En 2023, à l’occasion de son 400e anniversaire, l’Église française de Berne s’est penchée sur sa fondation et son histoire, sa position particulière au sein de l’Église réformée de Berne ainsi que sur le rôle des huguenots et du Réveil dans la vie de la communauté. Les conclusions qui en découlent sont consignées dans la présente publication. Il s’agit de la première « histoire de l’Église française de Berne ». Mit Beiträgen von / avec des contributions de : Catrine Burdet, PierreOlivier Léchot, Hans von Rütte, Olivier Schopfer, Christine Stuber, Margrit Wick-Werder
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I S B N 978-3-7965-5572-5
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783796 555725
400 JAHRE PAROISSE FRANÇAISE DE BERNE Eine Migrationskirche avant la lettre
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2023 befasste sich die französische Kirche von Bern anlässlich ihres 400-jährigen Jubiläums mit ihrer Gründung und Geschichte, ihrer Sonderstellung innerhalb der reformierten Kirche Berns sowie der Rolle der Hugenotten und des Réveil im Gemeindeleben. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sind in der vorliegenden Publikation – der ersten «Geschichte der französischen Kirche von Bern» – festgehalten.
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400 JAHRE PAROISSE FRANÇAISE DE BERNE
400 JAHRE PAROISSE FRANÇAISE DE BERNE
Katharina Heyden und Maria Lissek, in Verbindung mit Gregor Emmenegger, Ann-Katrin Gässlein, Karin Mykytjuk-Hitz, Franziska Metzger, Martin Sallmann und Ueli Zahnd.
Paroisse française réformée de Berne (Hg./éd.)
Paroisse française réformée de Berne (Hg./éd.)
Theologisch bedeutsame Orte der Schweiz Herausgegeben von
Theologisch bedeutsame Orte der Schweiz
Herausgegeben von Katharina Heyden und Maria Lissek in Verbindung mit Gregor Emmenegger, Ann-Katrin Gässlein, Franziska Metzger, David Neuhold, Martin Sallmann und Ueli Zahnd
Band 6
Paroisse française réformée de Berne (Hg./éd.)
400 Jahre Paroisse française de Berne Eine Migrationskirche avant la lettre
Schwabe Verlag
Publiziert mit der Unterstützung der folgenden Institutionen: Paroisse française réformée de Berne, Ev.-ref. Gesamtkirchgemeinde Bern, Stadt Bern, Burgergemeinde Bern, Églises réformées Berne-Jura-Soleure, Canton de Berne, Office fédéral de la culture, Via – Sur les pas des Huguenots et des Vaudois du Piémont
Open Access: Wo nicht anders festgehalten, ist diese Publikation lizenziert unter der Creative-CommonsLizenz Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung 4.0 International (CC BY-NC-ND 4.0) Jede kommerzielle Verwertung durch andere bedarf der vorherigen Einwilligung des Verlages. Die Verwendung des Inhalts zum Zwecke der Entwicklung oder des Trainings von KI-Systemen ohne Zustimmung des Verlags ist untersagt.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2026 bei den Autor:innen; Zusammenstellung © 2026 Paroisse française réformée de Berne, veröffentlicht durch Schwabe Verlag Basel, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Abbildung Umschlag: Predigerkloster. Ausschnitt aus der Planvedute der Stadt Bern von Gregorius Sickinger, Anfang 16. Jahrhundert. Kopie von Johann Ludwig Aberli, 1753. Bernisches Historisches Museum, Bern. Foto Stefan Rebsamen Coverkonzept: icona basel gmbh, Basel Cover: Kathrin Strohschnieder, Stroh Designagentur, Oldenburg Korrektorat: Anne Kubler, Paris; Sebastian Zellner, Berlin Layout: icona basel gmbh, Basel Satz: rdz IMA GmbH, Bonn Druck: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza Printed in Germany Herstellerinformation: Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, St. Alban-Vorstadt 76, CH-4052 Basel, info@schwabeverlag.ch Verantwortliche Person gem. Art. 16 GPSR: Schwabe Verlag GmbH, Marienstraße 28, D-10117 Berlin, info@schwabeverlag.de ISBN Printausgabe 978-3-7965-5572-5 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-5636-4 DOI 10.24894/978-3-7965-5636-4 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch
Inhalt
Maria Lissek und Martin Sallmann: Geschichte feiern – schreiben – lesen. Geleitwort zu «400 Jahre Paroisse française de Berne» . . . . . . . .
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Olivier Schopfer: Préface . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Margrit Wick-Werder: Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Margrit Wick-Werder: 1623 – Die Gründung der französischen Kirche Bern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Margrit Wick-Werder: 1623 – La fondation de l’église française de Berne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Margrit Wick-Werder: Einblicke in die Geschichte der französischen Kirche Bern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Hans von Rütte: Die Paroisse française de Berne. Institution zwischen obrigkeitlicher Kontrolle im Ancien Régime und moderner gemeinderechtlicher Autonomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Christine Stuber: «Que ce réveil est beau!». Die Église française de Berne und der Réveil von 1818 bis 1831 . . . . . . . . . . . . . . 131 Olivier Schopfer et Margrit Wick-Werder: La Colonie française de Berne – un monde à part . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Olivier Schopfer et Catrine Burdet: Le régime et la couronne des lutteurs ou sermon sur la I. aux Cor. Ch. IX. V. 25, prononcé en l’Église française de Berne le 25 mars 1688 par Pierre François Olivier, ministre du S. Évangile et pasteur de l’Église de Coppet . . . . . . . . . . . . 185 Pierre-Olivier Léchot: Le Refuge en Suisse : mythes et réalités . . . . . . . 235 Die Autorinnen und Autoren / Les autrices et auteurs . . . . . . . . . . . . . 255
Geschichte feiern – schreiben – lesen Geleitwort zu «400 Jahre Paroisse française de Berne» Maria Lissek und Martin Sallmann
Die Reihe «theologisch bedeutsame Orte der Schweiz» (theos) wurde 2020 im Anschluss an die gleichnamige Plattform www.theos.unibe.ch ins Leben gerufen. Seither widmet sie sich mit ihren Bänden der Erschliessung von Geschichte(n) an religiösen Orten und in unterschiedlichen Epochen der Schweiz. Dabei werden Orte nicht lediglich als geographische Koordinaten verstanden, die den Schauplatz historischer Ereignisse markieren. Vielmehr begreift der theosAnsatz Orte als eigenständige Quellen und Impulsgeber für die Rekonstruktion historischer Zusammenhänge, die Entschlüsselung von Traditionen, die Reflexion von Glaubensüberzeugungen sowie die Vermittlung von Kontinuitäten und Brüchen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In diesem Sinne geht der theos-Ansatz davon aus, dass Orte einen Überschuss enthalten, der sich erst anhand und mit der Beschäftigung der Geschichte(n) und Personen eines Ortes durch die Zeiten erschliesst. Hierdurch wird die Relevanz von religiösen oder religiös konnotierten Orten für die Geschichte und Gegenwart innerhalb der (multi‐)religiösen Umwelt sichtbar. Zugleich eröffnen sich dadurch neue Perspektiven für die Erschliessung theologischer, kirchlicher, religiöser und historischer Entwicklungen. Indem Zeugnisse zusammengetragen, analysiert, gebündelt und auf Zeit- und Geschichtsfragen hin beleuchtet werden, bringt jede Beschäftigung mit einem Ort wiederum Zeugnisse hervor; die Orte rücken ins Zentrum der Betrachtung und ermöglichen alternative, mitunter innovative Zugänge zur Historischen Theologie. Da Geschichte nicht im luftleeren Raum entstand und entsteht, entwickelt sich auch die Darstellung nicht ohne die je individuellen Kontexte derer, welche Orte und ihre Geschichte(n) betrachten; sie schreiben sich somit gleichsam selbst in den Erkenntnisprozess ein. Damit verbinden sich Gegenwart und Vergangenheiten in der Quellenanalyse, sodass jeder Blick in die Geschichte zugleich ein neues Zeitzeugnis hervorbringt. Alle theos-
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Bände, also theologisch bedeutsame Orte der Schweiz, bieten somit einen Blick in die Geschichte und öffnen zugleich ein Fenster zur Gegenwart.
1. Geschichte feiern – Blicke in Vergangenheit und Gegenwart Im Jahr 1623 beschloss die Regierung, ein Pfarramt für die französischsprachige Minderheit in der Stadt Bern zu schaffen und einen französischsprachigen Prädikanten anzustellen. Auf diesen Umstand verweisen die bis heute vorkommenden Bezeichnungen für die «Französische Kirche Bern».1 Der französischsprachige Gottesdienst markiert somit – zumindest im kollektiven Gedächtnis dieser Institution – ihr Gründungsjahr. An diesem Ort ereignete sich Berner Kirchengeschichte, Begegnungen von ‹Sprachen und Kulturen›, Ringen um Anerkennung, Migrationsbewegungen und Geschichten von Exil und Heimat. Diese und weitere Momente prägen die Gemeinschaft der Französischen Kirche Bern bis in die Gegenwart. So lag es nahe, 400 Jahre nach dem Initiationsereignis an genau diesem Ort innezuhalten und die reichhaltige Geschichte dieses theologisch bedeutsamen Ortes der Schweiz feierlich zu begehen. Auch das Gesamtprogramm der Feierlichkeiten bringt diesen Umstand treffend zum Ausdruck (Abb. 1): Der Ort des Ereignisses ist die Dominikanerkirche, die zwar in einer Montage als Ganzes im Bild erscheint, der Umschwung aber Transportmittel aus unterschiedlichen Epochen zeigt und damit auch, dass die Dominikanerkirche in unterschiedlichen Zeiten steht. Neben gottesdienstlichen Feierlichkeiten, Konzerten, Ausstellungen und Führungen von August bis Oktober 2023 wurde während dieser festlichen Zeit der Ort auch mit einem Symposium und Vorträgen bespielt. Im damaligen Gesamtprogramm laden die Organisator*innen mit den folgenden Worten zu den Anlässen ein: 1 Bisher gilt offiziell «Paroisse de l’Église réformée de Berne»; andere Bezeichnungen finden sich auf der Homepage der Kirchengemeinde wie «Église française de Berne» und «Église française réformée Berne»; auf dem Gesamtprogramm der 400-Jahrsfeier «Paroisse réformée Berne» (siehe Abb. 1); für die fusionierte Kirchgemeinde Bern ist von der «Paroisse de l’Église française réformée de Berne» die Rede; und das Kollektiv der Herausgeber*innen dieses Bandes firmiert unter «Paroisse française réformée de Berne».
Geschichte feiern – schreiben – lesen
Abb. 1:
Gesamtprogramm der 400-Jahrsfeier der Französischen Kirche Bern im Jahr 2023.
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Geschichte feiern – schreiben – lesen
«Dieses Jubiläum soll gebührend gefeiert werden, um die Rolle der frankophonen Minderheit – damals und heute – genauer zu betrachten. Eine kaum bekannte, aber faszinierend[e] Geschichte – und ein brisantes Thema auch heute: Die Begegnungen von Sprachen und Kulturen.»
Es überrascht nicht, dass das Motto der gehaltvollen Feierlichkeiten zweisprachig erscheint: «zurückschauen – sich begegnen – weitergehen» und «se souvenir – célébrer – tenir bon». Die Begriffe sind nicht einfach wörtliche Übersetzungen von der einen in die andere Sprache und umgekehrt. Vielmehr werden sprachlich unterschiedliche Akzentuierungen miteinander kombiniert, so dass sich bereits in der Überschrift die Vielfalt des Jubiläums zeigt. Mit diesen mehrfach akzentuierten Perspektiven feierten die Mitglieder der Französischen Kirche Bern die Geschichte, die gleichzeitig auch ihre eigene ist. Dabei rückten sie das Thema des Minderheitenstatus in Vergangenheit und Gegenwart ins Zentrum. Die an den Jubiläumsanlässen Beteiligten taten also etwas, was der theos-Ansatz einzufangen versucht: Sie betrachteten ihre Geschichte, um ihre Gegenwart zu verstehen und sichtbar zu machen; gleichzeitig schrieben sie so wiederum Geschichte, da jede Jubiläumsfeier ein Bild ihrer Zeit widerspiegelt. Dies gilt in besonderer Weise für die Beiträge des Symposiums und für die Vorträge, die in diesem theos-Band versammelt sind.
2. Geschichte schreiben – Blicke aus der Gegenwart in die Vergangenheit Das Kollektiv der Herausgeber*innen «Paroisse française réformée de Berne» hat entsprechend der Ausschreibung im Gesamtprogramm die «kaum bekannte, aber faszinierende Geschichte» in den Mittelpunkt gestellt und dafür Aufsätze versammelt, welche ihre je eigenen Perspektiven darauf einbringen. Da sind die historischen Beiträge, welche die Geschichte von der Entstehung her skizzieren oder mit der historischen Brille die Brücke in die Gegenwart zu Reformen innerhalb der Stadtberner Kirchenstrukturen schlagen. Andere kontextualisieren die Französische Kirche Bern in frömmigkeitsgeschichtlichen Zusammenhängen. Ein weiterer Beitrag dokumentiert das Experiment, eine Predigt von 1688 im Jahr 2023 aufzunehmen, sprachlich zu aktualisieren und dann im Jubiläums-Gottesdienst erneut zu verwenden. Und wieder an-
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dere thematisieren die angekündigten Themenfelder von Minderheit und Migration, Sprache und Kultur (vgl. weiter zum Inhalt der Beiträge die Einleitung zum Band). Allen vorliegenden Aufsätzen, die dieser Band versammelt, ist gemeinsam, dass in ihnen Teile der Geschichte der Französischen Kirche Bern dargestellt werden und die Autor*innen dabei gleichzeitig zu Gestaltenden ihrer eigenen Geschichte, Vergangenheits- und Gegenwartswahrnehmung sowie zu Zukunftsvisionär*innen werden. Das Jubiläum also und dieser daraus entstandene Band bieten Einblicke, was Menschen des 21. Jahrhunderts in der Berner Kirchengeschichte beschäftigt(e). Es ist zukünftigen Lokalexpert*innen und Forscher*innen überlassen, diesen Band in der Geschichte der Französischen Kirche Bern zu verorten. An dieser Stelle seien drei Aspekte vorgestellt, die diesen Band und damit die Französische Kirche Bern zu einem theologisch bedeutsamen Ort der Schweiz machen. – Kollektives Erinnern: Die Beiträge sind das Ergebnis eines kollektiven Prozesses. Unterschiedliche Stimmen kommen zu Wort – Gemeindeglieder, Historiker*innen, Theolog*innen. So entsteht ein vielfältiges Bild, das die Komplexität des Ortes und seiner Geschichte widerspiegelt. – Zeitzeugnis von Zeitzeug*innen: Der Band wird zu einem Zeitzeugnis, weil Zeitzeug*innen selbst in den Aufsätzen Geschichte(n) darlegen. Der Band dokumentiert so nicht nur historische Ereignisse, sondern lässt Erfahrungen und Deutungen lebendig werden. Besonders deutlich wird dies in Beiträgen, die sich mit der Rolle der Französischen Kirche Bern als Ausgangspunkt für weitere historische Entwicklungen in Geschichte und Gegenwart beschäftigen. – Der Ort als theologische Quelle: Die Französische Kirche Bern wird nicht nur als historischer Schauplatz betrachtet, sondern als Ort, an dem Theologie gelebt, verhandelt und transformiert wurde. Die Beiträge zeigen, wie der Raum selbst – mit seiner Architektur und Innenausstattung, mit seiner Bespielung wie Liturgie und Predigt –, der ursprünglich eine Dominikanerkirche war, zum Medium theologischer Reflexion wird.
Geschichte feiern – schreiben – lesen
3. Geschichte lesen – Blicke aus der Vergangenheit in die Gegenwart Als Mitherausgeber*innen der theos-Reihe durften wir den Prozess vom Feiern der Geschichte über das Schreiben bis hin zum (vorläufigen) Darlegen der Geschichte in diesem Band mitverfolgen und von aussen begleiten. Wir danken allen, die an der Entstehung des Bandes beteiligt waren, für das Vertrauen und die Offenheit, uns Zugang in ihre Geschichtswerkstatt der Französischen Kirche Bern zu gewähren. Wieder wurde dadurch bestätigt: Lokale Expert*innen sind für die historische Erschliessung, das Verstehen von Herausforderungen und das Schärfen von theologischer Wahrnehmung von grundlegender Bedeutung. Um sich dieser Vielschichtigkeit und dem Potenzial, das dieser theos-Band enthält, zu nähern, bieten wir zum Schluss eine Leseanleitung an, mit der Sie, liebe Leser*innen, sich den Beiträgen nähern können. Wir gehen von drei (hoffentlich hilfreichen) Weisen aus, einen Text zu lesen und sein vielfältiges Potential zu erschliessen. Texte können in diesem Sinne mit den folgenden «Brillen» gelesen werden:2 – gemäss der Intention – um die Absicht im Blick auf die zeitgenössische Leserschaft zu rekonstruieren (Leitfrage: Was sollte der Text den Adressat*innen in seiner Zeit mitteilen bzw. bei ihnen bewirken?) – zwischen den Zeilen – um die Lebenswelt von Autor*innen und Adressat*innen zu rekonstruieren (Leitfrage: Welche Informationen werden von der Quelle beiläufig weitergegeben, welches Wissen wird als selbstverständlich vorausgesetzt?) – gegen den Strich – um Ansichten und Ereignisse zu rekonstruieren, die der Intention der Quelle gegenläufig sind, aber ohne sie verloren wären (Leitfrage: Welche Ereignisse oder Ansichten lassen sich hinter den Wertungen rekonstruieren?)
2 Siehe dazu Katharina Heyden/Martin Sallmann, Quellen auslegen. Konzepte und Methoden der Historischen Theologie, Darmstadt 2023 (WBG Academic. Theologie kompakt), S. 62–66 u. S. 196 (Zitat).
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Maria Lissek und Martin Sallmann
Mit diesem Verweis sind nun Sie gefragt. Sie können mit den verschiedenen Leseweisen die Beiträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Dabei werden Sie mit Sicherheit viel über die 400-jährige Geschichte der Französischen Kirche Bern und einiges über unsere Gegenwart lernen. Sie werden Antworten erhalten und neue Fragen formulieren können, weil die Beiträge fundierte Analysen bieten, die den Ort in der Predigergasse 3 in Bern in grössere Zusammenhänge einordnen – wie etwa im Blick auf obrigkeitliche Kontrolle und gemeinderechtliche Autonomie oder auf die Besonderheiten der französischsprachigen Kolonie in Bern. Viele der Texte regen zudem dazu an, sich in die Erfahrungen der Menschen hineinzuversetzen, welche die Französische Kirche Bern geprägt haben – sei es im Gottesdienst, im Alltag oder in Zeiten der Bedrohung und des Aufbruchs. Nicht zuletzt fordert der Band dazu heraus, die Mythen und Realitäten der Geschichte zu hinterfragen und die Ambivalenzen von Integration und Abgrenzung zu reflektieren. Wir laden Sie hiermit zu einer Lektüre ein, die sich auf Spurensuche begibt, den Dialog mit der Vergangenheit sucht und sich Geschichte im Hier und Jetzt aneignet. Der Band «400 Jahre Paroisse française de Berne» ist mehr als eine Festschrift. Er ist ein Zeugnis, das Zeugnisse sammelt – ein kollektives Erinnerungsprojekt, das die Französische Kirche als Ort historischer Theologie sichtbar macht. In der Reihe theos nimmt er einen besonderen Platz ein: Er zeigt, wie Orte zu Quellen werden, wie Geschichte gefeiert, geschrieben und gelesen werden kann – und wie daraus Impulse für Gegenwart und Zukunft erwachsen. Welche dies sein werden, wird sich je individuell und institutionell und in Zukunft zeigen. Man darf gespannt sein, wie die Feierlichkeiten zu 425, 450 oder 500 Jahren «Französische Kirche Bern» aussehen werden. Heute ist es ein Jubiläum und ein Band, der den Ort in seinen Zusammenhängen und mit Blick auf die Themen der Zeit beleuchtet. Wir wünschen eine angeregte Lektüre und den Autor*innen gratulieren wir zu ihrer kollaborativen Zusammenarbeit am Feiern und Schreiben der – und ein stückweit auch ihrer – Geschichte. Bern im Februar 2026 Maria Lissek und Martin Sallmann Mitherausgebende der Reihe theos
Préface Olivier Schopfer
J’ai depuis 2012 le grand privilège de travailler comme pasteur dans la paroisse française réformée de Berne, qui tient ses cultes dans la magnifique Église française, située au cœur de la ville de Berne. Les locaux de la paroisse sont adossés à ce bâtiment, formant un ensemble unique. La paroisse française est une communauté très particulière, d’une part parce qu’elle joue consciemment son rôle de minorité linguistique dans un contexte alémanique, d’autre part à cause de « son » église, dédiée depuis 1623 au culte en français. Les alémaniques apprécient ce bâtiment comme lieu de concert à l’acoustique remarquable, mais ignorent souvent sa riche histoire et la présence en ses murs d’une paroisse très active, malgré sa taille modeste. L’histoire, justement ! Les membres de la paroisse en connaissent les grandes lignes. Ils savent que l’église a été créée par et pour les moines dominicains, qu’elle est la plus ancienne église encore existante de la ville, que lors de l’adoption de la Réforme en 1528, les moines ont dû faire place aux pasteurs. Ils savent aussi que l’église et l’ancien couvent ont accueilli beaucoup de réfugiés huguenots, après la révocation de l’Édit de Nantes. Mais les détails de cette histoire leur sont peu connus, ce qui n’est pas étonnant : elle n’a été étudiée que de manière fragmentaire. C’est sur la base de ce constat qu’est née l’idée d’un Jubilé en 2023, 400 ans après le premier culte en français dans l’église, devenue depuis « l’église française ». La fête fut belle et rassembleuse, elle créa des ponts entre francophones et alémaniques et elle donna une belle visibilité à la paroisse française réformée. On se régala d’un banquet huguenot, on put vivre un culte historique, avec son sermon de deux heures, tenu la première fois en 1688 dans ce même lieu. Un symposium historique permit de faire le point sur nos connaissances historiques fragmentaires, mais suffisantes pour se faire une idée du parcours de cette communauté francophone réformée durant quatre siècles.
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Olivier Schopfer
Nous avions d’emblée songé à réaliser un livre à partir des exposés et des recherches en vue du Jubilé. Cette idée a pris du temps à se concrétiser, notamment parce que nous nous sommes pris au jeu, que nous avons approfondi certaines recherches et fait plusieurs découvertes passionnantes, que nous nous réjouissons de vous présenter. Beaucoup de questions restent ouvertes, autant de thèmes pour de possibles recherches dans le futur. J’aimerais par exemple mieux comprendre la nature des relations entre les réfugiés huguenots venus dès 1685 et les francophones qui constituaient la communauté de 1623 jusqu’à leur arrivée. Ces deux groupes ont par la suite dû cohabiter, mais dans quelles conditions ? J’aimerais aussi pouvoir mieux comparer l’Église française de Berne avec les autres Églises françaises en Suisse alémanique, comme Bâle, Argovie, Zurich, Schaffhouse et Saint-Gall. Je pressens en particulier que la disponibilité à accueillir et intégrer les réfugiés huguenots n’a pas été la même partout, surtout dans le long terme. Ce serait à vérifier et il faudrait mieux comprendre les raisons de ces différences. Depuis le Jubilé de 2023, une autre réalité s’est précisée, qui va impacter la paroisse française réformée de Berne : la fusion des paroisses de la ville de Berne a été décidée en 2025. Dix paroisses dont la nôtre fusionneront pour devenir une seule grande paroisse avec des cercles (communautés ecclésiales). Or cette nouvelle grande paroisse sera bilingue et nous en serons le versant francophone, avec un territoire qui est déjà beaucoup plus grand que la seule ville de Berne, puisqu’il couvre près d’un tiers du canton. Dans cette nouvelle configuration, l’Église française de Berne aura toute sa place. Elle n’a pas dit son dernier mot ! Il me faut maintenant remercier de tout cœur l’ensemble des auteur·e·s de cet ouvrage pour leurs textes passionnants et pour l’énergie qu’ils ont généreusement mise dans ce projet. Parmi ces personnes, un groupe a travaillé d’arrache-pied à la conception et à la réalisation du livre : je leur en suis infiniment reconnaissant. Ce groupe éditorial était composé de Mmes Margit Wick-Werder, Catrine Burdet, Antoinette Maget Dominicé et MM. Florian Hitz, Elie Jolliet, Hans von Rütte, et moi-même. Un grand merci au Prof. Dr. Martin Sallmann et à Mme Dr. Maria Lissek, pour leur accompagnement et leurs conseils.
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J’aimerais également exprimer ma vive reconnaissance aux organisations et instances qui ont soutenu la publication.
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