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Das Kloster Schöntal bei Langenbruck

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SABL 54 Das idyllisch in einem Seitental nördlich von Langenbruck gelegene Schöntal ist das älteste Kloster des Kantons BaselLandschaft. Die Gründung der Grafen von Frohburg wird 1145 erstmals erwähnt. 1187 war der Bau der heute noch weitgehend erhaltenen Kirche mit ihrem bemerkenswerten Skulpturenschmuck vollendet. Anhand der archäologischen und bauhistorischen Befunde zeichnet die Autorin die Geschichte der Klosteranlage nach: von den Anf ängen als Doppelkloster für Mönche und Nonnen des Benediktinerordens über die Zeit der Serviten bis hin zur Umnutzung nach der Reformation – erst als Sennhof des Basler Bürgerspitals und schliesslich als privater Landsitz.

FELICIA SCHMAEDECKE

Diese erste archäologische Bestandsaufnahme wirft ein neues Licht auf eine der wichtigsten Kulturerbestätten der Region. Die Autorin bezieht sämtliche verfügbaren Quellen ein, ergänzt um Expertisen zum plastischen Dekor der Kirchenfassade, zu den Wandmalereifragmenten, zum Fundmaterial und zu den Bestattungen. Dieser umfassende Blick ermöglicht zahlreiche neue Erkenntnisse – der Band wird so zur Referenz für zukünftige Forschungen.

Das Kloster Schöntal bei Langenbruck

Die archäologischen Untersuchungen im ehemaligen Kloster

Das Kloster Schöntal bei Langenbruck Die Bau- und Nutzungsgeschichte vom 12. Jahrhundert bis heute FELICIA SCHMAEDECKE I S B N 978-3-7965-4079-0

Schwabe Verlag www.schwabeverlag.ch

SABL 54 Schöntal_Umschlag.indd 1

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783796 540790

Schriften der Archäologie Baselland 54

28.11.19 15:13


Das Kloster Schöntal bei Langenbruck Die Bau- und Nutzungsgeschichte vom 12. Jahrhundert bis heute

FELICIA SCHMAEDECKE

mit Beiträgen von Rahel C. Ackermann Cornelia Alder Sandra Billerbeck Sabine Gisiger Carola Jäggi Hans-Rudolf Meier Philippe Rentzel

Schriften der Archäologie Baselland 54

Schwabe Verlag


Erschienen 2020 im Schwabe Verlag Basel Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abruf bar.

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0) Impressum Herausgeber: Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft, Archäologie Baselland www.archaeologie.bl.ch Redaktion, Layout: Reto Marti Grafik, Layout: Tom – it’s fair design! www.tom-ifd.ch Korrektorat: Andreas Fischer © 2020 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elek­tronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Gesamtherstellung: Die Medienmacher AG, Muttenz, Schweiz Printed in Switzerland ISBN 978-3-7965-4079-0 ISBN eBook 978-3-7965-4127-8 DOI 10.24894/978-3-7965-4127-8 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltext­ suche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch


Inhalt Zum Geleit (Reto Marti) Vorwort

11 13

1

Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7

Historischer Überblick Historische Ansichten, Karten und Pläne Die Forschungsgeschichte bis 1987 Die Ausgrabungen und Bauuntersuchungen 1987–1989 und 1999–2000 Das Publikationsprojekt Bemerkungen zur Auswertung Das Kloster in der Literatur nach 1989

16 19 24 36 41 47 50 52

2

Die Kirche – Beschreibung des originalen Bestands und späterer Eingriffe

2.1 Baubeschreibung 2.1.1 Der Aussenbau 2.1.2 Der Innenraum 2.2 Forschungsstand 2.3 Die Untersuchungen 2.4 Die Befunde 2.4.1 Der anstehende Boden 2.4.2 Das Bauniveau und Befunde zum Bauvorgang 2.4.3 Der originale Baubestand Fundamente 68 – Aufgehendes Mauerwerk 70 – Türen 80 – Fenster 83 – Binnenstruktur und Ausstattung 85 – Fussböden und Niveaus 89 2.4.4 Befunde aus der Zeit der Nutzung bis zur Reformation Ausmalungsphasen 89 2.4.5 Bestattungen in der Kirche Bestattungen im Chor 91 – Bestattungen im Kirchenschiff 93 2.4.6 Befunde aus der Zeit nach der Auf hebung des Klosters Der Ziegelofen in der Nordwestecke 95 – Der Einbau des Zwischen bodens und zugehörige Eingriffe am Mauerwerk 99 – Die Werkstatt in der Nordostecke 104 – Sekundäre Strebepfeiler an der Nord- und Südmauer und umgebende Befunde 105 – Der Keller im südlichen Teil 106 – Die Drainage auf der Längsachse 107 – Diverse Störungen 108 – Fussböden und Laufniveaus 108 – Nicht einzuordnende Boden und Baubefunde 109 – Verputze, Kalkschlämmen und Anstriche 110 3

Das Klosterareal – Klausur, Kapelle und Friedhöfe

3.1 Die Grabungsareale östlich und nördlich der Kirche 3.1.1 Die Untersuchungen 3.1.2 Die Befunde Der anstehende Boden 114 – Planierung 254 114 – Die Gräber 114 – Neuzeitliche Befunde 117 3.2 Das Grabungsareal westlich der Kirche 3.2.1 Die Untersuchungen 3.2.2 Die Befunde Der anstehende Boden 118 – Steinstickung 77 118 – Mauer 16 119 – Die Gräber zwischen der Kirche und Mauer 16 119 – Die Gräber westlich von Mauer 16 121 – Befunde zur Aufgabe des Friedhofs 121 – Neuzeitliche Befunde 121 3.3 Die Untersuchungen im Westtrakt

54 55 55 56 56 59 62 62 64 68

89 91 95

112 113 113 114 117 117 118

123


Inhalt

3.3.1 Baubeschreibung Der Aussenbau 123 – Das Innere 124 3.3.2 Forschungsstand 1987 3.3.3 Die Untersuchungen 3.3.4 Die Befunde 3.3.4.1 Originaler Baubestand Aussenmauern 128 – Befunde zur Raumaufteilung und Ausstattung 131 3.3.4.2 Befunde aus der Zeit bis zur Reformation 3.3.4.3 Befunde aus der Zeit nach der Auf hebung des Klosters Jüngere Befunde an den originalen Mauern 132 – Aussen mauern 134 – Binnenmauern 137 – Schicht- und Fussboden befunde 138 3.4 Die Sondierungen im Hof südlich der Kirche 3.4.1 Forschungsstand 1987 3.4.2 Die Untersuchungen 3.4.3 Die Befunde 3.4.3.1 Ehemaliger Kreuzgang Der anstehende Boden 141 – Ein vorklosterzeitlicher Mauerzug? 141 – Die Kreuzgangmauern 141 – Weitere Befunde im Kreuzgang 142 – Befunde zur Aufgabe des Kreuzgangs 142 – Neuzeitliche Befunde 143 3.4.3.2 Ehemaliger Klausur-Osttrakt Die Mauern 145 – Fussböden 146 – Kanal 172 147 – Nicht zum Gebäude gehörende jüngere Befunde 148 3.4.3.3 Der Treppenturm in der Nordwestecke des Hofs 3.5 Die Sondierungen am Südtrakt 3.5.1 Forschungsstand 1987 3.5.2 Die Sondierungen 3.5.3 Die Befunde 3.5.3.1 Haupthaus 3.5.3.2 Pächterhaus 3.5.3.3 Kellergebäude, ehemalige Marienkapelle Der anstehende Boden 153 – Die Kapellennordmauer und zugehörige Befunde im Aussenbereich 153 – Die Keller nordmauer von 1753 und zugehörige Befunde im Aussen bereich 155 4

Die Funde – Zeugnisse des alltäglichen Lebens

4.1 Geschirrkeramik (Sandra Billerbeck) 4.1.1 Römerzeit 4.1.2 Hochmittelalter 4.1.3 Spätmittelalter Töpfe 159 – Dreibeintöpfe 160 – Dreibeinpfannen 161 – Schalen 161 – Talglämpchen 161 – Sparhafen 162 – Deckel 162 4.1.4 Neuzeit 4.1.4.1 Unglasierte Irdenware 4.1.4.2 Glasierte Irdenware Glasierte Irdenware ohne Dekor 164 – Malhornware 164 – Halb fayence 168 – Fayence 168 – Steingut 168 – Porzellan 170 4.2 Ofenkeramik (Sandra Billerbeck) 4.2.1 Napf kacheln 4.2.2 Tellerkacheln 4.2.3 Blattkacheln 4.2.4 Nischenkacheln

123 127 127 128 128 132 132

139 139 140 141 141

145 148 149 149 150 151 151 151 153

156 157 158 158 158 162 164 164 170 170 171 172 174


Inhalt

4.2.5 Kranzkachel 4.2.6 Leistenkacheln 4.2.7 Überlegungen zur Ofenkeramik 4.3 Baukeramik (Sandra Billerbeck) 4.4 Glas (Sandra Billerbeck) 4.4.1 Fensterglas 4.4.2 Hohlglas 4.5 Metall (Sandra Billerbeck) 4.5.1 Nägel 4.5.2 Geschossspitze 4.5.3 Meissel 4.5.4 Messer 4.5.5 Kleiderschmuck 4.6 Tonpfeife (Sandra Billerbeck) 4.7 Münzen (Rahel C. Ackermann) 4.8 Architekturteile (Felicia Schmaedecke) 4.8.1 Vermutlich von der Kapelle stammende Architekturteile Halbsäulenbasis 188 – Gesimsstück mit Würfelfries 191 – Keilsteine eines Bogens 195 4.8.2 Aus der Kirche stammende Architekturteile Fensterrahmen aus Holz 196 4.8.3 Aus der Klausur des Klosters stammende Architekturteile Basis 199 – Kapitelle 200 – Säulchen 204 4.8.4 Spätgotische Architekturteile Teile eines Masswerkfensters 205 4.8.5 Neuzeitliche Architekturelemente Holzständer 207 5

Die Bestattungen – Ergebnisse der anthropologischen Untersuchungen

(Cornelia Alder) 5.1 Material und Erhaltung 5.2 Die Friedhofsbestattungen 5.2.1 Demografie Geschlechterverhältnis 209 – Altersauf bau 210 – Lebenserwartung 213 – Geschlechterauf bau 213 – Zusammenfassung der demografi schen Befunde 213 5.2.2 Körperhöhenschätzungen 5.2.3 Gesundheitszustand Degenerative Veränderungen 215 – Entzündungen 216 – Alimentär bedingte Krankheiten 217 – Knochenbrüche und Verletzungen 217 – Gebisserkrankungen 218 – Zusammenfassung der pathologischen Befunde 219 5.3 Die Kirchenbestattungen 5.3.1 Demografie Geschlechterverhältnis 219 – Altersauf bau 219 5.3.2 Körperhöhenschätzungen 5.3.3 Pathologische Befunde Degenerative Veränderungen 220 – Entzündungen 221 – Alimentär bedingte Erkrankungen 222 – Differentialdiagnosen 222 – Knochen brüche und Verletzungen 222 – Gebisserkrankungen 223 – Ein Fall von tertiärer Syphilis 223 – Zusammenfassung der pathologischen Befunde 224 5.4 Friedhofs- und Kirchenbestattungen – ein Vergleich

174 174 175 176 178 178 178 180 180 182 182 183 183 184 185 186 186 196 199 205 207 208 209 209 209

214 214

219 219 220 220

224


Inhalt

6

Die Westfassade – Das ‹Prunkstück› der Kirche

226

(Carola Jäggi, Hans-Rudolf Meier) 6.1 Bestandesaufnahme 6.2 Bemerkungen zur Steinbearbeitung, ursprünglichen Farbigkeit und zu den Renovierungen 6.3 Ikonografie 6.4 Zu Stil und Datierung der Schöntaler Fassadenskulpturen 6.5 Würdigung

235 240 244

7

246

Die Wandmalereien – Betrachtungen zu Entstehung, Form und Aufgabe

(Sabine Gisiger) 7.1 Christophorus 7.1.1 Beschreibung 7.1.2 Ikonografie und Funktion 7.1.3 Stil und Datierung 7.2 Weihrauchfass schwenkender Engel mit Teppichmalerei 7.2.1 Beschreibung 7.2.2 Ikonografie 7.2.3 Stil und Datierung 7.3 Nimbierter Kopf eines Heiligen 7.3.1 Beschreibung 7.3.2 Ikonografie 7.3.3 Stil und Datierung 7.4 Übrige Dekoration 7.5 Würdigung

227 234

247 247 249 251 254 254 256 256 258 258 259 260 260 261

8 Die Baugeschichte – Von Nonnen und Mönchen über vier Jahrhunderte geprägt

262

8.1 Die Zeit vor der Klostergründung 8.2 Die Anfänge des Klosters: Der erste Kirchenbau (vor 1145) 8.2.1 Rekonstruktion der Kirche 8.2.2 Einordnung und Würdigung 8.2.3 Zugehörige Bauten 8.2.4 Von Anfang an als Doppelkloster geführt? 8.2.5 Grablege der Frohburger? 8.3 Der Ausbau des Klosters: Neubau von Klosterkirche und Klausur (Weihe 1187) 8.3.1 Die Kirche 8.3.1.1 Die projektierte Basilika und der Planwechsel Kasten: Herkunft der Baustoffe (Philippe Rentzel) 279 8.3.1.2 Der ausgeführte Dreiapsidensaal Baumaterial, Beschaffung und Steinbearbeitung 280 – Plasti sche Gestaltung der Aussen- und Innenwände: Gliedernde und dekorative Elemente 281 – Behandlung der Wände mit Pietra-rasa-Verputz und Fugenstrich 284 – Die Fenster und ihr Verschluss 287 – Oberer Raumabschluss und Dächer 291 8.3.1.3 Innere Disposition, Zugänglichkeit und Ausstattung Der Ostbereich 293 – Das Kirchenschiff 296 8.3.1.4 Versuch einer architekturgeschichtlichen Einordnung und Würdigung der Kirche 8.3.2 Die Klausur 8.3.2.1 Der Kreuzgang 8.3.2.2 Der Osttrakt: Das Mönchs- oder Nonnenhaus Der kleine Raum: Kapitelsaal oder Sakristei? 319 – Der grosse Raum: Auditorium/Parlatorium 322 – Mögliche weitere Erdgeschossräume 323 – Das Dormitorium 323

263 265 265 268 269 269 270 271 273 273 280

293 300 311 313 318


Inhalt

8.3.2.3 Der Westtrakt: Wirtschafts- und Wohnbereich? Das Erdgeschoss: Raumaufteilung, Ausstattung und Nutzung 325 – Das Obergeschoss 327 – Offene Fragen 327 8.3.3 Die Marienkapelle 8.3.4 Weitere Bauten im Klosterareal 8.3.5 Zur Wasserversorgung des Klosters 8.3.6 Sonderfall Doppelkloster 8.3.6.1 Zur Institution Doppelkloster 8.3.6.2 Doppelklöster: Eine Spurensuche am architektonischen Bestand Kloster Allerheiligen in Schaff hausen 335 – Kloster Bein wil 335 – Kloster St. Johann im Thurtal 335 – Kloster Muri 336 – Kloster Rheinau 337 – Propstei Wagenhausen 338 – Kloster Engelberg 339 – Chorherrenstift Interlaken 341 – Ergebnisse 342 8.3.6.3 Wer war wo im Doppelkloster Schöntal? 8.3.6.4 Der Platz der Konversen und Konversinnen im Doppelkloster 8.4 Das Kloster vom 13. Jahrhundert bis zur Auf hebung 1529 8.4.1 Das Kloster und die Kirche unter den Benediktinerinnen 8.4.2 Das Kloster und die Kirche unter den Serviten Kasten: Die Legende von der Gründung des Klosters Schöntal 8.4.3 Die Klausur 8.4.3.1 Der Kreuzgang 8.4.3.2 Der Osttrakt 8.4.3.3 Der Westtrakt Die Leistendecke mit Flachschnitzereien 370 8.4.4 Die Marienkapelle 8.4.5 Die Mauer zwischen der Marienkapelle und dem Westtrakt 8.4.6 Die Bestattungen 8.4.6.1 Die Innenbestattungen Die Gräber im Chor 383 – Die Gräber im Kirchenschiff 386 8.4.6.2 Die Aussenbestattungen bei der Kirche Der ausgesonderte Bestattungsbereich vor der Westfassade 393 8.4.6.3 Weitere Friedhofareale 8.4.7 Exkurs zur Magdalenenkapelle beim Spittel 8.4.7.1 Die romanische Kapelle 8.4.7.2 Umbau zum heutigen Wohnhaus

323 327 328 328 329 329 331

345 348 350 351 354 360 368 368 369 369 379 382 382 382 390 394 395 396 398

9 Nach der Reformation – Vom Sennhof des Basler Spitals zum privaten Familiensitz

400

9.1 Die Kirche 9.1.1 Nutzung als Remise 9.1.2 Einrichtung als Ziegelhütte 1645 9.1.3 Einbau einer Kornschütte 1687/1688 9.1.4 Massnahmen zwischen 1688 und 1850 9.1.5 Restaurierungen und Baumassnahmen ab 1850 9.2 Der Kreuzgang 9.3 Der Osttrakt 9.4 Der Südtrakt 9.4.1 Das Haupthaus (‹Neues Haus›) 9.4.1.1 Der Neubau von 1577 9.4.1.2 Die Erweiterung von 1597 9.4.1.3 Renovationen des 18. Jahrhunderts 9.4.1.4 Die Renovation von 1907 9.4.2 Das Pächterhaus, ehemaliger Pferdestall

403 403 403 412 418 420 428 430 431 431 432 435 438 439 442


9.4.3 Die Marienkapelle, heutiges Kellergebäude 9.4.3.1 Die Marienkapelle 9.4.3.2 Der Umbau zum Keller 1753 9.4.3.3 Die Verkürzung des Kellers 1907 9.5 Der Westtrakt 9.5.1 Die Teilerneuerung im späten 16. Jahrhundert 9.5.1.1 Das Äussere 9.5.1.2 Das Innere 9.5.1.3 Die Nutzung des Gebäudes nach den Inventaren 9.5.1.4 Ergebnis 9.5.2 Der Schopf an der Nordseite 9.5.3 Der Anbau der heutigen Wendeltreppe und Eingriffe im Haus im späten 17. Jahrhundert 9.5.4 Der Umbau von 1740 9.5.5 Eingriffe zwischen 1740 und 1831 9.5.6 Das Haus im 19. und 20. Jahrhundert 9.6 Die Hofmauer zwischen dem Süd- und dem Westtrakt 9.7 Wirtschaftsbauten

443 443 445 446 447 447 451 453 455 457 459 459

10 Zusammenfassung

468 475 482

Résumé Summary Anhang

Abkürzungen Quellen- und Literaturverzeichnis Abbildungsnachweis

460 463 464 465 466

489 489 490 517

Katalog Nur online verfügbar als «Schriften der Archäologie Baselland» Band 54 b ISBN eBook 978-3-7965-4138-4 DOI 10.24894/978-3-7965-4138-4 A

Katalog der Befunde

7 (b)

(Felicia Schmaedecke) B

Katalog der Mörtel und Verputze

119 (b)

(Felicia Schmaedecke, nach Eva Oxé, Christoph Federer und Philippe Rentzel) C

Katalog der Gräber

125 (b)

(Felicia Schmaedecke, Cornelia Alder) Anhang

Abkürzungen Literaturverzeichnis

165 (b) 165 (b) 166 (b)


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Zum Geleit Mit der Vorlage dieses Buches ist eine ‹Altlast› abgetragen, die ich 2009 bei meinem Amtsantritt übernommen habe. Wobei der Begriff nicht ganz zutrifft. Wohl gehen die wesentlichen Untersuchungen auf die 1980er Jahre zurück, haben also ein gewisses Alter. Aber eine ‹Last› ist das erste und einzige hochmittelalterliche Kloster der Landschaft Basel archäo­logisch gesehen natürlich keineswegs. Von den Grafen von Frohburg vor über 750 Jahren gegründet, nach der Reformation zum Sennhof und schliesslich zum privaten Familiensitz umgebaut, präsentiert sich das Schöntal noch heute als Kleinod in idyllisch abgeschiedener Landschaft. Die romanische Kloster­k irche hat nach einer Zwischennutzung als Remise, Ziegelhütte und Kornschütte schliesslich als Kunstgalerie durchaus ein wenig von ihrer Sakralität zurückgewonnen. Und unter dem Label Sculpture at Schoenthal setzen sich heute Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt in Dialog mit Natur und Landschaft und schaffen rund um das Kloster Werke von berückender Qualität. Höchste Zeit also, dem Ort eine würdige Monografie zu widmen! Denn der kulturgeschichtlichen Bedeutung entsprechend wurde und wird viel über das Kloster geschrieben. Nicht immer sind dabei die Erkenntnisse der letzten dreissig Jahre in die Überlegungen mit eingeflossen. Es freut mich ausserordentlich, dass ich mit Felicia Schmaedecke eine profunde Kennerin der mittelalterlichen Archäologie und Kunstgeschichte für das Auswertungsprojekt gewinnen konnte. Mit Akribie und der nötigen Beharrlichkeit hat sie sich der Dokumentation der damaligen Untersuchungen angenommen, hat überprüft, berichtigt und nachgeforscht – nicht nur in öffentlichen und privaten Archiven, sondern auch vor Ort, soweit es der heute einsehbare Baubestand zuliess. Entstanden ist nichts Geringeres als eine Referenz. Wer sich zukünftig mit der Geschichte des Klosters Schöntal und seiner Nachfolgebauten auseinandersetzen möchte, wird um das vorliegende Buch nicht herumkommen. Ein wissenschaftliches Werk dieser Grössenordnung schreibt sich heute im Kollektiv. Es ist mir ein Anliegen, den vielen Beteiligten meinen grossen Dank auszusprechen: dem damaligen Grabungsleiter Pavel Lavicka und seinem Team, den damaligen und heutigen Besitzern und Anwohnern, die mit Rat und Tat zur Seite standen – für die Namen sei auf das Vorwort der Autorin verwiesen –, insbesondere aber auch allen Mitautorinnen und Mitautoren. So haben sich Carola Jäggi und Hans-Rudolf Meier der berühmten Westfassade der Kirche mit ihren romanischen Skulpturen angenommen. Sabine Gisiger untersuchte die Reste der mittelalterlichen Wandmalereien. Cornelia Alder hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit die Bestattungen rund um das Klosterareal anthropologisch bearbeitet. Sandra Billerbeck und Rahel Ackermann behandeln die Klein- und Münzfunde. Raymond Kontic, Philippe Rentzel und Christian Hübner haben sich mit dendrochronologischen, geologischen beziehungsweise prospektiven Untersuchungen eingebracht. Die Fundzeichnungen sind das Werk von Michael Vock und Andrea Stutzer. Sarah Schäfer hat die Pläne sämtlicher Befunde zusammengestellt und druckfertig auf bereitet. Der Schwabe Verlag hat das Buch in gewohnt sorgfältiger Weise produziert. Die Stiftung Edith Maryon hat die Produktion des Buches mit einem namhaften Beitrag unterstützt. Die Berta Hess-Cohn Stiftung übernahm in grosszügiger Weise die Druckkosten. Ihnen allen gebührt ein herzliches Dankeschön! Ein ganz besonderer Dank geht an Felicia Schmaedecke, die es verstanden hat, aus den zum Teil disparaten Spuren, Hinweisen und Manuskriptentwürfen einer ‹Altlast› ein Monument der Oberbaselbieter Geistes- und Kulturgeschichte zu formen. Auf dass die Forscherinnen und Forscher ebenso wie die Besucherinnen und Besucher diesem wunderbaren Ort mit neuem Blick begegnen! Reto Marti, Kantonsarchäologe im März 2019


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Vorwort Abseits von allen Straßen, von allen Menschenansammlungen, inmitten rauschender Wälder und weiten sonnenhellen Triften, bei den Flühen, auf denen die Falken horsteten, rings umweht vom frischen Hauche des Berglandes lebten in ihrer Klausur die Mönche. (Wackernagel 1932, 19) Mit diesen poetischen Worten umriss der Historiker Rudolf Wackernagel den Ort, an dem sich fast vier Jahrhunderte lang klösterliches Leben abspielte: das im Baselbieter Jura gelegene Kloster Schöntal. Sie spiegeln die Begeisterung des Forschers für die Anlage, die mit ihrer abgeschiedenen Lage in einer aus bewaldeten Hängen, Matten und Kuhweiden bestehenden Kulturlandschaft bis heute eine besondere Faszination auf den Besucher ausübt. Zwar hat das Kloster Schöntal nie überragende Grösse und Bedeutung erlangt, ist aber als erste und einzige hochmittelalterliche Klostergründung auf dem Gebiet des heutigen Kantons Basel-Landschaft von besonderem Interesse. Seit der Reformation vor nahezu 500 Jahren werden die Bauten für profane Zwecke genutzt, wobei ihre Lage im ländlichen Bereich eine Umnutzung als Landwirtschaftsbetrieb begünstigte: Als Zentrum eines Sennhofes des Bürgerspitals Basel, der vier Jahre nach der Kantons­trennung 1833 in Privatbesitz überging, blieb ein Teil der einstigen Klosterbauten von diversen Abbrüchen, Um- und Neubauten verschont. Ein besonderer Glücksfall ist die fast vollständige Erhaltung der aus dem späten 12. Jahrhundert stammenden Kirche, deren anspruchslose Neunutzung als multifunktionales Wirtschaftsgebäude (Remise, Ziegelhütte, Kornspeicher, Abstellraum, Werkstatt, Vorratskeller und Holzlager) die Aussenhülle weitgehend unbeschadet liess. Sie bildete einst das Zentrum des Klosters und zählt heute mit ihrer skulpturengeschmückten Westfassade zu den bedeutendsten kunstgeschichtlichen Baudenkmälern der Romanik in der Schweiz. Eine dem Wert des Objekts angemessene wissenschaftliche Bearbeitung der baulichen Hinterlassenschaften ist bis heute nicht erfolgt, obwohl die Ausgrabungen und Bauuntersuchungen von 1987 – 1989 und 1999 – 2000 bedeutende Erkenntnisse zutage gefördert haben, die das bis dahin bekannte Bild vom Kloster, seinen Bauten und deren Nutzung beträchtlich erweitern. Eine systematische und profunde Auswertung inklusive der Einbindung der Ergebnisse in den aktuellen Forschungsstand soll diese Lücke nun schliessen. Dieser Schritt ist nicht nur für den Fortgang der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kloster notwendig, sondern bietet auch zukünftigen archäologischen und bauanalytischen Forschungen vor Ort eine solide Basis. Sie ist zudem unabdingbar für den korrekten Umgang mit den 1967 unter Denkmalschutz gestellten Bauten, für die Einschätzung ihres Denkmalwerts und im erforderlichen Fall auch für deren adäquate Sanierung. Im Auge zu behalten ist dabei, dass die vorliegende Monografie keine abschliessende Bearbeitung der noch vorhandenen Baulichkeiten darstellt, sondern den derzeitigen, vorläufigen Kenntnisstand wiederspiegelt. Dass die nun vorliegende umfassende Publikation über das ehemalige Kloster und spätere Hofgut überhaupt zustande kam, ist der Initiative des Kantonsarchäologen Reto Marti zu verdanken. Er gab bereits im Jahr 2000 den Anstoss zur anthropologischen Bearbeitung der Skelettfunde durch Cornelia Alder im Rahmen einer Diplomarbeit und beauftragte im Jahr 2011 schliesslich die Verfasserin mit der Auswertung der archäologischen und baugeschichtlichen Untersuchungen, wobei er die notwendige Geduld für das in einigen Teilen schwierige und deshalb langwierige Projekt auf brachte. Er gab zudem grünes Licht für wünschenswerte dendrochronologische, geophysikalische und petrografische Untersuchungen wie auch für die Anwendung der Radiokarbondatierung. Dank gebührt zunächst dem vor Ort tätigen Grabungsleiter Pavel Lavicka und seinem ihn tatkräftig unterstützenden Team an Ausgräberinnen und Ausgräbern,


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Vorwort

die die notwendige Grundlagenarbeit geleistet haben. Im Namen von Lavicka sei an dieser Stelle dem Besitzer John Schmid, dem Architekten Renato Maurizio und der Pächterfamilie Blaser für ihre verständnisvolle Unterstützung der Feldarbeiten herzlich gedankt. Während der aktuellen Auswertung der Untersuchungen stand der Grabungsleiter für Nachfragen jederzeit zur Verfügung. Weiterführende Hinweise zu einigen Befunden vermochte der damals vor Ort tätige Zeichner Heinz Stebler zu geben. Fachliche Unterstützung erhielt ich von Bernard Jaggi, ehemaliger Leiter der Bauforschung der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt, der anlässlich eines Ortstermins im Schöntal wertvolle Anregungen und Hinweise zu Baubefunden lieferte. Den am Publikationsprojekt beteiligten Mitautorinnen Carola Jäggi, Kunsthistorisches Institut der Universität Zürich, und Sabine Gisiger, Kunsthistorisches Seminar der Universität Basel, sowie dem Mitautor Hans-Rudolf Meier, Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar, danke ich dafür, dass sie sich ihre bereits 1989 vorgelegten Manuskripte über die Westfassade und die Wandmalereien in der Kirche noch einmal vorgenommen und überarbeitet haben. Auch Cornelia Alder, Basel, unterzog sich dankenswerterweise der Mühe, ihre anthropologische Diplomarbeit zu kürzen und zu aktualisieren. Sandra Billerbeck, Archäologie Baselland, übernahm die noch ausstehende Bearbeitung der Kleinfunde, zu der Rahel Ackermann, Inventar der Fundmünzen der Schweiz, die Bestimmung der Münzfunde beisteuerte. Wichtige Bausteine lieferten die Analysen des Dendrochronologen Raymond Kontic, Dendron Büro für Dendrochronologie und Baugeschichte Basel, der Geologen Philippe Rentzel, Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie Basel, und Christian Hübner, GGH Solutions in Geosciences GmbH Freiburg sowie der Physikerin Irka Hajdas, Labor für Ionenstrahlphysik der ETH Zürich. Eine äusserst nützliche Hilfe stellten letztlich auch die Transkriptionen von Archivalien aus dem 15. – 17. Jahrhundert durch Hildegard Gantner-Schlee †, Muttenz, und Jan Müller, adREM Hochwald, dar. Für Auskünfte und vielfältige Hilfestellungen bin ich dem ehemaligen Kantonsarchäologen Jürg Ewald, Basel, sowie den Mitarbeitern der Archäologie Baselland, der Kantonalen Denkmalpflege Baselland, des Staatsarchivs Basel-Landschaft, des Staatsarchivs Basel-Stadt, der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich und dem Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel zu Dank verpflichtet. Namentlich genannt seien hier insbesondere Daniela Stäuble, Archivarin der Kantonalen Denkmalpflege Baselland, sowie Andreas Fischer, Barbara Rebmann, Anita Springer, Claudia Spiess, Roland Leuenberger, Sabine Bugmann, Roberto Mazzucchelli, Pit Schmid sowie Jan von Wartburg und Antonio Ligorio von der Archäologie Baselland. Einen die Publikation bereichernden wesentlichen Beitrag leistete die Illustratorin Sarah Schäfer, Archäologie Baselland, die in kompetenter Weise die digitalisierten Originalzeichnungen für die Drucklegung umgesetzt und überarbeitet hat und auch die Phasenpläne anfertigte. Die anschaulichen 3DRekonstruktionen stammen von Joe Rohrer, Bildebene Luzern, die Zeichnungen der Kleinfunde von Michael Vock, Büro Fischbacher+Vock, Basel, jene der Archi­ tekturstücke von Andrea Stutzer, Bern. Ihnen allen gebührt mein aufrichtiger Dank. Für stets freundliches und hilfsbereites Entgegenkommen und ihre Gastfreundschaft habe ich zudem John Schmid, Stiftung Kloster Schöntal, Annemarie Burckhardt † und Sibylle Hosch, Basel, Monika und Karl Martin Tanner-Hosch, Seltisberg, sowie Maia und Daniel Haag-Wackernagel, Binningen, zu danken. Sie gewährten jederzeit bereitwillig Zugang zu ihren Schöntal-Häusern und Einblick in ihre Archive, bei der Stiftung vermittelt durch die kaufmännische Leiterin Carola Schütz. Karl Martin Tanner stellte freundlicherweise jüngere Umbaupläne zum Südtrakt und Bildvorlagen für die Publikation zur Verfügung. Architekt Martin Erny, Liestal/Basel, versorgte mich mit den Plänen und einem Bericht über den Umbau im Jahr 1999/2000. Auskünfte verschiedenster Art erteilten zudem folgende


Vorwort

Personen: Oliver Wackernagel, Basel, Nicolas Hosch, Arlesheim, Noemi LüscherStoecklin, Basel, Yvonne Boerlin-Brodbeck, Basel, Christophe Voegele, Solothurn, Dorothea Schwinn, Basel, und Heiner Grieder, Langenbruck; ihnen sei ebenfalls ganz herzlich gedankt. Für die Durchsicht einzelner Kapitel danke ich meinem Mann Michael Schmae­ decke. Und nicht zuletzt geht mein ganz besonderer Dank an Reto Marti, der nicht nur das Projekt angeschoben und wohlwollend begleitet hat, sondern auch die kritische Durchsicht aller Manuskripte, deren sorgfältige redaktionelle Überarbeitung und die grafische Gestaltung übernahm. Felicia Schmaedecke im November 2016

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1 Einleitung

1 Die Lage des Weilers Schöntal in der Landschaft. Blick von Westen, links der Ankenballen.

Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts riefen die Grafen von Frohburg das Benediktinerkloster Schöntal ins Leben. Es war die erste Klostergründung im Baselbiet und blieb die einzige ihrer Zeit. Der Basler Historiker Rudolf Wackernagel hat in den 1920er Jahren die wechselvolle Geschichte des 1529 aufgehobenen und anschliessend als Sennhof des Basler Spitals genutzten Klosters aufgearbeitet. Wenig Aufmerksamkeit wurde bisher der Baugeschichte der Anlage gezollt, für die man sich im Wesentlichen auf neuzeitliche Bildquellen und Bauinschriften stützte. Die nötigen Grundlagen für die wissenschaftliche Aufarbeitung schufen die Boden- und Bauuntersuchungen der Archäologie Baselland in den späten 1980er Jahren.


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Das Kloster und seine Erforschung Eingebettet in die Hügellandschaft des Baselbieter Juras liegt der seit 1967 unter Denkmalschutz stehende Weiler Schöntal etwa eineinhalb Kilometer nördlich des zum Bezirk Waldenburg gehörenden Dorfes Langenbruck auf einer Höhe von 1 734 m ü. M. (Abb. 3). Die Bautengruppe steht am tiefsten Punkt einer aus Matten und Kuhweiden bestehenden, west-östlich gerichteten Mulde, die im Norden und Süden von den lang gestreckten Hügelzügen des Ankenballens und Dürstelbergs flankiert und im Westen von der 909 Meter hohen Schöntalfluh abgeschlossen wird (Abb. 1). Beim Weiler vereinigen sich der von Osten die Mulde herab fliessende 2 Chilchzimmerbach und der von Norden her das Tal durchziehende Waldbach zum Schöntalbach, der seinen Weg Richtung Süden nach Langenbruck nimmt. Östlich oberhalb der Anlage liegt heute noch der erstmals auf dem Plan von Georg Friedrich Meyer 1682 festgehaltene Obere Weiher (Abb. 9), der 1994 in das kantonale Inventar geschützter Naturobjekte aufgenommen wurde. Verkehrsgeografisch liegt das Kloster in unmittelbarer Nähe der in der Römerzeit ausgebauten Passstrasse über den Oberen Hauenstein, die um 1100 der Hauptverkehrsweg über den Jura war und das Oberrheintal mit dem Schweizerischen Mittelland verband.3 Den südlich der Passhöhe gelegenen Ort Langenbruck («villa Langenbruccho»), dessen Name darauf zurückgeht, dass man den durch sumpfiges Gelände führenden Wegabschnitt mit Hölzern befestigen musste («Lange Brücke»),4 gab es bei der Klostergründung bereits.5 In der Mitte des Dorfes zweigt eine Nebenstrasse zum Weiler Schöntal ab, die bei diesem nach Osten abbiegt,6 um über den fast tausend Meter hohen Chilchzimmersattel weiter nach Eptingen ins Diegtertal zu führen.7 Für Reisende und Händler aus dem Diegtertal stellte der Weg über den Chilchzimmersattel eine günstigere Route zu den Marktorten Balsthal und Solothurn dar als der zwischen dem Oberen und Unteren Hauenstein gelegene Juraübergang bei der Challhöchi, der bis zum Bau des Unteren Hauenstein im 13. Jahrhundert auch vom Fernverkehr rege begangen war (Abb. 2).8 Der Eintrag Schöntals auf der zwischen 1538 und 1547 entstandenen Karte von Johann Stumpf (1500–1577/78)9 zeigt, dass das Kloster auch im 16. Jahrhundert noch eine Rolle als «Etappenort für Händler, Pilger und andere Reisende» auf der Verbindungsstrasse zwischen Eptingen und Langenbruck spielte10 und weder zu diesem Zeitpunkt noch die Jahrhunderte zuvor in völliger Abgeschiedenheit und Einsamkeit lag.11 1 Zur Lage ausführlich Salathé 2001, 20–27. 2 Philipp Rentzel machte mich darauf aufmerksam, dass dieser Bach auf neuesten topografischen Karten ebenfalls als «Schöntalbach» bezeichnet wird. 3 Müller 1966, 190 mit Karte S. 191; Reber 1970, 128–145. 4 Wie der 1957 erfasste Abschnitt des Bohlenwegs belegt, wobei es sich aufgrund der Datierung der Hölzer in das letzte Drittel des 15. Jahrhundert allerdings um eine Erneuerung handelt, vgl. Tauber 2006a, 73; Historische Verkehrswege 2004, 16. 5 Er wird – wie das Kloster –1145 erstmals urkundlich genannt, vgl. StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 1; UBL 6 f. Nr. 18; Tauber 2006, 65–67 (Transkription der Urkunde). 6 Zu ihrem Verlauf an der Nordseite des Klosters vgl. Kap. 1.3. 7 IVS Weg BL 130. 8 Historische Verkehrswege 2004, 15 f. Abb. 7; IVS Weg BL 130. – Zur Challhöchi vgl. Bruckner 1945, 8. 30 f.; Müller 1966, 12. 28. 34; Reber 1970, 18 f. 114 f. 187. 192; Historische Verkehrswege 2004, 15 f. 9 Leo Weisz, Die Landkarten des Johann Stumpf 1538–1547 (Bern 1942) Blatt XII. Abgebildet in: IVS Weg BL 130, 2. 10 IVS BL 130, 1 f. 11 Wie schon Jürg Tauber allein wegen der Nähe zum Passweg über den Oberen Hauenstein betonte, vgl. Tauber 2006, 73; Tauber 2010, 419.

Basel Liestal 7 1

5 2

Olten

3 4

2 Das Fernstrassennetz von Basel im Spätmittelalter und die von Liestal ausgehenden Strassen über die Jurapässe. 1 Wasserfallen 2 Oberer Hauenstein 3 Chilchzimmersattel 4 Challhöchi 5 Unterer Hauenstein 6 Schafmatt 7 Salhöhe

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Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

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3 Die Lage des Klosters auf der aktuellen Landeskarte M 1: 25000 (reproduziert mit Bewilligung von swisstopo, Bern 2014)

Die Gründung des Klosters vor 114512 stellte für die Stifter, die Grafen von Frohburg,13 nicht nur ein frommes und gottgefälliges Werk dar, mit dem sie zugleich für ihr Seelenheil und ihr Andenken Sorge trugen, sondern war in erster Linie eine Massnahme zur Demonstration ihres Anspruchs und – wie die Wahl des Ortes verrät – zur Festigung und Sicherung ihrer Herrschaft. Mit dem Hauskloster markierten sie Präsenz in einem noch wenig erschlossenen Landstrich ihres Herrschaftsbereichs und entzogen diesen Ansprüchen von anderer Seite.14 Da sich die Frohburger vorbehielten, den Kastvogt zu stellen, sicherten sie sich die Verfügungsgewalt über das dem Kloster gestiftete Gut, das in der Folge landwirtschaftlich erschlossen wurde.15 Sie hatten damit auch den Oberen Hauensteinpass unter Kontrolle, der für den Fernverkehr aus Mittel- und Nordwesteuropa über Basel und weiter über die Alpenpässe bis nach Südeuropa und den damit verbundenen Güteraustausch wichtig war. Zudem spielte für das Grafenhaus die Verhüttung des in der unmittelbaren Umgebung des Klosters reich vorkommenden Eisenerzes eine grosse wirtschaftliche Rolle.16 Von der Eisengewinnung zeugen heute noch im Gelände gut erkennbare Pingen,17 zahlreiche Schlackenfunde und die Überreste zweier Verhüttungsöfen im benachbarten Dürsteltal18 – eines grossen Rennofens aus dem 12. Jahrhundert und eines Hochofens aus dem 13. Jahrhundert (Abb. 5). Letzterer war direkt am Dürstelbach gelegen, so dass wasserkraftbetriebene grosse Blasebälge zum Einsatz kommen konnten.19 12 Zum Gründungsdatum vgl. Anm. 20. 13 Vgl. hierzu: Rippmannn 1975; Meyer 1989, 88 f.; Rippmann 1991, 31–33. 14 Rippmann 1975, 11–13. 34; Rippmann 1991, 38. 15 Wie für die Zeit kurz nach der Klostergründung der Flurname «Rüti» in der Bestätigungsurkunde von 1146 (SUB I, 47 Nr. 77; UBL II ,1125 f. Nr. 17) oder der 1145 entbrannte Streit um den Neubruchzehnten mit dem Priester von Onoldswil (StABS Klosterarchiv Schöntal Nr. 1; UBL I, 6 f. Nr. 18) bezeugen; vgl. Tauber 2006, 64–67; Tauber 2006a, 75 f. 16 Rippmann 1991, 46. 49; Tauber 2006a, 84–87. 17 Tauber 2006a, Abb. 99. 18 Das zwar nicht zum Klosterbesitz gehörte, aber an diesen angrenzte (vgl. Abb. 6). 19 Tauber 1998, 513–515; Tauber 2006a, 85–87; eine umfassende Publikation der Fundstelle in den ‹Schriften der Archäologie Baselland› ist in Vorbereitung.


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Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

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4 Luftbild des Weilers von Südwesten. In der Bildmitte die Bauten des ehemaligen Klosters und heutigen Sennhofs, umgeben von geräumigen Ökonomiebauten jüngeren Datums. An der Strasse zum Chilchzimmersattel liegt das moderne, kubische Pächter­ wohnhaus von 2001.

Bis heute bildet der einstige innere Klosterbereich das Zentrum des von vereinzelten Wirtschaftsbauten umgebenen kleinen Weilers, dessen Bauten sich zu einem eindrücklichen geschlossenen Ensemble fügen (Abb. 4). Die Hauptgebäude, aus denen die ehemalige Klosterkirche durch ihre Grösse und die plastisch verzierte Westfassade hervorsticht, gruppieren sich als dreiflügeliger Komplex aus untereinander unverbundenen Bauten. Der Innenhof, der an den ehemaligen Kreuzgang erinnert, wird im Osten von einer mannshohen Mauer abgeschlossen, hinter der ein kleiner Kräuter- und Blumengarten liegt. Eine zwischen dem südlichen und dem westlichen Gebäude bestehende Baulücke wird als Hauptzugang zum Hof genutzt. Während der Nord- und der Westtrakt aus einheitlichen Baukörpern unter durchlaufenden Satteldächern bestehen, setzt sich der Südtrakt aus drei unterschiedlich grossen, leicht versetzt zueinander stehenden Gebäuden zusammen, deren Bauten von Osten nach Westen an Volumen und Höhe deutlich abnehmen. Südlich schliesst sich ein vom Chilchzimmerbach begrenzter Garten an. Das heterogene Erscheinungsbild der Bauten lässt schnell erkennen, dass sie aus verschiedenen Zeiten stammen. Mit Ausnahme der Klosterkirche sind sie neuzeitlich so stark überprägt, dass der heutigen Gestalt nicht mehr unmittelbar abzulesen ist, dass sie überwiegend im Kern noch auf das 12. Jahrhundert zurückgehen.

1.1 Historischer Überblick Die Geschichte des Klosters ist wiederholt in unterschiedlicher Ausführlichkeit dargelegt worden (Kap. 1.3), so dass im Folgenden lediglich die wesentlichen Fakten in einem kurzen Abriss wiedergegeben werden, dem eine tabellarische Aufstellung der für die Bau- und Nutzungsgeschichte des Klosters relevanten Urkunden aus der Zeit vom 12. Jahrhundert bis zur Reformation beigegeben ist (Abb. 5). Auf die baugeschichtlich aufschlussreichen Ereignisse wird im Zuge der Einordnung und Würdigung ausführlicher eingegangen (Kap. 8).


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Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

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Datierung

Inhalt

Quelle

1145.02.15− 1146.03.021 1146.03.02– 1152.03.02 um 1180

Entscheidung im Streit zwischen dem Kloster und dem Priester von Onoldswil um den Neubruchzehnten. Bestätigungsurkunde über die Klostergründung.

BS Nr. 1a (UBL I, 7 f. Nr. 19; Dat. nach Rück 1966, 90) BS Y K (UBL II, 1125 f. Nr. 17; Dat. nach Rück 1966, 92 f.) BS Nr. 5 (UBL I, 9 f. Nr. 26)

1187 1189

Zw. 1235.12.25 und 1237.02.19 1237.10.23

1266 1320 1336 1409 1415

1415

1416

1419 1421 1421

1454

1463 1481

1502 1504 1506 1506/07 1511 1511 1519

Chono von Solothurn und sein Sohn Hugo übergeben dem Kloster zwei mit Gütern ausgestattete Töchter – das Kloster wird als Doppelkloster geführt. Konsekration von vier Altären in der Kirche, Angaben zum Standort und Aufzählung der Heiligen, denen sie geweiht sind sowie der Reliquien. Bischof Heinrich I. von Basel besiedelt das Kloster mit neuen Mönchen, bestätigt seine Rechte und Besitzungen und überträgt dem Klostervorsteher die Seelsorge in Bennwil und Titterten.

Graf Ludwig von Frohburg ersucht den Bischof von Basel, die Schenkung der Kirche von Onoldswil, die er in Ausführung des Vorsatzes seines verstorbenen Bruders Hermann vorgenommen hat, zu bestätigen – mit der Bedingung, die Zahl der Insassen (numerus personarum) zu erhöhen. Graf Ludwig von Frohburg und sein Sohn Hermann bezeugen, dass Rudolf, Leutpriester zu Onoldswil, auf ihre Bitte und zum Seelenheil seines Oheims, Graf Hermann von Frohburg, dem Kloster Schöntal die Zehnten ob dem Hauenstein und der Kapelle von Langenbruck samt Zinsen auf seine Lebenszeit übertragen haben. Verkauf von Land - Der Konvent besteht nur noch aus Frauen, an deren Spitze ein Propst steht. Die Zahl der Nonnen muss auf max. 16 beschränkt werden. Die Zahl der Nonnen ist zu gross bei der geringen Höhe der Einkünfte. Neuweihe zweier Altäre im Kirchenschiff. Übergabe des Klosters an den Servitenorden, wozu sich die letzten sechs noch im Kloster lebenden Schwestern «in capitulo ad sonum campanelle»2 versammeln. Sie bitten darum, auf Lebenszeit im Schöntal wohnen bleiben zu dürfen und unterstellen sich dem Servitenorden Papst Johannes der XXIII. bestätigt die Umwandlung des Benediktinerklosters Schöntal in ein Augustinerkloster, wobei er auf den seit längerem fehlenden Propst, die schwindende Anzahl an Nonnen und die «edificia ruinam» hinweist, deren Wiederherstellung und Unterhalt den Nonnen nicht möglich war. Das Kloster wird als «depauperatum et desolatum»3 bezeichnet, womit sowohl die wirtschaftliche Grundlage als auch der bauliche Bestand gemeint sein dürften. Ablassbrief u.a. zur Baufinanzierung: Papst Martin V. erteilt der Klosterkirche Ablass auf den Tag ihrer Kirchweihe, den 1. Mai. Der Basler Rat bemüht sich, die Aufnahme der letzten drei noch im Kloster lebenden Nonnen in das Zisterzienserinnenkloster Olsberg zu vermitteln. Ablassbrief u.a. zur Baufinanzierung: Bischof Hartmann von Basel, mit Insertion der Ablassurkunde des Papstes Martin V., erteilt der Klosterkirche für die sie am 1. Mai Besuchenden einen 40tägigen Ablass für Todsünden und einen Ablass auf ein Jahr für erlässliche Sünden. Ablassbrief u.a. zur Baufinanzierung: Vier Kardinäle verleihen für die das Kloster an den Festtagen Mariae assumptionis, nativitatis et purificationis und am Einweihtag des Klosters Besuchenden einen hunderttägigen Ablass. Von Basel ausgehende Wallfahrt zum Kloster mit etwa 1500 Teilnehmern nach Ausbruch der Pest. Beschluss der Gemeinde Oltingen, zur Ehre des Allmächtigen und der Muttergottes ein Mal im Jahr nach Säckingen und ein Mal nach Bözen oder Schöntal zu wallfahrten. Jahresrechnung des Klosters mit der Angabe von Einzelposten, darunter auch Baukosten und Handwerkerlöhne. Die Gemeinde Langenbruck und deren Johanneskapelle werden vom Basler Bischof von der Kirche von Onoldswil gelöst und dem Kloster Schöntal unterstellt. Erstellung eines Inventars über die Kleinode in der Marienkapelle. «Merkzettel» von Prior Johannes Ostertag über von ihm durchgeführte Bauund Renovationsmassnahmen. Jahresrechnung des Klosters mit der Angabe von Einzelposten, darunter auch Baukosten und Handwerkerlöhne. Neuweihe des Chores, der Kirche, des Friedhofes und des Kreuzganges sowie aller Altäre in der Kirche und des Heiligkreuzaltars in der Marienkapelle. Wallfahrt zur Abwendung der Pest von Zofingen zum Kloster Schöntal. 1

BS Nr. 2 (UBL I, 10 – 12 Nr. 28) BS Nr. 3a (UBL I, 12 f. Nr. 29; nach Rück 1966, 151 – 153 Fälschung um 1218, doch zweifelt er den Inhalt nicht an; Rippmann 1991, 50 datiert die Urkunde ans Ende des 13. Jh.) BS Nr. 6 (UBL I, 22 f. Nr. 40; Dat. nach SUB 1, 215 Nr. 378)

BS Nr. 7a (UBL I, 26 Nr. 46)

Staatsarchiv Aargau, Olsberg Nr. 51 (UBL I, 59 f. Nr. 90) BS Nr. 36a (UBL I, 198 – 200 Nr. 256) BS Nr. 37 (UBL I, 245 – 247 Nr. 300) BS Nr. 2 (UBL I, 10 – 12 Nr. 28) BS Nr. 47 (UBL II, 675 – 678 Nr. 586)

BS Nr. 47b, 47g (UBL II, 680 – 683 Nr. 589, s. 680, 38)

BS Nr. 47b (UBL II, 691 f., s. 691, 24)

BS Nr. 48 (UBL II, 716 f. Nr. 611) BS, Missiven A 2, 485 BS Nr. 49a (UBL II, 722 Nr. 622)

BS Nr. 52a (UBL I, 932 Nr. 776)

Basler Chroniken IV, 344 Gauss 1932, 293.295

BL, P 13, Heft 10 BS Nr. 55

BL, P 12, Blatt 5 BL, P 13, Heft 11, fol. 13r BL, P 13, Heft 12 BS Nr. 59 (UBL I, 10 – 12 Nr. 28) von Arx 1819, 194

Am ehesten Spätjahr 1145 / 2 Im Kapitelsaal unter dem Geläut der Glocke / 3 Verarmt und verlassen


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Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

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6 Die rote Linie markiert den dem Kloster (Punkt) von den Frohburgern gestifteten Besitz. Grün markiert ist die heutige Passstrasse des Oberen Hauensteins. Der orange Stern bezeichnet den Standort des Hochofens, die roten Flächen die Spuren des Erzabbaus. Grundlage: Topographische Karte von 1940.

Das vor 1145 von den Grafen von Frohburg gestiftete20 und der Hl. Maria gewidmete Kloster ist die älteste und einzige hochmittelalterliche Klostergründung im Baselbiet.21 Durch den Streit mit dem Priester von Onoldswil (heute Nieder- und Oberdorf, Kt. Basel-Landschaft) um den Neubruchzehnten tritt es 1145 erstmals urkundlich in Erscheinung.22 1146 wurde die Stiftung von Bischof Ortlieb von Basel bestätigt (Abb. 5). Das Kloster war dem Benediktinerorden unterstellt, der es mut­ masslich mit Mönchen aus Maursmünster besiedelte23 und – wie zu dieser Zeit üblich (Kap. 8.2; 8.3.6) – wohl von Anfang an als Doppelkloster führte. Das von Adalbero von Frohburg und seiner Frau gestiftete Klostergut umfasste das relativ kleine Gebiet zwischen den Grenzen der Dörfer Onoldswil, Mümliswil, Langenbruck und Eptingen (Abb. 6), dessen geringe Einkünfte der Institution nur einen bescheidenen Anfang erlaubten.24 Für das Jahr 1187 ist die Weihe der Altäre in der heute noch erhaltenen Kirche überliefert (Abb. 5), wobei die Urkunde Auskunft über deren Anzahl, den jeweiligen Standort und die erstaunlich reiche Ausstattung mit Reliquien

20 Die Gründung erfolgte vor 1145 und nicht 1146 oder 1145–1152, wie im Kunstdenkmälerband postuliert wurde: Gampp/Sommerer 2014, 17. 184. Vgl. hierzu auch: Rück 1966, 92. 21 Im 14. und 15. Jahrhundert kamen noch drei kleinere Klöster hinzu, so das Zisterzienserfrauenkloster Engental bei Muttenz (Gauss 1913, 15–21; Gauss 1932, 189; Heyer 1969, 368–371; Zisterzienserbauten 1990, 71–74; Marti/Marti 2009) und das sog. Rote Haus nördlich von Muttenz am Rhein, das Sitz der Brüder des St. Paulusordens war und kurz vor dem Baueraufstand und der Auflösung von den Beginen übernommen wurde, die zuvor das um die Mitte des 15. Jahrhundert gestiftete Kloster Schauenburg am Nordfuss des Burghügels der Ruine Schauenburg (Pratteln) betrieben hatten (Gauss 1913, 22–27; Gauss 1932, 215 f.; Heyer 1969, 366–368; Heyer 1974, 384 f.; Marti/Marti 2009, 252 f.). – Zu Klöstern im Raum Basel vgl. auch Wiggenhauser 2001. 22 Bischof Ortlieb von Basel bestätigte zwischen 1146 und 1152 zudem den Vergleich zwischen dem Kloster Schöntal und dem Priester von Onoldswil im Streit um den Neubruchzehnten; StABS Klosterarchiv Schöntal Nr. 1; UBL I, 6 f., Nr. 18, Datierung: 1145–1153; Datierung nach Rück 1966, 94 f.: 1146 März 2. – 1152 Febr. 15., Transkription Tauber 2006, 66. – Am 17. April 1189 bestätigte zudem Bischof Heinrich I. von Basel dem Kloster die Verfügung seines Vorgängers Ortlieb betreffend dem Neubruchzehnten (wörtliche Wiederholung von StABS Nr. 1a); StABS Klosterarchiv Schöntal Nr. 4; UBL I, 15 f. Nr. 35. 23 Wie Rück 1963/64, 70–74 trotz fehlender Urkundenbelege postulierte. 24 Rippmann 1975, 49.

5 Liste der baugeschichtlich relevanten Urkunden.


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Einleitung – Das Kloster und seine Erforschung

7 Der Besitz des Klosters Schöntal 1226. Kloster Schöntal Frohburg 0 Allodium

Hof und Patronat 0 Titterten 1 Bennwil 2 Frohburgische Schenkung 0 Wintersingen 3 Sissach 4 Werlesmatt 5 Gösgen 6 Schenkung versch. Donatoren 0 Bertlingen 7 Muttenz 8 Pratteln 9 Füllinsdorf 10 Hersberg 11 Liestal 12 Itkon 13 Itingen 14 Seltisberg 15 Hochwald 16 Büren 17 Ziefen 18 Lampenberg 19 Hölstein 20 Ebenoch 21 Tenniken 22 Arboldswil 23 Diegten 24 Bretzwil 25 Reigoldswil 26 Onoldswil 27 Eptingen 28 Läufelfingen 29 Wisen 30 Lostorf 31 Stüsslingen 32 Wöschnau 33 Mümliswil 34 Holderbank 35 Langenbruck 36 Bärenwil 37 Wangen 38 Balsthal 39 Wilere 40 Egerkingen 41 Mose 42 Härkingen 43 Gunzgen 44 Boningen 45 Fulenbach 46 Itenbach 47

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gibt, bei denen es sich neben Primärreliquien (körperliche Überreste von Heiligen) vor allem um Sekundärreliquien (alles, was mit den Heiligen in Kontakt gekommen war) handelte (Kap. 8.3.1.3).25 Zwei Jahre später soll eine Neubesiedlung des Klosters mit Brüdern ungenannter Herkunft erfolgt sein (Abb. 5, 1189). 1226 verfügte die Gemeinschaft aufgrund vielfältiger Schenkungen verschiedener Donatoren aus dem Kreis frohburgischer Ministerialer, dem niederen Adel, der dörflichen Oberschicht und dem Kloster angehörender Konversen 26 über Güter und Nutzungsrechte in 47 Dörfern beiderseits des Juras, die sich von Bertlingen (Grenzach-Wyhlen) beziehungsweise Muttenz und Pratteln im Norden bis nach Fulenbach westlich von Zofingen erstreckten und damit im Machtbereich der Frohburger lagen (Abb. 7).27 Wohl seit 1189 hatte das Kloster zudem die Patronatsrechte der Kirchen von Bennwil und Titterten inne, 1236 kam dasjenige der Kirche von Onoldswil, der Pfarrkirche der Gegend, hinzu, wobei die Übertragung im Laufe des 13. Jahrhunderts mehrfach wiederholt und bestätigt werden musste,28 und 1237 erhielt es den Zehnten ob dem

25 Wiggenhauser 2001, 55 Text unten. 26 Die von den Konversen bzw. auch von einer Konversin bis 1226 gestifteten Güter wurden von Wiggenhauser 2001, 48, Abb. oben kartiert. 27 StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 4a; UBL I, 17–20 Nr. 37, Datierung: 1226; Datierung nach SUB 1, 183 Nr. 331: 1225 Dez. 25. – 1226 Dez. 24. – Vgl. hierzu auch Rippmann 1975, 13. 28 Wiederholungen der Übertragung sind aus den Jahren 1255 und 1282 überliefert, 1286 wird die Zuweisung der Bodenfrüchte der Kirche von Onoldswil an das verarmte Kloster beurkundet und 1291 wird die Übertragung noch einmal von Papst Nikolaus IV. bestätigt, vgl. StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 14a; UBL I, 44 Nr. 70. StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 19a; UBL I, 107 f. Nr. 151. StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 44; UBL I, 114 Nr. 160. StABS, Klosterarchiv Schöntal Nr. 19b; UBL I, 127 f. Nr. 175.


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