Die Autorin Nicoleta Paraschivescu unterrichtet Orgel an der Musik-Akademie Basel und ist Organistin an der Theodorskirche in Basel. Nach einem Orgelstudium an der Musikhochschule Gheorghe Dima in Klausenburg schloss sich ein weiterführendes Studium der Alten Musik an der Schola Cantorum Basiliensis in den Fächern Orgel und Cembalo sowie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart an. Neben zahlreichen CD-Aufnahmen (u.a. «Partimenti napoletani», dhm 2018) und einer internationalen Konzerttätigkeit promovierte sie 2015 an der Universität Leiden. Weitere Informationen: www.partimenti.ch Zur Reihe Seit ihrer Gründung 1933 beschäftigt sich die Schola Cantorum Basiliensis (Fachhochschule Nordwestschweiz / Musik-Akademie Basel) mit der Erforschung historischer Musikpraxis. Die Reihe Schola Cantorum Basiliensis Scripta präsentiert aktuelle Themen und Forschungsergebnisse vorwiegend in monographischer Form, wobei ein breites Spektrum an Fragestellungen und Darstellungsweisen gepflegt wird. Die Publikationen sollen nicht nur Spezialisten, sondern auch Studierende sowie interessierte Personen ausserhalb der engeren Fachgrenzen erreichen und damit zu einer vertieften Beschäftigung mit der Vielfalt der Alten Musik anregen.
Die Partimenti Giovanni Paisiellos
Über das Leben und Werk von Giovanni Paisiello (1740–1816) ist recht viel bekannt; sein pädagogisches Œuvre wurde hingegen bislang nur teilweise erforscht. Dokumentiert ist dieses durch die 1782 in St. Petersburg gedruckten Regole per bene accompagnare il Partimento und das dazugehörige Autograph. Im vorliegenden Band werden zudem nun erstmals einundvierzig neu entdeckte Partimenti vorgelegt und analysiert. Im Zentrum stehen dabei unterschiedliche Ansätze und Vorschläge zur Ausführung der Partimenti Paisiellos, die aus dem Vergleich mit verschiedenen Kompositionen Paisiellos, dessen Lehrer Francesco Durante sowie weiterer Zeitgenossen resultieren. Sie werfen ein Licht auf den genrespezifischen Kontext, in dem Paisiellos Partimenti zu verstehen sind. Um die oft nur skizzenhaft überlieferte Musik des späten 18. Jahrhunderts lebendig aufführen zu können, muss man die musikalische Sprache der Zeit verstehen lernen. Dank ihres künstlerisch-didaktischen und aufführungspraktischen Potentials sind Partimenti hierfür ein effizientes und phantasiereiches Werkzeug.
Schola Cantor um Basiliensis Scripta 6
Nicoleta Paraschivescu
SCB S6
Nicoleta Paraschivescu Die Partimenti Giovanni Paisiellos Wege zu einem praxisbezogenen Verständnis
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Schwabe Verlag www.schwabeverlag.ch
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Schola Cantorum Basiliensis Scripta
Veröffentlichungen der Schola Cantorum Basiliensis Fachhochschule Nordwestschweiz / Musik-Akademie Basel Hochschule für Musik Band 6 Herausgegeben von Thomas Drescher und Martin Kirnbauer
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Nicoleta Paraschivescu
Die Partimenti Giovanni Paisiellos Wege zu einem praxisbezogenen Verständnis
Schwabe Verlag
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Gedruckt mit Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung Basel. Die Publikation wurde weiterhin gefördert durch die Stiftung Basler Orchester-Gesellschaft sowie die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft, Ortsgruppe Basel.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. © 2019 Schwabe Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel, Schweiz Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk einschließlich seiner Teile darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in keiner Form reproduziert oder elektronisch verarbeitet, vervielfältigt, zugänglich gemacht oder verbreitet werden. Abbildung Umschlag: Partimento Gj2322 in c-Moll «Andante» aus Giovanni Paisiellos Regole per bene accompagnare il Partimento, o sia il Basso Fondamentale sopra il Cembalo, St. Petersburg 1782, S. 30. Lektorat: Folker Froebe, Bremerhaven/München Korrektorat: Martin Kirnbauer, Schola Cantorum Basiliensis; Florian Henri Besthorn, Schwabe Verlag Gesamtherstellung: Die Medienmacher AG, Muttenz, Schweiz Printed in Switzerland ISBN Printausgabe 978-3-7965-3724-0 rights@schwabe.ch www.schwabeverlag.ch
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Inhalt Vorwort und Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX Abkürzungen und Bemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XI Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XV Abstract . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIX Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Kapitel 1: Präliminarien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Giovanni Paisiello . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Paisiellos Unterrichtstätigkeit am russischen Hof . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Paisiellos Schüler Auguste-Louis de Talleyrand-Périgord . . . . . . . . . . 23 Partimenti, Solfeggi und Disposizioni . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Aktueller Forschungsstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Kapitel 2: Die Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Partimenti – Disposizioni – Solfeggi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Die Regole von 1782 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Handschriftliche Überlieferungen der Partimenti . . . . . . . . . . . . . . . 38 Zwei- und dreistimmige Disposizioni auf Partimenti Giovanni Paisiellos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Giovanni Paisiello zugeschriebene Solfeggi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Kapitel 3: Der Unterricht an den Konservatorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Die Konservatorien in Neapel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Partimenti, Solfeggi und Kontrapunkt im Curriculum der Konservatorien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Der Unterricht am Conservatorio di Sant’Onofrio . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Francesco Azopardis «Il Musico Prattico» – ein Lehrwerk aus dem Umkreis von Sant’Onofrio . . . . . . . . . . . . . . . 59 Kapitel 4: Die Regole Paisiellos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Der Aufbau von Paisiellos Regole von 1782 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Die neu entdeckten Partimenti von Giovanni Paisiello . . . . . . . . . . . 80 Verschiedene Partimento-Typen in den Regole von 1782 und ihr genrespezifischer Kontext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
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Kapitel 5: Ausführungsbeispiele aus dem Umkreis Paisiellos . . . . . . . . . 93 Francesco Durante – Lehrer Giovanni Paisiellos . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Historische Aussetzungen von Partimento-Fugen Durantes und Paisiellos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Das Gallipoli Manuscript: 46 historische Aussetzungen von Partimenti Francesco Durantes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Solfeggi als Ausführungsmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 Zwei- und dreistimmige Disposizioni auf Partimenti Paisiellos . . . . . 111 Intavolature: Übungen und Modelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Kapitel 6: Anwendungen in der heutigen Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Lösungsansätze für Paisiellos Partimenti . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Ein Solfeggio, neu geschrieben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122 Ein Rondo mitsamt Präludium, variiert und verziert . . . . . . . . . . . . . 125 Nachwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 Anhang Appendix I: Incipits und Quellen der Partimenti Giovanni Paisiellos (1740–1816) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Appendix II: Quellen-Konkordanz zu den Partimenti Giovanni Paisiellos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 Appendix III: Disposizioni à 2 und Disposizioni à 3 über das Partimento Gj2319 von Giovanni Paisiello . . . . . . . . . . . . . . 157 Appendix IV: Partimenti aus Giovanni Paisiellos Regole von 1782 Aussetzungen von Nicoleta Paraschivescu» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165 Appendix V: Historische Aussetzungen von Partimenti Francesco Durantes aus dem Vessella Manuscript und aus dem Gallipoli Manuscript . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Appendix VI: «Preludio und Rondò» in B-Dur von Giovanni Paisiello in der originalen und einer von der Autorin variierten Fassung . . . . . . 185 Appendix VII: Emanuele Imbimbo: Observations sur l’enseignement mutuel (1821) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Appendix VIII: Ein Giovanni Paisiello zugeschriebenes Solfeggio, in der Originalfassung und mit veränderter Oberstimme . . . . . . . . . 209 Appendix IX: Giovanni Paisiello, Regole per bene accompagnare il Partimento, St. Petersburg 1782 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 Appendix X: Neu entdeckte Partimenti Giovanni Paisiellos . . . . . . . . 265
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Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287 Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 Handschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 Drucke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290 Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 Elektronische Ressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298 Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 299
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Vorwort und Dank Während meines Studiums an der Schola Cantorum Basiliensis kam ich erstmals in Kontakt mit den Partimenti Francesco Durantes. Meine Diplomarbeit über dessen Partimento-Quellen öffnete mir die Tür zu einer unbekannten Welt, zu der auch das faszinierende geschichtlich-kulturelle Umfeld der Stadt Neapel und der neapolitanischen Conservatori gehört. Diese Arbeit legte den Grundstein für weitere Forschungen. Dass die Wahl dabei auf Giovanni Paisiello fiel, ist zum einen der Verbindung Paisiellos mit Francesco Durante und zum anderen meiner Liebe zur galanten Musik geschuldet. Die Frage nach dem, was nicht in den Noten geschrieben steht, doch in der damaligen Zeit gang und gäbe war, hatte mich schon lange beschäftigt. Es ist mir eine große Freude und besondere Ehre, dass der vorliegende Band in der «Scripta»-Reihe der Schola Cantorum Basiliensis erscheinen kann, wofür ich Thomas Drescher und Martin Kirnbauer herzlich danke. Die Drucklegung wurde durch die Berta Hess-Cohn Stiftung, die Stiftung Basler Orchester- Gesellschaft und die Schweizerische Musikforschende Gesellschaft (Ortsgruppe Basel) generös unterstützt. Auf meinem Weg haben mich viele wunderbare Menschen begleitet, denen ich hier meinen Dank zum Ausdruck bringen möchte. Meine beiden maestri Robert O. Gjerdingen (Chicago) und Enrico Baiano (Neapel) haben mich großzügig an ihrem reichen Wissen teilhaben lassen und mir neue, inspirierende Impulse gegeben. Meine Orgellehrerin Ursula Philippi und meine beiden Lehrer Jean-Claude Zehnder und Andrea Marcon haben mich als Musikerin wachsen lassen und mich stets unterstützt und ermutigt. Mit Rudolf Lutz durfte ich an der Schola Cantorum Basiliensis die ersten Partimenti studieren. Ton Koopman und Frans de Ruiter waren hervorragende Promotoren meiner Forschungsarbeit im Rahmen von docARTES. Ein besonderer Dank geht an meinen Kollegen und guten Freund Peter van Tour (Gotland/Oslo), der mir freundlicherweise seine Partimento-Datenbank und seine Handschriften zur Verfügung gestellt hat. Der Gedankenaustausch mit ihm hat die Arbeit sehr bereichert. Giorgio Sanguinetti (Rom), Nicholas Baragwanath (Nottingham) und Ewald Demeyere (Brüssel) waren stets offen für meine Fragen. Christophe Rousset (Paris) und Maxim Serebrennikov (St. Petersburg) gewährten mir Zugang zu einigen besonderen Handschriften. Annemarie Kaufmann und Folker Froebe danke ich für ihren Einsatz und ihre Geduld beim Lektorat meines Textes. Martin Kirnbauer und Florian
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Vorwort und D ank
H. Besthorn haben meine Arbeit engagiert begleitet. Für das ansprechende Layout der Notenbeispiele zeichnet sich Florian H. Besthorn verantwortlich. Überaus wertvoll war die Unterstützung durch Rainer Lüönd, der die oftmals schwer lesbaren Notenbeispiele aus Handschriften in das Notationsprogramm übertragen hat. Besonders gedankt sei hier auch meinen Über setzerInnen Charlotte Kriesemer und Martina Papiro (Italienisch), Irène Minder-Jeanneret und Claudia Sialm (Französisch) sowie Claire Roberts und Noel Thomas Joseph (Englisch). Für die Redaktion der italienischen Zitate danke ich Mariantonia Reinhard-Felice. Der 2016 verliehene Preis der hibou-Stiftung ermöglichte eine CD-Einspielung sowohl der im praktischen Teil dieser Publikation vorgelegten PartimentoRealisierungen als auch weiterer Partimenti von Giovanni Paisiello, Francesco Durante und Giuseppe Dol sowie verschiedener Werke Paisiellos für Violine und Cembalo. Diese werden damit erstmals einem breiteren Publikum zu Gehör gebracht. Die CD Partimenti napoletani ist 2018 bei Sony (dhm) er schienen (weitere Informationen: www.partimenti.ch). Viele Freunde, insbesondere meine Schweizer ‹Eltern› Ruth und Erich Thommen, dazu Elisabeth Preiswerk, Lotti Kehrli, Anne und Günter (†) Merle (Berlin), Annemarie und Christian Kaufmann, Max E. Hauck, David Blunden und Francesco Capraro haben die Arbeit gedanklich begleitet, mich tatkräftig unterstützt und mir den Rücken freigehalten. Der größte Dank geht jedoch an meine Familie, meinen Mann Noel Thomas und unsere Kinder Valeria und Robert, für ihre Geduld und ihren Rückhalt. Die besondere Unterstützung meiner Eltern hat mich in all diesen Jahren getragen. Ihnen möchte ich von Herzen danken. Basel, im November 2018
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Abkürzungen und Bemerkungen Archive und Bibliotheken Österreich A-Wgm A-Wn
Wien, Bibliothek der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Musiksammlung
Belgien B-Bc B-Lc
Bruxelles, Bibliothèque du Conservatoire royal de musique Liège, Bibliothèque du Conservatoire royal de musique
Schweiz CH-Gc CH-N CH-Bu
Genf, Bibliothèque du Conservatoire de Musique Neuchâtel, Bibliothèque publique et universitaire Basel, Öffentliche Bibliothek der Universität Basel
Deutschland D-B
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung D-HVs Hannover, Stadtbibliothek, Musikabteilung D-MÜs Münster, Diözesanbibliothek, Santini-Sammlung D-Rtt Regensburg, Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek und Zentralarchiv England GB-Cfm GB-Lcm GB-Lbl
Cambridge, The Fitzwilliam Museum Reference Library London, Royal College of Music London, British Library
Frankreich F-Pn F-Prousset
Paris, Bibliothèque nationale de France Paris, Sammlung Rousset
Italien I-Bc Bologna, Museo internazionale e biblioteca della musica di Bologna I-Btagliavini Bologna, Biblioteca privata Luigi Ferdinando Tagliavini
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A bkürzungen und B emerkungen
I-Fc Florenz, Biblioteca del Conservatorio di Musica Luigi Cherubini I-GALc Gallipoli, Biblioteca Comunale di Gallipoli I-Gl Genua, Biblioteca del Conservatorio di Musica Niccolò Paganini I-LEpastore Lecce, Biblioteca privata Giuseppe A. Pastore I-MC Montecassino, Biblioteca Statale del Monumento Nazionale I-Mc Mailand, Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica Giuseppe Verdi I-MOe Modena, Biblioteca Estense Universitaria I-Nc Neapel, Biblioteca del Conservatorio di Musica San Pietro a Majella I-OS Ostiglia, Fondo musicale Giuseppe Greggiati I-PAc Parma, Biblioteca Palatina, Sezione Musicale I-PESc Pesaro, Biblioteca del Conservatorio Statale di Musica Gioachino Rossini I-Ria Rom, Biblioteca dell’Istituto di Archeologia e Storia dell’Arte I-Rsc Rom, Biblioteca Musicale Governativa del Conservatorio Santa Cecilia I-Vc Venedig, Biblioteca del Conservatorio di Musica Benedetto Marcello Malta M-Vnl
Valletta, National Library of Malta
Russland RUS-SPk St. Petersburg, State Conservatory, Research Music Library RUS-Mcm Moskau, The Glinka National Museum Consortium of Musical Culture Vereinigte Staaten US-Eu Evanston, Northwestern University Library US-Cn Chicago, The Newberry Library Weitere Abkürzungen Gj Gjerdingen / nach Robert O. Gjerdingen T. Takt / Takte Zz. Zählzeit / Zählzeiten
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A bkürzungen und B emerkungen
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Vorbemerkungen Begriffe wie Partimenti diminuiti und Solfeggi diminuiti werden im Unterschied zu den übergeordneten Begriffen wie Partimenti, Solfeggi, Disposizioni und Intavolature kursiv geschrieben. Die Titel der nur handschriftlich überlieferten Quellen stehen in Anführungszeichen, diejenigen der gedruckten Quellen sind kursiviert. Die Titel der Opern Paisiellos variieren in den einzelnen Quellen erheblich. Verwendet wurden durchwegs die Titel aus dem Werkverzeichnis von Michael Robinson, Giovanni Paisiello, A Thematic Catalogue of His Works (1991). Titel von Opern, Motetten und Arien erscheinen kursiv. Übersetzungen Zitate erscheinen im Fließtext in der Originalsprache, in den Fußnoten übersetzt. Notenbeispiele Bei der Übertragung der Notenbeispiele wurden die alten Schlüssel durch moderne Schlüssel ersetzt. Geänderte oder ergänzte Vorzeichen sind geklammert. Geänderte Tonhöhen sind in reduzierter Größe notiert. Ergänzte Bögen sind mit durchgestrichener Linie notiert. Im Interesse besserer Lesbarkeit wird jeweils die männliche Form verwendet (zum Beispiel Sänger, Instrumentalisten usw.); diese schließt immer auch die weibliche Form mit ein.
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Zusammenfassung Über das Leben und das kompositorische Werk von Giovanni Paisiello (1740– 1816) ist einiges bekannt; sein pädagogisches Œuvre und seine Unterrichts tätigkeit hingegen sind bislang nur teilweise erforscht. Die vorliegende Untersuchung von Paisiellos pädagogischem Wirken stützt sich hauptsächlich auf zwei Quellen: die 1782 in St. Petersburg gedruckten Regole und deren auto graphe Handschrift sowie einundvierzig neu entdeckte Partimenti, die als zweiund dreistimmige Disposizioni überliefert sind und hier erstmals publiziert werden. Letztere zeigen, welch zentrale Rolle den Partimenti auch im Unterricht von Kontrapunkt und Komposition zukam. Damit kommen pädagogische und künstlerische Aspekte der Partimenti in den Blick, die bislang noch nicht umfassend aufgearbeitet worden sind. Gleichzeitig wird erstmals der genrespezifische Kontext beleuchtet, in dem Paisiellos Partimenti zu sehen sind. Der Vergleich mit verschiedenen Kompositionen von Paisiello sowie Werken von dessen Lehrer Francesco Durante und anderen Zeitgenossen eröffnet neue Ansätze zur Ausführung der Partimenti. Dabei werden auch größere symphonische Formen als Vorbilder herangezogen. Es zeigt sich, dass die Beschäftigung mit Partimenti einen wesentlichen Beitrag dazu leisten kann, die historische Musiksprache und die Kunst der Variation und Improvisation zu neuem Leben zu erwecken. Das erste Kapitel schildert die Ausgangslage und den Kontext, in dem die Regole von 1782 entstanden sind. Eine Skizze von Paisiellos Leben lenkt den Blick auf zwei Faktoren, die sein pädagogisches Wirken maßgeblich prägten: zum einen auf die Lehrtradition am Conservatorio di Sant’Onofrio in Neapel, wo Paisiello seine Ausbildung genoss, zum anderen auf das höfische Umfeld in St. Petersburg, wo er als maestro di cappella wirkte. Angesichts der sehr bruchstückhaften Quellenlage zu Paisiellos Unterricht im höfischen und privaten Rahmen erfährt vor allem dessen Beziehung zur Familie Talleyrand Beachtung, die nicht nur durch Briefe und anekdotische Momentaufnahmen, sondern auch durch einen Vermerk in einer der neu entdeckten Handschriften belegt ist. Der Versuch, die Begriffe ‹Partimento›, ‹Solfeggio› und ‹Disposizione› im Hinblick auf ihren historischen Kontext und ihre pädagogische Funktion zu definieren, offenbart Überlappungen und Berührungspunkte. Ein Forschungsbericht beschließt das Kapitel. Im zweiten Kapitel werden die Quellen der pädagogischen Werke Paisiellos einschließlich der neu entdeckten Manuskripte untersucht. Es lässt sich zeigen, dass eine der beiden unter Paisiellos Namen überlieferten Partimento-
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Handschriften nicht von ihm stammen kann. Entsprechendes gilt auch für die meisten der nur in einer einzigen Handschrift überlieferten Solfeggi. Das dritte Kapitel beleuchtet den Unterricht an den Konservatorien in Neapel, vor allem am Conservatorio di Sant’Onofrio, wo Paisiello studiert hat. Seitenblicke auf Francesco Azopardis «Il Musico Prattico» und Emanuele Imbimbos Observations helfen, Paisiellos Umfeld in Sant’Onofrio besser zu ver stehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem pädagogischen Werk Francesco Durantes, eines der einflussreichsten Lehrer des Conservatorio di Sant’Onofrio, der in seinem letzten Lebensjahr auch Paisiello unterrichtete. Unter anderem wird gezeigt, dass der Aufbau von Paisiellos Regole von 1782 weitreichende Parallelen zu dem eines Partimento-Kompendiums von Durante aufweist. Schließlich werden Durantes Partimenti diminuiti, die einzelne Abschnitte ausgewählter Partimenti beispielhaft variieren, als Muster für mögliche Ausführungen der Partimenti Paisiellos diskutiert. Das vierte Kapitel setzt sich mit dem Aufbau der Regole auseinander, insbesondere mit dem einleitenden Teil, der die eigentlichen Regeln enthält. Der enge Bezug zur Schule Durantes spricht dafür, dass Paisiello dessen Partimenti diminuiti in seinem Unterricht als Vorbilder für mögliche Ausführungen herangezogen hat. Im zweiten Teil werden Korrelationen zwischen Paisiellos Partimenti und den Kompositionen Paisiellos und anderer Komponisten seiner Zeit herausgearbeitet. Offenkundig lassen sich viele Partimenti hinsichtlich Idiomatik und Anlage bestimmten Gattungen wie Concerto, Aria, Pastorella oder Fuge zuordnen. Dies stützt die Annahme, dass Par timenti auch als Grundlage für ausgearbeitete Kompositionen verwendet wurden. Im fünften Kapitel werden historische Ausarbeitungen von Partimenti betrachtet, die als Vorbilder für die Ausführung von Paisiellos Partimenti dienen können. Neben den schon erwähnten Partimenti diminuiti Francesco Durantes ist eine im Vessella Manuscript entdeckte, historisch ausgesetzte PartimentoFuge von zentraler Bedeutung. Das kürzlich entdeckte Gallipoli Manuscript mit 46 ausgesetzten Partimenti von Durante erweist sich als die bis dato umfangreichste Sammlung ausgesetzter Partimenti, für die sich ein direkter Bezug zu Durantes Unterricht rekonstruieren lässt. Des Weiteren werden die Paisiello zugeschriebenen Solfeggi, die zwei- und dreistimmigen Disposizioni auf Partimenti von Paisiello sowie die Intavolature von Greco und Fenaroli näher besprochen. Das sechste Kapitel demonstriert und diskutiert unterschiedliche Lösungs ansätze für die Ausführung der Partimenti. Dabei wird einem Grundprinzip der Unterrichtsmethodik am Conservatorio di Sant’Onofrio gefolgt, dem
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ariieren und Verändern auf Grundlage einer gleichbleibenden harmonischen V Struktur. Als historische Vorbilder dienen überlieferte Partimenti diminuiti, Disposizioni und Solfeggi. An einem Präludium und einem Rondo aus Paisiellos «Raccolta» von 1783 werden verschiedene Techniken der Veränderung und Ausarbeitung exemplarisch vorgeführt, darunter Imitationen zwischen Bass und Oberstimmen, wie Paisiello sie in seinen Partimenti explizit verlangt, sowie die I nversion eines Themas oder einer Figur. Dabei wird deutlich, wie sich aus einem vergleichsweise einfach konzipierten Werk ein interessantes und abwechslungsreiches Musikstück entwickeln lässt. Die praktische Auseinandersetzung mit Partimenti unterstützt die Aneignung der historischen Musiksprache und der ihr zugrunde liegenden Modelle und Schemata sowie die Ausbildung verschiedener Fähigkeiten: harmonischkontrapunktisches Denken, Variieren, Verzieren und Improvisieren. Darüber hinaus stellen Partimenti ein effizientes und inspirierendes Werkzeug dar, um sich einer lebendigen und phantasievollen Aufführungspraxis der oftmals nur unvollständig notierten Musik des späten 18. Jahrhunderts anzunähern.
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Abstract Several aspects about the life and compositions of Giovanni Paisiello (1740– 1816) are well-known. However, up to now his pedagogical œuvre and his teaching activities have been only partially explored. The present examination of Paisiello’s pedagogical work is based primarily on two sources: the Regole, printed in 1782 in St. Petersburg, as well as the autograph manuscript, and forty-one newly discovered partimenti that have been preserved as two- and three-voice disposizioni, and are published here for the first time. The latter show the central role accorded to partimenti in the teaching of counterpoint and composition. With this, the pedagogical and artistic aspects of partimenti are highlighted, aspects that hitherto have not yet been fully assessed. Simultaneously, the genre-specific context in which Paisiello’s partimenti are to be seen will be illuminated for the first time. The comparison with various compositions by Paisiello, as well as with works by his teacher Francesco Durante and other contemporaries, opens up new concepts for the performance of partimenti. At the same time, larger symphonic forms will also be consulted as models. It will be shown that an engagement with partimenti can make a substantial contribution to once again revisit the historical musical language and the art of variation and improvisation. The first chapter describes the point of departure and the context in which the Regole of 1782 came into being. A sketch of Paisiello’s life focuses a ttention on two factors that decisively informed his pedagogical work: first, the teaching tradition at the Conservatorio di Sant’Onofrio in Naples, where Paisiello received his training; second, the courtly environment in St. Petersburg, where he was active as maestro di cappella. In view of the very sketchy source situation concerning Paisiello’s teaching in courtly and private settings, it is above all his relationship to the Talleyrand family that receives attention, which is not only documented by letters and anecdotal snapshots, but also by an annotation in one of the newly discovered manuscripts. The attempt to define the terms partimento, solfeggio and disposizione with regard to their historical context and their pedagogical function reveals overlaps and points of contact. A research report concludes the chapter. In the second chapter the sources of Paisiello’s pedagogical works, including the newly discovered manuscripts, are examined. It can be shown that one of the two partimento manuscripts preserved under Paisiello’s name cannot have come from him. The same is also true of most of the solfeggi that are preserved in only one manuscript.
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A bstract
The third chapter sheds light on the instruction at the conservatories in Naples, above all at the Conservatorio di Sant’Onofrio, where Paisiello studied. Glances at Francesco Azopardi’s «Il Musico Prattico» and Emanuele Imbimbo’s Observations help in understanding Paisiello’s surroundings in Sant’Onofrio. A further focus is on the pedagogical work of Francesco Durante, one of the most influential teachers of the Conservatorio di Sant’Onofrio, who during the last year of his life also taught Paisiello. Among other things, it will be shown that the structure of Paisiello’s Regole of 1782 displays extensive parallels to that of a partimento compendium by Durante. Finally, Durante’s Partimenti diminuiti, which vary individual sections of selected partimenti, will be discussed as models for possible realizations of Paisiello’s partimenti. The fourth chapter deals with the structure of the Regole, in particular with the introductory section, which contains the actual rules. The close relationship to Durante’s method would indicate that Paisiello used Durante’s Partimenti diminuiti in his teaching as examples for possible elaborations. In the second part, correlations between Paisiello’s partimenti and his compositions and those of other composers of his time will be presented in detail. In terms of idio mology and structure, many partimenti can be associated with certain genres such as concerto, aria, pastorella, or fugue. This supports the assumption that partimenti were also employed as the basis of elaborated compositions. In the fifth chapter, historical elaborations of partimenti that possibly served as models for the realization of Paisiello’s partimenti will be considered. In addition to Francesco Durante’s above-mentioned Partimenti diminuiti, a historic elaborated partimento fugue discovered in the Vessella Manuscript is of central importance. The recently found Gallipoli Manuscript with forty-six elaborated partimenti by Durante would appear to be the hitherto most extensive collection of realized partimenti for which a direct connection to Durante’s teaching can be reconstructed. Moreover, the solfeggi attributed to Paisiello, his two- and three-voice disposizioni, and the intavolature by Greco and Fenaroli will be described in detail. The sixth chapter demonstrates and discusses different approaches for the execution of partimenti. In doing so, a fundamental principle of the educational method at the Conservatorio di Sant’Onofrio will be followed: variation and a lteration based on an unchanging harmonic structure. Preserved partimenti, diminuiti, disposizioni, and solfeggi will serve as historic models. Various techniques of variation and elaboration, including imitation between bass and upper voice, as Paisiello expressly demanded in his partimenti, and the inversion of a theme or a figure, will be demonstrated on the example of a prelude and a rondo from Paisiello’s «Raccolta» of 1783. In this way, it will become clear how
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17.12.18 16:30