Wettbewerbsentwurf für die Peterschule in Basel von 1926 Architekten: Hannes Meyer und Hans Wittwer Der überarbeitete Entwurf der Petersschule war eines der kühnsten Konzepte des neuen Schulhausbaus der 1920er Jahre; er galt als Beispiel der Architektur der Moderne. Die ungewöhnliche Form des Schulhauses, ein Skelett-System aus Stahl und Beton, und seine innere Organisation stellt mit architektonischen Mitteln die anbrechende neue Zeit dar. Die Architekten, beeinflusst auch vom sowjetischen Konstruktivismus, suchten eine gestalterische Lösung, die dem Erziehungsideal einer allseitig gebildeten Jugend, die in einer gesunden Umwelt aufwächst, dienen sollte. Der Entwurf, der wesentlich zur Reform des europäischen Schuhausbaus beitrug, reiht sich ein in Projekte der deutschen Architekten Ernst May, Max Taut, Franz Schuster, Otto Häsler sowie des niederländischen Architekten Johannes Duiker. Publiziert in der Zeitschrift bauhaus, Nr. 2, in Dessau, wurde er in der internationalen Fachwelt bekannt – und mit ihm die beiden Basler Architekten Hannes Meyer und Hans Wittwer.
Ein Entwurf macht Schule
Ein Entwurf macht Schule
Ernst Spycher
Nach einer Ausbildung zum Hochbauzeichner studierte ERNST SPYCHER Architektur an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1989 arbeitet er als selbstständiger Architekt und Autor in Basel. 2000/01 hatte er eine Gastprofessur am Lehrstuhl für Entwerfen und Gebäudelehre an der BauhausUniversität Weimar inne, wo er 2017 promoviert wurde.
PUBLIKATIONEN DER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK BASEL 52
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Ernst Spycher (Hg.)
Ein Entwurf macht Schule Wettbewerbsentwurf für die Peterschule in Basel von 1926 Architekten: Hannes Meyer und Hans Wittwer
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Das Signet des Schwabe Verlags ist die Druckermarke der 1488 in Basel gegründeten Offizin Petri, des Ursprungs des heutigen Verlagshauses. Das Signet verweist auf die Anfänge des Buchdrucks und stammt aus dem Umkreis von Hans Holbein. Es illustriert die Bibelstelle Jeremia 23,29: «Ist mein Wort nicht wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeisst?»
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Publikationen der Universitätsbibliothek Basel Band 52
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Ein Entwurf macht Schule 100 Jahre Wettbewerbsentwurf Petersschule in Basel Hannes Meyer und Hans Wittwer Herausgegeben von Ernst Spycher
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Wir danken den nachstehenden Organisationen, welche die Herausgabe dieses Buches unterstützt haben: Swisslos-Fonds Basel-Stadt Ernst Göhner Stiftung, Zug schweizerischer ingenieur- und architektenverein – sia sektion basel Bund Schweizer Architektinnen und Architekten – BSA Basel Bürgergemeinde der Stadt Basel Hans und Renée Müller-Meylan Stiftung, Basel sowie anonyme Stiftungen und private Unternehmen Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2026 bei den Autor:innen; Zusammenstellung © 2026 Ernst Spycher, veröffentlicht durch Schwabe Verlag Basel, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Abbildung Umschlag: ETH Zürich – Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) Korrektorat: Thomas Lüttenberg, München Cover: Stroh Design, Kathrin Strohschneider, Oldenburg Layout, Satz und Repro: post scriptum, Hüfingen Druck: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza Printed in Germany Herstellerinformation: Schwabe Verlagsgruppe AG, St. Alban-Vorstadt 76, CH-4052 Basel, info@schwabeverlag.ch Verantwortliche Person gem. Art. 16 GPSR: Schwabe Verlag GmbH, Marienstraße 28, D-10117 Berlin, info@schwabeverlag.de ISBN Printausgabe 978-3-7965-5563-3 ISBN eBook (PDF) 978-3-7965-5564-0 DOI 10.24894/978-3-7965-5564-0 Das eBook ist seitenidentisch mit der gedruckten Ausgabe und erlaubt Volltextsuche. Zudem sind Inhaltsverzeichnis und Überschriften verlinkt. rights@schwabe.ch www.schwabe.ch
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Inhaltsverzeichnis
7 Vorwort ernst spycher 9 1. Hannes Meyer – ein Architekt in seiner Zeit ernst spycher 19 33
2. Hannes Meyer auf dem Weg zum Architekten ernst spycher
3. 100 Jahre Siedlung Freidorf: Pioniergeist an der «äussersten Geschmacksgrenze» Lukas Gruntz
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4. Wettbewerb Petersschule in Basel 1926 ernst spycher
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5. Der Schulhausbau als gesellschaftserzieherische Bauaufgabe. Der Petersschulentwurf im gesellschaftlich-pädagogischen Kontext Martin Viehhauser
63
6. Am Bauhaus in Dessau, April 1927 – August 1930 Ita Heinze-Greenberg
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7. Hannes Meyer in der UdSSR Tatiana Efrussi
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8. Zwischenaufenthalt in der Schweiz 1936–1939 ernst spycher
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9. Als Architekt und Professor in Mexiko von 1939–1949 ernst spycher
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10. Biographische Angaben zu Hannes Meyer
Anhang 99
Autorinnen und Autoren
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Literaturverzeichnis
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Namensregister
Abbildungsnachweis
inhaltsverzeichnis | 5
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Vorwort Ernst Sp ycher
Der Wettbewerbsentwurf für die Petersschule in Basel der Architekten Hannes Meyer (1889–1954) und Hans Wittwer (1894–1952) gilt längst als wichtiger Bestandteil der internationalen Bau- und Architektur geschichte des Neuen Bauens der 1920er Jahre. 1926 hatte der Kanton Basel-Stadt einen Architekturwettbewerb für den Neubau der Petersschule ausgeschrieben. Zu planen war der Bau einer Mädchenschule mit elf Klassenzimmern für 528 Schülerinnen. Das Gebäude sollte auf einem knappen Areal südlich der Peterskirche entstehen. Am Wettbewerb beteiligten sich 104 Architekten aus der ganzen Schweiz. Hannes Meyer und Hans Wittwer, die 1926 eine Arbeitsgemeinschaft in Basel gegründet hatten, gehörten zu den Wettbewerbsteilnehmern. Ihr gemeinsam erarbeiteter Entwurf schied in der ersten Runde aus. Das für die Zeit wahrscheinlich zu unkonventionell wirkende Gebäude wurde nie gebaut, der Entwurf selbst aber machte Schule. 1927 wurde in der Zeitschrift bauhaus (Nr. 2) eine überarbeitete Version des Entwurfs publiziert. Dieser war eines der kühnsten Konzepte des Schulhausbaus der 1920er Jahre und galt bald als Paradebeispiel der Architektur der Moderne. Als wesentlicher Beitrag zur Reform des europäischen Schulhausbaus steht er in einer Reihe mit Projekten der deutschen Architekten Ernst May, Max Taut, Franz Schuster, Otto Haesler sowie des niederländischen Architekten Johannes Duiker. Dank dieses Entwurfs sind die beiden Archi tekten Meyer und Wittmer weltbekannt geworden. Mit seinen revolutionären gestalterischen und konstruktiven Ansätzen, vor allem der auskragenden Terrasse, zeugt das geplante Gebäude von der Modernität des architektonischen Denkens Hannes Meyers und Hans Wittwers, ganz im Sinne der Bewegung des Neuen Bauens. Es reflektiert auch ihre kritische Haltung gegenüber vorangegangener Architekturwettbewerbe in der Basler Altstadt, die alle stark von den Prinzipien des Heimatschutzes geprägt waren. Den
beiden Architekten ging es aber darum, eine den gesellschaftlichen Herausforderungen der Zeit gerechten Schule zu konzipieren. Auch wollten sie auf die enge Verbindung zwischen Architektur und Wissenschaft hinweisen, die seit Beginn ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeitsgemeinschaft war. In diesem Band wird der Entwurf zur Petersschule in seinem historischen Kontext präsentiert und sein zentraler Platz im Leben und Wirken von Hannes Meyer beleuchtet. Neben Abhandlungen zu den Jugendjahren des Architekten und zu seiner Tätigkeit als Direktor des Bauhauses in Dessau von 1927 bis 1930 wird der Entwurf zur Petersschule detailliert erklärt und mit anderen wichtigen Bauprojekten Meyers wie die Siedlung Freidorf in Muttenz in Beziehung gesetzt. Zudem liefern Beiträge zum Wirken Meyer in Moskau und in Brasilien einen Einblick in Meyers Verständnis vom engen Zusammenhang zwischen Architektur und gesellschaftspolitischen Vorstellungen. Tatiana Efrussi, Lukas Gruntz, Ita Heinze-Greenberg und Martin Viehhauser haben mit Beiträgen zu wichtigen Aspekten des Lebens und Wirkens Hannes Meyers an diesem Band mitgewirkt – ihnen sei für ihr Engagement herzlich gedankt. Dank gebührt auch der Universitätsbibliothek Basel und insbesondere Noah Regenass für die Aufnahme des Bandes in die Reihe «Publikationen der Universitätsbibliothek Basel». Für die finanzielle Unterstützung danke ich dem Swisslos-Fond Basel-Stadt, der Ernst Göhner Stiftung, der Hans und Renée Müller-Meylan Stiftung, der Bertha Hess-Cohn Stiftung und weiteren anonym bleiben wollende Stiftungen, sowie dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) – Sektion Basel, dem Bund Schweizer Architektinnen und Architekten (BSA) – Basel und der Bürgergemeinde der Stadt Basel, sowie privaten Personen und Unternehmen. Basel, im Mai 2026
Vorwort | 7
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1. Hannes Meyer – ein Architekt in seiner Zeit Ernst Sp ycher
Hans Emil (Hannes) Meyer wurde am 18. November 1889 in Basel geboren. Sein Vater Johann Emil Meyer war Baumeister und Besitzer eines kleinen Bauunternehmens. Nach dem Freitod seines Vaters im Frühjahr 1899 sowie aufgrund der Erkrankung seiner Mutter verbrachte er die folgenden sechs Jahre zusammen mit seinen beiden Brüdern und etwa 150 anderen Kindern in der «Bürgerlichen Waisenanstalt», untergebracht in einem ehemaligen Kartäuserkloster in Basel. Die Erfahrungen, die er dort machte, geprägt vom Gegensatz zwischen Geborgenheit und eingeschränkter Freiheit, dem fremden Milieu und den harten Erziehungsmethoden des Waisenhauses hatten grossen Einfluss auf den Schüler Hannes. Während seiner Schulzeit entwickelte er z.B. eine ausgeprägte Fähigkeit zum autodidaktischen Arbeiten. Nach der Schule absolvierte Hannes Meyer eine Berufsausbildung als Maurer. Im Architektenbüro des Unternehmens, wo er arbeitete, hatte er die Gelegenheit, sich in der Ausarbeitung von Werkplänen sowie
Abb. 1 | Hannes Meyer – 10 Jahre alt beim Eintritt ins Waisenhaus in Basel 1899
in der Bauleitung weiterzubilden. Parallel besuchte er auch Kurse an der Kunstgewerbeschule. Bereits in dieser Zeit kam er in Kontakt mit der aufkommenden Arbeiterbewegung, zum Beispiel durch Streiks am Bahnhof SBB in Basel. Auch bürgerliche Reformbewegungen wie die Schweizerische Freilandbewegung, der es vor allem um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse ging, weckten früh sein Interesse. Das Weltbild von Hannes Meyer wurde fortan durch eine internationale politische Perspektive geprägt. Im Herbst 1909 reiste Hannes Meyer nach Berlin. Nach knapp drei Jahren Berufstätigkeit in zwei Berliner Architekturbüros und beruflicher Weiterbildung – er belegte Kurse an verschiedenen Bildungseinrichtungen – verliess er Ende 1912 die deutsche Hauptstadt wieder. Anschliessend fuhr er für einen fast einjährigen Studienaufenthalt nach England, wo er sich intensiv mit der modernen Siedlungs- und Gartenstadtbewegung auseinandersetzte. Er lernte in Bath, Birmingham und London die Bestrebungen und Experimente der englischen Bodenreform- und Genossenschaftsbewegung kennen, die eng miteinander verbunden waren. Im Herbst 1913 kehrte Hannes Meyer in die Schweiz zurück und arbeitete drei Jahre als selbstständiger Architekt. Er beteiligte sich an mehreren Wettbewerben, zum Beispiel für ein Gymnasium in Berlin und drei Schulhäuser in der Schweiz, erhielt aber keine Zuschläge. Ab Dezember 1916 folgte eine zweijährige Tätigkeit als Ressortchef in der Bauverwaltung der Firma Krupp in Essen. In der Arbeitersiedlung Margarethenhöhe für Angehörige der Krupp-Werke wurden von 1910 bis 1917 etwa 700 Wohnungen gebaut. Hannes Meyer erlernte hier die Methodik der Typisierung und Standardisierung im Kleinwohnungs- und Siedlungsbau. Die beruflichen und gesellschaftlichen Erfahrungen, die Hannes Meyer bei der Planung und dem Bau der Siedlung für die Firma Krupp machte, sollten einen entscheidenden Einfluss auf seine berufliche Zukunft haben. Am Ende des Ersten Weltkrieges, mit zwischenzeitlichem Aufenthalt als Soldat in der Schweizer Armee (1914–1916), kehrte Hannes Meyer zurück in die Schweiz und eröffnete 1919 zum zweiten Mal ein eigenes Architekturbüro in Basel. Noch im selben Jahr
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Abb. 2 | Hannes Meyer, um 1924/1926
erhielt er den Auftrag zur Planung und Realisierung einer genossenschaftlichen Wohnsiedlung mit 150 Einfamilienhäusern in Muttenz/BL, im Osten von Basel. (Abb. 3/4) Die Siedlung Freidorf in Muttenz/BL Mit seinem Planentwurf gewann Hannes Meyer 1919 gegen den bekannten Basler Architekten Hans Bernoulli (1876–1959) die Ausschreibung zum Bau der Siedlungsgenossenschaft Freidorf in Muttenz. Anschliessend erhielt er vom «Verein Schweizerischer Konsumgesellschaften» (VSK) den Auftrag zur konkreten Planung dieser Siedlung mit 150 Wohnhäusern. Dieser erste grössere Planungsauftrag gab Meyer die Möglichkeit, seine vielfältigen Erfahrungen mit fortschrittlichen Formen des gesellschaftlichen Zu-
sammenlebens, wie beispielsweise der Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen im Ruhrgebiet, baulich umzusetzen. Die Siedlung Freidorf am Rand der Gemeinde Muttenz/BL wurde als genossenschaftliches Musterdorf in den Jahren 1919–1924 realisiert, und zwar in mehreren Bauabschnitten. Sie war die erste «Vollgenossenschaft», eine Kombination von Konsum- und Wohngenossenschaft, in der Schweiz.1 Als nahezu autonome Dorfgemeinschaft zählte es über 600 Bewohnern und hatte eine eigene Volksschule. Im Gegensatz zur Situation in den Nachbarländern stand die schweizerische Architektur nach der Jahrhundertwende noch unter starkem Einfluss des Heimatschutzes. Dies beeinflusste auch die Architektur der Siedlung Freidorf. Sie erstreckt sich auf einem Dreieck und besteht aus drei zweigeschossigen Haustypen in unterschiedlicher Anordnung; im Zentrum steht das
Abb. 3 | Freidorf Muttenz/BL – Luftbild um 1925 Architekt: Hannes Meyer
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Abb. 4 | Freidorf Muttenz/ BL – Genossenschaftshaus Architekt: Hannes Meyer
Genossenschaftshaus, ein zweigeschossiges Gebäude mit kräftigem Walmdach (Abb. 4). Eine grosse Spielwiese im Nordwesten stellt als Freiraum für die Jugend den Übergang zum Genossenschaftshaus dar. Im Genossenschaftshaus befinden sich neben einem Speisesaal ein Restaurant mit Kegelbahn, ein Laden, ein grosser Mehrzwecksaal mit 500 Plätzen, ein Sitzungssaal sowie eine Bibliothek und Schulräume für eine Primarschule. Die Schulräume wurden, wie alle gemeinschaftlichen Räume des Genossenschaftshauses, bis Mitte der 1970er Jahre genutzt. Bei der Ausarbeitung der ersten Pläne der «Siedlungsgenossenschaft Freidorf» bezog sich Hannes Meyer mehrfach auf seinen prägenden Aufenthalt in der «Bürgerlichen Waisenanstalt» in Basel, wo er sich schon als Schüler mit architektonischen Fragen beschäftigt hatte. Von 1921–1926 wohnte er auch mit seiner damaligen Frau Luise und den beiden Töchtern Claudia und Livia fast fünf Jahre in der Siedlung Freidorf.
Durch den Einfluss dieser Gruppe sowie anderer Architekten und Künstler und durch seine eigene künstlerische Tätigkeit wandte sich Hannes Meyer immer stärker von den Idealen der Bourgeoisie ab und entwickelte eine architektonische Auffassung, die sich an der europäischen Avantgarde orientierte. Im Frühjahr 1926 gründete Hannes Meyer eine Arbeitsgemeinschaft mit Hans Wittwer (1894–1952). Gemeinsam erarbeiteten sie die Wettbewerbsentwürfe für die Petersschule in Basel (1926, Abb. 5) und für den Völkerbundpalast in Genf (1927). Im internationalen Wettbewerb für den Völkerbundpalast erreichten sie einen 3. Rang und bekamen damit auch internationale Beachtung. Im Wettbewerb zur Petersschule schied das Projekt von Meyer und Wittwer schon in der ersten
Die Petersschule Basel In den folgenden Jahren suchte Hannes Meyer Anschluss an die internationale künstlerische Avantgarde. Er unternahm mehrere Reisen nach Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien und Finnland, um wichtige Vertreter der modernen Kunstbewegung kennenzulernen. Zu den wichtigsten Kontaktpersonen gehörten Mitglieder der holländischen De-StijlGruppe, die von Theo van Doesburg geleitet wurde.
Abb. 5 | Wettbewerbsentwurf Petersschule Basel 1926 Architekten: Hannes Meyer/Hans Wittwer
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Abb. 6 | Überarbeiteter Entwurf Peters schule Basel 1926 Architekten: Hannes Meyer/ Hans Wittwer
Runde aus, erregte aber grosse Aufmerksamkeit, nachdem die überarbeitete Version des Wettbewerbsentwurfs (Abb. 6) 1927 in der Zeitschrift bauhaus veröffentlicht wurde. Durch diese Publikation wurden der Entwurf der Petersschule und seine Verfasser in internationalen Fachkreisen bekannt. Das vorgegebene Gelände zum Entwurf der Petersschule in der historischen Basler Altstadt, direkt neben der Peterskirche, betrachteten die beiden Architekten als ungeeignet für die Planung einer Mädchenschule mit 11 Klassenzimmern, Schulbad und Turnhalle. Die in ihrem Wettbewerbsbeitrag vorgeschlagenen Lösungen verstiessen dann auch geben die Vorgaben der Ausschreibung, denn sie verzichteten auf einen Schulhof und wählten ein Flachdach. Dem fünfgeschossigen, einbündigen Baukörper ist eine teilweise begehbare Dachterrasse vorgelagert. Die Erschliessung der nach Osten orientierten Klassenzimmer erfolgt über eine Aussentreppenanlage. Auf zwei Ebenen überspannt eine weit auskragende Terrassenfläche das knappe Schulhofgelände. Durch die künstlichen Freiflächen wird die Fläche des Schulhofes wesentlich erweitert. Alle Freiflächen werden über Aussentreppen direkt erschlossen und sind somit öffentlich zugängig.
Die ungewöhnliche Form des Schulhauses mit seinem Skelett-System aus Stahl und Beton und seiner inneren Organisation stellen mit architektonischen Mitteln die anbrechende neue Zeit dar. Der Entwurf zeugt von einer Gestaltungsauffassung, die auch vom sowjetischen Konstruktivismus beeinflusst war. Das Schulhaus als Bauaufgabe orientierte sich in dieser Zeit immer stärker an gesellschaftlichen und pädagogischen Aufgaben. Reformpädagogische Konzepte und neue Raumprogramme beeinflussten den Schulhausbau nach dem Ersten Weltkrieg stark. Vor allem die neue Gestaltung der Grundrisse und der Fassaden führten zu starken Veränderungen der Lichtverhältnisse in den Klassenräumen. «Auf der Ebene des gesellschaftserzieherischen Ausdrucks der Architektur sind die moralischen Botschaften mit Transparenz und Öffnung im Zeichen eines Gemeinschaftskonzepts, der Relativierung pädagogischer Autoritätsverhältnisse oder der Förderung von Leistungsfähigkeit im Rahmen kooperativer Arbeit verbunden. Bei allem bleiben hygienische Überlegungen unter dem Begriff der gesunden Schule, die von Licht durchflutet sein und Möglichkeiten der Erziehung im Freien bieten müsse, leitend»,2 schreibt Martin Viehhauser in seinem Beitrag zu diesem Band. Was soziale Ungerechtigkeit bedeutet, hatte Meyer bereits in seinen frühen Jugendjahren erfahren. Auch deshalb begann er früh, sich mit gesellschaftlichen und genossenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Für die Petersschule suchten er und Wittwer nach einer gestalterischen Lösung, die dem Erziehungsideal einer allseitig gebildeten Jugend, die in einer gesunden Umwelt aufwächst, entsprach. Dieses Bestreben wurzelte bei Meyer in harten Erfahrungen aus seiner Kindheit im «Bürgerlichen Waisenanstalt»; auch seine Jahre als Bewohner der von ihm konzipierten Siedlung Freidorf in Muttenz hatten hier ihren Einfluss. 100 Jahre später gilt der Entwurf der Petersschule immer noch als bauliche Antithese zum bürgerlichen Schulsystem und gehört zu den wichtigen Zeugnissen der internationalen Architektur- und Baugeschichte der 1920er Jahre. Hannes Meyer am Bauhaus in Dessau In den 1920er Jahren war Hannes Meyer in den avantgardistischen Architekturkreisen aktiv unterwegs. Er trug der Zeitschrift ABC: Beiträge zum Bauen bei, die von Mart Stam, Hans Schmidt und Emil Roth herausgegeben wurde, nahm im Dezember 1926 an den Eröffnungsfeierlichkeiten des Bauhauses in Dessau teil und führte Gespräche mit Direktor Walter Gropius und einigen Meistern des Bauhauses. Zwei Wochen später erhielt Meyer von Gropius das Angebot für eine Mitarbeit am Bauhaus, und bereits am 1. April 1927 nahm er seine Tätigkeit als Leiter der
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Bauabteilung in Dessau auf, um eine bis dahin fehlenden Architektenausbildung aufzubauen (Abb. 7). Meyers soziale Orientierung war für diese Berufung wesentlich. Er sorgte dafür, dass sich das Arbeitsprogramm auf die Architektur konzentrierte, aber auch soziale Aspekte enthielt, bei gleichzeitigem Ausbau der Nebenfächer. Nur ein Jahr später wurde Meyer als Nachfolger von Walter Gropius zum Direktor des Bauhauses berufen. Im Frühjahr 1928 gewann Hannes Meyer in Zusammenarbeit mit Hans Wittwer, der seit 1927 ebenfalls als Meister am Bauhaus Dessau arbeitete, den Wettbewerb für eine Gewerkschaftsschule in Bernau, in der Nähe von Berlin (Abb. 8). Ausser Meyer/Wittwer gab es noch sechs weitere Teilnehmer. Laut der Ausschreibung sollte die Gewerkschaftsschule ein «Musterbeispiel moderner Baukultur» werden. Im April erhielt Meyer den Auftrag zur Weiterbearbeitung des Projekts. Die Bauarbeiten dauerten vom 29. August 1928 bis zum 5. Mai 1930. Im Sommer 1929 veröffentlichte Meyer eine von ihm gestaltete Werbebroschüre mit dem Titel junge menschen kommt ans bauhaus! Er wollte Jugendlichen aus allen sozialen Schichten zur Ausbildung verhelfen, und sie sollten auch ohne Abitur am Bauhaus studieren können. Seine Erfahrungen aus dem Waisenhaus brachten Meyer dazu, «vertikale Baubrigaden» einzuführen, in denen Studenten aus verschiedenen Semestern zusammenarbeiteten. Besonderen Wert legte Hannes Meyer auf das Zusammensein junger Menschen bei der Arbeit, auf die Auseinandersetzung mit der beruflichen Bildung und auf das selbstorientierte Lernen. Ein wichtiger Ansatz beim Aufbau der neuen Bauabteilung am Bauhaus Dessau war die Zusage der Stadt, in direkter Zusammenarbeit mit dem Bauhaus einige Versuchsbauten zu errichten, und zwar in einer Siedlung, deren Planung auf früheren Entwürfen von Walter Gropius aufbaute. Daraus entstand das grösste Bauvorhaben des Bauhauses, die Laubenganghäuser in Dessau-Törten (Abb. 9). Von den ursprünglich geplanten zehn dreigeschossigen Bauten mit je 18 Dreizimmer-Wohnungen für die Dessauer Wohnbaugenossenschaft wurden fünf in Zusammenarbeit mit den Studenten der Bauabteilung des Bauhauses realisiert, sie wurden im Sommer 1930 fertiggestellt. Der zentrale Raum der kleinen Wohnungen (47 m2) war das Wohnzimmer, das direkte Verbindungen zu allen Bereichen hatte. Für Hannes Meyer und das Bauhaus in Dessau wurde der Auftrag zur Realisierung der Laubenganghäusern in Dessau-Törten neben dem Bau der Bundesschule in Bernau zur wichtigsten Bauaufgabe der Jahre 1928– 1930. Sowohl Die ADGB-Bundesschule Bernau als die Laubenganghäuser in Dessau-Törten wurden 2017 als Baudenkmal in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Abb. 7 | Bauhaus Dessau 1926 Architekt: Walter Gropius
Abb. 8 | Allgemeine Gewerkschaftsschule in Bernau (ADGB) 1928/1930 Architekten: Hannes Meyer/ Hans Wittwer
Abb. 9 | Laubenganghaus Dessau- Törten um 1930 Architekt: Hannes Meyer
Meyer sollte in Dessau keine weiteren Grossprojekte starten. Am 1. August 1930 wurde er als Direktor des Bauhauses Dessau fristlos entlassen, nachdem ihm von der Stadtverwaltung und von einigen Kollegen eine zu grosse politische Nähe zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) vorgeworfen wurde. Mit der Leitung des Bauhauses in Dessau wurde der Architekt Ludwig Mies van der Rohe betraut. Dieser übernahm später auch die Leitung des Bauhauses in Berlin, das allerdings bereits am 1. Oktober 1932 aufgelöst wurde. Aufenthalt in der Sowjetunion Im August 1930 eröffnete sich für Hannes Meyer und einige seiner Schüler die Möglichkeit, in die Sowjetunion zu gehen, um am sozialistischen Aufbau mitzuwirken. Anfang Oktober reiste er mit sieben ehemaligen Studenten des Bauhauses Dessau nach Moskau, um mit den Vorbereitungsarbeiten zum Aufbau der sogenannten «Bauhaus-Brigade» zu beginnen.
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Abb. 10 | Erweiterungsund Rekonstruk tionsplan für Gross-Moskau 1932 Brigade Hannes Meyer
Hannes Meyer, der seine sozialistische Orientierung nie verschwieg und seit 1935 Mitglied der Kommunistischen Partei der Schweiz war, beteilige sich die sechs folgenden Jahre wie der Basler Architekt Hans Schmidt (1893–1972) und tausende andere europäische sowie amerikanische Fachleute am sozialistischen Aufbau der UdSSR. Für den industriellen Aufbau beschäftigte die Sowjetunion tausende von ausländischen Fachleuten. Aus Westeuropa und den USA brachten sie die neuesten Methoden des industrialisierten Bauens mit. Es fehlte allerdings nicht nur an Fachpersonal, sondern auch an Baumaschinen und Baumaterialien. Hannes Meyer selbst wurde von der Sowjetregierung als Professor an die Staatliche Hochschule für Architektur und Bauwesen WASI in Moskau berufen. An dieser Hochschule lehrte er drei Jahre lang in den Bereichen Wohn- und Gesellschaftsbauten, Landwirtschaftliche Bauten und Industriebau. Neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer arbeitete Meyer in verschiedenen Kommissionen mit und wurde Berater im Städtebau und bei aktuellen grösseren Bauvorhaben. Als Professor an WASI arbeitete Meyer zusammen mit der «Brigade Meyer», unter anderem an der Planung zur Rekonstruktion des Moskauer Stadtzentrums und am Aufbau grosser neuer Städte. Der Aufbau der Bauhaus-Brigade ging schnell voran, ihr gehörten ab Februar 1930 neben Meyer sieben Mit-
glieder an. Die Gruppe begann ihre Arbeit in einem Projektierungsbetrieb für höhere technische Schulen. Meyer und seine Mitarbeiter bearbeiteten Entwürfe und Projekte für industrielle und typisierte Schulbauten, Kindergärten, Internate und andere Bauten für die Erziehung und Ausbildung in allen Landesteilen der Sowjetunion. Im Sommer 1930 fand in Moskau eine Ausstellung unter dem Titel «Bauhaus Dessau unter der Leitung von Hannes Meyer» statt. Die Ausstellung umfasste Arbeiten der Werkstätten und der Bauabteilung sowie Arbeiten von Meyer selbst Bereits 1927 hatte das Bauhaus an der «Ersten Ausstellung der Modernen Architektur» in Moskau teilgenommen. Interessanterweise hatte Meyer selbst nach seiner Ankunft in der Sowjetunion das Bauhaus für tot erklärt: Der Bruch mit der Dessauer Institution hatte offenbar Spuren hinterlassen. Im September 1931 unternahm Hannes Meyer eine Vortragsreise durch Deutschland, die Schweiz, die Tschechoslowakei und Dänemark. Dies gab ihm die Gelegenheit, seine Erfahrungen aus der Sowjetunion der westeuropäischen Öffentlichkeit vorzustellen – nicht ohne politische Hintergedanken. Zeitgleich erarbeitete die gemischte Brigade einen Entwicklungsplan für Gross-Moskau (Abb. 10). «Der Stadtkern Moskaus, das Zentrum des Weltpro letariats, wird zur gleichen Zeit das Zentrum der sozialistischen Baukunst»,3 so Tatiana Efrussi in ihrem Beitrag. Sieben Städtebaubrigaden waren an der Ausarbeitung eines Vorentwurfs für die Erweiterung und Rekonstruktion Moskaus beteiligt. Allerdings bot keiner der sieben Entwürfe eine realistische Lösung. Sie dienten jedoch zukünftig immerhin als Inspiration für die Arbeit am Generalplan zur Rekonstruktion der Stadt. Hannes Meyer arbeitete auch an zahlreichen städtebaulichen und regionalplanerischen Entwürfen. So wurde er Im Jahr 1932 als Leiter eines Sektors in den Städtebautrust «Standardgorproyekt» berufen. Er bekam in diesem Projektierungsbetrieb mit über 1000 Mitarbeitenden die Gelegenheit, an den Bebauungsplänen für neue Städte mitzuwirken, z. B. Sozogard Nishni-Kurinsk, die 40 000 Einwohner aufnehmen sollte. Ab 1932 wurde das Projekt der Brigade Meyer zu dieser Stadtgründung ausgeführt. Die Brigade war auch an den Entwicklungsplänen für die ostsibirische Industriestadt Krasnojarsk beteiligt, wo eine Neustadt für 250 000 Einwohner geplant war. Am 1. Juni 1934 wurde in Moskau die Allunions-Architekturakademie gegründet. Dort erhielt Hannes Meyer im März 1934 den Ruf zum Professor und leitete ab August das wissenschaftliche Kabinett «Wohnungswesen, Gesellschaftsbauten und Inneneinrichtungen». Die Moskauer Jahren bestätigten die sozialistische Ausrichtung des philosophischen Denkens und der
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Weltanschauung von Hannes Meyer. Dies genügt jedoch nicht, um dauerhaft in der UdSSR zu bleiben. Im Sommer 1936 mussten alle Ausländer die Sowjetunion verlassen, sofern sie nicht die sowjetische Staatsbürgerschaft annahmen. Nach etwa fünfjähriger Tätigkeit reiste auch Hannes Meyer aus der UdSSR in die Schweiz zurück. Seine Werke bleiben Teil der sowjetischen Architekturgeschichte. Genossenschaftliches Kinderheim Mümliswil/SO Durch die ungeplante Rückkehr aus der Sowjetunion im Juni 1936 stand Meyer vor dem Problem, ein neues Wirkungsfeld zu finden. Im Herbst 1937 erhielt er die Möglichkeit, ein Projekt für ein genossenschaftliches Kinderheim in Mümliswil/SO (Abb. 11) auszuarbeiten. Seit dem Bau der Siedlung Freidorf pflegte Meyer freundschaftliche Beziehungen zu Bernhard Jäggi dessen Stiftung Auftraggeber war. Jäggi und seine Frau wollten dem Projektträger der Siedlung in Muttenz, der «Verein Schweizerischer Konsumgesellschaften» (VSK), ein Kinderheim in ihrer Heimatgemeinde Mümliswil stiften. Vorgesehen war ein Kinderheim, in dem jeweils 24 Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren einen Kuraufenthalt von drei Monaten verbringen konnten. Aus dem Projekt sollte das erste konsumgenossenschaftliche Kinderheim in der Schweiz entstehen. Mit dem Bau wurde bereits im Frühjahr 1938 begonnen, der Neubau war nach einem Jahr fertiggestellt. Die Entwurfsmethodik unterschied sich nicht von derjenigen aus der Bauhauszeit von Hannes Meyer, sie begann mit der Analyse und der Funktionsweise des sozialen Organismus und der Einfügung ins Gelände. Die winkelförmige, zweiflügelige Anlage des Gebäudes auf zwei Ebenen ergibt sich aus der Trennung
sowie der Verbindung der beiden Schlafbereiche für Kinder und Erwachsene. Ein kreisförmiger Speisesaal mit einem funktionsgerechten Tisch und darüber liegender Veranda ist der architektonische Ausdruck des Gemeinschaftsgedankens, er verbindet die beiden Trakte mit getrennten Funktionen. Weitere Aufträge erhielt Meyer in der Schweiz keine. In der Hoffnung, auf dem amerikanischen Kontinent Arbeit zu finden, reiste er im Sommer 1938 in die USA und nach Mexiko. Was er damals nicht wissen konnte: Das Kinderheim in Mümliswil sollte das letzte Bauobjekt sein, das Hannes Meyer als Architekt ausführen konnte. Die mexikanischen Jahre Von 1939 bis 1949 lebte Hannes Meyer in Mexiko-Stadt. Dank der Unterstützung des Erziehungsministeriums erhielt er Einblick in die mexikanische Architektenausbildung und entwickelte einen Entwurf zur Organisation von Planung und Städtebau im Nationalen Polytechnischen Institut (PIN) in Mexiko-Stadt. Am 1. Juni 1939 wurde er zum Direktor des neu gegründeten Instituts für Städtebau und Planung (IPN), das im Rahmen des Nationalen Polytechnischen Instituts (PIN) gegründet wurde, berufen. Am Anfang ging er noch stark von seiner in der Sowjetunion entwickelten marxistisch-leninistischen Architekturauffassung aus und bezog sich wenig auf die Verhältnisse im lateinamerikanischen Entwicklungsland. Er musste aber bald feststellen, dass er sich und seine Lehre den Besonderheiten Mexikos anpassen musste. Neben seiner Arbeit für den Aufbau des neuen Studiengangs für Städteplanung und Architektur nahm er auch an Architekturwettbewerben teil. So erarbeitete er im Auftrag der spanischen Kolonie in Mexiko einen
Abb. 11 | Kinderheim Mümliswil/SO um 1940 Architekt: Hannes Meyer
1. Hannes Meyer – ein Architekt in seiner Zeit | 15
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Entwurf für ihr Sport-, Kultur- und Sozialzentrum. Später erarbeitete er auch einen Entwurf für das Kulturzentrum der dort lebenden Schweizer. Nach nur einem Jahr Amtszeit wurde Meyer als Direktor am IPN schon wieder entlassen. Vorübergehend arbeitete er im Arbeitsministerium an einer Wohnkolonie für 11 000 Bewohner in der Umgebung von Mexiko-Stadt. Im Oktober 1942 wurde Hannes Meyer Direktor des Sektors Arbeiter wohnungen im selben Ministerium. Seine Hauptaufgabe bestand für die nächsten knapp zwei Jahre in der Planung des Arbeiter-Wohngebietes «Loma de Becerra» in Tacubaya. Die Satellitenstadt war für 9000–11 000 Einwohner geplant. Anfang 1944 wechselte er nochmals sein Arbeitsfeld und wurde Architekt-Sekretär der Planungskommission für Spitäler und Kliniken. Dort bearbeitete er Vorprojekte für ein Netz von Kliniken in Mexiko. Dabei stützte er sich auf wissenschaftliche Grund lagen aus der Schweiz, aus Frankreich, Schweden, der Sowjetunion, den USA und England. Ab August 1945 organisierte er die «Erste Jahresausstellung des nationalen Schulbaukomitees» im Palast der Schönen Künste von Mexiko-Stadt. Ein wichtiger Teil der Ausstellung war die Planung für Volksschulen und die Alphabetisierung der Bevölkerung in allen Bundesstaaten. Hierbei handelte es sich um eine nationale Herausforderung: In Mexiko lebten damals 20 Millionen Einwohner, 7 Millionen der Erwachsenen waren Analphabeten. Anfangs 1946 öffnete Hannes Meyer auch ein eigenes Büro für Architektur und Urbanistik. In diesem Rahmen konzipierte er beispielsweise das Entwicklungsprojekt für die Bebauung der «Manzana de Corpus Cristi», eine Einrichtung von Geschäftsgebäuden in Mexiko-Stadt (Abb. 12). Die gestalterische Lösung
Abb. 12 | Entwicklungsprojekt für die Bebauung der «Manzana de Corpus Cristi» in Mexiko-Stadt 1947 Architekt: Hannes Meyer
zeigt ein ungebrochenes Verhältnis zur Formenauffassung des Neuen Bauens. Sie bestätigt auch, dass Meyer weiterhin als Architekt tätig sein wollte und auf neue Aufträge hoffte. Während seiner Zeit in Mexiko engagierte sich Meyer auch stark bei der Künstlergruppe «Werkstatt für graphische Volkskunst (TCP)». Durch die Begegnung mit Künstlern dieser Gruppe wurde er wieder zu eigener künstlerischer Tätigkeit angeregt. Rückkehr in die Schweiz Im September 1949 reiste der nun 60-jährige Hannes Meyer von Mexiko nach Genua und von dort zurück in die Schweiz, wo er mit seiner Familie zuerst in Genf lebte. Mehrere Jahre lang pflegte er den Wunsch, in der neu gegründeten DDR als Professor zu arbeiten. Dies war seinem Basler Kollegen Hans Schmidt (1893–1972) gelungen, der von 1930 bis 1937 ebenfalls in der Sowjetunion gearbeitet hatte. Schmidt wurde 1955 zum Chefarchitekten am Institut für Typisierung an der deutschen Bauakademie in Ostberlin berufen, wo er mit seiner Frau Lili bis 1969 lebte und arbeitete.4 Ihm war es im Gegensatz zu Hannes Meyer auch gelungen, nach seinem Aufenthalt in der Sowjetunion in Basel beruflich wieder Fuss zu fassen. In den Jahren 1939–1946 plante und realisierte er das Infektionshaus des Bürgerspitals an der Schanzenstrasse, ein Direkt auftrag. Das Hannes Meyer nie eine Berufung an einer Institution in der DDR erhielt mag an der kritischen Haltung der politischen Machthaber der SED gegenüber dem Bauhaus liegen. Jedenfalls sah er sich gezwungen, weiterhin in der Schweiz zu leben. Ab 1950 wohnte Meyer mit seiner Familie in Croci fisso bei Lugano. Die Wohnung im kleinen Tessiner Dorf sah er als Zwischenaufenthalt bis zur nächsten Arbeitsphase im Ausland. Demzufolge begab er sich auch auf zahlreiche Orientierungsreisen, z. B. nach Italien, Frankreich, England, Holland und Deutschland. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs, der sich in der Schweiz in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, blieben seine Bestrebungen, in Europa seinen Weg als Architekt oder Lehrer fortzusetzen, ohne Erfolg. Möglicherweise hatte seine mehr als 10-jährige Abwesenheit einen negativen Einfluss beim Aufbau neuer beruflicher Kontakte. Hannes Meyer versuchte auch in dieser Zeit, wissenschaftliche Studien zu betreiben und theoretische Schriften zu konzipieren. Dazu schreibt er z. B.: «In unserer Abgeschiedenheit benützen wir ausgiebig die Zeit zum Studium unseres Familien Archivs, wo sich Winckelmanns Kunstabhandlungen in Erstausgaben […] mit Palladio und Ledoux, und mit den Mappen
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Abb. 13 | Hannes Meyer Gemälde von Paul Camenisch 1953
der Original-Piranesi abwechseln. Unter dem Gesichtspunkt des historischen Materialismus ist neues Leben aus alten Stichen erwacht. Wer weiss, ob dermaleinst die Frucht dieser Studien dem Deutschen Bauen dienlich sein wird.»5 Wegen seiner prekären ökonomischen Situation war er aber nicht in der Lage, sich aktuelle wissenschaftliche Publikationen zu den Themen Architektur und Städtebau zu beschaffen. Zudem verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Möglicherweise konnte er auch deshalb keine der geplanten Studien fertigstellen. So sollte es Hannes Meyer nie gelingen, seine wesentlichen Beiträge auf dem Gebiet der Forschung für das Bauen und Planen sowie der Architekturlehre zu vermitteln. Auch sein Versuch, das Rote Bauhaus, eine Geschichte seiner Erfahrungen in Dessau und in der Sowjetunion, zu verfassen oder seine eigenen Arbeiten an der Mailänder Triennale 1951 auszustellen, scheiterten. Im Alter von 65 Jahren starb Hannes Meyer am 19. Juli 1954 in Crocifisso bei Lugano. Sein Erbe lebt jedoch in seinen Werken weiter, die von seinem archi-
tekturalen Genie zeugen, unter anderem im Entwurf zur Petersschule. Als einer der bekanntesten Schweizer Architekten und Architekturtheoretiker seiner Zeit, gehört Meyer zweifellos zur Architektur-Avantgarde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu seinem 100. Geburtstag fand auch 1989 in Frankfurt am Main, West-Berlin, Zürich und Dessau die Ausstellung «Hannes Meyer. Architekt Urbanist Lehrer» statt, die seinen Beitrag zum modernen Architekturwesen würdigte.6
Anmerkungen 1 Siehe auch den Beitrag von Lukas Gruntz in diesem Band, Kap. 3, S. 35.
2 Viehhauser: Kap. 5, S. 57. 3 Efrussi: Kap. 7, S. 79.
4 Düblin: 2019, S. 288.
5 Winkler: 1989, S. 222.
6 Bauhaus-Archiv u. a.: 1989.
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2. Hannes Meyer auf dem Weg zum Architekten Ernst Sp ycher
Architektur und Stadtentwicklung in Basel im 19. Jahrhundert Am Anfang des 19. Jahrhunderts war Basel eine kleine Stadt, die zwar im ausgehenden Mittelalter mit knapp 10 000 Einwohnern die grösste Stadt der Schweiz gewesen war, im Jahr 1815 aber erst 16 670 Einwohner zählte. Anfänglich langsam, im Weiteren jedoch mit grossen Schritten begann die Stadt Basel, sich im Rahmen der Industrialisierung zu einer «Grossstadt» zu entwickeln, die am Ende des 19. Jahrhunderts über 100 000 Einwohner zählte.1 «Kurz vor 1900 war die 100 000er-Marke überschritten worden, die statistisch definierte Schwelle zur Grossstadt. In den ersten siebzig Jahren des 20. Jahrhunderts verdoppelte sich diese Zahl noch einmal, die Einwohnerzahl erreichte den Zenit um 1970.»2 Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass viele neue öffentliche Bauaufgaben entstanden, wodurch eine ausserordentliche Bautätigkeit ausgelöst wurde. Nebst neuen Schulhausbauten entstanden öffentliche Einrichtungen wie das Museums- und Universitäts gebäude an der Augustinergasse 2 (1849) – heute Museum für Natur- und Völkerkunde (Abb. 1), das Ge-
richtsgebäude (1859–1896), die Hauptpost (1853–1880), das Stadttheater (1875) und die Universitätsbibliothek (1897). Dazu kamen die Bauten für den öffentlichen Verkehr, das Stationsgebäude der Bahnlinie Strassburg – Basel (1844) auf dem «Schällemätteli», sowie das Stationsgebäude der Schweizerischen Centralbahn (1854) an der Langen Gasse und der erste Badische Bahnhof (1854) am Riehenring.3 Das grosse und einschneidende Ereignis des 19. Jahrhunderts war der Bürgerkrieg zwischen der Bevölkerung der Stadt Basel und der Landbevölkerung in den Jahren 1831–1833, dessen Folge die Kantons trennung war. «Jetzt griff die Tagsatzung durch und liess Stadt und Land Basel besetzen. Der Sarnerbund wurde aufgelöst, die Totaltrennung der Landschaft von der Stadt Basel vollzogen. […] Mit der Total trennung Basels legten sich die frühen Wirren der Regeneration weitgehend. In den 1840er Jahren flammte diese mit Freischarenzügen in die Zentralschweiz wieder auf, bevor es 1847 zum Sonderbundskrieg und 1848 zur Gründung des Bundesstaates kam.»4 Es entstanden zwei neue Halbkantone, der Kanton Basel-Stadtteil, später Kanton Basel-Stadt, mit Basel als Hauptstadt und Regierungssitz sowie der Kanton Basel-Landschaft mit der Kleinstadt Liestal als Hauptstadt und Regierungssitz. Zum Kanton Basel- Stadtteil gehörten noch die drei Landgemeinden Riehen, Bettingen und Kleinhüningen, im Halbkanton wohnten damals knapp 25 000 Einwohner.5 Das Dorf Kleinhüningen wurde 1908 eingemeindet. «Wie viele andere europäische Städte hatte Basel im 19. Jahrhundert einen grundlegenden Wandel in den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Merkmalen der städtischen Gesellschaft erlebt: Demokratisierung, Industrialisierung und Urbanisierung zeichneten ein neues Antlitz der Stadt. Rechtsgleichheit und demokratische Verfassung lösten eine obrigkeitliche Herrschaft ab; die Industrialisierung schuf nicht nur Reichtum, sondern auch neue soziale Gruppen wie Arbeiter und Angestellte; sie bewegte auch viele Männer und Frauen, in die Stadt zu ziehen, so dass das Bevölkerungswachstum zu einem herausragenden Faktor der Veränderung wurde».6 Abb. 1 | Museum für Natur- und Völkerkunde 1910 Architekt: Melchior Berri
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Abb. 2 | Münsterplatz 14–16 2005
Abb. 3 | Unteres Kollegium der Universität 2006
Als 1838 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, galt sie für Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahr und war kostenpflichtig. In jener Zeit bestanden in der Stadt Basel erst wenige Schulhäuser, das «Untere Gymnasium» (heute Gymnasium Münsterplatz) (Abb. 2), das älteste Schulhaus der Stadt (1588/89) und die erste «Stadttöchterschule» (Abb. 4) am Toten gässlein (1913) sowie das Richter-Linder-Schulhaus (ca. 1920), ein Einbau einer Schule in ein bestehendes Wohnhaus. Im Luftgässlein befand sich ausserdem eine Knabenschule. Der Münsterplatz (Abb. 2) bildet die Mitte des Münsterhügels und unterscheidet sich von den geschäftigen Plätzen der Talstadt (Marktplatz, Barfüsser platz) durch seine vornehme Ruhe und durch seine Grösse.7 Er ist in zwei Teile gegliedert, den offenen Grossen Münsterplatz und den eher geschlossenen Kleinen Münsterplatz, der zur Pfalz im Nordosten des Münsters überführt. «Die Bedeutung der einstigen Kathedrale – sie blieb nach der Reformation die Hauptkirche Basels – geht dabei weit über ihre religiöse Funktion hinaus: Das Basler Münster mit seinen Nebengebäuden und dem umgebenden Platz ist ein Fixpunkt des städtischen Lebens und der Basler Identität.»8 Nur wenige hundert Meter vom Münsterplatz entfernt, am Rheinsprung, steht das «Untere Kollegiengebäude» der Universität (Abb. 3), die nach dem Konzil von Basel (1431–1449) gegründet wurde. An dieser Stelle wurde am 4. April 1460 die Hochschule mit den vier Fakultäten der Theologen, Juristen, Me diziner und «Artisten» (Philosophische Fakultät) eröffnet.9 «Obwohl gewisse Verbindungen mit dem Münster als dem Gründungsort bestehen blieben, erhielt der Universitätsbetrieb von Anfang an ein paar Schritte rheinabwärts ein eigenes Gravitationszentrum.»10 «Das Kollegiengebäude am Rheinsprung war bis 1939 der Hauptsitz der 1460 mit päpstlichem Privileg
gegründeten Basler Universität. […] Die drei im Kern noch spätmittelalterlichen Baukörper des Kollegiums wurden 1860 durch eine gemeinsame Aufstockung zusammengefasst und erhielten dadurch eine Massenwirkung, die der Bedeutung als öffentlichem Bildungsbau Geltung verschafft. Die Bauanlage mit seitlichen Flügelbauten und mittlerem Arkadenhof weist allgemeine Ähnlichkeit mit italienischen Universitätsgebäuden auf, zum Beispiel mit der berühmten Bologneser Hochschule.»11 Zum 400-Jahr-Jubiläum der Universität im Jahr 1860 wurde das «Untere Kollegiengebäude» (Abb. 3) in der jetzigen Form eröffnet. Für den Entwurf der Umbauten war der Architekt Johann Jacob Stehlin d. J. verantwortlich. Das Humanistische Gymnasium und das «Untere Kollegiengebäude der Universität» stehen am Anfang der Geschichte des Basler Bildungswesens. Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich, dass im Jahre 1851 im Grossen Rat der Antrag gestellt wurde, die Universität zu Gunsten einer Gewerbeschule aufzuheben. Der Antrag wurde mit grosser Mehrheit verworfen.12 Die Entwicklung der Volksschule sowie der Ausbau des Erziehungswesens standen seit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Kanton Basel-Stadt im Jahre 1838 in einem direkten Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und politischen Neuerungen. Die Schulbauplanung wurde in späteren Jahrzehnten zu einem integrierenden Teil der Stadtplanung. Der eigenständige Beruf des Architekten stand zu Beginn des 19. Jahrhunderts erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung. Die erste Generation der Schweizer Architekten wurde in Hochschulen der benachbarten Länder ausgebildet. Die jungen Architekten konnten ihre Erfahrungen, die sie an den Hochschulen in Karlsruhe, München, Berlin oder Paris sowie auf langen Auslandreisen erworben hatten, anfänglich nur selten bei der Planung oder Realisierung öffentlicher Bauten anwenden.
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Die nächste Generation der Schweizer Architekten wurde mehrheitlich am 1855 in Zürich gegründeten Eidgenössischen Polytechnikum ausgebildet. Dies führte nun zu einer Professionalisierung der Architektenausbildung auch in der Schweiz. Das neue Zürcher Hochschulgebäude von Gottfried Semper wurde 1864 eröffnet und hatte starken Einfluss auf die Entwicklung der Architektur der nächsten Jahrzehnte in der Schweiz, in denen die Neurenaissance zum prägenden Stil für Bildungsbauten wurde. Zu den wichtigsten Architekten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Basel zählten Melchior Berri (1801–1854) und Amadeus Merian (1808–1889), die ihr Architekturstudium im Ausland absolviert hatten. Von beiden sind noch zahlreiche Bauten erhalten. Die beiden Architekten legten das Fundament für eine neue städtische Baukultur im 19. Jahrhundert in der damaligen Kleinstadt im Dreiländereck. Der erste grosse Museumsbau in Basel entstand zwischen dem Münster und dem «Unteren Kollegium». Das Museum für Natur- und Völkerkunde (Abb. 1) wurde auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters 1844–1849 nach Plänen von Melchior Berri erbaut und diente am Anfang auch der Universität für ihre Bibliothek und ihre Sammlungen. Eine Verwandtschaft zur Berliner Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel ist unverkennbar. Zahlreiche Nutzungsänderungen führten bis heute zu baulichen Ergänzungen und Eingriffen. Dem Museumsbau an
der Augustinergasse verdankte Melchior Berri seine überregionale Bedeutung. Von ihm sind nebst einigen Wohnhäusern zwei öffentliche Gebäude erhalten geblieben, die ehemalige Abdankungskapelle in der Rosentalanlage (1832–1833) und das Alte Gemeindehaus in Riehen (1834–1835).13 Amadeus Merian war der erste Basler Bauinspektor (später Kantonsarchitekt), er trat das neugeschaffene Amt 1833 an. Die Erweiterung des Humanistischen Gymnasiums (1843–1845) (Abb. 5), heute Gymnasium am Münsterplatz, erfolgte nach seinen Plänen. Das Gebäude gehört zu den markantesten Schulhausbauten in der Stadt Basel und hatte einen grossen Einfluss auf den Schulhausbau. Zwei private Gebäude von Amadeus Merian, an der Mittleren Brücke beidseitig des Rheins gelegen, sind erhalten geblieben, das Café Spitz (1838–1840) an der Greifengasse und das Hotel Drei Könige (1842–1844) am Blumenrain. «Die Baugeschichte Basels im 19. Jahrhundert kann hier nur skizziert werden. Es ging überall lang, bis planmässig gebaut wurde; die Korrektur der S trassen und Plätze erfolgte nur stückweise. Bis über die Mitte des Jahrhunderts war der Gegensatz zwischen den stolzen Herrenhäusern des 18. Jahrhunderts und den im Äusseren noch mittelalterlichen oder schlecht modernisierten einfacheren Wohnbauten auffällig.»14 Die Stadt Basel zählte im Jahr 1850 bereits 27 170 Einwohner, die meist in schlechten Wohnverhältnis-
Abb. 4 | Ehemaliges Sesselschulhaus 1968 Architekt: Amadeus Merian
Abb. 5 | Humanistisches Gymnasium Erweiterung I 1968 Architekt: Amadeus Merian
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Abb. 6 | Plan vom Kanton Basel- Stadt und Umgebung 1900
sen lebten. Basel war damals noch umschlossen von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit sieben Stadttoren. Drei von den sieben Toren sind im linksrheinischen Stadtteil Grossbasel bis heute stehen geblieben. Nach dem «Stadterweiterungsgesetz» von 1859, das die Schleifung der Stadtmauern und die Auffüllung der Stadtgräben in beiden Stadtteilen zur Folge hatte, entwickelte sich die Stadt Basel rasant. Bis 1900 stieg die Einwohnerzahl auf 109 161, im Kanton Basel-Stadt wohnten zu dieser Zeit 112 227 Menschen.15 In nur 50 Jahren stieg die Anzahl der Einwohner um über 400 Prozent, die Zahl der Zuwanderer aus benachbarten Schweizerkantonen, der badischen und elsässisch-lothringischen Nachbarschaft, aber auch aus anderen Ländern, war gross. Im Jahr 1900 lebten in der Stadt Basel über 40 000 «Ausländer und Heimatlose».16 Die Zuwanderung aus den Schweizer Kantonen war weniger hoch als die Zahl der Zuwanderer aus dem Ausland. Mit der Einwanderung wuchs der Anteil der katholischen Bevölkerung, der 1880 bereits 30 Prozent ausmachte. Die Trennung von Kirche und Staat erfolgte bereits 1911. Neben der Zuwanderung war die steigende Lebenserwartung ausschlag gebend für den Bevölkerungsanstieg, wie auch in vielen anderen europäischen Städten. Die stark wachsende Industrialisierung, die mit dem Fabrikgesetz von 1869 neu geregelt wurde, hatte einen grossen Einfluss auf die soziale Entwicklung der Bevölkerung. Erwachsene arbeiteten damals an sechs Tagen pro Woche zwölf Stunden am Tag. Das Verbot von Sonntags- und Nachtarbeit sowie das Verbot von Fabrikarbeit für schulpflichtige Kinder wurden zu wichtigen Themen für die politisch verantwortlichen Behörden. Paul Burckhardt schreibt im Buch Geschichte der Stadt Basel – Von der Zeit der Reformation bis zur Gegenwart: «Sieben Jahre, nachdem das Basler Fabrik-
gesetz in Kraft getreten war, im Jahre 1877, löste es das erste eidgenössische Fabrikgesetz ab und brachte den Arbeitern den 11 Stundentag sowie das strikte Verbot der Fabrikarbeit von Kindern unter 14 Jahren. Von da an ging es bis zum Jahr 1914, wo die nächste Revision vorgenommen wurde.»17 Der Bevölkerungszuwachs war in vielen europäischen Städten während der industriellen Revolution so hoch wie nie zuvor. Um die Lebensgrundlagen der wachsenden Bevölkerung zu verbessern, mussten neue Stadtteile und Wohnquartiere geplant und erstellt werden. Die Architektur und der Städtebau standen vor neuen grossen Aufgaben. Nicht nur in Grossstädten waren Reformversuche bedeutend für die weiteren Entwicklungsschritte der städtebaulichen Planung. Der Stadtplaner Camillo Sitte (1843–1903), der in Wien lebte, war überzeugt, dass eine Rückkehr zu Methoden des mittelalterlichen Städtebaus die wachsenden Städte beleben würde. Er sah im organischen Wachstum der mittelalterlichen Städte die Basis für einen humanen Städtebau seiner Zeit. Damit meinte er auch, dass die stark verbreitete Leblosigkeit der Städte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch künstlerische Massnahmen überwunden werden könnte. In seinem 1901 erschienenen Buch Der Städtebau – nach künstlerischen Grundsätzen schrieb Sitte: «Durch die ganze Untersuchung zeigte sich wohl hinlänglich, dass es durchaus nicht nötig wäre, moderne Stadtpläne derart schablonenmässig zu entwerfen, wie es gebräuchlich, dass es durchaus nicht nötig wäre auf alle Schönheiten der Kunst, auf alle Errungenschaften der Vergangenheit hiebei zu verzichten. Es ist nicht wahr, dass der moderne Verkehr uns dazu zwingt; es ist nicht wahr, dass die hygienischen Forderungen uns dazu nötigen; es ist einfach Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit und Mangel an gutem Willen, welche uns Stadtbewohner dazu verurteilten,
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lebenslänglich in formlosen Massenquartieren den geisttödtenden Anblick ewig gleicher Miethausblöcke, ewig gleicher Strassenfluchten zu ertragen. Freilich ist es wahr, dass die milde Macht der Gewohnheit dagegen abstumpft, man erwäge aber den Eindruck, den unsere Sinne, nach der Heimkehr aus Venedig oder Florenz empfangen, wie schmerzlich uns da diese schale Modernität angreift. Vielleicht ist dies eine der innersten Ursachen, warum der glückliche Bewohner dieser künstlerisch so herrlich ausgebildeten Städte nicht das Bedürfniss hat, dieselben zu verlassen; während wir jährlich wenigstens auf einige Wochen in die Natur hinaus flüchten, um die Stadt wieder ein Jahr lang ertragen zu können.»18 Der Wohnungsbau wurde auch für Basel viele Jahre zur wichtigsten privaten und öffentlichen Bauaufgabe, es entstanden neue Stadtquartiere, in denen neben anderen öffentlichen Bauten auch zahlreiche neue Schulhausbauten errichtet wurden. Das «Stadterweiterungsgesetz» machte den Weg frei für tiefgreifende Veränderungen der Stadtstruktur und der baulichen Entwicklung der Stadt, deren bebaubares Areal nun wesentlich grösser war. «Die Stadtplanung schuf die Grundlage für ein neues Strassen- und Verkehrsnetz, das die äusseren Gebiete mit denen der Innerstadt verbinden sollte. Mit der Planung dieses Vorhabens wurde der St. Galler Ingenieur Friedrich Hartmann beauftragt.»19 Durch die Entfestigung der Stadt entstand ein Grüngürtel über den ehemaligen Stadtgräben um Grossbasel und bildete einen sanften Übergang zu den Vorstadtgebieten, die nun schrittweise besiedelt wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche neue Stadtquartiere: Breite, Gellert, Gundel dingen, Am Ring, Wettstein, Clara und Matthäusquartier, später folgten Bachletten, Gotthelf, Iselin und St. Johann. In den neuen Quartieren bildeten sich unterschiedliche Sozialstrukturen aus. Das Quartier Breite war ein typisches Arbeiterquartier mit bescheidenen Wohnhäusern, im Gegensatz zum benachbarten Gellert mit grossbürgerlichen Wohnbauten. Bald wohnte der grössere Teil der Bevölkerung ausserhalb der Altstadt, die ihrerseits vor einem grossen Umbruch stand. Später wurden Teile des Grüngürtels in sogenannte Ringstrassen umgewandelt, um dem zunehmenden Individualverkehr gerecht zu werden. Dadurch wurden wichtige städtische Aussen- und Aufenthaltsräume zerstört. Wesentliche Elemente der Veränderung der Stadt waren auch die Anschlüsse an die Eisenbahnen, diesen folgten die grössten Umwandlungen seit dem Bestehen der Stadt. «Als am 11. Dezember 1845 der Bahnhof auf dem Schellenmätteli (bei der ehemaligen Strafanstalt), der erste Bahnhof auf Schweizerboden, eingeweiht wurde, war aller Streit vergessen, und ein
glänzendes Fest vereinigte französische, badische und schweizerische Gäste.»20 Er war der Endbahnhof der Linie Strassburg – Basel, die 1844 in Betrieb genommen wurde. Im Dezember 1854 fuhr der erste Zug von Basel bis Liestal, im Herbst 1859 wurde die direkte Verbindung von Basel nach Luzern eröffnet. Die Einführung der Strassenbahn, die gegen Ende des Jahrhunderts schrittweise erfolgte, war der nächste grosse Entwicklungsschritt in der Urbanisation. Die erste Basler Strassenbahnlinie fuhr 1895 vom Centralbahnhof über die mittlere Brücke zum Badischen Bahnhof.21 Dieser wurde später vom Reihenring an die Schwarzwaldallee verlegt. Der neue Badische Bahnhof wurde in den Jahren 1910–1913 von den Architekten Curjel und Moser erbaut. Weitere wichtige Schritte der Stadtentwicklung waren zu dieser Zeit Be- und Entwässerung privater und öffentlicher Gebäude und Plätze, die Einleitung von Gas und Elektrizität stand noch bevor. Zur Entwicklung des Schienen- und Strassenverkehrs kam mit dem Bau des Kleinhüninger Rheinhafens (1920–1922) der Güterverkehr auf dem Fluss hinzu. Das erste Güterschiff kam 1904 in Basel an. Die Eröffnung des Flughafens Basel-Mulhouse (1946) erweiterte das Angebot für Personen- und Güterverkehr abermals. Die Stadt Basel entwickelte sich zu einer Stadt des modernen Handelsverkehrs, mit einer schnell wachsenden Industrie. «Im 19. Jahrhundert wurde Basel durch das Wirken bekannter Persönlichkeiten zur ‹geistigsten Stadt der Schweiz›, die den Ruf über die Landesgrenzen hinaus verbreitete. Den ‹Genius loci Basiliensis› im Range europäischer Kulturgeschichte prägten der Rechtsanwalt und Kulturhistoriker Johann Jakob Bachofen, der Kunst- und Kulturhistoriker Jakob Burckhardt, der Philosoph und Philologe Friedrich Nietzsche sowie der Maler Arnold Böcklin. Im 19. Jahrhundert war Basel ausserdem das Zentrum internationaler christlich-humanistischer Tätigkeit mit der Missions- und Bibelgesellschaft.»22 Eine wesentliche gesellschaftspolitische Wende in der Stadt erfolgte, nachdem der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt am 21. Juni 1880 «zur einheitlichen Gestaltung des Schulwesens» das erste Schulgesetz beschloss, und zwar auf der Basis der neuen Kantonsverfassung von 1875. Gemäss § 63 dieser Verfassung waren die Gemeinden zur Erstellung, Ausstattung und zum Unterhalt von Schulgebäuden verpflichtet. Das neue Schulgesetz war gültig bis 1929, seine Einführung war der Beginn des modernen Bildungswesens im Kanton Basel-Stadt. Die wichtigsten Forderungen von Regierungsrat Wilhelm Klein zur Gründung der Volksschule fasst Charles Stirnimann so zusammen: «Erziehungsdirektor Wilhelm Klein, der in jungen Jahren selber Lehrer gewesen war, forderte die Unentgeltlichkeit des Unterrichtes auf allen Stufen, acht Jahre Schulpflicht, und
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zwar in der Form der allgemeinen Volksschule (fünf Jahre Primarschule und anschliessend drei Jahre Sekundarschule), Dreiteilung der weiterführenden Schulen (Gymnasium, Oberrealschule und höhere Töchterschule) sowie Streichung des Religionsunterrichtes an allen Schulen und ein Verbot der Lehrtätigkeit von Ordenspersonen.»23 Der Bau von neuen Schulhäusern war aber nicht nur eine Verpflichtung für den Kanton, mit dem Schulhaus entstand eine neue Bauaufgabe, welche für alle Teile der Bevölkerung den Zugang zur Bildung öffnete. Diese neue Bauaufgabe trug wesentlich bei zu einer neuen, städtischen Architektur, die sich ausserhalb der Altstadt zu entwickeln begann. Die Schulhausbauten waren über viele Jahre dominante, öffentliche Bauten, sowohl am Rand der Altstadt wie in den neuen Stadtquartieren. Der repräsentative Charakter vieler Schulhausbauten war Sinnbild eines neuen städtischen Selbstbewusstseins, das aber nicht in allen Schichten der Gesellschaft auf Zustimmung stiess. «Mit den neuen Schulhausbauten ist ein neuer städtischer Gebäudetyp entstanden, bei dem der Charakter, also die Bauaufgabe klar ablesbar wurde. Neun Schulhausbauten wurden vom damaligen Kantonsbaumeister Heinrich Reese (1849–1919) geplant. Heinrich Reese stammte aus Norddeutschland und hatte am Polytechnikum Karlsruhe studiert. Er arbeitete seit 1874 in der Verwaltung des Kantons Basel-Stadt, zuerst als Bauinspektor, dann als Kantonsarchitekt. 1894 wurde er in den Regierungsrat gewählt, dem er nur drei Jahre angehörte. Jede grössere Stadt hat ihre eigene Schulhausbaugeschichte, die einen wesentlichen Teil der Baukultur darstellt, in Basel begann sie mit den Bauten des Architekten Heinrich Reese.»24 Reese übte dasselbe Amt aus wie vor ihm Amadeus Merian. Seine Schulhausbauten, beispielsweise das Schulhaus an der Rittergasse, sind bis heute prägende Elemente der Stadtarchitektur. In diesem Zeitabschnitt einer dynamischen Stadtentwicklung, auch in den Bereichen Bildung und Kultur, wurde Hans Emil Meyer geboren. Er gehörte zur ersten Generation der Kinder, die auf der Basis des neuen Schulgesetzes von 1880 ausgebildet wurden, acht Jahre Schulplicht ohne Schulgeld.
Gemäss Claude Schnaidt war der bekannte B asler Architekt Amadeus Merian ein Grossonkel von Hannes Meyer.25 Der Freitod seines Vaters im Frühjahr 1899 sowie die Erkrankung seiner Mutter bedeuteten einen g rossen Einschnitt im Leben des erst zehnjährigen Knaben. Er verbrachte die folgenden sechs Jahre zusammen mit seinen Brüdern Rudolf Max und Emanuel Peter in der «Bürgerlichen Waisenanstalt» (Abb. 8) in Basel. Das bürgerliche Waisenhaus entstand 1669 in den Mauern des ehemaligen Karthäuserklosters, im rechtsrheinischen Stadtteil Kleinbasel. Im Jahr 1900 lebten dort 151 Kinder, 87 Knaben und 64 Mädchen, organisiert in Gruppen von bis zu 30 Kindern. «Die harten Erziehungsmethoden und das fremde Milieu führen ihn auf den Weg des angestrengten Lernens: ‹Ich lernte aus Verzweiflung (und) wurde Klassenprimus.›»26 Hannes Meyer lebte bis zu Beginn seiner Berufsausbildung mit seinen beiden Brüdern in einem fremden Milieu und unter harten Erziehungsbedingungen. Während der Waisenhausjahre besuchte er die Primarschule und die Sekundarschule, er absolvierte also die damals schon obligatorische Schulpflicht von acht Jahren. Er war ein guter, fleissiger Schüler und erhielt in der Volksschule eine gründliche sprachliche, naturwis senschaftliche und Gesangsausbildung. Neben der Auseinandersetzung mit den kulturellen Traditionen eignete er sich die ersten Grundlagen des Schreinerhandwerks an. Er entwickelte früh die Fähigkeit zum autodidaktischen Arbeiten. Seine frühen Berufswün-
Hannes Meyer: Kindheit und Jugend in Basel Hans Emil (Hannes) Meyer wurde am 18. November 1889 in Basel als erstes von vier Kindern geboren. Seine Mutter Katharina Margaretha Ryser (1866–1916) war das jüngste von vier Kindern der Familie Ryser. Der Vater, Johann Meyer (1863–1899), lebte in einer Grossfamilie mit 16 Kindern. Er war Baumeister und Besitzer eines kleinen Bauunternehmens am Kohlenberg.
Abb. 7 | Familie Meyer-Ryser – Hans Emil rechts 1894
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