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Mauve &

Nostalgie

SISTER-MAG.COM

2 PHOTO: CRISTOPHER SANTOS


MAUVE

&

NOSTALGIE

Noch ein letztes Mal dreht sich bei uns alles um die Farbe Lila und den Herbst, diesmal konkretisiert durch den Titel »MAUVE & NOSTALGIE«. Welche Jahreszeit passt besser zu nostalgischen Gedanken als der Herbst? Der Sommer ist vorbei, und nicht selten sehnen wir uns nach vergangenen und »besseren« Zeiten zurück. Oftmals geraten Menschen heute aber in nostalgische Verzückung über Dinge, aus denen sie sich früher gar nicht so viel gemacht haben. Und das ist sogar ganz normal. Forscher sprechen bei diesem Phänomen von »rosiger Rückschau«. Menschen verdrängen gerne negative Erinnerungen und stellen positive vergangene Erfahrungen in den Vordergrund. Warum? Für das gute Gefühl. Dieser Vergleich zum Hier und Jetzt führt jedoch oftmals dazu, dass die Gegenwart viel negativer wirkt, als sie eigentlich ist. Und das ist doch wirklich schade! Deshalb versüßen wir uns das Heute mit einer sisterMAG-Sektion voller leckerer MARMELADEN-REZEPTE, einer bunten Modestrecke von unserer Designerin Evi, einer stilvollen Produktcollage rund um die Farbe Mauve und vielen weiteren kleinen Glücklich-Machern. Was auch glücklich macht? Gutes tun für die Umwelt. Deshalb haben wir uns im September mit unserem Partner ECOVER und ausgewählten Influencern an den Lübecker Strand begeben, um frei nach

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dem Motto »GEGEN PLASTIK IM MEER MIT ECOVER« dem Müll im Wasser und am Strand den Kampf anzusagen. Alles rund um das Event, Ecover und deren Ocean Bottle findet ihr in dieser Sektion. Unsere Autorin Lia begibt sich währenddessen auf eine nostalgische Reise in die Moderne: Sie taucht ein in die Welt von YouTube und der Bloggerszene – und vergleicht die Gegenwart mit der Vergangenheit. Für alle Sportfans wird es speziell: Unser Autor Alexander berichtet über eine eher untypische Farbe im männerdominierten Sport Fußball – Lila. Unser Partner Mastercard lädt indes zum Schlemmen in Berlin ein. Mit dem Berlin Foodie Guide von Mastercard Priceless Berlin findet jeder den passenden Foodspot für sich und seine Liebsten. Wir haben mit vier Bloggern einen Foodie Day in Berlin verbracht – vom Brunch bis hin zum Turnhallendinner. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und Entdecken! Und nicht vergessen: Alles, was ist, und alles, was kommt, wird gut.

E uer sisterMAGTeam

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FOTO: CRISTOPHER SANTOS


MAUVE

MARKETING & ADMIN

TONI Marketing & Finance

VERA Content Management

&

NOSTALGIE

PA R T N E R S

ALEX

O P E R AT I O N S

THEA

Vermarktung

CHRISTINA Content Management

Chefredaktion & Design

SOPHIE Content Management

K R E AT I O N

LALE MARIE

Video & Design

FRANZISKA Content Management

Design & Kreation

EVI Fashion

SONGIE Design

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ANNI Social Media

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S E I T E 10 0 – M A R M E L A D E R E Z E P T E

INHALTSVERZEICHNIS 31

S E I T E 136 – I TO YA R N S

SEKTION 3 03 05 08

NOSTALGIE

EDITORIAL

100 KÖSTLICHER HERBST

TEAMÜBERSICHT & INHALTSVERZEICHNIS

Marmelade selber machen

KONTRIBUTORENVERZEICHNIS

114 BALENCIAGA: SHAPING FASHION Retrospektive im Londoner V&A

122 BUNTE FARBEN IM HERBST

MAUVE

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Modeshooting

MÄRCHENHAFTES MAUVE Erstes synthetisches Färbemittel BLOGGER NOSTALGIE

Homestory bei der Illustratorin

hießen GOOGLE FUCHSIA

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YOUTUBE WAR GESTERN

154 GEGEN PLASTIK IM MEER MIT ECOVER

Googles neues Betriebssystem

180 START-UP SPOTLIGHT

Das gestörte Verhältnis zwischen Plattform und Creators

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SOULBOTTLES

186 PRODUKTCOLLAGE MAUVE 188 LILA IM FUSSBALL

ZEITREISE TRÖDELMARKT Die besten Flohmärkte

Teams mit lila Vereinsfarben

194 IMPRESSUM

MASTERCARD FOODIE GUIDE Essen gehen in Berlin

SISTER-MAG.COM

Interview mit Gründerin

144 ZU BESUCH BEI VIRGINIA ROMO

Als Influencer noch Blogger

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136 ITO YARNS

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MAUVE

&

NOSTALGIE

#31

S E I T E 144 – VIRGINIA ROMO

S E I T E 59 - B E R L I N F OO D I E G U I D E

S E I T E 154 - E COV E R

S E I T E 39 – T R Ö D E L M A R K T

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KONTRIBUTOREN TEXT Lia Haubner

@sexdrugsblognroll

LEKTORAT Stefanie Kießling

@kiesslingS

Alex Kords

Alex Kords

kords.net

kords.net

Christian Naethler

@iamvolta Katrin Hoffmann

etsy.com/shop/moovi

Christian Naethler

@iamvolta

ÜBERSETZUNG Ira Häussler Alex Kords

kords.net Christian Naethler

@iamvolta Tanja Timmer

Dr. Michael Neubauer

@tanjastweets

FOTO & VIDEO

ILLUSTRATION

Melitta Capolei sisterMAG Team

TEXT & FOTO Anastasia Benko

anastasiabenko.com Beau Colin

Oh Hedwig

oh hedwig.com Mirja Hoechst

beaucolin.com

mirjahoechst.de

Agata Dimmich

Thea Neubauer

passionshake.com Anna Gnörich

bildhuebschfashion.com Elodie Love

madame-love.com Jenny Schüssling

makeitboho.de

SISTER-MAG.COM

@thneu Timo Roth

timo-roth.de Lale Tütüncübaşi

@lale.yla Jules Villbrandt

herzundblut.com

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Virginia Romo

virginiaromo.com


MAUVE

&

NOSTALGIE

#31 HAIR & MAKEUP Patricia Heck

patriciaheck.de

STYLING Evi Neubauer

pinterest.com/evin

Aennikin

aennikin.de

DAS COVER FOOD Christiann Koepke

christiannkoepke.com

MODEL Cindy Jane

Cindys World Mia

FOTOS Oh Hedwig MAKEUP & HAIR Patricia Heck

MODEL

PAR T NER DES HEFTS

Mia OUTFIT

Unsere Partner-Features erkennt ihr am Logo oben auf der Seite. Wir danken unserem Partner Mastercard und ecover sehr herzlich, denn ohne sie wäre diese Ausgabe nicht möglich! 9

Evi Neubauer

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MAUVE

&

NOSTALGIE

NOSTALGIE SEHNT SICH NACH ZEITEN ZURÜCK, IN DENEN DIE MENSCHEN SICH NACH BESSEREN ZEITEN SEHNTEN. HANS JÜRGEN QUADBECK-SEEGER

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MAUVE

&

NOSTALGIE

B L E I B I N K O N TA K T

FOLGT UNS!

Folge unseren Farbengeschichten und t채glichen Neuigkeiten aus dem sisterMAG-B체ro einfach 체ber Instagram! Du findest Inhalte aus dem Magazin, viele Behind-The-Scenes und Snapshots unserer Kontributoren. Zudem nat체rlich Gewinnspiele, Einladungen und andere exklusive Aktionen auf Instagram unter @SISTER_MAG.

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WAS BISHER GESCHAH

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SEKTI

ON

Anders als in Sektion 2! Dort ging es unter dem Motto »UN-

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SEKTI

TERM

ON

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In Sektion 1 von sisterMAG Nr. 31 »EMPIRE LILA UND MELANCHOLIE« beschäftigten wir uns rund um die Themen Melancholie im Film, idyllische und einsame Landschaften im ländlichen Amerika und hörten eine Playlist, die dazu einlädt, einmal ganz zur Ruhe zu kommen.

PFLAUMENBAUM«

kulinarisch herbstlich zu. Neben der Vorstellung köstlicher Pflaumenrezepte tauchten wir ein in die Welt des Strickens und verbrachten mit unserem Partner »ara« einen entspannten Tag am See.

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MAUVE

VIDEOS

&

NOSTALGIE

DOWNLOADS

ecover

Marmelade

Blumenkleid

Bouclejacke

Felljacke

Rotes Oberteil

Kurzer Blumenoverall

Pencilskirt

Blaukariertes Wollkleid

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DIE GESCHICHTE DES ERSTEN SYNTHETISCHEN FÄRBEMITTELS

Märchenhaftes Mauve Wie ein glücklicher Zufall im Labor zu einer luxuriösen Entdeckung führte

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NOSTALGIE

Wenn wir uns heute umsehen, gibt es zahlreiche bunte Beispiele für künstliche Färbemittel. Aber wann genau wurde es möglich, Tausende von einzelnen Schattierungen in Massenproduktion herzustellen, statt nur einzelne Farbstoffe aus Pflanzen und Tieren zu gewinnen? Die Geschichte ist in jeder Hinsicht überraschend und begann mit einem fehlgeschlagenen Experiment in einem provisorischen Labor.

Text: Christian Naethler

Serendiptiy Dieser englische Begriff kann als »glücklicher Zufall« oder auch »angenehme Überraschung« umschrieben werden. Neben dem gleichnamigen Film mit John Cusack and Kate Beckinsale beschreibt dieses Wort auch bestens die Entdeckung der künstlichen Farbstoffe. Im Jahr 1856 wurde dem 18 Jahre alten William Henry Perkin, Student am Royal College of Chemistry in London, von seinem Professor die Aufgabe gegeben, Chinin herzustellen. Dieses Medikament gegen Malaria konnte damals ausschließlich aus dem südamerikanischen Chinarinden-

baum gewonnen werden und war ein äußerst teurer Wirkstoff. Eine künstliche Methode zur Herstellung des Stoffes hätte somit bedeutet, dass das Medikament für die Massen zugänglich wäre. Bevor Chinin wirklich künstlich hergestellt wurde, verging fast ein Jahrhundert, aber Perkins Bemühungen im Labor waren trotzdem nicht vergeblich. In einem seiner Versuche braute er eine Mixtur aus Wasserstoff, Sauerstoff und Steinkohlenteer, die sich zu einer schwarzen, festen Masse zusammenfügten. Wissenschaftlich gesehen war die geplante organische Synthese damit gescheitert,

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aber bei genauerem Hinsehen entdeckte Perkin in den Resten seiner Gläser einen lilafarbenen Schimmer. Ganz aus Versehen hatte William Henry Perkin so das erste künstliche Färbemittel der Welt hergestellt: Purpur oder Tyrian purple auf Englisch.

Gegensatz zu anderen natürlichen Farbstoffen wird das Sekret der Murex-Schnecke auch noch leuchtender, je länger es den Elementen ausgesetzt ist. Kein Wunder also, dass die Farbe seit jeher für Luxus, Kreativität, aber auch Magie und Rätsel steht.

An sich war dies schon eine bedeutsame Entdeckung, aber der lilafarbene Ton machte diesen Zufall noch interessanter. In mehr als 5.000 Jahren der Geschichte natürlicher Färbemittel aus Pflanzen, Tieren und Mineralien, die kaum leuchtende Farben hergaben, war Purpur eine der seltensten Farben. Mit einer Ausnahme: Meeresschnecken.

Perkins Entdeckung eines künst-

Die Murex-Stachelschnecke gibt ein unglaublich leuchtendes, lilafarbenes und leicht schleimiges Sekret ab – in Mengen von ungefähr einem Tropfen pro Schnecke. So kann man sich die Mühe und Arbeit vorstellen, die investiert werden musste, um nur ein kleines Taschentuch färben zu können. So wurden Lila und Purpur die Farben der Reichen und Adligen, wie zum Beispiel Julius Caesar, der für seine Vorliebe für Lila bekannt war. Im SISTER-MAG.COM

William Henry Perkin Chemiker 1838 - 1907

lichen lilafarbenen Farbstoffs brachte ihm Ruhm und Ehre, sodass er die Möglichkeit hatte, kurz nach seiner Entdeckung eine Sechs-Hektar-Fabrik in Londons Grand Union Canal zu eröffnen, die das Färbemittel in Massen produzierte. Später benannte er seinen Fund 18


MAUVE

&

NOSTALGIE

in »Mauve« um, nach dem französischen Wort für die Malvenblume (engl.: mallow flower). Mit diesem modern-modischen Namen wurde der neue Entrepreneur zu einem erfolgreichen Geschäftsmann – jedenfalls bis ungefähr ein Jahrzehnt später alle vorstellbaren Regenbogen-

farben künstlich hergestellt werden konnten und Lila nicht mehr so besonders schien. Seit dem zufällig geglückten Experiment haben zahllose künstliche Färbemittel den Markt überschwemmt, unter ihnen auch Mauve in allen Variationen (leider heißt keine von ihnen »Perkin’s

Purple«). Eine der größten Kollektionen von Färbemitteln mit über 10.000 Proben findet sich heute in der Technischen Universität in Dresden. Doch diese Entwicklung bedeutet nicht, dass natürliche Färbemittel heutzutage komplett vergessen sind: Gerade in den letzten Jahrzehnten gibt es einen deutlichen Trend zu dieser Option in der Modeindustrie, unter anderem geleitet von den Gesundheitsrisiken, die durch künstliche Färbung entstehen. Die EU hat Kleidungsproduzenten sogar empfohlen, natürliche Färbemittel zu nutzen und zu fördern, um das Exportpotential in Europa zu steigern. Somit ist der Farbkreislauf wieder geschlossen. Wer hätte gedacht, dass das missglückte Experiment eines Studenten eine solch bunte Revolution hervorruft?

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NOSTALGIE

FRÃœHER

wart ihr besser WAREN INHALTE EHRLICHER, ALS INFLUENCER NOCH BLOGGER HIESSEN?

Tex t : L I A H A U B N E R

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Aus einer Handvoll Blogger/-innen sind unzählige Influencer geworden. Bloggen: Dahinter stand anfänglich die Leidenschaft für Mode, Essen oder Interieur. Heute sticht vor allem die Flut an Sponsored Posts ins Auge. Immer öfter drängen bezahlte Inhalte die eigene Inspiration in den Hintergrund. Da kann man schon nostalgisch werden – manchmal zu Recht. Eines sollte man dabei aber nicht vergessen: Ob früher alles besser war, kommt auf die Perspektive an, mit der man zurückblickt.

»Groß ist sie, dünn, gebräunt und durchtrainiert. Vor allem aber ist sie ein wandelndes Schaufenster für Designerkleidung«: Mit diesen zwei Sätzen könnte man heute viele erfolgreiche Instagram-Accounts beschreiben. Tatsächlich stammen die Zeilen aber aus einem New York Times-Artikel von 2013. Vollzeit-Instagrammer/-innen gab es damals noch nicht. Geschrieben hat ihn die Modejournalistin Suzy Menkes, eine der einflussreichsten Stimmen der Branche. Sie kritisierte damals das Benehmen vieler Modeblogger/-innen, die auf einmal so bekannt waren, dass sie bei den Fashion Weeks neben den führenden Köpfen der großen Moderedaktionen Platz nehmen durften. Menkes ging vieles gegen den Strich. Vor allem aber der Kampf um die Aufmerksamkeit. Plötzlich war vor den Schauen Trubel: Streetstyle-Fotografie, Blitzlicht und Selbstinszenierung wirkten genauso spannend wie die Designer/-innen und ihre Kollektionen.

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MAUVE

&

NOSTALGIE

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»ZOOVORSTELLUNG!« riefen die etablierten Redakteurinnen.

FÜR UNS WAREN DIE BLOGGERINNEN MODERNE HELDINNEN Was Menkes und andere ihres Berufsstandes gerne als »Zoovorstellung« bezeichneten, wirkte auf uns Leser/-innen ganz anders. Jessica Weiß, Mitgründerin des damals größten deutschen Modeblogs LesMads, hatte 2013 längst ihr eigenes Blogazine Journelles gegründet. International gehörten Susie Lau von Style Bubble und Leandra Medine von Man Repeller zu den wichtigsten Vertreterinnen. Ihre Blogs waren moderne Heldinnengeschichten: Auf Outfitfotos folgten Fashion Week-Einladungen. Streetstyle-Fotografinnen lichteten sie vor den Schauen ab. Der Unterschied zur klassischen Fashionpresse und Modekritik à la Suzy Menkes liegt SISTER-MAG.COM

auf der Hand: Wir waren dabei, als unsere liebsten Blogger/-innen ihre Outfits aussuchten. Wir wussten, welche Geschichte hinter den Teilen steckt. Wir fieberten mit. Mit ihnen fühlten wir uns ähnlich verbunden wie mit Freundinnen oder großen Schwestern. Sie standen uns näher als jede Hochglanzseite in einem Modemagazin. »Die Blogs haben mein Leben verändert. Und zwar, weil ich das, was ich schon immer gemacht habe, nicht mehr mit den Models realisiere, sondern mit mir«, erklärte selbst Anna Dello Russo, damals Chefin der japanischen Vogue, 2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

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MAUVE

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NOSTALGIE

Heute ist kein Blog mehr nötig: Auf Instagram

ist das Publikum internationaler und größer denn je.

Man muss nicht bei der Vogue arbeiten, um über Mode sprechen zu können. Doch mit der steigenden Bedeutung von Bloggerinnen änderte sich etwas Entscheidendes: Auf einmal gab es dafür ein Publikum, das zuhörte, zuschaute und kommentierte. Die ersten Blogs, ob nun zum Thema Stil, Food oder Interieur, sprachen eine universale Sprache. Sie wurden einflussreich, ohne den alten Regeln folgen zu müssen. Heute ist kein Blog mehr nötig, um in diesen Branchen erfolgreich zu sein. Es reicht ein Instagram-Account. Dort ist das Publikum internationaler und größer denn je. Laut Unternehmensangaben nutzen Ins-

tagram weltweit monatlich 800 Millionen Menschen – allein in Deutschland sind es 15 Millionen. Trotzdem scheinen die Leidenschaft und Abenteuerlust – damals in den Blogs allgegenwärtig – immer öfter arg abgekühlt oder gar nur inszeniert zu sein. Sonnenuntergänge, große Reisen und Designertaschen ergeben schöne Feeds mit dem Flair eines durchkalkulierten Businessplans. Liegt es an Gucci? Oder schrecken Labels wie »Bezahlte Partnerschaft« und »Ad/Werbung« ab?

Die ersten Blogs, ob nun zum Thema Stil, Food oder Interieur, sprachen eine universale Sprache.

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Heute geht es nur noch um Selbstdarstellung: Die Bloggerinnen der ersten Stunde klingen jetzt wie die misstrauischen Redakteurinnen von damals. Influencer sind die neuen Blogger/-innen. Man liest den Begriff so oft, dass man sich selbst dabei ertappt, die Augen zu verdrehen. Vielen Blogger/-innen von damals geht es ähnlich. Manche meistern den Spagat zwischen guten und gesponserten Inhalten. Viele zelebrieren Kooperationen mit Marken geradezu – am Ende ist es schließlich ein Job. Außerdem gibt es die Alteingesessenen, die nostalgisch zurückblicken. Oft hört man, dass sie mit der Entwicklung nicht glücklich sind: Es ginge schließlich nur noch um Selbstinszenierung. Alle tragen Chloé und die Lautesten gewinnen. Dabei klingen sie dann auf einmal fast so wie die Modejournalistin Suzy Menkes vor vier Jahren.

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Es gab sie schon immer: die Guten, die Erfolgsgetriebenen, die Überhypten, die Angeber/-innen, die Girlbosse, die Kreativen. Sogar der Vorwurf, es ginge auf einmal um zu viel Business, ist nicht ganz neu. Man Repeller und Journelles waren von Anfang an mehr als nur Online-Tagebücher. Für die Macherinnen stand der Schritt in die Selbstständigkeit im Vordergrund. Die vielen neuen Gesichter und Kanäle sorgen nicht automatisch für schlechtere Inhalte. Fest steht nur, dass alte Regeln über Bord geworfen werden. Mal

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wieder. Ein bisschen kann man als Blogger/-in der alten Garde heute verstehen, wie sich Suzy Menkes und Co. 2013 fühlten. Früher war Bloggen nicht besser, sondern anders. Es gab sie schon immer und gibt sie auch heute: die Guten, die Erfolgsgetriebenen, die Überhypten, die Angeberinnen, die Girlbosse, die Kreativen. Instagram macht das Ganze nur sichtbarer.

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Über die Autorin Lia arbeitet als Redakteurin und Videographerin in Berlin. 2009 launchte sie ihren Blog sexdrugsblognroll . Heute schreibt sie freiberuflich über Popkultur, Feminismus und Tech.

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GOOGLE FUCHSIA Hinter den wenigen Details, die momentan bekannt sind, könnte sich Googles neuestes bahnbrechendes Betriebssystem verstecken, das weit über Smartphones und Computer hinausgeht.

EIN ERSATZ FÜR ANDROID?

TEXT: CHRISTIAN NÄTHLER

Wer Google jetzt schon für omnipräsent hält, könnte bald ein blau-rot-gelb-grünes Wunder erleben: Einige Beweise deuten darauf hin, dass der in Kalifornien ansässige Tech-Riese an seinem neuesten Meisterwerk arbeitet. Im Laufe des letzten Sommers erschienen Teile eines mysteriösen Codes online unter dem Namen Fuchsia, der Teil eines neuen Betriebssystems sein könnte. Dieses hat nicht nur das Potential, Android als Motor unserer Handys und Chrome auf unseren Laptops zu ersetzen – es könnte auch sogenannte Smart Gadgets wie Kühlschränke, Spülmaschinen, Fernseher, Uhren und sogar Augmented Reality Interfaces steuern. Hier ist, was wir bisher über Fuchsia wissen… SISTER-MAG.COM

Wenn man die Beliebtheit der Handys in der heutigen Zeit nur an ihrem Hype fest machen würde, so wäre das iPhone mit seinem Betriebssystem iOS ein sicherer Gewinner. Allerdings sind in Wirklichkeit die Mehrheit der Smartphone-Benutzer fest an ihre Android Handys gebunden. Android, Googles Betriebssystem für Handys, betreibt momentan 86 Prozent aller Handys auf dieser Welt. Sieben Jahre muss man in der Geschichte zurückgehen, um einen Zeitpunkt zu finden, an dem Android nicht der beliebteste Antrieb für Handys war, denn damals regierten die heute irrelevanten Nokias, Motorolas und Sony Ericssons mit ihrem Symbian Betriebssystem die Welt.

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MAUVE

&

NOSTALGIE

ÜBER DEN AUTOR

Christian Näthler erstellt Content, der alle Aspekte digitaler Medien umfasst. Er wuchs in Kanada auf und studierte dort, derzeit lebt er in Berlin.

Während Apple Ankündigungen also eindeutig lautstark sind, sind Neuigkeiten zu Android von weitaus größerer Bedeutung. Deshalb sind die leisen Gerüchte um Google’s Fuchsia Betriebssystem so interessant. Fuchsia ist immer noch eines der größten Industriegeheimnisse, aber Analytiker glauben, dass es bald schon Android und Googles Desktopund Laptop-System, Chrome, ersetzen könnte. Auch wenn sich das heute noch verrückt anhört, erinnern berühmte Beispiele wie BlackBerry daran, wie schnell sich Dinge in der mobilen Welt verändern können.

Fuchsia schlich sich im Sommer 2016 ins Bild, als der Internet-Gigant eine sich entwickelnde Deponie an Codes auf die Seite Github (ein Online Open Source Projektmanagement Service, der es mehreren Parteien ermöglicht, am gleichen Projekt zu arbeiten) postete – ohne weitere Informationen. Der Code selber enthält kaum Informationen zum neuen Betriebssystem, aber einige Veröffentlichungen dazu machten eine beachtenswerte Entdeckung in seiner Mitte. Fuchsia würde von einem neuen, windschnittigeren Systemkern namens Zircon angetrieben werden (zuerst als Magenta benannt) statt dem etwas klobigen Linux-Kern, der von Android und Chrome verwendet wird und erstmals 1991 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Als »Gehirn« des Betriebssystems ist dieser Systemkern dafür verantwortlich, die Kommunikation zwischen allen Aspekten der Hardware und Software durchzuführen. Zircon wäre als erster komplett von Google-entwickelter Systemkern

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ein Neuanfang für die Firma und würde gleichzeitig als erstes revolutionäres Betriebssystem in über einem Jahrzehnt auf den Markt kommen, da Android vor dem iPhone entwickelt wurde.

rund um Fuchsia beschäftigen sich mit der Art und Weise, wie es Handy-Funktionalität verbessern könnte.

»

Zircon ist die KernPlattform, die das FuchsiaBetriebssystem antreibt. Zircon besteht aus einem Mikro-Systemkern, einer kleinen Reihe von Userspace-Services, Drivern und Libraries,

«

Wir können nur die Anfänge dieser großen Entwicklung von Google verstehen, die potentiell bedeuten würden, Linux für eine komplett neue Möglichkeit zu verwerfen. Systemkerne sind schließlich keine einfachen Software Updates. Das Kontrollzentrum hinter der Mehrheit der smarten Geräte auf diesem Planeten zu erneuern ist ein enormes Projekt – aber wie wir Google kennen, dürfte Fuchsia sogar noch größere Ambitionen haben. Viele Neuigkeiten SISTER-MAG.COM

Während es selbstverständlich noch im gleichen Atemzug wie iOS erwähnt wird, liegt das Potential des Systems vermutlich darin, alle Arten von »smart devices« in der unmittelbaren Zukunft zu steuern. Dazu gehören Küchengeräte wie Spülmaschinen und Kühlschränke, aber auch Uhren, Flugzeug Entertainment und alles andere, was ein Touch Screen Display besitzt. Weiterhin könnte es zum Rückgrat autonomer Fahrzeuge, Augmented Reality Interfaces und Roboter-Technolo-

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NOSTALGIE

gie werden. Oder sogar Teleportation? Auch wenn das vielleicht etwas weit her geholt ist, denn das Schlüsselwort ist und bleibt »könnte«. Vielleicht wird das Projekt, wie so viele von Google, nie ganz das Licht der Welt erblicken. In jedem Fall ist es noch weit weg von der Veröffentlichung eines fertigen Produkts (Android war ganze fünf Jahre in Arbeit, bevor es als konkretes Projekt greifbar wurde).

CHRISTIAN NÄTHLER BEI INSTAGRAM

Zum Zeitpunkt dieses Artikels gibt es nur eine einzige bedeutsame Vorschau von Fuchsias Benutzeroberfläche. Diese ist zugegebenermaßen nicht besonders beeindruckend, doch darum geht es auch gar nicht. Zuerst ist es wichtig, dass Fuchsia bis jetzt nur als eine Reihe von Codes existiert, eine laufende Arbeit, die noch nicht einmal eine ernsthafte Testphase hatte. Zweitens ist es

noch viel wichtiger, dass Fuchsia hauptsächlich ein Back-End-Tool sein wird, dass dazu da sein soll, die Nützlichkeit eines Gerätes zu erhöhen, nicht etwa sein Aussehen. Sobald die Technologie stärker als die hinter Android (und jedem anderen System) ist, kann man sie auf jede Benutzeroberfläche anwenden. Genau wie ein Motor kann das System, sobald die Technik stimmt, die Art und Weise revolutionieren, wie ein jedes Fahrzeug sich fortbewegt. Leider gibt es noch viel zu wenige Informationen zu Fuchsia, um sein Potential genauer untersuchen zu können, aber was wir heute schon wissen ist, dass einer der größten und mächtigsten Tech-Konzerne der Welt ein neues Projekt hat, das schon bald eine große Rolle in unserem Alltag spielen könnte. Und dies nehmen sie eindeutig ernst: letzten Mai schrieb ein Entwickler des Projektes, dass Fuchsia »kein Spielzeug ist, es ist kein 20% Projekt, es ist keine Müllhalde für etwas Totes, das uns egal ist.« Über Fuchsia werden wir sicher bald noch mehr hören.

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STIRBT DIE PLATTFORM, WEIL DIE WICHTIGSTEN VIDEOMACHER/INNEN UNZUFRIEDEN SIND? Text: Lia Haubner

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NOSTALGIE

YOUTUBE WAR GESTERN YOUTUBE NENNT SEINE VIDEOMACHER/INNEN CREATOR. DIE PLATTFORM MÖCHTE EIN ORT OHNE KREATIVE GRENZEN SEIN. DOCH DER SPASS HÖRT BEIM GELD AUF – UND DIE GROSSEN KANÄLE DENKEN ÜBER KONSEQUENZEN NACH. »ICH VERDANKE YOUTUBE SO VIEL, ABER...«: WARUM DAS HARMONISCHE VERHÄLTNIS DER PLATTFORM MIT DEN NUTZER/INNEN BRÖCKELT.

Die Spots in der Werbepause der Oscars sind fast so wichtig wie die Preisverleihung selbst. Wer hier werben darf, hat es geschafft. Es ist also kein Zufall, dass der Konzern Samsung Casey Neistat dafür verpflichtete. Neistat gehört zu den weltweit bekanntesten YouTubern und hat es geschafft, mit seinen Videotagebüchern, kurz Vlogs, mehr als acht Millionen Abonnenten zu sammeln. Dass Samsung ausgerechnet ihn in der Werbepause

der Oscars ins Rampenlicht stellt, ist eine klare Botschaft. Von ihr profitiert nicht nur der Smartphone-Hersteller, sondern auch das Image von YouTube. Neistat trägt in der Oscars-Werbung Anzug und steht vor einem Mikrofon. Um ihn herum ist es dunkel. Dann beginnt er, zu sprechen. In nur einer Minute erklärt er der Branche, dass eine neue Generation an Filmemacher/innen in den Startlöchern steht. »Erlauben Sie mir, dass ich uns vorstel-

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le: Wir sind The Rest Of Us«, sagt Neistat und beschreibt, was die Arbeit von YouTuber/innen einzigartig macht: Sie brauchen keine hohen Produktionsbudgets, um ihre Ideen mit der Welt zu teilen. Darauf sind sie stolz. Ein halbes Jahr später spielen Neistat und viele Kolleg/innen offen mit dem Gedanken, sich nach anderen Videoplattformen umzusehen. Was ist passiert?

»ERLAUBEN SIE MIR, DASS ICH UNS VORSTELLE: WIR SIND THE REST OF US«: YOUTUBER/INNEN BETRACHTEN SICH ALS COMMUNITY. WAS SIE WOLLEN? ERNST GENOMMEN WERDEN

Neistat steht für das Bild, das YouTube nach außen transportieren will. Er ist 36 Jahre alt, hat das Vlogging-Genre geprägt und erfindet sich trotzdem immer wieder neu. Grenzenlose Kreativität soll im Vordergrund stehen. Eine Botschaft zu haben und so die Community zu begeistern, ist wichtiger als die teuerste Kamera. Deshalb nennt YouTube seine Publisher/innen auch Creator. Der Community gefällt das. Doch sobald es um Geld geht, bröckelt das harmonische Image. Immer öfter fühlen sich die Nutzer/innen von YouTube nicht so wertgeschätzt, wie es in ihren Augen sein sollte. Vlogger wie Neistat filmen nicht nur zum Zeitvertreib. Gut besuchte Kanäle und oft angesehene Videos werden dank Werbeeinnahmen zu barem Geld. YouTube kauft Anzeigen ein, die dann vor oder in den Vlogs, Tutorials und Challenges von Neistat und seinen Kolleg/innen laufen. Dafür werden sie an den Einnahmen beteiligt. Welche Videos mit Anzeigen kombiniert werden, entscheidet YouTubes Algorithmus. Seit

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MAUVE

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NOSTALGIE

einigen Monaten mit verschärf-

her für Werbeeinnahmen gesorgt

ten Richtlinien. Nachdem öffent-

haben,

lich bekannt wurde, dass Werbe-

neuen Richtlinien »demonetari-

spots von Marken vor Videos mit

siert« werden. So nennen You-

extremistischen Inhalten liefen,

Tuber/innen das Verweigern der

überarbeitete die Plattform ihre

Anzeigenauslieferung. Für viele

Regeln. Nun gelten auch Videos

Nutzer/innen, die von ihren Ka-

mit »umstrittenen Themen und

nälen leben, ist das ein großer fi-

sensiblen Ereignissen« als wer-

nanzieller Einschnitt. Außerdem

beunfreundlich

. Dabei ist von

seien die Regeln weder klar noch

Krieg, Terror und »aktuellen Tra-

fair, kritisiert Casey Neistat auf

können

aufgrund

der

ÜBER DIE AUTORIN Lia arbeitet als Redakteurin und Videographerin in Berlin. 2009 launchte sie ihren Blog sexdrugsblognroll. Heute schreibt sie freiberuflich über Popkultur, Feminismus und Tech.

gödien, auch wenn diese in den Nachrichten oder als Dokumentation präsentiert werden«, die Rede. Das klingt schwammig. Die Umsetzung ist es auch. Fest steht dagegen: Wann das Video hochgeladen wurde, ist dabei nicht relevant. Auch alte Clips, die bis-

seinem Kanal . Ein aktuelles Beispiel: Sein Video, das Spenden für die Opfer des Angriffs auf ein Konzert in Las Vegas sammelte – und die Ankündigung enthielt, das alle Werbeeinnahmen gespendet werden –, konnte nicht mit Anzeigen kombiniert werden. Auf

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Nachfrage von Neistats Kolleg/ innen und Fans erklärte YouTube auf Twitter, dass die Werbeeinblendung in Videos über Tragödien grundsätzlich nicht möglich sei. Vor dem YouTube-Video des US-Talkshow-Moderators Jimmy Kimmel läuft allerdings eine Anzeige – obwohl er über den Angriff in Las Vegas spricht. Es ist kein Wunder, dass Neistat sich vor den Kopf gestoßen fühlt. Als Teil der Community sei er neben den Anzeigenkund/innen nur »Bürger zweiter Klasse«, so der Vlogger – und das, obwohl er und seine Kolleg/innen doch dafür verantwortlich seien, dass YouTube überhaupt erst attraktiv für Werbepartner/innen ist. News-YouTuber wie Philip DeFranco und LeFloid haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Es ist die mangelnde Transparenz, die Casey Neistat und seine Kolleg/innen anprangern. Warum darf ein berühmter Talkshow-Moderator als Teil eines US-TV-Networks sein eigenes Werbeteam beschäftigen, während Vollzeit-YouTuber/innen von der Aussteuerung der Anzeigen durch die Plattform abhängig sind?

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V L O G G I N


MAUVE

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NOSTALGIE

»DIE COMMUNITY SIND BÜRGER ZWEITER KLASSE«: NEISTAT UND DEN YOUTUBE-NUTZER/INNEN GEHT ES UM EIN VERHÄLTNIS AUF AUGENHÖHE

Gegenüber der BBC erklärte eine YouTube-Sprecherin, dass man daran arbeite, in Fällen wie den Videos zu dem Angriff in Las Vegas generell keine Werbung mehr zu erlauben. Außerdem sei in Bezug auf Neistats Vorwürfe klar, dass noch viel zu tun wäre. Trotzdem wird offen über Alternativen gesprochen: Twitch, eine Plattform von Amazon, die aktuell vor allem für Gaming-LiveStreams genutzt wird, wird von vielen YouTuber/innen im Auge behalten. »Ich bin der größte YouTube-Fan«, beteuert Neistat in seinem Video noch. YouTube war früher keine bessere Plattform. Neistat geht es nicht um neue oder alte Richtlinien, sondern um ein Verhältnis auf Augenhöhe. Damit spricht er für viele Creator – mal wieder.

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NOSTALGIE

e s i e r Zeit DIE BESTEN FLOHMÄRKTE

Es geht wohl kaum einfacher, mit allen Sinnen in die Vergangenheit zu reisen, als mit dem Besuch eines wirklich guten Trödelmarkts. Hier können Dinge angefasst werden, wir hören das Geräusch des alten Holzes, wenn wir eine Vintage-Truhe öffnen, und ja, Trödel bringt auch einen ganz eigenen Geruch mit sich. Was einen Trödelmarkt für uns wirklich gut macht? Private Verkäufer, einzigartige Produkte mit jeder Menge Geschichte zu fairen Preisen und ein Ambiente, in welchem wir uns wohlfühlen. Hier sind Tipps von Freunden, Flohmarkt-Spezialisten und Bloggern viel wert.

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EIMSBÜTT

Altona

Foto: Herz&Blut SISTER-MAG.COM

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MAUVE

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g r u b m a H

FLOHMÄRKTE TIPPS IN

WANN?

HAMBURG Foto: Milena Mörsdorf

Jeden letzten Sonntag im Monat

WO?

Else-Rauch-Platz in Hamburg Eimsbüttel

KATRIN HOFFMANN

Inhaberin des Etsy Shops moovi

TLERFLOHMARKT Eimsbüttel Rotherbaum

a- Nord

Ein toller Anwohner Flohmarkt mitten im Herzen von Eimsbüttel. Hier halte ich nach Fundstücken für meinen Vintage Shop »Moovi « Ausschau. Das Schöne! Nach dem Vintage Hunting treffe ich hier Nachbarn und Freunde auf einen Plausch oder Kaffee. Da es keine kommerziellen Händler gibt, habe ich hier schon das eine oder andere Schnäppchen gemacht. Zu-

St. Pauli Hafencity

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MAUVE

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S H O P

letzt eine schöne Tischlampe aus rosafarbenen Glas. Ich hatte sie nur einen Tage im Shop und dann war sie sofort verkauft. Ganz besonders willkommen sind auf diesem Flohmarkt immer Stadtteilinitiativen, soziale Organisationen und Verbände. Das finde ich gut! Und auch Kinder dürfen auf der Rasenfläche ihr Spielzeug ohne Standgebühren verkaufen. Da gucke ich schon den Kleinsten gerne beim Feilschen und Handeln zu. 43

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MAUVE

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Be r l in

FLOHMÄRKTE TIPPS IN

Foto: Sarah Timplan

BERLIN

JENNY SCHÜSSLING

Blog MakeitBoho

WANN?

Jeden Sonntag von 7.00 – 14.00 Uhr.

WO?

Nonnendammallee 135 13599 Berlin

Von dem Flohmarkt in der Nonnendammallee haben wohl selbst viele Berliner noch nicht gehört. Er ist unweit vom U-Bahnhof Paulsternstraße auf dem Parkplatz der METRO gelegen. Dank Überdachung bleibt man hier auch bei schlechtem Wetter trocken und so findet der Flohmarkt das ganze Jahr über statt. Auf dem Markt findet man eine bunte Mischung aus privaten Händlern, wie jungen Frauen die etwas Platz im Kleiderschrank schaffen wollen oder auch viele ältere Herrschaften die an ihren Ständen selbstgezüchtetes Gemüse, Pflanzen neben sonstigen Trödel anbieten. Außerdem findet man hier immer eine Anzahl an Händlern die tolles Interieur aus Wohnungsentrümpelungen verkaufen. Ich habe hier z.B. schon einen echten »Beni Ourain« - Berberteppich für 30 € und einen Bambus Barwagen für 10 € ergattern können. Einziges Manko: kulinarisch gibt es hier neben einem Kaffeewagen und einem Stand mit türkischen Backwaren meist nicht viel zu entdecken. 45

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P ar i s

FLOHMÄRKTE TIPPS IN

WANN?

PARIS

Jedes Wochenende, zwischen 7.00 & 14.00 Uhr

WO?

Puces de Vanves,

ELODIE LOVE

(im Süden von Paris)

Floral & Decoration Blogger @ madame_love

Flohmärkte haben in Paris eine wirkliche Tradition und mein Favorit ist der am Porte des Vanves. Er ist ein Geheimtipp, auch wenn er über 380 Stände hat. Die noch größeren Märkte findet ihr in Saint-Quen und Montreuil. Ich finde aber, dass der am Porte des Vanves, der Markt mit dem meisten Charme und

den besten Schnäppchen ist. Hier könnt ihr Art Deco Möbel, allerlei Dekoration sowie alte Stoffe und Materialien finden. Das letzte Mal, als ich dort war habe ich ein super süßes Puppenhaus Tee-Set für meine Tochter gekauft. Bei gutem Wetter spielen hier auch ab und an Musiker live auf den Straßen.

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m a d r e t s Am

FLOHMÄRKTE TIPPS IN

WANN?

AMSTERDAM

Montag – Sonntag, 9.30 – 18.00

WO?

Waterlooplein market

BEAU COLIN

Designer & Brand Strategist beaucolin.com @ whatbeaudoes

Der »Waterlooplein Market« ist der älteste Flohmarkt in Amsterdam, direkt auf dem Waterloo Platz. Drumherum jede Menge schöne Cafés und kleine Shops. Original war dieser einst ein Jüdischer Markt und heute findet ihr hier

handgemachte Produkte und Vintage. Da viel los sein kann, empfehle ich bereits am Morgen bzw. Vormittag vorbei zu schauen um die wirklich tollen Vintage-Teile zu ergattern.

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Dr esd e n

FLOHMÄRKTE TIPPS IN DRESDEN

ANNA GNÖRICH

Blog Bildhübsch bildhuebschfashion.com

WANN?

Fast jeden Samstag, genaue Termine findet ihr auf der Homepage.

WO?

Elbeflohmarkt an der Albertbrücke, Käthe-Kollwitz-Ufer

Auch wenn der Flohmarkt an der Albertbrücke kein Geheimtipp mehr ist, ist er immer wieder einen Besuch wert. Allein schon die Lage, so direkt am Elbufer, macht diesen Flohmarkt zu einem tollen Ausflugziel. Was ihr dort findet? Vor allem Möbel, Dekoration und Kleidung – auch ein paar Obststände (aus Eigenanbau) sind ab und an da. Hier verkaufen jung und alt, ausschließlich private Verkäufer und ein paar Antiquitätenhändler, heißt beste Voraussetzungen um einen tollen Flohmarktfund zu machen. Zudem sind die Preise wirklich fair. Die DDR-Geschichte der Region spielt natürlich eine Rolle: Keramik, Dekoration und mehr aus der ehemaligen OstZeit findet ihr mit Sicherheit. Dazu gehören auch Relikte aus Russland. Wer nachfragt (oder auch einfach so), wird auch die ein oder andere Geschichte zu Ohren bekommen. 51

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n e g a h n e Kop

FLOHMÄRKTE TIPPS IN

Foto: Emilie Bruun Poulsen

KOPENHAGEN

MELITTA CAPOLEI

Produktionsassistentin

WANN?

Jeder erste Sonntag im Monat.

WO?

Købmagergade 52, 1150 Kopenhagen

Kopenhagen ist die Stadt der Flohmärkte, aber leider auch die Stadt des Regens, und deswegen ist der Indoor-Flohmarkt im Stundenterhuset mein GoTo, auch an kalten Sonntagen. Vor allem für Kleidung, Accessoires und Schmuck seid ihr hier richtig. Im Stundenterhuset gibt es oftmals nicht nur fast neue Kleidungsstücke von stylischen Kopenhagenerinnen zu super-günstigen Preisen, sondern auch ein hauseigenes Café, in welchem man es sich gemütlich machen kann. Mein absoluter Glücksfund war ein selten getragener, grauer Kaschmir-Pullover für umgerechnet nur 10 Euro. Da sich der Flohmarkt über zwei Etagen erstreckt, solltet ihr genügend Zeit mitbringen.

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d n u m t r o D

FLOHMÄRKTE TIPPS IN DORTMUND

WANN?

Jeder ersten Samstag und Sonntag im Monat

WO?

ANASTASIA BENKO

Dortmund, Emil-Figge-Straße / Universität

Stylistin & Photographin anastasiabenko.com @ stilzitat Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wie bei so vielen anderen Dingen kann man es sich nicht immer einfach aussuchen, wo das Leben einen hin verschlägt. Ich bin in Dortmund gelandet. Meine Reisen durch die Welt haben meinen fotografischen Stil geprägt, aber so oft habe ich in meinem stillen Kämmerlein gesessen und von exotischen Props aus aller Welt geträumt. Wer jetzt denkt: »Ja, in Dortmund kann sie lange drauf warten!«, hat weit gefehlt! Denn all diese wundervollen Dinge, die man hier auf dem Foto sieht (außer

dem Gallery Print), stammen vom Dortmunder Flohmarkt ein Fellteppich in einer ausgefallenen Farbe, eine XXL Amphore, die aus Asien stammt, Vintage-Schulkarten und eine Vase, die an ein Raumschiff erinnert. Alles Dinge, für die man auf Flohmärkten in Paris oder Brüssel ein Heidengeld ausgeben würde. Für den, der es sich ganz doll wünscht bzw. die Augen ganz weit aufmacht auf dem Dortmunder Flohmarkt, werden Träume nach ausgefallenen Props doch manchmal wahr!

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Mailand FLOHMÄRKTE TIPPS IN

WO?

MAILAND

AGATA DIMMICH

Bloggerin / Interieur- & Produkt-Stylistin passionshake.com

WANN?

Letzter Sonntag jeden Monats (außer Juli & August)

Mailand, Mercatino Naviglio Grande, U-Bahn-Station: Porta Genova. Um den Kanal von Viale Gorizia bis zur Via Valenza

Der drei Kilometer lange Markt wird am letzten Sonntag jedes Monats auf beiden Seiten vom Mailands ältestem Kanal abgehalten. Ich muss sagen, dass ich immer beeindruckt bin von der Vielfalt an interessanten Stücken, die angeboten werden – von Vintage-, antiken und Retro-Möbeln bis zu handgemachter Keramik, orientalischen Stoffen und einzigartigen Accessoires. Der Ort ist belebt, pulsierend und gefüllt mit magischen Designs, wenn ihr also Mailand besucht, sorgt dafür, dass ihr am Ende des Monats kommt, um es zu erleben.

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BERLIN

e i d o o F

GUIDE ZU BESUCH IN BERLIN

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DIE QUAL DER WAHL – ESSEN GEHEN IN BERLIN

Ob Dinner in einer alten Turnhalle oder eine Gaumenkitzel-Reise nach Vietnam – kulinarisch gibt es in Berlin wohl nichts, was es nicht gibt. Da fällt die Entscheidung manchmal schwer. Wir kennen sie alle, die Frage: »Und wo gehen wir heute essen?« Statt einer Antwort folgt mal ein betretener Blick nach unten, mal ein unschlüssiges Schulterzucken oder Sätze wie »Immer das gleiche ist auch langweilig« und »So richtig fällt mir auch nichts ein«. Denn trotz oder gerade wegen der riesigen Auswahl wissen wir häufig nicht, was wir wo essen wollen. Wo kann man ungestört arbeiten? Welcher Brunch gefällt allen Freunden? Wo gibt's schnell Lecker-Gesundes für die Mittagspause? Diese Fragen beantwortet Mastercard Priceless Berlin jetzt im Berlin Foodie Guide , in dem sich, nach Anlässen und Stories geordnet, die passenden Restaurants und Cafés finden lassen. Auch wir haben mit vier Bloggern einen Foodie Day in Berlin verbracht – vom Brunch bis zum Turnhallendinner!

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BERLIN

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e i d o Fo

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GUIDE

s ' t r e i n o i t S o f unk MEHR ALS EINE RESTAURANT-LISTE

Als Teil des Berlin Foodie Guides möchten wir euch die Geschichten unserer liebsten Restaurants und Cafés erzählen und die Menschen vorstellen, die hier essen. EIN PLATZ ZUM WOHLFÜHLEN

Sanftes Licht, gemütliche Sitzecken und natürlich tolles Essen – wir zeigen euch, wo Berliner Blogger sich am wohlsten fühlen. SISTER-MAG.COM

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ZU BESUCH IN BERLIN

oder auf der Suche nach dem richtigen Ambiente fürs nächste Date? Bei den Foodie Guide Stories ist für jeden Anlass etwas dabei!

ZUM GUIDE EURE LIEBLINGSORTE

Mit dem #berlinfoodieguide könnt auch ihr eure liebsten Spots teilen!

LEIDENSCHAFT FÜRS ESSEN

Nicht umsonst sagt man »Liebe geht durch den Magen«: Aus ganz verschiedenen Anlässen könnt ihr eure perfekte Location aussuchen! 63

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e i d o Fo DAY IN BERLIN

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FEINER HUBERT Zum Brunch mit Jules von Herz und Blut ging es in den Wedding. N° 58 Vegane Leckereien mit Melina Mandarini.

PAULY SAAL

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Was uns neben den kreativen Menüs besonders begeistert hat? – Die gemütliche Terrasse.


QUÀ PHÊ Asiatische Köstlichkeiten und ein tolles Ambiente im Quà Phê. LE BON Zum Schlemmen und zum Arbeiten im Le Bon mit Vicky von The Golden Bun

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FEINER HUBERT

in Berlin

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Für d e n t i m h c n u r B . . . n e d n u e r F

FEINER HUBERT

in Berlin

J ul e s

PANCAKES UND MEHR

HERZ UND BLUT

Wie könnte man einen Foodie Tag besser beginnen als bei einem Brunch mit Freunden? Dazu ging es für uns in den Feinen Hubert im Berliner Wedding.

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Als Fotografin hat Jules die Locations in unserem Foodie Guide in Szene gesetzt – als Bloggerin und Caféexpertin zeigt sie uns auch einen ihrer Lieblinge für einen leckeren Start in den Tag! 68


BRUNCH FÜR DEN SÜSSEN GAUMEN

GEÖFFNET

Mi-So 10.00-18.00 KONTAKT

Als »Pancake Moderne« beschreibt der Feine Hubert sein Menü und ist Programm! Fluffig und mit ungewöhnlichen Zutatenkombinationen getoppt – was will man mehr?

+49 1522 2723756 WEBSITE

ADRESSE

Tegelerstraße 31 13353 Berlin

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n o i t a c o Die L Auf der Tegeler Straße im Sprengelkiez wartet seit kurzem der »Feine Hubert« mit leckeren Pancakes.

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LE BON

in Berlin

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Für e in e n t r a t S n e t u g in d e n g a T ) s t i e b (Ar

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GEÖFFNET

Di-Sa 9.30–23.30 So 9.30–16.00 KONTAKT

+49 3063420794 WEBSITE

LE BON

in Berlin CAFÉ FÜR ARBEIT UND GENUSS

Eigentlich kamen wir nur für ein kleines Arbeitstreffen mit Vicky, aber bei einem Blick auf die Speisekarte war klar, dass es nicht dabei bleiben würde. Also: Erst Brunch, dann Arbeit, begleitet von einem frischen Saft und natürlich Kaffee.

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MORGENDLICHE STÄRKUNG

Zum Frühstück hat Vicky Eggs Benedict bestellt, dazu gibt es einen frischen Orangensaft mit einen Latte Art Kaffee.

V ic k y

THE GOLDEN BUN Nach einigen Monaten des Reisens ist für Vicky erst einmal Ankommen angesagt – sie ist vor kurzem nach Berlin gezogen! Dank früherer Tipps hat sie bereits jetzt einige Lieblingscafés – unter anderem das Le Bon!

ADRESSE

Boppstr. 1 10967 Berlin

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n o i t a c o Die L

Ob im Team am großen Holztisch oder ungestört an einem der Fensterplätze – im Le Bon könnt ihr nicht nur lecker essen und trinken, sondern auch in schönem Ambiente arbeiten!

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ARBEITEN IM CAFÉ? DAS DARF NICHT FEHLEN:

Neben Laptop und Unterlagen sollten auch eure Kopfhörer nicht fehlen. Denkt außerdem an diverse Ladegeräte oder Powerbanks. Am besten macht ihr euch vorab einen Plan, was ihr alles erledigen wollt – so geht ihr sicher, dass am Ende nichts fehlt. Und last but not least: Papier, Post Its oder ein Notizbuch mit Stift solltet ihr immer parat haben!

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ZUM LUNCH

im Quà Phê SISTER-MAG.COM

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Für e in e n n e t n n a p s t en L u nc h …

QUÀ PHÊ

in Berlin

Siss i

VIETNAMESISCHE KÜCHE

EATING IN BERLIN

Das vietnamesische Café in Berlin Mitte eignet sich perfekt für eine besondere Mittagspause mit Kollegen oder Freunden!

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Sissi wurde in China geboren, wuchs in Österreich auf und lebt inzwischen in Berlin – drei Länder, drei Kulturen und Mentalitäten. Wie sie an neuen Orten ankommt, was ihr Halt gibt? Nicht selten ist es das Essen, noch vor der Sprache oder anderen Kontakten! 80


EIN LUNCH MIT HEIMATGEFÜHLEN

Unsere Lieblinge im Quà Phê? Die Reiscrêpes mit unterschiedlichen Füllungen und der Drip Coffee auf Eis, welcher aus einem Metallfilter ins Glas tropft und mit vietnamesischer Kondensmilch getrunken wird.

GEÖFFNET

täglich 9.00-21.00 KONTAKT

+49 30 97005479 WEBSITE

ADRESSE

Max-Beer-Straße 37 10119 Berlin Mitte

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n o i t a c o Die L Was wir am Quà Phê so gerne mögen? Da fällt uns einiges ein: Die Lage im Herzen der Stadt – genau richtig für die Mittagspause oder die Stärkung nach einer anstrengenden Shoppingtour. Die individuelle Einrichtung – das Zusammenspiel niedriger Tische mit einer großen Tafel, die Korblampen in Verbindung mit Industrial Elementen, der Steinboden in Verbindung mit Holz und Glas. Was uns aber am besten gefallen hat, ist die herzliche und familiäre Atmosphäre. Dank ihr hätten wir uns im Quà Phê gerne noch viel länger als für nur eine Mittagspause aufgehalten.

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N° 58 SPEISEREI

in Berlin 85

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e M k c i P Für e in Up a m g a t t i m h c a N GEÖFFNET

Mo-Fr 9.30-16.30 Sa-So 10.00-18.00 KONTAKT

+49 3062728050

N° 58 SPEISEREI

WEBSITE

in Berlin REGIONALE KÜCHE

Ihr trefft euch am Nachmittag mit Freunden und seid unsicher, was ihr wollt? Für die einen ein spätes Mittagessen, die anderen nur einen Kaffee und wieder andere gerne etwas Süßes? Kein Problem! SISTER-MAG.COM

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PERFEKT FÜRS DATE MIT FREUNDEN

Ob (vegane) Stulle, Latte Art oder Peanut Butter Brownie – hier wird jeder fündig, passend zur eigenen gefühlten Tageszeit ;-).

a n i l e M

MELINA MANDARINI

Melina lebt, studiert und arbeitet nun schon eine ganze Weile in Berlin und liebt es, die unterschiedlichen FoodSpots der Stadt zu entdecken – in ihrem Kiez in Mitte oder auch mal ganz woanders, wie in der N° 58 Speiserei in Berlin Neukölln! 87

ADRESSE

Weisestraße 58 12049 Berlin

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n o i t a c o Die L

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Ob sonniger Herbsttag oder neblige Winterstimmung – die N° 58 Speiserei ist für alles gewappnet. Draußen könnt ihr die letzten Sonnenstrahlen einfangen, während drinnen an düsteren Tagen die Kerzen angezündet werden, die gemeinsam mit den Holzund Vintage-Elementen für gemütliche Stimmung sorgen. Genauso kuschelig bis spritzig ist der Inhalt der Speisekarte: Von frisch gepressten Säften über Suppen, gesunde Snacks bis hin zu süßen Belohnungen oder Nervennahrung ist alles dabei. Selbstverständlich gibt's auch vegane Köstlichkeiten und glutenfreie Alternativen.


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PAULY SAAL

in Berlin SISTER-MAG.COM

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Für d e n krönenden . . . s s u l h c Abs

GEÖFFNET

Di-Sa 12.00 – 14.00 & 18.00 – 21.30 KONTAKT

+49 3033006070 WEBSITE

PAULY SAAL

in Berlin MODERNE GERICHTE IN UNGEWÖHNLICHEM AMBIENTE

Bar, Restaurant und Garten: je nach Wetter und Tageszeit bietet das Pauly Saal ganz unterschiedliche Ambiente. Zum Genießen laden sie alle ein. Immer dabei: moderne Gerichte und Drinks.

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AUS SCHULE WIRD RESTAURANT

Das Pauly Saal befindet sich in der Turnhalle einer ehemaligen jüdischen Mädchenschule, der Außenbereich im Schulhof. Schulphobiker müssen sich nicht sorgen: Das stilvolle Ambiente lässt die frühere Nutzung nur noch schwach erahnen.

D i nn e r

IM PAULY SAAL ADRESSE

Die Menüs im Pauly Saal kreiert Chefkoch Arne Anker mit ungewöhnlichen Zutatenkombinationen und mindestens so besonderen Anrichtungen! 93

Auguststraße 11–13 10117 Berlin

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n o i t a c Die Lo

DINNER UNTER EINER RAKETE? Auf ins Pauly Saal!

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l e i p s G ew i n n Haben wir dich hungrig gemacht? Lust auf deine eigene Foodie Experience in Berlin bekommen? Gemeinsam mit dem Berlin Foodie Guide kannst du die jetzt gewinnen! *

*

20.

Poste dein Bild

November

#berlinfoodieguide

mit

Hier findet ihr die Teilnahmebedingungen

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@priceless.cities

und @sister_mag

und du bist dabei!


Ob Mädelsabend, großer Brunch oder romantisches Dinner – wir laden dich zum Essen ein!

Was du für deine Berlin Foodie Experience tun musst? Ganz einfach: Poste ein Instagram Bild mit dem Hashtag #berlinfoodieguide, tagge @priceless.cities und @sister_mag und verrate uns, nach welchem Anlass im Foodie Guide , du dich in Berlin auf die Suche machen würdest. Mit etwas Glück bist du schon bald da, verbringst mit einer Begleitperson einen Tag in Berlin, entdeckst einen unserer liebsten Foodspots oder deinen ganz eigenen. Eure Reisekosten übernehmen natürlich wir!

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Rezepte & Fotos: Christiann Koepke

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Wer sagt, Konfitüre selbst zu machen, sei altmodisch? Unser Food Creator Christiann Koepke hat drei besondere Rezepte für die herbstliche Jahreszeit entworfen. Bon Appétit!

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MAUVE

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FÜR 340 GRAMM

1.

Vermenge alle Zutaten in einem mittelgroßen Topf.

2.

Erhitze sie (nicht ganz kochen lassen) bei mittlerer Hitze unter häufigem Umrühren.

3.

2 EL frisch gepresster Limettensaft

Reduziere die Hitze und lasse die Mischung unter gelegentlichem Rühren leicht köcheln, bis sie die Konsistenz von dicker Konfitüre hat, circa 40 bis 45 Minuten.

4.

1 TL gemahlener Kreuzkümmel

Nimm den Topf vom Herd und bearbeite die Masse mit dem Mixer, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

5.

Nun braucht Du nur noch warten, bis das Ganze abgekühlt ist. In einem luftdichten Glas ist diese süß-pikante Konfitüre bis zu zwei Wochen haltbar.

500 g (etwa 6 kleine) Tomaten, reif, entkernt und zerkleinert 250 g (etwa 1 ½ ) Peperoni, entkernt und zerkleinert 200 g Zucker

1 TL Salz

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FÜR 680 GRAMM 1 ½ Pfund reife, frische Feigen (bevorzugt schwarz), entstielt, in 1 Zentimeter große Stücke geschnitten ½ Pfund (etwa 3 kleine) Pflaumen, reif, entkernt und zerkleinert

&

NOSTALGIE

1.

Entferne mit einem Gemüseschäler die Schale der Zitrone (nur den gelben Teil). Schneide die Schale in streichholzlange Streifen (etwa 3 EL voll).

2.

Vermische Zitronenschalen, Feigen, Pflaumen, Honig, Brandy und Salz in einem schweren, großen und tiefen Topf. Verrühre alles. Lass es 20 Minuten bei Zimmertemperatur ziehen.

3.

Erhitze anschließend die Feigen-Mischung bei mittlerer Hitze und unter häufigem Umrühren.

4.

Reduziere die Hitze und lasse die Masse unter gelegentlichem Rühren leicht köcheln, bis sie die Konsistenz von dicker Konfitüre hat, etwa 30 bis 35 Minuten.

5.

Füge die Walnüsse hinzu und koche das Ganze weitere 10 bis 15 Minuten.

6.

Nimm die Konfitüre vom Herd und lass sie abkühlen. Fertig!

7.

In einem luftdichten Glas ist Dein Feigen-Pflaumen-Schmaus bis zu 2 Wochen haltbar.

500g (1 ½ Tassen) Honig 70g (¼ Tasse + 2 Esslöffel) Brandy 98g (1 Tasse) Walnüsse, gehackt 1

Zitrone

1/4 Teelöffel Meersalz

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FÜR 680 GRAMM 1,5 kg (etwa 6 große) Williams-Christoder rote Birnen, reif, geschält, entkernt, in 2 cm große Stücke geschnitten 2

Vanilleschoten, längs zerteilt, Samen ausgekratzt

200 g Zucker 1 EL frischer Zitronensaft

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NOSTALGIE

1.

ring eine ¾-Tasse Wasser zum B Kochen. Lass die Earl-Grey-Teebeutel 15 Minuten lang darin ziehen.

2.

Fülle den durchgezogenen Tee und die restlichen Zutaten in einen mittelgroßen Topf und erhitze alles bei mittlerer Hitze und unter häufigem Umrühren.

3.

Verringere die Hitze und lasse alles etwa 40 Minuten lang leicht köcheln, zerdrücke nach der Hälfte der Zeit vorsichtig die Birnen.

4.

Nimm die Mase vom Herd und mixe sie vorsichtig, füge bei Bedarf 1 bis 3 EL Wasser hinzu, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

5.

Die Birnenkonfitüre kannst du in einem luftdichten Glas bis zu 2 Wochen aufbewahren.

2 Teebeutel Earl Grey 1 TL Kardamom

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ALBERTA TIBURZI IN 'ENVELOPE' DRESS BY CHRISTÓBAL BALENCIAGA, HARPER'S BAZAAR, JUNE 1967 © HIRO 1967

balen

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Text: Antonia Sutter

Fotos: Thea Neubauer

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ANFANG AUGUST WAR ICH IN LONDON. AUF DER SUCHE NACH INTERESSANTEN AUSSTELLUNGEN, STAND »BALENCIAGA: SHAPING FASHION« IM VICTORIA & ALBERT MUSEUM (V&A) SOFORT OBEN AUF DER LISTE. DAS FOTO DES »BRIEFUMSCHLAGKLEIDES« IST VON SO ZEITLOSER SCHÖNHEIT, DASS ES MICH IMMER WIEDER IN SEINEN BANN ZIEHT.

Das V&A feiert mit »Balenciaga: Shaping Fashion« zwei besondere Ereignisse im Leben des Couturiers: 1917 eröffnete Cristóbal Balenciaga (1895–1972) seine erste Schneiderei an der Nordküste Spaniens, 1937 das bekannte Couture Haus in Paris. Die Ausstellung stellt nicht nur einige seiner berühmtesten Kreationen aus, sondern zeigt ihn auch als Innovator im Mode-Business.

ciaga Die Komplexität der Kreationen wird mit Hilfe der X-Ray Technologie analysiert, die das Innere der Kleider sichtbar macht.

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X-RAY TECHNIK, Victoria and Albert Museum, London

Dadurch sieht man, wie ausgeklügelt Balenciaga durch Schnitt, Fall der Materialien und geschickt gesetzten Nähten die perfekte Passform erzielte. Viele berühmte Modefotografien von Irving Penn, Cecil Beaton und Richard Avedon aus Harper’s Bazaar, Vogue oder L’Officiel führen einem vor Augen, das seine wegweisenden Formen und Schnitte auch heute noch immer wieder neu interpretiert werden. Dabei war Balenciaga nicht nur Künstler. Mit seiner spanischen Zweitlinie »Eisa« schuf er schon frühzeitig erschwinglichere Variationen seiner Entwürfe. Auch lizenzierte er Schnitte an große amerikanische Kaufhäuser. SISTER-MAG.COM

Boloero jacket, eisa, spain, 1947 © museo cristóbal balenciaga

Aber wer war dieser Cristóbal Balenciaga, der Kleidung erschuf, die mehr Skulptur als Mode war? Die Ausstellung zeigt, dass er sein Privatleben bedingungslos schützte. Zeit seines Lebens gab er so gut wie keine Interviews. Er wollte, dass seine Designs und nicht er selbst im Fokus standen. Daher bleibt er gewissermaßen ein Enigma. Dafür spricht seine Mode auch heute noch zu uns und verrät einiges über sein Leben. Viele seiner berühmtesten Kreationen haben ihren Ursprung in typisch spanischer Festtagskleidung: Chaquetillas – die Jacke der Stierkämpfer, Man-

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cristóbal balenciaga at work, paris, 1968. photograph henri cartierbresson © henri cartier-bresson, magnum photos

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evening dress, cristóbal balenciaga, paris, 1962. photography by cecil beaton, 1971 © cecil beaton studio archieve at sotheby's

tones – über die Schulter oder um den ganzen Körper gebundene Schals oder Mantillas – »kleine Mäntel«, die in Spanien seit dem 16. Jahrhundert über Kopf und Schultern getragen wurden. Balenciaga war 1895 in Getaria, einem kleinen Fischerstädchen im Baskenland geboren worden und kannte sich sehr gut mit den spanischen Traditionen aus, die er durch sein Talent in moderne Haute Couture verwandelte. Gelegentlich brauchte er ein Vorzeigeobjekt als Gesprächsthema für seine Kunden und das basierte oft auf einer spanischen Idee. SISTER-MAG.COM

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SPIRAL HAT, SILK, BALENCIAGA FOR EISA, SPAIN, 1962 © VICTORIA AND ALBERT MUSEUM, LONDON

Ein weiteres biographisches Ereignis, das direkten Einfluss auf seine Mode hatte, war der plötzliche Tod seines Lebensgefährten Wladzio d’Attainville mit 49 im Jahr 1948. Florette Chelot, langjährige Mitarbeiterin Balenciagas fasste es so zusammen: »Wenn [d’Attainville] gelebt hätte, wäre die Mode Balenciagas nicht so ernst gewesen, sie hätte nicht diese Schwere gehabt.« Er war es gewesen, der Balenciaga aus seinem Schneckenhaus gelockt, ihm Selbstbe-


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ÜBER DIE BÜCHER: Lesley Ellis Miller: »Balenciaga: »Shaping Fashion«, V&A Publishing 2017 Mary Blume: »The master of us all: Balenciaga, his workrooms, his world«, Farrar, Straus and Giroux 2013

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wusstsein gegeben und die verrückten Hüte zu den nüchternen Ensembles entworfen hatte. Mit seinem Tod verschloss sich Balenciaga immer mehr in sich selbst. Am glücklichsten war er noch bei der Arbeit. Dabei herrschte eine fast klösterlich Stille. Nur wenige Menschen unterstützten ihn beim Zuschneiden, Feststecken, Schneidern und Anpassen der Kreationen bis zur Perfektion – Perfektion sah er nie selbst in seinen Entwürfen, immer annehmend, dass es noch besser ging. Die treusten Wegbegleiter außerhalb seines Unternehmens waren wenige Top-Kundinnen. Teilweise über 20 Jahre vertrauten Frauen wie Mona Bismarck, Barbara Hutton, Gloria Guinness oder Pauline de Rothschild Balenciaga

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mit ihren Toiletten. Die Kundinnen setzten darauf, dass eine der extravaganten Roben, ihnen Halt, Stärke und Ausstrahlung für die besonderen Momente in ihrem Leben gab. Aber auch Alltagsmode wie Hosen zum Gärtnern fertigte er für seine Top-Kundinnen. Einige verlebten ihr ganzes Leben in Schöpfungen Balenciagas, so stark war das Band zwi-

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schen ihnen und ihrem Couturier. Doch was ist übrig geblieben von diesem Meister der Mode, den selbst Zeitgenossen wie Christian Dior als »Meister unserer aller« (Master of us all) bezeichneten? Durch seine bahnbrechend neuen Silhouetten wirkt er bis heute nach und inspiriert Generationen von jungen Modedesignern. Der Grund hierfür liegt in der Unvergänglichkeit seiner Entwürfe. Ihm gelang, was die wenigsten Modemacher schaffen, er hat seinen Kreationen etwas über den Zeitgeist Hinausgehendes mitgegeben.

Die Ausstellung »Balenciaga: Shaping Fashion« ist noch bis zum 18. Februar 2018 im V&A Museum in London zu besuchen.

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Bunte F Bonbonfarben kennt man eher vom Frühling oder Sommer. Plüschige Felle, wollige Stoffe und flauschige Jacken verwandeln die Kleider der neuen ­s­i sterMAG-Kollektion jedoch in die perfekten Outfits für Herbst und Winter 2017. ­Inspiriert sind die ­S chnitte von den neuesten Laufstegkreationen Mailands und der ganzen Welt.

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Farben

IM HERBST

Model: Cindy Jane | Fotos: Lale Tütüncübaşi Styling: Evi Neubauer | Hair & Make-up: Aennikin 123

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Blumenkleid

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Dem schmalen Wollkleid gibt der Federbesatz an den dreiviertellangen Ärmeln den modischen Kick.

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tes Fleece-Oberteil MIT STRICKBÜNDCHEN

Hightech-Material trifft Wolle und Handarbeit. Das Bündchen wird gestrickt, die Kordel wird mit einer Strickliesel gefertigt.

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Hummerfarbene BOUCLÉJACKE

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Außergewöhnliche Farbe plus außergewöhnliche Knöpfe mit Ärmel- und Rückenriegel – fertig ist die neue Winterjacke. 129

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Sommerkleidschnitt plus Winterstoff ergibt »High Fashion«

Blaukariertes Wollkleid MIT VOLANT

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Kurzer Blumenoverall LILA FELLJACKE

Kurzer Blumenoverall wird wintertauglich mit Kuschel-Pelzjacke.

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Pencilskirt geht immer, besonders im Winter aus Wolle und bestickt.

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rüner bestickter PENCILSKIRT

Hier das Behindthe-Scenes Video von unserem Model CINDY JANE. Schaut euch ihren YouTube Kanal an für coole Videos über Beauty, Hair, Fashion und Lifestyle.

PULLOVER S T E FA N E L

SCHNIT TMUSTER ROCK

SCHUHE P R I VA T

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Bei dem Start Up ITO Yarn finden Strick- und Stofffans, was das Herz begehrt. ITO ist das japanische Wort für Garn oder Faden. ITO – Fine Yarn from Japan sind feine Garne aus Japan, einem Land mit einer langen Textiltradition. ITO arbeitet mit kleinen Spinnereien und Färbereien und versteht sich als Botschafterin der einzigartigen japanischen Textiltradition. Wir haben mit Geschäftsführerin Tanja Lay gesprochen. Und die hat uns etwas mehr über den besonderen Garn aus dem fernen Osten verraten.

Über ITO Yarn

Ich habe ITO Yarns mit einer Geschäftspartnerin aus Japan gegründet und die Idee in die Wege geleitet. Wir haben aber natürlich auch Partner in Japan vor Ort. Alle Garne werden dort gesponnen und gefärbt, und ich bin auch einmal im Jahr in Japan. Wir arbeiten zum Teil mit sehr kleinen Firmen. Es ist mir sehr wichtig, dass das in Japan produziert wird – einem Erste-Welt-Land, in welchem es auch (regionale) Mindestlöhne gibt. In Ballungsgebieten ist der deutlich höher als in Deutschland, auf dem Land etwas niedriger. SISTER-MAG.COM

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»In Japan wird Handwerk dadurch auch sehr viel mehr als Kunst angesehen.«


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Es ist immer etwas schwer in der Kommunikation, weil man unter Fair Trade zu wenig versteht. Mir ist wichtig, dass es sich um noch VIEL mehr als Fair Trade handelt. Viele Leute schieben Japan schnell in diese Asien-Ecke.

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Wie siehst du Japan?

Es ist ein Erste-Welt-Land mit einer wahnsinnig tollen Tradition, gerade im Textilbereich. Handwerk wird sehr geschätzt, und es werden daher auch höhere Preise verlangt bzw. vor allem auch gezahlt. In jedem Kaufhaus findest du meist in der obersten Etage eine große Abteilung, in welcher Handwerk ausgestellt wird. Da zahl ich dann für eine kleine, handgearbeitete Schale, von einem Meister gefertigt, schon mal über 200 Euro. Das bekomme ich nicht hinterhergeschmissen, sondern es ist sehr hochwertig.

Auch im Textilbereich haben die Garne eine unglaubliche Tradition, wie sie gefertigt werden. Deshalb sind Stoffe und auch Wolle ein wenig anders. Der Massenmarkt wird heute von der Türkei oder von China bedient, wohingegen die ITO Yarns sehr handwerkliche Garne sind. Es gibt auch heute noch viele Designer, die sich um die Farben oder auch den Herstellungsprozess kümmern. In Japan wird Handwerk dadurch auch sehr viel mehr als Kunst angesehen. Anders als bei uns, wo Kunst und Handwerk schon deutlich getrennter sind.

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ITO YARN

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Generell ist alles recht geschmackvoll gestaltet. Das Image, welches wir von japanischem Design im Kopf haben, kann man in Japan eben auch wirklich beobachten. Selbst bei normalen Kaufhäusern und Betonbauten ist der Anspruch an Design und Ästhetik in Japan sehr hoch. Einen handgemachten Kimono trägt man z.B. auch heute noch bei einer Hochzeit. Diesen leihen sich viele Leute, denn die Preise für ein solches Handwerksstück kann sich heute kaum einer leisten. Ein solcher bestickter Kimono kostet durchaus 30.000 bis 40.000 Euro, und selbst beim Leihen sind die Preise noch sehr hoch. Aber die Wertschätzung für die Tradition ist da, und das finde ich toll.

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»Selbst bei normalen Kaufhäusern und Betonbauten ist der Anspruch an Design und Ästhetik in Japan sehr hoch.«


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Wie bist du dazu gekommen? Wie bist du zu Japan gekommen? Wie findest du die Hersteller? Ich habe meine Business-Partnerin tatsächlich in Berlin kennengelernt. Es ist natürlich nicht aus dem Nichts entstanden. Ich selbst habe einen MA in Kunstgeschichte und danach noch Design studiert. Ich habe mich immer für Japan interessiert und vor allem ein großes Interesse am Textilbereich – angefangen bei Kimonos bis hin zu allen Aus-

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formungen des Handwerks. Gerade in den 80ern war das etwas ganz Neues und anderes. In den 80ern begann also meine Leidenschaft für Japan. Es gab einfach schon immer tolle Gebrauchsprodukte aus Japan, was mich faszinierte. Da ich sehr gern stricke, habe ich auch verschiedene Dinge ausprobiert

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VirginiaRomo ZU BESUCH BEI ILLUSTR ATORIN

Das Cover von sisterMAG 31 war eine echte Teamarbeit zwischen Designerin Evi Neubauer, die wie immer ein atemberaubendes Kleid schneiderte, und der Illustratorin Virginia Romo, die überlebensgroße Figurinen für unsere Fotos entwickelte.

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INTERVIEW: THEA NEUBAUER FOTOS: MIRJA HOECHST

Die Illustratorin ist eine bemerkenswerte Frau, und deshalb mussten wir sie einfach in ihrer Wohnung in Stuttgart besuchen und sie euch in einem ausgiebigen Interview vorstellen. Aus dem geplanten kurzen Besuch mit Fotografin Mirja Höchst wurden am Ende fünf Stunden, in denen Virginia viele Anekdoten aus ihrem Leben erzählte, Hunderte von Illustrationen aus der Vergangenheit und Gegenwart zeigte und in schnellen Strichen für uns zeichnete. Wir hoffen, dass wir ihre positive Ausstrahlung, ihr großes Talent und tolle Lebensgeschichte auf den folgenden Seiten wenigstens ansatzweise zeigen können. Vielen Dank für den schönen Tag, liebe Virginia! 145

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Erzähl ein wenig von dir! Mein Name ist Virginia Romo, ich komme ursprünglich aus Spanien, aber lebe schon seit 21 Jahren – seit meinem Studium – in Stuttgart. Seit sieben Jahren bin ich Illustratorin, und in den letzten zwei Jahren habe ich mich auf Mode spezialisiert – zumindest professionell, denn eigentlich ist es das, was ich schon mein ganzes Leben gemacht habe. Ich bin ausgebildete Architektin, dadurch habe ich das Zeichnen gelernt. Wie kam es zu der Entscheidung, in Vollzeit als Illustratorin zu arbeiten? Illustratorin war schon immer mein Traumjob, aber in der kleinen Provinzstadt, in der ich aufgewachsen bin, war das ungefähr so, SISTER-MAG.COM

als hätte man Astronaut werden wollen. Deswegen habe ich Architektur studiert, weil ich dachte, dass mir Zeichnen Spaß macht. In dem Beruf habe ich dann auch viele Jahre gearbeitet, erst bei Hewlett Packard in der Bauabteilung, dann als Messearchitektin bei einem unserer Lieferanten. 2008/2009 mit der Krise der Automobilbranche traf mich die Entlassung als neueste Mitarbeiterin als eine der Ersten. Für mich war das irgendwie eine Befreiung. Ich dachte mir: Okay, Illustration. Jetzt oder nie! Wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, war das schon ein bisschen leichtsinnig. Aber andererseits, wenn man für etwas brennt, dann findet man den Weg.

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Wunsch-Portfolio auf.

Kannst du dich an deinen ersten Auftrag erinnern? Ja, das weiß noch genau. Die Cousine eines Freundes meines Mannes brauchte Comic-Figuren für den monatlichen Newsletter ihrer Facility-Management-Firma. Relativ kurz danach habe ich angefangen, Schulbücher für Klett zu illustrieren und habe viele Zeichnungen für Werbeagenturen gemacht. Warum nutzt du Instagram so intensiv? Man knüpft dadurch Kundenkontakt, wie zum Beispiel mit »My Sweet Invitation« in Griechenland, die mir einfach Zeichnungen abgekauft haben, die ich nur für Instagram gemacht habe. Gleichzeitig baut man sein

Ich versuche, jeden Tag eine Zeichnung für Instagram zu machen. Es ist nett, kostet nicht viel, und die Rückmeldungen von Leuten geben mir den Push, weiterzumachen. Man sieht auch schnell, was gut funktioniert und bei Leuten ankommt. Auch meinen ersten Live-Sketching-Auftrag habe ich über Instagram bekommen. Ich habe von einer Modeaktion in einer Stuttgarter Shopping-Mall ein Bild gesehen und sofort geschrieben. Wäre es nur ein Poster auf der Straße gewesen, hätte ich mühsam die Agentur suchen und Ansprechpartner recherchieren müssen und hätte darüber wahrscheinlich den Elan verloren. Du hast gerade das LiveSketching erwähnt. Was ist das genau? Live-Sketching ist Skizzieren, also

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schnelles Zeichnen live vor Ort, kein Portrait. Wie gehst du beim Live-Sketching vor? Ich sehe ein Outfit und kann es mir sofort wie ein Scanner merken. In meinem Kopf entsteht eine stilisierte Form des Outfits, so wie in den Modemagazinen aus den 40ern. Natürlich geht es leichter und schneller, wenn die Person gut angezogen ist, aber vor allem geht es um die Ausstrahlung. Manche haben das beste Outfit an, aber stehen dann nur so herum – dann ist es schwer. Ich übernehme in meinen Sketchen immer die Pose, also die Haltung des Kopfes, der Schultern, Hüfte, Beinen etc. Wie würdest du deinen typischen Arbeitsalltag zu Hause beschreiben? Normalerweise setze ich mich als erstes für eine halbe Stunde an die Mails und an die Buchhaltung. Aber ich merke, wenn ich Druck bei Kunden habe, ist es besser, wenn ich direkt mit Zeichnen anfange und gar nicht die Mails anschaue. Fast täglich arbeite ich SISTER-MAG.COM

auch an Personal Work. Wenn ich das ans Ende des Tages verschiebe, findet es nie statt. I n diesem Sommer war ich sehr diszipliniert und habe als erstes, noch bevor ich den Rechner angeschaltet habe, an diesen Zeichnungen gearbeitet. Dann hat man schon mal etwas Fertiges in petto. Würdest du sagen, dass du gerne mehr Zeit und keine engen Deadline hättest, oder denkst du, dass es manchmal ganz gut ist, Druck zu haben? Da bin ich mir nicht ganz sicher. Ich kenne beide Situationen. Wenn man viel Zeitdruck hat, ist das natürlich sehr unangenehm. Doch im Nachhinein denke ich oft, dass es dem Job gutgetan hat. Durch die Geschwindigkeit der Zeichnungen haben sie viel Lebendigkeit und Spontanität. Das kommt nur, wenn man wirklich nicht zu viel Zeit hat. Der schlimmste Moment ist jedoch, wenn man die eigene Arbeit zum Kunden geschickt hat. Wenn der keine Zeit hat, sich zurückzumelden, malt man sich

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Skizzenbücher aus den vergangenen Jahren – mindestens eine Illustration pro Tag!

Für ihre Instagram-Zeichnungen sitzt Virginia auch häufig mit dem Tablet auf dem Sofa und arbeitet digital.

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das Schlimmste aus: »Oh Gott, sie antworten nicht, weil sie es so schrecklich finden und nicht wissen, wie sie es mir sagen sollen.« Bisher ist das aber nie passiert – im Gegenteil! Irgendwann kommt dann auf Rückfrage die Meldung: »Es ist längst gedruckt, aber wir hatten keine Zeit. Schick uns die Rechnung!« (lacht). Was waren denn für dich die wichtigsten Milestones der letzten Jahre?

Ritzenhoff. Mittlerweile habe ich über 20 Designs für sie gemacht. Wie würdest du jemandem deinen Stil beschreiben, der dich noch gar nicht kennt? Das kann ich leider überhaupt nicht. Ich habe keinen Stil (lacht), weil ich auch gerne rumprobiere mit Techniken und Materialien. Aber ich denke, irgendwann wird das auch kommen, dass ich nicht mehr so viel herumprobiere. Aber noch ist es nicht soweit.

Natürlich der erste Job überhaupt, Wie würdest du denn meinen Stil dazu ein Wiederholungs-Job je- beschreiben? den Monat. Ein anderer MilestoDeine Zeichnungen haben ne war meine erste Ausstellung. etwas sehr Elegantes und Davor hatte ich große Angst. Gedadurch schon etwas sehr meinsam mit einer ModedesiZeitloses. Man könnte sagen, gnerin und Schmuckdesignerin sie sind süß, aber sie sind nicht habe ich fünf Zeichnungen zu den naiv. Durch deine Gesichter Themen Mode und Schmuck geund die Haltungen der Frauen macht. Sehr wichtig für mich war ist es immer elegant, aber auch immer meine Arbeit für den trotzdem sympathisch, und Klett-Verlag. Unter Schulbüchern man verliebt sich in diese kann sich jeder etwas vorstellen. Zeichnungen, finde ich. Aber speziell für die ModeillustraVielen Dank! (lacht) tion gehört das erste Live-ZeichWas sind zurzeit deine nen dazu. Großartig war auch der Lieblingswerkzeuge? Kunde Wolford, für den ich große Illustrationen für seine Schau- Tusche auf jeden Fall, aber mit viel fenster zeichnen durfte. Auch Wasser, auch Wasserfarben. Aber wichtig waren meine Aufträge für ich sitze auch gerne mit meinen SISTER-MAG.COM

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Farbstiften drei Stunden lang an einer Zeichnung. Ich sage eigentlich zu keiner Idee und zu keinem Material, dass ich sie nicht ausprobieren würde. Was siehst du als Inspiration für dich selbst? Sehr gerne stöbere ich in Modezeitschriften, z.B. um ein Bild abzuzeichnen, nicht nur als Stilübung, sondern auch als Technikübung. Dabei sind alte Zeitschriften oder alte Filme die besten Vorlagen. Manchmal sind es auch Menschen auf der Straße, die tolle Outfits tragen. Vor kurzem sah ich eine alte Dame über 80 Jahre mit einem tollen Hut, einem außergewöhnlichen Ring und einer ganz speziellen Haltung. Zu Hause musste ich sie sofort zeichnen (siehe oben). Gibt es einen Tipp, den du jungen Menschen bei der 153

Berufswahl Illustrator/in geben möchtest? Früh mit Instagram anfangen. Das ist eine Empfehlung, die ich wirklich jedem gebe – nicht nur Illustratoren, auch Fotografen und überhaupt Leuten, die mit Visuellem arbeiten. Meinen Nichten versuche ich immer wieder die Vielfältigkeit des Lebens vor Augen zu halten. Das ist einem mit 17 Jahren nicht bewusst. Man ist auf das beschränkt, was man von zu Hause kennt. Für mich kam damals nur die klassische Palette in Frage: Ärztin, Architektin, Ingenieurin oder Anwältin. Jetzt schaust du dich um und findest zahlreiche Berufe, die man gar nicht kennt. Deshalb: Rausgehen, über den eigenen Tellerrand schauen und möglichst früh arbeiten gehen! SISTERMAG 31 | 11 / 2017


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Text: CHRISTINA RÜCKER Fotos: TIMO ROTH

Die Ocean Bottle 201 7

Die li mitier te Editio n ist se it 16. Okt ober bei dm , Budni kowsky und im Ecover Online Shop erhält lich

Mehr als nur ein Spülmittel Weiße Sandstrände, grüne Palmen, azurblaues Wasser und wenig Menschen. So stellen sich viele die (Urlaubs-) Traumziele in Südund Mittelamerika, Südostasien oder den Pazifischen Inseln vor. Abenteuerlust, Fernweh, oder die Flucht vor der winterlichen Kälte, irgendwann zieht es die meisten Nordeuropäer in diese Ferienparadiese. Das Bild jedoch, das sich ihnen an den Stränden bietet, steht in keinem Verhältnis zu den Plakaten der Tou-

rismusindustrie. Die Strände dieser Paradiese ächzen unter der Last an Plastikmüll, deren Dimension man sich nicht vorstellen kann: »You need to see it, to believe it!« Als Tom Domen (Innovation Manager bei Ecover) vor ca. 5 Jahren in Brasilien war, hatte er eben diesen

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Moment: Während seines Aufenthaltes in Rio de Janeiro anlässlich der Rio-Klimaschutzkonferenz 2012, beobachtetet er, wie Fischer beim Einholen der Fischernetze nicht nur diese, sondern auch eine Unmenge an Plastikmüll aus dem Meer zogen. Da Fischer für jedes

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Stück Plastik am Hafen eine Gebühr entrichten müssen, warfen sie den Plastikmüll wieder zurück ins Meer. Der Moment, die Initialzündung für ein Herzensprojekt des Herstellers ökologischer, pflanzenbasierter und kraftvoller Reinigungsmittel.

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Seit 1979 steht das belgische Unternehmen für kraftvolle und wirksame Reinigungsprodukte, die gleichzeitig sanft zur Umwelt und sogar Leaping Bunny zertifizert sind. So ist Ecover eines der Vorreiterunternehmen, das sich den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz widmet. Und was sich Ecover zum Ziel setzt, setzen sie auch direkt um. So wurde bereits zwei Jahre nach Toms Schlüsselerlebnis in Rio die erste Ocean-Plastic-Spülmittel-Flasche auf den Markt gebracht: hergestellt aus 10% recyceltem Plastikmüll, der von Fischern aus der Nordsee gefischt wurde. Nun, drei Jahre später erscheint bereits die vierte Auflage dieses Erfolgsprojekts und bringt das Thema der Plastikverschmutzung in den Meeren direkt an unsere heimische Spülen.

Die Ocean Bottle 2017 geht dorthin zurück, wo vor 5 Jahren alles anfing: an die Strände Rio de Janeiros. Denn bestehend aus 100% recyceltem Plastik, wurden 50% dafür an eben diesen Stränden in Rio gesammelt.

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Umweltschutz gibt’s auch in schön

Wer uns kennt, weiß, dass Illustrationen beim sisterMAG-Team einen ganz besonderen Platz einnehmen. So dürfte es euch nicht wundern, dass das Aussehen der Ocean Bottle, illustriert von Freya Morgan, für verzückte »Oh«-Rufe sorgte, nicht zuletzt auch bei unseren Gästen, die uns in unserem Loft recht zahlreich besuchen. Viele unserer Besucher fragen stets etwas unsicher, ob die Ocean Bottle und ihr Inhalt nicht eine Handseife sei. So viel Aufsehen erregt ein Handspülmittel doch eher selten! Und was macht Form und Design der Ocean Bottle so besonders? Das Ziel der Designer war es, eine Flasche zu kreieren, die nicht nur gut aussieht, sondern den Kampf gegen den übermäßigen Einsatz von Plastik auch im Design widerspiegelt. Hierfür kamen die Designer mit SISTER-MAG.COM

Meeresbiologen zusammen und schauten wie Lebewesen im Meer aufgebaut sind, die zwar filigran wirken, gleichzeitig aber großem Druck standhalten können. Aus diesen Beobachtungen heraus ist die Ocean Bottle entstanden, die somit eine Biomimikry ist. Ihre aus der Natur nachgeformte Struktur erlaubt es der Ocean Bottle, robust und leichtgewichtig zu sein und dabei 15% weniger Plastik in der Herstellung zu nutzen. Eine einzigartige Leistung. Wie viel wir doch immer wieder von der Natur lernen können!

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50% Ocean Plastic

50% Recycling Plastik Duft aus Seegras & Orange Ocean Plastic von den Stränden Rios, wo er angespült, eingesammelt & weiterverarbeitet wird

Etikett designt von der Künstlerin Freya Morgan mit Illustration im Holzschnittstil

Nachhaltiger Verpackungsansatz setzt auf Bio­ mimi­kry – abgeleitet von Mikroorganismen des Ozeans

15% Flaschenaufbau benötigt 15% weniger Plastik als herkömmliche Gestaltung

skelettartige Gestalt + Lochmuster = leichtgewichtig & dennoch robust

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WER IST ECOVER?

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Seit mehr als 35 Jahren steht Ecover für wirksame Reinigungsprodukte, die kraftvoll und dennoch sanft zur Umwelt sind. Nachhaltigkeit sowie Produktwirksamkeit stehen dabei immer im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie. Produktion im belgischen Malle in der ökologischen Fabrik! Die Produkte basieren auf erneuerbaren Rohstoffen und Mineralien. Ecover verzichtet auf optische Aufheller in Waschmitteln, Schaumverstärker in Spülmitteln und grundsätzlich auf Farbstoffe. Die Produkte sind biologisch abbaubar und auch für Pflanzenkläranlagen geeignet. 2009 entwickelte Ecover die ersten Bio-Tenside (waschaktive Substanzen) = energiesparende Herstellung und Nutzung von heimischem Rapsöl. Alle Produkte sind pflanzenbasiert, Leaping Bunny zertifiziert und von höchster ökologischer Qualität.

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Gegen Plastik

im Meer mit

Fotos

Produ Rück 163

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e r e Uns ion: s s i M

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r e g i n e W m i k i t s a l P r e e M

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RETTIN

Von Beach Clean-Up bis veganer Marzipantorte

E I N TA G A N D E R LÜ B E C K E R B U C H T

Zur Vorbereitung des Launchs für die »Ocean Bottle 2017« trafen wir uns mit Vertretern von »Ecover« und einer bunten, kleinen Gruppe von Bloggern in Lübeck. Es waren dabei: Andrea , Laura , Luise , Lynn , Justine , Jules , Melina , Sophia , Talisa und noch eine Melina . Gemeinsam verbrachten wir einen ganzen Tag, der dem Kampf gegen Plastik im Meer gewidmet war. Die Natur belohnte unseren guten Vorsatz mit traumhaftem Wetter. Wir

starteten an einem Strandabschnitt bei Rettin im Holsteinischen. Dort trafen wir die Crew des Norddeutschen Chapters der »Surfrider Foundation«. Zur Erklärung: Surfrider ist eine internationale NGO, die weltweit Beach Clean Ups durchführt und Workshops zum Thema Plastikverschmutzung der Meere veranstaltet. Auf den ersten Blick erschien der Strand sauber. Doch dank Adleraugen und Pilz-Sucherinstinkt wurden wir schnell fündig.

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Eine kurze Einführung zur Arbeit der Surfrider Foundation durch die Jungs des Chapters in Hamburg eröffnete unseren Tag.

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Ausgestattet mit Greifzangen, Handschuhen, Mülltüten, und guter Laune strömten wir aus, den Rettiner Strand nach Müll abzusuchen. Unsere kuriosesten Fundstücke: unzählige Zigarettenstummel, ein Hundespielzeug und eine Wünschelrute. Glück auf!

e r e Uns ion: s Mis

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Ihr habt auch Lust, die ร„rmel hochzukrempeln? Hier bekommt ihr mehr Informationen zum deutschen Chapter und auf Facebook kรถnnt ihr den Clean-Up Kalender einsehen.

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Beim Eintreffen am Strand waren wir zunächst etwas ernüchtert, da die städtische Reinigung schon am frühen Morgen den Strand beräumt hatte. War hier noch eine Aufgabe für uns? Aber wie! Bei näherem Hinsehen wurde schnell klar, das war nicht alles. Und was wir gefunden haben! Mit viel Elan bückten wir uns um die Wette, um so viel wie möglich an Plastikmüll und anderen Unrat aufzusammeln. Wir fanden einerseits die weitbekannten Plastikverpackungen, Plastikflaschen, aber auch Strohhalme, Plastiklöffel und vieles mehr, manches mußten wir erst gemeinsam identifizieren.

Aber wusstet ihr, dass auch im Filter einer Zigarette und in Zellstofftüchern Plastik steckt? Zigarettenstummel bauen sich demnach nicht ab und belasten unsere Umwelt auf diesem Weg erheblich. Einmal darauf angesetzt, stachen einem die Zigarettenstummel förmlich von überall ins Auge. Der Vergleich zum Pilze suchen ist hier durchaus angebracht, denn auch Zigarettenstummel findet man meist in Gruppen. Am Ende waren wir mit unserer Ausbeute recht zufrieden, auch wenn sie den traurigen Eindruck hinterließ, dass ein augenscheinlich sauberer Strandabschnitt doch noch so viel Müll beherbergen kann. 169

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WIND IN DEN SEGELN

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Wind in den Segeln und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel Zum Captain's Dinner auf die Krik Vig

Wer so viel arbeitet wie wir an diesem Tag, verdient sich auch eine gehörige Pause und wenn man am Meer ist, macht man die wo? Genau, auf einem Segelschiff! Mit der Krik Vig fuhren wir hinaus auf die Ostsee. Während uns Kapitän Kristian die kuriosesten Aberglauben der Seemänner schilderte, genossen wir die warme Sonne, die Seeluft und eine typische (vegane) Marzipantorte. Stilecht ging es danach zum Captain’s Dinner unter Deck, bei dem uns Tom Domen über die Philosophie und die Geschichte der Ocean Bottle und Ocean Initiative Ecovers aufklärte. Neben wirklich aufwühlenden Fakten wie dem Einzug von Plastik in eine omnivore Nahrungs-

kette – Plastik, das im Meer schwimmt, wird nicht abgebaut, sondern löst sich über die Zeit in Mikropartikel auf, die von Kleinstlebewesen konsumiert werden, die wiederum von kleineren Fischen verspeist werden und so ganz am Ende wieder auf unseren (nicht-vegetarischen) Tellern landen – genossen wir das vegane Menü des Abends.

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Seemannsgarn DIE SCHÖNSTEN ABERGLAUBEN DES KAPITÄNS

1.  Blumen auf dem Schiff bringen Unglück: Sie werden mit Beerdigungen in Verbindung gebracht.

2. Vor

dem Segelsetzen gibt es Sherry: 1 für die Crew, 1 für den Meeresgott.

3. Pfeifen bringt Unglück: Man pfeift sonst einen Sturm herbei: »whistling up a storm«

4. Das

Schiff sollte nicht nach einer verlobten Frau benannt werden, das macht das Schiff eifersüchtig.

5. Tattoos

und Piercings schützen Seemänner vor bösen Geistern.

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EN T S ÖN H ES C D S EN B DIE U LA G S R N E Ä AB IT P A K


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Neben der Plastikverschmutzung der Meere, ist auch der Zugang aller Menschen zu Trinkwasser ein Herzensprojekt des belgischen Unternehmens.

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A Auch Johannes von »Viva con aqua« (Sauberes Trinkwasser für alle) war an Bord, der über die Arbeit des Vereins Viva con Agua berichtete. Denn ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf der limitierten Ocean Bottle geht an diese Non-Profit Organisation, die Ecover in diesem Jahr mit insgesamt 40.000 Euro unterstützt. Auf die Theorie folgte nun die Praxis und

R E I H O E D VI N E U A H C NS

so testeten wir das Spülmittel der Ocean Bottle auf Herz und Nieren. Bei einem Abwasch Contest durften alle Blogger einmal ran und auch wenn alle Sieger waren, nur ein Team konnte gewinnen. Die liebe Justine und Talisa dürfen sich nun auf ihr ganz eigenes Ecover Set freuen. Wir sagen herzlichen Glückwunsch!

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Aber das war noch nicht alles: Bereits jetzt läuft bei Ecover die Planung für 2018 auf Hochtouren. Das Ziel: alle SpülmittelFlaschen des Ecover Hauptsortiments auf 100% recyceltes Plastik umzustellen.

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S TA R T UP

SPOTLIGHT WEBSITE

soulbottles.de FOTO

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lale tütüncübasi


MAUVE

&

NOSTALGIE

SOUL BOTTLES BRANCHE

Produkt

HEADQUARTER

Berlin

GRÜNDER

Paul Kupfer & Georg Tarne

LOGO

STELL DICH UND SOULBOTTLES DOCH BITTE KURZ VOR: WER SEID IHR, UND WAS MACHT IHR?

Ich heiße Paul Kupfer, bin 29 und habe vor fünf Jahren zusammen mit Georg Tarne soulbottles gegründet. Unsere Idee war einfach: Wir wollen mehr Menschen motivieren, auf Plastikflaschen zu verzichten, und dafür haben wir Trinkflaschen gemacht, die praktisch sind, gut aussehen und komplett ohne Plastik auskommen. Die soulbottle war geboren. WIE SEID IHR AUF DIE IDEE GEKOMMEN, SOULBOTTLES ZU GRÜNDEN?

Auf die Idee kam damals Georg, der schon länger begeistert war von der Idee des »Social Entre-

preneurship«. Am Anfang war ich ehrlicherweise gar nicht so am Gründen interessiert, sondern am Rumbasteln. Ich wollte wissen, ob ich es schaffen würde, mit der Hand kleine Kunstwerke auf Glas zu drucken. Mit Hilfe der Kunstuniversität in Wien entstanden so innerhalb weniger Monate die ersten Prototypen in meinem WG-Zimmer. Als die erste Charge dann in kürzester Zeit abverkauft war, war ich absolut überzeugt. Mittlerweile glaube ich, dass es viel mehr Unternehmen geben muss, die sich wirklich zutiefst einer sozialen oder ökologischen Sache verschreiben, und wir endlich wegkommen von der »Pro-

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kauften soulbottle fließt zusätzlich noch 1€ an Trinkwasserprojekte. So helfen wir auch Menschen, die gar keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Gleichzeitig spart natürlich jeder soulbottles-Benutzer die Plastikflaschen für Mineralwasser ein. Das macht die Seele von soulbottles aus. WIE SEID IHR AUF DEN NAMEN SOULBOTTLES GEKOMMEN UND, WELCHE UNTERNEHMENSPHILOSOPHIE STEHT DAHINTER?

fit-ist-alles-Überzeugung«. WAS BRINGT DIE »SEELE« IN DIE SOULBOTTLES? WELCHES KONZEPT STEHT HINTER SOULBOTTLES?

Vieles. Wir möchten wirklich alles berücksichtigen und so nachhaltig wie möglich sein. soulbottles haben kein Plastik. Sie sind 100% »Made in Germany« und CO2-neutral. Wir bauen die soulbottles sogar noch eigenhändig in Berlin zusammen. Mit jeder ver-

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Die Idee kam uns, als wir den Film »Plastic Planet« von Werner Boote sahen. Daraus stammt eine Formulierung vom »seelenlosen Plastik«, das auf der Wasseroberfläche schwimmt. Am Anfang war auch das ganze Design so im Funk- und Soul-Stil gehalten, so ein bisschen Austin-Powers-mäßig. Naja, das sah dann aber eigentlich ziemlich bescheuert aus... WER SIND EURE KUNDEN? WER IST EURE ZIELGRUPPE?

Unsere Kunden sind super-unterschiedlich. Von Schüler*innen und Student*innen bis Senior*innen, von kleinen Vereinen und NGOs bis zu größeren Konzernen. Wasser trinken müssen alle Menschen.

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NOSTALGIE

WIE VERTREIBT IHR EURE PRODUKTE?

Einzelne soulbottles können auf unsere Website bestellt werden. Aktuell verkaufen wir hauptsächlich in Mitteleuropa, es gibt schon über 500 Läden, die soulbottles im Sortiment haben. Und schon ab 50 Stück kann man auch ein eigenes Design anfertigen lassen. Da reicht schon eine E-Mail. WIE IST EUER TEAM

les zusammenbauen und versandbereit machen, und in der Laserabteilung, wo wir eigene Gravuren auf die Bottles bringen. Die andere Hälfte arbeitet meistens im Büro und macht den ganzen anderen Kram: Sales, Marketing, Buchhaltung, Design & Grafik, Journalistenfragen beantworten... Wir suchen übrigens auch gerade wieder Unterstützung.

ZUSAMMENGESETZT?

Wir sind 30 Leute, die meisten zwischen 20 bis 38 Jahre alt. Ungefähr die Hälfte davon arbeitet in der Logistik, wo wir die soulbott183

FACEBOOK INSTAGR AM WEBSITE

soulbottles

@ soulbottles soulbottles.de

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NICHT NUR MIT EUREN PRODUKTEN GEHT IHR EINEN N ACHH A LTIGEN WEG, AUCH IN EURER UNTERNEHMENSFÜHRUNG. WAS ZEICHNET DIESE AUS?

Die Philosophie, die dahintersteht, kann man auf unserer Website nachlesen. Im Kern geht es darum: und effektives System, mit dem wir unser Ziel verfolgen (siehe Punkt 1). Holacracy komplett zu erklären dauert etwas länger, aber wir geben darin auch gern Workshops, dafür einfach eine Mail an uns schreiben.

1 . Wir machen ein Unternehmen, um die Welt zu retten – ein Unternehmen mit einem Zweck oder »purpose« jenseits von »nur Profit«. 2 . Wir sind Menschen, und wir verstecken das auch nicht oder setzen uns eine »professionelle Maske« bei der Arbeit auf. Bei uns bekommen alle Mitarbeiter Workshops in Gewaltfreier Kommunikation. Über Gefühle reden auf der Arbeit: Hell yeah! Die kannst du meist eh nicht verstecken, dann kann man es auch offen angehen und schauen, was dahintersteht. 3 . Es gibt keine Chefs. Wir arbeiten in Selbstverantwortung und schaffen uns ein transparentes SISTER-MAG.COM

WIE BESTEHEN HOLACRACY UND GE WA LTFREIE KOMMUNIK ATION IN STRESSSITUATIONEN?

Na, das kommt etwas auf das »skill level« der Beteiligten an, würde der zweite soulbottles-Gründer Georg da sagen. Je mehr die das können, desto besser funktionieren diese Konzepte auch im Stress. Das ist ja normal: Im Stress klappen nur die Dinge richtig gut, die man auch

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mal richtig tief verinnerlicht hat. Gerade Gewaltfreie Kommunikation (GFK) wird ja total viel zur Mediation und Konflikthilfe eingesetzt, also gerade in Stress und Streitsituationen, das hilft wirklich. Holacracy, da will ich ehrlich sein, kann manchmal auch etwas kompliziert sein, aber die Grundzüge – jeder darf eigentlich erst mal alles – sind sehr simpel, und man weiß eigentlich immer, wo man ansetzen muss, um weiterzukommen. Das nimmt auch oft Stress. WIE GEHT ES MIT DEN SOULBOTTLES WEITER?

Die nächsten Monate werde ich erstmal in Ruanda und Uganda sein, um auf die Wasserthematik

vor Ort aufmerksam zu machen und unsere Projekte zu besuchen. Ich laufe mit dem Viva con Agua St. Pauli e.V. Gründer von Kigali nach Kampala – 550km zu Fuß. Mehr dazu gibt es auf unserem Blog. Mit soulbottles geht es in der gleichen Zeit immer weiter und weiter. Bis keiner und keine mehr Plastikflaschen kauft, die Meere sauber und alle Menschen sauberes Trinkwasser und eine Toilette haben! Aber auch danach geht es noch weiter. Meine Vision ist, dass wir mit soulbottles in den nächsten Jahren noch weitere Produkte rausbringen und die Menschen auch in anderen Bereichen zu mehr Nachhaltigkeit motivieren. WELCHES PRODUKT IST DEIN LIEBLINGSPRODUKT?

Ach, es gibt so viele tolle. Aktuell würd ich sagen, das hier: soulbottle – just breathe. Da steht eine kleine Erinnerung drauf, einfach mal durchzuatmen. Sehr wertvoll im Alltag.

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Was für schöne Fundstücke wir wieder zusammen getragen haben für euch! Wir lieben die neuen Teile jetzt schon! Macht euch bereit für einen zauberhaften Herbst!

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Lila im Fußball WARUM VIOLETT AUCH HARTEN MÄNNERN STEHT SISTER-MAG.COM

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Text: Alexander Kords

Sie ist selten, aber es gibt sie: die feminine Farbe Lila in der »Männerdomäne« Fußball. Wir haben uns in Deutschland und Europa nach Clubs umgeschaut, die ihre Spieler mit violetten Trikots ausstatten, und sind auf Zufälle, politische Botschaften und echte Fan-Treue gestoßen.

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Obwohl diesen Sport auch viele Frauen ausüben, gilt Fußball immer noch als Männerdomäne. Umso mehr fällt in dieser Welt der »har-

Violett

ten Kerle« auf, dass es einige Vereine gibt, bei denen eine eher feminin wirkende Farbe eine dominante Rolle spielt. Und so eint eines die unterschiedlichsten Vereine wie Erzgebirge Aue, VfL Osnabrück oder AC Florenz: das Lila im Vereinslogo und im Trikot.

ALS SELTENE ALTERNATIVE

Manche Teams laufen seit vielen Jahrzehnten in Lila über den Fußballplatz. Tennis Borussia Berlin (TeBe)zum Beispiel, der 1904 gegründete Kult-Club aus der Hauptstadt. Dessen Vereinsfarben waren zu Beginn noch Schwarz und Weiß – ganz preußisch eben. Da aber viele andere Berliner Vereine ebenfalls auf diese Farbkombination setzten, wechselte TeBe nach nur einem Jahr auf das bis heute genutzte Violett. Ähnlich war es auch beim VfL Osnabrück. Der wählte Anfang der 1920er-Jahre Lila als Trikotfarbe, weil es kaum andere Vereine gab, die dies taten. So sparte sich der Club das Geld für Ersatzkleidung. Besser als solch banaler Grund SISTER-MAG.COM

klingt allerdings die Lila-Legende: Demnach spalteten sich im Jahr 1925 einige Vereinsmitglieder des VfL nach einem Disput ab und gründeten ihren eigenen Club. Dessen Identität verknüpften sie angeblich mit den beiden größten Wiener Vereinen: Vom SK Rapid Wien holten sie sich den Namen – SC Rapid Osnabrück – und vom FK Austria Wien die Farbe, nämlich Violett. Widerlegt wurde diese Theorie erst vor Kurzem, als festgestellt wurde, dass die Osnabrücker schon Jahre vor der Gründung von Rapid Wien in lila Trikots spielten.

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Die Violetten IN WIEN UND SALZBURG

In Wien ist es traditionell so, dass man sich als Fußball-Fan zwischen Grün und Violett entscheiden muss. Mindestens vier Mal im Jahr kommt es dann zum Gipfeltreffen, wenn die Mannschaften des grünen SK Rapid Wien und des violetten FK Austria im Wiener Derby gegeneinander spielen. Mit mehr als 320 Partien ist das Duell das zweithäufigste zwischen zwei Stadtrivalen in Europa – nach dem Old Firm zwischen den Glasgow Rangers und Celtic Glasgow. Ein anderer traditionsreicher österreichischer Club spielte auch in Violett – bis er von einem Großkonzern gekauft wurde. Die Rede ist vom SV Austria Salzburg, der 2005 von Red Bull übernommen wurde. Da waren die Fans des Clubs noch positiv gestimmt, da es Austria Salzburg finanziell nicht besonders gut ging. Doch der neue Eigner nannte den Verein nicht nur in Red

Bull Salzburg um, er stellte auch dessen mehr als 60 Jahre lange Geschichte in den Hintergrund und datierte seine Gründung auf das Jahr 2005. Außerdem trat das Team von da an nur noch in rot-weißen oder in blauen Trikots an – den Unternehmensfarben von Red Bull. Der Kompromiss, zumindest den Kapitän mit violetter Armbinde und den Torwart mit lila Socken auf den Platz zu schicken, entlockte den traditionsbewussten Anhängern des Clubs nur ein grimmiges Lächeln. Kurzerhand gründeten einige von ihnen den SV Austria Salzburg neu – und ließen ihn selbstverständlich in Violett spielen.

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ALEXANDER KORDS

Alexander Kords ist seit Jahrzehnten begeisterter Fußball-Fan. Die Sportart mit Blick auf eine einzelne Farbe zu betrachten, war aber etwas vollkommen Neues für ihn.

rierten sie die Zugehörigkeit zur Region Kastilien, die die Farbe in der Flagge trug. Erst bei einer Überarbeitung des Emblems im Jahr 1997 wurde der violette Streifen blau gefärbt – was bei so manchem Real-Fan für Unmut sorgte, ist das Violett doch bis heute in den Statuten des Clubs festgeschrieben. Den Champions-League-Titel 2017 gewann Madrid übrigens nicht in weiß, sondern komplett in Lila!

Weiß mit lila STREIFEN

BEIM WASCHEN Historisch gesehen gehört auch Real Madrid zu den »lila Clubs« – und das, obwohl die Mannschaft heute vor allem in weißen Trikots antritt. Schon bei der Vereinsgründung im Jahr 1902 wurde die weiße Kleidung mit lila Applikationen versehen. Als 1931 die Zweite Spanische Republik ausgerufen wurde, fügten die Madrilenen ihrem Emblem einen lila Streifen hinzu. Damit demonstSISTER-MAG.COM

verfärbt

Es heißt, dass der AC Florenz durch einen witzigen Zufall zu seinen violetten Trikots kam. Als der Club 1926 aus dem Zusammenschluss zweier anderer Vereine entstand, übernahm er zunächst deren Farben Weiß und Rot. Wenige Tage vor der ersten offiziellen Partie des neuen Teams im September 1929 sollen die rot-wei-

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ßen Trikots im Arno gewaschen worden sein und sich dabei verfärbt haben. Die Fiorentina musste darum in Lila antreten und verdiente sich so den Spitznamen »la viola« – »die Violette«. Übrigens verleiht der AC Florenz auch eine Auszeichnung in seiner charakteristischen Farbe. Die »Violette Karte« erhalten Spieler, die sich besonders fair und ehrlich verhalten haben. Ein Preisträger ist der deutsche Stürmer Miroslav Klose, der die Karte im Oktober 2012 bekam. Wenige Wochen zuvor hatte er im Spiel seines damaligen Clubs Lazio Rom gegen Florenz das 1:0 erzielt – allerdings mit der Hand. Dennoch gab der Schiedsrichter das eigentlich regelwidrige Tor und wollte die Mannschaften weiterspielen lassen. Klose klärte den Unparteiischen jedoch auf und erwirkte damit, dass der Treffer zurückgenommen wurde. Lazio verlor am Ende mit 0:3 – gewann aber dank Kloses fairer Aktion jede Menge Sympathien in Fußball-Italien. ¹ http://bit.ly/2itlLKG

ONLINE-PETITION

gegen Lila Violett als Trikotfarbe kommt übrigens nicht immer gut an. So wurde das lila-schwarz-graue Ensemble, das der SC Freiburg in der aktuellen Saison als Ausweichkleidung trägt, von manchen Medien schon zum »hässlichsten Trikot der Liga« erkoren. Und die Anhänger von Olympique Marseille haben im Januar 2017 eine Online-Petition¹ gegen das neue violette Wechsel-Shirt ihres Clubs gestartet. Damit wollten sie den Ausrüster Adidas dazu bewegen, dem Trikot eine andere Farbe zu geben – allerdings mit mäßigem Erfolg: Nur knapp 1.700 Olympique-Fans haben bislang ihre digitale Unterschrift hinterlassen. So schlimm ist Lila als Fußball-Farbe also doch nicht.

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IMPRESSUM

SISTERMAG – JOURNAL FÜR DIE DIGITALE DAME w w w. s i st e r - m a g . co m Chefredaktion

Theresa Neubauer

Operations

Christina Rücker, Vera Schönfeld, Sophie Siekmann, Franziska Winterling

Fashion

Eva-Maria Neubauer (Fashion Dir.)

Design 

Theresa Neubauer (Art Dir.), Marie Darme, Salome Dorner, Lale Tütüncübaşı, Songie Yoon

Illustration

Virginia Romo

Redakteure (Text) 

Melitta Capolei, Lia Haubner, Katrin Hoffmann, Alexander Kords, Christian Näthler, sisterMAG Team

Redakteure (Foto) 

Oh Hedwig, Mirja Hoest, Thea Neubauer, Timo Roth, Lale Tütüncübaşi, Jules Villbrandt

Redakteure (Text & Foto) 

Anastasia Benko, Beau Colin, Agata Dimmich, Anna Gnörich, Elodie Love, Jenny Schüssling

Redakteure (Food) 

Christiann Koepke

Video 

Lale Tütüncübaşı

Übersetzung 

Sabrina Bäcker, Ira Häussler, Alexander Kords, Christian Naethler, Tanja Timmer

Endkorrektur

Stefanie Kiessling, Alexander Kords, Christian Naethler, Dr. Michael Neubauer

sisterMAG erscheint in der Carry-On Publishing GmbH, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Deutschland. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Die Carry-On Publishing GmbH übernimmt keinerlei Garantie und Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Kontakt: mail@sister-mag.com Geschäftsführung Vermarktung Marketing

Antonia Sutter, Theresa Neubauer, Alex Sutter Alex Sutter (Sales Dir.) Antonia Sutter (Marketing Dir.), Anna Gnörich


AUSBLICK

G 32 SISTERMA SEKTION 1

u a l b s t h c a n r Mitte & Cognac


Wir freuen uns auf die nächste Sektion! Bis dahin könnt ihr mit uns in Kontakt bleiben über Social Media oder abonniert unseren Newsletter!

sisterMAG 31 – Mauve & Nostalgie – Sektion 3  

Noch ein letztes Mal dreht sich bei uns alles um die Farbe Lila und Herbst, diesmal konkretisiert durch den Titel »Mauve & Nostalgie«. Welch...

sisterMAG 31 – Mauve & Nostalgie – Sektion 3  

Noch ein letztes Mal dreht sich bei uns alles um die Farbe Lila und Herbst, diesmal konkretisiert durch den Titel »Mauve & Nostalgie«. Welch...