurige Wärme: Holzpellets

Den klimafreundlichen Brennstoff führt Agrola bereits seit über 20 Jahren in ihrem Sortiment. Heute ist sie schweizweit führend im Handel mit Holzpellets. Die von Agrola gehandelten Pellets sind ENplus-zertifiziert, was bedeutet, dass die gesamte Lieferkette strengen Prüfungen unterzogen wird und die Holzpellets von bester Qualität sind. Der Grossteil der Ware stammt aus der Schweiz und wird bei Bedarf mit ausgewählter Ware von Partnern aus dem grenznahen Ausland ergänzt. Die Nachfrage an Holzpellets ist in den Wintermonaten besonders hoch, während die dafür benötigten Säge- und Hobelspäne überwiegend im Sommer anfallen. Agrola stellt die Versorgungssicherheit durch vorausschauende Planung sicher, lagert Pellets bereits im Sommer ein und verteilt diese auf dezentrale Lagerstandorte. Dadurch ist die Lieferung auch bei grosser Nachfrage in den Wintermonaten sichergestellt.

Kraft der Sonne: Solaranlagen und lokale Verteilnetzwerke Ein zentrales Element der Neuausrichtung von Agrola in Richtung erneuerbare Energien sind Solaranlagen, die spezifisch auf die Bedürfnisse verschiedener Kundengruppen zugeschnitten sind. Mit AGROsolar bietet das Unternehmen PV-Anlagen (Energiesysteme) an, die genau auf die Ansprüche von Landwirtschaftsbetrieben ausgerichtet sind. Dank dem Energiemanagementsystem (EMS), das mit einem Batteriespeicher kombiniert wird, ist das Produkt bestens für einen optimierten Eigenverbrauch des produzierten Stroms ausgelegt. Es ist so konfiguriert, dass der produzierte Strom in naher Zukunft auch auf dem Flexibilitätsmarkt verkauft werden kann. Auch für gewerbliche Zwecke realisiert Agrola PV-Anlagen und übernimmt von der Offerte weg die gesamte Planung und Realisierung. Je nach gewählter Option umfasst das Angebot auch das Monitoring der Anlage sowie regelmässige Service- und Wartungsarbeiten. Im Portfolio von Agrola finden sich Anlagen von verschiedensten Grössen und Formaten: von Fassaden- über Freiflächenanlagen bis hin zu Installationen

Unser

Anspruch ist es, die Menschen auf dem Land weiterhin zuverlässig mit Energie zu versorgen. Deshalb entwickeln wir uns hin zur umfassenden Energiedienstleisterin.

– Daniel Bischof, Vorsitzender der Geschäftsleitung

mit spezifischen Anforderungen an die Module wie Blendreduzierungen zum Schutz der Umgebung. Als Ergänzung bietet Agrola ausserdem dezentrale Energienetzwerke, sogenannte MicroGrids, an. Mit dieser Technologie lassen sich die Verbraucher am Standort wie Ladestationen für E-Fahrzeuge oder das Produktionswerk intelligent verknüpfen, sodass der generierte Solarstrom stets am gewinnbringendsten genutzt oder eingespeichert wird. MicroGrids sind ausserdem notstromfähig und ermöglichen ebenfalls den Verkauf des Stroms an lokale Nutzer oder am Strommarkt in Form von LEG, ZEV oder als Flexibilitäten.

Elektrisierendes Angebot: Strom Ein weiteres Standbein von Agrola ist der Stromhandel. Unternehmen mit grossem Stromverbrauch haben die Möglichkeit, ihren Strom über Agrola zu beziehen.

Besitzerinnen und Besitzer einer Energieanlage (zum Beispiel PV oder Speicher) verfügen über sogenannte Flexibilitäten, indem sie die Möglichkeit haben, den Verbrauch oder die Einspeisung von Strom gezielt anzupassen. Agrola ermöglicht ihren Kundinnen und Kunden die Teilnahme am Flexibilitätsmarkt. Dabei kommt beispielsweise eine digitale Plattform für die technische Bündelung und Steuerung der Anlagen zum

Einsatz, während die Vermarktung vollständig durch Agrola erfolgt. Agrola bündelt die Flexibilität und vermarktet diese am Markt, was mit minimalem Aufwand zu zusätzlichen Erträgen durch den eigenen PV-Strom führt. Fortbewegung der Zukunft: E-Mobilität Wer an die Energiewende denkt, denkt zwangsläufig an Alternativen zu fossilen Treibstoffen, weshalb auch Agrola in die E-Mobilität investiert. Hierfür führt sie Angebote für verschiedene Zielgruppen. Das öffentliche Ladenetzwerk für E-Pkw an den Tankstellen der Marke Agrola wird laufend in Zusammenarbeit mit den lokalen Landi ausgebaut und erweitert. Auch im Schwerverkehr setzt sich Agrola für den Aufbau eines öffentlichen Ladenetzwerkes in ländlichen Regionen ein. An verkehrsrelevanten Knotenpunkten entstehen Ladestationen, die speziell auf die Bedürfnisse der Transport- und Logistikbranche ausgelegt sind. Die Stationen sind ohne grosses Rangieren anfahrbar und bieten hohe Ladeleistungen.

Nicht nur im Bereich der öffentlichen Ladestationen bietet Agrola passende Lösungen, auch für Verwaltungen, Firmen mit Flotten oder Stockwerkeigentümerschaften realisiert sie Ladestationen nach den Bedürfnissen der Kundschaft. Dabei übernimmt Agrola von der Offertenerstellung über

die Planung und Installation durch Partner bis zur Inbetriebnahme und anschliessendem Monitoring sämtliche Schritte. Für Unternehmen mit eigenen Logistikabteilungen bietet Agrola ausserdem Depotladepunkte an, die eine hohe Ladeleistung bieten, um die grossen Batterien schnell laden zu können.

Umweltschonende Alternativen: Biotreibstoffe

Umweltbewusste Mobilität funktioniert nicht nur mit alternativen Antriebsarten, sondern kann auch mit alternativen Treibstoffen für Verbrennungsmotoren angegangen werden. Neben dem etablierten Biodiesel führt Agrola hierfür seit einiger Zeit auch die organische Dieselalternative HVO. Der Begriff steht für «Hydrotreated Vegetable Oil», zu Deutsch «hydriertes Pflanzenöl». Produziert wird es aus Restund Abfallstoffen aus Ölen und Fetten. In seiner Reinform ermöglicht der Treibstoff eine Reduktion der CO2-Emissionen und kann problemlos bei neueren Dieselfahrzeugen als Alternative zu herkömmlichem Diesel getankt werden. Das Netz an Agrola-Tankstellen, an welchen HVO verfügbar ist, wächst ständig und umfasst schweizweit aktuell rund 30 Tankstellen.

Die Energiewende bedeutet für Agrola weit mehr als einen veränderten Umgang mit Energie oder die Ausrichtung auf die neuen Rahmenbedingungen im Energiemarkt. Sie steht für eine umfassende Transformation des Unternehmens und seiner Geschäftsfelder. Agrola passt sich dabei nicht nur den Veränderungen an, sondern gestaltet die Energiewende im ländlichen Raum aktiv mit. Mit seinen Angeboten unterstützt das Unternehmen Landwirtinnen, Unternehmer, Gewerbetreibende oder Privatpersonen dabei, den Schritt von fossilen Energieträgern hin zu den nachhaltigen Energielösungen von morgen zu gehen.

Weitere Informationen unter: agrola.ch

Endlich gelöst: das älteste Problem der E-Mobilität

Kabel sind unhandlich, Kabel liegen herum, Kabel werden am Boden schmutzig, Kabel werden beim Reinigen von Putzmaschinen erfasst, im Sommer vom Rasenmäher und im Winter von der Schneefräse.

em Schweizer Lade-Infrastrukturhersteller

DJuice ist es gelungen, dieses alte Problem ein für alle Mal sehr elegant zu lösen. Das robuste Kabelmanagement für den Juice Charger me 3 ist ein nahezu unkaputtbares Add-on. Es funktioniert an öffentlichen Ladesäulen ebenso wie an wandmontierten Stationen in Tiefgaragen.

Parkplätze wirken oft als aufgeräumte Fläche, bis Ladestationen montiert werden. Ab da liegen Kabel kreuz und quer, halb gekringelt am Boden, man fährt drüber, man stolpert. Sie sind immer im Weg und immer schmutzig. Es ist wie ein Mahnmal, das sagen will: E-Mobilität ist irgendwie noch nicht fertig gedacht. Aber das Problem geht weiter. Denn die liegenden Kabel werden von Reinigungsmaschinen erfasst, sie werden von Rasenmähern angeschnitten und im Winter von Schneefräsen in ihre Bestandteile aufgelöst. Das alles führt zu entsprechenden Ausfallzeiten und Reparaturkosten für die Betreiber – und Frust bei den Benutzenden.

Es besteht keine Gefahr, dass Fahrzeuge oder Anhängerkupplungen am Kabel hängen bleiben und beim Wegfahren die Ladestation fällen.

Durchdachte Konstruktion für anspruchsvolle Umgebungen

Das neue, gefederte Kabelmanagement für den Juice Charger me 3 bietet hier eine zuverlässige Lösung. Ein an der Basis gefederter Führungsarm, der rund 120 Zentimeter über die Ladestation herausragt, hält das fünf Meter lange Ladekabel kontrolliert in ergonomischer Bedienhöhe. Eine Spiralführung am oberen Ende ermöglicht eine reibungsfreie Bewegung in alle Richtungen. Das Kabel bleibt flexibel, ohne an scharfen Kanten zu scheuern oder hängen zu bleiben.

Selbst wenn die volle Länge benötigt wird, lässt sich das Kabel dank der Edelstahlfeder leicht zum Fahrzeug hinbewegen und es wird kein übermässiger Zug auf die gesteckte Typ-2-Ladekupplung ausgeübt. Nach dem Ladevorgang richtet sich die flexible Federkonstruktion selbsttätig wieder auf und führt das Kabel automatisch in die Ausgangsposition zurück.

So bleibt das Ladekabel sauber geführt vom Boden fern, statt womöglich verdreht dort zu liegen, wo es dreckig, überfahren oder zur Stolperfalle werden könnte. Es besteht keine Gefahr, dass Fahrzeuge oder Anhängerkupplungen am Kabel hängen bleiben und beim Wegfahren die Ladestation fällen. Auf offenen Parkplätzen können Räumfahrzeuge wie Schneefräsen uneingeschränkt arbeiten, ohne das Kabel versehentlich zu erfassen und zu beschädigen. In Tiefgaragen wiederum können Kehrmaschinen ungehindert passieren. Gleichzeitig verbessert die aufgerichtete Halterung die Sichtbarkeit der Ladestation.

Wetterfest und vandalensicher Während klassische Kabelrollen und Schwenkarme eine Montage an der Wand oder Decke voraussetzen und im Freien schnell an ihre

Grenzen stossen, lässt sich das federbasierte Kabelmanagement sowohl freistehend an Ladesäulen als auch an Wänden oder Decken befestigen und bleibt dabei uneingeschränkt funktionsfähig.

Im Unterschied zu geschlossenen Kabelaufrollern oder Mechanismen mit beweglichen Kunststoffteilen, wie sie bei Mitbewerbern zum Einsatz kommen, ist die Konstruktion aus Edelstahl und Aluminium vollständig witterungsbeständig: Wasser kann nicht eindringen, gefrieren und Bauteile blockieren. Das Konzept überwindet auch die Schwächen von Schwenkarmen, die häufig beschädigt werden, weil sie den Belastungen im Alltag – inklusive gelegentlicher Zweckentfremdung als Kinderschaukel – schlicht nicht standhalten. Das Design aus hochwertigen Materialien dagegen ist nahezu unverwüstlich: Es gibt keine komplexe Mechanik, die verschleissen oder brechen könnte. Die robuste Ausführung ist widerstandsfähig gegenüber Vandalismus und damit auch für stark frequentierte Standorte geeignet.

Flexible Montageoptionen

Die Halterung ist als Originalzubehör zum Juice Charger me 3 erhältlich und kann einzeln oder paarweise am Charger-Standfuss montiert werden. Alternativ ermöglicht ein im Set enthaltener Abstandshalter auch die Wandmontage. Die Lösung eignet sich somit für offene Parkflächen ebenso wie für Tiefgaragen oder Gewerbestandorte.

Mehr Ordnung und Betriebssicherheit

Das aufrechte Kabelmanagement reduziert Stolper- und Beschädigungsrisiken, verbessert die Handhabung und sorgt für ein aufgeräumtes Erscheinungsbild. Damit trägt es zu einem zuverlässigen Ladebetrieb bei –unabhängig von Standort und Jahreszeit.

Im Unterschied zu geschlossenen Kabelaufrollern oder Mechanismen mit beweglichen Kunststoffteilen, wie sie bei Mitbewerbern zum Einsatz kommen, ist die Konstruktion aus Edelstahl und Aluminium vollständig witterungsbeständig.

Die 100 Prozent in der Schweiz hergestellte Ladestation Juice Charger me 3 kostet weniger als internationale Konkurrenz und bietet mehr:

Juice Charger me 3. Das ist kostenlos dabei: – smarte 11-kW-Wallbox, kostenlos auf 22 kW umstellbar

werksseitig komplett vorkonfiguriert; «Plug and Play»-Installation

Freischaltung per RFID oder Plug and Charge (nach ISO 15118) – intuitive Benutzeroberfläche in App und Dashboard (eigenes Backend für Steuerung, Auswertung, Abrechnung und Konfiguration)

– Unterstützung von OCPP 1.5 und 1.6 für Anbindung an andere Backends

– Konnektivität via WLAN und Ethernet

– Lastmanagement für bis zu 250 Einheiten, jede Station als Master verwendbar

– MID-konformer Stromzähler

– integrierter FI-Schutzschalter

– fix montiertes 5-m-Ladekabel, bis 22 kW (statt nur eine Steckdose ohne Kabel)

– Halterung für den Typ-2-Ladestecker

– RFID-Freischaltung mit zwei aktivierten RFIDKarten

– Kompatibilität mit kommerziellen Ladenetzwerken (u. a. swisscharge, eCarUp und Virta) oder mit den wallee-Kreditkarten-Zahlsystemen von Juice

– CE-konform, nach IP67 vor Wasser und Schmutz geschützt, nach IK10 hochgradig stossresistent, temperaturbeständig (betriebsbereit von -30 °C bis 50 °C)

– bedruckbare, austauschbare Frontscheibe für individuelles Design

– Support in den Landessprachen, direkt aus Bachenbülach

Jetzt schweizerisch kaufen: www.juice.world

Über Juice

Die Juice-Gruppe, mit Hauptsitz in Bachenbülach, Schweiz (in unmittelbarer Nähe des Flughafens Zürich) ist eine weltweit tätige Herstellerin von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge. Seit der Gründung 2014 dominiert Juice weltweit den Markt mobiler 22-Kilowatt-Ladestationen. Die Nutzerfreundlichkeit steht bei der Produktentwicklung von Juice stets im Mittelpunkt. Alle Produkte werden mit dem Fokus auf die Anwendenden konzipiert und designt, um eine intuitive und effiziente Nutzung zu gewährleisten. Wer die Wallboxen von Juice einmal kennt, geht nicht mehr zu anderen Produkten zurück.

«Wir stehen ganz am Anfang eines neuen Trends hin zu kleineren Fahrzeugen»

Mit dem Microlino setzt die Familie Ouboter auf die radikale Verkleinerung des Autos – und legt sich damit mit der Autoindustrie und der Politik an. Im Interview sprechen Wim Ouboter, Gründer und CEO, und seine beiden Söhne Oliver und Merlin über die Elektrifizierung des Verkehrs, den nächsten Mobilitätstrend und den Kampf um faire Rahmenbedingungen.

Wim Ouboter Gründer und CEO

Oliver Ouboter Co-Founder

Merlin Ouboter Co-Founder

Was ist eigentlich ein Microlino?

Wim: Es ist ein Podcar, ein kleiner elektrischer Personenwagen – oder eben ein perfekter Autoersatz für zwei Personen, wettergeschützt für alle täglichen Kurzstrecken unter 40 km. Das sind rund 90 Prozent aller Fahrten, bei einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Eigentlich die ideale Lösung für einen kleineren CO2-Fussabdruck in der individuellen Mobilität.

Wie viele Microlinos wurden schon in eurer eigenen Fabrik in Turin gebaut?

Oliver: Insgesamt etwas über 5000 Microlinos. Wir haben drei Modelle in diversen Ausführungen produziert. Wir stehen ganz am Anfang eines neuen Trends hin zu kleineren Fahrzeugen, wie er in China bereits Realität ist. Podcars sind der nächste grosse Trend in der Mobilität – und eines Tages auch selbstfahrend.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Merlin: Wir sind Marktführer im Bereich Podcars bis 90 km/h und haben bereits einige Preise in Deutschland und Frankreich gewonnen, kürzlich auch den Swiss Design Award 2025. Mit dem Microlino ist es uns gelungen, ein sehr positives Image zu vermitteln. In Italien nennt man so etwas ganz einfach: «Bella Figura».

Der erste Kunde in Italien war der Ex-CEO von Gucci und Rolex hat die erste MicrolinoFlotte unter den Firmenkunden aufgebaut.

Wer ist die typische Microlino­Fahrerin oder der typische Fahrer?

Oliver: Da gibt es verschiedene Typen – und

Der Microlino könnte ein Umdenken in der Mobilität anstossen: weniger grosse Langstreckenautos für kleine tägliche Strecken – Downsizing!

– Wim Ouboter, Gründer und CEO

Kilometerkosten, wettergeschützt ohne Helm, einfaches Parkieren, ein starkes Image – und nicht zuletzt gehört man zu den Trendsettern. Die Gebrüder Freitag haben es damals mit ihrer Messenger-Tasche vorgemacht, die bis heute weltweit erfolgreich ist.

Zudem braucht es keine teuren Ladestationen – ein normaler Haushaltsstecker genügt. Was noch fehlt, sind kleine Parkplätze in Innenstädten, da Podcars nur etwa ein Drittel des Platzes benötigen. Was sind eure Erkenntnisse aus der Klimadiskussion der vergangenen Jahre?

erstaunlich viele Frauen, die den Microlino bereits ins Herz geschlossen haben. Aber auch SUV-Fahrerinnen und -Fahrer, die für die Alltagsstrecke ein kleineres Fahrzeug mit geringerem Fussabdruck verwenden wollen. Oder Velofahrende, die dem schlechten Wetter ausweichen möchten.

Wo wir noch Nachholbedarf haben, sind die Firmenkunden. Mit dem Microlino könnten Unternehmen ihre Klimaversprechen sofort glaubwürdig untermauern – und nicht nur ankündigen.

Was hat es mit dem QR Code rechts unten auf sich?

Wim: Es geht um einen Schriftsatz an das Bundesverwaltungsgericht, der von der bekannten Rechtsanwältin Cordelia Bähr verfasst wurde. Sie gehört gemäss Forbes zu den 100 einflussreichsten Frauen der Welt und hat auch die Klimaseniorinnen in Strassburg vertreten.

Wir fordern eine faire Behandlung der Podcars als Personenwagen und den Zugang zu CO2-Credits wie bei allen anderen Elektroautos. Hier agiert die Politik leider eher kontraproduktiv in

Bezug auf die CO2-Reduktion. Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden müssen.

Wir hoffen jedoch auf Einsicht beim Bundesverwaltungsgericht und eine Gleichbehandlung ohne Wettbewerbsverzerrungen. Der Microlino könnte ein Umdenken in der Mobilität anstossen: weniger grosse Langstreckenautos für kleine tägliche Strecken – Downsizing! Kürzlich war der Gründer von Tesla bei euch in Küsnacht und in der Fabrik in Turin. Was war sein Interesse?

Merlin: Seine Vision ist die E-Mobilität und er sieht genau in unserem Ansatz mit einem Podcar das nächste grosse Ding. Es erinnert ihn auch an den Tesla Roadster, den er mitentwickelt hat. Er sieht im Microlino eine Basis für weitere Modelle. Mehr möchten wir im Moment nicht verraten.

Was sind die Vorteile eines Microlino beziehungsweise eines Podcars?

Oliver: Ein einmaliger Fahrspass, rund 60 Prozent geringerer CO2-Fussabdruck, sehr günstige

Wim: Sehr ernüchternd. Freiwillig erreichen wir leider kein Umdenken in Richtung CO2-Reduktion. Im Jahr 2025 waren unter den 15 meistverkauften Autos nur drei Elektrofahrzeuge – dafür zehn SUVs. Die Autoindustrie hat wenig Interesse an kleinen Elektrofahrzeugen, auch wenn diese in der EU zunehmend auf dem Radar sind. Es wird sich zeigen, ob die Mobilitätswende weiterhin stark von der Autolobby –insbesondere in Deutschland – beeinflusst wird.

Gerade in der Schweiz ist die Motorisierung rekordverdächtig und weit entfernt von unseren Klimazielen. Was braucht es vonseiten der Regierung, um dieses Umdenken hin zu kleineren Fahrzeugen zu beschleunigen?

Merlin: Es braucht eine Gleichbehandlung von Podcars bei der CO2-Anrechnung und keine weitere Diskriminierung. Kleine Parkplätze für Podcars in Innenstädten und an Bahnhöfen der SBB sind ebenfalls wichtig.

Zudem könnte eine Finanzierung über grössere Fahrzeuge wie SUVs sinnvoll sein, um Podcars zu fördern – insbesondere solche, die in Europa produziert werden. Solche Fahrzeuge erhöhen die Lebensqualität und die Sicherheit im urbanen Raum.

Danke für das Gespräch – sicher eine grosse Herausforderung für eine Familie, gegen die mächtige Lobby der Autoindustrie anzukämpfen. Dafür habt ihr Anerkennung verdient.

Warnung: Das regelmässige Fahren von Podcars (Microlino) kann süchtig machen!

Zum Schriftsatz an das Bundesverwaltungsgericht:

Der «Virtuous Circle» der schweizerischen Solarenergie

Theoretisch bräuchte es auf dieser Welt keine fossilen Energiequellen. «Die Kraft der Sonne ist unerschöpflich und könnte den weltweiten Energiebedarf mehrfach decken», schreibt das Magazin «powernewz» des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. Aktuell deckt die Schweiz rund 17 Prozent ihres gesamten Stromverbrauchs mit Sonnenenergie.

Dr. Léonore Hälg von der Schweizerischen Energie-Stiftung hält den weiteren Ausbau für alternativlos.

Ein Staat, der in weniger als einem Vierteljahrhundert rechnerisch ohne Treibhausgasemissionen auskommen will, darf auf die Dekarbonisierung der Gesellschaft nicht verzichten. Um Netto-Null 2050 zu erreichen, muss sich die Schweiz elektrifizieren – und den steigenden Strombedarf decken. Bereits heute finden sich überall im Land innovative Projekte, die Léonore Hälg von der Schweizerischen Energiestiftung (SES) in diesem Zusammenhang als zukunftsweisend erachtet. Die NGO engagiert sich laut ihrer Website «für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik». Was ein Parkplatz und eine Himbeerplantage gemeinsam haben Aus Sicht der SES sind vor allem aus Gründen des Naturschutzes Solaranlagen an bestehenden Infrastrukturen optimal. «Was oft vergessen wird, sind zum Beispiel Parkplätze», so Hälg. Ein zielführendes Projekt sieht die Fachspezialistin für erneuerbare Energien und Klima beispielsweise in der Parkplatzüberdachung

Brandreport • Blockstrom AG

des Migros Chablais Centre in Aigle. Die Solaranlage schützt hier Fahrzeuge und Menschen vor Niederschlag und deckt gleichzeitig fast die Hälfte des Strombedarfs des Einkaufszentrums. Auch bietet die Anlage optimale Lademöglichkeiten für Elektroautos.

Während hier vor allem Synergieeffekte aus vorhandener Infrastruktur und Technik genutzt werden, produziert die Firma Insolight aus Lausanne Solarmodule, die sie auf und anstelle von Gewächshäusern installiert. Sie schützen die Pflanzen vor der Witterung und lassen genau die Spektren des Sonnenlichts passieren, die für das Wachstum notwendig sind. Die darüber hinausgehende Solarenergie nutzt Insolight für die Stromproduktion.

Netzausbau für die Elektrifizierung

Um sich der Elektrifizierung zunehmend anzunähern, braucht es in der Schweiz einen umfassenden Netzausbau. Hier liegt für Léonore Hälg ein oft reproduziertes Missverständnis: «Man sagt oft, dass wegen der Solarenergie das Netz ausgebaut werden muss, aber das Netz muss eigentlich wegen der Elektrifizierung ausgebaut werden, weil wir grundsätzlich mehr Strom brauchen werden.» Tatsächlich beförderten sich der Netzausbau und die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien gegenseitig nach dem Grundsatz des «Henne-Ei-Problems», für das es im Englischen einen Begriff mit einer positiven Konnotation gibt: «Virtuous Circle». Elektromobilität und Wärmepumpen Als Teil der Elektrifizierung sieht die Spezialistin einen solchen «Virtuous Circle» auch bei der Elektromobilität: Gibt es mehr Ladeinfrastruktur,

steigt die Nachfrage nach Elektromobilität und umgekehrt. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es in Bezug auf die Wärmeenergie. Auch hier sei die Elektrifizierung, weg von Ölheizungen und hin zu Wärmepumpen, der einzig gangbare Weg, so Hälg. «Und wenn wir fossile Brenn- und Treibstoffe durch Strom ersetzen, dann muss der Strom auch irgendwo herkommen.» Um diesen hierzulande zu produzieren, sei die Solarenergie ein probates Mittel, allein schon, weil sie – anders als verschiedene fossile Energieträger – in der Schweiz verfügbar ist.

Unter anderem verschaffen die Alpen der Schweiz einen Vorteil. Hier nämlich ist die Solarstromerzeugung ohne grössere Abstriche auch im Winter möglich. Grundsätzlich ist die Sonneneinstrahlung in hohen Regionen besonders intensiv, es gibt wenig Hochnebel und Schneeoberflächen reflektieren und verstärken die Sonnenenergie. Über der Baumgrenze ist das Risiko der Beschattung minimiert. Zudem weisen Solarmodule bei niedrigerer Temperatur besonders hohe Leistungen auf.

Der «Solarexpress» und der Umweltschutz Mit Beginn des Ukraine-Kriegs erkannte die Schweiz einen dringenden Bedarf, sich von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen – und brachte das Förderprogramm «Solarexpress» an den Start. Derzeit befinden sich vier auf diese Weise geförderte alpine Grossanlagen im Bau und speisen seit vergangenem Jahr Energie ins Netz ein.

Die hohen Kosten solcher Anlagen stellen – zusammen mit der mangelnden Akzeptanz in der lokalen Stimmbevölkerung – auch einen der Hauptgründe

dar, weshalb entsprechende Projekte immer wieder scheitern. Bestehen bei einer geplanten Anlage Bedenken aus Gründen des Umweltschutzes, werden die Planungen hingegen in der Regel angepasst. Natürlich handle es sich bei alpinen Solaranlagen um zusätzliche Infrastrukturen, räumt Léonore Hälg ein. Für die SES sind sie daher nicht das Nonplusultra, im Zuge einer sicheren und erneuerbaren Energieversorgung der Schweiz aber ein zu prüfendes Instrument. «Wenn wir Netto-Null erreichen wollen, müssen wir die gesamte Energieversorgung dekarbonisieren», betont Hälg. Grundsätzlich seien die Grossanlagen «in der Höhe» dann zielführend, wenn sie dort entstehen, wo sich bereits Infrastrukturen befinden und Menschen aufhalten. Beispielsweise würden Solaranlagen in Skigebieten wie Madrisa Solar eine vertretbare Belastung darstellen, weil Stromleitungen und Strassen für den Bauprozess bereits vorhanden seien. Ausserdem wird direkt vor Ort Strom verbraucht, der nicht erst ins Tal transportiert werden muss. Rahmenbedingungen für die Solarenergie Um auch politisch den Weg hin zu erneuerbaren Energien zu bereiten, hält Hälg eine Konzentration auf die mit dem Stromgesetz festgelegten Ziele für wesentlich: «Aus meiner Sicht ist die Politik da, um sichere Rahmenbedingungen zu setzen.» Nun den Bau von Kernkraftwerken wieder als Möglichkeit zu diskutieren, wie es derzeit geschieht, lenke den Fokus weg von den zuletzt eingeschlagenen Richtungen und schaffe Unsicherheiten, wo es gilt, an einem Strang zu ziehen. Text Pia Soldan

Der Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt sich

Urs Springer

Mitgründer und Geschäftsführer

In den letzten zwei Jahren wurden weniger Solaranlagen installiert als zuvor. Viele Energieversorger reduzieren die Tarife für die Einspeisung von Solarstrom. Lohnt sich Solarstrom nicht mehr? Urs Springer, Mitgründer und Geschäftsführer der Blockstrom AG, kennt die Antwort.

Herr Springer, das Wachstum der Solaranlagen ist rückläufig, immer weniger Hauseigentümerinnen und ­eigentümer entscheiden sich für die Installation von Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern. Was steckt hinter diesen Zahlen? Es stimmt, in den letzten beiden Jahren hat sich das Wachstum abgeschwächt. Vor zwei Jahren wurden pro Monat mehr als 5000 Anlagen installiert. In den letzten Monaten war es noch etwa die Hälfte davon. Heute wissen wir, dass die starke Zunahme der Installationstätigkeit in den Jahren 2022 und 2023 ein Ausnahmezustand war. Die Angst vor einer Energiekrise und höhere Strompreise haben dazu geführt, dass viele Privatpersonen und Unternehmen Projekte realisiert haben, über die sie schon lange nachgedacht hatten. Seither sind die Strompreise wieder gesunken und das Wachstum der Solarenergie hat sich normalisiert. Photovoltaik ist aber immer noch mit Abstand die am stärksten wachsende Stromproduktion, weit vor der Wasser- und Windkraft.

Lohnt sich die Produktion von Solarstrom denn nicht mehr? Doch, für die meisten Hauseigentümerinnen und -eigentümer lohnt es sich immer noch, Solarstrom zu produzieren. Investoren sollten aber genau hinschauen, ob genug Strom vor Ort verbraucht werden kann. Mit einem hohen Eigenverbrauch

Photovoltaik ist aber immer noch mit Abstand die am stärksten wachsende Stromproduktion, weit vor der Wasser- und Windkraft.

– Urs Springer, Mitgründer und Geschäftsführer

lohnt sich Solarstrom praktisch immer. Wenn aber ein Grossteil des Solarstroms ins Netz eingespeist wird, wird es kritisch mit der Rentabilität.

Können Sie das genauer ausführen? Wann ist der Eigenverbrauch hoch genug? Bei Immobilien ist das wichtigste Kriterium die Lage. Bei der Photovoltaik ist der Eigenverbrauch der wichtigste Treiber der Wirtschaftlichkeit. Es ist nicht sinnvoll, eine einstöckige Lagerhalle randvoll mit Solarmodulen zu belegen. Wenn der Strom lokal praktisch nicht genutzt wird, ist das kein Geschäft. Ein modernes Mehrfamilienhaus mit Einstellhalle und gemischter Nutzung dagegen ist perfekt geeignet für die Produktion von Solarstrom: Die Bewohnenden brauchen den Solarstrom zum Kochen, Heizen und den Betrieb von Elektrogeräten, das Gewerbe nutzt ihn zum Produzieren, Beleuchten und Kühlen. Eine Kilowattstunde Strom vom Hausdach kostet rund zehn Rappen und ersetzt eine Kilowattstunde Netzstrom für 25 Rappen. Je höher der Eigenverbrauch, desto höher die Wirtschaftlichkeit.

Ab nächstem Jahr soll der Rückliefertarif für Solarstrom sinken. Das heisst, es gibt weniger Geld für Solarstrom. Stimmt das? Das ist grundsätzlich richtig. Der Preis, den Anlagenbetreiber für überschüssigen Solarstrom erhalten, wird sich nächstes Jahr vielerorts am stündlichen Börsenstrompreis orientieren. Und dieser sinkt tendenziell, an sonnigen Tagen wird er über Mittag

sogar immer öfter negativ. Es ist aber zu beachten, dass längst nicht alle Produzenten weniger Geld erhalten: Erstens gilt für kleine PV-Anlagen eine Mindestvergütung. Für Anlagen unter 30 Kilowatt beträgt diese sechs Rappen pro Kilowattstunde. Zweitens kann der stündliche Rückliefertarif nur dort umgesetzt werden, wo der Energieversorger intelligente Stromzähler installiert hat. Im Kanton Bern ist das zum Beispiel erst bei der Hälfte der Verbraucher der Fall. Drittens: Energieversorger dürfen weiterhin mehr bezahlen als den stündlichen Börsenpreis. Viele Stadtwerke haben bisher deutlich mehr als das Minimum bezahlt und werden das auch weiterhin tun.

Was können Anlagenbetreiber tun gegen sinkende Vergütungen? Das Schlüsselwort heisst «Eigenverbrauch». Wer viel Solarstrom vor Ort verbraucht und wenig ins Netz einspeist, wird nicht leiden unter sinkenden Rückliefertarifen. Den Eigenverbrauch erhöhen kann man mit verschiedenen Massnahmen: Erstens durch die Bildung von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV) in Mehrfamilienhäusern und Wohnüberbauungen. Zweitens durch die Steuerung von flexiblen Verbrauchern wie Wärmepumpen. Und drittens durch die Installation von Batteriespeichern. Solaranlagen über Mittag abzuschalten ist die letzte Wahl. Viel besser ist es, überschüssigen Solarstrom am Mittag zu speichern und am Abend damit das Haus zu versorgen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Baut ab sofort keine PV-Anlagen mehr ohne Batteriespeicher!

Blockstrom gehört seit dem Frühling zur ista Gruppe. Was ändert sich dadurch für die Blockstrom AG und ihre Kunden? Für Blockstrom ändert sich nicht viel, der Standort Bern bleibt und das gesamte Team ist weiterhin an Bord. Für unsere Kunden bringt der Zusammenschluss einen erheblichen Mehrwert. Wer immer noch zweifelt, ob es Blockstrom in fünf Jahren noch gibt, der muss sich spätestens jetzt keine Sorgen mehr machen. Die neue Eigentümerin bringt uns nicht nur eine höhere Bekanntheit und mehr finanziellen Spielraum. Sie erlaubt es uns auch, das ganze Spektrum der Energieabrechnung in der gesamten Schweiz abzudecken. Zusammen mit ista bieten wir Lösungen für die Abrechnung von Strom, Wasser und Wärme an. Samt Inkassodienstleistungen und den dazu nötigen Messgeräten, welche neuerdings auch gemietet werden können.

Blockstrom AG

Die Blockstrom AG mit Sitz in Bern ist eine Pionierin des Eigenverbrauchs von Solarstrom. Seit 2017 entwickelt sie mit ihren Kunden Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch (ZEV). Ihre Plattform ermöglicht die automatische Messung und Abrechnung des Verbrauchs von Wasser, Wärme, Elektrizität und Elektromobilität. blockstrom.com

Urs Springer, Geschäftsführer Blockstrom AG Urs Springer ist Mitgründer und Geschäftsführer der Blockstrom AG aus Bern sowie Verwaltungsrat der Meteomatics AG aus St. Gallen. Er hat an der Universität St. Gallen studiert und in Umweltökonomie promoviert. Er verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Energiebranche als Berater, Energiehändler und Führungskraft. Weitere Informationen unter: blockstrom.com

«Einfach eine Solaranlage zu bauen, genügt nicht»

Sie setzte als eines der ersten Schweizer Unternehmen vollständig auf Elektromobilität und eigene Energieproduktion. Nun begleitet cablex selbst andere Firmen und Immobilieninvestoren auf dem Weg in die Energiezukunft. CEO Roger Keller sieht darin grosses Potenzial, warnt jedoch vor Fehlplanungen.

Roger Keller, während wir hier sitzen, verlassen laufend Elektroautos das Gebäude. Wie viele haben Sie davon?

Rund 1000, über die ganze Schweiz verteilt. Wir sind im ganzen Land und in allen Sprachregionen präsent. Diese Autos nutzen wir beispielsweise für den Service bei unseren eigenen Kunden und für Serviceleistungen, die wir im Namen unserer Kundschaft erbringen.

cablex kennt man als Swisscom­Tochter, die Antennen und Glasfasernetze baut. Da kommen wir her. Doch wir machen inzwischen weit mehr. Wir sind schon länger auch in den Bereichen rund um die Energie aktiv. Vereinfacht gesagt begleiten wir dabei grössere Kunden, die ihre Unternehmen oder Immobilien für die Energiezukunft fit machen. Wir übernehmen dabei die komplette Planung, Umsetzung und anschliessende Wartung von der Photovoltaik auf dem Dach bis zur Ladestation auf dem Parkplatz. Das lohnt sich für die Kunden?

Ja, definitiv. Wir können bei den Projekten berechnen, wann der Return-on-Invest erreicht ist. Oder anders gesagt: Erneuerbare Energie ist heute auch ein Investment, das Energiekosten reduziert und sich mittelfristig selbst amortisiert und dann Gewinn abwirft. Von der Versorgungssicherheit ganz abgesehen. Sie haben hier ja auch selbst eine Pionierrolle eingenommen und sind als eines der ersten grossen Schweizer Unternehmen auf Elektromobilität umgestiegen. Wie ist die Bilanz? Dazu gebe ich Ihnen zwei Zahlen: Wir haben 1000 Pkw, die jährlich 50 Millionen Kilometer weit fahren. Und noch nie blieb eines stehen, weil es unterwegs nicht laden konnte. Dazu muss man wissen, dass wir mitnichten einfach in urbanen Räumen unterwegs sind. Wir erbringen beispielsweise Dienstleistungen für grosse und kleine Elektrizitätswerke, für die wir auch im Jura, im Berner Oberland oder in Graubünden unterwegs sind. Man kann also sagen, dass die Alltagstauglichkeit erwiesen ist. Und Sie produzieren Ihren eigenen Treibstoff. Unser Mutterhaus Swisscom betreibt als nachhaltigste Telco schweizweit über 100 Solaranlagen, viele davon hat cablex erstellt und auch mit Ladestationen ausgestattet. Die Kombination von Photovoltaik und E-Mobilität spart nicht nur massiv an Treibstoffkosten, es schafft auch Sicherheit. Bei der derzeitigen Lage am Energiemarkt ist das für ein Unternehmen zunehmend auch ein Thema: Die eigene Energie schafft einerseits die Sicherheit bei der Verfügbarkeit, andererseits lassen sich mit ihr die Kosten langfristig besser kalkulieren. Man ist weniger den Launen des Energiemarktes ausgesetzt.

Dann schauen wir uns doch diese Lösung einmal im Detail an. Nehmen wir an, ich bin Unternehmer und habe einen gewissen Eigenbedarf an Strom, dazu Pkw und Lkw. Was kann ich tun?

Einfach eine Solaranlage zu bauen, genügt heutzutage nicht mehr. Um optimal profitieren zu können, verfügt eine Energielösung unter anderem über einen

Batteriespeicher. Das erhöht den Grad der Eigenversorgung massiv. Nicht nur für die Zeit, wenn die Sonne untergegangen ist. Eine einzige vorbeiziehende Wolke kann die Produktion um das Fünffache reduzieren – wenn auch nur für einen Augenblick. Doch wenn genau in diesem Moment das Unternehmen viel Strom bezieht, kann das teuer werden, da Firmenkunden für Lastspitzen mehr bezahlen. Ein Batteriespeicher wirkt da bereits wie ein Puffer und glättet die Verfügbarkeit von Solarstrom. Weiter wird auch eine intelligente Steuerung benötigt, die den Verbrauch und die Produktion aufeinander abstimmt.

Wie funktioniert diese Steuerung von Solaranlagen im Detail?

Das ist ein intelligentes System, das alles im Blick hat. Es weiss zu jeder Zeit, welches Gerät wie viel Strom benötigt oder welche Geräte für einen kurzen Moment ausgeschaltet oder reduziert werden können. Je nach Ausführung fliessen auch das aktuelle Wetter und die aktuellen Energiepreise in die Betrachtungen ein und das System weiss dadurch, wann mit mehr Solarstrom oder höheren Erträgen bei einer Rückspeisung zu rechnen ist. Der letzte Punkt ist sehr wichtig für die Zukunft, da für Besitzer von grossen Solaranlagen ab 2027 der Rückspeisetarif direkt an den aktuellen Kurs der Strombörse gekoppelt wird. Dieser Kurs kann von einem Moment auf den anderen sehr hoch sein oder ins Minus fallen. Wer in jenem Moment Energie ins Netz

zurückspeist, erhält kein Geld mehr, sondern zahlt. Das verschiebt den erwähnten Return-on-Invest massiv.

Habe ich das richtig verstanden: Man bezahlt dafür, Strom zu verkaufen? Genau, Strom hat diese Eigenschaft, dass er an den Märkten stark schwankt. Weil Strom nicht einfach gestaut werden kann, ist es möglich, dass der Preis bei einem massiven Überangebot auch einmal ins Minus drehen kann. Ich will jedoch niemandem Angst machen, solche Situationen sind selten.

Was bedeutet das nun für Besitzer von Solaranlagen, die noch kein Energiemanagement und noch keine Speicherlösung haben? Besitzer von kleinen Anlagen unter 150 kW sind von dieser neuen Energieverordnung vorerst nicht betroffen. Sie müssen lediglich mittelfristig damit rechnen, dass ihre Anlagen bei einem Überangebot vom Netzbetreiber für kurze Zeit vom Netz abgeregelt werden und die produzierte Energie in diesem Moment verloren geht, wenn sie nicht gespeichert werden kann. Wer jedoch handeln muss, sind Besitzer von älteren grossen Anlagen. Diese sollten in den nächsten Monaten mindestens mit einem Energiemanagement-System (EMS), besser gleich auch noch mit einer Speicherlösung aufgerüstet werden. So dreht man den drohenden Nachteil zu einem Vorteil.

Um optimal profitieren zu können, verfügt eine Energielösung unter anderem über einen Batteriespeicher. Das erhöht den Grad der Eigenversorgung massiv.
–

Keller, CEO

Das klingt nach komplexer Planung, die nötig ist. (lacht) Das finden wir auch, darum nehmen wir diese Aufgabe den Kunden ab und stellen die Investitions- und Betriebskosten den zu erwartenden Ersparnissen gegenüber. Die Kunden können so zahlenbasiert entscheiden.

Ganz generell fällt auf: Der Strom der Zukunft ist immer auch verbunden mit IT­ähnlichen Lösungen, wie Vernetzung oder Intelligenz. Genau, diese Disziplinen verbinden sich. Mit Kommunikations- und IT-Technologien wird in Zukunft der Stromfluss geregelt. Die Stromnetze befinden sich in einem ähnlichen Wandel wie die Kommunikationsnetze vor 25 Jahren. Wir sehen das auch in der Zusammenarbeit mit den Elektrizitätsversorgungsunternehmen. Schon länger kooperieren wir in vielen Gemeinden beim Aufbau von Glasfasernetzen. Wir installieren in Haushalten und Gebäuden die Smart Meter für die Messung des Stromverbrauchs, die eine wichtige Komponente für die Energiezukunft darstellen. Und wir bauen die mittleren und tiefen Netzebenen bei den Stromnetzen aus, die massiv beansprucht werden durch die Veränderungen.

Neue Energie hat also Zukunft?

Neue Energie ist die Basis für unsere Zukunft. Strom wird immer wichtiger für künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität, Datencenter und auch weiterhin für Essen, Licht, Wärme oder Kälte. Neue Energie ist das Fundament jeder Entwicklung. Roger Keller, besten Dank für das Interview.

Weitere Informationen unter: cablex.ch

cablex ist der führende Partner für Infrastruktur in den Bereichen ICT, Mobilität und Energie. Über 2000 Mitarbeitende in der ganzen Schweiz planen, bauen, unterhalten – und stellen einen 24-Stunden-Service sicher. Das Angebot reicht von Projekten im Kommunikations-, Verkehrsoder Stromnetzbereich bis zu Energielösungen für KMU, Gewerbe oder Immobilienverwaltungen. cablex ist Teil der Swisscom-Gruppe. Roger Keller ist seit 2024 bei cablex. Zuvor verantwortete er während 15 Jahren internationale Geschäftsbereiche in Technologie- und Infrastrukturbranchen in verschiedenen Teilen der Welt, lebte mit seiner Familie auch im Ausland, bevor er 2020 als Leiter des KMU-Geschäfts zu Swisscom stiess.

Roger Keller, CEO
«Keine

PV-Anlage ohne aktives Energiemanagement»

Mehrfamilienhäuser sind als Eigenverbrauchsgemeinschaften, die ihren Strom aus Solaranlagen beziehen, prädestiniert.

Die Enpuls AG teilt den Aufbau einer ZEV in acht Schritte auf, von der Beratung und Wirtschaftlichkeitsberechnung über den Einsatz eines Batteriespeichers bis zur jährlichen Energieoptimierung und Abrechnung. Geschäftsführer Michael Jastrob gewährt einen Blick auf die Arbeit des Dienstleisters für Energieabrechnung und -optimierung sowie die Hintergründe.

Herr Jastrob, was ist das Konzept hinter einer ZEV?

Die Abkürzung ZEV steht für «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch». Das bedeutet, dass sich hinter einem Netzanschluss zum Gebäude alle Verbraucher zusammenschliessen. Nehmen wir zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus mit 20 Parteien, die eine Eigenverbrauchsgemeinschaft bilden. Gemeinsam verbrauchen sie PV-Strom aus der PV-Anlage, die auf dem Dach installiert ist. Das heisst, dieser Solarstrom geht nicht mehr ins Netz, sondern wird vor Ort verbraucht. Das ist ein Win-win-Geschäft: Der Eigentümer hat eine bessere Rendite, weil er den PV-Strom zu

Wie verhalten sich ZEVs und LEGs zueinander?

Man muss sich vorstellen, dass die Produktion von PV-Strom und der Verbrauch nicht synchron sind. Gerade zur Mittagszeit, wenn die Sonne scheint, wird mehr produziert als verbraucht. Das heisst, dass je nach Grösse der PV-Anlage und dem Verbrauchsverhalten ein gewisser Teil des Stroms ins Netz einfliesst. Entweder kann man den überschüssigen Strom dann dem Energieversorger verkaufen oder auch Dritten innerhalb der Gemeinde.

Beide Modelle haben zum Ziel, den Eigenverbrauch aus der PV-Produktion zu erhöhen. Bei der ZEV ist es so, dass ich keine Netzentgelte zahle, weil sich alles in meinem Gebäude abspielt. Das ist lukrativer als in der LEG, für die ich auch das öffentliche Netz nutze und gewisse Netzentgelte bezahlen muss, was bei einer ZEV nicht der Fall ist. Für den Investor ist es darum weniger lukrativ, den Strom innerhalb einer LEG zu verkaufen als in einer ZEV.

Welche Rolle spielen in ZEVs und LEGs Energiemanagementsysteme?

Stromproduktion, Einspeisungen ins Netz und Energieverbräuche müssen kontrolliert werden, um sie intelligent zu steuern. Grundsätzlich sollte man keine PVAnlage mehr ohne Energiemanagement installieren. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, weil sich die Speicherpreise im letzten Dreivierteljahr massiv reduziert haben: Wer heute auf einem Mehrfamilienhaus eine PV-Anlage baut, sollte Speicher ins Kalkül ziehen. Das heisst, berechnen zu lassen, wie der Eigenverbrauch und die Amortisation von Speichern ausfallen.

noch mehr Speicheranwendungen möglich sein, wie das Nutzen von flexiblen Bezugstarifen.

Welche Rolle nehmen Sie als Enpuls AG ein, wenn Ihre Kundschaft die Installation einer Solaranlage plant? Wir sind Energieabrechner und Energiemanager und beraten im Vorfeld. Jedes Objekt ist ein wenig anders. Indem wir den Eigenverbrauchsgrad simulieren, können wir den Überschuss ermitteln und herausfinden, wie wir ihn möglichst klein halten. Gerade bei Neubauten ist es wichtig, auch Überlegungen zu Speichermöglichkeiten anzustellen und dafür einen kompetenten Partner wie Enpuls zu haben.

Wir beraten von Projektbeginn an und befassen uns mit den Fragen nach zu messenden Daten und zu steuernden Prozessen und ob es sich lohnt, Speicher zu installieren. In einem nächsten Schritt unterstützen wir beim Aufbau der Messinfrastruktur und gegebenenfalls von Ladestationen. Alles muss kompatibel sein. Nichts ist schlimmer, als wenn man hinterher feststellt, dass sich nichts optimieren lässt und redundante Systeme oder Systeme, die nicht zueinander passen, vorliegen. Diese Beratungsleistungen bringen wir ein, um am Ende ein optimales Ergebnis in der Bewirtschaftung erzielen zu können.

Wie geht Enpuls konkret vor, um ein wirtschaftlich funktionierendes Energiesystem aufzubauen?

Wir teilen Projekte bewusst in klar definierte Schritte auf. Am Anfang stehen Verbrauchs- und Produktionsanalysen, damit wir verstehen, wie ein Objekt energetisch funktionieren wird. Danach prüfen wir, wie stark der Eigenverbrauch realistisch gesteigert werden kann und welche Rolle Energiemanagement,

Grundlage, um Produktion, Verbrauch und Speicher intelligent aufeinander abzustimmen und gleichzeitig die Anlage für künftige Anpassungen vorzubereiten.

Wo liegen dabei die Unterschiede zwischen Neubauprojekten und Projekten im Bestand? Im Neubau geht es darum, bereits im Vorprojekt mithilfe der Beratung die Grundlagen zu schaffen. So stellen wir sicher, dass ein geschlossenes und funktionales System entsteht.

Auch im Bestandsbau erstellen wir Wirtschaftlichkeitsberechnungen für PV-Anlagen und Speicher und beraten den Kunden in Richtung Eigenverbrauchsoptimierung. Dabei prüfen wir beispielsweise, ob sich mehrere Objekte zu einer Gemeinschaft zusammenführen lassen.

Sowohl im Neubau als auch im Bestand begleiten wir Projekte von Anfang an. Anschliessend messen wir Verbräuche, rechnen Produktion und Verbrauch ab und sorgen für eine intelligente Steuerung. Entscheidend ist für uns die Durchgängigkeit der gesamten Kette. Nur wenn Planung, Umsetzung und Betrieb zusammenspielen, entsteht ein wirtschaftlich optimiertes Energiesystem.

Interview Pia Soldan

Weitere Informationen unter enpuls.ch oder auf Linkedin:

Unsere BI PV-Lösungen verwandeln Fassaden und weitere Gebäudeflächen in funktionale Energiequellen und verbinden Gestaltung mit integrierter Solarenergie

Ökologisch bis zum Schluss: So funktioniert das Recycling von Photovoltaik-Modulen

Eine Photovoltaik-Anlage ist eine grossartige Sache – gar keine Frage. Die positive Ökobilanz, die geringen Kosten: Eine klimafreundliche und effiziente Art der Stromerzeugung. Aber was passiert mit PV-Modulen, wenn sie irgendwann einmal kaputt sind und man sie entsorgen muss? Sind sie dann immer noch so umweltfreundlich?

In der Schweiz werden kristalline Silizium-Module eingesetzt. Sie sind schadstofffrei und bestehen zu 90 % aus Glas, einem Metallrahmen, einer Kunststofffolie sowie Silizium-Wafers.

Anders als bei gewissen Elektrogeräten, etwa einem Kühlschrank, geht es beim Recycling von PV-Modulen also nicht primär darum, umweltbelastende Schadstoffe sicher zu entsorgen, sondern wertvolle Rohstoffe zurück in den Kreislauf zu bringen.

Erfahren Sie mehr über den Nutzen des eRecyclings von Photovoltaik-Modulen: www.eRecycling.ch/pv

80 %

eines PV-Moduls können wiederverwendet werden.

SENS eRecycling

SENS eRecycling organisiert in der Schweiz die Wiederverwertung von Elektro- und Elektronikgeräten – effizient, zuverlässig und mit höchsten Qualitätsansprüchen.

Als Expertin für die nachhaltige Wiederverwertung von ausgedienten Elektro- und Elektronikgeräten, Leuchtmitteln und Leuchten, Photovoltaik-Systemen, Wärmepumpen, E-Zigaretten sowie Fahrzeug- und Industriebatterien trägt SENS eRecycling entscheidend dazu bei, zukunftsweisende Massstäbe im eRecycling zu setzen. Sie schont Ressourcen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Flexibilität – die unterschätzte Ressource der Energiewende

Verkehr und Wärme sind zentrale Bausteine der Schweizer Energiewende. Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen sind dabei der Schlüssel für eine Effizienzrevolution. Weniger bekannt ist, dass diese Technologien nicht nur effizient fossile Energieträger ersetzen, sondern zugleich Flexibilität für das Energiesystem bereitstellen und dadurch Stromimporte sowie den Bedarf an zusätzlicher Infrastruktur verringern können.

Eyvonne R. Ranjan

Stakeholder Manager Sweet-Pathfndr, Energy Science Center, ETH Zürich

Lea A. Ruefenacht

Project & KTT Manager Sweet-Pathfndr, Energy Science Center, ETH Zürich

Dr. Christian Schaffner

Co-Director Sweet-Pathfndr, Executive Director Energy Science Center, ETH Zürich

Prof. Dr. André Bardow

Co-Director Sweet-Pathfndr, Professor Departement Maschinenbau und Verfahrenstechnik, ETH Zürich

Die Schweiz befindet sich mitten in einer der grössten infrastrukturellen Transformationen ihrer Geschichte. Der Verkehrssektor und die Wärmeversorgung werden zunehmend elektrifiziert, während erneuerbare Energien einen immer grösseren Anteil der Stromversorgung übernehmen. Diese Entwicklung ist

Die Herausforderung besteht heute weniger darin, neue technische Durchbrüche zu erzielen, sondern darin, bestehende Lösungen breit umzusetzen und sinnvoll in das Energiesystem zu integrieren.

nicht nur aus klimapolitischer Sicht notwendig. Sie eröffnet auch die Chance auf ein effizienteres, resilienteres und unabhängigeres Energiesystem.

Im Zentrum dieser Transformation stehen zwei Technologien: Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen. Beide elektrifizieren Mobilitäts- und Wärmesektoren und ersetzen so fossile Energieträger. Weil elektrische Lösungen deutlich effizienter arbeiten als die fossilen Technologien, die sie ersetzen, sinkt der Gesamtenergiebedarf. Gleichzeitig nimmt die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern ab.

Doch der Umbau des Energiesystems bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Für den zusätzlichen Strombedarf werden Photovoltaik- und Windanlagen zugebaut, deren Stromproduktion nicht gleichmässig anfällt. Die Sonne scheint nicht immer dann, wenn Strom benötigt wird, und auch der Wind richtet sich nicht nach dem Verbrauch. Je stärker die Stromversorgung auf erneuerbaren Energien basiert, desto wichtiger wird deshalb die Frage, wie Angebot und Nachfrage zeitlich aufeinander abgestimmt werden können.

Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf die zusätzliche Stromproduktion. Diskutiert

werden neue Solaranlagen, Windparks, Wasserkraft oder Gas- und Kernkraftwerke. Diese Diskussion ist wichtig. Sie greift jedoch zu kurz. Der Umbau des Energiesystems ist nicht nur eine Frage der Strommenge, sondern auch der Flexibilität.

Genau hier eröffnen Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen neue Möglichkeiten. Oft werden sie als zusätzliche Belastung für das Stromnetz wahrgenommen. Tatsächlich können sie jedoch Teil der Lösung werden. Ihr Stromverbrauch lässt sich innerhalb gewisser Grenzen zeitlich verschieben. Dadurch kann Strom dann genutzt werden, wenn besonders viel erneuerbarer Strom verfügbar ist oder die Netze weniger belastet sind.

Ein Elektrofahrzeug muss häufig gar nicht in dem Moment geladen werden, in dem es an einer Ladestation angeschlossen wird. In vielen Fällen steht das Fahrzeug während Stunden ungenutzt auf einem Parkplatz oder in einer Garage. Die verfügbare Ladezeit ist damit wesentlich grösser als die tatsächlich benötigte Ladezeit. Durch intelligente Steuerung kann der Ladevorgang in jene Stunden verschoben werden, in denen besonders viel erneuerbarer Strom verfügbar ist oder die Netze weniger belastet sind.

Das Energiesystem allein auf die Stromproduktion zu reduzieren, wäre also eine verpasste Chance.

Ähnliches gilt für Wärmepumpen. Gebäude besitzen eine natürliche thermische Speicherfähigkeit. Wird ein Gebäude etwas früher beheizt, bleibt der Wohnkomfort oft über mehrere Stunden erhalten. Diese thermische Trägheit ermöglicht es, den Stromverbrauch für das Betreiben der Wärmepumpe zeitlich zu verschieben, ohne Komforteinbussen zu verursachen. Gebäude werden damit zu einem bislang wenig genutzten Bestandteil eines flexiblen Energiesystems.

Neue Forschungsergebnisse aus dem Sweet-PathfndrProjekt zeigen, welches Potenzial in dieser Flexibilität steckt: Elektrofahrzeuge könnten in 2050 rund 20 Prozent der Stromnachfrage zeitlich verschieben, Wärmepumpen sogar 26 Prozent. Diese Flexibilität erleichtert die Integration erneuerbarer Energien, reduziert den Bedarf an Stromimporten und senkt die Gesamtkosten des Energiesystems. Gleichzeitig könnte der Bedarf an zusätzlichen Gaskraftwerken und Batteriespeichern deutlich geringer ausfallen.

Damit dieses Potenzial erschlossen werden kann, braucht es jedoch geeignete Rahmenbedingungen. Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Erforderlich sind intelligente Ladesysteme, automatisierte Steuerungen, die einen flexiblen Stromverbrauch überhaupt ermöglichen. Ebenso wichtig sind wirtschaftliche Anreize für eine flexible Nutzung von Strom, etwa durch dynamische Tarifmodelle und geeignete Marktmechanismen. Damit solche Anreize wirken können, braucht es klare politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die die aktive Teilnahme von Haushalten, Unternehmen und neuen Akteuren am Energiesystem erleichtern.

Die gute Nachricht ist, dass viele der notwendigen Technologien bereits verfügbar sind. Die Herausforderung besteht heute weniger darin, neue technische Durchbrüche zu erzielen, sondern darin, bestehende Lösungen breit umzusetzen und sinnvoll in das Energiesystem zu integrieren.

Das Energiesystem allein auf die Stromproduktion zu reduzieren, wäre also eine verpasste Chance. Vielmehr hängt die Effizienz des Energiesystems massgeblich davon ab, wie flexibel und intelligent Verbraucher, Gebäude und Fahrzeuge eingebunden werden. Flexibilität stellt in diesem Zusammenhang eine potenziell zentrale, bislang jedoch häufig unterschätzte Ressource dar.

Text Eyvonne R. Ranjan, Lea A. Ruefenacht, Christian Schaffner, André Bardow

DCO2-Wärmepumpe für Wohnüberbauung mit 28 Wohnungen

In der Wohnüberbauung InSite in Bassersdorf versorgt eine CO2-Luft/Wasser-Wärmepumpe – unterstützt von einer IsobutanWärmepumpe – drei Gebäude mit insgesamt 28 Wohnungen zuverlässig mit Heizwärme und Warmwasser. Die Anlage zeigt, wie sich fossile Heizungen auch in grösseren Wohnanlagen effizient, nachhaltig und wirtschaftlich ersetzen lassen.

ie ersten Betriebsmonate in Bassersdorf zeigen: Diese Wärmeerzeugung hat Zukunft. Die Anlage läuft stabil und liefert zuverlässig Wärme für Heizung und Warmwasser. Das Konzept setzt vollständig auf erneuerbare Energie und natürliche Kältemittel, ist effizient und wirtschaftlich. Die Lösung zeigt, wie die Energiestrategie 2050 des Bundes im Gebäudebereich konkret umgesetzt werden kann. Gerade bei grösseren Überbauungen sind zuverlässige und wirtschaftliche Systeme gefragt, die langfristig funktionieren. Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel Herzstück der Anlage ist eine CO 2 -Wärmepumpe der CTA mit rund 120 kW Leistung, ergänzt durch eine kompakte Isobutan-Wärmepumpe. Das Zusammenspiel der beiden Wärmepumpen sorgt dafür, dass das Heizungssystem optimal arbeitet – auch bei unterschiedlichen Anforderungen im Jahresverlauf. Die Anlage ist so ausgelegt, dass sie unterschiedlich hohe Lasten – etwa morgens bei erhöhtem Warmwasserbedarf oder im Winterbetrieb – flexibel abdecken kann.

Wirtschaftliches Modell für Eigentümerschaften

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ versorgen die drei Gebäude mit insgesamt 28 Eigentumswohnungen im Rahmen eines Contracting-Angebots mit Wärme für Heizung und Warmwasser. Für die Eigentümerschaften bedeutet das vor allem eines: weniger Aufwand und mehr Sicherheit. Es braucht keine eigene Heizungsinvestition, die Kosten bleiben planbar und Betrieb sowie Wartung liegen in professionellen

Händen. Gleichzeitig wird der Einsatz der Anlage laufend überwacht und optimiert. So ist sichergestellt, dass Effizienz und Betriebskosten auch langfristig im optimalen Bereich bleiben.

Ideal für die Warmwasserversorgung

Gerade in Mehrfamilienhäusern ist die Warmwasserversorgung ein zentraler Faktor für Komfort und Energieverbrauch. Transkritische CO 2 -Anlagen, die sich in Industrie und Gewerbe bewährt haben, spielen auch im Wohnbau ihre Stärken aus: Sie ermöglichen hohe Wärmeabgabetemperaturen und eignen sich ideal für die Warmwasserversorgung mehrerer Gebäude. CO 2 ist weder brennbar noch explosiv und in kleinen Mengen ungiftig, erfordert aber Schutzmassnahmen, da in hoher Konzentration Erstickungsgefahr besteht. Darum steht die Wärmepumpe in einem separaten Maschinenraum, ausgerüstet mit Gassensoren und Sturmlüftung.

Gratisenergie aus der Luft

Für die Wärmeerzeugung entzieht ein Luftkühler der Umgebungsluft Wärme – eine Energiequelle, die jederzeit verfügbar ist und nichts kostet. Dadurch wird ein grosser Teil der benötigten Energie direkt aus der Umwelt gewonnen und nur ein vergleichsweise geringer Anteil stammt aus elektrischer Energie. Diese Wärme wird von der CO2-Wärmepumpe genutzt, um das Kältemittel auf über 100 °C zu erhitzen.

Statt eines Kondensators kommt ein Gaskühler zum Einsatz, der das CO 2 von 110 °C auf rund 32 °C abkühlt, ohne dass es kondensiert. Die gewonnene Wärme wird mit etwa 70 °C in einen Pufferspeicher und das Nahwärmenetz eingespeist.

Wärmeverteilung in die Gebäude

In jedem Gebäude stellen zwei 700-Liter-Heizspeicher die Wärme für Heizung und Warmwasser bereit. Frischwasserstationen erwärmen das Trinkwasser bedarfsgerecht über einen Wärmeübertrager mit bis zu 70 °C warmem Speicherwasser. Das bringt klare Vorteile: Die Energie wird so optimal genutzt und die Wasserhygiene ist gewährleistet. Im Winter versorgt derselbe Speicher auch die Heizung. Die Bodenheizungen arbeiten dabei mit einer Vorlauftemperatur von 35 °C. Isobutan ­Wärmepumpe als «Joker» Damit die CO2-Wärmepumpe optimal arbeitet, braucht es eine grosse Temperaturspreizung. Die Rücklauftemperatur sollte unter 32 °C liegen. Steigt sie über 30 °C, kommt die Isobutan-Umschichtungswärmepumpe – quasi als Joker – zum Einsatz: Sie verhindert höhere Rücklauftemperaturen und hält den Einsatzbereich der CO2-Anlage unter 45 °C. Die entzogene Wärme geht dabei nicht verloren, sondern wird dem Heizungsspeicher wieder zugeführt. So bleibt die Gesamtanlage effizient. Damit eignet sich die Lösung nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht für grössere Wohnprojekte mit langfristigem Planungshorizont.

Wirtschaftlicher Betrieb CO2-Wärmepumpen arbeiten mit einem hohen Systemdruck von 80 bis 130 bar. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Verarbeitung und die eingesetzten Komponenten. Durch Optimierungen wie Ejektoren und teilüberflutete Verdampfer haben die Systemingenieure der CTA die Wärmepumpe gezielt für grössere Wohnüberbauungen weiterentwickelt.

Das Ergebnis: ein stabiler und wirtschaftlicher Betrieb über die gesamte Nutzungsdauer.

CTA AG ist ein inhabergeführtes Schweizer Familienunternehmen mit Sitz in Münsingen. Mit viel Erfahrung und einem klaren Qualitätsanspruch entwickelt und produziert das Unternehmen seit 1981 Wärmepumpen und Kältemaschinen. Damit heizt und kühlt es Gebäude mit erneuerbarer Energie. Bauherrschaften, Planer und Installateure profitieren von persönlicher Begleitung von der Planung bis zum Service. CTA setzt bewusst auf den Arbeits- und Werkplatz Schweiz und arbeitet eng mit Fachpartnern in der ganzen Schweiz zusammen – mit dem Ziel, nachhaltige und zuverlässige Gebäudetechniklösungen zu realisieren. «Produkte lassen sich vergleichen. Service, Nähe und Verantwortung nicht.»

Weitere Informationen unter: cta.ch

In jedem Gebäude stellen Heizspeicher mit zwei Mal 700 Litern die Wärme für Heizung und Warmwasser bereit.
Wem gehört das Geld, das Ihre

Batterie verdient?

Während halb Europa über das «Kraftwerk der Zukunft» diskutiert, hat eine Firma aus Aarau aus einer unbequemen Frage ein Geschäftsmodell gemacht. Ihr grösster Vorteil: Sie besitzt keine einzige eigene Batterie. Was nach Verzicht klingt, ist die ganze Pointe.

Die Frage, die sich jeder zu spät stellt Irgendwann stellt sie sich jedem, der eine Batterie, eine Photovoltaikanlage oder eine flexible Last besitzt: Wem gehört eigentlich der Erlös, den meine Anlage am Regelenergie- oder Spotmarkt verdient? Und noch unbequemer: Wessen Batterie wird zuerst vermarktet, wenn der Aggregator zufällig auch eigene Speicher im Pool hat?

Bei der Virtual Global Trading AG (VGT) ist die Antwort kurz: Der Erlös gehört Ihnen. Immer.

Die 2018 gegründete Firma mit 36 Mitarbeitenden betreibt eine Softwareplattform für die Energiewirtschaft und bündelt als technischer und kommerzieller Aggregator die Flexibilität ihrer Partner. Übersetzt: VGT bringt fremde Anlagen an den Markt, steuert sie netzdienlich und rechnet bis auf den einzelnen Datenpunkt ab. Was VGT bewusst nicht tut: eigene Speicher, eigene Photovoltaik oder eigene Kraftwerke betreiben. «Wir besitzen keine eigenen Flexibilitätsanlagen. Das ist kein Zufall, sondern Programm.» Denn ein Aggregator ohne eigenes Portfolio hat genau ein Interesse: das Maximum für die Anlage des Kunden herauszuholen. Es gibt keinen zweiten Topf, in den die besten Gebote zuerst wandern.

Neutralität ist keine Marketingfloskel. Es ist Mathematik. Der Schweizer Regelenergiemarkt funktioniert über Ausschreibungen. Swissgrid, die nationale Netzgesellschaft, schreibt die benötigte Leistung aus, Anbieter bieten, ein Algorithmus wählt nach dem günstigsten Preis aus. Wer den Zuschlag erhält, hält Leistung bereit und wird allein dafür vergütet, dass er sie vorhält, auch wenn sie nie abgerufen wird. Kommt es zum Abruf, gibt es zusätzlich den Arbeitspreis. Man verdient also doppelt: für die Bereitschaft und für den Einsatz. In diesem Spiel zählt jede vorgehaltene Kilowattstunde. Und hier wird Neutralität konkret. Ein Aggregator, der gleichzeitig eigene Speicher vermarktet, muss in jeder Ausschreibung entscheiden, welche Anlage er bevorzugt. Diesen Konflikt kennt VGT nicht. Alle Anlagen im Pool werden nach demselben Prinzip optimiert: nach dem besten erzielbaren Erlös für ihren jeweiligen Eigentümer. Kein Hochglanzversprechen, sondern simple Folge davon, dass im Pool keine VGT-eigene Batterie steht, die zuerst bedient werden will.

Für die Partner ergibt das eine seltene Konstellation: Sie arbeiten mit einem Spezialisten zusammen, der ihnen am Markt nie zum Konkurrenten wird. VGT bringt die Anlagen an den Markt, nicht sich selbst.

Der Markt hat gerade seine Türen geöffnet Bislang war der Regelenergiemarkt ein Klub für Grosse. Wer mitbieten wollte, musste mindestens 5 Megawatt anbieten, eine Hürde, die kleinere Anlagen aussperrte. Das ändert sich. Swissgrid senkt die Mindestgebotsmenge von 5 auf 1 Megawatt, ausdrücklich, um auch kleineren Produzenten und neuen Technologien wie Batteriespeichern und bidirektionalen Elektrofahrzeugen den Zugang zu öffnen.

Der Grund ist die Energiewende selbst. Mit dem rasanten Zubau von Photovoltaik schwankt die Stromproduktion stärker, und Swissgrid muss diese Schwankungen in Echtzeit ausgleichen. Heisst: Flexibilität wird laufend wertvoller. Die Speicherwasserkraft bleibt zwar die wichtigste Regelenergie-Lieferantin der Schweiz, aber Solar, Batterien und Elektrofahrzeuge holen auf. Bei genau diesen Pooling-Modellen gilt Swissgrid europaweit als Vorreiterin. Wer mitmachen kann (und das sind nicht nur Energieversorger)

Hier liegt das Missverständnis, das viele teuer bezahlen: Der Regelenergiemarkt ist keine Spielwiese der Stromkonzerne mehr. Wer Flexibilität besitzt oder finanziert, kann teilnehmen. VGT ist eine reine B2B-Plattform und richtet sich an alle, die an den Markt wollen:

– Energieversorger und Netzbetreiber, die ihren Kunden eine neue Erlösquelle eröffnen wollen.

– Installateure, für die der Speicher künftig nicht beim Verkauf endet, sondern beim Kunden weiterverdient.

– Pensionskassen und institutionelle Investoren, die Batteriespeicher als Infrastruktur-Asset finanzieren und einen kalkulierbaren Cashflow suchen.

– Industrie und Gewerbe mit eigenen Speichern, flexiblen Lasten oder Notstromanlagen.

Gerade für institutionelle Investoren ändert die gesenkte Eintrittshürde die Rechnung: Ein Batterieportfolio, das bisher nur Kosten sparte, wird zum aktiven Ertragsasset. Aus «ich spare» wird «ich verdiene».

Was eine 10-kW-Batterie im Keller mit einem 1-MW-Speicher gemeinsam hat Das Schöne an der Mathematik der Flexibilität: Sie skaliert. Ein modular erweiterter Heimspeicher von 10 kW / 20 kWh amortisiert die Erweiterung in rund drei bis vier Jahren. Ein 50-kW-Speicher erzielt je nach Marktlage 5'000 bis 10'000 Franken pro Jahr, ein 100-kW-System das Doppelte bis Dreifache. Bei einem System mit 1 MW / 2 MWh sind 100'000 bis 250'000 Franken pro Jahr realistisch, in Spitzenjahren mehr.

Diese Zahlen sind bewusst konservativ gerechnet. Wer es genau wissen will: Swissgrid publiziert

die Ergebnisse jeder Ausschreibung für Primär-, Sekundär- und Tertiärregelleistung öffentlich. Nachrechnen ist ausdrücklich erwünscht.

Der eigentliche Hebel liegt aber nicht in der einzelnen Anlage, sondern im Pool. Ein dezentral verteilter Verbund vieler kleiner und mittlerer Flexibilitäten verdient nicht nur am Regelenergie- und Arbitragemarkt, er wirkt auch netzdienlich. Eine Batterie, die klug am richtigen Netzknoten sitzt, kann teuren Netzausbau ersetzen, statt ihn zu verursachen.

Eine Plattform, zwei Prinzipien: Der Kunde behält die Kontrolle VGT betreibt im Kern zwei Dinge, die zusammengehören, aber sauber getrennt sind. Das erste ist das Flexibilitätsmanagement. Das Herzstück bildet ein Gerätemanager, der praktisch jede Anlage und jedes bestehende Energiemanagementsystem anbindet, unabhängig von Hersteller, Typ oder Kommunikationsprotokoll. Ob Batteriespeicher, Photovoltaik, Wärmepumpe oder Ladestation, ob bereits vorhandenes Steuerungssystem oder Einzelgerät: Die Plattform spricht die passende Sprache und macht die Anlage mit wenig Aufwand marktbereit. Darauf setzt die intelligente Optimierung auf, die die verfügbare Leistung über die verschiedenen Anwendungsfälle hinweg dirigiert, von der Eigenverbrauchsoptimierung über Peak Shaving und Bilanzgruppenoptimierung bis zu Arbitrage und Regelenergie. Trading, Risiko und Abrechnung übernimmt VGT als Plattformbetreiber, inklusive der Risikoübernahme gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber.

Das zweite ist die Kundenplattform: ein Portal mit Modulen, mit denen Energieversorger ihre eigene Kundenbeziehung digitalisieren, vom Energieeffizienztool über Vertragsmanagement nach dem Prinzip «Data Point to Cash» bis zum Price Monitor für Grosskunden.

Und hier kommt das entscheidende Wort: White Label. Es gilt für beide Welten. Der Partner baut darauf seine eigene Plattform, im eigenen Design, unter der eigenen Marke. Nach aussen sieht der Endkunde seinen Energieversorger oder Installateur, nicht VGT. Die Technologie stellt VGT, die Marke und die Kundenbeziehung gehören dem Partner. Das ist die Umkehrung der üblichen Plattformlogik: Nicht der Plattformbetreiber besitzt den Kunden, sondern der Partner.

Deine Plattform, Deine Möglichkeiten, Dein Ökosystem – Wir bringen …

Den Kreis schliesst das integrierte MarketingTool. Damit betreibt der Partner direkt aus der Plattform heraus Akquise: Besitzt ein Portalkunde eine Batterie oder PV-Anlage, lässt sich ihm die Vermarktung am Regelenergiemarkt mit wenigen Klicks als Zusatzangebot vorschlagen, neutral abgewickelt von einem Aggregator ohne Eigeninteresse.

Wer macht eigentlich was?

Die Rollenverteilung ist bewusst nüchtern. Der Partner installiert die Anlage, informiert seine Kunden und meldet sie an. Der Endkunde gibt seine Zustimmung. VGT kümmert sich um Handel, Risiko, Abrechnung und die ganze regulatorische Komplexität dahinter, und davon gibt es reichlich: Wer Anlagen hinter dem Zähler bündelt, koordiniert Verteilnetzbetreiber, Energielieferanten, Bilanzgruppen, Regulatoren und Swissgrid, jeden mit eigenen Datenformaten und Meldepflichten.

Besonders elegant läuft es bei kleinen Anlagen unter 100 Kilowatt. Der Installateur meldet sich über die Website an, bestätigt den Partnervertrag digital und lädt seine Endkunden per Mail-Link ein. Er trägt die Anlage ein und bestellt das Gateway, das VGT vorkonfiguriert und per Post zuschickt. Einstecken, Status prüfen, fertig, die Anlage ist marktbereit. Vom ersten Klick bis zur vermarktbaren Flexibilität vergeht wenig Zeit, ohne Papierkram und ohne technisches Spezialwissen beim Partner.

Die Software für das Netz von 2050 Die VGT-Plattform verbindet, was bislang in getrennten Systemen lag: die technische und kommerzielle Aggregation von Flexibilität, ein White-Label-Kundenportal und die saubere Abrechnung jedes Datenpunkts, alles in einer durchgängigen Lösung. Von der angebundenen Anlage bis zum vermarkteten Erlös läuft alles über eine einzige Plattform, ohne Systembruch. Vor allem aber ist sie für das gebaut, was kommt. Die Energiestrategie 2050 verlangt eine Software, die mehr kann, als eine einzelne Anlage zu steuern: Bilanzgruppen optimieren, netzdienliche Eingriffe an den richtigen Knoten koordinieren und vieles mehr verarbeiten. Genau diese Bausteine sind angelegt. So entsteht aus vielen einzelnen Anlagen ein intelligentes, vernetztes Ganzes, und VGT übernimmt die Komplexität im Hintergrund. Es war noch nie so einfach, am Markt von morgen teilzunehmen. Die einzige Frage, die bleibt, ist die vom Anfang: Wem soll der Erlös Ihrer Anlage gehören?

Virtual Global Trading AG Obere Vorstadt 40, 5000 Aarau

info@vgt.energy - www.vgt.energy

«Netzbetreiber müssen ihr Netz zunehmend aktiv beobachten, bewerten und steuern»

Die Herausforderungen im Niederspannungsnetz nehmen für Verteilnetzbetreiber und Energieversorger zu. Adrian Toller, CEO von Swistec Systems AG, über intelligente Steuerung, mehr Netztransparenz und ein entspanntes Lastmanagement.

Herr Toller, die dezentrale Energieerzeugung fordert das Netz. Was bedeutet das für Netzbetreiber und Energieversorger? Die Niederspannungsnetze werden deutlich dynamischer. Früher floss Energie weitgehend planbar von zentralen Kraftwerken zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Heute kommen Photovoltaik, Windenergie, Elektromobilität, Wärmepumpen und Batteriespeicher hinzu. Dadurch verändern sich Lastflüsse, Spannungen und Einspeisungen viel schneller als früher. Für Netzbetreiber bedeutet das: Sie müssen ihr Netz nicht nur zuverlässig betreiben, sondern es zunehmend aktiv beobachten, bewerten und steuern. Genau hier liegt der Schlüssel. Wir brauchen mehr Transparenz im Niederspannungsnetz, damit Investitionen gezielt erfolgen und bestehende Kapazitäten besser genutzt werden können. Wie können Echtzeitdaten, Lasten oder Netzzustände denn schnell und verlässlich erfasst werden? Entscheidend ist, dass relevante Messwerte dort erfasst werden, wo die Veränderung stattfindet: in Trafostationen, in Strängen, bei Verbrauchern, Erzeugern oder Speichern. Mit SwisMind bündeln wir solche Daten in einer modularen Plattform. Sie erfasst und visualisiert Netz- und Messdaten in Echtzeit, etwa Lasten, Spannungen, Einspeisungen und Netzzustände. Wichtig ist dabei die Offenheit: SwisMind kann verschiedene Messgeräte, Smart-Metering-Plattformen, Leitsysteme und bestehende Rundsteuersysteme anbinden. Netzbetreiber müssen also nicht bei null beginnen, sondern können ihre vorhandene Infrastruktur intelligent erweitern. Und wo keine Echtzeitdaten vorhanden sind, können mithilfe eines digitalen Zwillings die Netzzustände berechnet werden. Es geht also auch um Transparenz, um Energieeinspeisung und ­verbrauch besser steuern und einschätzen zu können? Ja, Transparenz ist die Grundlage. Was ich nicht sehe, kann ich nicht sinnvoll beurteilen und schon gar nicht gezielt steuern. Viele Niederspannungsnetze wurden historisch nicht für eine laufende, detaillierte Beobachtung gebaut. Gleichzeitig steigen die Anforderungen enorm. SwisMind macht aus einzelnen Datenpunkten ein verständliches Bild des Netzes. Damit werden Lastspitzen, Spannungsprobleme oder kritische Entwicklungen früher sichtbar. Das hilft

Entscheidend ist, dass relevante Messwerte dort erfasst werden, wo die Veränderung stattfindet: in Trafostationen, in Strängen, bei Verbrauchern, Erzeugern oder Speichern.

– Adrian Toller, CEO

im Betrieb, aber auch in der Planung: Netzbetreiber können besser entscheiden, wo eine Verstärkung nötig ist und wo intelligente Steuerung genügt. Nach dem Sammeln der Daten kommt die Analyse. Was muss diese Analyse leisten? Daten allein lösen noch kein Netzproblem. Die Analyse muss Zusammenhänge sichtbar machen und aus Messwerten entscheidungsrelevante Informationen ableiten. Es geht darum, Netzzustände einzuordnen, Grenzwerte zu erkennen, Trends zu verstehen und Risiken frühzeitig zu bewerten. Im Idealfall sieht der Netzbetreiber nicht erst, dass ein Problem bereits eingetreten ist, sondern erkennt eine Entwicklung im Voraus. SwisMind unterstützt genau diesen Schritt vom Messen zum Bewerten. Die Plattform schafft damit eine belastbare Grundlage für operative Massnahmen, für Investitionsentscheide und perspektivisch auch für Simulationen und Prognosen über digitale Netzmodelle.

Wie kann intelligentes Lastmanagement helfen, Netzengpässe zu vermeiden und bestehende Netzkapazitäten besser zu nutzen?

Intelligentes Lastmanagement bedeutet,

Flexibilitäten gezielt einzusetzen. Nicht jede Last muss immer sofort und gleichzeitig mit voller Leistung laufen. Ladeinfrastrukturen, Wärmepumpen, Boiler, Speicher oder bestimmte Verbraucher können so gesteuert werden, dass Lastspitzen reduziert und kritische Netzsituationen vermieden werden. Das ist besonders wertvoll, weil Netzausbau teuer ist und Zeit braucht. Mit SwisMind können Netzbetreiber Steuerungsmassnahmen gezielt auslösen, Verbraucher und Erzeuger einzeln oder in Gruppen adressieren und dabei verschiedene Kommunikationswege nutzen. So wird aus Transparenz aktives Netzmanagement. Damit folgt SwisMind dem Nova-Prinzip, welches besagt, dass bestehende Stromnetze zunächst so effizient wie möglich genutzt werden sollen, bevor in kostspielige Verstärkungen oder neue Leitungen investiert wird.

Welche Rolle werden in Zukunft zusätzliche Lade­ und Speichermöglichkeiten und dezentrale Erzeuger spielen?

Sie werden eine zentrale Rolle spielen. Einerseits erhöhen zusätzliche Ladestationen, Wärmepumpen, Batteriespeicher und PV-Anlagen die Komplexität im Netz. Andererseits bringen sie genau die Flexibilität mit, die ein modernes

Wenn Erzeugung, Verbrauch und Speicherung immer dezentraler werden, braucht es ein Netz, das diese Dynamik beherrscht. Dafür müssen wir messen, bewerten und steuern können.

– Adrian Toller, CEO

Energiesystem braucht. Ein Elektroauto ist nicht nur eine zusätzliche Last, ein Speicher ist nicht nur ein neues Betriebsmittel, eine PV-Anlage ist nicht nur eine Einspeisung. Zusammen können diese Elemente helfen, Energie besser lokal zu nutzen und Lasten zeitlich zu verschieben. Voraussetzung ist aber, dass sie sichtbar, bewertbar und steuerbar werden. Ohne intelligente Einbindung bleibt deren Potenzial ungenutzt. Wie gelingt Verteilnetzbetreibern der Schritt von klassischen Steuerungssystemen hin zu einem zukunftsfähigen Smart Grid? Aus unserer Sicht gelingt dieser Schritt am besten evolutionär, nicht durch einen harten Systembruch. Viele Netzbetreiber verfügen über eine bewährte Rundsteuer-Infrastruktur, die zuverlässig funktioniert und in die viel investiert wurde. SwisMind setzt genau dort an: Bestehende Rundsteuerung kann integriert und mit modernen Smart-GridFunktionalitäten erweitert werden. Zusätzlich unterstützt die Plattform verschiedene Übertragungsmedien wie BPL, LWL, Mobilfunk, 450 MHz oder LoRaWAN und bindet Umsysteme über Schnittstellen ein. So entsteht kein isoliertes neues System, sondern eine Brücke von der bestehenden Infrastruktur zum digitalen Netzbetrieb. Kann man sagen, dass der Erfolg der Energiewende letztlich von der intelligenten Steuerung abhängen wird? Ja, zumindest wird intelligente Steuerung ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Die Energiewende ist nicht nur eine Frage von mehr Produktion aus erneuerbaren Quellen. Sie ist auch eine Frage der Integration in die Verteilnetze. Wenn Erzeugung, Verbrauch und Speicherung immer dezentraler werden, braucht es ein Netz, das diese Dynamik beherrscht. Dafür müssen wir messen, bewerten und steuern können. SwisMind wurde genau für diese Aufgabe entwickelt: Netztransparenz schaffen, Flexibilitäten nutzbar machen und die Netzstabilität sichern. Die Zukunft der Energieversorgung wird nicht nur durch Kupfer und Transformatoren gebaut, sondern auch durch Daten, intelligente Systeme und gezielte Steuerung.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Weitere Informationen unter: swistec.ch

Adrian Toller CEO

Die Wärmefrage entscheidet mit

Stromproduktion und Elektromobilität stehen oft im Zentrum der Energiewende. Doch ein grosser Teil der Klimaziele

entscheidet sich an weniger sichtbaren Orten: in Heizkellern, Technikräumen, Heizzentralen und Leitungen, die ganze Quartiere versorgen. Die Wärmewende ist keine Nebensache, sondern eine Infrastrukturaufgabe mit enormer Tragweite.

Wer über Dekarbonisierung spricht, denkt häufig zuerst an Strom. Dabei entfällt in der Schweiz rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs auf Wärme wie: Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme. Der Gebäudepark verbraucht rund 41,8 Prozent des Endenergiebedarfs und verursacht etwa 22 Prozent des inländischen CO2-Ausstosses. Gemäss der Wärmestrategie 2050 des BFE entfallen auf den Wärmesektor mehr als 35 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der Schweiz. Damit wird Wärme zum zentralen Hebel auf dem Weg zu Netto-Null und das nicht als Randthema, sondern als eigenständiger Transformationsraum.

Vom Heizkeller zum Energiesystem Lange war Wärme vor allem eine Gebäudefrage: Eine Heizung wurde ersetzt, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichte. Eigentümerschaften prüften Kosten, Platzbedarf und Bewilligungen, dann fiel der Entscheid. Diese Logik greift heute zu kurz. Es geht nicht mehr nur um einzelne Anlagen, sondern um Gebäude, Quartiere und Energienetze als zusammenhängende Systeme. Der Schweizer Gebäudepark ist ausgesprochen heterogen. Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, historische Bauten und Gewerbeliegenschaften haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Nicht überall ist eine Erdsonde möglich, nicht jede Fassade lässt sich gleich sanieren und nicht jeder Heizraum eignet sich für eine grosse Wärmepumpe. Was im Neubau planbar wirkt, wird im Bestand schnell zum Einzelfall. Laut aktuellen BFS-Daten (2024) sind noch immer Millionen von Gebäuden mit fossilen Heizungen ausgestattet und ihr schrittweiser Ersatz bleibt eine der grössten logistischen Herausforderungen der Energiewende. Hinzu kommen lange Zeitachsen: Heizsysteme haben Lebenszyklen von zwanzig Jahren und mehr. Wer heute eine fossile Heizung

Brandreport • geoimpact AG

DDie Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist teuer, doch Nichtstun ist es ebenfalls. Fossile Systeme bleiben abhängig von Energiepreisen und steigenden CO2-Abgaben.

erneuert, entscheidet damit über die Emissionsbilanz eines Standorts bis weit in die Zukunft hinein.

Fernwärme als urbane Antwort Besonders in Städten und dicht bebauten Agglomerationen rücken thermische Netze in den Vordergrund. Fernwärme erschliesst Wärmequellen, die für einzelne Gebäude kaum zugänglich wären: etwa Abwärme aus Kehrichtverwertung, Industrie und Rechenzentren, aber auch Energie aus Seen, Flüssen, Holz oder Geothermie. Die Wärme wird dort gewonnen und anschliessend über ein Netz verteilt. In der Schweiz ist diese Entwicklung bereits sichtbar: IWB baut das Fernwärmenetz in Basel kontinuierlich aus, Genf nutzt mit GeniLac Seewasser zum Heizen und Kühlen ganzer Stadtquartiere und Zürich setzt neben der Kehrichtverwertung auf Wärmeverbünde und Seewasserenergie. Städte, Gemeinden und Energieversorger müssen dabei früh abklären, welche Gebiete netzgebunden versorgt werden können und wo dezentrale Lösungen sinnvoller sind.

Dezentral, aber systemisch gedacht

Ausserhalb dichter Netze bleiben Wärmepumpen ein zentraler Baustein. Sie nutzen Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Wasser und funktionieren dann

Intelligente Energieplanung:

ie Energiewende entscheidet sich nicht allein daran, wie viele Photovoltaikanlagen gebaut, Wärmepumpen installiert oder Elektrofahrzeuge zugelassen werden. Entscheidend ist, ob diese Technologien am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und mit Blick auf das Gesamtsystem geplant werden. Gerade in der Schweiz, mit ihrer dezentralen Siedlungsstruktur, unterschiedlichen Netzgebieten und hohen Ansprüchen an Versorgungssicherheit, wird Energieplanung zur strategischen Aufgabe. Sie verbindet Klimaziele, Netzstabilität, Investitionssicherheit und Akzeptanz.

Die Herausforderung liegt in der Gleichzeitigkeit. Photovoltaikanlagen produzieren dann viel Strom, wenn die Sonne scheint. Wärmepumpen erhöhen vor allem im Winter den Strombedarf. Elektrofahrzeuge werden häufig am Abend geladen, wenn in Haushalten und Betrieben ohnehin viel Energie benötigt wird. Was im Einzelprojekt sinnvoll erscheint, kann im Quartier, im Areal oder im Verteilnetz neue Belastungen auslösen. Darum reicht es nicht, Dächer, Heizungen und Ladepunkte getrennt zu betrachten.

Ein zentrales Thema sind Netzengpässe. In vielen Verteilnetzen entstehen sie punktuell: in bestimmten Strassenzügen, Trafokreisen oder Quartieren mit starkem Zubau. Wer solche kritischen Bereiche früh erkennt, kann Alternativen prüfen: intelligentes Laden, Lastmanagement, Speicherlösungen, abgestimmte Investitionen oder eine bessere Verbindung von lokaler Produktion

gut, wenn Gebäudehülle, Heizverteilung und Vorlauftemperaturen zusammenpassen. Gebäudetechnik wird damit zur Schlüsseldisziplin: Notwendig sind Bestandsanalysen, hydraulische Abstimmung, intelligente Steuerungen, Speicherlösungen und ein Betrieb, der Anlagen laufend optimiert. Facility-ManagementAnbieter und Engineering-Partner spielen dabei eine unterschätzte Rolle. Sie verbinden technisches Know-how mit dem langfristigen Betrieb und sorgen dafür, dass Anlagen nicht nur korrekt installiert, sondern dauerhaft effizient bewirtschaftet werden. Gerade bei grösseren Immobilienportfolios entscheidet sich die Wirkung nicht im einmaligen Heizungsersatz, sondern im Zusammenspiel von Sanierungsstrategie, Finanzierung und datenbasiertem Monitoring.

Planung als Gemeinschaftsaufgabe

Die Wärmewende lässt sich jedoch nicht von einzelnen Eigentümerschaften allein bewältigen. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Kantone setzen die Rahmenbedingungen, Gemeinden erarbeiten Energieplanungen, Versorgungsunternehmen bauen Netze, Engineering-Partner entwickeln Konzepte, während Infrastruktur- und Gebäudetechnikunternehmen die Umsetzung vorantreiben. Jede dieser

Rollen bleibt für sich begrenzt, doch im Zusammenspiel entsteht ein funktionierendes System. Besonders Gemeinden rücken dabei in eine koordinierende Rolle. Sie kennen Quartiere, bestehende Werkleitungspläne und lokale Energiequellen. Eine kommunale Energieplanung kann dadurch Orientierung und Planungssicherheit schaffen und zugleich das Risiko senken, heute in eine Lösung zu investieren, die wenige Jahre später durch ein Wärmenetz überholt wird. Auch hier gewinnt Abwärme an Bedeutung. Was früher oft als Nebenprodukt galt, wird zunehmend zur Ressource: Rechenzentren, Industriebetriebe oder Abwasserreinigungsanlagen können wertvolle Wärme liefern, solange die technischen, vertraglichen und räumlichen Bedingungen stimmen. Vom Ziel zur Umsetzung

Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist teuer, doch Nichtstun ist es ebenfalls. Fossile Systeme bleiben abhängig von Energiepreisen und steigenden CO2-Abgaben. Zugleich wachsen die Anforderungen von Mietenden, Investoren und der öffentlichen Hand an klimakompatible Gebäude. Für Unternehmen wird Wärme damit zum Standort- und Risikothema. Entscheidend ist, Sanierungsschritte anschlussfähig zu planen: zuerst Verbrauch senken, dann die passende Wärmequelle wählen, später Betrieb optimieren und Speicher oder Photovoltaik integrieren, wo es sinnvoll ist. Die Schweiz verfügt über die nötigen Voraussetzungen: technische Kompetenz, lokale Energiequellen, starke Versorgungsunternehmen und erfahrene Planungsbüros. Was nun zählt, ist Umsetzungsgeschwindigkeit. Jedes fossile Heizsystem, das heute nochmals erneuert wird, verlängert die Abhängigkeit um Jahre und verschiebt notwendige Investitionen in eine ohnehin knappe Zukunft.

Text Walter Nogueira

Wie Daten und KI die Energiewende beschleunigen

und lokalem Verbrauch. Energieplanung wird damit zur vorausschauenden Infrastrukturentwicklung.

Moderne Planungsansätze verbinden Geodaten, Gebäudedaten, Lastprofile, Produktionskurven und spielen Szenarien durch. Sie zeigen nicht nur, welches Dach theoretisch für Photovoltaik geeignet ist, sondern auch, wie der erzeugte Strom genutzt werden kann oder wann er gespeichert werden sollte. Sie machen sichtbar, wo Wärmepumpen besonders sinnvoll ersetzt werden können, welche Gebäude sich für gemeinsame Energielösungen eignen und wo Elektromobilität netzdienlich geplant werden sollte.

Besonders wichtig ist dabei die Betrachtung mehrerer Gebäude. In einem Quartier können Produzenten und Verbraucher in einer vZEV oder LEG einander ergänzen: Ein Gebäude mit grosser Photovoltaik-Fläche liefert Strom, ein anderes hat einen hohen Wärmebedarf, ein drittes verfügt über Ladeinfrastruktur oder Batteriespeicher. Wenn diese Profile gemeinsam simuliert werden, entstehen realistischere Grundlagen für Investitionsentscheide. Planung bleibt dann nicht bei Durchschnittswerten stehen, sondern bildet den zeitlichen Verlauf von Verbrauch und Produktion ab. Auch künstliche Intelligenz (KI) kann hier eine Rolle spielen. Sie ersetzt keine fachliche Entscheidung, kann aber grosse Datenmengen strukturieren, Muster erkennen und komplexe Fragen zugänglicher machen. Entscheidend ist, dass Datengrundlagen

und Methodik nachvollziehbar bleiben. Für Energieversorger, Gemeinden, Eigentümerschaften und Unternehmen müssen die Ergebnisse in verständliche Entscheidungssprachen übersetzt werden: Kilowattstunden für Fachleute, Franken für Investitionsentscheide, CO2-Wirkung für ökologische Bewertungen und konkrete Kennzahlen für die Umsetzung.

Für die Photovoltaik bedeutet dies: Das Potenzial eines Daches ist nur ein Teil der Antwort. Ebenso wichtig ist, ob der erzeugte Strom lokal genutzt, gespeichert oder sinnvoll ins Netz eingespeist werden kann. Wärmepumpen sind ein Schlüssel zur Dekarbonisierung des Gebäudeparks, müssen aber sorgfältig in das Stromsystem eingebettet werden. Und bei der Elektromobilität geht es nicht nur um mehr Ladepunkte, sondern um Ladepunkte, die netzdienlich geplant und betrieben werden.

Die europäische Hitzewelle ist ein Hinweis darauf, wie rasant sich das Klima verändert – sowohl zeitlich als auch geografisch. Ein zukunftsfähiges, optimiertes Stromnetz und eine wirksame Energiepolitik brauchen wir heute mehr denn je.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie stark sich Digitalisierung, Datenanalyse und KI in der Energieplanung etablieren. Klar ist bereits heute: Der Ausbau erneuerbarer Energien braucht Werkzeuge, die Komplexität reduzieren, Zielkonflikte sichtbar machen und konkrete Entscheide ermöglichen. So entsteht ein sozialer und ökologischer Mehrwert: weniger fossile Energie, bessere

Nutzung lokaler Ressourcen, gezieltere Investitionen und höhere Akzeptanz für die Transformation. Die Schweizer Energiezukunft entsteht in Gemeinden, Quartieren, Gebäuden und Netzen. Wer sie klug plant, macht sie schneller und nachhaltiger erreichbar.

Praxisbeispiel: Swiss Energy Planning

Swiss Energy Planning (SEP) unterstützt Gemeinden, Energieversorger und Immobilienakteure dabei, PV, Wärmepumpen, Speicher und Elektromobilität gemeinsam zu planen. Mit SEP.ask lassen sich energieplanerische Fragen in natürlicher Sprache stellen und mit Karten, Gebäudebewertungen und Szenarien beantworten. SEP.multiload ergänzt dies durch die Simulation kombinierter Last- und Produktionsprofile über mehrere Gebäude hinweg. So können lokale Energiegemeinschaften, Eigenverbrauch, Netzbelastung und Investitionsvarianten frühzeitig beurteilt werden.

Weitere Informationen unter: geoimpact.ch

«Die Wärmeversorgung der Zukunft wird regionaler, hybrider und intelligenter»

Die Schmid Mawera Group vereint die Erfahrung zweier etablierter Biomasse-Spezialisten. CEO Philipp Lüscher zeigt auf, welche Rolle Biomasse, Wärmepumpen und intelligente Energiesysteme bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung spielen.

Herr Lüscher, die Schmid Mawera Group ist aus dem Zusammenschluss zweier etablierter Unternehmen entstanden. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit dieser Fusion? Mit dem Zusammenschluss verbinden wir zwei starke industrielle Traditionen in der Biomasseenergie. Beide Unternehmen sind seit Jahrzehnten in ihren Heimatmärkten etabliert und international aktiv. Schmid bringt umfangreiche Erfahrung in Holzenergie, Systemtechnik und Anlagenbau ein. Mawera ergänzt die Gruppe mit starker industrieller Kesselkompetenz, einem breiten Anlagenpark und einem ausgeprägten Kundendienst.

Strategisch schaffen wir damit eine breitere technologische und organisatorische Basis. Unser Ziel ist es, Kunden in Industrie sowie Nah- und Fernwärme noch umfassender zu begleiten. Das reicht von Biomasseanlagen über Effizienztechnologien wie Abgaskondensation bis hin zu hybriden Systemen mit Wärmepumpen. Gerade Grosswärmepumpen sind ein wichtiger neuer Baustein, den wir gezielt weiterentwickeln und in passende Gesamtsysteme integrieren.

Die Dekarbonisierung der Industrie gilt als eine der grössten Herausforderungen der Energiewende. Wo sehen Sie derzeit den grössten Handlungsbedarf?

Der grösste Hebel liegt in der Wärmeversorgung. Viele Industriebetriebe haben ihre Strombeschaffung bereits teilweise auf erneuerbare Quellen umgestellt, nutzen für Prozesswärme aber weiterhin fossile Energieträger. Das ist nachvollziehbar, weil Prozesswärme zuverlässig, verfügbar und bedarfsgerecht bereitgestellt werden muss.

Genau deshalb braucht es belastbare und individuelle Transformationspfade. Ausgangspunkt ist immer eine Analyse des Wärmebedarfs und der lokalen Rahmenbedingungen. Darauf folgen die Entwicklung eines Konzepts und schliesslich die Umsetzung einer massgeschneiderten Lösung. Biomasse eignet sich besonders für hohe Temperaturen und Grundlasten. Wärmepumpen sind ideal, wenn tiefere Temperaturbereiche oder Abwärmequellen genutzt werden können. Hinzu kommt die CO2-Abscheidung. Mit der Technologie unseres Gruppenunternehmens SaveEnergy bieten wir bereits Lösungen zur Abscheidung von biogenem CO2 an. Wird dieses dauerhaft gespeichert, können sogar negative Emissionen erreicht werden. Entscheidend ist, Produktionssicherheit und Dekarbonisierung nicht gegeneinander auszuspielen, sondern technisch sinnvoll zu verbinden. Viele Unternehmen stehen unter Druck, ihre ESG-Ziele zu erreichen. Welche Rolle spielt die Prozesswärme dabei? Prozesswärme ist häufig einer der grössten Emissionsblöcke eines Unternehmens, wird aber in der öffentlichen Diskussion weniger stark wahrgenommen als Strom oder Mobilität. Für Industriebetriebe ist sie zentral, weil sie direkt mit Produktion, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit verbunden ist. Wer fossile Energieträger in diesem Bereich ersetzt, erzielt einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung. Gleichzeitig muss die Lösung zum Betrieb passen. Ein Holzindustriebetrieb, ein Lebensmittelproduzent oder ein Fernwärmebetreiber haben sehr unterschiedliche Anforderungen. ESG-Ziele werden dann wirksam erreicht, wenn technische Machbarkeit, Brennstofflogistik, Effizienz und langfristige Betriebskosten gemeinsam betrachtet werden.

Wie können Unternehmen fossile Energieträger ersetzen, ohne ihre Produktionssicherheit zu gefährden? Der erste Schritt ist immer eine präzise Analyse. Welche Temperaturen werden benötigt? Wann treten Lastspitzen auf? Welche Abwärmequellen sind vorhanden? Welche Redundanzen verlangt der Prozess?

Wir sehen einen klaren Wandel von einzelnen Wärmeerzeugern hin zu integrierten Energiesystemen.

– Philipp Lüscher, CEO

wir gemeinsam mit unserem Partner Solarcomplex ausgebaut haben. Biomasse bildet dort das Rückgrat der Wärmeversorgung und wird durch aktive Abgaskondensation mit Absorptionswärmepumpe ergänzt. Dadurch wird zusätzliche Wärme nutzbar gemacht, die sonst über den Kamin verloren ginge. Das Ergebnis ist mehr nutzbare Wärme aus derselben regionalen Biomasse, ein geringerer Brennstoffbedarf und eine bessere Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems. Solche Projekte zeigen, dass Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung zusammengebracht werden können.

Grosswärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie. Weshalb?

Grosswärmepumpen machen niedrige Temperaturniveaus nutzbar – beispielsweise Abwärme, Grundwasser, Oberflächenwasser oder Luft. Sie verbinden erneuerbaren Strom mit effizienter Wärmebereitstellung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung.

Wir betrachten Wärmepumpen jedoch nicht isoliert, sondern als Teil hybrider Wärmeversorgungssysteme. Biomasse bleibt überall dort wichtig, wo hohe Temperaturen, Versorgungssicherheit und stabile Energiekosten gefragt sind. Wärmepumpen ergänzen diese Stärken, indem sie Abwärme und günstigen erneuerbaren Strom nutzen.

Richtig ausgelegt verbindet ein hybrides System aus Biomassekessel und Wärmepumpe das Beste aus beiden Welten: Es erhöht die Effizienz, reduziert den Biomassebedarf und schont Ressourcen.

Auf dieser Grundlage entsteht ein belastbares Versorgungskonzept. In der Praxis bedeutet das oft eine Kombination aus Biomasse für Hochtemperaturwärme, Wärmepumpen zur Nutzung von Abwärme, Speichern zur Entkopplung der Erzeuger sowie moderner Anlagensteuerung. Zusätzlich kann ein Back-up-System sinnvoll sein, wobei häufig bestehende fossile Anlagen vorerst weitergenutzt werden.

Wichtig ist eine professionelle Projektumsetzung. Bestehende Systeme werden möglichst erst ausser Betrieb genommen, wenn die neuen erneuerbaren Wärmeerzeuger zuverlässig laufen. So bleibt die Produktion jederzeit gesichert.

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren bei industriellen Wärmeerzeugungssystemen? Wir sehen einen klaren Wandel von einzelnen Wärmeerzeugern hin zu integrierten Energiesystemen. Der Biomassekessel bleibt ein zentraler Baustein, wird aber zunehmend mit Economizer, Abgaskondensation, Wärmepumpen, Speichern, Fernüberwachung und intelligenter Feuerungsregelung kombiniert.

Die Systemintelligenz wird künftig genauso wichtig sein wie robuste Hardware. Anlagen müssen flexibel auf unterschiedliche Brennstoffqualitäten, saisonale Lasten, schwankende Energiepreise und strengere Emissionsanforderungen reagieren können. Effizienz und Flexibilität wachsen immer stärker zusammen.

Fernwärmenetze gewinnen an Bedeutung. Was macht ein Fernheizwerk heute wirklich effizient? Effizienz entsteht nicht allein im Kessel, sondern im Gesamtsystem. Entscheidend sind tiefe Netzrücklauftemperaturen, passende Speicher, intelligente Lastführung, ein optimierter Kesselbetrieb und die Wärmerückgewinnung aus dem Abgas.

Gerade in bestehenden Netzen steckt noch viel Potenzial. Sind die Rücklauftemperaturen zu hoch, wird

die Nutzung der Abgaskondensation erschwert. Dann können Wärmepumpen helfen, zusätzliche Energie nutzbar zu machen. Wichtig ist zudem ein Servicekonzept, das den Betrieb kontinuierlich optimiert.

Die Schmid Mawera Group setzt auf Absorptionswärmepumpen und Abgaskondensation. Welchen Nutzen bringen diese Technologien? Im Abgas einer Biomassefeuerung steckt viel Energie, insbesondere im Wasserdampf. Durch Abgaskondensation kann diese Energie zurückgewonnen werden.

In vielen Netzen ist der Rücklauf allerdings zu warm, um die Kondensation optimal zu nutzen. Hier kommen Absorptionswärmepumpen ins Spiel. Sie unterstützen den Kondensationsprozess aktiv und heben die gewonnene Wärme auf ein nutzbares Temperaturniveau an. Dadurch lassen sich aus derselben Brennstoffmenge oft 20 bis über 40 Prozent mehr Heizwärme gewinnen.

Der zusätzliche Strombedarf bleibt gering, da die Wärmepumpe mit Wärme aus dem Biomassekessel betrieben wird. Das verbessert Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Ressourcennutzung gleichzeitig.

Gibt es bei bestehenden Fernwärmeanlagen noch ungenutzte Potenziale? Absolut. Viele Anlagen laufen zuverlässig, schöpfen ihre Möglichkeiten aber nicht vollständig aus. Häufige Hebel sind die Modernisierung der Steuerung, die Optimierung der Verbrennung, der Einsatz von Economizern sowie passive oder aktive Abgaskondensation.

Ebenso wichtig ist der Blick auf das Netz. Je tiefer die Rücklauftemperatur und je besser der Anlagenbetrieb, desto höher der Wärmeertrag. Die Wärmewende wird deshalb nicht allein durch neue Anlagen gelingen, sondern auch durch die gezielte Modernisierung bestehender Infrastruktur.

Können Sie ein Beispiel nennen? Ein gutes Beispiel ist das Wärmenetz Hilzingen, das

Die Wärmeversorgung wird regionaler, hybrider und digitaler.

– Philipp Lüscher, CEO

Für welche Anwendungen eignen sich Grosswärmepumpen besonders gut? Vor allem für Nah- und Fernwärmenetze, industrielle Abwärmenutzung sowie Projekte mit Grund-, Oberflächen- oder Abwasser. Dank technischer Fortschritte sind heute je nach Bauart Vorlauftemperaturen bis 120 Grad Celsius möglich.

Dadurch erschliessen sich Anwendungen, die noch vor wenigen Jahren technisch kaum realisierbar waren. Besonders interessant wird es, wenn Wärmepumpen mit Biomasse, Speichern, Kühlungssystemen und intelligenter Regelung kombiniert werden.

Welche Fortschritte haben diese Entwicklung ermöglicht? Entscheidend waren Fortschritte bei Verdichtern, Wärmetauschern, Kältemitteln, Vorlauftemperaturen und Steuerungen. Dadurch lassen sich Grosswärmepumpen heute deutlich besser in industrielle Prozesse integrieren.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung und Betrieb. Wer industrielle Wärmepumpen erfolgreich einsetzen will, muss Wärmequelle, Temperaturniveau, Lastprofil und Versorgungssicherheit gemeinsam betrachten.

Blick in die Zukunft: Wie wird die industrielle Wärmeversorgung in Europa aussehen?

Die Wärmeversorgung wird regionaler, hybrider und digitaler. Biomasse wird dort eingesetzt, wo ihre Stärken liegen: bei hohen Temperaturen, Speicherbarkeit und Versorgungssicherheit. Wärmepumpen nutzen Strom, Abwärme und Umweltwärme. Effizienztechnologien wie die aktive Abgaskondensation werden zum Standard, weil Ressourcen begrenzt sind und jede Kilowattstunde zählt.

Die Schmid Mawera Group will diese Entwicklung als europäischer Systemintegrator mitgestalten. Unser Anspruch ist es, aus jeder eingesetzten Ressource die maximal nutzbare Wärme zu gewinnen und Lösungen anzubieten, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich überzeugen.

Weitere Informationen unter: schmid-mawera.com

Philipp

Resilienz beginnt vor dem Stromausfall

Je stärker Wirtschaft, Mobilität, Gebäude und Industrie elektrifiziert werden, desto weniger ist Energieversorgung eine reine Hintergrundfunktion. Für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und kritische Infrastrukturen wird sie zur Frage der Betriebsfähigkeit: Wer nicht unterbrechen darf, muss Energie systematisch absichern.

In Spitälern, Rechenzentren, Industrieanlagen oder Flughäfen entscheidet Strom nicht nur über Komfort, sondern über Sicherheit, Datenverfügbarkeit und laufende Prozesse. Die Internationale Energieagentur hielt für 2024 einen deutlichen Anstieg der weltweiten Stromnachfrage fest. Auch in der Schweiz steigt die Bedeutung des Stromsystems, da Wärmepumpen, Elektromobilität und grössere Rechenzentren neue Lasten erzeugen. Die Energieperspektiven 2050+ zeigen, wie eng Dekarbonisierung und Elektrifizierung zusammenhängen. Versorgungssicherheit endet damit nicht an der Netzgrenze. Sie setzt sich in Gebäuden, Anlagen und Betriebsprozessen fort. Was kritisch ist, entscheidet der Ausfall Kritische Infrastrukturen werden oft mit nationalen Stromnetzen, Telekommunikation oder Verkehrssystemen verbunden. Tatsächlich ist Kritikalität relativ. Eine Trafostation im Verteilnetz kann für eine Gemeinde entscheidend sein, während ein Steuerungssystem im Übertragungsnetz es für das ganze Land ist. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz zählt Energie, Verkehr, Gesundheit, öffentliche Verwaltung und Kommunikation zu den kritischen Infrastrukturen. Diese Bereiche sind von zentraler Bedeutung für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. Entsprechend geht es nicht darum, jedes Risiko vollständig auszuschliessen, sondern Systeme so zu planen, dass Ausfälle möglichst verhindert, ihre Folgen begrenzt und der Betrieb rasch wiederhergestellt werden kann. Für Unternehmen gilt dasselbe Prinzip im kleineren Mass. Eine Produktionsunterbrechung, ein stillstehender Lift oder ein nicht verfügbarer Serverraum sind nicht immer eine nationale Krise. Betriebswirtschaftlich oder sicherheitstechnisch kann der Schaden dennoch erheblich sein. Resilienz verschiebt

Brandreport • MyBluePlanet

Resilienz entsteht nicht durch möglichst viel Technik, sondern durch Planung, die technische, organisatorische und wirtschaftliche Anforderungen verbindet.

den Blick von der Frage, ob eine Anlage funktioniert, hin zur Frage, wie sie unter Stress reagiert. Vom Notstrom zur Systemarchitektur Lange wurde Ausfallsicherheit vor allem über Notstrom verstanden: Fällt das Netz aus, springt eine Ersatzquelle ein. Dieses Bild greift heute zu kurz. In der Praxis entsteht Versorgungssicherheit aus mehreren Ebenen. USV-Anlagen überbrücken Sekunden und Minuten, stabilisieren Spannung und schützen sensible Systeme vor Unterbrüchen. Netzersatzanlagen sichern längere Autonomiezeiten. Batteriespeicher können

Lastspitzen abfangen, lokale Energie zwischenspeichern und gemeinsam mit Photovoltaik und anderen Erzeugern Teil eines Microgrids werden.

Ein Microgrid verbindet Lasten, Speicher und lokale Erzeugung zu einer steuerbaren Einheit, die sich mit dem Netz austauschen und im Störfall teilweise eigenständig weiterlaufen kann. Die Anlage wird damit nicht erst im Notfall relevant, sondern ist Teil des laufenden Energiemanagements. Lastmanagement priorisiert Verbraucher, Monitoring erkennt Abweichungen frühzeitig, Wartung stellt sicher, dass Batterien, Schaltanlagen, Kühlung und Steuerung auch im Ernstfall funktionieren.

Warum Standardlösungen nicht reichen Ausfallsicherheit lässt sich nicht sinnvoll von der Stange planen. Ein Spital benötigt andere Prioritäten als ein Tunnel, ein Flughafen andere Redundanzen als ein Industriebetrieb, ein Rechenzentrum andere Anforderungen an Kühlung, USV-Ketten und Wiederanlaufprozesse als ein Verwaltungsgebäude. Entscheidend sind Lastprofile, Autonomiezeiten, Sicherheitsanforderungen, Brandschutz, Schnittstellen zur Gebäudeautomation und die Frage, welche Prozesse zwingend weiterlaufen müssen.

Gerade die Elektrifizierung erhöht diese Komplexität. Heizung, Mobilität, Produktion, IT und Gebäudetechnik hängen stärker am Strom und erzeugen neue Abhängigkeiten zwischen Systemen, die früher getrennt betrachtet wurden. Die Internationale Energieagentur betont deshalb die wachsende Bedeutung von Flexibilität im Stromsystem. Resilienz entsteht nicht durch möglichst viel Technik, sondern durch Planung, die technische, organisatorische und wirtschaftliche Anforderungen verbindet.

Betriebssicherheit ist ein Prozess Auch die beste Ersatzstromanlage verliert ihren Wert, wenn sie nicht getestet, gewartet und in die Betriebsführung eingebunden wird. Resiliente

Energieinfrastruktur braucht klare Verantwortlichkeiten: Wer entscheidet im Ereignisfall über Lastabwurf? Welche Systeme haben Vorrang? Wie lange muss ein Standort autonom bleiben können? Wann wird auf Netzersatzbetrieb umgeschaltet?

Hier zeigt sich, weshalb Resilienz eine gemeinsame Aufgabe ist. Technologieanbieter liefern Systeme, doch ihre Wirkung entsteht erst im Zusammenspiel mit Energieversorgern, Elektroplanenden, Gebäudetechnik, Facility-Management, Sicherheitsverantwortlichen und Infrastrukturbetreibenden. Auch Industriepartner müssen früh eingebunden werden, damit Schnittstellen, Schutzkonzepte und Wartungsfenster nicht erst nachträglich angepasst werden. Besonders in Rechenzentren zeigen aktuelle Ausfallanalysen, dass technische Architektur, Betriebskultur und externe Risiken gemeinsam betrachtet werden müssen.

Resilienz als Teil der Energiezukunft Die Energiezukunft wird häufig über erneuerbare Produktion, Netzausbau und Effizienz diskutiert. Diese Perspektive bleibt wichtig, ist aber unvollständig. Die Schweiz arbeitet mit Blick auf die Stromversorgungssicherheit an einer stabilen Systemgrundlage, während Netzbetreiber wie Swissgrid die langfristige Netzentwicklung über das Strategische Netz 2040 planen. Für einzelne Standorte reicht dieser Blick jedoch nicht aus. Geklärt werden muss, welche Funktionen unverzichtbar sind und wie diese auch bei Störungen geschützt werden. Quellen: – https://www.iea.org/reports/global-energy-review-2025 – https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/politik/energieperspektiven-2050-plus.html

https://www.babs.admin.ch/de/die-kritischen-infrastrukturen

https://www.energy.gov/cmei/articles/success-story-new-tool-connects-multiple-microgrids-increase-community-resilience

https://www.swissgrid.ch/de/home/newsroom/newsfeed/20250430-01.html

https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/versorgung/stromversorgung/stromversorgungssicherheit.html#:~:text=Versorgungssicherheit%20bedeutet%2C%20dass%20die%20Elektrizitätsverbraucher,zu%20 angemessenen%20Preisen%20beziehen%20können. – https://uptimeinstitute.com/resources/research-and-reports/ annual-outage-analysis-2025 – https://www.iea.org/reports/electricity-2026/flexibility

Text Walter Nogueira

Employee-Engagement für die Scope-3-Bilanz

MyBluePlanet ist ein gemeinnütziger Verein aus Winterthur, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen in der Schweiz zu aktivieren, sich für den konkreten Klimaschutz einzusetzen. Mit seinem Programm ClimateActions 4 Companies nimmt es Unternehmen in den Blick und schafft zusammen mit den Mitarbeitenden zukunftsorientierte Massnahmen, die Spass machen.

Rahel Guggenbühl

Programmleiterin ClimateActions 4 Companies

Frau Guggenbühl, Ziel Ihres EmployeeEngagements ist die Reduzierung von Emissionen in Unternehmen. Um welche Bereiche geht es dabei? Entsprechend klimapolitischen Kategorien bemessen Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen nach Scopes. Scope 1 und 2 umfassen direkte und indirekte Emissionen, die auf den Energieverbrauch des Unternehmens zurückzuführen sind. Scope-3-Emissionen lassen sich schwerer messen.

Einen grossen Faktor in diesem Bereich stellen die Mitarbeitenden und ihr Verhalten im Privatbereich, vor allem aber im Unternehmensumfeld dar. Zunächst stellt sich die Frage des Arbeitswegs. Später geht es um das Mittagessen und den Umgang mit Abfall. Strom und Wasser prägen den gesamten Arbeitstag. Ein weiterer Bereich ist der Ressourcenverbrauch bei Anschaffungen für das Unternehmen.

Wie kommt MyBluePlanet dabei ins Spiel? Mit ClimateActions 4 Companies unterstützen wir insbesondere KMU und Tourismusbetriebe dabei, ihre Klimastrategie in konkrete Massnahmen zu übersetzen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden betrachten wir relevante Handlungsfelder und identifizieren sowohl im betrieblichen Alltag als auch in den Abläufen und Strukturen des Unternehmens konkrete Verbesserungspotenziale. Daraus entwickeln wir konkrete ClimateActions, die zum Betrieb passen und langfristig umgesetzt werden können.

Wie ist das Programm konkret gestaltet?

Es handelt sich um ein Dreijahresprogramm und mehr als 100 Betriebe machen bereits mit. Auf der ersten Ebene geht es vor allem um Information und die Begeisterung für konkrete Aktionen. In Grundlagenworkshops befassen wir uns allgemein mit dem Thema CO2. Andere Workshopformate gehen stärker auf die Möglichkeiten des Employee-Engagements ein. Dabei fokussiert sich jeder Workshop auf ein spezifisches Thema der übergreifenden Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens, etwa Energie, Abfall, Wasser, Beschaffung oder Mobilität. Im Lauf der Zusammenarbeit planen die Mitarbeitenden selbst eine Initiative und realisieren diese im Unternehmen. Was die Mitarbeitenden einbringen, wird eher umgesetzt als top-down installierte Massnahmen. Dafür muss das Unternehmen aber erst einmal eine Nachhaltigkeitsstrategie auf Ebene der Mitarbeitenden entwickeln. Woher bekommen Geschäftsführungen hierfür die notwendige Datengrundlage? Für Tourismusbetriebe haben wir ein E-Learning entwickelt, währenddessen sich die Mitarbeitenden mit ihren Möglichkeiten auseinandersetzen, in Bereichen wie Zimmer, Küche oder Empfang nachhaltig zu handeln. Einerseits dient es dazu, die Mitarbeitenden zu informieren. Andererseits ist es ein gutes ManagementTool. Auf dieser Basis lässt sich einschätzen, wo die Mitarbeitenden in Bezug auf ihr Klimawissen stehen.

Wie bewegen Sie die Mitarbeitenden dazu, sich zu engagieren?

Innerhalb unseres Programms bieten wir Corporate-Volunteering-Events an, während derer die Mitarbeitenden etwas Gemeinnütziges tun, um sich der Thematik anzunähern. Beispielsweise starten wir Baumpflanzaktionen oder Cleaning-Events, bei denen die Mitarbeitenden in der Stadt oder im Wald Müll einsammeln. Diese ersten Aktionen generieren Selbstinitiativen innerhalb der Abteilungen, Mitarbeitende erhalten eine zusätzliche Plattform und die Mitarbeiterzufriedenheit steigt markant.

Die MyBluePlanet-Mission: «Wir inspirieren, aktivieren und engagieren Menschen und Organisationen in der Schweiz, sich konkret für den Klimaschutz einzusetzen.»

Auch digitale Tools mit Gamification-Approach dienen als Anreiz. Unsere App nutzen die Mitarbeitenden, um in verschiedenen Challenges in Teams gegeneinander anzutreten. Dabei geht es darum, kleine Aktionen zu absolvieren und in der App abzuhaken, zum Beispiel kurz und kühl zu duschen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder abends den Laptop auszuschalten. Auf diese Weise sammeln die Teams Punkte. Das Unternehmen kann hier Anreize schaffen, indem es Kampagnen über begrenzte Zeiträume fährt und die Teams mit den meisten Punkten anschliessend beschenkt.

Wie stellen Sie sicher, dass es nicht bei einem einmaligen Spiel bleibt?

Im Rahmen des Programms definieren wir mit dem betreffenden Unternehmen jeweils ein jährliches Ziel. Das bietet dem Betrieb die Möglichkeit, seine Mitarbeitenden auf die Reise mitzunehmen. Beispielsweise könnte das Jahresziel lauten, die Emissionen im Mobilitätsbereich zu halbieren. Schritt für Schritt nähert man sich so dem Gesamtziel an.

Wichtig ist, ein Core-Team in der Firma zu installieren, das die Ziele weiterverfolgt und die Kolleg:innen mitzieht. Nach der Ideensammlung und der Umsetzung der Ideen kommt die Implementierung. Anschliessend braucht es ein Monitoring, um nicht in alte Muster zurückzufallen.

Die MyBluePlanet-Vision: «Wir engagieren uns für eine Schweiz, die vorausgeht, in der 2040 nachhaltiges Handeln selbstverständlich ist und 2050 Netto-Null-Emissionen Realität sind.»

Einmal betriebswirtschaftlich betrachtet: Warum sollte ein Unternehmen das EmployeeEngagement im eigenen Haus fördern? Mitarbeitendenengagement hat Überschneidungen mit dem Teambuilding. Es dient der Teamkultur und daraus folgend der Unternehmenskultur. Gleichzeitig suchen potenzielle Mitarbeitende häufig gezielt nach Unternehmen, die im Nachhaltigkeitsbereich aktiv sind. Ein weiteres Thema ist die Nachweispflicht gegenüber staatlichen Institutionen.

Da die Bilanzierung öffentlich einsehbar ist, stellt sie einen wesentlichen Faktor im Bereich der Kommunikation dar. Die Wahrnehmung von aussen und innen ist nicht zu vernachlässigen.

Interview Pia Soldan

Weitere Informationen unter: myblueplanet.ch

Sicherheit für eine elektrifizierte Zukunft

Je stärker Alltag, Wirtschaft und Infrastruktur elektrifiziert werden, desto wichtiger wird die Frage, wie die Energieversorgung abgesichert wird. Im Gespräch erklärt Dr. Ruben Vogelsang, CEO der Statron AG, weshalb unterbrechungsfreie Stromversorgung weit über technische Spezialanwendungen hinausreicht und warum kundenspezifische Lösungen gerade bei kritischer Infrastruktur entscheidend bleiben.

Herr Vogelsang, viele Menschen nehmen Strom erst dann bewusst wahr, wenn er fehlt. Warum ist Versorgungssicherheit heute ein so zentrales Thema? Wir erleben in unserem täglichen Leben eine immer stärkere Elektrifizierung. Das zeigt sich an vielen Stellen: Wärmepumpen ersetzen Gas- und Ölheizungen, der öffentliche Verkehr wird zunehmend elektrisch betrieben und auch die individuelle Elektromobilität gewinnt weiter an Bedeutung. Dadurch wird elektrische Energie in immer mehr Bereichen genutzt und benötigt. Strom ist nicht mehr nur eine Selbstverständlichkeit, sondern die Grundlage für sehr viele Prozesse des Alltags und der Wirtschaft.

Gleichzeitig steigt der potenzielle Schaden, wenn diese Versorgung ausfällt. Wenn in einem Produktionsbetrieb, bei einer Bahn, in einem Tunnel, in einer Raffinerie oder in anderen Anlagen plötzlich kein Strom mehr verfügbar ist, hat das heute deutlich grössere Folgen als früher. Je stärker Gesellschaft und Wirtschaft von elektrischer Energie abhängen, desto wichtiger wird die Frage, wie diese zuverlässig verfügbar bleibt. Genau deshalb wird Versorgungssicherheit immer zentraler. Wie verändert sich der Anspruch an Versorgungssicherheit, wenn immer mehr Bereiche des Alltags auf Strom angewiesen sind?

Der Anspruch steigt vor allem deshalb, weil der mögliche Schaden immer grösser wird. Ein Datencenter darf heute im Grunde nicht mehr ausfallen. Dort geht es um Daten, Prozesse und Dienstleistungen, die dauerhaft verfügbar sein müssen. Früher war es weniger gravierend, wenn an einem unkritischen Ort eine Ampel ausgefallen ist. Heute ist die Dichte der Anwendungen viel höher und es hängen viel mehr kritische Stromkunden und Versorgungssysteme an einer stabilen Energieversorgung.

Es geht nicht mehr nur darum, dass für einen Moment kein Strom vorhanden ist. Entscheidend ist, welche Prozesse dadurch gestört werden, welche Produktionsketten betroffen sind und welche Sicherheitsfunktionen ausfallen könnten. Mit der zunehmenden Elektrifizierung steigt deshalb nicht nur der Strombedarf, sondern auch die Erwartung, dass Energie jederzeit zuverlässig verfügbar bleibt. Wo zeigen sich die wachsenden Anforderungen an abgesicherte Energieversorgung in der Praxis besonders? Bestimmte Anforderungen gab es schon immer. Kraftwerke oder besonders sensible Anlagen mussten auch früher abgesichert bleiben. Neu ist vielmehr die Breite, in der diese Anforderungen heute auftreten. Durch die stärkere Nutzung elektrischer Energie betrifft Versorgungssicherheit immer mehr Anwendungen. Es geht nicht mehr nur um klassische Grossanlagen oder einzelne hochsensible Bereiche. Auch in der Industrie, im Verkehr, in Gebäuden oder in digitalen Infrastrukturen entstehen neue Abhängigkeiten. Dadurch steigen die Anforderungen an die Absicherung

Es gibt nicht das eine Merkmal, das eine Anlage automatisch kundenspezifisch macht. Entscheidend ist vielmehr, dass der Kunde genau das bekommt, was er für seine Anwendung braucht.

– Dr. Ruben Vogelsang, CEO

funktioniert. Hohe Qualität, schnelle Umsetzung und Kundennähe sind dabei entscheidend.

Welche Entwicklungen werden künftig wichtiger und wie kommt Statron diesen Anforderungen entgegen?

insgesamt. Energie muss nicht nur erzeugt und verteilt, sondern an den entscheidenden Punkten auch zuverlässig verfügbar gehalten werden.

Was macht die Energieversorgung kritischer Infrastrukturen besonders anspruchsvoll?

Aus meiner Sicht sind hier zwei Punkte entscheidend. Der erste ist die deutlich intensivere Nutzung unserer bestehenden Infrastrukturen. Strassen, Tunnel, Flughäfen, Züge oder andere Anlagen werden heute viel stärker genutzt als noch vor 30 oder 40 Jahren. Wenn es dort zu einem Stromausfall kommt, sind deutlich mehr Personen und Prozesse betroffen. Die Nutzungsdichte ist höher geworden und damit steigt auch die Bedeutung, solche Ausfälle möglichst zu verhindern.

Der zweite Punkt betrifft die Auswirkungen möglicher Schäden. Viele Unternehmen arbeiten heute mit Just-in-Time-Produktion, engen Lieferketten und verbindlichen Lieferverträgen, welche oft mit Verzugsstrafen versehen sind. Wenn solche Abläufe durch Stromausfälle unterbrochen werden, können die Folgen sehr weitreichend sein. Es geht dann nicht nur um einen technischen Ausfall, sondern um Produktionsverzögerungen, Sicherheitsrisiken und wirtschaftliche Schäden.

Weshalb reichen standardisierte

Anlagen aus dem Ausland bei kritischen Infrastrukturen oft nicht aus? Statron produziert kundenspezifische USV-Anlagen. Statt eine Standardlösung anzupassen, wird von Anfang an gefragt, was die konkrete Anwendung tatsächlich braucht. Die grundlegende Funktionalität einer USV-Anlage ist dabei oft ähnlich. Entscheidend sind aber die spezifischen Merkmale, die für den jeweiligen Einsatz wichtig sind.

Das kann sehr unterschiedlich aussehen: von analogen Instrumenten über zusätzliche Schalter und Leuchten bis zu zusätzlichen Türen, die Servicearbeiten erleichtern. Solche individuellen Anforderungen können wir bei Statron umsetzen. Dafür braucht es aber Kundennähe. Wir müssen genau verstehen, was Kunden möchten, wie deren Anlage aufgebaut ist und welche Anforderungen das Betriebspersonal hat.

Bei kritischen Infrastrukturen ist der Kostenpunkt einer passenden Anlage im Verhältnis zum potenziellen Schaden relativ gering. Deshalb lohnt es sich, eine saubere und durchdachte Lösung einzusetzen. Der Kunde erhält dann eine Anlage, die zu seinem Betrieb, seinem Anlageschema und seinen gewohnten Abläufen passt. Diese kundenspezifische Ausführung ist mit standardisierten Anlagen aus dem Ausland in diesem Mass oft nicht möglich.

Welche Rolle spielen unterbrechungsfreie Stromversorgungsanlagen, wenn kurze Stromunterbrüche bereits grosse Folgen haben können?

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgungsanlage sorgt dafür, dass kritische Verbraucher auch dann weiter versorgt werden, wenn die normale Stromversorgung unterbrochen wird. Gerade in Bereichen, in denen schon wenige Sekunden entscheidend sein können, ist das zentral. Eine USV-Anlage schafft also die nötige Überbrückung und Stabilität, damit ein Ausfall der Energieversorgung nicht direkt zu einem Ausfall des gesamten Prozesses führt.

Wichtig ist dabei, dass eine solche Anlage nicht einfach nur vorhanden ist. Sie muss richtig ausgelegt sein, zuverlässig funktionieren und zur konkreten Anwendung passen. Wenn der mögliche Schaden eines Stromunterbruchs hoch ist, lohnt es sich, eine passende und langfristig verlässliche Lösung zu installieren.

Was zeichnet eine kundenspezifische USVLösung aus, bei der sich der Kunde in seiner konkreten Anwendung sicher fühlen kann?

Es gibt nicht das eine Merkmal, das eine Anlage automatisch kundenspezifisch macht. Entscheidend ist vielmehr, dass der Kunde genau das bekommt, was er für seine Anwendung braucht. Jede Anlage hat eigene Spezifika, die verstanden, aufgenommen und technisch umgesetzt werden müssen.

Wenn ein Kunde sagt, dass seine Anlage bestimmte Anforderungen hat, ist es unsere Aufgabe, die Lösung entsprechend zu designen, herzustellen und auszulegen. Am Ende soll die USV-Anlage nicht einfach ein technisches Produkt sein, sondern zur Infrastruktur, zu den Abläufen und zum Sicherheitsbedürfnis des Kunden passen. Dieses Verständnis der konkreten Anwendung ist der Kern unserer kundenspezifischen Lösungen.

Statron setzt auf Individualisierung, Kundennähe, Flexibilität und Produktion in der Schweiz. Welche Vorteile bringen diese Werte bei Planung, Umsetzung und Betrieb? Der Vorteil liegt darin, dass wir nahe am Kunden sind und gut verstehen können, was er wirklich braucht. Diese Nähe hilft bereits in der Planung, weil Anforderungen früh erkannt und richtig eingeordnet werden können. In der Umsetzung ermöglicht sie, flexibel auf spezifische Wünsche einzugehen und Lösungen zu entwickeln, die nicht aus einem Standardkatalog kommen.

Gleichzeitig spielt die Produktion in der Schweiz eine wichtige Rolle. Wenn wir Anforderungen gut verstehen, können wir sie relativ schnell, kostengünstig und in hoher Qualität umsetzen. Für Kunden bedeutet das kurze Wege, eine enge Zusammenarbeit und eine Lösung, die im Betrieb zuverlässig

Ein zentrales Thema werden künftig die Lieferzeiten sein. Kunden wünschen immer schnellere Lieferzeiten und diese Entwicklung sehen wir bereits heute. Darauf reagieren wir, indem wir am Standort in Mägenwil investieren. Wir investieren also bewusst in der Schweiz und erweitern derzeit unsere Produktion und unser Prüffeld, damit wir mehr Anlagen in guter Qualität und schneller ausliefern können. Ein zweiter Punkt sind Umweltvorgaben, die in Zukunft ebenfalls stärker an Bedeutung gewinnen werden. Hier investieren wir in umweltbewusste Produkte. Ein Beispiel dafür ist unser Butler, eine batteriegestützte mobile USV. Solche Entwicklungen zeigen, dass Versorgungssicherheit künftig nicht nur zuverlässig und schnell verfügbar sein muss, sondern auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit weitergedacht wird. Statron feiert dieses Jahr das 50­jährige Bestehen. Was bedeutet diese Beständigkeit in einem internationalen Wettbewerbsumfeld? Für uns ist dieses Jubiläum sehr wichtig. Wir sind seit 50 Jahren am Markt und produzieren seit 50 Jahren in der Schweiz. Eine Marke über so lange Zeit zu halten, gerade unter internationalem Druck und in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld, ist nicht selbstverständlich.

Darauf sind wir stolz. Statron hat weiterhin den Hauptsitz in der Schweiz, produziert hier und sichert damit auch viele hochwertige Schweizer Arbeitsplätze. Diese Kontinuität zeigt, dass Schweizer Produktion, Kundennähe und technische Qualität auch langfristig bestehen können. Für uns ist das Jubiläum deshalb nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Zeichen dafür, wofür das Unternehmen steht.

Interview Walter Nogueira

Weitere Informationen unter: statron.com

Die Statron AG ist seit 50 Jahren der verlässliche Partner für unterbrechungsfreie Stromversorgungslösungen (USV) und Batteriesysteme. Zehntausende Anlagen sind seither weltweit im Einsatz und sichern die Energieversorgung dort, wo Ausfälle keine Option sind. Der Erfolg des Unternehmens basiert auf traditionellen Schweizer Werten wie Qualität, Innovationsgeist und technischer Exzellenz. Ihren Hauptsitz hat die Statron AG in Mägenwil im Kanton Aargau, wo rund 70 hoch qualifizierte Mitarbeitende tätig sind. Weltweit beschäftigt das Unternehmen knapp 300 Mitarbeitende und ist insbesondere in Europa, im Mittleren Osten und in Asien aktiv.

Dr. Ruben Vogelsang CEO
Die Speichertechnologie von morgen gibt es schon heute

Europa braucht Energiespeicher, die strategische Abhängigkeiten durchbrechen und lokale Energiesysteme resilient machen. Als Schweizer Energiepionier entwickelt

Phenogy Natrium-Ionen-Speicherlösungen, die die grüne Transformation mit dezentraler, unabhängiger und sicherer Energieversorgung vorantreiben.

Als erstes Unternehmen in Europa hat Phenogy einen Energiespeicher mit Natrium-IonenTechnologie installiert und hat damit ein Zeichen in der Energiebranche gesetzt. Im September letzten Jahres nahm Phenogy im deutschen Bremen das erste Natrium-Ionen-Grossspeichersystem Europas in Betrieb. Für die Systeme der Phenogy Series 1 erhielt das Unternehmen jüngst den renommierten «The smarter E Award 2026» in der Kategorie «Energy Storage», eine der etabliertesten Auszeichnungen der Energiebranche für zukunftsfähige Speicherlösungen. Der Award beweist: Natrium-Ionen-Speicher sind als langlebige und nachhaltige Technologie nun reif, eine Antwort auf die Energiekrise zu geben.

Der Paradigmenwechsel der Zellchemie

Der Einsatz von Natrium-Ionen statt Lithium markiert einen grundlegenden Wandel. Natrium ist tausendmal häufiger als Lithium und global ohne geopolitische Monopole verfügbar. Durch den Rückgriff auf Natrium als reichhaltigen und weltweit zugänglichen Rohstoff positioniert Phenogy das modulare Schranksystem Phenogy 1.1 als umweltverantwortliche und strategische Alternative zu stationären Lithium-Speichern. Die Natrium-Ionen-basierten Speichersysteme erschliessen ein breites Anwendungsspektrum von kritischen Infrastrukturen über Logistik bis zu Unternehmen.

Technische Überlegenheit

Die Technologie der prämierten Phenogy Series 1 basiert auf der Natrium-Ionen-Chemie, die dank hoher thermischer Stabilität ein verbessertes Risikoprofil aufweist gegenüber herkömmlichen Systemen. Gerade bei kritischen Infrastrukturen ist dies entscheidend, um Brandlasten zu reduzieren. Zudem verfügen die Phenogy-Systeme über ein unkompliziertes Luftkühlungssystem, das den zuverlässigen Betrieb mit niedrigeren Kosten vereint. Anders als bei anderen Technologien schadet eine Tiefentladung der Natrium-Ionen-Speicher nicht, zudem arbeiten sie in einem breiten Temperaturbereich von -20 bis +45 Grad Celsius zuverlässig und leistungsfähig.

Der Kopf hinter der Vision CEO und Mitgründer Peter E. Braun hat eine klare Vision: Innovation zählt nur dann, wenn sie dauerhaften Wert für Menschen, Volkswirtschaften und die Umwelt schafft. Genau das verfolgt Braun mit einer entscheidenden Weichenstellung: Statt sich dem weltweiten Lithium-Rennen anzuschliessen, entschied er sich bewusst für die Natrium-Ionen-Zellchemie. Dabei möchte der studierte Luft- und Raumfahrtingenieur gezielt Resilienz und Energiesouveränität schaffen – für die Unabhängigkeit des europäischen Kontinents.

Dank der Phenogy-Technologie profitieren Energieversorgende, kommunale Einrichtungen, Infrastrukturbetreibende und Industriekunden von nachhaltigen Energielösungen. Ein weitreichendes Portfolio garantiert passgenaue Lösungen: Grossspeicher aus der Phenogy Series 1, voll integrierte

Der Einsatz von Natrium-Ionen statt Lithium markiert einen grundlegenden Wandel.

Container verschiedener Grösse sowie weitere modulare Grossspeichersysteme stärken eine Energieinfrastruktur, die resilienter gegenüber Krisen und geopolitischen Abhängigkeiten werden muss.

Die europäische Rohstofffalle Wer auf Lithium, Kobalt und Nickel setzt, gerät in eine strukturelle Abhängigkeit von konzentrierten Lieferketten und geopolitisch sensiblen Regionen. Zellkosten bestehen dabei zu bis zu zwei Dritteln aus Materialkosten; der Markt ist hochvolatil und wird von wenigen Akteuren kontrolliert. Chinas Exportbeschränkungen zeigen, wie schnell Lieferketten zu machtpolitischen Instrumenten werden können. Unterbrechungen in der Lieferkette führen zu Produktionsausfällen – Unternehmen ohne eigene, robuste Energiespeicherlösungen tragen hier ein besonders hohes Risiko. Versorgungssicherheit entsteht durch grösstmögliche Unabhängigkeit und ist ein strategischer Erfolgsfaktor für jede Industrie. Entsprechend arbeitet die Europäische Kommission an Strategien, Europa aus kritischen Lieferketten für Lithium, Kobalt und Seltenen Erden zu lösen – ein Ziel, das mit Natrium-basierten Speicherlösungen von Phenogy erreicht werden kann.

Stromnetze an der sicherheitspolitischen Frontlinie Aktuell sieht sich Europa mit hybriden Formen der Kriegsführung konfrontiert: Im Fokus stehen dabei nicht nur Landesgrenzen, sondern lebenserhaltende Infrastrukturen wie Spitäler, Flughäfen oder Rechenzentren. Als strategische und sicherheitspolitische Notwendigkeit müssen sie konsequent gegen Ausfälle und Angriffe geschützt werden. In kritischen Infrastrukturen braucht es Speichersysteme mit hohem

Sicherheitsniveau und stabiler Zellchemie. Eine robuste, sicherheitsorientierte Speichertechnologie ist damit nicht Option, sondern Pflicht. Damit stellt sich auch die Frage nach der Architektur der Energienetze selbst: Wie müssen sie gestaltet sein, um Risiken abzufedern und zugleich Zukunftschancen zu eröffnen?

Dezentralität als neue Systemlogik

Die bisher zentral organisierte Energieversorgung ist fragil: Fällt ein grosser Knotenpunkt aus, gerät das gesamte System ins Wanken. Die Systeme der Energiewende müssen deshalb dezentral sein: Das gilt für Erzeuger wie für Speicher, im Unternehmen, im Quartier oder auch im Rechenzentrum. Dezentrale Speicher sind gleichzeitig eine zentrale Antwort auf «externe Störungen» und die Bedrohungen der modernen Zeit, von Naturereignissen bis hin zu hybrider Kriegsführung. Die Phenogy-Speicher lassen sich flexibel an die jeweiligen Bedingungen vor Ort anpassen und verwandeln so passive Verbraucher in aktive Gestalter ihrer Versorgungssicherheit. So schafft Phenogy die Basis für eine resiliente, langlebige Energieinfrastruktur. Wirtschaftlicher Hebel für die Industrie Phenogys Speicher sichern die Industrie ab: Teure Lastspitzen werden durch Peak-Shaving gekappt, was Netzkosten reduziert. Eine zuverlässige Notstromversorgung schützt kritische Produktionsprozesse, deren Ausfallkosten die Speicherinvestition um ein Vielfaches übersteigen. Ladeinfrastrukturen für E-Mobilität lassen sich dank Natrium-Ionen-Speichern netzschonend realisieren. So adressiert Phenogy den wachsenden Bedarf an Resilienz durch Speichersysteme, welche Flexibilität, Zuverlässigkeit und digitale Vernetzung verbinden.

Phenogys Speicher sichern die Industrie ab: Teure Lastspitzen werden durch PeakShaving gekappt, was Netzkosten reduziert.

Realität statt Wartestrategie: Das Bremen­Signal Technologieoffenheit darf nicht zum Vorwand werden, Entscheidungen aufzuschieben – Abwarten bedeutet in der Energiewende Stillstand. Phenogy hat den Sprung von der Forschung in die industrielle Realität vollzogen und liefert bereits: Seit September 2025 läuft in Bremen Europas erster Batterie-Grossspeicher auf Natrium-Ionen-Basis. Mit der Inbetriebnahme markiert Phenogy den letzten Schritt zur praktischen Verwendung der Natrium-Ionen-Technologie. 2026 folgen weitere Speichersysteme. Sie vereinen Betriebssicherheit, krisenfeste Lieferketten und praktische Skalierbarkeit in einer sich rasant verändernden Energielandschaft. Deshalb gilt: Wer heute mit Natrium-Ionen-Speichern von Phenogy in resiliente und technologisch souveräne Infrastrukturen investiert, sichert die Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Stabilität von morgen.

Text Vanessa Bulliard

Phenogy

Die Phenogy AG mit Sitz in Root bei Luzern (Schweiz) ist eine führende Innovatorin für Batterie-Energiespeichertechnologien und Lösungen zur grünen Elektrifizierung des Planeten. Gegründet im Jahr 2019 entwickelt das Unternehmen zukunftssichere Natrium-Ionen-Batteriespeichersysteme, die auf Leistung, Sicherheit, Robustheit und Kreislaufwirtschaft (Circularity) ausgelegt sind – mit einem starken Fokus auf dezentrale und resiliente Energieinfrastrukturen. Heute beschäftigt Phenogy über 60 Mitarbeitende an den Standorten Root bei Luzern, Phenogy Europe GmbH in Bremen (Deutschland), Phenogy Inc. in Columbia, South Carolina, sowie weiteren Aktivitäten in Singapur. Phenogy arbeitet u. a. mit ausgewählten Fraunhofer-Instituten sowie der University of South Carolina zusammen und wird von einer breiten Basis privater und institutioneller Investoren getragen.

Weitere Informationen unter: phenogy.com

Kalkschutz, der Energie spart

Kalk ist mehr als ein Ärgernis im Alltag. Er belastet Leitungen, Boiler, Armaturen und technische Anlagen – und kostet dabei Energie: Schon eine hauchdünne Kalkschicht führt zu einem spürbaren Energie- und Effizienzverlust. Hier setzt die Hydro Service Schweiz AG an: Mit «Aquazino» bietet sie eine wissenschaftlich geprüfte und nachhaltige Kalkschutzlösung ohne Salz, ohne Chemie und ohne Trinkwasserverschleiss.

Produktmanager, Meier Tobler AG

Kalk macht sich nicht laut bemerkbar. Er lagert sich langsam ab, bleibt lange unbemerkt und wird oft erst dann zum Thema, wenn Armaturen verkalken, sich im Boiler harte Schichten bilden oder Anlagen häufig gewartet werden müssen. Wer ein Gebäude effizient und ressourcenschonend betreiben will, muss deshalb auch den Kalkschutz im Blick haben. «Aquazino» basiert auf der sogenannten Electric-AntiFouling-Technologie (EAF). Die kompakte Anlage wird direkt am Leitungsrohr montiert und erzeugt hochfrequente elektrische Impulse. Diese verändern die Form der Kalkkristalle. Aus harten und spitzigen Kristallen werden weiche Kalkflöckchen. Sie bleiben im Wasser, haften aber deutlich weniger an Oberflächen an und werden mit dem Wasser weggespült.

Ein Millimeter Kalkschicht, zehn Prozent Energieverlust Wie «Aquazino» wirkt, zeigt sich im Alltag oft ganz simpel. Federico Bussmann, Geschäftsführer der Hydro Service Schweiz AG, empfiehlt dafür den Pfannentest: Wasser aufkochen, verdampfen lassen und beobachten, was mit dem Kalk passiert. Statt als harte Kruste haften zu bleiben, lässt sich der Restkalk wie Staub mit einem feuchten Lappen wegwischen. Auch Duschwände und Armaturen bleiben leichter zu reinigen. Der Effekt zeigt sich aber nicht nur an Oberflächen, sondern auch in der Energiebilanz eines Gebäudes. Denn Kalk wirkt wie eine Isolationsschicht. Bereits eine Ablagerung von nur einem Millimeter kann bei Heizstäben oder Wärmetauschern zu einem Energie- und Effizienzverlust von rund zehn Prozent führen. Der Grund: Kalk leitet Wärme deutlich schlechter als Metall. Boiler und Warmwasseranlagen müssen dadurch mehr Energie aufwenden, um dieselbe Leistung zu erbringen.

Professioneller Kalkschutz senkt deshalb nicht nur den Unterhalt, sondern kann auch den Energieverbrauch und die CO2-Belastung eines Gebäudes reduzieren. «Das zeigt: Nachhaltigkeit beginnt nicht erst bei grossen Investitionen», sagt Federico Bussmann. «Gerade in der Gebäudetechnik liegt viel Potenzial in Lösungen, die zuverlässig funktionieren, Ressourcen schonen und den Unterhalt reduzieren.»

Natürliche Wasserqualität bleibt erhalten Was «Aquazino» von einer klassischen Enthärtungsanlage unterscheidet, ist der Wirkmechanismus. «Salzanlagen tauschen Kalzium und Magnesium gegen Natrium aus und senken damit chemisch die Wasserhärte», erklärt Federico Bussmann. «Trotzdem bleibt eine Resthärte, die sich weiterhin absetzen kann. Gleichzeitig gelangt Salz ins Abwasser, und bei jeder Regeneration wird Trinkwasser verbraucht.» «Aquazino» funktioniert anders: Die Anlage verändert nicht die Zusammensetzung des Wassers, benötigt weder Salz noch Regeneration und verursacht keinen zusätzlichen Trinkwasserverbrauch. Die natürlichen Mineralien Kalzium und Magnesium bleiben erhalten.

Einfache Installation, komplett wartungsfrei Ein grosser Vorteil liegt im unkomplizierten Einsatz. «Aquazino» wird aussen am Leitungsrohr montiert und kann deshalb ohne Rohrschnitt und ohne Eingriff in die Trinkwasserinstallation nachgerüstet werden. Damit bietet die Hydro Service Schweiz AG eine wissenschaftlich geprüfte Alternative für Hauseigentümer:innen, Verwaltungen, Hotels, Gewerbebetriebe und öffentliche Gebäude, die ihre Technik schützen und den Betrieb vereinfachen möchten.

Neu auch bei Meier Tobler erhältlich Neu sind die «Aquazino»-Anlagen auch im Sortiment der Meier Tobler AG erhältlich, einer der bedeutendsten Anbieterinnen im Schweizer

Haustechnikmarkt. Die Zusammenarbeit ermöglicht es Hydro Service, Installateure, Planer sowie Fachpersonen der Gebäudetechnik und professionelle Immobilienbetreiber noch gezielter zu erreichen.

Dass Meier Tobler «Aquazino» ins Sortiment aufgenommen hat, ist kein Zufall. Ausschlaggebend war der innovative Ansatz, Kalkschutz ohne Salz und Chemikalien zu ermöglichen, sagt Produktmanager Dario Pichierri. «Im Markt steigt die Nachfrage nach nachhaltigen und wartungsarmen Lösungen. Entsprechend positiv sind die Rückmeldungen der Kundinnen und Kunden – und auch intern haben die Resultate überzeugt.»

Hydro Service Schweiz AG Postplatz 4 5610 Wohlen 0800 88 33 99 info@hydro-service.ch hydro-service.ch

Vier Vorteile von «Aquazino» im Überblick

– Wartungsfrei: keine Folgekosten wie Service, Salz oder Filter

– Massive Einsparungen: bis viermal günstiger als eine Enthärtungsanlage

– Umweltfreundlich: kein unnötiger Trinkwasserverbrauch, keine Chemie

– Natürliche Trinkwasserqualität: Mineralien bleiben erhalten

Federico Bussmann
Geschäftsführer, Hydro Service Schweiz AG
Dario Pichierri

Resilienz und Klimaschutz gehen Hand in Hand

Wer glaubt, Klimaschutz sei angesichts der aktuellen Multikrisen in der Schweizer Wirtschaft in den Hintergrund gerückt, irrt. Für sehr viele Unternehmen bleibt die Reduktion der CO2-Emissionen über die gesamte Wertschöpfungskette ein wichtiges strategisches Ziel. Denn Klimaschutz ist heute weit mehr als eine ökologische Kür. Die Umsetzung ambitionierter Klimaziele erhöht die Resilienz gegenüber Risiken in den Lieferketten, Preisschwankungen und geopolitischen Risiken. Dies zeigen aktuelle Debatten und Beispiele aus dem CEO4Climate-Netzwerk des Wirtschaftsverbands swisscleantech.

Strategische Ziele bleiben unverändert Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern bestätigen diesen Trend. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter swisscleantech-Mitgliedern aus allen Branchen meldeten mehr als 90 Prozent der Unternehmen, dass sie an ihren Klimazielen festhalten und den Kurs fortsetzen, den sie in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben.

Doch die Erfahrung der letzten Jahre hat uns auch gelehrt: Die Umsetzung einer klimatauglichen Wirtschaft kommt in einigen Bereichen schnell voran, ist in anderen hingegen komplexer als gedacht. Zwar sind die meisten notwendigen Technologien wie die Elektromobilität, die Erneuerbaren oder Wärmepumpen mittlerweile auch wirtschaftlich, doch ihre Skalierung bleibt teilweise anspruchsvoll. Unternehmen, die ihre Klimaziele trotzdem konsequent umsetzen, haben jedoch einen doppelten Nutzen: Sie stärken damit auch die eigene Widerstandsfähigkeit.

Stärkung der Energieautonomie

Ein zentrales Beispiel für diesen Resilienzgewinn liefert die Energieversorgung. Die Schweiz ist heute zu zwei Dritteln auf Energieimporte in der Form von fossilen Energieträgern angewiesen. Diese Abhängigkeit macht uns anfällig für Preisschocks und geopolitische Krisen.

Eine beschleunigte Defossilisierung trägt deshalb nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern stärkt langfristig auch die Versorgungssicherheit. Das gelingt primär, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien im Inland forciert wird. Studien der ETH und von swisscleantech zeigen auf, dass langfristig eine Energie-Eigenversorgung von bis zu 75 Prozent möglich ist. Ein funktionierender Stromhandel mit unseren europäischen Partnern – gesichert durch das Stromabkommen – und der schrittweise Aufbau einer diversifizierten Versorgung mit grünen Energieträgern wie synthetischen Treibstoffen, Biogas oder grünem Wasserstoff ergänzen den inländischen Energiemix. Letztere werden zwar teuer bleiben, sind jedoch für die letzten 10–15 Prozent der Energieversorgung unerlässlich.

Dass dadurch neue Abhängigkeiten entstehen, weil China zum wichtigsten Lieferanten

Sabrina

«Transparenz in der Lieferkette ist für uns Voraussetzung für das Risikomanagement. Wir ermöglichen ein sauberes Carbon-Accounting, welches diese Transparenz fördert und uns und unsere Kunden die Möglichkeit bietet, gezielt Scope-3-Emissionen zu reduzieren.»

«Die Kreislaufwirtschaft macht aus den Produkten von heute die Rohstoffe von morgen. Das stärkt unsere Resilienz in der Versorgung mit kritischen Rohstoffen und fördert den Klimaschutz.»

bei Wind-, Solar- und Batterietechnologie geworden ist, ist ein vertretbares Risiko. Im Gegensatz zu fossilen Importen liefern diese Anlagen im Betrieb über Jahre verlässlich Strom. China weiss das und geht deshalb eindrücklich voran. Sie sehen die Defossilisierung als «industrial upgrading».

Herausforderungen als Innovationsmotor Der Umstieg auf schwankende erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind ist zwar eine Herausforderung, stärkt aber letztlich die Krisenfestigkeit der Unternehmen. Durch das Zusammenspiel von eigener Photovoltaikproduktion, effizienten Speichern

und einem intelligenten Lastmanagement werden die Energieflüsse im Betrieb kalkulierbar. Wer den selbst erzeugten Strom effizient nutzt und Preisprofile clever einplant, macht sich weniger abhängig von volatilen Märkten und schafft Planungssicherheit.

Krisenfeste Lieferketten durch Kreislaufwirtschaft

Auch im Lieferkettenmanagement gehen Resilienz und Klimaschutz Hand in Hand. Transparente Lieferketten und die Kreislaufwirtschaft mindern die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und einzelnen Zulieferern. Damit sinken operative wie finanzielle Risiken. Mit zirkulären Geschäftsmodellen werden die eigenen

Vier Aktionsfelder für Führungskräfte

Hebel für die Reduktion der Abhängigkeiten von Rohstoffen identifizieren

Energieversorgung auf die Zukunft ausrichten

Zirkuläre Geschäftsmodelle pilotieren und skalieren

Erfahrungsaustausch auf C-Level nutzen und politische Rahmenbedingungen via CEO4Climate mitprägen

Produkte zu den Rohstoffen von morgen. Rücknahmesysteme und Wiederaufbereitung können Risiken in der Beschaffung reduzieren und sich finanziell lohnen.

Da der Grossteil der Emissionen bei der Rohstoffbereitstellung entsteht, senkt die Wiederverwendung von Rohstoffen den CO2-Fussabdruck signifikant. «Product as a Service»-Modelle bieten zudem Chancen für neue, kundennahe Businessmodelle. Und letztlich ist gerade diese Kundennähe ein weiterer Erfolgsfaktor. Nächste CO2­Gesetz­Revision mit hoher Bedeutung

Diese Beispiele zeigen: Klimaschutz und Resilienz verstärken einander. Damit die Wirtschaft diesen Pfad zügig beschreiten kann, braucht es jedoch passende Anreize und Planungssicherheit durch eine verlässliche Politik. Ambitionierte Zwischenziele und wirksame Lenkungsanreize – insbesondere ein fairer CO2-Preis –sind essenziell, damit Investitionen getätigt werden.

Das im Jahr 2023 durch grosse Teile der Wirtschaft und vor allem zahlreiche CEO4Climate-Mitwirkende unterstützte Klima- und Innovationsgesetz weist den Weg in Richtung Netto-Null. Nun gilt es, konkrete Massnahmen bei der anstehenden Revision des CO2-Gesetzes für die wichtige Phase zwischen 2030 und 2040 zu definieren. Eine glaubwürdige, marktwirtschaftlich geprägte Vorlage ist zentral, damit die Schweizer Wirtschaft aufzeigen kann, wie Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Klimaschutz einhergehen.

Text Fabian Etter, Co-Präsident swisscleantech und Mitgründer CEO4Climate, und Chris Zeyer, Co-Geschäftsführung swisscleantech

CEO4Climate ist das Schweizer Netzwerk von Entscheidungsträger:innen aus der Wirtschaft, die sich für eine liberale Klimapolitik engagieren und sich bei der Umsetzung glaubwürdiger Klimaziele gegenseitig unterstützen. Rund 500 Entscheidungsträger:innen aus allen Branchen wirken dabei mit. Hinter CEO4Climate steht der Wirtschaftsverband swisscleantech.

Mehr Informationen unter: www.ceo4climate.ch

Klimaziele und Resilienz zahlen aufeinander ein: Stimmen von CEO4Climate-Mitwirkenden

Gerd

«Mit einem stärkeren Fokus auf die Energieeffizienz fördern wir gleichzeitig den Klimaschutz und die Versorgungssicherheit. Es braucht aber verstärkt Anreize aus der Politik, um das Potenzial im Bereich Energieeffizienz zu nutzen.»

«International sehen wir den klaren Trend, dass Investitionen in die Energieversorgung vermehrt unter der Optik der Resilienz getätigt werden. Für die Klimaziele ist das keine schlechte Nachricht, denn in vielen Fällen ist eine klimafreundliche Energieversorgung auch resilienter.»

«In der Begleitung unserer Kunden sehen wir, dass die Stärkung der Resilienz für CEOs enorm an Bedeutung gewonnen hat. Die Umsetzung von Netto-Null-Zielen trägt dazu bei. CEO4Climate bietet die Plattform für den entsprechenden Erfahrungsaustausch auf C-Level.»

«Der Weg für eine resiliente, effiziente und klimaverträgliche Energieversorgung steht offen. Dazu brauchen wir das Stromabkommen, den Ausbau der CO2-freieren Produktion von Strom und von Speicherkapazitäten sowie die smarte Einbindung der Kunden.»

Gustav Baldinger CEO PwC Switzerland
Antje Kanngiesser CEO Alpiq

Starke Netze für die Schweizer Energiewende

Die Schweiz treibt ihre Energiezukunft voran. Damit erneuerbare Stromproduktion, elektrifizierte Anwendungen und moderne Infrastrukturen zuverlässig zusammenfinden, braucht es Netze, die technische Leistung, Verantwortung und Alltagstauglichkeit verbinden.

Strom braucht neue Wege

Die Energiewende in der Schweiz tritt in eine entscheidende Phase. Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung verschiedener Anwendungen, die Modernisierung der Netze und die Versorgungssicherheit stellen neue Anforderungen an elektrische Infrastrukturen. Hinter jedem Solarprojekt, jedem neu angeschlossenen Quartier, jeder elektrifizierten Industrieanlage und jedem strategischen Tunnel steht derselbe Grundbedarf: Strom muss zuverlässig, nachhaltig und sicher transportiert werden.

Nexans Suisse mit Sitz in Cortaillod sieht in dieser Entwicklung eine Aufgabe, die weit über einzelne Produkte hinausgeht. Das Unternehmen richtet seine Arbeit auf drei Prioritäten aus: nachhaltigere Lösungen entwickeln, industrielle Kompetenzen stärken und zu wichtigen Infrastrukturprojekten im Land beitragen. Diese Verbindung aus Technik, Produktion und Verantwortung prägt den Beitrag, den das Unternehmen zur Transformation des Schweizer Stromsystems leisten will.

Infrastrukturen prägen die Klimabilanz Die Energiewende besteht nicht nur darin, Strom grüner zu erzeugen. Auch die Anlagen, Leitungen und Materialien, die diesen Strom transportieren, beeinflussen die Umweltbilanz. Wer die Netze für morgen ausbaut, muss deshalb auch die Auswirkungen der Infrastruktur selbst reduzieren. Genau hier setzt Nexans Suisse mit dem E3-Modell an.

Das Modell beruht auf drei ergänzenden Dimensionen: Umwelt, Wirtschaft und Engagement. Es soll Lösungen ermöglichen, die leistungsfähig, verantwortungsvoll und auf die realen Anforderungen des Schweizer Marktes abgestimmt sind. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie elektrische Infrastruktur nicht nur zuverlässig funktioniert, sondern zugleich Ressourcen schont, wirtschaftlich tragfähig bleibt und den Menschen dient, die sie planen, produzieren und installieren.

Diese Haltung zeigt sich besonders bei Lösungen für Niederspannungsnetze. Nexans GKN+ und Nexans GKN+ Flex begleiten die Weiterentwicklung dieser Netze. Nexans GKN+ folgt dem Ziel, die CO₂-Auswirkungen zu verringern, indem recycelte Materialien, Werkstoffe mit geringerer Umweltbelastung und eine Fertigung mit Strom aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz kommen. Nexans GKN+ Flex geht beim Einsatz vor Ort einen Schritt weiter: Die Lösung legt den Fokus auf höhere Flexibilität und soll damit die Verlegung erleichtern sowie den Installationskomfort für die Teams verbessern.

Nachhaltigkeit braucht Praxistauglichkeit Bei Nexans GKN+ Flex zeigt sich, wie stark sich technische und praktische Anforderungen verbinden. Die Lösung trägt den Anspruch «Designed for change.

Built to bend.» und stellt optimierte Flexibilität in den Vordergrund. Genannt werden ausserdem eine vollständig recycelte Ummantelung, ein Anteil von 10,4 Prozent recyceltem Kupfer, Kupfer der Klasse fünf sowie die Einhaltung der Normen Produit HD 603, IEC 60228 und nationaler ASE-Anforderungen.

Solche Angaben machen deutlich: Nachhaltigkeit darf die technische Leistung, die Sicherheit und die einfache Nutzung nicht schwächen. Sie muss im Gegenteil mit diesen Anforderungen zusammenspielen. Für die Energiewende zählen deshalb nicht nur Materialien mit geringerer Belastung, sondern auch Lösungen, die auf Baustellen, in Netzen und im täglichen Einsatz funktionieren. Gerade bei der Modernisierung bestehender Infrastrukturen kann eine bessere Handhabung den Unterschied machen, weil sie die Arbeit der Installationsfachpersonen unterstützt und die Umsetzung anspruchsvoller Projekte erleichtert.

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie auf zuverlässigen, nachhaltigen Infrastrukturen beruht, die für die Realität vor Ort gedacht sind.
– Marco Spinelli, Geschäftsführer

Marco Spinelli, Geschäftsführer von Nexans Suisse, fasst diesen Anspruch so zusammen: «Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie auf zuverlässigen, nachhaltigen Infrastrukturen beruht, die für die Realität vor Ort gedacht sind. Unsere Rolle besteht darin, diese Ambition in konkrete Lösungen für die Schweizer Stromnetze zu übersetzen.»

Kompetenzen als industrielle Grundlage Neben neuen Materialien und technischen Lösungen entscheidet auch der Faktor Mensch über den Fortschritt der Energiewende. Der Bedarf an elektrischen Infrastrukturen nimmt zu, während technische Kompetenzen knapper werden. Für die Schweizer Industrie wird es deshalb zentral, Talente zu gewinnen, auszubilden und langfristig zu halten.

Am Standort Cortaillod investiert Nexans Suisse in Ausbildung, Wissenstransfer und die laufende Entwicklung von Kompetenzen. Lernende, operative Teams, Ingenieur:innen, Fachpersonen aus Qualität, Logistik und Kundensupport tragen gemeinsam dazu bei, dass das Unternehmen verlässliche und

passende Lösungen für Projekte im Land liefern kann. Diese Breite an Kompetenzen bildet eine industrielle Grundlage, ohne die sich die Transformation der Netze kaum umsetzen lässt.

Die menschliche Dimension gehört zum Engagement-Bereich des E3-Modells. Sie zeigt sich in einer Kultur, die Sicherheit, Zusammenarbeit und Verantwortung betont. Die Kabel von morgen entstehen damit nicht allein aus neuen Werkstoffen oder neuen Technologien. Sie entstehen auch aus industriellem Know-how, aus Erfahrung und aus Fähigkeiten, die lokal verankert sind und weitergegeben werden.

Der Gotthard als Symbol Wie sich die Transformation der Schweizer Stromnetze in konkreten Projekten zeigt, verdeutlicht der Strassentunnel am Gotthard. Swissgrid integriert im zweiten Tunnelrohr der Autobahn zwischen Airolo und Göschenen eine 220-kV-Höchstspannungsleitung. Die

Kombination einer Höchstspannungsleitung mit einem Autobahntunnel gilt als erste ihrer Art in Europa.

Mit rund 18 Kilometern wird diese künftige unterirdische Kabelleitung zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme zudem die längste unterirdische Höchstspannungsleitung der Schweiz sein. Nexans trägt in Partnerschaft mit Swissgrid zu dieser strategischen Infrastruktur bei. Das Projekt spielt eine wichtige Rolle für den Stromtransport auf der Nord-Süd-Achse der Schweiz und soll langfristig die bestehende Freileitung über den Pass ersetzen.

Der Gotthard zeigt damit exemplarisch, welche Anforderungen die Energiezukunft an Infrastruktur stellt. Innovation, Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und eine intelligente Integration unterschiedlicher Systeme müssen zusammenkommen. Die Leitung im Tunnel steht nicht nur für ein technisches Projekt, sondern auch für eine neue Art, bestehende Räume und künftige Energiebedürfnisse miteinander zu verbinden.

Konkrete Lösungen für das Netz von morgen Die Schweizer Energiewende hat keine einzelne Antwort. Sie verlangt nachhaltigere Produkte, starke Kompetenzen und Projekte, die die Infrastruktur des Landes langfristig verändern. Für Nexans Suisse verbindet sich dieser Anspruch im E3-Modell, in Innovationen wie Nexans GKN+ und Nexans GKN+ Flex, im Engagement für Fachwissen und in der Beteiligung an bedeutenden Vorhaben wie dem Gotthard.

So entsteht ein Beitrag zu einem Stromnetz, das nachhaltiger, widerstandsfähiger und auf die kommenden Bedürfnisse vorbereitet sein soll. Die Transformation bleibt dabei eine Aufgabe, die im Detail beginnt: bei Materialien, bei der Fertigung, bei der Verlegung, bei den Kompetenzen der Mitarbeitenden und bei Projekten, die zeigen, wie sich Energieinfrastruktur neu denken lässt.

Weitere Informationen unter: nexans.ch

Axpo Energy Reports

Wie sichert die Schweiz ihre Stromversorgung im Winter?

Der Stromverbrauch in der kalten und dunklen Jahreszeit wird bis 2050 steigen. Gleichzeitig wird die Produktion abnehmen. Die gute Nachricht: Eine verlässliche, emissionsarme und bezahlbare Stromversorgung ist möglich – mit einer klugen Kombination mehrerer Technologien!

Die Axpo Energy Reports zeigen zwei realistische Szenarien auf:

Szenario 1

Ein ausgewogener Mix aus Wasserkraft, mehr Solar, deutlich mehr Windkraft sowie einigen marktaktiven Gaskraftwerken als flexible Ergänzung. Dazu der Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke.

Szenario 2

Die Schweiz entscheidet sich für zwei neue Kernkraftwerke. Diese koexistieren mit den anderen Technologien: Wasserkraft, mehr Solar, mehr Windkraft sowie marktaktiven Gaskraftwerken.

Scannen Sie hier den QR-Code für die vollständigen Reports:

Unabhängig davon, welchen Weg die Schweiz letztlich einschlägt, lohnen sich auf jeden Fall vier konkrete Massnahmen:

Bestehende Kernkraftwerke möglichst lange laufen lassen. Das ist die günstigste Art und Weise, der Schweiz Zeit für den Ausbau zu verschaffen.

Das Fördersystem mehr auf Winterstrom ausrichten.

Den Ausbau der Windkraft beschleunigen. Voraussetzungen für Gaskraftwerke schaffen.

Erfahren Sie mehr und diskutieren Sie mit.

Faktenbasiert. Ideologiefrei. Transparent.

Die Axpo Energy Reports sind ein fundierter Beitrag zur Schweizer Energiedebatte. Erstellt wurden sie von über 50 Expertinnen und Experten aus allen Axpo-Geschäftsbereichen, gemeinsam mit der ETH Zürich und dem Paul-Scherrer-Institut. Für alle, die sich informieren und sich in die Diskussion einbringen wollen.

axpo.com/energy-reports

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