Mit dem gegenwärtigen Aussterben vieler klösterlicher Lebensgemeinschaften wächst das Interesse an einer Aufarbeitung und Deutung des Klosterlebens in all seinen Facetten. In diesem Doppelband stehen zum einen ausgewählte Gesichtspunkte der Geschichte des spätmittelalterlichen Augustinerinnenkonvents Eschenbach ( LU ) im Fokus. Zum andern dokumentiert das Autorenteam mittels verschiedener historiografischer Methoden das spirituelle und wirtschaftliche Leben des 1588 zur Zisterzienserinnenabtei umgewandelten Klosters umfassend und geht auch politischen Aspekten nach, vorwiegend für die Zeit der Gegenreformation und des 19. Jahrhunderts. Die Publikation führt die institutionell oft getrennten Bereiche von Profan- und Kirchengeschichte zusammen. Rund 300 Abbildungen, ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und ein Serviceteil mit Personenlisten, Statistiken, Glossar und gemischtem Personen- und Ortsregister ermöglichen einen leichten Zugang zu den Inhalten.
HANSPETER MARTI, Leiter der Arbeitsstelle für kulturwissenschaftliche Forschungen, beschäftigt sich mit Gelehrtenliteratur der Frühen Neuzeit sowie mit Schweizer Bibliotheks- und Klostergeschichte. KARIN MARTI-WEISSENBACHS Interessen liegen in der Regionalgeschichte der Kantone Glarus und Luzern sowie in der Schweizer Bibliotheks- und Klostergeschichte.
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TEILBAND 1
DAS FRAUENKLOSTER IM LUZERNISCHEN ESCHENBACH
vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart
HANSPETER MARTI KARIN MARTI-WEISSENBACH
DAS FRAUENKLOSTER IM LUZERNISCHEN ESCHENBACH
HANSPETER MARTI KARIN MARTI-WEISSENBACH
DAS FRAUENKLOSTER IM LUZERNISCHEN ESCHENBACH vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart
Hanspeter Marti, Karin Marti-Weissenbach
Das Frauenkloster im luzernischen Eschenbach vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart
Unter Mitarbeit von Thomas Marti-Tan
Band I
Schwabe Verlag
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2027 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschliesslich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Die Verwendung des Inhalts zum Zwecke der Entwicklung oder des Trainings von KI-Systemen ohne Zustimmung des Verlags ist untersagt. Abbildung Umschlag: Zisterzienserinnenabtei Eschenbach: Ansicht von Süden her mit Pfarr- und Klosterkirche St. Jakobus, daneben das Gästehaus und rechts das Pfarrhaus. Im Hintergrund Kloster- und Wirtschaftsgebäude in dem von einer Mauer umgebenen Klostergarten. Ganz links die Kaplanei und rechts davon das Sigristenhaus. Die Bildanordnung (Künstler/in unbekannt) entspricht im Wesentlichen derjenigen der Druckgrafik aus Herrliberger 1754. Nach 1683 entstanden. Öl auf Leinwand, Bildmasse 38,2 × 59 cm. Inventar Kulturgüter K_0188. Foto: Janine Jakob, die im Rahmen ihrer Dissertation über die Frauenmode in der Eidgenossenschaft des 16.– 18. Jahrhunderts auch Kleidung, Accessoires und Schmuck von Äbtissinnen anhand von Originalstücken sowie schriftlichen und bildlichen Quellen erforscht. Korrektorat: Anja Borkam, Langenhagen Cover: icona basel gmbh, Basel Layout & Satz: mittelstadt 21, Vogtsburg-Burkheim Druck: BALTO print, Vilnius Printed in the EU Herstellerinformation: Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, St. Alban-Vorstadt 76, CH-4052 Basel, info@schwabeverlag.ch Verantwortliche Person gem. Art. 16 GPSR: Schwabe Verlag GmbH, Marienstraße 28, D-10117 Berlin, info@schwabeverlag.de ISBN (2 Teilbände) 978-3-7965-5630-2 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-5631-9 DOI 10.24894/978-3-7965-5631-9 rights@schwabe.ch www.schwabe.ch
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1 2
Teil I Bauten und Pfründen 1. Klosteranlagen – Baugeschichte – Einrichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1 Aus- und Umbauten 1625 bis 1683 . . . . . . . . . . 1.1.1 Klosteransichten 1625, 1629 und um 1650 . 1.1.2 Das Gästehaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.3 Herrlibergers Kupferstich . . . . . . . . . . . . 1.2 Bautätigkeit im 18. und 19. Jahrhundert . . . . . 1.3 Die Amtszeit von Äbtissin M. Cäcilia Schmid (1890–1937) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.4 Bau- und Unterhaltsarbeiten 1938 bis 2000 . . . 1.5 Unterhaltsarbeiten seit der Jahrtausendwende . 1.5.1 Das Sommerhaus – Sanierung eines denkmalgeschützten Kulturguts . . . . . . . 1.6 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
12 12
53 54 56 57 57 58 60 61
12 14 16
3. Klosterkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
62
17
3.1 Der Architekt August Hardegger (1858–1927) .
62
19 23 29 31 32
2. Pfarrkirche und Pfarrei . . . . . . . . . . . . . . . .
34
2.1 Vorgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Der Neubau 1625 bis 1627 . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Unterhalt und Ausstattung 1625 bis 1910 . . . . . 2.4 Die heutige Pfarrkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4.1 Kirchenschiff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5 Bruderschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.1 Bruderschaften im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit . . . . . . . . . . . . . . . 2.5.1.1 Sebastiansbruderschaft . . . . . . . . . 2.5.2 Spätere Bruderschaften . . . . . . . . . . . . . . 2.6 Kollaturrecht des Klosters . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.1 Mittelalter und Frühe Neuzeit . . . . . . . . 2.6.2 Der Lehnsbrief von 1716 . . . . . . . . . . . . . 2.6.3 Machtgerangel in der Zeit der Helvetik . 2.6.4 Wechselnde Wahlkompetenzen im 19. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
34
Inhalt
2.6.5 Die Kollatur im 20. Jahrhundert . . . . . . . 2.6.6 Pfarrpfrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.6.1 Verpachtung und Bewirtschaftung von P farrpfrundland (1825) . . . . . 2.6.7 Sigristenpfrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.7.1 Der Sigrist und Bäcker Franz Anton Haimb . . . . . . . . . . . . . . . 2.6.7.2 Das Sigristenamt im 19. und im 20. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . 2.7 Die Kaplanei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.8 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
35 38 43 46 46 48 48 49 50 50 51 51 52
3.2 Neubarock – Kunstgeschichtlicher Zuordnungsversuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Baugeschichte, Finanzierung . . . . . . . . . . . . . . 3.4 Aussenansicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5 Innenraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.1 Exkurs: Rosenkranz und Rosenkranz geheimnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.1.1 Freudenreicher Rosenkranz . . . . . 3.5.1.2 Schmerzhafter Rosenkranz . . . . . . 3.5.1.3 Glorreicher Rosenkranz . . . . . . . . 3.5.2 Hochaltar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.2.1 Reliquienschreine . . . . . . . . . . . . . 3.5.2.2 Medaillons über dem Hochaltar . 3.5.2.3 Altarraum mit Chorgestühl . . . . . 3.6 Chorgitter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.7 Seitenaltäre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8 Kirchenschiff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8.1 Querschiffwände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8.2 Monumentalfenster nach Osten . . . . . . . 3.8.3 Monumentalfenster nach Westen . . . . . . 3.8.4 Kuppel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8.5 Eingang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8.6 Kleine Orgel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.8.7 Statuen im Querschiff . . . . . . . . . . . . . . . 3.9 Empore . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.9.1 Hauptorgel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
63 64 66 68 70 70 70 70 70 74 75 77 78 79 80 80 81 81 82 83 84 84 85 86
V
3.10 Deckengemälde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.11 Sakristei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.12 Restaurierungsarbeiten 1977 und 1986 . . . . . . .
4. Kapelle und Lehnshof St. Katharina . . . .
87 88 89
90
4.1 Die Kapelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 4.1.1 Der Umbau von 1659/1660 . . . . . . . . . . . 90 4.1.2 Spätere Umbau- und Unterhaltsarbeiten 94 4.1.3 Die heutige Gestalt der Katharinenkapelle 95 4.1.3.1 Äusseres . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 4.1.3.2 Das Innere der Kapelle . . . . . . . . . 96 4.1.3.2.1 Der Chor . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 4.1.3.2.2 Der Hochaltar . . . . . . . . . . . . . . 98 4.1.3.2.3 Seitenaltäre . . . . . . . . . . . . . . . . 99 4.1.3.2.4 Der Laienraum . . . . . . . . . . . . . 101 4.2 Der Lehnshof . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 4.2.1 Zwangsversteigerung 1850, Rückkauf 1982, Vermietung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
Teil II Klösterliche Lebenswelt und Aussenbeziehungen 1. Neun Hauptaspekte der Gemeinschaft . . 106 1.1 Der Tageszyklus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 1.2 Die liturgische Haustradition . . . . . . . . . . . . . . 111 1.2.1 Handschriftliche Ritualien aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . 111 1.2.1.1 Eschenbacher Übersetzung von 1723 111 1.2.1.2 Die französischsprachige Vorlage . 114 1.2.1.3 Eine andere handschriftliche Rituale-Übersetzung in die deutsche Sprache . . . . . . . . . . . 115 1.2.2 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 1.3 Zuständigkeiten, Arbeitsbereiche der Klosterfrauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 1.3.1 Die Äbtissin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 1.3.1.1 Tod, Wahl- und Benediktions zeremoniell im Jahre 1813 . . . . . . . 121 1.3.1.1.1 Exkurs: Schriftliche Festlegung der zeremoniellen Norm vor der Wende zum 19. Jahrhundert . . . 122
VI
1.3.1.1.2 Augenzeugenberichte . . . . . . . . 1.3.1.1.3 Benediktion (Weihe) . . . . . . . . . 1.3.1.1.4 Finanzielle Gesichtspunkte . . . . 1.3.1.2 Überblick zum Zeremoniell bis zum späten 20. Jahrhundert . . . . 1.3.1.3 Klostergeschichte 1890–2024 im S piegel der Amtszeit der Äbtissinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.1.3.1 M. Cäcilia Schmid (1852–1937): Die Bauherrin . . . . . . . . . . . . . . 1.3.1.3.2 M. Brigitta Knüsel (1897–1976): Festkultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.1.3.3 M. Hedwig Bühlmann (1925– 2009): Spiritualität, Schwestern bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.1.3.4 M. Lutgard Feierabend (* 1935): Liebe in Wort und Schrift . . . . . 1.3.1.3.5 M. Ruth Nussbaumer (* 1947): Die Künstlerin . . . . . . . . . . . . . . 1.3.2 Die Kantorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.3 Die Gewandmeisterin . . . . . . . . . . . . . . . 1.3.4 Pfortendienste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.4 Almosen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.4.1 Die (Luzerner) Kapuziner . . . . . . . . . . . . 1.5 Gäste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6 Geschenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.6.1 Rhetorische Geschenke . . . . . . . . . . . . . . 1.7 Versorgungsinfrastruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.7.1 Küchenbetrieb im 18. Jahrhundert aus normativer Sicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.7.2 Essen und Trinken . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.7.2.1 Backkünste . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.7.3 Fische und Fischenzen . . . . . . . . . . . . . . . 1.8 Krankheit, Krankenpflege und Krankheits bekämpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.8.1 Historische Einblicke . . . . . . . . . . . . . . . . 1.8.1.1 Klösterliche Pestabwehr und Marienverehrung . . . . . . . . . . . . . 1.8.1.2 Krankenpflege und medizinische Versorgung 1890–1970 . . . . . . . . . 1.8.1.3 Die letzten Jahrzehnte aus medizinischer Sicht . . . . . . . . . . . 1.8.2 Die Apotheke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.9 Sterben und Tod . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.9.1 Nekrologien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.9.2 Grabstätten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.9.3 Die Schädelsammlung . . . . . . . . . . . . . .
123 124 125 126
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127 127
131 133 135 137 139 143 146 148 150 154 156 159 162 164 166 169 172 173 173 175 177 179 180 181 183 186
Inhalt
1.9.4 Klösterliche Offenbarungsberichte des 17. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 1.9.5 Gebetsverbrüderungen . . . . . . . . . . . . . . . 189 1.9.6 Öffentliches Totengedenken im 19. und 20. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192
2. Heiligenverehrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 2.1 Klosterpatroninnen und -patrone . . . . . . . . . . . 197 2.2 Reliquien in den Altären der alten Pfarr- und Klosterkirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197 2.3 Die klösterlichen Heiligenfeste in gedruckten frühneuzeitlichen Brevieranhängen . . . . . . . . . 200 2.3.1 Breviarium Cisterciense (1696) . . . . . . . . 200 2.3.2 Officia propria im Lauf der Zeit . . . . . . . 202 2.3.3 Officia propria (1901): Vergleich zwischen Frauenthal, Magdenau und Eschenbach . 203 2.4 Verena – seit dem Mittelalter verehrte Heilige 204 2.5 Authentiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 2.6 Symphorosa – Jungfrau, Märtyrin . . . . . . . . . . 210 2.6.1 Symphorosa in den Heiligenpredigten . . 216 2.6.2 Symphorosa in der Liturgie . . . . . . . . . . . 221 2.7 Weitere frühneuzeitliche Heilige . . . . . . . . . . . 222 2.7.1 Crescentia von Kaufbeuren (1682–1744) . 222 2.7.2 Franz von Sales (1567–1622) . . . . . . . . . . . 224 2.7.3 Johanna Franziska Frémyot von Chantal (1572–1641) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 2.7.4 Herz-Jesu-Frömmigkeit – Margareta Maria Alacoque (1647–1690) . . . . . . . . . . 228
3. Innerklösterliche Seelsorge: Die Klostergeistlichen . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 3.1 Vorschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Institutionen und Personen . . . . . . . . . . . . . . . 3.2.1 Ordenszugehörigkeit und Amtszeiten . . . 3.2.2 Biografische Porträts . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2.2.1 Robert Gmür (Amtsjahre 1870–1873) . . . . . . . . 3.2.2.2 Konrad Kolb (Amtsjahre 1892–1896) . . . . . . . . 3.2.2.3 Thomas Kurent (Amtsjahre 1969–1987) . . . . . . . . 3.2.2.4 Alberich Martin Altermatt (Amtsjahre 1996–2024) . . . . . . . . Inhalt
231 235
4. Visitationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244 4.1 Voraussetzungen und Normen . . . . . . . . . . . . . 244 4.2 Geschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 4.2.1 Edmund Schnyder (1640) . . . . . . . . . . . . 251 4.2.2 Giacomo Villani (1641) . . . . . . . . . . . . . . 252 4.2.3 Georg Schönhainz (1649) . . . . . . . . . . . . 255 4.2.4 Federico Borromeo (1663) . . . . . . . . . . . . 255 4.2.5 Hieronymus Troger (1673) . . . . . . . . . . . . 257 4.2.6 Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts . . . 257 4.2.7 Die Zeit der Französischen Revolution . . 262 4.2.8 Friedrich Pfluger: Letzter Abt von St. Urban 264 4.2.9 Bischof Eugène Lachat und sein Stellvertreter Josef Duret . . . . . . . . . . . . 266 4.2.9.1 Visitation von 1878? . . . . . . . . . . . 269 4.2.10 Die Vateräbte von Wettingen-Mehrerau 269 4.3 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274
Teil III Epochen, Umbrüche 1. Das Augustinerinnenkloster . . . . . . . . . . . . 276 1.1 Das Kloster an der Reuss und der U mzug nach Obereschenbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2 Der Königsmord und die Habsburger Herrschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.2.1 Die Nonnen und ihr Umfeld . . . . . . . . . 1.2.1.1 Wohltäterinnen und Wohltäter . . 1.3 Vom Haus Habsburg zur Stadt Luzern . . . . . . 1.3.1 Von Adels- zu Patriziertöchtern . . . . . . . . 1.4 Übergang zur Zisterzienserinnenabtei . . . . . . .
276 283 290 290 295 297 301
2. 1588 und das folgende Jahrzehnt . . . . . . . . 307
235 236 236 237 240 242
3. Der Beichtigerstreit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309 3.1 Gründe für die Erneuerung der luzernischen Frauenklöster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Die Beteiligten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Strukturelle Schwächung des Z isterzienserordens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4 Spannungen zwischen den Jesuiten und dem Abt von St. Urban . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
310 310 312 314
VII
3.5 Abt Edmund Schnyder von St. Urban und Nuntius Farnese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6 Der Streit um die Klöster – Ein Politikum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.1 Das Dekret des Nuntius Sacrati . . . . . . . 3.6.2 Äbtissinnenwahl 1647 . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.3 Papst Innozenz X. entscheidet . . . . . . . . . 3.6.4 Vermittlungsversuch des Prämonstratensers Georg Schönhainz . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.5 Luzern und die katholische Eidgenossenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.6.6 Luzern fürchtet um die Schweizergarde . 3.6.7 Abt Edmund Schnyder in Rom . . . . . . . . 3.6.8 Jahrzehnte allmählicher Beruhigung . . . . 3.7 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
317 321 321 323 324 327
Teil IV Ökonomie 1. Vorbemerkungen, Zuständigkeiten . . . . . 368
328 331 332 334 335
4. Die Zeit von 1798 bis zum Bau der Klosterkirche 1909 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 336 4.1 Von der Helvetik bis zum Beginn der Restauration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 336 4.1.1 Januar bis Mitte April 1798 . . . . . . . . . . . 336 4.1.2 April bis Ende August 1798 . . . . . . . . . . . 337 4.1.3 September 1798 bis Januar 1799 . . . . . . . 340 4.1.4 Von April 1799 bis Ende 1800 . . . . . . . . . 341 4.1.5 Von 1801 bis 1803 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342 4.1.6 Von 1803 bis 1814 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 4.2 Restaurationszeit: Wechselhafte politische Verhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345 4.2.1 Schulden oder nicht? . . . . . . . . . . . . . . . . 345 4.2.2 Streng überwachte Professen und ein prächtiges Fest . . . . . . . . . . . . . . . . . . 346 4.2.3 Einschränkungen der Rechte . . . . . . . . . . 348 4.3 Sonderbund und Sonderbundskrieg . . . . . . . . . 348 4.3.1 Die Freischarenzüge und ihre Folgen . . . 348 4.3.2 Das Exil der Eschenbacher Nonnen im Sonderbundskrieg . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350 4.4 Harte Zeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352 4.4.1 Unmittelbare Folgen des Sonderbundskriegs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352 4.4.2 Exkurs zur Einrichtung einer wohltätigen Institution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354 4.4.3 Schwester M. Philomena Ignatia Ineichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 356
VIII
4.4.4 Äbtissin M. Cäcilia Meyer und ihr Kampf um das Wohlergehen des Klosters . . . . . . 360 4.5 Rückkehr zur klösterlichen Autonomie . . . . . . 365
2. Klosterrechnungen im historischen Durchgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 370 2.1 Übersichten und Struktur . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Einnahmen und Ausgaben: Beispiele . . . . . . . . 2.2.1 Ein Blick auf die Einnahmen . . . . . . . . . 2.2.2 Gülten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.2.1 Frühe Gülten . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.2.2 Der Zinsrodel 1895–1919 . . . . . . .
370 376 376 377 378 380
2.2.3 Zehnten und Bodenzinsen . . . . . . . . . . . 384 2.2.3.1 Besitzungen in Mühlau und Sins 387 2.2.4 Der Kiesabbau im 20. Jahrhundert . . . . . 391 2.3 Die Klosterwälder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 392 2.4 Vielfältiger Personalaufwand . . . . . . . . . . . . . . . 398 2.5 Klosterverwaltung und der Hof des Amtmanns . 400 2.6 Lehnshöfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 406 2.6.1 Mittelalter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 406 2.6.2 18. Jahrhundert bis 1840 . . . . . . . . . . . . . . 406 2.6.3 19. und 20. Jahrhundert (ab 1850) . . . . . . 409 2.6.4 Zwei Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 2.6.4.1 Der Oberhof . . . . . . . . . . . . . . . . . 409 2.6.4.2 Der Hof Oberhofen . . . . . . . . . . . 411 2.6.4.3 Fazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 413 2.7 Textiles Schaffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 413 2.7.1 Wirtschaftliche Bedeutung . . . . . . . . . . . 413 2.7.2 Geschichtlicher Überblick . . . . . . . . . . . . 414 2.7.2.1 Reliquienfassungen . . . . . . . . . . . 414 2.7.2.2 Textilarbeit Ende des 18. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . 415 2.7.2.3 Vereinzelte Nachrichten aus dem 19. Jahrhundert . . . . . . . . . . . . . . . 416 2.7.2.4 Restaurationsarbeiten im Benediktinerinnenkloster Au SZ . . . . . . . 417 2.7.2.5 Arbeiten für den Eigenbedarf . . . 418
Inhalt
2.7.2.6 Verkauf von Wandteppichen des 17. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . . . . 2.7.2.7 Erste Auftragsarbeiten . . . . . . . . . 2.7.3 Professionalisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.7.3.1 Sr. M. Angela Nünlist . . . . . . . . . 2.7.3.2 Sr. M. Hildegard D’Andrea . . . . . 2.7.3.3 Sr. M. Consolata Schuler . . . . . . . 2.7.3.4 Sr. M. Lutgard Feierabend . . . . . . 2.7.3.5 Sr. M. Luzia Güller . . . . . . . . . . . . 2.7.3.6 Sr. M. Ruth Nussbaumer . . . . . . . 2.8 Institutioneller Strukturwandel – Stiftung Frauenkloster Eschenbach . . . . . . . . .
420 420 421 421
1. Zeittafel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 444
422 423 423 424 426 428
Teil V Das klösterliche Erbe 1. Vorbemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 432 2. Haustradition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434 2.1 Kunstwerke und andere historisch wertvolle Gegenstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434 2.2 Das Archiv . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 436 2.3 Die Bibliothek . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 438
ENDE BAND I
Teil VI Anhang
2. Verzeichnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 446 2.1 Klostervorsteherinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 446 2.1.1 Meisterinnen des Augustinerinnenklosters . 446 2.1.2 Äbtissinnen des Zisterzienserinnenklosters 448 2.2 Schwestern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449 2.2.1 Augustinerinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449 2.2.2 Zisterzienserinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 453 2.2.2.1 Statistik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 494 2.3 Beichtiger / Spirituale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 502 2.4 Visitatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 510 2.5 Familiaren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513 2.6 Eschenbacher Pfarrer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 515 2.7 Eschenbacher Kapläne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 517 2.8 Klostergüter 1292–1585 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 518 2.9 Jahrzeitstiftungen vor 1588 . . . . . . . . . . . . . . . . 524
3. Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 525 4. Quellen und Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . 527 4.A Archivbestände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 527 4.B Druckschriften / Literaturverzeichnis . . . . . . . . 558
5. Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 587 6. Register der Personen und Orte . . . . . . . . 593 7. Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 620 7.1 Donatorinnen und Donatoren . . . . . . . . . . . . . 620 7.2 Mitarbeit, Auskünfte, Beratung, Fotos . . . . . . . 620
Inhalt
IX
Vorwort
Im Frauenkloster Eschenbach im Kanton Luzern spannt sich ein eindrucksvoller Bogen über mehr als sieben Jahrhunderte: von der Gründung als Gemeinschaft von Augustinerinnen in Niedereschenbach um 1290 über den Umzug an den heutigen Standort in Obereschenbach spätestens im Jahr 1309 bis hin zur Eingliederung in den strengeren Zisterzienserorden im späten 16. Jahrhundert. Die Geschichte des Klosters ist eng mit der religiösen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Zentralschweiz verwoben. Zeiten des Umbruchs – von Reformation und Revolution bis zur Neuordnung nach dem Sonderbundskrieg – hinterliessen ebenso ihre Spuren wie Herausforderungen der Moderne. Nach einem zahlenmässigen Höhepunkt von mehr als 50 Schwestern in den Jahren 1960–1974 blieben Neueintritte zunehmend aus. Am 23. März 2017 beschloss der Konvent, die weltlichen Aufgaben des Klosters der kirchlichen Stiftung Frauenkloster Eschenbach zu übertragen. Diese wird dafür sorgen, dass das Kulturerbe erhalten bleibt und das Kloster einer neuen Zukunft entgegengeführt wird. Um das Frauenkloster hat sich im Laufe der Jahrhunderte das lebendige Dorf Eschenbach entwickelt. Die Gemeinde liegt im oberen Luzerner Seetal und ist ab Luzern mit der Seetalbahn oder dem Auto in gut 20 Minuten erreichbar. Bis heute existieren hier faszinierende Parallelwelten: auf der einen Seite das offene, pulsierende Dorfleben, auf der anderen Seite das in sich geschlossene Zisterzienserinnenkloster. Hier widmen die Klosterfrauen ihr Leben dem christlichen Glauben und beten für persönliche Anliegen von Menschen, für die Dorf
Vorwort
gemeinschaft und für die Welt. Das Kloster funktionierte bis vor zwanzig Jahren weitgehend in Selbstversorgung. Die Bevölkerung der Region schätzt es bis heute als Ort des gelebten christlichen Glaubens. Es ist für seine künstlerischen Arbeiten und insbesondere für die Paramentik (die Herstellung liturgischer Textilien) weit über die Region hinaus bekannt. Viele warten gespannt auf die Zeit, in der das Kloster in eine neue Zukunft aufbricht. Das vorliegende Buch des Historikerehepaars Hans peter Marti und Karin Marti-Weissenbach zeichnet den geschichtlichen Weg des Frauenklosters Eschenbach nach. Es eröffnet einen Einblick in das klösterliche L eben, die Spiritualität der Gemeinschaft, ihr Wirken im Gebet, das reiche künstlerische Schaffen und alle Belange des Wirtschaftens. Zugleich berichtet es von Brüchen und Neuanfängen, von Zeiten des Wachstums und der Blüte, aber auch von Phasen der Einschränkung, in denen beispielsweise über Jahrzehnte keine Novizinnen mehr aufgenommen werden durften. Möge diese Darstellung dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung von Frauenklöstern in der schweizerischen Kultur- und Religionsgeschichte zu schärfen und die Wertschätzung für die Frauen wachzuhalten, die hier über Generationen hinweg gelebt, gebetet und gearbeitet haben. Für uns als Stiftungsrat macht das Buch sichtbar, auf welches wertvolle, reichhaltige Fundament wir die weitere Geschichte des Frauenklosters Eschenbach aufbauen dürfen. Pirmin Jung Präsident Stiftungsrat Frauenkloster Eschenbach
1
Einleitung
Das geistliche Programm, das Bernhard von Clairvaux vor rund 900 Jahren für die Mönche von Saint-Jean d’Aulps, Haute-Savoie, entwarf, fasst das Ideal zisterziensischer Spiritualität prägnant zusammen. Auch für die Zisterzienserinnen von Eschenbach behält es seine Geltung, gerade in Zeiten, die dem Klosterleben nicht förderlich sind: Unser Platz ist Erniedrigung, ist Demut, ist freiwillige Armut, Gehorsam, Friede und Freude im Heiligen Geist. Unser Platz bedeutet, unter einem Lehrer zu stehen, u nter einem Abt, unter der Regel und Disziplin. Unser Platz ist stilles Studium, Übung im Fasten, Wachen, Gebet und Arbeit unserer Hände, vor allem aber den höheren Weg zu gehen, der die Liebe ist, schließlich in all diesen Bestrebungen von Tag zu Tag vollkommener zu werden und darin zu verharren bis zum letzten Tag.1
1972 lebten in der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach 53 Nonnen (37 Chorfrauen und 16 Laienschwestern). Im Lauf der Jahrzehnte reduzierte sich der Bestand kontinuierlich: Im Jahr 2000 waren es noch 24 Schwestern, 2008 insgesamt 12, heute sind es noch 7. Von ihnen weilen noch 4 im Kloster Eschenbach, die anderen auf der Pflegestation des Klosters Baldegg. 1991 erfolgten die letzten Klostereintritte. 2018 wurde eine Stiftung gegründet, welche die Zukunft des in absehbarer Zeit verwaisten Klosters regelt.2 Bereits die Kapitelversammlung vom 24. April 2015 hatte beschlossen, dass künftig keine Novizinnen aufgenommen werden sollten, weil ihre Ausbildung nicht mehr sichergestellt werden konnte.3 Die Umstände erzwingen in naher Zukunft das Ende klösterlichen Lebens, zumindest in der bisherigen Form. Im Herbst 2024 verliess der letzte Spiritual nach 28-jähriger Tätigkeit das Kloster. Seit seinem Wegzug entfällt der regelmässige öffentliche Gottesdienst mit der Eucharistiefeier in der Klosterkirche, und seit 2024 wird der schon jahrzehntelang nur noch von weltlichen Personen versehene Dienst an der Klosterpforte in einem weit kleineren Arbeitspensum als früher verrichtet. Die unvoll-
1 — Bernhard von Clairvaux 1990–1999, Bd. 2, 1992, S. 921. 2 — WB Stiftung, Stiftungsurkunde 10. Dezember 2018. 3 — Ebd., Chronologie Gründung Stiftung Frauenkloster Eschen-
bach (Stand 4.12.2023, zusammengestellt von Paul Twerenbold).
2
ständig aufgezählten Fakten belegen den Strukturwandel, der vor rund 40 Jahren einsetzte und den die Zisterzienserinnenabtei mit allen Schweizer Klöstern mehr oder weniger teilt. Die vorliegende Klostergeschichte sucht Ereignis- und Strukturgeschichte miteinander zu verbinden, indem sie, den dargestellten Zeitumständen und behandelten Themen entsprechend, Schwerpunkte setzt. Über die schweizweite Krisenlage kirchlicher Einrichtungen beider christlicher Konfessionen wurde und wird viel geschrieben, nach Ursachen gesucht und der bedrohlichen Tendenz mit verschiedensten Massnahmen begegnet. Wir verzichten darauf, diese von Betroffenen zumeist sehr bedauerte Entwicklung so ausführlich, wie sie es verdiente, zu kommentieren. Die Gründe der oben genannten Veränderungen mögen hauptsächlich auf die Diskrepanz zwischen aktuellen Erwartungen an ein erfülltes Leben auf der einen Seite und den von den traditionellen Kirchen zur Verfügung gestellten religiösen Sinnangeboten andererseits zurückgehen. Verbesserung des Wohlstands breiter sozialer Schichten, Veränderungen in den Familienstrukturen, technische Errungenschaften, insbesondere neue, Menschen weltweit verbindende Kommunikationsmedien, die Urbanisierung ländlicher Gebiete, Migration in weltlichen Berufen und die konfessionell neutralisierte Ausrichtung von Wirtschaft, Schule und Politik lassen das kirchliche Leben für die grosse Mehrheit der Bevölkerung in den Hintergrund treten. Hinzu kommt eine Vielzahl unterschiedlicher, sich kumulierender Faktoren: eine zunehmend individuelle Gestaltung des Lebens, Beschleunigung und Abwechslung im Alltag, insbesondere während der Freizeit,4 ein fehlender gesellschaftlicher Rückhalt der angeblich vom Fortschritt überholten, jedoch verpflichtenden Traditionen, Missstände in kirchlichen Institutionen, die vermehrt Kirchenaustritte zur Folge haben, alternative Glaubensgemeinschaften und -praktiken sowie vor allem die Zunahme der unter dem vieldeutigen Sammelbegriff 4 —
Diskussionsbeiträge liefern auflagenstarke Gegenwartsdiagnosen zu Moderne und Spätmoderne: zu nach aussen gerichteter Individualisierung und zur Selbstverwirklichung als Lebenshaltungen, die, ausgehend von einer neuen Mittelklasse, sich in der ganzen Gesellschaft verbreiten, Reckwitz 2022, 6. Auflage, z. B. S. 107 f., 206, 274 f., 283, 289–294. Zur Beschleunigung in der Moderne vgl. Rosa 2020, 12. Auflage. – Gegentendenzen führen ihre Vertreter kaum zu Klostereintritten. Kritik am gegenwärtigen Individualismus, Hersche 2022, S. 255.
Einleitung
‹Konfessionslose› vereinigten Menschen.5 Als zweitgrösste Gruppe von Personen im Alter von über 15 Jahren machten diese 2023 im Kanton Luzern bereits 29 Prozent der Bevölkerung aus.6 Auf den Zerfall des sogenannten katholischen Milieus7 seit den 1960er-Jahren macht die Geschichtsschreibung seit Jahrzehnten aufmerksam und beschreibt die Transformation der Lebensverhältnisse hauptsächlich im Alltag der bäuerlich-katholischen Landbevölkerung:
dessen umfassendem historischem Konzept wir ebenfalls nicht uneingeschränkt folgen, bedient sich eines sechs Perioden umfassenden Wellenmodells, in dem sich vom Spätmittelalter bis zum Vatikanum II Zeitspannen emotional gesteuerter Beziehungen von solchen eines ratio nalen Verhältnisses zu Kirche und Religion ablösen.11 Schliesslich nehmen wir von wertenden Begriffen wie ‹Fortschritt› oder ‹Rückständigkeit› Abstand, obwohl sie in der (konfessionsbestimmten) Historiografie als Motivations- und Orientierungskategorien oft wegleitend sind.12 Um 1950 setzte das Abbröckeln einer ganzen Reihe von jahrhundertelang geübten und im ländlichen Umkreis fest Autobiografische Reminiszenzen veranschaulichen den verankerten Frömmigkeitspraktiken ein. In den 1960er- Wandel von einer religiös ausgerichteten Lebensweise zu Jahren wurde dieser Prozess beschleunigt, intensiver und einer säkularen Mentalität, in der die konfessionelle Zubreitenwirksamer und um 1980 waren die meisten tradigehörigkeit und innerkonfessionelle Differenzen, zumintionalen Formen fast vollständig von der Bildfläche verdest in der Öffentlichkeit, eine geringe oder gar keine schwunden. […] Der Prozess der Auflösung der traditioRolle mehr spielen. Anders in den späten 1950er-Jahren, nellen religiösen Identitäten und die Autoritätskrise innerals der im 19. Jahrhundert im Kanton Luzern entstanhalb der katholischen Kirche gingen weiter und dauern bis dene Graben zwischen Konservativen und Liberalen in die Gegenwart an.8 noch vorhanden war:
Diese tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen werden als Cultural Turn bezeichnet,9 sozialgeschichtlich entweder negativ als Verlust der unter dem Terminus ‹Barock katholizismus› gefassten Lebensform und/ oder, mit unterschiedlicher Bewertung, als Modernisierungsprozess beschrieben.10 In unserer Klostergeschichte vermeiden wir den bei protestantischen und katholischen Historikern, Literaturwissenschaftlern und Philosophen beliebten, jedoch vieldeutigen Begriff ‹Moderne› und gehen zur Modernediskussion auf Distanz, obwohl Merkmale der Abgrenzung historischer Epochen hier und dort unvermeidlich in die Darstellung einfliessen. Hersche, 5 —
Selbstverständlich gibt es Gegentrends in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen: starke religiöse Bindungen, Hang zu Freikirchen, nichtchristliche Religionen, insbesondere der wachsende Anteil von Muslimen durch Zuwanderung. 6 — Vgl. https://www.lustat.ch/monitoring/kennzahlen-kanton-luzern/politik-und-gesellschaft/sprache/religion (Stand 12.8.2025). 7 — Den Begriff ‹Milieu› bzw. ‹Milieukatholizismus› verwendet Altermatt, U. 1991a im Standardwerk zum Mentalitätswandel im katholischen Alltag, S. 103–118, ferner ders. 1993, S. 252 f., hier S. 252 für die «Pianische Papstperiode», die in der Zeit zwischen 1870 und 1950 angesiedelt wird. Vgl. zur politischen Tragweite Altermatt, U. 1991b. 8 — Hersche 2013, S. 384 f.; vgl. dazu Lang 2013, eine in Teilen kritische, die Sachverhalte ironisierende Rezension. 9 — Altermatt, U. 2004, S. 171. 10 — Zum Barockkatholizismus (mit etwa analoger Periodisierung der Vorgänge wie Altermatt, U. passim) Hersche 2006, S. 924–951, ders. 2013. Vgl. die Einwände von Reinhard 2010; Hersche, Reinhard 2016, S. 503–510, insbesondere S. 509, der abgemilderte Gegensatz zwischen den beiden Autoren. Marti 2011 hält am Epochenbegriff ‹Barock› fest, möchte ihn aber nicht nur auf katholische Länder angewendet sehen.
Einleitung
Man ging nicht in denselben Turnverein, nicht in denselben Chor. Nahezu in jeder Gemeinde gab es konservative und liberale Gaststätten. Einkäufe machte man am ‹richtigen› Ort. Die Parteizugehörigkeit wurde meist vererbt. […] Aber auch Restaurants, Bäckereien und Kolonialwarengeschäfte differenzierten sich parteipolitisch. Gemeinderats- und vor allem Grossratswahlen bedeuteten Grosskampfstimmung.13
In diesem Spannungsfeld blieb das Kloster, bei aller politischen Zurückhaltung nach aussen, eine Stütze der katholischen resp. der Christlichdemokratischen Volkspartei. 1871 hatte die Klosterchronistin den Sieg der Konservativen gefeiert und den ihm vorausgehenden Einsatz betont: «Es wurde aber viel getan für glükliche Wahlen mit Wort und Schrift und besonders mit den Waffen des Gebetes erflehten die Gutgesinnten diesen Sieg vom
11 — Hersche 2016, S. 499–503. 12 — Reckwitz 2022, insbesondere S. 431, grenzt die Spätmoderne
von der industriellen Moderne (Ende 18. Jahrhundert bis 1970) ab, siehe auch Reckwitz, Rosa 2021. Maissen 2007, S. 240 f. empfiehlt den interkonfessionell verwendbaren, neutraleren Begriff ‹Konfessionskulturen›. Weichlein 2005, S. 383, sieht in der Religion einen Störfaktor der von ihm postulierten, freilich nicht unumstrittenen gesellschaftlichen Einheit: «Die Gesellschaft fordert von uns, gemeinsam zu essen, das gleiche Eisenbahnabteil zu benutzen, und im Alltag als gleiche miteinander umzugehen, auch wenn wir unterschiedlichen Religionen, politischen Bekenntnissen und Bildungstraditionen angehören.» 13 — Schurtenberger 2024, S. 125. Zu den politischen Bezeichnungen ‹konservativ› und ‹liberal› im 19. Jahrhundert Borner 1981, S. 11–13.
3
Himmel.»14 Wäre das Resultat anders ausgefallen, hätte man den Ratschluss der Vorsehung demütig akzeptiert; eine Haltung, die das Verhältnis des Klosters zur Politik grundsätzlich prägte, aber Klagen über schwierige Zeiten nicht ausschloss.15 Nie aber waren die Beziehungen der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach zur Luzerner Obrigkeit so spannungsgeladen und das Weiterbestehen des Klosters in politischer Hinsicht so gefährdet wie im 19. Jahrhundert. Wie in anderen Klöstern machte sich in Eschenbach die Krise traditioneller religiöser Verhaltensnormen in den Auswirkungen auf das Kloster zeitverschoben bemerkbar, da noch bis in die späten 1960er-Jahre zahlreich Klostereintritte erfolgten, die es hernach während längerer Zeit erlaubten, über den bereits stattfindenden gesellschaftlichen Wandel hinwegzusehen. Die Zisterzienserinnen abtei Eschenbach hatte die Helvetik und die im 19. Jahrhundert erfolgten Klosteraufhebungen, namentlich im Aargau und im Kanton Luzern, überstanden. Weshalb sie im Unterschied zu den Zisterzienserklöstern St. Urban und Rathausen den Wirren des Sonderbundskriegs nicht zum Opfer fiel und den Nützlichkeitserwägungen der Liberalen zu trotzen vermochte, geht aus den Quellen nicht hervor und wird in der Geschichtsschreibung kaum zur Diskussion gestellt.16 Jede Antwort verharrt im Bereich der Spekulation. Möglicherweise schreckte die Luzerner Regierung vor einer extrem konsequent-radikalen Politik zurück, weil die Konservativen in den Landgebieten des Kantons einen starken Rückhalt besassen und man daher das ohnehin durch die Freischarenzüge strapazierte innenpolitische Gleichgewicht aus Angst vor einer Fortsetzung des Bürgerkriegs nicht stärker aufs Spiel setzen 14 — WB Klosterbuch 1831, S. 285, dagegen weit nüchterner Das Gotteshaus 1910, S. 111. 15 — Vgl. AA 326, dort den Wortlaut des Turmdokuments, wo vom Plan der liberalen Regierung die Rede ist, das Kloster «eines langsamen Todes aussterben zu laßen; doch der lb. Gott schützte und schirmte während dieser traurigen Zeitperiode in besonderer Weise unser lb. Kloster, Dank seiner Güte und Barmherzigkeit» (ebd., S. 13). Ähnlich Das Gotteshaus 1910, S. 112. 16 — Bossard-Borner 2008, S. 412, referiert den Standpunkt der Befürworter der Aufhebung des Klosters Rathausen, das «ohnehin in ökonomischem Zerfall […] und auf die Dauer nicht überlebensfähig sei», und berichtet an anderer Stelle (ebd., S. 417) von der Mehrheit, die sich in den Ämtern Sursee und Hochdorf gegen die Aufhebung Rathausens aussprach. In Zisterzienserinnenabtei 1995, S. 136 f., ist das auf den 13. April 1848 datierte Aufhebungsdekret des Grossen Rats publiziert, das den politischen Schritt mit der schlechten monetären Situation des Klosters und trotzdem mit dem Nutzen der Aufhebung für den Staat erklärt und diese historisch mit der Parallele der Verschmelzung der Luzerner Frauenklöster im 16. Jahrhundert rechtfertigt. Über die Bedeutung des vielschichtigen Begriffs des Nutzens wird in den Quellen nirgends reflektiert; meist wird er aber mit finanziellem Ertrag in Verbindung gebracht.
4
wollte.17 Der mehr passive Widerstand der Zisterzienserinnenabtei, den Plänen des Luzerner Rats zu folgen und sich im Erziehungswesen nützlich zu machen, erscheint rückblickend in einem positiven Licht. Das Kloster Eschenbach geriet nie ins Schussfeld der auch gegen Luzerner Schulen und Heime erhobenen Missbrauchsvorwürfe.18 Anders als in den früheren Krisenzeiten geht das heutige Verschwinden der Klöster nicht auf politische Initiativen und Beschlüsse, sondern, wie erwähnt, auf gesellschaftliche Veränderungen zurück. Sie betreffen neben dem bisher Gesagten die in den letzten Jahrzehnten eingetretene Aufwertung der Position der Frauen, für die ein Klostereintritt auch deshalb unattraktiv erscheint, weil ihnen die weltliche Gesellschaft nun mehr Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt.19 In den Eschenbacher Quellen wird die Forderung nach Gleichberechtigung nirgends erhoben und die von Männern dominierte Hierarchie in der römischen Kirche weder thematisiert noch gar in Frage gestellt. Wir versuchen dem Genderaspekt vor allem mit einer ausgeglichenen Auswahl der behandelten Personen Rechnung zu tragen. Im Übrigen vermeiden wir es, gegenwärtig verbreitete gesellschaftliche und poli tische Normen auf frühere Zeiten zu übertragen, und überlassen diesbezügliche Urteile den Lesenden. Der Entscheid, in ein Frauenkloster einzutreten, das strengen Klausurregeln folgt, setzt die Verpflichtung auf die Gelübde der Armut,20 des Gehorsams, der Ehelosigkeit und der sexuellen Enthaltsamkeit voraus – alles Forderungen, mit denen sich die überwiegende Mehrzahl der Frauen heute schwertut. Hinzu kommt die erwähnte 17 — Borner 1981, S. 27, spricht von einer massvollen Politik der Luzerner Liberalen, «um das konservative Volksempfinden zu schonen». «Vor allem blieben nach der Aufhebung der Klöster Rathausen und St. Urban weitere Konfrontationen mit der Kirche aus» (ebd.). Ineichen 2020 widmet sich Luzerner Protestbewegungen in der Frühen Neuzeit und stellt fest, dass «die Luzerner Aristokraten mehr Selbstbeschränkung üben und mehr Entgegenkommen zeigen mussten als die Obrigkeiten anderer eidgenössischer Stadtstaaten» (ebd., S. 29). Graber 2023, S.71, geht, allerdings nicht auf Luzern bezogen, von einer «Furcht der liberalen Eliten vor dem Volk» aus. 18 — Vgl. https://www.unilu.ch/fileadmin/universitaet/dienste/unikomm/dokumente/fokus-forschung/Heimkinder_uniluaktuell_42. pdf (Stand 12.8.2025); ferner Bloch, Bannwart, Krüger, Berthet 2021. 19 — Die Geschichtsschreibung beschäftigte sich ausgiebig mit der Anziehungskraft des Zisterzienserordens für die Frauen im Mittelalter. Eine Position betont die ordensinterne Öffnung (Degler-Spengler 1982; dies. 1985), die heute vorherrschende die Zurückhaltung der mittelalterlichen Zisterzienser den Frauen gegenüber (Felten 2000; ders. 2011). Die Abwehrthese steht der traditionellen Ordensgeschichtsschreibung näher als die von Degler-Spengler vertretene Ansicht. 20 — Reckwitz 2022, S. 156, «Verschwendung ist […] für Singularitätsmärkte nicht pathologisch, sondern konstitutiv», Demut und Gelassenheit «erscheinen in der Spätmoderne überholt» (ebd., S. 348, Hervorhebung im Original).
Einleitung
kaum eingeschränkte Dominanz der Männer in der römisch-katholischen Kirche, die im Gegensatz zu früher nicht mehr unwidersprochen hingenommen wird. Bis ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts war es für viele kinderreiche katholische Familien Tradition, Söhne und Töchter in geistlichen Institutionen unterzubringen, die den Lebensweg vorzeichneten, materielle Sicherheit gewährten, gegebenenfalls eine kostenlose Berufsausbildung und einen kircheninternen Aufstieg ermöglichten, ganz abgesehen vom geistlichen Rückhalt, den das Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft mit liturgisch strukturiertem Tagesablauf bot.21 Was kann und soll die Geschichtsschreibung zur Zisterzienserinnenabtei Eschenbach leisten? Zunächst bringt sie die oft voneinander getrennten, aber in der Wirklichkeit verbundenen Zuständigkeiten der Profan- und der Kirchen- resp. Ordensgeschichte miteinander in eine wünschenswerte Beziehung. Damit übernimmt sie im Verhältnis zu den profanen Elementen der Geschichtsschreibung eine Komplementärfunktion.22 1588 hatte sich das bis dahin der Augustinerregel verpflichtete Eschenbacher Kloster mit der Übernahme der zisterziensischen Satzungen und der Benediktsregel neu ausgerichtet.23 Bald kamen Beziehungen zu nachreformatorischen Orden und Kongregationen, vor allem zu den Jesuiten und den Kapuzinern, hinzu. Unsere Publikation trägt zur Geschichte der Luzerner Niederlassungen beider Orden bei, die ergänzt werden könnte durch die Thematisierung weiterer spiritueller Beziehungen – 21 — Die Motive zum Klostereintritt wurden in letzter Zeit im Zuge des Aufschwungs der Oral History häufig durch Befragungen von Nonnen und Mönchen dokumentiert, vgl. Vorburger-Bossart 2018, dies. 2020, dies. 2025; Berther 2024. Die Interviews sind unentbehrliche biografische, alltags- und kulturgeschichtliche Quellen; ergänzend Fotodokumentationen Bosshard-Kälin, Hammer 2018 (Fahr) und Von Arb, Lehmann, Vogler 1993 (Ostschweiz). 22 — Altermatt, U. 2004, S. 171, zur Integration der Religionsgeschichte als eines eigenen historiografischen Zweigs in die allgemeine (Profan)Geschichte. Bekanntlich lebt heute noch die Abgrenzung der Kirchen- von der Profangeschichte in der institutionellen Trennung der Lehrstühle der Kirchengeschichte von denen an den nichttheologischen Fakultäten fort. Wicki 1990 berücksichtigt sowohl die Luzerner Profan- als auch die Kirchengeschichte. 23 — Wir vermeiden die in der Sekundärliteratur oft anzutreffende Rede von einer ‹Zisterzienserregel›, die es, anders als die Benedikts-, Augustiner- und Franziskusregel, nicht gibt. Zu den zisterziensischen Usus immer noch unentbehrlich die zahlreichen, verstreut erschienenen Aufsätze des Mehrerauer Zisterziensers Gregor Müller (1842– 1934), des Begründers der Cistercienser Chronik (vgl. VI.4, Quellen und Literatur). Zur allgemeinen Ordensgeschichte (mit weiterer Literatur) vgl. Dinzelbacher, Roth 1997, S. 349–379; Eberl 2002; Melville 2012, S. 123–158; Oberste 2014; Köpf 2025. Einen Überblick zu den Ordensquellen bietet Altermatt 1987. Zu den Zisterziensern und den Zisterzienserinnen in der Schweiz HS III/3 (gesamte Schweiz, allgemeine Überblicke und einzelne Klöster). Lexikonartikel in den gängigen Nachschlagewerken vermitteln erste Informationen.
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zu erwähnen sind die Ehrenpredigten von Kapuzinern an Festtagen und die von ihnen im Kloster Eschenbach eingeweihten Kreuzwege.24 Die im Laufe der Zeit durchlebten Diskontinuitäten machen das Kloster Eschenbach unter den Schweizer Frauenklöstern zu einem historiografischen Sonderfall. Im Vordergrund des aktuellen Interesses steht aber der Umgang mit dem nun, am Ende einer langen historischen Ära, bevorstehenden Traditionsverlust.25 Unsere Geschichte der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach möchte die zahlreichen, oft erstmals aus Primärquellen geschöpften Kenntnisse für die Zukunft vergegenwärtigen und verbreiten helfen. Die Chance des authentischen Zugangs bzw. die Möglichkeit des Einbezugs von persönlichen Kontakten zu den Schwestern wird nicht mehr wiederkehren. Im Zeitalter der Digitalisierung und des Gebrauchs von Künstlicher Intelligenz ist es – jedenfalls in der Geschichtswissenschaft – nach wie vor unumgänglich, die Herkunft der verarbeiteten Informationen bibliografisch nachzuweisen. Diesem Anspruch versuchen wir mit der Nennung von und der Kritik an Forschungsliteratur zu genügen. Offen bleiben die Fragen nach der Erhaltung, der weiteren Pflege und der Verbreitung traditioneller klösterlicher Wissensbestände, für die das vorliegende Werk als Informationsgrundlage dienen kann. Die Stiftung Frauenkloster Eschenbach wurde auch in der Absicht gegründet, historische Kontinuität wo immer möglich in der Zukunft zu wahren oder wenigstens an die rund 740 Jahre des Bestehens des Klosters zu erinnern. Hierzu soll diese von den Anfängen im Spätmittelalter bis in die Gegenwart reichende Klostergeschichte beitragen. Wir konnten uns auf die anlässlich des Baus der Klosterkirche (1909) von Äbtissin und Konvent ohne Nennung der Verfasserschaft entstandene Publikation stützen, die eine Fülle von Fakten aufreiht, nach wie vor lesenswert ist, jedoch im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts abbricht und sowohl inhaltlich als auch methodisch der Ergänzung und Vertiefung bedarf.26 24 — Die Publikation der für die Frühe Neuzeit sehr lückenhaften Liste der Ehrenprediger (Bernhards- und Symphorosatag) ist einer späteren Publikation vorbehalten; von ihren Heiligenpredigten ist nur ein kleiner Bruchteil (handschriftlich) überliefert, was auch auf alle anderen geistlichen Reden, von wenigen Ausnahmen aus dem 20. Jahrhundert abgesehen, zutrifft. 25 — Reckwitz 2024 entwirft eine ausführliche soziologische Phänomenologie des Verlusts in der Moderne, eine Zeitdiagnostik, an die eine soziotheoretisch ausgerichtete Historiografie anknüpfen könnte (zu Verlusterfahrungen, Verlustängsten und Verlustwut ebd., S. 337). Vgl. dazu bereits Reckwitz in Reckwitz, Rosa 2021, S. 134 f. 26 — Das Gotteshaus 1910. Eine Würdigung der wichtigsten Vorläuferin unserer Klostergeschichte muss hier unterbleiben; einige
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Die Artikel in Helvetia Sacra vermitteln ausser bibliografischen Hinweisen Eckdaten zur Politik- und Personengeschichte, insbesondere Kurzbiogramme zu den Äbtissinnen bis zum Erscheinungsjahr der Publikation.27 Die Geschichte der Spiritualität und der Liturgie sowie die Wirtschaftsgeschichte und der klösterliche Alltag werden dort nicht behandelt. Wir versuchten, aus unterschiedlichen methodischen Perspektiven das ganze Themenspektrum anzugehen. Vollständigkeit ist nie zu erwarten, inhaltliche Bereiche, zu denen wichtige Unter suchungen vorliegen (Beichtigerstreit, Klosterschatz, Bibliotheksgeschichte), werden tendenziell knapper als das historiografische Neuland vorgestellt. Hieraus resultierende Disproportionen nehmen wir in Kauf. Die Behandlung der jüngsten Geschichte hatte auf die Datenschutzbestimmungen Rücksicht zu nehmen. Es war nicht immer leicht, den Anforderungen historischer Objektivität und der Rücksicht auf Einzelinteressen gleichermassen zu entsprechen. Grundsätzlich halten wir uns – auch in den nach Sachkriterien eingefügten Unterabschnitten – an die chronologische Abfolge einer Erzählung. Diese Erzähleinheiten stellen in sich geschlossene Teile dar, die auch selbstständig ohne den übergeordneten Zusammenhang verstanden werden können. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis ersetzt zwar ein Sachregister nicht, bietet aber einen roten Faden, der zur Orientierung dient und den chronologischen Aufbau mit den eingestreuten Teilaspekten in Beziehung bringt. Die vorliegende Klostergeschichte besteht aus zwei Bänden. Der erste Band umfasst den Haupttext und ist in fünf Teile gegliedert, denen nach dem Dezimalsystem Abschnitte und Unterabschnitte zugeordnet sind. Die Fussnoten enthalten die Kürzel der bibliografischen Angaben (in der Regel Verfassername und Erscheinungsjahr des Werks), die im Quellen- und Literaturverzeichnis entstehungsgeschichtliche Bemerkungen siehe Marti 2019. Einerseits fehlen im Werk detaillierte Nachweise, vereinzelt enthält es zum anderen uns nicht (mehr) zugängliche Informationen, z. B. familiengeschichtliche Daten zu Biografien von Schwestern. Die meisten Zitate konnten jedoch verifiziert werden. Am Schluss, S. 124 f., befindet sich immerhin ein knappes Verzeichnis herangezogener Gewährsleute und Dokumente. Die Klostergeschichte erschien auch in Cistercienser-Chronik 22, 1910, in acht Folgen, S. 1–17, 40–50, 67–84, 108–124, 133–151, 168–183, 207–219, 235–251. Für die hier in erster Auflage veröffentlichte Liste der Schwestern (ebd., S. 264–279, 302–310, 323–328) zeichnet allerdings Sr. M. Cäcilia Haas verantwortlich (ihr Name ist lediglich im unpaginierten Inhaltsverzeichnis erwähnt); in Das Gotteshaus 1910, S. 127–157, ist sie nicht als Verfasserin des Personenverzeichnisses genannt. 27 — Helvetia Sacra (HS) zu den Augustinerinnen Glauser 2004, zu den Zisterzienserinnen Kottmann 1982. Ausserdem Kottmann o. J. (zu den Augustinerinnen). Kurzer Forschungsüberblick bei Marti 2019.
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ausführlich verzeichnet sind. Um in zitatreichen Abschnitten die Zahl der Fussnoten zu begrenzen, fügten wir die entsprechenden Kurznachweise im Haupttext hinter dem Zitat ein. Dagegen werden in der Regel die Internetquellen nicht im Literaturverzeichnis, sondern nur in den Fussnoten angegeben. Um dargestellte Sachverhalte zu veranschaulichen, werden längere Zitate vor allem aus bislang nur wenig oder gar nicht bekannten Quellen eingefügt (so in den Abschnitten über die Visitationen [II.4] und über die Helvetik [III.4.1]). Teil I ‹Bauten und Pfründen› stellt im ersten Abschnitt (I.1) das äussere Erscheinungsbild der ganzen Kloster anlage in ihren verschiedenen historischen Etappen sowie die drei Sakralbauten (Pfarr- und Klosterkirche bzw. Pfarrkirche von 1912, Klosterkirche von 1910, Kapelle St. Katharina) vor. Eingeschlossen sind Darlegungen zu wichtigen Bau-, Unterhalts- und Sanierungsarbeiten (z. B. zum Sommerhaus) sowie zu ausgewählten Inneneinrichtungen (z. B. Küchengeräten). Der zweite Abschnitt (I.2) zeichnet neben der Geschichte der Pfarr- und Klosterkirche die Geschichte der vom Kloster bis 1990 beanspruchten bzw. innegehabten Kollatur nach. Auch kommt die Finanzierung der Kirchenbauten zur Sprache.28 Mit dem Leben der Kirchenangehörigen eng verbunden waren die Bruderschaften, denen ein Unterabschnitt gewidmet ist. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten, die Pfarr- und die Sigristenpfrund, kommen zu ihrem Recht, in einem kurzen Unterabschnitt die Geschichte der Kaplanei. Die Kirchengeschichte des Dorfs Eschenbach ist bis zum Entstehen der Kirchgemeinde (1842)29 und darüber hinaus bis zum Bau der neuen Pfarrkirche nicht leicht von der des Klosters zu trennen. Wir beschränken uns in der Darstellung dieses Verhältnisses auf wichtige Gegebenheiten aus klösterlicher Sicht. Die Fortsetzung der Geschichte der Kirchgemeinde seit 1910 bleibt ein Forschungsdesiderat, ebenso das nicht immer spannungsfreie Verhältnis des Klosters zur politischen Gemeinde Eschenbach.30 Die Klosterkirche von 1910 wird erstmals kunsthistorisch ausführlich beschrieben (I.3), gefolgt von der Geschichte der Kapelle St. Katharina unter Einbezug von Liegenschaft und Gehöft (I.4). Teil II ‹Klösterliche Lebenswelt und Aussenbeziehungen› bildet das Kernstück des Haupttexts, das die zisterziensische Spiritualität in den Mittelpunkt stellt. Im ersten Abschnitt (II.1) geht es um das Zusammenleben 28 — In der Geschichtsschreibung zu Kirchenbauten ist für Hersche 2022 der finanzielle Gesichtspunkt von grosser Bedeutung. 29 — Botschaft 2007, S. 3 (I. Zur Geschichte der Bürgergemeinde im Kanton Luzern). 30 — Vgl. Egloff 2023.
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der Nonnen: Aufmerksamkeit verdient das zisterziensische Rituel (1723), eine nur handschriftlich überlieferte deutsche Eschenbacher Übersetzung einer gedruckten französischsprachigen Vorlage (1715). Der Inhalt dieser Handschrift beeinflusste die Haustradition für lange Zeit massgeblich, hat aber bis jetzt samt ihren wenigen Anpassungen an lokale Gegebenheiten kaum Beachtung gefunden. Sie regelte den monastischen Alltag, den liturgischen Tagesplan, die Arbeitsabläufe, die klösterliche Hierarchie mit der Äbtissin an der Spitze, die mit deren Wahl und Ableben verbundenen Praktiken, wichtige Klosterämter, die Arbeitsteilung und Zuständigkeiten. Weiter werden in diesem Abschnitt Gebetsverbindungen mit anderen Klöstern, die medizinische Versorgung und das Verhältnis der Konventualinnen zum Sterben und zum Tod behandelt. In der Erfahrung der Endlichkeit menschlichen Daseins und des Todes zeigt sich in der Regel eine Diskrepanz zwischen früher und heute: «Wir sind nun einmal nicht mehr, wie unsere Vorfahren, ständig vom Tod umgeben und wollen deshalb nicht länger durch drastisches Vorzeigen eines makabren Totenschädels oder gekreuzter bleicher Knochen fortwährend daran erinnert werden.»31 Nicht nur in dieser ‹Hinsicht› helfen Geschichte und Geschichtsschreibung, Unterschiede der Mentalitäten von einst und heute zu erkennen, und regen vielleicht lebenspraktisch eindrückliche Vergleiche an. Die geistlichen Tagebücher Sr. M. Angelina Willmanns (1829–1888), hauptsächlich Exzerpte aus der Erbauungsliteratur und zusammengefasste Referate von Exerzitienmeistern, sowie Sr. M. Immaculata Sigrists (1924–2005) Notizen zu den Vorträgen des Spirituals Thomas Kurent (1910–1987) müssen an anderer Stelle eingehender gewürdigt werden. Dem Armutsgebot, das nicht zu allen Zeiten gleich streng eingehalten wurde, der Ernährung und Versorgung mit Lebensmitteln, inkl. der Herstellung klostereigener Produkte, ferner der Offenheit für Gäste und dem Geschenkwesen sind weitere Unterabschnitte gewidmet. Mit der Bedeutung der Heiligenverehrung beschäftigt sich der zweite Abschnitt (II.2), in dem erstmals ausführlich auf die heilige Symphorosa, die Eschenbacher Katakombenheilige, eingegangen wird. Auch im Symphorosa kult machte sich die nicht unumstrittene Bindung der Eschenbacher Konventualinnen an die Luzerner Jesuiten geltend. Gleichzeitig lebten im Kloster auf das Mittelalter zurückgehende Traditionen der Heiligenverehrung weiter, und es kamen nach der Übernahme zisterziensischer Satzungen andere hinzu. Auch die Verehrung heiliger Frauen (Franziska von Chantal, Margareta Maria 31 — Imhof 1991, S. 15.
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lacoque) aus dem Umkreis des heiligen Franz von Sales A hatte in Eschenbach zeitweise einen hohen, heute weitgehend verkannten Stellenwert. Mit der Auswahl der heiligen Verena als Beispiel eines seit dem Mittelalter weit verbreiteten Kultes wird zusätzlich sowohl der Verehrung einer weiblichen Person als auch einer spätantiken Heiligen und damit der zeitlichen Schichtung des Eschenbacher Heiligenkanons exemplarisch Rechnung getragen. Repräsentanten innerklösterlicher Spiritualität waren die Beichtväter, später Spirituale genannten Ordensgeistlichen (II.3), die erst 1870 im Kloster Eschenbach Wohnsitz nahmen und seitdem in der Überlieferung mehr persönliches Profil erhielten. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Patres der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau, zu deren Kongregation das Kloster Eschenbach wenige Jahrzehnte nach der Aufhebung der Zisterzienserabtei St. Urban gelangte. Luzerner Kapuziner, die jahrhundertelang immer wieder Beichtigerpflichten in Eschenbach erfüllten, treten in der klösterlichen Haustradition eher selten als Einzelpersönlichkeiten hervor. Je zwei Zisterziensern des 19. und des 20. Jahrhunderts widmen wir biografische Porträts, weitere werden in anderen Abschnitten des Haupttexts eher beiläufig vorgestellt. Erstmals und daher ausführlicher kommt in unserer Klostergeschichte das Eschenbacher Visitationswesen zur Sprache (II.4), das vor der Mitte des 18. Jahrhunderts sehr lückenhaft, in einzelnen Jahren (1641, 1649, 1663) aber recht ausführlich, samt den Aussagen der befragten Schwestern, protokolliert ist. Auf die Visitationscharten nach der Zeit des Ersten Weltkriegs wird nicht im Einzelnen eingegangen. Im Gegensatz zu solchen aus unruhigen Zeiten, insbesondere dem 17. und dem späten 19. Jahrhundert, enthalten sie Standardaussagen, die für die Geschichtsschreibung weniger von Belang sind. In den Visitationen, die seit dem 18. Jahrhundert meistens die Vateräbte von St. Urban, später der Bischof von Basel oder sein Stellvertreter durchführten, kamen immer wieder die Grundsätze zisterziensischen Ordenslebens, allen voran die strenge Einhaltung der Klausurvorschriften zur Sprache. Wiederholt ist von Generationenkonflikten im Kloster die Rede, die sich im Appell an die Rücksichtnahme der jüngeren auf die älteren Konventualinnen widerspiegeln.32 Unsere Wiedergabe der Visitationsberichte ruft daher im Rückblick Hauptaspekte klösterlicher Spiritualität abschliessend mit Nachdruck noch 32 — Das enge Zusammenleben verschiedener Generationen stellt in den Klöstern bisweilen nach wie vor ein Problem dar, vgl. die Auswertung von Interviews von Berther 2024, S. 138, 145, 169; Vorburger- Bossart 2025, S. 223–242.
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einmal in Erinnerung.33 Nur kurz werden die Zisterzienserkongregationen behandelt, in deren Zuständigkeitsbereich das Kloster Eschenbach gehörte. Zum einen ist ihre Geschichte gut erforscht,34 zum anderen machte sich ihr Einfluss in der Regel nur indirekt, über das Wirken der Vateräbte, bemerkbar. Teil III ‹Epochen, Umbrüche› behandelt in ausgewählten Abschnitten die politische Geschichte des Klosters von der Augustinerinnenzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, d. h. bis zur Aufhebung der Luzerner Nuntiatur und zum Ende der klosterinternen Konflikte in der Zeit des sogenannten Ultramontanismus. Zum Augustinerin nenkloster (III.1) gibt es Quelleneditionen, hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert, die bereits in der Kloster geschichte von 1910 ausgiebig herangezogen wurden. Der Schwerpunkt der Aussagen liegt in der Rechts- und Wirtschaftsgeschichte sowie bei den Wohltäterinnen /-tätern des Klosters. Vorhandene Informationen wurden von uns unter anderen Gesichtspunkten in Auswahl neu gebündelt, hier und dort durch erstmals gewonnene Fakten und Zusammenhänge ergänzt. Hingegen ist aus den überlieferten mittelalterlichen Quellen über das spirituelle Leben der Augustinerinnen, den klösterlichen Alltag in der vorzisterziensischen Zeit, wenig zu erfahren. Die Zäsur am Ende des 16. Jahrhunderts konnte teilweise aus nichtklösterlicher Perspektive vorgestellt werden (III.2.). Auch hier leistete die Klostergeschichte von 1910 Vorarbeit. Für das 17. Jahrhundert steht der verhältnismässig gut erforschte, daher hier weitgehend aufgrund der Sekundärliteratur zusammengefasste, jedoch vor allem im Licht europäischer Interessenpolitik dargestellte Beichtigerstreit (III.3).35 Den Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert markiert die aus der Sicht einer Eschenbacher Nonne erzählte Zeit der Helvetik – eine schweizweit sehr seltene historiografische Perspektive.36 Sodann werden 33 — Eine Edition der Visitationsprotokolle wäre in Ergänzung zu Gössi, Bannwart 1992 wünschenswert. 34 — Lobendanz 1981; ders. 1998a; ders. 1998b; Scherg 1996; ders. 2002; ders. 2005; ders. 2007; Scherg, Schneider 2008; Schrott, Scherg 2010. 35 — Im Klosterarchiv Eschenbach befinden sich nur eine Originalquelle (AA 144) und ein grösseres Kontingent Abschriften (im Bereich der Dokumente AA 8* bis AA 98*), die wir in Anbetracht der Vor arbeiten Krehs (Kreh 1947 und KAM Kreh Typoskript) und von Huber 1974 aus arbeitsökonomischen Gründen nicht heranzogen. Siehe ferner die jüngste, die Politik noch stärker betonende Darstellung des Beichtigerstreits bei Camenzind 2025a, insbesondere S. 203–243. Dieses Werk, das nach dem Abschluss unserer Arbeit erschien, sei zur Lektüre empfohlen. 36 — Die bisherige Helvetikforschung weiss wenig über die Sicht von Klosterfrauen auf die Ereignisse. Bekannt sind die Tagebucheinträge der Oberin des Terziarinnenklosters St. Josef in Muotathal, Maria Josepha Waldburga Mohr (1745–1828), einer Schwester der Eschenbacher Zisterzienserin Katharina Benedikta Xaveria Mohr. Vgl. dazu Gilomen-Schenkel 1978, S. 685 f.
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die folgenden Jahrzehnte behandelt, die in den Erschütterungen des Klosterlebens durch den Sonderbundskrieg, in der Flucht und der Rückkehr der Klosterfrauen nach Eschenbach kulminierten.37 Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts leitete die politisch ruhige Phase der Klostergeschichte ein, die in der Zeit der beiden Weltkriege andauerte und bis auf den heutigen Tag das Leben im Kloster bestimmt (III.4). Teil IV ‹Ökonomie› befasst sich erstmals eingehend mit der klösterlichen Wirtschaftsgeschichte, den Klosterrechnungen, dem Zinswesen (Gülten, Zehnten und Bodenzinsen) sowie den Besitzungen und Rechten des Klosters vom Mittelalter bis zum Kiesabbau im 20. Jahrhundert. Einen wichtigen Bestandteil der Wirtschaft bildeten die Wälder, aus denen das Kloster das zum Eigenverbrauch benötigte Holz bezog und die zeitweise auch eine Einnahmequelle durch Holzverkauf an Aussenstehende darstellten. Für den Empfang der Gäste und die Abwicklung weltlicher Geschäfte war der Amtmann zuständig, dessen Pflichtenheft hauptsächlich aufgrund der seit dem 18. Jahrhundert überlieferten Anstellungsverträge bekannt ist. Mit der Amtmannschaft war die Bewirtschaftung des später so genannten Klosterhofs verbunden, der, wenn man vom winzigen Gut St. Katharina absieht, kleiner war als die Lehnshöfe und zur Haupt sache aus Waldbesitz bestand.38 Zentral ist der Unterabschnitt über die fünf Lehnshöfe des Klosters, von denen hier die bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte des Eschenbacher Oberhofs und die des Hofs Oberhofen in Inwil aufgerollt werden (IV.2.6). Die beiden anderen grossen Lehnshöfe des Klosters – der ebenfalls in Inwil liegende Hof Emmendingen und der Eschenbacher Unterhof – weisen zwar ähnliche Merkmale auf, verdienen es aber, an anderer Stelle eingehend behandelt zu werden. Bezeichnend für alle Klosterhöfe ist die Kontinuität der Besitz- und Lehnsverhältnisse, der die politischen Zäsuren bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nichts anhaben konnten. Die meist nicht mit Namen bekannten Lehnsleute hatten immerhin eine gesicherte Existenz, während das Kloster über Jahrhunderte und Generationen hinweg der in der Regel wohl zuverlässigen Bewirtschaftung seines Grundbesitzes vertrauen konnte.39 37 —
Zu den Auswirkungen des Sonderbundskriegs und den folgenden Jahrzehnten Borner 1981. 38 — Der übrige Waldbesitz des Klosters gehörte 1839 zum Hof Emmendingen (NA Vermögenszustand 1839). 39 — Konflikte zwischen Lehnsleuten und dem Kloster sind jedenfalls nicht überliefert. Zu den Biografien der Lehnsleute müssten im Einzelnen Nachforschungen angestellt werden. Sie und ihre Familien
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Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als einzelne Nonnen eine professionelle Ausbildung erworben hatten, bildeten die in der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach hergestellten liturgischen Textilien einen wichtigen innerklösterlichen Erwerbszweig, den später weitere künstlerische Arbeiten und deren Verkauf im Klosterladen ergänzten (IV.2.7). Wirtschaftliche Aktivitäten, temporäre Ausstellungen und Weiterbildung ausserhalb des Klosters erhöhten die Präsenz einzelner Nonnen in der Öffentlichkeit und verringerten im klösterlichen Leben gleichzeitig die Anforderungen der strengen Klausur.40 Unterabschnitt IV.2.8 ist der Entstehung der Stiftung Frauenkloster Eschenbach und ihrer noch jungen Geschichte gewidmet. Teil V ‹Das klösterliche Erbe› erinnert an die Bedeutung der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach als nationales Kulturdenkmal gleichsam aus der Innensicht, die den Wert der im Kloster aufbewahrten schriftlichen Überlieferung und der zahlreichen kulturgeschichtlich bedeutsamen Gegenstände hervorhebt. Hier werden Möglichkeiten angedeutet, wie auch dieses Kulturerbe – neben den Immobilien – der Nachwelt erhalten bleiben kann und soll. Die Bestimmungen der Stiftung Frauenkloster Eschenbach tragen das Ihre zur Sicherung der gesamten Überlieferung unter nun veränderten Bedingungen bei. Möglich, dass die philosophische und politische Fortschrittskritik sowie die Erfahrung von Unberechenbarkeiten in den meisten Lebensbereichen durch erneuerte resp. neue, nicht vorhersehbare Formen von (christlicher) Religiosität abgelöst werden.41 Der zweite Band (Teil VI Anhang) dient vor allem Nachschlagezwecken. Er umfasst eine Zeittafel, Personenverzeichnisse (Klostervorsteherinnen, Schwestern, Beichtiger, Visitatoren, Familiaren, Eschenbacher Pfarrer und Kapläne), eine Liste der Klostergüter (1292–1585) und eine solche der Jahrzeitstiftungen vor 1588. Es folgen die Abkürzungen, das detaillierte Quellen- und Literaturverzeichnis, ein Glossar, das eine Auswahl Begriffe erklärt, das unverzichtbare Register der Personen und Orte sowie die Dankadressen. blieben in der Regel nur einige Jahre auf demselben Hof, denn es handelte sich um sogenannte Schupflehen. 40 — Hersche 2013, S. 143, hebt generell die strikte Klausur in Frauenk löstern der «alten und neuen strengen Orden» hervor. Zu den Ersteren zählen auch die Zisterzienserinnen. 41 — In der Philosophiegeschichte und in Autobiografien zeichnet sich ein solcher Wandel, der Einbezug religiöser Dimensionen im sogenannten nachmetaphysischen Zeitalter, bereits ab, vgl. Habermas 2020, Gerhardt 2022, Holzhey 2023. Der Historiker Graber 2023, S. 121, grundsätzlich dem ‹(demokratischen) Fortschritt› zugetan, betrachtet die «Modernisierung von Lebensverhältnissen […] für viele Menschen […] keinesfalls nur [als] unaufhaltsame[n] Prozess der Wertsteigerung, sondern auch [als] Verlustgeschichte».
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Über die Quellen und die Gestaltung der Personenverzeichnisse geben Vorbemerkungen Auskunft. Listen der Visitatoren und der Familiaren werden zum ersten Mal veröffentlicht. Sämtliche Personenverzeichnisse sind unentbehrliche Grundlagen für künftige Netzwerkforschungen, die allerdings zusätzliche, nicht immer leicht zu beschaffende genealogische Informationen erfordern. Auf die detaillierte Angabe biobibliografischer Quellen, die im Einzelnen ermittelt und für unsere Forschungszwecke festgehalten wurden, wird aus Platzgründen hier verzichtet, auf Unsicherheiten in der Überlieferung aber an den entsprechenden Stellen hingewiesen. In erster Linie benötigten wir den grosszügigen Zugang zum Klosterarchiv Eschenbach, der uns von Äbtissin M. Ruth Nussbaumer und vom Konvent gewährt wurde. Priorin M. Christa Ineichen und den anderen Schwestern danken wir für die Beantwortung zahlreicher Fragen zum Klosterleben. Auch den in den übrigen genannten Archiven zuständigen Personen, namentlich Vaterabt Kassian Lauterer (1934–2022) in Wettingen-Mehrerau, schulden wir grossen Dank. Die Quellen im Staatsarchiv Luzern konnten aus Zeitgründen nicht vollständig genug ausgeschöpft werden, ebenso wenig diejenigen im Apostolischen Archiv des Vatikans, wo das Archiv der Luzerner Nuntiatur untergebracht ist. Dort befinden sich auch in grosser Zahl von uns nicht ausgewertete Korrespondenzen von Eschenbacher Äbtissinnen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.42 Ein vierzehntägiger Aufenthalt in Rom erlaubte uns, den Grossteil der für uns wichtigsten Bestände zu konsultieren und in unsere Publikation einzubeziehen. P. Alberich Martin Altermatt OCist und der Generalprokurator des Zisterzienserordens P. Lluc Torcal haben uns den Zugang zu den Eschenbacher Beständen im Vatikanstaat erleichtert. Da die Zisterzienserinnen in Eschenbach und in Rathausen auch historiografisch gesehen institutionelle Geschwister sind, wären bei zukünftigen Arbeiten zur Geschichte Rathausens die vatikanischen Bestände ebenfalls zu konsultieren.43 Eine ins 17. Jahrhundert zurückreichende und im Laufe der Zeit in – quellenbedingt – grösserer zeitlicher Dichte erstellte Statistik zeigt die Entwicklung der Schwesternzahlen, die Höhen und Tiefen in der personellen Belegung des Klosters. Sie ermöglicht Vergleiche der Bestandszahlen mit solchen anderer Konvente und kann umfassenderen statistischen Untersuchungen als Grundlage dienen. Das erwähnte Verzeichnis der 42 — AAV 298, vgl. Liggenstorfer 2017, S. 256. 43 — Liggenstorfer 2017, S. 256–259 (AAV 298 und 299: Eschenbach,
Rathausen), S. 344 (Register: Eschenbach).
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Klostergüter listet für die Augustinerinnenzeit den wachsenden Besitzstand an Liegenschaften auf, der auch nach der Übernahme der zisterziensischen Satzungen bis ins 19. Jahrhundert eine bemerkenswerte Konstanz aufwies und eine solide Basis für das wirtschaftliche Überleben des Konvents darstellte. Illustrationen und Bildlegenden unterstützen den Zugang zu den Themen des Werks. Manche Abbildungen, die in bisherigen Sekundärwerken immer wieder gezeigt wurden, übernahmen wir aus Relevanzgründen auch in unsere Publikation. Die wichtigsten Unterstützerinnen und Unterstützer müssen, trotz der Dankadressen am Ende des Buchs, in dieser Einleitung erwähnt werden. Mirjam Christen, Sempach Station, Mitarbeiterin unserer Arbeitsstelle für kulturwissenschaftliche Forschungen, hat das ganze Werk, Brigitte Fässler, Siebnen, einzelne Abschnitte vor dem Druck korrekturgelesen. P. Alberich Martin Altermatt OCist, Chorherrenstift St. Leodegar, Luzern, zuvor Eschenbacher Spiritual, und Paul Twerenbold, Cham, dem Gründungspräsidenten der Stiftung Frauenkloster Eschenbach, danken wir für die kritische Durchsicht zahlreicher Abschnitte. Ernst Fankhauser, Eschenbach, unterstützte uns bei der Abfassung des Texts über die Klosterwälder. Unser Sohn Thomas Marti-Tan, Opfikon, verfasste den Abschnitt über die Klosteranlagen sowie die kunsthistorischen Texte zu den Eschenbacher Sakral bauten und zur Kapelle St. Katharina, Inwil. Er erstellte Transkriptionen und leistete sonstige Zuarbeit. Wenn keine Provenienz angegeben ist, stammen von ihm die meisten Fotografien für die Abbildungen in den erwähnten Abschnitten unserer Klostergeschichte. Weitere nicht eigens nachgewiesene Fotos hat Karin Marti-Weissenbach beigesteuert. Übersetzungen aus dem Mittelhochdeutschen und aus dem Latein, deren Urheberschaft nicht genannt ist, sind vom Autorenteam angefertigt worden. Für die zahlreichen Tabellen gilt dasselbe. Georg Carlen, Luzern, und Peter Neidhart, Eschenbach, haben für einzelne Texte ihre fachliche Expertise und zudem Fotos zur Verfügung gestellt. Bei der Beschreibung der Eschenbacher Orgeln waren uns Marco und Eva Brandazza, Luzern, mit ihrem Fachwissen behilflich. In der letzten Arbeitsphase unterstützten uns Gallus Ammann, Luzern, und Walter Troxler, Inwil, mit Rat und Tat. Dem Stiftungsrat der Stiftung Frauenkloster Eschenbach unter dem Vorsitz von Pirmin Jung, Eschenbach, sind wir ebenfalls zu grossem Dank verpflichtet.
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Ohne namhafte finanzielle Unterstützung durch Sponsorinnen und Sponsoren wäre das Werk nicht zustande gekommen. Schliesslich sei dem Schwabe Verlag, Basel, insbesondere Harald S. Liehr und Makbule Rüschendorf, ferner Lektorin Anja Borkam für die Zusammenarbeit bei der Buchproduktion herzlich gedankt. Für uns als Protestanten war es eine Ehre und zugleich eine Herausforderung, die so vielfältige Geschichte e ines Schweizer Frauenklosters zu verfassen. Wenn es die Aufgabe von Historikern ist, sich mit einem ihnen zunächst fremden Gegenstand anzufreunden, so bot dieser historiografisch anspruchsvolle Auftrag Gelegenheit, Kritik entgegenzunehmen und Selbstkritik zu üben, allein schon wegen der angewandten Pluralität der Methoden sowie angesichts des Themenspektrums, das von der Architektur- und Kunstgeschichte, der Geschichte des Zisterzienserordens, des Alltags in einem Frauenkloster, der Spiritualität und der Liturgie, der Wirtschaft und der Politik bis hin zu den verschiedenen Formen und Gattungen historischer Überlieferung reichte. Die Eschenbacher Klostergeschichte berührt Mikro- und Makrostrukturen, die klösterliche Stabilitas loci der Nonnen, die Regionalund die Kantonsgeschichte, die Geschichte weiter Teile der Deutschschweiz, am Rande auch der Romandie, im 17. Jahrhundert sogar die europäische Politik. Die teilweise vorweggenommene Desiderataliste wäre um zahlreiche Arbeitstitel zu ergänzen. Es gibt keine wertfreie Geschichtsschreibung. Wir versuchten, aus den Vorteilen des Blicks von aussen den optimalen Nutzen zu ziehen und die fehlende Sozialisierung im katholischen Umfeld durch Recherche, historiografische Erfahrung und Interpretationskompetenz wettzumachen. Inwieweit die Gratwanderung gelungen ist, mögen andere beurteilen. Aus verschiedenen Gründen verzögerte sich das Erscheinen unserer Publikation um mehrere Jahre. Das war von niemandem vorauszusehen und forderte daher von allen Beteiligten sehr viel Geduld, Patientia, eine anforderungsreiche christliche und profanethische Tugend. Jedes Geschichtswerk ist das Produkt besonderer Umstände und zeitbedingter Erkenntnis. Wenn die Eschenbacher Klostergeschichte trotzdem das Fragen nach den vergangenen Zeiten wachhält, hat sie das vom Verfasserteam erstrebte und zur Diskussion gestellte Ziel erreicht. Engi GL, Eschenbach LU, April 2026 Hanspeter Marti und Karin Marti-Weissenbach
Einleitung
Teil I
Bauten und Pfründen Einleitung
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1. Klosteranlagen – Baugeschichte – Einrichtungen
Der folgende Abriss zur Baugeschichte bietet eine möglichst exakte chronologische Aufstellung der Aus-, Neu- und Umbauten sowie Reparaturen und Modernisierungen an Gebäuden innerhalb der Klostermauern. Aufgrund der grösseren Überlieferungsdichte wird die Dokumentation ab dem 19. Jahrhundert zunehmend detaillierter.
1.1 Aus- und Umbauten 1625 bis 1683 1.1.1 Klosteransichten 1625, 1629 und um 1650
1625 Die älteste Klosterskizze von 1625 (Abb. I.1), eine Zeichnung von Heinrich Murer, wirkt im Vergleich mit der vier Jahre später entstandenen rudimentär.44 Am detailliertesten sind die beiden Konventgebäude (3, 4) mit dem alten Dormitorium (7), der Abtei (6) und dem Kapitelsaal (11) ausgeführt. Im Norden des ‹neuen Konventgebäudes› befindet sich ein turmartiger Anbau, der über eine gedeckte Passage zugänglich ist. Höchstwahrscheinlich befand sich dort die Latrine. Jedenfalls ist ein beinahe baugleicher Anbau in Rathausen als solche identifiziert worden.45 Weiter nimmt der Garten mit verschiedenen Bereichen wie Hühnerhof (Hühnerhäuser) (23), altem (nicht nummeriert, links des vorderen Hühnerhauses) und neuem Garten (24) einen grossen Teil der Skizze ein. Rechts des ‹neuen Konventgebäudes› steht das wohl überdimensio nierte Bienenhaus, das allerdings nicht als solches bezeichnet ist und fast wie ein Landsitz wirkt, dem bloss die Eingangstür fehlt. Vor dem Konventgebäude befindet sich ein Brunnen. Die weiteren Gebäude wie die Kirche (1), die Amtmannschaft (18), das entsprechend der Visitationscharta von 1615 des Abts von Cîteaux, Nicolas Boucherat II. (1562– 1625), 1618 gebaute Gästehaus (19)46 und ein Haus ohne Nummer, ungefähr an der Position des späteren Wasch-, Bad-, Web- und Karrenhauses, nördlich des neuen Kon44 — KBTG Murer 1625/1638, Bl. 1 verso - 2. 45 — Vgl. die Federzeichnung der Klosteranlage Rathausen von 1651
(Abb. III.23), wo das entsprechende Türmchen vorn am Kapitelhaus angebracht ist (Bestätigung bei Sennhauser 1990, S. 247). 46 — AA 133b, Bl. 261r; Das Gotteshaus 1910, S. 33.
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ventgebäudes (4), sind schmal und /oder verkleinert dargestellt sowie stark an den Rand der Darstellung gerückt. Selbst die beiden Durchgänge (2 und 15), die das Konventgebäude mit der Kirche resp. mit dem Redhaus (16, hinter dem Gästehaus 19) verbinden, sind im Verhältnis zu den Gebäuden, zu denen sie hinführen, überdimensioniert gezeichnet. Hinter der Amtmannschaft (18) befand sich wohl ausserdem eine Totenkapelle mit Friedhof (17), durch eine Mauer vom restlichen Kloster abgetrennt. In diese Einfriedung ragte das alte Waschhaus (20), dessen hinteren Abschluss die um den ganzen Klosterbereich laufende Abgrenzungsmauer, hier gegen die Pfarr- und Klosterkirche, bildete. Einen Kreuzgang hatte das Kloster damals offensichtlich noch nicht. Die erste Skizze deutet darauf hin, dass das Kloster erst kurz vorher vergrössert wurde, da in ihrer Legende mehrfach die Adjektive ‹alt› und ‹neu› vorkommen. In der Tat steht in der ersten Klosterchronik, dem sogenannten Schlengelbuch, dass man unter Äbtissin Maria Schnyder 1611 die Mauer in einem grösseren Umkreis um das Kloster gezogen habe und 1612 dann das «neue Kloster», nämlich das neue Konventgebäude, baute, um Platz für die vielen aufnahmewilligen Frauen zu schaffen.47
1629 Die Zeichnung der Klosteranlagen von 1629 (Abb. I.2) wurde nie fertiggestellt, da die Gebäude zwar von 1 bis 28 nummeriert sind, die dazugehörige Legende aber fehlt, obwohl ihr Platz eingeräumt wurde. Ebenso wurde der Brunnen vor dem Konventgebäude sehr flüchtig hin gekritzelt. Im Übrigen stimmt die Skizze in den meisten Details mit der rund 20 Jahre später entstandenen, sorgsam ausgeführten Federzeichnung überein, so dass in der folgenden Beschreibung, wo möglich, die Buchstaben bzw. Ziffern der späteren Klosteransicht ebenfalls mitgeteilt werden. Die Skizze wirkt um einiges detaillierter als jene von 1625 und, abgesehen von der immer noch sehr schmal und überlang dargestellten Pfarr- und Klosterkirche (1, 2; Federzeichnung: N, O), auch besser proportio-
47 — AA 133b, Bl. 12v.
I. Bauten und Pfründen
Abb. I.1 | Skizze von 1625, älteste Darstellung der Klosteranlage von Eschenbach (KBTG Murer 1625/1638, Bl. 1 verso - 2)
Abb. I.2 | Federzeichnung unvollendet, da die Legende zu den nummerierten Gebäuden fehlt (KBTG Murer 1625/1638, Bl. 9r-2)
niert.48 Die Nutzgärten (23, 24; T, X) sowie die beiden Hühner höfe (25; V) scheinen in ihrer Anlage unverändert zu sein, ebenso die Amtmannschaft (27; 5), das Gästehaus (28; 5) im Osten der Anlage, das Kornhaus (20; R) und das Klostertor (21; Q) im Südwesten. Bei diesem dürfte es sich, auch aufgrund seiner Nähe zum Kornhaus und -keller sowie zu anderen Wirtschaftsgebäuden und zum Garten, um einen Zugang für Pächter, Land- und Waldarbeiter zur Anlieferung grösserer Lasten handeln. Auch das zweiteilige Konventgebäude (4, 5; A–F) scheint grösstenteils ohne äussere Veränderungen geblieben zu sein. Allerdings waren auf der älteren Darstellung zwei grössere Schornsteine beinahe als Türme dargestellt. Zusätzlich erhielt das 1625 als «neues Konventgebäude» bezeichnete Haus (5) im Norden ein Erkertürmchen. Entlang dem Gang in Richtung Gästehaus und Amtmannschaft (26; G) wurde 1626/1627 ein neues zweistöckiges Gebäude (6; H) errichtet, vor dem man in südlicher Richtung einen quadratischen Kreuzgang (7; I) mit Kreuzgarten (8; K) anbaute bzw. anlegte.49 In der Fortsetzung des Durchgangs im Osten befindet sich weiterhin der kleine Hof mit Kapelle und Friedhof (16; L). Das ehemalige Waschhaus (9) scheint um 90 Grad gedreht worden zu sein und nun in der Fortsetzung des westlichen Kreuzgangarms parallel zum und vor dem Durchgang zur Pfarrkirche (3; Z) zu stehen. Ob es noch diese Funktion hatte, ist fraglich. Aus der späteren Federzeichnung um 1650 wird deutlich, dass dort nur die Einfriedung des Kirchhofs (M) zu sehen ist, der aus westlicher Richtung über diesen verlängerten Kreuzgang arm einen Zugang hat.50 Hinter dem Durchgang für die Nonnen zur Kirche sieht man ein neues Gebäude, wohl das Holzlager (22; 1). Die Kirche scheint gegenüber 1625 einen längeren Chorraum erhalten zu haben und wurde wohl auch erhöht, wenn die veränderten Proportionen nicht bloss der mangelhaften ersten Zeichnung geschuldet sind. Bei einer realistischen Wiedergabe der Höhen auf beiden Darstellungen hätte der Kirchturm 1625 noch klar über das Dach hinausgeragt, während er 1629 fast dahinter verschwindet. Zudem befindet sich der Dachreiter nun im Osten über dem Chorraum, während er 1625 wohl bei etwa drei Vierteln der Länge des Daches gegen Westen hin stand. Südlich der Kirche erkennt man 1629 und später das Beinhaus der Pfarrei (19; 3). Im Vergleich zur früheren Skizze ist das Bienenhaus klar als solches zu erkennen, eher massstabgetreu dargestellt. Es wurde 48 — KBTG Murer 1625/1638, Bl. 9r-2. 49 — AA 133b, Bl. 270v. 50 — StALU PLA 120/1.
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näher an den neuen Garten gerückt. Auch auf diesem Plan und auf der Federzeichnung trägt es keine Nummer.
Um 1650 Die Klosteransicht aus dem Staatsarchiv Luzern,51 die frühestens 1647 entstand (Abb. I.3), vereint die Blickweite der Skizze von 1625 mit dem Detailgrad und dem Zeichenstil derjenigen von 1629. So erkennt man neu auch das im Norden etwas abseits gelegene, 1627 erbaute Wasch-, Bad-, Web- und Kornhaus («Korrenhaus») (8)52 sowie die 1631 südwestlich ausserhalb der Klostermauern erbaute Zehntenscheune (7)53 und das südöstlich der Kirche stehende Pfarrhaus (6) (kaum identisch mit dem 1674 erbauten Pfarrhof54). Eine Legende mit Buchstaben von A bis Z und Ziffern von 1 bis 8 beschreibt die einzelnen Teile, die in der Ansicht entsprechend gekennzeichnet sind. Während die beiden früheren Skizzen ausser der heiligen Katharina von Alexandrien das Wappen der Äbtissin M. Euphrosina Widmer († 1643) tragen, ist auf dieser Federzeichnung jenes von Äbtissin M. Lidwina Dulliker (um 1607–1674) zu sehen. Ansonsten scheint sie weitgehend mit der Zeichnung von 1629 übereinzustimmen. Auf keiner der Zeichnungen ist die Bäckerei zu sehen, die 1649 abbrannte und im folgenden Jahr wieder aufgebaut wurde.55 Sie hatte ihren Standort damals noch ausserhalb der Klostermauern, wie aus einem späteren Eintrag hervorgeht (vgl. I.1.2).
1.1.2 Das Gästehaus
Nach aussen stellt das Gästehaus mit seinen repräsentativen architektonischen Formen und der Sonnenuhr, abgesehen von der Klosterkirche, das Gesicht der Zisterzienserinnenabtei dar (Abb. I.4). Die Klostergeschichte von 1910 zitiert zum Erbauungsjahr 1683 nur einen leicht veränderten Eintrag aus dem Schlengelbuch: «das nüwe, jetzige, Gasthaus, hat kosten 11,484 Gulden 23 Schilling 2 Angster».56 Allerdings wird dieser Eintrag dem Gebäude nur in finanzieller Hinsicht wirklich gerecht. Dieses, äusserlich bis heute unverändert, war für das Kloster ein grösseres Projekt, um einiges repräsentativer als die 51 — Ebd. 52 — AA 133b, Bl. 270v, 271r. 53 — Ebd., Bl. 272r. 54 — Ebd., Bl. 282v. 55 — Das Gotteshaus 1910, S. 44. 56 — Ebd., S. 53; vgl. AA 133b, Bl. 253r.
I. Bauten und Pfründen
Abb. I.3 | Detaillierte Federzeichnung (ca. 40 × 58 cm) um 1650, mit Legenden (StALU PLA 120/1)
damals wohl abgerissenen Vorgängerbauten.57 Ebenso liegt der Eingang nicht mehr im Osten, sondern im Süden, in der Hauptachse des Gebäudes, die nun von Norden nach Süden verläuft. Das Innere des Gästehauses wurde erstmals 1893 anlässlich des ersten grösseren Umbaus genauer beschrieben.58 Trotz aller Umbauten ist ein Teil der alten Bausubstanz auch im Innern erhalten, weswegen die alte Beschreibung heute noch zur Orientierung dienen kann. Nach dem Eintritt durch das grosse Portal gelangte man in einen breiten Korridor, auf dessen rechter Seite die Wohnung des Amtmanns, später des Klosterpächters, lag. Diese bestand aus vier Zimmern und einer Küche. Links des Eingangs kam man in einen grossen Speisesaal, aus dem die eine Tür in ein kleines Sprechzimmer führte, die andere in die sogenannte Bettlerwinde. Im ersten Stock des Gästehauses befand sich ebenfalls ein breiter Gang, 57 — Das südliche Amtmannhaus und das nördlich angebaute Gäste
haus.
58 — WB Klosterbuch 1831, S. 380–382, hier auch die folgenden In-
formationen zum Gästehaus.
1. Klosteranlagen
Abb. I.4 | Das Gästehaus mit der auf der Südseite nach der Vorlage des Kapuzinerklosters Wesemlin, Luzern, erstellten Sonnenuhr
aus dem mehr oder weniger geradeaus eine Tür in die Prälatenzimmer führte, welche auch heute noch dort sind, bis 2024 aber dem Spiritual als Wohnung dienten. Rechts der Treppe führte ein schmalerer Korridor zum
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Abb. I.5 | Die Klosteranlage Eschenbach im 18. Jahrhundert (aus Herrliberger 1754)
Klausureingang und in das sogenannte ‹obere kleine Sprechzimmer›, heute das ‹Fernsehzimmer›. Ebenso gelangte man über diesen kleinen Durchgang zu drei kleinen Gastzimmern. Vis-à-vis der Prälatenzimmer, links der Treppe, lagen die Zimmer des Beichtigers. Über die Tür daneben gelangte man in die Zimmer der Dienst boten des Amtmanns resp. des Pächters. Wohl zum ersten Mal abgebildet wurde das Gästehaus Mitte des 18. Jahrhunderts auf Kupferstichen, die das Kloster unter der Schutzherrschaft der heiligen Symphorosa zeigen.59 Aus dem gleichen Zeitraum stammte auch das für die Kapellbrücke in Luzern angefertigte Gemälde, das leider 1993 den Flammen zum Opfer fiel, als beinahe die gesamte Brücke abbrannte. Auf diesen Darstellungen erkennt man sonst nur wenige Veränderungen im Vergleich zu den Federzeichnungen von 1629 bzw. von um 1650. 59 — Zur Hausheiligen Symphorosa vgl. II.2.6.
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1.1.3 Herrlibergers Kupferstich
Der Kupferstich (Abb. I.5) stammt aus David Herrlibergers (1697–1777) Werkstatt, wie man der Bildunterschrift entnehmen kann, und wurde wohl für den ersten Band einer Art Enzyklopädie in drei Bänden mit allen Sehenswürdigkeiten (z. B. Städten, Klöstern, Burgen, Brücken) der damaligen Eidgenossenschaft und der zugewandten und verbündeten Orte hergestellt. Er befindet sich in diesem 1754 in Zürich gedruckten Werk zusammen mit einem Text zum Kloster ‹Obereschenbach› und zu dessen Geschichte.60 Herrlibergers Topographie erschien in einer Zeit, in der sich Werke mit einem umfassend landeskundlichen Charakter einiger Beliebtheit erfreuten. 60 — Herrliberger 1754, S. 210–212; Kupferstich Nr. 127 zu «127. Ober Eschenbach». Zu Rathausen vgl. ebd., S. 238 f. sowie Kupferstich Nr. 144 «144. Rathausen».
I. Bauten und Pfründen
Allerdings ist in Herrlibergers Werk ein roter Faden nicht zu erkennen. Es gibt keine alphabetische Reihenfolge des Gezeigten, ebenso werden die Landesteile nicht chronologisch, dem Beitritt zur Eidgenossenschaft entsprechend, behandelt. Es ist auch kein Fortschreiten nach den Himmelsrichtungen erkennbar. So ist der Eintrag vor Obereschenbach Toffen BE gewidmet, der Eintrag danach dem Gut Lützelmatt an der Halde, eine erhöhte Lage mit Blick auf die Luzerner Altstadt.
1.2 Bautätigkeit im 18. und 19. Jahrhundert Im Innern der Klosterbauten wurden um 1700 Renovationen durchgeführt. Das Konventgebäude erhielt eine neue Vertäfelung und neue Böden. 1704 wurde bis zum Fundament hinunter gegraben, und es wurden Luft löcher zur Entfeuchtung in die Mauern eingelassen.61 Unter Äbtissin M. Barbara Franziska Balthasar (im Amt 1712–1737) erhielt das damalige Waschhaus 1729 ein grosses Brunnenbett. Dieses wurde wohl zur Hauptsache durch Carly Schmid, Steinmetz aus Sarmenstorf, erstellt und kostete mit Trinkgeld und Transport 230 gl (Gulden). Ein Jahr später erneuerte man das kleinere Becken im Waschhaus für 44 gl, 38 ß (Schilling) und 3 a (Angster). Von 1732 bis 1733 wurde dann die Ringmauer vom Waschhaus bis zum Hühnerhof ausgebessert und mit einem Ziegeldach versehen. Im Jahr darauf ersetzte man das ‹grosse› Waschbecken und gab das alte in Anzahlung. Darüber hinaus musste man noch 34 gl, 12 ß und 3 a bezahlen. Anscheinend gehörten zum Waschhaus neben dem grossen, im Freien installierten Brunnen von 1729 mindestens zwei Waschbecken, die wohl im Inneren des Hauses angebracht waren. Zwei Jahre später erhielt auch das 1653 errichtete Fischhaus für 226 gl, 29 ß und 4 a ein Brunnenbett. Ebenso geht die Anlage eines schönen Gartens samt Lusthaus auf Äbtissin M. Barbara Franziska zurück.62 Die nächsten Arbeiten an Klostergebäuden wurden unter M. Rosalia Regina Rusconi (im Amt 1740–1758) ausgeführt. 1745 liess sie für 513 gl, 29 ß und 4 a einen Keller im Klostergarten anlegen, drei Jahre darauf wurde der Brunnen vor dem Gästehaus renoviert. 1750 setzte man im Konventgebäude einen neuen Ofen. Die Ringmauer besserte man 1751 vom Gewächshaus bis zum Keller aus und erstellte ein Stück davon neu. Im letzten Jahr ihrer Amtszeit liess die Äbtissin auf dem Klostergelände eine 61 — Das Gotteshaus 1910, S. 53. 62 — Ebd., S. 56 f., ergänzt durch Angaben aus AA 133b, Bl. 253v–255r.
Zum Bau des Fischhauses AA 133b, Bl. 274v.
1. Klosteranlagen
Bäckerei einrichten. Vorher hatte das Backen für den Konvent zu den Aufgaben des Sigristen gehört, was den Nonnen offensichtlich zu umständlich geworden war. Für die Bäckerei wurde ein eigenes Holzlager eingerichtet.63 1756 brannte es im Küchenkamin: Die Klausur wurde aufgehoben, und unter Mithilfe vieler Dorfbewohner konnte das Feuer gelöscht werden. Gebeine Symphorosas, mit denen man das Löschwasser weihte, sollen bei der erfolgreichen Brandbekämpfung mitgewirkt haben. Brandschäden werden nicht erwähnt.64 M. Bernarda Schnyder von Wartensee (im Amt 1758– 1794), M. Rosalia Reginas Nachfolgerin, liess 1768 das Innere des Konventgebäudes gründlich renovieren. Es erhielt neue Vertäfelungen, neue Böden, Fenster und einen neuen Dachboden, da der alte morsch geworden war. Im Jahr 1782 wurde es dann noch neu gemalt.65 1773 stiftete die Äbtissin aus eigenen Einkünften neue Kreuzweg tafeln für den Kreuzgang: Den 29. May dazumahl der hl. Pfingstabbent, seind die Neye große Creützweg Tafflen Jn dem Creützgang aufgehenckt worden mit folgenter Ceremoni – Daß gantze Convent haben die Chorkutten angehabt, und die leyen schwöstern die mentel, processions weiß, vom dem garten hauß [Sommerhaus], biß in Creützgang, – 14 von den Jüngsten Corfrauwen haben die Stacion Tafflen Vorgetragen, der Übrig Convent Nachgefolgt, und den Himnum [Hymnus] Vexilla gesungen, darauf die 7 buoß psalmen gebetten von dem †gang herein, darunder Jede Tafflen an Ihr orth gehenckt.66
Während ihrer Amtszeit liess Äbtissin M. Bernarda das Gästehaus renovieren, weswegen ihr Wappen dort den unteren Gang schmückt.67 Es erstaunt nicht, dass Äbtissin M. Josepha Seraphina Amrhyn (im Amt 1794–1813) in den schwierigen Jahren vor und nach 1800 keine Bauund Renovationsvorhaben verwirklichen konnte. Man liest einzig, dass sie das Gästehaus erneuert habe. Was genau, bleibt aber wie bei ihrer Vorgängerin im Dunklen.68 Im und ums Kloster wurde wohl auch in der Amtszeit von M. Jakobea Franziska von Sonnenberg (1813–1831) 63 — Das Gotteshaus 1910, S. 62, ergänzt durch Angaben aus AA 133b, Bl. 256r–257r. 64 — Das Gotteshaus 1910, S. 61. 65 — Ebd., ergänzt durch Angaben aus AA 133b, Bl. 257r–257v. Dies sind zugleich auch die letzten in AA 133b erwähnten Reparaturarbeiten an Klostergebäuden, abgesehen von der Pfarr- und Klosterkirche (I.2 passim). 66 — AA 133b, Bl. 257.2r. 67 — Das Gotteshaus 1910, S. 71. 68 — Ebd., S. 81.
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Abb. I.6 | Laube, die auf der Südwestseite des Waschhauses beginnt und sich dann entlang der Klostermauer nach Süden bis zum Kapitelgebäude hinzieht.
nicht viel gebaut. In der Klostergeschichte von 1910 erfährt man, dass sie 1828 ein Holzhaus (wohl eine Holz lagerstätte) für das Kloster erstellen liess. Dazu kamen Erneuerungen in der Amtmannschaft vor dem Einzug des von der Regierung eingesetzten ‹Schaffners›, der ähnliche Funktionen wie der bisherige Amtmann ausübte, sowie neue Brandschutzinstallationen.69 Nach gut 70 Jahren ohne grössere Bautätigkeit waren um 1840 beträchtliche Investitionen nötig. Äbtissin M. Pia Benedicta Rey (im Amt 1831–1870) liess Reparaturen für 885 Gulden bzw. 1685 Franken ausführen. Diesen Betrag konnte das Kloster damals wieder gut verkraften, wurden doch von 1828 bis 1839 Gülten im Umfang von 12 837 Franken neu verliehen.70 1849 erweiterte man das Konventgebäude bei der Abtei um einen kleinen Anbau. In dessen unterem Teil wurde die Apotheke mit einem Nebenzimmer eingerichtet. Drei Jahre später baute man im Kloster die Küche und den Keller ebenso wie die Krankenküche neu auf, und das Konventgebäude erhielt einen neuen Anstrich. Zugleich liess man das Refektorium und 1853 auch die Abtei renovieren. 1857 erhielt das Kloster eine neue Laube (Abb. I.6), da die alte baufällig geworden war. Sie wurde damals möglicherweise südlich des heute Waschhaus, früher Kornhaus genannten Gebäudes entlang der Klostermauer errichtet.71 Im Jahr 1861 versah man den Kreuzgang und den Keller mit einem frisch mit Steinen belegten Boden. 1868 wurde der Schaffnerposten durch ein Entgegenkommen der Luzer69 — Ebd., S. 86, ergänzt durch Angaben aus WB Klosterbuch 1831, S. 375. 70 — NA Zinsrodel 1895. 71 — Diese Annahme stützt sich auf NA Planarchiv 86 (1904) und den heutigen Zustand, vgl. Abb. I.6.
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ner Regierung obsolet, und das Kloster musste nach dem Auszug des Schaffners den Pächter des Klosterhofs im Gästehaus wohnen lassen.72 1837 konnte ein Kaminbrand im Kloster durch das rasche und beherzte Eingreifen einer alten Laienschwester erstickt werden, die Leintücher sowie ‹Gewand› in Wasser tauchte und damit den Kamin verstopfte. Es entstanden wohl keine grösseren Schäden.73 1865 brach Feuer in der Remise des Klosterschaffners aus, ebenso in der oberen Küsterei. Es handelte sich dabei wohl um mutwillig gelegte Brände. Aufgrund der Trockenheit mangelte es vor Ort an Löschwasser. Wertgegenstände aus der Küsterei konnten gerettet werden, während wertvolle Objekte aus den übrigen Teilen des Klosters erst verpackt und dann ebenfalls in Sicherheit gebracht wurden. Die obere Küsterei, die über der unteren nahe bei der Kirche gelegen war und anscheinend auch als Lagerraum diente, wurde vom Feuer vollständig zerstört, die untere beschädigt. Nach mehr als sechs Stunden war der Brand gelöscht. Man fand bei den Brandherden Zündhölzer und begann Ermittlungen: Nachher wurde in Hochdorf eine Untersuchung eingeleitet, mehrere Persönlichkeiten von Eschenbach mußten in’s Verhör; plötzlich brach diese ab, es hieß, die Sache sei nicht ganz richtig, man müsse zudeken. – Der lb. Gott wird auch hier sein gerechtes Urtheil sprechen!74
Woran mochte es liegen, dass der schlimmste Brand in der Geschichte des Klosters75 nicht gründlich untersucht, geschweige denn seine Ursachen aufgeklärt wurden? Wer wäre durch eine Aufdeckung der Sachverhalte so stark kompromittiert worden, dass man der Ansicht war, es sei besser, wenn ‹Gras über die Sache› wachse? 1870, im Jahr der Wahl von Äbtissin M. Cäcilia Meyer, deren Amtszeit bis 1890 dauerte, wurde das sogenannte Zwiebelhaus im Garten erstellt, unter dem sich ein Brunnen mit in den Boden eingelassenem Trog befindet. Im oberen Teil waren früher Bienenstöcke untergebracht. Vermutlich im ersten Stock des Korn- oder Waschhauses, wo sich das Noviziat befand, wurde 1871 eine neue Lehrstube eingerichtet. 1877 wurde das Sommerhaus samt Michaelskapelle renoviert. Dort konnten die im Klostergarten arbeitenden Laienschwestern Andacht hal72 — Das Gotteshaus 1910, S. 107, ergänzt durch WB Klosterbuch 1831, S. 284 und S. 375 f. 73 — Das Gotteshaus 1910, S. 92, ergänzt durch WB Klosterbuch 1831, S. 261 f. 74 — WB Klosterbuch 1831, S. 283. 75 — Das Gotteshaus 1910, S. 106 f., ergänzt durch WB Klosterbuch 1831, S. 282–284.
I. Bauten und Pfründen
ten, ohne sich umziehen zu müssen. Nach Aussage von Schwestern stammt die Bezeichnung ‹Sommerhaus› aus dem 20. Jahrhundert. In Quellen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird das Gebäude ‹Gartenhaus› genannt.76 Diese Bezeichnung trägt aber heute das kleine Holzhaus mit den zwei Dachgauben auf beiden Seiten des Satteldachs im nördlichen Teil des Klostergartens.77 1878 stattete man die Küche des Klosters mit neuen Kochherden aus, die 7000 Franken kosteten. Das Refektorium erhielt 1883 einen neuen Parkettboden und das obere Sprechzimmer 1888 das Gitter mit dem Wappen der Äbtissin. Ebenso wurde die Winde frisch tapeziert und die ‹Trülle› (Abb. I.7) im oberen Windengang renoviert.78
1.3 Die Amtszeit von Äbtissin M. Cäcilia Schmid (1890–1937) Während der langen Regierung von Äbtissin M. Cäcilia Schmid wurde das Kloster einer intensiven, schrittweisen Gesamtrenovation unterzogen.79 Nicht zuletzt liess sie auch die heutige Klosterkirche bauen, und das Kloster vermochte es, den Bau der neuen Pfarrkirche finanziell zu unterstützen.80 Diese grossen Bauprojekte waren möglich, weil Rosa Sidler, die Schwester der Chorfrau M. Theresia Sidler, bei ihrem Tod 1893 ihr gesamtes und offenbar grosses Vermögen dem Kloster hatte zukommen lassen.81 In den drei Jahren vor Rosa Sidlers Ableben waren eher kleine Bauvorhaben umgesetzt worden: Zunächst renovierte man 1890 die Abtei und die Nebenstube, auch Schwesternstube genannt. Der Kreuzgang erhielt einen neuen Belag. Ein Jahr darauf wurde die untere Krankenstube renoviert und die heute nicht mehr bestehende ‹Badehütte› neu aufgebaut. 1892 wurden die unteren Gänge des Abteigebäudes und der obere Gang des Gästehauses mit neuen Bodenbelägen aus Kunststein versehen. Zudem wurden die Zimmer des Beichtigers und des Prälaten neu tapeziert sowie frisch gestrichen. Dabei erhielten auch die oberen Korridore frische Farbe, 76 — Siehe III.4.3.2, Zitat gegen Schluss des Unterabschnitts; AA 135*, Bl. 11r; WB Klosterbuch 1831, S. 268. 77 — Siehe https://kloster-eschenbach.ch/klosteranlage/klostergebaeude-gaerten.html (Stand 25.7.2025), dort Nr. 18. Die Nonnen nennen es auch ‹Ferienhaus›. Das ‹Sommerhaus› trägt die Nr. 20. 78 — Das Gotteshaus 1910, S. 116, ergänzt durch WB Klosterbuch 1831, S. 376–378. 79 — Das Gotteshaus 1910, S.120–124, ergänzt durch WB Klosterbuch 1831, S. 378–392. 80 — Siehe I.2.4. 81 — AA 522.
1. Klosteranlagen
Abb. I.7 | Hier wird sichtbar, weshalb von ‹Trülle› die Rede ist: Es handelt sich um eine drehbare Durchreiche, die den Austausch von Waren ohne Sichtkontakt ermöglicht.
Abb. I.8 | Kastanienbaumallee mit Dörrhaus rechts
das Hochparterre wurde geweisselt und der Gästehaussaal komplett mit Parkett belegt. Nach dem Tod Rosa Sidlers wurde 1893 zunächst ein zweiter Garten mit einer Kastanienbaumallee für 1364 Franken angelegt (Abb. I.8). Die sogenannte Bettlerwinde, die dazu diente, Bedürftigen Almosen zu geben, wurde aus dem Gästehaussaal an die Aussenseite des Gästehauses verlegt und über eine besondere Treppe und eine eigene Pforte zugänglich gemacht.82 Hier wurden spätestens in der zweiten Hälfte 82 — AA 489, in einem Schreiben des Luzerner Baudepartements an das Erziehungsdepartement vom 28. März 1890 ist bereits von e inem Kostenvoranschlag zur Einrichtung eines besonderen Zugangs für
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Abb. I.9 | Klosteranlage 1894 von Ostsüdosten mit der barocken Pfarr- und Klosterkirche. Tuschzeichnung, weiss gehöht, auf Karton (46,2 × 63,5 cm), im Altertum (Inventar Kulturgüter K_0050). Die detailreiche Grafik wurde mehrfach in verschiedenen Grössen reproduziert. Der Eindruck, das Terrain mit den Bäumen im Vordergrund steige an, stimmt allerdings nicht mit der Wirklichkeit überein.
des 20. Jahrhunderts eine Zeit lang auch Gemüse und Eier verkauft. Dem Pächter Josef Sticher liess das Kloster für 17 500 Franken ein eigenes Haus errichten, so dass die ehemalige Amtmanns- bzw. Schaffnerwohnung im Gästehaus frei wurde.83 Familie Sticher hatte bereits seit 1881 das heute hauptsächlich jenseits der Bahnlinie liegende Land bewirtschaftet. Der grosse Saal des Gästehauses wurde daraufhin umfassend renoviert und ein drittes Sprechzimmer eingerichtet. Die ehemaligen Wohnräume des Amtmanns, zuletzt des Pächters, erhielten nach dem Auszug von dessen Familie neue Parkettböden, Tapeten und einen frischen Anstrich.84 Ausserdem bekam der Beichtiger einen eigenen Garten mit überdachtem Wandelgang. Als Nächstes wurde der Kapitelsaal zwischen 1894 und 1896 einer umfangreichen Renovation unterzogen. 1894 wurde für 200 Franken ein Altar erstellt, und zwar aus der Werkstatt von «Joh. Bapt. Mauraner, Bildhauer in
Gröden, Tirol»85 – gemeint ist wahrscheinlich Johann Baptist Moroder (1870–1932),86 der in St. Ulrich, dem Hauptort des Grödentals, lebte und arbeitete. Den alten Steinplattenboden ersetzten Mosaikplatten, neue Bänke wurden eingebaut und die Wände des ganzen Saals im Renaissancestil neu bemalt. Im Jahr nach dem Abschluss der Arbeiten im Kapitelsaal wurde das verwilderte Gärtchen auf der ‹Morgenseite› des Konvents (ca. 5 × 5 m) neu gestaltet, 1898 wurde das obere Sprechzimmer renoviert, das Treppenhaus und der untere Korridor wurden frisch gestrichen. Erst im folgenden Jahr waren die Löschwasserleitungen zum Konventgebäude fertiggestellt, die wohl an die gleichzeitig verlegte neue, mit drei Hydranten versehene Hauptwasserleitung angehängt wurden. Ebenfalls 1899 wurde dort ein Gewächshaus gebaut, wo zuvor ein grosser Holzschuppen gestanden hatte. Das Holz dieses Schuppens wurde zum Neubau des Wohnhauses des Klosterhofpächters verwendet.87
Bettler die Rede. Dieser Zugang wurde Ende der 1970er-Jahre aufgehoben. 83 — AA 505. 84 — AA 179*, S. 1, vgl. ebd., unpag. Eintrag vom 23. August 1896.
85 — Ebd., S. 4. 86 — Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_Moroder
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(Stand 25.7.2025). 87 — WB Klosterbuch 1831, S. 304.
I. Bauten und Pfründen