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Die Perikopenlieder Michel Beheims

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Erstmals in der deutschen Literaturgeschichte dichtete ­Michel B ­ eheim in größerer Anzahl Perikopenlieder, welche die Evangelien­abschnitte ­textnah versifizierten. Das z­ ukunftsweisende Potential dieses neuen Liedtyps wurde von Beheims höfischem Publikum, das bis zum ­K aiserhof in Wien reichte, jedoch nicht erkannt. Erst bei den städtischen Meistersingern ab Hans Sachs ­reüssierte das Perikopenlied zu e ­ inem festen Liedtyp – nunmehr im Dienst der Reformation. Die ­Gegenüberstellung von Michel Beheim und Hans Sachs liefert nicht nur neue Erkenntnisse für die Literatur­geschichte, sondern auch für die Kirchen- und Frömmigkeits­geschichte in vorreformatorischer Zeit. Der literatur­ wissenschaftliche Ertrag der Untersuchung ergibt sich aus der formalen und sprachlichen Analyse der ­textnahen Versifikationen in den unterschiedlichsten ­Strophenformen. AU T O R

Johannes Janota, Mediävist, lehrte deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten Siegen und Augsburg und hatte 2007/08 die Stammler-Gastprofessur in Freiburg (Schweiz) inne. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf spätmittelalterlicher Editions­ philologie, Literaturgeschichte, Lied- und Dramenforschung sowie auf der Fachgeschichte.

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DIE PER IKOPEN LIEDER MIC HEL BEHEIM S

Johannes Janota

Johannes Janota

DIE PER IKOPENLIEDER MIC HEL BEHEIM S

Johannes Janota

DIE PE R IKO PE N LIE DE R MI C HE L BE HE IMS Bibelversifikationen im vorreformatorischen Sangspruch


Johannes Janota

Die Perikopenlieder Michel Beheims Bibelversifikationen im vorreformatorischen Sangspruch

Schwabe Verlag


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2021 Schwabe Verlag Berlin GmbH Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ 312; fol. 35r; Michel Beheim: Lieder (Ausschnitt: Lied 1Beh/29, Strophe I, 7-III, 30) Korrektorat: Dore Wilken, Freiburg i. Br. Cover: icona basel gmbh, Basel Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: 3w+p, Rimpar Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN Printausgabe 978-3-7574-0060-6 ISBN eBook (PDF) 978-3-7574-0074-3 DOI 10.31267/978-3-7574-0074-3 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabeverlag.de www.schwabeverlag.de


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

7

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

9

Zur Überlieferung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

11

Bibelversifikationen und Perikopenordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

17

Bibellieder und Leseordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

17

Leseordnung und Tönerepertoire . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

26

Perikopenbuch in Liedform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

36

Zu den Tönen und Tonkorpora . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

41

Töne ohne Perikopenlieder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

42

Angstweise (42), Gekrönte Weise (43), Hohe guldin Weise (44), Verkehrte Weise (46)

Frühe Töne mit Perikopenliedern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

48

Kurze Weise (48), Slegweise (50), Lange Weise (57)

Spätere Töne mit Perikopenliedern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

64

Trummetenweise (64), Hofweise (67), Zugweise (70), Osterweise (73), Slecht guldin Weise (76)

Zu den Vorlagen der Perikopenlieder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

85

Perikopenlieder in der Osterweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

88

Perikopenlieder als Dubletten in mehreren Tönen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

99


6

Inhalt

Zur Textnähe der Perikopenlieder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 Lieder mit konventionellem Strophenschema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Kurze Weise (108), Zugweise (117), Osterweise (119)

Lieder mit anspruchsvollem Strophenschema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Trummetenweise (125), Hofweise (130)

Lieder mit artifiziellem Strophenschema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Slegweise (132), Lange Weise (143), Slecht guldin Weise (148)

Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 Zwischen Spätmittelalter und Reformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Perikopen, Bibelstellen, Liednummern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Verzeichnis der Liednummern nach RSM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 Töneverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Verzeichnis der Handschriften und Drucke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Handschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Drucke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192 Orts-, Personen-, Sachregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193


Vorwort

Der Kreis schließt sich. Seinen Anfang nahm er vor sechs Jahrzehnten, als mir Hanns Fischer die geistlichen Lieder des Mittelalters als Dissertationsthema vorschlug. Den Schlusspunkt setzen jetzt die Perikopenlieder des Michel Beheim. Auf dem langen Weg begleiteten mich nicht nur beim Durchqueren wissenschaftlicher Gefilde Burghart Wachinger und Horst Brunner. Beiden verdanke ich zudem das Interesse am Sangspruch und am Meisterlied. Ihnen seien die vorliegenden Studien gewidmet. Ihre Publikation verdanke ich Frau Susanne Franzkeit, die mich als Verlagsleiterin mit liebenswürdiger Hartnäckigkeit für den Schwabe Verlag gewann, Herrn Harald S. Liehr, der sich als Programmleiter Literatur- und Kulturwissenschaften tatkräftig für die Realisierung des Buchprojekts einsetzte, und Frau Ruth Vachek, die als Lektorin mit ihrem Team die Drucklegung kompetent betreute. Allen gilt mein herzlicher Dank. Gerne segelte ich auf dem Narrenschiff, jetzt verlasse ich es dankbar, aber ebenfalls gerne. Augsburg, am 4. Oktober 2020

J. J.


Einleitung

Unter den Verfassern vorreformatorischer Bibelversifikationen in Liedform nimmt Michel Beheim (1420–1472/79)1 in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Er gehört zu den wenigen namentlich bekannten Textautoren, die als Sangspruchdichter oder Meistersinger auf diesem Gebiet gearbeitet haben.2 Die Zahl seiner Bibelversifikationen übertrifft die gesamte sonstige vorreformatorische Überlieferung um das Dreifache.3 Zugleich erinnern nicht nur die Quantität, sondern ebenso die Textnähe seiner Versifikationen an die Art der Bibelversifikationen, die durch Hans Sachs zum zentralen Liedtyp im Meistergesang der Refomationszeit geformt und etabliert wurde.4 Diese Gesichtspunkte rechtfertigen, die Spezifik von Michel Beheims Versifikationen als ein wichtiges Teilkorpus seines Schaffens differenziert darzustellen.5 Auf dieser Grundlage sind dann auch Vergleiche mit den Zeugnissen der spätmittelalterlichen und der reformatorischen Bibelversifikationen in Sangspruch und Meisterlied möglich. Allerdings werden solchen Vergleichen Grenzen gesetzt, weil Michel Beheim als letzter Berufssänger, der selbstbewusst nur in seinen eigenen (zwölf) Tönen dichtete, trotz seines imposanten Werks kaum eine Wirkung auf Sangspruchdichter und Meistersinger seiner Zeit hatte und zudem fast ohne Nachwirkung blieb. Dieses allgemeine Urteil ist jedoch etwas zu modifizieren, wenn man die Überlieferung von Beheims Werken einer genaueren Sichtung unterzieht und den Blick auf die Handschriften und Drucke neben den ansonsten natürlich zentralen Autorhandschriften richtet.

Vgl. Müller: Beheim und Schanze: Meisterliche Liedkunst I, S. 182–246. Neuere Literatur zu Beheim bei Bulang: Beheim, S. 455. 2 Als Textautoren sind neben Beheim nur noch Peter von Reichenbach (erste Hälfte 14. Jahrhundert), Hans Folz (1435/40–1513) und Lienhard Nunnenbeck (gest. vor 1527) für die Zeit vor der Reformation namentlich zu sichern. 3 Die Überlieferung ist nachgewiesen im RSM 3, S. 17–206. Die Liedsiglen entsprechen nachfolgend dem RSM. 4 Vgl. dazu insgesamt Brunner: Meistergesang und Reformation, revidierter Wiederabdruck S. 276–290 und Rettelbach: Nichtdramatische Dichtungen, S. 118–122. 5 Nach wie vor grundlegend sind die Untersuchungen von Wachinger: Beheim, ergänzter Wiederabdruck S. 363–393 (danach wird nachfolgend zitiert). Zu Einzelaspekten vgl. Hohmann: Deutsche Texte, S. 319–330 und Fournier: Gute Nachricht, S. 189–207. 1


Zur Überlieferung

Der Gesamtbestand von 16 Handschriften und zwei Drucken6 untergliedert sich in Teilgruppen, von denen im vorliegenden Zusammenhang die Überlieferung außerhalb von Beheims Umkreis interessieren: Autorhandschriften (Autographe und in Beheims Umkreis entstanden) 10 Handschriften: Heidelberg, Cpg 312 (A); München, Cgm 291 (B); Heidelberg, Cpg 334 (C); Heidelberg, Cpg 382 (D); Heidelberg, Cpg 351 (E); Heidelberg, Cpg 375 (G); Schweinfurt, ohne Signatur (H, nach 1463; verschollen); Dresden, M 180 (a); Heidelberg, Cpg 335; Heidelberg, Cpg 386 Vorreformatorische Handschriften 2 Handschriften: Berlin, Mgq 1402 (F),7 Nürnberg, 1495; Gotha, Cod. Chart. B 50,8 Ende 15. Jahrhundert Vorreformatorische Streuüberlieferung 2 Belege: Heidelberg, Cpg 392, Augsburg, um 1500,9 Berlin, Mgq 414, Nürnberg, 1517/1810

Vgl. dazu RSM 1, S. 59–508 (Überlieferung in Handschriften und Drucken). Teilabschrift der Handschrift B mit Liedern in Beheims Osterweise und Hofweise für den Nürnberger Papierhändler Hans Koch; vgl. RSM 1, S. 90. Aus der Handschrift B wurden im 15. oder im 18./19. Jahrhundert auch Lieder in Beheims Zugweise abgeschrieben in der heute verschollenen Handschrift München UB, 28 Cod. ms. 737. 8 Aus dem Besitz Augustins von Hammerstetten. Inhalt: Beheims ‹Buch von den Wienern›. Abschrift dieses Kodex aus dem 18. Jahrhundert in Dresden, M 170. Zu Augustin von Hammerstetten vgl. 2VL 1 (1978), Sp. 543–545 (Walter Blank). 9 Die Meisterliedersammlung überliefert in Beheims Verkehrter Weise zwei anonyme Erzähllieder mit didaktischer (1Beh/500 ) bzw. satirischer (1Beh/501a ) Ausrichtung. Die Tonnamen stammen von jüngerer Hand (16. Jahrhundert), doch ist in 1Beh/500 der Tonautor (mit falscher Nennung des Tons) vom Schreiber der Handschrift genannt: michel bechen kurcze ton. 10 Die autographe Meisterliedersammlung des Hans Sachs überliefert mit 1Beh/284d (Gleichnis von der Auferstehung Jesu) ein einziges Lied Michel Beheims in seiner Gekrönten Weise (hier Paratreihen genannt) mit Nennung des Ton- und Textautors. 6

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Zur Überlieferung

Vorreformatorische Drucke 3 Drucke: Augsburg, Hans Schobser, um 1507 (1Beh/501b )11 mit einem weiteren Druck12 durch Albrecht Kunne, Memmingen, um 1507 (1Beh/501c ); Augsburg, Hans Froschauer, um 1510 (1Beh/502 )13 Nachreformatorische Überlieferung 1 Handschrift: Wien, Niederösterreichisches Landesarchiv, Hs. 72,14 um 1600 2 Drucke: Nürnberg, Jobst Gutknecht, um 1530 (1Beh/501d );15 Wien, Johann Singriener, um 1540 (1Beh/501e )16 Überblickt man diese auf den ersten Blick stattliche Überlieferung, dann ist ihre Konzentration auf den Autor selbst und sein unmittelbares Umfeld (zehn Handschriften) eindeutig. Immerhin bezeugt aber die Teilabschrift (1495) aus der Autorhandschrift B für den Nürnberger Papierhändler Hans Koch durch den Schreiber Michel Hefelin (Handschrift F), dass dieser enge Zirkel durchaus durchbrochen wurde:17 Über diese Abschrift hätte man in Nürnberg Kenntnis von Beheims Liedern in der Osterweise und in der Hofweise erlangen können.18 Die Augsburger Meisterliedersammlung (Heidelberg, Cpg 392) kennt um 1500 in zwei anonymen Liedern Beheims Verkehrte Weise19 (auch wenn der Tonname Druck des satirischen Erzählliedes 1Beh/501a (vgl. Anm. 9) ohne Nennung des Textautors und mit der richtigen Tonangabe: Jnns behams verkerten don. 12 Ohne Nennung des Textautors und des Tons. 13 Schwanklied ohne Nennung des Textautors und mit der erfundenen Tonangabe: Vnd ist in Nachtigals sussem Ton. Fraglich ist, ob mit Nachtigal der Nürnberger Meistersinger Konrad Nachtigall (gest. 1484/1485) gemeint ist. Zu Konrad Nachtigall vgl. 2VL 6 (1987), Sp. 845–848 (Horst Brunner). 14 Inhalt: Beheims ‹Buch von den Wienern›. Abschrift dieses Kodex aus dem 19. Jahrhundert in Wien, Cod. 12566. 15 VD 16 ZV 15908. Druck des satirischen Erzählliedes 1Beh/501a (vgl. Anm. 9) ohne Nennung des Textautors und Tons. 16 Druck des satirischen Erzählliedes 1Beh/501a (vgl. Anm. 9) ohne Nennung des Textautors und des Tons. 17 Vgl. dazu Gille/Spriewald: Gedichte I, S. XLV. – Im vorliegenden Zusammenhang lasse ich die strophische Chronik ‹Buch von den Wienern› (1Beh/454b : Gotha, Cod. Chart. B 50 und 1 Beh/454c : Wien, Niederösterreichisches Landesarchiv, Hs. 72) beiseite. 18 Unbekannt ist die Provenienz der verschollenen Handschrift München UB, 28 Cod. ms. 737, die Lieder Beheims in seiner Zugweise offenkundig gleichfalls aus der Handschrift B geschöpft hat (falls das im 15. Jahrhundert geschehen ist). Immerhin lässt sich nicht ausschließen, dass neben Beheims Oster- und der Hofweise auch seine Zugweise außerhalb des Autorumkreises zumindest schriftlich zugänglich war. 19 Die beiden Lieder stehen an zwei verschiedenen Stellen der Handschrift: Bl. 60r–61r (1Beh/500 ) und Bl. 122r–124v (1Beh/501a ); sie sind also nicht wegen ihrer Tonidentität nebeneinander aufgezeichnet worden. 11


Zur Überlieferung

erst im 16. Jahrhundert hinzugefügt wurde) und in einem der beiden Lieder (1Beh/500 ) – unbesehen des falschen Tonnamens – auch den Tonautor (michel bechen). Für das andere Lied (1Beh/501a ) der Augsburger Meisterliedersammlung nennt der Augsburger Schobser-Druck – abweichend von der Augsburger Handschrift – den Tonautor und den Tonnamen (Jnns behams verkerten don). Diese Angaben gehen bei den drei anderen Drucken des Liedes (um 1507, um 1530 und um 1540) allerdings wieder verloren.20 Darüber hinaus taucht Beheims Verkehrte Weise nochmals in einem anderen anonymen Lied (1Beh/502 ) auf, das der Augsburger Froschauer-Druck (um 1510) gleichfalls ohne Tonautor und Tonnamen überliefert. Schließlich dokumentiert die Aufzeichnung eines Beheim-Liedes (1Beh/284d ) im Autograph des Hans Sachs (Berlin, Mgq 414) noch vor der Reformation (1517/1518), dass neben den genannten Tönen auch Beheims Gekrönte Weise samt dem Namen des Tonautors außerhalb von Beheims unmittelbarem Umfeld bekannt war. Zusammengefasst verteilt sich diese Überlieferung auf Nürnberg und Augsburg, also auf zwei Städte, in denen der Meistergesang nicht nur bekannt, sondern auch gepflegt wurde. In Augsburg hatte man – wenn auch eher lückenhaft – Kenntnis von einem Tonautor Beheim und von seiner Verkehrten Weise, die offenkundig als ein Meisterton angesehen wurde. Deswegen fand sie auch Eingang in die Augsburger Meisterliedersammlung, wo ihn ein sachkundiger Benutzer noch im 16. Jahrhundert – ebenso wie der Augsburger SchobserDruck – richtig identifizierte.21 In Drucken ist die Verkehrte Weise außerhalb von Augsburg zwar de facto auch präsent, aber dabei interessierte (ebenso beim Augsburger Froschauer-Druck) der Typ des Erzählliedes,22 nicht der Ton oder gar der Tonautor. Neben der Verkehrten Weise kannte man mit der Hofweise einen weiteren Ton Michel Beheims in Augsburg: Der Augsburger Meistersinger Johann Spreng (1524–1601) verwendete ihn für zwei Lieder, ein weiterer Augsburger Beleg für die Hofweise findet sich bei Georg Holzbock, der ebenfalls in Beheims Verkehrter Weise dichtete.23 Vielleicht gelangte der Ton später nach

20 Diese drei Drucke scheinen vom Schobser-Druck abzuhängen, da auch bei ihnen die Strophen 15 und 18 fehlen, die in der Augsburger Meisterliedersammlung überliefert sind. Vgl. den Hinweis in RSM 3, S. 205. Ob der Schobser-Druck auf diese Handschrift zurückgeht, wäre durch eine sprachliche Analyse noch zu klären. 21 Als Ton benutzte Beheims Verkehrte Weise für eigene Lieder auch die Augsburger Meistersinger Martin Dürr (gest. 1596), Georg Holzbock (belegt bis 1627) und Hans Weidner (belegt bis 1622). Außerhalb von Augsburg fand dieser Ton Verwendung bei den Breslauer Meistersingern Kaspar Klippisch (datierte Lieder bis 1629) und Adam Puschman (1532–1600); vgl. die Nachweise im RSM 2/1, S. 18. Insgesamt wird Michel Beheim als Tonautor in den wenigsten Quellen genannt. 22 Darauf wies bereits Schanze: Meisterliche Liedkunst I, S. 246 Anm. 243 hin. 23 Vgl. die Nachweise (auch zur Melodieüberlieferung) im RSM 2/1, S. 15 f.

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Zur Überlieferung

Ulm24 und vor allem nach Nürnberg, wobei die Belege dort etwas jüngeren Datums sind.25 Insgesamt zeigen die Augsburger Quellen, dass Beheims Nachwirkung als Tonautor26 zwar punktuell ist, aber bei genauerem Hinsehen doch etwas breiter ausfällt als gewöhnlich angemerkt. Diesen Eindruck bestätigt die Beheim-Überlieferung in Nürnberg. In Nürnberg beginnt sie nach unserer Kenntnis mit der Handschrift F, für die man aus der Vorlage (Handschrift B) gezielt die Osterweise und die Hofweise zur Abschrift auswählte. Diese Auswahl wurde dadurch erleichtert, dass in B beide Töne aufeinander folgen und sie zudem mit je eigenen Überschriften versehen sind. Dennoch handelt es sich dabei um eine gezielte Wahl,27 weil die Osterweise keineswegs am Anfang der Handschrift steht, sondern in B erst auf Bl. 208r beginnt.28 Offenbleiben muss die Frage, warum Michel Hefelin zwar alle 17 Lieder der Osterweise kopiert hat, aber von der 48 Liedern der Hofweise nur 17, obwohl in der Handschrift F auf den leeren Blättern 149–187 noch genug Platz für weitere Aufzeichnungen gewesen wäre. Aus einer anderen Quelle muss Hans Sachs die Vorlage für die Aufzeichnung von 1Beh/284d in seinem Berliner Autograph bezogen haben, da dieses Beheim-Lied in der Gekrönten Weise gedichtet ist. Später bekam Sachs auch Kenntnis von Beheims Verkehrter Weise, in der er (von ihm 1551 aufgezeichnet) sein Lied 2S/3570a mit Nennung des Tonautors (Peham) verfasste.29 Darüber hinaus war Hans Sachs der Einzige, der über den Nachnamen des Tonautors hinaus wenigstens ansatzweise eine Vorstellung von Beheim hatte: Er kennt wie die Augsburger Sammlung (Heidelberg, Cpg 392: 1Beh/500 ) in der Überschrift zu seiner Aufzeichnung des Beheim-Liedes Zwei Belege (2Bau/39 und 83 ) für die Hofweise finden sich beim Ulmer Meistersinger Johann Baur (belegt 1650/1665). 25 Hans Deisinger (1572–1617), Hans Steinlein (gest. 1684), Benedict von Watt (1596–1616), Jobst Zoller (1583–1633), dazu noch zwei textlose Melodiequellen aus Nürnberg; vgl. die Nachweise im RSM 2/1, S. 15f. 26 Edition der Melodien bei Brunner/Hartmann: Spruchsang, S. 6–17 (Edition), S. 458 f. (Kritischer Bericht). 27 Darin unterscheidet sich die Wahl der Zugweise für die Kopie in der Handschrift München UB, 28 Cod. ms. 737, da die Lieder dieses Tons am Beginn (Bl. 2r–25v) der Handschrift B stehen. 28 Vgl. RSM 3, S. 43 und zu den Überlieferungsschichten in dieser Handschrift Schanze: Meisterliche Liedkunst I, S. 197 f. 29 Mit Abschriften Benedict von Watts (2S/3570b-d ). Hans Sachs verwendete den Ton allerdings schon 1548 mehrfach. Vgl. dazu die Nachweise im RSM 2/1, S. 18; dort auch die Hinweise zur Nürnberger Melodieüberlieferung aus der 1. Hälfte (Weimar, Q 576/I, Bl. 72v) und aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Nürnberg, Will III 792, Bl. 43r–v). Weiterhin verwendeten Beheims Verkehrte Weise als Ton eigener Lieder die Nürnberger Meistersinger Hans Deisinger (1572–1617), Georg Hager (1552–1634), Ambrosius Metzger (1573–1632), Benedict von Watt (1596–1616) und Hans Winter (1591–1627); vgl. die Nachweise im RSM 2/1, S. 18. 24


Zur Überlieferung

Beh/284d (jn des michel behams von Vlm parat reyhen sein dicht 3 lieder) auch den Vornamen (michel), er weiß, dass Beheim ein Tonautor ist (jn des […] parat reyhen) und dass auch der Text von ihm stammt (sein dicht). Aber der nur hier überlieferte Tonnamen (parat reyhen) für Beheims Gekrönte Weise nimmt sich eher wie ein Hinweis auf die artifizielle Form des Tons30 als eine Tonbezeichnung aus, die Lokalisierung von Vlm zeugt schlicht von Unkenntnis31 und ist wohl von der Absicht geleitet, Beheim in einer Meistersingergesellschaft zu verorten. Diese Informationen wie auch die Übermittlung der Verkehrten Weise konnte Sachs nicht aus der Handschrift F beziehen, die sich der Nürnberger Hans Koch anlegen ließ (falls Hans Sachs diese Quelle überhaupt zugänglich war), weil dort die Überschriften zur Oster- wie zur Hofweise Michel Beheim jeweils nur als Tonautor nennen und weil in F weder die Gekrönte noch die Verkehrte Weise überliefert werden. Für die Kenntnis von Beheims Bibelversifikationen hätte ein Einblick in das jeweilige Liedkorpus ohnehin nichts genützt, weil Beheim in keinem dieser beiden Töne (Gekrönte Weise: 1Beh/283–287 ; Verkehrte Weise: 1Beh/148–249 ) solche Versifikationen vorlegte. Auch die anonymen Erzähllieder (1Beh/500–501) liegen fernab von Bibelversifikationen.32 In der Handschrift F hätte Hans Sachs lediglich die Versifikation der Perikope von der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen (Joh 4,5–42) in Beheims Hofweise (1Beh/305d ) lesen können, doch scheint ihm die Hofweise unbekannt geblieben zu sein, da er in ihr nicht dichtete.33 Das Ergebnis dieser Recherche ist im Blick auf die Bibelversifikationen des Hans Sachs ernüchternd: Michel Beheims Versifikationen, die sich – vergleichbar mit Sachs – durch ihre Textnähe zum Wortlaut der Bibel auszeichnen, blieben dem Nürnberger Meistersinger verborgen. Andererseits lässt dieser Befund die Leistung von Hans Sachs als Begründer der textnahen Bibelversifikation in der Reformationszeit und seine Erneuerung des Meistergesangs durch die Etablierung der Bibelversifikation aus dem Geist der Reformation in umso

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Vgl. zur Terminologie Brunner: Leich, Hort, Parat. Ulm wird von Beheim nur einmal (neben Schwäbisch Hall) in einem Lied erwähnt, das die Verbindung der Fürsten mit Reichsstädten kritisiert (1Beh/54 ). Ein Anhaltspunkt für die Lokalisierung bei Hans Sachs ergibt sich daraus nicht. 32 Auch Hans Sachs verwendet die Verkehrte Weise ohne Nennung des Tonautors nur für weltliche (oft schwankhafte) Lieder; vgl. 2S/2759–2762, 2919, 2950, 2984, 3080, 3288, 3570, 3775, 3848, 4111, 2 4176, 4333, 4536, 4571. Da Sachs erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ( S/2759b : 01. 06. 1548) in diesem Ton dichtete, konnte er ihn – allerdings nicht die Melodie – durchaus aus einem der gedruckten Erzähllieder (1Beh/501b-e und 502 ) kennengelernt haben, etwa im Druck von Jobst Gutknecht, Nürnberg um 1530 (1Beh/501d ). 33 Vgl. RSM 2/1, S. 15 f. Die beiden Versifikationen dieser Bibelstelle verfasste Sachs 1527 in Fritz Zorns Verhohlenem Ton (2S/184 ) und 1556 im Gekrönten Hort (2S/4894a ). 30 31

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Zur Überlieferung

hellerem Licht erscheinen. Für diese Pioniertat konnte er sich nach unserer Kenntnis lediglich von den zehn vorreformatorischen Versifikationen anregen lassen, die er in seinem Autograph Berlin, Mgq 414 gesammelt hatte.34 Mit der betonten Textnähe seiner Bibelversifikationen zeigt Michel Beheim andererseits in nahezu 70 Liedern, dass der Respekt vor dem Bibeltext beim Umgießen in eine liedhafte Form auch in den Jahrzehnten vor der Reformation eine verbindliche Leitlinie sein konnte. Die weitere Untersuchung soll verdeutlichen, wie Beheim diesem Anspruch nachgekommen ist.

34 Von den zehn Bibelversifikationen sind lediglich vier mehr oder minder textnahe. Vgl. dazu Janota: Kanonische Texte.


Bibelversifikationen und Perikopenordnung

Von Michel Beheim sind 6835 textnahe Bibelversifikationen überliefert.36 Er übertrifft damit die sonstige vorreformatorische Überlieferung, die lediglich 22 Versifikationen kennt, fast genau um das Dreifache. Von dieser schmalen Überlieferung vor und neben Beheim haben die Kolmarer Liederhandschrift 7 und Hans Sachs in seinem Berliner Autograph 10 Sangsprüche und Meisterlieder bewahrt,37 die übrigen fünf Belege verteilen sich auf zwei Augsburger Sammlungen.38

Bibellieder und Leseordnung Mit einer Ausnahme39 beschränken sich Beheims Bibellieder allein auf die Christliche Bibel (NT) und hier allein auf die vier Evangelien. Darin zeigt sich Beheim konsequenter als die sonstige vorreformatorische Überlieferung, die bei nur 22 Zeugnissen immerhin zwei Texte aus der Hebräischen Bibel (AT) bezogen40 und aus der Christlichen Bibel (NT) neben den Evangelien ein weiteres Buch41 benutzt hat. Bei der Verteilung der Versifikationen auf die vier Evangelien zeigen sich bei Beheim ähnliche Proportionen wie in der sonstigen Überlieferung

35 Fournier: Gute Nachricht, S. 205 spricht von «etwa 67 nahezu wörtlichen Bibelparaphrasen Beheims», vgl. auch S. 194. 36 Grundlage der Zählung ist das Verzeichnis der Bibelstellen im RSM, Bd. 16, S. 261–330. Die textnahen Versifikationen (aus dem Älteren und Jüngeren Teil des Repertoriums) sind im RSM mit einem Asteriskus (*) gekennzeichnet. Zu den unterschiedlichen Graden der Textnähe vgl. das Kapitel «Zur Textnähe der Perikopenlieder». 37 Zur Kolmarer Liederhandschrift vgl. Janota: Bibelversifikationen; zum Berliner SachsAutograph vgl. Janota: Kanonische Texte. 38 Heidelberg, Cpg 392 (4 Versifikationen) und Cpg 680 (1 Versifikation). Diese fünf Lieder werden im Schlussteil der vorliegenden Studie besprochen, um einen vergleichenden Blick auf die Spezifik der Beheim-Versifikationen zu ermöglichen. – Bei einer weiteren Aufzeichnung in der ‹Wiltener Handschrift› (München Cgm 5198, um 1500) handelt es sich um eine Parallelüberlieferung zur ‹Kolmarer Liederhandschrift›; sie wurde dort berücksichtigt. 39 Gen 1,1–2,2: 1Beh/251. 40 Ex 4,2–9: 1Mei/10/2–3 ; Hld 2,8–14: 1Regb/4/652. 41 Offb 1,1–2, 11: 1Marn/7/540.


18

Bibelversifikationen und Perikopenordnung

(nachfolgend in Klammern): Matthäus 27 (6), Markus 5 (1), Lukas 23 (8), Johannes 12 (7). Die Auswahl der Evangelienabschnitte scheint sich an der Perikopenordnung des Kirchenjahres zu orientieren, das in Teilbereichen (vor allem mit dem Weihnachts- und dem Osterfestkreis) dem biographischen Muster eines Lebens Jesu folgt.42 Dieser Eindruck wurde bislang jedoch noch nie konkretisiert, obwohl das durchaus möglich ist. Reiht man Beheims Bibellieder nach der Perikopenordnung des Kirchenjahrs, dann ergibt sich in etwa diese Abfolge:43 Tag im Kirchenjahr

Perikope

Beheim

1. Adventssonntag

Mt 21,1–9 Jesu Einzug in Jerusalem

( Beh/259 )

2. Adventssonntag

Lk 21,25–33 Vom Kommen des Menschensohnes

1

3. Adventssonntag

Mt 11,2–10 Frage des Täufers und Zeugnis Jesu

Quatembermittwoch

Lk 1,26–38 Mariä Verkündigung

1

Überschriften 44

[vgl. zum Palmsonntag] Beh/422

das ewangilg von den zaichen, die vor dem jungsten tag sollen peschehen

1

Beh/258

wie Johannes in der gevanknis sein junger zu Jhesu in dy wust sant

Beh/31 Beh/117 1 Beh/291

von dem englischen grus von dem engelischen gruss von der verkundung und enpfenknus Cristi der engelisch gruss

1

1

Beh/366

1

Quatemberfreitag

Lk 1,39–46 Mariä Heimsuchung

1

Beh/32

4. Adventssonntag

Joh 1,19–28 Zeugnis des Täufers

*********

Vigil von Weihnachten (24. Dezember)

Mt 1,18–21 Geburt Jesu

1

Beh/33

das Maria ubers pirg ging zu Elisabeth

das Maria Joseph vermahelt wart

42 Auf beide Aspekte haben bereits Wachinger: Beheim, S. 385 f. und 392 sowie Fournier: Gute Nachricht, S. 194 hingewiesen. 43 Bekanntlich gibt es – von bestimmten Festtagen wie Weihnachten oder Ostern abgesehen – durchaus Varianten bei der Perikopenordnung, die regional/lokal und institutionell (Ritus einer Diözese, eines Ordens), aber auch zeitlich (liturgische Reformen) begründet sind. Da die Vorlagen für Beheims Bibelversifikationen mit einer kleinen Ausnahme unbekannt sind, basiert nachfolgende Orientierungshilfe auf Palmers nützlicher Übersicht: Bibelübersetzung und Heilsgeschichte, S. 173–201: Verzeichnis der Meßlesungen und Glossen (Temporale). 44 Die Perikope war auch für den Palmsonntag vorgesehen. Darauf bezieht sich die Überschrift des Liedes (das ewangilg an dem balmtag), das daher zum Palmsonntag gestellt wurde.


Bibellieder und Leseordnung

Tag im Kirchenjahr

Perikope

Weihnachtsmette In nocte nativitatis

Mt 1,1–17 Stammbaum Jesu

1. Weihnachtsmesse In gallicantu (25. Dezember)

Lk 2,1–14 Geburt Jesu

Beheim

Überschriften

Beh/11 Beh/83

von der purt Cristi von der gepurt unsers hern Cristi

Beh/111

glos ubar daz ewengilg zu der krist mess das ewengilg zu der ersten kristmes Mit prophencien und viguren ist dy geburt Cristi bewert

1 1

1

Beh/252 Beh/292

1 1

2. Weihnachtsmesse In aurora

Lk 2,15–20 Die Hirten an der Krippe

Beh/34

1

Beh/121

1

3. Weihnachtsmesse Ad tertiam

Joh 1,1–14 Prolog des JohannesEvangeliums

1

Beh/253

St. Stephan (26. Dezember)

Mt 23,34–39 Weherufe Jesu

*********

Johannes Evangelista (27. Dezember)

Joh 21,19–24 Schicksal des Johannes Evangelista

*********

Unschuldige Kinder (29. Dezember)

Mt 2,13–18 Kindermord zu Bethlehem

*********

Sonntag in der Oktav von Weihnachten

Lk 2,33–40 Jesu Darstellung im Tempel

1

Circumcisio (1. Januar)

Lk 2,21 Beschneidung Jesu

Vigil von Epiphanias (5. Januar)

Mt 2,19–23 Rückkehr aus Ägypten

Epiphanias (6. Januar)

Mt 2,1–12 Die drei Weisen

1. Sonntag nach Epiphanias

Lk 2,42–52 Der 12-jährige Jesus lehrt im Tempel

1

Mittwoch

Joh 1,29–34 Zeugnis des Täufers

1

daz ewangelium czu der andern mess am cristag Daz ewangelium czu der andern cristmess das ewangili von dem wort

Beh/367

das ewangilg von her Simeons weissagung

Beh/35 Beh/122

von Cristi pesneidung von der peschneidung Cristi

Beh/36

wie der engel Josephen in Egipto im slaff erschain und im chundat, das er wider in Israhel solt varen

Beh/124 Beh/254

das ewangelium der dreier kung das ewangili von den hailgen drei küngen

Beh/368

als Jhesus verlorn wart und in dem tempel wider funden

Beh/39

das Johannes czaigt auf Christum

1 1

1

1 1

19


20

Bibelversifikationen und Perikopenordnung

Tag im Kirchenjahr

Perikope

Beheim

Überschriften

Freitag

Lk 4,14–22 Jesus in Nazareth

1

Beh/370

das ewangilg als Jhesus Isaias puch fur wart getragen

Oktav nach Epiphanias (13. Januar)

Mt 3,13–17 Taufe Jesu

1

Beh/37

das Christus tauft wart von Johanne in Jordan

2. Sonntag nach Epiphanias

Joh 2,1–11 Hochzeit zu Kana

1

Beh/369

von der hachczeit zu Kana Galilea, als gat wasser zu wein macht

Mittwoch

Mt 4,12–17 Beginn des Wirkens Jesu

1

Beh/38

das Jesus waich als Johannes gevangen was

Freitag

Mt 4,23–25 Krankenheilungen Jesu

1

Beh/41

von ewangelyo wie Jhesus dy menschen gesunt macht

3. Sonntag nach Epiphanias

Mt 8,1–13 Heilung des Aussätzigen; Hauptmann von Karfanaum

********

Freitag

Mk 3,6–15 Tötungsplan; Krankenheilungen; Berufung der Zwölf

1

4. Sonntag nach Epiphanias

Mt 8,23–27 Jesus stillt den Sturm

1

Mittwoch

Lk 9,57–62 Nachfolge Jesu

1

Freitag

Mk 6,1–6 Jesus in Nazareth

1

5. Sonntag nach Epiphanias

Mt 11,25–30 Jesu Lobpreis

1

Mt 13,24–30 Unkraut im Weizen

1

Lk 4,31–37 Dämonenaustreibung

1

Freitag

Beh/42

das die gleichsner mit chung Herodes dienern furn wider Jhesum, das sy in pegriffen und das Jhesus waich zu dem mer

Beh/43

das Jesus slieff im schiff und gross ungewiter was

Beh/45

das Jesus eitlich vordert, das sy im nach volgten

Beh/44

das Jesus in seins vaters land cham und dy juden an im geergert wurden

Beh/46

vom ewangilg, das Jesus wider sein vater sprach, wie er sein taugenthait den weisen verporgen hab und den clainen geoffenbart

Beh/371

die gleichnis von dem aker, den der veint mit raden saiet

Beh/40

das Jhesus die tiefel von den menschen traib und wie seu in vermelten, das er wer gotes sun


Bibellieder und Leseordnung

Tag im Kirchenjahr

Perikope

Beheim

Überschriften

Sonntag Septuagesima

Mt 20,1–16 Arbeiter im Weinberg

1

Beh/427

das exempel von dem hauss wirt der werkleut in seinem weingarten gewan

Sonntag Sexagesima

Lk 8,4–15 Vom Sämann

1

Beh/256

die gleichnus, die Jhesus von dem samen sagt

Mittwoch

Mt 12,30–37 Von unrechten Worten

1

Beh/373

wie man got an dem jungsten tag antwurt muss geben umb alle unnücze wart

Sonntag Quinquagesima

Lk 18,31–43 Leidensankündigung; Blindenheilung

1

Beh/382

wie Jhesus seinen jungern offenpart, das er sterben salt

Aschermittwoch

Mt 6,16–21 Vom Fasten

1

Beh/48

das Jesus sein junger lert vastenn

Donnerstag

Joh 8,31–47 Wer aus Gott ist, hört sein Wort

1

Beh/431

daz ewangilg wer von got ist, der horet gotes wart

Freitag

Mt 5,43–6,6 Feindesliebe

1

Beh/428

wie uns gat lert, das wir unser veind liep solten haben

Samstag

Mk 6,47–56 Jesus geht über das Wasser

1

Beh/374

als Jhesus mit trukem fuss zu seinen jungern auff das mer gieng

1. Fastensonntag

Mt 4,1–11 Versuchung Jesu

1

Beh/375

das ewangilg an dem weissen suntag [von Beheim falsch zugeordnet]

Montag nach 1. F.

Mt 25,31–46 Jüngstes Gericht

1

Beh/450

ain ewangilg von dem jungsten tag

Dienstag nach 1. F.

Mt 21,10–17 Reinigung des Tempels

1

Beh/376

als Jhesus die wechsler aus dem tempel traib

Freitag nach 1. F.

Joh 5,1–15 Heilung eines Gelähmten

1

Beh/257

als Jhesus den menschen gsunt machet bei der vischgrub

Samstag nach 1. F.

Mt 17,1–9 Verklärung Jesu

1

Beh/37745

wie sich gat vor seinen jungern verwandelt auf dem perge Thabor

Die Perikope war auch für den 4. Fastensonntag vorgesehen. Im Blick auf die Reihenfolge der Liednummern wird 1Beh/377 zum Quatembersamstag in der Fastenzeit gestellt.

45

21


22

Bibelversifikationen und Perikopenordnung

Tag im Kirchenjahr

Perikope

Beheim

Überschriften

2. Fastensonntag

Mt 15,21–28 Glaube der heidnischen Frau

1

Beh/378

von dem haidenischen frowlin, dem unser herr sein tochter gesunt maht

Montag nach 2. F.

Joh 8,21–29 Über Jesu Tod und den Unglauben der Menschen

1

Beh/379

wie Jhesus bezaichent, mit welchem dot er sterben wurd

Dienstag nach 2. F.

Mt 23,1–12 Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern

1

Beh/380

wie Jhesus lert von den briestern, das wir uns an ire wort sullen keren und nicht an dy werk

Mittwoch nach 2. F.

Mt 20,17–28 Leidensankündigung Jesu

1

Beh/260

wie Jhesus seinen jungern sein marter verkundet

Donnerstag nach 2. F.

LK 16,19–3146 Der reiche Mann und der arme Lazarus

1

Beh/430

Von dem reichen man und dem betler Lasaro

Freitag nach 2. F.

Mt 21,33–46 Gleichnis von den Winzern

1

Beh/432

das ewangilg von dem weingarten, darinn der turn stund

Samstag nach 2. F.

Lk 15,11–32 Vom verlorenen Sohn

1

Beh/429

von dem verlaren sun

3. Fastensonntag

Lk 11,14–28 Heilung eines Besessenen

*********

Donnerstag nach 3. F.

Joh 6,27–35 Brot des Lebens

1

Freitag nach 3. F.

Joh 4,5–42 Jesus und die Samariterin

4. Fastensonntag

Mt 17,1–9 Verklärung Jesu

Beh/372

wie Kristus den juden verkundet das himmel brat

1

Beh/305

Das ist das ewangilg als Jhesus von Samaria auf dem prunnen sas

(1Beh/377 )47

wie sich gat vor seinen jungern verwandelt auf dem perge Thabor

Nach Palmer: Bibelübersetzung und Heilsgeschichte, S. 190 am 1. Sonntag nach Dreifaltigkeit. 47 Dieses Lied ist beim Quatembersamstag eingeordnet; vgl. die Begründung in Anm. 45. 46


Bibellieder und Leseordnung

Tag im Kirchenjahr

Perikope

Beheim

Überschriften

Freitag nach 4. F.

Joh 11,1–45 Auferweckung des Lazarus

1

Beh/433

von der urstend des Lasaro

Passionssonntag

Joh 8,46–59 Jesus und Abraham

*********

Palmsonntag Benedictio palmarum

Mt 21,1–9 Jesu Einzug in Jerusalem

1

Gründonnerstag

Joh 13,1–15 Abendmahl und Fußwaschung

1

Karfreitag

Joh 18,1–19,42 Leidensgeschichte Jesu

1

Karsamstag 1. Lesung nach dem Exsultet

Gen 1,1–2,2 Schöpfungsgeschichte

1

Evangelium

Mt 28,1–7 Das leere Grab

1

Ostersonntag

Mk 16,1–7 Das leere Grab

*********

Ostermontag

Lk 24,13–35 Gang nach Emmaus

*********

Donnerstag

Joh 20,11–18 Jesus erscheint Maria Magdalena

1

Weißer Sonntag

Joh 20,19–31 Jesus erscheint den Jüngern

*********

Beh/25948

das ewangilg an dem balmtag [vgl. zum 1. Adventssonntag]

Beh/383

das ist das abend essen

Beh/384

das ist der passion, als in Sanctus Jahannes an dem karfreitag schreibet, und saget gancz nach dem tegx on zu legung

Beh/251

von den geschopften himel und erd

Beh/385

von der urstend unsers hern Jhesu Cristi. das ewangilg an dem oster abent ist das

Beh/386

wie Jhesus Maria Madalenen erschain in aines gartnars weis [vgl. zum 1. Fastensonntag]

In diese Leseordnung lassen sich nur drei Lieder nicht einordnen: 1Beh/47 (Mk 10,13–16: Die Segnung der Kinder), 1Beh/255 (Mk 5,21–34: Heilung einer kranken Frau) und 1Beh/381 (Lk 14,1–11: Heilung am Sabbat). Unter Berücksichtigung der benachbarten Liednummern könnte 1Beh/47 (das man Jhesu die Die Perikope war auch für den 1. Adventssonntag vorgesehen. Wegen der Liedüberschrift ist 1Beh/259 hierher gestellt. 48

23


24

Bibelversifikationen und Perikopenordnung

chind zu pracht) zu einem Ferialtag zwischen dem 5. Sonntag nach Epiphanias und dem Aschermittwoch gehören.49 Ähnlich könnte es sich bei 1Beh/381 (wie Jhesus den wassersuchtigen menschen in des gleissners haus gesunt macht) verhalten, das in eine Leerstelle nach dem 3. und dem 4. Fastensonntag passen würde.50 Die breite Streuung der Lieder aus dem Block 1Beh/251–260 innerhalb der Leseordnung lassen hingegen bei 1Beh/255 (das ewangili, das Kristus dem Jaro sein tachter gesunt macht) keinen vergleichbaren Vorschlag zu, obwohl diese Textstelle explizit als das ewangili gekennzeichnet ist. Eine solche Kennzeichnung geht – wie in den anderen Fällen, bei denen die versifizierte Bibelstelle als Evangelium benannt wird – auf eine Vorlage Beheims zurück. Es gab also eine Leseordnung mit Mk 5,21–34 als Perikope.51 Auffallend an der Übersicht sind die Sonn- und Feiertage, für die keine Bibellieder vorliegen: Das sind der 1.52 und der 4. Adventssonntag, der 3. Sonntag nach Epiphanias, der 3. Fastensonntag, der Passionssonntag, der Ostersonntag und -montag sowie der Weiße Sonntag;53 dazu kommen noch die drei Feiertage nach Weihnachten (26., 27. und 29. Dezember): St. Stephan, Johannes Evangelista und Unschuldige Kinder (Innocentes). Da Beheim keine Perikopen zu Heiligenfesten (Marienfeste eingeschlossen) versifiziert hat, lassen sich diese Leerstellen vielleicht dadurch erklären. Anders ist es bei den genannten Sonntagen, bei denen die Vermutung von Textverlusten naheliegt. Nicht weniger ins Auge sticht, dass Beheim einzelne Perikopen aus dem Weihnachtsfestkreis mehrfach versifiziert hat: im Advent am Quatembermittwoch die Verkündigung der Geburt Jesu viermal, zu Weihnachten zweimal die Weihnachtsmette, die erste Weihnachtsmesse dreimal, die zweite Weihnachtsmesse zweimal und Circumcisio (Beschneidung Jesu) zweimal. Dieser Sachver49 Da Beheim zwischen dem 1. Sonntag nach Epiphanias und dem Sonntag Septuagesima in der Regel das Evangelium vom Mittwoch und Freitag versifizierte, aber nach dem 3. und dem 5. Sonntag nach Epiphanias der Mittwoch ausgelassen ist, könnte dieses Lied für einen dieser beiden Ferialtage gedacht gewesen sein. 50 Nach dem 3. Fastensonntag hat Beheim zur ersten und zweiten Fastenwoche nur die Evangelien zum Donnerstag und Freitag, nach dem 4. Fastensonntag sogar nur das Evangelium zum Freitag versifiziert. Die übliche Zuweisung von Lk 14,1–11 als Evangelium zum 17. Sonntag nach Trinitatis (vgl. Palmer: Bibelübersetzung und Heilsgeschichte, S. 197) dürfte für Beheim wohl ausscheiden, da seine Versifikationen nur bis in die Osterwoche reichen. 51 Bei Palmer: Bibelübersetzung und Heilsgeschichte, S. 211 nicht nachgewiesen. 52 Das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem (Mt 21,1–9) wurde neben der Palmweihe am Palmsonntag auch am 1. Adventssonntag zur Eröffnung des Kirchenjahres gelesen (vgl. Palmer: Bibelübersetzung und Heilsgeschichte, S. 173 und 184). Weil Beheim seine Versifikation der Perikope als das ewangilg an dem balmtag ausgewiesen hat, ergibt sich für den 1. Advent eine Leerstelle im vorliegenden Korpus der Bibelversifikationen. 53 Beheim hat zwar 1Beh/375 dem weissen suntag zugeordnet, aber die versifizierte Perikope (Mt 4,1–11) gehört zum 1. Fastensonntag.


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Die Perikopenlieder Michel Beheims by Schwabe Verlag - Issuu