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Medizin und Mission: Den ganzen Menschen heilen

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Editorial

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Das hätte Jesus getan

Kontakt SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien Avenue de la Belle Voie 15 BE-1300 Wavre Bankkonto: 979-2238252-79 Tel. ++32(0)10 22 50 98 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada au Québec 17 rue Alfred-Laliberté Notre-Dame-de-l´Ile-Perrot, QC, J7V 7P2 Tél./Fax: 514 425 6611 Quebec.Selection@sim.org Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Ein Gebetsbrief erscheint in Spanisch. Jahresabonnement: CHF 10.–;  6.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

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und der

von Malcolm McGregor, internationaler Direktor Eines Tages, damals arbeiteten wir noch in Äthiopien, tauchte unser Freund Wondwosen keuchend und ausser Atem bei uns zu Hause auf. Obwohl wir Wonde schon seit einiger Zeit aus unserer Jüngerschaftsarbeit an der Universität in Addis Abeba kannten, begriffen wir erst da, wie krank er eigentlich war. Als Kind hatte Wonde eine Mandelentzündung. Da diese nicht rechtzeitig behandelt wurde, wurden die Herzklappen in Mitleidenschaft gezogen. Inzwischen war er 22 Jahre alt, und die Sache entwickelte sich für ihn zu einem ernsthaften Problem. Er brauchte zwei neue Herzklappen, aber wir wussten, dass dies in Äthiopien nicht zu machen war. Die Geschichte von Wonde spiegelt die Wirklichkeit in vielen Ländern wider, in denen die SIM arbeitet: Medizinische Hilfe ist nur sehr beschränkt verfügbar. Es fehlt an Geld, Personal, Ausbildung und Einrichtungen. Krank zu sein bedeutet für den Betreffenden und seine Familie eine schwere Bürde. Laut den Statistiken der Welt-Gesundheits-Organisation arbeitet die SIM in 14 der 20 Länder mit der niedrigsten Lebenserwartung, in 13 der 20 Länder mit der schlechtesten medizinischen Versorgung und in 15 der 20 Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit. (http://www.photius.com/rankings/healthranks.html) Wie gehen wir mit den enormen Bedürfnissen der Kranken um, denen wir in unseren Einsatzländern begegnen? Die einfachste Lösung wäre, das Thema zu umgehen und den Standpunkt einzunehmen, dass wir ja nur da seien, um das Evangelium zu verkündigen und Leute aus der ewigen Verlorenheit zu retten. Aber ist Jesus so mit den Kranken umgegangen? Auch zur Zeit Jesu war es eine grosse Last, krank zu sein, sowohl für den Betroffenen als auch für seine Familie. Dazu kam, dass die Gesellschaft Krankheit als eine Gottesstrafe für Sünde betrachtete. Jesus liess dies nicht kalt – er hatte Mitleid. Die Evangelien sind voll von Begebenheiten, bei denen Jesus die Kranken in seinem Umfeld heilte. Als Jesus für den Bau seines Königreiches unterwegs war, begegnete er den Menschen dort, wo sie waren und seinen Weg kreuzten. Er nahm sich ihre Mühen und Lasten zu Herzen und setzte sich für sie ein. Er hat sie nicht einfach ignoriert. Als SIM „glauben wir zutiefst, dass es für den Menschen nichts Wichtigeres gibt, als Gott zu erkennen.“ Aber „wir glauben außerdem, dass Gott uns dazu berufen hat, mit christlicher Nächstenliebe und ganzheitlichem Dienst in dieser gefallenen Welt zu wirken, indem wir Not lindern, positive Entwicklungen fördern und Einfluss auf die Gesellschaft ausüben.“ So lautet unser sechster Kernwert, und wir haben vor, damit weiter Ernst zu machen und ihn in die Praxis umzusetzen. Die medizinischen Dienste in der SIM sind umfassend: Wir arbeiten in Spitälern und Kliniken, bieten eine Pflegeausbildung an, behandeln Leprakranke, helfen HIV- und AIDS-Kranken und vieles mehr. Wir setzen uns in diesen schwierigen Bereichen im Namen Jesu ein, weil es das ist, was er auch getan hätte. Wie sind wir schliesslich mit Wondes Dilemma umgegangen? Wir haben uns seine Sache zu eigen gemacht. Durch die Unterstützung vieler Freude war es uns möglich, ihn zur Behandlung nach Grossbritannien zu schicken, wo ihm zwei neue Herzklappen eingesetzt wurden. Wonde war ein Teil unseres Lebens, und wir mussten uns einfach der grossen Herausforderung, in der er sich befand, stellen. Das hätte Jesus auch getan. Wondwosen kehrte nach seiner Operation nach Äthiopien zurück und diente Gott dort sieben Jahre lang. Während dieser Zeit heiratete er und bekam einen Sohn. Trauriger weise starb Wonde wegen seiner angeschlagenen Nieren, einer Nebenwirkung seines Herzproblems.


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st Ganzheitlicher Dien am Menschen

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Was die medizinische Arbeit der SIM bewirkt Der Einsatz im Bereich Gesundheit und Medizin bietet im Missionsdienst einzigartige Gelegenheiten, die Liebe Jesu mit anderen zu teilen. Viele Gemeinden sind entstanden, weil SIM-Missionare sich um leidende Menschen gekümmert haben. Und Gott hat die Medizin gebraucht, um zahllose Türen für das Evangelium zu öffnen. Obwohl wir nicht als rein medizinische Mission bekannt sind, unterhält die SIM eine beträchtliche Anzahl an Spitälern, Kliniken und anderen medizinischen Diensten in der ganzen Welt. Zurzeit arbeiten SIM-Missionare in 12 Kliniken und 21 Spitälern. Etwa die Hälfte dieser Spitäler gehört zur SIM. Bei den anderen handelt es sich um Partnerschaften mit entweder staatlichen Einrichtungen, oder solchen, die zu Gemeindeverbänden gehören. Vieles geschieht aber auch unabhängig von Einrichtungen, so dass wir in insgesamt 28 Ländern auf dem medizinischen Sektor aktiv sind. An medizinischem Personal haben wir heute 154 Vollzeit-Mitarbeiter im Einsatz. Dazu kommen weitere 60 nicht praktizierende medizinische Fachkräfte, die zurzeit in Verwaltung, Ausbildung, Gemeindegründung und anderen Diensten tätig sind. Zweifellos hat die medizinische Arbeit der SIM einen gewichtigen Einfluss auf die Bevölkerung vor Ort.

auf sechs Spitäler und viele Kliniken ausdehnte, bis in das westafrikanische Liberia war die hohe Qualität an medizinischer Versorgung durch SIMÄrzte und das medizinische Personal anerkannt. In dieser Zeit erfuhren die medizinischen Dienste innerhalb der SIM ein explosionsartiges Wachstum. Die Mitarbeiter teilten eine gemeinsame Vision und die tiefe Überzeugung, dass der ganzheitliche Dienst am Menschen das Herzstück von Gottes Werk in

dieser Welt ist. Der ganzheitliche Ansatz für den medizinischen Dienst der SIM – Hoffnung in Christus anzubieten und für die körperlichen Bedürfnisse zu sorgen – besteht noch heute. Unser medizinisches Personal arbeitet Hand in Hand mit Gemeindegründungsteams, in Missions- und Gemeindespitälern, als Zeltmacher in staatlichen Einrichtungen und in HIV/ AIDS-Diensten. Und wir suchen weiterhin medizinisches Fachpersonal, das bereit ist, sich in anderen Teilen der Welt einzusetzen.

Möglichkeiten für den medizinischen Einsatz Unser medizinischer Dienst hat seinen Ursprung bei Dr. Andrew Stirrett, bekannt als Bature Mai Magani (weisser Doktor), der 1902 in Nigeria afrikanischen Boden betrat. Neben seinem Dienst als Arzt predigte Dr. Stirrett auch auf den Marktplätzen und trug zur Übersetzung der Hausa-Bibel bei. Sein grosses Anliegen für die Hausa-sprechende Bevölkerung im Norden Nigerias brachte ihm den Titel „Apostel der westafrikanischen Hausa“ ein. Von den ersten Tagen an war es den SIMMitarbeitern klar, dass die medizinischen und physischen Bedürfnisse der Menschen, die sie erreichen wollten, nicht gedeckt wurden. Den stärksten Schub zur medizinischen Arbeit erfuhr die SIM in den 50er und 60er Jahren: Von Äthiopien im Osten Afrikas, wo die medizinische Arbeit sich

Wenn Sie eine medizinische Ausbildung haben, gibt es für Sie sicher einen Platz im breiten Spektrum unserer medizinischen Dienste. Die folgenden offenen Stellen betreffen sowohl Plätze innerhalb wie außerhalb eines Spitals. Letztere bieten die Möglichkeit, Dorfgesundheitspflege mit Gemeindebau zu verbinden. Die SIM steht in Verbindung mit anderen Missionsorganisationen, um Schlüsselpositionen im medizinischen Bereich zu besetzen. Für mehr Information können Sie auf SIMs internationale englischsprachige Seite gehen:

t Ärzte für medizinische Grundversorgung t Ärzte und Pflegefachpersonal für Dorfgesundheitsprogramme t Fachärzte und Chirurgen t Arzthelfer t hochqualifiziertes Pflegefachpersonal t Labortechniker t Augenärzte t Physio- und Beschäftigungstherapeuten t Zahnärzte t HIV/AIDS-Mitarbeiter (Ärzte, Pflegepersonal, Seelsorger und andere)

www.sim.org > GO SERVE > Missions by your career > Health, HIV/AIDS


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Voreiliges Versprechen? “Wenn Ihr Gott mich heilt…” Von Molly in Asien

Ich befinde mich an einem neuen Ort, in einem neuen Land, mit einer oder zwei oder drei neuen Sprachen, die ich noch lernen muss. Was hält die Zukunft noch für mich bereit? Aber wenn ich zurückblicke, kann ich mit Zuversicht sagen: „Er, Gott, ist treu, und sein Name wurde geehrt.“ Wie hat es begonnen? Ich erinnere mich, dass ich als Jugendliche Gott fragte, wie er mein Leben zu seiner Ehre gebrauchen wollte. Eines Tages hat er es mir gezeigt: Er wollte, dass ich mir medizinische Kenntnisse aneigne, um ihm damit zu dienen. Diese Fachkenntnisse, so hoffte ich, würden mir helfen, in eher verschlossenen Gegenden die Türen zu öffnen. Ich wollte wie Jesus ganzheitlich vorgehen und so Leute auf seine Wahrheit und Wirklichkeit aufmerksam machen. Nach der Ausbildung führte Gott mich nach Südost-Asien. Ich hätte es mir nicht besser aussuchen können. Die Leute um mich herum waren freundlich, doch die meisten von ihnen hatten noch nie von Jesus gehört. Und bei der Arbeit konnte ich alles Mögliche lernen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als Baakham ganz unverhofft mit ihrem kleinen Problem auftauchte. Man merkte sofort, dass sie vom Dorf kam. Ihre Kleider trugen noch den Geruch des Feuers vom Herd. Sie sagte nicht viel, sondern bat einfach, dass man ihr helfen möge, den chronischen Ausschlag an ihrem Bein zu behandeln, der ihr schon lange zu schaffen machte. Das schien kein Problem zu sein. Ich sagte ihr, sie solle nur den Anweisungen folgen, die ich ihr mitgab. Bei weiterem Nachfragen stellte ich fest, dass sie aus demselben Dorf kam, in das ich am Nachmittag gehen wollte. Ich bot ihr dennoch keine Mitfahrgelegenheit an, weil ich fälschlicherweise annahm, dass sie bereits etwas anderes abgemacht hatte, um nach Hause zu kommen. Doch einige Stunden später – meine Begleiter und ich waren gerade dabei, das Auto für die Fahrt in das Bergdorf zu beladen – bemerkte ich, dass Baakham sich noch immer auf dem Gelände der Klinik aufhielt. Ich war froh, dass sie gerne in unser Fahrzeug einstieg.

So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie kam dahin, wo wir sowieso hin wollten, und mein Wunsch, weitere Leute dieses Dorfes kennenzulernen, ging ebenfalls in Erfüllung. Im Dorf begleiteten wir Baakham nach Hause. „Sie haben vergessen, mich für die Fahrt hierher bezahlen zu lassen“, sagte sie. „Nein, es war uns ein Vergnügen“, versicherte ich ihr. Zu meiner Überraschung fügte sie noch hinzu: „Wenn mein Ausschlag heilt, werde ich an Ihren Gott glauben.“ Einen solchen Handel hatten wir nicht vereinbart, und ich war etwas schockiert, dass sie so eine Äusserung machte. Es gab lediglich eine Person in ihrem Dorf, die Christ war. Und während ihres Besuchs in der Klinik hatte ich mit Baakham kein Wort über Gott gewechselt. Zu mir selbst sagte ich: „Wetten, dass ihr Ausschlag heilt und sie nicht an Gott glauben wird?“ Wenn ich jetzt über meinen Zynismus nachdenke, schäme ich mich. Ich kannte sie ja gar nicht. Wie konnte ich nur so über sie urteilen, dass sie ihr Wort nicht halten würde? Fast genau drei Jahre später löste Baakham ihr Versprechen ein. Der Ausschlag an ihrem Bein war verheilt, und aus der ersten Begegnung mit ihr entwickelte sich eine schöne Beziehung. Wir erfuhren von ihrer Witwenschaft und den Beziehungen im Dorf. Und sie erzählte uns von ihrer besonderen

Verantwortung als Zauberdoktorin. Trotz allem hiess sie uns immer herzlich willkommen. Immer! Es gab Zeiten, wo sich unser kleines Team nur in Baakhams Haus willkommen fühlte, vor allem dann, wenn sich wieder einmal angstbedingter Widerstand in der Dorfgemeinschaft breit machte. Auf Anfrage der Dorfbewohner wurden verschiedene Projekte gestartet. Sie sagten, sie hätten Hunger. Wegen der Kälte konnte ihr Getreide nicht recht gedeihen. Sie wollten ihr Englisch verbessern, damit sie die Fabrikate auf den elektronischen Geräten lesen konnten, für die sie Geld sparten. Sie lernten, ihre Motorräder selbst in Stand zu halten. Die Liste könnte endlos weiter geführt werden. Eines Tages erhielten wir die Nachricht,dass Baakham bereit war, ihre Aufgaben als Zauberdoktorin aufzugeben und ihr Leben dem König der Könige anzuvertrauen. Und ihr Schwiegersohn wolle ebenfalls Christ werden, meinte sie. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ich war begeistert, und gleichzeitig musste ich schmunzeln bei dem Gedanken an meinen mangelnden Glauben. Sie machte ihr Versprechen wahr! Doch ich hatte keine Ahnung, dass dies nur der Anfang von dem war, was Gott in den Herzen von Baakhams Familienangehörigen tun sollte.


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Eine Frau, die ihr Wort hält,… und ein Gott, der so gerne rettet.

Die Nachkommen Baakhams erzählen, wie Gott es in ihrer Familie gewirkt hat.

Zwei Monate vergingen, da erreichte uns die Nachricht, dass noch mehr von Baakhams Nachkommen an Christus glauben wollten: ihre Töchter mitsamt den Grosskindern. Nun hatte die biblische Unterweisung für uns äusserste Priorität, da immer mehr Leute verstehen wollten, welche Rolle Gott in ihrem Leben spielt. Das war alles so spannend und es gab so vieles, was wir ihnen zu vermitteln hatten, dass wir uns manchmal fragten, ob wir mit dem Wirken Gottes überhaupt Schritt halten könnten. Baakhams zweijährige Urenkelin litt an Epilepsie, und ihre Eltern beteuerten, dass sich die ganze Familie ihm zuwenden würde, wenn Gott ihre Tochter heilen würde. Wieder einmal hatte ich meine Zweifel, obwohl sie uns gebeten hatten, für die Heilung ihrer Tochter zu beten. So sehr ich auch wünschte, dass das Mädchen von den Epilepsieanfällen geheilt würde, befürchtete ich doch, ihre Vorstellung von Gott bliebe allein auf die Tatsache beschränkt, dass er ihre Tochter heilen könnte. Aber Gott wirkt auf seine Weise. Innerhalb von ein paar Monaten war das Kind geheilt. Und wieder hielt die Familie ihr Versprechen. Sie befahlen nicht nur ihr Leben Christus an, sondern saugten auch wie Hungrige die biblische Lehre auf, die wir ihnen in mündlicher Form vermitteln konnten. So kommt sein Werk voran. Weil eine Frau Wort hält. Und weil Gott so gerne rettet.

Inzwischen hat Gott mich zu anderen Menschen geführt, die darauf warten, von seiner Existenz zu hören. Ich fange wieder von vorne an zu lernen: eine neue Sprache, neue Gebräuche, neue Namen. Damit ich mit den Gaben, die Gott mir anvertraut hat, und im Glauben anderen in ihrer Situation begegnen kann. Und damit ich staunend zuschauen darf, wie er wirkt und sein Name verherrlicht wird.

Die Nachricht erreichte uns, dass noch mehr von Baakhams Nachkommen an Christus glauben wollten: ihre Töchter mitsamt den Grosskindern.


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Rasante Fahrt nach Potosi von Steve Hawthorne

auf die Nabelschnur zu verringern und die Blutzufuhr zum Baby zu gewährleisten. Suzys Ehemann Max setzte sich zu mir nach vorn. Eine spannende Fahrt Wir rasten aus der Stadt hinaus, auf der holprigen Spur, die den Windungen des Flusses folgt, bis wir auf der Hauptstrasse waren. Es brauchte nicht lange, und das Rütteln des Fahrzeugs löste bei Suzy Wehen aus. Die Krankenschwester versuchte sie zu beruhigen und sie zum Atmen zu bewegen. Doch nach einer Stunde wurden die Schmerzen unerträglich. Mit Verzweiflung in der Stimme teilte mir Eysel mit, dass sie während der Kontraktionen den Puls in der Nabelschnur nicht mehr spüren könnte. Ich sagte ihr, sie solle mit Sauerstoff beginnen. Würde das Baby es schaffen? Max, Suzy und das Baby Rodrigo

Um 7 Uhr morgens legte ich mich ins Bett. Nach zwei Notfällen in der Klinik, die mich die ganze Nacht über wachgehalten hatten, brauchte ich etwas Erholung vor dem nächsten Arbeitstag. Aber bereits um 8 Uhr rüttelte mich meine Frau wach: „Es tut mir leid, aber ich war gerade in der Stadt, um bei Suzy ein paar Sachen einzukaufen. Sie haben gesagt, dass sie Wasser verloren hätte und die Nabelschnur schon heraushängen würde!“ Ich hatte Suzy immer im Auge behalten, weil sie nahe am Geburtstermin war und das Baby sich in Steisslage befand. Als sie im siebten Monat war, brachte ich den Kopf des Babys in die richtige Position nach unten, doch bei der folgenden Voruntersuchung hatte es wieder die alte Lage eingenommen. Bei ihrer letzten Untersuchung gab ich ihr ein Empfehlungsschreiben für das Spital in Potosí mit, wegen eines eventuellen Kaiserschnittes. Ein einfallsreiches Familienmitglied entschied jedoch, ein altes Mittel anzuwenden. Sie legten sie auf eine Decke, vier Leute packten die Ecken, und dann rollten sie Suzy vor und zurück, um die Lage des Ungeborenen zu verändern. Damit erreichten sie, dass die Fruchtblase platzte und die Nabelschnur mit nach aussen kam, da der Kopf des Babys den Muttermund nicht zudeckte. Die Nabelschnur reichte bis an Suzys Knie, als ich eintraf. Stoisch starrte sie mich an. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine Anzeichen von Wehen.

Ich spielte mit dem Gedanken, in Yawisla einen Notfall-Kaiserschnitt zu versuchen. Aber diese staatliche Klinik hat dafür keine Zulassung, und unerlaubte Initiativen werden in Bolivien missbilligt. Ich war müde, und einige Instrumente mussten nach der letzten Nacht erst noch sterilisiert werden. Aber das Spital in Potosí war zwei Stunden entfernt – würde das Baby es schaffen?

Meine Erfahrung sagte mir, dass das Kind tot geboren würde oder mit einem Hirnschaden. Aber vielleicht würde Gott ja eingreifen. Gott hatte mir in der Nacht zuvor geholfen, als ein Lastwagen eine junge Frau aus den Bergen brachte, die wegen einer Fehlgeburt viel Blut verlor. Ich operierte sie, um die Blutung zu stoppen. Dann wurde ein 14-jähriges Mädchen gebracht, deren Wehen ausgesetzt hatten. Schliesslich holte ich das Baby mit einer Geburtszange. Durfte ich noch mehr erhoffen?

Ich legte eine Matratze in den Land Cruiser, damit Suzy flach liegen konnte. Hinten rein kamen noch eine Sauerstoffflasche, ein Entbindungs-Set und Eysel, die Krankenschwester. Ihre Aufgabe war es, ihre Hand im Geburtskanal zu halten, um den Druck

Nach eineinhalb Stunden Fahrt auf der Piste erreichten wir die asphaltierte Strasse, und ich gab Gas, auch wenn wir jetzt auf über 4000 Meter waren.


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Durch ein Seminar, das ich zum Thema „Theologie der Entwicklungshilfe“ , zu halten hatte, stiess ich auf ein paar Antworten: 1. Unser Missionsauftrag entspringt der Mission Gottes. 2. Wie Jesus müssen auch wir das Evangelium verkündigen, aber wir müssen auch Gottes Liebe durch gute Taten zeigen, die durch Zeichen seiner Macht bestätigt werden. Und 3. Ein ausgewogener Dienst beinhaltet, dass die Wahrheit in Worte gefasst wird, die Liebe sich in Taten erweist und Gottes Macht durch Zeichen sichtbar wird.

Wie Jesus müssen auch wir das Evangelium verkünden, aber wir müssen auch Gottes Liebe durch gute Taten zeigen, die durch Zeichen seiner Macht bestätigt werden.

Als die Kuppe von Rich Mountain, dem Berg bei Potosí, in Sicht kam, schöpfte ich wieder Hoffnung. Wir waren bald da. Dann schwand sie plötzlich wieder, als ich an die vielen tausend Zwangsarbeiter in den Stollen dachte, die dort gestorben sind Gott hatte nicht eingegriffen, um sie zu retten. Warum sollte ich jetzt in diesem Fall etwas anderes erwarten? Suzy war der Verzweiflung nahe. Ihr Stöhnen war herzzerreissend. Sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Eysel hatte einen Krampf in der Hand und konnte den Druck auf die Nabelschnur nicht länger verhindern. Sie gab auf. Als wir die Stadt erreicht hatten, hatte ich auf meinem Handy ein Empfangssignal. Ich rief sofort die Notfallabteilung an, um sie vorzubereiten, dass wir gleich eintreffen würden. Ich versuchte, so ruhig wie die Astronauten zu sprechen („Hallo Houston, wir haben da ein Problem…“), aber mit Suzy in meinem Rücken, die vor Schmerzen zu allen Heiligen schrie, klang meine Stimme wohl etwas angeknackst.

Von da an ging alles ganz schnell. Geübte Hände liessen Suzy von der Matratze auf eine fahrbare Krankentrage gleiten und schoben sie eilig in die Geburtenabteilung, während ich mit Max und Eysel ihnen folgte. Wir warteten. Dann kam die Nachricht, dass das Baby entbunden sei. Seine APGAR-Werte lagen bei 2:10 und es musste auf die Intensivstation. Das Kind lebte, aber würde es gesund sein? Worte, Taten und Zeichen Nach fünf Monaten ist der kleine Rodrigo kerngesund, doch ich bin noch immer nicht zufrieden. Ihm das Leben zu retten, war der einfachere Teil. Nun bin ich gespannt, ob er es auch in das Reich Gottes schaffen wird. Was kann ich dazu beitragen?

Die Vorbereitung auf dieses Seminar machte mir die Stärken und Schwächen in meinem Dienst deutlich. Ich habe viele Gelegenheiten, die Liebe Gottes anderen Menschen zu zeigen, wenn ich beispielsweise das Bett verlasse, um Suzy nach Potosí zu fahren. Das Wunder, dass Rodrigo gesund ist, zeigt die Macht Gottes. Aber ich bin nie zu Max und Suzy gegangen, um ihnen zu erklären, dass die gemeinsamen Erlebnisse die Liebe Gottes und seine Macht in Aktion gezeigt haben. Ohne Erklärung könnte Suzy den guten Ausgang allen Heiligen zuschreiben, die sie im hinteren Teil des Autos angerufen hatte. Oder sie könnte mir den Erfolg zu Gute halten. Jedenfalls wäre die Ehre nicht Gott zugekommen, und sie hätte nichts vom Evangelium gehört. Bitten Sie Gott mit uns, dass er uns Gelegenheiten, Mut und die sprachliche Fähigkeit schenkt, diese Dinge den Menschen in dem Quechua-Dorf erklären zu können. Wir möchten, dass die Leute in Yawisla die Bedeutung unseres Handelns verstehen, und dass sie Gott lieben und ehren, weil er so gut zu uns allen ist.

Je mehr wir uns dem Spital näherten, desto langsamer kamen wir voran. Einmal wurde die Strasse von einem Umzug versperrt, sodass ich umdrehen musste. Dann fuhr ein Muldenkipper gerade vor uns heraus und schlich dahin. Schliesslich hielt auch noch ein Bus beim Spitaleingang, um Fahrgäste aufzunehmen. Doch ein Arzt hatte meine Nachricht erhalten und hielt nach uns Ausschau. Er scheuchte den Bus weg und öffnete das Tor.

Wir möchten, dass die Leute in Yawisla die Bedeutung unseres Handelns verstehen, und dass sie Gott lieben und ehren, weil er so gut zu uns allen ist.


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Von Geistern verflucht? von Dr. Julie

Sita kam eines Morgens zu uns in die Klinik. Ihre Haltung drückte Scham aus und sie versuchte, ihre unförmige Hand, die mehr eine Klaue war, zu verbergen. Vorsichtig löste ich den Verband. Zum Vorschein kamen grosse Geschwüre, innen und aussen, auf beiden Händen. Vor Jahren hat Sita das Gefühl in ihnen verloren, was sie sehr empfänglich für Verletzungen machte. Auch in den Füssen hatte sie kein Gefühl mehr, und Geschwüre breiteten sich aus. Es war klar: Sie hatte seit Jahren Lepra. Ich war traurig, aber nicht überrascht zu hören, dass sie nie eine Behandlung erhalten hatte. Sita wohnte nur fünf Minuten entfernt von einer staatlichen Gesundheitsstelle, die sie mit kostenlosen Anti-Lepra-Medikamenten hätte versorgen können. Aber ihr Mann verbot ihr, zur Behandlung zu gehen, und als die Krankheit nicht mehr zu verbergen war, warf er sie aus dem Haus und gebot ihr, ja nicht zurück zu kommen.

Frauen werden oft geringer als Tiere geachtet, und Lepra gilt immer noch als ein Fluch der Geister.

Solche Szenarien sind in Nepal auf dem Lande leider sehr üblich. Frauen werden oft geringer als Tiere geachtet, und Lepra gilt immer noch als ein Fluch der Geister. Sita marschierte drei Tage, um zu dem Haus ihrer Tochter in Dang zu gelangen, die sie zu uns in die Klinik brachte. Leider war es zu spät, um die Beweglichkeit oder das Gefühl in ihren Händen wieder herstellen zu können, aber wir taten unser Bestes. Zwei Monate später, nach intensiver Behandlung und Seelsorge, verliess Sita unsere Krankensäle, um bei ihrer Tochter zu wohnen. Sie fühlte sich wie eine neue Frau. Ihre Geschwüre waren verheilt, die Unterernährung und die Blutarmut waren beseitigt. Würmer, Amöben und eine Harnwegentzündung waren erfolgreich behandelt. Sie trug neue Schuhe, und sie wusste, wie sie sich um ihre beschädigten Hände und Füsse kümmern musste, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Indem wir sie mit Würde und Sorgfalt behandeln, geben wir Zeugnis von dem Mitleid, dem Charakter und den Wertvorstellungen Jesu in einer Gesellschaft, die nur sehr wenig davon kennt.

Sita hatte auch von Jesus gehört. Wie er zu den Leuten gegangen ist, sie berührt hat. Und dass er Leprakranke geheilt hat, als er auf der Erde lebte. Sie erfuhr, dass er sie heute noch genauso liebte und sie durch seine Diener anrührte. Zum Wandel in der Gesellschaft beitragen Patienten wie Sita haben wir oft in unserem Projekt in der Gegend von Rapti im Südwesten Nepals – eine der ärmsten und konfliktreichsten Gegenden des Landes. Die Kommunikation, die Einrichtungen und die Infrastruktur sind mangelhaft. Wir konzentrieren uns darauf, in den armen und vernachlässigten Gebieten die medizinische Versorgung und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, die durch ihre Krankheit gebrandmarkt sind (Lepra, Verbrennungen, allgemeine Behinderungen, HIV/AIDS). Indem wir sie mit Würde und Sorgfalt behandeln, geben wir Zeugnis von dem Mitleid, dem Charakter und den Wertvorstellungen Jesu – in einer Gesellschaft, die nur sehr wenig davon kennt. Wir haben vor kurzem, zusätzlich zu der medizinischen Arbeit in der Klinik, mit einem neuen Dorfprojekt begonnen. Dort sind 81% der Frauen Analphabetinnen, Mädchen heiraten ab dem 12. Lebensalter und bekommen Kinder mit 14 Jahren. Nur eine von 200 Frauen hat bei der Entbindung eine Art Hebamme zur Seite, 97% gebären in unhygienischen, nicht-sterilen Bedingungen. Die Hygiene ist armselig: Nur einer von 250 Haushalten verfügt über eine Toilette, und nur 1% der Leute waschen ihre Hände nach dem Toilettengang oder vor dem Essen. Das Trinkwasser ist mit Vorsicht zu geniessen, weil der Teich, der von den Dorfbewohnern als Trinkwasser-Reservoir dient, auch von den Tieren benutzt wird. Dann dient er noch zum Wäsche waschen, als Müllhalde und als Toilette. Eine grosse Anzahl der Kinder unter fünf Jahren stirbt an Durchfall, Lungenentzündung, Malaria, Masern oder Unterernährung, obwohl die meisten dieser Todesfälle zu vermeiden wären.

Die Probleme sind enorm, aber wir vertrauen auf Gott, dass er durch dieses Projekt wesentliche und anhaltende Änderung in einigen dieser Bereiche bewirken kann. Beten Sie bitte, dass sich durch unseren Dienst nicht nur Verbesserungen auf dem Gebiet der Gesundheit und der äusseren Umstände ergeben, sondern dass viele dieser Leute durch das Zeugnis der tätigen Liebe in Verbindung mit Jesus kommen.

Beim Verlassen unsere Krankensäle fühlte sich Sita wie eine neue Frau. Ihre Geschwüre waren verheilt… und sie wusste, wie sie sich um ihre beschädigten Hände und Füsse kümmern musste, um weitere Verletzungen zu verhindern.

Mit INF als Partner Eine der Partnerorganisationen der SIM in Nepal ist die International Nepal Fellowship, INF. Sie ist eine internationale und interkonfessionelle christliche Mission und arbeitet dort seit 1952 auf dem Gebiet der Medizin und der Entwicklungshilfe. Ihr Anliegen ist, die Gemeinde in Nepal zu ermutigen und zu stärken und dem nepalesischen Volk zu dienen. INF ist aktiv in den Bereichen TB- und Leprakontrolle, Dorfgesundheit und Entwicklung, Spital- und Rehabilitationsdienste für Behinderte, Drogenaufklärung und Rehabilitation, HIV- und AIDS-Aufklärung, Beratung und Behandlung. Die Organisation hat einen Vorstand bestehend aus langjährigen nepalesischen Christen, und wird von einem nepalesischen Direktor geleitet.

GEBEN tNepal Projekt Nr 98096

SIM heute 2/2010  

Magazin der SIM International (Suisse) Ausgabe 2/2010

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