Herausgeber Thomas Laubach (Weißer) ist Professor für Theologische Ethik am Institut für Katholische Theologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
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THOMAS LAUBACH ( HG.)
ÖKUMENISCHE ETHIK
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Eine ökumenische Ethik könnte im 21. Jahrhundert anachronistisch wirken. Denn 500 Jahre nach der Reformation scheint die Ethik gerade die theologische Disziplin zu sein, in der konfessionelle Unterschiede nur noch eine Nebenrolle spielen. Dennoch ist die Frage nach einer ökumenischen Ethik gerade in der Gegenwart brandaktuell. Das lange Zeit geltende Konzept einer Konsensökumene gerät mehr und mehr unter Druck. Differenzmerkmale, die Profilierung der eigenen konfessionellen Standpunkte sowie eine Pluralisierung der Methoden und Argumente treten erneut in den Vordergrund. Sowohl hinsichtlich der theoretischen Grundlagen ethischen Nachdenkens wie auch im Bereich der angewandten Ethik werden vermehrt konfessionelle Spezifika aufgerufen. Auf dem 38. Fachkongress der « Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik » im September 2017 an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg stand die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen ökumenisch-ethischen Nachdenkens im Mittelpunkt. Der vorliegende Band dokumentiert die Referate, die hier vorgetragen und diskutiert wurden.
STUDIEN ZUR THEOLOGISCHEN ETHIK 153
SthE
ÖKUMENISCHE ETHIK
HERAUSGEGEBEN VON DANIEL BOGNER UND MARKUS ZIMMERMANN, DEPARTEMENT FÜR MORALTHEOLOGIE UND ETHIK, UNIVERSITÄT FREIBURG I.UE.
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studien zur theologischen ethik 153 Herausgegeben von Daniel Bogner und Markus Zimmermann
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Thom a s L au bach ( Hg.)
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INH A LT Thomas Laubach
Ökumenische Ethik – Themen und Diskurse
Teil I
Grundlegende Fr agen ökumenischer Ethik
Heinrich BedfordStrohm
Radikale Liebe. Perspektiven ökumenischer Ethik
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Christoph Hübenthal
Ethische Begründung aus dem theologischen Grund des Säkularen. Eine katholische Sicht
37
Stephan Ernst
Prinzip – Situation – Gewissen: Ein Blick auf die katholische Sicht
57
Dominik Ritter
Ökumene ethisch betrachtet: Kritik und Impulse zum «Miteinander» von Kirchen und Gläubigen
77
Gunter M. PrüllerJagenteufel
Der Christenmensch: freier Herr und dienstbarer Knecht. Verantwortung in der Spannung von Souveränität und Gebundenheit
103
Benedikt Schmidt/ Markus Weskott
Das Doppelgebot der Liebe, Grundbaustein für eine ökumenische Ethik? Eine katholisch-evangelische Bestandsaufnahme in fundamentalethischer Perspektive
121
Teil II
Arbeitsfelder angewandter Ethik in ökumenischer Perspektive
Clemens Wustmans
Evangelische Umweltethik. Verantwortung im Horizont von Schöpfung und Versöhnung
143
Andreas Lienkamp
Der ökumenische Einsatz für das Gemeinsame Haus. Impulse der Enzyklika Laudato si’ für die christlich-theologische Ethik
163
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INH A LT
Petra Steinmair-Pösel
Im Gravitationsfeld von Mystik und Politik. Überlegungen zu einer ökumenischen Sozialethik
191
Angelika Walser
Vulnerabilität – eine geeignete Kategorie für die theologisch-ethische Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen im Rahmen der Reproduktionsmedizin?
213
Monika Bobbert
Ethische Fragen am Lebensanfang: Woher rühren die Dissense in der katholischen und evangelischen theologischen Ethik?
229
Torben Stamer
Mit der Bibel über Sterbehilfe argumentieren. Der ethisch-wissenschaftliche Bibelgebrauch im konfessionellen Vergleich
245
Werner Veith
Das kirchliche Leitbild von Ehe und Familie. Weiter denken – sozialethische Perspektiven
263
Kerstin Schlögl-Flierl
Im Wandel begriffen – Familien- und Beziehungsethik aus moraltheologischer Perspektive
279
Thomas Laubach
Ökumenische Ethik – Reflexion, Perspektiven, Aufgaben
303
Studien zur theologischen Ethik
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305
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ÖK UMENI SCHE E THIK – THEMEN UND DI SK UR SE Thomas Laubach Der vorliegende Band dokumentiert die meisten Referate, die beim 38. Fachkongress der «Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik» vorgetragen und diskutiert wurden. Der Kongress, der unter dem Thema «Ökumenische Ethik» stand, fand vom 10. bis 13. September 2017 an der Otto-FriedrichUniversität in Bamberg statt. Gut 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Ungarn und Indien diskutierten dabei fundamentale und angewandt-ethische Fragestellungen. 1. Ethische Fragen zwischen Konsens und Dissens im ökumenischen Gespräch Eine ökumenische Ethik könnte im 21. Jahrhundert durchaus als Anachronismus verstanden werden. Zwar geht mit der Reformation auch ein Bruch der ethischen Auseinandersetzung im christlichen Kontext einher. Denn neben ‹Glaubensfragen› werden nach 1517 unter anderem zentrale Fragen nach dem Verhältnis von Glauben und Handeln neu gestellt – und in den sich entwickelnden unterschiedlichen Kirchen auch unterschiedlich beantwortet. So stehen, etwas verkürzt formuliert, nach 1517 das moraltheologische Denken des Mittelalters, das in der katholischen Kirche durchaus bis heute rezipiert wird, einem ethischen Denken entgegen, für das der Name Luther programmatisch stehen kann. Beide ethische Zugänge antworten unterschiedlich auf Fragen wie: Ist der Mensch überhaupt gut und zum Guten fähig? Hat das Handeln des Menschen Bedeutung für seine Erlösung – oder kommt diese alleine göttlichem Handeln zu? Wie verhalten sich Gottes und der Menschen Handeln zueinander? Doch nach mehr als fünfhundert Jahren hat sich dieses Bild gewandelt: Die Ethik schien gerade die Disziplin der Theologie zu sein, in der die Unterschiede der Kirchen und Denominationen im Sinne konfessioneller Unterschiede nur eine Nebenrolle spielen. In der Vielzahl ethischer Publikationen aus theologischer Perspektive, das lehrt ein Blick in die Neuerscheinungen der vergangenen Jahre, spielte die Frage, welche konfessionelle Herkunft die Autorin oder der Autor hat, praktisch keine Rolle mehr. Dennoch ist die Frage nach einer ökumenischen Ethik gerade in der Gegenwart brandaktuell. Denn auch im Bereich des ethischen Diskurses scheint dem lange Zeit geltenden Konzept einer Konsensökumene mehr und mehr die Zustimmung versagt zu werden. Stattdessen treten Differenzmerkmale, die Profilierung der eigenen konfessionellen Standpunkte sowie eine Pluralisierung der Methoden und Argumente (erneut) in den Vordergrund.
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Doch die theologische Anerkennung als jeweils ernst zu nehmende Position ist davon nicht betroffen. Ein historischer Rückblick in die jüngere Vergangenheit zeigt deutlich, wie weit deshalb die meisten theologisch-ethischen Positionen der Gegenwart – auch in diesem Kongressband – von den Positionen entfernt sind, die etwa noch das 20. Jahrhundert prägten. Denn noch vor gut 50 Jahren war von einer »Ökumenischen Ethik« und einem wechselseitigen, fruchtbaren Austausch der theologischen Ethik über die Konfessionsgrenzen hinweg keine Rede. Ein Beispiel für viele andere bietet das Handbuch Katholische Moraltheologie von Joseph Mausbach und Gustav Ermecke. Hier heißt es 1959: Auch die protestantisch-kirchliche Moral will Moraltheologie sein […]. Sie entfernt sich jedoch von der wahren und vollständigen Erfassung der christlichen Sittenlehre sowohl in ihrer ursprünglichen, reformatorischen Gestalt als auch in ihrer neueren Entwicklung. 1
Als entscheidenden «Kontroverspunkt» machen Mausbach/Ermecke die Erbsündenlehre aus und schreiben den evangelischen Ethikern ins Stammbuch: «Ohne Überwindung der falschen Erbsündenlehre ist es auch unmöglich, zu einer Ethik der irdischen Ordnungen zu gelangen […].» 2 Ein zweites Beispiel, diesmal in Sachen Sozialethik. Noch 1992 schreibt Wolfgang Ockenfels in einem unüberhörbar herablassenden Ton über die evangelischen Kirchen, dass «deren sozialethische Tradition relativ jung ist und mehr oder weniger zur Radikalität neigt» 3. In der Gegenwart sind zwar die Zeiten klarer Frontstellungen überwunden. Doch gibt sich gerade auch auf dem Feld der Ethik im konfessionellen Diskurs ein ambivalentes Bild zwischen Konvergenz und Differenz zu erkennen. So haben sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl der theologische wie der kirchliche Diskurs weiterentwickelt. Ein Meilenstein war dabei im Blick auf die Kirchen der Text Gott ist ein Freund des Lebens 4 von 1989. Zum ersten Mal veröffentlichten die evangelische und die katholische Kirche Deutschlands ein gemeinsames Dokument zu ethischen Fragen. Damit war ein gemeinsamer Weg vorgezeichnet, der bis in die Gegenwart reicht. Noch 2017 publizierte die bilaterale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evange-
1 J. Mausbach/G. Ermecke, Katholische Moraltheologie 1, Münster 91959, 39. 2 Ebd. 41. 3 W. Ockenfels, Kleine Katholische Soziallehre. Eine Einführung – nicht nur für Manager (Beiträge zur Gesellschaftspolitik, Nr. 31), Trier 41992, 9. http://www.christlichesoziallehre.de/pdf/wockenfels/ Kl%20Kath%20Soziallehre/kksdeua4neu.pdf 4 Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz/Kirchenamt der EKD (Hg.), Gott ist ein Freund des Lebens – Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens (Arbeitshilfen 76), Bonn/Hannover 1989.
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lisch-Lutherischen Kirche Deutschlands den Text Gott und die Würde des Menschen 5. Doch anders noch als in Gott ist ein Freund des Lebens werden hier auch die konfessionellen Bruchlinien benannt. Statt «Konsens» 6 wird nun vom «differenzierten Konsens» gesprochen, statt Einigkeit können in wichtigen Punkten nur der «Dissens» wenngleich auch als «begrenzter Dissens», benannt werden. Die Lektüre des Textes Gott und die Würde des Menschen macht die ethischen Verwerfungslinien zwischen den Konfessionen – zumindest auf Kirchenleitungsebene – deutlich. Zwar eint die Kirchen die anthropologische Auffassung vom Menschen als Gottes Ebenbild. Mehr noch: Der Glaube an Gott und die Achtung des Menschen sind eng miteinander verzahnt. Schließlich gibt es einen Konsens, dass damit die Verantwortung des Menschen für sich, für andere und die gesamte Schöpfung einhergeht – wie auch die Rede von der Option für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sowie für die Armen diese Verantwortung des Menschen konkretisiert. Doch unbestreitbar ist auch, dass hinsichtlich der theoretischen Grundlagen ethischen Nachdenkens wie auch in fast sämtlichen Kontroversen im Bereich der angewandten Ethik konfessionelle Spezifika aufgerufen werden. Das betrifft etwa Fragen der Forschung an Embryonen, der aktiven Sterbehilfe oder des Umgangs mit Homosexualität und Ehe, in der Kirchen und Theologien auseinanderdriften. Kurz: Den vielen unterschiedlichen Stimmen in der Gesellschaft entsprechen mittlerweile auch viele unterschiedliche Stimmen in den Kirchen. 2. Grundlegende Fragen der Ethik im ökumenischen Diskurs In seinem einführenden öffentlichen Vortrag Radikale Liebe. Perspektiven Ökumenischer Ethik spitzte der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford-Strohm (München), die Debatte um einen ökumenischen Ethikdiskurs auf die These zu, dass traditionelle Unterschiede zwischen den Konfessionen in Inhalt und Methodologie der Ethik ihre trennende Bedeutung verloren hätten. Konfessionelle Auseinandersetzungen, die es sowohl kirchenpolitisch als auch wissenschaftlich gäbe, würden sich hingegen vor allem in anthropologisch-ethischen und damit angewandten Diskussionen, etwa im Fall des assistierten Suizids, offenbaren. Trotz eines also festzuhaltenden begrenzten Dissenses in solchen Fragen zeige sich immer wieder, dass beide Konfessionen die radikale Liebe, also die Nächstenliebe und die Gottesliebe, als zentrale Bezugspunkte in der ethi5 Bil ater ale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschl ands (VELKD), Gott und die Würde des Menschen, Paderborn/Leipzig 2017. 6 Vgl. hierzu und im Folgenden ebd. 137 ff.
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schen Reflexion aufwiesen und in der ethischen Auseinandersetzung die gleiche Perspektive einnähmen. Nicht nur das Thema, sondern auch die Grundstruktur des Kongressdiskurses konnte zu Recht ökumenisch genannt werden, da die Veranstalter zu allen Panels Vertreter der katholischen und der protestantischen Ethik geladen hatten. Diese diskutierten aus ihrer jeweiligen Perspektive sowohl Fragen der Grundlegung wie der angewandten Ethik. Dass gerade die Frage, wie Ethik als Theologische Ethik zu verstehen ist, konfessionell unterschiedlich geprägt ist, verdeutlichten die Vorträge von Christoph Hübenthal (Nijmengen) und Peter Dabrock (Erlangen). Hübenthal ging einer ethischen Begründung aus dem theologischen Grund des Säkularen nach und deutete in Auseinandersetzung mit den Positionen Duns Scotus’ und Thomas von Aquins das Säkulare als eigentlichen Referenzrahmen des Ethischen. Dabrock hingegen formulierte das Vertrauen auf Gott als essentiellen Grund ethischen Denkens. In einer pluralen Gesellschaft würde allerdings eine Ethik theologischer Provenienz herausgefordert, ihr Sprechen ins Säkulare hinein reformulieren zu können. Theologische Ethik, so wurde deutlich, ist als Ganzes durch eine plurale und säkulare Gesellschaft herausgefordert. Doch ihre Reaktion darauf, das zeigten die Vorträge, ist konfessionell divergent. Auf der Basis grundlegender Klärung des Status einer Theologischen Ethik in ökumenischer Perspektive widmete sich der Kongress einigen ausgewählten Grundbegriffen des ethischen Diskurses. Stephan Ernst (Würzburg) zeigte auf, dass der Vorwurf an katholische Moraltheologie, sie sei bis in die Gegenwart hinein eine Naturrechtsethik, durchaus zutrifft (vgl. die Enzyklika Veritatis Splendor). Doch er machte auch deutlich, dass es eine – an das evangelische Denken anschlussfähige – lange Tradition einer Ethik der Verhältnismäßigkeit gibt, die auf die Umstände des Handelns und die konkrete Situation rekurriert. Aus evangelischer Perspektive weitete Klaus Tanner (Heidelberg) das Feld, indem er zwar zentrale Differenzen der konfessionellen Ethik (ekklesiologische Strukturen, Umgang mit der Tradition) benannte. Zugleich aber machte er auch Gemeinsamkeiten in der konfessionellen Konzeptualisierung von Ethik aus wie etwa den synkretistischen Charakter der Theologischen Ethik und den gesellschaftlichen Ausgangspunkt aller ethischen Fragen. Vor diesem Hintergrund arbeitete Gunter M. Prüller-Jagenteufel (Wien) die zentralen konfessionellen anthropologischen Differenzen heraus. Er machte – bei aller Differenz – das Konzept der Autonomie als Möglichkeit einer Annäherung der Konfessionen im Menschenbild aus. An der Schnittstelle von Grundlegungsfragen und Problemen der Angewandten Ethik präsentierten katholische und evangelische Nachwuchswissenschaftle-
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rinnen und -wissenschaftler ihre eingereichten Paper. Benedikt Schmidt und Markus Weskott (Bonn), Dominik Ritter (Fulda), Torben Stamer (Bamberg) und Petra SteinmairPösel (Feldkirch) stellten in parallelen Workshops Überlegungen zum Doppelgebot der Liebe, zur handlungspraktischen Relevanz einer konfessionellen Ethik, zur ethischen ‹Anwendung› der Bibel am Beispiel der Sterbehilfe und zur (ökumenischen) Sozialethik zwischen Mystik und Politik vor. 3. Angewandte Ethik und konfessionelle Perspektiven Im Plenum wurden dann in einem ersten größeren Themenkomplex «umweltethische Fragen» diskutiert. Einen wichtigen Referenzpunkt bildete Papst Franziskus’ Enzyklika Laudato si. Der evangelische Theologe Clemens Wustmans (Berlin) skizzierte sie als Dokument der Öffnung im Blick auf sozialethisch-ökologische Fragestellungen, die den Topos der Verantwortung, ein Kernbegriff evangelischer Umweltethik, zwar nicht in den Mittelpunkt stellt, aber deutlich vom Verantwortungsgedanken geprägt ist. Ergänzend bot Andreas Lienkamp (Osnabrück) eine profunde Einführung in Laudato si. Ein zweiter größerer Themenkomplex fokussierte die Diskussion auf bioethische Fragen mit Blick auf «ethische Probleme am Lebensanfang». Angelika Walser (Salzburg) machte deutlich, inwiefern der Containerbegriff der «Vulnerabilität» auch in reproduktionsmedizinischen Kontexten valide sein könne. Aus evangelischer Perspektive widmete sich Arne Manzeschke (Erlangen) der Frage nach der phänomenologisch-theologischen Bestimmung der Kategorie des Anfangs, der bioethisch in den Diskursen über den Anfang des Lebens präsent ist. Schließlich benannte Monika Bobbert (Münster) in ihrem Beitrag drei wesentliche ethische Problemstellungen am Lebensanfang: Die Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens, das Problem der vorgeburtlichen genetischen Diagnostik und die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Dabei machte sie deutlich, dass es hinsichtlich der vorgeburtlichen Eingriffsmöglichkeiten zwischen den Konfessionen Konsense (etwa beim Tötungsverbot) wie auch Dissense (etwa in der Konzeptualisierung der Ethik zwischen Prinzip und Pragmatismus) gibt. In einer letzten thematischen Einheit diskutierte der Kongress ethische Fragen der Beziehungsethik mit dem Fokus auf das Feld von «Ehe und Familie». Stefanie Schardien (Fürth) machte in ihrem Vortrag zunächst auf eine gewisse Koinzidenz im Nachdenken über Beziehungsethik und Ökumene aufmerksam, insofern beide Felder von Spannungen und der Suche nach Konsensen sowie Profilierungen geprägt sind. Im Näheren machte sie auf die konfessionsübergreifenden Differenzen zwischen dem religiös-kirchlich tradierten Begriffspaar Ehe und Familie und den weitaus pluraleren lebensweltlichen Erfahrungen aufmerksam. Kerstin Schlögl-Flierl (Augsburg) ging dem theologisch-ethischen Wandel der Sexualethik hin zu einer Beziehungsethik nach und konnte anhand der Reflexion auf Amoris
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laetitia deutlich machen, dass dieser Wandel auch das römisch-katholische Lehramt – zumindest punktuell – erfasst hat. In ökumenischer Perspektive zeigt indes ein Vergleich von Papst Franziskus’ Amoris laetitia und der evangelischen Orientierungshilfe Zwischen Autonomie und Angewiesenheit: Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken, dass auf evangelischer Seite stärker beziehungstheoretisch gedacht, während römisch eher institutionentheoretisch argumentiert werde. Damit gehen, so Schlögl-Flierl, unterschiedliche Konsequenzen für Ehe und Familien einher. In seinem Beitrag zeichnete Werner Veith (München) die Möglichkeiten und Grenzen der Dialogfähigkeit der katholischen Kirche im Blick auf das katholischlehramtliche Leitbild von Ehe und Familie nach. Von der Wahrnehmung des Hiatus zwischen Glaubenden und Amtskirche ausgehend, stellte Veith in sieben Thesen methodologische Voraussetzungen und theologische Perspektiven vor, die es ermöglichen, neu über Familie und Ehe nachdenken zu können.
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Dank Der 38. Fachkongress der «Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik» im Herbst 2017 in Bamberg wäre nicht ohne Unterstützung vieler Menschen und Institutionen möglich gewesen. Ihnen allen soll an dieser Stelle gedankt werden. Ein Dank gilt dem Vorbereitungsteam, das in verschiedenen Rollen den Kongress nicht nur geplant, sondern auch mitgetragen hat: Prof.in Dr. Michelle Becka (Würzburg), Prof. Dr. Stephan Ernst (Würzburg), Prof. Dr. Herbert Schlögel (Regensburg), Dr. Werner Veith (München) und Stefanie Wahl M.A. (Bamberg/Fulda). Einen Dank richte ich auch an alle Vortragenden des Kongresses, die bereit waren, ihre Überlegungen zu einzelnen Aspekten des Themas vorzutragen und der Diskussion zu stellen, und die Ihre Vorträge für diesen Tagungsband zur Verfügung gestellt haben. Danken möchte ich auch allen Unterstützern, die mit ihren finanziellen Zuwendungen die Durchführung des Kongresses und das Erscheinen dieses Bandes möglich gemacht haben: Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Erzbistum Bamberg, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der Stadt Bamberg, der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Bamberg, der Liga Bank Bamberg, dem Uni Bund Bamberg und der Universitätsleitung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Für die selbstverständliche und unkomplizierte Aufnahme des Tagungsbandes in die Reihe Studien zur Theologischen Ethik danke ich den beiden Herausgebern Daniel Bogner und Markus Zimmermann. Ein großer Dank geht auch an Ute Heimburger für den Satz und die umsichtige Hilfe bei der Erstellung der Publikation. Schließlich danke ich meinem Lehrstuhlteam für die Unterstützung in knapp vierjähriger Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit sowohl für die verlässliche Begleitung des Kongresses wie die Mitarbeit an der Fertigstellung dieser Publikation: der Lehrstuhlsekretärin Gertrud Böhnlein, den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Stefanie Wahl und Christina Potschka, sowie den studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Stefan Huber, Ruth Kaiser, Johanna Langenhorst und Simon Scheller.
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R A DIK A LE LIEBE PER SPEK TI V EN ÖK UMENI SCHER E THIK Heinrich Bedford-Strohm Fast 25 Jahre ist es her, dass meine Dissertation zum Thema Vorrang für die Armen. Auf dem Wege zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit erschienen ist. 1 Sie bearbeitete das Thema anhand einer Analyse der Diskussion um den Wirtschaftshirtenbrief der U.S.-Bischöfe von 1986 und vertiefte es durch eine Rekonstruktion von Geschichte und Inhalt der im Kontext der lateinamerikanischen Befreiungstheologie entwickelten «vorrangigen Option für die Armen» sowie der Auseinandersetzung mit philosophischen Theorien der Gerechtigkeit. Einen wichtigen Stellenwert nahm auch die Frage der ethischen Methodologie zwischen Schriftbegründung und Vernunftbegründung ethischer Aussagen ein. Erst im Rückblick nehme ich einen Aspekt meiner Dissertation wahr, der für mein Wirken als Bischof und EKD-Ratsvorsitzender heute eine zentrale Bedeutung hat. Ich habe die Quellen, die ich damals verwendet habe, nie nach ihrer konfessionellen Herkunft gezählt. Aber ich vermute, dass die römisch-katholischen Quellen den überwiegenden Teil der konfessionell verortbaren Quellen ausmachen. Sowohl der Wirtschaftshirtenbrief der U.S.-Bischöfe als auch die lateinamerikanische Befreiungstheologie, aber auch die ökumenischen Überlegungen zur Grundlegung der Ethik, über die ich ja auch heute reden werde, sind als zentrale Gegenstände meiner damaligen Arbeit der Grund dafür. Mein damaliges Dissertationsthema führt mitten in das Ringen der Kirchen um ein gemeinsames Zeugnis in ethischen Fragen in der Öffentlichkeit hinein, das mich auch in meinen jetzigen Ämtern nachhaltig beschäftigt. Der breite Beteiligungsprozess in dem Wirtschaftshirtenbrief der katholischen Bischöfe der USA ist seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1986 zum Vorbild für Prozesse in vielen anderen Kirchen der Welt geworden. Ich selbst sehe darin so etwas wie das Urbild des späteren «Sozialworts» der Kirchen in Deutschland von 1997, das wie der amerikanische Hirtenbrief in mehreren Fassungen öffentlich diskutiert wurde und sich inhaltlich in einer im Raum der deutschen Kirchen bisher nicht gekannten Klarheit an der vorrangigen Option für die Armen ausrichtete. Das deutsche Sozialwort ging über sein amerikanisches Urbild darin hinaus, dass es ökumenisch gemeinsam erarbeitet wurde. Das ist aus meiner Sicht eines der Geheimnisse seiner bis heute großen Wirkung. Unter dem Titel Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft haben wir als Kirchen dann 2015 eine «Ökumenische Sozi1 Sie liegt nun in 2. Auflage vor: H. Bedford-Strohm, Vorrang für die Armen. Auf dem Wege zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit, Leipzig 22018.
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HEINRICH BEDFORD-STROHM
alinitiative» gestartet, die eine breite Diskussion anzustoßen versuchte. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren sind im Dokumentationsband Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft zusammengefasst. 2 Die Arbeit an diesen ökumenischen Dokumenten, an denen ja neben Kirchenleuten immer auch akademische Theologen beteiligt waren, manchmal in Personalunion, war in gewisser Weise ein Bewährungsfeld für die ökumenische Anschlussfähigkeit wissenschaftlich-theologischer Arbeit. Die These, die ich aus meinen Wahrnehmungen im Schnittfeld von Kirche und akademischer Theologie heute erläutern möchte, gibt dem ökumenischen Potential der ethischen Reflexion in den unterschiedlichen Konfessionen einen hohen Stellenwert. Die traditionellen Unterschiede zwischen den Konfessionen in Inhalt und Methodologie der Ethik haben heute ihre trennende Bedeutung verloren. Oft sind die unterschiedlichen Zugangsweisen zu ethischen Fragestellungen innerhalb der Konfessionen heute genauso groß wie die zwischen den Konfessionen. Trennlinien verlaufen heute viel mehr anhand von politischen, kulturellen und lebensweltlichen Erfahrungshintergründen als anhand von konfessionellen Unterschieden. Der Schlüssel für die ökumenische Gemeinsamkeit liegt für mich in der Anthropologie, in der Lehre vom Menschen. Denn der Bezugspunkt ethischer Reflexion liegt für die christliche Theologie in dem Menschen, in dem Gott selbst sich gezeigt hat. Er liegt in der Bezugnahme auf Jesus Christus und seine radikale Liebe. Natürlich bin ich mir bewusst darüber, wie wenig selbstverständlich eine solche These ist und wieviel Kontroverspotential sie enthält. Meine Vermutung ist aber, dass dieses Kontroverspotential wiederum nicht primär konfessionell kodiert ist. Aber wir werden sehen. Wenn ich im Folgenden als Protestant einen Blick auf die Entwicklung der katholischen Ethik und Moraltheologie werfe, dann wird vielleicht schon deutlich werden, dass die Kontroversen innerhalb der katholischen Theologie ganz ähnliche Punkte implizieren wie in der evangelischen Theologie. Erstaunlicherweise aber an manchen Punkten genau spiegelverkehrt. Aber fangen wir von vorne an.
2 http://www.sozialinitiative-kirchen.de/. Der Text findet sich etwa unter Evangelische Kirche in Deutschland/Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft. Dokumentation der Diskussionsphase und Gemeinsame Feststellung zur Ökumenischen Sozialinitiative (Gemeinsame Texte Nr. 23), Hannover/Bonn 2015, https://www.dbkshop.de/de/deutsche-bischofskonferenz/gemeinsame-texte/im-dienst-gerechten-gesellschaft. html.
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RADIK ALE LIEBE
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1. Ethische Methodologie zwischen Naturrecht und Offenbarungstheologie Ausgehend vom «sola scriptura» der Reformation haben in der evangelischen Ethik traditionell biblische Begründungen eine größere Rolle gespielt als in der katholischen Ethik und Moraltheologie. Die Differenzierung zwischen Ethik und Moraltheologie in der katholischen Theologie kennt die evangelische Ethik nicht, und ich verhehle nicht, dass sie sich mir auch nie wirklich erschlossen hat. Auf der Basis der Naturrechtslehre in der Summa Theologica Thomas von Aquins bildete sich eine katholische Ethik heraus, die sich zuallererst als «Moralphilosophie» verstand, ein Selbstverständnis, das sich bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht änderte. Die Rolle der Bibel blieb bis in unser Jahrhundert hinein auch in der katholischen Moraltheologie sehr begrenzt. Insbesondere unter dem Einfluss der Offenbarungstheologie des großen protestantischen Theologen Karl Barth war das in der evangelischen Ethik sehr anders. Der Ideologieanfälligkeit ethischer Begründungen konnten beide nicht entgehen. Ich nenne ein Beispiel dafür aus dem Themenbereich Familie und Verhältnis der Geschlechter. Im protestantischen Bereich wurden immer wieder bestimmte biblische Texte zitiert, um die Vorrangstellung des Mannes biblisch zu untermauern. Allen voran der bekannte Text aus Eph. 5,22-24: Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.
Selbst der vielen modernen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossene Karl Barth folgerte daraus, dass der Mann nun eben mal das A und die Frau das B sei. «A geht vor B, B kommt nach A. Ordnung heißt Folge. Ordnung heißt Vorordnung und Nachordnung, Überordnung und Unterordnung.» Immerhin ist Barth sich der Problematik dieser Worte bewusst: Damit haben wir die gefährlichsten Worte ausgesprochen, die zur Bezeichnung dessen, um was es im Sein und Zusammensein von Mann und Frau geht, unvermeidlich sind. 3
Demut müsse die Haltung sein, in der der Mann der Frau begegne, aber dann «Anreger, Führer, Erwecker» sei, «die Initiative» ergreife. 4 Heute hat sich die Erkenntnis weitgehend durchgesetzt, dass solche Zuschreibungen höchst problematisch sind. Den naturrechtsbegründeten Ansätzen in der katholischen Ethik ist es nicht anders gegangen. Viktor Cathrein sieht in seiner 1911 erschienenen Moralphilosophie die «sichern Grundsätze der Vernunft» als «Hauptquelle der Moralphilosophie», Erfahrung und Geschichte haben ergänzenden Charakter. 3 K. Barth, Kirchliche Dogmatik III,4, Zürich 1969, 189. 4 Ebd.
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HEINRICH BEDFORD-STROHM
«Die übernatürliche Offenbarung» – so Cathrein ausdrücklich – «ist nicht eine eigentliche Quelle der Moralphilosophie. Nur was das natürliche Denken an der Hand der Erfahrung und Geschichte aus den obersten Vernunftprinzipien zu schöpfen und selbständig zu beweisen vermag, sieht die Moralphilosophie als eine ihr gehörende Errungenschaft an.» Nach Cathreins Ansicht bedarf auch eine nach dem Prinzip der Gleichberechtigung gelebte Ehe der Autorität: Gewiß sollen Mann und Frau alles möglichst nach gemeinsamer Übereinkunft in der Familie anordnen aber was soll geschehen, wenn nun einmal Meinungsverschiedenheit vorhanden ist? Einer von den Ehegatten muß schließlich das Recht der Entscheidung haben. Welcher von beiden?
Cathreins Antwort überrascht nicht: der Mann. Nicht erst das Christentum – so der Moralphilosoph weiter – ist zu dieser Antwort gekommen: Das Christentum hat in dieser Beziehung nur die Forderung der Natur neu eingeschärft und tiefer begründet. Schon der fast (sic!) allgemeine Brauch aller Völker zeigt uns, daß der Mann der geborene Regent der Familie ist […] Die Forderung absoluter Gleichberechtigung der Frau, auch innerhalb der Familie, wie sie heute von vielen, besonders von den Sozialisten erhoben wird, ist also sowohl vom Standpunkt der Offenbarung als dem der Vernunft mit aller Entschiedenheit abzulehnen. 5
Auch das «Standardwerk» der katholischen Naturrechtslehre im 20. Jahrhundert nach dem 2. Weltkrieg konnte den mit der Behauptung einer objektiven Vernunft verbundenen Fallstricken nicht entgehen. Josef Fuchs sieht in einem 1955 erschienenen Buch Lex Naturae drei Pfeiler einer moralischen Urteilsbildung: Zum ersten ist die Schulung in einer «gesunden Philosophie» nötig. Wer in einer «ethisch unrichtigen Umgebung» aufwächst oder in einer «irrigen Philosophie» geschult ist, wird nur schwer zu umfassender Erkenntnis des Naturrechts gelangen (148). Zum zweiten kommt Gott «in übernatürlicher Weise» zu Hilfe. Er wirkt «gnadenhaft und unbemerkt im Inneren des Menschen» und unterstützt damit die um Erkenntnis sich mühende Vernunft (149). Zum dritten schließlich ist auch die Offenbarung des Naturrechts nötig, nicht, damit die menschliche Vernunft überhaupt erkenntnisfähig ist, sondern dazu, «daß alle geistig wachen Menschen, und zwar leicht und sicher und irrtumslos, zu einem Wissen um das Naturrecht gelangen können» 6. Auffallend sind die objektiven Kategorien, mit denen Fuchs die sittliche Erkenntnis beschreibt. Unterschiedliche Meinungen über den Inhalt der Sittlichkeit werden nicht als Beiträge zur gemeinsamen Wahrheitssuche verstanden, son5 V. Cathrein, Die katholische Moral in ihren Voraussetzungen und ihren Grundlinien. Ein Wegweiser in den Grundfragen des sittlichen Lebens für alle Gebildeten, Freiburg i. Br. 1907, 413 f. 6 J. Fuchs, Lex Naturae. Zur Theologie des Naturrechts, Düsseldorf 1955, 137. Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf dieses Buch.
IH_Laubach_Okumenische Ethik.indb 20
10.07.19 13:37