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Licht- und Farbenzauber

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Denkmalpflege im Thurgau 23

Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau

Der 22. Band der Reihe « Denkmalpflege im Thurgau » ist Pärken, Gärten und Frei­ räumen gewidmet. Einleitend stellt Johannes Stoffler thurgauische Klostergärten und den teilweise problematischen Umgang mit diesem kulturhistorischen Erbe in der Vergangenheit in den Mittelpunkt. Der Landschaftsarchitekt weist dabei auf die grosse Bedeutung von Grünräumen für den modernen Städtebau hin.

Regine Abegg, Kunstdenkmälerautorin im Amt für Denkmalpflege Thurgau Markus Bühler, Fotograf, Zürich Ruedi Elser, ehem. Kantonaler Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege Thurgau Dominik Gügel, Direktor Napoleonmuseum, Schloss & Park Arenenberg, Salenstein Roman Häne, M. Eng. Landschaftsarchitekt BSLA, Waldstatt Britta Hentschel, Dr. sc. ETH, Kunst- und Architekturhistorikerin, Zürich Denise Hug, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege Thurgau Martin Klauser, Landschaftsarchitekt HTL / BSLA, Rorschach Stephan Kraus, Leiter Denkmalpfleger im Amt für Denkmalpflege Thurgau Felicitas Meile, Inventarisatorin im Amt für Denkmalpflege Thurgau Giovanni Menghini, Kantonaler Denkmalpfleger, Amtsleiter Silvana Rageth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Amt für Denkmalpflege Thurgau Eva Schäfer, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege Thurgau Johannes Stoffler, Landschaftsarchitekt BSLA, Zürich Doris Warger, Restauratorin SKR, Frauenfeld Monika Zutter, Denkmalpflegerin im Amt für Denkmalpflege Thurgau

Bisher erschienen in der Reihe Denkmalpflege im Thurgau: Band 1  : Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, 2000 Band 2  : Scheunen ungenutzt – umgenutzt, 2001 Band 3  : Kartause Ittingen – von einst zu jetzt, 2002 Band 4  : Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Kloster­kirche St. Michael in Paradies, 2003 Band 5  : Albert Knoepfli – erster Denkmalpfleger des Kantons Thurgau, 2003 Band 6  : Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner, 2004 Band 7  : Bauerngärten im Thurgau, 2005 Band 8  : Glanzstücke. Gold- und Silberschmiedekunst aus Thurgauer Werkstätten, 2006 Band 9  : Die Alte Thurbrücke von Bischofszell und ihre Instandsetzung 1999–2006, 2007 Band 10: Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Kloster­kirche 2000–2008, 2008 Band 11: wie bist du so schön. 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel, 2010 Band 12: Max Burkhardt. Vom Dekorationsmaler zum Fotograf, 2010 Band 13: Höher bauen im Thurgau. Ein Blick zurück für die Zukunft, 2011 Band 14: Ein Fall für... Die Denkmal Stiftung Thurgau, 2012 Band 15: Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten, 2013 Band 16: Die neubarocke Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld (1904–1906), 2014 Band 17: modern bauen – Thurgauer Nachkriegsmoderne 1940–1980, 2015 Band 18: Baudenkmäler im « Dichtestress»? – Grundlagen und kreative Lösungswege, 2016 Band 19: Bungalow – Thurgauer Experimente im Systembau, 2017 Band 20 : Innere Werte – Historische Ausstattungen im Denkmal, 2018 Band 21 : Kirchenbau 1869 –2019 – 150 Jahre Landeskirchen im Kanton Thurgau, 2019

In einem Gang durch die Seeuferanlage in Kreuzlingen beleuchtet die Kunsthistorikerin Regine Abegg die Entstehungsgeschichte des abwechslungsreich gestalteten Erholungsraums mit seinem « Herzstück », dem historischen Park beim Schloss Seeburg. Der Historiker Dominik Gügel beschäftigt sich mit den in napoleonischer Zeit konzipierten Schlosspärken Arenenberg und Eugensberg, während Martin Klauser die heutige Gartenanlage von Eugensberg mit den Augen des Landschaftsarchitekten betrachtet. Welche Bedeutung historischen Freiräumen und ihrer Erhaltung oder Wiederherstellung zukommt, rückt Roman Häne am Beispiel der Weiher- und Gartenlandschaft von Hauptwil ins Blickfeld. Mit faszinierenden Impressionen aus den vorgestellten Anlagen weitet der Fotograf Markus Bühler die Beiträge bildhaft aus und lädt zum Entdecken und Verweilen ein. Im zweiten Teil des Bandes werden Erkenntnisse aus der Kunstdenkmälerforschung und der Inventarisation vorgestellt. Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger berichten zudem über abgeschlossene Restaurierungen, die von einem besonders gelungenen Umgang mit der historischen Bausubstanz zeugen. Und nicht zuletzt runden drei erfreuliche Begebenheiten aus dem oft wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag den Band ab.

Denkmalpflege im Thurgau 23

Imposante Barockgärten und verträumte Weiherlandschaften, baumbestandene Promenaden und farbenfroh bepflanzte Stadtpärke, grossbürgerliche Villengärten und mittelalterliche Klosteranlagen : Das Gartenerbe im Thurgau ist reich und mannigfaltig ! Es sind Orte des sozialen Austauschs, aber auch Ruhepole, die zum Rückzug vom hektischen Treiben des modernen Alltags einladen. Zugleich sind es Orte, die Geschichte erfahrbar machen : Die Nutz- und Ziergärten von Klöstern zeugen von der einstigen Lebenswelt religiöser Gemeinschaften. Schlossgärten erinnern an die herrschaftlichen Besitzverhältnisse vergangener Jahrhunderte, weiträumige Seeufer­ anlagen rufen den wirtschaftlichen Aufschwung und gesellschaftlichen Wandel im 20. Jahrhundert ins Gedächtnis. Attraktive Pärke und Gärten sind weit mehr als geschickte Anordnungen von Bäumen, Sträuchern und Blumen – es sind kenntnisreich gestaltete Grünanlagen, die ihren unverwechselbaren Charakter dem raffinierten Zusammenspiel von Natur und Kultur verdanken. Anders als Gebäude verändern sie sich stetig, spiegeln sie doch im Wachen und Vergehen den Wandel der Jahreszeiten wider. Sie sind aber auch verletzlich, wenn sie nicht richtig gepflegt oder unangemessen genutzt werden. Der Umgang mit historischen Gärten verlangt deshalb besonderes Wissen und er kann nur gelingen, wenn Gärtner, Botaniker, Landschaftsarchitekten und Historiker sowie Denkmalpfleger mit dem gemeinsamen Ziel zusammenarbeiten, das kulturgeschichtliche Erbe für die Zukunft zu erhalten. Der vorliegende Band macht mit einer breiten Palette von Themen und mit eindrücklichen Bildern auf die Vielfalt und Einzigartigkeit der thurgauischen Pärke und Gärten aufmerksam. Zugleich soll er einen Beitrag zur Diskussion um den künftigen Umgang mit diesem wertvollen Kulturgut leisten. Gern laden wir Sie dazu ein, mit uns verborgene Schönheiten zu entdecken und Vergessenem neu zu begegnen.

Restaurierungen : Fischingen, Bibliothek im Kloster Fischingen Frauenfeld, Evangelische Kirche Kurzdorf Neunforn, Neues Schloss in Oberneunforn Sirnach, Schulhaus Breite Steckborn, Rathaus Stettfurt, Gemeindeverwaltung Aus dem wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag: Diessenhofen, Historische Landkarte im Rathaus Sommeri, Die Bühnenbilder im Wohnhaus und Restaurant «Linde » Wigoltingen, Wappentäfelchen im Schloss Altenklingen

Denkmalpflege im Thurgau 23

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes

Denkmalpflege im Thurgau 23

Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

Denkmalpflege im Thurgau 23

Licht- und Farbenzauber Glasmalerei im Thurgau


Denkmalpflege im Thurgau 23

Farbige Verglasungen verzaubern Räume. Sie schaffen Atmosphäre und erzeugen mit ihrer Brechung des Sonnenlichts Reflexe auf Wänden und Böden. Ob figurativ, ornamental oder abstrakt gestaltet, ob farblich zurückhaltend oder als flirrender Farbenteppich : Glasmalereien prägen den Charakter eines Innenraums. Seit dem Mittelalter sind farbige Fenster wesentliche Architekturelemente in Kirchen und Klöstern. Im 16. Jahrhundert entwickelten Glasmaler in der Schweiz die Kabinettscheibe. Diese kleinformatigen Wappen-, Figuren- und Standesscheiben erfreuten sich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein grosser Beliebtheit und schmückten sakrale Bauten wie auch private Wohnräume. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts europaweit ein neues Interesse für kirchliche Glasmalerei erwachte, erlebte die Kunstgattung ein Revival, das zu Restaurierungen von vorhandenen Glasbildern wie auch zu Neuverglasungen von Kirchen geführt hat. Bunte Fenster und Einzelscheiben zieren auch Schulhäuser, Verwaltungsgebäude und Wohnbauten. Aus dem reichen Schatz an Glasmalereien im Thurgau stellt der vorliegende Band eine Auswahl von Werken aus dem frühen 14. bis ins 20. Jahrhundert vor. In Kooperation mit dem Vitrocentre Romont, das 2022 den Corpus Vitrearum Thurgau herausgibt, und in Zusammenarbeit mit Kennern von Highlights der modernen Glasmalerei ist ein bebilderter Führer entstanden, der die reiche thurgauische Kulturlandschaft im Licht der Glaskunst betrachtet.

Bisher erschienen in der Reihe « Denkmalpflege im Thurgau » : Band 1 : Kloster Fischingen. Die Restaurierung der barocken Prälatur, 2000 Band 2 : Scheunen ungenutzt – umgenutzt, 2001 Band 3 : Kartause Ittingen – von einst zu jetzt, 2002 Band 4 : Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche St. Michael in Paradies, 2003 Band 5 : Albert Knoepfli – erster Denkmalpfleger des Kantons Thurgau, 2003 Band 6 : Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner, 2004 Band 7 : Bauerngärten im Thurgau, 2005 Band 8 : Glanzstücke. Gold- und Silberschmiedekunst aus Thurgauer Werkstätten, 2006 Band 9 : Die Alte Thurbrücke von Bischofszell und ihre Instandsetzung 1999–2006, 2007 Band 10 : Neues Licht auf Fischingen. Die Restaurierung der Klosterkirche 2000–2008, 2008 Band 11 : wie bist du so schön. 50 Jahre Thurgauer Siedlung und Landschaft im Wandel, 2010 Band 12 : Max Burkhardt. Vom Dekorationsmaler zum Fotograf, 2010 Band 13 : Höher bauen im Thurgau. Ein Blick zurück für die Zukunft, 2011 Band 14 : Ein Fall für... Die Denkmal Stiftung Thurgau, 2012 Band 15 : Farbkultur im Thurgau pflegen und gestalten, 2013 Band 16 : Die neubarocke Stadtkirche St. Nikolaus in Frauenfeld (1904–1906), 2014 Band 17 : modern bauen – Thurgauer Nachkriegsmoderne 1940–1980, 2015 Band 18 : Baudenkmäler im « Dichtestress »? – Grundlagen und kreative Lösungswege, 2016 Band 19 : Bungalow – Thurgauer Experimente im Systembau, 2017 Band 20 : Innere Werte – Historische Ausstattungen im Denkmal, 2018 Band 21 : Kirchenbau 1869 –2019 – 150 Jahre Landeskirchen im Kanton Thurgau, 2019 Band 22 : Oase im Alltag – Gärten und Freiräume im Thurgau, 2021


Das Signet des 1488 gegründeten Druck- und Verlagshauses Schwabe reicht zurück in die Anfänge der Buchdruckerkunst und stammt aus dem Umkreis von Hans Holbein. Es ist die Druckermarke der Petri; sie illustriert die Bibelstelle Jeremia 23,29: «Ist nicht mein Wort wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?»


Denkmalpflege im Thurgau | 23

Licht- und Farbenzauber Glasmalerei im Thurgau

Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau

Schwabe Verlag


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http  : //dnb.dnb.de abrufbar. © 2022 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz und Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Schriftleitung  : Ruedi Elser Redaktion und Lektorat : Silvia Volkart Lektorat : Kerstin Köpping, Berlin Abbildung Umschlag : Christoph Gysin, icona basel, Basel Umschlaggestaltung : icona basel, Basel Layout und Satz : icona basel, Basel Schriften : Berthold Akzidenz Grotesk und Sabon Papier : Tatami Natural mattgestrichen naturweiss 135 g/m² Lithos : bido-graphic GmbH, Muttenz Druck : blo.ch, Druckerei Bloch AG, Arlesheim Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-4580-1 ISBN eBook ( PDF ) 978-3-7965-4625-9 DOI 10.24894/978-3-7965-4625-9 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


5 Inhaltsverzeichnis

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

9

Giovanni Menghini

Licht- und Farbenzauber Glasmalerei im Thurgau Glasmalerei von der Gotik bis in die Moderne Reto Nussbaumer « Ausserdem trieb die Glasmalerei noch in der Schweiz achtungswerte Blüten » – Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

13

Katrin Kaufmann Revival und Stilpluralismus – Sakrale und profane Glasmalereien im Thurgau 1865 bis 1930 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

19

Sarah Keller Ex situ – Die Sammlung Vincent und ihre Glasgemälde aus dem Thurgau . . . . . . . . . . .

47

Michael Mente Bares für Rares – Die letzte Äbtissin des Klosters Tänikon und der Verkauf von Glasmalereien 1832 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

69

Silvia Volkart und Ruedi Elser Die Glasgemälde im Kreuzgang des Klosters Tänikon – Bilderkatalog . . . . . . . . . . . . . . . .

79

Sophie Wolf Das Chorfenster von St. Laurentius in Frauenfeld-Oberkirch – Eine aussergewöhnlich gut erhaltene Glasmalerei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

Ernst Baumann Dicke Mauern, dünne Gläser – Untersuchungen an der Kapelle Frauenfeld-Oberkirch und der Stadtkirche Wil SG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124

Francine Giese und Sarah Keller Orientrezeption zwischen Kopie und Imagination – Die neo-maurischen Glasmalereien im Schloss Castell in Tägerwilen . . . . . . . . . . . . . . . . . 131

Laura Hindelang Das Glasmaleratelier Heinrich Stäubli – Zwischen St. Galler Werkstatt und Glaskunst am Bau im Thurgau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Archive und archivalische Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151


6 Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

Highlights der modernen Glasmalerei Michael Egli und Christina Snopko Augusto Giacometti (1877–1947) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157

Lucia Angela Cavegn Carl Roesch (1884–1979) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161

Nora Guggenbühler August Wanner (1886–1970) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171

Silvia Volkart Heinrich Danioth (1896 –1953) und Edy Renggli (1922–2017) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176

Dorothee Messmer Ferdinand Gehr (1896–1996) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180

Ulrich Wismer Gian Casty (1914–1979) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

Sandra Gimmel Walter Burger (1923–2010) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195

Markus Landert Jacques Schedler (1927–1989) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199

Sandra Gimmel Köbi Lämmler (1934–1989) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203

Stefanie Hoch Ursula Fehr (* 1940) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208

Stefanie Hoch Rudolf Küenzi (1943–2010) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212


7 Inhaltsverzeichnis

Aus der Denkmalkultur des Thurgaus Blick in die Kunstdenkmälerforschung

Peter Erni Oh Mann, Grubenmann ! – Vom Scheitern eines berühmten Baumeisters in Weinfelden 1769 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216 In den Jahren 2019 bis 2020 abgeschlossene Restaurierungen

Annina De Carli-Lanfranconi Ruedi Elser Bettina Hedinger Denise Hug Stephan Kraus Felicitas Meile Monika Zutter Amlikon-Bissegg, Griesenberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Amriswil, Wasserschloss Hagenwil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diessenhofen, St. Katharinental, Klosterkirche Westfassade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Egnach, Lengwil, « Späämüli ». . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eschenz, Schloss Freudenfels, Glockentürmchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kradolf-Schönenberg, Neukirch an der Thur, Poststrasse 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Romanshorn, Schulhaus Spitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Romanshorn, Verwaltungsgebäude des Wasser- und Elektrizitätswerks . . . . . . . .

223 226 234 238 241 243 246 249

Aus dem wechselvollen denkmalpflegerischen Alltag

Daniel Häberli Bettina Hedinger Denise Hug Amriswil, Notkirche Stefanshöfli . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 Kreuzlingen, ehemalige Fabrikantenvilla des Schuhherstellers Louis Raichle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 Kulturgüterschutz Thurgau, ein Blick auf eine wenig bekannte Aufgabe der Denkmalpflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257 Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260


9 Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

Vorwort

Glasbilderzyklus von Köbi Lämmler 1964, evangelische Kirche Oberaach ( Ausschnitt ).

(   linke Seite  )

Wir möchten Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Band 23 der Schriftreihe « Denkmalpflege im Thurgau » Einblicke in einen ganz besonderen Schatz unseres Kulturguts verschaffen : die Glasmalerei. Ihr ist nicht etwa Unscheinbarkeit eigen, im Gegenteil ! Die seit dem Mittelalter bis in die Moderne geschaffenen Glasmalereien sind leuchtende, sinnfällige Kunstwerke, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und mit ihrem täglich wiederkehrenden Licht- und Farbenzauber den Innenraum mitprägen und ihn im Verlauf eines Tages beständig verändern. Nachdem farbiges Glas über Jahrhunderte hinweg gezielt und prominent eingesetzt wurde, ist es als Gestaltungsmittel in der zeitgenössischen Architektur etwas in Vergessenheit geraten. Bezogen auf Vielfalt, Kunstfertigkeit, Traditionen und Ikonografie vom Mittelalter bis in die neueste Zeit eröffnet sich bei näherer Betrachtung ein breites Spektrum von hohem kunst-, technologie- und sozialgeschichtlichem Wert. Der vorliegende Band versteht sich darum als eine Hommage an dieses fragile Kulturgut, das auch im Thurgau mit eindrücklichen Werken vertreten ist, und er verschafft Zugang zur aktuellen Forschung und bietet Anknüpfungspunkte für weitere Untersuchungen. Farbige Scheiben waren – nicht zuletzt bedingt durch die eingeschränkten Produktionsmöglichkeiten des Fensterglases – bis in das 19. Jahrhundert vornehmlich ( semi- ) transparente Bestandteile der den Raum umschliessenden und gegen aussen abschirmenden Wände. Erst allmählich, mit dem Aufkommen neuer Fertigungstechniken, wurde das Durchbrechen des umschlossenen Innenraums und der gerahmte Blick nach draussen möglich, was im optischen Verfliessen von Innen und Aussen in der Moderne gipfelt. Glasmalereien kamen zunächst in sakralen Räumen zum Einsatz, in denen das ­eintretende Licht über Farbigkeit und konkrete Darstellungen zum Träger visueller ­Botschaften wurde. Der Bogen spannt sich dabei von der Jahrhunderte währenden Tradition farbig gestalteter Kirchenfenster, die es unter Berücksichtigung der Zersetzungsprozesse für kommende Generationen zu bewahren gilt, bis zu der bald einmal als Relikt der Vorgängergeneration aus der Zeit gefallenen und als Ballast empfundenen Schützenfestscheibe, vom kostspieligen Einzelstück bis zum kommerziellen Massenprodukt. ­Farbige Scheiben können als symbolische Kommunikationsträger dienen, Macht und Prestige ihrer Auftraggeber demonstrieren oder Allianzen und Freundschaften bildhaft bezeugen. Im Laufe der Geschichte lässt sich in unserem Kulturgebiet eine « Profanisierung » der Glasmalerei feststellen. Nachdem der Adel und zunehmend auch prestige­ bewusste Bürger seit der Renaissance Scheiben in grosser Zahl herstellen liessen, verlor diese Kunstgattung schliesslich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts generell an Bedeutung. Ein Grund dafür liegt wohl im Ausbleiben der Auftraggeber : Es werden kaum mehr Kirchen gebaut, für die farbige Verglasungen benötigt werden, und die öffentliche Hand sieht andere Prioritäten. Letztlich aber bleibt die Frage offen und interessant, warum die zeitgenössische Architektur dem Gestaltungsmittel des farbigen Glases kaum mehr Raum gibt.


10 Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

Der Werdegang dieses Buchs war ein herausforderungsreiches Unterfangen, das zu einem guten Zeitpunkt realisiert werden konnte: Umfang und Kosten, erforderliche Tiefe der Recherchen in dem von der aktuellen Kunstgeschichtsforschung kaum mehr berührten Gebiet, die Aussicht auf die anstehende Publikation Corpus Vitrearum Thurgau ( ein Katalog mit rund 1’200 Objekteinträgen aus dem Thurgau ), die Ausstellung des Schweizerischen Nationalmuseums « Farben im Licht » 2021/22 und die Koinzidenz mit dem internationalen Jahr des Glases 2022 führten dazu, den bisherigen Erscheinungsrhythmus unserer Jahrespublikation zu durchbrechen und mit der Veröffentlichung des grossen Werks aus Romont zeitlich gleichzuziehen. Unsere Publikation setzt denn neben historischen Betrachtungen, etwa einem umfangreichen Katalog des Renaissance­ zyklus aus Tänikon, auch einen eigenen Schwerpunkt dort, wo die jahrelange Forschung und Aufarbeitung des Vitrocentre endet, nämlich mit dem Schaffen im 19., besonders aber im 20. Jahrhundert. So ergänzen sich die beiden Publikationen und runden das Thema bis hin zum farbigen Glas als abstraktes Element zur Gestaltung räumlicher Wirkung ab. Damit nicht genug; wie immer vermittelt der vorliegende Band Einblicke in das Schaffen rund um die Denkmalpflege im Kanton Thurgau. Neben Restaurierungsberichten erhält der im Jahr 2019 als kantonale Fachstelle in unserem Amt angesiedelte Kulturgüterschutz erstmals eine Plattform. Und auch dieses Jahr veröffentlicht die Kunstdenkmälerforschung eine ihrer Trouvaillen, auf die sie im Rahmen ihrer Recherchen gestossen ist. Nebst der Wirkung nach aussen auf das interessierte Fachpublikum und auf die Forschung hat die Publikation auch für uns als Herausgeber einen besonderen Wert. So bietet sie die einzigartige Möglichkeit, das breite Spektrum der im Amt für Denkmalpflege vereinigten, ganz unterschiedlichen Abteilungen durch informative Beiträge zu deren spezifischen Tätigkeiten zu präsentieren. Unser Amt steht vor namhaften Herausforderungen hinsichtlich der Revision unserer Grundlagen und angesichts der baulichen Verdichtung im wertvollen historischen Ortsbild. Dies erfordert zusätzliche Priorisierungen des Einsatzes unserer Ressourcen und setzt damit diese Publikationsreihe unter Druck. Es ist uns allen aber ein grosses Anliegen, die Reihe « Denkmalpflege im Thurgau » als bleibendes hochwertiges Zeitdokument, als Beitrag zu Forschung und Vermittlung wie auch zur Offenlegung unserer Arbeit gegenüber der Politik und der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Giovanni Menghini, Amtsleiter / Kantonaler Denkmalpfleger


Glasmalerei von der Gotik bis in die Moderne

Ernst Baumann Ruedi Elser Francine Giese Laura Hindelang Katrin Kaufmann Sarah Keller Michael Mente Reto Nussbaumer Silvia Volkart Sophie Wolf


13 Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

Reto Nussbaumer

« Ausserdem trieb die Glasmalerei noch in der Schweiz achtungswerte Blüten » – Einführung Wie kommt das bekannte Meyers Konversations-Lexikon 1890 dazu, so explizit von der Schweizer Glasmalerei und deren « Blüten » zu sprechen ? Es kommt nicht von ungefähr. Die Bezeichnung « Schweizer Scheibe » galt lange als Fachbegriff, als speziell zu betrachtende Form der Kabinettscheiben-Glasmalerei. In der Fachliteratur wurde darüber oft doppeldeutig geschrieben : « Wer kennt und liebt sie nicht, die eigenartige und reizvolle Schweizer Scheibe, die in keiner Sammlung fehlt, die immer wieder auf dem Kunstmarkt erscheint ? Mag sie auch manchmal mehr durch ihre frischen Farben, als durch Gediegenheit der Zeichnung erfreuen, mag das Gebiet des Sujets und ihrer Technik eng umschrieben sein, stets ist sie ein Zeichen merkwürdiger und ausserhalb der Schweiz nirgends vorkommender Nationalsitte. [ … ] In ihrer schlichten Eigenart ist sie nicht zu verkennen oder zu verwechseln. » ( Fischer 1914, S. 172 )

Viele von uns kennen Glasmalereien, nicht zuletzt aus dem familiären Umfeld. Bei Grosseltern, Tanten und Onkeln hängen oder hingen an den Wohnzimmerfenstern die Wappenscheiben mit den Familienwappen – bei den Schützen zuhause gern auch die Scheiben der besuchten Schützenfeste. Abbildungen 1 und 2 Von diesen – bei vielen Glasmalern oft noch letzten Auftragsarbeiten und eigentlich späten Vertretern der « Schweizer Scheibe » – soll aber nicht die Rede sein. Vielmehr soll Kabinettscheibe « Familien­wappen Hürlimann 1337 », Glasmalerei, signiert WL., 32 × 23 Zentimeter, circa 1960er-Jahre.

1 (   links  )

2 (   rechts  ) Kabinettscheibe « Eidgenös­sisches Schützenfest 1924 in Aarau ». Glasmalerei H. Meyer, 30.5 × 23 Zentimeter, Zürich1924.

Der Stadt Frauenfeld gewidmete Glasmalerei von Friedrich Berbig 1888, Rathaus Frauenfeld, Bürgersaal ( Ausschnitt ).

(   linke Seite  )


14 Licht- und Farbenzauber – Glasmalerei im Thurgau

es um die Glasmalereien der vergangenen Jahrhunderte gehen, seit Beginn der Glasmalerei bis zu heutigen Varianten, deren Erforschung und deren Erhaltung. Dabei spielt der Kanton Thurgau für die Schweiz – nicht nur wegen der schweizweit einzigartigen Chorfenster der Kirche Frauenfeld-Oberkirch – eine bedeutende Rolle. Unter anderem ist eine wegweisende Studie zu den Schweizer Kabinettscheiben in Frauenfeld herausgegeben worden ( Meyer 1884 ). Die vorliegende Publikation vom Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau beleuchtet den Stellenwert der Thurgauer Glasmalereibestände. Dies ist aber beileibe nicht die erste Publikation zur Schweizer Glasmalerei. Es gab und gibt davon und alle referieren aufeinander. Was jedoch kaum in den Anmerkungen erscheint, ist das kleine Werk eines damals 21-jährigen Studenten der Jurisprudenz mit Namen Josef Zemp in München ( Zemp 1890 ). Es handelt sich um denselben Josef Zemp, der nach seiner ersten Studienzeit in München an die Universität Zürich wechselte, beim Kunsthistoriker Johann Rudolf Rahn studierte und selber ein bedeutender Schweizer Kunsthistoriker wurde. Seine « Skizze » fasst die bis 1890 bekannte Literatur zur Glasmalerei und deren Bestände in der Schweiz auf etwas mehr als 60 Seiten zusammen – nicht nur aufzählend, sondern immer wieder auch bewertend. Selbstverständlich orientiert er sich an den damaligen Leitgrössen der Glasmalerei- und Kunstgeschichtsliteratur, auf Lübke ( 1866 ) und Rahn ( 1876 ). Zemps Schrift ist eine auch heute noch gut zu lesende Einführung zur Glasmalerei in der Schweiz, wenn er im letzten Absatz auch klarmacht, dass er vieles nur andeuten, nur streifen konnte und die grossen Inventare, Übersichten und Besprechungen noch zu machen sind : « Einem Anderen bleibt es vorbehalten, den schönen Stoff auch im Einzelnen mit der individuellen Zeichnung, mit dem Formenreiz und Farbenschmelz der Cabinetscheibe aus der ‹ goldenen Zeit des XVI. Jahrhunderts › auszustatten. Möge der Berufene uns recht bald überraschen ! » ( Zemp 1890, S. 62 ) Mit dem jetzt abgeschlossenen Corpus Vitrearum-Projekt für den Kanton Thurgau haben sich verschiedene « Berufene », wie Zemp schreibt, zusammengefunden und die Glasmalereibestände des Thurgaus nach fachlichen Kriterien inventarisiert, dokumentiert und beschrieben. All dies ist unter vitrosearch.ch online zugänglich und bietet eine Fülle an Informationen – und vor allem beeindruckendes Bildmaterial von rund 1’200 Objekteinträgen. Das Corpus Vitrearum – im vollständigen Namen Corpus Vitrearum Medii Aevi – geht auf den Schweizer Kunsthistoriker Hans R. Hahnloser zurück, der nicht zuletzt unter dem Eindruck der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs 1952 dieses internationale Forschungsprojekt zur Glasmalerei begründete. In der Schweiz laufen die Aktivitäten des Corpus Vitrearum im Vitrocentre in Romont zusammen, dem Schweizer Kompetenzzentrum zur Glasmalerei. Zurück zur Glasmalerei : Von der handwerklich-technischen Seite der Glasmalerei schreibt der Student Zemp nichts – dazu findet sich an unerwarteter Stelle in der Belletristik bei Emile Zola weitaus mehr : In seinem Monumentalwerk zur Familie Rougon-­ Maquart erscheint 1888 als Teil des 20-teiligen Romanzyklus im Band Der Traum, folgende Stelle :


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3 Schulwandbild « Glasmalerwerkstätte » von Werner Schaad 1964.

« Das war tatsächlich eine Werkstatt, die Laune eines reichen jungen Mannes, der am Handwerk, an der Glasmalerei, Vergnügen fand. Er hatte die alten Verfahren aus dem dreizehnten Jahrhundert wiedergefunden, er konnte sich für einen jener ursprünglichen Glasmacher halten, die mit den armseligen Mitteln ihrer Zeit Meisterwerke hervorbrachten. Ihm genügte die alte, mit geschmolzener Kreide überzogene Tafel, auf der er mit Rot zeichnete und das Glas mit dem heissen Eisen zurechtschnitt, weil er dazu den Diamanten verschmähte. Gerade war die Muffel, ein kleiner, einer Zeichnung nachgebildeter Ofen, beschickt ; das Einbrennen für die Ausbesserung eines anderen Fensters der Kathedrale wurde dort beendet ; und in Kisten lagen da noch Gläser in allen Farben, die er wohl für sich anfertigen liess, blaue, gelbe, grüne, rote, fahle, jaspisartige, angerauchte, dunkle, perlmuttfarbene, leuchtende. [… ] wie er sich nach dem Beispiel der alten Meister begnügte, bereits in der Glasmasse gefärbte Gläser zu verwenden, die er einfach mit Schwarz schattierte ; weshalb er sich an die kleinen scharf umrissenen Figuren hielt und deren Gesten und Gewandungen hervorhob ; uns seine Gedanken über die Kunst des Glasmachers, die im Niedergang begriffen war, seit man begonnen hatte, das Glas zu bemalen, es zu emaillieren, weil man so besser zeichnen konnte ; und seine abschliessende Meinung, dass ein Kirchenfenster einzig und allein ein durchsichtiges Mosaik sein dürfe, in dem die lebhaftesten Farbtöne in der harmonischsten Anordnung verteilt seien, ein ganzer köstlicher und strahlender Farbenstrauss. » ( Emile Zola, Der Traum, München 1977, S. 192–194 )

In dieser kurzen Stelle erscheinen knapp die alten Glasmalereitechniken – wie übrigens auch der in der Fachliteratur nicht wegzubringende Topos des « Niedergangs der Glasmalerei » ab dem 16. Jahrhundert. Tatsächlich haben sich die Einrichtung, die Werkzeuge und die Arbeitsabläufe in den Glasmalerwerkstätten, so wie sie der Schriftsteller Zola beschreibt, über die Jahrhunderte kaum verändert und sind doch nur Wenigen bekannt. Ein den älteren Generationen noch vertrautes Schulwandbild – quasi das Wikipedia des Vor-Internet-Zeitalters – vermittelt einen guten Einblick in ein Atelier. Der bekannte Schweizer Maler – und Glasmaler (  ! ) – Werner Schaad ( 1905 –1979 ) hat die Vorlage 1964 für den Schweizer Lehrerverein beigesteuert. Es hing als grossformatiger Druck wohl in hunderten von Schulzimmern. Abbildung 3


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Das Wandbild zeigt in einem lichtdurchfluteten Atelier in übersichtlicher Anordnung die verschiedenen Arbeitsschritte der Glasmalerei vom Entwurf über das Zuschneiden und Bemalen/Brennen des Glases bis zum Zusammenfügen der einzelnen Gläser zum grossen Fenster. Links im Bildvordergrund sieht man den auf der Werkbank montierten sogenannten Bleizug, mit dem die Bleiruten gezogen werden, in der Mitte im Vordergrund das Montagebrett mit dem Lötkolben, auf dem die Gläser in die Bleiruten gefasst werden und nicht zuletzt rechts im Vordergrund den sogenannten Muffelofen, in dem vor dem Zusammenfügen der einzelnen Gläser die jeweiligen Bemalungen eingebrannt werden. Nicht viel anders präsentierte 1878, fast hundert Jahre früher, Franz Xaver Zettler mit seiner Königlichen Bayerischen Glasmalerei-Hofanstalt in bester historistischer Manier eine Glasmalerwerkstatt : Auf dem Titelblatt seines « Programmes » – eigentlich eine Verkaufs- und Werbebroschüre – zeigt er in den unteren Feldern eine Gruppe Mönche, welche der Glasmalerei in einer komplett mit Montierbrett und Muffelofen eingerichteten Werkstatt nachgehen. Rechts davon ein Mönch, der auf einem wohl in einer Klosterkirche aufgestellten Baugerüst eine Scheibe in eine dekorative Rahmung einsetzt. Abbildung 4 Abschliessend soll die denkmalpflegerische Beschäftigung mit der Glasmalerei kurz beleuchtet werden. Nachdem die sehr fragilen Werke der Glasmalerei die Jahrhunderte erstaunlicherweise recht gut überstanden hatten, war im 19. Jahrhundert der Umgang mit dem anspruchsvollen Kulturgut nicht immer gleich sorgfältig. Oft wurden umfangreiche mittelalterliche und frühneuzeitliche Bestände durch historistische Neuschöpfungen ersetzt und über den Kunsthandel in die halbe Welt verstreut oder gingen ganz verloren. Aber ebenso oft haben falsch verstandene Restaurierungen zu viel ersetzt, ergänzt und rekonstruiert. Heute haben wir einen anderen Wissensstand, und wir begegnen den Glasmalereien aller Jahrhunderte – auch denen des 20. Jahrhunderts – mit der gleichen Umsicht und Sorgfalt. Die Konservierung und Restaurierung dieser Bestände stellt die Denkmalpflege und Restaurierungsateliers vor neue Herausforderungen. So sind beispielsweise bei Schutzverglasungen von besonders kostbaren Glasmalereien bauphysikalische Probleme zu meistern. Oder es sind neue Fragestellungen zu beantworten bei der Restaurierung von « modernen » Glasmalereien, die nicht mehr wie in den vorangegangenen Jahrhunderten in Blei gefasst wurden, sondern beispielsweise in Beton. Schutz und Erhalt der Glasmalerei wird somit zur Generationenaufgabe und soll nach der bewährten Maxime vollzogen werden, die schon vor mehr als hundert Jahren kaum treffender hätte formuliert werden können : « Das Eigene des alten Meisters bleibe unter allen Umständen unangetastet ! » ( Fischer 1914, S. 296 )

Titelseitenausschnitt « Programm der Königlich Bayerischen Hofglasmalerei-Anstalt F. X. Zettler München » 1878.

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« Turnfest » von Gian Casty, Glasmalerei 1968 gestiftet von der Studentenverbindung Concordia in die Turnhalle der Kantons­ schule Frauenfeld, 2014 in den Ersatzneubau versetzt. (   rechte Seite  )


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Katrin Kaufmann

Revival und Stilpluralismus – Sakrale und profane Glasmalereien im Thurgau 1865 bis 1930 In den Bauten des Thurgaus ist ein reicher Schatz an Glasmalereien aus der Zeit des Historismus erhalten. 2016 bis 2021 wurde dieses Kulturgut durch das Vitrocentre Romont erfasst und erforscht. In diesem vielgestaltigen Bestand ­widerspiegeln sich die künstlerischen Entwicklungen der Epoche und die Fülle der je nach Auftraggeber und Bauaufgabe gewählten Themen und Motive.

Um 1800 löste das mit der Romantik verstärkte Interesse für Traditionen und Kulturen der Vergangenheit eine neue Blüte der Glasmalerei in Europa aus. Dies zeigt sich zum einen darin, dass etwa die Kunstform der Wappenscheibe wieder aufgenommen wurde ; zum anderen richtete sich der Blick vermehrt auf die mittelalterliche Kunst. Man begann, vorhandene Glasmalereien zu restaurieren und stellte Ende der 1820er-Jahre erstmals neue Glasmalereien für gotische Kathedralen her. Nicht zuletzt sollten auch zeitgenössische Gebäude im Stil der Neugotik mit passenden Glasmalereien ausgestattet werden. Im Rahmen dieses Revivals wurden zuerst in Frankreich und Deutschland die im Mittelalter entwickelten Technologien der Glasmalerei und Glasproduktion wiederbelebt und weiterverbreitet. Auch in der Schweiz kam es in der Folge zu einem Wiederaufblühen der kirchlichen Glasmalerei. Zwischen 1835 und 1865 wurden etwa in Genf, Zürich, St. Gallen und Basel mehrere prestigeträchtige Aufträge für sakrale Glasmalereien vergeben ( Kaufmann 2020, S. 53–54 ). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann die Glasmalkunst auch im Thurgau an Bedeutung. Im Zuge einer regen Bautätigkeit wurden Kirchen zunehmend mit farbigen Fensterverglasungen ausgestattet, für deren Gestaltung dem Phänomen des Historismus entsprechend Stilrichtungen vergangener Jahrhunderte aufgegriffen wurden. Noch heute zeugen in über 50 Sakralbauten solche historistischen Glasmalereien von der neuen Wertschätzung dieser Kunstgattung. Sakrale Glasmalereien

Vogeldarstellungen, Glasmalerei von Carl Roesch 1910, Schulhaus Diessenhofen. (   linke Seite  )

Die wahrscheinlich ältesten in einem Thurgauer Gebäude erhaltenen Glasmalereien aus dem 19. Jahrhundert befinden sich in der katholischen Pfarrkirche St. Pelagius in Bischofszell. Die bis 1968 paritätisch genutzte Kirche wurde in den Jahren 1864 bis 1867 neugotisch überformt und erhielt damals unter anderem eine neue Westfassade sowie neue spitzbogige Masswerkfenster in Schiff und Chor. Die Masswerkfüllungen der sieben Chorfenster stellte 1866 die bayerische Werkstatt Mittermaier her ( Knoepfli 1962, S. 163 ). Abbildungen 5 und 6 Sie ähneln denen der Reformatorenfenster in der evangelischen Stadtkirche Ravensburg, die 1860 bis 1862 ebenfalls in der Werkstatt Mittermaier hergestellt wurden und zeichnen sich durch die Vielfalt der verwendeten Ornamente und


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Katholische ( ehemals paritätische ) Pfarrkirche St. Pelagius in Bischofszell. Fotografie der neugotischen Westfassade von 1960, vor ihrer erneuten Umgestaltung ab 1968.

5 (   links  )

6 (   rechts  ) Katholische Pfarrkirche St. Pelagius in Bischofszell. Masswerk­ füllungen aus der Werkstatt Mittermaier 1866.

Malfarben aus. Dadurch heben sie sich von späteren, oft schematisch ausgeführten neugotischen Glasmalereien des 19. Jahrhunderts ab. Verhältnismässig früh datieren auch die Bildscheiben in der katholischen Kirche St. Sebastian in Herdern. Abbildungen 7 und 8 Sie wurden 1875/76 von dem bekannten, aus Nürnberg stammenden Glasmaler Johann Jakob Röttinger ( 1817–1877 ) geschaffen, der ab 1848 bis zu seinem Tod ein Atelier in Zürich betrieb. Die Scheiben wurden anlässlich der Umgestaltung des Chors und der Neuerrichtung des Kirchenschiffs eingesetzt ( Scheiwiller-Lorber 2014, S. 324 ). Die drei Rundfenster im Chor kosteten insgesamt 325 Franken und wurden vom damaligen Pfarrer Joseph Ignaz Kurz ( 1837–1891 ) und seiner Schwester Anna gestiftet ( vitrosearch.ch, TG_1314 ). Das mittlere Fenster zeigt das Auge Gottes in einem Dreieck, umgeben von einem Strahlenkranz in achtzackigem Stern, links dargestellt ist das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln und rechts der Heilige Geist, verkörpert durch eine Taube. Die Fenster im Kirchenschiff sind einfa-


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