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Rosenplütsche Fastnachtspiele

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Diese Neuedition von 80 Nürnberger Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts (RosenplütCorpus) verfährt nach dem Leithandschriftenprinzip und weist die Überlieferungsvarianz nach. Stellenkommentare geben sprachliche Verständnishilfen (Übersetzungs­ vorschläge, grammatische, regionalsprachliche Erläuterungen) sowie sachhistorische Hinweise. Ein übergreifender Kommentar zu jedem Stück liefert Informationen zur Textkritik, zur Datierungs- und Autorfrage, zur Struktur und zum Inhalt sowie zu den in der Forschung erarbeiteten Deutungsperspektiven. Ein besonderes Augenmerk gilt der Performanz: Auch aufführungsbezogene Elemente und szenische Gestaltungsmittel werden diskutiert. Die Neuausgabe der › Rosenplütschen Fastnachtspiele ‹ bietet der Forschung eine solide Textgrundlage, die Kommentierung erleichtert Studierenden und Interessent*innen anderer Fachdisziplinen den Zugang.

KLAUS RIDDER ist Professor für deutsche Literatur des Mittelalters an der Universität Tübingen. REBEKKA NÖCKER ist Postdoc an der Universität Tübingen im DFG-Projekt »Narrative Vermittlung religiösen Wissens. Edition und Kommentierung geistlicher Vers- und Prosatexte des 13. bis 16. Jahrhunderts«. BEATRICE VON LÜPKE ist Postdoc am Institut für Germanistik

ROSENPLÜTSCHE FASTNACHTSPIELE

ROSENPLÜTSCHE FASTNACHTSPIELE

der Universität Wien. Von 2011 bis 2021 war sie an der Universität­Tübingen beschäftigt.

KLAUS RIDDER R E B E K K A N ÖC K E R B E AT R I C E VO N LÜ P K E ( HGG .)

www.schwabeverlag.de

ROSENPLÜTSCHE FASTNACHTSPIELE Edition und Kommentar von Nürnberger Spieltexten des 15. Jahrhunderts K LA U S R I D D E R REBEKKA NÖCKER B E A T R I C E V O N L Ü P K E ( H G G .)


Rosenplütsche Fastnachtspiele Edition und Kommentar von Nürnberger Spieltexten des 15. Jahrhunderts (einschließlich der Fastnachtspiele in der Handschrift Dresden, SLUB, Mscr.Dresd.M.183)

Herausgegeben von Klaus Ridder, Rebekka Nöcker und Beatrice von Lüpke unter Mitarbeit von Martina Bezner, Anne Kirchhoff und Martina Pitz (†) Konzeption der Datenverarbeitung: Paul Sappler(†), fortgeführt von Thomas Ziegler

Schwabe Verlag


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2022 Schwabe Verlag Berlin GmbH Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 714, Bl. IIIr/IIIv Cover: icona basel gmbh, Basel Satz: pagina GmbH, Tübingen Druck: Hubert & Co., Göttingen ISBN Printausgabe 978-3-7574-0024-8 ISBN eBook (PDF) 978-3-7574-0085-9 DOI 10.31267/978-3-7574-0085-9 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.de


Vorwort Die Arbeit an der vorliegenden Edition ist im Jahr 2005 im Rahmen des DFG-Projekts ›Neuedition und Kommentierung der vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele‹ in zwei Arbeitsgruppen an den Universitäten Trier und Tübingen unter der Leitung von Martin Przybilski und Klaus Ridder begonnen worden. Projektziel war die Neuedition und Kommentierung der Rosenplütschen Fastnachtspiele, der Stücke des Hans Folz, der in beider Umkreis entstandenen sowie der Spiele der Dresdner Handschrift Mscr.Dresd.M.183. Nach dem Auslaufen des DFG-Projekts hat die Thyssen-Stiftung ein weiteres Jahr Fördergelder bereitgestellt; danach haben die Arbeitsgruppen sich bemüht, so gut und so schnell es möglich war, die Edition und Kommentierung des Rosenplüt-Corpus in Tübingen und des FolzCorpus in Trier abzuschließen. Dass das Vorhaben in den Jahren nach dem Ende der Drittmittelförderung im universitären Kräftespiel nicht aufgegeben werden musste, lag ganz wesentlich daran, dass ehemalige Projektmitarbeiter*innen die Neuausgabe der Rosenplütschen Spiele in Tübingen und des Folz-Corpus in Trier zu ihrem Anliegen gemacht haben. Den Mitarbeiter*innen und studentischen Hilfskräften der Tübinger Arbeitsgruppe Martina Bezner, Susanne Borgards, Iris Cornelsen, Daniela Czink, Tobias Gerstung, Carolin Habicht, Cora Hartmann, Anne Kirchhoff, Michael Lebzelter, Beatrice von Lüpke, Rebekka Nöcker, Clara Peinemann, Martina Pitz (†), Hannes Ringkloff, Ruwen Röhm, Jochen Schlechtriem, Lisa Schmid, Julia Schneider, Bjela Schwenk, Lucinda da Silva Rocha, Katharina Stober, Florian Stocker, Walter Väth, Daniel Vosseler und Daniel Wörner sei ebenso gedankt wie den Tübinger Kollegen Derk Ohlenroth, Paul Sappler (†) und Burghart Wachinger. Beatrice von Lüpke und Rebekka Nöcker haben nicht nur während, sondern auch nach Abschluss der Förderphase des Projekts kontinuierlich an der Fertigstellung der Edition mitgearbeitet. Ihrer Kompetenz und ihrer Beharrlichkeit verdankt die Edition Wesentliches. Paul Sappler (†) hat den Satz der Ausgabe mit TUSTEP konzipiert – eine Arbeit, die nach seinem Tod Thomas Ziegler fortgesetzt hat. Derk Ohlenroth und Burghart Wachinger haben die Texte und Kommentare kontinuierlich gelesen und ungezählte philologische Hinweise gegeben. Besonderer Dank gebührt den Kollegen Johannes Janota (†), Hansjürgen Linke, Werner Röcke, Max Siller und Eckehard Simon (†), die in mehreren Werkstattgesprächen die Arbeit an Neuedition und Kommentar durch kritische Diskussion und willkommene Ermutigung befördert haben. Dank schulden wir darüber hinaus den Trierer Kolleg*innen Theresia Biehl, Christoph Gerhardt (†), Stefan Hannes Greil, Martin Przybilski und Mark Ritz, die auch nach dem Ende der gemeinsamen Projektarbeit für unsere Fragen stets ein offenes Ohr hatten, sowie Thomas Habel, der noch nicht publizierte Forschungsarbeiten zugänglich gemacht hat. Unser Dank gilt nicht zuletzt den Mitarbeiter*innen der Bibliotheken in Dresden (SLUB), München (BSB), Tübingen (UB) und Wolfenbüttel (HAB) für ihr Entgegenkommen bei Autopsie, Digitalisaterstellung und Reproduktionserlaubnis sowie ferner Harald Liehr und Sonja Peschutter für ihre engagierte Betreuung seitens des Schwabe Verlags. Schließlich danken wir der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Fritz Thyssen Stiftung für die großzügige finanzielle Förderung des Projekts. Tübingen, im Januar 2022

Klaus Ridder


Inhalt Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . I. Rosenplütsche Fastnachtspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Editionsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Forschungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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II. Textcorpus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Zuweisung zu Hans Rosenplüt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Der Autor Hans Rosenplüt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Aus dem Rosenplüt-Umfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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III. Gruppierungskriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Strukturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Themen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Thematisch-motivliche Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IV. Überlieferung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Handschriftensiglen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Kurzbeschreibungen der Handschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, Cim. 31 (früher 4° Cod. H 27) [Sigle A] Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.50 [Sigle D] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.183 [Sigle E] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Cod. germ. 13 [Sigle P] . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen A III 20 [Sigle H] München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 714 [Sigle M] . . . . . . . . . . . . . . . . . Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 5339a [Sigle F] . . . . . . . . . . . . . . Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 564 [Sigle W] . . . . . . . . . . . Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 565 (früher Q 42) [Sigle Y] Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 566 (früher Q 43) [Sigle X] Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 76.3. Aug. 2° [Sigle K] . . Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 18.12. Aug. 4° [Sigle G] . Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 29.6. Aug. 4° [Sigle R] . . 3. Konturen der Überlieferungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V. Editionsprinzipien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Aufbau und Anlage der Edition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Editionstext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Apparate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Lesartenapparat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Stellenkommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Allgemeiner Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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VIII

Inhalt

VI. Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Abgekürzt zitierte Buchreihen und Zeitschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Grammatiken, Hand- und Wörterbücher, Lexika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Handschriftenkataloge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. Textausgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Forschungsliteratur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII.Verzeichnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Handschriftensiglen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Konkordanz der Spielnummern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . a) Neuedition des Rosenplüt-Corpus – Keller-Ausgabe und Ausgabe Schnorr von Carolsfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Keller-Ausgabe – Neueditionen des Rosenplüt- und des Folz-Corpus . . . . . . . 4. Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Register zum Editionstext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1. Personen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2. Orte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ausgabe Leithandschrift M . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 –– Die Narren (KF 116) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 –– Der Heiratsrat (KF 65) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 –– Mönch Berchtolt (KF 66) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 –– Wie man Ritter wird (KF 47) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 –– Der alte Hahnentanz (KF 67) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 –– Des Entchrist Vasnacht (KF 68) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 –– Der Bauern Rügefastnacht (KF 69) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 –– Vom Werben um die Jungfrau (KF 70) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 –– Aschermittwochfastnacht (KF 71) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 –– Streit zwischen Fastnacht und Fastenzeit (KF 72) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 –– Prozess zwischen Fastnacht und Fastenzeit (KF 73) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 –– Liebhaberfastnacht (KF 74) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 –– Die feigen Ritter (KF 75) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 –– Gertraud einsalzen (KF 76) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 –– Magdtum einsalzen (KF 77) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 –– Klerus und Adel (KF 78) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 –– Der König aus Schnokenland (KF 79) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 –– Krone (KF 80) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 –– Luneten Mantel (KF 81) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 –– Die Rosskur I (KF 82) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 –– Die Wiletzkinder (KF 83) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 –– Meister Uncian (KF 48) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 –– Warum die Männer Frauen lieben (KF 84) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 –– Die Harndiagnose (KF 85) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 –– Die verhinderten Ehemänner (KF 86) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 –– Frauenverleumder vor Gericht (KF 87) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 –– Ein Ehebrecher vor Gericht (KF 88) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Inhalt

IX

28 –– Küchenspeise (KF 49) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 –– Der kurze Hahnentanz (KF 89) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 –– Das Chorgericht I (KF 42) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 –– Weltabkehr (KF 90) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 –– Wann man heiraten soll I (KF 41) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 –– Das Jungferneinsalzen (KF 91) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 –– Büßerrevue (KF 92) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 –– Wettstreit in der Liebe (KF 16) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 –– Die blaue Farbe (KF 93) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 –– Bauernprahlereien II (KF 94) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 –– Mädchen und Burschen (KF 59=95) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 –– Die sieben freien Künste und die Liebe (KF 96) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 –– Die Witwe und ihre Tochter (KF 97) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 –– Das Hofgericht vom Ehebruch (KF 40) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 –– Die vier Ärzte (KF 98) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 –– Die Geharnischten (KF 99) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 –– Das Fest des Königs von England (KF 100) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 –– Die drei Arztbüchsen (KF 101) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 –– Die verklagten Ehemänner (KF 102) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 –– Des Türken Fastnachtspiel (KF 39) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 –– Bauernprahlereien III (KF 45) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 –– Die sieben Farben (KF 103) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 –– Die karge Bauernhochzeit (KF 104) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

404 416 426 442 448 459 463 472 481 487 494 504 516 525 539 544 554 567 571 579 604 609 624

Leithandschrift D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 –– Der Bauer und der Bock (KF 46) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 –– Drei Eheverweigerer (KF 108) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 –– Bauernrevue (KF 109) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 –– Eheliche Verdächtigungen (KF 19) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

637 639 653 662 669

Leithandschrift Gb, Gd/Ga . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 –– Ehekrieg (KF 3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 –– Lügenmärchen und Prahlreden (KF 9) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 –– Ein Ehebruch-Prozess (KF 10) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 –– Frauenpreis (KF 11) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 –– Bäuerliche Ehekandidaten (KF 12) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 –– Buhlerrevue (KF 13) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 –– Moriskentanz (KF 14) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 –– Das Liebeswerben (KF 15) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 –– Das Aristotelesspiel (KF 17) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 –– Der elfte Finger (KF 18) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 –– Vier Bauern vor Gericht (KF 24) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 –– Frag und Antwort (KF 25) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 –– Das Narrenseil (KF 26) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 –– Das ungleiche Paar (KF 27) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 –– Bäuerliche Großsprecher (KF 28) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 –– Die Unersättlichen (KF 29) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 –– Das Eggenziehen (KF 30) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

685 687 698 709 722 733 741 752 764 770 794 804 813 819 830 836 843 853


X

Inhalt

72 –– Die böse Ehe I (KF 31) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 –– Wettstreit im Frauenlob (KF 33) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 –– Prozess zweier Buhler (KF 34) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 –– Bauernprahlereien I (KF 45) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 –– Die Holzfäller (KF 52) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

862 872 880 884 897

Leithandschrift E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 –– Das Parisurteil I (SvC 2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 –– Das Salomonische Urteil (SvC 3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 –– Das Parisurteil II (SvC 4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 –– Missglückte Werbung (SvC 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

903 905 921 930 946


Einleitung I. Rosenplütsche Fastnachtspiele 1. Editionsgeschichte Die von Adelbert von Keller 1853–1858 herausgegebene Sammlung von ›Fastnachtspiele[n] aus dem fünfzehnten Jahrhundert‹ ist bis heute die umfassendste Ausgabe der vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele.1 Die von Keller edierten Rosenplütschen Fastnachtspiele sowie die vier Stücke der Dresdner Handschrift E (Mscr.Dresd.M.183) sind Gegenstand der vorliegenden Neuedition; die Spiele des Hans Folz und seines Umfeldes sind von Stefan Hannes Greil und Martin Przybilski neu herausgegeben worden.2 Damit ist ein in der Forschung immer wieder angemahntes Desiderat3 eingelöst. Ein Blick auf die Editions- und Forschungsgeschichte soll die Anwege beleuchten. Bereits kurz nach der Mitte des 18. Jahrhunderts (1765) hatte Johann Christoph Gottsched in seiner ›Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst‹ sechs Spiele aus der Dresdner Handschrift D (Mscr.Dresd.M.50) abgedruckt und kommentiert: F 28 (KF 49), F 30 (KF 42), F 32 (KF 41), F 39 (KF 96), F 47 (KF 39), F 51 (KF 46). Ludwig Tieck nahm 1817 zwei dieser Stücke in seine Anthologie zum ›Deutsche[n] Theater‹ (F 47, F 51)4 auf – jeweils eins Johann Adam Göz 1829 in seine Hans-Sachs-Auswahl (F 47)5, Friedrich August Pischon 1840 in seine ›Denkmäler zur deutschen Sprache‹ (F 47)6 und Robert Eduard Prutz 1847 in seine ›Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Theaters‹ (F 39, nach Tieck)7. Jedoch schon 1814 machte Johann Ferdinand Roth die Spiele F 2 (KF 65) (vollständig) und F 47 (KF 39) (auszugsweise) nach der Münchner Handschrift M (Cgm 714) einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich8; 1840 gaben dann Rudolf Marggraff das Spiel F 12 (KF 74) und 1841 Hermann Theodor Schletter F 21 (KF 83) und F 44 (KF 100) ebenfalls nach der Handschrift M heraus (für F 44 bietet Schletter zusätzlich die Lesarten von D)9. Offenbar noch vor Erscheinen der Ausgabe Kellers, die er einsehen durfte10, veröffentlichte Heinrich Kurz 1853 im ersten Band seiner ›Geschichte der deutschen Literatur‹ die Rosenplüt-Spiele F 16 (KF 78) und F 19 (KF 81) auf der Grundlage der Kellerschen Texte, normalisiert aber stärker, gibt die Versanfänge klein wieder und nimmt Eingriffe vor11.

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Keller: Fastnachtspiele (im Folgenden: KF). Greil/Przybilski: Fastnachtspiele. Dazu Ridder/Przybilski/Schuler: Neuedition, S. 240. Gottsched: Vorrath 2, S. 43–80; Tieck: Deutsches Theater 1, S. 3–16. Zur frühen Editions- und Forschungsgeschichte s. Habel: Stoff-Bestand, S. 123–127; Habel: Wiederentdeckung. Göz: Hans Sachs 3, S. 15–169. Pischon: Denkmäler 2, S. 173–178 (Hinweis aus Habel: Wiederentdeckung). Prutz: Vorlesungen, S. 41–43 (Hinweis aus Habel: Wiederentdeckung). Roth: Nachricht, S. 25–28, 32. Marggraff: Gedenkbuch, S. 30–32; Schletter: Fastnachtspiele, S. 31–41. Kurz: Geschichte 1, S. 710 (Anm.). Ebd., S. 732–737. Dass Kellers Ausgabe erst nach Kurz’ Abdruck erschien, lässt sich entsprechenden Vermerken bei Keller entnehmen (KF, S. 1517 zu F 16 [KF 78]; S. 1518 zu F 19 [KF 81]).


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Einleitung

1854 gab Karl Goedeke die Spiele F 11 (KF 73), F 29 (KF 89) und F 34 (KF 92) nach der Wolfenbütteler Handschrift K (Cod. Guelf. 76.3. Aug. 2°) heraus12, die Keller nach dem Münchner Codex Cgm 714 (M) ediert hatte. 1874 veröffentlichte dann Franz Schnorr von Carolsfeld ›Vier ungedruckte Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts‹ aus der Dresdner Handschrift E (Mscr.Dresd.M.183)13, die ebenfalls in der vorliegenden Ausgabe der Rosenplütschen Fastnachtspiele neu ediert und kommentiert werden (F 77–F 80 [SvC 2, 3, 4, 1]). Nach der Kellerschen Ausgabe druckte schließlich Richard Froning 1891 in seiner Sammlung mittelalterlicher Schauspiele die Stücke F 10 (KF 72), F 16 (KF 78) und F 47 (KF 39) ab, ändert allerdings gelegentlich die Interpunktion oder den Editionstext und erläutert einzelne Wörter.14 Keller hatte 132 Spiele aufgenommen, von denen 107 im 15. Jahrhundert in Nürnberg entstanden sind und Hans Rosenplüt oder Hans Folz zugeschrieben werden bzw. aus deren Umkreis stammen. Ihm lag insbesondere daran, die Fastnachtspieltradition des 15. Jahrhunderts in einer Ausgabe verfügbar zu machen. Die (neuere) Forschung monierte vor allem die textkritischen Unzulänglichkeiten dieser Edition.15 In der Anlage der Sammlung verfährt Keller jedoch überlieferungsnah: Zunächst werden die Spieltexte der Wolfenbütteler Handschrift G mit der größten Anzahl von Nürnberger Fastnachtspielen (Cod. Guelf. 18.12. Aug. 4°, um 1480/1494) in der Reihenfolge des Codex abgedruckt, dann folgen die Spieltexte der Münchner Handschrift M (Cgm 714, 1452–1458)16 und so fort, bis schließlich die Reihe an die unikal überlieferten Spiele kommt. Bei den im Anschluss an Keller publizierten Ausgaben handelt es sich durchweg um Auswahleditionen: 1973 erscheint die vor allem für den akademischen Unterricht konzipierte Anthologie von vor- und nachreformatorischen Nürnberger Fastnachtspielen von Dieter Wuttke (F 11 [KF 73], F 24 [KF 85], F 39 [KF 96], F 51 [KF 46], F 65 [KF 24], F 71 [KF 30]), 1996 die breiter angelegte, auch andere Spieltypen berücksichtigende Sammlung von Hellmut Thomke (F 39 [KF 96], F 44 [KF 100]) und 1998 die Auswahl von Nürnberger Fastnachtspielen von Klaus Ridder und Hans-Hugo Steinhoff, die sich als Ergänzung der Wuttkeschen versteht und die dort ausgesparten obszönen und skatologischen Stücke, »die der Gattung ihren notorisch

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Goedeke: Deutsche Dichtung, S. 977–980. Schnorr von Carolsfeld: Vier ungedruckte Fastnachtspiele. Froning: Drama 3, S. 963–981. Dazu Ridder/Przybilski/Schuler: Neuedition, S. 239–242. Keller hat seine Edition der in Cgm 714 (M) befindlichen Spiele auf Grundlage einer in der Tübinger Universitätsbibliothek aufbewahrten Abschrift erstellt (Md 364, s. Abb. 1). Sie wurde, so das Vorsatzblatt, vom Münchner Germanisten Konrad Hofmann 1849/1850 – auf Kellers »veranlassung für die Tübinger bibliothek« (Keller: Verzeichnis, S. 86) – angefertigt, zusammen mit Teilabschriften dreier weiterer Münchner Codices (Cgm 439, Cgm 466, Cgm 713); in den ‘Anmerkungen’ zu seiner Sammlung (Tl. 3) findet sich der Verweis auf die Benützung der »copieen von Konrad Hofmann« (vgl. KF, S. 1083). Hofmanns Abschrift bietet auf Bl. 186r–340v die Spiele F 2–F 50 mit Ausnahme der vier Stücke F 28 (KF 49), F 30 (KF 42), F 39 (KF 96) und F 47 (KF 39), für die auf Bl. 341r–355r die Lesarten aus M im Abgleich mit Gottscheds Abdruck nach Handschrift D gegeben sind. Zwar enthält Md 364 keine Arbeitseinträge von Kellers Hand, jedoch stellte er die aus der Vorlage übernommenen Verlesungen in den Anmerkungen zu den Einzelstellen (Tl. 3) richtig, nachdem Hofmann den publizierten Abdruck an der Handschrift kollationiert hatte (vgl. KF, S. 1382). Weil Hofmann das Spiel F 1 (KF 116) – ein Nachtrag, auf den einige leere Blätter folgen, bevor der Fastnachtspielteil des M-Schreibers beginnt – übersah, konnte Keller »erst nach wiederholten bemühungen zu einer copie davon gelangen« und musste es als Nr. 116 der Sammlung herausgeben (vgl. KF, S. 1380).


I. Rosenplütsche Fastnachtspiele

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Abb. 1: Tübingen, Universitätsbibliothek, Md 364, Bl. 186r (Beginn der Abschrift von F 2 aus Cgm 714 durch Konrad Hofmann, 1849/1850; Vorlage für die Keller-Ausgabe)


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Einleitung

schlechten Ruf eingetragen haben«17, bieten will (F 25 [KF 86], F 27 [KF 88], F 37 [KF 94], F 41 [KF 40], F 48 [KF 45], F 54 [KF 19], F 75 [KF 45]).18

2. Forschungsgeschichte Thomas Habel bezeichnet Gottscheds Charakterisierung der elf Fastnachtspiele in der Dresdner Handschrift (D) als »Beginn der eigentlichen Fastnachtspiel-Forschung«, da sie eine »anschauliche Vorstellung von der Tradition des frühen Nürnberger Fastnachtspiels«19 vermittele. Bis ins 20. Jahrhundert aufgegriffen und immer wieder zitiert wurde jedoch das kurz nach Erscheinen der Kellerschen Ausgabe von Karl Goedeke (1859) formulierte negative Pauschalurteil über die Fastnachtspiele.20 Jacob Grimm hatte eine solche ablehnende Reaktion vorausgesehen, teilt sie jedoch keinesfalls: In einem Brief vom 28.11.1851 an Keller schreibt er, bezugnehmend auf die von ihm ausgewerteten Druckfahnen von dessen Ausgabe: die fastnachtspiele ziehen mich an und Sie werden sehn, dass ich auch fürs deutsche wörterbuch, in das ich jetzt versenkt bin, gewinn daraus schöpfe. es ist eine sehr geeignete bekanntmachung und gerade für unsern verein [i.e. Literarischer Verein in Stuttgart]. die dummen leute werden über die roheit und den schmutz schreien, aber diese muss man auch kennen lernen, wo sie sich so frisch und lebendig äussern. eine geschichte des deutschen schauspiels lässt sich erst nach diesen fastnachtsp. schreiben, ganz anders als nach den langweiligen mysterien; zumal sind die eingänge und schlüsse beachtungswerth. HSachs und Ayrer sind erst nach ihren vorgängern, denen sie oft an raschheit und kraft nachstehn, zu beurtheiln.21

Auch die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erscheinenden Untersuchungen des Textcorpus zeigen sich von Goedekes Negativurteil nur wenig beeindruckt.22 Leonard Lier versucht anhand von Datierungen in den Handschriften sowie von Beobachtungen zu Form und Inhalt die Entwicklung der frühen Nürnberger Spieltradition nachzuzeichnen, muss jedoch aufgrund der Forschungslage vor der Autorfrage kapitulieren: »Es hieße ein Gebäude auf einem Sumpfe erbauen, wollte man der Erörterung der Frage nach Rosenpluts Eigentum auf Grund der von Keller gemachten Angaben näher treten« (S. 24). Auch Viktor Michels sieht durch die Ausgabe Kellers das Wissen um die Fastnachtspiele deutlich vermehrt, es fehle jedoch an »Übersicht« (S. 1). Mittels differenzierter überlieferungsgeschichtlicher, dialektgeographischer und stilkritischer Analysen der Texte grenzt er Spieltraditionen (Sterzing, Schwaben/Schweiz, Nürnberg), AutorCorpora (Rosenplüt, Folz, Nachahmer) und Spiel-Gruppen im Rosenplüt-Corpus (politische Themen; »Kleine Handlungen«; Gerichtsszenen; Revuen; weitere Stücke) voneinander ab.

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Wuttke: Fastnachtspiele; Thomke: Deutsche Spiele, S. 13–29 (Texte), S. 909–930 (Kommentare); Ridder/Steinhoff: Nürnberger Fastnachtspiele, S. 7 (Vorwort, Zitat). Einzelne Spiele aus dem Rosenplüt-Corpus finden sich, teils als Wiederabdruck aus Keller, teils neu ediert, bei: Christ-Kutter: Schweizerspiele, S. 30–61 (F 6 [KF 68]); Heger: Spätmittelalter 1, S. 478–487 (F 47 [KF 39]); Koch: Mittelalter 2, S. 257–278 (F 6 [KF 68], Auszug), S. 289–295 (F 44 [KF 100]); Kully: Codex, S. 107–112 (F 16 [KF 78]); Morgenstern-Werner: Weimarer Liederhandschrift, T.248–T.264 (F 41 [KF 40], F 54 [KF 19]); Wright: Salting Down, S. 19–24 (F 14 [KF 76], F 15 [KF 77], F 33 [KF 91]). Habel: Stoff-Bestand, S. 124 (Zitat); Habel: Wiederentdeckung. Goedeke: Grundrisz 1, S. 95. Strauch: Briefe, S. 102. – Bei Keller stößt man auf folgenden Hinweis: »Welche ergibige sprachquelle aus den fastnachtspielen abfließt, zeigt schon das deutsche wörterbuch fast auf jedem blatte: dort und in einigen akademischen abhandlungen hat J. Grimm das buch nach den aushängebogen vielfach angeführt und so habe ich die freude die sammlung noch vor ihrem erscheinen so einsichtig und eingehend benützt und beleuchtet zu sehen« (KF, S. 1325f.). Lier: Studien; Michels: Studien; Kaiser: Fastnachtspiele 1.


I. Rosenplütsche Fastnachtspiele

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In den späten 50er und den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstehen monographische Studien zu den Nürnberger Fastnachtspielen, die sich von volkskundlichen Ansätzen der Fastnachtspielforschung23 durch eine dezidiert literatur- und theaterwissenschaftliche Ausrichtung absetzen. Insbesondere die Arbeiten von Eckehard Catholy sind hier zu nennen, der die Fastnachtspiele als eine literarisch-theatrale Gattung versteht, in der vom 15. Jahrhundert an zunehmend die Tendenz zur »Herausbildung einer selbständigen Kunstwirklichkeit«24 zu erkennen sei. Der kompilatorische Charakter der Spieltexte relativiere das Bemühen um Autorzuordnung, Datierung und historische Kontextualisierung der Stücke. Formtypologisch und entwicklungsgeschichtlich lasse sich demgegenüber der von Rosenplüt bevorzugte Typus des Reihenspiels von dem des späteren Handlungsspiels unterscheiden. Als Interferenzerscheinung sei das beispielsweise in vielen Gerichtsspielen erkennbare »Bestreben, den jeweiligen Vorgang ohne eigentlichen Abschluß zu lassen«25, zu bewerten. Die immanente Formanalyse erscheint ihm als adäquate Methode, um die Besonderheit und den »Eigenwert« (S. 329) der Gattung aufzuschließen. Werner Lenk (1966) charakterisiert dann die Nürnberger Fastnachtspiele ebenfalls als »literarisch-theatralisch-künstlerisches Phänomen«26, bezieht in seine Untersuchungen jedoch sehr viel stärker die Kontexte ihrer Aufführung, ihre literarischen Quellentraditionen, ihre gesellschaftlichen Bezüge und die Profile ihrer Autoren ein. Gerd Simon schreibt in seiner 1970 erschienenen Monographie, er habe – aufgrund des Forschungsstandes – »wieder ganz von vorn« anfangen müssen, »nämlich mit den Handschriften, der Textkritik und einigen Vorfragen«.27 Ausgehend von detaillierten Bestandsaufnahmen der handschriftlichen Bezeugung weist er auf der Grundlage von überlieferungs-, form- und textanalytischen Beobachtungen mittels Verfahren der quantitativen Linguistik eine Gruppe von 55 Spieltexten der frühen Rosenplüt-Tradition zu. Von den Stücken der späteren Folz-Tradition28 ließen sich diese Werke deutlich abheben. Bei den Spielen in der Dresdner Handschrift E handele es sich um eine besondere Ausformung der späten Tradition; 29 Stücke kann er keiner der beiden Hauptlinien zuweisen (vgl. S. 85f.). Die erste monographische Untersuchung, die sich ausschließlich den performativ-szenischen, körpersprachlichen, literarisch-ästhetischen und sprachlich-metaphorischen Mitteln der Komik – häufig mit Blick auf die Freudschen Kategorien – in den Spielen widmet, stammt von Johannes Merkel (1971).29 Die Fastnachtspiele sind für ihn nicht »Schöpfungen einzelner Dichterpersönlichkeiten«, sondern »literarische Kommunikation einer geschlossenen sozialen Gruppe [= Hand23

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Vor allem von den Arbeiten von Stumpfl: Ursprung; Stumpfl: Kultspiele. – Von Stumpfls tendenziösen Thesen grenzt sich die neuere kulturwissenschaftliche Forschung zum Fest- und Brauchkomplex der Fastnacht (Moser: Städtische Fastnacht; Moser: Fastnacht; Mezger: Narrenidee; Schindler: Widerspenstige Leute; Grabmayer: Königreich), deren Ergebnisse wichtige Grundlage für die kontext- und theatergeschichtliche Analyse der Fastnachtspiele sind, deutlich ab. Catholy: Fastnachtspiel, S. 8; vgl. vor allem Catholy: Fastnachtspiel des Spätmittelalters. Eine literarästhetische Perspektive verfolgte bereits die Dissertation von Sachs: »Eine echte Würdigung des Fastnachtspiels kann nur aus seiner grundlegenden Eigenschaft als Drama, als literarischer Kunstform erfolgen« (Sachs: Fastnachtspiele, S. 2). Catholy: Fastnachtspiel des Spätmittelalters, S. 198. Lenk: Fastnachtspiel, S. 5. Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 11. Die Differenzierung zwischen früher und später Nürnberger Fastnachtspieltradition bezieht sich bei Gerd Simon auf die vorreformatorische Zeit (Rosenplüt- vs. Folz-Corpus). Demgegenüber findet sich in der Forschung auch die Unterscheidung zwischen der frühen Nürnberger Fastnachtspieltradition des 15. Jh. (Rosenplüt- und Folz-Corpus) und der späten Nürnberger Fastnachtspieltradition des 16. Jh. (Hans Sachs, Peter Probst und Jakob Ayrer). Merkel: Form.


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Einleitung

werksgesellen]« (S. 82). Komische Wirkungen resultierten überwiegend aus Normverletzungen, aus der »Durchbrechung der dem einzelnen im sozialen Verband auferlegten Triebeinschränkungen« (S. 272). Da ihr fiktiver Charakter erkennbar sei, werde die geltende moralische Ordnung nicht bedroht, sondern letztlich sogar gestärkt.30 Merkel spart die ins Zotige gewendeten Formen der Komik in seiner Arbeit keinesfalls aus. Die Analyse der Rahmenteile, der einschlägigen Passagen und der Rezeption der Stücke führt Rüdiger Krohn in seiner drei Jahre später erschienenen Dissertation31 jedoch zu einer anderen Sicht. Er deutet die derb-obszönen und skatologischen Elemente »als aggressives, oft nur notdürftig kaschiertes Niederreißen gesellschaftlicher (und nicht nur sexueller) Tabus« – allerdings in der Ausnahmezeit der Fastnacht, in der ein solcher »Ausbruch aus Zwängen aller Art geradezu erwartet wurde« (S. 62). Die sprachliche Form der Obszönität, die große Anzahl von sexuellen Metaphern in den Nürnberger Fastnachtspielen steht dann im Blickpunkt der Dissertation von Johannes Müller (1988), der jedoch zu bedenken gibt, dass die betreffenden Wörter vielleicht für den Nürnberger Rat, nicht jedoch für die Fastnachtspiel-Zuschauer anstößig gewesen sein mögen.32 Einen konsequent kontextgeschichtlichen Ansatz verfolgt die Arbeit von Hagen Bastian (1983):33 Ein erster historischer Teil widmet sich den ökonomischen und sozialen Wandlungsprozessen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die Mentalität und Handeln der handwerklich geprägten Stadtbevölkerung bestimmten. Bastian interessiert vor allem das Nebeneinander unterschiedlicher Wertvorstellungen und Denksysteme in der städtischen Mittelschicht: Ausrichtung an einer rationalen Arbeits- und Zeitökonomie versus Festhalten an einer exzessiv-verschwenderischen Festkultur. Die sich anschließenden Spielanalysen stellen nicht die Korrespondenzen von Alltags- und Spielrealität in den Mittelpunkt, sondern fragen nach dem, »was die genuin historischen Quellen verschweigen oder nicht sagen können, was sich allenfalls im Spiel, im Rausch, in der Entgrenzung offenbart« (S. 9f.). Er unterscheidet wie Gerd Simon innerhalb der Nürnberger Tradition des 15. Jahrhunderts zwischen einer frühen und einer späten Tradition und beobachtet, dass in dieser das »insubordinative Moment [...] ausgetilgt und eliminiert« werde und das Fastnachtspiel zunehmend der Erziehung und Belehrung diene (S. 98). Die Auswahl der interpretierten Stücke des Rosenplüt- und des Folz-Corpus orientiert sich an thematischen Leitlinien (Fest und Disziplinierung, Bauern- und Büßermaskeraden, Sexual- und Gewaltphantasien u. a.), sodass motivzentrierte, kontextgeschichtliche und ästhetisch-performative Blickrichtungen zusammenspielen. Methodisch bedeutet es daher einen Rückschritt, wenn Edelgard E. DuBruck (1993) die Fastnachtspiele als ‘Spiegel’, als historische Quelle für Lebensverhältnisse, Wertsetzungen und Denkweisen der städtischen Mittel- und Unterschicht liest.34 Einen Figurentyp, die Darstellung der Frau in Fastnachtspiel und Spruchdichtung von Rosenplüt und Folz, stellt Elisabeth Keller (1992) ins Zentrum ihrer Doktorarbeit35. Sie analysiert in den Rosenplütschen Fastnachtspielen die Darstellung einer ‘Prüfung’ der Ehetauglichkeit, des Aufbrechens ehelicher Ordnung von/durch Frauen, gerichtlicher Auseinandersetzungen über 30

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Weitere Arbeiten zu Lachen und Komik im Fastnachtspiel: Knühl: Komik; Schoell: Humor; Ridder: Lachen; Coxon: Lachen; Velten: Scurrilitas, S. 303–316; Grafetstätter: Inszenierung. Krohn: Bürger. Müller: Schwert, S. 23. Der Studie von Müller voraus gehen die Untersuchungen von Filzeck: Bildungen; Kratz: Erotik. Weitere Arbeiten zur sexualisierten Sprache und Metaphorik der Fastnachtspiele: Erb: Metaphors; Obenaus: Körper-Sprache; Klimczak: Bildlichkeit. Bastian: Mummenschanz. DuBruck: Aspects, S. ixf.; DuBruck: Comedies, S. 153; vgl. auch Brett-Evans: Von Hrotsvit bis Folz 2, S. 163. Keller: Darstellung.


I. Rosenplütsche Fastnachtspiele

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männliches Fehlverhalten (Verleumdung, Schwängerung, Ehebruch) sowie das listbasierte weibliche Dominieren über begierige Männer. Keller konstatiert einerseits, »daß in den RosenplütSpielen antifeministische und abwertende Haltungen überwiegen« (S. 108), dass jedoch andererseits die negativen Frauenbilder »bewußt gegen die systemstabilisierenden Leitbilder der Moral und Vernunft« entworfen und »ein Mittel der unterschwelligen Auflehnung gegen die Obrigkeit« seien. Durch die zu geltenden moralischen und rechtlichen Normen querstehenden Frauendarstellungen verleihe Rosenplüt einem »Aufbegehren gegen das soziale System« (S. 233) Ausdruck. Die spezifische Form von Performanz im Nürnberger Fastnachtspiel (Rosenplüt, Folz, Sachs) und die Möglichkeiten ihrer Rekonstruktion sind Gegenstand der Arbeit von James A. Erb (1996). Konstitutives Element der performativen Dynamik des frühen Fastnachtspiels sei eine »verbal masquerade«36: Ein- und Ausschreierreden stilisierten die Nürnberger Darsteller als umherziehende ‘Schauspieler’, männliche Spieler in Männer- und Frauenrollen imaginierten ambivalent-phantastische Körper, und das Publikum sei permanent herausgefordert, die kreative Metaphorik dramatisch-obszöner Rede zu dekodieren und zu referentialisieren. Konturen eines Fastnachtspieltypus, des Arztspiels, beschreibt Johannes Streif (1999) in seiner Dissertation.37 Unter den Nürnberger und den Sterzinger Spielen identifiziert er 13 vorreformatorische Arztspiele, darunter fünf Stücke des Rosenplüt-Corpus. Die Abgrenzung des Spieltypus erfolgt über thematische und strukturelle Gesichtspunkte: Auftreten und Praxis eines Arztes sei ein allen Texten gemeinsamer Gegenstand; zudem zeige die Mikrostruktur der Arztspiele Elementarhandlungen, die sich der Kategorie ‘Konflikt’ zuordnen ließen (S. 273). Streif unterscheidet im Rosenplüt-Corpus die ›Heilungsspiele‹ F 22 (KF 48), F 20 (KF 82) und F 24 (K 85) von den ›Salbenpreisspielen‹ F 42 (K 98) und F 45 (K 101): Erstere variierten das konfliktive Missverhältnis von Arztpreis und Diagnose- bzw. Heilkompetenz; bei der Mikrostruktur von letzteren handele es sich um einen »Sonderfall. Sie kann im konventionellen Sinne des Wortes nicht als ›Handlung‹ bezeichnet werden, denn sie stellt keine diachrone Abfolge von Handlungssequenzen vor, sondern eine beliebig häufige Wiederholung von Gegenstandsbeschreibungen« (S. 272). Letztlich, so hebt Streif hervor, strebten die Arztspiele nicht die Bloßstellung ihrer Gegenstände an, sondern die Inszenierung der »Polyvalenz aller Inhalte in der Fastnachtswelt« (S. 302). 2003 veröffentlicht Eckehard Simon seine Geschichte des weltlichen vorreformatorischen deutschen Schauspiels auf der Grundlage von Spieltexten, vor allem aber von Aufführungsbelegen und Zeugnissen von Spielaktivitäten.38 Die 521 Spielbelege aus 59 Städten umfassende Dokumentation (S. 365–456) vermittelt ein eindrucksvolles Bild von der Breite und Vielfalt der weltlichen Spieltradition bis etwa 1530. Selbst für das vergleichsweise gut untersuchte Spielzentrum Nürnberg kann Simon neue Zeugnisse vorwiegend aus den Ratsverlässen anführen, die er mit der lokalen Fastnachtstradition (Gesellenstechen, Schauläufe und -tänze) und den überlieferten Spieltexten in Verbindung bringt (S. 291–348). Wichtige Erkenntnisse der Untersuchung sind folgende: »Das Nürnberger Repertorium war umfangreicher als die Summe der erhaltenen Spiele und Belege« (S. 347); an den Aufführungen waren Angehörige unterschiedlicher Schichten beteiligt (keinesfalls nur Handwerksgesellen); das »fastnächtliche Einkehrspiel ist durch Rosenplüt literarisch geworden« (S. 348); im Blick auf die Aufführungsmodalitäten lassen sich fastnächtliche Einkehr-, Rathaus- bzw. Saalspiele, Markt-, Umzugs- und Wagenspiele unterscheiden (S. 353–362). 36 37 38

Erb: Performing, S. 176. Streif: Arztspiel. Simon, E.: Anfänge.


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Einleitung

Beatrice von Lüpke (2017) versteht die vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele als Theater in der Stadt, das Deutungsmuster und Sinnschemata für soziales Verhalten im Sinne symbolischer Ordnungen auf der Fastnachtsbühne verhandelt, das aber auch selbst durch die Präsenz der wiederkehrenden Aufführungen im Zusammenhang der städtischen Festkultur ein wichtiger Teil sozialer Ordnung ist.39 In diesem doppelten Sinne wird der Ordnungsbegriff gebraucht: Zum einen fragt die Verfasserin nach der sozialen Einbindung der Aufführungen und der dargestellten Themen in den städtischen Kontext, zum anderen setzt sie die Spieltexte in Beziehung zu städtischen Ordnungsdiskursen (Recht, Religion, Politik, Ökonomie, Stand, Geschlechterrollen, Ehe). Die systematische Berücksichtigung des historischen Kontextes, insbesondere des Ordnungsschrifttums, führt in vielen Fällen zu einem vertieften Verständnis der Spieltexte oder einzelner Partien in ihnen. Auch solche Stücke, die bisher überwiegend auf Fastnachtsbräuche oder literarische Tradition zurückbezogen wurden, erweisen sich so als Inszenierungen von innerstädtischen Konflikten. Die zum Teil drastischen Formen literarisierter Gewalt in den vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspielen kommen in zahlreichen Untersuchungen zur Sprache; eine systematische textanalytisch und kontextgeschichtlich argumentierende Studie hat dazu Alexandra Weis-Diel (2018) vorgelegt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den aggressiven antijüdischen Gewaltstrategien der Spiele des Hans Folz. In den Rosenplüt-Spielen konstatiert die Verfasserin eine große Häufung von aus Ehrverletzungen erwachsendem gewaltsamen Handeln. Diese Konzentration ziele auf die »Sichtbarmachung der Kausalität zwischen solchen Gewaltformen und weiterführender Gewalt«40. Die auf der Bühne aufgeführte körperliche Auseinandersetzung spiele demgegenüber nur in wenigen Stücken eine Rolle, ja es lasse sich sogar eine »Tendenz zur sprachlichen Tabuisierung gegenwärtiger physischer Gewalt« erkennen. Die Inszenierungen vermittelten – »zum Zweck der didaktischen Gewaltprävention« (S. 506) – Einsichten in Funktionsweisen des Phänomens. Eine wenn auch nur knappe Bestandsaufnahme der Forschungsliteratur zum Rosenplüt-Corpus kann schließlich nicht darauf verzichten, auf Aufsätze hinzuweisen, die in bestimmten Themenfeldern, welche in den erwähnten Monographien durchaus auch zur Sprache kommen, wichtige Akzente in der Fastnachtspielforschung gesetzt haben. Dies betrifft zum einen Selbstverständnis und Metareflexion der Spiele41, die aufgegriffenen Stoff- und Motivtraditionen42, das spielkonstituierende Prinzip der Verkehrung43, die in Szene gesetzten Figurentypen44 und behandelten Themenfelder45, die Aufführung46, Überlieferung47 und Rezeption48 der Spiele sowie das 39 40 41

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von Lüpke: Fastnachtspiele. Zur Thematik auch Ridder: Fastnachtstheater. Weis-Diel: Gewaltstrategien, S. 505. Quast: Zwischenwelten; Ortmann/Ragotzky: Itlicher zeit; Mertens: Fastnachtspiel; Barton: Selbstverständnis. Sowinski: Stofftradition; Habel: Stoff-Bestand. Ragotzky: Bauer; Pastré: Anschauung; Ridder: Fastnachtstheater; Mollet Russius: Umkehrung. BAUERN: Tailby: Peasants; Ragotzky: Bauer. – NARREN: Velten: Lappen. – FRAUEN: Blank: Ehelehren; Scheel: Frauen; von Bloh: Macht. – GELEHRTE, ÄRZTE: Hammer: Doctor; Walsh: Quacks; Ridder: Der Gelehrte; Nöcker: Juristen; Wolf: Inszenierung; Classen: Figur. – PERSONIFIKATIONEN: Glier: Personifikationen; Huschenbett: Frau. WIRKLICHKEITSWAHRNEHMUNG: Linke: Aspekte. – SEXUALITÄT, EHE, EMOTIONEN: Blank: Ehelehren; Bachorski: Ordnung; Ragotzky: pulschaft; Pastré: Typologie; Scheel: Frauen. – DIÄTETIK, SKATOLOGIE: Gerhardt: Diätetik. – FEST, FEIER, TANZ: Holtorf: Tanz; Ridder: Fastnachtstheater. – POLITIK: Stuplich: Das ist dem adel; Nowakowski: Stadtpolitik. – ÖKONOMIE: Holtorf: Markttag; Schausten: ‘Kuhhandel’. – RECHT: ten Venne: Erfahrungen; Nöcker: Juristen; Nöcker: Überlegungen. – RELIGION: DuBruck: Fastnachtspiele; Habel: Prototyp; Ragotzky: Fastnacht; Simon, E.: Geistliche Fastnachtspiele; Ridder/Barton: Antichrist-Figur; von Lüpke: Erzählung. – TOD: Habel: Tod.


I. Rosenplütsche Fastnachtspiele

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Verhältnis von Fastnachtsritualen und Fastnachtspielen49, von bedrohter Ordnung und fastnächtlicher Inszenierung50, von (Rosenplütschen) Fastnachtspielen und typverwandten europäischen Spielformen (Farce, Purimspiel, Terenz-Komödie, Commedia dell’arte)51. Bestimmte Spiele des Rosenplüt-Corpus haben schließlich in besonderer Weise das Interesse der Forschung auf sich gezogen – etwa ›Des Türken Fastnachtspiel‹ (F 47 [KF 39])52, ›Des Entchrist Vasnacht‹ (F 6 [KF 68])53, ›Das Eggenziehen‹ (F 71 [KF 30])54 oder die Artus-Spiele (F 18 [KF 80], F 19 [KF 81])55. Teils hat man an diesen Stücken eine bestimmte Sicht auf das Gesamtcorpus exemplifiziert, teils die Besonderheit der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Themenfeld (Politik, Religion, Ritual, Literatur) charakterisiert. In den letzten Jahren hat das Interesse am Texttypus Fastnachtspiel und an den mit den Namen Rosenplüt und Folz verbundenen Traditionen deutlich zugenommen. Nicht zuletzt zeigt sich dies an einer wachsenden Zahl von entsprechenden Artikeln in Handbüchern56 und Darstellungen in Literatur- bzw. Theatergeschichten oder auch an der Einbeziehung des Spieltypus in Corpus und Methodik der digitalen Dramenanalyse.57 Mit der Trierer Ausgabe des Folz- und der Tübinger des Rosenplüt-Corpus verbindet sich die Hoffnung, dass sich dieser Trend auf sicherer Textgrundlage fortsetzt.

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Blosen/Pors: Rollenregister; Ehrstine: Aufführungsort; Janota: Performanz; Ridder/Nöcker/Schuler: Spiel; Nöcker: Rollen- und Regieangaben. Linke: Versuch; Habel: Zeugniswert. Habel: Brecht; Habel: Wiederentdeckung. Röcke: Text; Ragotzky: Hausmaid; Moser: Fastnachtsbrauch; Röcke: Prozession und Spiel; Röcke: Prozessionen; Röcke: Rügebrauch; Wright: Salting Down. Die Spezifik einer sozialen, symbolischen und ästhetischen Interaktion von fastnächtlicher Theateraktivität und städtischer Ordnungspolitik hat zu der Frage geführt, ob es sich hier um eine bedrohte Ordnung handelt, in der die wiederkehrende Inszenierung einer verkehrten Welt sowohl konfliktabschwächend als auch konfliktgenerierend wirken konnte; vgl. Ridder/von Lüpke/Nöcker: Festival; von Lüpke/Nöcker/Ridder: Ordnungskonflikte; von Lüpke: Theater; von Lüpke: Shrovetide Plays; Ridder: Latenz; Ridder: Repräsentation. Phillips/Gretsky: Purimshpil; Siller: Fastnachtspiel; Schoell: Humor; Bastert: Wissenschaft; Wolf: Purimspiel. Stuplich: Das ist dem adel; Ackermann: Dimensionen; Soltani: Spiegelungen, S. 142–152 (mit zu großer, unausgewiesener Nähe zu Ackermann: Dimensionen); Ackermann: Sultansbrief. Habel: Prototyp; Ragotzky: Fastnacht; Przybilski: Das menschgewordene Böse; Ridder/Barton: AntichristFigur; Röcke: Risiken; Greco-Kaufmann: Anhänger. Röcke: Text; Ragotzky: Hausmaid. Moser: Brauchbindung; Walsh: Arthur Cocu; Tailby: Arthurian Elements; Grafetstätter: Held; Grafetstätter: Ludus compleatur, S. 61–126; Mierke: Artus cornutus. Bauer: Art. ‘Spiele’; Habel: Art. ‘Fastnachtspiel’; Müller: Art. ‘Fastnachtspiel’; Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’; Ragotzky: Art. ‘Fastnachtspiel’; Herweg: Art. ‘Fastnachtspiel’; Malm: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’. Brett-Evans: Von Hrotsvit bis Folz 2, S. 139–183; Kartschoke: Fastnachtspiel; Röcke: Gegenwelten; Williams-Krapp: Literatur, S. 94–114. – Viehhauser: Digitale Dramenanalyse.


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Einleitung

II. Textcorpus 1. Zuweisung zu Hans Rosenplüt Um das Corpus von Rosenplütschen Fastnachtspielen in der Nürnberger Tradition abzugrenzen, hat die Forschung überwiegend sprach- und stilanalytisch sowie überlieferungs- und kontextgeschichtlich argumentiert. Wichtigster Ansatzpunkt sind 13 erhaltene Überlieferungsträger. Auf der Grundlage von textkritisch-sprachstatistischen Untersuchungen weist Gerd Simon die Spiele F 35 (KF 16), F 54 (KF 19), F 47 (KF 39), F 41 (KF 40), F 32 (KF 41), F 30 (KF 42), F 48 (KF 45), F 51 (KF 46), F 4 (KF 47), F 22 (KF 48), F 28 (KF 49), F 2, F 3, F 5, F 6, F 7, F 8, F 9, F 10, F 12, F 13, F 14, F 15, F 16, F 17, F 18, F 19, F 20, F 21, F 23, F 24, F 25, F 26, F 27, F 29, F 31, F 33, F 34, F 36, F 37, F 38, F 39, F 40, F 42, F 43, F 44, F 45, F 46, F 49, F 50 (KF 65–KF 104), F 52 (KF 108), F 53 (KF 109) und F 1 (KF 116)58 »sicher« der frühen oder Rosenplüt-Tradition zu. »Zweifel«59 bleiben ihm bei F 23 (KF 84) und F 62 (KF 15)60. Spätestens seit Gliers Artikel im Verfasserlexikon gelten diese 55 Stücke als Kernbestand der Rosenplüt-Tradition: alle (50) Spiele der ältesten Fastnachtspiel-Handschrift M (1452–1458), zusätzlich vier, die nicht in M, aber in der nur wenig jüngeren Handschrift D (1460–1462) überliefert sind, ein Fastnachtspiel der Sammlung des Claus Spaun (F 62 [KF 15]: Hs. G, vor 1494; Hs. F). Dass Glier die insgesamt elf Spiele der Handschrift D zur »früheste[n] Nürnberger Fastnachtspiel-Tradition« zählt, ergibt sich aus dem Überlieferungsbefund; dass sie auch F 62 (KF 15) der frühen Tradition »bis ca. 1460«61 zurechnet, erklärt sich vermutlich aus der Parallelbezeugung in Handschrift F (1471–1473). Sie orientiert sich dabei an Gerd Simons Übersicht (S. 88f.), in der er das Spiel Rosenplüt trotz zuvor geäußerter Bedenken (S. 78 Anm. 48) zuweist. In der Handschrift M trägt der Schreiber nachträglich über dem Titelregister die Wörter Vasnacht Spil (Bl. IIIr) Schnepers (Bl. IIIv), also den Namen Hans Rosenplüts, ein (s. CoverAbb.). Glier hat die Deutungsmöglichkeiten dieses Eintrags prägnant resümiert: Die Zuschreibung »könnte auf einem Irrtum beruhen, was aber wenig wahrscheinlich ist, da die Hs. noch zu Lebzeiten Rosenplüts in Nürnberg entstand. Sie könnte ein Hinweis darauf sein, daß Rosenplüt der bekannteste Fastnachtspiel-Autor seiner Zeit war. Die Überschrift könnte ferner bedeuten, daß Rosenplüt alle diese Fastnachtspiele (höchstwahrscheinlich) selbst verfaßt [.. .] oder aber daß er sie – eigene, fremde, von ihm bearbeitete – gesammelt hat [...]. Kein ›R. F.‹ dieser Hs. trägt einen Autornamen« (Sp. 216f.). In drei weiteren Handschriften des in M überlieferten Spiels ›Das Fest des Königs von England‹ (F 44 [KF 100]) findet sich im Schlussvers eine Autorsignatur: Schreibt maister hanns rosenpluet an der letz (Hs. F); Spricht hanns rosenpluet an der letz (Hss. H, P). F 44 ist das einzige Fastnachtspiel in den frühen Handschriften, das mit einem Verfassernamen überliefert ist. Die Deutung auch dieser Signatur gibt allerdings Probleme auf: Im Spieltext fungiert sie als Verfasserangabe unter einer Urkunde (vgl. den allg. Komm. zu F 44); Gerd Simon betrachtet die Formulierung in der Handschrift F als »ursprünglich[]«; für Reichel deutet das Wort maister

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Bei dem Spiel F 1 (KF 116) handelt es sich um einen Nachtrag in der Handschrift M; ein Eintrag in das Register der Handschrift erfolgte nicht, also auch keine Zuweisung an den Autor Schneper; s. dazu »Textkritik« im allg. Komm. zu F 1. Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 85. Vgl. auch ebd., S. 78 Anm. 48. Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’, Sp. 211.


II. Textcorpus

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indes auf einen späteren Schreiberzusatz.62 Gerade weil der Autorname in keinem anderen Spiel erscheint, »verdient diese Nennung Vertrauen«63. Man wird also insgesamt zurückhaltend sein müssen mit Autorzuweisungen. Doch wenn zusätzlich zu F 44 weitere Spiele von Rosenplüt stammen, dann sind sie vermutlich Teil des Textbestandes der frühen Handschriften M und D – in der Edition die Stücke F 1–F 54. Für eine weitergehende Identifizierung von Autortexten fehlen operationalisierbare Kriterien.

2. Der Autor Hans Rosenplüt Auch wenn zum Verhältnis der autornahen Handschriften M und D zu Hans Rosenplüt zahlreiche Fragen offen bleiben, herrscht doch Konsens, dass der Autor die früheren Nürnberger Fastnachtspiele nicht nur »entscheidend geprägt« hat, sondern dass sie »vermutlich durch ihn, sicher aber unter seinem Namen überhaupt erst literarisch geworden«64 sind. Hans Rosenplüt ist vermutlich um 1400 im Nürnberger Umland geboren und kommt bereits als ausgebildeter Geselle in die Stadt. 1426 wird er im Handwerk der Harnischmacher (sarwürcht) als Neubürger aufgenommen, und 1427 erwirbt er das Meisterrecht. In den 1440er Jahren wechselt er ins lukrativere Handwerk der Rotschmiede (Messinggießer). Seit 1444 bekleidet er dann das Amt des Büchsenmeisters, d. h., die Stadt beschäftigt ihn als Geschützfachmann. In dieser Position nimmt er 1449/1450 an den Schlachten gegen den Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach, Kurfürst von Brandenburg, teil. Im Sommer 1460 ist er vermutlich gestorben; am 04.06.1460 wird letztmalig sein Sold als Büchsenmeister ausbezahlt. Neben dem Namen Rosenplüt und an dessen Stelle erscheint in Nürnberger Archivalien und in Dichtungen der Name Schnepperer. Ab 1429 findet sich in Ratsdokumenten nur noch der Name Schnepperer, in den literarischen Werken jedoch weiterhin Rosenplüt, gelegentlich auch der Doppelname Hanns Rosenplüt der schnepperer.65 Dies hat an der Identität der beiden Namensträger zweifeln oder gar die Existenz zweier Autoren für das Werk annehmen lassen (Kiepe). Heute spricht »mehr dafür als dagegen, daß sich beide Namen auf dieselbe Person beziehen.«66 Rosenplüts literarische Werke lassen auf eine »bescheidene, aber solide Bildung«67 schließen. Wo er diese erworben hat, ist nicht zu eruieren. Während seiner Nürnberger Jahre hat er sich wohl kontinuierlich literarisch betätigt. Sein Œuvre umfasst Mären, politische Reden und geistliche Gedichte; vor allem aber tritt er als Autor von Reimpaargedichten, Priameln und Fastnachtspielen auf. Bekannt geworden ist er durch seine Lobgedichte auf die Städte Nürnberg und Bamberg; in besonderer Weise verbindet sich sein Name neben den Fastnachtspielen jedoch mit den Priameln.

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Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 57; Reichel: Spruchdichter, S. 100. Ridder/Steinhoff: Nürnberger Fastnachtspiele, S. 12 (Einleitung). Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’, Sp. 217. Zum Beispiel in ›Der fünfmal getötete Pfarrer‹, V. 306 (ed. Fischer: Märendichtung, S. 226; Hs. P). Vgl. Reichel: Spruchdichter, S. 59–103. Glier: Art. ‘Rosenplüt, Hans’, Sp. 196. Zu Rosenplüts Biographie s. Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 274–304; Reichel: Spruchdichter, S. 104–153, 262–265; Kirchhoff: Gedächtnis, S. 213–230; Simon, E.: Anfänge, S. 320–326; Griese: Rosenplüt (Biographie, Autorinszenierung, Überlieferung); Williams-Krapp: Literatur, S. 49–51 (Biographie), S. 51–66 (Werk). Glier: Art. ‘Rosenplüt, Hans’, Sp. 197.


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Einleitung

3. Aus dem Rosenplüt-Umfeld Das Rosenplüt-Corpus ist außerhalb von M und D um 21 Spiele zu erweitern, die in unterschiedlichen Faszikeln der Wolfenbütteler Handschrift G überliefert sind (F 55–F 76 [KF 3, KF 9–KF 15, KF 17, KF 18, KF 24–KF 31, KF 33, KF 34, KF 45, KF 52]). Gerd Simon konnte sie zwar nicht eindeutig zuweisen, vermutete aber, dass auch diese Stücke zur Rosenplüt-Tradition gehören. Für Glier zählen sie »wahrscheinlich« zur frühen Tradition.68 Diese Spiele sind daher ebenso Teil des Textcorpus dieser Ausgabe wie die vier Fastnachtspiele der Handschrift E (F 77–F 80 [SvC 2, 3, 4, 1]). Simon sieht letztere »einer besonderen Tradition zugehörig«, die er von der späten Nürnberger (Folz-)Tradition abhebt.69 Die Darbietungen dieser Stücke werden in der Handschrift auf die Jahre 1461 bis 1468 datiert; man hat sie also in zeitlicher Nähe zu und vermutlich auch zusammen mit Rosenplütschen Fastnachtspielen aufgeführt.70

III. Gruppierungskriterien Das Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts (Rosenplüt- und Folz-Corpus) ist einerseits durch Wiederholungen charakterisiert; sie manifestieren sich – auf struktureller, inhaltlicher und sprachlicher Ebene – in wiederkehrenden Bauformen, funktionalen Rollen (Einschreier, Ausschreier, Mittelpunktsfiguren), Figurentypen, Motiven, reformulierten Passagen sowie in den charakteristischen sexuell-obszönen Metaphern und formelhaften Wendungen.71 Andererseits weist das Corpus eine große Themenvielfalt auf: Die Spiele setzen sich mit so unterschiedlichen Komplexen auseinander wie sozio-kulturellen (Fest-)Formen (Tanz, Markt), literarischen Traditionen (Artus-, Neidhart-, Salomon-und-Markolf-, Troja-, Minne- und Schwank-Dichtung), zeitgeschichtlichen Ereignissen (Markgrafenkrieg, osmanische Expansion), Elementen der Rechtswirklichkeit (Prozess- und Strafpraxis) oder dem städtischen Alltag (Ehestreit, Krankheit). Auch die Bauformen einzelner Spiele changieren häufig zwischen den Formtypen ‘Reihen- oder Revuespiel’, der bloßen Aneinanderreihung von Einzelreden, und ‘Handlungsspiel’, der Interaktion von Figuren. Nur wenige Stücke tendieren ausschließlich zu einem dieser beiden Pole. Das legt eine detaillierte Auseinandersetzung mit den dramatischen Strukturen der einzelnen Spiele nahe.

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Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’, Sp. 213; Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 90. Ebd., S. 85. Bisher hat diese Einleitung auf die Rosenplütschen Fastnachtspiele mit den neuen Stück-Nummern der vorliegenden Ausgabe (F 1–F 80) und den eingeführten Keller- bzw. Schnorr-von-Carolsfeld-Nummern verwiesen, um die Ausführungen zur Forschungsgeschichte besser rezipierbar zu machen. Im Folgenden wird auf die parallele Angabe der älteren Spiel-Nummern verzichtet. Mittels der Konkordanzen (s. u. Kap. VII.3) sind alte und neue Stück-Nummern jedoch leicht zu korrelieren. Diese Wiederholungen und die Orientierung an bestimmten Mustern rechtfertigen es, die einzelnen Spiele nicht so sehr »als in sich geschlossene literarische Einheiten« zu betrachten, sondern vielmehr als »zugleich fixierte[n] Spieltext und frei verfügbare[n] Textfundus für andere Spiele«. Die Arbeit am Fastnachtspiel ist folglich als ein ‘Umgang mit Versatzstücken’ beschrieben worden (Habel: Stoff-Bestand, S. 146, Zitat ebd.).


III. Gruppierungskriterien

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Die Wiederaufnahme von sprachlichen, motivlichen und strukturellen Mustern auf der einen und die Vielfalt der aufgegriffenen Themen auf der anderen Seite erschweren die Gruppierung der Spiele. Im Laufe der Jahre entstandene Überblicksartikel zum Fastnachtspiel sind mit dieser Herausforderung umgegangen, indem sie die Einzeltexte den erwähnten Strukturtypen zuweisen72 und unter thematischen, stoffgeschichtlichen, figurenbezogenen oder wirkungsintentionalen (z. B. »ernsthafte Fastnachtspiele«73) Gesichtspunkten weiter ausdifferenzieren. Die Besonderheit eines bestimmten Spieltypus erschließt sich vielfach erst über eine Kombination von Ordnungskategorien (z. B. »Gerichtsspiel«74). Eine Zuweisung aller Fastnachtspiele zu genau einer Untergruppe über Kriterien, die auf derselben sachlogischen Ebene angesiedelt sind, existiert bisher nicht. Die Mehrzahl der vorliegenden Gruppierungen erhebt einen solchen Anspruch auch nicht.75 Ob eine solche Systematisierung angesichts der Themenvielfalt des Corpus letztendlich sinnvoll ist, muss offen bleiben.76 Doch weisen manche Spieltexte auf gleich mehreren Ebenen Parallelen auf, sodass ihre Abstraktion zu einer Untergruppe evident ist und sich in beinahe allen Gliederungsversuchen wiederfindet. Auch wenn sich die Spiele nicht ausnahmslos einer eingeführten Untergruppe zuordnen lassen und manche eine Mehrfachzuweisung rechtfertigen, braucht also nicht gänzlich auf eine Einteilung verzichtet zu werden.

1. Strukturen Weitgehend akzeptiert ist der ordnende Zugriff auf die Stücke über ihre Struktur, nämlich über die Unterscheidung zwischen Handlungs- und Reihenspielen (alternativ ‘Revuen’ oder ‘Revueform’77). Bereits Michels unterscheidet drei Typen von Revuen: Im ersten Fall treten Figuren auf, deren Monologe keinen Bezug aufeinander nehmen; im zweiten interagieren die Darsteller mit einer führenden Figur oder mit dem Wirt – die Ausrichtung der Rollen auf eine zentrale Figur wird auch mit dem Begriff der ‘Mittelpunktsrevue’ bezeichnet78; im dritten Fall sind ihre Reden miteinander verbunden, insofern sie auf die Worte des Vorhergehenden antworten79. Catholy 72 73

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Vgl. z. B. Williams-Krapp: Literatur, S. 100–104. Linke: Sakrament, S. 149; vgl. zudem Ragotzky: Art. ‘Fastnachtspiel’, S. 570. In diese Richtung weist auch der Überblick bei Glier, die unter der Überschrift »Stoffe und Themen« die Untergruppen »Sozialkritisches«, »Anti-Höfisches« und »Obszönes« ansetzt (Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’, Sp. 227–231). Glier unterscheidet unter der Überschrift »Formen« innerhalb der Rosenplütschen Fastnachtspiele zwischen dem »Reihenprinzip«, dem »Gericht« und dem »Episoden- und Handlungsprinzip« (ebd., Sp. 218– 224). Eine erschöpfende Typologisierung der Kellerschen Sammlung setzt sich aber Van Abbé zum Ziel (Van Abbé: Fastnachtspiel). Er bildet neun Großgruppen, von denen fünf wiederum in bis zu fünf Untergruppen aufgefächert sind: 1a) Ritualmotive, 1b) Teufel, 1c) Wettstreit um ein ‘Kleinod’, 1d) ‘Die bösen Frauen’, 1e) Ausschließlich oder fast ganz obszön, 2a) Die typische Revueform des Fastnachtspiels, 2b) Gegensätzliche Paare oder Antithesen, 3a) Narrenrevue, 3b) Andere Stücke, in denen Narren auftreten, 4a) Wettstreitende Prahler, 4b) Disputation, 4c) Zank, 4d) Ehezank, 5a) Gerichtsdrama, 5b) Ratsszenen, 6) Tänze, 7) Antike und biblische Legenden, 8) Stücke mit anschließender Schlägerei, 9) »Stücke, welche einfach aus dem Wunsch hergeleitet wurden, alte Kostüme zu gebrauchen« (S. 72). Dieser Versuch ist kritisiert worden, da er einer inneren Logik entbehre (vgl. Greco-Kaufmann: Vor rechten lütten, S. 99f.). Vgl. Habel: Stoff-Bestand, S. 145. Vgl. Michels: Studien, S. 202 (passim); Michael: Das deutsche Drama, S. 198; Brett-Evans: Von Hrotsvit bis Folz 2, S. 144. Zum Begriff vgl. Ridder/Steinhoff: Nürnberger Fastnachtspiele, S. 9 (Einleitung); den Begriff verwendet auch Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 81. Michels: Studien, S. 202.


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Einleitung

nimmt diese Differenzierungen des Reihenspiels auf.80 Wuttke wiederum teilt die Nürnberger Fastnachtspiele in »Reihen- oder Revuespiele, Handlungsspiele und Mischformen aus beidem«81 ein. Im Anschluss daran unterscheidet Habel zwischen dem Reihenspiel, dem verbundenen Reihenspiel, dem handlungsorientierten Reihenspiel und dem Handlungsspiel.82 Die Ausgabe greift die Forschungsergebnisse zur Systematisierung der frühen Nürnberger Fastnachtspiele in folgender Weise auf: Im allgemeinen Kommentar eines Stücks erfolgt eine Zuweisung des betreffenden Spieltextes zu einer der vier von Habel geprägten Strukturtypen – Reihenspiel, verbundenes Reihenspiel, handlungsorientiertes Reihenspiel und Handlungsspiel (Abschn. »Rollen, Struktur, Inhalt«). Darüber hinaus wird der Text ggf. einer oder mehreren Untergruppen zugeordnet. Beim ersten Stück einer Gruppe sind alle zugehörigen Spiele des Corpus aufgeführt (im Folgenden wird dann zurückverwiesen); ihre Charakteristika werden erläutert und einschlägige Forschungsarbeiten referiert (Abschn. »Textbezüge«).

2. Themen In der Zusammenschau inhaltlicher und struktureller Kriterien hat sich folgende Anordnung in der Forschung etabliert: Die größte Gruppe im Corpus bilden die NARRENREVUEN, zu denen die Spiele F 1, F 8, F 9, F 12, F 31, F 34, F 35, F 36, F 37, F 43, F 48, F 49, F 53, F 56, F 59, F 60, F 61, F 62, F 67, F 69, F 73, F 75, aus dem Folz-Corpus F 92, F 94, F 96, F 97, F 98 und – mit Einschränkungen – F 21, F 25, F 38 und F 58 gehören (zu den Untergruppen s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F1). Besondere Aufmerksamkeit gefunden haben die zahlreichen GERICHTSSPIELE: F 7, F 10, F 11, F 16, F 26, F 27, F 30, F 32, F 40, F 41, F 46, F 50, F 52, F 57, F 64, F 65, F 68, F 70, F 74, F 76 und F 78 sowie aus dem Folz-Corpus F 88, F 100, F 104 und F 110. Eine Gerichtsszene findet sich in den Stücken F 5 und – aus dem Folz-Corpus – F 103 (zu den Untergruppen s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 7). Mit dieser Gruppe überschneiden sich zum Teil die RATERFRAGUNGEN F 23, F 32, F 39, F 40 und F 66. Eine Beratungsszene ist auch in F 63 integriert (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 23). Unter der Kategorie ARZTSPIELE lassen sich F 20, F 22, F 24, F 42, F 45 und – aus dem FolzCorpus – F 85 zusammenschließen (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 20). Nicht in gleicher Weise eingeführt, wenn auch naheliegend, ist eine Abstraktion der folgenden Gruppen: Die Vorbereitungen einer HOCHZEIT, die Hochzeit selbst oder die mit ihr in Verbindung stehenden Konflikte sind Thema der Spiele F 2, F 3, F 50 und F 59 sowie aus dem Folz-Corpus F 86 und F 102 (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 2). Außergerichtliche EHESTREITIGKEITEN werden in den Spielen F 54, F 55 und F 72 sowie in den Folz-Spielen F 83, F 84 und F 101 ausgetragen (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 54). F 5 und F 29 lassen sich als TANZSPIELE (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 5) und schließlich F 14, F 15, F 33 und F 71 als RÜGESPIELE kennzeichnen (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 14). Die Überschneidungen innerhalb der folgenden Gruppen sind vorwiegend stoff- und in einem weiteren Sinne auch themenbezogen: Vor allem die Rezeption LITERARISCHER STOFFE in den Fastnachtspielen hat das Interesse der Forschung geweckt. So machen die Rosenplüt-Spiele F 18 80

81 82

Catholy: Fastnachtspiel des Spätmittelalters, S. 144–149. Eine Entwicklung von der eher einfacheren Form des Reihenspiels hin zum komplexeren Handlungsspiel, so seine These, ist dabei nicht auszumachen. Beide Formen existieren parallel, wenngleich sich im Rosenplüt-Corpus nur wenige Handlungsspiele finden; dazu Kartschoke: Fastnachtspiel, S. 122; Glier: Art. ‘Rosenplütsche Fastnachtspiele’, Sp. 219. Wuttke: Fastnachtspiele, S. 443. Habel: Stoff-Bestand, S. 148–150.


III. Gruppierungskriterien

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und F 19 Anleihen bei der Artus-Literatur. F 63 greift die u. a. in der Versnovellistik ausgeformte Aristoteles-und-Phyllis-Konstellation auf, und F 51 schließt an die Schwank-Tradition an; auch den Folz-Spielen F 87, F 90 und F 95 liegen Versnovellistik-Stoffe zugrunde; F 105 weist Bezüge zur Dietrichepik auf. F 77 und F 79 stehen in der breiten Tradition des Troja-Stoffes. Bei F 89, einem Stück aus dem Folz-Corpus, handelt es sich um ein Neidhart-Spiel. Eine Minnerede wird in F 49 zur Bühnenrede umgeschrieben. F 78 ist eine Inszenierung des Salomonischen Urteils, das auch in dem Salomon-und-Markolf-Spiel von Hans Folz (F 103) eine wichtige Rolle spielt. F 78 bringt einen BIBLISCHEN STOFF auf die Fastnachtsbühne, doch bleibt dies im Corpus das einzige Beispiel für eine solche Transformation. Das große Thema Religion, das in den Wertungen der Stücke selbst und in ihrem Aufführungsanlass, Fastnacht als Festtermin im Kirchenjahr, mitschwingt, verbindet in je unterschiedlicher Ausprägung besonders die Spiele F 6, F 9, F 10, F 11, F 31 und F 34 sowie die Folz-Stücke F 81, F 88 und F 108. Kleriker gehören zu den zentralen Rollen der Spiele F 3, F 8, F 16, F 30, F 46 und F 52 sowie F 90 und F 95, die beide dem Folz-Corpus zuzurechnen sind. Von der Forschung viel beachtet wurden die POLITISCHEN FASTNACHTSPIELE F 4, F 13, F 16, F 17, F 44 und F 47 sowie mit Einschränkungen F 18, F 19 und F 21 (zu dieser Gruppe und zu möglichen Untergruppierungen s. die Rubrik »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 4). Dezidiert politisch sind auch die antijüdischen Fastnachtspiele des Hans Folz F 81, F 88 und F 108; im Antichrist-Spiel F6 werden antijüdische Implikationen des Stoffes aufgegriffen. Wiederholt geben auch gewerbliche und MERKANTILE THEMEN der Spielhandlung einen Rahmen, so etwa in den Stücken F 28, F 93, F 99, F 101 und F 109 (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 28). Gleich in mehrfacher Hinsicht handelt es sich bei den von der Forschung kaum beachteten, unikal in der Handschrift E überlieferten vier Spielen F 77, F 78, F 79 und F 80 um einen SONDERFALL: Sie sind nicht in vierhebigen Reimpaar-, sondern in Knittelversen abgefasst, greifen mit dem Paris- und dem Salomonischen Urteil ernste Stoffe auf und unterscheiden sich auch durch die Überlieferung von den übrigen Spielen (s. »Textbezüge« im allg. Komm. zu F 77).

3. Thematisch-motivliche Elemente Gruppenübergreifend thematisieren die Stücke darüber hinaus immer wieder folgende Zusammenhänge: Um die (gegensätzlichen) Verhaltensweisen von alten und jungen Menschen und die Vor- und Nachteile des einen wie des anderen Lebensalters geht es etwa in den Spielen F 23, F 34, F 36, F 38, F 40, F 52 und F 102. Die Ehe zwischen einer jungen Frau und einem alten Mann ist Thema der Spiele F 19, F 25, F 27, F 41, F 68 und F 76. Die Narrenrevuen bringen effektvoll zur Geltung, wie sich Männer beim Werben um Frauen lächerlich machen oder erniedrigt werden. Auch in F 51 und F 63 sind Männer weiblichen Verführungskünsten ausgesetzt. Das Gegen- und Nacheinander von Fastnacht und Fastenzeit ist nicht nur in den Gerichtsspielen F 10, F 11 und F 100, sondern auch in F 9 Gegenstand der Darbietung. Die Ein- oder Ausschreierreden der Spiele F 20, F 30 und F 46 grenzen die fröhliche Fastnacht von der Passionszeit ab; Ostern und Fastnachtszeit werden in F 10 und F 33 als Freudenzeiten hervorgehoben. Wenn von den sogenannten Winkelweibern, von Winkelwirt oder -wirtin oder davon, die ‘Winkel durchschleifen’ zu wollen (etwa F 1, F 9, F 32, F 41, F 60), die Rede ist, dann ruft dies den Themenkomplex ‘Prostitution’ auf, um den es deutlicher noch in den Spielen F 55, F 58, F 71, F 72, F 83 und F 84 geht. Damit verbinden sich Fragen nach der Ehetauglichkeit, die im Fastnachtspiel nahezu mit sexueller Erfahrenheit gleichgesetzt wird; in besonderer Weise verdeutlichen dies die Stücke F 3, F 32, F 40 und F 86.


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Einleitung

IV. Überlieferung 1. Handschriftensiglen A D

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, Cim. 31 (früher 4° Cod. H 27) Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.50 E Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.183 F Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 5339a G Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 18.12. Aug. 4° H Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen A III 20 K Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 76.3. Aug. 2° M München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 714 P Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Cod. germ. 13 R Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 29.6. Aug. 4° W Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 564 X Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 566 (früher Q 43) Y Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Cod. Q 565 (früher Q 42)

2. Kurzbeschreibungen der Handschriften Das Verzeichnis der Handschriften gibt in Form einer knappen Bestandsaufnahme nur die wesentlichen Informationen zum Äußeren, zur Anlage, Ausstattung und zu Illustrationen, zu Schreibern, zur Datierung, Schreibsprache und zur Geschichte der Textzeugen als Trägern der Rosenplütschen Fastnachtspiele. Auch die Mitüberlieferung in den Sammelhandschriften wird im gegebenen Zusammenhang nur summarisch charakterisiert. Den Literaturnachweisen liegt folgende Auswahl zugrunde: Die Kellerschen Handschriftenbeschreibungen sind nicht im Einzelnen nachgewiesen, folgende Titel jedoch regelmäßig angeführt: Simon, G.: Fastnachtsspieltradition; Kiepe: Nürnberger Priameldichtung; Reichel: Spruchdichter; Habel: Zeugniswert. Soweit vorhanden, wird auf Beschreibungen der Corpus-Handschriften in den Online-Portalen Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH; https://kdih.badw.de/ datenbank), Manuscripta mediaevalia (ManuMed; http://www.manuscripta-mediaevalia.de) und Handschriftencensus (HSC; http://www.handschriftencensus.de) verwiesen. Eine ausführliche Darstellung der Handschriften- und Drucküberlieferung des Nürnberger Fastnachtspiels des 15. Jahrhunderts bereitet Thomas Habel vor. Die edierten Spiele des Rosenplüt-Corpus sind in den folgenden Beschreibungen nur mit ihrer Stücknummer (F 1–F 80) aufgeführt. Informationen zu den Beziehungen der einzelnen Textzeugen finden sich unter der Rubrik »Textkritik« im allgemeinen Kommentar zu einem Spiel. Die Transkription der Spieltexte erfolgte auf der Grundlage von hochauflösenden Farbdigitalisaten, bei Handschrift E zusätzlich von Schwarz-Weiß-Multispektraldigitalisaten (im UV-Sepktrum); schwer lesbare Textstellen wurden in den Leithandschriften M, D, G und E an den Originalen überprüft. Die Kurzbeschreibungen der einzelnen Handschriften orientieren sich an folgendem Grundschema:


IV. Überlieferung

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1. Aufbewahrungsort, Bibliothek, Signatur, Sigle. 2. Kodikologische Beschreibung: Beschreibstoff; Blattzahl (keine Lagenformel); Foliierung; Buchblock; Bestandteile (Faszikel); Rubrizierung (insb. in den Spieltexten); Einband; Illustrationen. 3. Schreiber. 4. Datierung. 5. Schreibsprache. 6. Erstbesitz/Herkunft. 7. Literatur. 8. Inhalt.

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, Cim. 31 (früher 4° Cod. H 27) [Sigle A] Papier · I + 169 + I Bll. · moderne Foliierung in schwarzer Tinte (1–167), Ergänzungen in Blei (1 der Tintenzählung zu 1 b; 1 vor Bl. 1b; 2 b nach Bl. 2); alte Lagensignatur Bl. 1r–5r (a1–a7), 33r–40r (d1–d8) · 185 x 145 · fünf urspr. selbständige, nach 1520 zusammengebundene Faszikel: I: Bl. 1–46, II: Bl. 47–89, III: Bl. 90–135, IV: Bl. 136–159, V: Bl. 160–167 · Überschriften, Regieanweisungen, abgesetzte Schlussverse, Lombarden, Paragraphenzeichen, Unterstreichungen und Strichelung der Zeilenanfänge rot · fester Pappeinband (18. Jh.) · Illustrationen: mehrere aufgeklebte kolorierte Holzschnitte, ein Kupferstich, zum Teil herausgerissen; Bl. 159v eingeklebte kolorierte Federzeichnung ›Der gerittene Aristoteles‹ (Titelminiatur zum Aristotelesspiel). SCHREIBER: drei auch in der Hs. G vertretene Hde.: Aa (= Ga, Claus Spaun): Bl. 1br–46v, 89v, 135r, 136r–158v, 167v; Ac (= Gc): Bl. 90r–135v; Ae (= Ge): Bl. 47r–89v, 160r–167v. DATIERUNG: Fasz. I (Aa): »1516/1520«; Fasz. II (Ae), IV (Aa), V (Ae): »kurz vor 1494«; Fasz. III (Ac): »kurz vor 1486« (Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 309, 316f.; vgl. die Wasserzeichenanalyse bei Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 21f.: 1482, 1485); die Faszikel sind wohl in Augsburg zusammengebunden worden. SCHREIBSPRACHE: ostschwäbisch (Fasz. I, III, IV), tirolisch (Fasz. II, V). ERSTBESITZ/HERKUNFT: Besitzer des Codex war der Augsburger Kaufmann Claus Spaun (urkundlich 1500–1520), der ebenfalls die Wolfenbütteler Hs. G anlegte. Spaun hat von ihm selbst geschriebene mit Faszikeln aus zwei weiteren Sammlungen vereinigt und andere Teile dieser beiden Einzelsammlungen zur Hs. G hinzugefügt. Bis 1614 war der Codex im Besitz der Augsburger Familie Welser-Neunhof; im 18. Jh. gelangte er in die Bibliothek des Augsburger Bankiers Georg von Halder († 1810), 1846 in die Augsburger Stadtbibliothek. LITERATUR: Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 20–22; Ukena: Mirakelspiele 2, S. 363–376; Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 308–317; Habel: Zeugniswert, S. 112; KdiH Nr. 8.0.1. (Norbert H. Ott; 07.05.2020), s. auch Nr. 9.1.1. (Gisela Fischer-Heetfeld; 07.10.2018); HSC Nr. 12729 (Jürgen Wolf; 8/2021). INHALT: Fasz. I: Bl. 1br–46v Sterbebücher, Vergänglichkeitsdichtungen, Sprüche, Sentenzen, Priamel, eingebundener Druck: Ulrich von Hutten: ›Trias Romana‹, dt. (1520) u. a. Fasz. II: Bl. 47r–89v ›Augsburger Heiligkreuzspiel‹. Fasz. III: Bl. 90r–135r ›Augsburger Georgspiel‹. Bl. 135v Beginn des Rosenplütschen Fastnachtspiels F 47, Fortsetzung in Hs. G (Bl. 189r– 196v). Fasz. IV: Bl. 136r–158v ›König Artus’ Horn‹ (Fastnachtspiel, KF 127). – Bl. 159r leer, Bl. 159v Federzeichnung (s. o.). Fasz. V: Bl. 160r–167v ›Meister Aristoteles‹ (Fastnachtspiel, KF 128).


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Einleitung

Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.50 [Sigle D] Papier · I + ein altes Vorsatzbl. (04) + 221 + I Bll. · Wasserschäden/Schimmelfraß (Textverluste; Abklatsch/Durchschlag der Rubrizierung) · moderne Bleistiftfoliierung (0 4, 1–221), mehrere alte Foliierungen und Paginierungen (s. im Einzelnen Hoffmann) · 325 x 215 · Mihm unterscheidet im Entstehungsprozess fünf Faszikel: I: Bl. 1–47, II: Bl. 48–131, III: Bl. 132–191, IV: Bl. 192– 203, V: Bl. 204–221 (Mihm: Überlieferung, S. 132). · blaue oder (zumeist) rote Lombarden, rote Überschriften, rot gestrichelte Majuskeln (Versanfänge); von mehreren Hdn. des 19. Jh. rote Unterstreichungen von Einzelwörtern (v. a. Namen) und Phrasen sowie Randmarkierungen (vertikale Linien), ebenso in Blei · moderner Einband (1999) mit modernen Spiegelbll. und je einem modernen Vorsatzbl. vorne und hinten; auf altem Vorsatzbl. vorne (Bl. 04) Inhaltsverzeichnis von Hd. A (rubriziert); Codex 1999 restauriert. SCHREIBER: überwiegend von einem Schreiber [= A, Brandis], einer »Berufsschreiberhand« (Kiepe); Nachträge von zwei nur wenig jüngeren Hdn. (keine Rubrizierung): »N1 [= B, Brandis]: Bl. 210r, Z. 17–216r [...], N2: Bl. 216v (wenige Zeilen, größtenteils nicht mehr lesbar)« (Hoffmann); die im Register auf Bl. 04v nachgetragenen Z. 13f. stammen wohl auch von Schreiber A (anders Hoffmann, der sie N1 zuweist); ferner Nachtrag einer Hd. des 17. Jh.: Bl. 217r–221v. DATIERUNG: »um 1460–1462« (Wasserzeichen; Hoffmann), wohl Nürnberg. SCHREIBSPRACHE: nordbairisch-ostfränkisch. ERSTBESITZ/HERKUNFT: Erster nachweisbarer Besitzer war Christian Gottlieb Schwarz (1675– 1751). 1748 entlieh er den Codex dem Erlanger Rektor Samuel Wilhelm Oetter (1720–1792), welcher ihn „im Vertrauen“ (Gottsched: Briefwechsel, Bd. 13, S. 169, Z. 2) Johann Christoph Gottsched (1700–1766) zur Einsicht übermittelte, der sich daraus eine Abschrift der elf enthaltenen Fastnachtspiele (D-Abschr. = Dresden, SLUB, Mscr.Dresd.M.184) anfertigen ließ (s. dazu Habel: Wiederentdeckung, und ferner Gottsched: Briefwechsel, Bd. 13, Nr. 53 Anm. 5; Nr. 58 Anm. 10; Nr. 81 Anm. 7; Nr. 92 Anm. 3; Nr. 107 Anm. 3, 6; Nr. 146 Anm. 12; Nr. 165 Anm. 8f.; Nr. 195 Anm. 2; Nr. 199 Anm. 1); Erwerb durch die Dresdner Bibliothek vor 1783. LITERATUR: Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 14; Brandis: Harder, S. 47–58; Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 330; Reichel: Spruchdichter, S. 226f.; Habel: Zeugniswert, S. 117; ManuMed Nr. 31600615 (Werner Hoffmann; in der Edition: Hoffmann: Handschriften); HSC Nr. 6795 (Werner Hoffmann, Antonia Krihl; 3/2020). INHALT: Bl. 1r–140r Rosenplütsche Reimpaarsprüche (›Der König im Bad‹, ›Der kluge Narr‹, ›Die Beichte‹ u. a.); Werke von Konrad Harder, Peter Schmieher. Bl. 140r–141v, 149v–159r, 204r–207v, 210v–212r Priameln. Bl. 142r–149r ›Weingrüße und -segen‹, Beschwörungsformeln, ›Vom Pfennig‹ (Fassung III). Bl. 159r–182r Rosenplütsche Fastnachtspiele F 44, F 30, F 39, F 32, F 27, F 28, F 47; Bl. 192r–203v Rosenplütsche Fastnachtspiele F 51, F 52, F 53, F 54. Bl. 182v–221v Rosenplütsche Reimpaarsprüche (›Das Lied von den Türken‹, ›Die meisterliche Predigt‹ u. a.), ›Gespräche dreier Frauen‹ (›Die drei Nonnen‹), ›Der Frauen Künste‹, Obszönes Gedicht, ›Weingrüße und -segen‹.


IV. Überlieferung

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Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr.Dresd.M.183 [Sigle E] Papier · 23 Bll. · starke Wasserschäden (Text streckenweise nur mit UV-Lampe lesbar) · moderne Bleistiftfoliierung (1–23) · 208 x 156 · Zeilenanfänge rot gestrichelt, Überschriften und Regieanweisungen abgesetzt und zwischen roten (teils klammerförmigen) Wellenlinien, Explicits der Stücke rot eingerahmt · Einband aus Packpapier (nach 1945). SCHREIBER: durchgehend eine Hd., von dieser auch vier Datierungen (1461 Bl. 19v, 1463 Bl. 2r, 1466 Bl. 9r, 1468 Bl. 12r), vermutlich von Aufführungen, neben den Überschriften; eine weitere Datierung von dieser Hd. auf dem unbeschriebenen Bl. 1v (1466: anno lxvj dº...»; oberer Rand), dort auch Besitzstempel der Bibliothek und Literaturverweis von moderner Hd. DATIERUNG: »um 1470« (Wasserzeichen; Hoffmann). SCHREIBSPRACHE: nordbairisch-ostfränkisch (wohl Nürnberg). ERSTBESITZ/HERKUNFT: 1872 kam der Codex aus einem Nürnberger Antiquariat in die Dresdner Bibliothek; Inhalt (Spielüberschriften) der Hs. auf einem beiliegenden Zettel von einem Besitzer des 19. Jh. Eine neuzeitliche Abschrift (Dresden, SLUB, Mscr.Dresd.M.171) hat Moritz Maximilian Mayer 1860 angefertigt. LITERATUR: Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 19; Habel: Zeugniswert, S. 112; ManuMed Nr. 31600991 (Werner Hoffmann); HSC Nr. 14596 (Werner Hoffmann; 8/2018). INHALT: Bl. 2r–21v Nürnberger Fastnachtspiele F 77, F 78, F 79, F 80.

Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Cod. germ. 13 [Sigle P] Papier · II + 95 + II Bll. (S. 1f., 189f. ältere Vorsatzbll.) · moderne Paginierung in Tinte (1–188) und Blei (189–190) · 212 x 145 (S. 57–116: 205 x 140) · 11 zusammengebundene Faszikel (s. u. Inhalt): Der Eintrag iij creutzer (S. 69 u. 153, oberer Rand) lässt Simon annehmen, »daß diese Einzelhefte ursprünglich ohne besonderen Auftrag zum freien Verkauf angeboten wurden« (Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 16). · keine Rubrizierung, keine Initialen/Lombarden ausgespart · moderner Einband (1969) mit neuzeitlichen Spiegelbll. (wohl 18. Jh.) und je zwei modernen Vorsatzbll. vorne und hinten (davor jeweils ein älteres Vorsatzbl.); Codex 1969 restauriert. SCHREIBER: zwei Hde.: 1. S. 3–26 (Ende 15. Jh.) sowie zwei Einträge auf S. 28 (Z. 1–3 von oben: Briefformel, Z. 4 von unten), wahrscheinlich identisch mit Maximilianůs hillpranndt Der Jůnger, der ebenfalls auf S. 28 kanzleischriftartig (zeitlich noch vor dem genannten unteren Eintrag, wie dessen rahmender Zierausläufer von y in pleyben zu erkennen gibt) u. a. zwei Briefadressierungen eintrug (Simon unterscheidet dagegen zwei Hde. Pa und Pb; vgl. Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 17); 2. Bl. 29–187 (4. V. 15. Jh.; Edition: Sigle P); mehrere spätere Hde. – Faszikel II–XI fertigte ein Nürnberger Berufsschreiber (Hd. 2) an, der ca. 1472–1490 tätig war. Von dessen Hd. stammen im Rosenplüt-Corpus ebenfalls der Codex F, der Faszikel VI in Codex G (= Gd) sowie das Einzelheft H. Habel und Simon vermuten zudem dieselbe Hand für Xb (Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 15, 19 [»höchstwahrscheinlich«]; Habel: Zeugniswert, S. 113, 116 [»vermutlich«]; vgl. auch Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 158 [»denkbar«], 173 Anm. 282). Darüber hinaus sind diesem Schreiber die Hs. Wien, ÖNB, Cod. 13711 (Lage 1–5), und das Einzelheft Karlsruhe, BLB, Cod. Don. A III 19, zuzuordnen (dazu Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 154–181; ManuMed Nr. 31577229 [über Karlsruhe, BLB, Cod. Don. A III 19; Nicole Eichenberger]).


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Einleitung

DATIERUNG: »um 1487/89« (Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 176; vgl. die Wasserzeichenanalyse von Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 16). SCHREIBSPRACHE: nordbairisch-ostfränkisch. ERSTBESITZ/HERKUNFT: auf S. 28 der Name des Besitzers zumindest der ersten Broschüre und wahrscheinlich auch ihres Schreibers, Maximilian Hillprandt (Hd. 1). »Die Hs. stammt aus dem Besitz des Frankfurter Bibliophilen Zacharias Konrad von Uffenbach [...]. In dessen Katalog von 1720 ist sie noch nicht erwähnt. Uffenbach wird sie also vermutlich zwischen 1720 und 1730 erworben haben. 1749 ging sie in die Bibliothek von Johann Christian Wolf über [. . .]. Seit 1766 befindet sie sich im Besitz der Stadtbibliothek (später Staats- und Universitätsbibliothek) Hamburg« (Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 15 Anm. 25). LITERATUR: Münzel: Philologica Hamburgensia, S. 24 (Nr. 103); Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 15–17; Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 176, 385; Reichel: Spruchdichter, S. 229f.; Habel: Zeugniswert, S. 115; Horváth/Stork: Von Rittern, S. 122f., 148 (Nr. 51; Nikolaus Henkel); HSC Nr. 4856 (Teresa R. Küppers, Carsten Becker; 6/2020). INHALT: Fasz. I–II: S. 3–25 Schondoch: ›Die Königin von Frankreich‹ (S. 3 Titel), S. 29–55 Rosenplüt: ›Die Kaiserin zu Rom A‹ (S. 29 Titel). – S. 28 Nachträge (Hd. 1): Federproben, Briefformel und zwei Briefadressierungen an Kaiser Friedrich III. und dessen Tochter Kunigunde (vgl. Münzel: Philologica Hamburgensia, S. 24); S. 26f., 30, 56 leer. Fasz. III: S. 57–67 Rosenplütsches Fastnachtspiel F 44 (S. 57 Titel). – S. 58, 68 leer. Fasz. IV–V: S. 69–92 Rosenplüt: ›Die Disputation‹ (S. 69 Titel), S. 97–115 ›Der fünfmal getötete Pfarrer‹ (S. 97 Titel). – S. 70, 93–96, 98, 116 leer. Fasz. VI: S. 117–127 Rosenplütsches Fastnachtspiel F 51 (S. 117 Titel). – S. 128 leer. Fasz. VII–XI: S. 129–138 Rosenplüt: ›Die Handwerker‹ (S. 129 Titel), S. 141–150 Heinrich der Teichner u. a. (S. 141 Titel), S. 153–163 Rosenplüt: ›Die meisterliche Predigt‹ (S. 153 Titel), S. 165–178 ›Umgangene Buße‹ (S. 165 Titel), S. 181–187 Städtelob (S. 181 Titel). – S. 139f., 142, 151f., 154, 164, 166, 179f., 182, 188 leer. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen A III 20 [Sigle H] Papier · 6 Bll. · moderne Bleistiftfoliierung (1–6) · 187–189 x 136–138 · urspr. ein Einzelheft, dann in denselben Band eingebunden wie der Cod. Donaueschingen A III 19 (Priamelsammlung), schließlich herausgelöst, heute ohne Einband · keine Rubrizierung, keine Initialen/Lombarden ausgespart · Infolge Blattbeschnitts fehlen stellenweise am rechten Rand der Recto-Seiten Einzelbuchstaben. SCHREIBER: 1. Nürnberger Berufsschreiber (Edition: Sigle H; s. o. zum Schreiber von Hs. P); 2. Bl. 1r, 5v, 6v: Nachträge von einer Hd. des 16. Jh. DATIERUNG: »um 1490« (Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 177). SCHREIBSPRACHE: nordbairisch-ostfränkisch. ERSTBESITZ/HERKUNFT: Das Einzelheft »gelangte, zusammen mit Cod. Don. A III 19 [...], als Geschenk des Antiquars Albert Fidelis Butsch (Augsburg) im November 1868 an die [Fürstliche Fürstenbergische] Hofbibliothek [Donaueschingen]« (Eichenberger; vgl. Bl. 1r Bleistiftnotiz, 19. Jh.) und 1994 von dort an die Badische Landesbibliothek. LITERATUR: Simon, G.: Fastnachtsspieltradition, S. 17; Kiepe: Nürnberger Priameldichtung, S. 177; Habel: Zeugniswert, S. 112f.; ManuMed Nr. 31577242 (Nicole Eichenberger); HSC Nr. 20399 (10/2017).


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Rosenplütsche Fastnachtspiele by Schwabe Verlag - Issuu