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Nachklänge. Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik

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Conrad Steinmann, langjähriger Dozent für Blockflöte an der Schola Cantorum ­Basiliensis, erforscht als Aulos-Spieler seit langer Zeit und zusammen mit seinem ­Ensemble Melpomen die Musik der griechischen Klassik. Mehrere Preise zeichnen seine vielfältige Tätigkeit als international ­vernetzter Musiker aus.

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Conrad Steinmann

Diese Studie bietet eine umfassende Übersicht über die klassische griechische Musik. Dass hier ein begabter Musiker seine praktischen Erfah­rungen und Annäherungen an die verlorenen Klänge altgriechischer Musik mit soliden philologischen und archäologischen Analysen zu einem Ganzen komplettiert, macht die Dichte und Fülle dieser Darstellung aus. Entstanden ist ein Buch mit einer Vielzahl von Abbildungen sowie ­Musikbeispielen, das konsequenter und weiter ins Thema eindringt, als es ­bislang in der Musikarchäologie der Fall war.

Nachklänge Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik

Nachklänge Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik

Conrad Steinmann

Nachklänge Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik Materialien und Zeugnisse von Homer bis heute


Conrad Steinmann

Nachklänge

Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik Materialien und Zeugnisse von Homer bis heute


Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel. Publiziert mit der Unterstützung der Elisabeth Jenny-Stiftung, der Claire Sturzenegger-Jeanfavre Stiftung, des Fonds für Altertumswissenschaft, Zürich, und der Stadt Winterthur

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MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2021 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: Vorderseite: links: Kolonettenkrater des Berliner Malers, Basel, Inv. Kä 422; rechts: Amphore des Brygos Malers, Boston, Museum of Fine Arts, 26.61; Rückseite: Conrad Steinmann mit dem Nachbau des Aulos aus Hirschknochen aus Paestum, Foto von Paul J. Reichlin. Umschlaggestaltung: icona basel gmbh, Basel Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7965-4265-7 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-4266-4 DOI 10.24894/978-3-7965-4266-4 DOI Musikbeispiele: 10.24894/978-3-7965-4266-4/AudioGesamt Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


Inhalt

Dank, ein prólogos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

11

Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

15

bánausos und technítes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

15

1 Tatsachen und Mutmassungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

23

Vermittlung, Rezeption und Aneignung der Musik der griechischen Klassik und die Darstellung ihrer Instrumente vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis heute . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

23

1.1

Nahe den Quellen: griechische Äusserungen zu Musik und Instrumenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

24

1.2

Wege ins Abendland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

59

1.3

Wege ins Morgenland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189

1.4

Wege nach Ostrom (Byzanz) und Antiochia . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201

2 Annäherungen an die Instrumente des 5. Jahrhunderts v. Chr. und ihre Musik: Zeugnisse von 700 bis 400 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . 207

2.1

Aulos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

2.2

Barbitos und Lyra, die beiden Chelys-Instrumente . . . . . . . . . . . . . 256

2.3

Kithara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 2.3.1 Phorminx-Kitharis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 2.3.2 Phorminx-Kithara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287

2.4

Rhythmus- und Geräuschinstrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 306


6

Inhalt

2.4.1 2.4.2 2.4.3 2.4.4 2.4.5 2.5

Rhombos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seistron . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typanon/Tympanon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Krotala . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kymbala . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

306 308 311 315 319

Salpinx . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 324

3 Porträts der erhaltenen griechischen Instrumente aus dem 5. Jahrhundert v. Chr, eine autopsía . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329

Zum Problem der Datierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329 3.1

Aulos aus der Tomba 21 der Tempa del Prete 69 in Paestum . . . . 331

3.2

Elgin-Aulos aus dem British Museum, London . . . . . . . . . . . . . . . . 336

3.3

Aulos im Dänischen Nationalmuseum Kopenhagen . . . . . . . . . . . 343

3.4

Aulos von Pydna aus dem Archäologischen Museum von Thessaloniki . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348

3.5

Die Aulos-Fragmente der Archaia Agora in Athen . . . . . . . . . . . . . 352

3.6

Die Aulos-Fragmente von Brauron/Vravrona . . . . . . . . . . . . . . . . . 355

3.7

Porträt der neun Aulos-Fragmente aus dem Heiligtum der Artemis Orthia von Sparta, aufbewahrt im Nationalmuseum Athen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361

3.8

Aulos-Fragmente aus Korinth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365

3.9

Aulos von Akanthos/Ierissos aus dem Archäologischen Museum von Polygyros/Chalkidiki . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367

3.10 Das Kymbalon X 7959 aus dem Nationalmuseum Athen . . . . . . . 370 3.11 Lyra des British Museum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371 3.12 Barbitos-Schildkrötenpanzer und -Saitenhalter aus Paestum . . . . 376


Inhalt

4 Neubau von Instrumenten der griechischen Klassik, eine erste historía . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379

4.1

Aulos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.1.1 Neubau nach Elgin-aulós, Original um 480 v. Chr. . . . . . . . 4.1.2 Neubau nach Paestum-aulós, Original um 480 v. Chr. . . . . 4.1.3 Neubau von auloí aus Schilf: kálamos und dónax . . . . . . . .

383 383 388 394

4.2

Neubau eines bárbitos, Original um 500 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.1 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.2 Materialwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2.3 Herstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

396 396 397 398

4.3

Neubau einer phórminx-kithára, Original um 500 v. Chr. . . . . . . . 4.3.1 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.2 Materialwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.3.3 Herstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

402 402 402 403

4.4

Neubau nach Elgin-lýra, Original um 480 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . 4.4.1 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.2 Materialwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.3 Herstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

405 405 405 407

4.5

Neubau von krótala . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.1 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.2 Materialwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.3 Herstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

409 409 410 411

4.6

Kymbala . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 412 4.6.1 Neubau von kýmbala nach einem Original von der Peloponnes (Dimitsana), um 500 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . . 412 4.6.2 Neubau von kýmbala nach Originalen von Luristan (Mesopotamien), 1. Jahrtausend v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . . . 413

4.7

Nachbau eines rhómbos, Original um 500 v. Chr. . . . . . . . . . . . . . . 4.7.1 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.7.2 Materialwahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.7.3 Herstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

414 414 415 416

7


8

Inhalt

5 Grundlagen und Möglichkeiten der Musik der griechischen Klassik, eine zweite historía . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 419

5.1

Aulos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 421

5.2

Barbitos, Lyra und Kithara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 431

6 Werke und Tage, anékdota . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 441

Geschichten rund um die Materialbeschaffung zum Neubau von griechischen Instrumenten des 5. Jahrhunderts v. Chr. (und von pharaonischen Instrumenten des Neuen Reichs) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14. November 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15. November 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16. November 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23. November 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28. November 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Januar 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10. Januar 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20. Januar 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25. Januar 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Juli/August 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. bis 9. September 2006 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25. August 2007 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17. September 2007 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. November 2007 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Januar 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19. Januar 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Februar 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21. Februar 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18. März bis 22. März 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frühsommer 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Oktober 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Juli 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. August 2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12. August 2010 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anfang November 2010 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

441 442 443 444 444 444 445 445 445 446 447 448 448 449 449 450 451 451 451 451 453 453 454 454 455 455


Inhalt

26. November 2010 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455 7 Nachwort, ein epílogos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 457

Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 461

Übersicht der Literatur in chronologischer Reihenfolge . . . . . . . . . . . . . . 1 Quellen zu Musik und Musiktheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Literatur zu Instrumenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Musik in Anlehnung an die griechische Klassik . . . . . . . . . .

461 461 465 467

Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Literatur zu Musik und Musiktheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Literatur zu Instrumenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Lexika und ergänzende Literatur zu Musik und Theater . . . 4 Weitere Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Musik in Anlehnung an die griechische Klassik . . . . . . . . . .

468 468 473 475 477 478

Musikbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ensemble Melpomen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Texte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

479 479 480 480

Abbildungsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 485

9


Dank, ein prólogos

Wenn im Folgenden von ‹wir› die Rede ist, ist immer der Instrumentenbauer Paul J. Reichlin mit eingeschlossen. Eine beispiellose und jahrzehntelange Zusammenarbeit auf der Suche nach Klängen der griechischen Vergangenheit verbindet mich mit ihm. Sie bereitete den Boden für diese Publikation, die ohne ihn in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Deshalb gilt der grösste Dank ohne Zweifel Paul J. Reichlin mit seinem eminenten Fachwissen und exzellenten Handwerk, seinem Enthusiasmus und seinem stetigen Hinterfragen aller allzu bequemen Positionen. Aus seiner Hand stammen zudem die meisten Fotos von alten und neuen Instrumenten. Zahlreich sind die Weggefährten, die unsere langjährige Annäherung an die Instrumente der griechischen Antike und ihre Musik bis zu den Nachklängen begleitet haben. Für deren Unterstützung sind wir mehr als nur dankbar, weil wir ohne die vielfältigen Anregungen und teils ganz konkreten Hilfeleistungen in unseren eigenen Möglichkeiten und unserer eigenen Vorstellungskraft zu eingeschränkt geblieben wären. Es ist auch unsere Überzeugung, dass nur eine Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg genügend Anregung und Offenheit für eine lange Arbeit bieten kann. Als allerersten ‹Geburtshelfer› möchte ich Dr. Peter Reidemeister erwähnen, der als langjähriger Leiter der Schola Cantorum Basiliensis, des Basler Lehr- und Forschungsinstituts für Alte Musik, keine Mühe scheute, uns über Jahre hinweg Unterstützung finanzieller und ideeller Art zukommen zu lassen. Ihm schien gerade die Verbindung von praktischem und wissenschaftlichem Vorgehen eine zukunftsweisende Öffnung von engen Territorien. In dankenswerter Weise übernahmen seine Nachfolger an der Spitze der Schola, Frau Dr. Regula Rapp und im Besonderen Herr Dr. Thomas Drescher, seine Überzeugungen und ebenso seine Bemühungen um ein Stipendium seitens des Schweizerischen Nationalfonds. Es war auch Thomas Drescher, der das offizielle Scharnier zur griechischen Stavros Niarchos Foundation bildete.


12

Dank, ein prólogos

Vorurteilslos unterstützte diese Stiftung – der Öffentlichkeit durch wissenschaftliche, soziale und künstlerische Hilfe verpflichtet – in grosszügiger Weise Instrumentenbau und künstlerische Projekte. Ebenso ermöglichte sie die Reisen zu den zahlreichen Museen innerhalb und ausserhalb Griechenlands. Für die Kontaktnahme mit den Museen und der Möglichkeit, dort jeweils die originalen, 2500 Jahre alten Instrumente zu untersuchen, waren wir auf die selbstlose Hilfe von zahlreichen Archäologinnen und Archäologen angewiesen, so von Frau Dr. Astrid Lindenlauf vom Deutschen Archäologischen Institut Athen, Frau Dr. Alexandra Villing und Frau Celeste Farge vom Department of Greek and Roman Antiquities des British Museum in London, Frau Dr. Marina Cipriani, der Museumsleiterin des Nationalmuseums in Paestum, Frau Bodil Rasmussen von der Antikenabteilung des Dänischen Nationalmuseums, Frau Dr. Zeni Veleni, der Direktorin des Archäologischen Museums in Thessaloniki, Frau Kalliopi Lazaridi vom griechischen Kulturministerium und Frau V. Christopoulou vom Athener Museum der Archaia Agora, Frau Jan Jordan und Herrn Richard Anderson von der American School of Classical Studies, Frau Vivi Vasilopoulou und Frau Rammou Tasia vom Archäologischen Museum Vravrona/Brauron, Frau Dr. Elisabeth Stasinopoulo und Frau Dr. Maria Zaphiropoulou vom Athener Nationalmuseum, Frau Dr. Ioulia Tzonou-Herbst, der stellvertretenden Leiterin der American School of Classical Studies in Korinth, vom Direktor des Korinther Archäologischen Museums, Herrn Dr. Konstantin S. I. Kíssas und Frau Dr. Líllian Acheilara, Vorsteherin der Ephorie in Thessaloniki. Gänzlich unbürokratisch erlebten wir auch die Hilfe von Dr. Nikolaos Kaltsas, dem Direktor des Athener Nationalmuseums, der uns mehrere Male die Türe zu den Schätzen seines ihm anvertrauten Reiches öffnete. Am Anfang der archäologischen Gilde steht indes Frau Dr. Anne-Françoise Jaccottet (Lausanne), die uns seit vielen Jahren nicht nur gedanklich unterstützte, sondern uns mit verschiedenen Einladungen an Universitäten überdies Gelegenheit bot, unsere Arbeit vorzustellen. Zudem ist sie eine stets wache Begleiterin und Förderin musikalischer Projekte des Ensembles Melpomen. Bei der Bereitstellung des Manuskriptes durfte ich auf Anregungen und – bei Übersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen – auf die gelegentliche Hilfe von Herrn Roger Harmon (Basel) und Herrn Dr. Jakob Ullmann (Berlin/Basel) zählen, beides Musiker und Philologen zugleich. Ihre Hilfe


Dank, ein prólogos

betraf Passagen von Aristoxenos, byzantinische Schriften wie auch den Disput zwischen Athanasius Kircher und Marcus Meibom im 17. Jahrhundert. Für seine umfangreichen Recherchen in der Causa Meibom sei im Weiteren Herrn Lukas Dettwiler (Bern) gedankt. Für das grosszügige Zurverfügungstellen seiner Schriften zur arabischen Rezeption griechischen Musikgedankens möchte ich Herrn Prof. Dr. Eckhard Neubauer (Frankfurt) herzlich danken. Für die Bereitstellung von ungezählten Büchern und Artikeln aus Bibliotheken aus aller Welt, ohne die das Fundament zu den Nachklängen unvergleichlich dünner geblieben wäre, geht ein gebührender Dank an Frau Angelika Moths (Bremen/Basel). Dankbar bin ich auch Herrn Dr. Tomas Lochman vom Antikenmuseum Basel für seine Ermutigung, das Projekt in dieser Form abzurunden. Schliesslich möchte ich es nicht versäumen, Frau Dr. Arlette Neumann vom Schwabe Verlag für ihre anregende finale Lektüre des Manuskripts herzlich zu danken. Manches wäre ohne ihre Hilfe vergessen gegangen. Viele Gespräche mit interessierten Musikern, wie etwa Herrn Anthony Rooley (London), haben Anregungen ausgelöst, die in meine Arbeit eingeflossen sind, auch wenn sie im Einzelnen nicht mehr herzuleiten sind. Zur Grundierung der Nachklänge mit Musik haben weitere Musiker und weitere Projekte beigetragen. Gerne erwähne ich die Stiftung Pro Helvetia mit Herrn Dr. Thomas Gartmann (Zürich) und Frau Dr. Hebba Sherif (Kairo), die verschiedentlich Auseinandersetzungen mit traditioneller arabischer Musik ermöglichten. Die Begegnung mit dem ägyptischen semsemiaSpieler Yehia Sakr war ebenso wertvoll wie die mit dem sardischen launeddas-Maestro Luigi Lai. Eingeschlossen in meinen Dank und nicht unerwähnt bleiben soll schliesslich das Ensemble Melpomen – mit Arianna Savall als Sängerin und Spielerin der Lyra und des Barbitos, Giovanni Cantarini als Sänger und Kitharist, Massimo Cialfi als Salpinxspieler sowie Martin Lorenz als Tympanist –, das sich seit vielen Jahren auf das Abenteuer mit neu geschöpfter Musik zu Texten der ‹Alten› einlässt. Hinzu kommen alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die unseren Konzerten und Gesprächen folgen. Sie sind, wie die Musiker selbst, letzten Endes der Gradmesser für das Echo, das die Nachklänge haben mögen. Winterthur, im September 2020

Conrad Steinmann

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Einführung

bánausos und technítes Musik ist eine schwer zu greifende Materie. Selbst das Reden oder Schreiben über Musik, die in unserer Zeit erklingt, reflektiert nur unzureichend das Gehörte, und man kann sich vorstellen, wie viel schwieriger es ist, sich über die längst verklungene Musik der klassischen griechischen Antike zu verständigen. Es ist nicht nur die kontroverse und teilweise unzureichende Quellenlage, die den Stoff sehr abstrakt wirken lässt. Problematisch ist zunächst eine fehlende Übereinkunft, was denn im Falle des griechischen 5. Jahrhunderts v. Chr. ‹Musik›1 bzw. mousikè téchne überhaupt ist, denn Letzteres bedeutet wörtlich die ‹musische Fertigkeit›. Die Musen als Töchter der Mnemosyne (griechisch für ‹Erinnerung›) inspirierten – so war die Überzeugung – die Menschen zu Ausdrucksformen wie Dichtung, Gesang und Tanz und sorgten dafür, dass sie diese in Erinnerung behielten. Man könnte sagen, dass die Wirkung der mythischen Musen so lange währte, wie das schriftliche Festhalten von Gedanken und Worten noch keine Bedeutung hatte. Wenn Platon in seinem Dialog Phaidros den ägyptischen Pharao mit Bedauern von der Erfindung der Schrift sprechen lässt, da doch mit der schriftlichen Fixierung das Vergessen – bzw. die Vernachlässigung der Erinnerung – beginne, so fällt dies gleichsam mit dem Zeitpunkt

So heisst es etwa vom vorsokratischen Philosophen Demokrit: «Seine Schriften über die Musik (mousiká) sind folgende: Über die Rhythmen und die Harmonie / Über die Dichtkunst / Über die Schönheit der Verse / Über die wohltönenden und die misstönenden Buchstaben / Über Homer oder über den richtigen Wortgebrauch und die Glossen / Über den Gesang / Über die Wörter / Wörterverzeichnis. So weit die Schriften über die Musik», in: Die Vorsokratiker, hg. und übersetzt von M. Laura Gemelli Marciano. Mannheim 2010, Bd. III, S. 310. 1


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zusammen, an dem die Musen und ihre Stammesmutter gewissermassen ausgedient haben. Zwar werden sie gelegentlich noch angerufen – wie bei Pindar in seinen Siegesgesängen –, doch wirken sie dann bereits als historisierendes und auch ein wenig selbstgefälliges Relikt. Die ‹musische Fertigkeit› (mousikè téchne) ist bis in die klassische Periode hinein ein Begriff für eine Einheit, die Klang und Rhythmus, Wörter, Gesang und Instrumentalspiel ebenso wie Bewegung umfassen kann. Allmählich erst zerfällt diese Einheit, zum Bedauern der Anhänger der ‹alten› Musik, wie etwa Platons. Um uns der Musik der griechischen Klassik anzunähern, sind wir trotz Platons Bedenken gegenüber der Schrift paradoxerweise auf dieses Überlieferte angewiesen, wozu neben dem geschriebenen Wort auch ikonografische und skulpturale Zeugnisse, Berichte über Musik sowie Instrumente selber gehören. Während zu jedem dieser Aspekte Teilstudien erschienen sind, fehlte bisher eine umfassende Erforschung der Instrumente mitsamt ihrer Rekonstruktion und ihrer praktischen Erkundung, damit «die vorstellbare Musik der Griechen gegenwärtig»2 werde. Als praktizierender Musiker und als Instrumentenbauer waren es aber gerade diese Gesichtspunkte, die uns besonders beschäftigten und zu einer langjährigen Auseinandersetzung führten. Eine vorurteilslose, empirische Vorgehensweise – mit oft schmerzhaft ergebnislosen Experimenten – war dabei das gemeinsame Credo. Es galt, neue Erfahrungen zu gewinnen und zu überprüfen, ebenso wie Traditionen wieder zu beleben, die seit mehr als 2000 Jahren unterbrochen waren. Das Wechselspiel von musikalischer Praxis, Handwerk, Reflexion und Studium der historischen Zeugnisse erlaubte, in neuer und sinnlicher Art Einsichten in das Wesen der griechischen Instrumente, in ihre Spielweise und ihre Musik zu gewinnen. Diese gemeinsame und sich ergänzende Forschung führte zu überraschenden Ergebnissen nicht nur durch den Bau von Instrumenten an sich, deren Klang und Spielweisen, sondern darüber hinaus auch durch die ständige Neubefragung der originalen Quellen. Diese Vorgehensweise mochte dazu führen, dass nur punktuell auf Sekundärstudien hingewiesen wurde.

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Nach Peter Bichsel, Einführung in die CD Echo, DIVOX: CDX 25241–2, 2001.


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Wir haben zunächst zusammengetragen, was man anhand von literarischen Texten, Keramiken, Bronzefigurinen, Halbreliefs, zunehmend auch von erhaltenen Instrumenten (und selbst von nachklassisch-hellenistischer Musiktheorie) über die klassische griechische Musik sagen kann. Dabei stellten wir uns immer wieder Fragen, ob es allenfalls andere und unverbrauchte Wege gibt, um in einer wünschenswerten Sinnlichkeit zu ihr vorzudringen. Ein Problemfeld der Kommunikation oder eher der Überlieferung sei angesprochen: Wie zum Beispiel konnten die Theaterstücke der Klassiker Aischylos, Sophokles und Euripides, welche immer auch Musik enthielten, im 4. Jahrhundert v. Chr., 50 bis 100 Jahre nach ihrer Entstehung, wieder aufgeführt werden, wenn keine Notenschrift (oder doch zumindest eine Konvention der Notierung) zur Verfügung stand? Wie soll man sich die Art der Vermittlung vorstellen? Die wenigen erhaltenen Musikfragmente – alle aus der Zeit vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Spätantike des 4. nachchristlichen Jahrhunderts3 stammend und mit einem eigenen Schriftsystem überliefert – helfen uns auch nur bedingt weiter. Es bräuchte in jedem Fall unbelastete neue Ansätze im Zusammenhang mit dem kontrovers beurteilten Komplex der musikalischen Notation, um möglicherweise ein Licht auf die von uns untersuchte frühere Zeit werfen zu können. Selbst über Zweck und Verwendung der Notate ist nichts bekannt. Hinzu kommt, dass Notenzeichen im reichen, allerdings nachklassischen musiktheoretischen Schrifttum erst in der Spätantike, bei Alypios im 4. Jahrhundert n. Chr., erwähnt und erläutert werden. Aus der klassischen Epoche jedoch sind etliche bildliche Zeugnisse erhalten, die uns kithára-Spieler, Auleten, bárbitos- und lýra-Spielerinnen beim Musizieren nach Noten – oder zumindest mit Schriftrollen ausgerüstet – zeigen.4 In manchen Fällen sind auf den Schriftrollen sogar Zeichen (literarischer

Eine Ausnahme mag, nach Annie Bélis, eine sálpinx-Fanfare von ca. 500 v. Chr. sein, als welche sie einen Schriftzug auf einer Vase, Eleusis Inv. 907, interpretiert; s. ihre Einführung zur CD De la pierre au son, K617069. 4 Teils aufgelistet in Egert Pöhlmann; Griechische Musikfragmente. Nürnberg 1960, Anhang II S. (3/84).

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Hydra der Polygnotos Gruppe, attisch um 450 v. Chr., Athen 1260.

Abb. 1:

und/oder musikalischer Art?) zu erkennen, die offensichtlich Hinweise zu einer musikalischen Umsetzung boten (Abb. 1).5 Ob diese Art der Vermittlung nur komplexe Musikstücke betraf, im Gegensatz zu formelhafter, der Improvisation naher Musik, entzieht sich meiner Kenntnis, könnte aber ein Ansatz der praktischen Annäherung sein. Die Beschäftigung mit anderen Hochkulturen der Vergangenheit hat bei uns durch ihre Unterschiedlichkeit, aber auch durch ihre Ähnlichkeiten neue Impulse und Fragestellungen zu Instrumenten und der dazugehörigen Musik ausgelöst. So sind im Falle der altägyptischen Musik zur Zeit der pharaoni-

Wie auf der Hydra 1260 vom Athener Nationalmuseum, die Sappho zeigt; vgl. auch die noch heutige Praxis von persischen Musikern, die sich beim instrumentalen Spiel von der Poesie eines Rumi inspirieren oder leiten lassen, indem sie ein aufgeschlagenes Buch mit seinen Gedichten vor sich liegen haben.

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Nachklänge. Instrumente der griechischen Klassik und ihre Musik by Schwabe Verlag - Issuu