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Kulturen – Herausforderung und Chance


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Editorial

«SIM heute» 1/2012

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Bewusst international

Kontakt SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien 38 rue Draily 6000 CHARLEROI Compte bancaire: 979-2238252-79 IBAN: BE58 9792 2382 5279 BIC: ARSPBE22 Tél. ++32 (0)485 562 936 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada au Québec 17 rue Alfred-Laliberté Notre-Dame-de-l´Ile-Perrot, QC, J7V 7P2 Tél./Fax: 514 425 6611 Quebec.Selection@sim.org Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Jahresabonnement: CHF 10.–; € 6.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

und der

SIM International (Suisse) hat den Ehrenkodex SEA unterzeichnet. Das Gütesiegel verpflichtet die Unterzeichner zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ihrer Spende.

Suzanne Green, Redakteurin für SIM International

Ich bin bekannt dafür, dass ich mich spasseshalber manchmal darüber beschwere, eine “Frau ohne Heimat” zu sein. Nirgends gehöre ich dazu! Die Briten denken immer, dass ich Amerikanerin bin, und meine amerikanischen Freunde wissen nicht mehr, was sie von mir halten sollen. Jeder, der nicht in dem Land wohnt, wo er geboren wurde, weiss, wovon ich spreche. Neulich rückten meine beiden Welten wieder etwas näher zusammen. Meine Freundin Debbie aus den USA überquerte den „Teich“ und verbrachte etwas über eine Woche mit mir hier in Schottland. Wir haben unterschiedliche Wege eingeschlagen, wir leben in verschiedenen Ländern und arbeiten in verschiedenen Berufen. Aber wir verstehen uns sehr gut – vielleicht, weil wir uns als junge Christinnen in derselben Jugendgruppe in einer kleinen Stadt in Illinois engagiert hatten. Es war schön zu entdecken, dass wir uns immer noch so nahe stehen wie damals. Und für Debbie war es gut zu sehen, wie ich mich an das Leben in Grossbritannien angepasst habe. In dieser Ausgabe zeigt John Stuart auf, wie die wachsende chinesische Bevölkerung in Afrika mit dem Evangelium von Christus bekanntgemacht wird und Interessierte in chinesische Gruppen integriert werden. Wenn wir als Mission die „Einheit in der Vielfalt“ betonen und uns stets gegenseitig daran erinnern wollen, dass unsere Einstellung bewusst gemeindeübergreifend, international und kulturübergreifend sein soll, steht dies dann im Widerspruch zu John Stuarts Artikel? Wenn Sie Gottes Werk durch die SIM (oder durch irgendeine andere internationale Mission) betrachten, stellen Sie fest, dass da ganz verschiedene Leute gemeinsam dienen. Und der Begriff „verschieden“ bezieht sich nicht nur auf die Menschen, unter denen unsere Missionare arbeiten. Es ist offensichtlich, dass in der Missionsarbeit eine enorme Vielfalt besteht: In Bezug auf die unterschiedlichen Dienste, die wir ausüben, und in der Art, wie verschiedene Mitglieder der SIMGemeinschaft die gleiche Arbeit unterschiedlich anpacken. Ich finde das herrlich, weil es deutlich macht, wie gross Gott ist! So arbeiten wir unter denen, die uns ähnlich sind und feiern Gottesdienst mit solchen, die anders als wir zu sein scheinen – und umgekehrt. Gott beruft uns, ihn zu lieben und ihm zu dienen, und das kann auf ganz unterschiedlichen Wegen geschehen. Der Schlüssel dazu ist vielleicht, bereit zu sein, so für Gott zu arbeiten: An der Stelle, zu der er uns führt, und auf die Weise, die er uns zeigt. Getrauen wir uns, dort zu leben, wohin Gott uns beruft, auch wenn es bedeutet, dass wir uns ab und zu sehr einsam fühlen? Sind wir bereit, zu denen zu gehen, die so anders sind als wir und auch zu denen, die uns so sehr gleichen? Ich hoffe, dass die Artikel in dieser Ausgabe Sie inspirieren und herausfordern.


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Chinesen in Afrika

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Mehr als ein gutes Gehalt John Stuart

Chrinesischen Einwanderern in Afrika das Evangelium bringen. Verstört und enttäuscht sass das chinesische Immigranten-Ehepaar in einer Arztpraxis in Südafrika. Sie versuchten das, was man ihnen gerade erklärt hatte, zu verdauen. Ihnen fehlte das nötige Geld für eine dringend notwendige Behandlung der Frau. Und sie machten sich grosse Sorgen wegen der komplizierten Extrauterin-Schwangerschaft. Fünftausend Dollar verlangte man für die Behandlung – ein riesiger Betrag für eine Familie, die neu aus China in Johannesburg angekommen war, in dem Glauben, das Leben hier besser meistern zu können. Sie hatten dieses Geld einfach nicht. Dies ist eine von Tausenden Geschichten der chinesischen Bevölkerung in Afrika, die sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet hat und die Landstriche mit immer mehr Menschen aus China füllt. Sie kommen aus dem einen Grund: Sie hoffen auf ein besseres Leben. Sie arbeiten im Verkauf, in Minen, in der Holzverarbeitung, in Restaurants und in verschiedenen Projekten der Volksrepublik. Mit der Hilfe von SIM-Missionaren finden einige jedoch mehr als nur ein Gehalt. Wenn Zuwendung und Fürsorge greifbar werden Seit 2008 arbeitet das „SIM Chinese Ministry Center“ (SCMC, SIM-Zentrum für Dienste unter Chinesen) daran, diese chinesischen Immigranten in Afrika zu erreichen. In Lagos, Nigeria, wurde damals die erste chinesische Gemeinde des Landes gegründet. Mit Hilfe von SIM-Mitarbeitern und dem SCMC-Direktor Pastor James Ha kam 2009 eine weitere Gemeinde in Lusaka, Sambia, hinzu. Heute treffen sich dort jede Woche 40 Leute zu lebhaften Gottesdiensten oder in Gebetsgruppen, und sie verfügen über einen motivierten Stab von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die Umgebung draussen ist eindeutig afrikanisch, aber der Gottesdienst drinnen könnte nicht chinesischer sein. Zurzeit suchen sie dringend einen Chinesisch sprechenden Pastor.

Mit Hilfe von SIM-Mitarbeitern und dem SCMC-Direktor Pastor James Ha kam 2009 eine weitere Gemeinde in Lusaka, Sambia, hinzu. Heute treffen sich dort jede Woche 40 Leute zu lebhaften Gottesdiensten oder in Gebetsgruppen, und sie verfügen über einen motivierten Stab von ehrenamtlichen Mitarbeitern. (Rechts aussen Stanley Ling, SIM-Ostasien Direktor.)

Es ist nicht einfach, die chinesische Diaspora zu erreichen, die weltweit etwa 40 Millionen Menschen umfasst. „Normalerweise sind Chinesen sehr beziehungsorientiert. Deshalb muss man sie persönlich kennenlernen, sich mit ihnen unterhalten und ihnen die Wahrheit über Christus deutlich machen“, sagt Stanley Ling, Direktor für SIM-Ostasien. „Die Gemeindemitglieder sind überhaupt nicht ortsgebunden. Umso mehr muss man die Zeit, in der sie da sind, ausnutzen, um sie zu schulen und zu Jüngern zu machen.“

Vor kurzem hat das SCMC einen Intensivkurs für diese ehrenamtlichen Mitarbeiter in Johannesburg auf die Beine gestellt. Chinesische Pastoren werden für einen Kurs eingeflogen, der einmal alle drei Monate stattfindet. Sie möchten damit ein starkes Fundament für den ehrenamtlichen Dienst legen, um einen echten geistlichen Wandel in der christlichen Gemeinde unter Chinesen zu fördern.

In Johannesburg, dem Zuhause von 300‘000 Chinesen, existierte vor einem Jahr noch keine Gemeinde für sie. Heute gibt es drei neue Gruppen. Mit Hilfe von chinesischen SIM-Mitarbeitern, dem Ehepaar Sias aus Malaysia, wurden die Braystone Methodistengemeinde gegründet und zwei Bibelstudiengruppen begonnen. Die Arbeit der Sias ergänzt die bereits bestehende Arbeit des Ehepaars Tuan, das seit fast 20 Jahren in Johannesburg als SIM-Missionare tätig ist. Bei so vielen Chinesen in Johannesburg besteht ein grosser Bedarf an chinesischen Pastoren, um Gemeinden gründen zu können. Einige chinesische Gläubige wollen gerne als ehrenamtliche Mitarbeiter in diesen Gemeinden dienen, jedoch mangelt es ihnen oft an biblischer Ausbildung.

Obwohl viele Chinesen in Afrika sich mit der christlichen Lehre auseinandersetzen, bewirken handfeste Fürsorge und Zuwendung oft am meisten. Gastfreundschaft spricht eine deutliche Sprache in einer Kultur, die besonderen Wert auf Hilfsbereitschaft legt. Als sich im August das chinesische Ehepaar den chirurgischen Eingriff nicht leisten konnte, halfen SIM-Mitarbeiter, dass die Frau einen Arzt in einem öffentlichen Krankenhaus konsultieren durfte. So konnte sie die notwendige Operation kostenlos erhalten. Dieses Erlebnis war für das Ehepaar ein eindrückliches Zeugnis. Die beiden kommen jetzt zu einer Bibelgruppe der SIM, wo ihnen Leute, die etwas von Gottes Liebe und Grosszügigkeit ausstrahlen, das Evangelium nahe bringen.

In Johannesburg, dem Zuhause von 300‘000 Chinesen, existierte vor einem Jahr noch keine Gemeinde für sie. Heute gibt es drei neue Gruppen. Mit Hilfe von chinesischen SIM-Mitarbeitern, dem Ehepaar Sias aus Malaysia (rechts aussen), wurden eine Gemeinde und zwei Bibelstudiengruppen gegründet.


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50 JahreArbeit e medizinisch

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Das Evangelische Spital in Bebéréké feiert seinen 50. Geburtstag

Präsident Maga hielt seine Rede zur offiziellen Eröffnung des ersten und einzigen Missionsspitals in Dahomey (heute Benin) am 3. Juli 1961 über Radio Dahomey.

Eine ganze Woche lang, vom 27. Juni bis zum 3. Juli 2011, wurde gedankt und gefeiert. Viele Gäste waren auf das Gelände des Spitals in Bembéréké gekommen, um Gott die Ehre zu geben für fünf Jahrzehnte Gnade und Treue in der medizinischen Arbeit. Neben den Festrednern waren auch etliche Zeugnisse darüber zu hören, welchen Einfluss das Spital auf das Leben einzelner ausgeübt hat. Unter den Honoratioren war auch der Verteidigungsminister Issifou Kogui N`Duro, der dem Spital einen neuen Generator versprach, weil der bestehende Probleme bereitete. (Einige Wochen später wurde er geliefert, installiert und läuft jetzt.) Greta Jackson, eine pensionierte Missionarin, war ebenfalls unter den Gästen. Sie war dabei, als das Spital gegründet wurde, und nahm als erste Krankenschwester dort ihren Dienst auf. Das von dem amerikanischen SIM-Arzt John Dreisbach in Bembéréké gegründete Missionsspital umfasst heute 171 Betten und 184 Mitarbeiter. Orou Yorou Mere leitet das Krankenhaus als Direktor, und die Einrichtung wird inzwischen ausschliesslich von beninischen Christen geführt. Zurzeit arbeiten zwei Langzeit-Missionarinnen dort als Pflegefachfrauen: Katrin Schneider aus der Schweiz und Martha Koetsier aus Holland. Drei beninische Ärzte arbeiten unter der Leitung des Chirurgen Dr. Elie Tamou. Mindestens 30 Gemeinden in der Gegend wurden von Evangelisten des Spitals gegründet oder betreut. Eine dieser Gemeinden begann vor 30 Jahren im Haus eines ehemaligen Patienten und ist noch heute am Wachsen. Clara Klassen ist die Leiterin für SIM-Benin/Togo.


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50 JahreArbeit e medizinisch

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Auf dem Banner ist zu lesen: „50. Jahresfeier des Evangelischen Spitals von Bembéréké. 3. Juli 1961 bis 3. Juli 2011. Motto: Die Gnade und Treue Gottes. Der HERR hat Grosses für uns getan. Darüber freuen wir uns. Psalm 126,3”

Der Jubiläumsmarsch zum Büro des Bürgermeisters der Stadt Bembéréké war eine gute Möglichkeit, die Bevölkerung auf den Anlass aufmerksam zu machen.

Sämtliche Chöre vor Ort nahmen an den Feierlichkeiten teil.

An den Feierlichkeiten nahmen unter anderen teil: Alou Yarou (Leitung Unterhaltsarbeiten), Suanon Adam (Leiter des Pflegepersonals), Dr. Elie Tamou (Chefarzt), Dr. Oroubagou Yorou Chabi, Méré Orou Yorou (HEB-Direktor), Verteidigungsminister Issifou Kogui N`Duro, Clara Klassen (SIM Benin/Togo Leiterin), Pastor Isaac Matchoudo (Vorsitzender des Gemeindeverbandes UEEB), und der traditionelle Bariba-König von Bembéréké mit seiner Frau.

Gäste versammeln sich im neusten Gebäude auf dem Gelände, um Gott die Ehre zu geben für die fünf Jahrzehnte seiner Gnade und Treue in Bezug auf das Spital in Bembéréké.

Erika Ma (Labortechnikerin am HEB von 1984 bis 2006) mit Léon Messagui, Néhémie Tamou, Emmanuel Kanhonou, Jérémie Tamoue und Daniel Aliou.


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afrik t s O n i r e g Hun

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Nahrung, Gesundheit und Hoffnung schenken Dwight Hazard

Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden bei der Verteilung von Hilfsgütern in Kenia “Wir gehören zusammen!” So hörte man die überraschten, aber glücklichen Dorfbewohner rufen, die gerade vom SIM-Kenia-Team eine Nahrungsmittelhilfe im Wert von CHF 4‘000.- erhalten hatten. In dieser Gegend, einige Stunden nordöstlich von Nairobi, sind die meisten Bewohner Muslime, und diese gingen davon aus, dass die Hilfe nur für Christen sei. Sie staunten nicht schlecht, als alle von der Not Betroffenen etwas erhielten, egal welchem Glauben sie angehörten. Zudem waren die Bohnen von bester Qualität und nicht die minderwertige Ware, die normalerweise bei Nahrungsmittelhilfen ausgegeben wird. Das machte deutlich, dass die Helfer sich wirklich um die Leute kümmerten. Die SIM-Leute hatten die Nahrungsmittel in Isiolo gekauft, einige Stunden vom Dorf entfernt. Sie konnten dort auch einen Lastwagen für den Transport mieten und erhielten eine Polizeieskorte, die für Sicherheit bei der Auslieferung sorgte. Am Ziel angekommen, bekamen sie Hilfe von einigen Borana-Christen, die dort eine Kirche gegründet hatten.

Neben der Abgabe von Nahrungsmitteln und Wasser verabreicht die SIM auch medizinische Hilfe.

Da das Dorf bisher kaum Nahrungsmittelhilfe erhalten hatte, wurden Ermittlungen angestellt, um herauszufinden, welche Familien am meisten unter der Not litten. Mit Hilfe dieser Liste konnten die Gemeindemitglieder und die Missionare etwa 2‘500 Menschen mit genug Reis, Bohnen und uji (eine Breimischung) für ungefähr eine Woche versorgen. Aber es wurden nicht nur Nahrungsmittel verteilt. Ein Polizist der Eskorte war beeindruckt von der Methode

Das Hauptziel beim Einsatz von SIM-Kenia in der Nahrungsmittelverteilung ist, in dieser extremen Dürreperiode den unmittelbaren Bedarf der Menschen an Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe zu decken.

und der Herzlichkeit bei der Verteilung und bekam auch mit, als das Evangelium erklärt wurde. Er teilte dem Team mit, dass er demnächst Jesus als seinen Retter annehmen wolle, doch vorher müsse er noch mit seiner Frau darüber sprechen. Den unmittelbaren Bedarf decken Ein paar Wochen zuvor hatten sich zwei Teams auf den Weg in den Nordosten Kenias gemacht, um sich eine Übersicht zu verschaffen. Dabei konnten sie eine Ortsgemeinde und eine einheimische Missionsgruppe ein wenig mit Nahrung und Medikamenten unterstützen. In diesem Zusammenhang wurden die Brunnen begutachtet, die SIM-Missionare während der vergangenen 30 Jahre angelegt hatten. Viele, vielleicht sogar die meisten, waren ausgetrocknet, weil der Grundwasserspiegel in den letzten beiden Jahren stark gesunken ist. Die Brunnen, die noch Wasser führten, produzierten nur noch einen Bruchteil von dem, was sie vor der Dürreperiode hergaben. Durch den freigiebigen Einsatz von Spendern konnte ein SIM-Nothilfeteam der Ortsgemeinde und ihrer Krankenstation dabei helfen, Nahrungsmittel in grösseren Mengen zu verteilen. Wie man es auch in Isiolo getan hatte, wurden die Esswaren so nah wie möglich an der Bedarfsstelle gekauft, um die Transportkosten zu reduzieren. Die Zuständigen der Krankenstation waren hocherfreut. Eine regierungsunabhängige Organisation (NGO) lieferte grosse Mengen Nahrungsmittel in das Gebiet. Und trotzdem reichte dies nicht, den enormen Bedarf zu decken. Oftmals kamen Leute zur Verteilstelle und mussten mit leeren Händen wieder umkehren. Die

Hilfeleistung der SIM durch Ortsgemeinden will die Nahrung für mehr Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungskreisen zugänglich machen. Die genannte NGO verteilt Nahrung nur an Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen. Obgleich dies auf eine Gruppe mit dringendem Bedarf abzielt, werden viele andere, wie ältere oder behinderte Leute, von der Hilfe ausgeschlossen. Da die SIM mit den Ortsgemeinden zusammenarbeitet, kann sich die Verteilung am tatsächlichen Bedarf orientieren. Das Hauptziel beim Einsatz von SIM-Kenia in der Nahrungsmittelverteilung ist, in dieser extremen Dürreperiode den unmittelbaren Bedarf der Menschen an Nahrung, Wasser und medizinischer Hilfe zu decken. Aber wir wollen auch sicher gehen, dass unsere Anstrengungen zu besserer Gesundheit und zu einer Ewigkeitshoffnung beitragen.

Dabei beschränken wir unsere Hilfe nicht auf die, die schon heute bereit sind zu hören. Sie ist eher ein Samen für die Hoffnung, dass sich dadurch später Gelegenheiten ergeben, bei denen Betroffene mehr von der Guten Nachricht hören wollen.

PROJEKT • Nothilfe Kenia KE 92601


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st i h a n o s Wo Asien

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Eine Brücke vom Osten Londons in den Süden Asiens bauen Rob Scott

In den vergangenen Jahren haben meine Familie und ich Beziehungen zu Leuten aus Südasien aufgebaut, die in Ost-London wohnen. Eine spezielle Volksgruppe ist dort bereits seit dem 19. Jahrhundert ansässig und zählte am Ende des 20. Jahrhunderts mehr als 70‘000 Personen. Trotz der grossen Anzahl wird es wahrscheinlich nicht einmal ein Dutzend geben, die Jesus folgen. Wie gern hätten wir, dass sich da etwas ändert! Wir sind zu diesen Menschen gegangen und haben auch andere in unserer Gemeinde ermutigt sich aufzumachen, um ihnen die Botschaft von Jesus nahe zu bringen. Wir haben freiwillige Mitarbeiter organisiert, um den südasiatischen Kindern bei den Schularbeiten zu helfen, und wir haben „Treffen zum besseren Verständnis“ angeboten. Das ist ein Mittelding zwischen einer Diskussionsrunde und einem Dialog zwischen Religionen, bei dem wir ein Thema wählen, zu dem dann jeweils ein Christ und ein Vertreter einer anderen Religion von seinem Standpunkt aus spricht. Es wird Zeit für Fragen eingeräumt, und es gibt auch etwas zu essen. Nicht zuletzt haben wir uns mit anderen Ortsgemeinden zusammengetan, um regelmässig für unsere asiatischen Nachbarn zu beten.

Es ist allgemein bekannt, dass wir heute nicht mehr den Ozean überqueren müssen, um das Evangelium unerreichten Völkern zu bringen. Sie leben bereits vor unserer Haustür.

Eine wenig befahrene Strasse Wir waren jedoch enttäuscht, dass unsere Beziehungen zu den Südasiaten wegen der mangelnden Verständigungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt blieben. Die Menschen haben sich zwar gut eingerichtet, aber die Sprache ihres Herzens bleibt die von Südasien. Auch Kinder, die hier aufwachsen, sprechen zu Hause normalerweise nicht Englisch. Die Folge: Um unseren Nachbarn helfen zu können, mehr von Jesus zu verstehen und ihnen klar zu machen, dass er der Retter der ganzen Welt ist – nicht nur für die Leute aus dem Westen -, kommen wir nicht umhin, ihre Sprache zu lernen. Am besten lernt man sie in dem Land, wo sie gesprochen wird. Und das haben wir vor. Es ist allgemein bekannt, dass wir heute nicht mehr den Ozean überqueren müssen, um das Evangelium unerreichten Völkern zu bringen. Sie leben bereits vor unserer Haustür. Wir haben auch festgestellt, dass die Arbeit unserer Gemeinde unter Chinesen und Japanern von Leuten profitiert, die zwischen London, Peking und Tokyo hin und her reisen. Das hat uns gezeigt, dass Missionsarbeit hier eng mit der Missionsarbeit dort verknüpft ist.

Wir wollen gerne Gläubige in Südasien unterstützen und mithelfen, die Verbindungen zwischen ihnen und den gläubigen Südasiaten hier zu stärken. Wir würden uns gerne ihren Rat zu Nutze machen, um die Menschen hier besser zu erreichen. Es bleibt weiterhin wichtig, Missionare nach Südasien zu entsenden, und unsere Gemeinde unterstützt Mitarbeiter, die genau das tun. Aber wir fühlen uns von Gott so geführt, dass wir „dorthin gehen“, um letztlich die „Missionsarbeit hier“ zu stärken. Wir planen, mit unseren Kindern 18 Monate in Südasien zu leben, um die Sprache und Kultur zu lernen. Wir sind dankbar für unsere Gemeinde, die voll hinter uns steht, und auch für die Hilfe der SIM, die sich auf eine sehr kreative Art beteiligt. Sie ist die wichtige und standfeste Brücke, die Gläubige und gleichzeitig Missionsfelder im Osten Londons mit denen in Südasien verbindet. Wir vertrauen auf Gott beim Betreten dieser Brücke.


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aus e r a n o i s s i M Region der

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Die Türen stehen offen

Den neuen Platz gefunden

Ein kurzer, aber prägender Einsatz

Alain und Christiane Soudrain

Philippe und Evelyne Hutter

Kyria Koss

Zwölf Jahre standen wir in der Gemeindegründungs- und Aufbauarbeit in Benin. Danach hiess es, die Verantwortung innerhalb der SIM zu übernehmen, in unserer Heimat Frankreich die Herzen für die Mission zu öffnen. Nach diesen 19 Jahren beginnt im November 2011 ein neuer Abschnitt in unserem Dienst: Es geht zurück nach Benin!

Nach einem geistlichen Aufbruch in Tunesien (1983-85) wurde uns klar: Gott hat auch eine Berufung für uns. 1990 zogen wir mit drei kleinen Kindern in das Land Niger. Nach einer Zeit, in der wir in unseren erlernten Berufen als Kindergärtnerin und Informatiker gearbeitet hatten, wechselten wir in den Evangelisations- und Pastorendienst. Danach führte uns Gott in den Bereich der Ausbildung von Gemeindemitarbeitern.

„Sende dein Brot übers Wasser, so wirst du es nach langer Zeit wiederfinden“ (Pred.11,1). Ich denke, dass dies in Congo-Brazzaville ein Lebensmotto ist. Eine der wichtigsten Lektionen für mich war zu sehen, wie die Leute das Wenige, das sie haben, mit Liebe und Freigiebigkeit teilen – sogar mit denen, die weit mehr als sie selbst besitzen. Gastfreundschaft und menschliche Beziehungen stehen bei den Kongolesen ganz oben auf der Werteskala.

Ist es weise, mit über 50 Jahren noch einmal nach Afrika zu gehen? Als wir die Anfrage von SIM Benin/Togo erhalten hatten, haben wir uns tatsächlich diese Frage gestellt. Doch der Herr hat durch verschiedene Ereignisse bestätigt, dass dies wirklich unser Platz ist. Eine Botschaft von dem GemeindeverbandsPartner in Benin lautete: Die Türen sind momentan weit offen, und wenn die Christen sich nicht rasch an die Arbeit machen, werden die Sekten und die Muslime dies nutzen. Aber wir schaffen es nicht alleine. Wir brauchen Missionare, die uns dabei den Rücken stärken! Ja, wir haben uns verändert und sind älter geworden. Ja, wir kennen Benin, aber von vor 20 Jahren. Das Land und die Leute haben sich verändert. Die Gemeinde und die Missionare haben sich verändert. Ja, die Ausreise schüttelt die Familie durcheinander – wir lassen unsere Kinder, Enkel und Verwandten in Frankreich zurück. Aber wir sind überzeugt, dass der Herr uns all die Erfahrungen der vergangenen Jahre geschenkt hat, damit sie uns auf der neuen Wegstrecke zur Hilfe werden. Christiane wird die Personalleitung übernehmen, und Alain wird sich um die Ausbildung und die Förderung der Missionsarbeit des Gemeindeverbandes kümmern.

Aus gesundheitlichen Gründen kehrten wir 2009 zurück nach Frankreich, wo wir seit September 2010 im Team von SIM-Frankreich mitarbeiten. Zu mehr Beständigkeit der Missionsdienste beitragen Mobilisation – Philippe versucht den Ortsgemeinden zu helfen, die Dimension der Mission neu zu entdecken und sie für Berufungen durch Gott zu sensibilisieren. Damit möchte er mithelfen, dass nach dem Gebet Jesu (Matthäus 9,38) Arbeiter für die Ernte gefunden werden. Ausbildung, Vorbereitung – Eine Berufung zum Dienst garantiert nicht automatisch die Integration in den Alltag und in den Dienst in einer fremden Kultur. Deshalb engagieren wir uns in der Vorbereitung von Missionaren auf ihre Ausreise. Betreuung – Die Hauptaufgabe für Evelyne besteht darin, mit den Missionaren in Kontakt zu bleiben, sie zu ermutigen und persönlich zu betreuen, als Ergänzung zu der Betreuung, die sie im Einsatzland erhalten. Nach über einem Jahr in dieser neuen Funktion glauben wir, unseren Platz gefunden zu haben. Unser momentanes Anliegen ist die finanzielle Unterstützung für diese Arbeit. Es fehlen uns etwa 400 Euro pro Monat.

Auf der anderen Seite nehmen Tradition, Fetischismus und Stammesbräuche einen grossen Platz im Alltag ein, und davon sind viele „Kirchgänger“ nicht ausgeschlossen. Aber die Leute sind offen und hungern wirklich nach der Wahrheit. Was mich auch noch sehr geprägt hat, ist das Lächeln, die gute Laune und der Sinn für Humor, die zum Alltag gehören, trotz der oft äusserst schwierigen Lebensumstände. Das Inland von Congo empfand ich als sehr vernachlässigt und verarmt, es steht ganz sicher nicht auf der Prioritätenliste der Landespolitik. Daher springen die enormen Bedürfnisse sofort ins Auge, in humanitärer und materieller Hinsicht, aber auch in geistlicher. In allen möglichen Bereichen wird Hilfe dringend gebraucht.


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