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An der Peripherie des nazifizierten deutschen Hochschulsystems

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Das Verhalten der Basler Universitätsangehörigen reichte in der Zeit von 1933 bis 1945 von freundlichen Kontakten mit deutschen Institutionen über eine formale Trennung zwischen ‹Politik› und ‹Wissenschaft› bis zu Hilfsbereitschaft gegenüber Opfern des Nationalsozialismus. Diese Beziehungen zu den deutschen Hochschulen und Kollegen stehen im Zentrum des Bandes. Untersucht werden Basler Zeugnisse der Wahrnehmung von Vorgängen in Deutschland, von Exklusion und Verfolgung Andersdenkender und ‹Andersrassischer›, aber auch von Veränderungen in der Wissenschaft. Im Blick stehen einzelne Fakultäten und Disziplinen genauso wie Forschung und Lehre sowie – exemplarisch – einige Lebensläufe und Konflikte bei Lehrstuhlbesetzungen. Das persönliche, strukturelle und emotionale Beziehungsgeflecht, das die Basler mit der Universitätswelt des Nachbarlandes verband, wird dabei erstmals in seiner ganzen Breite sichtbar.

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Universität Basel 1933–1945

STUDIEN ZUR GESCHICHTE DER WISSENSCHAFTEN IN BASEL NEUE FOLGE

Christian Simon lehrte als Extraordinarius an der Universität Basel Geschichte der Wissenschaften und der Technik sowie Umweltgeschichte. Er publizierte zur Geschichte der Geschichtsschreibung, der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Biologie und der Universität Basel.

STUDIEN ZUR GESCHICHTE DER WISSENSCHAFTEN IN BASEL NEUE FOLGE

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Christian Simon

An der Peripherie des nazifizierten deutschen Hochschulsystems

Simon

Zur Geschichte der Universität Basel 1933 –1945

Schwabe Verlag www.schwabe.ch

SCHWABE


STUDIEN ZUR GESCHICHTE DER WISSENSCHAFTEN IN BASEL NEUE FOLGE 11 IM AUFTRAG DES REKTORS DER UNIVERSITÄT BASEL HERAUSGEGEBEN VON HANS-PETER MATHYS UND RUDOLF WACHTER


CHRISTIAN SIMON

AN DER PERIPHERIE DES NAZIFIZIERTEN DEUTSCHEN HOCHSCHULSYSTEMS ZUR GESCHICHTE DER UNIVERSITÄT BASEL 1933 – 1945

SCHWABE VERLAG


Publiziert mit freundlicher Unterstützung der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel sowie des Rektorats der Universität Basel Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2022 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Korrektorat: Ricarda Berthold, Freiburg i. Br. Gestaltungskonzept: icona basel gmbH, Basel Cover: Kathrin Strohschnieder, Zunder & Stroh, Oldenburg Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: Hubert & Co., Göttingen Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4514-6 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4540-5 DOI 10.24894/978-3-7965-4540-5 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


Inhalt 1

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Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1 Störung in der Universität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2 Basler Universitätsgeschichte 1933–1945 in bisheriger Darstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3 Beobachtungen an der Geschichte anderer Schweizer Universitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.4 Wandel in den Ansätzen der deutschen Universitätshistoriographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.5 Basler Politik und die Modernisierung der Universität in den 1930er Jahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6 Ziele und Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Die Basler Studenten und Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Immatrikulierte an der Universität Basel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Die Veränderungen an deutschen Universitäten und in besetzten Gebieten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4 Neutrale und unpolitische Basler Universität . . . . . . . . . . . . . . . 2.5 Studentische Organisationen in Basel. Ein Überblick . . . . . . . . . 2.5.1 Die Basler Studentenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.2 Verbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.3 Andere Organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.4 Jüdische Studierende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.5 Ephemere politische Gruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.6 Die linken deutschen Studierenden . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.7 Die Marxistische Studentengruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.8 Die nationalsozialistische Deutsche Studentenschaft . . . 2.6 Die Zofingia als Beispiel für die Evolution studentischer politischer Auffassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.1 Die Rede von der «Krise» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

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2.6.2 Vom Einfluss der Fronten zur ‚geistigen Landesverteidigung‘ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 2.6.3 Die Zofinger Studenten in der ‚geistigen Landesverteidigung‘ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 2.6.4 Neutralität, Pragmatismus und Zensur . . . . . . . . . . . . . . 89 2.6.5 Die Gleichschaltung der deutschen Universitäten, die Juden und Emigranten, die deutsche Besatzungspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Schlussfolgerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103

Basel und die deutschen Universitätsjubiläen der 1930er Jahre . . . . . . 3.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Basler Reaktionen auf die Einladungen zum Heidelberger Universitätsjubiläum 1936 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Die Basler Absage an Heidelberg und die Grussadresse . . . . . . . 3.4 Die Durchführung des Heidelberger Jubiläumsfestes . . . . . . . . . 3.5 Basel und Heidelberg, eine Zwischenbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6 Eine Wiederholung mit Variationen: Die Einladung nach Göttingen 1937 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7 Intermezzo: Die Lausanner 400-Jahrfeier aus deutscher Sicht . . 3.8 Die Göttinger Feier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.9 Die Schweizer in Göttingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.10 Schlussfolgerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Theologie in Basel – Ort der Resistenz gegen den Nationalsozialismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2 Der Lehrkörper der Basler Theologischen Fakultät . . . . . . . . . . 4.2.1 Systematische Theologie und Dogmatik . . . . . . . . . . . . . . 4.2.2 Kirchengeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.3 Altes Testament . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.4 Neues Testament . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.5 Praktische Theologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.6 Sprachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.7 Missionswissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3 Theologische Argumente gegen den Nationalsozialismus . . . . .

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Inhalt

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4.3.1 Das Erste Gebot und die falschen Götter . . . . . . . . . . . . . 4.3.2 Die Sorge um die Kirche/die Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . 4.3.3 Das Verhältnis zur Obrigkeit, das Wächteramt der Kirche, die ‚rechte Obrigkeit‘ und der legitime gewaltsame Widerstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.4 Der staatliche Totalitarismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.5 Christliche Anthropologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.6 Die apokalyptische Endzeiterwartung (Antichrist) und die Eschatologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.7 Christen und Juden: Auserwähltes Volk, die Gemeinde («Kirche»), die «Nächsten» und Formen des Antisemitismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Einsatz für Verfolgte und Flüchtlinge . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fazit – Elemente der Abwehr des Nationalsozialismus und die Flüchtlingsfrage in der Theologischen Fakultät . . . . . . . . . . .

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Der Kampf der Juristen für den Rechtsstaat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2 Der Grundtenor in der Juristischen Fakultät . . . . . . . . . . . . . . . . 5.3 Einzelne Professoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.4 Deutsche Juristen in der Basler Fakultät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.5 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.6 Abweichung nach links: Arthur Baumgarten . . . . . . . . . . . . . . . 5.7 Jacob Wackernagel – ein rechtsextremer Jurist? . . . . . . . . . . . . . Exkurs: Gustav Däniker, Jurist und Wehrwissenschaftler an der Universität Basel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Mediziner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.2 Die Bedeutung Deutschlands für Ausbildung und wissenschaftliche Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.3 Überzeugte Nationalsozialisten als Mitglieder der Basler Medizinischen Fakultät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.4 Deutsche Professoren als Opfer des Nationalsozialismus und die Basler Medizinische Fakultät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6.5 Jüdische Basler Professoren und jüdische Studierende aus Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Geisteswissenschaftler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1 Philosophen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1.2 Paul Häberlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1.3 Herman Schmalenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1.4 Heinrich Barth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.1.5 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2 Sprachwissenschaftler und Literaturhistoriker . . . . . . . . . . . . . . 7.2.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2 Klassische Philologen, Althistoriker und Klassische Archäologen: Humanistische Altertumswissenschaften . 7.2.2.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.2 Altertumswissenschaften in Deutschland nach 1918 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.3 Matthias Gelzer – ein Schweizer in Frankfurt . 7.2.2.4 Peter von der Mühll . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.5 Karl Meuli . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.6 Harald Fuchs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.7 Die Alte Geschichte – von Felix Stähelin zu Bernhard Wyss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.8 Die Klassischen Archäologen – von Ernst Pfuhl zu Arnold von Salis und Karl Schefold . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.9 Sprachwissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.2.10 Ergebnis: Humanismus als Grundlage für Resistenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.3 Germanisten und Germanen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.3.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.3.2 Altgermanisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.3.3 Vertreter der Neueren deutschen Literatur . . . . 7.2.3.4 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.4 Romanisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.4.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.4.2 Die Vertretung des Italienischen: Arminio Janner, ein Tessiner Patriot . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

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7.4 7.5

7.2.4.3 Spanisch: Lektorate, Ehrendozentur und ein Versuch, einen Franco-Gegner nach Basel zu holen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.4.4 Albert Béguin – der Frankophile unter den Basler Professoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.4.5 Walther von Wartburg – ein germanophiler Romanist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.5 Englische Sprache und Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.5.1 Henry Lüdeke, ein Deutschamerikaner in Basel 7.2.5.2 Privatdozenten und Lektoren . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.6 Die Slawistin: Elsa Mahler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2.7 Orientalisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kunsthistoriker – Joseph Gantner: Letzter universaler Kunsthistoriker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.3.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.3.2 Aspekte der Laufbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.3.3 Die Basler Wahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.3.4 Konstanz und Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.3.5 Die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus . . . . . . . . . . . 7.3.6 Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Musikwissenschaftler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Historiker – Werner Kaegi: Kampf des Humanisten und Kulturhistorikers gegen den Ungeist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.2 Kaegis Bildungsgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.3 Weltanschauliche Position des jungen Kaegi . . . . . . . . . . 7.5.4 Kaegi in Basel: Erasmus, Burckhardt und Renaissance . 7.5.5 Emil Dürr und Kaegis Habilitation . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.6 Zwischenbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.7 Wahl zum Professor in Basel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.8 Der Weg zur Ablehnung des Nationalsozialismus . . . . . 7.5.9 Das Erasmusjahr 1936 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.5.10 Engagements im Rahmen der Professur . . . . . . . . . . . . . . 7.5.11 Kaegis Beziehungen zu Deutschland 1933 bis 1945 . . . . 7.5.12 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

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Ethnologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volkswirtschaftler, Nationalökonomen und Soziologen – Edgar Salin, vom «Mephistopheles» zum konservativen Antifaschisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.7.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.7.2 Erwartungen bei der Berufung nach Basel . . . . . . . . . . . . 7.7.3 Grundlagen von Salins Nationalökonomie . . . . . . . . . . . 7.7.4 Verhältnis zur Schweiz und zur Demokratie . . . . . . . . . . 7.7.5 Salin in der Basler Wirtschaft und Politik . . . . . . . . . . . . 7.7.6 Fortgesetztes Engagement in Deutschland . . . . . . . . . . . . 7.7.7 Resultate: Salin in Basel 1933–1945 . . . . . . . . . . . . . . . . .

Die Naturwissenschaftler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.1 Mathematik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2 Physik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2.1 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2.2 Angewandte Physik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2.3 Von der Spektralphysik zur Kernphysik . . . . . . . . . . . . . . 8.2.4 Ein deutscher Patriot als Mathematischer Physiker in Basel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.2.5 Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.3 Astronomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4 Chemie und Pharmazie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.2 Pharmazie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.3 Die Organische Chemie: Farbstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.4 Physikalische Chemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.5 Anorganische Chemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.4.6 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.5 Geologie, Mineralogie und Paläontologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.6 Ein Bewunderer Hitlers lehrt Geographie: Fritz Jaeger . . . . . . . 8.7 Botanik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8 Zoologie – Adolf Portmanns Abwehr des Nationalsozialismus . 8.8.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.2 Grenzen der Entwicklungsidee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

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8.8.3 Bildungsvoraussetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.4 Die Wahl auf die Basler Professur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.5 Öffentliche Interventionen, die politisch interpretiert werden können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.5.1 Vorlesungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.5.2 Vorträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.5.3 Erinnerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.6 Portmanns originäre Position . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8.8.7 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

697 704

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Einsichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9.2 Vorgeschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9.3 Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bis ca. 1935 . 9.4 Zuspitzung ab 1935, Konflikte und Helvetisierung . . . . . . . . . . . 9.5 Neutralität und Krieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9.6 Übergreifende Resultate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

729 729 732 734 741 748 752

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Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 761 10.1 Unpublizierte Dokumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 761 10.2 Literatur und publizierte Quellentexte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 768

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Verzeichnis der Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 851

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Personenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 853

707 708 714 722 723 726


1 Einführung 1.1 Störung in der Universität Wie wirkte sich die Nähe zu Deutschland und zu den dortigen Umwälzungen auf die Universität Basel in den Jahren 1933 bis 1945 aus?1 Die Präsenz Deutscher an der Universität, aber auch die engen Beziehungen der Dozierenden und Studierenden mit Schweizer Herkunft zu Deutschland boten die Voraussetzung für einen intensiven Austausch, der diese Frage relevant macht. Das Verhältnis der Universität Basel zu den deutschen Hochschulen war sehr eng; es ist zu fragen, wie es sich unter dem Einfluss der Veränderungen in Deutschland wandelte. Zudem studierten seit dem Frühjahr 1933 akademische Flüchtlinge an der Basler Universität oder bewarben sich darum, hier zu lehren und zu forschen. A priori möchte man annehmen, dass die Universität damals ein Ort der wissenschaftlichen Beschäftigung auch mit der Gegenwart war – wie wurde der Nationalsozialismus verstanden und analysiert? Wer fand ihn attraktiv, wer lehnte ihn ab, aus welchen Ursachen und in welchen Aspekten? Einige Basler Skandale aus jener Zeit sind schon länger bekannt. So wurde die Affäre um den deutschen Pathologen Werner Gerlach,2 der 1936 wegen nationalsozialistischen Umtrieben als Basler Ordinarius hätte entlassen werden sollen, mehrfach dargestellt.3 Waren solche Vorkommnisse die Spitze eines Eisbergs und damit Hinweise auf eine im Verborgenen nazifizierte Universität oder handelte es sich um Einzelfälle? Was in diesem Buch unter ‚Universität‘ verstanden wird und inwiefern die Nazifizierung der deutschen Universitäten darin zu Störungen führte, soll eingangs skizziert werden. Universitäten waren im Untersuchungszeitraum Institutionen, die unter verschiedenen Aspekten behandelt werden können. Ein Aussenaspekt war die Relation zur lokalen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik (die ‚Akademie in der Polis‘ oder ‚in der Cité‘). Eine Universität der klassischen Moderne war eine staatlich geführte und in ihren Grundstrukturen auch staatlich (öffentlich) finanzierte Anstalt der höheren Bildung. Als solche diente sie der Berufsbefähigung für Kader in verschiedenen Sektoren der Wirtschaft und der öffentlichen Dienste: Gesundheitswesen, Schulwesen, Administration und Dienstleistungsbetriebe, Rechtspflege, produzierende und forschende Industrie, 1 2 3

Siehe die Pionierarbeit von Zwicker 1991. Die Lebensdaten zu den erwähnten Personen siehe im Register der Eigennamen am Schluss des Buches. Z. B. in: Tréfás 2009, 125 ff.; Stirnimann 1988, 176 ff.; Rintelen 1980, 319 f.; Trinkler 1973; Bonjour 1960, 590 f.


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Finanzwesen und Banken, protestantische Kirche, Journalismus usw. Unter diesem Aspekt wurde angenommen, dass die öffentlichen Gelder in der Universität gut investiert waren – die Überzeugung, dass entsprechende Funktionen auch erfüllt würden, bildete Vertrauenskapital, das ins Spiel gebracht werden musste, wenn die Volksvertreter den Ausgaben für die Universität mit einer gewissen Verlässlichkeit zustimmen sollten. Ferner wünschte ein Teil des Basler Publikums eine Universität mit kultureller Ausstrahlung und einer überregionalen Geltung, auf die es stolz sein konnte. Dies war eine republikanische Spielart des Mäzenatentums: Die geförderte öffentliche Institution sollte ihren Glanz zurückstrahlen auf den Mäzen und durch ihre Geltung seinen Ruhm mehren. Zeitgenössisch gesprochen war dies der ‚Ruf‘ oder das ‚Ansehen‘ der Institution. All das verlief nicht immer harmonisch, sondern gelegentlich im Konfliktmodus. Von innen gesehen stellte sich die Universität als soziale Struktur dar, die nach bestimmten Regeln funktionierte. Diese sollten eine Kooperation oder mindestens eine gegenseitige Duldung ganz unterschiedlicher Charaktere ermöglichen. Gemeinsam befolgte Regeln und respektierte Werte sowie Höflichkeit schufen dafür die Voraussetzung. Diese wurden durch Sozialisation in einem überregionalen Netz von Universitäten erworben, die im Verlauf der Ausbildung besucht wurden und denen sich die Professorenschaft lebenslang verbunden fühlte. Die ritualisierte Erinnerung an die Studentenzeit im Verbindungswesen und die Verwurzelung in jeweiligen Fachtraditionen, die durch wissenschaftliche Gesellschaften und Tagungen laufend aufgefrischt wurden, trugen in den Dimensionen ‚Fach‘ und ‚Universität‘ zur akademischen Kultur bei. Die Idee, die Universität sei eine Körperschaft, die nach eigenen Regeln lebe, Anspruch auf Respektierung einer ‚Autonomie‘ habe und in Verbindung mit anderen Universitäten (als Schwesterinstitutionen) existiere, verdeutlicht dies. Auch hier sollte nicht Harmonie erwartet werden, denn der Konfliktmodus war zeitweise geradezu vorherrschend. Der Innenaspekt in seiner Verschränkung mit den Schwesterinstitutionen (unter denen damals in erster Linie deutsche Hochschulen zu verstehen waren) hilft die Störung zu verstehen, die die Nazifizierung der deutschen ‚Schwestern‘ gerade im Aussenaspekt bewirkte. Wenn die akademische Korporation darauf insistierte, mit ihren nazifizierten ‚Schwestern‘ weiterhin vernetzt zu bleiben, während sich die Überzeugung in der lokalen Öffentlichkeit durchsetzte, das nazifizierte Deutschland stelle eine Bedrohung der eigenen Politik, Gesellschaft und Kultur dar, darf man wohl erwarten, dass der ‚Ruf‘ der lokalen Universität beschädigt zu werden drohte. Eine ‚nazifreundliche‘ Universität zu unterhalten war ein demokratisch-schweizerisches Gemeinwesen nicht bereit, denn eine solche konnte die Bildungserwartungen nicht mehr umfassend erfüllen. Somit fragte es sich, wie Universität und lokale politisch-kulturelle Stimmung in der Öffentlichkeit wieder ‚in Phase‘ gebracht werden konnten. Gemäss Verfassung war dies die Aufgabe der Regierung und ihrer Beratungsgremien. Nun standen die Regie-


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rungsstellen damals in Basel ‚links‘, während die Universität ‚bürgerlich‘ aufgestellt war. Daraus resultierte ein Konfliktpotential: Eingriffe der Behörden in die Universität, um diese ‚in Phase‘ zur Öffentlichkeit zu bringen, konnten von ‚rechts‘ als Missachtung der ‚Autonomie‘ der Universität getadelt werden, und die bürgerliche Öffentlichkeit sah sich trotz ihrer Ablehnung des Nazismus zur Verteidigung der universitären Sonderstellung aufgerufen, ja sie verglich die politischen Eingriffe zur Erhaltung ihres ‚Rufes‘ mit der Gleichschaltung der deutschen Hochschulen. Die internen Störungen waren komplexer gelagert. Kollegialität war Voraussetzung für das geziemende Verhalten unter Professoren. Was aber war unter Kollegen zu tun, wenn einige davon sich nicht nur privat zum Nazismus bekannten, sondern sich auch aktiv in Gesellschaft und Politik in dieser Art betätigten? Solange die Betreffenden die akademischen Regeln befolgten (gute Lehrer, gute Forscher, gute Kollegen innerhalb der Universität zu sein), waren der Professorenschaft die Hände gebunden, zumal nach der vorherrschenden Überzeugung Politik von Wissenschaft streng zu trennen war. Und wie sollte sie handeln, wenn die in Deutschland gelegenen Teile des fachlichen Netzwerks als Elemente des nazistischen Bildungs- und Propagandasystems instrumentalisiert wurden? Wenn die befreundeten Herausgebergremien und Verlage von Zeitschriften, die Vorstände von Fachgesellschaften, in denen man Mitglied war, gleichgeschaltet wurden, wenn die Fachtagungen in Gegenwart von SA-Uniformierten stattfanden und von Parteigrössen eröffnet wurden, die eine politisierte (Un‐)Wissenschaft einforderten? Boykott war in der akademischen Kultur nicht vorgesehen, denn Wissenschaft lebte von kollegialem Austausch, und diesen ermöglichten damals in den meisten Fächern nur deutsche Agenturen auf dem gebotenen Niveau. Basel war im Verhältnis dazu eine Peripherie, und die akademischen Regeln sprachen gegen eine Provinzialisierung durch Abnabelung von Deutschland. Hielt die Universität jedoch die herkömmlichen akademischen Beziehungen aufrecht, litt ihr ‚Ruf‘ in der eigenen ‚Cité‘ Schaden.

1.2 Basler Universitätsgeschichte 1933–1945 in bisheriger Darstellung Ausgangspunkt jeder Beschäftigung mit der Basler Universitätsgeschichte ist das umfangreiche Buch von Edgar Bonjour, das zum Jubiläum 1960 erschien. Bonjour war selbst seit seiner Wahl nach Basel 1935 ein profilierter Akteur in jener Epoche gewesen, und viele seiner Zeitgenossen waren 1960 noch im Amt. Er erwähnte darum herausragende Kollegen wie z. B. Karl Barth4 mit nur ganz wenigen Worten. Zudem hatte er die Tendenz, die Universität als eine harmonische Körperschaft darzustellen, die sich (wie der Autor selbst) in der ‚geistigen Lan4

Bonjour 1960, 508.


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desverteidigung‘5 für eine helvetische Abwehr des Nationalsozialismus einsetzte, für Verfolgte eintrat und die Jahre von 1933 bis 1945 insgesamt mit Anstand bewältigte. Auf einige wenige Erscheinungen, die nicht in dieses Bild passten, wies er in der Absicht hin, sie als Ausnahmen erscheinen zu lassen, um die ‚Immunität‘ oder ‚Resistenz‘6 der Universität gegen die totalitären Ideologien im Ganzen um so heller zu zeichnen. So erwähnte er einige Fälle von Basler Professoren, die wegen nationalsozialistischer Aktivitäten oder wegen öffentlich geäusserter nationalsozialistischer Gesinnung ihres Amtes enthoben wurden. Diese Behandlung erfuhr der bereits erwähnte Pathologe Gerlach, wobei Bonjour das Vorgehen der Regierung mit einem Wortbruch Gerlachs moralisch legitimierte.7 Die Fälle des Geographen Fritz Jaeger und des Mathematischen Physikers Wilhelm Matthies registrierte Bonjour.8 Seine Wortwahl (die bei Bonjour als sehr bewusst gepflegt verstanden werden darf) suggeriert, dass er hier von der Weisheit der Regierung nicht ganz überzeugt war.9 Auffällig ist ferner, dass er der Frage nach der Aufnahme von Flüchtlingen im Lehrkörper der Universität Basel auswich. So begründete er die Wahl von Karl Ludwig Schmidt auf den Lehrstuhl für Neues Testament (1935) damit, dass keine geeigneten Schweizer verfügbar waren – dabei schätzte Bonjour Schmidt ganz offensichtlich hoch und wusste, dass er Bonn 1933 gezwungenermassen verlassen hatte, weil man ihm dort «kein rückhaltloses Eintreten für den nationalsozialistischen Staat zutraute».10 Dass der Rechtsphilosoph Arthur Baumgarten 1933 aus Frankfurt am Main wegen seiner Opposition gegen die Nationalsozialisten nach Basel zurückkam, verzeichnete er ohne Hinweis auf den Grund.11 Die Ankunft des Berliner Juristen Hans Lewald 1935 berichtete er unkommentiert.12 Hans von Baeyer verlor in Heidelberg 1933 seine orthopädische Professur aus ‚rassischen‘ Gründen. Gegen Widerstände wählte ihn der Regierungsrat nach Basel, wo er jedoch keine Wirkungsstätte fand und schliesslich auf die Professur verzichtete. Dies stellte Bonjour als verpasste Gelegenheit dar, eine moderne Orthopädie in Basel zu etablieren, ohne auf die Benachteiligung von Baeyers in Deutschland einzugehen.13 Bonjour erwähnte auch 5 6

7 8 9 10 11 12 13

Mooser 1997. Ich verwende die Worte ‚Immunität‘ und ‚Resistenz‘ im Sinne von: Der Nationalsozialismus war für jemanden nicht attraktiv, und er widerstand einer Beeinflussung durch ideologische Momente dieser ‚Bewegung‘ aufgrund einer kritischen Haltung. ‚Widerstand‘ ist demgegenüber die Summe von konkreten Handlungen, die dem Nationalsozialismus aktiv entgegengestellt werden, von explizitem Widerspruch bis zur direkten Bekämpfung. Bonjour 1960, 590. Bonjour 1960, 743 zu Matthies, 762 zu Jaeger. Bonjour 1960, 787. Bonjour 1960, 513. Bonjour 1960, 568. Bonjour 1960, 565. Bonjour 1960, 603.


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nicht, dass die Wahl gewisser Professoren aus Deutschland nach 1937 damit zusammenhing, dass diese ihre Stellen verloren hatten, weil sie mit «nichtarischen» Gattinnen verheiratet waren, wie diejenige des Germanisten Friedrich Ranke14 und des Pädiaters Ernst Freudenberg.15 Den 1940 gescheiterten Versuch, dem aus Wien geflohenen Hermann Franz Mark den Lehrstuhl für Anorganische Chemie zu übergeben, strich Bonjour aus der Chronologie.16 Aktionen für Hilfsbedürftige erwähnte Bonjour als caritative Akte, in denen die Universität oder die Studentenschaft als Handelnde auftraten. Die vorsichtige Resolution für die 1943 in Oslo von der deutschen Besatzungsmacht unterdrückten Studierenden und Lehrenden rühmte er als Bekundung des Mitgefühls. Aus der Rede des Rektors zu diesem Anlass zitierte er den Satz, dass Angriffe auf die geistige Freiheit und Menschenwürde in der Schweiz auf den «entschlossensten Widerstand» stossen würden – eine wichtige Formulierung, die aber in der publizierten Resolution nicht vorkam.17 Eindeutig ist, dass Bonjour den Nationalsozialismus dezidiert ablehnte.18 Darüber hinaus schätzte er den tatkräftigen Einsatz von Kollegen aufseiten des Widerstands, vor allem wenn er auf christliche Motive zurückging, sehr, wie seine ungewöhnliche Würdigung des Romanisten Albert Béguin zeigt.19 Ähnlich lobte er den Philosophen Herman Schmalenbach ausführlich: «In schwerer Zeit äusserer Bedrängnisse schloss dieser späte Vertreter des deutschen Humanismus keinen Kompromiss mit der totalitären, nationalsozialistischen Betrachtungsweise, sondern hielt den besten Überlieferungen des deutschen Geistes, einer freien Humanität, die Treue […].»20 Der historische Beitrag zum Universitätsjubiläum 1460–201021 widmete der Zeit von 1933 bis 1945 eine gewisse Aufmerksamkeit. Im Abschnitt über «Universität und Weltkriege» stand die Wahl von Edgar Bonjour und Werner Kaegi 1935 als Beispiel dafür im Mittelpunkt, dass damals nur noch Schweizer wählbar zu sein schienen. Über die Stichwortsuche gelangt man zu Informationen über Karl Barth. Man liest in einem Abschnitt über die Basler Nationalökonomen, dass Hans Ritschl «nicht ohne Sympathien für den Nationalsozialismus» gewesen sei, und in der Darstellung der Marxistischen Studentengruppe erfährt man auch von der Existenz der (nationalsozialistisch geführten) Deutschen Studentenschaft. In der Zusammenfassung der Rede, die der Rektor und Theologe Ernst 14 15 16 17 18 19 20 21

Bonjour 1960, 669. Bonjour 1960, 619. Bonjour 1960, 746 f. Vgl. Simon 2019. Bonjour 1960, 814. Bonjour 1984. Er hatte seine Studien in Berlin ergänzt, dessen kulturelles Milieu er gut kannte. Er verkehrte u. a. mit Ricarda Huch. Bonjour 1960, 675. Bonjour 1960, 714. 550 Jahre Universität Basel. unigeschichte.unibas.ch – das online-Projekt zu 550 Jahre Universität Basel. https://unigeschichte.unibas.ch/.


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Staehelin im Juni 1939 bei der Einweihung des neuen Kollegiengebäudes hielt, wurde erwähnt, dass er implizit wegen der Hitlerdiktatur eine an Gott gebundene Humanität als wesentliche Aufgabe der Basler Universität bestimmte.22 Die Konzeption dieses Internetauftritts, der vor allem schon bestehendes Wissen vermitteln sollte, wurde anscheinend von der Ansicht geleitet, die Universität Basel sei durch die Nazifizierung der deutschen Hochschulen nicht grundlegend erschüttert worden. Ähnlich suggerierte der Artikel über die Universität Basel im Historischen Lexikon der Schweiz von 2013, dass für diese Periode nicht mit besonders bemerkenswerten Ereignissen zu rechnen sei. Er enthielt jedoch den weiterführenden Hinweis auf die zum Teil bedeutenden Gelehrten, die zwischen 1933 und 1945 (sowie unmittelbar danach) für Basel gewonnen wurden.23 Die nützliche Übersicht von Stephan Schwarz über die nationalsozialistischen Professoren in der Schweiz verwies für die Geschichte Basels auf die Studie von Dávid Tréfás über die hiesigen Erfahrungen mit deutschen Dozenten im Längsschnitt.24 Das Studium der Basler Verhältnisse lohnt sich trotzdem für diejenigen, die ein Ärgernis in der Tatsache vermuten, dass diese Universität sich nicht (oder selten?) dezidiert zum Nationalsozialismus geäussert und dessen Opfer nicht energischer unterstützt habe.

1.3 Beobachtungen an der Geschichte anderer Schweizer Universitäten Bevor ich versuche, das bisher gezeichnete Bild zu verifizieren und zu erweitern, ist ein Blick darauf angebracht, was über die anderen Schweizer Universitäten aus der Zeit von 1933 bis 1945 bekannt ist. Schliesslich war Basel nicht nur ein Element im weiten Netz der deutschsprachigen Universitäten, sondern auch eine der Schweizer Hochschulen, deren Rektoren sich über gemeinsame Probleme austauschten und nach einer einheitlichen Haltung suchten. Die Darstellungen der Geschichte der übrigen Schweizer Hochschulen bilden einen ersten Leitfaden für die nachfolgenden Untersuchungen.

22

23 24

Stichwortsuche vom 14. 10. 2020 in: https://unigeschichte.unibas.ch/suche?tx_indexedsear ch_pi2%5Baction%5D=search&tx_indexedsearch_pi2%5Bcontroller%5D=Search&cHash=0 7a7970eed16826be82e89e873b0431f,. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010971/2013-01-28/. Schwarz 2018; Tréfás 2009. Allgemeine Beobachtungen zur Geschichte der Interpretation des Nationalsozialismus in der Schweiz: Späti 2017.


Beobachtungen an der Geschichte anderer Schweizer Universitäten

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a) Die Bindung an Deutschland Besonders für die Deutschschweizer Universitäten und für das zweisprachige Freiburg war die enge Bindung an den deutschen Wissenschaftsbetrieb offensichtlich. Für die französischsprachigen Schweizer Universitäten erschien diese nach dem Ersten Weltkrieg deshalb als weniger wirksam, weil die Darsteller nicht die Studienzeit der dortigen Professoren in Deutschland und nicht deren Integration in den deutschen fachwissenschaftlichen Betrieb herausarbeiteten, sondern die Nationalitäten der Professorenschaft zum Ausgangspunkt nahmen – nach diesem Kriterium zeigten sich die Institutionen des «enseignement supérieur» der Zwischenkriegszeit von Beginn an als sehr stark ‚helvetisiert‘, während sie gleichzeitig danach strebten, möglichst viele deutsche Studierende zu gewinnen, ungeachtet der politischen Veränderungen.25 Alle Westschweizer Universitäten hatten sich dem ‚deutschen Modell‘ der Universität verschrieben, einem weltweit bewunderten Ideal, das nach dem Ersten Weltkrieg auch ohne die Präsenz von Deutschen im Lehrkörper gelebt wurde. Merkmale dafür waren die Ablehnung einer Politisierung der Universität, der Wunsch nach einer Autonomie der Wissenschaft, die ‚neutrale‘ (nicht an eine Weltanschauung gebundene) Lehre und die Norm der rational-methodenbewussten, desinteressierten und voraussetzungslosen Forschung. Diese Ziele galten als Eigenheiten der ‚liberalen‘ Hochschule, wie sie im ausgehenden 19. Jahrhundert konstituiert worden war. Die Abhängigkeit von deutschen Universitäten zeigte sich allgemein darin, dass die Schweizer Hochschulen in Deutschland Anerkennung suchten. Diese wurde nach ihrer Überzeugung dadurch erwiesen, dass sie deutsche Professoren für ihren Lehrkörper zu gewinnen vermochten, dass einzelne Schweizer Hochschullehrer auch in Deutschland für Lehrstühle wählbar waren und dass es gelang, Studierende aus Deutschland anzuziehen, deren Semester (unter Umständen auch Prüfungen) an ihren deutschen Heimatuniversitäten angerechnet wurden.26 Die deutschfeindliche Haltung, die sich nach 1914 in der Westschweiz manifestierte,27 führte jedoch dazu, dass erst in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wieder Studierende aus Deutschland an die dortigen Universitäten gelangten. Genf und Lausanne schufen vor allem in den Rechtswissenschaften die Voraussetzung dafür, indem sie Kurse in deutschem Recht anboten, die von deutschen Professoren in deutscher Sprache abgehalten wurden. Das Jahr 1933 bedeutete in dieser Beziehung keinen Einbruch, im Gegenteil blieb das Bestreben, möglichst viele deutsche Studierende anzuziehen, weiterhin ein Ziel. Die französischsprachigen Universitäten waren gegenüber nationalsozialistischen Umtrieben relativ tolerant, um diesen Zustrom nicht versiegen zu lassen. Von der Bestimmung, 25 26 27

Altermatt 2009, 37–39; Martin 1958, 114 f., 186. Bsp. Freiburg: Raab 1991, 300. Wisard 1998, 56.


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dass deutsche Studierende mindestens drei Semester im eigenen Land studiert haben mussten, bevor sie einen Auslandsaufenthalt beantragen konnten, erreichten Westschweizer Universitäten bei den deutschen Behörden für sich eine Ausnahme.28 Auch die in Deutschland seit 1936 verkürzte Ausbildungszeit wurde als gleichwertig mit dem bisherigen deutschen Bildungsgang akzeptiert.29 Die Westschweizer hofften, eine ‚unpolitische‘ oder ‚neutrale‘ Schweizer Universität könne die Präsenz deutscher Studierender auch nach 1933 fördern, ohne den akademischen Liberalismus zu verraten.30 Unterschiede zwischen den französischsprachigen und den deutschsprachigen Universitäten der Schweiz bestanden darin, dass erstere in der Zwischenkriegszeit weniger Wert auf die Anstellung deutscher Professoren legten, bei Ehrungen deutsche Kollegen berücksichtigten, die gerade keine Repräsentanten des NS-Regimes waren,31 und vor allem das Ziel der Gewinnung deutscher Studierender energisch weiterverfolgten. In den Fakultäten der deutschsprachigen Schweizer Universitäten blieb das Bestreben, deutsche Kollegen als die jeweils Besten ihres Faches zu rekrutieren, in der ganzen Periode deutlich ausgeprägt, wurde aber von ‚aussen‘ und von ‚oben‘, d. h. von den Kantonsregierungen, seit der Mitte der 1930er Jahre gebremst – darauf komme ich noch zurück. Vieles deutet darauf hin, dass die Schweizer Universitäten eine ‚Peripherie‘ zu den deutschen ‚Zentren‘ darstellten. Damit ist nicht eine einseitige, sklavische Abhängigkeit gemeint, vielmehr eine Art Beziehung, aus der beide Seiten einen Gewinn zogen, wenn dieser auch asymmetrisch verteilt war. Diese Abhängigkeit bedeutete zweierlei. (1) In Deutschland wurden die Normen gesetzt, nach denen sich auch die Schweizer Akademiker zu richten hatten, und die deutschen Zentren konnten (informell) darüber befinden, ob die Schweizer ‚Peripherie‘ im deutschen akademischen Sprachraum als gleichwertig akzeptiert zu werden verdiente. Zudem war es wichtig, dass die Schweizer Akademiker wenigstens einen Teil ihrer Bildung direkt in Deutschland bezogen. Die so entstandene Bindung wurde durch die Zugehörigkeit zu deutschen Fachvereinen und persönliche Beziehungen zu ehemaligen Studienkollegen und Lehrern perpetuiert. Von der ‚Peripherie‘ her erwünscht waren ‚Belohnungen‘ durch Einladungen zu Vorträgen, Herausgeberschaft wichtiger Zeitschriften, Akademiemitgliedschaften, Wissen-

28

29 30 31

Documents diplomatiques 1994, vol. 12, 1062–1064. Diese Ausnahme wurde von den deutschen Behörden im September 1938 zugestanden, aber dazu benutzt, überzeugte Nationalsozialisten für das Studium in der Schweiz zu rekrutieren. Martin 1958, 186. Wisard 1998, 357 f. Bei der Genfer 375-Jahrfeier (Juni 1934) wurden Ehrendoktorate erteilt. Der einzige Deutsche, der eine solche Ehrung erhielt, war Friedrich von Müller, Internist, einer der Begründer des modernen Klinikwesens, seit 1927 Präsident der Deutschen Akademie, 1934 zum Rücktritt gezwungen. Martin 1958, 152.


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